= Anzeigenpreis:= Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mr. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 163. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 16. Juli 1931. 13. Jahrgang. = Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Christliches Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und und„Anser Ziel.“ Man soll nicht glauben, zum Nachteil der Liebe, sondern die Liebe zu mehren brauchen. Melanchthon. Auilnihniiiiiiinn Sind die heutigen Wirtschaftsweisen in der Landwirtschaft richtig? Von G. A. Baade=Bethel. (Schluß.) Ist es verwunderlich, wenn sich neben den achtunggebietenden Erfolgen, welche die nur skizzenhaft angedeutete Entwicklung zu verzeichnen hat, mit der Zeit auch Schwächen und Schäden einstellten? Mit der Einseitigkeit, der sogenannten Spezialisierung in vielen Betrieben, mit der Zucht und Haltung auf bestimmte Höchstleistungen mußte die sogenannte Anfälligkeit, die Krankheitsbereitschaft für Pflanzen und Tiere wachsen. Geh.Rat Prof. Dr. von Rümker sagt in seiner 1912 herausgegebenen Schrift„Die Ernährung unseres Volkes aus eigener Produktion“:„... je mehr der Faktor„Natur“ in unserer Ackerwirtschaft durch„Kapital" und„Arbeit“ zurückgedrängt wird, desto mehr wird man gegen die Pflanzenschädlinge und Krankheiten aller Art anzukämpfen haben. Das liegt in der Natur der Sache und kann nicht anders sein.“ Was Geheimrat won Rümker über die Pflanzenzucht sagt, gilt auch für die Tierzucht und gilt ferner auch für die Grundlage der Landwirtschaft, für den Ackerboden. Aber zur Ehre des Zweiges der landwirtschaftlichen Wissenschaft, welcher der Bekämpfung der Tier=, Pflanzen= und Bodenkrankheiten dient, muß gesagt werden, daß auch er nicht müßig war und Mittel und Wege fand, Krankheiten, Seuchen und Schädigungen erfolgreich zu bekämpfen, zu mildern und zu verhüten. Hierbei muß ich kurz auf ein Kapitel der Veterinärmedizin eingehen, das für den Wert und die Bedeutung einzelner wissenschaftlicher Forschungsergebnisse ebenso interessant wie lehrreich ist. Als die Bakteriologen die Erreger einzelner Tierseuchen festgestellt hatten, legten Wissenschaft und Praxis ihr Hauptaugenmerk auf die Fernhaltung, bezw. Bekämpfung des Erregers. Um die Ställe gut und leicht desinfizieren, keimfrei machen zu können, wurden Zement= oder Steinställe gebaut, die im krassen Widerspruch zu den natürlichen Lebensbedingungen der Tiere standen, aber den Anforderungen der modernen Stall=„Hygiene“ angepaßt waren. Erst als die Schweine auf diese Haltung mit Siechtum oder Tod antworteten, erkannte man, wie viel besser die Väter, die noch nichts von Seuchenerregern wußten, gebaut hatten. Und erst in neuerer Zeit kam und kommt den Veterinärmedizinern und Landwirten die Erkenntnis, daß im allgemeinen die Bedeutung des Erregers überschätzt wurde, daß die Krankheitsbereitschaft— meist hervorgerufen durch Haltungsfehler— wichtiger für die Auslösung der Seuche ist als der Erreger. Hätte ein ernster Wissenschaftler das, was heute als Binsenweisheit gilt, am Ausgange des vorigen Jahrhunderts gesagt, dann wäre er von seiner Zunft in Acht und Bann getan worden. Trotz aller Erfolge in der Bekämpfung der Pflanzen und Tierkrankheiten tauchen immer wieder neue Krankheiten und Seuchen auf, und ich fürchte, die bisherigen Mittel reichen nicht an die Wurzel des Uebels. Bei den Tierkrankheiten spielen die Erscheinungen, die auf ein Nachlassen der Zeugungskraft bei unseren Haustieren deuten, besondere Beachtung. Nur in kurzen Zügen konnte ich den Gang der Entwicklung unserer Landwirtschaft vom Beginne des 19. Jahrhunderts bis heute schildern. Es kam mir darauf an, zu zeigen, wie zwangsläufig die Entwicklung in mancher Hinsicht war und wie ferner die Forschungsergebnisse eines Mannes die Landwirtschaft der letzten 80 Jahre beeinflußt haben. Mit größter Hochachtung gedenke ich der führenden Männer aus Wissenschaft und Praxis, denen wir die großen Erfolge in der Landwirtschaft in erster Linie verdanken. Aber ich übersehe nicht die Gefahren, die sich im Laufe der Zeit einstellten. Ich betone ausdrücklich, daß auch führende Männer aus den Kreisen der Wissenschaft und Praxis immer wieder vor übertriebenen Leistungssteigerungen und einseitigen Betriebsweisen gewarnt haben. Ihre Besserungsvorschläge stützten sich aber fast ausnahmslos auf die exakten Forschungsergebnisse der modernen Naturwissenschaft. Und unsere heutige naturwissenschaftliche Denkungsweise ist m. E. zu einseitig. Den anthroposophischen Landwirten gebührt m. E. das Verdienst, die Bedeutung der Landwirtschaft als Organismus wieder voll erkannt zu haben. Wenn ich die Führer der biologisch=dynamischen Wirtschaftsweise recht verstehe, dann gipfelt ihre Kritik an der jetzigen landwirtschaftlichen Wirtschaftsweise in der Behauptung, die Harmonie in der Landwirtschaft ist gestört und das heißt: die nach dem Willen des Schöpfers für die Landwirtschaft aufgestellte Ordnung ist gestört. Der moderne Mensch erkennt nur das an, was sein Verstand begreifen, was er durch exakte Versuchsergebnisse nachweisen und erklären kann. Und so ist ihm das Gefühl für alles nicht Meß= und Wägbare, für viele Kräfte, die im Weltall wirken, allmählich verloren gegangen. Dadurch wurde die landwirtschaftliche Wirtschaftsweise mit der Zeit unnatürlich und der landwirtschaftliche Organismus krank oder wenigstens krankheitsbereit. Das Ziel der biologisch=dynamischen Wirtschaftsweise ist nun die Wiedergesundung der Landwirtschaft. Sowohl hinsichtlich der Beanstandungen in der jetzigen Wirtschaftsweise als auch der Zielsetzung der biologisch=dynamischen Wirtschaftsweise stimme ich den anthroposophischen Landwirten im großen und ganzen zu. Ob sie mit den vorhin genannten Mitteln ihr Ziel ganz erreichen werden, ist eine Frage, über die ich mir heute noch kein Urteil erlauben kann, weil dazu meine Erfahrungen auf diesem Gebiete noch nicht ausreichen. Daß die empfohlenen Düngerzusatzpräparate und die Spritzmittel wirken, davon konnte ich mich bereits überzeugen. Die Zukunft wird lehren, wie weit die Hoffnungen der anthroposophischen Landwirte erfüllt werden können. Auf die einzelnen Hilfsmittel möchte ich nicht näher eingehen. Ihre Stalldüngerzubereitungsart interessiert mich besonders. Die von der Wissenschaft empfohlene Stalldüngerkonservierungsmethode setzt sich die möglichste Erhaltung der im Stalldünger enthaltenen Nährstoffe und besonders des teuren Stickstoffes zum Ziele. So wichtig die Erhaltung der Nährstoffe im Stallmiste auch ist, so bin ich doch fest davon überzeugt, daß die spezifische Bedeutung des Stalldüngers nicht in seiner chemischen, sondern in seiner biologischen Wirkung ihren Grund hat. Schon vor 25 Jahren gewann ich den Eindruck, daß die Wissenschaft das Problem der Stallmistkonservierung viel zu einseitig vom