Bezugspreis: Erscheint, öchentlich sechemal.— Preis monatlich.25 und .56 Besteugebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und Haus“ „Kindergabe“ und„Auser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 174. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Mittwoch, den 29. Juli 1931. 13. Jahrgang. Das Leben der Selbstsucht und der Lieblosigkeit ist kein Leben, sondern der Tod. F. v. Bodelschwingh f. Mimiziiiiiit Um die Eristenz. Von. P. Bischoff, Recklinghausen. Um„Sein oder Nichtsein“ ging der Kampf, den unser Volk 1914 bis 1918 gekämpft hat. Als 1918 der Kampf mit dem Zusammenbruch endete, und die Feinde die Friedensbedingungen diktierten, da stellte es sich heraus, daß wir als Volk und als Staat trotz vierjährigen Krieges, trotz Hungerblockade, trotz Friedensdiktat dennoch weiter lebten. Wir hatten unsere Existenz nicht verloren; wir existierten weiter, ja, wir existieren heute noch— aber wie existieren wir?— Gerade in der Frage nach dem„Wie“ liegt das wesentliche Motiv jedes Existenzkampfes. Was heißt Existenz eines Volkes? In diesen Tagen geht es wieder um die Existenz, um das Weiterbestehen unseres Volkes. Nachdem wir die Existenz, wie wir sie vor 1914 hatten, verloren haben, handelt es sich jetzt um den uns noch gebliebenen Rest nationaler Existenz, von welchem viele Kreise unseres Volkes sagen, daß das keine Existenz mehr ist. Nicht nur wir, sondern wohl alle Völker sind in der Auffassung ihrer Existenz äußerst empfindsam und anspruchsvoll. Zur Existenz gehören Souveränität und Freiheit, Sicherheit und ein möglichst weiter Aktionsradius in wirtschaftspolitischer und außenpolitischer Hinsicht. Wenn diese notwendigen Attribute, wenn die Wahrzeichen nationaler Würde irgendwie angetastet werden, gerät der ganze politische und diplomatische Apparat eines Volkes in Bewegung. Man ist bereit, auf Tod und Leben um die Freiheit und Sicherheit, um die Existenz des Volkes zu kämpfen und in einem Kriege va banque zu spielen. Lieber gar keine Existenz als eine irgendwie eingeschränkte und angetastete— lieber tot als Sklav.— Darin liegt ein ungeheures Pathos. Man stellt in außenpolitischer Hinsicht ganz selbstverständlich die höchsten Ansprüche und Anforderungen an die Existenz eines Volkes. Man verlangt als unantastbare Bestandteile jeder nationalen Existenz Souveränität, Freiheit, Sicherheit und Entfaltungsmöglichkeiten. Der außenpolitische Existenzbegriff enthält demnach eine so hohe Auffassung von der Existenz und einen so hohen Maßstab für das, was Existenz bedeutet, daß er kaum zu überbieten sein wird. Von hieraus wird auch der innenpolitische Existenzbegriff in schärfste Beleuchtung gerückt, auch hier ist jeder Mangel, jede Einschränkung des Lebensrechtes, der persönlichen Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit eine Gefahr für das Leben des Volkes. Wenn bei dem heutigen Stande der Technik, durch die es mäglich wäre, für alle Menschen Lebensmittel, Kleidung und Obdach bereit zu stellen, Millionen an allen diesen Dingen Mangel leiden, Millionen arbeitslos sind und irre werden an der Einheit und Solidarität des Volkes, wenn für sie die Worte Volk und Volksgemeinschaft zu leerem Schall und Rauch werden, wenn sie in ihrer Not und Verzweiflung mit der Frage, ob es einen gerechten Gott gibt, nicht fertig werden, wenn also ein ungeheuer großer Teil des Volkes darbt, verzweifelt, abstirbt, und wenn dann andere Teile desselben Volkes diesen Zustand kaum wahrnehmen und spüren, jedenfalls darin nicht den Ruf zur Buße, zur Aenderung, hier vielleicht der Wirtschaftsordnung vernehmen und darüber zur Tagesordnung übergehen— was ist das für eine Wirtschaft, was für ein Volk, was für eine Existenz?— Oder wenn lebenswichtige Organe unsres Staates, und dazu ist trotz allem der Reichstag zu rechnen, trotz seiner gegenwärtigen Arbeitsunfähigkeit und gefährlichen Zusammensetzung, wenn solch ein Organ, welches normalerweise ein geordnetes, gesundes und kraftvolles Staatsleben gewährleisten soll, ausgeschaltet werden muß, damit nicht der Staat von den Parteien in ein Chaos verwandelt wird,— was ist das für eine Existenz? Also auch innerpolitisch haben wir eine äußerst fragwürdige Existenz. Millionen werden sagen: Dieser zerrissene Hausen ist kein Volk mehr, und wir ziehen nur die notwendige Konsequenz, wenn wir diesen Staat verneinen und vernichten, der nur noch außerlich die Teile zusammenhält, die innerlich längst auseinandergefallen sind und sich gegenseitig bis aufs Blut bekämpfen. Dieser in seiner Zerrissenheit fragwürdige Staat wagt in den letzten brutalen Notverordnungen eine unerhörte innenpolitische Belastungsprobe; und die Deutlichkeit und Wirksamkeit der außenpolitischen Verhandlungen der letzten Zeit gründen sich z. T. auf jene radikalen innenpolitischen Maßnahmen der Notverordnungen, die ein Schlaglicht darauf werfen, wie der Existenzkampf innenund außenpolitisch auf die Spitze getrieben ist. Ob der schwerer wiegende Teil der Existenzfrage in der Außenoder Innenpolitik liegt,— man spricht gerade jetzt aus guten Gründen von dem Primat der Außenpolitik— wird theoretisch kaum zu lösen sein, praktisch wird bald das eine, bald das andere in den Vordergrund treten. Ein besonderes Licht aber fällt auf die Frage nach dem Primat, wenn wir uns von dem Existenzkampf des Volkes zu den Einzelexistenzen hinwenden, aus denen sich das Volksganze zusammensetzt. Wie das Schwergewicht jeder Einzelexistenz wesentlich im Inneren des Menschen liegt, so wird auch das Schicksal des Volkes davon abhängen, mit welchem Ernst es den Kampf um seine innere Existenz führt, und ob die einzelnen Volksgenossen aus der Art dieses inneren Kampfes hoffen können auf eine ernstgemeinte Solidarität der verschiedenen Stände und Berufe. Diese Solidarität kann und muß in der Weise zum Ausdruck kommen, daß der Existenzbegriff in allen seinen möglichen Beziehungen auf das Volksganze und auf seine verschiedenen Stände mit der gleichen Sorgfalt angewandt wird. Es müssen die Anschauungen über die nationale Existenz des Volksganzen in einem normalen Verhältnis stehen zu den analogen Forderungen, welche die Einzelexistenz betreffen. So eifrig und leidenschaftlich man außenpolitisch für das Volksganze eintritt und Raum und Möglichkeit zur Entfaltung seiner Kräfte fordert, ebenso ernst muß das Recht der Einzelexistenz verfochten werden. Es wäre ein unerträgliches Mißverhältnis, wenn man von einem Proletarier verlangt, daß er sich für eine ideale Existenz des Vaterlandes einsetzt, wenn gleichzeitig seine elende Existenz als Frage sekundärer Art behandelt wird. Heute wird Millionen Volksgenossen zugemutet, auf primitivste Art zu existieren. Die Wirtschaftskrise verschärft diesen Zustand von Monat zu Monat. Da diese Krisis infolge Veränderung in den Absatzgebieten und infolge fortschreitender Rationalisierung und Technisierung nicht eine vorübergehende, sondern eine grundsätzliche und dauernde ist, so handelt es sich nicht um eine Konjunkturkrise, sondern um eine Systemkrise. Wir werden also Millionen darbender Menschen auf unbestimmte Zeit vertrösten müssen, falls nicht eine grundlegende Aenderung eintritt. Wir müssen uns daher theoretisch und praktisch darauf vorbereiten, daß die Dinge gründlich geändert werden. Solange Millionen keine Existenz haben, werden wir kein Volk sein. Ohne einheitliche Anwendung des Existenzbegriffes auf alle Teile des Volkes läßt sich weder innen= noch außenpolitisch etwas Befriedigendes erzielen, ja, wir haben dann nicht mal das moralische Recht, eine befriedigende Entwicklung zu erhoffen.