-F U TGU UU T T Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Christliches Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und ndengabek voord„ZAusen Blel. Anzeigenpreis: einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 gje tausend 15 Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Die Reklame Nr. 169. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 23. Juli 1931. 13. Es wäre wenig in der Welt gewonnen, wenn man immer nur auf den Ausgang gesehen hätte. Lessing. Migi iiiiiin Die Enzyklika des Papstes und ihr lebhafter Widerhall. In Italien ist die Spannung zwischen den streitenden Parteien, dem Staat und der Kirche, bis zum äußersten gestiegen. Zwecks Beilegung des Konflikts wurden seit mehreren Wochen Verhandlungen gepflogen, und während dieser Zeit wurde von der beiderseitigen Presse ein Waffenstillstand gehalten. Mitten hinein in diese Streitpause fuhr wie ein Blitz aus heiterem Himmel die bekannte Enzyklika des Papstes. Empört über diesen Bruch des Waffenstillstandes während der Verhandlungen, schob nun natürlich auch die faschistische Presse alle Riegel beiseite, und der Aufruhr brach von neuem los. Schon ist der rigorose Gegenschlag des Faschismus erfolgt: Kein Glied des Faschismus darf der„Katholischen Aktion“ angehören. Die ungeheure Tragweite dieses Beschlusses übersieht man erst, wenn man sich vergegenwärtigt, daß in Italien Faschismus und Staat fast identisch sind. Also ein Kulturkampf größten Stiles. Wer wird siegen? Wir denken an Bismarcks Kampf, und doch kann der italienische Streit damit kaum in Parallele gesetzt werden, da es sich in Deutschland um zwei Konfessionen innerhalb des Reiches handelte, während in Italien der Katholizismus fast alleinherrschend ist. Wird also die katholische Bevölkerung zum Papst oder zu Mussolini halten? Die Enzyklika wendet sich„an alle Bischöfe und die übrigen Oberhirten, die in Frieden und Gemeinschaft mit dem apostolischen Stuhl leben.“ Ihren Inhalt bilden die jüngsten Ereignisse in Italien, insonderheit die„Katholische Aktion“ und ihre Bekämpfung bezw. Unterdrükkung seitens des Staates. Wiederholt betont der Papst das völlig unpolitische Wesen und Wirken dieser weitgespannten Vereinigung, die nichts anderes sein wolle, als eine„Mitarbeit der gläubigen Laienwelt am hierarchischen Apostolat“. Diese friedliche Definition aber wird ja gerade vom Staat aufs entschiedenste bestritten. Der Faschismus sagt der Vereinigung nach, daß sie sich durchaus politisch betätige und zwar in antifaschistischem Sinne. Der Papst seinerseits bezeichnet im weiteren Wortlaut seiner Enzyklika dies alles als leichtfertige und unverschämte Verleumdungen, alle„Enthüllungen“ der Gegenseite als aus der Luft gegriffene„Erfindungen“. Er betont ferner, man habe wahrhaftig keinen Anlaß zu besonderem Dank gegenüber dem, der dem Sozialismus und der Freimaurerei, diesen erklärten Feinden der Kirche die Tür gewiesen habe, wenn man unter desselben Mannes Schutz gottlose Parodien heiliger Gesänge und Aufzüge“ erleben müsse. Der Streit gehe vor allem um die Erziehung der Jugend, die man völlig der Kirche entziehen und nur einer einzigen Partei sogar durch Eidesleistung verpflichten wolle. In diesem Zusammenhang kritisiert der Papst den Schwur, den die Jugendlichen beim Eintritt in die Partei bezw. in ihre Jugendorganisationen leisten, und macht seinen kirchlichen Vorbehalt dazu. Den Schluß bildet eine Anrufung Gottes zum Schutze der geheiligten Güter der Kirche. Was sagt der Faschismus dazu? Wie er den politischen Charakter der katholischen Aktion behauptet, so sieht er in der Enzyklika selbst einen rein politischen Akt und sieht sich daher veranlaßt, sie als solchen zu kritisieren und zu bekämpfen. Zunächst geht die Erbitterung und der Protest gegen die merkwürdigen Umstände und Begleiterscheinungen, unter denen die Enzyklika an die Oeffentlichkeit kam. Darüber meldet der„Popolo'Italia“ aus Rom folgendes: Die Verbreitung eines solchen Dokuments zu einer Zeit, in der diplomatische Verhandlungen stattfinden zwischen den Partnern ist schon ein Präzedenzfall, der den diplomatischen Sitten widerspricht. Ferner ist sie im Ausland eher veröffentlicht worden als in Italien, obwohl es sich doch ausschließlich um innere Angelegenheiten dieses Landes handelte. Sie wurde durch zwei ausländische Prälaten im Flugzeug nach Paris und London befördert. Warum wurde die Enzyklika, die das Datum des 29. Juni trägt, vom offiziellen päpstlichen Organ in Rom erst 6 Tage später veröffentlicht? Der Grund ist sehr einfach. Man befürchtete im vatikanischen Staate die Heftigkeit des Papstschreibens werde eine prompte Antwort von seiten des Staates provozieren und— ein Verbot weiterer Verbreitung. Deshalb zog man es klugerweise vor, die Veröffentlichung vorerst im Ausland zu veranlassen. Daher denn die zwei Prälaten im Flugzeug. Als man so dem Ausland die Worte des Papstes kundgetan hatte und sie nun doch auch in Rom veröffentlichen mußte, war man wieder so„schlau“, den„Össervatore Romano“ verfrüht zu einer ungewohnten Stunde ausgehen zu lassen, um so etwaigen Zugriffen staatlicher Instanzen leichter zu entgehen. Wir aber wußten von diesen beiden raffinierten und in der Journalistik einzig dastehenden Manipulationen im voraus und— ließen beides ruhig geschehen: die ehrwürdigen Prälaten in die Luft aufsteigen und den„Osservatore“ in Rom und ganz Italien verkaufen.“ Man bedenke, daß der 1929 geschaffene Miniatur=Kirchenstaat natürlich„Ausland“ ist und Mussolini jede unliebsame ausländische Zeitung sofort beschlagnahmen bezw. ihre Verbreitung verbieten kann. Neben diesen merkwürdigen Begleiterscheinungen erregt aber der Inhalt selbst den größten Anstoß. Das römische„Giornale'Italia“ schreibt u. a. folgendes:„Die Enzyklika möchte den Glauben erwecken, als sei erst durch das Konkordat von 1929 eine gründliche Konsolidierung des faschistischen Staates erfolgt. Der Faschismus ist aber seit 1922 am Ruder. Gerade die in den verflossenen Jahren erreichte Festigung hat es dem Staat erlaubt, mit dem Vatikan in Verhandlungen zu treten und zu einem Konkordat zu gelangen. Längst waren seine Kräfte gesammelt durch Niederwerfung aller Gegner im Inneren, durch Stabilisierung der Lira und frühzeitige Ordnung des alliierten Schuldendienstes. Das alles soll natürlich nicht dem Konkordat seinen moralischen Wert absprechen. Dieser ist überaus intim für das Gewissen aller italienischen Katholiken, die treu zum Staat und treu zur Kirche halten, aber jetzt aufs neue verstört sind durch den Konflikt, den sie aus dem Verhalten des Staates nicht abzuleiten wissen.“ Der Staat des Faschismus habe, so schreibt das„Giornale d' Italia“ weiter, leider nach dem Konkordat gar nicht spüren können, daß sich die Stellung der katholischen Presse im Ausland zu ihm geändert habe und dem Lateran=„Frieden“ Rechnung trage. Die ausgesprochen katholischen Blätter, wie z. B.