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Preise im ungsheim riedensruh ach, O/A Balingen immer und Winter agen sind zu richten uns des Hause: threszeit können ennehmen. Anstalt Bethel. 1: 25 chritgee GeldChrint; 9, um Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Christliches Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 121. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 28. Mai 1931. 13. Jahrgang. Heil ihm, der Demuth lernt, nicht durch Demüthigungen, Der, ohne daß die Welt ihn zwang, sich hat bezwungen. Rückert. Munting uihighishshnigihiit Die Oldenburger Wahlen— ein Warnruf an die Mittelparteien. Mit allgemeiner Spannung wurde der Ausgang der Oldenburger Landtagswahlen erwartet, bedeutete doch der Ausgang ein Stimmungsbarometer insofern, als festgestellt werden sollte, ob die Radikalisierung sich im gleichen Tempo fortsetze. Auch der mit diktatorischer Gewalt ausgestattete Staatsmann kann, wenn er auch nicht unmittelbar Folgen aus einer Landtagswahl wirken läßt, an solchen Wahlergebnissen nicht vorübergehen, wenn er nicht eines Tages Ueberraschungen erleben will. In Oldenburg zeigte sich der gleiche Vorgang wie in Schleswig=Holstein. Die Bauernschaft strebt der Radikalisierung zu. Worin liegen die tieferen Gründe? Natürlich zuerst in der schwierigen wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft überhaupt und in der besonders gearteten Lage der Weidewirtschaft, wie sie in Schleswig=Holstein und Oldenburg zu Hause ist. Der Zollschutz für den Körner bauenden Osten wirkt sich weniger günstig, ja, da und dort gegenteilig auf die Weidewirtschaft aus. Jedoch ist es eine gefährliche Selbsttäuschung der„öffentlichen Meinung“, wenn sie ausschließlich oder vorwiegend die Wirtschafts=Depression für die Radikalisierung verantwortlich stellt. Sie überträgt Beweggründe, die für die nicht bodengebundenen Großstadtmassen maßgeblich zu sein pflegen, kurzerhand auf ganz anders geartete Gebiete. Das „Übi bene, ibi patria, hat für die bäuerliche Bevölkerung schon deswegen keine ausschlaggebende Bedeutung, weil sie mit ihrer Wirtschaft an den Heimatboden gebunden ist und mit ihren wirtschaftlichen Interessen zugleich national=politische verteidigt. Die deutschen Staatsmänner werden sich klar darüber sein müssen, daß die Befriedigung wirtschaftlicher Forderungen der Bauern durchaus nicht ausreicht, um ihre Radikalisierung auszuhalten. Die deutschen Staatsmänner werden sich daran gewöhnen müssen, den politischen Forderungen der Bauernschaft mehr als bisher Rechnung zu tragen. Die wurzellosen Großstadtmassen sind leichter zufrieden zu stellen und es bedarf nur der Anwendung des Grundsatzes, der im alten Rom galt, „Brot und Spiele“, um die politischen Forderungen der Massen zu neutralisieren. Die Wesensverschiedenheit der vom Heimatboden losgelösten Massen und der bodenständigen Bevölkerung ist zu groß, als daß man mit den bisherigen Regierungsmethoden auskommt. Jahrelang hat man sich über die politischen Forderungen des Bürgertums hinwegsetzt. Man wende nicht ein, daß das Bürgertum seine politischen Forderungen durch die Mittelparteien vertreten könnte, durch die Mittelparteien vertrat das Bürgertum seine wirtschaftlichen Forderungen. Nichts zeigt das deutlicher als die Vielzahl der Mittelparteien. Nicht nur haben die Mittelparteien sowohl aus zahlenmäßiger als auch aus innerer Schwäche die wirtschaftlichen Forderungen des Mittelstandes gegenüber den Zersetzungstendenzen der Linken schlecht behauptet. Hinsichtlich der politischen Forderungen des Mittelstandes vermochten die Mittelparteien aus den gleichen Gründen nichs zu erreichen. Die Proletarisierung, wie sie von der Sozialdemokratie erstrebt wird, ist im weiteren Fortschreiten begriffen, und hier kreuzen sich neben wirtschaftlichen Linien auch politische und kulturelle. An diesem Kernpunkt der Frage vorübergegangen zu sein, ist die Schuld der Mittelparteien, die mit der SPD. paktierten, obwohl die zeistige Grundhaltung der Partei— mögen auch ihre Agitationsmethoden sich geändert haben— unverstärkt fortwirkt. Die SPD. hat nach wie vor Klassenkampfcharakter, und der Begriff Klassenkampf schließt die Zersetzung des Bürgertums und Bauerntums ein. Mit jeder Wahl erhalten die Mittelparteien eine weitere Quittung für ihr kompromißlerisches Verhalten in politischen und kulturellen Fragen. Für die Mittelparteien hätte der starke Rückgang der Staatspartei, alias demokratische Partei, warnend abschreckend wirken müssen. Es ist schon eine Leistung, wenn auch recht negativer Art, wenn diese Partei von einigen siebenzig Sitzen der Nationalversammlung auf knapp zwanzig zurückgegangen ist. Der Sarkasmus des Reichsfinanzministers Dr. Dietrich, der in einer Hamburger Rede erklärte:„Man wirft uns vor, daß wir so wenige geworden seien. Wir sind beshalb so wenige geworden, weil der Narren so viele beworden sind“, klingt nur zu deutlich an Galgenhumor an, ganz abgesehen davon, daß eine solche Feststellung eine grobe Beleidigung aller politisch Andersdenkenden ist, vor der sich ein Minister, der Diener der Gesamtheit zu sein hat, und der zu andern Zeiten eine Verbeugung vor der Souveränität des Volkes zu machen pflegt, hüten sollte. Die Mittelparteien haben aus dem Rückgang der Staatspartei nichts hinzugelernt, jedoch viel vergessen. Regierung und„öffentliche Meinung“ stecken den Kopf in den Sand und glauben, die Radikalisierung mit Polizeimethoden aufhalten zu können, die an Metternichsche Methoden anklingen. Gewiß— eine starke Mitte wäre der beste Schutz der politischen und wirtschaftlichen Interessen des Bürgertums und des Bauerntums. Eine starke Mitte braucht durchaus nicht eine Kampfansage an die deutsche Arbeiterschaft zu sein, oder eine Verkennung der sozialen und kulturellen Forderungen der arbeitenden Massen zu bedeuten, sofern jene Mitte eine grundsätzlich neue geistige Haltung, losgelöst vom Partei= und Interessendenken, einzunehmen vermöchte. Das wäre eine Aufgabe der gend der Mittelparteien, wenn sie beizeiten diese Jugend zu begeistern verstanden hätten. Für Händlergeist, verbrämt mit einem nationalen Mäntelchen, ist die Jugend nun einmal nicht zu begeistern, und diese Jugend hat den Frontwechsel bereits vollzogen. Sie steht entweder ganz rechts oder ganz links. Eine starke Mitte, die die wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Interessen des Mittelstandes zu vertreten vermöchte, ist nur zu bilden aus Zentrum, Volkspartei und Deutschnationalen und jenen Splitterparteien, die dazwischen liegen. Die Staatspartei vermag sich aus eigenem Entschluß nicht mehr aus der Botmäßigkeit der SPD. zu erheben. Sie ist heute nur noch ein vorgeschobener Posten des verbürgerlichten Teils der