schau. eskulturver K s einer Per uib r. Steiger eröffnete dlungs=Sonderaussministeriums auf in Thüringen. Der 800gpazialist. 490 auf 1200 ug die Ministerial= als die ihnen vores fraglich, ob der Die Annahme des Rationalsgzialsen, die Stimmen nd Deutschnationaei und LandvolkRegerkultur“ auf. wurde ein Antrag von Dr. Frick erur— für deutsches ter wurde ein Anzu verhindern, daß teien zur Propan. slande. san Sebastian vischen streikenden id drei Tote geen will die i# , d a ß i n L o n# o n eren Ziel die Erdan. slossen, die Vernaestellten in der Juni ab werden ehr als 100 Yen g Prozent gekürzt erung abgegeben, sationen unverändie Eisen= und 1800 Angestellte n des Entschlusses orzunehmen, ihre nd Dr. Stadtler agung für Westtag, 7. Juni, in luf verschiedenen die Teilnehme chnationalen G. zu erfahren. sen er. Freitag 8¼ r Schlatter über err Pastor Tegtr im Assapheum instlerische Lichtckung der Kosten d Weltpolitih: alle in Bethel. Paker gen Nachnahme. teten Schrein chneeigen Lein!“ Qualität 130 cm 80 cm 150/225 cm nenmuuster) ima Qualität saum und ge Tischdecke fürze. rück. Verlangen Hand der Sie ehmen können. aagen, br. en). Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und Haus“, und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Nr. 123. Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25g je tausend 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. 13. Jahrgang. Freigebig ist nicht, wer nur gibt, Wo ihm kein Mangel droht; Freigebig ist, wer Hunger hat, Und teilt mit dir sein Brot. Rückert. Munuin ggiiiin Vatikan und Faschismus. Vor 2 Jahren haben Vatikan und Faschismus Frieden geschlossen im sogenannten Lateranvertrag. Damals und desgleichen bei der 1. und 2. Wiederkehr dieses Tages wurde das Ereignis von beiden Seiten hoch gefeiert. Und doch ist es ein eigen Ding um diesen Frieden. Gar mancher hat sich seitdem gefragt, wer denn nun eigentlich bei diesem Friedensschluß der Sieger, wer der Besiegte war. Da man der Schlauheit beider Partner allerhand zutrauen kann, muß die Frage wohl noch offen bleiben, und es wird der Geschichte überlassen bleiben müssen, später darüber ihr Urteil zu fällen. Jedenfalls ist's mit dem wirklichen Frieden nicht so ganz weit her, und da beide Seiten höchst empfindlich sind, gibt's der Reibungsflächen gar viele. So vor kurzem gelegentlich des 40. Jahrestages der Enzyklika„Rerum novarum“, der katholischerseits besonders in Rom mit höchstem Pomp begangen wurde. Bei dieser Gelegenheit hielt Papst Pius XI. eine bedeutsame Ansprache, die in faschistischen Kreisen arg verschnupft hat. Er appellierte zugunsten der Bedrückten an das soziale Gewissen und pries die vierzigjährige Enzyklika als Grundlage alles sozialen Denkens, betonte dagegen andererseits die absolute Unvereinbarkeit von kirchlichem Katholizismus und politischem Sozialismus. Wenn der Faschismus auch gegen den 2. Teil nichts einzuwenden hat, so hat ihn der 1. Teil um so mehr gereizt. Der Grund des Aergers ist, daß der Faschismus die Praxis sozialer Betätigung für sich in Anspruch nimmt und auf sein eigenes Ruhmeskonto zu buchen wünscht, während er der Kirche nur die blasse Theorie zubilligt. Daher denn das vielseitige, ziemlich polemische Echo in der italienischen Presse. Auch Arnaldo Mussolini, der Bruder des Duce, läßt sich vernehmen und widmet der Sache einen längeren Leitartikel, den er„Positionen“ überschreibt. „Wir wissen wirklich, was die soziale Frage ist und welch schweres Problem damit die moderne Menschheit peinigt. Die Welt glauben zu machen,„Rerum novarum“ sei die„Magna Charta“ für alle wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart, das bedeutet einen Irrtum in der Perspektive und eine ostentative Anmaßung, die, abgesehen davon, daß sie die ganze Zwecksetzung faschistischen Gemeinschaftslebens verwischt, auch in Voraussetzungen und Folgerungen vorbeischießt. Man kann die Verdienste von Leos Enzyklika wohl anerkennen; man darf aber nicht behaupten, sie sei die Magna Charta für die Weltwirtschaft. Die Enzyklika und die ganze Aktion der Kirche atmet ein patriarchalisches Christentum, das gut sein mag in seinen Absichten und in der Lehre, das aber gefährlich und nicht zu verwirklichen ist im praktischen Leben des einzelnen Tages und im wechselnden Wirtschaftsleben jedes einzelnen Landes.“ Arnaldo Mussolini streift geschichtliche Tatsachen: Die Jahrzehnte nach der Enzyklika bis 1920 waren wahrhaftig kein schmeichelhafter Erfolg für sie. Wirtschaftliche und politische Kämpfe erfüllten das Land, das von Parkeikampf zersplittert war; ein willenskräftiges Bürgerlum war nicht da, eine Führerschicht kaum im Entstehen. Liberale und Reformsozialisten schienen das Monopol für den Aufstieg der Arbeitermassen gepachtet zu haben. Viel it über diesen„Aufstieg“ geredet und geschrieben, noch mehr aber spintisiert worden. In keinem Parteiprogramm fehlte dieser„Aufstieg". Nur mußte der gute Wille immer haltmachen vor Möglichkeit bezw. Unmöglichkeit, an die schönen Ziele methodisch in die Tat umzusetzen. Wer objektiv urteile, sagt Arnaldo, müsse zugeben, daß erst der Faschismus es gewesen sei, der mit der Gesamtheit seines Wollens, seiner Gesetze und Verordnungen die Arbeiterklasse in das nationale Leben eingereiht und sie behoben habe mit Erfüllung von Pflichten und Anerkennung ihrer Rechte. Jetzt handele es sich nicht mehr um lebevolle patriarchalische Gedanken, sondern um anerkannte Rechte. Die ganze Politik des Faschismus ziele darauf hin, den großen Massen ihren Wert zu geben und ihnen zum Aufstieg zu helfen. Insgesamt lasse sich die faschistische Kritik gegenüber der Enzyklika=Diskussion folgendermaßen zusammenfassen: 1. Die Enzyklika Leos aus dem Jahre 1891, d. h. ein dahr vor Gründung der sozialistischen Partei Italiens, Aite vor allem die Aufgabe, gegen die Ausbreitung mißverstandener sozialpolitischer Ideen zu wirken. Es handelte sich mehr um eine Verteidigung des Alten, als um ein Schaffen neuer Grundsätze. Sie hatte das Verdienst, dem törichten Klassenhaß Harmonie und Gerechtigkeit entgegenzusetzen. Diese idealen Worte blieben ziemlich im Abstrakten. Immerhin hatten sie wertvolle geschichtliche Bedeutung, wenn sie auch heute überholt sind von anderen Erfahrungen und neuen Problemen. 2. In der Folgezeit, sonderlich unter dem Pontifikat von Pius X. und Benedikt XV. fand Leos Enzyklika Ausleger, die sie entstellten. Italiens„soziale Demokratie“ und die Christlichsozialen jenseits der Grenze bildeten in der modernen Welt mehr ein Element der Disorientierung als der Orientierung. Die in der Nachkriegszeit gegründete Partei der„Popolari“ wollte die Bewegung von„Christlicher Liebe“ aus meistern, gelangte aber durch demagogische Ausschweifungen zum Klassenhaß. Also: Leos Enzyklika ist ideenmäßig sehr schön, aber in Praxis hat sie keine aufbauende Elemente zur Verfügung, um ihren christlichen Geist unversehrt zu erhalten. 3. Endlich— auch wenn es künstlich verschwiegen wird— erklang nach der Enzyklika ein ganz neues Wort, das die Verbrüderung der Klassen wahrhaft in die Tat umsetzte, durch regelnden Eingriff der Staates, durch Ordnung und Disziplin, die sich gründeten auf ein gutrömisches und christliches Prinzip nationaler und menschlicher Solidarität. Faschistische Gemeinschaft ist nicht ein einfacher theoretischer Ausdruck, sondern eine Wahrheit, deren Studium sich heute vielen anderen Nationen geradezu aufdrängt. Alte Ideologien sind damit verlassen; man muß an die Wahrheiten glauben, die in sich die MögSchkeit ihrer Verwirklichung tragen. Unsere Carta del Lavoro"(Arbeitsgesetz) enthält in Kürze manches, was viel handfester und konkreter ist, als alle Programmpunkte der buntfarbigen Demokratien, die Italien von 1900—1920 beherrscht haben. Ein kleines Lob hat der Faschismus bei der Festesfeier bekommen. Der Präsident des katholischen Instituts für soziale Arbeit hat gesagt, die Arbeit des Faschismus sei insosern lobenswert, als er sich eingesetzt habe für die Verwirklichung einiger Grundsätze, um die katholischerseits schon immer gekämpft sei! Nein! Der Faschismus hat im Namen seiner Vollmacht, mit einer Kraft, die aus seiner geschichtlichen Notwendigkeit entsprang, diese Gerechtigkeit und diese soziale Harmonie geschaffen. Dergleichen läßt sich nicht schaffen nur mit dem vollendeten Latein einer Enzyklika, sondern verlangt die Wirklichkeitsgrundlage eines mächtigen Staates, einer mit modernem Geist erneuerten Wirtschaft einer weisen, wahrhaft römischen Gesetzgebung. So sieht der„Friede" des Lateranvertrages aus! br. Im Kampf für Volkstum und Glauben. Wir sind heute in Gefahr, über der immer drückender werdenden Not im eigenen Lande zu vergessen, was unsere Brüder jenseits der Grenzen, vor allem in den durch den Versailler Vertrag abgetrennten Gebieten zu leiden haben. Und doch, wenn wir sie vergessen, unsere Brüder, die um ihre höchsten und heiligsten Güter, um ihre Heimat, ihr Volkstum und ihren Glauben, ringen, dann entschwindet ihnen jeder Rückhalt. Darum ist's notwendig, daß immer wieder darauf hingewiesen wird, was sie gelitten haben und noch leiden, aber auch darauf, wie sie alles einsetzen und ganze Treue bewähren. Das kann uns im Vaterlande ein Anreiz zu gleicher Treue sein. Und der Treue winkt die Hoffnung endlichen Sieges. Diesen Dienst möchte uns die kleine, im Eckart=Verlag erschienene Schrift„Brennende Wunden" tun. Es sind„Tatsachenberichte über die Notlage der evangelischen Deutschen in Polen“, herausgegeben von Gottfried Martin, mit einem Geleitwort von D. Dr. Dibelius. Nur Tatsachen sollen berichtet werden, oft mit der durch die Lage der Dinge notwendigen Zurückhaltung ohne Angabe aller äußeren Daten. Dennoch: Tatsachen, die ohne Kommentar wirken. Der Wanderstrom der Deutschen galt lange Zeit dem Osten. So kommt es, daß im jetzigen Polen bis vor einem halben Menschenalter noch 2 Millionen Deutsche wohnten. Besonders stark war die deutsche Bevölkerung naturgemäß in den Gebieten, die bis 1918 fast ein Jahrhundert zu Deutschland gehörten: Posen, Westpreußen und Oberschlesien. Heute ist die deutsche Minderheit in Polen dank der polnischen Gewaltpolitik um fast eine Million zurückgegangen. Denn die polnische Intoleranz gegen jedes fremde Volkstum ist sehr alt. Wohl nimmt Polen den Ruhm der Duldsamkeit in besonderem Maße für sich in Anspruch, wohl hat es auch Zeiten gegeben, wo es in großzügiger Weise den Fremden Heimatrecht bei sich gewährt. Aber das geschah immer nur periodenweise und dann stets im Interesse einer geschickten Politik. So ist Polen durch eine kluge Siedlungs= und Kolonisationspolitik durch die Ausländer, vor allem durch die deutschen Einwanderer wirtschaftlich und kutlurell auf die Höhe gekommen. Der Dank dafür waren dann immer neue Versuche, die fremden Nationen zu unterdrücken und sie zur Aufgabe ihrer Eigenart zu zwingen... 