Glück erkennt man nicht, drinnen man geboren, Glück erkennt man erst, wenn man's hat verloren. Logau. Mm Linien. (Eindrücke aus dem Provinziallandtag Münster i..) Vom 19. bis 24. April tagte in Münster der Provinziallandtag. Im allgemeinen ist die Oeffentlichkeit geneigt, derartigen provinziellen Tagungen kein allzu großes Gewicht beizulegen. Jedenfalls haben solche Verhandlungen im Vergleich zu den Reichstagstagungen geringeres Interesse. Jedoch jeder, der mit offenen Augen und Ohren Anteil nimmt an dem Arbeiten und Schaffen der kleineren Parlamente, wird sich des Eindrucks nicht erwehren können, daß auch diese Vertretungen mehr und mehr an Bedeutung gewinnen. Sie haben ohnehin als Werkzeuge der provinziellen Selbstverwaltung eine nicht geringe Bedeutung. Dies ist um so mehr der Fall in der heutigen Zeit der Finanznot. Denn alle Verwaltung ringt ja in unseren Tagen mit dieser einen Frage. Darüber hinaus aber erkennt man klar und deutlich bei allem Verhandeln dieser Parlamente auch größere, die Allgemeinheit betreffende Linien. Ja, man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß die großen Linien, welche im Reichstag aufgezeichnet werden, in den provinziellen Landtagen auch zu ihrer Auswirkung kommen. Taktik und Vorgehen der Reichstagsparteien erlebt hier eine stetig wiederholte Auflage. Dies tritt klar hervor bei den Verhandlungen des Provinziallandtages in Münster. Das Feld der Diskussion wurde beherrscht von den Kommunisten. Angriffslustig, schlagfertig und auch klug, aber andererseits durchaus verfahrend nach den allgemeinen Grundsätzen der Partei, wie wir sie aus dem Reichstag kennen. Auffällig war die weltanschauliche Linie, aus der heraus sie zu allen Fragen Stellung nahmen. Es kam dadurch sehr bald auch zu einer scharfen Auseinandersetzung über die Propaganda der Gottlosen. Die Kommunisten verfochten naturgemäß durchaus diese Linie, ja, sie wagten es, die Sache so zu wenden, daß sie in diesem weltanschaulichen Kampf die Märtyrer und die Verfechter des freien Denkens sein wollten. Ganz besonderen Anlaß zu diesen Auseinandersetzungen boten die Haushaltsplan=Beratungen über all das, was Fürsorge heißt. Es fehlte nicht an scharfen, gehässigen Angriffen gegen die freie Liebestätigkeit, gegen die Schwesternschaften beider Konfessionen. Die Kirchen und ihre Liebestätigkeit wurden als geschäftstüchtig hingestellt, und es wurde kein Zweifel darüber gelassen, daß von kommunistischer Seite aus die freie Liebestätigkeit nie eine Anerkennung und auch keine Duldung erfahren wird. Wenn die freie Liebestätigkeit infolge der allgemeinen Finanznot dem jetzigen Staat doch nicht unwillkommen ist und daher in den Wohlfahrtsministerien unter den veränderten Zeitverhältnissen manche Lichter aufgegangen sind, die man früher nicht sehen wollte, so wird ein kommunistischer Staat wohl kaum sich in dieser Frage bekehren. Es ist klar und deutlich, daß man in der Bekampfung der freien Liebestätigkeit, wie sie die Kirchen betreiben, bewußt eine Lebensäußerung christlichen Glaubens und Handelns treffen will, um ihnen damit die Nacht des Zeugnisses in unserer Zeit zu nehmen. Dabei verschmähte man es nicht, die alten Ladenhüter, gegen christliches Denken und christliche Liebestätigkeit zu Gebote stehen, in ausgiebigem Maße zu verwenden. Wenn man über die provinziellen Fürsorgeanstalten in Westfalen nichts zu sagen hatte, dann baute man seine Angriffe auf durch irgendwelche Informationen aus einer Anstalt, die irgendwo hinter dem Berge liegt und damit im Augenblick zwecks Nachprüfung nicht erreichvar war. Die Fürsorgeerziehungsanstalten wurden weiti nach dem bekannten Schema als Prügelanstalten anbesprochen, in sämtlichen Anstalten aller Art sollte die Verpflegung schlecht sein. Jeder Abstrich am Wohlfahrtsslat, mochte er noch so angebracht und gerechtfertigt sein, ar natürlich Ausdruck der Politik eines herzlosen, unVsialen Bürgertums. Alle Anklagen, welche man erhob, beschahen im Namen des werktätigen Volkes, und immer nus letzter weltanschaulicher Linie heraus, die alles Bes1ehende an Staat und christlicher Weltanschauung grundaßlich aus der Stellung völliger Gottlosigkeit ablehnt. dede Anstaltsseelsorge, jeder Schwesterndienst wurde abEiehnt, ja, auch die Kräfte der freien Liebestätigkeit burden zu Ausbeutungsobjekten durch die kapitalistische Gesellschaft geprägt. Interessant war in diesen von Weltanschauungsfragen stark durchsetzten Auseinandersetzungen die Stellung der Sozialdemokratie. Bei ihrem Auftreten sprang deutlich die starke Bruderschaft mit dem Zentrum hervor. Man erlebte es, daß die Sozialisten sich bei den Angriffen auf die Schwesternschaften beider Konfessionen und ihre Arbeit vor diese stellten. Man erklärte, man sei immer in allen