(Schluß folgt.) Akute Sorgen in der Landwirtschaft. Es mag vielleicht manchem Leser des„Aufwärts“, soweit er nicht selbst landwirtschaftlich eingestellt ist, überflüssig erscheinen, wenn in dieser Zeitung von Zeit zu Zeit ein überblick über die Lage in der Landwirtschaft gegeben wird. Wird dürfen aber nicht übersehen, daß alle Nichtlandwirte, ob Arbeiter oder Gewerbetreibende im weitgehenden Maße und in mehrfacher Hinsicht schicksalsverbunden mit der deutschen Landwirtschaft sind. In den Kreisen der Nichtlandwirte darf man nicht verkennen, daß auch heute noch die Landwirtschaft das volkswirtschaftliche Fundament ist, auf dem unser Wirtschaftsleben in Deutschland sich aufbaut. Es ist durchaus nicht richtig, was neulich einmal aus hohem Munde betont worden ist, daß die Landwirtschaft wohl das deutsche Volk ernähren, aber allerhöchstens ein Drittel desselben beschäftigen könne. Der Herr Minister, der diese Weisheit an den Mann brachte, übersieht dabei, daß die Landwirtschaft außer den in ihr selbst Beschäftigten einem hohen Prozentsatz deutscher Industriearbeiter und auch den Gewerbetreibenden Verdienst geben kann, sofern sie zahlungskräftig ist. Aus diesem Grunde sollen uns die Sorgen und Nöte der Landwirtschaft zumindest nicht gleichgültig sein. Als akute Sorgen dürfen zur Zeit zweierlei Fragen in den Vordergrund gestellt werden. I. Ist der Landwirt in der Lage, die diesjährige Ernte sicherzustellen, und II. wie kann er sie am zweckmäßigsten verwenden? Zu I. muß darauf hingewiesen werden, daß die Sicherstellung der Ernte 1. von der günstigen Witterung abhängig ist, 2. von dem Vorhandensein der nötigen Arbeitskräfte und 3. von der Möglichkeit, die Erntearbeiten finanzieren zu können. Die freundliche Mitwirkung der Sonne hängt nicht vom Menschenwillen ab, sondern wird uns durch eine höhere Gewalt beschert. Dagegen ist die Arbeiterfrage eine Angelegenheit, welche durch die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse beeinflußt wird. Bekannt ist, daß im Laufe der Jahre mehrere Millionen Arbeiter das Land verlassen und ihr Dasein in den Städten aufgeschlagen haben. Dadurch ist schon an und für sich, obwohl wir heute immer noch 4 Millionen Arbeitslose haben, auf dem Lande ein gewisser Mangel an Arbeitskräften zu verzeichnen, der jedoch noch erträglich ist, wenn nicht durch Störungen irgendwelcher Art die Arbeit eingestellt wird. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß es höchst bedauerlich ist, wenn, wie es z. B. in der Prowinz Sachsen der Fall ist, es kommunistischen Hetzern gelingt, die Arbeiter von der Arbeit fern zu halten. Erfreulicherweise stehen solche Fälle vereinzelt da und es darf wohl zum Ausdruck gebracht werden, daß das Vorhandensein großer Landarbeiterorganisationen unter ruhiger, vernünftiger Leitung dazu beiträgt, daß in der Landarbeiterschaft der miserablen Lage in der Landwirtschaft Rechnung getragen wird und trotz allen Ungemachs man mit besorgt ist, die Ernte unter Dach und Fach zu bringen. Dieses ist zu begrüßen und auch verständlich, da die Landarbeiter nicht das geringste Interesse daran haben können, wenn durch Preisgabe aller Vernunft die Ernte gefährdet und damit die Landwirtschaft den letzten Todesstoß erhält. Das wäre nicht nur zu bedauern im Interesse der Landwirtschaft selbst, sondern auch des gesamten deutschen Volkes, welches außer der Kriegszeit, noch nie aus der gegenwärtigen Weltlage so deutlich die Notwendigkeit vor Augen geführt bekommen hat, mit allen Mitteln unsere Landwirtschaft in die Lage zu bringen, daß sie aus eigener Kraft die Ernährung des deutschen Volkes sicherstellen kann. Dabei fällt der Landarbeiterschaft eine große Aufgabe zu, indem sie alles unterläßt, was dieses Ziel gefährden kann. Damit soll natürlich nicht zum Ausdruck gebracht werden, daß die landwirtschaftlichen Arbeitnehmer auf erworbene Rechte oder auf ein menschenwürdiges Dasein verzichten sollen. Man muß von der Einsicht der Arbeitgeber erwarten, daß sie nach dem Grundsatz, Treue um Treue, in sozialen und sonstigen Lebensinteressen der Arbeiterschaft gerecht werden, soweit das irgend möglich ist. Eine weitere Sorge ist, ob die Landwirte im Besitze genügender Barmittel sind, um die diesjährige Ernte finanzieren zu können. Leider ist das nicht der Fall. Fällige Wechsel und Steuerverpflichtungen, welche nach der letzten Notverordnung bei Verzug noch durch erhebliche Zuschläge erhöht werden, bilden die tägliche Sorge des Landmannes. Er weiß daher nicht, woher er die Kosten für die Einbringung der Ernte nehmen soll. Aus den Kreisen der Landwirtschaft ist mit aller Dringlichkeit bereits ein Moratorium gefordert, um der augenblicklichen Schwierigkeiten Herr zu werden. Bis jetzt ist eine solche Forderung unerfüllt geblieben, ehenso der Ruf nach einer Stützungsaktion von seiten des Reiches, um durch Gewährung von Krediten die Ernteunkosten bestreiten zu können. Auch in dieser Hinsicht darf man nicht viel Hoffnung haben, da ja jedermann weiß, wie ernst und trostlos die finanzielle Lage des Reiches selbst ist. Man muß daher zu anderen Hilfsmitteln greifen. Von mehreren Seiten sind verschiedene Wege in Vorschlag gebracht, welche ermöglichen sollen, daß der Landwirt im Besitz genügender Zahlungsmittel ist, damit er der Notwendigkeit entgeht, sein Getreide frühzeitig auf den Markt werfen zu müssen, was unter Umständen eine große Preissenkung und damit eine Schädigung der Landwirtschaft zur Folge haben kann. Unter anderem wird in interessierten Kreisen darauf hingewiesen, daß in diesem Jahr der Geldarmut gerade die Lohnzahlung für die Arbeiterschaft eine starke Belastung der landwirtschaftlichen Arbeitgeber darstellt. Es ist deshalb der Gedanke in die Debatte geworfen, die Arbeiter an Stelle von Barlöhnen mit Naturallöhnen abzufinden. Obwohl ein solcher Vorschlag manches für sich haben kann, vielleicht auch für die Arbeitgeber eine wesentliche Erleichterung bedeutet, ist doch anzunehmen, daß er nicht allseitige Zustimmung finden wird. Von seiten der Arbeitnehmerschaft wird man das Bedenken nicht ganz von der Hand weisen können, da, abgesehen von mancherlei Scherereien, die Arbeitnehmer niemals genau wissen