106 fest hom 16 Dabei muß noch erwaynt werden, waß sen vem 16. Jahrhundert zum nationalen ein religiöser Gegensatz trat. Die Reformation fand frühzeitig auch in Polen Eingang, aber im wesentlichen nur bei der deutschen Bevölkerung. Der polnische Adel und die polnische Landbevölkerung, die sich eine Weile der Lehre Calvins zuwandten, fielen bald in großen Scharen zur katholischen Kirche wieder ab. Damit war die Kluft zwischen polnischer und deutscher Einwohnerschaft wesentlich vertieft. Denn was es bedeutet, unter einem fremden Volke zu leben, von dem einen nicht nur Sprache und Volkstum, sondern auch Glaube und Bekenntnis trennt, das ahnen wir alle wohl kaum im entferntesten. Alles aber, was unsere deutsch=evangelischen Glaubens= und Volksgenossen in Polen im Laufe des Jahrhunderts gelitten und ertragen haben, steht in kaum einem Vergleich zu dem, was sie nunmehr seit 12 Jahren erdulden. Das neue, durch den Versailler Vertrag wieder erstandene Polen betreibt bewußt und systematisch eine Entdeutschungspolitik in den ihm wieder zugefallenen Gebieten, die in der Geschichte wohl ihresgleichen sucht. Wir nannten bereits die Zahl von einer Million, um die im Laufe dieser Jahre die deutsche Minderheit in Polen bereits zurückgegangen ist. Polen ersinnt immer neue Mittel, um dieses Ziel der Unterdrückung und Verdrängung des ihm lästigen, ja, verhaßten Deutschland zu erreichen. Viele Wege führen nach Rom. Das weiß Polen und handelt danach und erreicht damit langsam, aber sicher sein Ziel: die fortschreitende Entdeutschung der von ihm besetzten Gebiete. Einer von diesen verschiedenen Wegen ist das sogen. Annullationsverfahren. Das polnische Annullationsgesetz vom 14. Juli 1920 erklärt allen deutschen Besitz, soweit er nicht schon vor dem 11. November 1918 auf den Namen des deutschen Besitzers eingetragen war, für enteignet. Das Gesetz hatte zur Folge, daß 3964 deutsche Familien ihres Besitzes verlustig gingen und ohne jede Entschädigung ihre Heimat verlassen mußten. Ein zweiter, noch schwererer Schlag gegen die deutsche Bevölkerung nannte sich Liquidation. In den von Polen abgetrennten Gebieten Posen und Westpreußen verloren alle, die an ihrer deutschen Staatsangehörigkeit festhielten, ihren Besitz. Im ganzen verloren die Deutschen über 20000 Hektar Grundbesitz. Wohl sollten die Besitzer wertgemäß entschädigt werden, aber der Wert wurde von den Polen abgeschätzt, selbstverständlich nicht allzu hoch. Wenn zudem noch Lasten auf dem Besitz ruhten, wurden diese von der Entschädigungssumme abgezogen. So ist es nicht selten vorgekommen, daß der Eigentümer für den Verlust seines Besitzes zuzahlen mußte. Polen weiß noch andere Mittel, um zum Ziel zu kommen. Alle Domänenpächter hatten ihre Pachtungen zu verlassen, da Polen wohl den Besitz und die Rechte des preußischen Staates übernahm, nicht aber seine Pflichten und Lasten. Die Enteignung deutschen Besitzes dauert heute noch fort. Bei jedem Besitzwechsel behält sich der polnische Staat das Ver= und Wiederkaufsrecht vor. Die Entschädigung ist sehr minimal. Von der Enteignung werden nicht nur Einzelpersonen sondern auch Genossenschaften und andere gemeinnützige Unternehmungen betroffen. Nicht nur durch Enteignung deutschen Bodens, auch in jeder anderen Weise sucht Polen das Deutschtum zu verdrängen. Deutsche Beamte werden fristlos und ohne Entschädigung entlassen, deutsche Arbeiter werden brotlos, um den Polen Platz zu machen. Ja, Polen versteht es, durch Mittel, die von außen harmlos und sozial erscheinen, gegen den Besiegten vorzugehen. Eine vernünftige Agrarreform wäre in Polen wie überhaupt im Osten wohl am Platze. In der Art und Weise aber, wie sie vor allem in den westlichen Gebieten Polens durchgeführt wird, richtet sie sich vor allem gegen den deutschen Großgrundbesitz und hat weitere Enteignungen deutschen Eigentums im Gefolge. Aehnlich wird ein anderes Gesetz mit durchaus sozialem Charakter gegen die Deutschen ausgenutzt: das Alkoholgesetz. An sich wäre hier, wie überall, eine Einschränkung der Schankstätten nur zu begrüßen. So aber entzieht man deutschen Hotelbesitzern und Gastwirten die Konzession und erteilt sie polnischen Bewerbern und der Endeffekt ist oft nicht eine Verminderung, sondern eher eine Vermehrung der Schankstätten. Aber man hat den Deutschen wieder die Lebensmöglichkeit beschnitten. Aus dem allen geht zur Genüge hervor, wie sehr hier der deutsche Volksgenosse um sein Volkstum zu kämpfen hat, wieviel er um seines Deutschtums willen zu leiden hat. Und das alles trotz Völkerbund, trotz Verfailler Vertrag, nach dem sich Polen verpflichtet hat, seine nationalen Minderheiten zu schützen(§ 93) und trotz Minderheitenschutzvertrag. Bei der oben angedeuteten Lage ist es selbstverständlich, daß alle diese Leiden mit dem deutschen Volksteil auch die evangelische Kirche betreffen. Durch die Verdrängung der Deutscher verlieren auch die evangelischen Gemeinden ihre Glieder. So wird es der evangelischen Kirche in Polen immer schwerer, ihren Lebensstand nach außen und innen zu wahren. Das will viel bedeuten bei einer Kirche, die als solche in der Diaspora lebt, die sich ständig in ihrem eigenen Lebensbereich von allen Seiten bedroht und angegriffen weiß. Von diesem Kampf der evangelischen Kirche in Polen hören wir vielleicht ein andermal etwas mehr. Für diesmal aber schon die Mahnung: Vergeßt die Brüder nicht! Freilich— bei dem einzelnen von uns wird es sehr oft bei solchem Gedenken sein Bewenden haben müssen. Sollte aber nicht die deutsche Außenpolitik aus solchem Verhalten der Siegerstaaten wehrlosen deutschen Minderheiten gegenüber ihre Konsequenzen ziehen? H. Ste. Das Bauernhilfsprogramm der K. P. D. Kürzlich beleuchteten wir die neue Taktik der Kommunisten gegenüber den christlichen Werktätigen, denen sie versprachen, nichts gegen die Religion zu unternehmen. In ähnlicher Weise wenden sie sich jetzt an die werktätigen Bauern, denen Thälmann, der Führer der deutschen KPD, in Oldenburg am Abend vor den Landtagswahlen zurief:„Die Volksfeinde gehen auf die Dörfer und lügen den armen Bauern vor, die Kommunisten wollten ihnen das Land wegnehmen, die letzte Kuh aus dem Stalle holen und die Kirche aus dem Dorfe tragen. Diese schamlosen Hetzer stellen wir an den Pranger. Der arme Bauer, Siedler und Pächter ist am Ende seiner Kraft. Wo ist der Ausweg aus dieser furchtbaren Krise? Die Kommunistische Partei reicht den armen Bauern die Bruderhand zum Kampfbündnis gegen das bankerotte System und ruft zur aktiven Unterstützung des Bauernkampfes auf durch ihr Programm der Hilfe für die werktätigen Bauern.“ Nun folgt das Programm, das in der Parteipresse vom 19. Mai proklamiert ist: Wir verlangen 1. Niederschlagung der Schuldenlast(5 Milliarden Mark). 2. Ebenso der Schuldenzinsen(500 Millionen Mark). 3. Aufhebung bezw. Herabsetzung der direkten Steuern für Kleinbauern bezw. Mittelbauern(150 Millionen Mark). Der Brief eines nach Sibirien Verschickten. (Schluß.) Als der vorstehende Brief durch eine Verwandte des Schreibers hier einging, wandten wir uns an die Einsenderin mit der Bitte, uns mitzuteilen, in welchen Verhältnissen der nach Sibirien Verbannte früher gelebt habe, aus welchen Gründen er verschickt worden sei und auf welche Weise die Briefe die russische Zensur passierten. Darauf erhielten wir die nachfolgende ausführliche Antwort, die sich freilich nicht direkt auf den Schreiber des vorstehenden Briefes zu beziehen scheint, die sicher aber für die Leser auch einiges Interesse haben wird. * „Ich bin gerne bereit, Ihnen etwas über unsere unglücklichen Verwandten mitzuteilen. Mein Onkel war lange Jahre Pfarrer einer großen Kolonistenlandgemeinde in der Krim am Schwarzen Meer, wo selbst auch ich mit meinen Eltern lebte. Im Frieden hatten wir Deutsche es sehr gut dort. Dann kam der Krieg mit seiner Deutschenhetze, und ganz besonders die Pastoren mußten sehr auf der Hut sein vor Denunziationen. Als aber die Bolschewikenzeit mit aller Macht im Januar 1918 hereinbrach, begann für alle, die etwas besaßen oder Offiziere oder Geistliche waren, eine Reihe von den furchtbarsten Jahren der Not und des Martyriums. Viele, auch mein Vater als sehr reicher Gutsbesitzer, wurden ermordet oder mußten unter tierischen Mißhandlungen eines grausamen Todes sterben, indem sie schwer verletzt und verunstaltet lebendig verscharrt wurden usw. Dazwischen kamen kurze Zeiten, in denen man hoffte, für immer befreit zu sein von dieser Gewaltherrschaft. Erstens einmal war das, als die deutschen Truppen im Frühling 1918 uns befreiten, und dann nach wieder einer grauenhaften Bolschewikenzeit die freiwillige russische 4. Aufhebung der indirekten Steuern(5 Milliarden.). 5. Desgleichen der Pachtlasten(400 Millionen Mark). 6. Entschädigungslose Enteignung des Großgrundbesitzes und unentgeltliche Bereitstellung von Land für die landarmen Bauern und=Söhne. 7. Aufhebung der Zölle. 8. Beihilfen des Staates für die Bauern. 9. Arbeitslosen=, Alters=, Krankenfürsorge. Natürlich, heißt es zum Schluß, sagen wir offen, daß die Niederlegung dieser Kampfforderungen auf dem Pavier noch nicht ihre Erfüllung bedeutet; die Bauern müssen durch Selbsthilfe gemeinsam mit der KPD entschlossen für ihre Forderungen kämpfen! Dieser Bauernfang wird nicht gelingen. Das ist ein Rezept nach Dr. Eisenbart, ein Abklatsch der SowjetAgrargesetze. Unsere Landwirte, die doch auf einer anderen Bildungsstufe stehen als die russischen Bauern, werden lächeln über diese Illusionen und Phantasien. Der deutsche Bauer, der seit Jahrhunderten auf der väterlichen Scholle sitzt, und zwar dank der Stein=Hardenbergischen Gesetzgebung seit 100 Jahren als freier Besitzer, wird sich nicht die Abhängigkeit eines Kollektiv= bauern wünschen und trotz aller Versprechungen sagen: Timeo Danaos et dona ferentes— d. h. frei übersetzt: Ich fürchte die KPD, auch mit ihren Geschenken. St. Rückblick auf die Kreissynode in Bielefeld. Mittwoch, den 20. Mai, wurde die diesjährige Kreissynode in Bielefeld gehalten. Die Synode begann mit einem Gottesdienst in der reformierten Süsterkirche. Pfarrer v. Sicard hielt die Predigt. Die Verhandlungen fanden in dem Gemeindehause in der Grünstraße statt. Superintendent Köhne verpflichtete die neu eintretenden Glieder der Synode und stellte fest, daß diesmal die Kreissynode 141 stimmberechtigte Mitglieder zählte. Zu der konfessionellen Lage war zu bemerken, daß einerseits die katholische Bevölkerung stark anwächst, daß aber in den Mischehen von Evangelischen und Katholiken 66,67 Prozent aller Kinder in Bielefeld=Stadt und 60,45 Prozent in Bielefeld=Land und in der ganzen Synode somit 63,53 Prozent aller in Mischehen geborenen Kinder evangelische Kindererziehung erhielten. Ueber die Mischehen von Evangelischen mit Dissidenten wurde berichtet, daß im ganzen Kirchenkreis Bielefeld 1337 bestehen. In 1260 dieser Ehen sei der Mann Dissident und die Frau evangelisch. In 77 Ehen sei die Frau Dissident und der Mann evangelisch. In 59 dieser dissidentischen Mischehen werden die Kinder auch dissidentisch erzogen. Mit besonderer Kraft und Innigkeit empfahl Pastor Mundt die Mitarbeit an dem Gustav=Adolf=Verein der im nächsten Jahre sein hundertjähriges, bezw. dreihundertjähriges Jubiläum feiere. Ebenso trat Pastor Quistorp mit warmem Herzen für die Sache des evangelischen Bundes ein und bat die Synode, an den evangelischen Oberkirchenrat einen Antrag zu richten, aus dem ich folgendes entnehme:„Die heute versammelte Kreissynode hat Kenntnis genommen von dem sogenannten Paritätsantrag des Zentrumsabgeordneten Dr. Heß an den Preußischen Landtag. Die Synode spricht die zuversichtliche Erwartung aus, der evangelische Oberkirchenrat wolle sich mit allem Nachdruck dafür einsetzen, daß die preußische Regierung die Reichsverfassung unbedingt achte und den Antrag Heß ablehne. Darnach wurde berichtet, was die evangelische Kirche tue, um ihrerseits der schweren wirtschaftlichen Not unseres Volkes zu begegnen. In