Weltanschauungsfragen tolerant gewesen, man behalte sich dabei sehr wohl seine eigene weltanschauliche Stellung vor, aber aus der Toleranz erwachse auch die Anerkennung für die Tätigkeit der religiösen Organisationen. Wenn man sich dabei auch nicht eindeutig aussprach, so galt dieses Kompliment natürlich in erster Linie den katholischen Kräften. Es war nicht ganz unwahr, aber durchaus treffend, wenn bei der Rede des sozialdemokratischen Sprechers aus den kommunistischen Reihen der Zuruf kam: Ach, wie habt ihr euch gewandelt! Ueberhaupt lieferten sich die beiden feindlichen Brüder erregte Auseinandersetzungen, die sich durch Zurufe und liebenswürdige Anreden von Bank zu Bank fortsetzten, zumal beide Parteien dicht beieinander sitzen. Ganz deutlich wurde die Linie des verbürgerlichten Sozialismus, der Hand in Hand mit dem Zentrum geht, wo ein Geschäft gemacht werden kann, als es sich darum handelte, eine Landesratsstelle zu vergeben an einen Parteibuchmann oder an einen Berufsbeamten. Das Zentrum stimmte mit den Sozialisten für die Besetzung durch einen Anwärter der Sozialdemokratie, ohne Rücksicht darauf, welche weltanschauliche Stellung der Betreffende einnahm. Ueberhaupt war es bemerkenswert, daß das Zentrum über die Besorgung seiner eigenen Wünsche nicht hinauskam und seinerseits als christliche Partei die große weltanschauliche Linie der Auseinandersetzungen doch nicht sah, wie man vielleicht nach seinen steten Behauptungen hätte erwarten können. Auch die Rechtsparteien, die sich gegen die Sozialdemokratie und Kommunisten stellten, sahen eigentlich nur die parteipolitische, nicht die weltanschauliche Front. Das religiöse Moment in den Auseinandersetzungen wurde von ihnen in der Tiefe nicht erfaßt. Sozialismus und Kommunismus sind in erster Linie Feinde des wirtschaftlichen Bestehens. Der einzige Abgeordnete, der eine tiefere weltanschauliche Linie sah, war der Volksdienst=Abgeordnete Lic. Schmidt. Er griff die Kommunisten wirklich aus einer religiösen Stellungnahme heraus an. Das Gleiche kam zum Ausdruck in der Wahl des Landesrates. Er betonte scharf und klar: Wir wollen, soweit wir Einfluß darauf haben, in unseren Verwaltungen nicht Menschen mit einer verneinenden Weltanschauung. Damit machte sich der Volksdienst zum Führer der Gegnerschaft gegen die Stellenbesetzung durch Zentrum und Sozialdemokratie. Man muß sich dessen bewußt sein, daß die Rechtsparteien im innersten ihrer Stellung wohl mehr durch allgemeine parteipolitische Erwägungen bestimmt wurden als durch die tieferen Linien, welche Pastor Schmidt zog. Aber das Bedeutungsvolle bei dieser Abstimmung war doch dies, daß unter Führung des Volksdienstes sämtliche Parteien rechts des Zentrums sich zusammenfassen ließen. Es schien auch, als ob die Nationalsozialisten hier mit dem Volksdienst zusammen gingen. Nichts wäre erfreulicher als dies, wenn die Spannungen zwischen den Nationalsozialisten und Volksdienst sich um unseres Volkes willen verlören in gerechter Würdigung der Aufgaben, die beide im Augenblick haben. Dem Schreiber dieser Zeilen ist dabei eins ganz deutlich geworden. Der Evang. Volksdienst hat in unseren Tagen in den Parlamenten eine besondere Bedeutung. Er soll und muß aus seiner inneren Verankerung heraus die Stellung eines an Gott gebundenen Gewissens immer wieder unter durchaus sachlicher Prüfung der gegebenen Verhandlungsgegenstände zum Ausdruck bringen. Es war darum auch nicht uninteressant, daß jedesmal dann, wenn diese Töne angeschlagen wurden, das Haus ein offenes Ohr hatte. Aus dieser Tatsache heraus hat der Volksdienst eine missionarische Bedeutung im Parlament und neben aller Inneren und Aeußeren Mission tritt durch ihn ein Neues: die öffentlichkeits=Mission im politischen Leben. Dabei mag man an den einzelnen Entscheidungen des Volksdienstes hier und da Anstoß nehmen, diese bedeutungsvolle Linie kann ihm niemand nehmen. Es hat zudem den Anschein, als wenn der Volksdienst diese Linie immer klarer und deutlicher erfaßte, auch auf Gebieten, die mit dem Religiösen und Weltanschaulichen unmittelbar nichts zu tun hatten. Es wurde doch deutlich, daß das christliche Gewissen aus seiner inneren Gebundenheit auch zu allen Fragen des Wirtschafts= und sonstigen Lebens etwas sagen kann und sagen muß. Somit sprangen aus den Verhandlungen folgende Linien hervor: Es geht auch in der Politik im Letzten um weltanschauliche Fragen. Die Weltgeschichte, die Geschichte eines Volkes im großen und im kleinen ist der Kampf zwischen Glaube und Unglaube. Derjenige wird eine wirkliche Stellung auch im Parlament haben, der aus diesem Blickpunkt die Dinge sieht. Wer hier die Augen verschließt, redet im Letzten an den Dingen vorbei. Das zeigte die Eindrücklichkeit des kommunistischen Redners und