können, zu welchen Preisen die Naturalien zu verkaufen sind und ob damit der vereinbarte Barlohn erzielt wird. Aber auch in anderen Kreisen stößt man bei der Erörterung dieser Frage auf einige Bedenken. In Nr. 333 der Deutschen Tageszeitung hat sich ein Herr Dr. J. Kuhn=Dreetz mit dieser Frage beschäftigt und zugegeben, daß unter bestimmten Verhältnissen der reine Naturallohn als Aushilfsmittel unentbehrlich ist, vor einer generellen Anwendung in Form der Lohnzahlung durch Roggen aber nicht genug gewarnt werden könne. Der Verfasser verweist auf die Erfahrungen des Jahres 1923, wo man dieses Experiment überstürzt gemacht habe. Die Folge sei gewesen, daß durch ein völlig regelloses und desorganisiertes auf den Markt Werfen die Preise bis zu 40 Prozent unter den Weltmarktpreis absinken konnten, und daß eine Wiederholung ebenso ruinös auf die Preisgestaltung wirken müsse wie 1923. Es ist zu glauben, daß ein Vergleich mit dem Jahre 1923 nur bedingt richtig ist. Für das Herabgleiten der Preise um die damalige Zeit waren auch noch andere Faktoren maßgebend, z. B. als einer der wichtigsten, daß die deutsche Landwirtschaft im Jahre 1923 für ihre Getreidearten keinerlei Zollschutz besaß. Ferner darf darauf hingewiesen werden, daß damals wohl kaum ein deutsches Produkt, in Goldwert umgerechnet, den normalen und bisher gewohnten Preis erzielte. Andererseits war damals die Einführung der Roggenlöhnung geradezu eine rettende Tat im Interesse der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer, die auf diese Weise wenigstens einigermaßen eine Bezahlung der von ihnen geleisteten Arbeit nicht mit scheinbaren, sondern in wirklichen Werten erhielten. Die Befürchtung, daß durch ein desorganisiertes Verkaufen der Naturalien die Preise beeinflußt werden könnten, ist eine Annahme, deren Berechtigung durchaus nicht erwiesen ist. Wir dürfen außerdem nicht vergessen, daß mit Beginn der neuen Ernte die Vorratslage eine durchaus günstige ist. Wenn also auf dem Wege einer reinen Naturallöhnung dem Arbeitgeber die Möglichkeit erleichtert wird, mit seinen Verkäufen bis zu einem zweckmäßigen Termin zurückzuhalten, dann ist nicht anzunehmen, daß die allerdings vielen, aber kleinen Verkäufe der Arbeiter eine preisgestaltende Wirkung haben könnten. Außerdem sind wir ja als organisationsfähiges Volk bekannt, sodaß auch in diese Angelegenheit eine gewisse Ordnung gebracht werden könnte. Im übrigen handelt es sich um Anregungen, die sicherlich nicht blindlings aufgenommen werden, sondern einer Prüfung zu unterziehen sind. Ergibt sich die Möglichkeit einer Durchführung, ohne daß der eine oder andere Teil dabei Schaden erleidet, der Landwirtschaft damit aber ein Dienst erwiesen wird, dann soll man die in dieser Diskussion auftauchenden Anregungen nicht ohne weiteres als undurchführbar abtun. Die zweite Sorge, ob der Landwirt die diesjährige Ernte zweckentsprechend verwerten kann, indem ihm genügend Barmittel zur Seite stehen, die einen Verkauf zu günstigen Terminen ermöglichen, ist bereits teilweise mit beantwortet worden. Es darf aber gesagt werden, daß eine Umgestaltung der Löhne allein keine Rettung bringen wird. Wenn das rigorose Vorgehen mancher Steuerbehörden nicht aufhört und wenn der Landwirt seinen Gläubigern gegenüber nicht genügend geschützt wird, dann ist er gezwungen, seine Ernte schleunigst zu verkaufen, um der Zwangsversteigerung zu entgehen. Es tritt dann ein, was heute vielfach befürchtet wird, daß durch umfangreiche Verkaufsangebote ein Preisdruck erzielt wird, der dann auch in diesem Jahre wieder dazu beiträgt, die Mühen des Landwirtes unbelohnt zu lassen. W. W. Französische Schauermärchen über Deutschland. Wer mit dem politischen Schrifttum in ständiger Fühtung steht und durch Auslandreisen seine Eindrücke vertiefen und erweitern kann, der wird sich über die französische Propaganda ein klares Bild machen können. Propaganda hat bekanntlich nur dann Erfolg, wenn sie sich auf wenige Grundgedanken beschränkt, diese aber immer und immer wieder, wenn auch in mannigfaltigster Gestalt, wiederholt. Die französische Propaganda wird diesem Gesichtspunkte zweifellos gerecht. Zwei Gedanken bilden ihr Kernstück: die Mär von zwei verschiedenen Deutschland und die„geheimen Rüstungen“. In Zeitungen, Büchern, Reden usw. wird oft und gern von einem Deutschland, das nach Vergeltung schreit und diese auch mit allen Mitteln zielbewußt vorbereitet und vom„friedlichen" Deutschland gesprochen. Zum revanchelüsternen Deutschland gehören vor allem die Nationalsozialisten, Deutschnationalen, der Stahlhelm und die.. Reichswehr. Das kriegslüsterne Deutschland soll sehr stark sein, über einflußreiche Verbindungen verfügen und die gleichen Anschauungen vertreten wie das„ruhestörende“ Kaisertum. Als typische Vertreter des„friedliebenden" Deutschlands werden Förster, Dr. Moenius, der Begeiferer des deutschen Frontsoldaten, Remarque und andere hingestellt. Zeitungen wie„Vorwärts“,„Berliner Tageblatt", „Vossische Zeitung“ und manchesmal die„Germania“ gelten als Sprachrohre des„friedliebenden" Deutschlands. Die Vertreter des kriegslüsternen Deutschlands sind dagegen der Kronprinz, v. Seeckt, Hugenberg, Hitler und noch andere. Zeitungen wie„Kreuzzeitung",„Völkischer Beobachter“ usw. werden als Sprachrohre des revanchelüsternen Deutschlands betrachtet. Nächst dem Vorhandensein zweier verschiedener Deutschland liefern die„geheimen Rüstungen“ viel Hetzstoff. Nicht nur französische Winkelblätter, sondern große Zeitungen und bekannte Schriftsteller geben sich zur Verbreitung der unglaubwürdigsten Märchen her. Eine erste französische Zeitung hat kürzlich behauptet, daß Deutschland Flugzeuge herstellt, die sich zum schnellen Umbau zu Kampfflugzeugen eignen. Wenn auch die Sachverständigen wissen, daß Kampflugzeuge nur kurzgespannte Doppeldecker mit starken Motoren sind, die in Deutschland gemäß dem Versailler Diktat nicht gebaut werden dürfen, so glaubt der Leser doch daran. Wahre Schauermärchen enthält ein viel gelesenes Buch von Maurice Laporte„Der Stahlhelm. Sechs Wochen bei Hitler und den Bolschewiken“. Aus dem Titel müßte man annehmen, daß Laporte sechs Wochen mit Hitler gewesen ist. Das trifft aber nicht zu. Laporte kennt weder Hitler noch die Führer des Stahlhelms. Er hat lediglich einigen Versammlungen der Nationalsozialisten und des Stahlhelms beigewohnt. Laporke will aber wissen, daß der Stahlhelm 1500000 Mitglieder(!) hat, die Armee Wilhelms II. reorganisieren und den Kaiser oder einen der Hohenzollern auf den Thron setzen will.