Bezugspreis: monatlich.25 und amt bestellt.— Fhrs sostgeld). Preis de 8a Preis der sannover 67877. mit den Beilagen„Für Herz und uund„Unser Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mr. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Wenn du der Stunde dienst, beherrschest du die Zeit; Wirk' auf den Augenblick! er wirkt in Ewigkeit. Rückert. Mn ni mmizgiiiigiiihn Ein Kampfmit ungleichen Waffen. Berlin, den 10. August 1931. Wie im„Aufwärts“ schon mitgeteilt wurde, hat der Volksentscheid vom 9. August nicht das günstige Resultat gebracht, was von vielen erhofft und von den Gegnern befürchtet wurde. Von 26,4 Millionen Stimmberechtigten haben rund 10 Millionen für die Forderung: Der Preußische Landtag ist aufzulösen, gestimmt. Diese Ziffer reicht bekanntlich nicht, weil mindestens 50 Prozent der Stimmberechtigten hätten mit ja stimmen müssen. Das veranlaßt nun die gegnerische Presse, soweit sie am Morgen des 10. August sich bereits mit diesem Ergebnis beschäftigen konnte, in einen wahren Freudentaumel auszubrechen. Ueberall kommt die Genugtuung zum Ausdruck, daß Preußen sich noch einige Monate länger der Braun=Severing=Regierung erfreuen darf. Die demokratischen Blätter, soweit sie in den Häusern UllsteinMosse erscheinen, atmen erleichtert auf, daß es insbesondere den Nationalsozialisten, im Bunde mit dem Stahlhelm, nicht gelungen ist, sich zum Beherrscher Preußens zu machen. Im Ullstein=Haus erblickt man in dem Ergebnis des gestrigen Tages eine Gesundung vom Wahnsinn und meint, daß das Wahlresultat vom 14. September durch den 9. August korrigiert worden sei; jedoch, so heißt es in einem Ullsteinblatte, sei nur leise Genugtuung am Platze, da die Flut der Verhetzung erst anfinge, zurückzuebben. Der Verlauf der schnell gestiegenen. Wasser sei sehr, sehr langsam. Mit vollen Backen bläst natürlich der„Vorwärts“ in die Siegestrompete. Er nennt das Ergebnis ein Vertrauensvotum für die preußische Regierung unter Otto Brauns Führung, dessen Bild die erste„Vorwärts"=Seite ziert. Auch der Vorwärts jubelt, daß Preußen nicht faschistisch wird, daß Chaos und Bürgerkrieg vermieden und Preußen unter der Führung der von Otto Braun geführten Regierung weiter der ruhende Pol, der Hort der Verfassung bleiben werde. Nach einigen Glossen über die Führer der besiegten Parteien kommt der Vorwärts zu dem Ergebnis, daß Hitler, Hugenberg und Seldte die Geschlagenen vom 9. August sind und der Sturm auf Preußen schmählich zusammengebrochen sei. Natürlich bekommen auch die Kommunisten ihr Teil, deren Führer„mit ihrer Parole für den Volksentscheid eine Katastrophe erlitten, da 80 Prozent der kommunistischen Wähler der Parole für den faschistischen Volksbetrug nicht gefolgt seien". Aus dem Ergebnis des gestrigen Tages schlußfolgert der Vorwärts die Möglichkeit, daß durch verstärkten Kampf es möglich sein wird, die bisher innegehabte Vormachtstellung zu halten, bezw. weiter zu festigen. Zu solch einer abwegigen Beurteilung, verbunden mit großen Hoffnungen für die Zukunft, liegt absolut keine Veranlassung vor. Vergegenwärtigen wir uns zunächst einmal das Abstimmungsresultat selbst. Bei normalen Wahlen darf man mit einer Beteiligung von durchschnittlich 80 Prozent der Wahlberechtigten rechnen. Das würde bedeuten, daß in Preußen etwa 21 Millionen Stimmen abgegeben würden. Da die Kommunisten nach dem Eingeständnis des„Vorwärts“ sich nur verhältnismäßig schwach am gestrigen Volksentscheid beteiligt haben, darf man annehmen, daß reichlich 9 Millionen Stimmen von den Parteien abgegeben wurden, welche zum Volksentscheid aufriefen. Es liegt hier ein Ergebnis vor, das zwar nicht zum Ziele führte, aber den Siegern von gestern doch zu denken geben sollte. Ferner bleiben einige Imponderabilien zu betrachten übrig, die gestern sicherlich sich zu Gunsten der Regierung Braun=Severing ausgewirkt haben. Am Tage nach dem Volksentscheid darf ruhig die Frage einmal erörtert werden, ob es taktisch richtig war, verhältnismäßig kurz vor den fäligen Landtagswahlen, welche bekanntlich im nächsten frühjahr staktfinden, jetzt noch durch einen Volksentscheid eine Verkürzung der Regierung Braun=Severing nur um einige Monate herbeizuführen. Schreiber dieser Zeilen hat, ohne es irgendwie auszusprechen, für seine Person den Standpunkt vertreten, daß mit Rücksicht auf die vorliegende kurze Frist bis zu den Wahlen ein, wenn auch verfassungsmäßiges Eingreisen, nicht mehr den Schwung hoher Begeisterung hervorrufen könne. Wäre der Volksentscheid erfolgreich verlaufen, konnten wir im November mit einer Wahl zum Landtag rechnen. Braun hätte sich dann trotzdem bis in das Jahr 1932 hinein gehalten. Im Frühjahr finden aber sowieso die Wahlen zum Preußischen Landtag statt, so daß man in letzter Zeit von vielen Wählern zu hören bekam, warum wegen einiger Monate nun noch eine so große Kraftanstrengung? Jedoch wird diese taktische Frage wohl nicht entscheidend das Abstimmungsresultat beeinflußt haben. Das Gefühl der Unfretheit vieler Wähler dürfte von ausschlaggebenderer Bedeutung gewesen sein. In Wirklichkeit handelte es sich nicht um eine geheime Wahl, da die Gegner durch Fernbleiben von der Urne dasselbe Ziel erreichen, so daß durchweg diejestigen, die zum Wahllokal gingen, als die bösen Gegner der preußischen Regierung angesehen wurden. Diese Tatsache, nicht in diesem Sinne abgestempelt zu werden, hat Millionen veranlaßt, dem Wahllokal fernzubleiben. Die Beamtenschaft z. B. hat in den 12 Jahren sozialdemokratischer Herrschaft es längst gelernt, ihre politische Einstellung nicht allzu öffentlich zur Schau zu tragen. Wir haben erst kürzlich davon gesprochen, wie sehr bei Einstellungen und Entlassungen das Parteibuch ausschlaggebend ist. Wer von den Beamten oder Angestellten möchte seine Stellung oder seine Karriere gefährden? Bei der scharfen Stellungnahme, die die Regierung bei diesem Volksentscheid bekundet hat, muß man annehmen, daß vorstehende Erwägungen für viele Beamte und Angestellte in dem Sinne ausschlaggebend gewesen sind, daß man lieber zu Hause blieb. Aehnlich so geht es manchen Geschäftsleuten, die einen sozialdemokratischen Boykott zu befürchten haben. Nehmen wir nun noch hinzu, daß die Preußische Regierung zu ihren Gunsten die Presse=Notverordnung benutzt hat, was, von Frankreich abgesehen, in der übrigen Welt eine scharfe Verurteilung erfuhr, so haben wir ungefähr die Gründe, welche das gestrige Resultat so ungünstig beeinflußten, so daß man wohl mit Recht von einem Kampf mit ungleichen Waffen reden darf. Vergessen wir nicht, daß im demokratischen Preußen von einer demokratischen Regierung Hunderte von Zeitungen und Zeitschriften verboten wurden, die sich in mehr oder weniger deutlicher Form für den Volksentscheid einsetzten, und daß Staatsmänner, die sonst Gewissens= und Meinungsfreiheit als höchste Bürgerzierde hinstellen, sich etwas erlaubten, was bisher in der Weltgeschichte einzig dasteht, nämlich, die gesamte Presse Preußens zu zwingen, einen Aufruf an hervorragender Stelle in Fettdruck zu bringen, in dem die Ansichten der rechtsstehenden Leserkreise in geradezu unglaublicher Weise mißhandelt wurden. Wenn man nun noch berücksichtigt, daß es natürlich auch Laue und Gleichgültige gibt, die das Gebot der Stunde nicht erkannten, dann kann man verstehen, daß den national gesinnten Kreisen der Sieg versagt blieb. Die aufgezählten Gründe zeigen aber auch, daß das Jubelgeschrei der sozialdemokratischen und demokratischen Presse in Verbindung mit Zukunftshoffnungen durchaus nicht am Platze ist. Auch das gestrige Resultat zeigt unter Berücksichtigung der erwähnten