SPD. Wenn heute die Staatspartei für das schwierigste Amt der Finanzen einen Minister stellt, so ist das keine Aufopferung, die rühmenswert wäre, sondern eine nach metaphysischen Gesetzen gerechte Lösung. Die Staatspartei, die ein Jahrzehnt mit der SPD. dominierte und mit ihr mitschuldig wurde, vollzieht mit der Uebernahme dieses schwierigen Amtes nur eine Sühne. Die politische Bettgenossenschaft zwischen Zentrum und SPD., die besonders in Preußen durch Herrn Heß vertreten wird, läßt die Hoffnung auf einen Wandel der Dinge vorläufig nicht zu, es sei denn, daß dem Zentrum ein recht erheblicher Kaufpreis geboten wird. Wir müssen die Dinge einmal schonungslos aller Phrasen entkleiden und sie so sehen, wie sie sind, nicht wie man sie gesehen haben will. Die Volkspartei hat bei allen Wahlen des letzten Jahres erhebliche Nackenschläge erhalten, ohne daß sie daraus gelernt hätte. Ob sie erst noch weiterer Quittungen bei kommenden Wahlen bedarf? Sie sollte sich überlegen, daß, je weniger hinter ihr steht, sie ein um so weniger ausschlaggebender und wünschenswerter Bundesgenosse für die Rechte wird. Sie könnte unter Umständen den gleichen Weg wie die Staatspartei nehmen. Das heißt, in ihrer Schwäche zwangsläufig der Hörigkeit der linken Mitte und der Linken unterfallen. Von allen Einsichtigen wird es doch schon heute als ein Hohn auf den Volkswillen bewertet, daß die Staatspartei mit ihren zwanzig Fraktionsmitgliedern im Reiche oft drei Minister stellt. Dieser Zustand schlägt einem wohl verstandenen Mehrheitswillen, den man so gerne zitiert, wenn es in den Kram paßt, ins Gesicht und wirkt als schlimmere Verhöhnung der Demokratie als eine der Strafe unterliegende Unmutsäußerung über die Staatseinrichtungen. Daß den Parteien das Gefühl hierfür abgeht, ist ein bedauerliches Zeichen. Neben wirtschaftlichen und politischen Gründen ist das Fortschreiten der Radikalisierung auf die völlige Verkennung der Tatsache zurückzuführen, daß im deutschen politischen Leben das Gefühlsmäßige einen stärkeren Ausschlag gibt als das Verstandesmäßige. Man kann nicht jahrelang mit Unterdrückungsmaßnahmen, Ausnahmegesetzen und heftigen, die Motive Andersdenkender verletztenden Agitationsreden gegen eine naturgegebene Reaktion auf den 8. November 1918 antworten, ohne daß der gesunde Sinn des deutschen Volkes Partei für die Niedergehaltenen nimmt. Sollte man oben immer noch nicht einsehen, daß solche Mittel und Mittelchen sich in das Gegenteil dessen verkehren, was man gewollt hat? Vielleicht legt man sich endlich einmal„Reserve von oben“ auf, das wäre ein Wunsch, den wir sowohl dem Reichskanzler als dem Reichsinnenminister, ganz besonders aber dem preußischen Ministerpräsidenten vorzutragen hätten, der durch die Art seines öffentlichen Auftretens und den Inhalt seiner Reden Andersdenkende ständig provoziert. Das deutsche Volk hat sich trotz aller Wirren eine gewisse Objektivität und einen gewissen Gerechtigkeitssinn bewahrt und zieht nur zu gern geschichtliche Beispiele, etwa das Sozialisten=Gesetz und seine Auswirkungen, heran. Mögen es die Anhänger der Staatsauffassung des Ministerpräsidenten von Preußen auch verneinen, die Parallele ist gegeben. Was wird in Oldenburg? Das ist wirklich nicht zu entscheiden. Interessant ist nur ein Interview mit dem früheren Minister Tantzen, Demokrat, der offen ausspricht, daß sich in Oldenburg nichts ändern werde, trotz des Sieges der NSDAP. Merkwürdig genug für einen Demokraten, dessen Ideal doch die Entscheidung des Volkswillens ist. Wenn die Staatspartei in der glücklichen Lage wäre, ihre Mandatsziffer um das vierfache zu erhöhen, so würde sie darin selbstverständlich den Ausdruck des Volkswillens sehen und respektiert wissen. Da aber eine so verhaßte Partei, die NSDAP., der Gewinner ist, soll auf einmal dieser Volkswille keine Geltung haben. Wogegen wir uns wehren, das ist die Verschiebung des Volkswillens hinter die Kulissen der Parlamente und die zwiespältige Haltung der Demokratie, die, fällt die Wahl zu ihren Gunsten aus, den Volkswillen respektiert wissen will, fällt die Wahl zu ihren Ungunsten aus, keinen Anlaß nimmt, der veränderten Sachlage Rechnung zu tragen. So war es im Reich trotz der Forderung des Christlichen Volksdienstes, um die es inzwischen recht still geworden ist. Der Volksdienst hat in Oldenburg nicht besonders glücklich abgeschnitten und mag hierin eine Kritik seiner Haltung im Parlament sehen, insbesondere eine Kritik seiner Stützungsaktion zu Gunsten der Linken, die er sicherlich unbewußt und guten Willens übernahm. So war es in Bremen, so wird es in Oldenburg, so wird es in Preußen sein. Das deutsche Volk wird sich zu Tode wählen, ehe eine grundlegende Haltung der herrschenden Schicht eintritt. F. V. A. Ein machtvolles Bekenntnis. Die großen Erfolge bei den Elternratswahlen in Sachsen. Dresden, Mai 31. In Sachsen hat sich soeben auf kulturpolitischem Gebiet ein erbitterter und bedeutungsvoller Kampf abgespielt. Alle zwei Jahre finden hier die Elternratswahlen zu den Volksschulen des ganzen Landes statt. Als im Jahre 1919 durch das sogenannte Uebergangsschulgesetz diese Wahlen eingeführt wurden, da ahnte der Gesetzgeber nicht, welches Machtinstrument er den Eltern in die Hände gab. Während mit dem gleichen Gesetz die Konfessionsschulen abgeschafft wurden, sollten die zukünftigen Elternräte nur ein gewisses Mitberatungsrecht in den internen Angelegenheiten der Schule haben. Ein entscheidendes Recht auf die Gestaltung der Schulen und Schularten wurde ihnen keineswegs eingeräumt. Aber es kam anders. Im Laufe der Jahre sind gerade diese Elternratswahlen zu einem ausgezeichneten Barometer der inneren Volksgesinnung über die religiöse oder religionslose Erziehung der Kinder geworden. Sie sind zu einem der wichtigsten Mittel geworden, das einwandfreie Material für die zukünftige weltanschauliche Grundlage der deutschen Schule überhaupt zu liefern. Die sächsische Elternschaft marschierte bei den Elternratswahlen seither immer in zwei Fronten. Es wurden fast überall nur zwei Listen aufgestellt: eine für die Anhänger der weltlichen Schule und eine für die Anhänger der christlichen. Die Kommunisten und Sozialdemokraten stimmten dabei geschlossen für die weltliche, und ihre Propaganda bewegte sich fast ausschließlich im politischen Fahrwasser. Mit Vorbedacht wurden die Eltern, um sie nicht in ihren innersten, noch religiös gebliebenen Gefühlen zu verletzen, durch die politische Färbung der Propaganda von der weltanschaulichen Betrachtungsweise abgelenkt. So kam es, daß die weltlichen Schulen im ersten Wahljahr 1921 tatsächlich eine bedeutende Mehrheit erhielten. Die christlichen blieben mit 159 Elternratssitzen in der Minderheit. Damals