Umschau. Verständigung mit Frankreich?— Die Reise nach Rom. — Gleichberechtigung, Recht und Gerechtigkeit.— „Helft euch selbst!“— Es soll noch immer gewisse außenpolitisch maßgebende Kreise in Deutschland geben, die dem Phantom einer deutsch=französischen Verständigung nachjagen. Aber auch diese Kreise werden allmählich einsehen müssen, daß die Urteilskraft des deutschen Volkes gesund genug ist, um nach den bitteren Erfahrungen gerade der letzten Wochen dieses Phantom nicht mehr ernst zu nehmen. Nichts konnte drastischer das wahre Verhältnis Frankreichs zu uns Deutschen aufzeigen als jene geharnischte Rede Maginots gegen Deutschland, während Dr. Curtius gleichzeitig in Paris den Franzosen für ihre loyale Haltung den Dank der deutschen Delegation aussprach. Nichts Widerspruchsvolleres kann man sich ausdenken, als jene Pressenachrichten von dem„neuen Geist“ in den deutschfranzösischen Beziehungen, während die Konferenz von London in sinnfälligster Weise bewiesen hat, daß Frankreichs Kampf gegen das deutsche Volk in der rücksichtslosesten und brutalsten Weise weitergeführt wird. Und man glaube doch ja nicht, daß Frankreich irgendein Interesse an stabilen Verhältnissen in Deutschland habe. Frankreich hat keinerlei Interesse, daß das deutsche Volk lebt. Es fürchtet unseren Zusammenbruch ebenso wenig wie das bolschewistische Chaos hinter der Rheinschranke. Das reiche Frankreich kann wirtschaftlich ganz gut auch ohne Deutschland leben, und politisch ist es stark genug, sich gegen alle Eventualitäten zu schützen. In reichen Ländern findet der Bolschewismus keinen Nährboden, und wenn die Sowjetflagge über Deutschland weht, was würde Frankreich leichter fallen, als sie niederzuholen und auf diese Weise seinen„glorreichen Verdiensten um die Zivilisation“ eine neue Kulturtat allerersten Ranges hinzuzufügen! Daß dann der unersättliche französische Imperialismus so nebenbei auf seine Kosten käme, würde mit kluger Geräuschlosigkeit zur Notiz genommen. Man ließe sich einfach an der Tatsache genügen. Diese Dinge gilt es klar zu erkennen, wenn man sich außenpolitisch keinen verhängnisvollen Illusionen hingeben will.„Frankreich, wie es nun einmal ist,“ schreibt ein den Finanzkreisen nahestehendes Blatt,„mit seinen Ansprüchen, Ueberlieferungen und Vorurteilen, kann Deutschlands wirtschaftlichen Aufschwung nicht wollen, braucht seinen Zusammenbruch nicht zu fürchten, ja, kann ihn unter Umständen wünschen. Daß es ihn tatsächlich nicht nur wünscht, sondern heute schon betreibt, ist für einen aufmerksamen Beobacher kaum mehr zu verkennen. Bekanntlich ist unsere gegenwärtige Finanzkrise in der Hauptsache durch amerikanische Gläubiger hervorgerufen, unter denen das Haus Morgan die Führung hat, eine Firma, die mit und für Frankreich arbeitet und die denn auch den Rettungsplan des Präsidenten Hoover aufs wirksamste durchkreuzt hat.“ Diese Auffassung über die wahren Absichten Frankreichs wird ja auch weitgehend in einem Aufsatz vertreten, den der bekannte englische Staatsmann Churchill dieser Tage in der deutschen Presse hat verbreiten lassen. Daß dem Engländer hierbei nicht etwa eine besondere Zuneigung zum deutschen Volke, sondern einzig und allein die Furcht vor dem hemmungslosen imperialistischen Wahnwitz der Franzosen die Feder geführt hat, ist selbstverständlich. Das ist aber Nebensache. Viel wichtiger ist, daß auf jede Art und Weise mit einem Irrtum aufgeräumt wird, der uns in der Nachkriegszeit mehr als einmal teuer zu stehen gekommen ist. Eine Verständigung mit Deutschland kennt Frankreich nur insoweit, als wir uns völlig unter den französischen Imperialismus unterwerfen. Daher erfüllt es uns mit Sorge, wenn in gewissen, der Regierung nahestehenden Kreisen immer wieder von„Fortschritten auf dem Wege der deutsch=französischen Verständigung“ gesprochen wird. Bei der tatsächlichen Einstellung Frankreichs würde das praktisch doch nur bedeuten, daß diese „Fortschritte“ mit weiteren politischen Konzessionen an die Pariser Machtpolitik erkauft sind. Eine solche„Verstandigung“ aber könnte nie und nimmer im Interesse des deutschen Volkes kiegen! Erfreulicher schon als das Ergebnis des deutschen Minesterbesuches in Paris ist der Widerhall, den die Fahrt Brünings und Curtius' nach Rom ausgelöst hat. Es liegt uns völlig fern, das Trennende in den deutsch=italienischen Beziehungen(Südtirol, Zollunion, Anschluß) zu übersehen. Aber eins kann man wohl ohne weiteres aussprechen: daß wir es bei Mussolini mit einem tausendmal ehrlicheren Partner zu tun haben, als dies bei den französischen Staatsmännern der Fall ist. Und es ist nicht zu leugnen, daß uns— gerade auch im Hinblick auf den immer bedrohlicher werdenden französischen Imperialismus— manche politische Kernfrage mit Italien verbindet. Es ist kein Zufall, daß Italien als erstes Land den Hooverplan rückhaltlos angenommen hat. Und es ist ebenso wenig Zufall, daß Italien als erster ehemaliger Kriegsgegner die Aufhebung des Unterschiedes zwischen Siegern und Besiegten gefordert hat. In Paris hat man viel unnütze Worte von einer illusionären Verständigung gemacht. In Rom hat man sich mit nüchterner Sachlichkeit auf den Boden der Gleichberechtigung gestellt. Und hierin sehen wir eines der wesentlichsten Aktiva der zweitägigen Ministerbesprechungen in Rom. Hervorgehoben zu werden verdienen auch die Sätze aus dem Trinkspruch Mussolinis, daß es das Ziel Italiens sei,„die moralischen und materiellen Uebel zu heilen, die der Krieg hinterlassen hat und woran noch alle Völker leiden“, und daß es jenen Geist gegenseitigen Vertrauens zu schaffen gälte,„der Gewähr ist für einen wahren Frieden, begründet auf Recht und Gerechtigkeit.“ Daß man von dieser erfreulichen Einstellung aus zu einer grundsätzlichen Einigung gerade über die Abrüstungsfrage gekommen zu sein scheint, wobei an die Gespräche mit Stimson und Henderson in Rom und Berlin angeknüpft werden konnte, ist für das deutsche Volk von ganz besonderer Bedeutung. Gerade die Abrüstungs' frage ist zur Kernfrage des deutschen Schicksals geworden. Und wir stellen mit Genugtuung seft, daß die deutschen Ansprüche auf eine wahrhafte Abrüstung aller Vertragsländer des Versailler Diktates von Italien voll und ganz anerkannt werden. Es besteht also einiger Grund zu der Hoffnung, daß die nächstjährige Abrüstungskonferenz eine Front von wahrhaften Friedensfreunden aufweisen wird, die von Neuyork über London bis hin nach Berlin und Rom reicht. Es wäre jedoch abwegig, hieraus irgendwelche optimistischen Schlüsse für den Ausgang der Abrüstungskonferenz ziehen zu wollen. Denn Frankreichs Position ist stark genug, um auch einer noch so breiten Abrüstungsfront wirksam begegnen zu können. Wir halten es daher für eine nationale Pflicht allerersten Ranges, daß unsere Reichsregierung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln das bescheidene Rüstungsprogramm durchführt, das uns der Versailler Schandvertrag noch gelassen hat. Wir vermögen daher den Gerüchten keinen Glauben zu schenken, daß unsere derzeitige Regierung um gewisser finanzpolitischer Vorteile sehr zweifelhafter Art willen auf die Durchführung des Panzerkreuzerbauprogrammes vorläufig verzichtet habe. Was hat es mit diesen finanzpolitischen Vorteilen schon auf sich? Es handelt sich immer wieder um Auslandskredite, also um immer neue Fesseln, deren verhAngnisvoller Charakter sich in den letzten Monaten doch wahrlich katastrophal genug offenbart hat. Da war die — von Frankreich und seinem großen Freunde Morgan inszenierte— Kündigung der kurzfristigen Kredite und der hiermit verbundene scharfe Devisenabstrom aus