„Libre Belgique“ in Brüssel,„Germania“ in Berlin,„La Croix“ in Paris, ließen nach wie vor ihrer feindseligen Haltung dem Faschismus gegenüber freien Lauf. Und nun die vielumstrittene„Katholische Aktion“. Wozu überhaupt diese Vereinigung? Die„Aktion“ ist nicht die Kirche, und daß diese„Laienbewegung zum Schutze heiligster Güter“ höchst überflüssig ist, beweist die Tatsache, daß es 18 Jahrhunderte hindurch solche „Aktion“ nicht gegeben hat. Gerade die starre Hierarchie der Kirche hat diese Hilfe des Laientums die Jahrhunderte hindurch sehr bewußt entbehren wollen und fühlte sich Manns genug, von sich aus die Propaganda des Glaubens zu schaffen. Gerade eine organisierte Laienbewegung, die— im Namen der Kirche— ihre Tätigkeit entfalte über die ihr gezogenen moralischen und geistlichen Grenzen hinaus, gerade die schaffe viel Konfliktsstoff und kompromittiere stark den rein geistlichen Charakter der Kirche. „Aber diese Tätigkeit war stets eine Grenzüberschreitung“— schreibt die genannte Zeitung weiter—„stets politisch, stets gegen das Königreich Italien und jetzt gegen das faschistische Regime. Niemand wird leugnen wollen, daß ihr Zweck schon 1863 ausgesprochen politisch war, nämlich die Residenz des Papstes und seine weltliche Herrschaft zu verteidigen. Und seitdem diese gefallen, arbeiteten sie an der Vorbereitung ihrer Wiederkehr. Als die Partei der„Popolari“ gegründet wurde, traten sämtliche Mitglieder der„Aktion“ geschlossen in deren Reihen über. Nach deren Zerfall hätten wenigstens die in den Reihen der„Katholischen Aktion“ verbliebenen Mitglieder die Pflicht gehabt, augenblicklich jede Beziehung zur Politik aufzugeben und sich auf ihre geistlichen Aufgaben zu besinnen. Aber nichts davon.“ Eine besondere Rolle im Rahmen der„Aktion“ spielt, wie schon gesagt, der Streit um die Jugenderziehung. In dieser Frage gipfelt geradezu der ganze Konflikt. Und daß der Faschismus in dieser Hinsicht am empfindlichsten ist, bedarf keiner weiteren Erklärung.„Die Enzyklika beharrt bei der Behauptung, die Kirche habe den ersten Anspruch auf die Erziehung der Jugend. Sie protestiert gegen den Eid der Jugend beim Eintritt in die Partei. Auch hier ist klare Rede vonnöten. Die Kirche hat die Universalität als Ziel, der Staat die Nation. Der Staat hat für die Ausbildung guter Italiener zu sorgen. In dieser Ausbildung spielt der katholische Glaube eine wesentliche, aber nicht die einzige Rolle. Der Faschismus hat den katholischen Glauben bewußt unter die Werte der Nation mit eingesetzt. Er wird ihn verteidigen und in den Massen tief verankern, unter allen Umständen. Aber der faschistische Staat, der aus der nationalen Schwäche früherer Regierungen entsprungen ist und bei seinem Entstehen soviel Feindseligkeiten von außen und innen erfahren hat, muß seine jungen Bürger ausrüsten mit all den Elementen, die zu entschlossenem Widerstand und zu tapferer Verteidigung nötig sind Solche Elemente heißen: Katholizismus, heiße Vaterlandsliebe, Nationalbewußtsein, Zucht, Opfersinn, Wirklichkeitssinn; dazu auch Stählung des Körpers, denn solche ist.wahrhaftig ein Hilfsmittel für innere Kraft und Gesundheit.“ Nochmal: Wer wird Sieger sein? br. Lernt Moskau wirklich um? Vor kurzem hat Stalin, der allgewaltige Diktator Sowjet=Rußlands, auf der Leningrader Konferenz der Wirtschaftler eine Rede gehalten, die in der Presse mit Recht großes Aufsehen erregt hat. Stalin scheint sich, das ist der erste Eindruck, von seinen bisherigen radikal kommunistischen Wirtschaftsmethoden abzuwenden, weil er ihre Unzuträglichkeit erkennt. Man spricht geradezu von einem neuen Kurs in Sowjetrußland, von einem Umlernen Moskaus, von einer Bekehrung Stalins zu kapitalistischen Wirtschaftsmethoden. Die„Rote Fahne", das Hauptorgan der kommunistischen Partei Deutschlands, die in Nr. 144 die Rede Stalins im Wortlaut bringt, sucht allerdings diesen Eindruck von vornherein abzuwehren. Sie wertet auch diese Rede als„Ausdruck der historisch einzigartigen, himmelstürmenden Initiative der befreiten Arbeiterklasse“.„Sie atmet den Geist des gewaltigen, umfassendsten, sozialen Erziehungswerkes, das die Geschichte kennt.“ Gewiß, wir wollen nicht einstimmen in dieses Siegesgeschrei des roten Parteiorgans. Aber ebensowenig können wir uns zufrieden geben mit den allzu vorurteilslosen und u. E. allzu sicheren Kommentaren der bürgerlichen Presse. Dann hätten wir aus der Geschichte des bolschewistischen Regimes in Rußland wenig gelernt, und noch weniger wären wir in der Lage, diese unheimliche Bewegung ihrem Wesen nach zu beurteilen. Umgekehrt, wer die Rede Stalins aus der Geschichte und der innersten Struktur des Bolschewismus zu verstehen sucht, der muß zu dem Schluß kommen, daß die„Rote Fahne“ in ihrem Urteil vielleicht der Wahrheit der Sache doch näher steht, als die übrige bürgerliche Presse. Es geht in der Tat nicht um einen Rückzug des Bolschewismus, es geht um den Sieg des Systems um jeden Preis und mit allen Mitteln. Und es ist u. E. das Verhängnis der bürgerlichen abendländischen Gesellschaft, daß ihr der Blick für diesen unbedingten fanatischen Eroberungs= und Siegeswillen der bolschewistisch=kommunistischen Bewegung fast völlig fehlt. Doch für unsere Behauptung gilt es jetzt den Beweis anzutreten. Rußland steht augenblicklich im Zeitalter des Fünfjahresplans. 1931 ist das dritte, entscheidende Jahr dieses Planes, entscheidend für sein Gelingen oder Nichtgelingen. Die Nachrichten aus Rußland über die Durchführung des Planes und seine Erfolge sind, wie ohne weiteres verständlich, sehr vieldeutig und widersprechend. Von offizieller Seite wird man alles tun, um der kapitalistischen Welt mit Riesenfortschritten aufzuwarten. Die „Rote Fahne“ weiß von„gewaltigen Ergebnissen des sten Halbjahres des dritten entscheidenden Jahres des Fünfjahresplans“ zu berichten. Niemand wird das Tendenziöse dieser Berichterstattung verkennen. Andere objektiv nüchterne Nachrichten lauten ganz anders. In dem jüngst von Prof. Dr. Iljin im Eckardt=Verlag herausgegebenen Sammelwerk„Welt vor dem Abgrund“ beschäftigt sich ein Aufsatz von Dr. Hoeffding mit dem Fünfjahrplan und den Voraussetzungen seiner Erfüllung.“ Der Artikel wurde geschrieben, als bereits zwei Wirtschaftsjahre des Plans zurückgelegt waren und beschränkt sich im wesentlichen darauf, festzustellen, wieweit der Plan in diesen beiden ersten Jahren erfüllt, bezw. nicht erfüllt werden konnte. Dr. Hoeffding kommt zu dem Ergebnis, daß der Plan bereits in diesen ersten Jahren in vielfacher Weise durchbrochen wurde. Eine Steigerung der Produktion konnte weder quantitativ noch viel weniger qualitativ in dem Maße erreicht werden, wie vorgesehen war. Das im Einzelnen hier zu beweisen, würde zuweit führen. Man lese den Aussatz von Dr. Hoeffding in dem oben genannten Sammelwerke nach. Jedenfalls scheint es so zu sein, daß die Machthaber Sowjetrußlands jetzt selbst zugeben, daß der Plan trotz „Der Empfang war aller Bemühungen nicht in vollem Umfang erfüllt werden konnte. Stalin ging in seiner zur Besprechung stehenden Rede davon aus, daß in den ersten fünf Monaten dieses Jahres eine Steigerung der Produktion nicht in allen Industriezweigen im vorgesehenen und erhofften Maße erreicht wurde. Während der Produktionszuwachs in einigen Industriezweigen 40 bis 50 Prozent, in anderen Industriezweigen 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahe betrug, erreichte er beispielsweise im Bergbau und in der schwarzen Metallindustrie nur 6 bis 10 