— Bezugspreis: aß Bestellgehühr seur Erscheint wöchentlich sechomal.— Areis monatlich.“5 uend .50 Vesteugeduhr, beim eigenen Postamt bestent.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. mit den Beilagen„Für Herz und dergabe“ und„Auser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter B aje tausend 15 Mi. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 235. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 8. Oktober 1931. 13. Ehret Lykurg, denn er ächtete das Gold, die Ursache aller Verbrechen! Pythagoras Die Währungskrisis in englischer Beleuchtung. Norman Angell hat den Ruf, über Finanzfragen besonders klar und volkstümlich zu schreiben. Darum hat ihn das Blatt„Time and Tide“ aufgefordert, in seinen Spalten seine Landsleute, welche im Grunde ganz ebenso unklar bezüglich der Währungsfrage sind wie wir, darüber aufzuklären. Diese Aufklärung ist auch für uns interessant. Denn wenn wir einmal deutlich verstanden haben, was das Abgehen von der Goldwährung für England bedeutet, so werden wir dadurch auch eine bessere Einsicht in die ganze verwickelte Frage für uns selber bekommen. Es heißt bei N. A. folgendermaßen: „Das Ereignis, welches unser Land mit ungeheuren und kostspieligen Anstrengungen zu verhindern suchte, die Möglichkeit, von welcher wir nur leise zu sprechen wagten, ist eingetreten; und das Land oder wenigstens ein großer Teil desselben freut sich darüber. Und viele Zeitungen sprechen von einer neuen und glücklichen Epoche. Befreiung von drückenden Lasten und dergleichen. Wie können wir das Ausmaß der früheren Anstrengungen vereinigen mit der Freude darüber, daß sie mißglückt sind? Wenn der Zusammenbruch der Goldwährung nicht in der Tat eine Katastrophe bedeutet, warum kämpften wir überhaupt so verzweifelt, um dieser Katastrophe vorzubeugen? Und was wird jetzt folgen? Wir stehrn schweren Gefahren gegenüber und ebenso großen Gelegenheiten. Um beides recht zu würdigen, müssen wir erst deutlich verstehen, warum der Goldmaßstab für uns unmöglich wurde.“ Norman Angell überschreibt den nächsten Abschnitt: „Das internationale Geld.“ Gold war das internationale Geld, die internationale Rechnungseinheit. Die moderne Welt kann nicht ohne ein internationales Geld auskommen. Groß=Britannien z. B. muß auswärtige Güter und Rohmaterial kaufen, um überhaupt leben zu können. Der Ausländer, der diese Dinge liefert, muß den Wert des Geldes kennen, welches er zu empfangen hat. Und zwar muß er dies wissen bis auf eine beträchtliche Spanne der Zukunft hin. Soll er etwa ein Geschäft einleiten unter der Voraussetzung eines bestimmten Wertes des Pfundes, nachher aber, wenn das Geschäft zustande gekommen ist, sich mit einem anderen geringeren Pfundwert begnügen? So wie Frankreich eine Zeitlang von uns Franken im Werte von 10 Penny pro Frank borgte und sie zurückbezahlte im Wert von 2 Penny pro Frank. Wo der Wert eines nationalen Geldes nach dem Willen einer schwerbedrückten Regierung zum Sinken gebracht werden kann durch den einfachen Prozeß, daß man mehr Geld fabriziert, da wird für alle internationalen Geldgeschäfte eine unwiderstehliche Tendenz sein, daß man sie in Ausdrücken eines Wertes herstellt, der nicht so zum Sinken gebracht werden kann. Aus dieser Sachlage erklärt sich die Herrschaft des Goldes. Aber wenn nun Gold auch immun vor der Gefahr des Sinkens im Wert durch Fabrikation ist, so ist es nicht immun vor einer anderen Gefahr, die doch ebenso groß ist, nämlich der Wertsteigerung durch seine Seltenheit, die vielleicht von schlechter Verteilung herstammt. Die Welt hat in diesen letzten 10 Jahren erstaunliche Beispiele der Wirkung sowohl der Inflation wie der Deflation gesehen. Wir sahen, daß in Deutschland alle wirtschaftliche Sicherheit verschwand und die ganze gesellschaftliche Ordnung zu Bruch ging durch zuviel Geld, das eine phantastische Erhöhung der Preise verursachte. Aber wir haben ebenso gesehen, daß die ganze kapitalistische Ordnung beinahe zerbrochen wurde durch einen Fall der Preise, der zum großen Teil davon herstammte, daß zu wenig Geld da war; daß man also Gold nicht zur Hand hatte. Warum war Gold in dieser Krisis nicht zu haben? Der Krieg hatte uns schwer in Schulden, Abhängigkeit von Amerika gebracht. Schulden können nur bezahlt werden durch Güter oder durch Uebernahme von weiteren Schulden oder durch Gold. Wollten wir nun durch Güter(Export) bezahlen, so würde jedes Anschwellen unseres Exports durch Anschwellen der Zölle auf Seiten Amerikas aufgehoben. Amerikanische Anlagen im Ausland aber(das ist also die Annahme von weiteren Schulden durch den Schuldner) waren unzureichend, die Bilanzen, welche man Amerika schuldete, auszugleichen. Diese Bilanzen konnten nur in Gold bezahlt werden. Und durch seine Zollpolitik fuhr Amerika fort Deutschland und Kurz bevor England die Goldwährung verließ, hielt der Reichsbankpräsident Dr. Luther es für nötig, das Verbleiben Deutschlands bei der Goldwährung zu rechtfertigen. Die Goldwährung, so sagte er, ist nicht dem Strick vergleichbar, der der Wirtschaft um den Hals gelegt ist, um ihr bei Gelegenheit die Luft abzuschneiden. Deutschland ist stark genug, bei der Goldwährung bleiben zu können. In diese erhebenden Töne klangen die Nachrichten aus England als eine sehr wenig schöne Begleitmusik hinein. England verfügt wirklich über eine starke Reserve an wirtschaftlicher Kraft, und dennoch glaubte die Regierung es vor dem Lande nicht länger verantworten zu können, die goldene Fessel noch länger zu tragen. Die Frage liegt nahe, warum wir nicht dasselbe getan haben, was jetzt von anderen Staaten geschieht. Unsere Lage war am 13. Juli d. J. unhaltbar geworden. Das ist uns so oft gesagt worden, daß wir von der Richtigkeit des Behaupteten völlig überzeugt sind; aber mit dieser allgemeinen Fassung beginnt schon die Unklarheit. Wessen Lage war unhaltbar geworden? Auf diese Frage kann nur geantwortet werden:„die der Goldwährung". Wenn damals nichts zu ihrer Rettung bei uns geschah, dann war vorauszusehen, wie lange die Reichsbank noch über deckungsfähige Rücklagen verfügte und wann der Zeitpunkt eintreten würde, an dem Deutschland, durch die Verhältnisse gezwungen, veranlaßt war, eine Währung ohne Gold= und Devisendeckung zu errichten. Ob bei der Katastrophenstimmung jener Tage ein Uebergang zur Inderwährung, wie er sich in diesen Tagen in aller Ruhe in England vollzieht, bei uns möglich gewesen wäre, wage ich nicht zu bejahen. Unsere Regierung entschied sich in jenen Tagen dafür, von den Ländern die Hilfe anzunehmen, die uns in die unhaltbare Lage hineingebracht hatten. Vielleicht konnte sie nicht anders handeln, und darum ist es nur zu verständlich, daß sie sich heute schon allein