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Drum laß mich auch werden, mein Jesu, erquickt Da, wo Deine Herden kein Leiden mehr drückt, Wo Freude die Fülle, wo liebliche Stille, Wo Wonne und Jauchzen, wo Herrlichkeit wohnt, Wo heiliges Leben wird ewig belohnt. Christ. Jak. Koitsch. Mini shiiishiin Hin zur Quelle. „Bei dir ist die Quelle des Lebens.“ Ps. 36, 10. „Mein Volk tut eine zwiefache Sünde: mich, die lebendige Quelle, verlassen sie und machen sich hie und da ausgehauene Brunnen, die doch löcherig sind, und kein Wasser geben. Jer. 2, 13. Jede Quelle hat ihr Geheimnis. Wir mögen uns die Wasserbecken im Inneren der Erde noch so groß vorstellen, wenn die Quelle nur aus ihnen lebte, so müßten sie sich doch einmal erschöpfen. Aber die Quelle bleibt unerschöpflich. In geheimnisvoller Weise wird das Wasserbecken unter der Erde immer wieder gefüllt von den Wassern über der Erde und eben durch diesen Kreislauf kann die Quelle bleiben, was sie ist, unaufhörlich frisches Wasser spendend. Ein Gleichnis für das viel größere Geheimnis: Gott ist die lebendige Quelle. Er ist's immer, wo Er uns auch begegnet, in der Schöpfung, in der Erlösung, in der Heiligung. Noch heute gilt das Staunen der Anbetung:„Wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättigt. Du tränkest sie mit Wonne als mit einem Strom.“ Unerschöpflich gibt die quellende Güte Gottes, im Feld, im Wald, im Strom, im Meer, ihre Gaben für die Menschenkinder her. Immer noch ist sie groß genug, um die hungernden Wesen zur Genüge und über Genüge zu ersüllen. Aber herrlicher noch ist diese quellende Güte zu erkennen in Christo. Denn in Ihm hat Gott es zu tun mit der abgrundtiefen Leere, welche die Sünde in der Welt und im einzelnen Menschenherzen aufgerissen hat. Das ist das Geheimnis Christi, daß das Wasser Seiner Gnade unerschöpflich in diese Leere hineinquillt. Je tiefer die Leere ist, je mehr sich der Schmutz ansammelt, um die Quelle zu verstopfen, desto mehr wird es durch Ihn Wahrheit und Wirklichkeit:„Wo die Sünde mächtig geworden ist, da ist die Gnade noch viel mächtiger.“ Und diese Wirklichkeit der Gnade sprudelt auf in dem Geist.„Wir können es ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten von dem, was wir gehört und gesehen haben,“ so heißt es bei den Aposteln. Und da, wo wirklich dem Geist Gottes Raum gegeben wird, erweist er sich noch heute als der Quell, als der Schöpfer, der unaufhörlich da schafft, wo nichts ist. Hin zur Quelle! Muß man einen Wanderer erst mahnen, statt des abgestandenen Wassers im Teiche das Quellwasser zu trinken? Gott gegenüber aber verlieren wir uns immer wieder in der Torheit, die zugleich unser Elend ist. Wir ziehen das Wasser aus den löcherigen Brunnen dem Quellwasser vor. Mitten in der Herrlichkeit der Schöpfung sind die Mammonsbrunnen ausgehauen, zu denen nur wenige herangelassen werden. So kann es kommen, daß auf der einen Seite der Erde die soldene Flut des Weizens verbrannt wird, während auf der anderen viele Tausende verhungern. Und für das Bursten der Seele gräbt man die alten heidnischen Brunnen aus. Wotans abgestandenes Wasser erscheint besser als der Quell Christi. Und so voll kann man noch vom eigenen Geiste sein, daß selbst bei der christlichen Verkündigung den Dürstenden nicht selten das schale Wasser kluder Menschengedanken vorgesetzt wird statt des lebendigen Quells.— Eine zwiefache Sünde. Darum ist eine zwiefache Wendung nötig in Abkehr und Hinkehr; Abkehr von den ausgehauenen Brunnen, Hinkehr zu dem lebendigen Uuell. Zwischen Abkehr und Hinkehr kann ein Punkt llegen, welcher der Verzweiflung ähnlich sieht:„Ich soll sicht mehr von den ausgehauenen Brunnen erwarten, siichts vom Mammonismus, nichts vom Nationalismus vder auch vom Internationalismus? Gab's nicht doch werall wenigstens Verheißungen, die wie Wasserspiegel aussahen?" Aber seht doch die mächtige Hand, die heute die ausgehauenen Brunnen zerschlägt. Es ist Seine darmherzigkeit, die solches tut, denn Er will, daß Seine Eeschöpfe, Seine Kinder jauchzen sollen im Schöpfen aus ohm, der lebendigen Quelle, und satt werden.—m. Die Aussprache zwischen den deutschen und den englischen Ministern hat nun stattgefunden. Was dort eigentlich verhandelt worden ist, darüber hat man so recht nichts erfahren. Es wurden zwar so halbamtliche Berichte herausgegeben. Diese waren aber in einer so gekünstelten Diplomatensprache abgefaßt, daß man in Versuchung kam, boshafte Bemerkungen dazu zu machen. Wir haben es nicht getan, sind aber auch, ehrlich gestanden, aus dem Sinn der Berichte nicht klug geworden. Reichskanzler Dr. Brüning ist, nach Aeußerungen von ihm, der Meinung gewesen, der Zeitpunkt, wo er die Notverordnung hat herausgehen lassen müssen, sei der geeignete, um es den englischen Staatsmännern deutlich zu machen, daß Deutschlands Not und Bedrängnis nun auf das Höchste gestiegen sei. Gerade der Umstand, daß durch die Notverordnung wieder die Masse des Volkes, Arbeitende und Arbeitslose, Mittelstand, Invaliden, Kriegsbeschädigte, Beamte und Angestellte ihr schmales Arbeitseinkommen und ihre noch schmaleren. Renten und Unterstützungen gekürzt bekamen und durch erhöhte Steuern die Lebenshaltung noch mehr beschnitten wird, sollte in London die Ueberzeugung hervorrufen, daß dem deutschen Reiche und Volke Entlastung geschaffen werden müsse. Mit der größten Spannung wartete nun alles auf die Entscheidungen und Beschlüsse, die in Chequers gefaßt werden würden. Das Echo, welches die Vorgänge in England an den Stellen gefunden haben, die nach Lage der Verhältnisse mit zu bestimmen haben über jede Aenderung bestehender Verträge oder Diktate, läßt aber darauf schließen, daß von dort aus in dieser Beziehung jetzt ebenso wenig zu hoffen ist wie in den Nachkriegsjahren überhaupt. Jedenfalls hat ein Redner in der französischen Kammer jetzt wieder davon gesprochen, daß Frankreich gar kein Interesse daran habe, Deutschland