Prozent. Die Ursache dieses Rückstandes sieht Stalin in von Grund auf veränderten Entwicklungsbedingungen in der Industrie, denen es sich anzupassen gilt. Die Methoden, die Stalin zur Erfüllung des Fünfjahresplans vorschlägt, sehen in der Tat einer Angleichung an kapitalistische Wirtschaftsweise sehr ähnlich. Zur Gewinnung und Sicherstellung neuer Arbeitskräfte empsiehlt Stalin ein verträgliches Zusammengehen der Kollektivwirtschaften mit den privaten Wirtschaftsorganisationen. Ferner wird Lohnstaffelung je nach Arbeitsleistung gefordert. Die Erkenntnis ringt sich durch, daß sich ein qualifizierter Arbeiterstand nicht schaffen läßt ohne die Aussicht auf Weiterkommen. Eine weitere Forderung geht dahin, dem Arbeiter bessere Lebensbedingungen, vor allem bessere Wohnungsverhältnisse zu schaffen. Es folgen weitere Vorschläge, die darauf hinauslaufen, in der Leitung der Betriebe die persönliche Verantwortung wieder einzuschalten, in der Führung der einzelnen Industriezweige die persönliche Intelligenz heranzuziehen. Stalin fordert zu diesem Behufe die Heranbildung der Arbeiterjugend auf neu zu errichtenden Lehranstalten zu Technikern und Ingenieuren als Kommandeure der Industrie; er empfiehlt aber auch die Heranziehung der alten bourgeoisen betriebstechnischen Intelligenz und erhofft damit eine allmähliche Durchdringung und Angleichung der letzteren. Die Betriebe sollen möglichst von der kollektiven Verwaltung zur Einzelleitung übergehen. Anderenorts lesen wir noch, Stalin habe sich auch gegen die Fünftagewoche gewandt und gesagt, es sei zu erwägen, ob man nicht vorläufig zur sechstägigen Woche zurückkehren solle. Das sind die Programmpunkte der neuesten Stalinschen Wirtschaftspolitik. Ein neuer Kurs! Die Frage ist, ob wirklich ein Sieg der Vernunft über die Unvernunft, oder nur ein Wechsel der Methoden, wobei das Ziel dasselbe bleibt. Wir glauben immer noch, uns für die letztere Annahme entscheiden zu müssen. Allzu deutlich läßt Stalin in seinem Programm als seine wahre Meinung durchblicken, daß alle diese Maßnahmen im letzten Grunde nur den Charakter eines Moratoriums tragen sollen. Was soll es sonst heißen, wenn Stalin(laut„Rote Fahne") sagt, daß der Unterschied zwischen qualifizierter und unqualifizierter Arbeit wohl beim Sozialismus, aber nicht beim Kommunismus bestehe. Oder wenn er(laut„Aufwärts“, Nr. 155) die Behauptung aufgestellt hat, daß in Rußland noch gar kein Kommunismus herrsche, sondern eine Art Zwischenstadium. Das heißt doch mit anderen Worten: Der Bol: schewismus ist nicht auf###hoben, sondern nur aufgeschoben. Das letzte Ziel ist und bleibt die restlose Durchsetzung des kommunistischen Programms in Rußland und von dort aus die Eroberung der Welt. Man hat in Rußland bereits gelernt, daß man das Ziel nur auf Umwegen erreicht. Aber man scheut die Umwege nicht, wenn sie nur dem Ziel näher führen. Wir erinnern uns, daß die nunmehr 13=jährige Geschichte des Bolschewismus in verschiedenen Phasen verläuft. Der ersten Periode des sogenannten Kriegskommunismus, wo man die Welt im Sturm zu erobern suchte und alle entgegenstehenden Mächte auf dem Gebiet der Wirtschaft und der Kultur, vor allem auch der Religion, mit einem Schlage vernichten wollte, folgte die Zeit des Einlenkens. Man sah ein, daß man sich übernommen hatte. Dieses radikale Vorgehen drohte dem eigenen System zum Verhängnis zu werden. So machte man vorläufig Zugeständnisse. Man schloß Waffenstillstand— aber nur solange, bis man sich stark genug fühlte zum neuen Angriff. Oktober 1928 setzte die zweite Offensive ein. Sie nannte sich Fünfjahresplan. Die letzten Reste des Privateigentums, der bürgerlichen Kultur, der Religion sollten getroffen werden. Die furchtbaren Ereignisse sind noch in frischer Erinnerung. Die gewaltsame Enteignung und Kollektivisierung des russischen Bauern, der Todesweg der deutsch=russischen Kolonisten, die wieder einsetzende grausame Religionsverfolgung, die bis heute andauert. Und das bolschewisierte, kollektivierte, zur Herrschaft gelangte Proletariat wollte der Welt beweisen, daß es dasselbe, ja, daß es mehr zu leisten vermöchte als der Kapitalismus. Heute sieht sich Stalin genötigt, einzugestehen: Die Durchführung des Fünfjahresplanes ist auf rein kommunistisch=bolschewistischer Grundlage noch nicht möglich. Es wird nur gehen, wenn wir— zunächst!— uns mit dem Gegner verbünden. Soll man ihm trauen? Leider schenkt man ihm viel zu viel Vertrauen, glaubt allzusehr an die Aufrichtigkeit seiner Absichten, spricht allzu siegesgewiß von„Stalins Bekehrung zu den Wirtschaftsprinzipien des Kapitalismus", von der„Pleite des Kommunismus“, vom„Bruch mit den kommunistischen Methoden". Währenddessen macht die„Rote Fahne“ sich lustig über die„völlige Blindheit der Bourgeoispresse für das weltgeschichtliche Geschehen in der Sowjetunion. Sowjetrußland aber rüstet mit Hilfe der Westmächte und des Bürgertums zum letzten entscheidenden Schlage und trägt seinen Angriff bereits mit aller Macht in Deutschland voran. Unsere Aufgabe ist es, zu wecken und zu warnen, solange es noch Zeit ist. Deutschland befindet sich, rein menschlich gesehen, in einer schier verzweifelten Lage. Eben in diesen Tagen macht der französische Haß sich auf, um unserm Volk ein zweites Versailles zu bereiten, um ihm den letzten Rest von Freiheit und Selbständigkeit auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet zu rauben. Was läge da näher, als daß unser Volk Anlehnung sucht bei anderen, uns freundlicher gesonnenen Mächten— vielleicht auch bei Rußland. Wir möchten warnen. Würde das nicht bedeuten, dem Bolschewismus noch mehr als bisher ein Einfallstor aufzutun?(Das braucht es nicht zu sein.— Die Red.) Es kommt heute alles darauf an, daß unser Volk sich auf sich selbst besinnt, vielleicht am meisten auf die letzten und innersten Wurzeln seiner Kraft. Daß es zu dieser Selbstbesinnung nicht kommt, das ist unsere Not und vielleicht unser Verhängnis. Hier trägt die deutsche Christenheit ein großes und schweres Stück Verantwortung. H. Stee. Ein Beitrag zur Pressenotverordnung. Eine Berliner Redaktion bekam am Sonnabend mitlag von ihrem Pariser Vertreter, einem äußerordentlich ruhigen, besonnenen und objektiv beobachtenden Mann eine Meldung über das Eintreffen der deutschen Delegation auf dem Pariser Bahnhof. Am Ende dieser Meldung hieß es, daß der Empfang durch die Bevölkerung kühl war und Pfiffe und Verwünschungen ertönten. Die Berliner Redaktion war vorsichtig. Inzwischen war die Pressenotverordnung in Kraft getreten, nach der Zeitungen, durch deren„Inhalt die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet wird",— insbesondere wegen der Verbreitung falscher Gerüchte oder Behauptungen— verboten werden können. Man erkundigte sich also bei der zuständigen Reichsstelle, welche Meldungen dort über den Empfang in Paris vorlägen, und erhielt sinngemäß die Mitteilung, daß der Empfang herzlich gewesen wäre. So hatte also der sonst so besonnene und zuverlässige Vertreter die Pfiffe und Verwünschungen, die man doch nicht gerade als Beweis der Herzlichkeit empfinden könnte, dazuerfunden? Die Redaktion hat vorsichtshalber den Satz aus dem Pariser Bericht gestrichen; man möchte nicht gleich am ersten Tag wegen Verbreitung falscher Berichte an den Pranger einer sagenhaften Pressefreiheit gestellt werden. Doch siehe da, was stand an demselben Sonnabend abend in einem Pariser Blatt und noch dazu in der nationalistischen„Liberté“ über das Verhalten der Pariser Bevölkerung beim Eintreffen der Reichsminister zu lesen? Das Blatt schreibt:„Wir bezeichnen die feindseligen Kundgebungen als bedauerlich und unangebracht. Den Vertretern eines ausländischen Staates gegenüber ist man eine andere Haltung schuldig.