Bezugspreis:= Christliches Tagebi.= Anzeigenpreist= Erscheint wöchentlich sochomal.— Preis monatisch.8 und 2925##es#####goge(ASkag# ogee gorodd(#######te## einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennta, .36 Bestellgebühr, beim e g beren.— Jürs1 milt ven Bellägen„wils Hros und Walln; Reklame 30,'g. engahn e ngche se. tausend c. Ausland unter Streisdan, pi, s, e#tgke Pamzover Ser.. Hggng ab gel####d Gdg###e##en Schluß der Anzeigen= Annahme nachmittage 5 uhr. vonscheaEinzelnummer 10 Pfg. Ponschearonto Hannover G7ö7.„Feinbenggelbe uund„Toilsen###.“ konto Hannover 67377. Lageotal. mit ven Beilagen„Di Herz unb „Amvergabe und unses Nerr“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile ader deren Raum 10 munta. Reklame 30 Bssgen=hngaßm nter W a#e, tansend, Pc#g. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 232. 13. Jahrgang. Wie groß ist des Allmächt'gen Güte! Ist der ein Mensch, den sie nicht rührt, Der mit verhärtetem Gemüte Den Dank erstickt, der ihm gebührt? Nein, seine Liebe zu ermessen, Sei ewig meine größte Der Herr hat mein noch nie vergessen, Vergiß, mein Herz, auch seiner nicht! Was vorgeht. Erntedankfest. Des Herrn Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, daß uns auch der Herr Gutes tue und unser Land sein Gewächs gebe. Pf. 85, 10. 13. Es geht ein Gericht über die Welt. Die Menschheit, die glaubt, ohne Gott fertig zu werden, die sich selbst erlösen will, geht zugrunde in dieser Hilflosigkeit. Es mangelt nicht an Gewächs auf Erden. Aber in Nordamerika verbrennt man den Weizen, weil man nicht weiß, wohin mit ihm. In Brasilien versenkt man den Kaffee in das Meer, weil die überproduktion den Kaffee entwertet hat. Daneben verhungern in China Millionen von Menschen, und in Europa und Amerika wissen Millionen von Arbeitslosen nicht, wie sie die notwendigsten Nahrungsmittel erwerben sollen. Keiner weiß Rat. An wirtschaftlichen Konferenzen und Zeitungsartikeln, an dicken Büchern und kleinen Broschüren voll von klugen Ratschlägen und sicheren Rezepten ist kein Mangel, aber wirklich durchgreifende Hilfe weiß niemand. Noch nie feierten wir unter so eigenartigen Umständen Erntedankfest. Oder sollen wir es dieses Jahr lieber ausfallen lassen, etwa weil wir genug Grund zur Klage, aber keinen zum Danken haben? Aber eins liegt doch klar zutage. Gott tut das Seine. Er hat auch in diesem Jahr genug wachsen lassen, auch in unserem Vaterland. Gott tut das Seine, und der Mensch? Gar mancher Landwirt, der vielleicht sogar eine reiche Ernte heimführt, hat doch die größten Sorgen. Sein Hof ist verschuldet, der Grund und Boden entwertet, die Steuern sind unerschwinglich. Ist das Gottes Schuld, der Regen und Sonnenschein gab und die Frucht bewahrte? Nein, die Torheit und Unfähigkeit und Sünde der Menschen ist schuld. Unsere Bibel gibt uns Klarheit. Gar oft hat dieser 85. Psalm unsere Väter zu Zeiten schlechter Ernte getröstet: „Ach, daß ich hören sollte, was Gott der Herr redet, daß er Frieden zusagte seinem Volk und seinen Heiligen, auf daß sie nicht auf eine Torheit geraten." Ja, auf das Wort hören, Gottes Namen fürchten, daß wir vor Torheit, das heißt, vor Unglauben, Verzweiflung, vor Gottlosigkeit und vor allem am Erntefest vor Undank bewahrt bleiben, das tut uns not. Heute wird der Name Gottes gelästert, geschmäht, verachtet, mit Hohn und Spott, mit Füßen getreten. Um so mehr wollen wir uns zusammentun und den loben, der seine Kammern auftut und die undankbare Menschheit Jahr für Jahr so freundlich speist, der uns mehr gab als das Gewächs auf dem Felde, nämlich das Brot, das vom Himmel gekommen ist, Jesus Christus, unsern Herrn, Meister und Erlöser. Was wir an unserm Leibe tragen, was wir täglich zu uns nehmen zur Stärkung für Leib und Seele, die irdische Speise und die himmlische Gabe, sein Wort und seine Verheißung, alles kommt von ihm, unserm hochgelobten Herrn. Dafür wollen wir ihm jetzt und in Ewigkeit von ganzem Herzen danken. Simon. Eine neue Linkspartei. Die Gründung der„Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ in Breslau vollzogen. Breslau, 2. Okt. Am Freitag abend fand in Breslau eine sozialistische Versammlung statt, die von etwa 3000 Personen besucht war und in der die sozialdem. Reichstagsabg. Ziegler und Seydewitz sich scharf gegen die Tolerierungspolitik der SPD aussprachen. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt, die Parteiorganisation betrachte sich als aus der SPD ausgeschlossen. Das ganze deutsche Proletariat werde zur Bildung der„Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands“ aufgerufen. Die Entschließung wurde gegen 4 Stimmen angenommen. In der heutigen Andacht ist schon angedeutet, daß Gott das Seine tut, um den Menschen, die auf Erden wohnen, Nahrung genug zuwachsen zu lassen. Und wenn man bedenkt, was bei Anwendung aller menschlichen Intelligenz und aller technischen Mittel noch mehr an notwendigen und guten Gaben aus dem Erdboden hervorgeholt werden könnte, als es jetzt geschieht, dann könnte man die Sorge, die Erde werde eines Tages die auf ihr lebenden Menschen nicht mehr ernähren können, mindestens der zweihundertsten Generation, die nach uns kommt, überlassen. Wenn sich deshalb die Menschen auch heute noch in der Weise um die Futterkrippe streiten, wie es tatsächlich der Fall ist, muß man sagen, daß sie entweder noch auf sehr niedriger Kulturstufe stehen oder überhaupt nie Aussicht haben, von diesem Kampf um die Existenz erlöst zu werden. Dieser Kampf tobt eine Woche wie die andere. In ihm treten manchmal Momente ein, die dem Zeitungsschreiber Veranlassung geben, von Entscheidungen zu sprechen. Aber diese Entscheidungen bleiben aus, oder wenn sie eintreten, bergen sie gleich wieder Probleme in sich, die zu neuen Auseinandersetzungen, Konflikten und Kämpfen, damit aber auch wieder zu neuen Aufgaben führen. Es wäre deshalb töricht, sich durch diesen Lauf der Dinge in eine fatalistische Resignationsstimmung versetzen zu lassen und zu meinen, alles Kämpfen und Grübeln und Planen und Vorschläge Machen