glaubte die Linke schon den Beweis für die Vormachtstellung der weltlichen Schule erbracht zu haben. Aber es war eine Täuschung. In einem Zeitraum von 8 Jahren, d. h. bis zum letzten Elternratswahltermin im Jahre 1929 war das Gewissen der Eltern bereits so stark erwacht, daß es den Christen gelang ihren weltlichen Gegnern rund 1000 Sitze abzugewinnen. Dabei betrug die durchschnittliche Wahlbeteiligung immer nur ein wenig über 50 Prozent. Weil die Weltlichen infolge ihrer straffen politischen Organisation die Wähler weit zahlreicher zur Urne brachten als die Christlichen, so war also der Sieg der Letzteren in Wirklichkeit noch viel höher. Ihre Reserven waren erst höchstens zur Hälfte ausgeschönft. Und die jetzigen Wahlen, die soeben am 17. Mai im ganzen Lande stattfanden? Zum erstenmal beteiligte sich offiziell die Zentralorganisation der Gottlosenverbände an ihnen und stellte die Liste„Proletarischer Schulkampf“ auf. Zu den beiden alten Gegnern kam also ein dritter. Niemals ist der Kampf mit soviel Leidenschaft geführt worden; während die Weltlichen wiederum das Religiöse in den Hintergrund rückten und nur klassenkämpferisch vorgingen, enthüllten sich die Kommunisten unter Führung der Gottlosenverbände ohne Umschweife. Der„proletarische Schulkampf“ forderte die Oeffentlichkeit des Unterrichts, das Mitbestimmungsrecht bei der Wahl von Lehrern und Schulleitern, Teilnahme an den Lehrerkonferenzen, Klassenkampf in und um die Schule, freie Betätigung der kommunistischen Jungpioniere, restlose Abmeldung vom Religionsunterricht und beschleunigten, unbedingten Austritt aus der Kirche. Der Kampf tobte hin und her. Hier die Christlichen, die ihre Ziele offen darlegten, dort die Weltlichen, die den Deckmantel des politischen gebrauchten, und endlich die radikale Bewegung der Kommunisten. Trotz aller Anstürme haben die Christlichen nicht nur ihren Bestand gewahrt, sondern neue, ganz außerordentliche Gewinne fast überall im Lande erzielt. Den klarsten Einblick liefern die großen Zentren, die Städte. In Dresden haben die Christlichen einen Zuwachs von 4500 Stimmen und ein nunmehriges Uebergewicht von über 11000 Stimmen gegenüber den weltlichen und Kommunisten. Das bedeutet mit anderen Worten: Es entfallen in Zukunft 755 Sitze auf die christliche Liste, während die weltliche nur noch 342 und die kommunistische 25 aufweist. Die Christlichen haben also im Vergleich zum Jahre 1929 allen in Dresden 41 Sitze hinzugewonnen, was einer erstmaligen christlichen Zweidrittelmehrheit sämtlicher zu vergebender Sitze in der Landeshauptstadt gleichkommt. In Leipzig beträgt der Gewinn der Christlichen ebenfalls 22 Sitze, in Chemnitz, das mit am schlimmsten unter der antireligiösen Propaganda zu leiden hat und politisch am stärksten radikalisiert ist, gleichfalls nicht weniger als 21 Sitze. In fast allen übrigen bedeutenderen Städten weisen die Christlichen ebenfalls Gewinne auf. Die Wahlbeteiligung war größer als in den Vorjahren. Wenngleich es auch diesmal wieder Orte gibt, wo sie nur knapp 30 Prozent beträgt, so stieg sie auf der anderen Seite bis auf 90 Prozent hinauf. Außerst stark war die Beteiligung an solchen Schulen, wo die Vertreter der christlichen Liste den schwersten Angriffen der Weltlichen und Radikalen ausgesetzt sind. Aber gerade hier marschiert der christliche Erziehungsgedanke nicht weniger als anderwärts. Es gibt Orte, wo seit 10 Jahren die unerschütterte Front der weltlichen Schulbewegung bestand, und wo jetzt den Christlichen der Einbruch in diese Front trotzdem gelungen ist. Die Gottlosenbewegung hat nur in den Reihen der Weltlichen selbst ihre Gewinne holen können, Sie sind in diesem Sinne durchaus nicht unbedeutend, denn es zeigt sich in ihnen die weitere Radikalisierung eines Teiles der sozialdemokratischen Wähler. Der Gedanke der christlichen Schulerziehung aber bemächtigt sich in ständig wachsendem Maße der Elternschaft. Dr. A. 25000 Frauen in Front. Fünfundzwanzigstes Jahresfest der westfälischen evangel. Frauenhilfe. Am 20. Mai beging der Westfälische Provinzialverband der evangelischen Frauenhilfe sein fünfund zwanzigstes Jahresfest. Nicht weniger als 25000 Frauen waren dazu nach Dortmund gekommen. Aus allen Teilen der Provinz rollten Lastautos und Omnibusse heran. Dortmund stand unter dem Zeichen der Tagung. Auf allen Straßen marschierende Frauen. Die Westfalenhalle viel zu klein, was etwas sagen will. Dreimal mußte die Festversammlung wiederholt werden, trotzdem in mehreren Kirchen ebenfalls Versammlungen stattfanden. 25.000 evangelische Frauen in Front, unter Bannern und Wimpeln tapfer marschieren. Man hatte Ursache, vor der Disziplin des weiblichen Geschlechts Respekt zu bekommen. Der reibungslose Ablauf, die wegen des Massenandrangs immer wieder neu zu treffenden Maßnahmen lieferten den Beweis für das Vorhandensein einer in fünfundzwanzigjähriger Arbeit festgefügten und ausgereiften Verbandsorganisation. Frauen in Front! Nicht ohne Absicht war wohl für die Jubelfeier die Form der öffentlichen Demonstration gewählt. Es galt zu demonstrieren für die Grundsätze dieses größten Frauenverbandes Deutschlands, die als bedingungslos evangelisch im ursprünglichen Sinne des Wortes zu bezeichnen sind und zu einer vielseitigen Arbeit in der Linie der Wohlfahrt, Fürsorge, Krankenpflege und Volksbildung geführt haben. Es galt auch zu demonstrieren für das Recht, die Freiheit und die Anerkennung dieser Arbeit. Bei der Uebersicht über das vielseitige Programm dieser Großorganisation, das allein in Westfalen von 746 Ortsgruppen mit 160000 Mitgliedern durchgeführt wird, ergab sich der Satz, daß„jede evangelische Frauenhilfsgruppe zugleich eine Volkshochschule im allseitigen Sinne des Wortes“ sei, als in der Tat vollauf berechtigt. Neben der charitativen Arbeit, für die jährlich von den westfälischen Mitgliedern eine Million RM aufgebracht wird, wird in der Tat für die geistige Schulung der Mitglieder für ihren Beruf als Frau und Mutter und Glied des Volkes Großes geleistet. Der Festakt im Goldsaal der Westfalenhalle stellte durch die Begrüßungsreden der Führer aus Kirche und Provinzialverwaltung eine eindrucksvolle Anerkennung der Frauenhilfsarbeit dar. Die evangelische Kirche hat in ihr eine ungemein tätige und dadurch werbende Truppe im Ringen um die Seele des Volkes, die darum so erfolgreich ist, weil die westfälische Frauenhilfe in einer für die Gesamtkirche vorbildlichen Weise den Weg von der grundsätzlichen Besinnung und Haltung zur praktischen Tat und Hilfe gegen vielfache Volksnot gefunden hat. Staat und Provinz aber wissen heute wieder besser als vor einigen Jahren, daß sie für die Förderung der Volkswohlfahrt, die in der freien Liebestätigkeit und Hilfsbereitschaft