wirtschaftlich wieder auf die Beine zu helfen. Und Briand selbst betonte in einer großen Rede, wie man sie bei diesem gewandten Franzosen gewohnt ist, es könne keine Rede davon sein, den Youngplan, der erst kürzlich in Kraft getreten sei, zu revidieren, da er einen definitiven Charakter trage. Von Frankreich aus wird nicht mancher Deutsche in dieser Beziehung noch etwas erwarten. Es muß aber beachtet werden, mit welcher Eile sowohl von England wie auch von Amerika aus darauf hingewiesen wurde, daß zuletzt die deutschen Zahlungen doch zu nichts anderem dienten, als die Zinsen, die Frankreich, England und auch die anderen Staaten an den gemeinsamen Kriegsgläubiger Amerika zu zahlen haben, eben auf diesem Wege zu zahlen. Die Steuerzahler jener Länder haben aber gar keine Ahnung, was es heißt, die Tribute von einem Volke einzutreiben, dem die Inflation das in Menschenaltern ersparte Volksvermögen geraubt hat. Es vollzieht sich in Deutschland durch alles das, was die Folge eines verlorenen Krieges durch eine unzeitige Revolution ist, ein Prozeß, dessen Ende die völlige Enteignung eines freien, sleißigen und süchtigen Volkes ist. Das ist aber ein Schicksal, für das weder bei den Chauvinisten Frankreichs noch bei den Sozialisten Englands Verständnis oder Mitleid vorhanden oder zu erwarten ist. Es hat deshalb auch nicht viel Zweck, jetzt schon ein Jammer= und Klagelied über die Ergebnislosigkeit der Londoner Verhandlungen anzustimmen, wenn es auch so scheint, als sei diese Besprechung nicht höher zu bewerten als alle anderen vorher mit den gleichen Absichten. Für das deutsche Volk bleibt jetzt wieder die Aufgabe, sich so oder so mit den ihm als Frühlingsgabe bescherten Notverordnungen abzufinden. Gustav Hülfer schreibt in der„Täglichen Rundschau“ einen sehr ernsten Artikel darüber, aus dem wir die folgenden Abschnitte weiter geben möchten: „Diese Notverordnung ist eine ungeheuerliche Belastungsprobe nicht nur für die Regierung, sondern erst recht für die Parteien. Das Problem der Verteilung der aus dem verlorenen Kriege herrührenden Lasten im deutschen Volke ist erst heute, 13 Jahre nach Kriegsende, auf die Spitze getrieben. Eine unaufrichtige, feige Politik des Hinausschiebens hat die Klarheit darüber dem deutschen Volke so lange verschleiert. Man sollte aufhören, mit Worten zu spielen. Für die davon betroffenen Volksschichten ist es zunächst gleich, ob sie durch Kürzung ihrer Einnahmen oder Erhöhung ihrer Ausgaben in ihrem Lebensstande herabgedrückt werden. und keine Regierung— auch keine Rechtsdiktatur— ist in der Lage, im Handumdrehen eine Verminderung der durch die neue Notverordnung erreichten Gesamtbelastung des deutschen Volkes herbeizuführen. An dieser Tatsache will anscheinend auch Herr Dingeldey vorbeisehen, wenn er so scharf kritisiert, daß keinerlei wirklicher Reformversuch an der Sozialversicherung unternommen sei. Den Hunger kann er den Arbeitslosen ja auch nicht wegreformieren. Und nun die Notverordnung selbst. In 28 Abschnitten ist hier ein Eingriff in die Lebensführung des deutschen Volkes vorgenommen, dessen Auswirkungen noch gar nicht zu übersehen sind. Wir setzen hinter viele Schätzungen, die der Notverordnung zugrundeliegen, ein großes Fragezeichen. Auch Reichsfinanzminister Dietrich hat sich schon mehrfach in seinen Schätzungen getäuscht. Daß die Minister Dietrich und Stegerwald am Sonnabend vor der Presse zu einzelnen Abschnitten der Notverordnung selbst persönliche Vorbehalte machten, läßt die Sache nicht besser erscheinen. Die Hauptbelastung ist auf die mittleren Einkommen und auf die Rentenempfänger und Arbeitslosen gelegt. Die Furcht vor der Kapitalflucht hat bei der Behandlung der Großeinkommen die Feder geführt. Die psychologisch unerläßliche Beschneidung der Großgehälter, der Doppelverdiener usw., ist unterblieben. Die Ministerialbureaukratie hat die günstige Gelegenheit benutzt, um zahllose Kleinigkeiten in der Kriegsbeschädigtenversorgung usw. nach ihren alten, im Reichstag immer wieder abgelehnten Wünschen zu regeln. Das Nachtbackverbot ist nur für die großstädtischen Brotfabriken aufgehoben. Das Bäckergewerbe wird verständlicherweise flammenden Protest dagegen erheben. Bei den Beamten ist die erste Kinderzulage gekürzt und der Reichsfinanzminister hat vor der Presse kein Hehl aus seiner Abneigung gegen die Kinderzulagen überhaupt gemacht. Aber für eine Besprechung aller Einzelheiten ist jetzt gar nicht die Zeit.“ Wenn man in diesen Tagen beobachten konnte, mit welcher Hast die Hausfrauen in die Geschäfte eilten, um sich, soweit es die Kasse erlaubte, noch mit billigem Vornotverordnungszucker einzudecken, wurde man an die übelsten Schreckenstage der Inflationszeit erinnert. Und es gibt Stimmen, die als Folge dieser Notverordnung noch Schlimmeres prophezeien. Hülser weist oben darauf hin, daß die Furcht vor der Kapitalflucht bei der Behandlung der Großeinkommen die Feder geführt habe. Er meint sicher damit die übermäßig hohen Gehälter, aber auch das eingeschätzte Einkommen. Die Form, in der das Letztere im Verhältnis zum Gehalts= oder Lohneinkommen behandelt wird, muß bei dem Gehalts= und Lohnempfänger, der sich überhaupt kritisch mit diesen Dingen beschäftigt, die stärkste Verbitterung hervorrufen. Der pflichttreue Mensch macht keinen Unterschied zwischen Einkommen, das durch Beamtendienst, im Bergwerk und in der Fabrik oder als Cewinn eines Unternehmens erworben ist und er wird es nicht verstehen, wenn das Letztere auch jetzt wieder viel schonender behandelt wird. Nach der landläufigen Auffassung vertritt der Staat allerdings immer noch den Gedanken, daß durch eine solche schonende Behandlung des frei erworbenen Einkommens die Kapitalbildung gefördert werde oder gefördert werden müsse, während der sozial oder volksgemeinschaftlich denkende Staatsbürger immer darauf wartet, daß sich die Einsicht endlich durchsetzt, die der Masse des Volkes gegebene Verdienst= und