nütze doch nichts, zuletzt behalte doch die gerissenste Schlauheit das Feld und der Schwache, der Besitzlose, der weniger Schlaue, der Harmlose bleibe der Macht des Stärkeren ausgeliefert. So schwer der einzelne Mensch und zuletzt auch die Völker unter solchen besonders dunklen und tragischen Perioden des Weltgeschehens zu leiden haben, bringen dieselben doch auch wieder neue Aufgaben, und es wäre falsch, in dem positiven oder negativen Ausgang einer Ministerbesprechung oder einer Völkerbundstagung ein Ereignis sehen zu wollen, das den endgültigen Abschluß einer bedrückenden Zeitepoche des Kampfes und den Anfang eines nun alle Menschen beglückenden Friedensreiches bedeuten könnte. Wer so steht, den könnten gerade auch die Vorgänge der letzten Woche zum verzweifelnden Pessimisten machen. Es ist deshalb gut, sich in allen den Lagen, in die uns unsere Zeitperiode, die nach modernen Ansichten als eine Zeitwende bezeichnet wird, an ein mutiges„Dennoch“ zu halten. Und gesehen auf die außenpolitische Lage Deutschlands und die Haltung, die das deutsche Volk dazu nimmt, kann man wohl sagen, daß es ihm zur Zeit sehr fehlt an der mutigen Zuversicht, die Völker immer nötig gehabt haben, welchen eine besondere zeitgeschichtliche Aufgabe gestellt war. Man braucht nur an manche kleinen Dinge, wie jetzt den Vorgang in Litauen, wo der deutschen evangelischen Domgemeinde das Verfügungsrecht über den alten deutschen Dom genommen wird, an die Schamlosigkeit, mit der ein polnisches Blatt den Düsseldorfer Massenmörder Kürten und Adolf Hitler als Rassegenossen mit gleicher Verbrecherphysiognomie bezeichnen durfte, oder an sonstige Schikanen zu erinnern, denen deutsche Menschen im Ausland infolge der deutschen Wehrlosigkeit ausgeliefert sind, um zu der Auffassung zu kommen, daß die Eigenschaft mutigen Selbstbehauptungswillens eine für unseren Planeten sehr wertvolle und notwendige Gabe ist. Wenn in den vergangenen Jahren hier im Aufwärts hin und wieder das Bestehen und die Wirksamkeit des Völkerbundes einer schärferen Kritik unterzogen warde, ist es vorgekommen, daß das als nationalistische Ueberspanntheit und als Mangel an Friedenswillen bezeichnet wurde. Dagegen haben wir uns immer wehren müssen, weil es noch ein besonderes Unding wäre, hier von Bethel aus unnötige nationalistische Hetze zu treiben oder wirklich ernst gemeinten Bemühungen um Befestigung und Erhaltung des Friedens entgegenzuarbeiten. Aber was die Welt nun gerade in diesen Tagen erlebt, ist doch wieder eine Bestätigung der Ansicht, daß ein Geist der Friedensverträge wie das Versailler Diktat, das doch erstes und bis jetzt auch Hauptprodukt des Völkerbundes war und das einen solchen Geist atmet und solche Folgen hat, unmöglich der Geist sein kann, von dem die Welt eine Neu= oder Bessergestaltung erwarten müßte. Dem deutschen Zentrum und seinen Organen kann doch nachgesagt werden, daß es mit großen Hoffnungen der Arbeit des Völkerbundes gegenüber gestanden und mit Eifer seine Bestrebungen unterstützt hat. In beachtenswerten Kundgebungen haben auch die Päpste Stellung zum Völkerbund genommen und wenn dies auch mit einiger Vorsicht geschah, weil man Aufgaben, die man sich selbst vorbehalten glaubte, keiner solchen Organisation übermachen wollte, so konnte doch auch der Völkerbund für manche eigene Zwecke nutzbar gemacht werden. Alles dies in Erwägung gezogen, ist es bemerkenswert, daß in der„Germania“, dem Berliner Hauptorgan der Zentrumspartei, jetzt beim Abschluß der Völkerbundstagung und einer Betrachtung seiner Tätigkeit in der zu Ende gebrachten Sitzungsperiode eine Enttäuschung, ja fast Verbitterung zum Ausdruck kommt, wie man das bisher dort nicht gewohnt war. Die Germania schreibt unter anderem: „Als Herr Titulescu, der wider allen Brauch zum zweiten Male Präsident der Völkerbundversammlung geworden war(hat Genf so wenige Führerpersönlichkeiten aufzuweisen, oder wollte man auf jeden Fall die Wahl des greisen Ungarn Appony verhindern?)— seine Eröffnungsansprache hielt, sagte er, daß in diesem Jahre der Völkerbund mehr als je praktische Arbeit leisten müsse. Die heilige Flamme von Genf dürfe nicht erlöschen, sie müsse gespeist werden nicht durch Reden, sondern durch wirkliche Taten! Es gibt wohl kaum jemanden, der im Ernst behaupten könnte, die Völkerbundsversammlung habe diese Worte ihres Präsidenten wahr gemacht. Die fünfzig Mitglieder des Bundes, die in den letzten Tagen um ein neues, das mexikanische, vermehrt wurden, gehen jetzt auseinander, ohne etwas erreicht zu haben, als die Annahme eines Abkommens über die Kriegsverhütung und eines weiteren Abkommens über den Walfischfang... Das ist, so muß man ehrlich sagen, ein sehr bedauerliches Ergebnis, ein Ergebnis, das sich eigentlich nur eine Welt gestatten könnte, die keine Sorgen hat,— das aber in einer kritischen Zeit wie der heutigen, gemessen an den Nöten der Gegenwart und an der Notwendigkeit wirklicher Zusammenarbeit der Völker, erst in seiner ganzen Wertlosigkeit erscheint. Gewiß hat man gesagt, daß sich der Völkerbund in diesem Jahre zu ungelegener Zeit versammele,— aber, so muß man fragen, hätte sich nicht die neue Methode internationaler Zusammenarbeit gerade jetzt erweisen müssen? Um so mehr, als aus den langen Beratungen des Europaausschusses, der Generaldebatte und den späteren Ausschußsitzungen der Völkerbundversammlung zwei praktische Vorschläge hervorgegangen waren, die auf dem Gebiete der Wirtschaft und äuf dem Gebiete der Rüstungen zu einer wenigstens kleinen Besserung des gegenwärtigen Zustandes beigetragen hätten, wenn— sie verwirklicht worden wären. Aber weder der Plan, eine Industriebank zur Vermittlung mittel= und langfristiger Kredite zu schaffen, den alle hervorragenden Wirtschaftskenner, wie Colijn(Holland), Ritter(Deutschland), Salter(England) und Stucki(Schweiz) unterstützen, ist in die Tat umgesetzt worden, noch der großzügige, von Italien mit amerikanischem Einverständnis in die Debatte geworfene Vorschlag einer allgemeinen Rüstungspause als Vorbereitung auf die