moralisch für verpflichtet hält, bei der Goldwährung zu bleiben. Inzwischen ist die weltwirtschaftliche und weltpolitische Lage durch den Schritt Englands gänzlich verändert worden. Die Front des Krieges hat sich verschoben. England rechnet darauf, drei Viertel der Welt auf seine Seite zu ziehen. Laval aber reist nach Amerika, um sich klar zu werden, wie der Angriff auf England weitergeführt werden soll, nachdem der Kampf der goldenen Kugeln gegen die neuartigen papiernen Waffen versagt hat. Daß man versuchen wird, die Schwierigkeiten zu verstärken, die England in seinem Weltreich hat, darf nicht bezweifelt werden. In diesem Waffengang ist die Stellungnahme Deutschlands fast von ausschlaggebender Bedeutung. Zum ersten Mal seit der Beendigung des Krieges ist das Gesetz des Handelns in Deutschlands Hände gegeben. Es fragt sich, ob die günstige Gelegenheit, die vielleicht so bald nicht wiederkehrt, auch ausgenützt wird. Zum mindesten sollte von uns jetzt die Forderung der Befreiung von weiteren„Reparationen“ gefordert werden. Was wir in Frankreich zerstört haben, ist längst von uns bezahlt. Die Bestimmungen des Youngplans widersprechen dem Versailler Vertrag, der nur Reparationen verlangt. Ob wir aber imstande sein werden, trotz tatsächlicher Streichung unserer politischen Schuld, die Goldfessel weiter zu ertragen? Ich glaube es nicht. Unsere Regierung wird ihre Stellungnahme wesentlich von politischen Erzu sagen: Bitte, bezahlt in Gold und nicht in Gütern! So nahm der Zufluß des Goldes nach Amerika zu, bis dieses Land ungefähr die Hälfte des ganzen Goldes der Welt besaß. Frankreich hatte einen großen Teil des Restes. In kurzer Zeit würde der Gläubiger all das Gold des Schuldners aufgezehrt haben mit gewaltigen Schulden (nicht nur in Gestalt von Regierungsschulden, sondern auch von amerikanischen Anleihen und Anlagen), die noch dazu kämen. Was sollte eigentlich dann geschehen, wenn die Schuldner unfähig geworden wären, noch einen Penny mehr zu bezahlen, oder in Amerika Güter zu kaufen, weil ja die einzigen Mittel zur Bezahlung ihnen genommen waren? Hiermit ist der Prozeß, der in erster Linie das wirtschaftliche Leben der Welt gänzlich mißgestaltet hat, dadurch, daß die Preise wegen der Seltenheit des Goldes heruntergingen, gekennzeichnet. Schließlich mußte die Goldwährung überhaupt zusammenbrechen. Das Fallen der Preise vermehrte natürlich die wirklichen Schuldenwägungen aus bestimmt haben. Wenn die Einsicht in die weltwirtschaftlichen Gegebenheiten ausschlaggebend gewesen wäre, dann dürfte unsere Stellung an der Seite Englands gewesen sein. Wenn nämlich England das Pfund 25 Prozent absinken läßt und zu 75 Prozent der alten Kaufkraft stabilisiert, dann werden wir zweifellos in die Gefahr kommen, völlig vom Weltmarkt abgeschnürt zu, werden. Der Konjunkturumschwung ist in England rascher und energischer eingesprungen, als die Regierung erwartet hat. Der englische Draht meldet darüber aus London:„Der Kursverlust des Pfundes macht sich bereits jetzt in verschiedenen englischen Industrien sehr stark bemerkbar. Die Wollindustrie, die Kurzarbeit eingeführt hatte, hat bereits in dieser Woche mit voller Belegschaft arbeiten können. Andere treffen für die nächste Woche dazu Vorbereitungen, da es sich für die Spinnereien nicht mehr lohnt, Deutsche und französische Garne einzuführen. die jetzt einsetzende Hausse könne, wie betont wird, nur mit dem Jahre 1920 verglichen werden. Die Eisen= und Stahlindustrie sowie die Seidenindustrie melden einlaufende Anfragen aus aller Welt sowie beträchtliche Kaufaufträge. Der Wechsel in der Konjunktur der Seidenindustrie ist hier so plötzlich eingetreten, daß mehrere Unternehmungen ihre Angestellten telegraphisch zurückgerufen haben... Wir sollen nicht glauben, daß England sich gern vom Goldstandard gelöst hat. Ist es nicht das Land, das die meiste Goldproduktion in der Welt hat, wodurch ihm immer wieder in der Vergangenheit ein Vorsprung vor den andern Staaten gegeben wurde. Es würde heute lieber als morgen zur Goldwährung zurückkehren, aber die Lage ließ ihm keine andere Wahl. Es hatte zu wählen zwischen wirtschaftlichem Zusammenbruch oder einer Erschütterung seiner Goldwährung. Die Entscheidung konnte für ein wirtschaftspolitisch so geschultes Volk, wie es die Engländer sind, nicht einen Augenblick zweifelhaft sein, weil mit der Wirtschaftszerstörung auch Englands Weltgeltung gebrochen sein würde. Mögen die andern Länder vorübergehend an eine Erschütterung der englischen Währung glauben, das ist das kleinere Uebel. Von tüchtigen Volkswirten beraten, geht es diesen Weg in voller Ruhe, und schon in diesen Tagen hat sich die Lage verändert. Frankreich und Amerika kommen zu England und bitten, es möge von seinem Experiment ablassen. Wie sehr die ganze Operation von seiten Englands als ein Krieg angesehen wird, geht z. B. aus den Worten seines wissenschaftlichen Beraters, des Professors Keynes hervor. Er sagt:„Die neue englische Finanzpolitik ist ein Vorstoß gegen die Exportkraft Amerikas und Frankreichs".— Er würde Deutschland mitnennen, wenn er nicht annehmen würde, daß wir bald dem Beispiel Englands folgen würden. Es ergeben sich aus dieser Lage zwei Möglichkeiten: Entweder muß England versuchen, etwa drei Viertel der ganzen Welt einschließlich des britischen Weltreiches dazu zu veranlassen, ein neues Währungssystem zu entwickeln, das, an den Preisen der Rohmaterialien gerechnet, stabil ist, oder man muß fragen, ob die Länder mit Goldwährung ein Interesse daran haben, die Bedingungen kennen zu lernen, unter denen England bereit ist, sich einem völlig neu zu gestaltenden Goldstandardsystem wieder anzuschließen. Aus diesen Worten spricht keine allzu große Bereitschaft zur Versöhnlichkeit, allerdings auch keine besondere Liebe zur Indexwährung. V. K. lasten. Der Farmer, der ursprünglich eine bestimmte Geldsumme, um seine Hypothekenzinsen zu bezahlen, dadurch erhielt, daß er 50 Sack Korn verkaufte, mußte erleben, daß dieselbe Schuld jetzt 100 oder 150 Sack erfordert. Die Beziehung des Gläubigers zum Schuldner in der Welt war aus dem Gleichgewicht herausgehoben. Das bedeutet, daß jeder internationale Maßstab, der uns nicht wieder in das Chaos hineinwerfen soll, erstens relativ' fest in seinem Wert sein muß, und zweitens nicht einer schlechten Verteilung von der Art unterworfen sein darf, wie das Gold es geworden ist, einmal durch die Schutzzölle, weiter durch die großen Nichthandelsschulden und Reparationen, und schließlich durch die politische Unordnung, welche ausländische Anleihen im Lande verhindert. Wie die Politik unseres Gläubigers uns geholfen hat. Die Tatsache, daß wir vom Gold befreit sind, hat augenblicklich