Standpunkte des Chemikers aus betrachtete. Aufs Ganze ist die Zahl der Landwirte, die der biologisch=dynamischen Wirtschaftsweise ihre Aufmerksamkeit schenkte, verschwindend klein. Trotzdem ist es erklärlich und berechtigt, wenn schon jetzt einzelne Vertreter der landwirtschaftlichen Wissenschaft Stellung zu den Vorschlägen des Versuchsringes anthroposophischer Landwirte nehmen. Kürzlich schickte mir die landwirtschaftliche Beratungsstelle Münster i. W. der J. G. Farbenindustrie=Aktiengesellschaft einen Vortrag von Herrn Professor Dr. H. Neubauer über die biologisch=dynamische Wirtschaftsweise, Agrikulturchemie und Landwirtschaft, gehalten in der Oekonomischen Gesellschaft in Sachsen zu Dresden am 13. März 1931. Wer den Vortrag von Herrn Prof. Dr. Neubauer mit meinen Ausführungen vergleicht, wird den grundsätzlich unterschiedlichen Standpunkt der beiden Beurteiler deutlich spüren. Scheinbar stehen hier zwei Welten einander gegenüber: die„sachliche Kritik“ des mit dem erforderlichen Rüstzeuge ausgestatteten gelehrten Landwirts und die Ansicht des einfachen Bauern. Beide wollen der deutschen Landwirtschaft dienen. Mein Wunsch geht dahin. daß es den Vertretern beider Richtungen gelingen möchte, die strittigen Fragen zu klären. Da mich Erfahrung auch auf anderem Gebiete lehrte, daß es in der Regel ein schiefes Urteil gibt, wenn man den Wert einer Methode lediglich nach ihren Erfolgen oder nur nach ihren Zersetzungserscheinungen feststellt, so habe ich mich bemüht, neben den großen Erfolgen unserer bisherigen Wirtschaftsweise auch ihre Schwächen zu nennen. Wer die biologisch=dynamische Wirtschaftsweise nur nach ihren z. T. wunderlich erscheinenden Hilfsmitteln beurteilt, wird dieser Bewegung nicht gerecht. Am Schluß möchte ich noch auf einen Einwand, der oft erhoben wird, eingehen. Mancher Landwirt hat mir gesagt, wenn wir die biologisch=dynamische Wirtschaftsweise allgemein einführen, dann werden unsere Erträge in der Landwirtschaft zurückgehen und die Volksernährung wird gefährdet. Wer meinen einleitenden Ausführungen über die landwirtschaftliche Weltüberproduktion zustimmt, wird mir wohl recht geben, daß ein#vtl. kleiner Rückgang der landwirtschaftlichen Erzeugung in Deutschland keine ernste Gefahr für die deutsche Volkswirtschaft bedeuten würde. Die biologisch=dynamische Wirtschaftsweise erfordert einen kleineren Betriebsmittelaufwand und wenn die Ertragsminderung sich innerhalb der Grenzen des jetzigen Kunstdüngeraufwandes halten würde, so wäre auch privatwirtschaftlich nichts zu befürchten. Ich bin schon jetzt fest davon überzeugt, daß sich gute Durchschnittserträge mit Hilfe der biologisch=dynamischen Wirtschaftsweise gewinnen lassen und daß das Ziel, dem wir zustreben müssen: die Nahrungsmittelfreiheit Deutschlands, sicher erreicht wird, wenn wir die Vorschläge des Versuchsringes anthroposophischer Landwirte vorsichtig prüfen und dann das, was sich als richtig erweist, beherzigen. Die biologisch=dynamische Wirtschaftsweise ist m. E. von größter Bedeutung für unsere gesamte Wirtschaft. Unsere gesamte Wirtschaft ist, wie ich eingangs auszuführen versuchte, in Unordnung geraten, die Harmonie gestört. Je mehr der Mensch durch das Kapital und die Maschine zurückgedrängt wird, desto unnatürlicher und krankheitsbereiter wird die Wirtschaft. Die Wirtschaft „organisiert",„rationalisiert“ und„mechanisiert“ sich und die Menschen zu Tode. Unser Uebel wurzelt letzten Endes in unserer verkehrten Geistesrichtung. Bei all den staunenswerten Leistungen auf den Gebieten der Naturwissenschaft und Technik haben wir übersehen, daß der Erdball mit allem Zubehör— wie ich es nennen möchte— ein feingegliederter Organismus ist. Man kann wohl einige Zeit, aber nicht auf die Dauer, ungestraft gegen die göttliche Schöpferordnung sündigen. Die schnelle industrielle Entwicklung Deutschlands in den vier letzten Vorkriegsjahrzehnten, die Landflucht und die Zunahme der Großstadtbevölkerung waren unnatürlich und ungesund. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß es dank den Fortschritten auf den Gebieten der Chirurgie, der Seuchenbekämpfung und der allgemeinen Wohlfahrtspflege gelang, die Sterblichkeit einzudämmen und das durchschnittliche Lebensalter zu erhöhen. Die Lebenskraft des Volkes ist zurückgegangen. Die Vorbedingung für die Rückkehr zu gesunderen Lebensverhältnissen und für die Gesundung der gesamten deutschen Wirtschaft ist eine gesunde Landwirtschaft; denn nur eine gesunde Wirtschaft ist im besten Sinne des Wortes leistungsfähig. Und da alle Vorschläge der Vertreter der biologisch=dynamischen Wirtschaftsweise auf eine Gesundung hinzielen, so ist sie m. E. von größter allgemeiner Bedeutung. Ich weiß, daß ein bewußter Verzicht auf manche Errungenschaft der Neuzeit und eine Rückkehr zu alten Wirtschaftsmethoden und Hilfsmitteln sehr schwer ist, denn wer den Mut hat, anders zu handeln als die Vertreter der zünftigen Wissenschaft und ihrer Anhänger, setzt sich dem Spotte und Hohne der Mitmenschen aus. Seitdem ich die Ueberzeugung gewann, daß nicht allein der verlorene Krieg an unserer Wirtschaftskrise die Schuld trägt, daß der Geist, der die gesamte Wirtschaft bereits in den Jahren vor dem Kriege beherrschte, mit verantwortlich zu machen ist für unsere Notlage, halte ich Ausschau nach Methoden, die nicht im rein Materiellen wurzeln. Dabei bin ich mir völlig klar, daß auch die Ansichten der anthroposophischen Landwirte nicht den letzten Schluß der Weisheit bedeuten. Aber der sittliche Ernst, der die anthroposophischen Landwirte, die ich bislang kennen lernte, beseelt, und ihre praktischen Erfolge verpflichten mich zu einer sorgfältigen Prüfung ihrer Wirtschaftsweise und geben mir die Hoffnung, daß wir in der biologischdynamischen Wirtschaftsweise mit ein Hilfemittel besitzen, unsere Not zu meistern. Unter der Geschäftsaufsicht des Weltkapitals. Der Zusammenbruch eines Systems. Lange Wochen banger Ungewißheit lasten schwer über Deutschland. Hat Hoovers Botschaft zunächst in vielen Deutschen die irrige Hoffnung geweckt, daß nun bald alles anders und besser werden würde, so mußte eine stumpfe Verzweiflung alle die erfassen, die auf einmal mit Schaudern wahrnehmen, daß durch das Einspringen Amerikas der völlige Zusammenbruch Deutschlands zwar aufgehalten, aber keineswegs verhindert werden konnte. „Deutschland ist am Ende seiner Kraft“, hat Reichskanzler Brüning bei dem Erlaß der letzten Notverordnung der aufhorchenden Welt in sehr unbezweifelbarer Form mitgeteilt. Ein Unternehmen, welches am Ende seiner Kraft angelangt ist, stellt sich unter Geschäftsaufsicht. Wer will noch bezweifeln, daß die Firma„Deutsches Reich“ sich unter Geschäftsaufsicht gestellt hat? Man unterscheidet 2 Arten von Geschäftsaufsichten: die„außergerichtliche Geschäftsaufsicht“ und die„gericht I liche Geschäftsaufsicht". Bei der ersten Form ist das Verfahren ein nicht öffentliches, und bei der zweiten Form ist das Verfahren ein öffentliches. Schon mit dem Youngplan war Deutschland unter Geschäftsaufsicht unter Ausschluß der breiten Oeffentlichkeit gestellt. Und nun ist unser Staat unter die öffentliche Geschäftsaufsicht geraten. Geschäftsaufsichtsführender ist Amerika. Alles beugt sich vor der Autorität des großen Weltglaubigers, und nur Frankreich, als die zweitgrößte Finanzmacht der Welt, seit Jahren hart um die Vorherrschaft aus dem Weltkapitalmarkt ringend, erkennt die Führerschaft Amerikas in der Geschäftsaufsichtssache „Deutsches Reich“ nicht an. Einmal hat sich Frankreich der Macht Amerika=Englands knirschend beugen müssen, als es durch die Entwertung seiner Währung zur Beendigung des Ruhrkrieges gezwungen wurde und damit die Träume auf die Rheingrenze aufstecken mußte. Diese Entwertung der französischen Währung war das Machwerk amerikanischer und englischer Finanzmänner.