der ehemaligen Herberge zur Heimat an der Zimmerstraße war eine Lesehalle einWrangelarmee zum zweiten Male die Roten vertrieb. Damals in dieser zweiten Interimszeit gelang es meiner Mutter, mit uns Kindern zu entkommen. Mein Onkel aber wollte seine Gemeinde, die sehr an ihm hing, nicht verlassen und hat dann, als im Jahre 1920 die Roten wieder mordend und zerstörend und sengend das wirklich sehr fruchtbare, an Naturschönheit reiche Land einnahmen, mit seiner Gemeinde wieder Zeiten tiefster Not durchgemacht, da die Typhusepidemie und eine Entsetzen erregende Zeit des Hungers anbrach im Jahre 1922, so daß viele Familien fast ausstarben und wir es als ein Wunder betrachten, daß die Unseren lebend durchkamen. Darnach trat ein Stillstand ein in all dem Leid und Elend. Die Roten selbst sahen, daß alles zerstört war und fingen allmählich an, den Bauern mehr Rechte einzuräumen und die völlig zerstörte Landwirtschaft aufzubauen. Und mit einer unglaublichen Zähigkeit und Energie fingen unsere tapferen deutschen Bauern wieder an zu säen und zu arbeiten, und als sie nach einigen Jahren wieder so viel erarbeitet hatten, daß sie ein bescheidenes Stück Land und Vieh ihr eigen nennen durften, da kam der unselige Fünfjahresplan. Alle Bauernwirtschaften wurden mit solchen Steuern belastet, daß es unmöglich war, sie zu leisten, und wer sie nicht zahlen konnte, wurde als Entrechteter von Haus und Hof gejagt. Auch Kirche und Pfarrhaus wurden mit wahnsinnigen Steuern belegt. Ihr Aeußerstes zahlten die tapferen Leute, um wenigstens noch ihre Kirche zu retten. Die Briefe aus jener Zeit vor 2, 3 Jahren, die unsere Verwandten uns darüber schrieben, sind ergreifend. Bis schließlich mein Onkel und viele seiner Gemeindeglieder als„Kulaken“, d. h. früher Besitzliche, aus dem Hause mußten, und weil sie ihre vielen Steuern nicht leisten konnten, da diese absichtlich so hoch gesteigert waren, in die sehr überfüllten Gefängnisse von sehr rohen Bolschewiken gesperrt wurden. Das war im Januar 1930. Jetzt noch ist es uns ein Wunder, daß dieser und viele darauffolgende Briefe über die Grenze gerichtet, die den Arbeitslosen während der Winterma, nate einen angenehmen Aufenthalt, Anregung lehrung durch Blätter, Bücher und Vorträge und aug für billiges Geld Erfrischungen darbot. Ebenso bestanz in dem Gemeindeheim der Neustädter Gemeinde solch ein, Lesehalle. Die Johannisgemeinde aber bot in ihrer Volksküche den Arbeitslosen billiges Mittagessen dar Täglich erschienen 130—140 Personen, die für ihre Fami, lien Mittagessen zu 45 Pfg. für die Person einholten Kurse im Kochen und Nähen waren für Arbeitslose Frauen und Mädchen eingerichtet. Seit Jahren weiß man in weiten Kreisen, daß unserjugendlichen Arbeitslosen der Stadt und der Industrie, bezirke am besten der landwirtschaftlichen Arbeit zugeführt werden. Es ist eine schöne Aufgabe, die arbeitslosen jungen Männer zu einem Streben nach eigenem Haus und Hof zu wecken. In Bielefeld soll die evangelische Siedlungsarbeit stärker als bisher ausgenommen werden Zugleich wurde erwähnt, daß Bethel schon seit Jahren in geradezu vorbildlicher Weise dieses Werk in Angriff genommen hat. Wer diese Arbeit kennen lernen will, besuche einmal die Hermannsheide. Sie ist von der Bahnstrecke Bielefeld—Paderborn ohne große Mühe zu erreichen. Bei der Verhandlung über unsere Gemeinden wurde von dem Superintendenten gern anerkannt, was der Minden=Ravensberger Verein für Innere Mission an Freizeiten für Presbyter geleistet habe. Eine besondere Rüstzeit für städtische Presbyter, die ihre eigenartigen Aufgaben haben, und eine Rüstzeit für junge Männer aus den Gemeinden, die in Sonderheit der Freidenkerbewegung entgegentreten könnten, wurden kräftig empfohlen, Mit ganz besonderer Spannung wurde die Verhandlung über die Teilung des Kirchenkreises Bielefeld erwartet. Der Superintendent führte aus, daß die Synode Bielefeld 190000 evangelische Gemeindeglieder, 47 Gemeindepfarrer und dazu eine große Anzahl von Anstaltsgeistlichen in Bethel und Schildesche enthalte. Er betonte kräftig, daß solch ein großer Kirchenkreis nicht mehr eine Arbeitsgemeinschaft sei, wie er sein müsse. Eine längere Aussprache setzte über die Frage ein, ob eine Stadt= und eine Land=Synode Bielefeld, oder ob eine durch den Osning gebildete Teilung in eine„Klee=Synode“ Bielefeld und eine„Sand=Synode“ Gütersloh vorzuziehen sei. Nach längerer Verhandlung entschied sich die Mehrheit der Synode dafür, daß die Teilung zur Zeit nicht empfehlenswert sei. Es liegt hier ein Schulbeispiel vor, wie verhängnisvoll es ist, eine nötige Arbeit zu verschieben. Vor 30 Jahren hätte die Teilung schon durch geführt werden müssen. Inzwischen sind die Vorbedingungen für die Teilung sowohl durch das immer stärkere Verwachsen der Umgegend mit Bielefeld, wie auch durch die wirtschaftliche Lage immer schwieriger geworden. Es läßt sich verstehen, daß die Synode gerade in dieser Zeit nicht durchgreifen mochte. Andererseits aber ist gewiß je länger die Teilung aufgeschoben wird, um so schwiier ist sie durchzuführen. Vorläufig muß die Belastung, welche die große Synode mit sich bringt, weiter getragen werden. Ein zweiter Höhepunkt in der Synode war die Verhandlung über die Ordnung des kirchlichen Lebens, die von der Generalsynode am 12. März 1930 mit allen gegen 20 Stimmen angenommen war. Pastor Schneider in Bielefeld gab zunächst eine klare Einführung und empfohl ihre Annahme. Sie gilt für Rheinland und Westfalen aber erst dann, wenn ihre Provinzialsynoden auch die Einführung beschlossen haben. Eingehend wurde erörtert, was für und was gegen die Annahme sprach. Zuletzt entschied sich die Kreissynode für folgenden Antrag: Provinzialsynode wolle ein kirchliches Provinzialgesetz beschließen, wodurch im Interesse der gesamtkirchlichen Einheit die„Ordnung des kommen, auch wenn sie sehr vorsichtig und verblümt geschrieben waren. Meine Tante aber und ihre beiden Töchter wurden mehrere Wochen später, während mein Onkel noch im Gefängnis mit etwa 500 Mann zusammen schmachtete, in einem festgeschlossenen Viehwaggon unter den entsetzlichsten hygienischen Bedingungen nach Sibirien, das heißt in das wilde Gebiet jenseits des Uralgebirges, gebracht. 8 Tage lang fuhren sie so, ohne einmal an die Luft zu kommen mit 39 anderen armen Opfern, die auch von ihren Angehörigen getrennt und völlig arm und entrech tet gemacht worden waren, weil sie nicht in die Kommune eintreten wollten, die meisten aus religiösen Gründen. 3 Eimer kaltes und 3 Eimer heißes Wasser, das war alles, was diese vielen Menschen täglich zum Trinken, zum Kochen und zum Waschen hatten. Unterwegs auf den Stationen gelang es ihnen, heimlich Karten aus dem winzigen Wagenfenster zu werfen in der Hoffnung, dab ein guter Mensch sie einstecken würde in den Briefkasten, und auf diese Weise haben wir Nachricht von ihnen dekommen. Hunger und Durst und Kälte hatten unsere in das warme südliche Klima gewöhnten Menschen, unsert Landsleute, reichlich zu spüren bekommen, dabei das en“ setzliche Ungeziefer und die häufigen Diebstähle, durch welche ihre sehr wenigen Habseligkeiten noch mehr d“ sammenschmolzen. Nun aber ist es noch viel schlimme: geworden. Anfangs waren sie mit vielen Hunderten von Verschia“ ten in der Nähe einer kleinen Stadt jenseits des Urt gebirges und wurden von der Bevölkerung als völlig ächtete behandelt, weil es von der Regierung streng be“ boten war, irgendwie in Verbindung mit den Verschle ten zu treten, wenn man nicht selber entrechtet werce“ wollte. Doch ging es trotz allem ihnen da noch besse und sie hatten mehr zu essen und brauchten nicht so““ menschlich zu arbeiten, wie jetzt im Urwald, wohmn!“ geschleppt wurden, wo sie jeder Witterung und noch“ kirchlichen Le lische Kirchene Darnach b über die Tag vertrag mit d. nommen hatt bedeutender evangelischen Pfarrstellen nicht weniger das Besetzung setzungsrecht vielgenannte daß der Staa kirchenrats u staatspolitische ken Einspruch synode habe gelische Kirch nicht aus den Annahme gest hältnis von der reformier bei den maß daß die drohe verhindert un len nicht lege schulgesetz erl angenommen. Von der 4 berichtet, daß den GemeindVeränderunge würden. Zur rätin Pape in rung in Mini den, daß im Melodien der gelernt werde einbürgere. Wenig an Seite des ner den Antrag Kreissynode zung einer Geschäftes be Ein schöne Kindergottes diese Arbeit Leiter ist, be der Synode Kindergottes Gruppen. 31 durchschnittlic und Helferin Bielefeld alle Helferinnen. Freizeiten für des Kindergo Pfarrer A i. R. in Güt über das The Sittlichkeit“ dem Konsisto breiten. Die Vera daß das Pre Synode stellt des Baukapit die Bürgschaf tung des Ge die Errichtun war überzeu mehr wie fri Hunger prei Briefe. Sie wunk mal schrieb nicht mehr d nichtete, son! Stadt müßte auch ein Ver Briefe nicht Auch uns bil sichtig in den Mein On von seiner trachten, daß Gemeindegliverleugnen waren und viele Russen Mein On gütern, woe krankes Her lich machten suchung für sollte frei g 7 Wochen la gehalten und Sümpfe ver sie nicht ein: waren sie Kälte noch trieben wor ner an und essen. 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Es de in dieser Zeit aber ist gewiß um so schweier Belastung, welche weiter getragen de war die Verhen Lebens, die 30 mit allen getor Schneider in hrung und empiland und Westzialsynoden auch und was gegen sich die Kreissynode wolle ein wodurch im In:„ O r d n u n g d e s nd verblümt geTöchter wurden Onkel noch im nen schmachtete, nter den entsetzbirien, das heißt birges, gebracht. an die Luft zu 1, die auch von rm und entrechIn die Kommune siösen Gründen. r, das war alles, Trinken, zum erwegs auf den arten aus dem Hoffnung, daß den Briefkasten, t von ihnen behatten unsere an Nenschen, unsere I, dabei das entdiebstähle, durch noch mehr zuviel schlimmer in von Verschichnseits des Urat ig als völlig Gerung streng vert den Verschickitrechtet werden da noch besser sten nicht so unwald, wohin sie ig und noch biel tirchlichen Lebens“ als Ganzes in die rheinisch=westfäsische Kirchenordnung eingefügt wird. Darnach berichtete Pastor Münter aus Brackwede iver die Tagung der Generalsynode, die den Kirchenvertrag mit dem Staat mit 166 gegen 47 Stimmen angenommen hatte. Er betonte, daß in diesem Vertrage ein bedeutender Fortschritt für die Selbständigmachung der enangelischen Kirche Preußens liege. Denn von den 7000 gfarrstellen der evangelischen Kirche Preußens seien nicht weniger als 2 700 fiskalisch, über die der Staat sich das Besetzungsrecht vorbehalten könnte. Auf dieses Besetzungsrecht verzichtet der Staat. Dagegen bleibe die nielgenannte politische Klausel bestehen. Sie bedeutet, daß der Staat bei der Besetzung der Stellen des Oberkirchenrats und der 18 Generalsuperintendenturen aus staatspolitischen, aber nicht aus parteipolitischen Bedenken Einspruch erheben kann. Die Mehrheit der Generalsynode habe geglaubt, daß sie die Vorteile für die evangelische Kirche bei aller Würdigung der Gegengründe nicht aus den Augen lassen dürfe und habe daher für die Annahme gestimmt. Bei der Besprechung über das Verhältnis von Kirche und Schule stellte das Presbyterium der reformierten Gemeinde den. Antrag, Synode wolle bei den maßgebenden Stellen dahin vorstellig werden, daß die drohende Auflockerung des§ 174 der Verfassung verhindert und die weltlichen Sammelklassen und Schulen nicht legalisiert werden, sondern eindlich ein Reichsschulgesetz erlassen werde. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Von der Einführung des neuen Gesangbuches wurde berichtet, daß die Einführung der rhythmischen Melodien den Gemeinden Freude bereite, daß dagegen die übrigen Veränderungen im neuen Gesangbuch schwerer ertragen würden. Zur Annahme kam ein Antrag der Studienrätin Pape in Bielefeld: Synode wolle sich an die Regierung in Minden und an die Schulen mit der Bitte wenden, daß im Religions= und Gesangsunterricht Texte und Melodien der Kirchenlieder nach dem neuen Gesangbuch gelernt werden, damit sich das neue Gesangbuch schneller einbürgere. Wenig angenehm war für die Synode die geschäftliche Seite des neuen Gesangbuches. Daher nahm die Synode den Antrag des Pastors Klincker von Ummeln an: Die Kreissynode wolle bei der Provinzialsynode die Einsetzung einer Kommission zur Prüfung des GesangbuchGeschäftes beantragen. Ein schönes Bild boten die Verhandlungen über den Kindergottesdienst. Pastor Decius in Brake, der für diese Arbeit in ganz Minden=Ravensberg der zuständige Leiter ist, berichtete über die Kindergottesdienstsache in der Synode Bielefeld. Danach gibt es in der Synode 34 Kindergottesdienste, davon 29 mit Gruppen und 5 ohne Gruppen. Zum Kindergottesdienst finden sich Sonntags durchschnittlich 5264 Kinder ein. Die Zahl der Helfer und Helferinnen beträgt 302. Die Johannisgemeinde in Bielefeld allein zählt über 800 Kinder und 55 Helfer und Helferinnen. Konferenzen für die leitenden Pfarrer und Freizeiten für Helfer und Helferinnen haben zur Hebung des Kindergottesdienstes erheblich beigetragen. Pfarrer Waubke, früher in Bielefeld, jetzt als Pfarrer i. R. in Gütersloh, legte der Versammlung 10 Leitsätze über das Thema: Evangelische Kirche und Förderung der Sittlichkeit“ vor. Die Synode beschloß, diese Leitsätze dem Konsistorium und der Provinzialsynode zu unterbreiten. Die Verarmung in den Gemeinden zeigte sich darin, daß das Presbyterium in Dornberg den Antrag an die Synode stellte, die Zinsbürgschaft für ein aufzunehmendes Baukapital in Höhe von 23.000 Mark und dazu auch die Bürgschaft für Aufbringung der Mittel für die Erhaltung des Gebäudes zu übernehmen. Es handelt sich um die Errichtung eines Betsaals im Wellensiek. Die Synode war überzeugt, daß Wellensiek, das vor den Toren Bielemehr wie früher den Launen ihrer Vorgesetzten und dem Hunger preisgegeben sind. Erschütternd klingen diese Briefe. Sie wundern sich, daß dieselben durchkommen! Einmal schrieb meine Tante uns, sie würden ihre Post gar nicht mehr der Behörde abgeben, da diese sonst alles vernichtete, sondern solchen Leuten, die mal zufällig in die Stadt müßten, oder wie in letzter Zeit dem Boten, der auch ein Verschickter sei, die sorgen dann schon, daß die Briefe nicht an Ort und Stelle in die Zensur kommen. Auch uns bitten unsere Verwandten dringend, recht vorsichtig in den Briefen zu sein. Mein Onkel, der Pastor, leidet, weil er getrennt ist von seiner Familie, so daß wir es als ein Wunder bekrachten, daß er überhaupt noch lebt, ebenso viele seiner Gemeindeglieder, weil sie ihren christlichen Glauben nicht verleugnen wollen und weil sie früher wohlhabend waren und nicht in die Kommune eintreten wollen. Auch viele Russen und Tataren seien ihre Leidensgefährten. Mein Onkel war in Sibirien auf großen Kollektiv= gütern, wo er schwer körperlich arbeiten mußte, was sein krankes Herz und seine 65 Jahre ihm als Pastor unmögiich machten. Dann wurde er nach ärztlicher Untersüchung für unfähig für so schwere Arbeit erklärt und sollte frei gelassen werden. Statt dessen hat man ihn Wochen lang bei 300 Gramm Brot täglich immer hinbehalten und dann ganz in den Norden Sibiriens in die Sümpfe verschickt. Die 2 Tage im Viehwaggon hatten sie nicht einmal die 300 Gramm Brot zu essen und dann aren sie teils im Schlitten, teils zu Fuß bei 32 Grad salte noch 280 Kilometer ins Innere der Sümpse gesrieben worden. Dort nahmen sich andere Verschickte seiner an und nach langer Zeit konnte er sich mal satt essen. Doch lautete die letzte Nachricht vom März: bald wurde die Schneeschmelze einsetzen und dann kämer keine Lebensmittel mehr in diese Einöde, dann müßten sie wohl Hungers sterben. Frieda Braun.“ felds in kurzer Zeit durch die in Bielefeld beschäftigte Menge von Arbeitern und Angestellten sehr stark gewachsen sei, der Hilfe bedürfe, wofür Dornberg, die kleine Muttergemeinde, nicht allein eintreten könne. Um für gemeindekirchliche Zwecke nur möglichst viele Mittel einzusparen, hatte die Stadtpfarrer=Konferenz in Bielefeld für die Provinzialsynode beantragt, auf eine baldige Herabminderung der amtlich festgesetzten Hauskollekten Bedacht zu nehmen. Pastor Jasper, der Vorsteher des Kollektenbüros in Bethel, konnte darauf erwidern, daß von den maßgebenden Stellen im Konsistorium und Oberpräsidium schon eine starke Herabminderung der Kollekten vorgenommen sei. Ein zweiter Antrag der Stadtpfarrer=Konferenz in Bielefeld ging darauf aus, das berufsmäßige Kollektantentum aus Ersparnisgründen zu beseitigen. Dieser Antrag fand aber keine Annahme, da der berufsmäßige Kollektant nicht zu entbehren ist. Zum Schluß bewilligte die Synode 4420 Mark für allerlei dringende Bedürfnisse in den Gemeinden und überwies das synodale Drittel der Hauskollekte für Innere Mission von 1930 in Höhe von 924,38 Mark der Gemeinde Ubbedissen für ihr neu erbautes Gemeindehaus. —s. Antutte=Bätten=gelanern. Auf dem Gurgler Ferner in 2500 Meter höhe.— Im Gletschereis der Oetztaler Alpen.— Hilfsexpedition unterW6gc. Innsbruck, 28. Mai. Die Ungewißheit über den Standort und die Landung des Piccardschen Ballons ist beseitigt. Nachdem der Ballon in den Abendstunden des Mittwochs an verschiedenen Orten Tirols in einer Höhe von 5000 bis 6000 Metern über den Oetztaler und Stubaier Alpen gesichtet wurde, ist er offenbar in den Abendstunden des Mittwochs niedergegangen. Nach einer Meldung aus Gurgl im oberen Oetztal wurde die Hülle des Ballons auf dem großen Gurgler Gletscher in einer Höhe von 2500 Metern festgestellt. Eine Hilfsexpedition ist sofort an die Landungsstelle abgegangen. Ueber die Auffindung des Ballons wird noch mitgeteilt, daß der Gastwirt Schaiber in Gurgl etwa um 9 Uhr früh den Ballon Piccards am Großen Gurgler Ferner in den Oetztaler Alpen liegen gesehen hat. Der Ballon befindet sich in einer mutmaßlichen Höhe von etwa 2500 Metern. Der Platz, an dem die Landung erfolgte, ist von Gurgl noch etwa drei Wegstunden entfernt. Der genaue Ort konnte von Gurgl aus noch nicht bestimmt werden, und es ist möglich, daß der Ballon am Fuße des Großen Gurgler Ferners liegt. Eine Expedition unter Führung des Gastwirts Schaiber mit drei Zivilisten, einem Zollwachtbeamten und einem Gendarmeriebeamten ist bereits seit den Morgenstunden nach der Landungsstelle unterwegs. Von Gurgl selbst aus ist der Ballon nicht sichtbar, dagegen ist er von der wenige Minuten entfernten Pirchhütte aus mit dem Fernglas deutlich zu sehen. Die Ballonhülle scheint unbeschädigt zu sein, denn der Ballon ist noch immer als große Kugel wahrnehmbar. Die Landungsstelle des Ballons liegt in einer Gegend, die vor dem Kriege von reichsdeutschen Alpinisten sehr gern aufgesucht wurde. Die Wanderung von der Station Oetztal am Inn durch das Tal der Oetzer Ache über Vent und Gurgl, den beiden höchstgelegenen Ortschaften Tirols, über das Hochjoch=Hospiz und den Hochjoch=Ferner hinunter ins Schnalser Tal über Karthaus und Naturns nach Meran gehörte, bevor dort eine politische Grenze entstand, zu den beliebtesten Hochtouren im Tiroler Alpengebiet, die allsommerlich von Tausenden von Reichsdeutschen gemacht wurden. Die in diesem Gebiet befindlichen Hütten(Hochjoch=Hospiz, Samovar=Hütte und Brandenburger Haus) gehören der Sektion Mark Brandenburg im Deutschen und Oesterreichischen Alpenverein. * Der Vorstoß in die Stratosphäre geglückt Piccard und sein Begleiter am Leben. Im Gegensatz zu einer um 12,15 Uhr bei der Flugwetterwarte München eingegangenen Privatmeldung, wonach die beiden Insassen des Piccardschen Ballons in bewußtlosem Zustande geborgen worden seien, konnte der Vertreter des Süddeutschen Korrespondenzbureaus in Sölden um 15,15 Uhr den glücklichen Ausgang des tollkühnen Stratosphärenfluges melden: Nach der soeben bei der Gendarmerie eingelaufenen ersten authentischen Nachricht der Rettungsexpedition ist der Stratosphärenflug geglückt.. Der Ballon hat eine Höhe von 16000 Metern erreicht. Die Landung erfolgte glatt gestern abend um 22 Uhr auf dem Gletscherbruch des Gurgler Ferner. Professor Piccard und sein Begleiter sind wohlbehalten und befinden sich zur Zeit auf dem Wege nach Obergurgl. Der Ballon und die Instrumente sind unbeschädigt und werden in Sölden geborgen werden. Die beiden Jorscher benachrichtigten soeben ihre Angehörigen telegraphisch von der geglückten Vollendung ihres Unternehmens. Der Flug Piccards in die Stratosphäre ist zweifellos eine wissenschaftliche Pioniertat von größter Bedeutung. Viermal hatte der Schweizer Gelehrte, der an der Brüsseler Universität doziert, den Flug in die über einer Höhe von 12000 Metern liegenden Luftschichten vergeblich versucht. Das fünfte Mal scheint ihm der Versuch geglückt zu sein. Nicht aus Abenteuerlust und Rekordsucht hat er dieses tollkühne Unternehmen durchgeführt, sondern aus reinem wissenschaftlichen Ehrgeiz heraus. Sein Ziel war die Erforschung jener Luftschichten, die nicht mehr im Austausch mit den untersten Regionen der Atmosphäre stehen, in der wir leben und atmen. U. a. wollte er durch Messungen über Sonnenstrahlen feststellen, wieviel Licht von den Wolken und Staubschichten über die Erde absorbiert wird. Außerdem wollte er elektrische Messungen vornehmen. Die Vorbereitungen für den Flug waren schon seit langem im Gange, trotzdem sah man in Sachverständigenkreie sen dem Versuch mit großer Skepsis entgegen. Die Metallgondel war bekanntlich luftdicht abgeschlossen, aber die geringste Beschädigung beim Abflug konnte den Insassen verhängnisvoll werden, da der normale Druck in der Gondel dem atmosphärischen Druck auf der Oberfläche angepaßt ist, und bei einer Verletzung der Metallgondel der Unterdruck herscht. Die Folge eines folchen Unfalles wäre Refe Vekung in den erreichten Höhen auf die Kugel; die Kälte der Luft in Verbindung mit der sengenden Strahlung der Sonne auf die Metallkugel konnte ebenfalls den Insassen verhänanisvoll werden. Auch die Frage der Landung war zunächst ein ungeklärtes Kapitel der Stratosphärenexpedition. Besonders im Hochgebirge, das mit seinen hohen Bergwänden und seinen atmosphärischen Unsicherheiten die Gefahr des Zerschellens noch vermehrt, war die Landung ein großes Wagnis. Daß Piccard den Flug trotz all dieser Bedenken gewagt und glücklich durchgeführt hat, bleibt sein großes Verdienst. Sein Flug in das Weltall ist eine epochemachende Spitzenleistung zielbewußter Forscherarbeit. Piccard in Obergurgl. Die Auffindung der Forscher.