den„entrepreneur“ von der drückenden Zusatzschuldenlast befreit, welche das fallende Preisni veau ihm auferlegt hatte, und welche die Industrie der Bewegungskraft beraubte, die unter der Herrschaft des Kapitalismus allein die Industrie im Gange hält, nämlich die Erwartung von Profit. Die Politik, welche durch die beiden großen Gläubigernationen befolgt worden ist, hat für den Schuldner getan, was er ohne starke Einbuße alles Vertrauens(without groß discredit) nicht für sich selbst hätte tun können. Wenn er mit Absicht den Wert seiner Schulden zum Sinken gebracht hätte, etwa dadurch, daß er sagte, vom Montag ab bezahlen wir unsere Schulden nur in einem 15 Schilling=Pfund, dann würde das wie ein Ausweichen vor der Schuld ausgesehen haben. Auch würde ein Diktator notwendig gewesen sein, um dies mit der erforderlichen Raschheit durchzuführen. Dadurch, daß wir den Goldmaßstab verlassen haben, ist diesen Schwierigkeiten vorgebeugt worden. Aber die größere Schwierigkeit beginnt erst jetzt. Unser Rückzug vom Gold muß gewisse andere Länder des Goldmaßstabes zwingen oder fähig machen, sich in gleicher Weise vom Gold zurückzuziehen und die Lage, die so geschaffen ist, erfordert eine außerordentlich geschickte Führung. Und dennoch, in vieler Hinsicht versetzt uns diese Lage in eine viel stärkere Position, als wir sie bei dem Goldmaßstab hatten. So lange das Gold galt, waren wir genötigt, gleichsam mit dem Hut in der Hand zu den Hauptbesitzern des Goldes zu gehen und unsere Geldpolitik der ihrigen anzupassen. Das ist jetzt nicht mehr länger so. Die Vorteile, soweit sie mit der alten Lage verbunden waren, sind gleichsam abgeschrieben und wir brauchen nun nicht länger mehr darauf Rücksicht zu nehmen. Wegen unserer Stellung als Bankier für einen großen Teil der finanziellen Welt wird nun„Sterling“ der Wertmaßstab für einen großen Teil der Nichtgoldnationen sein. Diese Nationen sind selbst Schuldner von Amerika und Frankreich, welche natürlich auch nicht länger gleichgültig gegenüber dem finanziellen Lauf der Nicht=Gold=Welt bleiben können, für die jetzt Sterling der neue Maßstab wird. Unsere Lage ist nicht nur unabhängig im Hinblick auf Frankreich und Amerika, sondern in vieler Hinsicht sogar viel mächtiger als zur Zeit der Goldwährung. Aber was nun schließlich aus der neuen Lage herauskommt, das wird hauptsächlich davon abhängen, wie wir uns zu der Zollpolitik verhalten. Der automatische Zolltarif. Das Sinken des Pfundes um 20 Prozent bringt auch automatisch einen Zolltarif in gleicher Höhe zustande. Noch vor 3 Wochen waren die Franzosen entsetzt über die Idee, daß wir auf ihre Güter einen Zoll, und seien es auch nur 10 Prozent, legen könnten. Aber wenn man noch vor kurzem 100 Franken Wert habende französische Güter etwa für 17 Schilling kaufen konnte, so kosten dieselben jetzt beinahe 20 Schilling. Das ist ein viel höherer Zoll, als irgendeine verantwortliche Partei gewagt hätte, dem Parlament vorzulegen. Immerhin genügt dieser indirekte Zoll vielleicht noch nicht den Forderungen der Schutzzöllner, und diese Forderungen werden vielleicht noch verstärkt werden, wenn andere Währungen nun im Sterlingmaßstab sinken und der ganze Prozeß, der eben beschrieben ist, in der anderen Richtung wirkt. Aber wenn jetzt Großbritannien noch sein Gewicht mit hinzufügt zu den schutzzöllnerischen Tendenzen Europas, und wenn es seine Zollpolitik als seine eigene Sache behandelt, um die sich niemand zu kümmern hat, dann können wir der Hoffnung auf die Festsetzung eines sicheren internationalen Geldes in der Zukunft Lebewohl sagen. Der Goldmaßstab wurde im letzten Grunde unmöglich durch die Schutzzollwirtschaft, nämlich durch die Tendenz, eine günstige Handelsbilanz, die in Geld(früher in Gold) festgesetzt werden kann, zu schaffen. Eine Bilanz, die zu groß wäre, um durch Anlagen des Gläubigers im Schuldnerlande wieder aufgehoben zu werden. Wenn diese Tendenz weiter geht, dann muß wieder dieselbe schlechte Verteilung entstehen, welche den alten Maßstab in der eben beschriebenen Weise vernichtet hat. S D. Kuhlo 75 Jahre alt. „In einigen Monaten hoffe ich, den dritten Band des Posaunenbuches herauszubringen", das war ein Ausspruch Pastor Kuhlos, den er im Jahre 1900 tat. Es hat aber noch fast 20 Jahre gedauert, bis daß die Herausgabe dieses dritten Bandes zur Tatsache wurde. Daran war sicher die Arbeitsüberlastung schuld, die durch die Leitung des Brüderhauses Nazareth auf ihm lag. Wer nahe Beziehungen zu Pastor Kuhlo hatte, wußte aber, wie er jede freie Minute dazu verwandte, für das neue Posaunenbuch die schönsten Sätze zu schaffen. Man sah ihn Noten schreibend bei allen möglichen Gelegenheiten. Und doch wollte es ihm nicht leicht gelingen, den Schatz an Volksliedern, auf den die Posaunenchöre so sehr warteten, druckfertig zu machen. Als er aber einige Jahre nach dem Kriege sein Amt als Brüderhausvorsteher niederlegte, wurde seine Arbeitskraft frei. Der dritte Band war freilich fertig, es warteten aber im Dienst der Musika Sakra noch große Aufgaben auf ihn. Wenn in der unruhigen Nachkriegszeit so manche frühere Arbeit christlicher Kultur ins Hintertreffen kam, so war das bei der Sache der christlichen Posaunenchöre anders. Sie blühte geradezu auf und wer etwas unterrichtet ist über diese Dinge, weiß, daß es heute hin und her im Deutschen Reiche gut geschulte Chöre gibt, von denen man früher nichts wußte. Und vielfach sind auch die alten Chöre viel leistungsfähiger als früher. Das ist in erster Linie dem Posaunengeneral Pastor D. Kuhlo zu verdanken, der heute, am 8. Oktober, 75 Jahre alt wird. Mit jugendlicher Frische griff er die Sache an. Unermüdlich zog er von Ort zu Ort, um die Posaunenfeste zu leiten und die Dirigenten der Chöre in Kursen zu sammeln und zu schulen für ihren Dienst. Die Beziehung zwischen Geld und Zöllen. Damit ist nicht gesagt, daß nun ein Land keine Zölle mehr haben dürfe, sondern nur dies, daß die Zölle eine Sache internationaler Verhandlungen sein müßten. Jede internationale Konferenz, die mit Geld zu tun hat, muß sich auch mit den Zöllen beschäftigen. Diese Beziehung des Zollproblems zu dem eines internationalen Geldes wird in der Regel völlig außer Acht gelassen. So lange wir uns auf den Boden stellen, daß jedes Land seine eigenen Zölle aufstellen kann in völliger Mißachtung des Austauschproblems der anderen Länder, mit welchen es in Handelsberührung ist, so lange wird das Geldproblem unlösbar bleiben.