(Seite 54). Deutschland soll Hand in Hand mit Rußland arbeiten. Laporte behauptet, daß die Deutschen in Rußland u. a. eine Fliegerschule und eine chemische Abteilung zur Herstellung von Tränengasen gegründet haben. Ferner will er mit eigenen Augen(!) deutsche Kriegsflugzeuge gesehen haben, die geräuschlos sind und aus einer Entfernung von 200 Kilometern elektrisch geleitet werden können. Er will außerdem in Kiel ein deutsches Flugzeugmutterschiff besichtigt haben. Am tollsten lügt Laporte in bezug auf die Nationalsozialisten, die in Italien gern und in Frankreich sehr ungern gesehen werden. Er schreibt, daß Hitler wohl ein hinreißender Redner, doch ein brutaler und inkorrekter Mensch sei. Sein Vater war ein Oesterreicher, seine Mutter eine Tschechin(!). Hitler selbst soll ein österreichischer Fahnenflüchtiger(!), ein Spion und Handlanger schlechten Rufes gewesen sein. Die Nationalsozialisten seien überhaupt„Pangermanisten“ reinsten Wassers. Sie erstreben einen Krieg gegen Frankreich. Dabei werden sie von der deutschen Industrie(!) unterstützt und von den Sowjets bestochen(!). Das Buch ist in Frankreich und französisch sprechenden Ländern sehr verbreitet. Seine Schauermärchen werden oft wiedergegeben und geglaubt. Daß Frankreich die Lügen über die„geheimen Rüstungen“ dazu benutzt, um seine Rüstungspolitik vor dem französischen Volk und der Welt zu begründen, ist nicht verwunderlich.— Erstaunlich ist es aber, daß Deutschland die plumpen und kindischen Verdächtigungen, die tagtäglich in Zeitungen zu lesen und in Reden zu hören sind, über sich ergehen läßt. Man soll diese Dinge nicht gering achten. Northeliffe hat uns mit seiner Lügenpropaganda im Kriege mehr geschadet, als manche verlorene Schlacht und manche verpaßte Gelegenheit. E. F. K. — Berlin, 28. Juli. Der Besuch, den der englische Ministerpräsident Macdonald und der Minister des Auswärtigen Henderson gegenwärtig der Reichsregierung abstatten, ist zunächst ein Akt der Hoflichkeit: die Erwiderung des deutsch=englischen Wochenendes von Chequers, daneben aber auch eine Angelegenheit der Politik. In Macdonald begrüßt das deutsche Volk den ersten Regierungschef einer Großmacht, der in der Nachkriegszeit Berlin offiziell aufsucht. Dieser Besuch ist uns um so wertvoller, als er in einer Zeit erfolgt, in der Deutschland in schärfstem Kampf gegen die Not steht und kurz nach einer nternationalen Konferenz, der sehr bald andere werden folgen müssen. Man darf daher erwarten, daß Macdonald und Brüning die neue Begegnung als eine Gelegenheit dafür benutzen werden, die Lösung der Fragen vorzubereiten, deren Schatten noch immer unser Dasein verdunkeln. Während der Tage, da die englischen Gäste in Berlin weilen, wird das deutsche Volk alle seine Kräfte anspannen müssen, um durch Maßnahmen aus eigener Kraft normale Verhältnisse im Zahlungsverkehr zu schaffen. Macdonald und Henderson werden so die Größe der Opfer, die unser Volk bereits gebracht hat und der, die zu bringen es im Begriff ist, in ihrer richtigen Größe erkennen, ebenso aber auch die Begrenzung der Wirkung, die diese Opfer haben können. Zur endgültigen Beseitigung der europäischen Schwierigkeiten bedarf es einer wirklichen Lösung der Tribut= und der Abrüstungsfrage und daher des Zusammenwirkens der Mächte. Mit Rücksicht darauf ist der englische Staatsbesuch in der deutschen Hauptstadt auch im Zeitabschnitt der deutschen Selbsthilfe hochst zeitgemäß. Greifbare Ergebnisse wird man allerdings von diesem Besuch nicht erwarten dürfen. Vorerst wird die internationale Politik auch weiterhin eine abwartende Haltung einnehmen; die Fortschritte, die die aktive Friedenspolitik in nächster Zeit macht, werden daher äußerlich erst erkennbar sein, wenn in den Herbstmonaten eine neue Konferenz zusammentritt, um die Punkte zu behandeln, um die man in London ängstlich herumgegangen ist. Englands Ministerpräsident Ramsay Macdonald steht jetzt im vierten Jahrzehnt im politischen Leben. Geboren wurde er 1866 als Sohn einer armen schottischen Landarbeiterfamilie in Lossiemouth. Dieser Herkunft entsprechend, ging Macdonald in jungen Jahren als Knecht hinter dem Pflug. Dann führte ihn sein Weg nach London. Dort angekommen und ohne irgendwelche Mittel, von denen er leben konnte, wanderte Macdonald durch die Straßen, um sich Brot und Arbeit zu suchen. Als er endlich einen Posten gefunden hatte,war es ein so unbedeutender und schlecht bezahlter, daß damals der zukünftige Ministerpräsident des englischen Weltreiches mit 75 Pfennigen für den Tag seinen Haushalt bestreiten mußte. Inzwischen hatte Macdonald sich in das politische Leben gestürzt. Seine ersten Sporen verdiente er sich als Privatsekretär bei dem radikalen Politiker Thomas Lough, dann beteiligte sich Macdonald mit wachsendem Erfolg schriftstellerisch. 1893 zählte er bereits zu den Gründern der „Unabhängigen Arbeiterpartei“. Mit dem Jahre 1900 begann Macdonalds eigentliche politische Laufbahn. Als 1914 der Krieg ausbrach, bekämpfte Macdonald mit seiner engeren Arbeiterpartei den Eintritt Englands in den Krieg. Dafür hatte er schwer zu leiden. Zeitweilig mußte er ernsthaft für sein Leben fürchten. In der Kriegsschuldfrage vertrat Macdonald schon 1914 den Standpunkt, daß Rußland durch seine Mobilmachung den Krieg unvermeidlich gemacht habe. In einem 1915 erschienenen Buch„Zehn Jahre Geheimdiplomatie“, das inzwischen zahlreiche Auflagen erlebt hat, erblickt er in der französisch=englischen Marokkopolitik eine der Hauptursachen der Weltkatastrophe. Dementsprechend lehnte Macdonald den Gewaltfrieden von Versailles und die folgende Entwicklung ab. Nach dem Einbruch der Franzosen ins Ruhrgebiet bekämpfte er diesen Schritt als einen Bruch des Vertrages von Versailles, und ebenso bekämpfte er die Kabinette Bonar Law und Baldwin offen, weil sie dies Vorgehen der Franzosen duldeten. So kam es zu den Dezemberwahlen von 1923, bei denen die Arbeiterpartei eine außergewöhnlich große Zahl neuer Sitze gewann und nun mit einem Schlage regierungsfähig wurde. Nach einigem Schwanken entschloß sich dann Macdonald, das Ruder der Regierung selbst zu ergreifen. So Worum geht es? Rede in der Eröffnungsversammlung der Weltkonferenz für Jungmännerarbeit am Abend des 27. Juli 1931 in Toronto von D. Erich Stange, Vorsitzender der Konferenz. Im Auftrage des Weltbund=Vorstandes und seiner Arbeitsgruppe für Jungmännerarbeit eröffne ich in dieser Stunde die Weltkonferenz für Jungmännerarbeit und heiße Sie alle herzlich willkommen. Worum geht es? Wir sind hier eine Schar von Menschen aus allen Teilen der Erde. Die Reisewege, die wir zurückgelegt haben, umschlingen den Erdball wie ein vielfältiges Band. Fast alle Völker der Erde sind hier vertreten. In unserem Blute und in unserem Denken strömt die Geschichte der uralten Nationen des fernen Ostens, des schicksalsschweren Europa, der jungen Erdteile Amerika und Australien und des eben erst aus langem, dumpfem Schlaf erwachenden Afrika zusammen. Was bedeutet dies alles? Bedeutet es nur, daß hier eine der unzähligen internationalen Konferenzen stattfindet, die in unseren Tagen„Mode“ geworden sind? Wollen wir der Welt zeigen, daß es Menschen gibt, die sich über die Gegensätze der Politik, der