— Noch einmal hat Frankreich in ohnmächtiger Wut sich fügen müssen, als es das Schuldenabkommen mit Amerika zu unterzeichnen gezwungen war. Frankreich glaubte von Amerika den Schuldenerlaß für die Kriegsschulden beanspruchen zu können. Für Amerika war der Krieg ein Geschäft, und die Gewinne aus diesem Geschäft konnte und wollte sich der Amerikaner nicht entgehen lassen. Amerika konnte auch nicht dulden, daß Frankreich aus Deutschland den letzten Pfennig herausquetschte und sich damit unermeßliche Reichtümer erwarb. Amerika konnte aber erst recht nicht tatenlos zusehen, wenn Frankreich dennoch trotz Schuldenabkommen immer mehr Reichtümer aufspeicherte und dazu überging, die Vorherrschaft Amerikas auf dem Weltkapitalmarkt zu bedrohen. Nun aber hat Frankreich schon einmal triumphiert, als es den größten Kapitalisten der Vorkriegszeit, seinen getreuen Verbündeten des Weltkrieges dadurch belohnte, daß es die Goldbestände der Bank von England plünderte und an sich riß. London fortan hinter Paris! Welch ein Schlag für das stolze Albion! Fortan aber steht England mit Amerika Schulter an Schulter in der Abwehr der französischen Machtgelüste.— Und jetzt schon wieder ein französischer Triumph! Amerika mußte trotz aller Erklärungen, daß die Kriegsschuldenfrage endgültig geregelt sei, doch auf einmal Zugeständnisse machen. Ein klarer Sieg Frankreichs. Frankreich hält Deutschland an der Gurgel gefaßt. Ein Griff— und Amerika hat nicht viel weniger als 20 Milliarden in der Konkursmasse„Deutsches Reich“ stecken. Was kümmert es Frankreich, wenn Deutschland zusammenbricht und Amerika 20 Milliarden in den Schornstein schreiben kann! Frankreich wird und kann sich an Deutschland immer sehr leicht schadlos halten. Frankreich spürt nicht viel von der Weltwirtschaftskrise und steht deshalb wirtschaftlich immer noch sehr günstig da. Die Arbeitslosigkeit ist gering und im Notfall kann Frankreich die ausländischen Arbeiter nach Hause schicken. Aus diesen Gründen kann Frankreich mit aller Ruhe die Dinge an sich herankommen lassen. Frankreich hat eine günstige Position und Amerika hat einen schweren Stand. Amerika kämpft aber tapfer, und trotzdem hat es Frankreich nicht davon überzeugen können, daß, wenn Amerika Opfer bringt, auch Frankreich Opfer bringen muß. Frankreich will aber nicht und deshalb bekommt Deutschland von Frankreich keinen Pfennig geschenkt. Frankreich hat es durchgesetzt, daß der Youngplan unabänderlich in Kraft bleibt. Was Deutschland gestundet bekommt, muß es im Laufe der nächsten 10 Jahre mit Zinsen und Zinseszins zurückzahlen. Amerika hat eine wichtige Position in seiner Machtstellung verloren, und Frankreich rückt weiter auf. Freilich, noch ist Amerika auf dem Kapitalmarkt die stärkere Macht. Aber wie lange noch? Und so werden die Schachzüge in diesem Kampf so lange hin= und hergehen, bis einer der beiden Rivalen matt gesetzt ist. Amerika hat nun schon einmal nachgegeben und es wird wohl oder übel noch mehr nachgeben müssen. Es wird wenig nutzen, wenn Amerika weitere Zugeständnisse in der Schuldenfrage von der Einstellung der übermäßigen Rüstungen Frankreichs abhängig macht. Es sieht schon so aus, als wenn Frankreich demnächst auch in dieser Frage Sieger bleiben wird. Wir sehen also, wie die Weltkapitalgruppen schwere Kämpfe um die Vorherrschaft auf dem Kapitalmarkt austragen. Dieser Kampf wird auf dem Rücken und zum Nachteile Deutschlands ausgefochten. Die Gläubiger des deutschen Reiches sind sich, wie das auch im geschäftlichen Leben so üblich ist, über die praktische Verwendung der Masse nicht einig. Jeder will für sich Vorteile herausholen und jeder mißtraut dem andern in der Befürchtung, daß der andere sich auf Kosten der sonstigen Gläubiger Vorteile verschaffen will. Deutschland aber steht mit gefesselten Händen und wartet demütig und gebeugten Rükkens auf die Verfügungen der Gläubiger. Der Geschäftsmann, der in Zahlungsschwierigkeiten gerät, verliert die Verfügungsberechtigung über sein Geschäft. Er wird von der Führung der Geschäfte entbunden, und die Aufsichtsperson oder der Konkursverwalter treten in alle Rechte des Geschäftsführers ein. Der Schuldner hat im Rat der Gläubiger nichts zu sagen, und genau so ergeht es Deutschland. Mag der einzelne Gläubiger die Dinge mit mehr Vernunft betrachten und erkennen, daß man unserer Wirtschaft nur in freizügiger Weise aufhelfen kann, so kann der vernünftige Gläubiger nicht hindern, daß unvernünftige Gläubiger, wie Frankreich und seine Trabanten, eigene Wege gehen. Noch weniger aber ist das heutige Deutschland in der Lage, sich gegen die machtpolitischen Uebergriffe dieser Gläubiger zu schützen.— Frankreich hat es heute nicht mehr nötig, Soldaten einmarschieren zu lassen. Frankreichs Soldaten sind die kurzfristigen Anleihen, die besser und schneller Deutschland auf die Knie zwingen als Flugzeuge, Kanonen und Maschinengewehre. Das ist die Raffinesse Frankreichs, daß es an Deutschland vorwiegend kurzfristige Anleihen gegeben hat.(Und das Unverantwortliche, daß Deutschland sie annahm!— Die Redaktion.) Frankreich braucht nur diese kurzfristigen Anleihen zurückzuziehen und schon ist die deutsche Währung gefährdet. Während der Pariser Verhandlungen im Jahre 1929, die zum Abschluß des Youngplanes führten, hat Frankreich in gleicher Weise die deutsche Währung durch die sofortige Rücknahme der Anleihen gefährdet. Dadurch sollten die deutschen Unterhändler sowohl wie die Regierung in Berlin mürbe gemacht werden. Jetzt wiederholt sich das Schauspiel. Frankreich und Amerika haben sich vorläufig über die Aussetzung der deutschen Zahlungen geeinigt. Diese Tatsache müßte in etwa das Gleichgewicht auf dem Geldmarkt— vorläufig wenigstens— wiederhergestellt haben. Weshalb aber wird die Lage der Reichsbank immer schwieriger? Weshalb hören die Gold= und Devisenabflüsse nicht auf?