Deutschland. Die Mark geriet in Gefahr, da die Dekkungsgrenze nur mit äußerster Mühe zu halten war. Es kam dann an jenem Sonntag(5. Juli) zu der Einberufung des Generalrates der Reichsbank, wobei jedoch— wie ausdrücklich erklärt wurde—„ein Antrag auf Herabsetzung der Deckungsgrenze nicht vorlag“. Es ergab sich aber, daß es mit dieser Erklärung nicht recht stimmte und daß der Generalrat doch eine Ermächtigung zur Herabsetzung der Deckungsgrenze gegeben hatte. Das Verhängnis nahm seinen Lauf, die Devisenverluste nahmen kein Ende, die Reichsbank mußte die letzte Notreserve des Golddiskontbank=Kredites in Anspruch nehmen. Vergeblich bemühte sie sich um Kredite. Es kamen hinzu der Krach der Danatbank sowie die Schwierigkeiten bei verschiedenen anderen führenden Bankinstituten. Man schrie förmlich nach einem schnellen und großen Auslandskredit. Aber der blieb aus, obwohl sich tausend erste deutsche Unternehmungen zu einer Kredit=Bürgschaft gegenüber dem Ausland zusammengefunden hatten. Es entbehrt eines gewissen Reizes nicht, daß sich unter diesen tausend Bürgen auch der Name der bankerotten Danat befand. Frankreich war zur Hergabe großer Kredite nur gegen politische Konzessionen bereit und unternahm gleichzeitig einen recht wirksamen Angriff auf das englische Pfund, um(nach dem Vorgang bei der österreichischen Kreditanstalt) ein eigenmächtiges Vorgehen Englands zugunsten Deutschlands unmöglich zu machen. Und so stehen wir in einer Krise, die mit der Schließung der Börsen und Bankschalter ihr äußeres Merkmal erfuhr, die aber auch nach Wiederingangsetzung des allgemeinen Zahlungsverkehrs noch längst nicht behoben ist. Noch immer wartet die deutsche Schicksalsfrage auf Antwort:„Selbsthilfe oder abermaliger Pakt mit dem Westen, um ein System zu retten, das uns schon oft genug zum Verhängnis wurde?“ Wir bekennen uns erneut zu der Ueberzeugung, daß die Reisen unserer Minister nach London und insbesondere nach Paris völlig unnötig waren. Wir haben vom Westkapitalismus nicht das Geringste zu erhoffen! Einer gewissen Tragik entbehrt hierbei die Rolle Brünings nicht. Und die„Tat“ hat sicherlich nicht ganz unrecht, wenn sie schreibt: „Das Schicksal des Mannes, in dessen Hände heute die deutsche Staatsleitung gelegt ist, steht in seinem Gesicht geschrieben: Schmal und hager, mit Wissen um Askese und Entbehrung, mit forschend kalten Augen hinter den scharfen Brillengläsern. Das Schicksal hat ihn von unten heraufgeworfen in einem Augenblick, als es darauf ankam, einen solchen Mann zu haben... So ist sein Verhängnis zu verstehen: er liquidiert den tausendjährigen Streit zwischen Deutschland und Frankreich in einem Augenblick, da er am dringendsten Geld braucht und Deutschland zutiefst am Boden liegt. Er stützt und hält den Kapitalismus in einem Augenblick, da geschlossene Bankschalter seinen Zusammenbruch auch dem kleinen Mann drastisch vor Augen führen. Er lenkt ein Volk, aus dessen Tiefen er stammt, das am 14. September unmündig und am 13. Juli für ein Muster an Disziplin erklärt wurde, mit Heer und Polizei in dem Augenblick, da der Bau des Panzerkreuzers verboten werden soll. Er ringt um Freiheit und Demokratie, um den Bestand der„freiesten Verfassung der Welt“ in einem Augenblick, da er die Pressenotverordnung erläßt... Sein Verhängnis ist. in die Tiefe des Charakters und der Persönlichkeit gesehen, noch größer: er empfindet sozial und muß antisozial handeln; er empfindet national und muß international handeln. Die Tragik dieser Persönlichkeit wäre noch nicht abgeschlossen, wenn er nicht in jenen entscheidenden Schicksalstagen von dem Wissen des Kommenden, von dem ahnungsschweren Erkennen des Schicksals umwittert worden wäre. Für eine Sekunde der Weltgeschichte war ihm die Entscheidung in die Hand gegeben, einen neuen Weg zu gehen: Staatsaufsicht über die Banken, staatlicher Wirtschaftsdiktator, Abschluß von der Weltwirtschaft, Autarkie— aber dieser Mann konnte den Weg nicht mehr gehen; schnell verflog der Morgenputz— und er fuhr nach Paris. Wir verfolgen den Weg seiner Tragödie mit Furcht und Mitleid und harren der Katharsis. Es ist der Weg eines Mannes und derer, die er führt— des Volkes Weg nicht mehr.“ Inzwischen ist die Reise des Kanzlers nach Rom beendet. Mussolini hat den deutschen Ministern noch ein Wort auf den Weg gegeben, für das wir ihm allen Dank schuldig sind. Dieses Wort lautet:„Helft euch selbst!“ Hoffentlich ist dieses Wort nicht vergeblich gesprochen. Denn es ist der einzige Weg, an dessen Ende die deutsche Freiheit steht. Und er ist zugleich der Wegdes deutschen Volkes! H. Brief aus dem Auslande. Dieser Brief eines jungen Deutschen gibt die Eindrücke wieder, die er bei einem Studienaufenthalt in der Schweiz ewonnen hat. Wenn wir ihn fast ungekürzt aufnehmen, oll damit von uns aus nicht gesagt sein, daß wir das Urteil des Verfassers in allem für richtig halten. Wir, vermuten sogar, daß mancher Deutschschweizer und mancher Schweizer und Franzose über das eine oder andere ganz anders denken wird. Die Schriftlettung. Vom Ausland sieht man Deutschland immer ganz anders, denn man lebt mit in der fremden öffentlichen Meinung und sieht und hört Dinge, die man nicht immer in Zeitungen findet. Besonders von der Schweiz aus kann man die Meinungen über Deutschland gut studieren, namentlich, da sich im französischen Teil auch ein guter Teil der französischen Ansichten kristallisiert. Die Meinungen über Deutschland kann man in der Schweiz nicht scharf genug trennen. Da sind zuerst die Italiener im Tessin, bei denen man nur Deutschfreundlichkeit finden wird, ja, die Reichsdeutschen sind sogar beliebter als die Deutschschweizer. Dazu steht im krassesten Gegensatz der französische Teil mit dem Kanton Waadt an der Spitze. Das erscheint uns Deutschen immer unglaublich. Aber wenn man die Geschichte dieses Kantons kennt, wird man die Sache schon eher erklären können. Die Rolle, die er in der Schweiz spielt, kann man in Deutschland vielleicht mit der Bayerns vergleichen. Nur ist der Kanton Waadt noch radikaler, immer aufsässig und ängstlich um jedes Stückchen Selbständig keit bedacht. Den Wert dieser Selbständigkeit wird jeder Schweizer und auch jeder Ausländer, der schweizerische Verhältnisse kennt, zu schätzen wissen. Nur erscheint uns jedes Extrem dabei falsch.— Der Kanton Bern ist sein Erbseind,— übrigens sind Berner in der ganzen Schweiz wegen ihrer Langsamkeit unbeliebt und verspottet—. Besonders beim Kanton Waadt, denn Bern hat ihn in der Zeit, da die Berner Kaufherren in der Schweiz tonangebend waren, beherrscht, und dadurch die Bevölkerung mit dem lebhaften und impulsiven Blut auf die Seite Frankreichs gedrängt, dem sie sich auch geistesgeschichtlich und kulturell verwandt fühlt. Und man findet auf der Straße und in den Zeitungen die offiziellste Pariser Meinung: Deutschenfeindlichkeit und Deutschenfurcht. Gewiß, man wird nicht unhöflich behandelt, die Leute sind nett und verstehen es, von Mensch zu Mensch zu verkehren. Aber in Gesprächen, zu denen sie uns zu gerne herausfordern, nehmen sie kein Blatt vor den Mund! Man merkt dann, man ist eben Deutscher. Und selbst, wenn man einen guten Teil auf den Volkscharakter schiebt, ein gewisser Ton bleibt. Zwischen Italienern und Franzosen stehen die Deutschschweizer, die sich bemühen, objektiv zu sein und schon deshalb nicht einseitig deutschfreundlich sein können. Was durchaus zu verstehen ist, denn die deutschen Kantone, die in der Schweiz den Ausschlag geben, bilden den Kitt zu dem Staate, der trotz alles Partikularismus und der Verschiedenheit seiner Völker immer wieder zusammenhält. Ein Wunder