Abrüstungskonferenz! Wäre der Raum nicht zu beschränkt, hätten wir noch den ganzen Artikel der Germania abdrucken sollen, in dem nun Ansichten zum Ausdruck kommen, die hier im Aufwärts die Jahre hindurch immer laut geworden sind. Es wird festgestellt, daß sich das„demokratische Prinzip“. des Völkerbundes selber Lügen gestraft habe, weil offensichtlich eine Minderheit(die militärischen Mächte Frankreich, Japan, Polen, Jugoslawien) die übergroße Mehrheit in ihren Entschlüssen bestimmt habe, wiederum ein Beweis dafür, daß in Genf nicht die Stimmen zählen, sondern die tatsächliche Macht. Der Artikel geht dann noch auf die Haltung des Völkerbundes im chinesisch=japanischen Konflikt ein und meint, diese Haltung habe allen ehrlichen Freunden des Völkerbundsgedankens, die noch gehofft hatten, daß dieser Völkerbund in der Lage sein werde, einen Krieg zu verhindern oder einen ausgebrochenen Streit zu schlichten, eine tiefe, unvergeßliche Enttäuschung gebracht. Wenn Lord Robert Cecil erklärte, der Friede sei gewahrt und Genf habe nicht die Aufgabe, Streitigkeiten auch zu schlichten, und der Rat„habe alles getan“, so braucht man sich über die Enttäuschung wirklich nicht zu wundern. „So nimmt man von dieser zwölften Völkerbund: versammlung mit der enttäuschenden Feststellung Abschied, daß der Völkerbund, der wirklich den Frieden erhalten könnte, noch gar nicht besteht. Lohnt es sich, neben dieser traurigen Tatsache noch zu beklagen, das auch diesmal, wie das Beispiel der gescheiterten Industriebank bewies, auf dem Gebiete der wirtschaftlichen Zusammenarbeit keine Fortschritte, sondern nur Rück: schritte zu verzeichnen sind(erneuter Protest nichteuro päischer Länder gegen die Vorzugszollbehandlung, pror tektionistische Ankündigungen der Schweiz), daß die 44°ps 47 8 S 1 Versuche, Völkerbund= und Kelloggpakt anzugleichen, zu keinem Ergebnis geführt haben, und daß auch die Behandlung der Minderheitenfrage im sechsten Ausschuß, so notwendig sie zur Vorbereitung späterer, weitergehender Aktionen auch war, jedenfalls jetzt keine Fortschritte brachte, übrigens auch nicht bringen konnte? Vielleicht darf man als einziges, wenn auch nicht greifbares Ergebnis dieser Wochen verzeichnen, daß allgemein— nur nicht durch Frankreich— die Notwendigkeit einer Neuregelung der ReparationsFrage anerkannt worden ist. „Viel Lärm um nichts“— das war diese lange Tagung, und sie läßt nichts zurück, als bange Befürchtungen für die Abrüstungskonferenz.. Diese Stellungnahme des Zentrumsorgans scheint uns deshalb so bedeutungsvoll, weil sie von einer Seite kommt, die ein lebhaftes Interesse an den durch dieses Ende des Krieges und die Revolution herbeigeführten neuen Verhältnissen in Deutschland hatte und die darauf hoffte, durch Institutionen wie den Völkerbund diese Verhältnisse in kürzerer Zeit so stabilisiert zu bekommen, daß sich auch weitere Pläne, die man mit einem neuen Deutschland hatte, verwirklichen ließen. Wo sich aber die ganzen Weltverhältnisse trotz des Völkerbundes nun jetzt immer mehr dahin entwickeln, daß ein immer größer werdendes Chaos entsteht und schließlich niemand mehr einen Ausweg sieht, wird endlich die Sorge wach und vielleicht wird man auch eines Tages anfangen, daran zu zweifeln, daß die Zerschlagung der alten deutschen Macht ein Fortschritt für die Welt gewesen ist. Wie es aber in der Zeit großer Not zur Regel geworden ist, nach fehl gegangenen Aktionen gleich wieder Hoffnungen auf die nächsten zu setzen, auch wenn der deutsche Einfluß auf die Dinge um nichts stärker geworden ist, weil das Versailler Diktat als feststehendes Gesetz diesen deutschen Einfluß ausschließt, so ist zu befürchten, daß auch die Verhandlungen mit Frankreich zuletzt auch nur Enttäuschungen bringen werden. Unsere Stellung zum Versailler Diktat ist den Lesern bekannt. Fast ungewollt schiebt sich in jeden Gedankengang unserer politischen Betrachtung das Dokument dieses sogenannten Friedensvertrages, dessen Existenz in dieser Form wir von Anfang an und bis heute für unannehmbar und für unvereinbar halten mit der Forderung und Notwendigkeit staatlicher Selbständigkeit. Und wenn daher auch jetzt als Resultat der Besprechungen zwischen den Hauptvertretern der deutschen und der französischen Regierung wieder eine neue Kommission in die Erscheinung tritt, die versuchen soll, durch eine Interessengemeinschaft der deutschen und der französischen Wirtschaft auch eine politische Verständigung herbeizuführen, und sie soll das erreichen unter völliger Aufrechterhaltung des Versailler Diktats, dann wissen wir, daß auch dieser Versuch zum Scheitern verurteilt ist. Und außerdem steigt bei jemand, der Bismarcksche Reichsgedanken immer noch für ein auch noch weiter zu erstrebendes Ideal hält, auch hier wieder der Verdacht auf, daß da nicht nur solche deutsche Gesichtspunkte leitend sind, sondern daß auch Wünsche vorliegen und Ziele erstrebt werden, an denen außer den deutschen Zentrumsleuten auch die römische Kirche ein großes Interesse hat. Wie wenig Hoffnung aber auch solche Kreise, denen die letztgenannten Interessen nicht gleichgültig sind, auf die Ergebnisse der deutsch=französischen Besprechungen und auf die Arbeit der in Aussicht genommenen Kommission setzen, konnten wir aus Presseäußerungen dieser Richtung feststellen. Ein parteipolitisch mehr neutrales Blatt sieht sich im Anschluß an die Unterredung Dr. Brünings mit Laval und Dr. Curtius' mit Briand veranlaßt, die sämtlichen Episoden aus den letzten 12 Jahren aufzuzählen, wo bei Verhandlungen, die auch entscheidend sein sollten, jedesmal die unversöhnliche Haltung Frankreichs eine vernünftige Von einer Stadt, einem Schloß und vom Herbst. Von Margarete Zander. Zwischen dem hellen Daseinsjubel der Natur in ihrer hohen Zeit, zwischen ihrem seligen Früchtetragen und ihrem stillen, ernsten Schlummer in Winters Arm liegen seltsame Tage. Tage, in denen das Sterben beginnt dort, wo das heißeste Leben pulste, und in denen eine Ahnung uns streift von einstigem, neuem Leben, wo Sterben zu sein scheint. Keine Zeit des Jahres wandelt ihr Gesicht so viel wie diese Herbsteszeit; auf ihrer Harfe spielt der Wind jedem, der ihm lauscht, ein ander Lied.