des Ev. Volksdienstes. Unverständlich und nur erklärlich aus einer eigensüchtigen Parteipolitik heraus ist die Haltung der Partei, welche durchaus christlich sein will, des Zentrums. Man kann es sich nicht anders denken, als daß unter den Mitgliedern des Zentrums bei der ganzen Haltung zur Sozialdemokratie manchem das Herz unruhig gewesen sein muß, wenn sie brüderlich Arm in Arm mit Links ihren Weg gehen mußten. Es wurde einem bange um die Verantwortung, welche das Zentrum mit seiner Haltung gegenüber den innersten Fragen unseres Volkslebens übernimmt. Es ist zu wünschen, daß der Volksdienst seine große, wichtige Aufgabe, als Sprecher christlicher Weltanschauung aufzutreten, weiter mehr und mehr erfüllt, ungebunden nach irgendeiner Seite, gerecht, wahr und voll Liebe für alle aus der Tiefe kommenden Stimmen unseres Volkes, aber dabei ein Mahner aus innerster, an Gott gebundener Stellung. Sp. In der„Vossischen Zeitung“ vom 26. 4. schreibt der Reichsfinanzminister a. D. Peter Reinhold einen Beruhigungsaufsatz über das neue Defizit des Reiches. Er errechnet ein Minderaufkommen von Millionen Mark bei der Einkommen= und Körperschaftssteuer 600 bei der Tabak= und Biersteuer 250 bei der Umsatzsteuer 100 zusammen 950 Ausfälle bei den Zöllen bringt er nicht in Anschlag. Dagegen setzt er für Fürsorge einen Mehrbedarf von 200 Millionen Mark an. Es fehlen also nach Reinholds Rechnung dem Reiche 1150 Millionen Mark. Trotz dieser zugegebenen Summe errechnet Reinhold als„echtes Defizit“ des Reiches nur 300 Millionen Mark. Das ist bezeichnend für gewisse noch immer herrschende Auffassungen. Noch immer nicht der ganze schwere Ernst! Wo bleiben die fehlenden 850 Millionen Mark? Für 400 Millionen Mark war Schuldentilgung vorgesehen. Man streiche sie! Mit Schuldenzahlen wird nach B. von Münchhausens Scherzwort„viel Geld verläppert“. Von den Ausfällen der Einkommensteuer treffen 450 Millionen Mark die Länder und Gemeinden. Das ist gewiß schlimm für sie! Mögen sie zusehen!— Diese leider bezeichnende Aufmachung Reinholds sollte das deutsche Volk über die erschreckende Lage nicht hinwegtäuschen. Reinhold empfiehlt„einschneidende Maßnahmen“ bei der Wohlfahrtsfürsorge. Er nimmt eine von der nationalen Opposition seit Jahren gestellte Forderung auf. Bezeichnend aber ist, daß er das Wort„Arbeitsdienstpflicht" und„Umschichtung der Jugend von der Stadt aufs Land, von der Industrie zur Landwirtschaft“ auszusprechen sich nicht entschließt. Das bedeutet auch zwangsweise, Hugenbergs bekannte Vorschläge zur Wiederherstellung der landwirtschaftlichen Rentabilität aufnehmen.— Bezeichnend für die Zeit ist, daß auch Reinhold die„Krönung der Finanz= reform“ in der„Neuregelung der Reparationen“ sieht. Dabei legt er folgende immerhin erstaunliche Behauptung nieder: „—— Aber die Dinge entwickeln sich auch hier zwangsläufig schneller, als man es im Winter 1930 auf 1931 voraussehen konnte. Immer klarer stellt sich heraus, daß Deutschland in die Leistungen des Youngplanes niemals hineinwachsen wird, und daß das Provisorium von 1929 nicht mehr länger aufrechterhalten werden kann.“ Wir stellen demgegenüber fest, daß das nationale Deutschland die Entwicklung der Dinge schon seit Jahren vorausgesehen hat. Vielleicht erinnert sich Herr Reinhold noch an das 1929 eingeleitete Volksbegehren gegen den Youngplan und die zu seiner Durchfechtung vorgebrachten Warnungen. Aber die zur Zeit noch herrschenden Machtgruppen der Mitte und der Linken schlugen diese Warnungen in den Wind; ja, sie verunglimpften die, die sie vorbrachten, in persönlich sehr unschöner Weise. Bezeichnend für die Zeitströmung ist die jetzt endlich erwachende Einsicht. Aber bezeichnend für die Berufung zum Führer ist auch, daß Reinhold noch jetzt der Meinung ist, man habe die Dinge nicht voraussehen können. Weiter schreibt Herr Reinhold: „Trotz aller Schwierigkeiten unserer außenpolitischen Lage läßt sich die Neuaufrollung der Reparationsfrage deshalb nicht mehr hinausschieben: und niemals, scheint uns, hat Deutschland ein besseres Recht gehabt, als lohaler Vertragspartner von den Schutzklauseln des Youngpaktes Gebrauch zu machen als in diesem Augenblick, wo infolge der Rückwirkung der Weltwirtschaftskrise auf unser Land auch die heroischen Anstrengungen dieses Winters nicht genügten, um unsere Finanzen, einschließlich der auf die Dauer untragbaren Reparationsverpflichtungen in Ordnung zu bringen". Es ist von sachverständiger Seite oft entwickelt worden, daß die Weltwirtschaftskrise nicht die Quelle, sondern zum guten Teil die Folge unseres Elends ist. Im übrigen mag man sich aufrichtig freuen, daß Herr Reinhold sich auch in der Frage der Auslandszahlungen der Auffassung der nationalen Opposition nähert. Bezeichnend aber ist, daß