für jeden Fremden. In manchen Punkten dagegen sind sie sich in ihrer Meinung über Deutschland einig, wenigstens Deutschschweizer und französische Schweizer. Sie glauben fest, daß Deutschland 1916 nicht gezögert haben würde, durch die Schweiz nach Italien zu ziehen, wenn die Schweiz nicht ihre Armee gehabt hätte. Und alle Vorhaltungen, daß die Lage in Belgien eine ganz andere, und Belgien nicht wirklich neutral war wie die Schweiz, sind vergebens. Aber andererseits sind sie darin einer Meinung, daß Deutschland seine Kolonien wieder haben muß! Es war ein Unrecht, sie ihm fortzunehmen! Und man verspricht sich viel davon für die Ankurbelung der deutschen Wirtschaft, über deren Träger, die deutschen Kapitalisten, eine große Erbitterung herrscht. Denn diese haben ihr ganzes Geld dem deutschen Markt entzogen und in der Schweiz angelegt, wodurch hier wegen des Geldüberflusses eine Inflation entstehen kann. Die Schweiz ist aber dadurch auch sehr reich, sie hat billige Kredite, gibt fast gar keine Zinsen, überall wird gebaut und gebaut. Nur Auslandskredite gibt man nicht. Man hat zu Deutschland kein Vertrauen. Man schimpft über die Radikalisierung, ohne sich wirklich darüber klar zu werden, woher sie eigentlich kommt. Darin zeichnet sich vor allem die französische öffentliche Meinung aus, über die noch einige Worte erlaubt seien, da sie für uns das größte Interesse hat. Man kann sie mit einem Schlagwort kennzeichnen: Ein Nichtverstehenwollen! Die Franzosen sehen in Deutschland noch immer den Erbfeind, der jederzeit wieder über Frankreich herfallen kann; und man geht dabei von dem Trugschluß aus: Das deutsche Nationalbewußtsein kann diese Demütigungen unmöglich vertragen, und zur Revanche treibt man dort drüben genau so, wie bei uns nach 1870. Und während die verantwortlichen Minister der hehren Aufgabe dienen, den Frieden zu organisieren, redet das Volk schon vom„prochaine guerre“! Die Waadter, weil sie den Krieg nicht kennen, und die Franzosen, weil sie, ewig unruhig, auf ihre„gloire“ bedacht sind. Die„Action francaise“ schrieb neulich, sie würden einer Sklaverei, wie sie Deutschland ihnen jetzt aufzuerlegen drohe(!), Die Elberfelder Kurrende in Bethel. Wer von denen, die am Freitag, den 7. August, im gefüllten Assapheumssaal saßen, dachte, als er die Elberfelder Buben vor sich sitzen sah, nicht unwillkürlich an jenen kleinen Kurrendesänger, der um die Wende des 15. Jahrhunderts tapfer singend in Eisenach von Haus zu Haus zog und der dann als Mann dem deutschen Volke die Reformation brachte? Die Lieder, die er damals sang, sind nicht dieselben gewesen, wie sie am Freitag erklangen, eins aber war gewiß gleich: Die Freude am Singen und Musizieren! Denn wenn der Doktor Martin Luther sagt:„Die Musica ist eine schöne, herrliche Kunst und nahe der Theologie; die Jugend soll man stets zu dieser Kunst gewöhnen, denn sie macht feine, geschickte Leute.“ so zeigt das deutlich, daß schon der Knabe Martin die Musik liebte. Und auch den Elberfelder Kurrendesängern stand die Freude am Singen deutlich im Gesicht geschrieben. Die Lieder, die sie sangen, waren allerdings auch ganz dazu angetan, Freude zu erwecken. Das war besonders bei den lustigen Weisen vom„Jäger am Weiher" und vom„Jäger aus Kurpfalz“ zu merken, die in ihrem Uebermut einen Sturm der Begeisterung bei den Zuhörern hervorriefen und an denen die Jungen zeigten, was sie sprach= und stimmtechnisch leisten konnten. Aber auch den älteren Volksliedern und den geistlichen Liedern, die musikalisch noch mehr verlangten, zeigten sie sich gewachsen. Wie leicht und klar wurde die Echowirkung in der Regnartschen Weise:„Nun bin ich einmal frei“ herausgebracht, und wie rein sangen die Sopranstimmen bei dem„ieo“ der Nachtigall bis zum dreigestrichenen g! Wie weit die Töne, die mit Kopfstimme gesungen werden, tragen, das merkte man bei den zarteren Liedern, wenn der letzte Ton ganz allmählich verhallte und ausschwang, bis zum letzten Platz im Saale hörbar! Daß der Hauptdank dem Dirigenten gebührt, der die Knabenstimmen schulte und den Chor zu dem machte, was er ist, bedarf keiner Erklärung. Es war eine Freude zu sehen, wie er den Chor in der Hand hatte und dadurch fähig war, jeden Vers, der gesungen wurde, musikalisch einen Krieg bis aufs Messer vorziehen. Dabei ist aber Deutschland immer der schuldige Teil, der Angreifer. Man ist hier sogar genauer unterrichtet, als selbst das Wehrministerium es sein kann,„denn Deutschlands Munitions' fabrikation ist ein öffentliches Geheimnis, und seine Luftflotte ist derart, daß sie ihm im Kriegsfalle die Herrschaft in der Luft geben kann“!! In der Reichswehr werden angeblich auch die Soldaten alle zu Offizieren herangebildet, aber man bedenkt nicht, daß die Friedensbestimmungen allein an der gezwungen langen Ausbildung der Soldaten die Schuld tragen. Und allgemeines Staunen erregt es auch hier, daß wir nicht Militärdienst zu machen brauchen, der hier die große Freude und das Tagesgespräch aller jungen Leute ist. Jede nationale Regung in Deutschland wird aufgebauscht. Schluß folgt. Zeitgemäßes aus Kanada! Nachdem die Einwanderung in die„Vereinigten Staaten“ fast unmöglich geworden, war auch Kanada, das große englische Dominium im Norden Amerikas gesperrt. Neuerdings öffnen sich wieder die Einwanderungstore. Familien mit einem Kapital von 1000 Dollar(4200 M) können einwandern, auch Ledige, die bereits drüben waren und noch Landungskarten aus Kanada oder den Staaten vorweisen können.— Wenn nun, wie das immer üblich ist, Haus und Hof oder Wohnungseinrichtung in Deutschland verkauft, und die Untersuchung durch den kanadischen Regierungsarzt in Hamburg überstanden ist, sticht die Barkasse zum Ozeandampfer in See, begleitet von den wohlmeinenden Wünschen und begeisterten Schilderungen der Agenten.— Ich muß nun gleich und dringend darauf aufmerksam machen, daß die früheren Möglichkeiten, schon im großen ostkanadischen Industriezentrum auszusteigen, um dort leichteren und schnelleren Verdienst zu finden, jetzt vorbei sind. Die Einwandererzüge werden von kanadischen Regierungsbeamten bis„Winnipeg“, dem großen Ausfallstor für den kanadischen Westen, begleitet und überwacht. In„Winnipeg“ nun wird den einzelnen Familien eine„Heimstätte“ von 160 Ackern= 280 Morgen von der Regierung durch Vermittlung der evang. Einwanderungsbehörde zugewiesen, wofür 10 Dollar Gebühr zu zahlen sind.— „Heimstätten“ gibt es heute nur noch im Osten der Provinz Saskatschewan und im Pice=River Gebiet, 25—40 Meilen von der nächsten Eisenbahnstation entfernt. Und zwar handelt es sich ausschließlich nur noch um starkes „Buschland“, das mit Hände Arbeit gerodet werden muß. Auch für den primitivsten Anfang sind nun erst mal anzuschaffen, 1 Kuh(50 Dollar), 2 Pferde(80 Dollar), Wagen, Brechpflug, Rodewerkzeuge(300 Dollar), Lebensmittel für den ersten Winter(200 Dollar).— Nach 2 Jahren nun„kann“ eine tüchtige Familie 60 Acker urbar gemacht, und nach—5 Jahren zu„leben“ haben. Aber auch nur gerade zu„leben“. Wohlhabend oder gar reich wird niemand mehr. Die vor ungefähr 30 Jahren eingewanderten Deutschen sind reich. Als Söhne deutscher Ansiedler in Rußland, die dem Heeresdienst entgehen wollten, schufen sie, fast ohne Mittel, auf jungfräulichstem Prärieboden wunderbare deutsche Farmdistrikte, hatten große Ernten, und bei hohen Preisen, gute Einnahmen. „Heute" ist dies unmöglich. Seit Juni 1930 ist der Weizenpreis von 1,25 Dollar pro Buschel(55 Pfund) auf 25—30 Cents gesunken, und noch 10 Mitlionen Buschel aus den Ernten der Jahre 29/30 harren in den Elevatoren der kanadischen Atlantikhäfen der Ausfuhr. Wie steht es nun mit den Verdienstmöglichkeiten auf den Farmen im Frühjahr und Sommer?