“ Wir nehmen aus diesem Artikel zunächst nur die Tatsache heraus, daß gegenwärtig zwei internationale Währungen bestehen, die Goldwährung und die„Sterlingwährung". Dauernd kann dieser Zustand nicht bleiben. Wer wird siegen? Hinter jeder von beiden Währungen: Finanzmächte und politische Mächte gewaltiger Art! Daß England unterliegt, ist gewiß nicht in unserem Interesse, aber ebenso sicher ist, daß wir— wenigstens gegenwärtig— nichts zu seinem Siege beitragen können. —m. Die Saarfrage nach der Berliner Vistte. Der einstige Offenburger Gymnasiast und Berliner Student Francois=Poncet hat bei der Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens dem deutschen Reichspräsidenten den Wunsch Frankreich nach„größtmöglicher Stabilität und Sicherheit der gegenseitigen Beziehungen“ mit dem deutschen Nachbarland versichert, und beim Presseempfang hat der neue französische Botschafter der Beschleunigung der„immer enger geknüpften Solidarität der Nationen“ durch den Berliner Besuch der französischen Staatsmänner schöne Worte gewidmet. Kein Zweisel, daß eine deutsch=französische„Verständigung“ die unbedingte Voraussetzung eines künftigen Weltfriedens darstellt, gleich wie die„elsaß=lothringische Frage“ vor dem Kriege den Erisapfel gebildet hat. Ebenso selbstverständlich ist, daß(wie der Laytonbericht schon betonte) eine politische Verständigung allen internationalen Finanztransaktionen vorangehen muß. Die Aufhebung der Goldeinlösungspflicht des Pfund Sterling in diesen Tagen war das Flammenzeichen der in Blüte wie Gefährdung unlöslich verbundenen Weltwirtschaft. Deutschlands, infolge Krieg, Inflation, Versailler Tribute und Fehlleitung geborgten Auslandskapitals ruinierten Wirtschaftskräfte können, aus eigener Kraft viel zu schwach, in absehbarer Zeit nur mit ausländischer Kredithilfe das Wirtschaftsleben— die Grundlage des Staatswesens— aufrecht erhalten. Als finanzieller Nothelfer für Deutschland kommt zurzeit praktisch nur Frankreich in Frage; deshalb sprechen alle nüchternen Erwägungen für die Herstellung der politischen„Vertrauensbasis.“ Ob diese Wirkung vom französischen Ministerbesuch zu erwarten ist, begegnet allerdings den berechtigtsten Zweifeln. Es war keine Feststimmung, die Laval und Briand in der Reichshauptstadt begrüßte. Der Mehrzahl der Deutschen sind die französischen Minister unwillkommene Gäste. Es ist im deutschen Volke unvergessen, daß die Einladung der beiden Minister just im Augenblick der schlimmsten politischen Niederlage Deutschlands seit der Unterzeichnung der Friedensdiktate erfolgte, im unmittelbaren Anschluß an die peinliche Abwürgung der deutsch=österreichischen Zollunion, wenn nicht des Anschlußgedankens selbst. Im nationalen Deutschland herrschte deshalb die Empfindung, als ob die Einladung nach Berlin die Unterwerfung besiegelte. Denkt Frankreich, das in jeder lebenswichtigen Frage unser Gegenspieler war, an grundsätzliche Abkehr von der Gewaltpolitik, um Deutschland als gleichberechtigte Macht zu behandeln? Fürchtet Frankreich das Uebergreifen des europäischen Chaos, auf dessen bewußter Begünstigung seine kontinentale Vorherrschaft der Nachkriegszeit beruhte? Am 75. Geburtstage muß man dieser Arbeit besonders gedenken, da sie den Zeitabschnitt vom 70. bis zum 75. Lebensjahre ganz ausschließlich ausgefüllt hat. Es gibt wohl keinen Erdteil, wo man gar nichts weiß von dem Manne, der die Posaunenmusik zu einem Werkzeug der Volksmission machte. In der inneren und in der äußeren Mission findet sie ihre Aufgabe und wird zum Bekenner christlicher Glaubenskraft und zum Tröster und Freudenbringer in den mannigfachsten Lebenslagen. In aller Welt wird man heute des Geburtstagskindes gedenken und mancher Gruß aus dem großen Kreis derer, die ihn lieben und verehren, wird den silberweißen, aber immer noch wetterfesten Ravensberger Pastor heute erreichen. Möge ihm Gottes Güte die geistige und körperliche Frische, deren er sich noch immer erfreut, noch lange erhalten, damit sein fröhlicher Dienst noch vielen Menschen zum Segen werde. Ein vielumstrittenes Buch. Ein vielumstrittenes Buch ist die von Dr. Fr. Bodinus verfaßte Schrift:„Am Sterbelager der evangelischen Landeskirche.“ Ein nächtliches Zwiegespräch zwischen Arzt und Religionslehrer. Verlag Herm. Mattenklodt, Bielefeld 870. 200 Seiten. Preis 8,60 RM. Was den verschiedenen, bisher erschienenen Rezensionen gemeinsam ist, so entgegengesetzt sie auch sein mögen, das ist die Bemerkung, daß man an diesem Buche nicht vorübergehen könne. Und in der Tat stimmen wir dem Bekenntnis eines sehr ernst zu nehmenden Rezensenten bei: Ja, ich muß gestehen, daß mich seit Jahren kein Buch erZweifelsfragen, die vor einem verfrühten Optimismus warnen. Umgrenzen wir nüchtern, was bestenfalls von dieser ersten französischen Ministervisite in Berlin seit 1878 praktisch zu erwarten ist? Unter Ausschaltung der gefährlichsten politischen Streitfragen hat die Wirtschaftskrise das Hauptthema der Unterhaltung gebildet, was nicht ausschließt, daß außerhalb des Programms vermutlich auch die Schulden gestreift wurden. Es gab keine Zwischenfälle, und so hat man sich über das„Prinzip“ der wirtschaftlichen Zusammenarbeit geeinigt. Man hat eine gemeinsame Kommission aus führenden Beamten der beiden Länder, der Wirtschaft, der Industrie und der Arbeiterschaft eingesetzt, die den ganzen Komplex der deutsch=französischen Fragen abtaten, aber„heiße Eisen", wie die Frage langfristiger Anleihen, als welche französisches Kapital nur brauchbar, aber jetzt nicht zu gewinnen wäre, ausschalten. Im Sinne der„wirtschaftlichen Kooperation“ wird als Gegenstand dieser Ausschußberatungen aufgezählt: Beteiligung französischen Kapitals an deutschen Unternehmungen, gemeinsame Ausführung öffentlicher Arbeiten, wie der Elektrifizierung Frankreichs durch Ausbeutung der Wasserkräfte, deutsche Mitwirkung bei der Erschließung französischer Kolonien, Ausbau der (für Kali, Teerfarben, Eisenerzeugnisse bereits bestehenden) deutsch=französischen Industriekartelle, Abbau der handelsvertraglichen Zollmauern und dergleichen. Aber gerade in diesem Kommissionsprogramm schlummert die Gefahr für die Saar! Denn es ist bekannt, daß das französische Projekt„deutsch=französischer Zusammenarbeit" nach wie vor als einen Hauptgegenstand die Beteiligung französischen Kapitals am Eigentum und Betrieb der Saargruben vorsieht! Aus der Saareisenindustrie, in die das französische Kapital nach dem Waffenstillstand nur widerwillig unter dem politischen Druck Clemenceaus hineinging, haben sich die Franzosen in den letzten Jahren mit bewußter Absicht immer mehr zurückgezogen. Der Nanziger Börsianer L. Bailly hat kürzlich in einem vielbemerkten Vortrag sogar das für 1935„voraussichtliche" Ausscheiden der ssaarländischen Hüttenwerke aus dem französischen Zollgebiet begrüßt, weil sich erst dann die lothringischen Hüttenwerke konkurrenzlos auf dem Weltmarkt entfalten könnten. Anders steht es für die französischen