„Goldener Herbst“, sagt er zu den Alten, die letzte warme Sonnenstrahlen auf ihren welken Händen auffangen.„Lustiger Herbst,“ ruft er dem Kind zu und wirbelt seinen bunten Papierdrachen hoch in die klare Luft.„Schauriger Herbst,“ orgelt er durch kalten Nebel vor den Ohren des Heimatlosen und jagt über die feuchten, leeren Ackerschollen hin. Das große„Stirb und Werde“ packt alle an, die Hoffnungsfrohen und die still Entsagenden, einmal im Bilde der Reife, die lachend ihre Bestimmung erfüllt, und einmal mit kalten Nebelhänden, mit der lastenden Schwermut eines dunkel verhangenen Himmels. Es gibt Städte, durch die dieses herbstliche Stirb und Werde in besonders starkem Maße zu raunen scheint, alte, reife Städte, in denen— wie im Herbste des Menschenlebens— die Stimmen der Vergangenheit stets die der Gegenwart übertönen. Nur eine ganz kurze Zeit des Jahres— wenn aus allen Gärten Veilchenduft in linde Luft steigt und im alten kurfürstlichen Hofgarten Magno= lien wie ein Traum von südlicher Schönheit stehen— scheint diese köstliche alte Stadt am Rhein, die den Herbst verkörpert wie wenige Städte, ihre Vergangenheit zu vergessen und den Versuch zu machen, sich dem Tempo des Heute anzupassen. Dann ist es, als wäre ihre wahre Entscheidung verhinderte. Das Blatt ist der Meinung, daß der Gedanke an eine Verständigung unter Aufrechterhaltung des Versailler Diktates nur ein Irrtum solcher Leute sei, denen statt des Hirnes ein Illusionsorgan im Kopfe arbeite, es sei romantische Schwärmerei. Es ist schmerzlich, in diesen schweren Tagen nicht den Mut zu finden zur Zeichnung eines hoffnungsvolleren Zukunftsbildes. Aber die aufmerksame Beobachtung des Verhaltens der beiden französischen Staatsmänner während der verschiedenen Besprechungen hat uns erneut in der Überzeugung bestärkt, daß ohne die Beseitigung des Gesetzes von Versailles ein deutscher Aufstieg in menschenwürdiger Freiheit nicht möglich ist. Das wird wohl auch unser Schwanengesang bleiben. Das Ende der Wir sind dabei, ein immerhin wichtiges Ereignis zu verschlafen. Es handelt sich um nichts geringeres als um das Ende der Weltwirtschaft, dieser Weltwirtschaft, die immer nur ein recht zweifelhafter Begriff gewesen ist, die aber nun offensichtlich in den letzten Zügen liegt. Was haben wir uns den Kopf darüber zergrübelt, daß Rußland mit seinen 120 Mill. Menschen sich von der Weltwirtschaft ausgeschlossen hat. Wir haben ja auch kaum wirkliche Konsequenzen daraus gezogen, daß die Vereinigten Staaten von Amerika durch die Art ihrer Wirtschaftspolitik und durch die Ablehnung aller handelspolitischen Bindungen an die Weltwirtschaft an ihren Grenzen geschlossen haben. Sind das schon zusammen 240 Millionen, so handelt es sich erneut um 400 Millionen Menschen. Es gibt nicht den geringsten Zweifel mehr, daß England zum Hochschutzzoll übergeht und einen eigentlichen Handelsverkehr nur innerhalb des Imperiums duldet. Sind wir schon einmal bei der weltwirtschaftlichen Rechnung, so müssen wir auch von der Bevölkerung des Fernen Ostens rund 400 Millionen abschreiben, weil sie für den Welthandelsverkehr vorerst nicht in Betracht kommen, wenn auch aus ganz anderen Gründen als die vorhergenannten Komplexe. Doch mit der Milliarde ist es noch nicht genug. Auch ganz Südamerika, mit Ausnahme von Uruguay und Paraguay, gehört im Augenblick nicht mehr zur Weltwirtschaft. Die Auslandsmoratorien, deren Ende noch nicht abzusehen ist, haben die südamerikanischen Staaten als Abnehmer vom Weltmarkt verschwinden lassen. Manche europäischen Staaten befinden sich auf dem gleichen Wege. Die Schweiz hat eben die Aenderung der Handelspraxis angekündigt, Holland erhöht seinen Zolltarif. Frankreich arbeitet mit Einfuhrsperren. Weitere Nachfolger werden sich finden. Das Ergebnis ist, daß zwei Drittel der Menschheit von der sogenannten Weltwirtschaft ausgeschaltet sind. Wir haben nicht zu untersuchen, ob das ihr Vorteil ist. Aber wir müssen der Tatsache Rechnung tragen. Bereits von 1929 auf 1930 ist das Welthandelsvolumen um 50 Prozent zurückgegangen. So, wie es jetzt aussieht, werden die 1930 noch vorhanden gewesenen 200 Milliarden im laufenden Jahre noch einmal halbiert werden. Wir brauchen uns allein nur vorzustellen, welche Wirkung das Versagen des englischen Marktes für Deutschland haben muß. Deutschland aber treibt auch heute noch unverändert eine Politik der Weltwirtschaft. Als vor Wochen nach dem Julizusammenbruch der Weg zur wirtschaftlichen Selbsthilfe durch Unterbindung aller Einfuhr gewiesen wurde, hat man sich nicht herangetraut, weil man in völliger Verkennung der Situation vor Gegenmaßnahmen Angst hatte. Inzwischen schließt sich die Weltwirtschaft von Tag zu Tag mehr, aber immer noch ist keine Neigung zu Entschlüssen vorhanden. Hätten wir uns vor sieben Wochen zur Abdrosselung der überflüssigen Einfuhr entschlossen, so wäre die Sterbestunde der Weltwirtschaft vielleicht um eine Woche beschleunigt worden; aber wir hätten Werte von vielen Hunderten von Millionen geretSeele beim heißen Lied des Lebens entschlummert. Doch schon wenn in den alten Bäumen am Rhein die ersten herbstlichen Farbenspiele beginnen, wenn ein paar welkende Blätter, sommermüde, sich leise einrollen, wenn die Rose am Stamm sich unserer Hand nicht mehr wehrt, sondern ergeben ihre duftenden kühlen Blätter hineinsinken läßt, ist die Seele dieser Stadt hellwach. Sie singt uns ihr Lebenslied, in dem es von viel frohem, stolzem Blühen und viel schmerzlichem Vergehen klingt. Ein Traum von Vergangenem spinnt dich ein, wenn du in der weltenrückten Stille des wundervollen alten Münstergartens auf die verwitterten Säulen und Bogen blickst, die vor 2000 Jahren einen Römertempel trugen. Man begreift auf dieser alten heidnischen Kultstätte, die fast seit einem Jahrtausend eine der schönsten christlichen Kirchen trägt, die schicksalhafte Kette von Blühen und Vergehen in allem Werdenden