Imponderabilien, daß die natinoale Welle in Preußen nicht zurückflutet, sondern im Wachsen begriffen ist. Die Wahrheit dieser Behauptung wird erbracht, wenn es sich im Frühjahr 1932 um eine wirklich geheime Wahl handeln wird. W. W. Brief aus dem Auslande. Ueberhaupt sieht man absichtlich über die katastrophale wirtschaftliche Not in Deutschland hinweg. Man hat dann einmal einen Grund, weitere Gelder verlangen zu können, und die Radikalisierung Deutschlands bietet einen Vorwand zur Aufrüstung. So lassen sich sonst wirklich ernste Zeitungen zu einer unglaublichen Hetze hinreißen. Z..: Die Zahlungen aus dem Youngplan, 1,7 Milliarden, betragen nur 5 Prozent(!) des deutschen Staatshaushaltes(Temps), und das Defizit entsteht nur durch die riesigen Summen, die Deutschland für die Vorbereitungen eines neuen Krieges ausgibt, während es nicht einmal die Verwüstungen,„die seine Truppen unter Marschall von Gindenburg angerichtet haben“(!), bezahlen wolle. Schlimmes aber leistete sich die auch in Frankreich viel gelesene„Gazette de Lausanne“, die in einem Artikel über Chequers und die Notverordnung auch die deutsche Wirtschaftskrise besprach und feststellte, daß die Krise doch gar nicht so groß sein könne, denn die besten Kunden in den teuersten Schweizer Berghotels seien Deutsche, die dort großspurig Geld ausgäben, und man schloß mit dem ironischen Satz:„tant mieux vour eux, et pour notre pays.“ Ein Kommentar für eine solche aus der Froschverspektive gesehenen Auffassung erübrigt sich. Aber vielleicht zieht man endlich die Konsequenzen!— Selbst die Rheinfrage ruht noch nicht: In dem geistig sonst hochstehenden„Journal des débats“ konnte man letzthin lesen, daß Taillerand 1815 den Fehler begangen habe, Preußen nicht vom Rhein abgedrängt und die Grenzen von 1795 erreicht zu haben. Derselbe Fehler sei in Versailles 1919 gemacht worden, und man stehe jetzt wieder da, wo man vor 1870 stand. Begreift man jetzt, wenn die Hearstpresse Frankreich eine„beständige Kriegsdrohung und großsprecherische Piratennation“ nennt? Und gegen diese Mauer von Chauvinismus muß selbst der beste deutsche Verständigungswille vergeblich anrennen. Das scheint alles ungeheuer übertrieben und einseitig gesehen. Aber selbst Deutsche, die Pazifisten und Sozialisten sind, machen hier dieselben Beobachtungen. Und eine andere französische Ansicht, wie wir sie neulich in dem allerdings italienisch eingestellten Savoyen fanden, daß man, um den Krieg zu vermeiden, zuerst Poincaré und dann Kaiser Wilhelm hätte aufhängen sollen, haben wir noch nicht wieder angetroffen. Für den Chauvinismus aber kann man hier eine politische und psychologische Erklärung finden: Die Furcht vor Deutschland spielt dabei die größte Rolle. Das ist nicht etwa unsere Einbildung. Man ist in Frankreich selbst der Meinung, daß der Schrecken, den alle Franzosen bei der schnellen deutschen Mobilmachung im August 1914 und bei dem Vormarsch auf Paris bekamen, ihnen noch heute in den Gliedern steckt. Man erwartet immer, daß Deutschland noch einmal so schnell wiederkommen würde. Und man betrachtet auch unter diesem Gesichtspunkte jeden technischen Fortschritt in Deutschland. „'Allemagne surprend toujours!“ hörten wir neulich sagen. Daß ein so riesiger und kostspieliger Bau wie der Zeppelin friedlichen Zwecken dienen soll, ist ihnen unbegreiflich. Und während die Deutschschweizer ihm zuwinken, fühlen sich die französischen Schweizer beunruhigt und vergleichen die Ueberfliegung der Schweiz mit der Grenzverletzung französischer und polnischer Flieger: „Il prend la topographie de la Suisse vour la prochaine guerre!" Was kann er auch anderes wollen! Aber auch die Ausbildung der Deutschen erregt ihr Staunen; und dieselben chauvinistischen Zeitungen stellen in Aufsätzen über Dr. Brüning und Curtius fest, daß sie,„wie fast alle Deutschen“, einen Doktortitel haben. Zusammenfassend kann man die Beobachtung machen, daß nach der Meinung der Franzosen die Gelegenheit nicht günstiger sein kann, ein so gefährliches Volk von 70 Millionen— sie selbst haben nur 40 Millionen— an der Kette zu haben, und so der eigenen Herrschaft sicher zu sein. Namentlich die Bevölkerungsziffern machen ihnen augenblicklich große Sorge. Aber sie sehen mit Zuversicht in die Zukunft, denn sie können schon jetzt mit Freude feststellen, daß das Durchschnittsalter in Deutschland bedeutend höher ist als in Frankreich, und das deutsche Volk vergreist. Aber was noch wichtiger ist, sie stellen fest, daß der Geburtenüberschuß in Deutschland nicht nur immer mehr zurückgeht, sondern sogar hinter dem französischen zurückbleibt, und rechnen schon den Zeitpunkt aus, wo das deut“ sche Volk mit 46 Millionen hinter dem französischen stehen wird: 1975! Hüten wir uns!! An dieser ganzen Auffassung der Furcht vor Deutschland ist aber zum nicht geringen Teil die deutsche Vorkriegspolitik schuld. Ihre Zickzackwege, die ja eigentlich mehr Ratlosigkeit waren, beunruhigten die öffentliche Meinung in Europa ganz ungeheuer. Man denke auch nur daran, daß vor dem Kriege unser Nationalfeiertag nicht die Reichsgründung, sondern die Schlacht bei Sedan, die Vernichtung der Franzosen war. Das mußte immer wieder neues Oel aufs Feuer gießen. Besonders, wenn man bedenkt, daß der Romane bei seiner formalen Veranlagung mehr auf das Aeußere, auf die Form sieht, während der Deutsche mehr Gewicht auf den Inhalt legt: „wie eine Sache gemeint ist.“ Die Furcht und Abneigung gegen Deutschland findet sich jetzt auch in den Geschichtsbüchern wieder, wo man sie den Kindern eintrichtert. Und selbst für die gehobeneren Volksschulen hat man die moderne Geschichte— merkwürdigerweise nicht die alte! — auf ganz glatte und einfache Formeln gebracht. Die Kriegsschuld Deutschlands wird einwandfrei festgestellt, z B.„Deutschland fühlt sich stark genug, Frankreich endgültig zu zertrümmern und seine Herrschaft ganz Europa aufzuzwingen. Dagegen verbünden sich Frankreich und Belgien im Westen und Rußland und Serbien im Osten. Im Mord von Serajewo findet Deutschland den Vorwand zum Krieg.“ So lernen die Kinder in der Schule auswendig. Und diese Sätze, die Oesterreich=Ungarn gar nicht erwähnen und grobe Tatsachen(Bündnispolitik) umdrehen, stammen von einem Universitätsprofessor(!!). Was Wunder, wenn das Volk verhetzt ist! Ein Volk, das so impulsiv ist wie die Franzosen, die z. B. in einem gar nicht deutschfeindlichen englischen Kriegsfilm dem Ab' sturz eines deutschen Fliegers Beifall klatschen, nur weil ihr Blut sie dazu treibt, und sie alles förmlich miterleben. In politischer Hinsicht läßt sich mancher Vergleich ziehen mit dem Vorkriegsdeutschland: Man hat den Erb feind niedergeworsen und kann an den Ausbau des Sieges denken. Ungeheure Geldmassen fließen jährlich nach Frankreich, was auch schon rein äußerlich seinen Ausdruck findet in den Kriegerdenkmälern, die an pompöser Geschmacklosigkeit die unseren von 1870 weit übertreffen: sie zeigen Sieg und Reichtum, aber nicht Gedenken. — Aber im Gegensatz zu der Defensivpolitik Bismarcks, die den Frieden garantierte, muß Frankreich jetzt als Hüter des Versailler Vertrages eine höchst aggressive Politik treiben und benötigt dazu einen ungeheuren militärischen Apparat, denn außer den eigenen Grenzen und Erwerbungen muß es die ganzen unmöglichen Grenzen und Staaten des Ostens, die einem 70=Millionenvolk das Blut abschnüren, mit halten, wenn nicht das ganze„Friedenswerk“ ins Wanken geraten soll. Was schon immer schwieriger wird, da auch in französischen Zeitungen und erst recht im übrigen Ausland die Erkenntnis der Unmöglichkeit des Versailler Vertrages wächst und ausgesprochen wird. Deshalb muß die Oeffentlichkeit in einem Erregungszustand gehalten werden. Und durch die Meldungen„von dauernden Kriegsrüstungen Deutschlands“ beginnt man schon jetzt die Abrüstungskonferenz zu boykottieren. Das ist zum Teil auch gelungen: Die Jungen singen schon auf der Straße im Rhythmus:„Vive la, oive la, vive la paix, quand nous, quand nous faut la paix!