— Wenn Anfang April die heiße Präriesonne den Schnee schmilzt, fauchen, aus dem Osten kommend, die Güterzüge in die Stationen der zahlreichen auszudeuten und zu beleben. Gehr fein fügten sich in das Programm die schlichten Sololieder ein, die gerade darum, weil sie einfach waren, eine starke Wirkung ausübten. Die musikalisch außerordentlich geschmackvolle Begleitung, die besonders bei dem Liede von Hammerschmidt in den Vordergrund trat, die aber auch die Volksweisen musikaltsch untermalte, verstärkte den Eindruck der schönen Schlichtheit. Man hatte von allen Musikanten den Eindruck, als lebten sie nach dem Liede von Ernst Kopp, das an jenem Abend auch erklang und dessen Worte von Angelus Stlesius so lauten: Ihr kleinen Vögelein, Ihr Waldergötzerlein, Ihr süßen Sängerlein, Stimmt mit mir überein: Ich will den Herren preisen Mit meinen Liebesweisen; Ich will von Herzensgrund Ihm auftun meinen Mund. Mg. Tr. Vergessene Blumensterne des Gartens. Die Auswahl der bunten Kinder aus dem Reiche der Flora war zur Zeit unserer Großmütter keine so umfangreiche wie die in unseren Tagen. Besonders standen die Riechkräuter in hohem Ansehen. Manche derselben sind in Vergessenheit geraten. Zu ihnen gehört die weißgefüllte Nachtviole, die nicht nur angenehmen Duft verbreitet, sondern auch durch ihre Blütentrauben unser Auge erfreut. Levkoje gehört zu der bekanntesten und beliebtesten Sommerblumengruppe. Die Herbststürme lassen jedoch ihre Pracht rasch dahinschwinden. Wollen wir aber auf unseren Blumenständern eine Staude züchten, die mit allen guten Eigenschaften der Leokoje ausgestattet ist, aber dabei jahrelang ausdauert und der härtesten Winterkälte standhält, so greifen wir zur Nachtviole. Ehedem wurde sie in Thüringer Bauerngärten sehr gepflegt; jetzt findet kleinen„Bretterbuden=Städte“ des Westens. Auf den Wagen, in den Wagen, auf den Dächern der Brema, häuschen hocken„Gestalten". Deutsche, Dänen, Fran, zosen, Engländer, Slaven. Keine„Tramps“ keine Landstreicher— nein alles energische, tüchtige Jungs die, koste es was es wolle, ein paar„Dollars“„machen“ wollen. Nun braucht der Farmer Leute, aber nur noch 60% finden Arbeit; und während noch in den letzten Jahren in der Bestell= und Brachpflugzeit 40 Dollar monatlich bei freier Station, und in der Ernte—5 Dollar pro Tag gezahlt wurden, gibt es heute nur noch 15 Dollar den Monat, und in der Ernte 1 Dollar pro Tag.— Sehr schwer ist es nun den langen Winter hindurch(Anfang November bis Anfang April, 25—40 Grad Reaumur bei starkem Schneefall) auf der„Heimstätte zu leben und zu roden. Im Winter gibt es in Kanada keine Arbeit Es sei denn auf Farmen von Glaubensgenossen, aber ohne Lohn, nur für Board and Room(Kost und Logis) Da der Holzhandel brach liegt, und zur Zeit keine Eisenbahnen gebaut werden, wofür früher große Mengen Holzschwellen aus den Wäldern Britisch=Kolumbiens benötigt wurden, haben die meisten„Kamps“ geschlossen, und die Arbeit in den noch wenigen offenen bleibt den arbeitslosen Kanadiern vorbehalten. Und dennoch, wenn auch der alte Cowboy den Kummer seiner Arbeitslosigkeit im Wisky, ersäuft, und der Indianer in seine Reservoire verdrängt ist, groß und frei ist doch die ungeheure Prärie und der Handschlag gilt noch gleich Unterschrift. Aber überlegen wir, was mit obengenannten Summen in unserem, wenn auch zur Zeit noch geknechteten Vaterlande zu beginnen wäre.— Wer dennoch auswandern will, muß von eiserner Gesundheit sein, große Kälte ertragen können und fähig sein, in einem Lande mit ganz anderen Sitten, unter gänzlich veränderten Verhältnissen unbeirrt seinen Weg zu gehen, Sonst bleibt, außer einer romantischen Ozeanfahrt nichts mehr übrig.—„Vergnügen“ gibt es drüben nicht, auch keinerlei soziale Hilfe. Auch der alte,„reiche“ Farmer kann sich nichts weiter leisten, als einmal mit der Familie im Winter nach„Kalifornien“ zu fahren, wo er unter der Hitze so leidet, daß er sich nach seiner einsamen, westkanadischen Farm zurücksehnt. Manchen Landsmann habe ich getroffen, dessen großer Wunsch es war, wieder in die Heimat zu fahren. Doch kann er jetzt sein Farm nicht verkaufen, wenn nicht mit einem Verlust von mindestens 60%.— Und noch eins. Wer drüben in Unterhaltungen kommt, über Politik und den Weltkrieg, der rede niemandem nach dem Munde.— Er spreche„frei und groß von seinem Vaterlande. Dann wird man ihn achten“. Fritz Büxten. Ein Weg zur Selbsthilfe. Die Schwierigkeit der wirtschaftlichen Lage Deutschlands liegt klar vor aller Augen. Die Gold= und Devisendecke der Reichsbank ist stark zusammengeschrumpft. Auch bei nur ca. 30=prozentiger Deckung genügt der Umlauf an gesetzlichen Zahlungsmitteln nicht im Entferntesten den Bedürfnissen der Wirtschaft. Dazu eine starke Steigerung der Produktionswirtschaft, der bei gesenkten Löhnen und Gehältern und hohen Zinssätzen nur verschwindend geringe Kaufkraft gegenübersteht. Deshalb Mangel an Absatzmöglichkeiten, Handel und Wandel im Ersterben, Stillstand der Produktion, zunehmende Arbeitslosigkeit. Da nach maßgebendem Urteil zur Besserung dieser trostlosen Verhältnisse eine langfristige Auslandsanleihe nicht im Bereich der Möglichkeit liegt, ist Deutschland allein auf den Weg der Selbsthilfe gedrängt. Wie ist nun das Problem der Geldbeschaffung zu lösen, ohne die Gefahr einer Inflation herbeizuführen? Hierzu folgender Vorschlag: Es lagern in den Geldschränken der man sie nur noch in Süddeutschland, besonders in Schwaben. Für die Marktfrauen, welche die weißen Blütenstengel zur Stadt brachten, bildete ihr Verkauf im Frühling eine erwünschte Nebeneinnahme. Ein einziger Stengel wurde mit 5 Pfg. bezahlt. Da die gefüllten„Matronalen“, die auch den Namen Frauenveil oder Damaskenblumen tragen, in England Dames Violet oder Rocket, in Frankreich Julienne des dames genannt werden, keinen Samen geben, so vermehrt man sie durch Teilung der Stöcke nach dem Flor vom Juli bis zum September. Die beblätterten Zweige, die sich nach der Blüte an den Stengeln bilden, geben Stecklinge, welche sich leicht bewurzeln. Fast jederzeit vertragen die kleinen Stauden, selbst während der Blüte, das Verpflanzen. Diese Teilung muß aber jährlich vorgenommen werden, da sonst die Pflanzen von der Mitte aus faulen und dann verloren sind. Bei fleißigem Gießen werden die Teilpflanzen sich rasch zu kräftigen Büschen entwickeln. In kleinen Raupen haben die Pflanzen einen Feino, welcher oft die Herzteile zerfrißt. Durch fleißiges Absuchen kann dem Uebel Einhalt verschafft werden. Fur Anpflanzung auf Rabatten empfiehlt es sich, einen Hintergrund mit gefüllten Pechnelken(Viscaria) anzulegen. Damit wird ein angenehmes Farbenkonzert erreicht. Schloß Ebeleben. Georg Meister, P. em. Herr Pastor D. Rambaud, der Leiter der Evangelisch Christlichen Einheit, schreibt an die Freunde folgendes: Vielleicht wird es Ihnen wertvoll erscheinen, von der weiteren Entwicklung der im letzten Rundschretben de „Ev. Christl. Einheit“ angeregten Hülfe für deutsche lbeitslosenfamilien durch französische evangelische Christen zu hören. Es sind mir verschiedene Gaben gesandt wol“ den, und ich habe sie in der Weise verteilt, daß in jeder einzelnen deutschen Gemeinde, die bedacht wurde, det Name und die Adresse der arbeitslosen Familie mir““ Kreissparkassen, Stadtsparkassen und ländlicher Genossenschaftskassen erststellige Hypothekenbriefe im Betrag von vielen Milliarden Mark. Die Darlehen, die darauf gegeben sind, sind für lange Zeit festgelegt und deshalb nicht realisierbar, wenn auch absolut gesichert. Daraus ergab sich der groteske Zustand, daß eine Kasse, welche solche Hypothekenbriefe im Werte von mehreren Hunderttausend Mark hatte, in den letzten Tagen oft einen Scheck über 50 Mark nicht einlösen konnte, einzig und allein aus Mangel an barem Geld. Wenn die Reichsbank obigen Kassen gegen Hinterlegung dieser Hypotheken einen laufenden Kredit einräumen würde, so würde damit die ganze Geldschwierigkeit mit einem Schlag behoben sein. Die Reichsbank hätte für ihr neu auszugebendes Geld nicht eine 30=prozentige, sondern 100=prozentige Deckung. Und die Kassen kämen nie wegen Mangel an Bargeld in Verlegenheit. Hand in Hand mit dieser Geldflüssigkeit würde ein rapides Fallen der Zinssätze gehen. Einem Mißbrauch dieses Geldes durch Verschiebung ins Ausland ist ja durch die Devisennotverordnung ein Riegel vorgeschoben. Es könnte aber zum Ueberfluß noch dieses Geld den Vermerk tragen„Nur zur Zahlung im Inland zulässig.