Sparmöglichkeit werde in gleichem Maße die Kapitalbildung fördern. Diese mangelnde Einsicht und jene Furcht vor der Kapitalflucht sind zwei Faktoren, die das Notverordnungskonto der Regierung recht schwer belasten. Es muß ein Zahlungsmittel geben, durch das der internationale Weltverkehr geregelt werden kann. Daß es aber möglich ist, die unter dem Schutz eines Staates erworbenen Vermögen ohne weiteres über die Grenze zu schaffen, ohne daß Gegenwerte dafür in das Land hereinkommen, ist ein Mangel, zu dessen Beseitigung jeder selbständige Staat die Macht haben müßte. Wir wissen aber, wie sscharf gerade diese Idee vom internationalen Börsenkapital bekämpft wird. Heute fehlt hier der Raum, auf diese Frage näher einzugehen. Wenn es aber jetzt noch in Paris ungezählte Russen gibt, die dort vom Vorkriegsreichtum herrlich leben; wenn unser Kaiser in Holland frei von materiellen Sorgen leben kann, auch wenn in Deutschland einmal alles drunter und drüber gehen sollte; wenn jetzt König Alfons von Spanien und seine ausgedehnte Familie in England große Vermögen in englischen Wertpapieren hat, so kann man zugeben, daß es allenthalben einmal Situationen geben kann, die auch noch solche Möglichkeiten wünschenswert erscheinen lassen. Aber ein Fehler liegt hier doch und es bleibt unsere Auffassung, daß Deutschland einen Weg finden muß, gerade auf diesem Gebiet zu einer befreienden Tat zu kommen. Der Vertrag mit der Evangelischen Kirche ist nun in dieser Woche im Preußischen Landtag angenommen worden. Gegner waren nicht mehr viel vorhanden. Um so auffälliger war es, daß der 87=jährige Graf Posadow= sky, dieser alte Kämpfer für die deutschen Volksrechte und für evangelisches Kirchentum, sich mit Schärfe gegen die Annahme des Vertrages wandte. Um der Gesamtlage Deutschlands willen kann man es vielleicht begrüßen, wenn durch den Vertrag etwas Beruhigung eintritt. Wer aber die Geschichte kennt, wird fragen, wer hier der Gewinner ist und wird Vorsicht und Wachsamkeit auch für die Zukunft für sehr nötig halten. Kr. Heimathilfe und Heimathaus. (Als Antwort auf mancherlei Fragen!) 1. Wie stellt sich die Baupolizeibehörde zu den von uns errichteten Lehmbauten? Darauf ist zu sagen: Als wir vor 8 Jahren hier in Dünne den ersten Versuch mit unserer Bauweise machten, waren die Bedenken der Baupolizei groß. Denn in den Jahren von 1920-23 waren an verschiedenen Stellen des Vaterlandes mit Lehmbauten nicht immer glückliche Erfahrungen gemacht worden. Im Laufe der letzten 8 Jahren aber haben die Baupolizeibehörden in hiesiger Gegend ihre Bedenken gegen unser Unternehmen fallen lassen. An die Stelle der Bedenken ist vielmehr wachsendes Vertrauen getreten. Dieses Vertrauen hat sich auch noch auf die Bauten im südlichen Westfalen und im Gebiet von Remscheid(Rheinland) übertragen. Als wir dort begannen, hieß es:„Für ein milderes Klima wie im Minden=Ravensberger Lande mögen Lehmbauten in Frage kommen, aber für das rauhe und regenreiche Gebiet des bergischen Landes nicht.“ Diese Meinung hat sich im Anschluß an die vorjährigen Erfahrungen geändert. Darum sind unter einmütigem Vertrauen der städtischen Behörden 16 weitere Siedlungsbauten im Remscheider Gebiet in Angriff genommen. Weit: hlreiche Bewerbungen aus der näheren und weiteren Umgebung liegen vor. 2. Wie lange halten Lehmbauten? Eine maßgebende Baufachschrift schrieb kürzlich, daß die Lebensdauer von Lehmhäusern auf 200 Jahre eingeschätzt werden könne. Damit ist aber nicht gemeint, daß nach etwa 200 Jahren der Lehm zerbröckle, sondern nur das kann damit gemeint sein, daß im Laufe von 2 Jahrhunderten elementare Ereignisse bald der einen, bald der andern Art einzutreten pflegen, welche dem Bestand eines Lehmhauses ein Ende machen. Solchen elementaren Ereignissen ist aber auch jedes andere Haus unterworfen, so daß die Lebensdauer eines sorgsam errichteten Steinhauses und eines sorgsam errichteten Lehmhauses der Regel nach die gleiche sein dürfte. Völlig anders liegt es natürlich, wenn ein Steinhaus oder Lehmhaus unsorgsam aufgerichtet wird. Wieder und wieder hört man von Steinhänsern, die mit schlechtem Mörtel gemauert sind, so daß sie schon vom ersten Beginn an als baufällig bezeichnet werden müssen. Aehnliches kann man auch mit Lehmhäusern erleben. So haben wir von den 93 Häusern, die im Jahre 1929 errichtet wurden, bei 6 Häusern eine Außenwand erneuern müssen. Dabei handelte es sich um Bauten, bei denen, wie sich nachträglich herausstellte, Maurer arbeiteten, die dem Lehmbau im Grunde ihres Herzens gram waren, und die darum den ihnen anvertrauten Bauten nicht die nötige Liebe und Sorgfalt entgegenbrachten. Infolgedessen entstand ein schlechter Verputz, der die Feuchtigkeit nicht genügend abhielt und eine umfassende Wiederherstellung erforderte. Aber da, wo von sorgsamer Hand ein guter Verputz aufgebracht wird, bleibt eine Lehmwand trocken und warm und bietet nicht geringe Vorzüge gegenüber einem unverputzten Backsteingebäude. 3. Warum werden Lehmhäuser billiger als Steinhäuser? Das liegt nicht nur daran, daß ungebrannter Lehm selbstverständlich wohlfeiler ist, als der zu Backsteinen gebrannte Lehm. Noch viel mehr liegt es daran— was wir immer wieder hervorheben müssen—, daß der ungebrannte Lehm ein handlicheres Baumaterial ist, als Bruchstein oder gebrannter Backstein. Darum ermutigt er die ganze Familie, Freundschaft und Verwandtschaft, bei Errichtung des Hauses mitzuwirken. Ist aber einmal eine Familie in solche Selbsthilfe eingetreten, dann gewinnt sie Mut und Geschick, nicht nur bei denjenigen Teilen ihrer Heimstätte mitzuhelfen, bei denen der Lehm unmittelbar verwendet wird, vielmehr gelingt es ihr in vielen Fällen, auch bei den übrigen Bauarbeiten mit Hand Heckenrosen. Von Georg Meyer(Wurzen). Schau an, über Nacht hat der Dornbusch Rosen gebracht. Der Frühling sitzt am Wege in rosafarbenem Gewand und lacht aus tausend und aber tausend Blumengesichtern auf