— Sicherlich auch deshalb, weil in Deutschland selbst jedes Vertrauen auf Besserung der wirtschaftlichen Lage geschwunden ist, und schließlich auch deshalb, weil das Ausland Deutschlands Lage ungünstig beurteilt. Aber Frankreich hat es in der Hand, Deutschlands Lage zu erleichtern. Frankreich braucht nur die zurückgezogenen Kredite, die sich auf Milliarden belaufen sollen, zur Verfügung zu stellen: und das Geld fließt reichlich genug in die Kassen der Reichsbank zurück. Ein Wink der französischen Regierung in die französische Finanzwelt: und der deutsche Geldmarkt ist sofort entspannt und entlastet. Weshalb bleibt dieser Wink Frankreichs aus?—. Frankreich führt noch andere Dinge im Schilde. Auffällig war schon die Mitteilung Brünings, daß das gestundete Geld nicht zu Rüstungszwecken verwendet werden soll. Schon sickert durch, daß Deutschland die neuen Panzerkreuzer nicht weiterbauen soll und daß auf den Anschluß, bezw. die Zollunion mit Oesterreich verzichtet werden müßte. Auch von einem Ostlocarno ist die Rede. Frankreich hohnlacht über die Forderung Amerikas: Schuldennachlaß nur unter der Bedingung der Abrüstung Aber von Deutschland verlangt dieses selbe Frankreich Abrüstung unter den vorgesehenen Stand gemäß dem Versailler Vertrage.— Hier liegt also der Hase im Pfeffer. Kredite für die Wirtschaft gibt es nur unter der Bedingung politischer Zugeständnisse.— Armes Deutschland! Begreifen wir nun, weshalb Frankreich dem Reichsbankpräsidenten keinen warmen Empfang bereitet: Jetzt kann man verstehen, weshalb Frankreich nichts getan hat, um die Reichsbank und somit auch die deutsche Regierung aus der schwierigen Lage zu befreien. Deutschland ist unbarmherzigen Erpressern in die Hände gefallen! Wer aber hat uns diesen Erpressern ausgeliefert?— Diejenigen, die nach der Revolution in Deutschland zur Herrschaft gelangten. Diejenigen, die alle Verträge geschluckt haben. Zuletzt aber noch diejenigen, welche durch die Annahme des Youngplanes Deutschland wehrlos der Willkür des internationalen Kapitals ausgeliefert haben. Die Anleihepolitik des Systems der Nachkriegszeit trägt jetzt böse Früchte. Gewiß, man wollte das Versprechen auf Verbesserung der Lebenshaltung der Volksmassen einhalten. Dieses Versprechen löste man sehr einfach durch Aufnahme riesiger Anleihen ein, und so konnte man Löhne und Gehälter munter von Jahr zu Jahr steigern. Aber jede einzelne Anleihe unserer Großstädte, die Millionen für Bauten, Brücken, Parks und Stadien ausgaben, ist jede einzelne eine der vielen Ketten, die uns an die internationale Finanz fesseln. Dr. Schacht hat richtig gehandelt, als er den Städten die Aufnahme von Anleihen im Auslande nicht mehr gestattete. Er hatte auch erkannt, daß wir durch die Anleihepolitik immer stärker von der Weltfinanz abhängig wurden. Was nun? Wenn ein Unternehmen in Konkurs gerät, dann pflegen die Aktionäre den Direktor glatt abzusägen. In der Privatwirtschaft kennt man kein Erbarmen. Die Untersuchung wird immer ergeben, daß das Geschäftsprinzip unrichtig war, wenn nicht Untreue des Leiters des Unternehmens die Zahlungsunfähigkeit verschuldet. Das Geschäftsprinzip der Firma„Deutsches Reich“ war auch falsch.. Wir brauchen deshalb neben einer anderen Geschäftsführung auch ein anderes Geschäftssystem. Zögern wir nicht, aus der Erkenntnis der Dinge die ententscheidenden Folgerungen zu ziehen! Im Volksentscheid des Stahlhelms ist die Gelegenheit geboten, die gründliche Abkehr von dem System zu fordern und die Geschäftsführung anderen Händen anzuvertrauen. Th. Anerkennung der Bankfeiertage. Regelung des Wechsel- und Scheckverkehrs. Zur Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten über Bankfeiertage vom 13. Juli 1931 hat die Reichsregierung folgende neue Verordnung erlassen: Die auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vom 13. Juli 1931 festgesetzten Bankfeiertage gelten als staatlich anerkannte allgemeine Feiertage im Sinne der Wechselordnung und des Scheckgesetzes. Sind in gerichtlichen, verwaltungsgerichtlichen und verwaltungsbehördlichen Verfahren für die Zahlung von Gebühren, Auslagen oder Vorschüssen oder fur den Nachweis einer solchen Zahlung Fristen vorgesehen, in deren Ablauf sich Rechtsnachteile knüpfen, und fällt der letzte Tag der Frist auf einen Bankfeiertag, so endet die Frist nicht vor Ablauf einer Woche nach dem letzten Bankfeiertage. Diese Verordnung tritt mit Wirkung vom 14. Juli 1931 in Kraft. Am Helgoland. 5. bis 7. Juli hat die Reichsbahn einen Verwaltungssonderzug nach Helgoland fahren lassen. Mehr als 500 Personen benutzten seine Vergünstigungen für eine Reise, die die meisten sich sonst kaum hätten leisten können. Sonntag, den 5. Juli fuhr der Sonderzug gegen ½6 Uhr ab. Während der Fahrt besorgte die fürsorgliche Reiseleitung die Verteilung der Quartiere in Helgoland für zwei Nächte. Um ½11 Uhr bestiegen wir den 2498 Tonnen großen Dampfer Roland, der gerade seine 500. Ausreise feierte. Das herrlichste Wetter begleitete die ganze Seereise. Um ½2 Uhr wurden wir in Helgoland ausgebootet. Jeder strebte seinem ihm zugewiesenen Quartier zu. Nach Lösung der Quartierfrage stand auf dem Prospekt für den Nachmittag:„Spaziergänge auf dem Oberund Unterland.“ Ich möchte der Reiseleitung meinen besonderen Dank dafür aussprechen, daß sie sich nicht daran gebunden hat. Zu kleinen Gruppen oder einzeln konnte man alles viel besser besichtigen, als in großen Kolonnen oder gar zu 500 unter Führung der beiden Reiseleiter. Sie gab den Nachmittag ebenso wie laut Prospekt die beiden nächsten Tage vollständig frei und das Programm empfahl bloß eine Rundfahrt mit Motorbooten um die Insel und einen Besuch des neuen Aquariums. Für beides hatte sie Preisermäßigungen ausgewirkt. Auch die Ueberfahrt zur Sanddüne war ermäßigt worden. Es ist schwer, die Fülle des Sehenswerten und der Erlebnisse in dem hier gebotenen engen Raum zu schildern. Die Natur hat Helgoland verschwenderisch ausgestattet. Steil und 50 Meter hoch ragt das Plateau des Oberlandes über das Wasser empor. In romantischen Felsformen fällt es ringsherum ins Meer hinab. Trotz= dem ermöglichte das kleine vorgelagerte Unterland die Anlage eines Hafens. Die etwa 2 Kilometer entfernte Sanddüne ist ein idealer Badeplatz. Zur Ebbezeit kann man dort allerlei Seetiere(Quallen, Krabben, zahlreiche Seesterne, Muscheln usw.) finden. Wegen seiner isolierten Lage ist Helgoland besonders als Kurort gegen Heuschnupfen bekannt. Neben diese Naturvorzüge stellte die Kultur den zweitstärksten Leuchtturm Europas, ein sehr interessantes Aquarium, ein Nordseemuseum, große, aber jetzt teilweise zerstörte Hafenanlagen(=Boothafen u..) ein eine starke, rein unterirdische Festung, deren Reste noch sichtbar sind. Die 2400 Einwohner leben vom Fischfang und vom