Rassen und der Sprachen hinweg die Hände reichen? Wollen wir ein Zeugnis davon ablegen, daß in Jesus Christus eine Einheit vorhanden ist, die durch nichts zerstört werden kann? Ja, das wollen wir! Aber dazu brauchen wir diese Konferenz nicht. Im Gegenteil ist es sehr nötig, zu betonen, daß die Einheit, die uns verbindet, unabhängig ist von menschlichen Organisationen. Wir glauben an sie, wie wir an die eine heilige, christliche Kirche glauben. Worum geht es? Wir sind hier zusammen als Vertreter eines großen weltweiten Jugendwerkes. Der Christliche Jungmännerweltbund ist die älteste Jugendinternationale der Welt. Seine Organisation in Genf ist besser ausgebaut als irgendeine andere ähnlicher Art. Sind wir hier zusammengekommen, um vor der Welt zu demonstrieren? Haben wir die Absicht, mit unserer großen Zahl zu prunken. Wollen wir die Tüchtigkeit unserer Organisation rühmen? Hoffentlich ist niemand unter uns, der diese Absicht hat. Wir hätten damit von vornherein unsere Konferenz wirkungslos gemacht. Jesu Jünger geben das Geheimnis ihrer Kraft auf, wenn sie ihren Ruhm in Organisationen und Statistiken suchen. Uebrigens werden die Leute ringsum dann auch recht schnell über uns zur Tagesordnung übergehen; wenn der Welt mit Organisationen geholfen werden könnte, dann müßte ihr schon längst geholfen sein! Hüten wir uns, daß wir den Sinn unserer Zusammenkunft nicht mißverstehen! Worum geht es also? Wir sind hier zusammen als eine Konferenz, die sich mit Jungmännerarbeit beschäftigt. Es ist uns klar geworden, daß ein christliches Jungmännerwerk hier vor seiner entscheidenden Aufgabe steht. Es mag wichtig sein, die Jungvolkarbeit in neuen Formen zu gestalten. Es ist vielleicht auch nötig, heute schon dem Knaben zu eigener Lebensgemeinschaft zu helfen. Wir freuen uns, daß gleichzeitig mit uns hier in Toronto eine Tagung für Jungvolkarbeit zusammentritt. Aber unser Werk verliert doch seinen Sinn und seine Berechtigung, wenn es scheu oder hilflos an dem jungen Mann vorübergeht. Ist es nicht so, daß wir in allen Tetlen der Welt ein wenig verlegen sind, wie wir unser Werk unter den jungen Männern aufbauen wollen? Sind wir nicht hierher gekommen, um neu zu erfassen, was Jungmännerarbeit bedeutet? Hoffen wir nicht darauf, daß uns hier im Austausch der Erfahrungen aus allen Teilen der Welt wertvolle Winke gegeben werden, um die technische Seite unserer Jungmännerarbeit zu verbessern? Sicherlich hoffen wir darauf. Ich wünschte, es wären recht viele unter uns, die mit einer so praktischen Erwartung hierhergekommen wären und den Wunsch haben, von anderen zu lernen. Sie würden sicherlich am wenigsten von dieser Konferenz enttäuscht werden. Wir hoffen, daß die Aufteilung der Konferenz in viele kleine Arbeitsgruppen jedem Gelegenheit gibt, seine Fragen zu stellen und Beobachtungen zu machen. Aber hoffen wir sonst nichts? Würde dieser praktische Zweck eine Weltkonferenz rechtfertigen, die unter so schwierigen Verhältnissen zusammenkommt? Ist nicht der Druck der Bücher und Zeitschriften schon seit Jahrhunderten erfunden worden? Kostet nicht ein Brief von Peking bis Neuseeland nur 25 Pfennige? Kann man nicht auch auf diesem Wege Erfahrungen austauschen und Fragen stellen? Darum muß noch einmal gefragt werden: Worum gehl es eigentlich? Es gibt eine Tatsache, die viel ernster ist, als alle methodischen Fragen unseres Werkes. Es gibt einen Tatbestand, der ist wichtiger als die Organisationen, die wir aufbauen. Es gibt eine Wirklichkeit, die ist ganz realtstisch und uns allen ganz unheimlich nahe. Dieses ist es, was uns zusammengeführt hat und was unsere Aufmerksamkeit und unser Denken eine Woche lang ununterbrochen in Anspruch nehmen soll. Ich will es mit einem ganz kurzen Wort sagen, was dies ist: Es ist der junge wurde er der erste sozialistische Premi mminister von Engsand, als er am 22. Januar 1924 dem König sein Kabinett vorstellte. Die Amtsdauer dieser ersten Regierung der englischen Arbeiterpartei war sehr kurz; schon im Oktober des Jahres 1924 nahm wieder eine Regierung der Konservativen das Steuer in die Hand. Eine neue Wendung führten die Wahlen von 1929 herbei, durch die dann Maczum zweiten Male die Leitung der englischen Politik übernahm. Als wichtige Handlungen Macdonalds verdienen noch Erwähnung seine Reise nach Amerika und der dadurch angebahnte englisch=amerikanische Ausgleich sowie der versuchte Ausgleich mit Indien. ***% Ministerpräsident Macdonald und Außenminister Henderson in Berlin. In Erwiderung des deutschen Besuches in Chequers trafen am Montag der englische Ministerpräsident Macdonald und Außenminister Henderson zu einem offiziellen Besuch in Berlin ein. Während Macdonald zunächst mit einem Flugzeug nach Berlin kommen wollte, hat er sich späler auf Grund ungünstiger Wetterberichte zur Benutzung der Eisenbahn entschlossen. Der Reichskanzler hatte zu Ehren der englischen Gäste für Montag abend Einladungen zu einem Essen ergehen lassen. Von den Berliner Zeitungen heißt die„Germania“ die englischen Staatsmänner in einem Leitartikel als Vertreter eines Volkes willkommen, das in seiner Presse und seiner öffentlichen Meinung ein immer steigendes Verständnis für die deutsche Notlage und die Notwendigkeit eines solidarischen Vorgehens gezeigt und dessen Regierung in den zwei Jahren ihres Bestehens überzeugende Beweise ihres aufrichtigen Friedenswillens und ihrer internationalen Solidarität abgelegt habe. „Vor allem aber die wirtschaftspolitischen Anstrengungen der englischen Regierung um eine Linderung der mitteleuropäischen Wirtschaftskrise“, fährt das Blatt fort,„verdienen unsere dankbare Anerkennung und können dem Moratoriumsschritt gleichwertig an die Seite gesetzt werden. Die Engländer wissen ebenso gut wie wir, daß London nicht das letzte Wort in den Imanzschwierigkeiten gewesen sein kann, und es darf erwartet werden, daß die britischen Staatsmänner gemeinsam mit den deutschen Ministern diejenigen Schritte beraten, welche einer künftigen inhaltsreichen Konferenz vorarbeiten und den Weg zu einer Lösung ebnen können, der nicht nur für Deutschland und England, sondern für alle Kulturnationen den Weg aus der Weltkrise bedeuten könnte. Wir wissen, daß die englische Regierung von den Londoner Verhandlungen ebenso wie wir mehr erwartet hat und daß auch sie unter dem Druck einer französischen Finanzpolitik steht, die mit goldenen Kugeln einen Krieg im Frieden zu führen sucht.“ .