staubigem Wanderpfad dich an mit Kinderlachen und Kinderfrohsinn. O, das ist eine selige Zeit, wenn an Rainen und Waldesrand die Heckenrosen blühen. Bei den Heckenrosen ist keine stolze Hoheit und Schöne, wie bei den Schwestern drinnen in der Stadt auf den Schmuckplätzen und in den Gärten, nein, die Heckenrose ist ein sschlichtes Landkind, aber die wandernde Jugend schmückt sich mit der Blume und singt ihren Preis. In verschwenderischer Fülle prangen die Blüten, leuchtend und faltergleich, im dunklen Dornengezweig. Bloß eine kurze Spanne Zeit ist der Heckenrose zugemessen. Wunderlieblich in ihrer frischen bescheidenen Art anzuschauen, verblühen sie bald ihre Tage, hold und innig wie Volkslieder, in die sie sich einschmiegen, als hätte sie eigens dafür unser Herrgott erschaffen. Heckenrosen! Keinen schweren berückenden Duft wie etwa der Flieder oder seine durch hohe Kulturschule gegangene Gartenschwester entsendet das einfache Blumenkind. Nur zart und keusch hauchen die rosa Sterne ihren Blütenatem. Sowie der süß=betäubende Fliederduft in voller Harmonie mit dem wonnetrunkenen Schlag der Nachtigall steht, so eint zur wilden Rosenhecke kein anderer Vogellaut sich trefflicher als die jubilierenden Lob= und Danklieder der Lerchen über dem freien Feld. Von altersher hat die christliche Legende die kleine Heckenrose umsponnen und ihre Herkunft mit einem Wunder erklärt: Als Maria und Joseph mit dem Jesuskindlein nach Aegypten flüchten mußten, geschah es, daß sie unterwegs auf einsamer Straße Rast hielten. Maria wusch die Windeln in dem nahen Bächlein und trocknete sie auf dem groben Geanzulegen, so beim Ausschachten der Grundmauern, beim Ansetzen des Mörtels, beim Aufhängen der Pfannen, bei Einbringung der Schutzdecken, beim Verlegen der Dielen, beim Oelen des Holzwerks usw. Solange aber eine Familie aus irgendwelchem Grunde solche Selbsthilfe nicht an ihre Heimstätte wenden kann, tut sie unter den gegenwärtigen Verhältnissen gut, zunächst auf ihr Vorhaben zu verzichten. Sonst kann sie es erleben, daß ein Lehmhaus nicht billiger, sondern sogar noch teurer wird als ein anderes Gebäude. 4. Wieviel billiger wird ein Lehmhaus gegenüber einem Steinhaus? Das richtet sich ganz nach der Familie und ihren Helfern. Ist sie beim Einkauf der Baumaterialien und der Auswahl der Handwerker gut beraten, und leistet sie bei ihrem Bau viel selbständige freiwillige Arbeit, so kann das Haus bei gleicher Ausführung um ein Viertel, ein Drittel, ja, bis zur Hälfte billiger werden als ein gleich großes Steingebäude, das lediglich von einem Unternehmer aufgeführt wird. Daß der dauernde Unterhalt eines solchen selbst errichteten Gebäudes viele weiteren sehr wesentlichen Ersparnisse in sich schließt, liegt daran, daß naturgemäß Familie und sselbsterrichtetes Haus ganz anders miteinander verwachsen sind, als wenn lediglich fremde Kräfte bei der Herstellung tätig waren. 5. Wird aber durch solche Selbsthilfe der Familie das Handwerk nicht geschädigt und beiseite gesetzt und dadurch die Arbeitslosigkeit noch weiter gefördert? Das Umgekehrte ist der Fall. Zur Zeit liegt das Baugewerbe in erschreckendem Maße darnieder, und zwar deswegen, weil das Bauen, sofern die eigentliche Tätigkeit der Familie dabei ausgeschlossen ist, bei unserer heutigen Wirtschaftslage viel zu teuer ist. Die einzelne Wohnung kommt noch immer, auch bei äußerster Einschränkung der Räume, durchschnittlich, gering gerechnet, auf RM 7500,— festgelegten Kapitals. Gelingt es nun aber, durch Selbsthilfe RM-3000,— zu sparen und mit RM 4500,— bis RM 5 500,— nicht etwa eine dürftige Mietswohnung, sondern eine selbständige kleine Heimstätte im eigenen Garten zu schaffen, so wird dadurch der Mut zum Bauen neu angeregt, und in Gegenden, wo jetzt ein erschreckender Stillstand im Bauwesen herrscht, können wieder kleine Heimstätten entstehen und dadurch Schritt um Schritt dem Handwerk und der Wirtschaft neuer Verdienst und neue Arbeitsmöglichkeiten zugeführt werden. Denn, wenn bei solchen Heimstätten das Baugewerbe infolge der Selbsthilfe der Familie auch nicht alle und jede Arbeit wie bisher in die Hand bekommt, so wäre das doch freudig in Kauf zu nehmen gegenüber der Tatsache, daß jetzt nahezu überhaupt keine selbständigen Einfamilienheimstätten des handarbeitenden Standes mehr hergestellt werden. Welche freudige Bewegung aber muß unsern Bau= und Arbeitsmarkt ergreifen, wenn gerade die untersten Schichten unseres Volkes in Stadt und Land wieder zu selbständigen Heimstätten gelangen und vor allem auch die Zeiten der Arbeitslosigkeit zur Errichtung von selbständigen Familien=Anwesen verwendet werden können! 6. Gibt es denn überall Lehm, aus dem man Lehmhäuser bauen kann? Geeigneter Baulehm ist viel verbreiteter, als man gemeiniglich annimmt. Ueberall da, wo sich alte Fachwerkhäuser befinden, in den Städten oder auf dem Lande, ist zu vermuten, daß sich geeigneter Lehm in erreichbarer Nähe befindet, sei es, daß er auf der Baustelle selbst gewonnen oder aus nicht zu großer Entfernung angefahren werden kann. Aber auch da, wo keine alten Fachwerkbauten zu finden sind und die Gebäude früherer Zeit, sei es aus Stein, sei es aus Holz, errichtet wurden, kann man vielfach bei gründlichen Nachforschungen auf umfassende Lehmfelder stoßen. So kommt z. B. im südöstlichen Randstrüpp, an dessen Seite sie rasteten. Der Strauch aber war voller Dornen, die Maria verwundeten, so daß hier und da ein Tröpfchen Blut aus den Händen der Mutter des Christkindes die Zweige benetzte. Wo solches geschehen war, da quollen plötzlich liebliche Röslein auf. Seitdem ist der Dornbusch gesegnet und trägt seinen Rosenschmuck.— Vielleicht mag diese fromme Mär der grundlegende Anlaß gewesen sein zu Matthias Grünwalds berühmtem Bilde„Maria im Rosenhag. 