er im Zusammenhang mit einer verfehlten Politik von„heroischen Anstrengungen“ spricht. Das ist jedenfalls eine Entwertung eines großen Wortes. Doch das mag noch hingehen. Schlimmer ist der Ausdruck„Reparationsverpflichtungen“. Das ist keine Kleinigkeit, sondern eine psychologische Angelegenheit von größter Tragweite. Wir kommen von den Tributen nie herunter, wenn wir uns nur auf die bekanntlich sehr umstrittenen„Schutzklauseln des Youngpaktes“ beziehen. Erreichen werden wir nur dann etwas, wenn wir den Tribut=Erpressern einig entgegentreten. Dazu gehört bei uns Deutschen eine moralische Ueberzeugung. Um sie durchzusetzen, sollte kein Politiker von Reparations„verpflichtungen“, sprechen, sondern stets nur vom „Unrecht der Tribute". Dr. R. Eine Dankadresse an Minister Dr. Der„Völkische Beobachter“ vom 15. April veröffentlichte eine Dankadresse des„Deutschen Frauenkampf= bundes“. In dieser Adresse heißt es: „Es drängt uns, diesem aufrechten, geraden, rein fühlenden deutschen Mann aufs innigste zu danken für alles, was er Thüringen gewesen ist, insbesondere aber für seinen Kampf gegen die planmäßige Entsittlichung des Volkslebens. Der furchtbare sittliche Niedergang, der sich seit der Revolution allenthalben in Deutschland breitmacht, hat weiterhin Frauenehre und Frauenwürde in den Schmutz gezogen. Der Kampf, den wir im Deutschen Frauenkampfbund dagegen aufgenommen haben, war in den meisten Teilen des Deutschen Reiches zur Erfolglosigkeit verurteilt. Dr. Frick ist der einzige Minister seit 1918, der ganz in unserem Sinne eine Reinigung des Volkslebens vornahm. Ihm verdanken wir es, daß Negertänze und Jazzmusik in Thüringen verboten waren, daß die gemeinen hetzerischen Machwerke, wie z. B. das Credesche Stück„§ 218“ in den Theatern nicht aufgeführt werden durften, daß eine Reihe von Schund= und Schmutzschriften unter Verbot gestellt wurde. Er hat sich lieber unangenehmen Gerichtsverhandlungen zur Aufhebung seiner Verbote ausgesetzt, als daß er den Volksverderbern nachgegeben hätte. Ebenso hat er sich durch Einführung der Schulgebete zur Gottesfurcht und ernster Schulerziehung bekannt. Es ist eine Lüge, wenn behauptet wird, er sei in der Brief aus Baden. „Nie wieder Krieg!“— so lautet auch bei uns vielfach die Losung. Als ob wir Herren wären, diese Losung zu verwirklichen. Unterdessen aber führen die verschiedensten menschlichen Belange untereinander einen Krieg nach dem andern. Da gehen mitunter die Wogen hoch her, gar nicht immer nur Wasser= oder gar Blutwogen! Mitunter auch reichliche—— Tintenwogen. Und so ist es jetzt bei dem Krieg um die„Farbe im Stadtbild“. Wie einst bei der Errichtung der Karlsruher Dammerstocksiedlung Baufachmänner gegen Baufachmänner, Wohnungstheoretiker gegen Wohnungstheoretiker standen, so stehen jetzt Denkmalspfleger gegen Denkmalspfleger und Baukünstler gegen Baukünstler. Und der Streitgegenstand?— Da ist das älteste Bauwerk unserer Stadt, der die Altstadt beherrschende Schloßturm. Unser Ministerialrat Dr. Hirsch, ein Baukünstler„von Format", wie man heute sagt, hat ihn erneuert und ihm in Rosarot mit Gold und Grau ein schmuckes Aussehen gegeben. Schon vorher hat er andere altehrwürdige Gebäude, u. a. auch unsere Stadtkirche in Karlsruhe, wieder hergestellt. Seine Arbeiten erstrecken sich aber über das ganze Land. Und immer wußte er sein Können in angebrachter Weise zu betätigen.(Auch als Verfasser von baugeschichtlichen Büchern!) Gerade das aber war nicht nach Sinn und Meinung anderer Kreise. In bloßer Erhaltung des Ueberkommenen, also ohne Hinzufügen persönlichen Geschmackes und Empfindens sahen jene andern Kreise den allein erlaubten Weg der Denkmalspflege. Die ganze Frage ist von grundsätzlicher Wichtigkeit, besonders wo die Gebäude eines Weinbrenners, des Vaters des klassizistischen Baustiles und vieler darin errichteter Karlsruher Bauten in Frage kamen. Nur vergaß man eben— und Hirsch hatte darauf den Finger gelegt: Weinbrenner stellte seine Schöpfungen auch nicht in das Nichts! Das vorweinbrennersche Karlsruhe war doch da und dies mußte sich Weinbrenners letztlich auch nur aus seinem persönlichen Geschmack entsprossene Schaffen gefallen und aufzwingen lassen! Und so wäre an diesem zunächst nur örtlichen Streit eine Erörterung entstanden, worauf die Augen der Bauwelt von ganz Deutschland gerichtet sind. Iin Westen undich eiwas Neuch, Der Pazisist Friedrich Wilhelm Förster gegen Remarque=Film. Im Verlag Rowohlt erschien dieser Tage ein Bilderbuch mit Aufnahmen aus dem Remarque=Film. Nebenher geht die Propaganda gegen das Verbot des Filmes weiter. Unsere Stellungnahme zu dieser unsinnig aufgebauschten Angelegenheit ist bekannt. Weniger bekannt aber ist ein Bekenntnis des Pazifisten Professor Friedrich Förster, das