Fremdenverkehr. Montag verschlechterte sich das Wetter, und Dienstag war das Einbooten zum Dampfer mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden. Um ½7 Uhr fuhr er ab. Als wir in Bremerhaven ankamen, lag da die berühmte„Bremen“. Ganz knapp an ihr vorbeifahrend, konnten wir sie wunderbar betrachten. Gleich daneben landeten wir. Der eifrige Reiseleiter rief schleunigst seine Leute zusammen und feierte die„Bremen“ mit einer schönen großen Rede. Zur Besichtigung blieb keine Zeit. Um 10 Uhr fuhr der Sonderzug ab und brachte uns nach Hause. Die Einführung dieser Verwaltungssonderzüge ist eine sehr schöne soziale Tat der Reichsbahn. Die niedrigen Preise ermöglichen es manchem, sich eine Reise zu leisten. die er sonst nicht wagen dürfte. Die außerordentlich entgegenkommende Reiseleitung sorgte vorbildlich für das Wohl der Fahrtteilnehmer. Ry. Eine feine Sommerfrische. Die Reisezeit ist wiedet da, das herrliche Sommerwetter möchte uns locken, trotz der wirtschaftlichen Notlage, die immer breitere Schichten unseres Volkes in Mitleidenschaft zieht, in die Sommerfrische zu fahren. Ich glaube, in diesem Jahre ist es mehr denn je wichtig, den Aufenthaltsort gut zu wählen. Das Leben stellt heutzutage erhöhte Anforderungen an uns alle. Da brauchen wir auch rechte Erholung für den Körper. Aber wir brauchen noch mehr. Es gilt nicht nur, für ein paar flüchtige Wochen die uns zermürbenden Sorgen zu vergessen, sondern es gilt Widerstandskraft zu sammeln gegen sie. Mit anderen Worten, wir gebrauchen Erholung für Leib und Seele. Das Bibel= und Erholungsheim Hohegrete bei Au an der Sieg bietet uns solch einen idealen Sommeraufenthalt. Wie wundervoll ist doch schon der Hohegretepark in seiner Sommerpracht! Die schöne Umgebung, die Wälder und die weiten Täler und Höhen locken zu kleineren und größeren Spaziergängen. Und zur Erholung trägt die gute Verpflegung, die sich trotz des ermäßigten Pensionspreises immer gleich bleibt, das Ihre bei. Aber die Hohegrete möchte noch mehr bieten. Sie möchte ihre Gäste mit Kraft aus der Höhe ausrüsten. Dazu wollen die vom Hausvater Pfr. Dr. Knappe gehaltene Andachten und Bibelstunden— diese werden bei gutem Wetter im Freien gehalten— beitragen. Jeder Aufenthalt auf Hohegrete bedeutet ein gründliches Eintauchen in die Welt der Bibel. Viele, sehr viele, auch ich, dürfen dankbar bekennen, wieviel Freude und Segen auf einem HohegreteAufenthalt ruht. Darum möchte ich solch eine feine Sommerfrische recht vielen wünschen und kann nicht eindringlich genug einladen: fahret auf die Hohegrete!! Viel sicherer, klarer, freudiger und dankbarer steht man nachher dem Leben und seinen Sorgen und Leiden gegenüber. Darum sei es noch einmal gesagt: Kommt zur Hohenzrete und laßt euch dort stärken an Leib und Seele, dann werdet ihr widerstandsfähig gegen alle Not der Zeit. Eine dankbare Besucherin der Hohegrete. Den sihnfe rard,=Semtemmatt. Neue Beratungen des Reichskabinetts.— Der Ruf nach Schacht! — Berlin, 14. Juli. Nach einer Pause, während deren sich der Reichskanzler zurückgezogen hatte, um sich nach den letzten aufreibenden Tagen und Nächten wenigstens eine kurze Erholung zu gönnen, trat der Kabinettsausschuß für Finanz= und Wirtschaftsfragen in der 10. Abendstunde erneut zusammen, um sich an die nunmehr dringend zu lösenden innerfinanziellen Fragen heranzumachen. Wie der Plan, die notwendigen Zahlungsmittel durch den Rückgriff auf die Rentenbankscheine zu vermehren, gediehen ist, läßt sich im Augenblick noch nicht übersehen. Es ist aber auch zweifelhaft, ob Mittwoch — vielleicht erst Mittwoch abend— die in dieser Hinsicht erörterten Pläne greifbare Form gewinnen. Sicher ist, daß bis zum Mittwoch abend bezw. Donnerstag früh eine Art innerfinanzielle deutsche Selbsthilfe geschaffen sein muß, da auf alle Fälle die Banken am Donnerstag die Schalter wieder öffnen sollen. Wie der„Börsenkurier“ in diesem Zusammenhang mitteilt, läßt sich zwar im Augenblick zuverlässig sagen daß an ein allgemeines inneres Moratorium nicht gedacht wird, wohl aber komme gegebenenfalls ein teilweises inneres Moratorium in Betracht, dessen Einzelheiten noch zu erwägen wären. Das Hauptproblem sei im Augenblick indessen, wie weit ein Auslandsmoratorium sich als notwendig erweisen werde, ein Problem, das naturgemäß mit aller Vorsicht behandelt werden müsse. Dem„Börsenkurier" zufolge ist weiterhin auf dringende Vorstellungen industrieller Seite Fühlungnahme mit dem früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht genommen worden, um ihn bei der Ausführung der sich ergebenden vielgestaltigen und schwierigen Aufgaben heranzuziehen, nicht zuletzt, weil gerade im Ausland seine Autorität auf währungs= und finanzpolitischem Gebiet gewürdigt werde. * Sitzung des Reichskabinetts beendet. — Berlin, 15. Juli. Die nach 22 Uhr begonnene Sitzung des Reichskabinetts war kurz nach 23 Uhr zu Ende. Die Beratungen, an denen auch Reichsbankpräsident Dr. Luther teilnahm, galten der Schaffung der Grundlagen, auf denen am Mittwoch die entscheidenden Beschlüsse aufgebaut werden sollen. Es ist anzunehmen, daß in den neu zu beschließenden Maßnahmen auch eine Devisenverordnung enthalten sein wird. * — Berlin, 14. Juli. Zu dem Plan, die Rentenmark wieder heranzuziehen, berichtet der„Berliner Börsenkurier" noch ergänzend: Es handelt sich darum, die Basis so stark wie möglich zu gestalten. Die Rentenbankscheine werden bekanntlich durch den landwirtschaftlichen Grundbesitz garantiert. Da dieser infolge des Sinkens der Preise für die gesamten Landwirtschaftserzeugnisse in seinem Wert ermäßigt ist, sind Verhandlungen mit der Industrie im Gange, wie weit diese die Mitbürgschaft für die Rentenbankscheine zu übernehmen bereit und in der Lage ist. Diese Verhandlungen stehen unseres Wissens im Augenblick günstig. Die erforderlichen zeitlichen Zusatzmittel werden auf etwa 600 Millionen Mark veranschlagt. Hoffentlich ist dies der erste Schritt zu einer allgemeinen Loslösung aus den Fängen des internationalen Goldkapitals.