32. deutscher Kirchengesangstag in Dortmund Vom 6. bis 8. Juni fand in Dortmund der 32. deutsche evangelische Kirchengesangstag statt. Er vereinigte die evangelischen Kirchenchöre Deutschlands zu ihrer regelmäßigen Jahrestagung dieses Mal in Dortmund. Der Ort war gut gewählt. Die im Rauch der Schlote und Essen liegende Stadt ist eine der musikakischsten Städte des Westens, die vor allen Dingen in der musika sacra Hervorragendes leistet. Hier wirkt Gerard Bunk als Organist an Reinoldi und Leiter seines vorbildlichen Bachvereins. Hier leitet Karl Holtschneider das Städtische Konservatorium, dem eine Kirchenmusikschule als selbständige Abteilung angegliedert ist. Hier leistet die von ihm in Verbindung mit Hensel ins Leben gerufene Jugendmusikschule, die zur Zeit 1200 Schüler hat, eine reiche musikalische Erziehungsarbeit. Hier finden wir gut geschulte Kirchen= und Schülerchöre in allen Gemeinden und in Schulen aller Art. Schließlich hat Dortmund auch die festlichen Räume, die für alle Veranstaltungen den entsprechenden Rahmen zu geben vermögen. Und nicht zuletzt sei bemerkt, daß das religiöse Lied gerade im Zentrum des von der Wirtschaftskrise schwer bedrohten Industriegebiets seine besondere Aufgabe hat. Den günstigen Voraussetzungen entsprach die Gestaltung der Tagung. Dortmund stand tagelang im Zeichen gebiet von München reichlich Lehm vor, obwohl chen, seines früheren Holzreichtums wegen keine alten Lehmbauten aufweist. 7. Warum baut Ihr denn nicht überall Lehmhäuser: Das geht einfach deshalb nicht, weil alle Versuche des letzten Jahrzehnts, lediglich durch Vereine oder Gengs, senschaften unter Beiseitesetzung der Familie Einfamilien, häuser aus Stein oder Lehm zu errichten, sich als fingn, ziell undurchführbar erwiesen haben. Wohlfeile, gesunde Heimstätten lassen sich heutzutage nur noch aufführen, wenn die Familie selber mit zugreift, selbst ihr Bauherr wird und bereit ist, sich von freiwilligen Kräften helfen lassen. Aber dazu haben bis jetzt die allerwenigsten Familien Mut, dazu fehlen ihnen vor allem die unentbehr. lichen Bahnbrecher, Berater und Helfer. 8. Wozu soll das Heimathaus dienen? Solchen Siedlern, Siedlerfrauen oder Siedlungsfreun, den— wie Lehrern, Beamten, jungen und alten Akademikern uff.— soll es gastliche Aufnahme gewähren, die sich bei unseren hiesigen Siedlungsbauten davon überzeugen möchten, daß und wie man wirklich noch zu einer eigenen Heimstätte gelangen kann. Dann aber soll es zur Ausbildung von Siedlungshelfern und=helferinnen dienen, die hier an Ort und Stelle lernen, bei allen während der Bauzeit vorkommenden Arbeiten persönlich Hand anzulegen und so in den Stand gesetzt werden, aus eigener Erfahrung heraus den siedelnden Familien mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Wie die Siedler aus den verschiedensten Berufen stammen, so freut es uns, daß auch bei uns sich Siedlungshelfer aus allen Berufen einfinden, um sich für die Siedlungshilfe auszubilden. Erfahrene fachmännische Kräfte stehen für diese Ausbildung zur Verfügung. 9. Warum braucht Ihr denn auch Siedlungshelferinnen? Weil bei der Errichtung der Heimstätte die ganze Familie nebst Nachbarschaft, Verwandtschaft und Freundschaft tätig ist. Da aber gerade beim Lehmbau nicht nur die starken Kräfte des Mannes, sondern auch die fürsorglichen Kräfte der Frauen und die muntere Hilfe der Kinder willkommen sind, so können bei unserer Siedlungsarbeit junge Mädchen mit hingebendem Herzen und geschickter Hand wesentliche Hilfe leisten. Ohne diese überall zugreifenden weiblichen Kräfte ist es namentlich in der Nähe unserer großen Städte kaum noch möglich, einen Zusammenschluß der Familie zu tätiger gemeinsamer Arbeit zu erreichen. 10. Was kostet Euch denn solch ein freiwilliger Siedlungshelfer und eine Siedlungshelferin während ihrer Ausbildungszeit? Wir müssen für freie Station, also Ernährung, Wohnung und Wäsche einschließlich unserer Verwaltungs= und Versicherungskosten 2,— Mark pro Tag rechnen. Dazu geben wir zur Beschaffung von Kleidung und zur Bestreitung der notwendigsten Nebenkosten jedem Schüler 50 Pfennig pro Tag. Wir haben also für jeden Schüler .50 Mark nötig. Jeder, der unserm Verein„Heimathilfe“ sseinen Mitgliedsbeitrag von.— Mark zahlt, stellt also für 2 Tage einen Heimathelfer oder eine Heimathelferin der großen Heimatnot unseres Volkes zur Verfügung. Wer für noch mehr Tage geben kann, ist uns natürlich willkommen, aber wer weniger gibt, etwa für einen, einen halben oder einen Viertel Tag, soll uns nicht weniger herzlich willkommen sein. 11. Was braucht ihr denn für. Euer Heimathaus? Meines Bruders und meine Hoffnungen, auf unsere Bitten zu Weihnachten und zum 100. Geburtstage unseres Vaters ein so starkes Echo zu finden, daß wir ein größeres neues Heimathaus hätten errichten können, sind nicht in Erfüllung gegangen, und das ist auch gut so. Unsere Siedlungsgäste, unsere Helfer und Helferinnen lernen auf solche Weise, sich mit den allerbescheidensten Verhältnissen begnügen und sich auf Zeiten größerer Not und der musika sacra, die von den verschiedensten Chören (Schülerchöre, Frauenchöre, Posaunenchöre, Kirchenchöre) und Solisten aller Art in hervorragendster Weise dargeboten wurde. Den Höhepunkt bildete zweifellos das von Gerard Bunk am 7. 6. in der Reinoldikirche veranstaltete Festkonzert mit der Cantate Nr. 31 von J. S. Bach und dem Te Deum Laudamus von Händel, das in dem anerkanten musikalischen Wirken Bunks zweifellos eine besonders bemerkenswerte Leistung darstellte und dem mitwirkenden Chor(Bachverein verstärkt durch Mitglieder des Petrikirchenchores und der Pädagogischen Aademie) sowie dem Städtischen Orchester als auch den### listen, Hilde Wesselmann, Sopran, Ernst Buckemullet, Tenor, Prof. Albert Fischer, das beste Zeugnis ausstellle. Erwähnt werden muß auch die musikalische Umrahmunt des Festaktes. Hier brachte der Direktor des städtischen Konservatoriums Holtschneider den 13. Psalm für S“ pransolo(Hilde Wesselmann), Chor(Westfälischer Madr“ galchor) und Streichorchester(vom Städtischen Konserde torium) von Gerard Bunk und Arnold Mendelssohn““ 32. Nr. 5„Zuversicht“ für gemischten Chor und Streich orchester in vorzüglicher Wiedergabe zu Gehör. Besol ders bemerkenswert ist noch, daß durch die festlichen De“. anstaltungen weiteste Kreise Dortmunds erfaßt würde“ was zum guten Teil in der freudigen Mitwirkung det verschiedensten Schulen an der musikalischen Ausgestt tung der Festgottesdienste begründet ist. So wurde de Zweck der Tagung, die große Gegenwartsbedeutung““ religiösen Liedes in einer notvollen Zeit zu erweisen ui zur Pflege der heiligen Musik Anregung zu geben,“ erreicht.