“ Niemand wird sich der Möglichkeit der Durchführung einer solchen Aktion verschließen können. Trotzdem ist der Unterzeichnete der Ansicht, daß die großen Banken diesen Plan, wenn irgend möglich, zu hintertreiben versuchen würden. Denn den Löwenanteil an diesem Gelde würden ja die kleineren und absolut sichern Kassen, die im Besitze solcher sichern Schuldurkunden, sind und die keine Spekulationsgeschäfte treiben dürfen, davontragen. Aber es ist der einzige Weg zur Ankurbelung der Wirtschaft, Senkung der Zinssätze und Behebung der Arbeitslosigkeit. Wird dieser Weg nicht begangen und vertrödelt man kostbare Zeit mit Betteln um Auslandsanleihen, die doch nicht sicherer sein könnten als unsere erststelligen Hypotheken, so kommt der Winter mit Arbeitslosigkeit und Bolschewismus. Und Auslandsanleihe hieße neue Verschuldung und unerträgliche Zinslast. Deshalb deutsches Geld, gedeckt durch deutsche„Devisen“ und nicht durch gepumpte amerikanische Dollars und holländische Gulden! Krll. Verfäfsungs seiel i Keichblag. In Anwesenheit Hindenburgs.— Ansprachen des Kanzlers und des Reichsfinanzministers. — Berlin, 12. August. Dem Ernst der Zeit entsprechend trug die diesjährige Verfassungsfeier ein sehr schlichtes Gepräge. Auch der Plenarsaal des Reichstags war einfacher als sonst geschmückt. Eine Besonderheit war die auf dem Präsidentenpult angebrachte, von Blumen umgebene Bronzebüste des Reichsfreiherrn vom Stein. An der Stirnwand des Saales war wiederum der Reichsadler angebracht, und die Estraden waren mit schwarz=rot=goldenen Tuchstreifen geschmückt. Unterstrichen wurde das festliche Bild von der Farbenpracht der Vertreter der studentischen Korporationen, die zahlreicher als sonst und in Wichs und mit ihren Fahnen an den Wänden des Plenarsaales Aufstellung genommen hatten. Auf der Regierungsestrade hatten der Reichskanzler, die Reichsminister, der preußische Ministerpräsident, mehrere Staatsminister, die Chefs der Heeres= und Marineleitung, Reichsbankpräsident Dr. Luther Platz genommen. Ferner bemerkte man unter den Ehrengästen die Vertreter der deutschen Länder. Punkt 12 Uhr öffneten sich die Flügeltüren zur Ehrenloge des Reichspräsidenten. Reichspräsident von Hindenburg nahm Platz, begleitet von Staatssekretär Meißner und seinem Sohn, Oberstleutnant von Hindenburg. Vor dem Reichstagsgebäude marschierte in diesem Augenblick die zweite Kompagnie des Infanterieregiments 10 aus Dresden mit klingendem Spiel auf und nahm in zwei Gliedern mit der Iront nach dem Reichstag Aufstellung. Mit dem Vortrag der Motette„Der Geist hilft" von Johann Sebastian Bach durch den Staats= und Domchor nahm dann die Feier ihren Anfang. Die Festrede hielt, nachdem die letzten Töne verklungen waren, Reichsfinanzminister Dietrich. Ein ungeheuer wirtschaftlicher Wiederaufbau, so betonte der Minister, sei in den letzten acht Jahren seit 1923 geleistet worden. Aber nicht allein aus eigener Kraft, sondern auch mit der ersparten Vermögen fremder Nationen, das in Milliardensummen als Leihkapital nach Deutschland hereingeflossen sei. Von der Aufnahme dieses Kapitals in Form kurzfristiger Kredite sei die Gefahr ausgegangen, die uns in die fürchterlichen Wirren der vergangenen Monate gestürzt habe. Es sei aber nicht eine Krise der Wirtschaft allein, sondern es lei die nannt und dem französischen Spender mitgeteilt wurden. In dieser Weise ist jetzt ein persönliches Verhältnis zwischen Deutschen und Franzosen hergestellt. Welche Form dieses persönliche Verhältnis bekleidet, ist am besten durch folgenden Brief zu ersehen, den wir wortgetreu, ohne die Fehler zu korrigieren, wiedergeben. Ein französ. Christ schreibt jetzt an seine neue deutsche„Nichte", das zwölfjährige Kind einer deutschen arbeitslosen Familie:5 26. Juli 1931. Liebe kleine Nichte. Vergeben Sie meine zahlreiche Fehler gegen die deutsche Sprache, ich hoffe, daß Sie meine französischen Buchstaben verstehen können. Ich erlaube mir, Sie unsere Nichte zu nennen, weil alle Menschen, besonders alle Christen Brüder sind. So haben wir wie ein Bruder und eine Schwester ihrer lieben Eltern gethan. Wir wünschten Sie und Ihre liebe Familie kennen zu lernen. Wir weißen nicht, wann das möglich sein wird. Hätten Sie einige Photographien, so würden wir uns viel erfreuen, sie zu sehen, und es wäre schon ein Anfang der Kenntnis. Wenn das einige Auslagen veranließ würden wir gern sie zurückzahlen. Wir wünschten, daß Ihre liebe Mutter ruhen und sich pflegen könnte; wir sind sicher, daß Sie alles mögliches thun, um sie zu helfen und zu erleichtern. Wir leiden viel mit Ihnen, mit Ihren lieben lieben Eltern wegen die große Not, die unsere deutschen Brüder erdrückt. Wenn die Franzosen diese Not kannten, so würden viele bereit, alles zu suchen, um sie aufzuheben. Aber man Verbergt die Warheit und wegen die Lüge sterben die Völker. Ich spreche Ihnen, liebe kleine Nichte, von sehr ernsten Sachen, aber trotz Ihre Jugend, Sie können sie schon verstehen. Wenn unsere Völker sich miteinander kennen lernen werden, so werden sie sehen, daß sie erschaffen wurden, um sich unter sich zu lieben und zu helfen. Dafür wollen wir arbeiten. Gott sei mit Ihnen, liebes Kind. Darstellen Sie Ihren lieben Eltern unsere große brüderliche Liebe und bekommen Sie die herzlichen Gedanken Ihrer.. Onkel George und Tante Berthe. Krise der Verträge, die den Krieg beendeten, die an uns rüttele. Eine Gefahr für das Reich bestehe nicht mehr. Der Deutsche habe sich als besserer Bürger bewährt, als man geneigt gewesen sei, ihn anzusehen. —. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen würdigte Minister Dietrich dann die Persönlichkeit des Freiherrn vom Stein, der die Voraussetzungen für eine neue deutsche Geschichte geschaffen habe. Deutschland befände sich mitten in einer wirtschaftlichen Umbesetzung. Zwei Systeme kämpften um die Zukunft, das kapitalistische und das bolschewistische. Das Verhalten des Volkes habe gezeigt, daß es in seiner überwiegenden Mehrheit willens sei, auf der bisherigen Grundlage weiterzubauen, daß es gesonnen sei, auch dafür Opfer zu bringen. Der Ruf nach Reformen dürfe nicht ungehört verzallen. Doch müsse man vor dem Glauben warnen, daß durch eine Reform des Verhältnisses von Reich. Ländern und Gemeinden zueinander allein schon diejenigen Einschränkungen und Ersparnisse eintreten würden, die notwendig seiten, die öffentlichen Lasten auf ein tragbares Maß zurückzuschrauben. Es komme darauf an. die Aufgaben und Zuständigkeiten zwischen Reich, Ländern und Gemeinden richtig zu verteilen und die finanziellen Folgerungen daraus um die oft leerlaufende Verwaltungsmaschine zu Das Fundament, welches die Weimarer Verfassung dem deutschen Volke gegeben habe, sei durchaus