wir in der Zeitschrift„Die Kommenden“(Verlag„Die Kommenden“, Florchheim in Thüringen) lesen. In einer Zeit, in welcher sich manche „Autoritätsperson“, etwas darauf einbildet, das alte Heer zu verunglimpfen, mag es immerhin interessant sein, das unverdächtige Zeugnis eines Antimilitaristen und Pazifisten im Wortlaut zu zitieren. Friedrich Wilhelm Förster schreibt: „In einem Pariser Cinema sah ich den RemarqueFilm. Seitdem begreife ich den Protest der deutschen Nationalsozialisten vollkommen und stelle mich in dieser Sache auf ihre Seite, ohne die Methoden zu billigen, durch die sie protestieren und ein Verbot für berechtigt halten. Wie man auch zum Kriege stehe: die übergewaltige Spannung zwischen Tod und Leben, die er in Wirksamkeit setzt, hat von jeher den höchsten Charakterkräften des Menschen Anlaß zu fast übermenschlicher Bewährung gegeben. Das ist gewiß kein Grund, ihn herbeizuwünschen und der Welt zu erhalten, man wünscht auch nicht Pest und Cholera herbei, weil dabei Aerzte und Schwestern oft wunderbar über sich hinauswachsen. Wer aber den Krieg von der deutschen Seite her darstellt und dann von der unvergleichlichen Bewährung des deutschen Charakters in der Todesnot so wenig Erschütterndes und Erhebendes zu berichten weiß, dagegen die Angst= und Schwächezustände der dem Kriegsschrecken nervös und seelisch Unterlegenen derartig beherrschend in den Vordergrund stellt, der wird dem wirklich Außer, gewöhnlichen der deutschen Kriegsleistung nicht gerecht ja, er beleidigt in der Tat die deutsche Armee gerade dort, wo sie groß und beispielgebend war. Man dari nicht ungerecht sein und muß die moralische Hochleistung des deutschen Volkes in Waffen, also den Sieg von In. telligenz, Wille, Vaterlandsliebe, Selbstüberwindung Disziplin über die unsagbaren Anforderungen, die der Krieg an Nervenkraft, Seelenkraft, Opferkraft stellt, (oft in gänzlich unerkannter und unbelohnter Pflicht, erfüllung), in ihrer ganzen Größe anerkennen. Darum bedauere ich die Vorführung dieses Filmes im Auslande Der Krieg kann nur von den höchsten moralischen und geistigen Kräften aus bekämpft werden. Wer aber in diesem Sinne gegen den Krieg kämpft, der wird immer eine innere Bruderschaft mit den wirklichen Helden des Kriegsschicksals empfinden und nicht dulden, daß ihre Riesenleistung an eherner Haltung, Ausdauer und Hingabe so wenig zu ihrer wohlverdienten Hingabe und rung kommt, wie dies leider in bezug auf den in Rede stehenden Film der Fall ist. Es wird über ein ungeheures Geschehen viel zu viel Plattheit und subalterne Sentimentalität ausgebreitet. Ich war davon so enttäuscht und verärgert, daß ich beim Hinausgehen vor mich hin sagte:„Es lebe die deutsche Armee!“— was sonst bei mir nicht vorkommt. Nichts ist tödlicher für den Pazifismus, als solcher Pazifismus, wie dieser Pazifismus da!“ Man sieht wieder einmal, daß zwischen Weltanschauung und Infamie ein sehr großer Unterschied bestehen kann. Es fragt sich nur, ob die Freunde des offenherzigen Herrn Förster diese Aeußerungen mit der gleichen Beflissenheit bekannt werden lassen wie seine pazifistischen Verlautbarungen.(„Bergisch=Märkische Zeitung"). Besetzung von Stellen parteiisch verfahren. Wir sind in der Lage, an den verschiedensten Fällen nachzuweisen, daß das Gegenteil der Fall ist, ja, daß Beamte gegnerischer Parteien bis zum Außersten in ihren Stellen belassen wurden, selbst wenn es im Interesse einer Reinigung des Volkslebens dringend wünschenswert gewesen wäre, eine Veränderung herbeizuführen. So hat Dr. Frick neben äußerster Milde doch eine zielbewußte Säuberung Thüringens durchgesetzt, und es ist geradezu unerhört, diesen echt deutschen Mann einem Land, das seine Wirksamkeit notwendig noch länger gebraucht hätte, durch Parteimachenschaften zu entziehen. Wir können nur hoffen, daß dieser Zustand bald beendigt wird und wir Dr. Frick in Thüringen wiedersehen! Wir danken ihm für den Mut, den er als erster deutscher Minister in der Bekämpfung der planmäßigen Entsittlichung bewiesen hat. Seine Wirksamkeit in Thüringen ist vorbildlich gewesen. Die schändlichen Machenschaften, die zu seinem Sturz führten, können nur weitere Kreise wecken, daß sie erkennen, mit welchen Teilen des Volkes für deutsche Zukunft gearbeitet werden kann! Sie können nur zu schärferem Kampf und neuer Entschlossenheit wecken! Trotz allem! Der Sieg wird unser sein! Der Deutsche Frauenkampfbund im Namen seiner 200000 Mitglieder, Neulandhaus Eisenach.