— Von diesem Zweck handelten mehr oder““ niger alle Reden, die in reicher Fülle gehalten wurden Der Vorsitzende des westfälischen Kirchengesangvere Superintendent Torhorst, gab in feiner Weise den““ an, wenn er als Quelle der kirchenmusikalischen Arbe“ die Freude darüber bezeichnete, daß man es besonders" ernsterer Entbehrungen, denen wir vielleicht entgegengehen, zu rüsten. Darum möchten wir auch zunächst nichts weiter tun, als außer dem gemieteten Hause ein kleines unterkunftsgebäude aus Lehm zu errichten, in welchem wir für 20 Siedler, Siedlungsschüler und Siedlungsgäste glatz haben, dazu noch einen Raum für unsere Versammlungen und Besprechungen. Wir hoffen für dieses Haus mit 10000,— Mark, einschließlich der bescheidensten Einrichtung, auszukommen; dazu kommen noch 7500,— Mark für das Grundstück. Dieses Grundstück soll gleichzeitig unseren Siedlungsschulen als Musteranlage für Garten= und Feldbau und zur Verbilligung des Lebensunterhaltes dienen. 12. Nun wollen bitte also unsere Freunde wählen, ob sie für die Aufrichtung dieses Gebäudes uns ihre weitere Hilfe zuwenden wollen, oder für den Unterhalt und die Heranbildung eines Heimathelfers, bezw. Heimathelferin. Kann der eine oder andere uns für beide Zwecke seine Hilfe gewähren, muß es uns natürlich desto lieber sein. Es gingen ein als Bausteine für das Heimathaus: Mk. 3288,00; für die Heimathilfe, d. h. für die Ausbildung von Heimathelfern und Heimathelferinnen. 5 296,85 Marck. An neuen Gaben haben wir zu danken, für Heimathaus: J. Sch. in J. 5,—; P. St. in R..—; v. B. in G. Pfr. A. Sch. in.=E..—; Sammlung Dankort B. (gelegentlich eines Besuches) 42,25. Insgesamt: 3347,25 Mark.— Für Heimathilfe: W. O. in B. 2,—; W. K. in .=St. 2,—. Insgesamt 5 300,85 Mark. Für alte und neue Liebe und Treue von ganzem Herzen dankend G. v. Bodelschwingh. Dünne, Kreis Herford, den 2. Juni 1931. Postscheckkonto Hannover 48273. Der Wolsirp til=Wonspulnk. Umbildung des Reichskabinetts gefordert.— Andernfalls Reichstagseinberufung. Berlin, 12. Juni. Reichskanzler Dr. Brüning weilte am Freitagnachmittag zur Berichterstattung beim Reichspräsidenten auf dessen Landgut Neudeck bei Deutsch=Eylau. Für die politische Besprechung standen dem Kanzler nur knapp vier Stunden zur Verfügung, da er noch am gleichen Abend die Rückreise nach Berlin antrat, wo am Sonnabend die Verhandlungen mit den Parteiführern fortgesetzt werden sollen. Ursprünglich war die Kanzlerreise nach Neudeck in der Hauptsache gedacht als Information Hindenburgs über Chequers, kurz vor der Abreise Dr. Brünings aus Berlin hatte sich jedoch das politische Gewicht der Zusammenkunft von Kanzler und Reichspräsident stark nach der innerpolitischen Seite hin verlagert. In später Nachtstunde hatte nämlich die Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei nach siebenstündiger Beratung mit Mehrheit den Beschluß gefaßt, in der Sitzung des Aeltestenrats am Dienstag für die Einberufung des Reichstags einzutreten. Diese Entschließung wird damit begründet, daß die Fraktion die Verantwortung für die Notverordnung ablehnt, da die Verordnung weder wirtschaftlich noch finanziell eine wirkliche Sanierung der öffentlichen Haushaltung und eine Anbahnung der Wirtschaftsgesundung zu bringen vermöge. Suhhng zure... Asinuten gekocht) schmeckt der Rathrerher euer Wäfe! Oabei kostet das ganze Pschapul T P9... schwerer Zeit erfahre, wie Gott gerade in die Dornen die Kraft gelegt habe, Rosen zu tragen. In der musika sakra werde das Leid in Herzenskraft gewandelt. Er gedachte der großen Bahnbrecher kirchlicher Musik und durfte dann die Vertreter der Behörden von Kirche, Schule, Staat und Stadt begrüßen. Alle nahmen das angeschlagene Motto auf und sprachen dem Kirchengesangverein den Dank aus für sein Bemühen, in eine Zeit schwerer Not die Kräfte der Erhebung zu tragen. Der Vorsitzende des deutschen Gesamtverbandes, Pfarrer Plath in Essen, griff in seinem Dankwort am Schluß vor allen Dingen das Grußwort des Direktors der Pädagogischen Akademie heraus, in dem dieser ausgesprochen hatte, daß die neue Lehrerbildung das Erbe der alten Lehrergeneravion, die Pflege der musika sacra, zu wahren gedenke. Eben um diese Arbeitsgemeinschaft sei es dem Kirchengesangverein zu tun. Am Abend des 7. Juni fand eine von 3000 Menschen besuchte Festversammlung im großen Fredenbaumsaal statt. Prof. Moser=Berlin, der bekannte Musikwissenschaftler, sprach über„Dienst unserer Kirchenchöre in alker und neuer Zeit". In der Gegenwart sei es deren aufgabe, nach dem Vorbild der Chöre seit der Reformalion in dreifacher Hinsicht zu wirken, im Gottesdienst, im kirchlichen Gemeindeleben überhaupt und in der Werdung für die Kirche. Die Bekanntgabe der soeben einbetroffenen Nachricht, daß Professor Moser für sein kirchenmusikalisches Wirken von der theologischen Fakullat der Universität Königsberg zum Doktor der Theologie h.., ernannt sei, fand ebenso freudige Aufnahme wie die ehrenvolle Anerkennung des verdienstvollen Wirkens Gerard Bunks. Den Abschluß der reichen Tagung bildete die öffentiiche Hauptrersammlung am 8.., in der Prof. D. Eger aus Halle über die„Forderungen an eine Gegenwartsagende“ sprach. Von maßgebender volksparteilicher Seite wird hierzu betont, daß die Fraktion wiederholt zum Ausdruck gebracht habe, daß nach ihrer Auffassung neue Lasten für die Bevölkerung nur möglich