“ Es lebe der Friede, wenn wir ihn brauchen! Und junge Leute sind hier der Ansicht daß die Verträge, die im Grunde genommen ein Fetzen Papier seien, nicht in erster Linie dem Frieden Europas, sondern der Sicherheit, d. h. der Herrschaft Frankreichs, dienen. Eine solche Politik Frankreichs wird noch möglich sein, solange ihr der Völkerbundsminister das Mäntelchen der Friedensbestrebungen umzuhängen vermag. Ob aber die übrige Welt, wenn dieser Minister nicht mehr sein wird, nicht die Seite Frankreichs verlassen wird, mag dahingestellt bleiben. Noch ein Punkt gibt Frankreich Veranlassung zu seiner Politik, die Deutschland in der Hand zu haben wünscht: Rußland. In der Auffassung über Rußland— auch in den Schulgeschichtsbüchern— zeigt sich der ganze Haß des extremen westlichen Kapitalismus gegen Rußland, der uns zunächst ungewohnt erscheint. Deutschland bildet die Brücke zwischen dem Osten und dem Westen. Und Leide versuchen, diese Brücke in ihren Besitz zu bekommen, Rußland durch revolutionäre Propaganda und der kapitalistische Westen durch die wirtschaftliche und politische Niederhaltung Deutschlands. Und wenn das deutsche Volk noch Wert darauf legt, seine Geschicke in Zukunft noch selbst zu bestimmen, so muß es sich schleunigst noch in zwölfter Stunde besinnen. Hn. Aus dem Ruhrkohlenbezirk. In der letzten Statistik des Bergbauvereins wird festgestellt, daß in der Nachkriegszeit bis jetzt 113 Zechenbetriebe stillgelegt sind und noch ist die Zahl der Stilllegungen nicht abgeschlossen. Dementsprechend ist die Ziffer der Beschäftigten im Ruhrbergbau, die 1910 noch annähernd 500 000 Mann betrug, bis jetzt etwa auf die Hälfte gesunken und beträgt am 1. Juli nur noch 251 792 Bergleute, d. h. 83000 weniger als vor einem Jahre. Dementsprechend ist auch die Förderung geringer geworden und doch haben die Lager der Kohlenmassen auf Ostland will ich fahren... Von Karl Wilke. Es müßte allen, die reisen wollen, eingehämmert werden: Deutschland zuerst, doch zu allererst der deutsche Osten. Vielleicht liegt's ja im Blut, daß man nicht nach Ostland fährt. Die Sehnsucht des Europäers geht nach Westen. Nach Osten bedeutet zurück. Die Menschenwelle kommt von dort, wie das Licht; wie der Lauf der Sonne geht. Osten ist Ausgang. Westen die Brandung, dahin alles rollt.— der im deutschen Mittag oder Abend Aufgewachsene weiß nichts von der Kraft, die ihm sein Ostland sein kann. Die Ruhe der Ebenen, die Einsamkeit der Wälder und Seen erquicken und entspannen die zerhämmerten Nerven; dem unverbrauchten Boden entströmen hier noch Energien, mit denen die Seele zu füllen neues Lebensgefühl bedeutet. Begriffe der deutsche Stadtmensch überhaupt erst ganz, daß Erholung nicht Luxus und Zerstreuung gleichkommt, sondern Sammlung und Laden mit frischen Kräften, wie man einen Akku auffüllt— er würde für diesen Zweck auch den Osten aufsuchen; er führe gen Morgen, um sich den Frohsinn wieder zu verschaffen. Es ist auch seine moralische Pflicht, wenn er an eine Volksgemeinschaft glaubt. Die Ostmark muß es noch gesagt werden— ist doch wie das verblutende Glied unseres Volkskörpers. Gewiß leben die Leute dort wie hier im Reich, aber wie Gefangene, bedrückt und resigniert. Das klingt immer wieder durch bei den Gesprächen, und immer wieder hört man die Bitte: „Kommt oft zu uns, damit wir durchhalten können.“ Der Krieg lehrte mich, wie viele Deutsche, das schöne Land kennen und schätzen. Auf einer Vortragsreise sah ich es nun wieder und nahm, trotz des raschen Fluges derDurchfahrt, aber dafür in um so gedrängterer Form, unvergeßliche Eindrücke mit. Es gibt eine Reiseschwierigkeit nach dort, die man sich wenigstens als solche denkt: den Korridor. Ein Korridor im Haus bedeutet etwas Unerfreuliches und Kaltes. Dieser politische Korridor bedeutet dem deutschen Gefühl dasselbe, und man muß hindurch, falls man nicht mit dem Flugzeug oder dem Schiff kommt, um in das jenseitige Zimmer unserer deutschen Wohnung zu gelangen. Von dem Seelischen abgesehen— mit den faktischen Schwierigkeiten ist es nicht so schlimm. Es gibt Züge oder Wagen im Zuge genug, die patz= und zollfrei sind; man fährt gewissermaßen auf deutschem Boden. den Halden nur wenig abgenommen, sie sind von 10 Millionen Tonnen auf 8,9 bis Ende Juli gesunken. Sehr vergrößert hat sich bei den industriellen Unternehmungen des rheinisch=westfälischen Gebietes die Zahl der Insolvenzen(Zahlungsunfähigen) die von 315 im Juni auf 351 im Juli stieg. Als sehr wohltuend wird die Stille empfunden, welche eingetreten ist, seitdem infolge der Notverordnungen die meisten kommunistischen Zeitungen mit ihren Hetzereien zu erscheinen aufgehört haben und die so oft üblichen Ansammlungen der Sprechchöre und Demonstrationen verboten sind. Freilich unterliegen auch die Zeitungen und Versammlungen der Nationalsozialisten demselben Schicksal. Und es wird sich vielleicht auch hier wie einst bei dem Bismarckschen Sozialistengesetz dieselbe Erfahrung zeigen, daß unter dem Druck sich die Unzufriedenheit einen anderen Ausweg sucht. Der Kampf gegen die Kirche soll dem Vernehmen nach im Oktober wieder mit aller Macht von der Gottlosenpropaganda unternommen werden. Wie die Fäden des Gottlosenverbandes von Rußland ins Ruhrgebiet laufen, zeigt folgende markante Stelle aus der Gottlosen=Halbmonatsschrift des Moskauer Distriktskomitees der Russischen kommunistischen Parteibolschewisten, die wir der Nr. 28 des Braunschweiger Volksblattes vom 12. 7. 1931 entnehmen:„Die Gottlosen der Moskauer Fabrikvorstadt Krasznaja Presznia ssind mit den Gottlosen des Ruhrgebietes(Stadt Essen, Deutschland) in revolutionären Wettbewerb getreten. Der Bezirkssowjet des Verbandes militanter Gottlosen schickt den Ruhrgottlosen sein gesamtes Material, Plakate, Zeitungen und Zeitschriften. Aus dem Material, das ihm die Ruhrgottlosen schicken werden Bezirksausstellungen veranstaltet. Beim Wettbewerb unterstützt der Stärkere den Schwächeren." St. Von Kapital und Geld und dem, was noch besser ist: von der un vernünftigen Volkswirtschaft. Den glänzenden Gedankengängen Berthold Ottos habe ich bestimmt nichts Besseres aus Eigenem hinzuzusetzen. Nur der bloße Gedanke wäre Anmaßung in höchster Potenz. Ich kenne Berthold Ottos Gedankengänge als Schulmann bezüglich des Gesamtunterrichts etwas, als Volkswirtschaftler ist er ja leider in der Lehrerschaft wenig bekannt. Doch hoffe ich, daß der liebe Leser meine ketzerische Ueberschrift am Schlusse verzeihen wird. Das Kapital und Geld, lieber Leser, ich brauch's so nötig wie Du und verstehe von der theoretischen Volkswirtschaft so viel oder so wenig wie Du. Und doch hatte ich mir vor einigen Monaten Gedanken gemacht über einen Beitrag für den„Aufwärts“:„Auf dem Wege zu neuen Wirtschaftsformen.