der evangelischen Frauenhilfe zusammengefaßten und aktiv gewordenen Energien nicht entbehren können. So durften die Führer der westfälischen Organisation dankbar die Anerkennung entgegennehmen, die ihnen von allen Seiten zuteil wird. Mit der Geschichte dieser Arbeit sind die Namen der 1. Vorsitzenden, der Gräfin von Plettenberg=Heeren, des Generalsuperintend. i. R. D. Zoellner, des eigentlichen Schöpfers der Frauenhilfe, und des langjährigen Geschäftsführers Pastor Johanneswerlh=Soest unlöslich verbunden. Dem Wesen des Verbandes und der durch und durch evangelischen Grundhaltung der Führung entsprach es, daß die Freude an dem gewaltigen Fortschritt von 1906—1931 in einem starken Bekenntnis des Dankes gegen Gottes Führung ihren lebendigen Ausdruck fand und gleichzeitig in dem Gelöbnis zu unermüdlicher Weiterarbeit im Dienst der evangelischen Kirche zum Besten des Volkes, wo immer es in Not ist. Daß dieser Dienst auch von höchster Stelle gewürdigt wird und das alle Stände und Schichten zu gemeinsamer Aufbauarbeit vereinigende evangelische Frauenhilfswerk auch in der Reichsleitung heute wieder in seiner Bedeutung erkannt ist, bestätigte das Telegramm des Reichspräsidenten von Hindenburg: „Herzlichen Dank für Ihr freundliches Meingede und die Grüße, die ich mit den besten Segenswün für die weitere segensreiche Arbeit der westsätischen Frauenhilfe herzlichst erwidere. Die 25000 Frauen in Front, insonderheit die.000 Bezirksfrauen in Stadt und Land, die ihre besonderen Bezirke unermüdlich pflegen, und mit ihnen die ganze westfälische Armee der 160 000 werden dieses Gedenken des Reichsoberhauptes als starke Ermutigung zu weite. rem Vormarsch empfinden. Genf nach Chequers. Nach der Ratstagung in Genf ist der Besuch der deut, schen Staatsmänner in Chequers die nächste Etappe der deutschen Außenpolitik. In acht Tagen wird der Reichskanzler Dr. Brüning in Begleitung des Reichsaußenministerg Dr. Curtius nach London abreisen. Als Gäste des englischen Ministerpräsidenten werden sie das Wochenende auf dem Landgut Chequers verbringen. Ueber die hohe Bedeutung dieser Zusammenkunft dürfte kein Zweifel bestehen, immerhin muß die deutsche Oeffentlichkeit davor gewarnt werden, allzu große Hoffnungen auf die Aussprache in Chequers zu setzen. Eine praktische Auswirkung der deutsch=englischen Ministerkonferenz dürfte auf jeden Fall erst in geraumer Zeit zu erwarten sein. Der Besuch in Chequers hat eine komplizierte Vorgeschichte. Die Anregung zu dieser Zusammenkunft geht bekanntlich von der englischen Arbeiterregierung aus, die das anerkennenswerte Ziel verfolgt, abweichend von dem alten, zeitraubenden diplomatischen Wege des Notenwechsels, durch persönliche Fühlungnahme der Staatsmänner wichtige Fragen der internationalen Politik ihrer Lösung entgegenzuführen. Daß die englischen Vermittlungsvorschläge nicht immer die besten Wege gehen, hat die Genfer Ratstagung zur Genüge gezeigt. Zollunion und Abrüstund sagen da gerade genug. Immerhin zeugt die englische Einladung an die deutschen Staatsmänner von dem ernsten Willen der englischen Regierung, durch eine offene Aussprache die politische Situation zu klären. Von deutscher Seite kann man es nur begrüßen, daß der Reichsregierung die Gelegenheit geboten wird, mit der Regierung des britischen Weltreiches engere Fühlung zu nehmen. Beide Länder, Deutschland und England, haben heute schwer unter der wirtschaftlichen Krise zu leiden und werden aus einem freimütigen Meinungsaustausch über die Möglichkeiten zur Ueberwindung dieser Schwierigkeiten zweifellos großen Nutzen ziehen. Bei dieser Aussprache wird sich allerdings bald herausstellen, daß die Wirtschaftsnot Deutschlands weit gefährlicher und ernster ist, als die wirtschaftlichen Sorgen Englands. Wohl ist dessen Arbeitslosigkeit auch sehr groß, doch was bedeutet sie angesichts der gewaltigen Hilfsmittel, die das reiche England zur Bewältigung dieser Not aufbieten kann. Ganz anders liegen die Dinge in Deutschland. Ein verarmtes, geknechtetes Volk, das unter der ungeheuren Reparationslast fast zusammenbricht und deswegen von der Wirtschaftskrise doppelt schwer betroffen wird, kann unmöglich auf die Dauer ein Millionenheer von Arbeitslosen unterstützen und ernähren. Die Zahl der aus der Arbeitslosenversicherung und der Krisenfürsorge ausgesteuerten Wohlfahrtserwerbslosen hat die Millionengrenze überschritten, die saisonmäßige Entspannung auf dem Arbeitsmarkt des Frühjahrs ist ganz gering, so daß wir mit der Gefahr einer weiteren Steigerung der Arbeitslosenziffern im kommenden Winter rechnen müssen. Reich, Länder und Gemeinden können die Mittel zur Linderung dieser Not nicht mehr aufbringen. Alle Ersparnismaßnahmen werden durch den Rückgang der Steuern illusorisch gemacht, neue Steuerlasten können der zusammenbrechenden Wirtschaft nicht mehr aufgebürdet werden. Eine finanzielle Erleichterung kann nur durch eine Revision der deutschen Reparationszahlungen erfolgen. Der Reichskanzler wird den englischen Ministerpräsidenten über die Dringlichkeit dieser Forderung nicht im unklaren lassen, allerdings ist kaum anzunehmen, daß Macdonald von sich aus zu diesen Darlegungen des „Erster Evangelischer Film=Kongreß". Der erste evangelische Filmkongreß für Deutschland war für die Tage vom 3. bis 5. Mai mit einem reichhaltigen Programm nach Kassel eingeladen worden. Damit sind die schon länger betriebenen eifrigen Vorbereitungen für den Zusammenschluß aller am Film arbeitenden evangelischen Stellen in ein entscheidendes Stadium der Aktivität eingetreten. Der Verlauf hat alle Erwartungen übertroffen, ein Beweis dafür, daß die Zeit zum Handeln auch auf diesem Gebiete schon lange reif ist. Eröffnet wurde die Tagung durch eine Matinée im Kasseler Ufa=Theater, in der Pfarrer Lie. Dr. Herbert Hammer, Halle, Direktor des Ev. Preßverbandes für die Provinz Sachsen, darauf hinwies, daß der Auftakt absichtlich in ein Lichtspieltheater gelegt sei, um evangelische Filmarbeit nicht in Gegensatz zur zünftigen Filmwelt zu setzen, sondern im Vertrauen auf Mitarbeit derselben zu beginnen. Der vom Evgl. Preßverband für Berlin hergestellte Film: „Kreuz über der Großstadt“ wurde anschließend gezeigt, und die in ihm mit viel Feingefühl und Liebe zur Sache behandelte schwierige Materie der kirchlichen Großstadtarbeit fand allgemeine Anerkennung. Sonntag abend spannte die große Eröffnungsversammlung den weiten kirchlichen Rahmen um dieses Spezialgebiet evangelischer Kulturarbeit mit dem Vortrag des Generalsuperintendenten der Kurmark, D. Dr. Otto Dibelius, über:„Evangelischen Oeffentlichkeitswillen". Die Arbeit in die Tiefe bedurf der Ergänzung durch die Arbeit in die Weite. Die beiden folgenden Tage entwickelten in