„. Die„Vossische Zeitung" führt aus, die englischen Minister kämen als erprobte Freunde zu uns, di ein Recht auf dankbare Gesinnung hatten. Es wäre aber kurzsichtig und entspräche nicht der Größe des Augenblicks, wenn das deutsche Volk sich in der klaren Erkenntnis dei politischen Notwendigkeiten durch Gefühle und Stimmungen beirren ließe. Eine Politik, die sich ausschließlich an England und Amerika wende, sei partiell gelähmt. Das Blatt begrüßt dann die englischen Staatsmänner als Vorkämpfe einer Politik der Zusammenarbeit, die sich gegen keine Macht richtet, sondern aus der Auflösung der Gegensätze eine bessere Zukunft für alle erwartet. Die„Börsenzeitung“ wünscht den englischen Ministern, daß sie die Dinge sehen, wie sie wirklich sind und freimütig den ersten mutigen Schritt tun mögen, um dieses ganze lügenhafte Nachkriegsdiktats= und Vertragswerk zu vernichten. Das Blatt warnt vor übertriebenen Hoffnungen. ist andererseits aber davon überzeugt, daß die englischen Staatsmänner sich über die Ursache des europäischen Unfriedens klar sind. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" erhofft von dem englischen Besuch eine weitere Förderung der deutsch=englischen Beziehungen und bemerkt dabei, ebenso wie von dem Verhältnis zwischen Deutschland und Amerika, hänge auch von den deutsch=englischen Beziehungen die Zukunft Europas ab. Dlie„Deutsche Tageszeitung“ führt u. a. aus:„Das deutsche Volk würdigt den Besuch der englischen Staatsmänner um so mehr, als es sich gegenwärtig selbst unter dem stärksten Druck Frankreichs befindet und als hier zweifellos gleichgerichtete Interessen vorliegen. aus Eilgiunt! Dauer pese deuschland noch England können sich auf die unterjachten. Frankreich völlig beherrschten, sa ergechten Europa abfinden, auch wenn diese Hegemonie mehr oder weniger freiwillige Bündnisse oder VerSögsngsichie“ wird. Wenn Frankreich den Bogen weiter Welt wecken, die es schließlich von seiner englischen Verhandlungen Sczuß, daß die neuen deutschwandten Bölter wieder in Verlin die beiden nahe veraufrichtige, den a.. nader zu einanderführen und eine menarbeit vorbereiten. Macdonalds — Berlin, 28. Juli. Zur Begrüßung des englischen Ministerpräsidenten auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin hatten sich Reichskanzler Dr. Brüning, Reichsaußenminister Dr. Curtius. Staatssekretär von Bülow, Oberbürgermeister Dr. Sahm eine Anzahl höherer Beamter, der britische Außenminister Henderson, der britische Botschafter, Sir Horace Rumbold, und das Personal der Botschaft auf dem Bahnsteig eingefunden. Von dem Augenblick an, wo Macdonald den Wagen verließ, bis zu seiner Abfahrt vom Bahnhofsportal wurde er von einer großen Menschenmenge mit freundlichen Zurufen in außerordentlich lebhafter und herzlicher Form begrüßt. Die Begeisterung der Menge, die auch die Völkerverständigung und den Weltfrieden hochleben ließ, hielt bis zur Abfahrt des letzten Wagens an. Französische Irrtümer. Richtigstellung der Pariser Meldungen über Stimsons Unterredung mit Groener. Die französischen Zeitungen bringen Meldungen, nach denen Stimson während seiner Anwesenheit in Berlin in einer Unterredung mit dem Reichswehrminister Groener eine„energische und erfolgreiche Offensive auf dem Gebiete der Abrüstung in die Wege geleitet hat“, nämlich in der Richtung, daß Deutschland auf den Bau des dritten Panzerkreuzers verzichtet hat. Wie dazu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, ist diese Meldung nur insoweit richtig, als Staatssekretär Stimson eine Unterredung mit Minister Groener gehabt hat. Dabei ist jedoch die Abrüstungsfrage nur gestreift worden. Einzelheiten sind überhaupt nicht erörtert worden und infolgedessen ist auch die Frage des Panzerkreuzers E nicht einmal berührt, geschweige denn entschieden worden. Arreise Erimsene! Der Empfang bei Hindenburg.— Vertrauen zu Deutschland und seinen Hilfskräften. — Berlin, 28. Juli. Reichspräsident von Hindenburg empfing den amerikanischen Staatssekretär Stimson zu einer längeren Besprechung. bei der auch die Botschafter Deutschlands und der Vereinigten Staaten, Dr. von Prittwitz und Gaffron und Sackett, sowie Staatssekretär Dr. Meißner zugegen waren. Vor seiner Abreise hatte Stimson noch eine Unter, redung mit den Vertretern der Presse, wobei er folgende Erklärung abgab: „Mein Besuch hat mir viel Freude bereitet. Es war mir vergönnt, den Reichskanzler, den Außenminister und die Mehrzahl der anderen Mitglieder der deutschen Regierung kennenzulernen sowie eine Anzahl anderer einflußreicher Deutscher. Gestern besuchte ich mit dem Reichskanzler und Dr. Curtius einige Museen sowie Potsdam und Sanssouci und hatte Gelegenheit, die Berliner bei ihrem Feiertag und bei ihrer Erholung zu beobachten. Diese Gelegenheit war mir von Nutzen und hat mich erfreut. Für Reichskanzler Dr. Brüning und seine Mitarbeiter habe ich großen Respekt und große Achtung. Ich habe in den Konferenzen in Paris und London gesagt, daß die amerikanische Regierung und das amerikanische Volk Zutrauen haben zu Deutschland und seinem Volk, seinen Hilfskräften und seiner Zukunft, und meine Ansichten sind durch das, was ich bei meinem Besuch jetzt gesehen habe, bestätigt worden. Ich glaube, daß die gegenwärtigen finanziellen Schwierigkeiten zum größten Teil zurückzuführen sind auf vorübergehenden Mangel an Zutrauen, und daß mit Mut und dem wiederkehrenden Vertrauen Deutschland sein Wohlergehen wieder erlangen wird.“ Die Weiterreise nach London trat Staatssekretär Stimson mit dem planmäßigen Flugzeug der Luft Hansa an. Zur Verabschiedung hatten sich eingefunden der amerikanische Botschafter Sackett mit einem Teil des Personals der Botschaft, der deutsche Botschafter in Washington, von Prittwitz und Gaffron, Ministerialdirektor Dieckhoff, der Chef des Protokolls, Graf Tattenbach. Oberregierungsrat Planck von der Reichskanzlei war ebenfalls erschienen, um dem scheidenden amerikanischen Staatssekretär die letzten Grüße des Reichskanzlers zu übermitteln. Das Tempelhofer Feld hatte dem scheidenden Gast zu Ehren das Sternenbanner gesetzt. der Auslandsschulden Durch Notverordnung angeordnet.— Kahinettsberatungen über die Lockerung der Zahlungssperre. — Berlin, 28. Juli. Das Reichskabinett hielt in Anwesenheit des preußischen Finanzministers und des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther eine Sitzung ab, die der Vorbereitung der Maßnahmen für die weitere Auflockerung des Geldverkehrs diente. Dem Reichspräsidenten wurde eine Notverordnung unterbreitet, durch die die Reichsregierung ermächtigt wird, Vorschriften über die Anmeldung von Auslandsschulden zu erlassen. Nach der Unterzeichnung der Notverordnung durch den Reichspräsidenten verabschiedete das Kabinett sogleich eine Durchführungsverordnung. Die Durchführungsverordnung besteht aus fünf Paragraphen, von denen der erste den Kreis der von der Anmeldepflicht Betroffenen regelt. Danach haben 1. alle natürlichen Personen, die im Deutschen Reich ihren Wohnsitz oder ihren gewöhnlichen Aufenhalt haben, 2. die Aktiengesellschaften und Genossenschaften etc., die rechts= und nichtrechtsfähigen Vereine sowie Körperschaften des öffentlichen Rechts. deren Sitz bzw. Ort der Leitung im Inland liegt und 3. alle Inländer ihre Zahlungsverpflichtinigen gegenüber ausländischen Gläubigern anzumelden. Anzumelden