“ Wonach sich nicht mehr bezweifeln läßt, daß der oben gemeinte Pariser Vertreter auch bei seiner Sonnabendmeldung ruhig, besonnen und objektiv geblieben war. Das Ganze ist eine Illustration dazu, wohin solche Kautschuk=Bestimmungen führen müssen, wie sie die Pressenotverordnung enthält: zur Erschwerung einer verantwortungsbewußten und objektiven Berichterstattung. Eigentlich sollte doch auch die Pressenotverordnung der Wahrheit und der wahrhaften Berichterstattung dienen Wenn diese Verordnung einen nationalen Sinn hat, so wäre es die Entgiftung der Atmosphäre, die Förderung von Wahrheit und Klarheit in der öffentlichkeit, um die Gesamtheit der Presse ihrer höheren sozialen Funktion als Dienerin der Gesamtheit im Wege der öffentlichen Meinung zuzuführen. So etwa begründen die Reichsrichtlinien die Kautschukfassung der Pressenotverordnung. So ist man dazu gekommen, das Privateigentum, das nebenbei die Zeitungen auch darstellen, unter teilweise oder völlige Enteignungsandrohung zu stellen. Wobei man— wenn das alles in seinen Zusammenhängen logisch aufgebaut sein soll,— offensichtlich von der Voraussetzung ausgegangen sein muß, daß die, zum Teil auch subalternen Bürokraten, die mit der Durchführung der Notverordnung betraut sind, vom Zeitungsgewerbe im Dienst der Oeffentlichkeit weit mehr verstehen als diejenigen, welche sich bisher als Verleger oder Journalisten damit abgegeben haben. F. M. Die Völker bekennen, daß Herr ist: der Christ! Getötet der Tod und die Sünde zerronnen, Erlösung in Fülle für ewig gewonnen. Er kommt! Ja, er kommt, jener Tag, des wir harten, Da Völker sich finden in Liebe und Treu, Der Herr aller Himmel wird König auf Erden Und selig die Menschheit sich gründet aufs neu, Der Tag, der der Heil'gen Gebete erfüllet, Der Tag, der das Suchen im Schauen uns stillet. Er kommt! Ja, er kommt, jener Tag, des wir harren, Auf Morgenrots Wolken sein Licht wir schon schauen. Noch herrschet das Dunkel in nebligen Tälern, Doch glänzt auf den Höhn jungen Tags erstes Grauen, Er kommt, um zu stillen der Trauernden Tränen, Er kommt, zu erfüllen der Heiligen Sehnen. Er kommt! Ja, er kommt! Heil dem Tag, des wir hacren, Der strahlendste Tag, der der Welt je geleucht't. Da er, der Allmächt'ge, alleine regieret, Und Satan und Sünde sein Angesicht fleucht! Da sündlos die Schöpfung, erlöst von all'm Streiten, Verkündet sein Lob bis in ewige Zeiten... Unser vollendeter Freund darf nun schon schauen, was auf Erden noch hinter dunklen, ach, so dunklen Wolken verborgen ist. Aber wir dürfen noch dienen auf dieser notvollen Erde, wir dürfen den Kampf weiter kämpfen. Wenn die bewährten Führer gefallen sind, so ist die Verantwortung der Lebenden um so größer und edler. Und wenn heute uns Deutschen das Herz bange werden will — der Blick auf den lebendigen Gott und den Er uns gesandt hat, Jesus Christus, wird uns stark machen, daß wir den Kampf um Seine heilige Sache wagen. Der Erzbischof sagte einmal:„Hat jemand die unsägliche Seligkeit geschmeckt, den Gekreuzigten zu entdecken wie erwas neues, dann versteht er, was es hier gilt.“— * Ihm leuchtet nun das königliche Gebetswort unseres sterbenden Heilandes:„Vater, ich will, daß wo ich bin, auch die bei mir seien, die Du mir gegeben hast, daß sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast... Uns aber gilt der Ruf, der diesen Mann im Leben gestaltet und im Sterben stark gemacht hat— der Ruf, dem Herrn nachzufolgen, in kindlichem Vertrauen und stätkem, tapferem Gehorsam— getreu bis an den Tod: Daß Gottes Name herrlich werde, und Seine Herrschaft komme und Sein Wille geschehe auf Erden! Dazu helse uns Gott in Gnaden! Amen. D. Soederblom Rede bei der Gedächtnisfeier auf dem Hainstein am 17. Juli 1931 (Schluß.) von Paul Le Seur. Eine besondere Freude war es, bei ihm und den Seinen im altehrwürdigen Bischofspalast in Upsala zu weilen. Bei seiner wundervoll mütterlichen Gattin, inmitten seiner großen Kinderschar, war er der prächtigste, schlichteste Hausvater— und der gütigste Wirt einer nie endenden Kette von Gästen aus aller Herren Länder.— Er ist mit Ehren überschüttet worden; noch vor kurzem ist ihm der Friedenspreis der Nobelstiftung verliehen, und er ist nie einem Würdigeren gegeben. Aber auch an herbstem Leid hat es ihm nicht gefehlt. Zu manchem anderen herben Schmerz kam in seinen letzten Jahren sehr viel körperliche Not. Feindschaft und Mißgunst haben sich ihm immer wieder in den Weg gestellt. Er hat etwas gewollt und getan; darum mußte er Gegner finden. Aber sehr traurig ist es, daß ihm oft kleinliches Nichtverstehen und Verurteilen selbst da begegnet sind, wo man anderes erwarten durfte. Aber ich habe aus seinem Munde nie ein bitteres oder auch nur ein klagendes Wort gehört. Er hat wundervoll die Weisung Luthers gelebt, daß man die anderen„entschuldigen, Gutes von ihnen reden und alles zum Besten kehren“ soll. Weil er unter dem Kreuz von Golgatha daheim gewesen ist, hatte er eine seltene Kraft. Aus tiefem eigenem Erleben hat er einmal gesagt:„Der Pfad des Leidens ist der Pfad Gottes.“ Bei aller weisen Neutralität seines Handelns hatte er doch für das bluts= und glaubensverwandte Deutschland besonders tieses Verständnis, und er hat dem in Wort und Tat starken Ausdruck gegeben. Wieviel hat er während des Krieges für unsere Kriegsgefangenen und Verwundeten, für unsere Frauen und Kinder getan! Mit großem Ernst hat er sich bemüht, die Kirchen der Welt zu einem Wort gegen das Schuldurteil von Versailles zu veranlassen. Mannhaft hat er sein gewichtiges Zeugnis gegen den Ruhreinbruch in die Welt hineingerufen. Seine Liebe zur alten Lutherburg hat im Hainsteinwerk tatkräftigen Ausdruck gesunden. Ohne seine starke Hilfe hätte diese Stätte kaum evangelischem Dienst gemeiht werden können. Er hat für dieses, in seinem weltweiten Arbeitskreis doch nur kleine Werk nicht nur äußere Hilfe geleistet. Mit ganz tiesem, eindringendem Verstehen hat er es begleitet. Wie in all seinem Schafsen hat er auch hier sein großes, gütiges Herz hineingeworfen. Wie innig er dem deutschen Wesen verbunden war, zeigen Worte wie dieses:„Kein Volk hat die Passion des Heilands in der Kunst und in der Musik so zur Darstellung gebracht, wie es die Deutschen getan haben. Die deutsche Passionskunst ist daher der bedeutendste Zusatz, der zu den Offenbarungsurkunden des Alten und Neuen Testaments gemacht worden ist. Wenn man mich nach einem fünften Evangelium fragte, würde ich nicht zaudern, die Darstellung des Geheimnisses der Erlösung zu nennen, die ihren Höhepunkt in Johann Sebastian Bach erreicht hat.