Fachreferaten die ganze Breite der gestellten Aufgabe. Pf. Heppe, der Leiter des Evgl. Jugend= und Wohlfahrtsdienstes zu Marburg a. d. Lahn, sprach zum Grundsätzlichen unter dem Thema: Aufgaben und Ziele evangelischer Filmarbeit". Herr Friedrich Kordts, Leiter der Kulturfilmabteilung der Ufa=Berlin, wies praktische Wege. Direktor Dr. Walter Günther, Berlin, vom Deutschen Bildspielverband plauderte über Erfahrungen aus der Arbeit. Dienstag vormittag beschloß Pfarrer Dr. Schumacher, Leiter des Evg. Jugend= und Wohlfahrtsdienstes in Pforzheim, die Vortragsserie mit einer glänzenden Behandlung der Zensurfrage unter dem Thema:„Praktische Filmpolitik“. Zur Außenseite des Kongresses gehörte noch eine umfassende, in ihrer Art einzig dastehende Geräte=Ausstellung unter dem Protektorat der Firma Herm. Scheyhing=Kassel, beschickt von sämtlichen deutschen Firmen, die in der Filmindustrie führen, mit Normal= und Schmalfilmgeräten neuester Konstruktion, sämtlichem Zubehör und mit Schallplatten und elektrischen Verstärkern, welch letztere eine Probe ihrer Durchschlagskraft lieferten in dem Montag abend veranstalteten Weltanschauungsabend, wo neben dem erschütternden Rhythmus der Gottlosenlieder Palestrina mit katholischer und Bach mit evangelischer Kirchenmusik vertreten waren. Film und Schallplatte im Dienst des Weltanschauungskampfes unserer Tage!— An Beispielen evangelischer Filmgestaltung wurden zwischendurch gezeigt Teile der Filmreportage der Confessio Augustana=Feier in Augsburg 1930, Akte aus dem neuen Jubiläumsfilm der Anstalt Bethel:„Auf Vater Bodelschwings Spuren“ und Ausschnitte aus dem äußerst geschickt und wahrhaftig bereiteten Missionsfilm der Goßnerschen Mission in Indien:„Jissus Sahai“, wo das Indien der Jahrtausende alten Kultur dem Einbruch des Christentums gegenübergestellt wird. Dem in allen Teilen gelungenen äußeren Verlauf des Kongresses unter der Leitung von Pfarrer Dr. Winkler, Direktor des Evg. Preßverbandes für Westfalen und Lippe und des regen Syndikus des Verbandes, Dr. Hellbeck=Witten(Ruhr), entsprach seine innere Bedeutung als Fortführung der geplanten Einigung aller in der Filmarbeit tätigen Gruppen durchaus. Es schlossen sich dem Evangelischen Bildspielverband für Deutschland, dem Veranstalter des Kongresses, als selbständige Einzelgruppen an: die Filmstelle der Anstalt Bethel, die Missions=Film=Vertriebsgesellschaft(Hermannsburg— Leipzig— Berlin— Herrnhut), die Filmstelle des Reichsverbandes der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands u. a. Damit sind die Vertreter der evgl. Vereinshauslichtspiele, die Wanderkinobetriebe und der Filmpolitik fast restlos erfaßt, sodaß auch eine nähere Verbindung mit dem Propagandadienst im Zentralausschuß für Innere Mission Deutschlands unmittelbar bevorsteht. Der Schritt in die Oeffentlichkeit, der in Kassel vollzogen wurde, ließ den erstaunlichen Widerhall deutlich fühlbar werden, den die Inangriffnahme dieses wichtigen Gebietes von seiten evangelischer Kreise auslöste. Vor allem waren es neben den großen am Kulturfilm arbeitenden neutralen Stellen die katholischen Kreise, die in Kassel maßgeblich durch zwei Brüdet, Muckermann und Dr. Schamoni, vertreten waren und von sich aus die Hand boten zu einem Zusammengehen auf diesem Gebiet in viel weiterem Maß, als je gehofst werden konnte. Die große Gegenfront westlicher und ostlicher Unterwühlung deutsch=christlicher Kultur ist klar erkannt. So schließen sich die Reihen aus allen Lagern, die sich als Hüter christlichen Geistes berufen fühlen auch au einem so vorgeschobenen Außenposten, wie es der Fim darstellt, wo schon die große Geisterschlacht zwischen Fle“ denkertum und Gotteswelt in vollem Gange ist. Ein umfassender Bericht dieses Kongresses, der auch die maßgebenden Hauptreferate ungekürzt zum Abdruch bringt, wird in Kürze erscheinen(zu beziehen durch dt Hellbeck, Witten(Ruhr), Röhrchenstraße 10) und allen Interessenten Einblick gewähren in die hier geleistet und weiter geplante Arbeit unter dem Auftrag: Hinen mit den Kräften des Evangeliums in die wirre Welt un serer Tage! Heppe, Pfr. Mission und Politik. Die nationalistische Bewegung in Indien bringt aut, für die Missionsarbeit mancherlei Schwierigkeiten sich. Ein amerikanischer Missionar, Keithahn, hatte seilt Sympathie für die nationalistische Bewegung offen uu druck gegeben, daraufhin wurde er von der Behörde“ Madura aufgefordert, Indien zu verlassen und von Meingedenken er westfälischen erheit die.000 ihre besonderen ihnen die ganze dieses Gedenken igung zu weiteequers. Besuch der deuthste Etappe der der Reichskanzzsaußenministers Gäste des engliWochenende auf er die hohe Beein Zweifel beichkeit davor gef die Aussprache Auswirkung der auf jeden Fall omplizierte Vormmenkunft geht ierung aus, die eichend von dem je des Notender Staatslen Politik ihrer zlischen VermittLege gehen, hat Zollunion und ierhin zeugt die zatsmänner von ung, durch eine zu klären. Von daß der Reichsmit der Regielung zu nehmen. ), haben heute leiden und werstausch über die Schwierigkeiten dings bald herslands weit geastlichen Sorgen gkeit auch sehr der gewaltigen sewältigung dieen die Dinge in Volk, das unter mmenbricht und t schwer betrofein Millionenernähren. 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Immerhin könnte die Aussprache der englischen Regierung zum Anlaß dienen, um bei den ihr befreundeten Regierungen, besonders aber in Paris und in Washington, erneut in nachdrücklicher Weise darauf aufmerksam zu machen, daß eine gemeinsame einschneidende Aktion dringend geboten erscheine, um die Gefahr katastrophaler Entnicklungen in Europa zu verhüten, von denen in der letzzen Auswirkung kein Land verschont bleiben würde. Die englische Oeffentlichkeit beschäftigt sich übrigens bereits sehr eingehend mit dem bevorstehenden Besuch in Chequers. Die Londoner Sonntagsblätter nehmen einmütig an, daß das Hauptdiskussionsthema die Ermäßigung der Reparationen sein werde.„Observer" erhofft positive Ergebnisse von dem Besuch, dessen Zweck sein werde, den deutsch=englischen Beziehungen eine neue und dauernde Wärme einzuflößen. Es wäre indessen nutzlos, fährt das Blatt in seinen Aeußerungen fort, Englands Beziehungen zu Deutschland durch eine Verschlechterung der Beziehungen zu Frankreich zu verbessern. Die deutschen Minister werden versuchen, die wirklichen Reparationslasten klarzulegen. Sie dürfen gewiß sein, verständnisvolle Zuhörer zu finden, müßten jedoch damit rechnen, daß man ihnen sagen wird, daß internationale Angelegenheiten international geregelt werden müßten und daß eine vorschnelle Handlung ihrerseits unklug wäre. Ein englischer Versuchsballon. Gerüchte über Milliardenanleihe zwecks Aufrechterhaltung des Zoungplans.