sind ohne Rücksicht auf den Zeitpunkt der Fälligkeit die beim Inkrafttreten dieser Verordnung bestehenden Zahlungsverpflichtungen, die in Reichsmark oder in einer ausländischen Währung zu erfüllen sind, und deren Gläubiger den Wohnsitz. Sitz oder Ort der Leitung im Ausland oder im Saargebiet haben. Richlanzumelden sind die Zahlungsverpflichtungen eines Schuldners, deren Nennbetrag oder Gegenwert insgesamt 50 000 Reichsmark nicht erreicht. Die Anmeldung ist binnen zehn Tagen nach Inkrafttreten dieser Verordnung bei der Anmeldestelle für Auslandsschulden in Berlin SW 111 zu bewirken. Die Anmeldung erfolgt durch Beantwortung der in einem Vordruck der Anmeldestelle enthaltenen Fragen. Wer den Vorschriften der Paragraphen 1 bis 3 zuwider die Anmeldung nicht, nicht rechtzeitig oder nicht vollständig bewirkt, wird mit Geldstrafe bestraft. Die Inkraftsetzung der Verordnung erfolgte mit Wirkung vom 28. Juli 1931. Minister Franzen zurückgetreten — Berlin, 28. Juli. Der braunschweigische Staatsminister Dr. Franzen, einer der Führer der Nationalsozialisten, hat mit einem Schreiben an den Präsidenten des Braunschweigischen Mann von heute. Um seinetwegen sind wir hier. Um ihn geht es. Der junge Mann ist zu allen Zeiten der Kreuzweg der Menschheit. In den Jahren, wo der Mensch seine Familse, in der er aufgewachsen ist, verläßt und sich rüstet, eine neue Familie zu gründen, kreuzen sich die Traditionen der Vergangenheit mit den Entdeckungen der Zukunft. In der Seele des jungen Mannes stoßen beide zusammen und zerfleischen sich oft in heißem Kampfe. Hier werden Welten zerschlagen und Welten neu aufgebaut. Hier ist der Kreuzweg zwischen Himmel und Erde, zwischen Mensch und Gott. Was der Mensch ist mit seiner Einsamkeit und seiner Schuld, und was es mit Gott ist und seiner Herausforderung an den Menschen, das wird niemals so deutlich wie in diesen Jahren, die der junge Mann durchlebt. Die Bestie im Menschen und das Gotteskind— beide schauen uns aus den hellen Augen an, mit denen der junge Mann in die Welt hinausschaut. Das war immer so.— Immer schon ging es hier um Tod und Leben. Nicht ohne Grund hat einer der weisen Männer der Welt gesagt, daß man Jünglinge wagen müsse, wenn man Männer haben wolle. Das christliche Jungmännerwerk der Welt ist aus solcher Verantwortung heraus entstanden. Und doch ist es heute etwas anders als sonst. Soll ich es so ausdrücken, daß der Kampf im Herzen eines jungen Mannes heute in allen Teilen der Welt ernster ist als je? Liegt es daran, daß die Vergangenheit, aus der er herkommt, in sich selbst brüchig geworden ist? Ist die Zukunft unklarer als sonst? Oder darf ich es einfacher so aussprechen: Die Menschheit selbst gleicht in Unseren Tagen dem jungen Mann. Sie hat ihre ruhige Entwicklung verlassen. Sie ist selbst zum Kreuzwege geworden. Was Jahrhunderte hindurch sicher schien und allgemein anerkannt wurde, wankt in seinen Fundamenten. Unerhörte Experimente in der Gestaltung des Staatslebens oder zur Erneuerung der Wirtschaft werden gemacht. Das Denken der Menschheit befindet sich schon seit einigen Jahrzehnten in einem revolutionären Zustande. Eine zeitlang schien es, als ob das alltägliche Leben unbeeinflußt davon seinen gewohnten Weg weitergehen würde. Heute zeigt es sich, daß die einfachsten Grundlagen des praktischen Lebens fraglich geworden sind. Muß man nicht den Satz sagen: Es muß heute eine Menschheit gewagt werden, um eine Zukunft der Welt zu haben? Ahnen wir, was es für einen jungen Mann bedeutet, in eine solche Stunde der Menschheit hineingestellt zu sein? Schon für einen alten Menschen mag es nicht leicht sein, wenn er in unseren Tagen gleichsam den Boden uralter Kulturen unter den Füßen verliert. Auch das Kind wird schwieriger als sonst sein kleines Leben gestalten. Aber die ganze schwere Not trifft doch den jungen Mann. Er steht am Kreuzweg des eigenen Lebens; er ist nun gleichsam auch noch an eine Wegscheide der Menschheit gestellt. Verstehen wir jetzt, warum über der hellhörigen Jugend der Welt in unseren Tagen etwas wie eine unheimliche Kühnheit liegt? Es sind wieder Jünglinge unter uns, die bereit sind, ein Leben zu wagen, um der Menschheit eine neue Gasse zu brechen. Wir mögen sehr verschieden denken über die Pläne, die sie haben. Wir mögen manches als Torheit schelten, was der junge Chinese oder der junge Afrikaner oder der junge Deutsche mit dem Einsatz seines Lebens erkämpfen möchte. Aber was wir auch darüber denken— wir sollten verstehen: Weniger darf man der Jugend dieser Generation nicht zumuten als ein Wagnis, das den ganzen Menschen erfordert. Darum geht es in diesen Tagen. Sind wir zu einem solchen Wagnis bereit? ** * Seit den Tagen von Helsingfors ist fünf Jahre hindurch eine kleine Gruppe von Männern in unserer Weltbundarbeit am Werke gewesen, um den Weg zu diesem Wagnis zu rüsten. Als Vorsitzender dieser Arbeitsgruppe in unserem Weltbundvorstand darf ich mit tiefem Dank davon reden, wie wir hier Schritt für Schritt geführt worden sind. Hier war keine künstliche Begeisterung. Es wurde uns auch keine große Erkenntnis mit einem Male geschenkt. Wir haben Schritt für Schritt den Boden erkämpft, auf dem wir heute stehen. Am Ende wurde uns die Bereitschaft geschenkt, in diese Tage von Toronto hineinzugehen wie zu einem Wagnis mit Gott. Da bitten wir in dieser Stunde Euch, die Ihr mit einer heißen Liebe zu dem jungen Mann von heute zusammengekommen seid: Helft alle mit, daß die großen Opfer an Zeit, Geld und Kraft hinter dieser Konferenz nicht vergeblich seien! Laßt dahinten alles Vertrauen auf die Tüchtigkeit Eurer Methoden! Baut nicht auf die Zahlen Eurer Organisationen! Begnügt Euch nicht damit, hier eine wundervolle Stimmung weltweiter Bruderschaft zu empfinden sondern wagt es, das Schifflein der Zukunft der Welt, in dem der junge Mann von heute sitzt, hinauszutreiben auf den Ozean der Gedanken Gotteo! Seid hühn in Euren Erwartungen und demütig in Eurem Gebet! Laßt uns den Glauben wagen, daß der lebendige Gott eine Herausforderung an die junge Mannschaft der Welt bereit hat, die mehr bedeutet als alles, was sie sonst wagen könnte. Diese Konferenz wird nichts wert sein, und alle Opfer, die dafür gebracht werden, sind umsonst, wenn sie weniger bedeutet als eine Jugend vor dem Wagnie mit Gott. Landtags seinen Rücktritt erklärt. Bis zur Wahl des neuen Ministers wird Staatsminister Dr. Franzen die Geschäfte vorläufig weiterführen. Das Rücktrittsschreiben hat folgenden Wortlaut: „Durch die fortgesetzte, erweiterte und verschärfte Notverordnungspolitik des Reiches haben die kleineren Länder die letzten Reste ihres staatlichen Eigenlebens verloren und sind zu völlig unselbständigen Reichsverwaltungsbezirken herabgesunken. Den Ministerien in diesen Ländern ist damit In Widerspruch zu den Verfassungen jede Wirkungsmöglichkeit im Sinne einer Landesregierung genommen Ich lehne es ab, als Vollziehungsbeamter der die schaffenden Stände in einseitiger und sozial ungerechter Weise belastenden Brüning=Diktatur tätig zu sein und trete daher von dem mir am 1. Oktober 1930 ubertragenen Ministeramt zurück. Bis zur Wahl des Nachfolgers werde ich nur die laufenden Geschäfte erledigen. Nach dem Rücktritt des Ministers Franzen besteht die braunschweigische Regierung zunächst nur noch aus dem Deutschnationalen Dr. Küchenthal. Dem Landtag gehören 40 Abgeordnete an; 17 davon sind Sozialdemokraten, 11 sind auf der Bürgerlichen Einheitsliste gewählt worden, 9 sind Nationalsozialisten, 2 Kommunisten und ein Abgeordneter ist Volksnationaler. Kritik an Frankreich. Nichterfüllung der Abrüstungsverpflichtung bedeutet eine Revision des Versailler Vertrages. — Rom, 28. Juli. Die französische Abrüstungsdenkschrift wird in der italienischen Presse weiterhin lebhaft kritisiert.