“ Der Pfarrer in der Eine Dienstanweisung. Die Frage der politischen Betätigung der Geistlichen spielt zur Zeit in der kirchlichen und öffentlichen Erörterung eine wichtige Rolle; immer neue Vorfälle rücken sie in das Sehfeld weiter Kreise. Nunmehr hat der Thüringer Landeskirchentag den Versuch unternommen, das höchst schwierige Problem einer praktischen Lösung entgegenzuführen. In eingehenden Beratungen hat er eine „Dienstanweisung über politische Betätigung des Pfarrers“ geschaffen, die mit sämtlichen Stimmen gegen eine (bei einer Stimmenthaltung) angenommen wurde, was bei der bunten Mischung der politischen Richtungen in dem Thüringer Kirchenparlament besonders bemerkenswert ist. Die Dienstanweisung hebt einleitend die Zerklüftung unseres Volkes in Parteien, die sich leidenschaftlich bekämpfen, hervor. Mehr denn je bedürfe es der einenden Macht des Evangeliums.„Durch den Pfarrer wird sie gefährdet, wenn er die Kanzel und überhaupt seine amtliche Verkündigung nicht frei hält von politischer oder gar parteipolitischer Stellungnahme." Es wird daher dem Pfarrer verboten, daß er auf der Kanzel und wo immer er kraft seines Amtes zu einer Gemeinde spricht, zu politischen Streitfragen parteimäßig Stellung nimmt. Es „Nie wieder Krieg!“— Und dabei kann auch ein sozialistischer Unterrichts= und Justizminister„nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt!“ Unser sozialistischer Minister Dr. h. c. Remmele aber hat der bösen Nachbarn gar viele. Einer ist sein einstiger Untergebener Dr. Brühler in Freiburg. Der schrieb eine Schrift,„Aus Remmeles Zauberreich" betitelt, und trug allerlei„Gedanken und Erinnerungen“ darinnen vor. Was blieb dem Angegriffenen übrig, als sich gleichfalls mit einer Schrift zu verteidigen. Er tat dies nicht ungeschickt. Aber warum will es nie und nimmer ruhig werden von Vorwürfen gegen unsere schwarz=rote Mehrheitsregierung, die in Wirklichkeit auf eine Minderheit sich stützen muß? Warum haben wie eine besonders umfangreiche„Junglehrernot"? Und können sie nur durch die Eisenbartkur einer Zulagekürzung für mittlere Lehrer einigermaßen erleichtern? Warum müssen Gerichte entscheiden, ob das Lied vom„Wandern" und„des Müllers Lust“ gesungen werden darf oder nicht, ob es eine Beleidigung besagten Ministers— weil einstigen Müllerburschen— enthält oder nicht, ob es bei Strafe zu singen verboten werden muß oder nicht? Eine letzte(?) Gerichtsentscheidung gibt es frei! Sind das wirklich die großen Geister, um die solche Kämpfe gekämpft und solche Kriege geführt werden müssen? Amtsvorgänger, Unterrichtsminister Di Leers— er scheidet soeben aus der Politik aus und wirk Direktor des deutschen Bühnenvereins— hätte da vie zu viel Humor und Schliff gehabt, um ihn in ähnliche Lage zu denken. Oder gar ein Vorkriegsunterrichts minister oder Vorkriegsminister überhaupt, von denei uns gerade dieser Tage eine wertvolle Schrift des Pforz Schenkel und Reinhard Eiggrte, Diese#der einen von Dusch, einen Rokk, einer von Bboman vurf man gar nicht in einem Atemzug mi unseren heutigen„Staatsmännern" nennen. So sehr verschieden sind sie und so undenkbar in einer Lage, aus der Remmele einfach nicht mehr herauszukommen weiß „Nie wieder Krieg!“— Und dabei ist der Krieg ir Landeskirche auch noch nicht entschieden. Der Krieg um Eckert, der wahrlich um mehr geht als um einen unbotmäßigen und etwas sehr„von sich beeindruckten“ Mannheimer Pfarrer. Es hat zwar das Verwaltungsgericht gesprochen und Eckert dabei unrecht gegeben. Es hat sich auf rein juristischen Boden gestellt, hat nach Gedankengängen, die der gewöhnliche Mensch schwer oder gar nicht versteht, dem Oberkirchenrat doch recht und Eckert unrecht gegeben. Wann aber das eigentliche Treffen im Disziplinarverfahren entschieden wird, steht immer noch dahin. Und so ist neben dem vielen Unbegreiflichen gerade die Länge der Bank unbegreiflich, auf die das Verfahren hinausgeschoben werden zu sollen scheint! „Nie wieder Krieg!“— Dabei will auch die Frage nach Recht oder Unrecht des Nationalsozialismus innerhalb der evangelischen Kirche nicht zur Ruhe kommen. In der Kirche eines badischen nationalsozialistischen Pfarrers Streng war es schon vor dessen dortigem Wilken der Brauch, bei vaterländischen Gedenkfeiern in der Kirche Stahlhelm und Waffen auf den Altar zu legen. Anläßlich des Eckertstreites kamen diese Dinge an die Des fentlichkeit. Sollen sie weiter bei genannten Anlässen 9“ duldet werden oder nicht? Der örtliche Kirchengemeinde rat bittet die Oberkirchenbehörde um weiteres Dulden der schon Jahre alten Sitte. Pfarrer Streng hat seine ganze Gemeinde hinter sich und seinen nationalsozial“ stischen Kirchengemeinderat. Aber die Freunde Ecker sind nicht die Einzigen, die dann gleiches Recht für aue wünschen, um endlich aus diesen Zuständen herauss“ kommen. Es könnte sonst am Ende einmal heißen:„N“ wieder Friede!“— und das ist wahrlich für unsere Kirch nicht die gegebene Losung! Die katholischen Oberen der oberrheinischen Kirche!