“ Daß wir uns mehr oder weniger bewußt alle mit dieser Frage beschäftigen, zeigt, daß tatsächlich etwas Neues im Werden ist, und daß Berthold Otto recht hat, wenn er vom volksorganischen Denken spricht. Freuen wir uns, daß er gerade im„Aufwärts“ ein Sprachrohr für seine Ideen sucht. Wir sind also auf dem Wege vom Gelddenken zum Arbeitsdenken. Als in der Inflation die Zahlen in die Wolken kletterten, da führte uns Helfferich zum Sachwertdenken zurück. Jetzt erleben wir den Geldschwund (Deflation), der aber nicht mit Geldschund zu kurieren ist. Die Vorträge begannen mit einem kurzen Auftakt in Guben. Dann ging die Fahrt dem Korridor zu an seiner breitesten Stelle. Als der Zug auf polnischem Boden hielt, trieben uns Unruhe und Neugier hoch. Wir starren durchs Fenster. Ein hell beleuchteter Bahnhof, Männer mit fremden Abzeichen und vierfach eingeknickter Mütze laufen herum. War dies hier jemals deutsch? Wie ist es möglich, daß das, was Erde ist, was Wald und Wasser, Haus oder Garten, plötzlich so verändert blicken kann, weil es nicht mehr Heimat ist, sondern fremdes Land? Im Wagengang spaziert ein polnischer Unteroffizier auf und ab. Vielleicht hat er schon im deutschen Heere gedient und war unser Kamerad. Jetzt ist er ein anderer Mensch, weil er den fremden Rock trägt. Die Fahrgäste finden sich auf dem Gang zusammen und knüpfen Gespräche an. Diese Deutschen gehören zu zweiundzwanzig verschiedenen Parteien, aber hier sind sie sich alle mal einig. Der Zug rast durch die Nacht weiter. Ist auch die Nacht verändert? Sie liegt finster über dem schwarzen Land. Aber der Himmel spannt sich weit darüber, die vielfältigen Geister der Erde verbindend. Bald kommt Thorn, jetzt Torun. Wir fahren über die Weichselbrücke. Ich erzähle, daß ich 1917 hier herübermarschiert bin. Man hatte uns gesagt, daß die Kaserne gleich hinter der Brücke läge. Aber die war endlos lang, nahm und nahm kein Ende. Und wir mit vollem Gepäck, todmüde von weitem Marsch. Es war mitten in der Nacht, wie jetzt. Bogen reiht sich an Bogen, unaufhörlich wie damals.— Nun eilen wir— mit den Gedanken schon voraus— der deutschen Grenze entgegen. Der Morgen graut. Es ist wie Befreiung, das dort vor uns immer heller am Himmel heraufkommt. Deutsch=Eylau! Nie hat man den Namen dankbarer empfunden. Der Tag ist da. Das ganz banale rote Haus dort im Felde steht in schimmernder Glorie. Macht das nur die Sonne? Es hat wohl keiner so wie wir Kriegsgefangenen den Begriff Heimat empfunden. Heimat war uns einmal alles, das Tiefste und Letzte selbst. Wir gingen auch zugrunde an der Sehnsucht danach. Man vergaß es in den Jahren, aber wir werden jetzt wieder stark daran erinnert. Und nun waren wir in der Ostmark. Am Abend schon war Vortrag in Allenstein. Wir nahmen uns vor, müde von der durchwachten Nacht, den Vormittag zu verschlafen, doch die Allensteiner hatten es anders beschlossen. Das Auto wartete schon für die Fahrt zum TannenbergWerden Ottos Vorschläge verwirklicht, dann kommen mir vom Gelddenken zum Arbeitedenken und somit Ende der Wirtschaftsnot. Halt! nicht ganz, denn Aug, führlicheres finden wir in dem Buche: Moral und Wirt, schaft. Also erst kommt die Moral von der Geschichte Und wie lautet dien Nicht es muß anders werden, san, dern ich muß anders werden. Auch B. Otto fordert zur Durchführung seiner Ideen neue Menschen. Schafft recht verteiltes Kapital und Geld(Wirtschaftokommunismus) eine neue Gesinnung? Nein! Oder Moral und gute Vor. sätze? Abermals nein? Vernünftige Volkswirt, schaft? Also muß es doch noch etwas Besseres geben, dag zuerst einmal den neuen Menschen schafft. Ich meine das Trachten nach dem Reiche Gottes. Siehe, die Wirt, schaft will geben, wenn Du gibst: Geld und Kapital! Aber das Evangelium will geben und Du sollst nehmen! Moral und Wirtschaft hilft auch nicht, aber Evangelium und Wirt, schaft heißt an die Rettung des untergehenden„Ninive“. in diesem Falle Deutschlands, heißt auch an ein Wunder der volkswirtschaftlichen Rettung glauben, wo der Unglaube nur unvernünftige Volkswirtschaft sieht. Nur ein Wunder kann es wenden? Nun, das Wunder kann Er senden! Es bricht ein germanisches Wollen hervor Aus urgewaltigen Tiefen Und trägt zum ewigen Lichte empor Heilende Kräfte, die schliefen. Erst flüstert es leis über Scholle und Sand, Dann ringt sich's los unter Schmerzen: O Deutschland, heiliges Vaterland, Wir tragen dich tief im Herzen! Wir wollen, daß unseres Volkes Kraft Erstarke und sich erneue, Damit der Geist, der uns erschlafft, Bald weiche dem Geist der Treue. Wir wollen, daß in jedem Stand Noch gelte Charakter und Ehre, Und möchten, daß im deutschen Land Es recht bald anders wäre. Dazu hilf Du uns, Herrscher der Welt, Wir erheben betend die Hände: Auf Dich allein und uns selber gestellt, Herr, unser Schicksal wende! Georg Wehnert. Feriennot und Ferienhilfe. Vom Evangl. Provinzialelternbund wird uns geschrieben: Ein Aufruf, den wir zu Beginn der Ferien unter der Ueberschrift„Kinder ohne Ferien?“ durch die Presse an die Landbevölkerung richteten, ist von Erfolg gewesen. Es konnten auf diese Weise einigen Ferienkindern aus dem Industriegebiet Freistellen für zwei bis 3 Wochen im schönen Sauerland zur Verfügung gestellt werden. Doch ist die Zahl derer, die auf Sonne, Licht und fvische Bergesluft warten, noch groß, so groß wie die Not infolge der sich gerade in diesen Sommermonaten katastrophal auswirkenden Wirtschaftslage. Kinder aus den riesigen Mietskasernen mit ihren dunklen dumpfen Höfen, aus feuchten Kellerwohnungen und Wohnhöhlen einen kostenlosen, vielleicht 10 bie 14= denkmal. Hell und freundlich die Straßen des Städchens, breit und mit Bäumen viel bepflanzt. Ein altes Kapitelschloß ist hier. Reicher Wald ringsum. Dann, als der Weg sich lichtet, sehen wir Kreuze und Ehrenmale im Felde. Unser Führer berichtet von den Kämpfen hier. In einem Waldstück liegt der Ehrenfriedhof. Wir steigen aus und gehen schweigend durch die Reihen der Kreuze. Viele unbekannte Krieger liegen in großen Gräbern vereint, dort Russen, hier Deutsche. Der Himmel weint. Die Türme des Tannenbergdenkmals recken sich aus dem Boden, wuchtig, hart und karg, wie preußisch. Eine Ringmauer verbindet sie. Es ist eine gewaltige Anlage. In den Türmen sind Regimentsfahnen untergebracht, in den Nischen der Mauer Ehrentafeln. Auch mein Regiment 41 ist darunter. Zweitausend Tote hat es verloren. Viele sind dabei, die ich gekannt habe. Die jagenden schwarzen Wolken über dem Riesenehrenmal ergänzen es in seiner todernsten, unerbittlichen Strenge. Es ist der Eindruck, den ich bei der Abfahrt, rückschauend noch einmal, als den stärksten empfunden habe: das düstere Bild, gigantisch wie der Kampf, der hier getobt hat. Die durch das kalte Wetter erstarrten Lebensgeister zu heben, wird der Krug in Tannenberg aufgesucht. An der Wand hängt das große Bild Hindenburgs. Hier in dem Land, das er von furchtbarer Not befreit hat, gilt er fast als Heiliger. Es war sympathisch und ungewohnt, wie sich uns nach dem Vortrag Presse und Behörden widmeten; man fühlte:: wir aus dem Reich galten zugleich als Gäste der Stadt. Allerdings ging es auch darum mit, den nächstfahrigen Bundestag der Kriegsgefangenen nach hier zu bekommen, aber welche Stadt im Reich wirbt so um 300 Besucher einer Vereinigung, die für diese weite Reise höchstens in Frage kamen. Man bot alles Entgegenkommen, und es klang hier schon durch, das: Kommt zu und nach Ostpreußen, besucht uns oft! Wir besichtigten das Abstimmungsdenkmal, ein Tannenbergdenkmal im Miniaturformat; den verbindenden Ring um die Säulen, die die Abstimmungskreise darstellen, nur nach oben gelegt. An den Säulen sind die Wappen der Kreise angebracht; man liest erstaunt die Zahlen der Abstimmung. Lieb Vaterland magst ruhig sein— auch hier steht die Wacht fest. Marggrabowa heißt nicht umsonst heute Treuburg. Der Ehrenfriedhof in der Nahe wird noch besucht, dann kommt die Stunde der Abfahr. Heute abend schon sprechen wir in Lyck. Schluß folg“. tägigen Aufenthalt zu verschaffen, ist eine christliche— soziale Tat. Der Ev. Elternbund erfaßt mit seiner