„Popolo 'Italia“ sieht in der Denkschrift das non possumus Frankreichs, das durch nichts zu rechtfertigen sei. Das Blatt erinnert an den gewaltigen Grenzfestungsgürtel Frankreichs von der Nordsee bis Nizza, dessen Wert nicht nur defensiv, sondern auch offensiv sei. Gerade hinter dieser chinesischen Mauer könnte Frankreich in größerer Sicherheit als jeder andere Kontinentalstaat abrüsten. Frankreich habe nicht die Farbigen zu verteidigen, sondern die Farbigen verteidigten Frankreich, das auf ihre Hilfe zählen und also mit um so größerer Sicherheit abrüsten könne. Schließlich habe Frankreich seine eigene Sicherheit in beispielloser Weise durch sein Bündnissystem gewährleistet, das gleichzeitig gegen Deutschland, Italien, Ungarn, Bulgarien und Rußland gerichtet sei. So besitze Frankreich die meisten Sicherheitsgarantien und Rückversicherungen. Ein Staat. der auf dem Wettrüsten und auf den Revarationszahlungen bestehe, werde schließlich die Weltöffentlichkeit zur Erkenntnis bringen, daß er seine Rüstungen mit den eparationszahlungen begleicht, ganz abgesehen davon, daß eine Richterfüllung der Abrüstungsverpflichtung rechtlich und materiell eine Revision des Versailler Vertrages bedeute, der zweifellos andere folgen müßten. * Der Vertrag über die französische Militärkommission in Griechenland wird, wie Havas aus Athen meldet, demnächst erneuert werden. Die neue Mission wird sechs Mitglieder umfassen; vier für die Armee und zwei für das Flugwesen. Revolution in Chile. Der Staatspräsident geflüchtet.— Argentinien ist vorsichtig. — Neuyork, 28. Juli. Der Präsident von Chile, Carlos Ibanez, hat nach mehrtägigen revolutionären Unruhen in der Hauptstadt Santiago de Chile, in denen sich zuletzt der größte Teil der Bevölkerung gegen das diktatorische Regiment des Präsidenten zusammenfand, abgedankt und die Flucht ergriffen. Sein Aufenthalt ist unbekannt. Senatspräsident Letelier hat die Präsidentschaft übernommen. Die Revolution entspringt der ungeheuren Wirtschaftsnot, die in dem Salpeterlande durch den katastrophalen Rückgang der Ausfuhr des Salpeters entstanden ist. Die argentinische Regierung hat den ehemaligen Präsidenten der Republik, de Alvear, und drei andere Politiker aufgefordert, das Land zu verlassen, um Unruhen zu verhüten. Letzte Meldungen. Französischer Rediskontkredit für die Bank von England. — Berlin, 28. Juli. Nach einer Meldung der„Voss. Zeitung“ aus Paris wird bestätigt, daß im Laufe von Besprechungen am Montag abend ein Kredit der Bank von Frankreich an die Bank von England in Höhe von 20 Mill. Pfund zusammengekommen ist. Es handelt sich um einen Rediskontkredit, der die englischen Banken in den Stand setzen soll, gegenüber den deutschen Banken stillzuhalten und weitere Kreditabziehungen aus England zu vermeiden. An den Verhandlungen waren besonders das Bankhaus Lazare Brothers in London beteiligt, dem auch Sir Robert Kindersley angehört, und die Pariser Schwester, bank Lazare Frères und der Bankier David Weill. * Für Aufhebung des Steuerprivilegs der öffentlichen Hand — Berlin, 28. Juli. In einem im Reichstag eingebrach, ten Antrag ersucht die Landvolkpartei die Reichsregierung mit sofortiger Wirkung das Steuerprivileg der privatwirtschaftlichen Betriebe der öffentlichen Hand aufzuheben. Zeppelin über dem Spitzbergener Meer. — Friedrichshafen, 28. Juli. Ein auf Umwegen beim Luftschiffbau Zeppelin eineetzeifenes Funktelegramm gibt den Standort des Luft. „Graf Zeppelin“ mit 75 Grad 50 Minuten nördlicher Breite und 48 Grad 20 Minuten östlicher Länge über dem Ost=Spitzbergener Meer, halbwegs zwischen der Insel Kolgujew und Franz=Josef=Land, westlich von Nowaja Semlja an. Bethel. — Christlicher Verein junger Mädchen. Dienstag abend 8 Uhr: Bethelgruppenabend, jüngere Abteilung. Pünktlich erscheinen. Mittwoch abend 8 Uhr: Bibelstunde, Herr P. Voigt. — Turnverein„Jahn".T. Am Mittwoch, dem 29. Juli, abends 8 Uhr Mitgliederversammlung in Tiberias. Der Vorstand. — Füllfederhalter, sehr guter, klein, gelb, amerikanische Marke, am Freitagabend im Zionswalde oder den Friedhöfen verlorengegangen. Um Rückgabe bittet Hanna Kraa, Königsweg 1. Unzeigen aus Bethel. — Ein guterhaltenes Kinderbett zu kaufen gesucht. Angebote an die Geschäftsstelle des„Aufwärts". Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Aufwärts“, Christliches Tageblatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919, Amt Bieleseld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. Jospize und Haus Bergblick, Luftkurort Ilsenburg, freundl., ruh., sonniges Heim im Harz unterhalb des Brockens. Behagl. einger. Zimmer mit und ohne Pension. Mäßine Preise. Ausf. Auskunft erteilt Tabea Sprick(vorm Frau Pastor M. Sprick). Heidelberg, Christliches Hospiz Wartburg(früh. Blau=Kreuz=Hotel) Schiffgasse 2, am Neckar gelegen mi: schoner Aussicht auf das Gebir 7r. Zimmer mit fließend. Wasser, Zentralheizung, Bad, elektr. Licht, ernruf 755. 40 Betten von 2,50 bis.— Mk. Vorsaison Ermäßigung. Besitzer: August Kühn. Caub a. Rh., Haus Elsenburg, Erholungsheim des Westd. Jungmännerbundes. Prachtvolle Lage. Freundl. Zimmer, gute Verpflegung, mäßige Preise. Das ganze Jahr für jedermann geöffnet. Werbeschrift sendet Ferd. 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Vorlage der Jahresrechnungen des letzten Vereinsjahres und Entlastung des Schatzmeisters. 3. Genehmigung des nächstjährigen Haushalts. 4. Hinzuwahl neuer Vereinsmitglieder. 5. Anträge der Mitglieder. Bethel bei Bielefeld, den 17. Juli 1931. Der Vorsitzende i. V. F. v. Bodelschwingh. Mein echter Tlisiter vollicttkäse mit 48/82% Fett l. T. kostef ab heute nur RM .90 pro Pid. Versend erfolgt nur in Postkollls unt. Nechn., Porto u. Verpeckung frei. Friedrich Stotzka Dampfmolkerei Jedwilleiten. Post Motzweihen. Tlleiter Niederung. für aie Einmachteit empfehlen wir unsere bewährten MumttkahrAllmachkühnen Hußerdem machen wir Sie auf unsere Horswaren und uiogestunle aulmerksam. Ilberias-Werkstätten der Anstalt Bethel