(Die Schriftleitung.) * Keine Angst=Abhebungen. Der Präsident des Giro- und Sparkassenverbandes mahnt zur Besonnenheit. Der Präsident des Giro= und Sparkassenverbandes, Dr Kleiner, hielt im Rundfunk eine Rede über die jetzige Wirtschaftslage und führte dabei u. a. aus: Die Tatsache, daß eine Großbank vorübergehend ihre Schalter schließen mußte, hat bereits in verschiedenen Teilen des Reiches zu Angstabhebungen von Guthaben bei den Sparkassen und anderen Geldinstituten geführt. Darum halte ich es für meine Pflicht, eine Klärung über die Vorgänge abzugeben, von der ich hoffe, daß sie in den Sparerkreisen Beruhigung verbreiten möge. Was ist geschehen? Durch starke Geldabzüge des Auslandes und erhebliche Abhebungen des Inlandes sind die den deutschen Geldinstituten zur Verfügung stehenden greifbaren Mittel sehr eingeengt worden. Die Reichsbank konnte die notwendigen Gelder nicht in dem erforderlichen Umfang bereitstellen, da sie ohne Herabsetzung der Notendeckungsgrenze keine neuen Noten herausgeben durfte und wollte. So trat in den letzten Tagen ein empfindlicher Mangel an Zahlungsmitteln ein, der durch die heute einsetzenden verstärkten Abhebungen noch vermehrt wurde. Da aber die Gelder der Einleger in der Wirtschaft angelegt sind als Hypotheken, durch Personalkredite in Wertpapieren usw. und nur ein Teil, etwa 10—20 Prozent, in bar oder greifbaren Werten zur Verfügung steht, so wird diese Reserve bei Angstabhebungen natürlich bald aufgebraucht. Die Geldinstitute könnten dann, um weitere Mittel zur Auszahlung zu beschaffen, Hypotheken und Kredite kündigen. Jeder aber weiß, daß dies nicht von heute auf morgen geht, ganz abgesehen von den Folgen, die solche Kündigungen heute haben müßten. Die Geldinslikute handeln aber durchaus richtig, wenn sie Kreditkündigungen nicht vornehmen und statt dessen versuchen, die 10 Prozent greifbarer Mittel auf möglichst viele Kunden zu verteilen. Indem sie so mik ihren Barmitteln sparsam umgehen, haben sie die Möglichkeit, alle wirklich dringenden Bedürfnisse nach Bargeld zu befriedigen. Ganz unbegründet ist die Befürchtung, die Einlagen konnten verlorengehen, wenn sie nicht abgehoben werden. Das Gegenteil ist der Fall. Bei der Sparkasse ist das Geld sicher. Es bestehl auch nicht die geringste Inflationsgefahr, da der Notenumlauf der Reichsbank zur Zeit überraschend niedrig ist. Durch Angstabhebungen wird die Knappheit an Zahlungsmitteln nur verschlimmert, während durch eine ruhige, besonnene Haltung die Lage der Geldinstitute wesentlich erleichtert wird. Es liegt daher im Interesse jedes einzelnen, Ruhe zu bewahren. An einer Unruhe haben nur gewisse Kreise des Auslandes Interesse. Die verantwortlichen Stellen werden auch dafür sorgen, daß für alle unbedingt notwendigen Zwecke, wie Lohn= und Gehaltszahlungen usw. die Mittel bereitgestellt werden. Dr. Kleiner schloß mit der Aufforderung, von weiteren unnötigen Abhebungen abzusehen. Wir müssen die Nerven behalten: Es geht um das Schicksal der deutschen Wirtschaft! * Rediskontkredit — Basel, 15. Juli. Reichsbankpräsident Dr. Luther, der am Dienstag von Basel mit dem Flugzeug nach Berlin zurückkehrte, hatte kurz vor seiner Abreise nochmals eine längere Unterredung mit dem Präsidenten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, Mac Garrah. Ueber die Verhandlungen in Basel wurde folgendes Communiqué herausgegeben: „Der Verwaltungsrat der Bank für internationalen Zahlungsausgleich hat von der Darstellung Kenntnis genommen, die der Präsident der Reichsbank Dr. Luther von der Situation in Deutschland und von dem an sich befriedigenden Zustand der deutschen ökonomischen Kräfte und des Reichsbudgets gegeben hat, so daß die ausgebrochene Krise auf die Abzüge der kurzfristigen Kapitalien aus Deutschland zurückzuführen ist. In Anbetracht des Umstandes, daß sich die deutsche Regierung an die verschiedenen Regierungen wegen finanzieller Unterstützung an ihren entsprechenden Märkten gewandt hat, erklärt sich der Verwaltungsrat überzeugt von der Notwendigkeit einer solchen Unterstützung und unter den gegenwärtigen Umständen bereit, an dieser Hilfe mitzuwirken und sie mit allen den Zentralbanken zur Verfügung stehenden Mitteln zu stärken. In der Zwischenzeit hat der Verwaltungsrat den Präsidenten ermächtigt, in Uebereinstimmung mit den anderen beteiligten Instituten die Beteiligung an dem der Reichsbank kürzlich gewährten Rediskont zu erneuern. Wie verlautet, ist der Reichsbank inzwischen offiziell von der Verlängerung des am 16. Juli ablaufenden Rediskontkredites bis Mitte Oktober Mitteilung gemacht worden. Im übrigen ist es irreführend von einem Kredit- oder finanziellen Hilfsgesuch der Reichsregierung zu sprechen. Ein solches Gesuch ist nicht erfolgt. Der Reichshaushalt ist in Ordnung, und die Reichsregierung braucht also zur Aufrechterhaltung des Etats keine Kredite.— Selbstverständlich muß man dieser Erklärung aus Regierungskreisen entgegenhalten, daß der Etat auch nur solange ausgeglichen ist, als die geschätzten Einnahmen aus der Wirtschaft nicht papierene Zahlen bleiben und die Wirtschaft wirklich zahlen kann. Aus der Tatsache aber, daß die Reichsregierung nicht selbst Kredite beantragt, geht hervor, daß diese Kredite, die der Reichsbankpräsident beschaffen will, der Wirtschaft zufließen sollen. * Aeltestenrat einberufen. — Berlin, 15. Juli. Präsident Löbe hat den Aeltestenrat des Reichstages auf Freitag, den 17. Juli, vormittags 11 Uhr, einberufen. Die Einberufung ist auf Grund der deutschnationalen, nationalsozialistischen und kommunistischen Anträge erfolgt. Zwangseintreibungen! Stockung der Steuerzahlungen. — Berlin, 14. Juli. Amtlich wird mitgeteilt: „Die bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse haben in gewissem Umfange zu einer Stockung der Steuerzahlungen geführt. Eine derartige Stockung muß im Interesse der Allgemeinheit mit allen Mitteln bekämpft werden. Gerade in Zeiten, wie den gegenwärtigen, ist besonderer Wert darauf zu legen, daß jeder seinen steuerlichen Verpflichtungen pünktlich nachkommt. Gehen die geschuldeten Steuern nicht pünktlich ein, so wird, wie bisher, mit Einziehung im Nachnahmeverfahren, Mahnung und Beitreibungen vorgegangen werden. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß auch trotz der beiden Bankfeiertage Steuerüberweisungen von den Banken, Sparkassen und Postämtern, sowie Scheckzahlungen jederzeit vorgenommen werden können. Das gilt auch für die Inhaber von Konten bei der Darmstädter= und Nationalbank.“ Hitler zur Zur Uebernahme der Verantwortung bereit. — München, 14. Juli. Auf eine Anfrage des Reuterbüros in Berlin äußerte sich Adolf Hitler zur Krise wie folgt: Das Eintreffen dieser Krise wurde von uns seit Jahren vorhergesagt. Schuld daran sind die Friedensverträge mit ihren nicht nur das politische, sondern auch das wirtschaftliche Leben der Völker bedrohenden und vernichtenden Folgen. Die letzte und schwerste Folge wird das Hineintaumeln in das bolschewistische Chaos sein. Unsere Vorschläge zur Besserung der Lage sind solange undurchführbar, als nicht ein durchgreifender Systemwechsel in Deutschland eine klare antivolschewistische Front herstellt. Nur auf dieser eindeutigen Grundlage ist noch eine Rettung von Staat und Wirtschaft vor der bolschewistischen Katastrophe möglich, die sonst ganz Europa in schwerste Mitleidenschaft ziehen wird. Wir sind jederzeit bereit, die Verantwortung für eine Sanierung allein oder mit anderen zu übernehmen. Das Ganze halt! *— Berlin, 15. Juli.