“— So haben wir Deutschen in dem Heimgegangenen sonderlich viel verloren. Aber sein Segen wird mit uns sein, wenn wir seinem wegweisenden Rat folgen. Wie ein heiliges Vermächtnis ist für uns doch sein Wort: „Wenn Gott seiner Christenheit neue Erweckung und Geisteskraft gewähren wird, wird sie aus dem Leiden der deutschen Christenheit emporblühen.“ Und wenn uns in dunkler Notzeit, in Sturm und Nächten der Mut sinken will, dann mag uns ein anderes Wort des Vollendeten aufrichten:„Das Unmögliche wird durch die Kühnheit des Glaubens zustande gebracht.“—— Es war so schön, einen Mann wie den Erzbischof Soederblom auf dieser Erde zu wissen, und für uns auf dem Hainstein war es besonders köstlich. Aber nun ist er heimgerufen. Seiner Hand ist die Fahne entsunken, die er uns vorangetragen hat. Wir aber leben noch. Ob es so sein wird, wie der ehemalige Reichsgerichtspräsident D. Simons in seinem tiefen Nachruf sagt?„Vielleicht ist der Erzbischof zu rechter Zeit gestorben, um des furchtbaren Anblicks von Bürgerkrieg und Völkerkrieg enthoben zu sein.“ Wir wissen es nicht. Aber das ist gewiß wahr, was Präsident Simons hinzufügt:„Wenn Europa sich solchen Anblick ersparen will, muß es die Wege dieses Mannes gehen.“— Das ist das Vermächtnis dieses starken Gotteszeugen, daß wir den Weg in Treue gehen sollen, den er uns gewiesen hat. Er ließ auf der Stockholmer Konferenz immer wieder ein Lied seines Freundes Nathanael Beskow singen: In der leider nicht ganz glücklichen Uebersetzung (.=.=Lieder, Müller, Barmen, 330) heißt es so: O seliger Tag, des in Hoffnung wir harren, Da einstens die Welt Gottes Reich worden ist, Das Menschengeschlecht zur Befreiung gekommen, Neue Maerikeidereien Framtteicht! Die übliche Krise.— Frankreich will nicht mitmachen. Nun doch Politik? Die Verhandlungen der Finanzminister. — London, 22. Juli. Ueber den Gang der Verhandlungen der Finanzminister am Dienstag nachmittag sind bezeichnenderweise nur spärliche Andeutungen gemacht worden. Der Schwerpunkt der Besprechungen beruht auf der Frage, welche Schritte sofort getroffen werden müssen, um weiterem Kapitalabfluß aus Deutschland vorzubeugen. Da hierüber keine einheitliche Auffassung zu erzielen war, so wurde beschlossen, es den einzelnen Abordnungen zu überlassen, ihren Standpunkt in einem Bericht der Vollversammlung der Ministerkonferenz am Mittwoch vormittag vorzulegen. unterliegt keinem Zweifel, daß die Verhandlunggen, denen MacDonald ursprünglich einen ausschließlich finanztechnischen Charakter geben wollte, stark von politischen Gesichtspunkten beeinflußt wurden. Die Mitglieder des Ausschusses verpflichteten sich über ihre Verhandlungen solange Stillschweigen zu bewahren, bis ihre Berichte der Vollversammlung vorgelegt seien. Nach Schluß der sechsstündigen Sitzung stellte es sich heraus, daß den Anwesenden noch nichts von dem neuen Hoover=Memorandum bekannt war, obwohl dieses bereits am Nachmittag in den Zeitungen veröffentlicht wor. den war, * Die ersten Früchte der deutschfranzösischen„Verständigung“. Baldige Vertagung der Londoner Konferenz?— Frankreich an der Aufrechterhaltung seiner Kredite in Deutschland nicht interessiert. — Berlin, 21. Juli. Wie der„Berl. Börsenkurier“ meldet, hat die französische Delegation in London durch das Reuterbüro eine Erklärung verbreiten lassen, in der es heißt, man rechne damit, daß die Konferenz schon morgen auf unbestimmte Zeit vertagt werden solle. Frankreich stelle sich auf den Standpunkt, daß es nicht wie die anderen Mächte an der Aufrechterhaltung von Krediten in Deutschland interessiert sei. * Ernste Krise in London. London, 22. Juli. Die Aussichten der Konferenz werden in London fast durchweg pessimistisch beurteilt. Wenn nicht noch in letzter Minute irgend eine unerwartete Wendung eintritt, so ist nach Ansicht in Kreisen der englischen Ministerien der Zusammenbruch der Konferenz am Mittwoch so gut wie unvermeidlich. In französischen Kreisen will man bereits wissen, daß Briand und Laval am Mittwoch ihre Koffer packen und abfahren werden. Frankreich werde zwar dem neuen amerikanischen Plan seinen Segen erteilen, aber er sei derartig, daß nur die anderen Mächte, außer Frankreich, ein Interesse daran haben könnten, d. h. also, daß die Franzosen es England und Amerika überlassen wollen, die Hilfsaktion für Deutschland zu übernehmen. Dies erschiene im Augenblick als die einzig mögliche Lösung. Nach französischer Auffassung bestehe die hohe Wahrscheinlichkeit, daß am Mittwoch nachmittag oder spätestens am Donnerstag die Konferenz im allgemeinen Einvernehmen aufgelöst würde und daß man die Rettung Deutschlands den anderen Mächten überlasse. In den späten Abendstunden des Dienstag sind noch Anstrengungen gemacht worden, um noch irgendwie eine Annäherung der Parteien zu Stande zu bringen. Bis Mitternacht lag jedoch noch keine Meldung vor, die wirkliche Fortschritte zu berichten hätte. Es verlautet, daß die Franzosen unter Umständen zu einigen allerdings sehr unwesentlichen Zugeständnissen hinsichtlich ihrer Bedingungen bereit seien. Aber hierdurch hat sich die Lage nicht gebessert, da sie immer noch grundsätzlich an dem Gedanken einer langfristigen mit Bedingungen verknüpften Anleihe festhalten. Der Welt gegenüber verteidigen sie sich mit dem Bemerken, daß man Frankreich wirklich keine Schuld zuschieben könne, da es ja grundsätzlich zur Hilfe bereit gewesen wäre. Die Entscheidung, so nimmt man in London an, wird also am Mittwoch fallen. Hoovers zweiter Wie das Vertrauen zu Deutschland wiederhergestellt werden soll. Der amerikanische Staatssekretär Stimson teilte auf der Londoner Konferenz den amerikanischen Vorschlag mit, Einleitend weist der Vorschlag auf den Kern des Problems hin, das Vertrauen in Deutschlands Wirtschaft in Deutschland selbst wie im Auslande wiederherzustellen. Amerika hoffe, daß die Völker Europas durch gegenseitiges Verständnis und guten Willen alle Reibungsverhältnisse beseitigen. Die Notlage wäre eine Krisis der kurzfristigen Kredite, mit denen Deutschland seine Wirtschaft z. T. finanziert habe. Es liege kein Grund vor, die Sicherheit der Grundlage, auf der diese Kredite ruhen, zu bezweifeln, aber die Unsicherheit der letzten Wochen habe einen Verlust an Vertrauen und damit eine Belastung des Bank= und Kreditwesens Deutschlands gebracht. Als Folge gab es eine Flucht aus der Mark in Deutschland selbst, außerdem wurden ausländische Depositen abgezogen und die Kredite seitens ausländischer Banken beschnitten. Diese Bewegungen sind durch nichts zu rechtfertigen, und wenn sie durch eine gemeinsame Aktion aufgehalten werden können, so besteht kein Grund, daß die gegenwärtige Rotlage nicht sofort und endgültig überwunden werden könnte. Zur Frage der auswärtigen Kredite, so heißt es, glauben wir, daß eine erste Annäherung an dieses Prodlem in der Aufstellung eines Programms besteht, das eine Verlängerung der laufenden Kredite um eine angemessene Frist ermöglicht. Wir nehmen an, daß diese Kredite zusammen mit der Befreiung von den Reparationen und den sich aus der Behebung der Panik ergebenden natürlichen Gewinn genügen sollten, um den gegenwärtigen Bedarf der deutschen Wirtschaft zu decen. Staatssekretär Castle gab in Washington den Plan bekannt. Der Plan vermeidet, erklärte er, jegliches Eingehen auf französische finanzielle oder politische Bedingungen und bezeichnet als wichtigstes Problem die Nichtkündigung der gegenwärtigen kurzfristigen Kredite, sowie deren baldige Umwandlung in langfristige. Als einzige Garantie wird eine strikte Kontrolle seitens der Reichsbank bezüglich aller Transaktionen in fremden Devisen gefordert. § 5. Der Reichsminister der Finanzen wird ermächtigt, die Anteile der Länder an den Ueberweisungssteuern abweichend von der bisherigen Regelung zu entrichten.