Interessenten um den Saarbergbau, auf den man, schon mit Rücksicht auf den Fehlbetrag der französischen Eigenförderung um ein Drittel gegenüber dem Selbstverbrauch, die Hand als Miteigentümer legen möchte. Diese für den Nichteingeweihten vielleicht„harmlose“ Frage ist und bleibt für die Saarbevölkerung jedoch, we sentlich aus nationalen Gründen, undiskutierbar! Gerade die Saarbevölkerung, der die Probleme auf den Nägeln brennen, unterliegt, im„Verständigungs“rausche, keinerlei Versuchung, den Tatbestand zu unterschätzen und zu vergessen, daß die eigentlichen Leiter der französischen Außenpolitik die Rüstungsindustriellen sind. Sie sind die Drahtzieher in der Kammer, die Beherrscher der führenden Großpresse. Ihre journalistische Lockpfeife verstärkt, aus reinem Profitinteresse an den militärischen Ausgaben, die Zwangsvorstellung des Durchschnittsfranzosen von seiner stets durch einen„Ueberfall der Boches“ bedrohten„Sicherheit“. Unter dem— jetzt erst recht unverminderten— Drucke der Schwerindustrie verlangt Frankreich für eine geldliche Unterstützung Deutschlands die für uns untragbaren„Garantien“: Verpfändung und Kontrolle der deutschen Reichseinnahmen, Einschränkung unseres Industrie= und Wirtschaftsapparates, wiederholte Beschwörung der Aufrechterhaltung des politischen Status quo(auch das„Ost=Locarno“!), ausdrückliche Preisgabe jeglicher Interessierung für den Abwehrkampf der Elsaß=Lothringer zum Schutze ihrer deutschen Stammeskultur, nicht zu vergessen: die Ueberfremdung des Saargebiets! Würde der französische Staat als derzeitiger „Eigentümer" und Ausbeuter der Saargruben auch nur einen Franken in das französische Volksschulwesen und die Separatisten=Propaganda hineinstecken, wenn die französische Politik sich auf die Rückgliederung des Saarschüttert hat wie dies. Wer es lesen will, sollte es bald lesen, ehe wir von den Ereignissen überrascht werden.“ Dem ist dann ein anderes Urteil hinzuzufügen:„Wer sich vor Entscheidungen fürchtet, wird vor dem Buche gewarnt!“ Wenn man, vielleicht nicht ohne Berechtigung, den Titel des Buches sensationell genannt hat, so ist dem entgegenzuhalten, daß bereits vor Jahren ein Hamburger Geistlicher diesen Titel einem Buche als Ueberschrift gegeben hat und derselbe vom Verfasser nur übernommen worden ist. Wenn zum andern von einem Rezensenten gerügt wird, das Buch trage Beunruhigung in die Reihen der Gemeindeglieder, so muß dem entgegengehalten werden, daß innerer Herzensfriede und wahre Seelenruhe doch wohl immer erst den Kreuzesweg der Beunruhigung gehen müssen, ehe sie ans Ziel kommen. Gerade dem auf die Ruhe, nicht nur als die erste Bürgerpflicht, sondern als die erste Christenpflicht abzielenden, seichten Liberalismus bei Theologen und Nichttheologen aks Gliedern der Landeskirche gilt der Kampf des Verfassers. Mit Recht macht er denselben verantwortlich für die ungeheuerliche, noch viel zu wenig erkannte Gefahr des hereindringenden atheistischen Bolschewismus. „Von wem“, fragt der Verfasser,„haben die Bolschewisten Rußlands die erste Anregung zu ihren atheistischen Gedankengängen erhalten?— Von deutschen Philosophen und Theologen!“ Neben dem Liberalismus erfährt aber auch in dem Buche die tote Orthodoxie, wie der an und für sich gutgemeinte anthropozentrische Idealismus, der den Menschen, bezw. den menschlichen Geist in den Mittelpunkt des religiösen Lebens rücken möchte, eine strenge Verur gebietes ins Reich, entsprechend dem unbezweifelbaren Ergebnis der Volksabstimmung, einrichten wollte?... Und weil die französischen Mitglieder der in Berlin eingesetzten Kommission zur„französisch=deutschen Zusammenarbeit“ für alle Einzellösungen auch die Wahrung dieser politischen Hintergrunds= und Endziele(wozu noch der„stabilisierte" Raub des Korridors, Oberschlesiens, Eupen=Malmedys, Memellands und die entmilitarisierte Rheinlandzone treten) verpflichtet sein werden, so ist— zum Schaden der europäischen Gesittung und Zukunft— leider nicht abzusehen, welche genießbaren Früchte die Berliner Staatsvisite dem bedrohten Deutschland bringen soll, ohne den Wiederaufstieg, die Würde und Ehre des deutschen Volkes unwiederbringlich anzutasten. Anenrung der Keichrregierung. Curtius erbittet Verabschiedung.— Neues Kabinett Brüning? — Berlin, 7. Oktober Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichsminister des Auswärtigen Dr. Curtius zum Vortrag. Im Anschluß an den Vortrag machte der Reichsaußenminister Hindenburg davon Mitteilung, daß er am Sonnabend dem Reichskanzler sein Abschiedsgesuch vorgelegt habe. Das Schreiben des Außenministers lautet: „Sehr verehrter Herr Reichskanzler! In der Unterredung, die wir am Tage nach meiner Rückkehr aus Genf hatten, habe ich Ihnen erklärt, daß ich ohne Rücksicht auf die parlamentarische Lage aus der Reichsregierung ausscheiden wollte. In unserer Besprechung blieb die Frage des Zeitpunktes und der Jorm offen. Ich halte es nunmehr allseits für erforderlich, über mein Ausscheiden alsbald Klarheit zu schaffen. Deshalb bitte ich Sie, bei dem Herrn Reichspräsidenten meine Entlassung zu beantragen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Ihr sehr ergebener gez. Curtius.“ Dr. Curtius, der 1920 von der Deutschen Volkspartei in den Reichstag entsandt worden ist, gehört der Reichsregierung seit Januar 1926 an. Damals leitete er das Reichswirtschaftsministerium im zweiten Kabinett Luther. Nach dem Tode Dr. Stresemanns wurde Minister Curtius mit der Leitung der auswärtigen Politik betraut. Mit dem Rücktritt des Reichsaußenministers sind im Kabinekt Brüning drei Ministerien verwaist, sind doch auch das Wirtschafts- und das Justizministerium seit langem nicht mehr besetzt. Da diese Ministerien angesichts ihrer großen Bedeutung und der Machtbefugnisse, die ihnen die Notverordnungen bringen, nicht mehr länger verwaist bleiben dürfen, ist so zumindest eine Umbildung der Reichsregierung erforderlich geworden. Bei diesem Anlaß scheinen auch Veränderungen im Verkehrsministerium und im Reichsinnenministerium erfolgen zu sollen. Um freie Hand zu haben, scheint sich der Reichskanzler in den letzten Stunden zur Gesamtdemission entschlossen zu haben. In politischen Kreisen und ebenso in der Presse aller Schattierungen wird die Umbildung, bezw. die Demission des Kabinetts Brüning ausführlich erörtert. In den der Regierung nahestehenden Kreisen rechnet man mit der Rückkehr Brünings als Kanzler und glaubt, daß das neue Kabinett noch in dieser Woche zustandekommen wird. Als neue Männer wurden genannt: Direktor Schmitz, Prof. Warmbold, Dr. Vögeler und— wie bisher freilich bei jeder Krise— Bracht und Adenauer. Die Bemühungen des Kanzlers Dr. Brüning übernimmt das Außenministerium. Berlin, 