und Gewordenen. Du eilst den Schatten der Vergangenheit nach, die so sichtbar durch die alten Gassen dieser Stadt huschen. Du siehst Ernst Moritz Arndt, den deutschen Kämpfer und Lehrer, in das erzbischöfliche Schloß eintreten, in dem nicht mehr welsches Wesen in wilder Lebensgier herrscht, sondern deutsche Wissenschaft und Forschung eine Heimstätte gefunden hat. An einer alten grünumsponnenen Friedhofsmauer findest du seine efeuüberwucherte Grabstätte. Nicht weit davon liegen Robert und Clara Schumann im Tode vereint nach einem Leben voll kurzem Glück und langem Leid. Noch einem andern Schatten mußt du nachgehen! Er führt dich in eine armselige Dachkammer, in der schon manch ein Großer der Erde die stolze Stirn beugte. Es ist Beethovens Geburtostätte. Man hat die Kammer den Geigenkasten genannt, aus dem einst der Ewige das köstliche Instrument nahm, das seine Ehre rühmen sollte. Wenn du das kleine Haus verläßt, ist der arme Große, der hier seine traurigen Jugendjahre verlebt hat, so lebendig in dir, daß du den scheuen Knaben dem Leid tet, die inzwischen vergleiche etwa die Obsterule— verdorben sind. Wollen wir erst auswachen, wenn wir als Märtyrer der Weltwirtschaft eingesargt werden? — 3. M. Starke Devisenverluste. Verminderung der Gold- und Devisenbestände der Reichsbank um 232,7 Millionen Mark. Inzwischen hat die Devisenlage des Reiches sich unter dem Einfluß der Pfundkrise verschlechtert. Die Reichsbank braucht zur Durchführung des Stillhalteabkommens, die Wirtschaft wegen des unzureichenden Rückflusses von Exportdevisen, neue Auslandswerte. So haben sich in der Ultimowoche die Bestände der Reichsbank an Gold und deckungsfähigen Devisen um 232,7 Millionen Mark auf 1439.5 Millionen Mark vermindert. Im einzelnen haben die Goldbestände um 73.6 auf 1306,8 Millionen Mark und die Devisenbestände um 159,1 auf 138,8 Millionen Mark abgenonnnen. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um die Auswirkungen der bei Inkrafttreten des Stillhalteabkommens erfolgten Freigaben und um die Auflösung der rückständigen Termingeschäfte, die ein einmaliger Vorgang ist, der am 3. Oktober abläuft und etwa 200 Millionen Mark umfaßt. Die Deckung der Noten durch Gold und deckungsfähige Devisen beträgt 31,2 Prozent gegen 40,1 Prozent in der Vorwoche. Um dieser Entwicklung ein Halt zu gebieten, hat die Reichsregierung mit sofortiger Wirkung die Devisenverordnung verschärft. Vom Freitag ab müssen alle Devisenbestände angemeldet werden. Eine Erfassung der Exportdevisen ist vorgesehen. Der Devisenerwerb wird strenger kontrolliert, die Genehmigung zum Erwerb von Devisen an strengere Voraussetzungen geknüpft. Zum Beispiel muß nach der neuen Notverordnung jeder, der mehr als 200 Mark in Devisen hat, sie der Reichsbank zum Kauf anbieten. Er muß seinen Besitz(Stichtag 2. Oktober) bis zum 10. Oktober anmelden. Der Kreis der Pflichtigen ist derselbe geblieben wie bei den ersten beiden Aufrufen zur Devisenablieferung. Darüber hinaus sind jetzt aber auch von deutschen Ausstellern ausgegebene Wertpapiere auf ausländische Währung, die an deutschen Börsen nicht zugelassen sind, ferner Auslandsforderungen mit mehr als dreimonatiger Lauf zeit anzumelden. Die Anmeldung kann bei den Reichsbankstellen und bei den Devisenbanken erfolgen. Die Entscheidung aber kann nur die Reichsbank fällen. Vom 2. Oktober ab müssen fortlaufend alle neuen Devisen, die nicht mit besonderer Genehmigung erworben wurden, auch Exportdevisen ohne Rücksicht auf ihre Höhe innerhalb von drei Tagen der Reichsbank angemeldet werden. Auch Devisen, die nach den Bestimmungen über die Freigrenze erworben sind, müssen einen Monat später gemeldet werden. Diese Freigrenze ist, wie erwähnt, jetzt von 1000 auf 200 RM herabgesetzt. Aber nur noch Volljährige, die sich mit einem amtlichen Reisepaß ausweisen, können bis zu diesem Betrag Devisen erwerben und müssen ihn von der Bank im Paß einzeichnen lassen. In der neuen Devisenordnung findet sich auch die Bestimmung, daß die Versendung von und die Verfügung über Gold, d. h. außer Kurs gesetzte Goldmünzen, Jeingold, legiertes Gold, Roh- oder Halbfabrikat, genehmigt werden müssen. Verkehr mit Gold ist nur noch zu gewerblichen Zwecken erlaubt. Auch die Richtlinien über den Verkehr mit Devisen zur Ein= und Ausfuhr sind wesentlich verschärft. Genehmigungen werden nur auf eine monatliche Höchstsumme erteilt. Dabei wird von der Tatsache ausgegangen, daß die Einfuhr seit dem letzten Jahr wesentlich zurückgegangen, also auch der Bedarf an Einfuhrdevisen wesentlich geringer sei als im Vorjahr. Auf gewisse Industrie= und Handelszweige wird besonders Rücksicht genommen Ueberfall in Marokko.— Elf Tote. * Straßenarbeiter, die beim Straßenbau in der Gegend von Tarudant in Marokko beschäftigt waren, wurden von Aufständischen überfallen und beschossen. Elf Arbeiter wurden getötet, neun verletzt. des Elternhauses entfliehen siehst, hinein in die weihevolle Dämmerung der kühlen alten Kirchen, durch deren Hallen dann die Melodien sangen und brausten, die in ihm lebten. — Gewiß, Bonn mit seinen wachen Klängen aus der Vergangenheit, mit seinen Schlössern und wundervollen alten Alleen, mit seinem Rheinstrom, der seiner lieben Stadt väterlich zuzulächeln scheint, ist eine herbstliche Stadt. Doch da hier nichts eigentlich gestorben ist, sondern nur jenem Gesetz des Lebens, das Verwandlung heißt, gefolgt ist, da überall junges, neues Sein aus den Ruinen blüht und das herbstliche Geheimnis der Schöpfung uns hier in lauter wehmütig=holden Gleichnissen aufgeht, ist Bonn eine Stadt des hoffnungsfrohen und goldenen Herbstes, in dem die Stimmen des Lebens wohl leiser werden, aber nicht verstummen. Doch du schreitest weiter— über Felder und durch Gärten, die nun leer stehen, da ihnen die Erfüllung des Jahres geworden ist— um eine Stätte zu erreichen, wo der Herbst ein anderes Gesicht zeigt. Ahnungen letzter Einsamkeit, schmerzlichen Bewußtwerdens der Vergänglichkeit allen eitlen Menschenwerks umklingen das stolze Schloß Brühl wie ein mißtönender Krähenschrei. Du schreitest durch das wappengeschmückte verwitterte Steinportal erwartungsvoll wie zu einem Fest. Mit königlicher Pracht umfängt dich das Treppenhaus und die stolze Flucht der herrlichen Festsäle. Von den Wänden herab blicken auf den fremden Eindringling immer wieder die Gesichter jener Kardinäle und Erzbischöfe, die wie in Cäsarenwahn zwischen die Hütten kleiner, mühseliger Ackerbauer dieses pomphaft üppige Schloß bauten. Rätselhaste Gesicher, auf denen die Müdigkeit letzter Sprossen alter Fürstengeschlechter eine Maske zu tragen scheint, zusammengesetzt aus Menschenverachtung und lächelndem Sarkasmus. Aus jener Zeit der schönheitsdurstigen und lebenshungrigen geistlichen Fürsten stammt das französische Wort: Tout lasse, tout passe, tout casse.