“ provinz haben in Freiburg ihrerseits die Stimme gebe“ die Nationalsozialisten bereits erhoben. Sie sehen en deutsche Nationalkirche, wie sie die Nationalsozialiste“ wünschen, als verderblich an. Die evangelische Kite) kann jedoch nicht einfach ihre Oberen ein Machtwort sprechen lassen. Dazu ist sie in ganz anderer Weise ven unten nach oben gebaut und außerdem kann man e“ gelischerseits nicht so leicht über bestimmte Wahrhel“ bestandteile hinwegsehen, die in vielen Bewegungen sie“ ken. Der Katholizismus braucht jene einfach nicht beachten, Roma locuta...! liege der Kirch und an der Ste ten zu behinde verpflichtet sei. litischen Partei stellt.„Nur wi darauf zu achte anderen oder zu seiner Perso fährdet.“ Läßt werber für ein das vorher den lich verboten n Abzeichen polit und sich an 3 Beginn der### 9 Im Verl kanzler, an de Reichsminister minister teilna über dic zollDie Reichsreg Landwirtschaft Steigerungen über hinaus 1 wieder zurückz Noch zu der öffentl ben bereits die der Haushalts! hin nachgeprüs werden, bis ko April und Ma lich durch die wechseln im B ist aber nur wurde, damit ausgearbeitet 1 genommen we gramm dürfte stehen, soweit scheint, daß ne mit rechnen, d etat vorgenom noch gegen so dem Kanzler könnten sie ei hinnehmen. D Steuerpläne— hohe Einkomm dem heutigen tionsvorstandes trauen gegen netts und läßt warten, einer falls zur Abwe tags fordern Der Aelte lich Anfang n der Frage ein nums Stellung schusses amtier sident Dr. vo Vor allem immer ein Stüc Dies wirkt sich doch auch schon! dem rechten We denste Weise Re Fragen in eine zialamt einberu kürzlich dabei: u. a.— sei es Pforzheim=Wür beitslose um sie kenntnis und se die Mädchen mi rem eigenen Ur So war's bei je oberdeutschen „Evangelium u: sich dann jeweil# sätze zu einem der Krieg", d. finden und zue „Gesetz Chr Nun sollt gung der Gege der Sport, auch Ein Volk, das Badischen Lan Freiballon steig ginnt bereits m Vormittag für seine Juger Zolmsonntag 3 Kraichturngaues aui dem Landmangel an tief gesund nicht an himmelhoch üb Berliner„Gottl werk gegen Kir ## noch imme oes, nicht aber sammenschließen datr. wirklich Außer9nicht gerecht, Armee gerade var. Man darf che Hochleistung a Sieg von Inbstüherwindung Jungen, die der pferkraft stellte lohnter Pflichtennen. Darum s im Auslande. noralischen und Wer aber in er wird immer hen Helden des lden, daß ihre dauer und Hiningabe und Ehif den in Rede en viel zu viel it ausgebreitet. st, daß ich beim be die deutsche kommt. us, als solcher n Weltanschauschied bestehen des offenherziit der gleichen seine pazifistiische Zeitung"). tik. der Geistlichen itlichen Erörtefälle rücken sie at der Thürinrnommen, das in Lösung enten hat er eine ung des Pfarten gegen eine n wurde, was Richtungen in rs bemerkensie Zerklüftung enschaftlich bes der einenden er wird sie geipt seine amtolitischer oder sird daher dem ind wo immer spricht, zu pog nimmt. Es hat zwar das dabei unrecht Boden gestellt, mliche Mensch kirchenrat doch der das eigentschieden wird, em vielen Ununbegreiflich, rden zu sollen uch die Frage lismus innerluhe kommen. ilsozialistischen dortigem Wirkfeiern in der zu legen. Ane an die Oefn Anlässen gechengemeindeiteres Dulden eng hat seine ationalsozialieunde Eckerts Recht für alle en herauszuheißen: unsere schen KirchenStimme gegen ie sehen eine onalsozialisten elische Kirche n Machtwort er Weise von in man evane Wahrheitsegungen stekfach nicht zu iage der Kirche fern, den Pfarrer politisch zu entrechten und an der Stellungnahme zu öffentlichen Angelegenheiten zu behindern, zu der er unter Umständen geradezu verpflichtet sei. Auch die Freiheit des Pfarrers, einer positischen Partei anzugehören, werde nicht in Frage gestellt.„Nur wird der Pfarrer mit besonderer Sorgfalt darauf zu achten haben, daß er nicht bei denen, die einer anderen oder keiner Partei angehören, das Vertrauen z seiner Person oder gar das Vertrauen zur Kirche gejährdet.“ Läßt sich ein Pfarrer von einer Partei als Bewerber für einen Abgeordnetensitz aufstellen, so hat er das vorher dem Landeskirchenrat anzuzeigen. Ausdrücksich verboten wird den Geistlichen, in der Oeffentlichkeit Abzeichen politischer Parteien oder Verbände zu tragen und sich an öffentlichen Umzügen politischer Parteien oder Verbände zu beteiligen. Insbesondere werden die Pfarrer verpflichtet, alles aufzubieten, daß die kirchlichreligiösen Angelegenheiten freigehalten werden von allen parteipolitischen Gesichtspunkten. Gegen Geistliche, die sich in die herrschende Verwilderung der Sitten im politischen Meinungskampf chineinreißen lassen, werde die Kirchenbehörde vorgehen.— Wir haben den Eindruck, daß mit dieser„Dienstanweisung“ ein recht bemerkenswerter Versuch gemacht ist, das hohe Amt des evangelischen Geistlichen vor den vergiftenden Wirkungen des politischen Parteikampfes zu bewahren, ohne doch dem Träger dieses Amtes das Recht auf verantwortungsbewußte öffentliche Betätigung zu verkürzen. 