§ 53 des Finanzausgleichsgesetzes bleibt unberührt. Trägt ein Land einer öffentlich=rechtlichen Religionsgesellschaft gegenüber den Aufwand für die Bezüge ihrer Beamten, Wartegeldempfänger, Ruhegeldempfänger, Empfänger von Hinterbliebenenbezügen, Angestellten und Arbeiter ganz oder teilweise, so ist die oberste Landesbehörde befugt, entsprechend den für die Religionsgesellschaften gemäß§ 4 Abs. 3 vorgesehenen Regelungen über Teilleistungen des Landes und über die Zahlungstage hierfür von der bisherigen Regelung abweichende Vorschriften zu erlassen. § 6. für Dienstleistungen im Privatdienst die für einen Zeitraum von mindestens einem Monat gewährt werden, können vorübergehend von den Zahlungsverpflichteten an anderen als den bisherigen Auszahlungs= tagen ausgezahlt werden. Jedoch muß bei Monatsbezügen mindestens die Hälfte des Monatsbezuges am bisherigen Fälligkeitstage, der Rest zehn Tage später ausgezahlt werden; bei Bezügen, die für einen längeren Zeitraum als einen Monat gewährt werden, muß der auf einen Monat entfallende Teilbetrag mindestens je zur Hälfte am 1. und 15. dieses Monats ausgezahlt werden. § 7. Wird ein Schuldner durch die veränderte Zahlungsweise gemäß dieser Verordnung ohne sein Verschulden gehindert, eine fällige Mietszahlung zu leisten, so gelten die Rechtsfolgen, die wegen der Nichtzahlung oder der nicht rechtzeitigen Zahlung nach Gesetz oder Vertrag einireten, als nicht eingetreten. 8 8. Der Reichsminister der Finanzen kann Durchführungsund Ausführungsbestimmungen zu dieser Verordnung erDiese Verordnung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft. an Brüning. Telegramm nach London. „Frei von der Schuld am Kriege!“ — Berlin, 22. Juli. Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, der Vorsitzende der Deutschnationalen Volkspartei, Geheimrat Dr. Hugenberg, die Stahlhelmführer Seldte und Duesterberg, der Präsident des Reichslandbundes, Graf Kalckreuth, sowie Graf von der Goltz namens der Vaterländischen Verbände haben folgendes Telegramm an den Reichskanzler nach London gesandt: „Dem ursprünglich als Erleichterung gedachten Plan des amerikanischen Präsidenten Hoover werden die unverhüllten Absichten Frankreichs entgegengesetzt, das deutsche Volk auf die Dauer unter sein Diktat zu zwingen. So soll aus der Erleichterung eine Verschlimmerung werden. Es wird den verantwortlichen Kreisen in Frankreich nicht unbekannt sein, daß in unserem gequälten Volk, insbesondere in der Jugend, die Verzweiflung derartig angewachsen ist, daß allerorts gefährlichste Gedankengänge aufkeimen. Das deutsche Volk, das sich von der Schuld am Kriege frei fühlt, will und kann die ihm aufgezwungenen ungerechten Lasten nicht länger tragen. Erst recht aber ist eine weitere Schmälerung der deutschen Staatshoheit unerträg. lich und nicht zu verantworten. Die gesamte nationale Opposition macht daher in aller Form darauf aufmerksam, daß sie gemäß ihrer Grundeinstellung auch neue Bindungen, die gegenüber Frankreich eingegangen werden, als für sich rechtsverbindlich nicht ansehen wird.“ Gehanszatiung in Raten. Durch Notverordnung für alle Reichs-, Staats- und Kommunalbeamten angeordnet. Berlin, 22. Juli. Auf Grund des Artikels 48 Absatz 2 der Reichsverfassung hat Reichspräsident von Hindenburg die Reichsregierung durch Verordnung ermächtigt, Vorschriften zu erlassen über die Zahlungsweise 1. für Bezüge, die mit Rücksicht auf eine gegenwärtige oder frühere Tätigkeit im öffentlichen oder privaten Dienst gewährt werden, 2. für Anteile der Länder an den Ueberweisungssteuern, 3. für Leistungen der Länder an öffentlich=rechtliche Religionsgesellschaften. Ferner wurde die Reichsregierung ermächtigt, Vorschriften zum Schutze von Schuldnern gegen die sich aus der veränderten Zahlungsweise ergebenden Folgen zu erlassen. In Anwendung dieser Ermächtigung hat Reichsfinanzminister Dietrich als Vertreter des Reichskanzlers folgende Durchführungsverordnung erlassen: S 1. Die Dienstbezüge der Reichsbeamten und der Soldaten der Wehrmacht einschließlich des Gnadenvierteljahrs, b) die Versorgungsbezüge der Wartegeldempfänger und Ruhegeldempfänger des Reiches einschließlich des Gnadenvierteljahrs, c) die Versorgungsbezüge der Hinterbliebenen von Reichsbeamten und Soldaten der alten und neuen Wehrmacht, d) die Uebergangsgebührnisse der Soldaten der Wehrmacht nach§§ 7, 27, 32 und 70 des Wehrmachtversorgungsgesetzes und die entsprechenden Uebergangsgebührnisse der Polizeibeamten beim Reichswasserschutz, e) die Dienstbezüge der Postagenten der Deutschen Reichspost, sowie der Untererheber und Hilfskassenverwalter der Reichsabgabenverwaltung, s) die laufenden Bezüge, die ehemaligen Angestellten und Arbeitern im Reichsdienst einschließlich des Dienstes bei der Deutschen Reichspost und ihren Hinterbliebenen mit Rücksicht auf das frühere Dienstverhältnis außerhalb der reichsgesetzlichen Sozialversicherung gewährt werden.(Ruhelohn, laufende Unterstützungen usw.) sind vorübergehend in der Weise auszuzahlen, daß die des Monatsbezugs am bisherigen Auszahlungstage, der Rest zehn Tage später ausgezahlt wird. Die Reichstagsbeamten stehen den Reichsbeamten gleich. Zu den Dienstbezügen der Reichsbeamten und der Soldaten der Wehrmacht im Sinne des Abs. 1, a gehören alle Geldbezüge, die sie mit Rücksicht auf ihre hauptamtliche oder nebenamtliche Dienstleistung erhalten. S 2. § 1 gilt entsprechend für die Amts= und Versorgungsbezüge sowie das Uebergangsgeld des Reichspräsidenten, des Reichskanzlers und der Reichsminister sowie für die Versorgungsbezüge ihrer Hinterbliebenen. S 3. Auf die Zahlungsweise für die Bezüge der Angestellten im Reichsdienst einschließlich des Dienstes bei der Deutschen Reichspost findet§ 1 Abs. 1 und 3 entsprechende Anwendung. § 4. Die Länder, Gemeinden(Gemeindeverbände) und sonstigen Körperschaften des öffentlichen Rechts sind berechtigt und verpflichtet, den§§ 1 und 3 entsprechende Regelungen zu treffen. Zu den Körperschaften des öffentlichen Rechtes im Sinne dieser Verordnung gehören auch die Anstalten, Vereine und Stiftungen des öffentlichen Rechts, die Unternehmungen, deren Gesellschaftskapital sich mit mehr als der Hälfte im Eigentum von Körperschaften des öffentlichen Rechtes befindet, Eigentum von Körperschaften und Einrichtungen, deren Einkünfte mit mehr als der Hälfte von solchen Unternehmungen oder von Körperschaften des öffentlichen Rechtes herrühren. Die Reichsbank und die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, die von sich aus eine den§§ 1 und 3 entsprechende Regelung treffen, gelten nicht als Körperschaften des öffentlichen Rechtes im Sinne dieser Verordnung. Den öffentlich=rechtlichen Religionsgesellschaften