(Alles ermü Aer*•***„„HTsren. — Berlin, 3. Oktober. Wie verlautet, hat das Reichskabinekt die Notverordnung zur Durchführung des Winterprogramms bis auf die letzte redaktionelle Bearbeitung fertiggestellt. In der Frage der Sondergerichte, die zur schnelleren Aburteilung politischer Terrorakte und ernster wirtschaftlicher Vergehen eingesetzt werden sollten, ist eine neue Fühlungnahme des Reichskabinetts mit den Länderregierungen im Gange, so daß die Veröffentlichung der Notverordnung nun doch noch etwas auf sich warten lassen dürfte. Um das Winterprogramm der Regierung sind viele Gerüchte und Vermutungen im Umlauf, die aber so lange wenig besagen wollen, als die Schlußredaktion noch nicht beendet und die letzte Entscheidung gefallen ist. So wurde versucht, die Regierung mit den Forderungen der Wirtschaftsverbände oder denen der Gewerkschaften zu identifizieren. Beides ist, das wird von zuständiger Stelle versichert, nicht richtig. Für die Regierung seien diese Forderungen in gewissem Maße Anregungen gewesen, im wesentlichen aber dienen sie dazu, die notwendige Klarheit über die Meinung der Kreise zu hören, von deren Zusammenwirken das Funktionieren der deutschen Wirtschaft überhaupt abhängt. Die Tarispolitik, die Hauptfrage, die diese beiden Wirkschaftsgruppen als Kernstück ihres Programms betrachten, die Wirtschaftsverbände, weil sie eine Lockerung für unerläßlich halten, die Gewerkschaften aller Richtungen, weil sie an dem Tarifrecht nicht rütteln lassen wollen, soll in der Notverordnung nicht berührt werden. Erst wenn das Winkerprogramm fertig ist, wird der Reichskanzler mit den Arbeitgeber= und Arbeitnehmerorganisationen über die Möglichkeit verhandeln, wie trotz der Meinungsgegensätze die Grundlage zu einer Zusammenarbeit zu schaffen ist. Ob diese Zusammenarbeit, wie man hofft, zu sogenannten Arbeitsgemeinschaften führen wird, die sich früher bewährten, ist noch eine Frage, die sich erst beantworten läßt, wenn nach der Notverordnung und auch wohl nach der Reichstagstagung wieder eine größere Beruhigung eingetreten ist. Regierung und Wohnungspolitik Auskunfterteilung im Wohnungsausschuß im jetzigen Stadium abgelehnt. — Berlin, 3. Oktober. Auf das Ersuchen des Wohnungsausschusses des Reichstags, darzulegen, ob und inwieweit ein Abbau des Mieterschutzes geplant ist, hat Reichskanzler Dr. Brüning ein Schreiben an den Ausschuß gerichtet. In diesem Schreiben hält der Kanzler es im Hinblick darauf, daß diese Fragen augenblicklich Gegenstand von Erörterungen innerhalb der Reichsregierung sind, im Interesse der Sache nicht für förderlich, Auskünfte durch Vertreter der Regierung zu erteilen. Der Kanzler bat deshalb den Ausschuß, von der Zuziehung von Regierungsvertretern abzusehen. Nach kurzer Debatte vertagte sich der Wohnungsausschuß danach bis zur Wiedereroffnung des Reichstags am 13. Oktober. Annahme fand zuvor noch eine sozialdemokratische Entschließung, die die Reichsregierung ersucht, von einer Aenderung des Mieterschutzgesetzes, des Reichsmietengesetzes und Wohnungsmangelgesetzes bis zur Verabschiedung eines sozialen Mietrechks Abstand zu nehmen. Für die Entschließung stimmten Sozialdemokraten und Kommunisten, die im Ausschuß angesichts des Fehlens der Nationalsozialisten und Deutschnationalen die Mehrheit bildeten. Neuer Schritt Hoovers? Angeblich steht ein neuer amerikanischer Vorschlag zur Verbesserung der Lage bevor. — Washington, 3. Oktober. Der Vertreter der englischen Reuter=Agentur meldet: Die in- und ausländische Wirtschaftslage ist, wie verlautet, in einer wichtigen Konferenz erörtert worden, die Präsidet, alles vergeht, alles zerbricht.) Ob der Letzte aus ihrer Reihe nicht im Gebälk seines für Jahrhunderte gebauten Schlosses das unheimliche Knistern gehört und an der Wand die Flammenschrift gesehen hat, als drüben in Frankreich in heißem Blutrausch Freiheit und Menschenrecht verkündet wurde? Ahnte er, wie schnell heiße Wirklichkeit hinabstürzen und ein Nichts werden könnte? Was ist im Wandel der Zeit geblieben von der harten und stolzen Herrschaft über Menschenschicksale, die uns Kinder einer anderen Epoche seltsam anmutet, besonders in der Hand der Diener Gottes? Nichts als das Schloß, dessen kalter Atem dich erschauern läßt. Ranke sagt einmal: „Jede Epoche ist gottunmittelbar.“ Dieses tiefe und ehrfürchtige Wort über Voraufgegangenes kann uns Heutigen Helfer sein zum Verständnis. Die großen toten Augen des Schlosses blicken in eine weite anmutige Landschaft, die der Gestaltungswille jener Gebieter zu einem bezaubernden, schönheitsgesättigten Park umgeformt hat. Die stolze Fassade des Schlosses spiegelt sich in einem schwermutvollen See. Regentropfen springen hinein, bilden Ringe, Kreise, als wollten sie, die Kleinen, das Bild der großen Vergangenheit trüben. Geschwungene Brücken mit kunstvollem Geländer führen zu verschwiegenen Parkwinkeln; man sieht Geist liebliche Gestalten darüber huschen zu heimlicher Liebe oder heimlichem Leid. Aus dem Dunkel der nebelverhangenen alten hohen Bäume, die so ernst und ruhevoll in dem ewig wandelbaren Lebensstrom stehen, leuchten weiße Marmorfiguren auf. Zu ihren Füßen modert das Laub. Der Hauch der Verwesung kriecht empor und läßt dich erbeben. Du sehnst dich fort aus dieser grenzenlos verlassenen, sterbenden Vergangenheit! 