Ferienfürsorge nur einen kleinen Prozentsatz erholungsbedürftiger westf. Großstadtkinder, wenn auch gegenwärtig in z Lagern über 1000 schulpflichtige Knaben und Mädchen betreut werden. Darum wenden wir uns nochmals an alle, die willens und in der Lage sind, einem Ferienkind Landaufenthalt für kurze Frist zu gewähren, mit der herzlichen Bitte um Hilfe. Wer schnell hilft, hilft doppelt. Meldungen nimmt die Geschäftsstelle des Ev. Elternbundes, Abtl. Ferienfürsorge, Witten=Ruhr, Röhrchenstraße 10, entgegen. He Auhiureen 50 Kommunisten Wegen Mitgliedschaft zu einem Kampfbund gegen Polizei und Jaschismus. Von Beamten der Landeskriminalpolizei Aachen sowie den Ortspollzeibehörden von Eschweiler, Notberg und Weisweiler und Beamten der Landsägerei wurden erwa 50 Kommunisten festgenommen. Nach dem amtlichen Bericht hat die Polizei festgestellt, daß die Verhafteten einer verbotenen Kampforganisation der Kommunistischen Partei angehören. Es handelt sich um einen Kampfbund gegen den Faschismus und die Polizei, den„Roten Schützenbund", eine Ersatzorganisation für den verbotenen Rotfrontkämpferbund. Die Mitglieder der neuen Organisation sind im Besitz von Waffen und haben auch Scharfschießübungen abgehalten. Unter den Festgenommenen befinden sich zwei kommunistische Stadtverordnete sowie ein früherer Reichsiggeabgeordneter. Neue Verhaftung in Berlin. — Berlin, 13. August. In der Gormannstraße in Berlin wurde am Arbeitsamt ein Mann festgenommen, der eine Skizze über den Tatort am Bülowplatz mit eingezeichneten Schützen und zahlreichen wichtigen Aufzeichnungen über die Erschießung von höheren Polizeibeamten mit sich führte. Bei der Skizze handelt es sich um die Zeichnung der Mordtat am Bülowplatz. S Polizeiaktion gegen hochverräterische kommunistische Umtriebe. — Recklinghausen, 18. August. Die Polizei teilt mit: Am Mittwoch abend fand im Kinoraum in der Schauburg eine angeblich geschlossene kommunistische Versammlung statt, die von etwa 800 Personen aus Recklinghausen und der näheren und weiteren Umgebung bis ins Münsterland besucht war. Schon die Art der Einladung ließ erkennen, daß die Veranstaltung einen hochverräterischen Charakter tragen sollte. Schupos und Kriminalbeamte drangen nachts in den Versammlungsraum ein und lösten die Versammlung auf. Die Teilnehmer wurden einzeln einer Leibesvisitation unterzogen und nach Feststellung der Personalien einzeln entlassen. Schon die Dekoration des Saales, die aus hochverräterischen und zur Revolution auffordernden Transparenten bestand, ließ den illegalen Charakter der Versammlung erkennen. Die Durchsuchung förderte neben einer großen Menge hochverräterischer Schriften Dolche, Revolver, Totschläger und Patronen gutage, die beschlagnahmt wurden. Die polizeiliche Untersuchung, sowie die Durchprüfung des beschlagnahmten sehr umfangreichen Schriftenmaterials ist im Gange. Verlängerung der Kredite. Grundsätzliche Einigung in Basel.— Günstige Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung in London. — London, 13. August. Wie von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird. schreiten die Stillhalteverhandlungen günstig fort. Auch aus Basel liegen günstige Nachrichten über die Erzielung eines grundsätzlichen Abkommens über die Verlängerung der deutschen Kredite vor. Der Vorschlag des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther, der den Bankiers als Grundlage für ihre Beratungen diente, soll einige Ergänzungen erfahren, sowohl nach amerikanischen als auch nach englischen Gesichtspunkten. Aber es handelt sich dabei keineswegs mehr um prinzipielle Meinungsverschiedenheiten. In allernächster Zeit soll eine Zusammenkunft aller Auslandsgläubiger stattfinden, die dann das endgültige Schema der Stillhaltebedingungen festzustellen hätten. Die Kommissionssätze für eine dreimonatige Prolongation der Kredite sollen 0,75 Prozent betragen. Die Londoner City hofft, daß die dreimonatige Atempause ausreicht, um eine weitere Konsolidierung der deutschen finanziellen und wirtschaftlichen Lage zu ermöglichen. Jedenfalls hat die prompte Normalisierung des deutschen Bankverkehrs in London den denkbar günstigsten Eindruck gemacht. Dieser Eindruck ist so stark, daß es in Citykreisen schon jetzt als wahrscheinlich gilt, daß die Kredite, die Deutschland gegeben wurden, freiwillig und unter besseren Bedingungen erneut verlängert werden. Im allgemeinen wird die deutsche Lage in London jetzt günstig beurteilt. In der Herabsetzung des deutschen Diskontsatzes erblickt men einen Beweis dafür, daß die Finanzkrise in der Hauptsache überwunden ist. Eine neue Diskontsenkung wird für möglich gehalten. Auch eine französische Kredithilfe hält England jetzt für wahrscheinlich. Wiederaufnahme der Beratungen des Wirtschaftsausschusses.— Ein Bericht des Kanzlers. Der Wirtschaftsausschuß des Reichskabinekts trat zu einer neuen Sitzung zusammen und befaßte sich mit den Maßnahmen zur Durchführung der deutschen Selbsthilfe. Ferner tagte in Berlin der geschäftsführende Vorstand der Zentrumspartei. Reichskanzler Dr. Brüning, die Minister Dr. Wirth und Stegerwald und der preußische Landwirtschaftsminister Dr. Steiger nahmen an den Beratungen teil. Der Reichskanzler berichtete über die Maßnahmen des Kabinetts zur außen- und innenpolitischen Beruhigung und über die Arbeiten, die vom Wirtschaftsausschuß der Reichsregierung in Angriff genommen werden, um den Schwierigkeiten, die der Winter bringen könnte, zu begegnen. Es handelt sich bekanntlich um ein umsangreiches Reformprogramm, das bald fertiggestellt werden soll. Inzwischen soll die dringende Frage, wie man den finanziell schwer bedrängten Gemeinden helfen kann, mit den zuständigen Vertretern der Städte= und Gemeindeverbände gemeinsam gelöst werden. Unter Hinweis auf die Notwendigkeit einer Unterstützung des Selbsthilfeprogramms durch die breiteste Oeffentlichkeit spricht man in parlamentarischen Kreisen von der Möglichkeit einer Zentrumsinitiative zur Verwirklichung eines Burgfriedens. Soweit man hört, ist dabei an eine Umbildung der Regierung nicht gedacht. Von sozialdemokratischer Seite liegt eine Meldung vor, nach der die Ressortbesprechungen über die Abändekung der Juni=Notverordnung begonnen haben. * Das Sachverständigen-Protokoll. Zu dem Abschluß der Londoner Sachverständigenkonferenz schreibt die dem Reichskanzler nahestehende„Germania“, nach dem in London bestätigten Abkommen würden die ungeschützten Youngzahlungen in Höhe von 660 Millionen Mark theoretisch weiter an die B3. abgeführt, aber durch eine Transaktion dem deutschen Reichsbudget wiedergutgebracht. Hier erhebe sich jedoch die Frage, ob nicht die Reichsbahn durch die Ausgabe der Obligationen wieder auf den Stand zurückgeworfen werde, den sie unter dem Regime des Dawes=Planes gehabt hat. Sei doch ihr Pfandcharakter durch diese Transaktion wiederhergestellt. Das Blatt bedauert weiter, daß die in zehn Annuitäten zu entrichtenden Nachzahlungen mit den Aufschüben aus einem gewöhnlichen Young=Moratorium gleichgesetzt wurden, und damit unaufschiebbar geworden sind. Der Vorbehalt der deutschen Delegation beweise allerdings, daß das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Kein Recht auf Vorzensur. Reichvinnenministerium bittet um Untersuchung der Zwischenfälle in Hannover. Im Zusammenhang mit einigen Vorfällen in der Provinz Hannover, wo, Zeitungsmeldungen zufolge, die örtlichen Polizeiverwaltungnen in einzelnen Städten eine Vorzensur bei den dort erscheinenden Blättern ausgeübt haben, um eine Antwort der betreffenden Zeitungen auf die Kundgebung der preußischen Regierung zu