bleibt es überlassen, den Vorschriften der§§ 1 und 3 entsprechende Regelungen zu treffen. Die Reichsbank, die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft und die öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaften sind ermächtigt, dem§ 1 Abs. 1, f und§ 3 entsprechend zu verfahren. Kommunisten und Volksentscheid. Sie wollen sich beteiligen. Berlin, 21. Juli. Die kommunistischen Fraktionen im Preußischen Landtag und Preußischen Staatsrat haben der preußischen Regierung folgende schriftlich formulierte Forderungen übermittelt: 1. Herstellung der vollen Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit für die Arbeiterschaft, Außerkraftsetzung der Notverordnungen und Zwangsmaßnahmen im preußischen Staatsgebiet; 2. sofortige Zurücknahme aller Abbaumaßnahmen gegen alle Unterstützungsempfänger, insbesondere der Erwerbslosen, sowie die Zurücknahme des Gehaltsabbaues für die unteren Beamten; 3. Sicherung der vollen und sofortigen Auszahlung aller kleineren Guthaben bei allen preußischen Sparkassen; 4. sofortige Aufhebung des Verbotes des Roten Frontkämpferbundes als der Kampforganisation gegen Nationalsozialisten und Stahlhelmer. Die kommunistische Landtagsfraktion ersuche die Staatsregierung um eine verbindliche Stellungnahme zu diesen Forderungen bis zum Mittwoch. Von der Annahme oder Nichtannahme dieser Forderungen macht die kommunistische Partei ihre Stellungnahme zum Volksentscheid über die Auflösung des preußischen Landtages abhängig. Die Forderungen wurden am Dienstag abend durch die Abgeordneten Koenen, Schwenk und Hoffmann dem Ministerium überreicht. Konkursverfahren gegen Norowolle. — Bremen, 22. Juli. Die Justizpressestelle Bremen keilt mit, daß über das Vermögen der Norddeutschen Wollkämmerei und Kammgarnspinnerei in Bremen der Konkurs eröffnet worden ist. Die vier stellvertretenden Vorstandsmitglieder und Rechtsanwalt Dr. Lifschitz sind beim Konkursrichter erschienen und haben erklärt, daß die Gesellschaft zahlungsunfähig ist. Zum Konkursverwalter wurde Rechtsanwalt Dr. Heinemann, Bremen. ernannt. 1 K Freiheitsruf der Saar. Einheitsfront aller Parteien des saarländischen Landesralz — Saarbrücken, 22. Juli. Im saarländischen Landesrat ließen sämtliche bürgerlichen Parteien und die Sozialdemokraten eine Erklärung verlesen, in der der Hoffnung auf einen erfolgreichen Abschluß der Londoner Verhandlungen Ausdruck gegeben wird. Es erscheine notwendig, heißt es in der Erklärung, in diesem Zusammenhange auf die endgültige Bereinigung der Saarfrage im Sinne einer baldigen Wiedervereinigung des ganzen Gebietes und Volkes mit dem angestammten Vaterlande hinzuweisen. Die gegenwärtigen Verhandlungen, die zu einer Bereingung aller zwischen Deutschland und Frankreich schwebenden Fragen führen müßten, die der wahen Verständigung und Befriedung im Wege sind, müßten auch die Wiedervereinigung des Saargebietes mit dem Reich bringen. Zum Schluß wird gegen die französische Propaganda im Saargebiet protestiert. Die Bevölkerung wird aufgefordert, der deutschen Währung zu vertrauen. Zuschläge für Steuerrückstände. Eine Notverordnung des Reichspräsidenten. Auf Grund des Artikels 48, Absatz 2, hat der Reichspräsident eine Notverordnung erlassen, die Verzugszuschläge und Verzugszinsen für rückstandige Steuern festsetzt. Wird eine Zahlung, die vor dem 1. August 1931 fillig wird, nicht bis zum Ablauf des 31. Juli 1931 entrichtet, so ist für jeden auf den Monat Juli 1931 folgenden angefangenen halben Monat ein Zuschlag in Höhe von fünf vom Hundert des Rückstandes zu zahlen. Wird eine Zahlung, die nach dem 31. Juli 1931 fällig wird. nicht rechtzeitig entrichtet, so ist für jeden auf den Zeitpunkt der Fälligkeit folgenden angefangenen halben Monat ein Zuschlag in Höhe von fünf vom Hundert des Rückstandes zu zahlen. Für gestundete Beträge und bei Beträgen unter zehn Mark werden keine Zuschläge erhoben. Soweit nicht Verzugszuschläge erhoben werden, sind von der Fälligkeit an Verzugszinsen zu zwei vom Hundert monatlich zu entrichten. Gestundete Steuern sind, sofern nicht zinslose Stundung bewilligt ist, mit jährlich 5 bis 12 vom Hundert zu verzinsen. Der Weg des Gewitters. Vier Personen getötet.— Ungeheurer Sachschaden. In den Abendstunden entlud sich über Lublin(KongreßPolen) und Umgebung ein Gewitter von ungewöhnlicher Stärke und richtete außerordentlichen Schaden an. Mehrere hundert Häuser wurden eingerissen oder schwer beschädigt. Acht Waggons, die hier im Bahnhof standen, wurden umgerissen, unter ihnen zwei Waggons, in denen sich Rennpferde befanden. Ganze Dächer, Scheunen und Telegraphenstangen wirbelten durch die Luft. Nach den bisherigen Feststellungen sind vier Personen getötet worden, unter ihnen ein Kutscher, den der Sturmwind mitsamt dem Wagen und den Insassen hochriß und auf die Erde zurückschleuderte. Die übrigen Insassen des Wagens wurden schwer verletzt. Die Gesamtzahl der Schwerverletzten läßt sich zur Zeit nicht feststellen, ebensowenig der Schaden, den das Unwetter anrichtete. Hochwasser in Tirol. Wegen Hochwassers wurde der gesamte Verkehr auf der Pinzgauer Lokalbahn eingestellt. Zwischen Ottendorf und Stuhlfelden ist ein Dammbruch der Veitschach eingetreten. Die Strecke steht unter Wasser. Auf der Strecke zwischen Mittersill und Hollersbach ist der Damm unterwaschen. Autogarage mit drei Wagen abgebrannt Gefährlicher Brand in Freienwalde. In der Garage in Demuths Hotel in Bad Freienwalde kam abends vermutlich durch Fahrlässigkeit ein Feuer aus, das sehr bedenklich zu werden schien und nur durch das schnelle Eingreifen der Freiwilligen Feuerwehr eingedämmt werden konnte. In kurzer Zeit waren die drei in der Garage befindlichen Autos, die in dem Hotel abgestiegenen Reisenden gehörten, in dichte Flammen gehüllt. Das Einfahrtstor, das ebenso wie zwei Seitenwände und das Dach aus Holz bestand, war bald ein Spiel der Flammen. Die drei Wagen und ein Pferdefuhrwerk wurden vernichtet. Glücklicherweise kam es zu keiner Explosion der Benzintanks. Wenige Minuten nach Alarmierung erschien der Autolöschzug und gab aus zwei B= und zwei=Leitungen Wasser. Dadurch konnte ein Einsturz des stark verkohlten Daches verhütet werden. Eine Holz= und eine Heumiete hinter der Garage wurden abgelöscht. Forschungsheim Wittenberg. Von Ludwig Heine. An alter Lutherstätte, in einem Jahrzehnt wichtiger Luthererinnerungen, wurde vor einigen Jahren das Evangelische Forschungsheim für Weltanschauungskunde begründet. Die jahrzehntelange stille Gelehrtenarbeit des Pfarrers und Dr. med. h. c. Kleinschmidt fand damit eine verdiente Krönung. Er ist ein weit über Deutschlands Grenzen hinaus bekannter naturwissenschaftlicher Forscher und Fachmann von Rang, was durch die Verleihung des medizinischen Ehrendoktors anerkannt worden ist. Generalsuperintendent D. Schöttlers Blick und Kraft hat besonders zur Begründung des Forschungsheims geholfen. Die sächsische Provinzialsynode 1927 hatte Weitblick genug, sich für den Plan erwärmen zu lassen. Was will das Heim? Nicht eine konfessionelle Weltanschauung entwickeln! Wohl aber tut es dringend not, der Oeffentlichkeit zu zeigen, daß vom Standpunkt des christlichen Glaubens aus entscheidendes zur