4 Krähen schrei'n und ziehen schwirren Flugs zur Stadt: bald wird es schnei'.— wohl dem, der dann noch Heimat hat!“ denk Hoover mit dem Unterstaatssekretär des Schatzamts Mills, dem Gouverneur des Bundesreservedirektoriums Meyer, dem Handelssekretär Lamont und dem Staatssekretär Stimson abhielt. Eine nach Beendigung der Konferenz ausgegebene Erklärung besagt lediglich, der Präsident habe eine neue Bemühung„zur Verbesserung der Lage" erwogen. Es könne aber gegenwärtig nichts darüber mitgeteilt werden. Da der amerikanische Präsident bisher auf den Standpunkt gestanden hat, daß er vor dem Wiederzusammentritt des Kongresses und der Billigung seines ersten Vorschlags durch das Parlament neue Schritte nicht unternehmen könne, bedeutet diese Meldung, wenn ihr Inhalt zutrifft, eine neue Schwenkung der amerikanischen Politik. Will Präsident Hoover unter dem Drucke der anhaltenden Verschärfung der Krise nochmals von sich aus handeln, um nachträglich die Genehmigung seiner Maßnahmen beim Kongreß nachzusuchen, oder soll etwa der Kongreß, der normalerweise im Dezember zusammentritt, früher einberufen werden? Angesichts der Unklarheit der Reutermeldung wird man aber gut tun, vorerst weitere Nachrichten aus Washington abzuwarten. * Neuer Senator Borah, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des amerikanischen Bundessenats, erklärte in einer Unterredung mit Pressevertretern sein volles Einverständnis mit dem Plan des amerikanischen Präsidenten, der eine scharfe Drosselung der Wehrausgaben vorsieht. Ferner betonte Senator Borah, er sei dadurch, daß die Entscheidung in der Frage der deutsch-österreichischen Zollunion mehr nach politischen als juristischen Gesichtspunkten gefällt wurde, in seiner Absicht bestärkt worden, Amerikas offiziellen Beitritt in den Völkerbund zu bekämpfen. Für Hoovers Feierjahr der deutschen Reparationszahlungen werde er sich mit Begeisterung einsetzen. Mit Bezug auf den Besuch Lavals in Amerika bemerkte der Senator, daß wirklicher dauerhafter Friede und wirtschaftliche Erholung in Europa erst dann einziehen könnten, wenn die Verträge von Versailles und St. Germain gründlich revidiert worden seien. Auch die Beschränkung der Rüstungen hänge von dieser Revision ab, da die genannten Verträge auf der Beibehaltung großer Heere und Flotten gegründet seien. Besonders erneuerungsbedürftig seien natürlich die Bestimmungen über Reparationen. Mietsrecht und Notverordnung. Eine Erklärung der Reichsregierung. Gegenüber den Nachrichten über beabsichtigte Aenderungen der Wohnungszwangswirtschaft wird von amtlicher Stelle folgendes mitgeteilt: „Es stehl noch nicht fest, ob die Gesetze, die sich mit der Wohnungszwangswirtschaft befassen, in einer Notverordnung geändert werden. Bei etwaigen Aenderungen würden jedoch selbstverständlich die notwendigen sozialen Rücksichten, insbesondere auf die Inhaber kleiner und kleinster Wohnungen, genommen werden. Im übrigen hat bekanntlich die Notverordnung vom 1. Dezember 1930 bestimmt, daß zunächst das Mietsrecht des Bürgerlichen Gesetzbuches unter sozialen Gesichtspunkten ausgestaltet sein muß, ehe das Reichsmietengesetz und das Mieterschutzgesetz aufgehoben werden. Auch daran wird festgehalten werden.“ Gleiche Sicherheit für alle! Forderung der alten Soldaten. Der Deutsche Reichskriegerbund Kyffhäuser veranstaltete im Berliner Sportpalast aus Anlaß des 84. Geburtstages seines Ehrenpräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg einen vaterländischen Abend, zu dem neben dem Reichswehrminister, den Chefs der Heeresleitung und der Reichsmarine viele Tausende von Angehörigen des alten Heeres und ehemaliger Frontkämpfer erschienen waren. Der erste Bundespräsident General der Art. von Horn feierte in einer Ansprache den Reichspräsidenten als Beispiel treuer Pflichterfüllung und Opferbereitschaft. Er sprach weiter über die Aufgaben des Kyffhäuserbundes, als die er den Kampf gegen die Kriegsschuldlüge und die Erhaltung und Vertiefung des Wehrwillens bezeichnete. Der zweite Redner Generalleutnant von sprach über„das Wettrüsten der Nationen und Deutschlands Recht auf Sicherheit.“ Er faßte seine Ausführungen dahin zusammen, daß die Schrecken des Zukunftskrieges jeden Verwortlichen mahnen müßten, sein Volk vor einem solchen unerhörten Wagnis zu schützen. Wer Deutschlands Recht auf Sicherheit vertrete, vertrete zugleich ein europäisches und ein Weltinteresse. Am Schluß seiner Ansprache forderte der Redner dazu auf, den deutschen Vertretern auf der bevorstehenden Abrüstungskonferenz zu zeigen, daß die Masse des deutschen Volkes hinter ihnen stehe, wenn sie die einfache Forderung: Gleichberechtigung, gleiche Ticherheit und gleiche Meihoden bei der Abrustung stellen. In einer Entschließung wurde Gleichberechtigung auch in der Sicherheit und in der Wehrfrage gefordert. Die Gewerkschaften gegen Eingriffe in das Tarifrecht. — Berlin, 3. Oktober. Der Bundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes beschäftigte sich in seiner ersten Sitzung nach dem Frankfurter Gewertschaftskongreß mit der gegenwärtigen innerpolitischen Lage. Die Debatte ergab die einmütige Ablehnung jedes Eingriffs in das geltende Tarifrecht. Die Gewerkschaften seien entschlossen, an den grundsätzlichen Bestandteilen des Tarifrechts unter allen Umständen festzuhalten. In der Behandlung der Arbeitszeitfrage durch die Regierung müßten die Gewerkschaften auf dem strikten Verbot aller Ueberstunden bestehen und darüber hinaus das Ziel der 40=StundenWoche mit Entschiedenheit verfolgen. Neuer Ausschluß aus der SPD. — Frankfurt a.., 3. Oktober. Der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Andreas Portune ist vom Parteivorstand aus der Partei ausgeschlossen worden. Aufruhr in der Mandschurei. Meuternde Soldaten gegen chinesische Polizei.— Bombenwürfe japanischer Flieger. — Tokio, 3. Oktober. In Riutschwang in der Mandschurei sollen sich schwere Unruhen ereignet haben. 