“ „Ueberzeugt von der Notwendigkeit einer finanzielten Unterstützung Deutschlands“ hat nach der amerikanischen Finanz nun auch der Verwaltungsrat der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel seine Mitwirkung an einer Hilfsaktion für Deutschland in Aussicht gestellt und seine Zustimmung zur Verlängerung des der Reichobank gewährten Ueberbrückungskredits, der am 16. Juli abläuft, erteilt. In einem früheren Zeitpunkt hätten wir diese Mittellung mit Freude zur Kenntnis genommen, und vielleicht hätte sie uns auch einige Erleichterungen gebracht. Heute dagegen stehen die Dinge anders. Bereitschaftserklärungen verlieren ihren Sinn, wenn sie in einer Stunde abgegeben werden, in der alles darauf ankommt, durch Maßnahmen von sofortiger Wirksamkeit den Brandherd in Deutschland abzudämmen. Wenn es nun dabei verbleiben sollte, daß die Hilfe des Auslandes nur unter Bedingungen zu erlangen ist, die die politische Bewegungsfreiheit des Reiches einengen und unser Nationalgefühl herausfordern, dann dürfen die verantwortlichen Instanzen in Deutschland nicht eine Sekunde mehr säumen, um durch Maßnahmen aus eigener Kraft den Weg aus der Krise freizulegen. Was ist denn geschehen? Zum ersten Male in der deutschen Finanzgeschichte hat eine Großbank ihre Schalter schließen müssen, weil sie, innerlich zwar gesund und frei von kriminellen Verfehlungen, durch die plötzliche Zurückziehung kurzfristiger Auslandsgelder vorübergehend außerstande war, alle Zahlungsanweisungen auszuführen. Das ist gewiß ein sehr ernstes Ereignis, das weiteste Kreise ziehen und die Gesamtwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen mußte. Ferner mußte man damit rechnen, daß diese wirtschaftliche Explosion die deutschen Sparer, die die schreckliche Inflation noch nicht verwunden haben, aufschreckte und sie in Sorge um die Sicherheit sauer ersparter Gelder zu einem Sturm auf die Banken und Sparkassen veranlaßte. Und doch muß gerade in einer Situation wie die, in der wir uns befinden, jeder übereilte Schritt vermieden werden! Wir müssen uns die Gefahr klarmachen, in der Staat und Volk sich befinden, ebenso aber auch die Grenzen des Unglücks. Nach wie vor rauchen in Deutschland die Schornsteine, reift auf den Feldern die Frucht, fahren die Schiffe hinaus aufs Meer, beladen mit Erzeugnissen deutschen Fleißes. Trostlos allerdings ist die Geldleere, die Blutarmut der deutschen Wirtschaft. Und daher kommt die jetzige Not. Geschwächt durch die Vermögenszerrüttung in der Inflation und durch den Tributaderlaß hat die deutsche Wirtschaft das notwendige Betriebskapital kurzfristig vom Ausland hereingenommen und damit gut und schlecht gewirtschaftet, bis plötzlich mit der Massenzurückziehung der Auslandsgelder die Kreditinstitute einer Belastungsprobe unterworfen wurden, wie sie bisher einzig dasteht. Hat so der Run der Auslandsgläubiger auf die deutschen Banken den Ausbruch der Krise herbeigeführt, dann liegt es auf der Hand, daß die Fortsetzung der Massenabhebungen durch die Inlandskundschaft der Banken und Sparkassen die Verwirrung nur noch vergrößern und die Krise nur verschlimmern kann. Das deutsche Volk muß deshalb seine Nerven behalten. Nur so kann die Ordnung im deutschen Wirtschaftsleben aufrechterhalten werden, und nur so kann der französische Finanzangrifff auf die deutsche Unabhängigkeit abgewehrt werden. Man muß hoffen, daß die zwei Tage, wo sämtliche Banken und Sparkassen durch Notverordnung des Reichspräsidenten geschlossen bleiben und an den Börsen kein Handel mit Effekten und Devisen stattfindet, ausreichen werden, um die Ruhe wiederherzustellen. Uebersehe doch auch niemand, daß für die Sicherheit der Mark nichts zu befürchten ist. Gewiß haben es gewissenlose Ausländer nicht an Manövern gegen die Mark fehlen lassen, aber diese Sabotage ist sofort zusammengebrochen und mußte zusammenbrechen, weil es an deutschen Banknoten fehlte. Und so haben wir zumindest die Gewißheit, daß uns aus der Trübsal des Juli 1931 eine neue Inflation am allerwenigsten erwachsen wird. Wenn man Voraussagen wagen will, dann kann man sagen, daß die Finanzkrise, wie sie in der Schließung der Darmstädter und Nationalbank zum Ausdruck kam, zu einer weiteren Höherbewertung des Geldes führen wird. Das Ausbleiben der großen Auslandsanleihe oder doch die Verzögerung ihrer Auflegung wird den Geldmangel für einige Zeit bestehen lassen und im Zusammenhang damit zu einer Räumung der Läger führen. Da gleichzeitig auch mit einer Verstärkung der deutschen Ausfuhr zu rechnen ist, besteht begründete Aussicht auf eine baldige Wiederanfüllung der Devisenvorräte. Als Symptom verdient Erwähnung, daß die Reichsbank bereits am Montag in der Lage war, wieder Devisen, d. s. Wechsel auf das Ausland, hereinzunehmen, und zwar deshalb, weil wahrscheinlich die Kreditinstitute, um den Zahlungsaufforderungen ihrer Kundschaft nachkommen zu können, für Vorrats=Devisen bei der Reichsbank Mark eingetauscht haben. So ernst die Lage auch jetzt noch ist, Mutlosigkeit ist nicht am Platze! Die Wendung zum Besseren bahnt sich bereits an, und diese Ansätze werden sich um so schneller entfalten, je größer die Energie der verantwortlichen Stellen und je größer die Besonnenheit der deutschen Nation ist. Mag uns schließlich doch noch eine Auslandsanleihe zu tragbaren Bedingungen gewährt werden, die alten Illusionen über die Hilfe des Auslandes sind für das deutsche Volk für alle Zeit tot. Und wenn uns die letzte Krise eines gelehrt hat, dann ist das, daß wir vom Auslande und von Fremden Verständnis nicht zu erwarten haben, alles aber von der Selbstbesinnung auf die eigene Kraft! Henderson in Paris. Donnerstag Weiterreise nach Deutschland. — London, 15. Juli. Der englische Außenminister Henderson hat sich für zwei Tage nach Paris begeben. Am Donnerstag wird der Minister die Weiterreise nach Berlin antreten, wo er am Freitag mit dem Ministerpräsidenten Macdonald der Reichsregierung seinen Gegenbesuch abstatten wird. Macdonald dürfte von London mit einem Flugzeug direkt nach Berlin fliegen. Vor seiner Abreise erklärte Henderson, er trete seine Reise unter außergewöhnlichen Umständen an und sei sich dessen vollkommen bewußt. Der Beschluß der B3Z. müsse eine Entspannung der Lage auf alle Fälle herbeiführen. Er hoffe, daß sich diese Erwartung erfüllen werde. I Minister Henderson ging dann auf den Besuch in Berlin ein und betonte, die britischen Minister wollten in Deutschland alles in ihren Kräften Stehende tun, um die freundschaftlichen Beziehungen nicht nur zwischen England und den anderen europäischen Nationen auszubauen, sondern auch zwischen Frankreich und Deutschland. Die liberale Zeitung„News Chronicle“ gibt in einem Artikel Frankreich den Rat,„durch eine große bedingungslose Tat Deutschland zu retten". Durch eine einzige dramatische Tat könnte Frankreich die wirkliche Freundschaft mit Deutschland erreichen. Dies sei viel mehr wert als irgendeine Sicherheitsgarantie