verhindern, erfahren wir aus unterrichteten Kreisen des Reichsinnenministeriums, daß der Reichsinnenminister die preußische Regierung gebeten hat, die Vorkommnisse zu untersuchen und sich zu äußern. Die Pressenotverordnung enthält, wie ausdrücklich betont wird, keinerlei Bestimmungen, aus denen ein Rechl auf Vorzensur hergeleitet werden kann. Keine Ernte=Verschleuderung. Eine Entschließung des Reichs=Landbundes. In einer einstimmig angenommenen Entschließung stellt der Bundesvorstand des Reichs=Landbundes mit Befriedigung fest, daß in fast allen Teilen des Reiches sein Aufruf zum vorsichtigen Angebot der Ernte Zustimmung gefunden hat und von den Landwirten im wesentlichen befolgt worden sei. Nur durch gute Verkaufsdisziplin könne dem katastrophalen Sturz der Getreide= und Viehpreise angesichts völligen Mangels staatlicher Maßnahmen Einhalt geboten werden. Nachdem nunmehr auch von der Regierung Maßnahmen getroffen worden sind, die geeignet sein können, die Bewegung der Ernte in geordnete Bahnen zu lenken, erwartet der Reichs=Landbund, daß auch dort, wo das Angebot bisher der Nachfrage noch nicht angepaßt wurde, die Landwirte den Verkauf zurückhaltend gestalten. Es müßten baldmöglichst wieder Preise erzielt werden, die den Herstellungskosten entsprechen. Als Maßnahmen, die ein zurückhaltendes Angebot erleichtern, werden empfohlen: 1. Inanspruchnahme des auf 4 Prozent verbilligten Erntebevorschussungskredites; 2. Inanspruchnahme der Möglichkeiten des neuen Lagerscheingesetzes; 3. teilweise Zahlung von Löhnen und anderen Ausgaben durch Gutschrift unter gleichzeitiger Hinterlegung von Getreide als Deckung; 4. Förderung des Gedankens teilweiser Steuerzahlung durch Katuralien und Sicherstellung der Wohlfahrtsunterstützung durch Naturalien im Winter seitens der Kommunalverbände. Bestätigung bedingt Gehaltskürzung. Die Gemeinden sollen finanziell enklastet werden. In diesen Tagen ist in Preußen mehrfach Kammunalbeamten die Bestätigung versagt worden mit der Begründung, daß das vorgesehene Gehalt zu hoch ist. So wurden in Magdeburg drei Stadträte, in Görlitz der neue Oberbürgermeister aus diesen Gründen nicht bestätigt. Wie wir dazu erfahren, ist die preußische Staateregierung der Ansicht, daß viele Kommunalbeamtenstellen für heutige Verhältnisse zu hoch dotiert sind. Bestätigungen werden daher bei Neuwahlen nur dann erfolgen, wenn das festgesetzte Gehalt entsprechend herabgesetzt worden ist. Auch Zweite Bürgermeister und Stadträte in Orten. in denen nicht unbedingt ein besoldeter Beigeordneter benötigt wird, werden seit einiger Zeit nicht mehr bestätigt. Praxis des Arbeitsdienstes — Berlin, 13. August. Im grundsätzlichen Streit über den freiwilligen Arbeitsdienst kann man gute und schlechte Seiten aufzeigen. In praktischen Versuchen dagegen, kann man feststellen, ob ein Dienst nicht nur an der Arbeit, sondern auch ein Dienst am Arbeiter aus dem freiwilligen Arbeitsdienst werden kann. Zugleich wird für eine Organisation, die praktisch daran arbeitet, der Arbeitsdienst ein Prüfstein für ihre soziale Kraft. Es kommt beim freiwilligen Arbeitsdienst nicht nur darauf an, was gearbeitet wird, sondern noch viel mehr, wie das Projekt durchgeführt wird, und daß aus den eigenen Kräften derer, die freiwillig zusammengekommen sind, eine Leistung entsteht, die jedem einzelnen Beteiligten die Notwendigkeit seiner Mitarbeit vor Augen führt. Denn, wenn schon die materielle Seite des einzelnen Fachberufes wegfällt, so soll nicht auch noch die allgemeine soziale Seite des Arbeitsgedankens überhaupt für den einzelnen Menschen fallen, sondern es soll ihm durch den Arbeitsdienst gezeigt werden, daß das Volk seine Menschen und gerade seine Jugend braucht! So zeigen z. B. auch die Gruppen junger Arbeiter, die von der evangelisch=sozialen Schule in Gemeinschaft mit der evangelischen Arbeiterjugend unter jungen Arbeiterführern seit einem Jahr in landwirtschaftlichen Arbeitslagern stehen, ein ganz klares Bild lebendig wirkender Gemeinschaft, womit für den einzelnen der Gewinn einer standesmäßigen Bildung verbunden ist. Gegenstand der Arbeit ist die landwirtschaftliche Saisonarbeit, wo bisher Ausländer als Kolonnen Arbeitsgelegenheit hatten. Ein anderes Betätigungsfeld war bisher nicht erreichbar, aber für das Prinzipielle des Arbeitsdienstes reichte die Möglichkeit auf dem Arbeitsmarkt auch zunächst vollkommen aus. Es kann nun festges ziale Moment der ein besonderes tragf stellt werden, daß gerade durch das sostandeigenen verantwortlichen Führung fähiges Selbst= und Standesbewußtsein der Gruppen gewachsen ist, das den Einzelnen auch nicht verlassen wird, wenn er wieder in seinen eigentlichen Beruf zurückgeht, oder er seine Arbeitszeit sonstwie beendet. Allerdings gehört zu der Möglichkeit solcher Führung eine gründliche Auslese und Arbeiterführerbildung, die auf richtiger sozialer Grundlage gewachsen und schließlich das Wachstum des ganzen Werkes bedingt. Bei dem eben erwähnten Versuch ist die Einteilung so, daß derjenige, der sich freiwillig meldet, zunächst für vier bis acht Wochen im Schulungslager verbleibt, um in die ungewohnte Arbeit, wie auch in die kulturellen Verhältnisse sich einzugewöhnen. Hier wird den halben Tag gearbeitet, der andere halbe Tag dient dem Unterricht in volksbildnerischen Fragen der sozialen Ordnung, des Rechts, der Wirtschaft, der Weltanschauung. Es wird auch Sport und Musik reichlich getrieben. Dem Selbsthilfeprinzip entspricht auch, daß alle Verrichtungen nebenbei, wie Küche, handwerkliche Arbeiten zur Instandsetzung der Kleidung von eigenen Mitgliedern ausgeführt werden. Wenn sich die Gelegenheit zur Einrichtung eines neuen Arbeitslagers ergibt, so zieht eine Kolonne unter einem Führer, der sie noch in einer kurzen dreitägigen Freizeit kennen gelernt hat, aus und richtet sich in dem neuen Betrieb ein. Um auch unter den oft primitivsten Bedingungen der Unterbringung aushalten zu können, ist es nötig, daß ein solches Arbeitslager wirklich eine geschlossene kleine Kulturgemeinschaft ist. Nach den Erfahrungen sind nicht nur für ihre eigene Existenz, sondern auch für die Kultur der ländlichen Arbeit solche Arbeitslager wertvolle Anhaltspunkte geworden, die mit der Arbeiterjugend des Dorfes aft für ihr kulturelles Leben Vorbild und Rückhalt bieten. Aufgaben in dieser Art sind ja sehr zahlreiche vorhanden, wenn man an das gesellige Leben, an den Sport, an die Unterhaltung an Feierabenden und Sonntagen denkt. Die wirtschaftliche Seite ist entsprechend der Lücke im Arbeitsmarkt nach dem Tarif, der sonst für die Schnitter gezahlt wurde, geregelt. Von diesem Lohn wird gemeinsam gekocht, und zwar gut und doch sparsam und jeder spart von seinem Wochenlohn noch 4 Mark durchschnittlich für sein eigenes Sparbuch, um nach Schluß der Saison auch noch einen Ertrag zu sehen. Die selbstverantwortliche Konsumerziehung, die somit in den Lagern stattfindet, ist ein Ausdruck wachsender kultureller Verantwortung. Die Arbeitszeit ist im Arbeitslager voll den ländlichen Arbeitsverhältnissen entsprechend, so daß von irgendeiner Sonderstellung keine Rede sein kann Allerdings paßt dies alles nicht in die Verordnung über den freiwilligen Arbeitsdienst hinein, weil der Gegenstand der Arbeit die private Landwirtschaft ist. Nach den Bestimmungen über den freiwilligen Arbeitsdienst ist ein gemeinnütziger und zusätzlicher Charakter des Arbeitsprojektes Bedingung. Aber im Prinzip der Durchführung und Handhabung ist hier ein Versuch gemacht, der neben manchen anderen Versuchen den Beweis liefert, daß freiwilliger Arbeitsdienst möglich und gut ist. Bei den genannten