800 räuberische Soldaten griffen die Stadt an. Es kam zu einem Kampf mit 350 chinesischen Polizisten. Die Stadt soll in Flammen stehen. Die Verbindung mit der Außenwelt ist abgeschnitten. Auch das japanische Konsulat wurde angegriffen. In Tschangtschun sollen japanische Flugzeuge 60 Bomben auf eine Abteilung von 6000 chinesischen Soldaten abgeworfen haben, die die auf einer Erkundung befindlichen Flugzeuge beschossen hatten. * Vorbereitungen für die Ueberwinterung der japanischen Truppen in Mukden. Moskau(über Kowno), 3. Oktober. In russischen amtlichen Kreisen ist man der Ansicht, daß die militärische Besetzung der Mandschurei durch die japanischen Truppen von längerer Dauer sein werde. Man nimmt an, daß die Besetzung mindestens 6 Monate dauern werde, da die Japaner schon jetzt Maßnahmen für die Ueberwinterung ihrer Truppen in Mukden getroffen haben. Nach einer russischen Meldung aus Tokio hat das japanische Kriegsministerium die Entsendung weiterer Truppen nach Mukden und Tschangtschung angeordnet, um die Bewachung der Eisenbahnen zu verstärken. Die Truppen werden aus Dairen und Osaka abtransportiert werden. Glückwünsche aus aller Welt. Allgemeine Anteilnahme am Ehrentage des Reichspräsidenten. Am Geburtstag des Herrn Reichspräsidenten wurde im In= und Auslande mit herzlicher Anteilnahme des deutschen Reichsoberhaupts gedacht. Der Herr Reichspräsident selbst, der ursprünglich die Absicht gehabt hatte, Berlin auf einige Tage zu verlassen, hat diese Absicht im letzten Augenblick aus dienstlichen Gründen aufgegeben und verbrachte den Tag zurückgezogen im Kreise seiner Familie. Besonderen Anteil an dem Tage nahm das Diplomatische Korps; abgesehen davon, daß die meisten der Missionschefs sich persönlich eintrugen, hatte auch eine große Anzahl von Diplomaten ihre Gebäude zu Ehren des Tages beflaggt. Von ausländischen Staatsoberhäupten sind u. a. Telegramme vom König von Italien sowie vom Reichsverweser Horthy eingegangen; ebenso hat der italienische Regierungschef Mussolini telegraphisch seine Glückwünsche übermittelt. Groß ist die Zahl der Städte, an der Spitze die Reichshauptstadt, die dem Herrn Reichspräsidenten ihre Glückwünsche übermittelt haben. Zahlreiche deutsche Hochschulen, politische und gesellschaftliche Vereinigungen sowie ungezählte Deutsche im In= und Auslande haben dem Herrn Reichspräsidenten durch Telegramme, Briefe und Postkarten ihre Anhänglichkeit und Verehrung zum Ausdruck Die gesamte deutsche Presse gedachte in Würdigung der Persönlichkeit des Reichspräsidenten und seiner Bedeutung für das deutsche Volk des Tages. auf Lebensmittel. Ernste Ausschreitungen in britischen Städten. In verschiedenen Städten Großbritanniens, so in Salford, Bristol und Glasgow demonstrierten Arbeitslose gegen die Kürzungen der Arbeitslosenbezüge. In Bristol und Glasgow zogen Tausende von Frauen und Männern nach dem Rathaus, wo eine Abordnung dem Stadtrat ihre Beschwerden überreichte. Einen besonders ernsten Charakter nahmen die Kundgebungen in Glasgow an. Polizei zu Pferde und zu Fuß unternahm zahlreiche Knüppelangriffe auf die nach Zehntausenden zählenden Menschenmassen. Das Unterhausmitglied Mac Govern wurde verhaftet und wird vor dem Polizeigericht erscheinen. Seine Freilassung gegen Kaution wurde abgelehnt. Außerdem verhaftete die Polizei noch zwölf Personen. Vielfach kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Fensterscheiben zahlreicher Geschäfte wurden zerkrümmert und die Auslagen, darunter Konservenbüchsen, Marmeladengläser und Eier als Wurfgeschosse gegen die Beamten benutzt. Viele Personen erlitten Verletzungen; drei Polizisten mußten ins Krankenhaus geschafft werden. Nach Mitternacht wur. den zwölf Lebensmittelgeschäfte ausgeplündert. Polizisten halfen Tischlern dabei, die leeren Fensterrahmen mit Brettern zu vernageln. Erst nach 2 Uhr früh trat endlich Ruhe ein. Streikunruhen in Spanien. In der Ortschaft Pozoblanco zogen einige hundert Streikende vor die Bürgermeisterei, um den Bürgermeister festzunehmen. Polizei griff ein; wobei ein Polizeibeamter und vier Manifestanten schwer verletzt wurden. reiche Personen wurden verhaftet. Zechenbahn gesprengt. — Essen, 3. Oktober. Kommunistische Terrorgruppen haben die Verbindungsbahn zwischen den Schachtanlagen Brassert in Marl und Auguste Viktoria in Hüls an zwei Stellen gesprengt. Personen wurden nicht verletzt. Der Sachschaden ist gering. Binnen einer halben Stunde war der Sachschaden wieder ausgebessert. Auf die Ergreifung der Täter ist eine Belohnung von 300 Mark ausgesetzt worden. Schweres Explosionsunglück. Ein Ehepar lebensgefährlich verletzt.— Drei Kinder getötet. In einem Hause in Rotterdam wollte ein junges Ehepaar Wachs in einer auf einem Petroleumofen befindlichen Pfanne schmelzen, um damit Putzlappen zu präparieren. In der Pfanne befanden sich Ammoniak und Benzin. Plötzlich entzündete sich der Inhalt der Pfanne; im Nu stand die ganze Wohnung in Flammen. Die Kleider der Eheleute brannten lichterloh. Die Anglücklichen eilten auf die Straße, wo Passanten die Flammen erstickten. Schwerverletzt wurden sie ins Krankenhaus geschafft; an ihrem Aufkommen wird gezweifelt. In der Wohnung waren aber noch drei kleine Kinder von sechs Monaten bis zu vier Jahren zurückgeblieben. Als die Feuerwehr eindrang, waren die beiden älteren Kinder erstickt; der Si ling war vollkommen verkohlt. Säug. Hinweis. heutigen Auflage für Bethel=Eckardtsheim liegt ein Fahrplan der Autobuslinie Schloß=Holte—Eckardtsheim, Kracks— Bielefeld(A. Wittler) bei, auf den wir besonders hinweisen. Dieser Fahrplan tritt am Montag, den 5. Oktober, in Kraft. * Ein zweifelhaftes Vergnügen konnte man früher das Säubern der Bohnerlappen, des Besens und des Mops nennen. Der Schmutz ging einfach nicht heraus und wenn man sich noch so schrecklich damit abplagte. Heute machen die Frauen das anders. Sie nehmen 10 Liter heißes Wasser, geben einen Löffel iMi hinzu, und das Wunderwasser ist fertig. Mit ihm machen sie auch den hartnäckigsten Ankrustungen und dem zähesten Schmier im Handumdrehen den Garaus. 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