6. Oktober. Nachdem die Konferenz mit den Ministerpräsidenten der Länder beendet war, hat der Kanzler seine Bemühungen um die Kabinettsveränderung wieder ausgenommen. Es handelt sich dabei vor allem darum, einige hervorragende Männer zu gewinnen, die in dem neuen Kabinett das Reichswirtschafts- und das Reichsverkehrsministerium übernehmen. Bisher steht hierzu nur fest, daß Geheimrat Schmitz das Wirtschaftsministerium abgelehnt hat. Es gilt aber immer noch als möglich, daß er das Reichsverkehrsministerium übernimmt. Dagegen ist es nicht richtig, daß der frühere preußische Landwirtschaftsminister Professor Warmbold das Reichswirtschaftsministerium bereits abgelehnt hat. Die Gerüchte, wonach auch mit Dr. Bögler verhandelt wird, werden von unterrichteter Seite als unzrireffend bezeichnet. Für das Reichsinnenministerium denkt man an eine energische tüchtige Persönlichkeit, die vielleicht dem höheren Beamtentum entnommen werden könnte. Das Außenministerium wird nicht durch einen neuen Minister besetzt werden. Vielmehr wird der Kanzler es selbst übernehmen. Ursprünglich war daran gedacht worden, Staatssekretär von Bülow mit der Wahrnehmung der Geschäfte zu beauftragen, damit der Kanzler von den Botschafterempfängen und ähnlichen Aufgaben befreit wird. Diesen Plan hat man aber auch wieder fallen lassen, da Dr. Brüning die Verhandlungen mit den auswärtigen Missionschefs, z. B. die Besprechungen mit dem amerikanischen Botschafter über die schwierigen wirtschaftlichen und finanziellen Probleme, auch bisher schon in weitem Maße selbst vorgenommen hat. Für das Justizministerium kommt in erster Linie der bisherige Staatssekretär des Ministeriums, Dr. Joel, in Frage, der als ein außerordentlich fähiger Jurist und Verwaltungsbeamter gilt und politisch der Deutschen Volkspartei nahesteht. * Die parlamentarischen Aussichten. In der Reichsregierung nahestehenden Kreisen beurteilt man die parlamentarischen Aussichten des neuen Kabinetts dahin, daß die Sozialdemokratie zwar erklären wird, sie stehe dem neuen Kabinett mit einer größeren Skepsis gegenüber als der bisherigen Reichsregierung, daß sie aber doch zunächst abwartet, wie das neue Kabinett arbeitet. Bei der Zusammensetzung des neuen Kabinetts roill der Reichskanzler offenbar besonders darauf Rücksicht nehmen, daß die parlamentarische Situation nicht erschwert wird. Man vermutet, daß er in dieser Richtung auch bereits mit der sozialdemokratischen Führung verhandelt hat. Zusammenstöße in Essen. Ein Nationalsozialist erschossen. In Essen=West überfielen kurz vor Mitternacht etwa 25 Kommunisten zwei Nationalsozialisten, Angehörige der Schutzstaffel. Die Kommunisten schleuderten Steine gegen die beiden Leute und gaben schließlich vier bis fünf Schusse auf die Flüchtenden ab. Der 33 Jahre, alte Schutzstaffelführer Erich Gathe wurde so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf starb. Vier Kommunisten wurden unter dem Verdacht des Mordes bzw. der Beihilfe verhaftet. In dem Vorgarten des Hauses, vor dem die Bluttat geschah, fand man vier leere Patronenhülsen. Gathe hat drei Schüsse in den Rücken und einen vierten in die linke Körperseite erhalten. Das Haus der schönsten Kleider, Blusen, Mäntel In reichhaltiger, geschmackvoller Auswahl in modernen Stoffen u. erster Verarbeitung Bielefeld Haus Bismarckeck teilung, der zugleich der Richtegeist gewisser pietistischer Kreise verfällt, weil er alles auf dem subjektiven„Erlebnis" zu basieren sucht. Der Verfasser zieht mit Nachdruck eine sehr deutliche und beherzigenswerte Linie zwischen Kirche und Gemeinde, zwischen Religion im landläufigen Sinne und Christentum und spricht, ganz im Sinne Luthers, immer wieder von denen, die„mit Ernst Christen sein wollen.“ Aus diesem Grunde lehnt er auch mit Entschiedenheit den sogenannten„Kulturoptimismus“ ab, der das deutsche Volk gewiß in bester Absicht, mit christlichen Kulturgedanken durchdringen und so das„Jahrhundert der Kirche" heraufführen will. Das Wort Gottes und der persönliche Träger der sündenvergebenden Gnade, Jesus Christus, muß Kern und Stern des christlichen Lebens werden und zwar bei Geistlichen sowohl wie bei Laien. Kehrt die Kirche nicht bußfertig zurück zu diesem Mittler zwischen Gott und den Menschen, tut sie, mit einem Wort, nicht Buße, so steht sie an ihrem Sterbelager und ist unrettbar verloren, trotz aller Betriebsamkeit. B. S. Verband weiblicher Handels= und Büroangestellten. Im September hielt der Verband der weiblichen Handels= und Büroangestellten seine Hauptversammlung in Eisenach ab, in demselben Jahre, das unter dem Zeichen der 700 Jahrfeier zum Andenken an den Tod der heiligen Elisabeth steht. Aus dem der Versammlung erstatteten Tätigkeitsbericht sind folgende Angaben beachtlich. Die Mitgliederzahl betrug Ende 1930 92031, Ende Juni 1931 über 94000, die Zahl der Ortsgruppen war 300, der Geschäftsstellen 82. Es konnten im letzten Berichtsjahre 13325 Stellen vermittelt werden. Die ungünstige Geschäftslage sand ihren Ausdruck in der hohen Zahl der Unterstützten. Für geregelte Stellenlosen=Unterstützung wurden nahezu 300 000 RM, für Notfallunterstützung wurden 51000 RM ausgegeben. Der Rechtsschutz wurde 68 000 mal in Anspruch genommen, die größere Zahl der Fälle konnte durch gütliche Erwägung erledigt werden, die Zahl der Klagen belief sich auf 1881 im Jahre 1930. Der Bericht verbreitete sich weiter über die sozialpolitische Tätigkeit, insbesondere über Arbeitszeit, Sozialversicherung, Arbeitsgerichtswesen, über die Tarifbewegung, das Bildungswesen und beleuchtete gleichzeitig die Bedeutung der Angestelltenschaft, ganz besonders der weiblichen, für Volk und Wirtschaft. Die vorgeschlagene Neufassung des sozialen Programmes sowie Satzungsänderungen wurden angenommen. Ebenso fanden Entschließungen Annahme, die sich auf Bildungswesen, Tarise, Angestelltenversicherung bezogen. In diesen Entschließungen wurde Stellung genommen gegen den Abbau der Berufsschulen und der Unterrichtszeit in den Berufsschulen, gegen die Versuche, das Vermögen der Angestelltenversicherung zugunsten anderer Versicherungseinrichtungen zu kürzen, gegen das Bestreben, das Tarifwesen zu verschlechtern, zumal es elastisch genug sei, um sich den jeweiligen wirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen. Die Berufskrankenkasse des VWA, die Ende Juni 42.000, die Rentenversicherungskasse mit 7786 Versicherungen bei 21727 Anteilen tagten vor der Hauptversammlung. Nach wie vor ist, wie aus den mitgeteilten Zahlen hervorgeht, der Verband der weiblichen Handels= und Büroangestellten die größte Organisation berufstätiger Frauen. Hoovers Programm. Nationale Einheit zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise. — Washington, 