gesund und tragfähig, und der Ansturm dagegen werde in der späteren Geschichte einmal als eine Episode gewürdigt werden. Die Grundgedanken müßten bleiben, wenn auch die Konstruktion im einzelnen der Abänderung bedürfe. Es könne sich nur darum handeln, mit vorübergehenden Eingriffen eine Grundlage für eine neue Aera der Selbstverwaltung in Stadt und Land vorzubereiten, keinesfalls aber darum, eine völlige Beherrschung der Kommunen durch die Obrigkeit herbeizuführen. Der Einzelne müsse an die Spitze seiner politisch wirtschaftlichen Betätigung den Gedanken an das Reich und an das deutsche Volk stellen. Erst dann, wenn die Notwendigkeit, den Staat zu verkeidigen, die überwiegenden Schichten unseres Volkes beherrsche, würden wir in wahrem Sinne eine Nation sein. Das Gefüge des Staates beruhe auf der Qualität der Bürger, und wenn der Staat über gute und tüchtige Bürger verfüge, werde er ein gesunder, leistungsfähiger und gerechter Staat sein. Er werde aber auch ein mächtiger und freier Staat werden, weil die Unabhängigkeit nach außen abhängig sei von der Ordnung im Inneren. Im Anschluß an die Ausführungen des Reichsfinanzministers wurde die Hymne„Sämann Deutsch= land“ vorgetragen, worauf Reichskanzler Dr. Brüning, der auf dem schwarzen Rock das Eiserne Kreuz 1. Klasse trug, das Wort zu einer kurzen Ansprache nahm. führte aus:„Die Feier des Verfassungstages fällt in eine Zeit drückender wirtschaftlicher Not, einer Not, die die seelische Widerstandskraft des Volkes vor schwerste Proben stellt. Die deutsche Geschichte ist an Höhen und Tiefen reich. Die Bedrängnis der Gegenwart aber findet ihre greifbarste Parallele wohl nur in den Jahren, in denen der grobe. Slaatsmann lebte und wirkte, unter dessen, 3g, heu sich der diesjährige Verfassungstag bewußt steut. freiherr vom Stein, Wegbereiter deutscher Einheit und freiheit, der Führer zum volkhaften Staat, ist uns gerade in diesen Zeiten des Duldens und Harrens, des Handelns und Gestaltens aufrichtendes und mahnendes Beispiel. In der Linie seines Zukunftswollens liegt die Reichsverfassung vom 11. August 1919 als bedeutsame, wenn auch nicht in allem vollendete Erfüllung. Die Erinnerung an den großen deutschen Freiherrn vom Stein und das, was uns alle mit ihm verbindet, soll uns eine Mahnung sein, alle aufbaufähigen und eingliederungsbereiten Kräfte zusammenzufassen und einzusetzen zur Ueberwindung der Nöte und Gefahren dieser Tage. Vo, wie seine freiheitlichen Reformen die sittlichen und moralischen Kräfte der Nation zu stärkster Opferwirkung ansachten, so soll und muß die in der Reichsverfassung gegebene Freiheit und Mündigkeit uns allen ein Appell sein, in bewußtem und disziplinierten Wollen uns der Bürgerpflichten zu erinnern, die diesen Bürgerrechten entsprechen. Der Verfassungstag, ebenso wie der Gedenktag der im Weltkrieg Gefallenen ist ein Besitz des ganzen Volkes, an dem die Tageskämpfe schweigen und das Bewußtsein der nationalen Gemeinsamkeiten in sein Recht tritt. Dieses Sichbesinnen auf das, was uns eint, darf nicht nur im Gedankenbereich des Theoretischen bleiben, sondern muß, wenn es echt und tief ist, auch im Gebiet des politischen Handelns zu fruchtbaren Ergebnissen führen. Das war Steins Ziel in einer noch unvergessenen Vergangenheit, das muß auch unser Ziel sein in dieser schweren und umstrittenen Gegenwart. Auf die Zeit der Rot, in die Steins Schaffen fiel, folgte der Aufstieg. So soll auch jetzt jeden Deutschen die Zuversicht ersüllen auf eine bessere Zukunft und auf den Wiederaufstieg unseres Vaterlandes. In diesem Sinne bitte ich Sie, Herr Reichspräsident, und Sie, meine Damen und Herren, mit mir einzustimmen in den Ruf: Das in der Republik geeinte deutsche Volk, es lebe hoch!“ vor dem Reichstag. Hoch und dem gemeinsamen Gesang des indliedes fand dann die Feier im Reichstag ihren Abschluß. Nuninehr begab sich Reichspräsident von Hindenburg Umgebung, begleitet vom Reichswehrminister, den Ministern sowie zahlreichen Parlamentariern durch die mit Wappen und Flaggen der Länder geschmückte Kuppelhalle des Reichstags über die große Freitreppe zum Platze bei Republik, von den vielen Tausenden von Zuschauern mit stürmischen Hochrufen begrüßt. Unter den Klängen des Präsentiermarsches und des Deutschlandliedes schritt der Reichspräsident in Begleitung des Reichswehrministers und des Berliner Stadtkommandanten, Oberst von Witzendorff, die Front der Ehrenkompagnie ab Nach dem Abschreiten der Front verabschiedete sich der Reichspräsident, bestieg seinen Kraftwagen und fuhr langsam unter erneuten Hochrufen, Tücher= und Hüteschwenken des Publikums die Front entlang nach dem ReichspräsidenPolizei. Ehrung der erschossenen Kameraden. Die diesjährige Verfassungsfeier der Berliner Schutzpolizei, an der 4000 Mann teilnahmen, war verbunden mit Ehrung der in Ausführung ihres Dienstes erschossenen Kameraden durch eine Minute des Schweigens. Alle die betonte Polizeipräsident Grzesinski dabei, die ihre Pflichterfuuung in jungen Jahren mit dem Tode besiegelt hätten, würden nicht vergessen werden. Den Schluß hätten, würden nicht vergessen werden. Den Schluß der Kundgebung bildete die feierliche Uebergabe einer vom vonzeipräsidenten der Berliner Schutzpolizei gestifteten Standarte. Danach folgte der Vorbeimarsch der SchutzNeue Bankierskonferenz? Deutschland soll durch die Regelung der kurzfristigen Kredite wieder auf die Beine gestellt werden. — Berlin, 12. August. Seit einiger Zeit beraten die Banksachverständigen in Basel über die Maßnahmen, die zur Ueberwindung der deutschen Finanzschwierigkeiten getroffen werden sollen. Im Vordergrund der Erörterungen, an denen von deutscher Seite der Hamburger Bankier Dr. Melchior teilnimmt, steht die wichtige Frage, wie die kurzfristigen Kredite, deren plötzliche Kündigung eine der Hauptursachen der deutschen Finanzkrise im vergangenen Monat gewesen ist, am besten Deutschland und seine Wirtschaft erhalten werden können. Die Baseler Verhandlungen scheinen nach den letzten Nachrichten schon ziemlich weit vorgeschritten zu sein, so daß der Zehnerausschuß der Bankiers bereits in den allernächsten Tagen nach Berlin kommen kann, um hier an Ort und Stelle die Schlußverhandlungen mit der Reichsregierung bzw. den deutschen Bankinstituten zu führen. In Verbindung mit dem bevorstehenden Abschluß der Baseler Sachverständigenbesprechungen steht offenbar auch die eilige Rückkehr des englischen Ministerpräsidenten Macdonald von seinem Erholungsurlaub in Schottland nach London. Auch Schatzkanzler Snowden ist von seinem Landsitz in Tilford nach London zurückgekehrt, wo er am Dienstag wichtige Besprechungen mit Macdonald und den Vertretern der Bank von England hatte. Wie das der englischen Regierung nahestehende Arbeiterblatt„Daily Herald“ zu berichten weiß, sollen unformelle Erörterungen zwischen dem Gouverneur der Bank von England. Montague Norman, den Direktoren der Bank von England, den fünf größten englischen Banken und führenden internationalen Banken über den Weltplan zur Unterstützung der deutschen finanziellen Stabilität durch Aufrechterhaltung kurzfristiger Anleihen stattgefunden haben. Am Montag sei eine wichtige Zusammenkunft zwischen den Londoner Clearinghäusern und führenden internationalen Bankiers abgehalten worden. Diese habe zu einer Vereinbarung über die Einberufung einer internationalen Konferenz der Bankiers von London, Neuyork. Paris, Holland und der Schweiz zur Erörterung einer Abmachung für die Unterstützung Deutschlands durch Fortsetzung kurzfristiger Anleihen für einen weiteren Zeitraum geführt. Diese Zusammenkunft werde wahrscheinlich in wenigen