— Piccard in Obergurgl. — Sölden im Oetztal, 28. Mai. Zu der Auffindung des Ballons Professor Piccards werden nachfolgende Einzelheiten bekannt: Der Oberlehrer Falkner, der Schullehrer Gstrain und der Besitzer Grüner, die früh 8 Uhr von Obergurgl aufgebrochen waren, erreichten um 10.30 Uhr als erste die Landungsstelle des Ballons am Ferner. Professor Piccard und sein Assistenk. Ingenieur Kipfer, befanden sich bereits außerhalb der Gondel und waren im Begriff, auf die Felsen hinaufzusteigen. Die Bergungsmannschaft machte sie jedoch durch Zeichen auf die Gefährlichkeit dieses Aufstiegs aufmerksam und begab sich zu ihnen hinunter auf den Gletscher. Sie labten dann die beiden Forscher, die an starkem Durst litten, mit Tee und gaben ihnen Lebensmittel. Die Forscher waren selbst noch mit einer geringen Nahrungsmittelmenge versorgt. Professor Piccard und sein Assistent, die sich sehr wohl fühlen, teilten mit, daß sie die Nacht über in der Gandel verbracht hätten. Professor Piccard ist um 5 Uhr nachmittags in Obergurgl eingetroffen. Eine Abteilung des österreichischen Alpenjäger=Regiments Nr. 12, die sich zur Hilfeleistung ins Oetztal begeben hat, ist in Sölden eingetroffen und sofort unter Führung von Gendarmerie bis zur neuen Karlsruher Hütte aufgestiegen. Sie wird den Ballon bergen und zu Tal schaffen. Professor Piccard über seinen Flug. Piccard hat sofort nach seinem Eintreffen in Obergurgl eine Reihe Drahtungen abgesandt, die über den Verlauf des Fluges interessante Aufschlüsse geben. Aus diesen Telegrammen wird u. a. entnommen: „Herrliche Fahrt in der Strakosphäre. haben die gewünschte Höhe erreicht und dort gearbeitet. Konnten erst nach Sonnenuntergang die Stratosphäre verlassen. Landung in 2700 Metern Höhe. Hatten große Schwierigkeiten und konnten erst 21 Uhr niedergehen. Sind wohl und gesund. Haben 1/10 Atmosphäre erreicht. Abstieg sehr schwierig, mußten 16 Stunden in der Strakosphäre bleiben. Glückliche, aber harte Landung.“ Professor Piccard will drei Tage in Obergurgl bleiben. Er wußte bei seiner Landung nicht, wo er sich befand. Der schweizerische Bundespräsident und der Verkehrsminister haben„den Erfinder des Stratosphärenluftfahrzeuges, den genialen Ballonführer und heroischen Forscher“ und seinen Assistenten telegraphisch herzlich beglückwünscht. Neuer Kampf um Beginn der Kammerdebatte über die Außenpolitik. In der Pariser Kammer kam es bei der Debatte über die Festsetzung der Interpellationen über die Außenpolitik zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Hauptinterpellanten Franklin=Bouillon und Außenminister Briand. Franklin=Bouillon erklärte, er könne Briand kein Vertrauen schenken. Die Kammer habe Briand einmütig den Auftrag erteilt, den Anschluß zu bekämpfen. Briand sei aber Henderson gefolgt, der durchsetzte, daß die Anschlußfrage auf das wirtschaftliche Gebiet geschoben wurde. Frankreich habe nur zwei Monate gewonnen hinsichtlich der grundsätzlichen Frage und sechs Monate hinsichtlich der Vertagung aller Schwierigkeiten. In Wirklichkeit habe Frankreich nichts erreicht. 84 Außenminister Briand wies die Vorwürfe, die ihm Franklin=Bouillon wegen seiner Haltung in Genf gemacht hatte, zurück. Briand erklärte: Die französische Kammer habe als Abschluß der Diskussion der Interpellationen über den Anschlußversuch in einer Tagesordnung ihren Willen beteuert, die französische Regierung möge dieses Unternehmen verhindern. Die französische Delegation beim Völkerbund habe diese Aufgabe nach besten Kräften erfüllt. Frankreich habe die Stimmen aller erhalten. Man habe die Zollunion an das Haager Gericht verwiesen. Das entspreche der Gepflogenheit, das sei kein Verrat. Briand beteuerte, daß er nicht an seinem Posten klede. Aber der Staatsmann, der nach ihm kommen würde, könnte nicht etwas unternehmen, was dem zuwiderlaufen würde, was er getan habe. Wenn er als Minister zurückträte, würde er nur im Lande seine Friedenspolitik verteidigen. Nach Abschluß der Debatte lehnte die Kammer mit 318 gegen 261 Stimmen die von den Radikalen verlangte Bevorzugung der radikalen Tagesordnung, gege die sich die Regierung Laval erklärt hatte, ab. Damit hat die Regierung die Mehrheit erzielt. Das Programm für Chequers. Wie der Englandbesuch der deutschen Minister sich abspielen wird. Das Programm für den bevorstehenden Besuch des deutschen Reichskanzlers und des deutschen Reichsaußenministers in England steht jetzt in seinen Einzelheiten fest. Es sieht vor, daß am Freitag, dem 5. Juni, vormittags die Ankunft auf der„Hamburg“ vor Southampton erfolgt. Der deutsche Botschafter, Freiherr von Neurath, wird die deutschen Minister auf dem Dampfer begrüßen und mit ihnen gemeinsam auf dem Zerstörer„Winchester“, den die britische Admiralität zur Verfügung gestellt hat, nach South= ampton fahren. Dort wird der Bürgermeister der Stadt und der deutsche Konsul die Gäste begrüßen. Dann erfolgt die Abreise nach London, wo ein Empfang durch die Vertreter der britischen Regierung und die Mitglieder der deutschen Botschaft in London erfolgen wird. Die deutschen Minister beziehen Wohnung im Carl= ton=Hotel. Um 6 Uhr nachmittags findet ein Empfang der deutschen Presse auf der Botschaft statt. Abends gibt die englische Regierung im Auswärtigen Amt ein Bankett zu Ehren der deutschen Minister. Sonnabendvormittag erfolgt ein Empfang der deutschen Kolonie in London auf der Botschaft. Im Anschluß daran erfolgt die Abfahrt nach Chequers im Draftwagen. Am Sonntag fahren die deutschen Ministe. nach dem Frühstück in Chequers nach London zurück, wo ein Empfang der deutschen Presse auf der Botschaft stattfindet. Am Montag, dem 8. Juni, findet eine Audienz beim König im Buckingham=Palast statt. Anschließend, gibt die Anglo=German=Association ein Frühstück, auf dem der Vorsitzende Lord Reading eine kurze Begrüßungsrede halten wird. Abends gibt der deutsche Botschafter Neurath ein Diner zu Ehren des Reichskanzlers und des Reichsaußenministers, auf dem u. a. der Premierminister, Außenminister Henderson, der Führer der konservativen Opposition, Baldwin, Sir Austen Chamberlain und Lord Cecil anwesend sein werden. Diesem Diner schließt sich ein Empfang auf der deutschen Botschaft an, zu dem mehrere 100 Gäste, darunter zahlreiche führende Mitglieder der Diplomatie, der Gesellschaft, der Presse und der Wirtschaft geladen sind. Dienstag früh erfolgt die Abfahrt nach Southamton, von wo die deutschen Minister mit der„Europa“ die Heimreise antreten werden. * Deutschland hat das Recht zur Aussprache Verdiente Zurückweisung des französischen Einspruchs durch England. Die Pariser Presse hat sich in den letzten Tagen sehr ungehalten über den bevorstehenden Besuch in Chequers geäußert und der britischen Regierung geradezu das Recht abgestritten, mit den deutschen Staatsmännern die Reparationsfrage zu erörtern. Diese anmaßenden Aeußerungen hat jetzt das Londoner Arbeiterblatt und Regierungsorgan „Daily Herald“ folgendermaßen zurückgewiesen: „Die französische öffentliche Meinung scheint es für ein Verbrechen zu halten, wenn die deutschen Staatsmänner bei ihrem Besuche in England britischen Ministern gegenüber auf die Reparationsfrage zu sprechen kommen sollten, und sie scheint ferner zu glauben, daß es unangemessen wäre, wenn britische Minister solche Aeußerungen anhören würden. Dies ist natürlich Unsinn. Dr. Brüning und Dr. Curtius haben selbstverständlich das Recht, falls sie es wünschen, diese Angelegenheit zunächst mit Großbritannien zu besprechen. Alle ihre Aeußerungen würden mit Höflichkeit angehört und ernstlich erwogen werden. Wenn allerdings Deutschland wünscht, die Angelegnheit weiter zu betreiben, dann würden alle an der Young= Vereinbarung interessierten Mächte zur Beratung hinzugezogen werden müssen. Natürlich ist es nicht erfreulich, wenn die Haager Vereinbarung so schnell in Frage gestellt wird; aber die Unterhändler im Haag haben die schwere Wirtschaftskrise nicht voraussehen können.“ Haager Spruch Ende August. Die Entscheidung über die Zollunion wird„beschleunig!“. Der Präsident des Ständigen Internationalen Gerichtshofes, Adatschi(Japan), gibt bekannt, daß er eine Verfügung erlassen habe, durch die der Termin für die Beendigung des schriftlichen Vorverfahrens in der Angelegenheit der deutsch=österreichischen Zollvereinbarung, die kürzlich dem Haager Gerichtshof vom Völkerbundsrat zur gutachtlichen Entscheidung überwiesen wurde, auf den 1. Juli festgesetzt habe. Die österreichischen Plaidoyers sollen in der ersten Hälfte des Monats Juli stattfinden. Im Hinblick auf die zutage getreiene Notwendigkeit einer schnellen Erledigung der Angelegenheit hofft der Präsident, daß der Gerichtshof imstande sein werde, noch vor Ende August sein Gutachten zu erstatten. Arbeitslosengutachten fertig. Schlußsitzung der Braunskommission. Die von der Reichsregierung eingesetzte Gutachterkommission zur Arbeitslosenfrage hat ihre Arbeiten beendet. In der Schlußsitzung dankte Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald namens der Reichsregierung den Mitgliedern der Kommission für die mühevolle und schwere Arbeit die sie zu leisten hatten. Das dritte Gutachten der Kommission über die Arbeitslosenhilfe ist fertiggestellt und bedarf nur noch des redaktionellen Abschlusses. Voraussichtlich wird das neue Teilgutachten der Reichsregierung im Verlaufe der nächsten Woche überreicht werden. Die Krise der Zusammentritt der Genfer Arbeitskonferenz. Die 15. Internationale Arbeitskonferenz in Genf hat in ihrer Eröffnungs=Sitzung den Vertreter Polens, Sokal, zum Vorsitzenden gewahlt, der in seiner Antrittsrede auf die„Krise der Sozialpolitik“ hinwies. Sokal bemerkte u.., die bisherigen Bemühungen des Völkerbundes hätten nicht die gewünschten Ergebnisse gehabt; immer klarer ergebe sich aber, daß nur eine gemeinsame Anstrengung aus den Schwierigkeiten herausführen könne und daß die heutige Krise Keime einer neuen wirtschaftlichen und sozialen Ordnung in sich berge. In diesem Zusammenhang erinnerte Sokal an die Worte Papst Pius' XI., der vor einigen Tagen gesagt habe, man müsse unbedingt das Wirtschaftssystem neu ordnen und es zurückführen auf die Gesetze der sozialen Gerechtigkeit. Er hege die Hoffnung, daß die Arbeit der Konferenz zur Lösung der Schwierigkeiten beitragen werde. Als Vertreter der deutschen Regierung wohnte vorläufig Ministerialdirektor Dr. Sitzler vom Reichsarbeitsministerium der Sitzung bei. Der ehemalige Reichsarbeitsminister D. Brauns, der Führer der deutschen Delegation, wird erst morgen erwartet. Die deutschen Arbeitgeber sind durch Kommerzienrat Vogel, die Arbeitnehmer durch Reichstagsabgeordneten Hermann Müller vertreten. Vor der Kabinettssitzung. Abschluß der Vorarbeiten. — Berlin, 28. Mai. Die Ressortbesprechungen über die neuen Sanierungsmaßnahmen der Reichsregierung stehen vor dem Abschluß, so daß aller Wahrscheinlichkeit nach schon am Freitag mit den entscheidenden Beratungen über die Notverordnung begonnen werden kann. Beschlüsse sind natürlich in dieser Woche nicht mehr zu erwarten. Im Augenblick sind, wie wir weiter erfahren, weitere Parteiführerbesprechungen nicht in Aussicht genommen. * Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion ist am Donnerstagnachmittag zu einer zahlreich besuchten Sitzung zusammengetreten, auf deren Tagesordnung die Besprechung der politischen Lage steht. Die Forderungen der Sozialdemokraten. — Berlin, 29. Mai. Die Reichstagsfraktion der Sozialdemokratie verlangt in einer Entschließung eine Anspannung aller finanziellen Mittel des Staates und beschleunigte Durchführung aller wirtschaftspolitischen Maßnahmen, um die Konjunktur zu beleben, Sie warnt vor allen Plänen, die darauf hinauslaufen, die Bezüge der Arbeitslosen, Sozialund Kriegsrentner weiter zu kürzen. Die Fraktion fordert vor allem die Heranziehung der leistungsfähigen Kreise der Bevölkerung durch Einführung einer allgemeinen Krisensteuer. Als Maßnahme gegen die Brotpreiserhöhungen wird die unverzügliche Herabsetzung der Zölle für Brotgetreide und Futtermittel verlangt. Der Landtagsausschuß zum Fall Kürlen. Der ausschuß des Preußischen Landtags beriet den deutsch, nationalen Antrag, wonach das Staatsministerium ersucht wird, das gegen Kürten rechtskräftig gewordene Urtei strecken zu lassen. Annahme fand jedoch der sozialdemokre tische Antrag, den deutschnationalen Antrag abzulehnen der Landtag nicht zustandig sei.. otte9t., da :: Z u s ä t z l i c h e R e i c h s b a h n a u f t r ä g e. W i e v e r l a u t e t, s c h m. ben Verhandlungen mit der Reichsregierung über ein sätzliches Arbeitsbeschaffungsprogramm der Deutschen Reichsbahn=Gesellschaft, dessen Verwirklichung die Reiche, bahn in ihrem eigenen Interesse und in dem der deutschen Wirtschaft lebhaft begrüßen würde. Die Verhandlungen über Art und Umfang der Aufträge werden noch län, Zeit dauern. :: Evangelisch-Sozialer Kongreß. Im Rahmen de, Evangelisch=Sozialen Kongresses in Duisburg fand ein öffentlicher Volksabend statt, bei dem Oberbürgermeister Dr. Jarres die schweren Nöte schilderte, die in den vergangenne Jahren durch Besatzung und Ruhrkampf und heute durch die Arbeitslosigkeit auf dem Ruhrgebiet lasten. Vertreter der Kinderreichen bei Stegerwald. — Berlin, 29. Mai. Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald empfing im Auftrag des Reichskanzlers eine Vern tung des Reichsbundes der Kinderreichen Deutschlands zum Schutze der Familie e.., die den Wunsch aussprach, daß bei unvermeidbaren harten allgemeinen Maßnahmen auf die Kinderreichen Rücksicht genommen werden möge. Der Reichsarbeitsminister erklärte, daß die Reichsregierung di Linderreichen bestimmt nicht vergessen werde, auch dam # rnn im Augenblick manche Wünsche nicht verwirt„ werden könnten. Verschiedenes. 20 Millionen Minderertrag aus der Mineralu: steuer! Entgegen dem Voranschlag von 35 Millione, Reichsmark hat mit Abschluß des Rechnungsjahres 1930/31 die Mineralwassersteuer nur RM 15037 218,85 erbracht. Dieses Ergebnis deckt sich mit dem seit der Geltungszeit dieser Sonderbelastung eingetretenen 60=prozentigen Absatzrückgang in natürlichen und künstlichen Mineralwässern. Die Kosten für die dadurch entstandene erhöhte Arbeitslosigkeit, die Ausfälle auf anderen Steuergebieten in der Mineralwasserindustrie und vieles andere übertreffen bei weitem das erzielte Steueraufkommen.— Diese traurige Tatsache dürfte dem Steuerausschuß des Reichstages Veranlassung geben, sich bei nächster Gelegenheit mit den vorliegenden 8 Aufhebungsanträgen zu beschäftigen.— AM. Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 31. 5. 31. Trinitatis. Vorm. 8½ Uhr: Pastor Schlatter; 9 Uhr: Pastor Stratenwerth; 10 Uhr: Pastor Wilmanns; 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Montag 20¼ Uhr: Gosen, Gemeindebibelstunde. Donnerstag 19½ Uhr: Pastor Voigt. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 31. Mai 1931: 8 Uhr morgens Frühgottesdienst, Pastor Dahlmann; 10 Uhr vorm. Hauptgottesdienst Pastor Hopmann; 1½ Uhr: Kindergottesdienst. Dienstag, den 2. Juni 1931: 8¼ Uhr abends Bibelstunde in Untertheesen; ½9 Uhr abends Bibelstunde im Hellingskamp. Waldgottesdienst auf der Waterbör. Trinitatissonntag, den 31. 5. 31, vom. 10¼ Uhr: Pastor Pawlowski. Posaunenchor wirkt mit. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Freitag, 8¼ Uhr Bibelstunde in Jesaia 7(P. Schlatter). — Ueber die Palästina=Reise wird Herr Pastor Tegtmeyer am Sonntag, den 31. Mai, 8 Uhr im Assapheum einen Lichtbilder=Vortrag halten. 60 künstlerische Lichtbilder. Eintritt frei. Sammlung zur Deckung der Kosten und für das Syr. Waisenhaus. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel Es finden einige Ruhe= und Erholungsbedürftige liebevolle, gute Aufnahme und Verpflegung. Einf., saub., sonniges Haus. Beste frische und tiefgekühlte Milch jederzeit. Auf Wunsch Diät. Aeußerst preiswert. Landw. Schröder, Wöhren, Post Blomberg(Lippe). Hotsteinieure Juwein Erholungsbedürftige Jung. Mädchen finden jederzeit herzl. Aufnahme bei voll. Familienanschluß in vorn. ernst. christl. Hause. Erlern, des Haush. und sein. Küche, Diätkost. 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Zur selben Zeit, in der Bodelschwingh bei uns in Deutschland die Not der Aermsten lindert, lebte in Indien Pandita Ramabei, die Mutter der Ausgestoßenen und Hungernden, voll brennender Liebe zu all den indischen Frauen, deren Leben aus Leid und Jammer besteht. Pandita Ramabei wurde um 1860 im Gangamela= Urwald Indiens geboren, wohin sich ihr Vater zurückgezogen hatte, um dort ungestört Frau, Söhne und Töchter im heiligen Sanskrit unterrichten zu können. Die Tatsache, daß er auch seine Frau und Töchter diese Sprache lehrte, deren Kenntnis den Frauen verboten war, trug ihm in hohem Maße die Feindschaft seiner Kaste ein. So hat Pandita gewissermaßen schon von ihrem Vater den großen Reformwillen geerbt, mit dem sie ihr ganzes Leben lang gegen die Unterdrückung der indischen Frauen kämpfte.— Als der Vater den Urwald verlassen mußte und mit seiner Familie als Pilger im Lande umherzog, hatte sie Gelegenheit, die große Not ihrer Mitschwestern, besonders die der Kinderwitwen, kennenzulernen. Sie sah und erlebte aber auch die Zauberwelt indischer Religiosität mit all dem Betrug der Priester, und ihre suchende Seele fühlte sich erst befriedigt, nachdem sie Christus als ihren Herrn angenommen hatte. Ramabai hat nie die Not der Kinderehe an sich selber zu erfahren brauchen. Ihres Vaters Einsicht bewahrte sie davor. Mit 21 Jahren heiratete sie einen vornehmen Bengalen, den Mann ihrer eigenen Wahl, damals eine außerordentliche Tat in Indien. Nach 19 Monaten starb ihr Mann an der Cholera; als Erinnerung an diese glückliche Ehe blieb Pandita ihre kleine Tochter Manoramabai, die im Lauf der Jahre mehr und mehr ihre Arbeit mit ihr teilte und in trüben Stunden der Mutter das wurde, was ihr Name bedeutet, Herzensfreude.— Ramabai hatte eine große Gelehrsamkeit. Sie konnte 18000 Verse der Bhagavati Purana auswendig vortragen, sie sprach fließend Sanskrit und verfaßte oft improvisierte Gedichte; auch die außerordentlichen Schwierigkeiten der Sanskritgrammatik beherrschte sie. In der Gelehrtenwelt verursachte ihr Erscheinen das größte Aufsehen, und so hätte sie einen der ehrenvollsten Plätze in der Welt einnehmen können. Aber das wollte sie nicht. Die Leiden ihres Volkes bewegten sie zu sehr. Sie ging zunächst nach Puna und nahm den Kampf um die Befreiung der Frauen auf. Bald erkannte sie, daß sie noch weiteren Studiums bedurfte, um praktisch an diese große Aufgabe heranzugehen. Ihr Wunsch war, Medizin zu studieren, und zu diesem Zwecke reiste sie 1883 nach England. Dort lernte sie zuerst Englisch und studierte dann Mathematik und Naturwissenschaften. Ihr Plan, Medizin zu studieren, erwies sich als unausführbar. Aber doch wurde dieser Aufenthalt in England und später der in Amerika für ihr ganzes Leben bedeutungsvoll, denn sie lernte dort die Organisation großer Missionswerke kennen, die sie für ihre spätere Arbeit notwendig brauchen sollte. Außerdem wandte sich ihre Seele hier ganz dem Christentum zu.— Als sie im Jahre 1888 nach Indien zurückkehrte, fühlte sie sich im doppelten Sinne von Gott beauftragt, den leidenden Frauen zu helfen: körperlich und auch geistlich. So gründete sie 1889 in Bombay ein Frauen= und Witwenheim, das sie Sarada Sadan(Stätte der Weisheit) nannte. Hier fanden viele der Unglücklichsten eine Zufluchtsstätte; sie waren noch fast alle in kindlichem Alter und wurden von den Angehörigen herumgestoßen, nur weil ihre Gatten, besser gesagt Verlobten, gestorben waren, und man nach indischem Glauben die Unschuldigen dafür verantwortlich machte. Ramabai bekämpfte die Sitte, die Mädchen schon im zartesten Alter zu verheiraten, weil sie wußte, wieviel Elend daraus entsprang. Viele von den jungen Witwen, die bei ihr Zuflucht gefunden hatten, heirateten später einen Mann eigener Wahl. Diese Tatsache und außerdem der Umstand, daß Ramabai durch ihre stark anziehende Persönlichkeit großen Einfluß auf ihre Zöglinge hatte, so daß viele von ihnen Christinnen wurden, brachte ihr viele Angriffe. Bald wurde sie zu einer noch größeren Aufgabe gerufen. Im Jahre 1896 brach in den Mittelprovinzen Indiens ine große Hungersnot aus. Sie reiste dorthin und traf urchtbare Verhältnisse an. Männer, Frauen und Kinder agen vor Frost zitternd eng aneinander gedrückt, vor dunger nicht leben und nicht sterben könnend. Verkomnene Männer spähten nach jungen Mädchen umher, um le zu verführen oder massenhaft zu verkaufen. In diese seit schreibt Pandita:„Gott hat mir aufgetragen, 300 Nädchen aus den Hungersnotgebieten zu retten, und einem Namen werde ich an diese Arbeit gehen. von meinen amerikanischen Freunden geschickten Sumsten reichen nur knapp für den Unterhalt und die Erslehung von etwa 50 Mädchen aus, und viele Leute kagen mich, wie ich alle die Mädchen ernähren will, lun aus Mittelindien kommen werden. Ich weiß es ider Gott weiß, was ich brauche.“— Sechs Meilen von Bung entfernt gründete sie dann die Stätte der„Rettung“ Nukti Sadan. Bei der sehr schweren Erziehung der vollig verwilderten und unwissenden Mädchen halfen ihr einige Witwen der früheren Sarada Sadan, die Christinlen geworden waren und ihr Christentum gleich durch dat beweisen konnten. Mukti Sadan wuchs von Jahr zu Jahr. 1900 waren 1350 Mädchen dort, die meisten im Alter von—20 Jahren. Sie wurden je nach ihrer Begabung als Handwerkerinnen oder Lehrerinnen ausgebildet.„Gärten und Felder, eine Oelpresse, eine Molkerei, eine Waschanstalt, eine Bäckerei, das Verfertigen von Stickereien und feinen Handarbeiten, Garnspulen, Getreiderösten, das Herstellen von Zinn= und Blechgeräten für den Küchengebrauch, eine Färberei und eine Druckerpresse, auch das Anfertigen einfacher indischer Gewänder verschaffen vielen hundert Mädchen Beschäftigung.“— Im Jahre 1922 starb diese selten begabte Frau, die nicht auf ehrenvollem Platze vor aller Welt ihre Kraft verzehrte, sondern im Dienst der Aermsten ihres Volks. „Sie bereitete den Weg, und was sie Indien gab, besteht weniger in dem, was sie wirklich erreichte, so groß das auch war, als vielmehr in dem Beispiel des Glaubens und Mutes, das sie Indien im Morgengrauen eines neuen Tages gegeben hat.“ (Genaueres ist nachzulesen in dem Buche: Pandita Ramabai, die Mutter der Verstoßenen; saus dem Englischen von P. Baltzer]. Evangelische Missionsgesellschaft G. m. b.., Stuttgart und Basel.) Frühling. O du frühlingsgrüner Wald, Da der Odem Gottes leise weht, Da auf allen Zweigen Gottes Name leuchtend steht, Da von allen Zweigen Lied auf Lied ihm froh erklingt, Aus grüngoldner Dämm'rung Tiefen junges Leben jauchzend dringt. 