7. Oktober. eng gue deer Mndigte del demn eion Prst. an, er habe die Vertreter der beiden parlamenParteien zu einer Konserenz gebeten, um ihnen #n. Programm für nationale Einheit zwecks konstruktiver ##e angesichts der gegenwärtigen Depression“ vorzu" Man nimmt an, daß das Ergebnis der Konferenz Imn Laufe des heutigen Tages veröffentlicht werden wird. Wie verlautet, wird sich das Programm im wesentlichen mit der inneramerikanischen Lage befassen, aber auch mit den vom Ausland kommenden Ursachen der jetzigen Depression. Ob Präsident Hoover mit seinem Programm die Bildung einer bieber nicht sestzgusteilen.schem Muster plant, war „Deutschland soll Amerikanische Bedingungen für eine Verlängerung des Schuldenmoratoriums? — London, 6. Oktober. Nach Meldungen aus Neuyork erwartet man in Kreisen der Wallstreet mit großem Interesse das Ergebnis der Besprechungen Hoovers mit den Führern des Kongresses. Man glaubt, daß hierbei ein Programm zur Stabilisierung der Märkte und zur Wiederherstellung des Vertrauens in der Welt zustande kommen wird. Es wird ferner berichtet, daß Amerika zu einer Verlängerung des Hoover=Moratoriums und einer grundlegenden Revision der internationalen Schuldenfrage bereit sei, falls Europa in der Frage der Abrüstung ein entsprechend weitgehendes Entgegenkommen zeige. Einer englischen Meldung zufolge soll Amerika die folgenden Bedingungen an eine Verlängerung des Moratoriums knüpfen: 1. Die Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland soll enger gestaltet werden, 2. Frankreich soll Deutschland finanziell unterstützen. 3. Deutschland soll die Agitation gegen den Danziger Korridor aufgeben, 4. Deutschland soll die Agitation für das Programm des Panzerschiffbaues aufgeben, 5. Deutschland soll Sorge tragen, daß die kriegerischen Aufzüge von Organisationen, wie dem Stahlhelm, eingestellt werden, 6. Deutschland soll Beweise erbringen, daß etwaige Kredite nur für produktive Unternehmungen benutzt und nicht für Rüstungen und öffentliche Hilfsmaßnahmen verschwendet werden, 7. es sollen Schritte ergriffen werden, um zu einem wirklichen Abrüstungsfeiertag zu gelangen, 8. die Ausgaben für die Rüstungsetats sollen herabgesetzt werden, um auf diese Weise das internationale Mißtrauen zu verringern. * Daß die Erfüllung vorstehender Bedingungen die restlose wirtschaftliche und politische Kapitulation bedeuten würde, liegt auf der Hand. Das heutige Deutschland würde keine Regierung auch nur einen Tag ertragen, die sich überhaupt in Verhandlungen über diese Ungeheuerlichkeiten einließe. Es steht im Interesse der deutschamerikanischen Beziehungen zu hoffen, daß es sich bei dieser Nachricht um nichts anderes als eine Tendenzmache übelster Sorte handelt. „Rigorose Herabsetzung der Reparationen!“ Ein offener Brief an Hoover. Neuyork, 7. Oktober. Der Präsident des American Institut of Finance, James Bancroft, hat in einem offenen Brief an Präsident Hoover die dringliche Aufforderung gerichtet, unverzüglich die Inttiative zu einer rigorosen Herabsetzung der Reparations= und internationalen Schuldenzahlungen, sowie in der Frage der Revision der Zolltarife zu ergreifen. Diese Maßnahmen seien allein geeignet, den Bankrott des Kapitalismus zu verhüten. Die Krise der S. P. Der frühere preußische Innenminister Dr. Waentig aus der SPD ausgetreten. — Berlin, 7. Oktober. Der Vorgänger Severings auf dem Posten des preußischen Innenministers, Dr. Waentig, hat dem„Lokalanzeiger“ in einem Schreiben mitgeteilt, daß er aus der SPD und der sozialdemokratischen Fraktion des Preußischen Landtages ausgeschieden sei. Wie der„Lokalanzeiger“ ergänzend mitteilt, hat Dr. Waentig die Gründe dafür in einem vom 2. Oktober datierten Schreiben anscheinend an den Parteivorstand der SPD dargelegt. In der Begründung heißt es u..: Er, Waentig, habe sich der Sozialdemokratie in den Tagen des Kapp=Putsches zur Verteidigung des demokratischen Staatsgedankens angeschlossen. Im laufenden Jahre aber sei die SPD, die sich in Wort und Schrift nach wie vor zu dem Gedanken der Sozialdemokratie bekenne, tatsächlich dazu übergegangen, sei es in der Form der Tolerierung von Maßnahmen der Reichsregierung, sei es in führender Stellung in Preußen, an dem demokratischen Regierungssystem zu rütteln. Wichtigste Grundsätze der Demokratie seien mit Hilfe von Notverordnungen bezw. der Art ihrer Anwendung auch solchen Volksgenossen gegenüber verletzt worden, die zu verfassungsmäßigen Zwecken mit verfassungsmäßigen Mitteln von ihren verfassungsmäßi gen Rechten hätten Gebrauch machen wollen. Er, Waentig, müsse es ablehnen, weiterhin die Verantwortung für die Folgen dieser widerspruchsvollen kurzsichtigen Politik mit zu übernehmen. Konferenz der Rechtsparteien. Die Teilnehmer der Sonntags-Tagung in Bad Harzburg. Auf Grund der Einladung eines Aktionsausschusses, der durch den früheren thüringischen Innenminister Dr. Frick als Vertreter der Nationalsozialisten, den deutschnationalen Reichstagsabgeordneten Schmidt=Hannover und den Bundeskanzler des Stahlhelm, Wagner, gebildet wird, findet am Sonntag in Bad Harzburg eine Kundgebung rechtsstehender Parteien und Organisationen statt. Auf dieser Kundgebung werden Dr. Hugenberg Adolf Hitler, Seldte, Duesterberg, Graf Kalckreuth als Vertreter anderer nationaler Verbände sowie eine Reihe von Führern der Wirtschaft, darunter der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht sprechen. Es soll eine politische Gemeinschaft gegründet werden, die für die Bildung der Grundlagen für eine Regierung der Rechtsparteien sorgen werden. Neuwahlen in MacDonald ersucht den König um die Auflösung. — London, 7. Oktober Der britische Ministerpräsident MacDonald begab sich zum König und schlug ihm die Auflösung des Parlaments vor. In der Audienz, die etwas über eine halbe Stunde dauerte, unterbreitete MacDonald dem König ein Programm für Vertagung und Auflösung des Parlaments und beriet mit König Georg den Zeitpunkt für die Neuwahlen und die Eröffnung des neuen Parlaments. Der König wird zwei Sitzungen des Privy Council einberufen, um über diese Frage zu beraten. Man erwartet allgemein, daß der Vorschlag, das Parlament nach am heutigen Mittwoch zu vertagen und am Donnerstag aufzulösen, angenommen wird. Als Wahltag gilt der 28. Oktober. Eigene parlamentarische Gruppe Sir John Simons. 