Gruppen hat man sich nicht nur auf die eigenen Mitglieder beschränkt, sondern durch Weiterwerbung der Einzelnen und ihrer Freunde auf Mitglieder aller Richtungen ausgeweitet. Gerade in solcher Zusammensetzung aus allen politischen Gruppen zwingt sich eine solche Arbeit selbst zu gerechter und straffer Selbstverwaltung und zur Herauslassung aller parteipolitischen Auseinandersetzungen. Eine standesgemäße Führung, die sich in diesen Gruppen im Vertrauen durchsetzt, wird wirklich soziale Autorität. Nach Abschluß der landwirtschaftlichen Saison besteht die Absicht, diese Gruppen nicht für den Winter auseinandergehen zu lassen und zu zerstreuen, sondern in die Formen freiwilligen Arbeitsdienstes einzufügen, die nach den behördlichen Bestimmungen möglich sind. Ein Versuch zur freiwilligen Zusammenfassung von erwerbslosen Arbeiterinnen wurde gemacht auf 12 Wochen, allerdings durch die arbeitsmarktpolitischen Bedingungen auf anderer Grundlage und für kürzere Zeit. Mit diesen Zeilen soll gesagt sein, daß man die Frage des Arbeitsdienstes auch einmal ansehen kann als eine Aufgabe der Arbeiterschaft und ihrer selbständigen Bildung und Entwicklung Diese Aufgabe wird man nicht mit billiger Kritik, die alles ablehnt und auf bessere Zeiten wartet, beseitigen können. Wenn aber der freiwillige Arbeitsdienst als prinzipielle Frage im Rahmen der Selbsthilfebestrebungen der Arbeiterschaft aufgefaßt wird, die Führung, Bildung und Erziehung durch standeseigene Führer vorgenommen wird, so kann auch auf diesem Wege aus der Zeit der Arbeitslosigkeit statt langsamer äußerer und innerer Zermürbung der Arbeiterjugend für die, die wollen, eine Zeitspanne sozialer Kräftigung werden. Am Lavals Besuch. Wann kommi Frankreichs Ministerpräsident nach Berlin? Ueber den französischen Gegenbesuch in Berlin hat sich jetzt eine höchst merkwürdige Diskussion entsponnen. Sie wurde hervorgerufen durch die Meldung des Havas=Büros, daß Laval und Briand voraussichtlich erst nach der Völkerbundstagung, die Anfang September in Genf beginnt, nach Berlin kommen dürften. Diese Hinausschiebung des Termins werde den Vertretern Deutschlands und Frankreichs Gelegenheit geben, sich in Genf„über gewisse Probleme“ zu unterhalten, deren Lösung es gestatten würde,„später in Berlin einen umfangreichen Meinungsaustausch vorzunehmen. Wollen die französischen Staatsmänner etwa ihren Gegenbesuch von dem Ausfall der Haager Entscheidung über das österreichisch=deutsche Zollprotokoll abhängig machen, oder was hat es sonst mit den„gewissen Problemen“ auf sich? Befremdlich berührt ferner ein Artikel der französischen Zeitung„Journal“, in dem erneut der Gedanke eines vierseitigen Abkommens zwischen Deutschland, England, Frankreich und Italien über ein politisches Moratorium lanciert wird. Kommt Laval doch Ende August? — Berlin, 13. August. Entgegen den Meldungen der französischen Presse rechnet man in Berlin nach wie vor damit, daß der französische Ministerpräsident Laval und Außenminister Briand noch vor der Ratstagung, nämlich Ende August, ihren Gegenbesuch abstatten werden. Die offizielle deutsche Einladung dürfte in den nächsten Tagen hinausgehen. Am Mittwoch hat man übrigens erneut mit Paris Fühlung genommen. Entschließung der Bauernvereine. — Berlin, 13. August. Der Vorstand der Vereinigung der deutschen christlichen Bauernvereine faßte einstimmig eine Entschließung, die außer der Entlastung von den Reparationsverpflichtungen und einer durchgreifenden Reichs=, Staats= und Finanzreform eine auf den unzerstörbaren Kräften des Volkstums sich aufbauende Wirtschaftspolitik fordert. Dazu gehöre, daß die Einfuhr ausländischer Lebensmittel zu einem erheblichen Teil entbehrlich gemacht werde durch die Stärkung der landwirtschaftlichen Produktion, die Förderung der bäuerlichen Veredelungswirtschaft, die Verbesserung der landwirtschaftlichen Absatzorganisation und der landwirtschaftlichen Kreditverhältnisse. Die Resolution verlangt ferner zinslose Steuerstundung für bedrängte Landwirte. Brüning empfängt — Berlin, 13. August. Wie verlautet, beabsichtigt der Reichskanzler, in den nächsten Tagen eine Reihe von Mittelstandsvertretern zu empfangei., und zwar: Generalsekretär Meusch vom Handels= und Gewerbekammertag in Hannover, Dr. Tiburtius von der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels. und den Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Haus= und Grundbesitzervereine, Humar. Die Fertigstellung des Wirtschaftsprogramms verzögert sich. — Berlin, 13. August. In unterrichteten Kreisen rechnet man nicht mehr damit, daß das Wirtschaftsprogramm, das die Reichsregierung ausarbeitet, noch im Laufe dieser Woche fertig werden wird. Sehr wahrscheinlich werden die Arbeiten auch die nächste Woche noch in Anspruch nehmen. *: Der Auswärtige Ausschuß des Reichsrats hielt unter dem Vorsitz des Reichsaußenministers Dr. Curtius eine vertrauliche Sitzung ab und nahm einen Bericht des Außenministers entgegen.— Nach der Sitzung verließ Minister Curtius für acht Tage Berlin. :: S t a h l h e l m u n d R e i c h s k a n z l e r. D i e B u n d e s l e i t u n g des Stahlhelm hat in einem Schreiben an den Reichskanzler ihr Bedauern über die Veröffentlichung einer in der Nr. 23 der Bundeszeitung enthaltenen Karikatur„Am Ende“ ausgesprochen und betont, daß der Stahlhelm nicht wünsche, irgendein Mitglied des Kabinetts zu verunglimpfen. Sitzung des Zentrumsvorstandes. — Berlin, 18. August. Der geschäftsführende Vorstand der Zentrumspartei gab nach Abschluß seiner Beratungen, denen auch der Reichskanzler beiwohnte, eine Mitteilung heraus, in der es nach einem Dank an die Wähler für das Fernbleiben vom Volksentscheid heißt: „Gewissen Presseäußerungen gegenüber bekundet der Parteivorstand, daß die Leitung der preußischen Zentrumskraktion der Politik des Reichskanzlers stetige und wertvollste Unterstützung hat zuteil werden lassen. Als einmütigste Ueberzeugung aller wurde festgestellt, daß für die wirksame Durchführung der äußerst sehwierigen staatspolitischen Aufgaben im Reich und in Preußen die notwendige sachliche und methodische Handlungseinheit sowohl bei den verantwortlichen Instanzen der Partei wie bei Vertretern in den beiden Kabinetten nach jeder Richtung hin gewährleistet sein muß.“ Das Hochwasser in China. Der höchste Stand seit 60 Jahren. — Schanghai, 13. August. Die Ueberschwemmung in China gehört zu den größken Katastrophen, die das Reich der Mitte im letzten halben Jahrhundert erlebt hat. Das Hochwasser des Jangise-Stromes erreichte bei Hankau den höchsten Stand seit 60 Jahren. Ein Gebiet, das so groß ist wie Bayern und Würktemberg zusammen, steht hoch unter Wasser. Der Schaden, den die Ueberschwemmung hervorrief, wird auf 200 Millionen Dollar geschätzt. Millionen von Menschen sind obdachlos geworden. Die Herbstsaat gilt als vollständig verloren. Man rechnet, daß viele Monate vergehen werden, bis die Gebiete wieder ausgetrocknet sein können. Ein Helfer der Attentäter? Ermittlung eines angeblichen irischen Offiziers in Caputh. Eingehendes Verhör durch die Kriminalpolizei. — Berlin, 13. August. Die Nachforschungen nach den Eisenbahn-Attentätern von Jüterbog haben ein geradezu ungeheures Material ergeben. Tag für Tag gehen bei der Kriminalpolizei neue Anzeigen ein. Inzwischen ist es nun dem Kriminalkominissar Lissigkeit gelungen, einen ehemaligen irischen Offzier zu ermitteln, der bis vor fünf Monaten tatsächlich„hinter Potsdam“, nämlich in Caputh, gewohnt hat. Wie erinnerlich sein wird, hat der Unbekannte, der in der vorigen Woche in einem Installationsgeschäft in der Friedrichstraße