— Eine undiskutierbare Offerte. In englischen Regierungskreisen scheint man der Meinung zu sein, daß der gegenwärtigen Not Deutschlands durch eine sogenannte„Reparations=Anleihe" abgeholfen werden könne. So wußte das Londoner Arbeiterblatt„Daily Herald“ von einer geplanten Anleihe an Deutschland in Höhe von zwei Milliarden Mark zur Behebung der augenblicklichen wirtschaftlichen Schwietigkeiten und zur Ermöglichung der weiteren Reparationszahlungen zu berichten. An Berliner amtlichen Stellen ist, wie wir erfahren, von einer solchen Anleihe nichts bekannt. In politischen Kreisen ist man der Auffassung, daß eine derartige Anleihe keineswegs die geeignete Moglichkeit zur Lösung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten und zur Regelung der Reparationsfragen ware. Deutschland braucht keine neue unleihe, um seine Reparationsschulden weiter bezahlen zu können, sondern es braucht eine definitive Herabsetzung der Reparationszahlungen. Auch die Hereinziehung #e# Völkerbundes in diesen Fragenkreis hält man in politischen Kreisen für nicht opportun. Der Völkerbund könnte wohl in der Lage sein, in weniger bedeutenden Fällen eine wirtschaftliche Hilfe zu organisieren, aber für die Lösung des Reparationsproblems ist er nicht geeignet. Pennn in Eilleinpr. kabinettsrat in Permanenz.— Dr. Curkius berichtet über Genf. — Berlin, 27. Mai Die Feiertagsruhe in der Politik war nicht von langer Dauer. Dienstagnachmittag ist Reichskanzler Dr. Brüning aus dem kurzen Pfingsturlaub nach Berlin zurückgekehrt, und bereits am heutigen Mittwoch wird die erste Kabinettssitzung nach Pfingsten stattfinden, in der Reichsaußenminister Dr. Curtius Bericht über die Genfer Ereignisse erstattet. Die innnenpolitischen Fragen, die in diesen Tagen entschieden werden sollen, dürften dann die ganzen nächsten Kabineltssitzungen bis zur Reise nach Chequers ausfüllen. Es hat den Anschein, als ob sich das Kabinett, ebenso wie vor der letzten Notverordnung in Permanenz erklären muß, um mit der Fülle der Einzelbestimmungen, die das große Sanierungsprogramm enthalten soll, fertig zu werden. In etwas mehr als einer Woche wird der Besuch in England stattfinden. Ob die Veröffentlichung der Notverordnung noch bis dahin erfolgen kann, ist fraglich. Man rechnet jetzt sogar damit, daß sie erst Mitte Juni dekretiert wird, da am 14. Juni die Reichstagsfraktion des Zentrums in Hildesheim tagt und der Reichskanzler hier Gelegenheit hätte, über die politische Lage und die finanziellen Sparmaßnahmen Aufschluß zu geben. Vor kritischen Auseinandersetzungen. Am Sonntagabend wird in Leipzig der sozialdemokratische Parteitag eröffnet, der vermutlich die ganze Woche hindurch Beratungen abhalten wird. Am Donnerstag tritt die sozialdemokratische Reichstagsfraktion zusammen. Wesentliche politische Beschlüsse sind in dieser Woche noch nicht zu erwarten. Man wird dem Parteitag nicht vorgreifen. Aber auch dieser wird zur Notverordnung noch nicht kritisch Stellung nehmen können. Nach dem, was über den sozialpolitischen Teil der Notverordnung verlautet, d. h. nach den zu erwartenden notwendigen Sparmaßnahmen auch in der Sozialversicherung, der Verlängerung der Anwartschaftsfristen, Herabsetzung der Saisonarbeitersätze auch die der Krisenfürsorge, der Kürzung der Leistungen in der Invaliden= und Unfallversicherung usw., muß man sich noch auf kritische parteipolitische Auseinandersetzungen gefaßt machen. Der angebliche Inhalt der Notverordnung. Wie verlautet, wird die neue Notverordnung an Umfang wieder an den der früheren Notverordnungen herankommen, da mehr als ein Dutzend Gesetzesänderungen notwendig werden dürften. Wenn jetzt, wie weiter angenommen wird, von allen Steuerzahlern, die noch über Einkommen verfügen, neue Opfer verlangt werden, so ist sich die Reichsregierung darüber klar, daß dafür auch eine Begründung gegeben sein muß, und daß die Steuerzahler weiterhin die Gewißheit erhalten müssen, daß die neuen Anstrengungen den Erfolg haben, die schwere deutsche Krise zu überwinden. In dem Zusammenhang verdient die Stellungnahme der Reichsregierung zur Reparationsfrage besondere Beachtung. Die Verhandlungen mit den Reichsressorts über die notwendigen Etatseinsparungen gehen weiter. Der Reichsfinanzminister hat bereits früher darauf hingewiesen, daß mindestens 200 Millionen eingespart werden müssen. Dabei wird auch der Reichswehr=Etat nicht verschont werden. Die Spar=Aktion im Reich allein wird aber nicht genügen, Länder und Gemeinden werden nachfolgen müssen. Wiederaufnahme Das Reichskabinett wird sich voraussichtlich auch mit der Frage der deutsch=rumänischen Handelsvertragsverhandlungen beschäftigen. Die Verhandlungen werden voraussichtlich in der ersten Juniwoche beginnen. Die erste Fühlungnahme zwischen Berlin und Bukarest ist bereits erfolgt. Der Zwischenfall scheint aufgeklärt zu sein, und die Lage auf dem Getreide= und Futtermittelmarkt gibt Anlaß zu der Vermutung, daß ein Präferenzabkommen, ob provisorisch oder dauernd, nicht ausgeschlossen ist. Das Interesse der Rumänen an diesen Verhandlungen ist auch durch die Genfer Ereignisse, insbesondere die Zollunion, nicht schwächer geworden, da Rumänien danach trachtet, die großen Getreideüberschüsse, die immer noch im Lande lagern, unterzubringen. in Genf. Die Arbeitszeit im Bergbau. Wenige Tage nach Abschluß der Ratstagung findet in Gens wieder ein großer internationaler Kongreß statt. Die 15. Internationale Arbeitskonferenz, die am Donnerstag in Genf beginnt, ist mit einer Sitzung des Verwaltungsrats des Internationalen Arbeitsamtes eingeleitet worden. Mission gefordert, daß sie mit ihm nichts mehr zu tun haben sollte. Nicht genug damit, forderte der betreffende Beamte, daß die Mission einstimmig Erklärungen abgeben sollte, die den Missionaren als ein Bruch der Neutralität erscheint, wie sie ein Missionar üben sollte. Aber noch darüber hinaus forderte der Beamte, daß die Mission ihre indischen Prediger und Lehrer zwingen sollte, sich gegen die nationalistische Agitation zu erklären und sich für die Politik der englischen Regierung einzusetzen und teilte der Mission mit, daß andernfalls die Schulzuschüsse, die die Regierung bisher gezahlt hatte, wegfallen wurden.