Tagen einberufen werden und werde entweder in London oder in Paris stattfinden. Die Verhandlungen hätten, dem Blatte zufolge, nach dem Scheitern des Volksentscheids ein endgültiges Stadium erreicht. Die Bankiers und Finanzleute in London und Neuyork seien bereits bei den Vorbesprechungen über die Bedingungen des neuen Angebots an Deutschland so gut wie übereingekommen. Die Bankiers verfolgten das Ziel, die Anempfehlungen der Londoner Konferenz durch Fortsetzung der kurzfristigen Anleihen an Deutschland für eine weitere endgültige Periode durchzuführen. Eine solche Entscheidung würde Deutschland eine Atempause zur Wiederherstellung normaler Verhältnisse gewähren. Die Regelung des Kreditproblems, die zuversichtlich von der Bankierskonferenz erwartet werde, werde daher den Weg für einen großen Plan, zeigen, um Deutschland auf die Beine zu stellen. London zuversichtlich. Auch der„Daily Telegraph“ will wissen, daß die Erörterungen der Bankiers über die Fortsetzung der Auslandskredite an Deutschland in den verschiedenen Mittelpunkten befriedigend verlaufen sind. Es bestehe Grund zu der Annahme, daß die Abänderungen der deutschen Vorschläge, die von Londoner und Neuyorker Bankiers angeregt wurden, jetzt vollendet seien, und daß sehr wenig Unterschied in den Ansichten dieser Bankiers bestehe. Aehnliche Beschlüsse sollen in anderen Finanzzentren erzielt worden sein, und man erwarte, daß die endgültigen Verhandlungen bald beendet und die Bankenvertreter der verschiedenen Länder bald zusammentreten werden, um ein übereinstimmendes Verfahren zu vereinbaren, und so die Durchführung des Planes zu vereinfachen. Abschluß in London. Unterzeichnung eines Abkommens über die Durchführung des Hooverplans. Die Londoner Sachverständigenverhandlungen über die praktische Durchführung des Hooverplanes sind durch Unterzeichnung eines Berichts und eines Protokolls abgeschlossen worden. Das Protokoll wurde von allen Regierungen mit Ausnahme Jugoslawiens unterzeichnet. Das praktische Ergebnis der Vereinbarungen ist eine Entlastung Deutschlands während des Hooverjahres von 1 593 676 276 Mark. Dieser Betrag wird bis zum 1. Juli 1933 zinslos aufgeschoben und von diesem Zeitpunkt ab in zehn gleichmäßigen Jahresraten unter Zugrundelegung eines Zinssatzes von drei Prozent zurückgezahlt. Während des Hooverjahres werden unverändert weitergezahlt: der Dienst der Dawes= und der Younganleihe sowie die Zahlungen an die Vereinigten Staaten hinsichtlich der Urteile der Mixed Claims=Commission für die amerikanischen Entschädigungsberechtigten und die Zahlungen aus dem deutschbelgischen Markabkommen, zusammen etwa 200 Millionen Mark. Bei den Beratungen des Komitees ist die französischamerikanische Abmachung über die Anwendung des Hooverplanes als Ausgangspunkt angenommen worden. Die Einzelheiten sind in einer besonderen Anlage zum Protokoll geregelt. Die von Deutschland vom 1. Juli 1932 ab zu leistenden Nachzahlungen sind einem Aufschub nicht unterworfen. Die deutsche Regierung hat aber allgemein zum Ausdruck gebracht, daß sie zu der Frage, welche Jahlungen Deutschland künftig leisten könne, nicht Stellung nehme, zumal da die Frage der Zahlungsfähigkeit nicht zur Zuständigkeit des Komitees gehört habe. Die Erörterung dieser Frage für spätere Verhandlungen über die Reparationsfrage bleibt demnach offen. Die schwierige Frage der Sachleistungen hat ihre Regelung in der Festlegung gewisser Grundsätze gefunden, deren praktische Anwendung von den Sachleistungskommissaren in Paris geregelt werden soll. Hierbei ist vor allem unterstrichen worden, daß die Durchführung der Sachleistungsverträge keine Haushaltsbelastung Deutschlands und keine Beeinträchtigung der deutschen Wirtschaft während des Hooverjahres mit sich bringen darf. Hinsichtlich der ungeschützten Annuität des Young= plans, die Deutschland im Hooverjahr leistet, aber sofort über die Reichsbahn zurückerhält, sind die Mächte dem französisch=amerikanischen Abkommen beigetreten. * Das Ergebnis der Sachverständigenkonferenz. — London, 12. August. Nach der Unterzeichnung des Schlußabkommens der Londoner Sachverständigenkonferenz unterrichtete der deutsche Delegationsführer Graf SchwerinKrosigk die Presse, wobei er noch mitteilte, daß die Reichsbahn zum Ausgleich für die Ausstellung der Schuldverschreibungen von der Reparationssteuer befreit wird. Offen sei noch die Frage des Differenzausgleichs zwischen der ungeschützten Annuität(700 Mill..) und der Zahlung der Reichsbahn(660 Mill..). Kreditkonferenz in Basel. Telegraphisch einberufen.— Gemeinsame Beratungen des Studienausschusses und des Stillhaltekomitees. Der Studienausschuß für die Kreditlage in Deutschland hat, da es ihm zur Zeit nicht möglich erscheint, einen genauen Ueberblick über das, was Deutschland an kurzfristigen Krediten schuldet, zu gewinnen, besonders wegen der schwebenden Verhandlungen zwischen deutschen Bankenvertretern und dem sogenannten Stillhaltekomitee beschlossen, seine Verhandlungen für den Augenblick zu unterbrechen und die verschiedenen interessierten Bankenvertreter und Mitglieder des Stillhaltekomitees telegraphisch nach Basel einzuladen, um die Verhandlungen im Beisein des Studienausschusses weiterzuführen. Die Deutsche Reichsbank wird wahrscheinlich Geheimrat Vocke entsenden. Laval kommt im September. Die französische Nachrichtenagentur Havas veröffentlicht eine Meldung, in der es u. a. heißt: „Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Ministerpräsident, der von Außenminister Briand begleitet sein wird, die Reise nicht vor der Tagung des Völkerbundes unternehmen wird, die Anfang September in Genf eröffnet wird. Dieses kurze Hinausschieben des Zeitpunktes der Reise wird den Vertretern Deutschlands und Frankreichs beim Völkerbund Gelegenheit geben, sich über gewisse Probleme, die ganz besonders die beiden Länder betreffen, zu unterhalten, eren Lösung es gestatten würde, später in Berlin einen umfangreichen Meinungsaustausch vorzunehmen. Reichsbankdiskont wieder 10 Prozent. — Berlin, 12. August. Die Reichsbank hat mit Wirkung ab 12. August den Diskontsatz von 15 Prozent auf 10 Prozent und den Lombardsatz von 20 auf 15 Prozent herabgesetzt. Das preußische Handelsministerium hat die Vorstände der Wertpapierborsen nach Berlin berufen. Die Wiedereröffnung der Börsen wird für Mittwoch nächster Woche erwartet. Brüning=Rede im Reichsrat. — Berlin, 12. August. Reichskanzler Dr. Brüning hat sich bereit erklärt, vor den Vereinigten Ausschüssen des Reichsrats über die gegenwärtige Finanzlage und das Ergebnis der finanziellen Verhandlungen mit dem Auslande Bericht zu erstatten. Zu diesem Zweck ist auf Donnerstag eine Sitzung der Vereinigten Reichsratsausschüsse einberufen worden, die, wie solche Ausschußsitzungen immer, unter vollständigem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfindet. Den Vereinigten Ausschüssen gehören sämtliche Mitglieder des Reichsrats an, so daß es sich gewissermaßen um eine vertrauliche Vollsitzung des Reichsrats handelt. Neue Zwischenfälle in Berlin. — Berlin, 12. August. Dienstag abend sammelten sich in der Nostizstraße, die schon öfter der Schauplatz von Unruhen war, größere Kommunistentrupps, die versuchten, Demonstrationszüge zu bilden und in die Bergmannstraße hineinzumarschieren. Die Polizei räumte die Straße unter Anwendung des Gummiknüppels, wobei sie aus mehreren Häusern beschossen wurde. Eine Wohnung, aus der geschossen wurde, konnte genau festgestellt werden und wurde sofort von der Polizei, die die Schüsse erwiderte, besetzt. Einweihung der Nordschleuse. Die„Bremen“ als erstes Schiff in der