zu Berlin die Materialien für den Anschlag auf den Baseler FD=Zug gekauft hat, der Inhaberin des Geschäftes erzählt, er sei ein ehemaliger irischer Offizier und wohne hinter Potsdam in einem Hauschen mit drei Zimmern. Es hat sich nun die überraschende Tatsache ergeben, daß der in nächtlicher Stunde ermittelte Ire, ein gewisser Carnell, in der Tat bis zum 15. März d. J. in Caputh in der Ringstraße in einem einer Frau Jentsch gehörenden Gartenhäuschen gewohnt hat, das drei Zimmer aufwies. Carnell lebte dort zusammen mit einer Dänin, Olga F. Beide hielten sich aber sehr zurück, hatten mit der Einwol nerschaft fast gar keinen Verkehr und galten allgemein dent versah; doch schied er aus dieser Stellung aus unbekannten Gründen etwa vor einem Jahre aus. Im Gegensatz zu der Aussage der Geschäftsinhaberin spricht aber der ermittelte angebliche irische Offizier ein fast akzentfreies Deutsch, wie auch die Personalbeschreibung auf ihn nicht zutrifft. Es ist nun zu prüfen, ob der Verhaftete, wenn er auch nicht die Materialien eingekauft hat, vielleicht sonst mit dem Anschlag etwas zu tun hat. Bei seiner Vernehmung hat Carnell entschieden bestritten, das Verbrechen ausgeführt oder dabei mitgewirkt zu haben. Trotzdem hat ihn die Polizei vorerst weiter in Gewahrsam gehalten, weil in den persönlichen Verhältnissen des Verhafteten vieles unklar ist. Schon während seines Ausenthaltes in Caputh war Carnell der dortigen Gemeindeverwaltung dadurch aufgefallen, daß er trotz wiederholter Aufforderung niemals seinen bei der Polizei liegenden Paß abholte und alle behördlichen Anweisungen mit größter Saumseligkeit erledigte. Weiter wurde nach seinem Wegzug bekannt, daß von der Firma, bei der er vorübergehend beschäftigt war, gewisse Nachforschungen in Caputh über Carnell angestellt wurden. Es fiel dann vor allem auf, daß Carnell und seine Begleiterin, obgleich sie in Caputh in sehr bescheidenen Verhältnissen lebten, plötzlich in Berlin eine luxuriöse Fünf-Zimmer-Wohnung in der Hardenbergstraße am Zoo von einem Archttekten übernahmen, der im Sommer in seinem Landhaus in der Nähe von Berlin wohnt. Woher Carnell, dessen richtige Frau mit zwei Kindern in Vobwinkel bei Elberfeld wohnen soll. die Mittel zu dieser erheblichen Verbesserung seiner Wohnverhältnisse hergenommen hat, ist bisher nicht ersichtlich. Zur Zeit wird vor allem auch nachgeprüft, ob er überhaupt ein ehemaliger irischer Offizier ist. Nach seinem Paß ist er aber am 28. Februar 1898 in Worthing(England) geboren. Eine neue " Bingen, 13. August. Ein etwa 30 bis 32 Jahre alter, etwa.70 Meter großer Unbekannter mit Brille und Aktentasche mit Werkzeugen Arszr„schurk Kloster Urspring bei Schelklingen(Schwäb. Alb, 550 m ü. d..). Evang. Landschulheim für Knaben und Mädchen. Höhere Schule bis Abitur. Kleine Klassen, gesunde, stille Lage in schönster Landschaft. Man verlange das Werbeheft. e Unser Sonderangebei: Damentaschenluch saum“.. pe: Betit.8 wischtuch veis rei. ans veinen Orrrge, zuuch 12.3 berhestaft sehr gute Qualitst, dicht geschlosWuccheutall sen, weiß gebleicht.. 80 cm breit 40• Verlangen Sie bitte unsere reichhaltige Preisliste kostenlos! Elisu u. Hel-Betten Schmen. Kinderb., Polster. Chalsel, an jeden. Tellz. Katalog frei. 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Der Unbekannte wurde auf seine Bitte von einem gewissen Gerlach aus Wiesbaden, Biebrich mit dem Motorrad von Magdeburg bis Wies. baden=Biebrich mitgenommen. Hier sprang er, ohne ein Wort zu sagen, plötzlich von der Maschine und verschwand. Da der Unbekannte, der angeblich nach Bad Kreuznach wei, ter wollte, während der ganzen Jahrt ein sehr auffälliges Benehmen zur Schau trug, vermutel man, daß auch er mit dem Eisenbahnattentat in Jüterbog in Zusammenhang steht. Lokal= und Provinzialnachrichten. — Gadderbaum. Gemeinderatssitzung im neuen Amts, haus. Am 7. August fand die erste Gemeinderatssitzung in dem Sitzungssaal des neuen Amtsgebäudes am Saron, weg(Mühle) statt. In Gegenwart der Gemeindevertre. tung und der Beamten und Angestellten der Amts= und Kassenverwaltung ibergab Herr D. v. Bodelschwingh als Vertreter der Anst. Bethel das neue Amtsgebäude an die Verwaltung. In einem kurzen geschichtl. überblick zeigte der Redner die Entwicklung des Amtes Gadderbaum, die Verbundenheit desselben mit der Anstalt Bethel und schloß mit dem Wunsche, daß in dem neuen Gebäude weiterhin gedeihliche Zusammenarbeit zwischen der Anstalt und der Gemeinde in der bsherigen Weise zum Besten der gesamten Einwohner geleistet werden möge. Herr Ehrenbürgermeister Dr. Huttel übernahm das neue Gebäude mit Dankesworten in die Obhut des Amtes.— Anschließend fand eine Besichtigung der Büroräume statt In der nachfolgenden ordentlichen Sitzung der Gemeindevertretung wurde von der Verfügung des Kreisausschusses Bielefeld, die Aufhebung der Wohnungszwangswirtschaft in Erwägung zu ziehen, Kenntnis gegeben. Die Gemeindevertretung beschloß, die Aufhebung der Zwangswirtschaft für Altwohnungen mit einer Friedensmiete von mehr als 400.— RM zu beantragen. Der Gemeindevorsteher wurde beauftragt, durch die Aufsichtsbehörde mit den Nachbargemeinden über die Aufhebung der gesamten Zwangswirtschaft zu verhandeln.— Alsdann wählte die Vertretung für das wegen Verzugs aus der Mietprüfungskommission ausgeschiedene Mitglied Lamm Herrn W. Kulbrock. Auf den Antrag der Erwerbslosen hin stimmte die Gemeindevertretung dafür, daß der Erwerbslosenausschuß als amtliches Organ anerkannt würde. Die Beschlüsse des Ausschusses unterliegen der Genehmigung der Gemeindevertretung. Die gleichzeitig für den Ausschuß vorgeschlagenen Herren wurden bestätigt. — Mehrere Anträge auf Nachbewilligung von Hauszinssteuerhypotheken wurden angenommen, einer abgelehnt. Ein Antrag auf Bewilligung eines Hauszinssteuerdarlehens zum Ausbau eines Altwohnhauses mußte der Finanzkommission überwiesen werden.— Mehreren Gesuchen auf Ausschluß von der Gemeindemüllabfuhr konnte nicht entsprochen werden, da es nicht möglich ist, einzelne Häuser an dicht bebauten Straßen bei der Abfuhr zu übergehen.— Der Gemeindevorsteher gab noch bekannt, daß die Gemeinde einen eigenen Ziegenbockstall auf dem Grundstück Pellaweg 29 errichtet habe, da eine Unterbringungsmöglichkeit für einen Bock anderweitig nicht zu schaffen war. — Christlicher Verein junger Männer. Freitag abend 8¼ Uhr in Gosen Bibelstunde. — Christlicher Verein junger Mädchen. Sonntag morgen 8 Uhr: Sennetreffen. Näheres wird noch bekannt gegeben. — Unbestellbare Postsachen. Wenn in der Hauptkanzlei immer wieder von der Reichspost unbestellbare Briefe usw. abgegeben werden, fragen wir an den verschiedensten Stellen nach, um den Adressaten ausfindig zu machen. Nach vieler Mühe gelingt es zuweilen. Zur Zeit liegen Karten hier an Erich Schäfer, Gottfried Schröder, Horst Marten und Bernhard Bendt. Wer kennt dieselben? Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Aufwärts“. Christliches Tageblatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919. Am Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. Der Herrnhuter Losungskalender1932 Ein Abreißkalender mit Betrachtungen über die Losungen der Brüdergemeine ist eine Gabe, die der weitesten Verbreitung wert ist. Der Preis ist nur! Mark, 15 Stück für 19 Mark portofrei. lloch viele Menschen warten darauf, daß ihnen ein solcher Begleiter angeboten wird, der täglich ein Gotteswort und eine kurze Betrachtung zur Stärkung und Aufmunterung darreicht. Bitte helfen Sie uns darum bei der Verbreitung. Verlag der Missionsbuchhandlung Herrnhut i. Sa. 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