— Auf der andern Seite treten die Nationalisten gegen die Missionarsarbeit auf. So hat sich Gandhi, der, trotz all seiner anerkennenden Worte für Christus, stets vollkommen ein Hindu geblieben ist und das auch immer wieder ausspricht, gegen alle Bekehrungsversuche erklärt, und Natarajan schrieb im„Indian Social Reformer": „Die Auffassung von Herrschaft in einer Monarchie ist nicht nur eine völlig äußere, etwas darin muß auch einen seistigen Zusammenhang zwischen dem Herrscher und seisiem Untertanen zeigen. Es ist gegen die seit undenklichen Zeiten in Indien herrschende Ueberlieferung, irgendeine Religion für geringer als andere zu erklären. Wir können den König des indischen Dominions nich auffordern, sich nicht zum christlichen Glauben zu bekennen. Aber wir denken, daß Indien fordern sollte und müßte, daß in dem Krönungseid von seiten des verrschers ein feierliches Versprechen enthalten sein mußte, der Beschützer der alten religiösen Glauben des Landes sein zu wollen. Der gegenwärtige Grundsatz relgiöser Neutralität müßte durch den Grundsatz aktiver und anerkennender Beschützung abgelöst werden. Die wichtigste Folge dieses Wechsels würde sein, daß organistertes religiöses Proselytenmachen, das darauf abzielt, Untertanen seiner Majestät von ihrem alten Glauben wegölziehen, verhindert würde, da der König als Beschütze anler Religionen nicht eine die andere bekämpfen lassen barf.“ Allg. Missionsnachrichten. Für die Arbeitskonferenz haben sich bis jetzt 45 Staaken angemeldet. Die deutsche Regierung hat mitgeteilt, daß sie den früheren Arbeitsminister Dr. Brauns und den Ministerialdireklor Dr. Sitzler entsenden werde. Für den Vorsitz ist diesmal Polen an der Reihe. Die Konferenz dürfte in ihrer Eröffnungssitzung am Donnerstag den ständigen Vertreter Polens beim Volkerbund, Sokal, zum Präsidenten wählen. England ist durch Shinwell vertreten, der in den vergangenen Monaten wiederholt mit dem deutschen Arbeitsminister Stegerwald über die Hauptfrage, die die Konferenz beschäftigt— die Regelung der Arbeitszeit in den Bergwerksbetrieben— verhandelt hat. Danzig wird auch diesmal wieder fehlen, weil die Frage der Mitgliedschaft Danzigs zur Internationalen Arbeitsorganisation infolge der zögernden Haltung Polens immer noch unentschieden ist. Die Konferenz wird ungefähr drei Wochen dauern. Die Hauptberatungsgegenstände sind die schon genannte Frage der Arbeitszeit in den Bergbaubetrieben und die Frage der Arbeitslosigkeit. Die Brauns=Kommission zum Studium der Arbeitslosigkeit hat am Pfingstdienstag ihre Arbeit wieder aufgenommen, mit der sie in kürzester Frist fertig werden muß, da Brauns sich zu der Tagung des Internationalen Arbeitsamtes in Genf begeben muß. Spanien rüstet ab. Verringerung der Heeresstärke auf die Hälfte. Der spanische Ministerrrat hat sich mit dem Heeresremmentwurf des Kriegsministers einverstanden erklärt. r Entwurf sieht die Auflösung vieler Regimenter und Verkleinerung des Offizierkorps vor. Es sollen von den bisherigen 76 Infanterie-Regimenin künftig nur 39 bestehen bleiben, von 27 Kavallerie-Rementern nur 10. Ferner wird jede der neun Divisionen lonier- und Sanitätsabteilungen haben. Die Artillerie U aus 20 Regimentern und mehreren Luftabwehrahteiugen bestehen. Die Heeresreform sieht ferner zwei Tankregimenter, ein Maschinengewehrbataillon, Eisenbahner=, Bruckenbauund Telegraphenregimenter und ein Automobilkorps vor. Statt bisher 22000 Offizieren sämtlicher Grade sieht der Reformentwurf nur 7000 vor, statt 280 Generalen nur 48. Die Heeresausgaben sollen von 700 Millionen Peseten jährlich auf 500 Millionen herabgesetzt werden. Kapitalflucht in Spanien. — Madrid, 26. Mai. Der Finanzminister gab eine Erklärung ab, in der er feststellte, daß er die Gründe für das neue Fallen des Pesetenkurses nicht kenne. Die Kapitalverschiebungen hielten an. Sie würden durch gesetzwidriges Verhalten von Zollbeamten an der Grenze begünstigt. Die Regierung werde die Schuldigen zur Verantwortung ziehen. Da Geldstrafen keine Wirkung hätten, werde von jetzt ab jede Uebertretung des Kapitalfluchtgesetzes mit Gefängnis bestraft werden. Da ferner festgestellt worden sei, daß auch auf Handelsschiffen Geldverschiebungen vorgenommen würden, sei eine strenge Ueberwachung der Häfen angeordnet worden. Da die Regierung mit den Zahlungen an die Unternehmer staatlicher Bauten erheblich im Rückstande ist, wurde jetzt mit der Bank von Spanien ein übereinkommen getroffen, wonach die Bank die benötigten Gelder vorschießen will. Die Unternehmer werden dafür 3 v. H. Zinsen zahlen. Verträge nicht unantastbar. trotzdem hält man sie aufrecht. Auf dem Schlußbankett des Kongresses der belgischen Kriegsverletzten und Kriegsteilnehmer, der während der Pfingstfeiertage in Paris stattfand, hielt der französische Kriegsminister Maginot eine Rede, in der er sich solgendermaßen über die Bedeutung der Friedensverträge aussprach: Wir halten die Friedensverträge keineswegs für unantastbar, denn kein Menschenwerk kann etwas Derartiges für sich beanspruchen. Wir beschränken uns auf die Forderung, vorläufig an diesen Verträgen nicht rühren zu lassen, damit sie sich im Laufe der Zeit nützlich auswirken können. namentlich auf dem Gebiet der Sicherheit, an der wir mehr als irgend jemand interessiert sind. Was wir aber auf keinen Fall zulassen können, ist, daß die Verträge, nach denen das neue Europa lebt und die nur durch ein Uebereinkommen der Signatarmächte nach einem bestimmten Verfahren revidiert werden können, nach Gutdünken der einen oder anderen Gegenstand einseitiger Revisionen bilden, die einer Verletung gleichkommen würden. Der bekannte französische Publizist Hervé bemerkt dazu in seiner„Victoire" zum ersten Male habe seines Wissens ein im Amt befindlicher Minister so klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, daß er die Verträge nicht für unantastbar halte. Der Vorbehalt Maginots aber, daß man für den Augenblick nicht an den Verträgen rühren dürfe, damit sie sich erfolgreich auswirken können, namentlich auf dem Gebiet der Sicherheit, kennzeichne allzusehr das Unverständnis für die wirkliche Lage. Wie könne der Kriegsminister glauben, daß die Zeit auf dem Gebiet der Sicherheit für Frankreich arbeite, wenn man die Revision der Verträge vertage. Für gerechten Lastenausgleich. Gewerkschaftsring mahnt Reichsregierung. Auf einer Pfingsttagung der Hirsch=Dunckerschen Gewerkschaften in Berlin sprach der Generalsekretär des Gewertschaftsringes, der Reichstagsabgeordnete Lemmer über die bevorstehenden Notmaßnahmen der Regierung. Die heute schwer notleidende Arbeitnehmerschaft müsse fordern, daß mehr als bisher der Gesichtspunkt sozialer Gerechtigkeit berücksichtigt werde. Auch der Besitz und die Großeinkommen müßten sichtbar zu neuen Opferleistungen herangezogen werden. Außerdem müsse die Reichsregierung eine eindeutige Zusicherung gegen die weitere Kaufkraftverminderung durch fortgesetzten Lohn= und Gehaltsabbau abgeben. Die weitere Zerstörung inländischen Marktes durch den volkswirtschaftlich unsinnigen Abbau der Löhne und Gehälter könne kein geeignetes Mittel sein, die Arbeitslosigkeit zu vermindern. Wenn Reichsregierung und Wirtschaftsführer der weiteren Revolutionierung der Masse