sind, wenn gleichzeitig durch einen entsprechenden diplomatischen Schritt von der Reichsregierung die Tributfrage aufgerollt würde. Die Fraktion ist, wie weiter betont wird, nach den letzten Vorgängen zu der Ueberzeugung gelangt, daß das Reichskabinekt in seiner gegenwärtigen Zusammensetzung zur erfolgreichen Durchführung der von ihr vertretenen, mit der Notverordnung in wichtigen Punkten verlassenen Politik keine Garantie mehr bietet. Die Fraktion hat den Reichskanzler wissen lassen, daß sie in ihren Entschließungen nicht von irgendwelchem Mißtrauen gegen Dr. Brüning selbst geleitet ist, von ihm aber erwartet, daß er eine unter seiner Führung herbeiführt. Wie die„Deutsche Allgemeine Zeitung“ berichtet, hat der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Dingeldey dem Reichskanzler die sofortige Gesamtdemission des Reichskabinetts angeraten. Er habe ihm nahegelegt, diese Entscheidung und möglichst auch die Entscheidung des Reichspräsidenten über die Betrauung eines neuen Kabinetts umgehend herbeizuführen, weil dann die Beschlußfassung im Aeltestenrat am nächsten Dienstag unter einem wesentlich anderen Gesichtspunkt zu erfolgen hätte. Das heißt— so schreibt das Blatt— erklärt sich Dr. Brüning bereit, sein Kabinekt umzubilden, so würde die die en chstags stimmen. Sie würden auf diese Weise Dr. Brüning in die Lage versetzen, seine Politik weiterzuführen, und zwar ohne Parlament. Ueber den Verlauf der Fraktionssitzung der Volkspartei berichten die Blätter, daß Reichsaußenminister Dr. Curtius an dem größten Teil der Beratungen teilgenommen hätte. Als sich ergab, daß die Mehrheit der Fraktion für, die Einberufung des Reichstags und damit gegen die wvsichten des Reichskanzlers und des Gesamtkabinetts stimmen werde, verließ er die Sitzung. Brüning meint es ernst. Die Rücktrittsdrohung kein Scheinmanöver. Durch den überraschenden Beschluß der Deutschen Volkspartei, für die Einberufung des Reichstags einzutreten, hat sich die innenpolitische Lage wesentlich verschärft. Dieser Beschluß wurde gefaßt, obgleich der Reichskanzler keinen Zweifel darüber gelassen hatte, daß er die Einberufung des Reichstags mit seiner Demission beantworten würde. Er hat auch klar zu verstehen gegeben, daß er sich— sollte sein Rücktritt erfolgen— unter keinen Umständen bereit finden würde, an die Spitze eines neuen Kabinetts zu treten. Diese deutlichen Erklärungen waren erfolgt, nachdem die Deutsche Volkspartei nicht Abänderungen der Notverordnung, sondern eine Umbildung der Regierung forderte. Damit waren die Auseinandersetzungen auf ein ganz anderes Gebiet geschoben worden. Aber der Vorstoß traf Dr. Brüning nicht unvorbereitet. Schon der Kabinettsrat hat sich mit den Forderungen der Volkspartei befaßt und einmütig jede Abänderung in der Zusammensetzung des Kabinetts abgelehnt. Er hat lediglich die Möglichkeit zugelassen, daß die seit langem unbesetzten Ministerien wieder Minister erhalten, also das Wirtschafts= und das Justizministerium. Das genügt der Volkspartei aber nicht. Sie fordert den Rücktritt ihres eigenen Ministers, des Reichsaußenministers Dr. Curtius, der nach dem Zollunionsfiasko außer von dem Kabinett von niemand mehr gestützt wird. Die Volkspartei hält Dr. Curtius nach seiner Genfer Niederlage nicht für geeignet, die jetzt vor der Tür stehenden reparationspolitischen Verhandlungen zu führen und traut dem Reichskanzler in dieser Beziehung mehr Härte und Widerstandskraft zu. Darüber hinaus soll die Volkspartei auch den Rücktritt von Finanzminister Dr. Dietrich und Dr. Wirth gefordert haben, allerdings ohne Erfolg, da das Kabinett jede Umbildung der Regierung zur Zeit als eine unerträgliche politische Erschütterung betrachtet. Die Sozialdemokratie, die in einer Uebernahme des Außenministeriums durch Dr. Brüning, natürlich in seiner Eigenschaft als Reichskanzler, kaum einen Anlaß zum Protest sehen würde, wendet sich, nachdem sie die Rolle der tolerierenden Oppositionspartei gegenüber diesem Kabinett übernommen hat, mit aller Schärfe gegen eine Umbildung der Regierung, nicht zum wenigsten auch deshalb, weil eine ganze Reihe von Gesetzen, so z. B. die Sparermächtigung, nur diesem Kabinett erteilt worden ist. In einer Umbildung der Regierung würde sie also den Anlaß zur wirklichen Opposition sehen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, die am Freitagvormittag zusammentrat, hat ihre Sitzung ohne eine Entscheidung in der Frage der Reichstagseinberufung geschlossen. Sie macht sie von den Besprechungen mit dem Reichskanzler über die Abänderung der Notverordnung abhängig. Die Landvolkpartei das Zünglein an der Waage. In parlamentarischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Fraae. ob es zur Einberufung des Reichstaas kommt oder nicht, an sehr wenig Stimmen hängt, und daß sich eine Prognose noch gar nicht stellen läßt. Das Hauptinteresse konzentriert sich gar nicht einmal so sehr auf die Haltung, die die Sozialdemokraten einnehmen werden. Dagegen scheint im Augenblick noch zweifelhaft zu sein, was die Landvolkpartei beschließen wird. Sie bildet das Zünglein an der Waage. Ihre Fraktion ist auf Dienstag vormittag einberufen, um endgültig Stellung zu nehmen, die damit also erst kurz vor dem Zusammentritt des Aeltestenausschusses geklärt sein wird. Die weitere Entwicklung hängt nach Auffassung politischer Kreise nun davon ab, ob die Parteien am Dienstag tatsächlich die Verantwortung für den Rücktritt der Regierung auf sich nehmen wollen. Der Kanzler wird inzwischen Gelegenheit haben, bei der Hildesheimer Zentrumstagung am Sonnabend seine Auffassung darzulegen. * Vertrauensvotum für Dingeldey. Am Freitagvormittag trat der Reichsausschuß der Deutschen Volkspartei in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Der Parteiführer, Abgeordneter Dingeldey, erstattete einen einleitenden Bericht über die politische Lage, wie sie seit dem Erlaß der Notverordnungen sich gestaltet hat. Der Vortrag des Parteiführers wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Die folgende Entschließung fand einstimmige Annahme:„Der Reichsausschuß steht in Geschlossenheit hinter dem Parteiführer und hat zu seiner Führung volles Vertrauen.