und irgendein Vertrag Frankreich geben könne und keine noch so große Anzahl von Armeekorps durchführen könne. Zusammenstöße in Ein Angreifer von einem Polizeibeamten in Notwehr erschossen. In Berlin=Neukölln kam es in nächtlicher Stunde zu Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Drei Nationalsozialisten wurden durch Messerstiche und Schläge erheblich verletzt. Polizeibeamte nahmen sofort die Verfolgung der kommunistischen Täter auf. Es gelang ihnen auch, diese zu stellen. Als einer der Beamten dabei durch den 25 Jahre alten Arbeiter Nietz bedroht wurde, gab der Beamte einen Schuß ab, der Nietz in das Herz traf und sofort tötete. Zwei der vermutlichen Täter wurden dem Polizeipräsidium zugeführt. Sperre für Postanweisungen ins Ausland Das Reichspostministerium teilt mit: Da zur Zeit Börsenkursnotierungen nicht stattfinden, ist es der Post bis auf weiteres nicht möglich, Einzahlungen auf Postanweisungen nach dem Ausland anzunehmen. Die Postanstalten sind entsprechend angewiesen worden. Außerdem sind die Postscheckämter, ebenfalls wegen der Unterbrechung in Kursnotierungen an den deutschen Börsen, angewiesen worden, die bei ihnen eingehenden Ueberweisungen nach dem Ausland bis auf weiteres nicht auszuführen. Friedrich von Payer gestorben. — Stuttgart, 15. Juli. Im Alter von 84 Jahren ist Wirklicher Geheimer Rat Friedrich von Payer, der letzte kaiserliche Vizekanzler, nach kurzer Krankheit verschieden. Friedrich A ayer wurde am 12. Juni 1847 in Tübingen als Sohn eines Universitätspoellen geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Fr. Payer erst Theologie, dann aber Jurisprudenz und ließ sich 1871 als Rechtsanwalt in Stuttgart nieder. 1877 trat er als demokratischer Abgeordneter in den Reichstag ein und gehörte ihm mit kurzen Unterbrechungen bis 1918 an. Seit 1894 zählte er auch zu den demokratischen Führern im württember gischen Landtag Während des Krieges wurde Payer am 12. November 1917 Vizekanzler und Stellvertreter des Reichskanzlers an Stelle des zurückgetretenen Dr. Helfferich. Der letzte Aufruf der Reichsregierung an das Volk vom 4. 11. 1918 wurde auch von Payer unterzeichnet. In der Nationalversammlung übernahm v. Payer den Vorsitz der deutschen demokratischen Fraktion. Dort schloß er seine politische Laufbahn. Flugzeugabsturz in Rußland. Der stellvertretende Chef des Stabes der Roten Armee getötet. In der Nähe des 47 Kilometer von Moskau entfernten Bahnhofs Albino ereignete sich ein schweres Flugzeugunglück. Acht Personen fanden den Tod: der stellvertretende Chef des Stabes der Roten Armee, Filow, der stellvertretende Leiter des Amtes für Motorisierung und Mechanisierung, Kolenowski, sowie ein Mitarbeiter des Stabes der Roten Armee, namens Arkamjew, ferner zwei Flieger, ein Beobachter und zwei Flugtechniker. Furchtbares Brandunglück. Drei Per sonen verbrannt. — Bremen, 15. Juli. In Ohlenstedt ist nachts ein Besitztum niedergebrannt. Auf der Unglücksstätte fand man die Leichen des Besitzers und zweier Kinder. Zwei weitere Kinder werden vermißt. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch nicht bekannt. Schule, Messton. Unserer evangelischen weiblichen Jugend braucht man heute nicht mehr zu sagen, was eine Bibelschule ist, aber man möchte sie immer wieder aufrufen: Kommt und bereitet euch vor auf einen Dienst in der Nachfolge Jesu. Euer Meister ist da und ruft euch. Es werden weibliche Kräfte gebraucht in Kirche, Gemeinschaft und Mission, und wo sind unter den vielen, die heute nach Arbeit fragen, die, die wissen, daß unser Bürgertum im Himmel und unsere Aufgaben als Mitarbeiter Gottes hier auf der Erde für uns bereit liegen und auf uns warten? Da gibt's noch Arbeit genug für solche, die sich von Gott selbst rufen lassen. Aber für solchen Ruf muß man gerüstet sein. Eine Schule Jesu, wo Sein Ruf gehört wird. will unsere Bibelschule, das Missionsseminar in Berlin=Lichterfelde, sein. Sie bietet jungen Mädchen mit Lyzeal=, Oberlyzeal= oder guter Volksschulbildung im Alter von 19—30 Jahren in zweijährigem Kursus, einschließlich eines halbjährigen Praktikums, eine mit einer kirchlichen Prüfung abschließende Vorbildung für einen Beruf als Pfarrgehilfin, Jugendpflegerin oder Berufsarbeiterin der Innern oder Aeußern Mission. Doch können auch junge Mädchen und Frauen für kürzere Zeit als Hospitantin an Unterricht und Hausgemeinschaft teilnehmen. Ein persönlicher Glaube an den Herrn Christus und Gesundheit Leibes und der Seele wird von den sich Meldenden erwartet. Die Schule befindet sich im Missionsheim des Morgenländischen Frauen=Missionsvereins und bietet den Schülerinnen eine Heimstätte der Stille und des Friedens mitten im Grünen in der Nähe der Großstadt. Auch für die ehemaligen Bibelschülerinnen bleibt das Haus eine Heimat. 167 Schülerinnen gingen durch unsere Ausbildung, die nun als Pfarrgehilfinnen. Jugendpflegerinnen, Diakonissen, in Gemeindearbeiten. Anstalten und Werken der Inneren Mission sowie als Missionarinnen im Dienst stehen. Prospekte werden erbeten von der Leitung des Missionsheims und der Bibelschule, Gräfin Goltz und Stud.=Assessorin Erbkam, BerlinLichterfelde, Zehlendorferstr. 55. Briefkasten. „Christentum und Volk.“ Der Aufsatz„Christentum und Volk“ von D. Paul Le Seur, den wir in unserer letzten Samstagsbeilage gekürzt zum Abdruck brachten, ist soeben in ungekürzter Form im„Hochweg“(HochwegVerlag, Berlin SW.) erschienen. Bethel. — Donnerstag abend 8½ Uhr in Gosen Blaukreuzstunde. Jeder ist herzlich eingeladen. —„Kleiner Brockhaus", tadellos erhalten, für 10,— Mark oder Wära zu verkaufen. Nachzufragen in der Geschäftsstelle des Aufwärts. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel Pheie sruphen decken ihren Bedarf in der Photo-Handlung König, Rielefeld, Rathausstr. 3. Tel.955 Die Bibelschule in Berlin=Lichterfelde Zehlendorferstraße 55 bietet in zweijährigem Kursus, einschl. halbjähr. Praktikum, Ausbildung zur Gemeindehelferin(Pfarrgehilfin) u. a. Dienst der Inneren und Außeren Mission. Kirchl. Abschlußprüfung. Kürzere Teilnahme als Hospitantin— ohne Prüfung— mögl. Gläubige junge Mädchen zwischen 19—33 Jahren wollen Prospekt erbitten durch die Leitung der Bibelschule. Nordseebad Langeoog Christl. Erholungsheim„Bethanien“ Arbeitszweig des Diakonie-Vereins „Bethanien“ Solingen-Hufderhöhe Familiärer Gemeinschaftskreis, Andachten und Versamml. im Hause. Anerkannt gute Verpfleg. Mäßige Preise, besonders in der Vor- und Nachsaison. Das Heim liegt in der Nähe des Badestrandes. Anmeldungen an Schw. Marie Riebner, Christl. Erh.-Heim„Bethanien“, Langeoog. Nordseebad. Posischeckk.: Amt Essen Nr. 20502. Der„Aufwärts“ liegt auf im Christl. Erholungsheim„Bethanien“, Deckbergen, Weserberge, und wird von sämtlichen zur Kur weilenden Gästen gern gelesen. 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