6 du frühlingsgrüner Wald, Uimmer, nimmer tut ein Menschenmund All dein sel'ges, heiliges Geheimnis kund! Still aus deinen Tiefen es hinauf gen Zimmel steigt. Still in deine Tiefen Gottes Gnadenglanz sich neigt. O du frühlingsgrüner, heil'ger Wald, licht von Gottes ewger Zerrlichkeit, Reine Seele machst du jung wie Adler, stark und froh und weit! M. Schröder. Bekenntnisse eines deutschen Malers. Was Ludwig Richter als deutscher Künstler, als deutscher Mensch, als der Hausfreund der deutschen Familie bedeutet, ist schon tausendmal gesagt worden. Ein unbeschreiblicher Zauber geht immer von neuem von seinen Bildern aus, denn sie sind nicht nur mit der Seelle erschaut, sondern mit der Seele gemalt. Kunst und Leben war bei Ludwig Richter eins. So ist auch seine Lebensgeschichte vielleicht sein schönstes Gemälde und zugleich die Enthüllung des Geheimnisses, das über der Richterschen Kunst liegt. Denn Richter war nicht nur ein überaus begabter, außerordentlich fleißiger Künstler, war nicht nur ein immer strebender Mensch, der große Gedanken und ein reines Herz sich von Gott erbat; er war mehr, er war ein Christ, aufrichtig und durchsichtig, ehrlich gegen sich selbst. Nicht die äußere Zugehörigkeit zu einer Kirche war für ihn, den Katholiken, bestimmend, der in der Gemeinschaft mit protestantischen Freunden in Rom zu evangelischer Glaubensgewißheit gekommen war. „Um das Leben im Sinne Richters zu erleben und zu leben, dazu bedarf es keiner Wissenschaft und Bildung und keiner Philosophie. Man muß nur Mensch sein, um das Leben mit den Augen der Liebe zu sehen. Diese Grundstimmung klingt aus seinem Leben wie aus seinem Werk zu uns herüber, eindringlich und leise.“ Aus seinen Erinnerungen und Briefen sind die folgenden Worte entnommen. H. Berneck. Unser Beruf. Unser äußerlicher Beruf in dieser Welt ist eigentlich nur der Stab, an welchem wir bis zur Pforte zwischen Glauben und Schauen pilgern. Dort legen wir den Stab ab, und der Pilger geht ein. Ganz und gar wie Pilger sollen wir uns betrachten, rastlos unseres Weges wandeln, die Augen immer auf den leitenden Stern gerichtet. Christus ist vorangegangen, und wir sollen ihm nachfolgen. Der Schöpfer. Ich strebe mit aller Kraft nach dem letzten Ziele meiner Kunst:„Gott in der Natur!“. Wie schön muß der sein, der alles so schön gemacht hat, da die ganze Natur doch nur ein schwacher irdischer Abglanz von der Herrlichkeit des Schöpfers ist. Wie schön wird der neue Himmel und die neue Erde sein, die uns der Herr schon bereitet! Das Unbewußte. Das Beste im Menschen kommt aus einem Grund des Unbewußten. In Kunst, Wissenschaft wie im sittlichen Leben. Kein Kopfchristentum— sondern Herzensglaube. Der rechte Christ wird bekennen müssen, daß es mit unserem Rennen und Laufen und Kopfzerbrechen gar nicht getan, daß dies alles ganz vergeblich ist, daß der Glaube nur als Gnade,— als Geschenk von oben gegeben wird und dem zerbrochenen Herzen das Heil näher liegt, als dem zerbrochenen Kopfe. Das bloße Kopfchristentum ist doch nur ein kunstreiches Gerüste zu einem Bau, der vergeblich auf sich warten läßt. Die Offenbarung. Wer über die Offenbarung hinaus will, verliert sich in endlose Tiefen und Abgründe und geht unter. Jedes Streben aus unserer Individualität heraus zerfließt in Nichtigkeit. Leben in der Gnade. Was ist denn ein Leben in der Gnade?— Ich ahne es, ich hab' es aber nicht. Ganz zu Jesu flüchten, der Weltsorgen sich möglichst entschlagen und täglich aus seinen Händen nehmen, was er gibt und wie er's gibt. Gottes Wort an uns beim Sterben. Im Unglück kann man sich wohl trösten, Sterben ist kein Unglück; es ist etwas so Ernstes und Heiliges darin, weil es ein Ratschluß Gottes ist, daß man da sich beugen kann und das an uns ergangene Wort im Herzen bewegen! Bei Todesfällen ist mir's immer, als sähe ich den ersten Band einer Schrift; da steht am Schluß„Fortsetzung folgt“.— Was der Mensch geworden, ist ihm nicht verloren, und es wird ja Raum genug da sein, um das, was noch werden wird, kann und deshalb auch werden muß, breit und voll zu entwickeln. „Gottes Soldat“. Das ist die alte Klage, das alte Lied— wie oft ist's geklagt und gesungen worden, Menschenleben hindurch und Jahrhunderte hindurch, und es bleibt nichts übrig, als der Kampf, das Vorwärtsbringen durch Dick und Dünn und allen Dreck hindurch, bis man zuletzt als alter Soldat zerlappt und beschmutzt, aber nur tapfer und fahnentreu vor den Toren der Friedensstadt ankommt und den Gnadenlohn empfängt. Ludwig Richters Wahlspruch. Wiederholt ist Ludwig Richter gebeten worden, einen Lebens= oder Wahlspruch unter sein Bild zu setzen. Drei solcher Bilder sind uns erhalten. Das eine Mal schrieb Richter das Wort von Goethe:„Große Gedanken und ein reines Herz, das ist es, was wir uns von Gott erbitten müssen.“ Als 73jähriger schrieb er an seinem Geburtstag, dem 28. September, den Vers von Rückert unter sein Bild: „Wer liebend sich ans Nächste hält, Und will nur das gewinnen, Umfaßt darin die ganze Welt, Und Gott ist mitten drinnen.“ Unter das letzte Bild schreibt Richter die drei lateinischen Worte:„Quod Deus vult“=„Was Gott wi und seine Lebenserinnerungen, die unvollendet geblieben sind und denen er eine Ergänzung durch andere Hand gewünscht hat, wollte er die Ueberschrift geben:„Unter der Führung des Höchsten“. Märchenerzählerin in Afrika. Von Aenne Trey. Wenn die glührote Sonnenkugel am Horizont verschwunden ist und die kurze, farbenprächtige Dämmerung dem Dunkel der Nacht hat weichen müssen,— wenn die kleinen grauen Vögel in den schwebenden, kunstvoll geflochtenen Nestern einen Ruheplatz gefunden und die zierlichen Steinböcke und die flinken Antilopen in sicherem Versteck sich zum Schlafen hingelegt haben,— wenn die knorrigen Aeste der Dornakazien sich drohend in die Finsternis recken und die grauen, staubbedeckten Blättchen an Bäumen und Sträuchern nach der erschlaffenden Tageshitze sehnsuchtsvoll dem Nachttau entgegenharren, wenn am dunkeln, schweigenden Firmament ein leuchtender Stern nach dem andern auffunkelt und seine Bahn dahinzieht,— dann ist die Stunde gekommen, in der die afrikanische Märchenerzählerin aus dem Schatz der Märchen, Sagen und Geistergeschichten, die sie von ihrer Kindheit an in ihrem Gedächtnis aufgespeichert hat, etwas hervorholt. Da liegen sie, die schwarzen Bergdaman und die gelben Hottentotten nach anstrengender Fahrt in der polternden Ochsenkarre über wilde Berghänge und durch tiefe Schluchten und ruhen am lodernden Holzfeuer. Hunger und Durst sind gestillt, die Ereignisse des Tages sind besprochen, und die Pfeife wandert von Mund zu Mund. Nun hebt eine alte, runzlige Hottentottenfrau den Oberkörper ein wenig von der Erde, stützt den dürren, von Lumpen nur halb bedeckten Arm auf einen Stein, den sie sich zuvor als Kopfkissen herangerollt hat, und während die Grillen zirpen und die Leuchtkäfer ihre Tänze im dunkeln Gebüsch aufführen, während die hungrigen Schakale bellend das Lager umkreisen und eine scheußliche Hyäne ihr gräßliches Geheul erschallen läßt, beginnt die Alte mit scharfer, heller Stimme in ihrer wohllautenden, von eigenartig klingenden Schnalzlauten durchsetzten Sprache den still lauschenden Zuhörern die längst bekannten, aber immer wieder gern gehörten Geschichten zu erzählen. Alle ziehen sie vorüber, die Menschen und die Tiere ihres Landes, mit denen das Leben sie so oft in Berührung bringt, und ein jeder verkörpert deutlich die Eigenschaft, die ihn in besonderem Maße kennzeichnet. Man glaubt sie leibhaftig vor sich zu sehen: den flinken Buschmann und den verwegenen Hottentotten, den stolzen Herero und den furchtlosen Klippkaffern, die dumme Hyäne und den listigen Schakal, den klugen Hasen und das gutmütige Stachelschwein, den plumpen Elefanten und das geschickte Erdmännchen, den starken Löwen und den feigen Leoparden. Am Nachthimmel sind allmählich unzählige Sterne aufgezogen und flimmern in unbeschreiblicher Pracht auf die dunkle, weite Steppe hinab. Still und aufmerksam horchen die Lagernden auf das, was die Alte ihnen zu berichten weiß: „Einst mußten der Schakal und das Stachelschwein bei den Menschen arbeiten. Der Schakal aber setzte sich hin und schlug den Bogen“), während das Stachelschwein das Land umgrub. Als es Mittag war, bespritzte sich der Schakal mit Erde und sagte zum Stachelschwein, es solle sich waschen. Dann gingen sie, um sich Kost zu holen. Dort wurden sie gefragt, was sie gearbeitet hätten. Der Schakal antwortete:„Ich habe im Garten gegraben, aber das Stachelschwein hat nichts getan.“ Daraufhin bekam er doppelte Kost und das Stachelschwein nur halbe. So ging es eine ganze Zeit, bis der Herr sie eines Tages beschlich und sah, daß der Schakal den Bogen schlug und das Stachelschwein arbeitete. An diesem Tage erhielt das Stachelschwein mehr Kost als der Schakal. Als sie am folgenden Tage mit der Arbeit fertig waren, sagte der Schakal:„So, jetzt wollen wir baden. Jeder bindet sich die Augen zu, und dann springen wir zusammen in den Brunnen. Das Stachelschwein war einverstanden und band sich die Augen zu. Als der Schakal das sah, nahm er einen großen Stein, und während er ihn in den Brunnen warf, rief er:„Ich bin gesprungen, nun spring du!" Das Stachelschwein hatte gehört, wie der Stein im Wasser aufgeschlagen war, meinte, es wäre der Schakal und sprang nach. Nun lief der Schakal fort, steckte das Haus seines Herrn an, ließ die Kälber heraus und jagte die Lämmer weg. Als er alles in Unordnung gebracht hatte, rief er:„Das Stachelschwein ist ertrunken, das Haus ist verbrannt, die Kälber saufen die Milch aus, und die Lämmer sind ausgebrochen.“ Dann machte er, daß er fortkam. Beifällig wird die Erzählung ausgenommen. Die Menschen dieses Landes erwerben auch lieber durch List als durch Arbeit ihren Unterhalt. Darum ist bei ihnen der Schakal als Sinnbild besonders beliebt. Die Alte hat einen großen Vorrat an Fabeln, in denen der Schakal als Sieger auftritt. Einmal aber hat er doch einen ordentlichen Denkzettel abbekommen: Eines Tages kam der Schakal einen Weg entlang getrabt. Da sah er die Sonne am Wegrande sitzen und fragte:„Was für ein hübsches Mädchen haben die Leute hier sitzen lassen?“ Die Sonne antwortete:„Ich sitze hier schon lange Zeit; aber die Leute gehen an mir vorbei, ohne mit mir zu reden. Da sprach der Schakal:„Komm, setze dich auf meinen Rücken, ich will dich tragen. Die Sonne folgte seiner Aufforderung sogleich. Dem Schakal aber wurde es bald zu warm, und er rief:„O weh! O weh!“ Doch die Sonne wollte nicht wieder absteigen. Da meinte der Schakal:„Warte einen Augenblick, ich will dir ein Böcklein fangen!". Die Sonne entgegnete:„Andere Leute fangen auch, wenn ich auf ihnen sitze.—„Warte, ich will dir einen jungen Gemsbock fangen!“—„Den fangen die andern Leute auch, wenn ich auf ihnen sitze.“—„Warte, ich will an die Strauße heranschleichen!“—„Die andern Leute schleichen auch mit mir heran. Nun rannte der Schakal zu einer tiefen Wasserstelle und sprang hinein. Als er aber wieder herauskam, saß die Sonne noch auf seinem Rücken. Er versuchte, sie in einem dichten Dornbusch abzustreifen; es gelang nicht. Endlich kroch er unter einem starken, überhängenden Ast durch und streifte die Sonne ab. Da sie aber auf seinem Rücken fest eingebrannt war, riß die ganze Haut mit ab, und an ihrer Stelle entstand die Schabracke. Der kühle Nachtwind kommt über die Steppe dahergefegt. Es rauscht in dem dürren Geäst der Dornbäume, und das trockene Gras raschelt, wie wenn eine Schlange sich langsam hindurchwindet. Da beginnt die Erzählerin aufs neue, von der lodernden Flamme des frisch entfachten Feuers gespenstisch beleuchtet, mit tief gefärbter Stimme und heftigen Armbewegungen, während sich die andern fester in ihre Felldecken wickeln: Es soll Buschmänner geben, die sich in Löwen verwandeln können. Sie essen Schlangen und Eidechsen und betteln jeden an, dem sie begegnen. Im übrigen leben sie, wie gewöhnliche Menschen. Es kommt sogar vor, daß sie sich mit Kaffern verheiraten. Früher soll ein Kaffer solch eine Buschmannfrau gehabt haben. Als sie eines Tages nichts zu essen hatten, sagte die Frau:„Setze dich hier vor die Hütte und warte, bis ich zurückkomme! Sieh mir aber nicht nach!