Schleuse. Die vom Bremer Staat erbaute Schleuse in Bremerhaven erhielt durch die Durchschleusung des Llyoddampfers „Bremen“ ihre Weihe. Von den Schleppern gezogen fuhr die„Bremen“ von der Columbia=Kaje stromabwärts der Schleuseneinfahrt entgegen. Langsam glitt das Schiff in die 372 Meter lange Schleusenkammer, die Maschinen stoppten und arbeiteten dann rückwärts, die Leinen wurden dann festgemacht und die„Bremen“ lag nun als erstes Schiff in der Riesenkammer der Schleuse. Langsam schlossen sich die elektrisch betriebenen schweren Schiebetore, dann wurden am Binnenhaupt die Ausgleichskanäle geöffnet, weil im Hafenbecken der Wasserstand noch eineinhalb Meter höher war als das der Weser. In knapp 10 Minuten war der Wasserspiegel ausgeglichen, und die„Bremen“ gelangte glücklich in das 400 Meter lange Wendebecken. Von dort verholte sie durch den Drehbrückenkanal und den neuen Verbindungshafen in das jetzt auf 335 Meter verlängerte Kaiserdock 2. Die Polarfahrt des Spuren der Baldwinexpedition auf Brice. Auf dem Wege nach der Insel Aldger wurde der Eisbrecher Malygin vom Sturm überrascht, der eine Stärke von 30 Sekundenmetern erreichte. Der Dampfer wollte einen Zufluchtshafen aufsuchen, aber die sich bildenden Luftpolster hinderten den Dampfer, das Ufer zu erreichen; er kehrte auf die bewegte See zurück, umschiffte die nördliche Spitze der Insel Brice und lief die Küste der Insel Aldger an. Bei der Untersuchung des Ufers stieß Malygin auf eine zerbrochene Schaluppe und ein zerstörtes Häuschen, das aus Kisten erbaut ist, Touristen fanden dann eine Flasche mit einem Brief Baldwins, datiert vom 2. 7. 1902, in dem gesagt wird, daß Schiff„Amerika“ Not leide und Kohle fehle. Am Ende des Briefes wird das Lager Zieglers angegeben. Malygin nahm dann Kurs auf Nowaja Semlja. — Berlin, den 12. August 1931. — Am Donnerstag feiert Vizeadmiral a. D. Behncke seinen 65. Geburtstag. Vizeadmiral von Behncke führte in der Skagerrakschlacht das 3. Geschwader. Von 1920 bis 1924 war er Chef der Marineleitung. * Kranzniederlegung an der Gruft des Freiherrn vom Stein. Die Vorstände des Deutschen und des Preußischen Städtetages haben an der Gruft des Freiherrn vom Stein in Frücht bei Nassau einen Kranz, geschmückt mit den deutschen und den preußischen Farben, niederlegen lassen. Bücher und Zeitschriften. Die hier angezeigten Bücher sind zu beziehen durch die Buchhandlung der Anstalt Bethel. Aus dem Schriftenvertrieb J. Maar, Bamberg, zeigen wir folgende Schriftenreihe an: Heft 1: Charakterköpfe. Biblische Bilder in der Sprache der Gegenwart. 30 Pfg. Heft 2: Willst Du Antwortk 100 Fragen der Erkenntnis und des Gewissens. 50 Pfg. Heft 3: Kann ein Arbeiter Christ sein? Bilder und Zeugnisse aus dem inneren Leben des einfachen Mannes. 50 Pfg. Heft 4: Gegen den Strom. Gedanken für tapfere Leute. 40 Pfg. Heft 5: Aus Fesseln frei. Nach Augustins„Bekenntnissen“, 20 Pfg. Heft 6: Männer mit Gott. Von Pfarrer a. D. Friedmann. 40 Pfg.— Die prächtigen Lebensbilder eines David Livingstone, Karl Mez und Abraham Lincolm treten eindrucksvoll vor Augen, geschaut mit geistgeschärftem Jüngersinn, und zeigen die öffentliche und soziale Bedeutung des Evangeliums. Heft 7: Der Weg der Erlösung. 40 Pfg. Hest 8: Das sichtbare Wort. Taufe und Abendmahl. 20 Pfg. Außer Heft 6 sind sämtliche Schriften verfaßt von dem bekannten Evangelisten Rechtsanwalt Dr. Berg und herausgegeben von dem von ihm gegründeten Männer=Missionsbund. Sie führen eine männliche Sprache und atmen missionarischen Geist. sind nicht auf erbauliche Gefühle, sondern auf klare Erkenntnis eingestellt. Man sucht oft nach Schriften über die Heilswahrheit, die man auch Männern in die Hand geben kann. Hier sind sie, klar und logisch im Aufbau, straff in der Gedankenführung, immer den kürzesten und schlichtesten Ausdruck suchend, in edler Sprache, überzeugt und überzeugend, voll praktischer Lebenserfahrung, gesunder Theologie und umfassender Bibelkenntnis. Der Leser wird für geringes Geld reich beschenkt. Im Neuland=Verlag G. m. b.., Berlin, erschienene Hefte: Christus war nicht Ja und Nein. Von Pastor Engelke. 1,25 M. Volksgesundheit und Lehrerbildung..— Mk. Prohibitionsbewegungen im vorkonfuzianischen China. Von Dr. Huber. 40 Pfg. Die Bekämpfung des Alkoholismus als Aufgabe der öffentlichen Wohlfahrtspflege. Von Dr. E. Jaques..— Mk. Verlag„Auf der Wacht“ Berlin=Dahlem, Werderstr. 16; Was bedeutet die Alkoholfrage für d. deutsche Volk in Gegenwart und Zukunft? Prof. Dr. Gonser. Die Maßnahmen gegen den Alkoholismus im Verkehrswesen. Direktor Liebetrau. Gärungslose Früchteverwertung. Die Krankenkassen und die Trinkerfürsorge. Bericht über die 40. Jahresversammlung in Frankfurt a. M. Prof. Dr. Gonser. Alkohol und Hilfsschule. Gustav Lesemann. Reichslieder. Deutsches Gemeinschaftsliederbuch. Neubearbeitung 1931. Einfache Text=Ausgabe. Kart. Leinen Preis 85 Pfg. Vereinsbuchhandlung G. Ihloff u. Co., Neumünster. Die Reichslieder sind immer noch eine der empfehlenswertesten Liedersammlungen zum Gebrauch bei allen Gelegenheiten, wo man Gottes Lob besingen und die Herzen froh machen will. Die Ausgabe ist biegsam kartoniert und gut gebunden. „Ernst Gebhardts Harmoniumschule“ neu bearbeitet von W. Evers. 11. Aufl. Ganzl. 5,—, brosch..— Mk. Anker=Verlag, Bremen. Daß diese Harmoniumschule nun in 11. Auflage erscheint, beweist, wie gern sie immer gekauft worden ist. Für den, der sich ohne Musiklehrer eine genügende Fertigkeit im Harmoniumspiel aneignen will, zählt die Gebhardtsche Schule zu einem der besten Lehrmittel. Die Neubearbeitung bietet in der Auswahl des Uebungsstoffes einige Verbesserungen gegenüber den früheren Ausgaben. Die Schule kann der Familie aufs warmste empfohlen werden. Evangelische Kirche„Ehe und freie Liebe“, von Hans Seeliger, Superintendent in Sigmaringen. Preis 1,20 Mark. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. Diese kleine Schrift gibt zuerst eine Uebersicht über die Lehren der modernen Sexual=Ethik, zeigt dann weiter die Stellung zur Ehe beim Herrn selbst, ferner bei Paulus, Augustin, Luther usw. Das Rundschreiben der Papstes über die Ehe, der Standpunkt der anglikantschen Kirchenkonferenz, die Kundgebung des Evangelischen Kirchentages wird berücksichtigt. In eigener Ausführung sucht dann der Verfasser dem ev. Christen zur Klarheit und zum Verantwortungsbewußtsein in den Ehefragen zu helfen. Bethel. — Donnerstag abend 3½ Uhr in Gosen Blaukreuzstunde Jedermann ist herzlich eingeladen. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel Der Unterzeichnete bestellt hiermit 1 Eremplar des Aufwärts. Für Monat m 193" Der Bezugspreis wolle von mir erhoben werden. Ich wünsche die Zeitung zugestellt zu erhalten“). Ich werde die Zeitung abholen"). Name Stand Wohnort Straße und Hausnummer An das Hostautt Diesen Zettel in den Briefkasten werfen, dem Briefträger übergeben, oder an die Geschäftsstelle Bethel bei Bielefeld einsenden. Der Bezugspreis beträgt monatlich RM.25 und 36 Pfg. Bestellgeld. Richtzutreffendes streichen. Vertreter Für, den Verkauf von Futterkalk, nlchkraftfutter und Vieh=Emulsion sowie andere Bedarfsartikel an Landwirte gegen hohe Provision gesucht. Chemische Fabrik Dr. Hubart& Co. Bitburg(Eitel) Vorzüglichen bietet das im Weserbergland gele. gene Erholungsheim im Solling bei Dassel. Sehr schöne Höhenlage, inmitten herrlicher Laubund Fichtenwälder. Licht-, Luftund Sonnenbäder. Gelegenheit zur Stille unter dem Wort Gottes. Ermäbigte Preise. Prospekte kostenlos. Anfr. an Friedr. Gramm. Pension Schopketal bei Oerlinghausen Bes. M. Stratemeyer. 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