unvoreingenommenen naturwissenschaftlichen Arbeit zu sagen ist, ohne daß dadurch der Forschung ihr wesens= und artfremde Fesseln auferlegt werden. Voraussetzungslose Forschung gibt es ja in der Tat nicht. Deshalb werden Gottlosigkeit und Gottgebundenheit die Linienführung und Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschung stets verschieden werten und deuten. Mit dem Wittenberger Forschungsheim verbunden sind sehr wertvolle Sammlungen. Das erste, was man bei einem Rundgange durch die Räume lernt, ist eine große Vorsicht und Selbstbescheidung des Urteils. An der einen Wand befindet sich ein langes Band in verschiedenen Farben. Erst ein Punkt, dann ein Zentimeter von anderer, dann zehn Meter von wieder anderer Farbe. Was soll dieses Symbol bedeuten? Der Punkt bezeichnet die ganz geringe Ausdehnung der 5 bis 6 Jahrtausende geschichtlicher Zeit; der eine Zentimeter die längere Spanne, über die man aus Funden Schlüsse ziehen kann; die zehn Meter deuten auf die Entwicklungsepoche des Erdgeschehens, über die keinerlei Funde(weder jetzt noch voraussichtlich später) irgendetwas aussagen werden. Die sehr kühnen entwicklungsgeschichtlichen Aussagen früherer Jahrzehnte sind durchaus keine sicheren Ergebnisse der Forschung. Kleinschmidts Arbeit baut sich auf dem geschichtlichen und durch vorgeschichtliche Funde gesicherten Erfahrungskreise auf und kommt hinsichtlich der Entwicklung und des Aufbaus der Welt der irdischen Lebewesen zu Ergebnissen, welche einen klaren Strich gegen den Materialismus früherer Perioden ziehen. Besonders beachtenswert ist seine„Formenkreislehre“, welche eine sehr klare und überzeugende Uebersicht der irdischen Lebensentwicklung gibt, ohne daß sich daraus eine Frontstellung gegen den Schöpferglauben ergibt.— Es ist deshalb gerade ein besonderes Verdienst des Forschungsheims und seiner beiden Berufsarbeiter(Dr. med. h. c. Kleinschmidt und Dr. phil. Ernst), daß sie mit ihren Ergebnissen die naturwissenschaftliche Forschung auch von hergebrachten materialistischen Bindungen befreit haben. Interessierte Kreise, welche nach Wittenberg kommen(Pfarrer, Lehrer, Aerzte, Naturforscher), finden dort nicht nur vieles, was die pietätvolle Erinnerung an Luther wach erhalten will, sondern in dem Forschungs. heim für Weltanschauungskunde“ ein Denkmal lebendi. ger Arbeit, die wir auch als eine schöne Frucht der refor. matorischen Bewegung ansprechen dürfen. Sie mögen nicht versäumen, sich auch dort(im alten Schlosse) anzu, melden. Die Sammlungen werden ihnen manchen neuen Ausblick für naturwissenschaftliches Denken und Arbei, ten mitgeben. Bücher und Zeitschriften. Die hier angezeigten Bücher sind zu beziehen durch die Buchhandlung der Anstalt Bethel. Das Damaskuserlebnis des Paulus in seinen Selbstzeugnissen. Eine biblische Studie von Heinrich Steege. 112 Seiten. Kasch 2,40 Mk. Furche=Verlag G. m. b.., Berlin NW. 7. Die Einheit der Christenheit. Ein Bibelstudium zu den Gemeindebriefen des Paulus von Reichs bart D. Erich Stange. 80 Seiten Text, 16 Seiten Schreibpapier. Kasch. 2,— Mk. Furche. Verlag G. m. b.., Berlin NW. 7. Der Furche=Verlag gibt seit einiger Zeit Bibelstudienbücher heraus, die gleich fruchtbar für privates Bibelstudium und für Bibelbesprechungen zu verwerten sind. Das Buch von Heinrich Steege sinnt dem Damaskuserleben des Paulus nach und lehrt uns, vor Gottes Wirken in Gehorsam stille zu stehen. Man wird das Buch mit tiefem Nachdenken aus der Hand legen und zu neuem Durchforschen des Lebens des großen Apostels angetrieben sein. Stanges Buch kann man nicht lesen; man muß es ganz besonders ernsthaft durcharbeiten und durchleben. Jede Seite bringt eine Fülle von Fragen, die uns zur Mitverantwortung aufrufen, die wir alle für die Einheit der Christenheit tragen. Der neue aufbrechende ökumenische Sinn in der Christenheit empfängt hier eine große Bereicherung, denn Stange bemüht sich, den ökumenischen Gedankengängen des Paulus nachzugehen, seine tiefe apostolische Verantwortung für die Völkerwelt aufzuweisen. J. Aus zwei Menschenaltern kirchlichen Lebens. Von Gen.=Sup. D. Hans Schöttler. Ev.=Soz. Preßverband der Provinz Sachsen. 1931. Brosch. 1,25, in Leinen 1,75 Mk. Zum 70. Geburtstage des Verfassers hat der Verlag diese Lebenserinnerungen herausgebracht, die sicherlich nicht nur bei denen, die dem Verfasser persönlich nahestehen, sondern auch bei vielen andern ein dankbares Echo finden. Der Lebensweg und die Lebensarbeit dieses kirchlichen Führers ist bewegter und vielseitiger als die mancher anderen, darum ist sein Buch eine Quelle von Anregung und Bewährung für kirchliche Arbeit. Bemerkenswert ist das Urteil über die Gegenwartsaufgabe von Theologie und Kirche, das der Verf. im Anschluß an Schleiermachers Wort:„Die Reformation geht fort“ dahin abgibt: unser Volk soll weniger theologisiert, als vielmehr evangelisiert werden; d. h. es soll zu dem Erlebnis der Gotteskindschaft in Christo Jesu kommen. D. Hellmuth Schreiner, der Direktor des Johannisstifts, Berlin=Spandau, gibt dem in Kürze erscheinenden Sonderheft der evangelischen Bücherzeitschrift„Das Glückhaft Schiff“ die Einführung:„Recht und Unrecht der Gottlosenbewegung". Das Heft, das in jeder evangelischen Buchhandlung kostenlos zu haben ist(Versandstelle J. F. Steinkopf, Stuttgart), und das sich auch zur Verbreitung in evangelischen Verbänden besonders eignet, will sich nicht darauf beschränken, nur die besonderen Abwehrschriften aufzuführen, sondern will zu den Fragen und Nöten, die durch den Ansturm der Gottlosenbewegung offenbar werden, geistiges Rüstzeug bieten. In diesem Heft wird damit Ernst gemacht, daß es in Deutschland zu einer solchen Bewegung, die allerdings politisch und künstlich geschürt ist, nicht gekommen wäre, wenn die christliche Tat wirklich dem christ lichen Wort gefolgt wäre. Aus dem Ringen um diese Menschen, die sich gottlos nennen, aus dem Kampf gegen den Geist der Gottlosigkeit in der christlichen und unchristlichen Welt, werden hier geistige Waffen geboten für den, der in seinem Kreis in der Stille oder in der Oeffentlichkeit seine Pflicht als Christ und als Deutscher tun will. Liebes und Leides aus Kamerun. Erlebnisse im Missionsdienst von A. Rein=Wuhrmann. 148 Seiten mit 15 Bildtafeln. Kart. 3,20, gebunden 4,— Mark. Ev. Missionsverlag, G. m. b.., Stuttgart, Kasernenstraße 21. Wer einmal etwas von der Verfasserin gelesen hat, greift mit Freude zu diesem Buch, einer Nachlese aus den Tagen ihrer Missionstätigkeit. Und er wird nicht enttäuscht. Es sind bunte Geschichten, traurige und fröhliche, wie sie das Leben mit sich bringt. Aber sie lassen uns hineinschauen in das Herz eines schwarzen Volkes und in das liebende Herz einer tapferen Christin. Wir danken ihr auch für diese Gabe an die deutsche Missionswelt. C. R. Bethel bei Bielefeld. Die staatl. anerk. Haushaltungsschule Eckardtshaus der Wests. Diakonissenanstalt Sarepta bietet in ihrem Internat Cöchtern christl. Familien Ausbildung in allen Zweigen des Haushalts. Gründliche hauswirtschaftliche Durchbildung ermöglicht Eintritt in praktische Berufe. Vertiefung der Allgemeinbildung, Lebensschulung sind Ziele der Schule. 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