Einhalt gebieten wollen, dann wäre es die allerhöchste Zeit, auf dem bisherigen Wege umzukehren. Die Gewerkschaften gegen Sozialabbau. Die drei gewerkschaftlichen Spitzenverbände(freie und christliche Gewerkschaften und Gewerkschaftsring) haben in einer Eingabe an den Reichsarbeitsminister Stegerwald gegen die Verschlechterung der Unfall= und Invalidenversicherung und gegen den Abbau der schon sehr kleinen Invalidenrenten und der Unfallrenten Protest erhoben. des deutschen Zurücknahme der Schulverordnung in Schwetz. Wie die„Deutsche Tageszeitung“ zu dem Schwetzer Schulstreik aus Schneidemühl berichtet, hat der polnische Kreisschulinspektor des Kreises Schwetz, Zatorski, unter dem Eindruck der festen und geschlossenen Haltung der deutschen Bevölkerung den evangelischen Religionslehrern seines Amtsbezirkes telephonische Weisung gegeben, daß dort, wo die Eliern unbedingt darauf bestehen, den deutschen Schulkindern evangelischen Bekenntnisses der Religionsunterricht in der deutschen Muttersprache zu erkeilen sei. der Lehrer. Abendfeier in der Frankfurter Paulskirche. Der Deutsche Lehrerverein, der mehr als 150000 Mitglieder zählt und somit nicht nur die größte Lehrerorganisation Deutschlands, sondern der ganzen Welt ist, hielt diesmal seine Jahrestagung in Frankfurt a. M. ab. Ein großer Teil der auf etwa 5000 geschätzten Teilnehmer ist bereits in Frankfurt eingetroffen. Das Reichsinnenministerium und die preußische Regierung sind durch Ministerialrat Menzel und durch Minister Grimme vertreten. Als erste öffentliche Veranstaltung der Deutschen Lehrerversammlung Psingsten 1931 in Frankfurt a. M. fand am Abend des zweiten Feiertages in der Paulskirche eine Abendfeier statt. Nach Orgel= und Gesangsvorträgen hielt Professor Dr. Giese=Frankfurt die Festrede über das Thema: „Deutsche Einheit, deutsche Bildung". Professor Giese erinnerte an die großen Ereignisse, die sich im vergangenen Jahrhundert in der Frankfurter Paulskirche abspielten, und versuchte eine Brücke zu schlagen zwischen dem Geiste der Paulskirche und dem Geist, von dem er die Tagung der Lehrer in Frankfurt a. M. erfüllt sehen möchte. Die Aufgabe des deutschen Lehrers sei die: den Geist des heutigen Staates recht zu erfassen und ihn den ihm anvertrauten jungen Staatsbürgern zu übermitteln, um sie zu verantwortungsbewußten, freudigen Mitarbeitern am Staate und an der deutschen Einheit und Freiheit zu erziehen. Die öffentlichen Beratungen wurden am Dienstag mit der 39. Vertreterversammlung eröffnet. Mit der Lehrertagung verbunden ist eine Pädagogische Ausstellung. Wie vor zwei Jahren in Dresden, wird auch das Sportfest der Lehrer erhöhte Aufmerksamkeit beanspruchen. * Die Lehrerinnen in Stuttgart. Die deutschen Lehrerinnen aller Schularten hielten ihre Pfingsttagung in Stuttgart ab. Zum ersten Male fehlte bei dieser 21. Generalversammlung die Gründerin des Vereins, Helene Lange. Ihrem Gedächtnis galt eine weihevolle Stunde am Vormittag des Pfingstsonntags. Forderungen der Lehrer. Beamten- und Ausbildungsfrage. Die Tagung des Deutschen Lehrervereins in Frankfurt am Main wurde nach Annahme von zwei Resolutionen geschlossen. In der Resolution zur Schul= und Beamtenpolitik heißt es u..: Dringend ist ein Entscheid darüber, was unter der „bestehenden Rechtslage“ des Volksschulwesens in den einzelnen Ländern zu verstehen ist, sowie die Verabschiedung des Reichsgesetzes über die Beamtenrechte, das die in der Verfassung den Beamten und Lehrern zugesicherken Rechte gegen jeden Gesinnungsdruck und Willkur sichert. In der Entschließung zur Lehrerbildung heißt es u..: Der Deutsche Lehrerverein hat wiederholt die einheitliche Regelung der Lehrerbildung durch ein Reichsgesetz verlangt: Vorbildung auf einer Hochschule und wissenschaftliche Ausbildung durch mindestens sechs Semester Studium auf einer Hochschule. Die Loslösung der Lehrerbildung von der Hochschule(Hessen) und die Herabsetzung der Studienzeit von drei auf zwei Jahre(Thüringen) hat alle Freunde der Lehrerbildung schmerzlich enttäuscht. Die Vertreterversammlung wendet sich mit Entschiedenheit gegen die in einer solchen Regelung zum Ausdruck kommenden rückschrittlichen Bestrebungen und fordert erneut eine reichsgesetzliche Regelung der Lehrerbildung nach den Forderungen des Deutschen Lehrerveeins. Kurssturz in Berlin Rückgänge bis zu 10% Die Entwicklung der Effektenbörse nach den Festtagen war sehr ungünstig. Wenn eine Rückwärtsbewegung auch nicht überraschend kam, in diesem Ausmaße war sie nicht erwartet. Die meisten Werte gingen um 5 bis 10% zurück. Gesfürel 6½, Siemens 7¾, Harpener 4½, Ilse 12¼, Farben 5¼. An den Abgaben ist offensichtlich das Ausland ziemlich stark beteiligt, besonders Neuyork, dessen Börse ebenfalls sehr flau liegt. Auch mit den Wiener Finanzschwierigkeiten bringt man den Kurssturz in Zusammenhang. Letzte Meldungen. Der Kanzler empfängt die Sozialdemokraten. — Berlin, 27. Mai. Reichskanzler Dr. Brüning wird heute die Vertreter der Sozialdemokraten, die sich in einem Schreiben zur Frage einer Senkung des Brotpreises an den Reichskanzler gewandt hatten, zu einer Aussprache über ihre Wünsche empfangen. Falsche Stahlhelmabzeichen. — Breslau, 27. Mai. Für den kommenden Sonntag hat der Stahlhelm zu einer Reichstagung nach Breslau aufgerufen. Eine Breslauer Firma hat einen Auftrag von 5000 Stahlhelmfestzeichen erhalten, der nach Feststellung der Berliner Kriminalpolizei von fremder Seite gegeben worden ist. Man rechnet mit Störungen der Veranstaltung. Die nächste Völkerbundstagung. — Genf, 27. Mai. Der geschäftsführende Präsident des Völkerbundsrates, Dr. Curtius, hat die Völkerbundsversammlung zu Montag, 7. September, einberufen. Kabinetts. — Warschau, 27. Mai. In einer Sitzung des Gesamtkabinetts wurde der Beschluß gefaßt, daß das Kabinett seine Demission einreicht. Der Rücktritt des Kabinetts Slawek kommt in eingeweihten Kreisen nicht überraschend. Das Kabinett ist seit dem 4. Dezember v. J. im Amt. Oberst Slawek soll, wie es heißt, wieder die Leitung des Regierungsblocks im Seim übernet. men. Die schwere finanzielle Lage des Staates sowie di, Schwierigkeiten innerhalb des Kabinetts bezüglich der zung der Offiziers= und Beamtengehälter haben die Amie. müdigkeit Slaweks gesteigert. Als Nachfolger wird Oberd Prystor genannt, der ebenso wie Slawek dem eng Freundeskreis des Marschalls Pilsudski angehört.ten Hinweis. Im Lindenhof. Aus eigener Erfahrung sehr empfehlen kann ich einen Ferien aufenthalt im Erholungsheime„Lindenhof“ bei Dhünn(in der Nähe von Wermelskirchen, Bez. Düsseldorf). In jeder Weis, geschützt gegen rauhe Winde, liegt das Heim in einem lieblichen Tale des Bergischen Landes. 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