22 liberale Unterhausmitglieder, die zur Gruppe Sir John Simons gehören, haben in einer gemeinsamen Versammlung einstimmig beschlossen, eine eigene Gruppe, die den Premierminister als den Führer der nationalen Regierung tatkräftig zu unterstützen und gemeinsam in den Wahlkampf gehen wird, zu bilden. Sir John Simon wurde beauftragt, den Premierminister MacDonald von diesem Beschluß zu unterrichten. Japan entsendet Mobilmachungsvorbereitungen in Kure und Saseba. Angesichts der japanfeindlichen Stimmung in China hat die japanische Regierung Vorbereitungen fur die Entsendung eines Kreuzers nach Schanghai getroffen. Der Kreuzer„Tokiwa“ wird zu diesem Zweck klargemacht. Ferner hat das Marineministerium den Schiffen der Stationen Kure und Sasebe befohlen, sich für eine Mobilmachung bereitzuhalten. Die Lage im Mandschureikonflikt ist inzwischen infolge einer japanischen Note, die die chinesische Regierung der Nachlässigkeit beschuldigt, weil sie keine Maßnahme gegen die Boykottierung der Japaner ergreife, noch gespannter geworden. Die japanische Regierung, so heißt es in der Note, betrachte diese Art des Boykotts als ebenso folgenschwer, wie die Ermunterung zu einer antijapanischen Bewegung durch die chinesische Regierung. * Der Rat greift wieder ein. In maßgebenden Völkerbundskreisen wird davon gesprochen, daß nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge m chinesisch=japanischen Konflikt der Völkerbundsrat wahrscheinlich zu der vorgesehenen Sitzung am 14. Oktober zusammentreten werde. Postflugzeug der„Bremen“ verunglückt. — Halifax, 7. Oktober. Das Postflugzeug des Dampfers „Bremen“, das in Sidney auf Neu=Schottland neuen Betriebsstoff aufgefüllt und dann seinen Flug nach Neuyork fortgsletzt hatte, wurde in der Cobequid=Bucht zum Niehen gezwungen. Die Bewohner von Noel hörten rufen und fuhren mit einem Boot hinaus, fanden aber Spur von den Fliegern. Neuyork, 6. Oktober. Die Hoffnung, die„Neuyork“, das Schleuderflugzeug des Lloyddampfers„Bremen“, unversehrt aufzufinden, ist nunmehr aufgegeben worden, nachdem in der Nähe von Noel an der Küste von Neuschottland eine Tragfläche aufgefunden worden ist, die als zur„Neuyork“ gehörend, erkannt wurde. Die hiesige Leitung des Norddeutschen Lloyd nimmt an, daß die beiden Flugzeuginsassen, der Pilot Simon und der Mechaniker Wagenknecht, ertrunken sind. Die fünf Postsäcke, die sich an Bord des Flugzeuges befanden, gelten als verloren. Der englische Außenminister in Paris. Paris. 7. Oktober. Der Staatssekretär des Auswärtigen, Lord Reading, ist, begleitet von dem englischen Finanzsachverständigen Sir Frederic Leith=Roß in Paris eingetroffen. Sie bleiben bis Donnerstag in Paris. Wer hilft? Ein Leser des Aufwärts, mittlerer Postbeamter, Leiter einer Gemeinschaft, schreibt: „Ich habe vor drei Jahren ein Eigenheim in Burg (Bz. Magdeburg) erbaut, zu dessen Begleichung mir die Beamten=Spar= und Darlehnskasse in Stendal eine Hypothek in Höhe von 20000 RM gegeben hat. Zwecks Abdeckung derselben habe ich 2 Bausparverträge in gleicher Höhe bei dem Halleschen Baubund in Halle S. abgeschlossen. Vor Ablauf von ca. 2 Jahren geriet der Bund jedoch in Konkurs und ich verlor mein eingezahltes Geld. Ich trat dann kurze Zeit darauf in die Deutsche evangl. Heimstättengesellschaft Berlin mit je einem Bausparvertrag von je 10 000 RM= 20000 RM ein, worauf ich bereits über 1300 RM in Monatsbeträgen von 60 RM laufend eingezahlt habe. Im Mai dieses Jahres stellte auch diese Bausparkasse die Zahlung ein und befindet sich seitdem im Konkurs. Nun habe ich wegen zu hoher Zinszahlung(15 Prozent) die Hypothek in Stendal gekündigt, um mich nach einer anderen umzusehen. Wir geben diesen Notschrei des bedrängten Mannes hier weiter in der Hoffnung, daß derselbe doch vielleicht das Ohr eines Mannes erreicht, der ihm helfen kann. Die Adresse ist durch die Schriftleitung zu erfahren. Verschiedenes. Bestandene Ingenieur=Abschlußprüfung. Am Technikum Lage(Lippe) wurden die Ingenieur=Abschlußprüfungen unter dem Vorsitz der Regierungsvertreter der Lipp. Oberschulbehörde, Herrn Regierungs= und Oberschulrat Dr. Kühn und Herrn Regierungs= und Gewerberat Deubner beendet. Von den 114 Prüflingen nahmen von hier die Herren Gustav Hartemann, Bielefeld; Willi Güse, Sieker b. Bielefeld, Hans Ranft, Bethel b. Bielefeld, August Reinhardt, Bielefeld, Hans Schneider, Bielefeld, Erwin Kaiser Brackwede(die Ingenieurarbeit des Herrn Kaiser wurde wegen ihrer hervorradenden Ausführung mit„Ausgezeichnet“ bewertet) mit Erfolg an der Ingenieur=Prüfung teil. Das Wintersemester beginnt am 27. Oktober 1931. Ortsgr. Bielefeld, Ruf 2055(zwischen 13—15 Uhr 1677). Seit über 50 Jahren begehrt, weil bewährt! Dr. Thompsons Schwan=Seifenpulver in dem bekannten roten Paket erfreut sich in der heutigen Zeit erst recht größter Beliebtheit. Seine ausgezeichnete Wasch= und Reinigungskraft erweist sich bei jeder Wasche, bei allen Scheuer= und Abseif=Arbeiten in Küche und Haus. Das Paket kostet nur 25 Pfg. In Schwan=Pulver erhalten Sie Qualität und Billigkeit zugleich, so recht den Erfordernissen der heutigen Zeit angepaßt. Schwan=Pulver ist heute wieder modern! Bethel. — Wieder haben wir die Freude, daß einer unserer Treuen seine 25=jährige Mitarbeit am Bethelwerk feiern darf. Herr Heinrich Wächter trat am 6. Oktober 1906 als Knecht in das Fuhrgeschäft ein und hat in den langen Jahren Freud’ und Leid der Anstalt mitgetragen. Wir freuen uns mit ihm, daß er diesen Tag erleben darf. Gott gebe ihm auch fernerhin Freudigkeit und Kraft zu dem Beruf, in den Gott ihn hineingestellt hat. — Christlicher Verein junger Männer. Heute nachmittag 4 Uhr: Allgemeine Märchenstunde. „Ali Baba und die vierzig Räuber" und„Wie Engelchen seine Mutter suchte“. 10 Pfg. mitbringen. 8 Uhr abend Jungmännerkreis.„Hermann=LönsAbend“. — Zu dem Konzert des Bethel=Orchesters am Mittwoch abend 8¼ Uhr im Assapheum wird hierdurch die Gemeinde der Kranken und Gesunden herzlich eingeladen. — Christlicher Verein junger Mädchen. Donnerstag abend 8 Uhr kommen die Gruppenmütter und deren Helferinnen im Gruppensaal zusammen. — Handwagen(kleiner) am Studentenheim stehen geblieben. Nachzufragen Kanzlei der Theol. Schule, Bethelweg 39. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannoter 67377,„Aufwärts“, Christliches Tageblatt Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919. Amt Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. Zu dem Konzert des Bethel-Orchesters am Mittwochabend 8¼ Uhr im Assapheum wird hierdurch die Gemeinde der Kranken und Gesunden herzlichst eingeladen. Soeben erscheint die dritte Auflage: wir wollen Andacht halten! Von Pfarrer Richard Schulze. Die„Christliche Kinderpflege“ urteilt: Das sind Kinderandachten, wie sie sein sollen und wie sie schöner nicht sein können. Verf. verfügt über eine ganz seltene Meisterschaft, über die tiefsten Fragen mit Kindern frisch, fesselnd und unvergeßlich zu reden. Für Kirche, Schule u. Haus steht uns nichts gleich wertvolles zu Gebot. Gebunden Mk..25 Verlag L. 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