“ Damit verschwand sie. Der Mann saß da eine Zeitlang. Dann schaute er auf, um zu sehen, was seine Frau anstellte. Da erblickte er sie, wie sie, in eine Löwin verwandelt, einen Gemsbock anschlich. Erschrocken sprang er auf und entfloh. Später begegnete er ihr einmal in ihrer eigentlichen Gestalt. Da fragte sie ihn, warum er aufgesehen habe, verwandelte sich in eine Löwin und tötete ihn. Wenn *) Ein von den Hottentotten selbst verfertigtes Musikinstrument. ein Mann eine solche Frau hat und sie verläßt, so stellt sie ihm so lange nach, bis sie ihn getötet hat. Sitzt man des Nachts am Feuer und hört einen schlürfenden Schritt hinter sich, dann kann man sicher sein, es sind diese Gespenster da, die um Tabak oder Essen betteln wollen. Ihre Sprache ist nicht zu verstehen; sie machen sich durch Zeichen verständlich. Es ist still geworden. Die Alte ist zusammenschauernd dichter ans Feuer gekrochen. Die Zuhörer, die atemlos gelauscht haben, versuchen zu schlafen. Aber beim geringsten Geräusch fahren sie hoch. Ist es nicht, als ob ein Geist hinter ihnen stünde? Sind nicht die finster drohenden Büsche und Bäume ringsum belebt von Gespenstern? Und es ist doch nichts zu hören, als das harmlose Umherflattern eines Nachtvogels im Gesträuch und je und dann aus der Ferne die Stimme eines Wüstentieres, das auf Raub auszieht. Kinder der Steppe! Wenn die Sonne hell vom blauen Himmel herableuchtet, dann lacht ihr eurer Sorgen und Aengste und fühlt euch als freie, frohe Augenblicksmenschen. Wenn aber Finsternis euer Land überzogen hat, dann verwischen sich euch Sage und Wirklichkeit und erfüllen euch mit Angst und Schrecken, und ihr sehnt euch nach Befreiung von diesem Bann. Was wir in Bessarabien erleben. „Kaufet die Zeit aus; denn es ist böse Zeit.“ Eph. 5, 16. Dieses Bibelwort steht mir oft vor der Seele als stiller Mahner, des Herrn Werk nicht lässig zu treiben. Immer drohender ballen sich die Wetterwolken im Osten, immer unheimlicher wächst der Einfluß der Gottlosen auch in unserem Lande! Aber noch ist Gnadenzeit, noch darf das Evangelium unverboten verkündigt werden! Gott hat auch der Mission für Südost=Europa in allen Landen offene Türen geschenkt— ganz besonders aber in Bessarabien, wo ein treuer deutscher Bruderstamm in zähem Ringen seine Scholle hält und Muttersprache und Glauben sich bewahrt hat. Dort hat uns der Herr eine besondere Aufgabe geschenkt. Die lieben Menschen sind dort außerordentlich empfänglich. Wie durstiges Land den Regen, so nehmen dort die Herzen das Evangelium auf. Die dürsten und hungern dort; denn es gibt nur 12 Pastoren im ganzen weiten Lande mit seinen 120 deutschen Dörfern, städtischen Gemeinden und zerstreuten Einzelhöfen auf der Steppe. Wie freundlich und lieb wurden wir auch von den Pastoren begrüßt und willkommen geheißen! Liebe, treue Gemeinschaftskreise, altpietistischer Art, sind hin und her in den Dörfern. Diese gilt es fördern und gegen sektiererische Anläufe festigen. Zu dem Zweck veranstalten wir Bibelkurse. Solch einer fand im Herbst vorigen Jahres z. B. auch in Mariejewka statt. In treuem Gebet hatten die Brüder dort den Kursus vorbereitet und eingeladen. Und der Herr schenkte, daß von nah und fern ganze Scharen herbeiströmten, so daß einzig und allein der weite, schöne Kirchenraum die Besucher fassen konnte. Bis über 100 Kilometer weither kamen sie mit ihren Gespannen. Was das besagen will, erkennt man, wenn man weiß, daß Bessarabien ein buchstäblich wegeloses Land ist. Wenn man will, mag man die befahrenen Landstreifen„Naturwege“ nennen. Kein Steinchen findet sich auf ihnen, ebensowenig wie auf dem fruchtbaren Ackerboden. Regnet es nun, so wird der Boden tief aufgeweicht, und dann kann es kommen, daß die Wagen bis an die Achse einsinken und den Reisenden nichts anderes übrig bleibt, als den Wagen auf der Steppe stehen zu lassen und mit den Pferden im nächsten Dorf Unterkommen zu suchen, bis die Witterung eine andere geworden ist. Trotz dieses Wagnisses kommen sie— um des Wortes Gottes willen. Ja, ein alter etwa 70jähriger Bruder hatte aus einem der Dörfer am Pruth— über 80 Kilometer weit— sich allein aufgemacht, und weil er arm war, zu Fuß. Und das trotz verhältnismäßiger Unsicherheit im Lande, trotz Wolfsgefahr und hohem Alter! Ist das nicht ein Beweis dafür, daß das Wort Gottes teuer ist im Lande und weiter ein Beweis des großen Verlangens? Welche Segnungen Gott uns dort in den Tagen des Bibelkursus schenkte, läßt sich in Worten nicht ausdrücken. Anbetung und Dank quoll aus übervollen Herzen. Noch harren weite Kreise solchen Dienstes. Wenn die lieben Leser diese Zeilen vor Augen haben, dann darf der Unterzeichnete wieder von Dorf zu Dorf in weiter Steppe ziehen und die köstliche Botschaft durchs Land tragen. Im Herbst aber erwartet man wieder Bibelkurse. Mein lieber Mitknecht, Bruder Leuchtenberger, und ich würden so gern an sechs mittelpunktlich gelegenen Orten mit solchen Kursen dienen. Not tut es! Wir können es aber nur, wenn solche, denen die Ehre und Sache Gottes am Herzen liegt, bereit sind, die Mittel darzureichen. Helft uns mit Gaben der Liebe, vor allem aber, helft uns kämpfen im Gebet. Gott, der Herr, aber schenke Gnade, daß reiche Frucht ihn preise, Gnade auch zum Auskaufen der Zeit!„Wirket, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann!“ Gaben erbitten wir auf das Postscheckkonto der Mission für Süd=Ost=Europa E. V. in Bukowine, Post Tscherbeney, Kreis Glatz", Postscheckamt Breslau Nr. 15 450. Reisesekretär der Mission für Süd=Ost=Europa. Ludwig Tegeler, Bücher und Die hier angezeigten Bücher sind zu beziehen durch## Buchhandlung der Anstalt Bethel. Los von Gott! Sturmzeichen. Von Hans Pförtner So ist Nr. 1 der„Flugschriften der Christlichen Wehr. kraft" betitelt. Verlag Paul Müller, München 2 Nm Preis 25 Pfg., 5 Stück RM.10, 10 Stück RM.“ 25 Stück RM.50, 50 Stück RM.—, 100 Stück RM 14,—. Diese Flugschrift aus der Feder Hans Pfört. ners eignet sich vorzüglich für den Abwehrkampf gegen die„Gottlosen"=Bewegung. Das Schriftchen klärt dag Volk über diese Bewegung auf in kurzen, knappen und überzeugenden Sätzen. Diese wirken scharf und wuchtig wie Schwerthiebe, aufrüttelnd wie Fanfarenstöße und wecken das christliche Gewissen. Die Flugschrift sollte durch Pfarrämter und durch alle Verbände und Vereine die sich der Erhaltung und Pflege Christlicher Kultur widmen, in Massen verbreitet werden. Das militärisch und politisch Wichtigste vom Weltkriege. Vortrag gehalten von General Dr. e. h. Otto von Moser. 3. Auflage. Oktav. 64 Seiten steif broschiert Mk..60, Halbleinen gebunden Mk..—. Chr. Belser A.., Verlagshandlung, Stuttgart. Bereits in dritter Auflage(.—10. Tausend) erscheint dieser Vortrag, der auf nur 64 Seiten den Verlauf und Ausgang des Weltkrieges plastisch darstellt. Ein Beweis dafür, daß der Vortrag, welcher die politischen und militärischen Führer, sowie die Ereignisse wahr und klar hervortreten läßt und eine packende Abrechnung des Krieges zieht, bei den Privaten wie in den Schulen gleich großen Anklang gefunden hat. Auch die dritte, durchgesehene und auf den neuesten Stand der Forschung gebrachte Auflage verdient die weiteste Verbreitung. Was wird aus Deutschland, wenn der Bolschewismus über uns hereinbricht? Diese Frage steigt dem nachdenklichen Leser von Nelly Girgensohns Tagebuchblättern auf, die das Maiheft der„Zeitwende“(Verlag C. H. Beck in München) soeben veröffentlicht. Diese Aufzeichnungen der Witwe des bekannten Theologen verfolgen keine Tendenz, sie liefern ein anschauliches Bild der Leiden des baltischen Deutschtums unter der Bolschewikenherrschaft, aber auch von der Tapferkeit, mit der viele— auch Frauen— auf ihrem Posten aushielten und nicht wenige die Treue zur Heimat mit dem Tode besiegelten.— Erschütternd ist auch das Bild der Lage in Elsaß=Lothringen im gleichen Hefte. Der französische Nationalismus sucht dort die deutsche Sprache und Kultur mit raffinierten Mitteln auszurotten. Der Verfasser tritt für die Selbständigkeit des Landes innerhalb seiner deutschen Sprachgrenzen als einzig mögliche und erstrebenswerte Lösung ein.— Neues von der Kaiserin Elisabeth bietet der Würzburger Historiker Professor Dr. Anton Chroust, der sich seit langem mit dem Schicksal der letzten Habsburger beschäftigt hat. Aus neuen Forschungen werden diesem feinen Mniaturbild der unglücklichen Kaiserin einige bezeichnende charakteristische Züge über ihr Verhältnis zum Kaiser Franz Josef nachgetragen.— Der Aufsatz des Münchener Geographen Erich von Drygalski„Geographie des Deutschtums“ schließt sich diesen Beiträgen gleichwertig an. In kurzen markanten Strichen wird hier die geographische Grundlage aller Arbeit am mitteleuropäischen Grenzdeutschtum gezeichnet. Drygalski weist nach, daß der deutsche Raum weit über die Grenze des heutigen Reiches hinausragt und eine geographische Einheit, ein organisches Gebilde darstellt, dessen politische Zerreißung ganz ungerechtfertigt ist. Heute gilt es, wenigstens die kulturelle Einheit des grenzdeutschen Gürtels mit dem Mutterland zu wahren.— Ein erfahrener Missionar, Christian Keyßer, berichtet von der segensreichen„Lebensmacht des Christentums“ bei tiefstehenden, in angstvollem Aberglauben und Menschenfresserei befangenen Menschen. Was er an bezeichnenden Einzelheiten aus eigenem Erleben erzählt, muß auch dem Missionsgegner zu denken geben.— Diese bedeutsame Aufsatzreihe wird unterbrochen durch eine eigenartige Erzählung von Otto Freiherrn von Taube, die in der schwermütigen Atmosphäre des nordischen Winters spielt und von einem geheimnisvollen Erlebnis mit dem„zweiten Gesicht“ handelt. Max Picard,„Das Menschengesicht". Delphin=Verlag, München. 223 Seiten. geheftet 12,— Mark, Ganzleinen 15,— Mark. Ein Buch, das Aufsehen und Schule gemacht hat. Also ein bedeutendes Buch. Ebenso langweilig wie interessam. Langweilig, weil es immer wieder dasselbe sagt; hoch interessant, weil es dasselbe immer wieder in neuen dungen, in neuer Sicht, in der geheimnisvollen Fülle des Lebens sagt. Denke, das Buch redet vom Menschengesicht, von deinem Gesicht, von meinem Gesicht, von jedem Men schengesicht! Wie fabelhaft interessant! Aber es redet reit giös vom Menschengesicht! Wie gefährlich! Wie eite!! Wie schön! Wie geistvoll! Du lernst mit Ehrfurcht lesen m Gesicht großer und größter Menschen, so lesen,„als 90 beim Lesen dein eigen Gesicht gelesen wird vom ewige Angesicht, vom Urgesicht, der Heimat aller Gesichter, vom dunkelleuchtenden Leitgesicht Gottes. Das Lesen dieset Buches ist wie ein Sternenwandel auf den geheimnisvo“ len Grenzen der Seele im Gesicht, auf den Spuren,# der Blick Gottes zurückließ, als er darüberhinging. Vom Evangelium aus gesehen ist gerade das Bedeutenoe dieses Buches das Bedenkliche. Es redet göttlich, ohne wissen, wie menschlich es redet. Ist unter Jesu Angessch solches Reden noch möglich? Dr. Wilkens. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: H. Huttel. Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für sendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Aufwärts“.“#ni liches Tageblatt Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919, Bieleseld. Druch und Verlag: Anstalt Bethel.