“ Am die Notverordnung. Kundgebung des Kyffhäuserbundes. Deutsche Reichskriegerbund„Kyffhäuser“ hat zur Notverordnung in folgender Entschließung Stellung genommen: „Die zweite Notverordnung zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen hat in den Reihen des Deutschen Reichskriegerbundes„Kyffhäuser“, der Millionenorganisation alter Soldaten, große Erregung und Erbitterung hervorgerufen. Besonders die in diesem Bunde zusammengeschlossenen 400 000 Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen fühlen sich durch das von ihnen verlangte neue Opfer in ihrer Lebenshaltung bedroht. Die Grenze des Erträglichen ist nicht nur erreicht, sie ist überschritten. Die alten Soldaten sind bereit, notwendige Opfer für die nationale Selbsterhaltung zu bringen, aber sie können dies nur tun unter der Voraussetzung, daß eine starke Regierung nun endlich den Willen und die Kraft findet, unsere unerträglich gewordene innen= und außenpolitische Lage zu erleichtern. Es herrscht Einmütigkeit darüber, daß die Revision des nur auf der Kriegsschuldlüge beruhenden Friedensdiktates zur zwingenden Notwendigkeit geworden ist. Die gerechten deutschen Forderungen nach Freiheit und Gleichberechtigung müssen endlich erfüllt werden. Nur im Rahmen dieser Gesamtforderung lassen sich befriedigende Lösungen für die brennenden Tribut=, Abrüstungs= und Ostfragen finden. Der Frieden soll durch die von uns geforderte Revision nicht gestört, sondern erst geschaffen werden". * Christliche Gewerkschaften fordern Abänderung. Der Vorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, der Spitzenorganisation der Christlichen Gewerkschaften, schließt sich der Forderung der Freien Gewerkschaften auf Abänderung der Notverordnung an. In der Entschließung der Christlichen Gewerkschaft heißt es: „Gerade weil wir der Ueberzeugung sind, daß in diesen Zeiten der Not die Herstellung stabiler und ausgeglichener Haushalte der öffentlichen Hand ein dringendes Erfordernis ist, das nur unter Opfern erfüllt werden kann verlangen wir eine zweckmäßigere und gerechtere, bevölkerungspolitisch vertretbare Verteilung dieser Opfer und halten deshalb eine Abänderung der Notverordnung vom 5. Juni 1931 in ihren sozial bedenklichen Punkten für unumgänglich. Dabei scheint es uns notwendig zu sein, daß viel schärfer, als es bisher versucht worden ist und über die vorliegende Notverordnung erheblich hinausgehend, die Reform und Verbilligung der gesamten öffentlichen Verwaltung in Angriff genommen wird. Wir sind der Meinung, daß auf diesem Gebiete sowohl für den Augenblick, wie für die Zukunft beträchtliche Ersparnisse erreichbar sind. Neben einer gerechteren Verteilung der Opfer und neben einer kräftiger zunackenden Reform der Verwaltung von Reich, Ländern und Gemeinden, verlangen wir eine zielbewußte und tatkräftige Fortführung der eingeleiteten Reoision der Reparationsverträge, von der nicht nur die Entlaftung des Reichshaushalts, sondern weitgehend auch die Behebung der Wirtschaftskrise abhängt.“ Das Organ der christlichen Gewerkschaften,„Der Deutsche“, fügt dieser Entschließung hinzu, daß die darin aufgestellten Forderungen für die Reichsregierung Gegenstand ernstester Prüfung sein dürften. Präsidentenwechsel in Paris. Doumer, der neue herr des Elysee. Am Freitag fand in Paris der letzte Ministerrat unter dem Vorsitz des scheidenden Präsidenten der Republik, Doumergue, statt. Anschließend nahm der Präsident im Elysee einen Abschiedsempfang des Diplomatischen Corps entgegen. Am Sonnabendnachmittag erfolgt die Uebergabe der Präsidentschaft an den neugewählten Präsidenten Doumer in der hergebrachten Form. Um 2 Uhr wird eine Ehrenschwadron den bisherigen Senatspräsidenten Doumer vom Senatspalais abholen und ihn sowie den Ministerpräsidenten Laval bei ihrer Fahrt ins Elysee begleiten. Nach der Amtsübergabe wird dem neuen Präsidenten vom Großkanzler der Ehrenlegion das gemeinsa dem Ministerpräsidenten ins Rathaus, wo er von der Pariser Stadtverwaltung empfangen wird. Der bisherige Präsident Doumerque wird noch spät am Sonnabend Paris verlassen und sich auf seinen Landsitz in der Nähe von Toulouse begeben. Letzte Meldungen. Diskonterhöhung der Reichsbank? 13. Juni. Der Zentralausschuß der Reichsbank ist für heute nachmittag 5 Uhr zu einer Sitzung einum die Frage einer Diskonterhöhung bar deren Ausmaß aber shis beren Ausmaß über noch nichts bekannt ist. Die Besprechung in Neudeck. — Neudeck, 13. Juni. Der Herr Reichspräsident empfing gestern nachmittag den Reichskanzler Dr. Brüning zum Vortrag über die Reise nach Chequers und zu einer Besprechung über die innenpolitische Lage. Amerika kauft Markdevisen. — Neuyork, 13. Juni. Die Reichsbank hat rund Millionen Dollar Gold aus ihrem Neuyorker Depot verkauft. Zur Erleichterung der Situation hat die größte amerikanische Notenbank, die Federal Reserve Bank of Neuyork, mit dem Ankauf von Markdevisen begonnen. Dies wird in unterrichteten Kreisen als ein wesentliches Moment zur Beruhigung betrachtet. — Die planmäßigen Versuche der Kommunisten, die allgemeine Nervosität der Bevölkerung durch Demonstrationeu und Ausschreitungen zu steigern, haben in verschiedenen deutschen Städten zu Zusammenstößen mit der Polizei geführt. Bethel. — Kirchenchor. Probe für das Bethel=Jahresfest am Donnerstag.20 Uhr in der Zionskirche. Jubiläumskan, tate mitbringen. Um vollzählige Beteiligung wird gebeten. — Verloren von Volksschule bis Bauweg ein größe, res Tierbuch„Zoologischer Garten“. Der freundliche Finder wird gebeten, es im Dankort oder Mühlweg 14(Diek, mann) abzugeben. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. 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