5950929 Eintragungen. Volksbegehren=Ergebnis bestätigt. Eine amtliche Mitteilung. Amtlich wird mitgeteilt: Von den 26368213 Stimmberechtigten in Preußen haben nach dem vorläufigen und unverbindlichen Mitteilungen der Behörden 5950 929 Stimmberechtigte in die Listen zum Volksbegehren„Landtagsauflösung“ sich eingetragen. endgültige und amtliche Ergebnis kann erst festgestellt werden, wenn die Eintragungslisten, die sich jetzt noch in den Händen des Trägers des Volksbegehrens, des Stahlhelm, befinden, dem Landeswahlausschuß zugeleitet und nachgeprüft sind. * geutingung Afeigi. Beginn der Vorarbeiten für die Finanzsanierung.— Nächste Woche Aeltestenrat. — Berlin, 1. Mai. Im Verlaufe einer Chefbesprechung beim Reichskanzler, an der auch der Reichsernährungsminister, der Reichsminister des Auswärtigen und der Reichsarbeitsminister teilnahmen, wurde eine vollständige Einigung über die zoll= und agrarpolitischen Maßnahmen erzielt. Die Reichsregierung wurde sich dahin schlüssig, der Landwirtschaft Hilfe zu bringen, zugleich aber neue Steigerungen des Brotpreises zu verhindern und darüber hinaus den Brotpreis auf den früheren Stand wieder zurückzubringen. Noch zu lösen ist die Aufgabe der Sanierung der öffentlichen Finanzen. Die Ressorts haben bereits die Vorarbeit begonnen, insbesondere wird der Haushaltsplan auf neue Einsparungsmöglichkeiten hin nachgeprüft, doch dürfte es immerhin Mitte Juni werden, bis konkrete Vorschläge da sind. Für Ultimo April und Mai hilft sich die Reichsregierung bekanntlich durch die Begebung von mittelfristigen Schatzwechseln im Betrag von je 125 Millionen Mark. Das ist aber nur eine Zwischenlösung, die vorgenommen wurde, damit das große Reformprogramm in Ruhe ausgearbeitet werden kann und nicht Teillösungen vorgenommen werden müssen. Das große Reformprogramm dürfte vor allem in Einsparungen am Etat bestehen, soweit es sich auf die Finanzen bezieht. Es scheint, daß neuerdings auch die Sozialdemokraten damit rechnen, daß diese Einsparungen auch am Sozialetat vorgenommen werden. Sie wehren sich allerdings noch gegen solche Maßnahmen und haben so z. B. dem Kanzler erklärt, ohne„Einnahmeerhöhungen“ könnten sie eine Kürzung der Sozialausgaben nicht hinnehmen. Das heißt also, daß sie auf ihre alten Steuerpläne— Tantiemesteuer und Sondersteuer auf hohe Einkommen— zurückgreifen würden. Auch in dem heutigen Communiqué über die Sitzung des Fraktionsvorstandes betont die Sozialdemokratie ihr Mißtrauen gegen die angekündigte Sparpolitik des Kabinetts und läßt durchblicken, daß sie das Programm abwarten, einer eingehenden Kritik unterziehen und notfalls zur Abwehr die Einberufung des Reichstags fordern werde. Der Aeltestenrat des Reichstags wird voraussichtlich Anfang nächster Woche, nämlich am 6. Mai, zu der Frage einer Zwischentagung des Reichstagsplenums Stellung nehmen. Als Vorsitzender des Ausschusses amtiert diesmal der volksparteiliche Vizepräsident Dr. von Kardorff. Reichstagspräsident Löbe Vor allem steckt in neuaufkommenden Bewegungen immer ein Stück jungen Lebens und Lebens der Jugend! Dies wirkt sich eben heute ungehemmter aus als früher doch auch schon! Darum ist unsere evangelische Kirche auf dem rechten Weg, wo sie diesem Tatbestand auf verschiedenste Weise Rechnung trägt. Sei es, sie läßt die neuen Fragen in einer vom Badischen evangel.=kirchlichen Sozialamt einberufenen Freizeit darstellen— es sprachen kürzlich dabei Dr. Faber, Professor Dibelius, Wendland U. a.— sei es, junge Pfarrer wie Dr. Adolf Becker in Pforzheim=Würm, sammeln von sich aus evangelische Arbeitslose um sich zu allerlei Belebung evangelischer Erkenntnis und seelischen Wollens. Sei es, es werden auch die Mädchen mit einbezogen in die neue Zeit, der zu ihkem eigenen Unheil alte Werte verloren gegangen sind. so war’s bei jener Heidelberger Schülerinnentagung des oberdeutschen Mädchenbibelkreises unter der Losung „Evangelium und Alltag!“ Und derlei mehr! Hier finden sich dann jeweils über so viel Gegensätze hinaus auch Ansatze zu einem gesunden wirklichen und echten„Nie wieder Krieg“, d. h. ganz einfach: zu einem sich ineinander sinden und zu einem gegenseitigen Lastentragen, dadurch „Gesetz Christi zu erfüllen!" Nun sollte man ja meinen, zu solch innerer Einibung der Gegensätze könnte der Götze unserer Tage: der Sport, auch führen!— Man täuscht sich aber dabei. Ein Volk, das ausgerechnet für Palmsonntag in seiner dadischen Landeshauptstadt Flugzeugtaufen ankündet, Freiballon steigen läßt—„die Füllung des Ballons beKinnt bereits morgens um 9 Uhr(!), sodaß den ganzen Lormittag für Unterhaltung(!) gesorgt ist“— ein Volk, dis seine Jugend zu einem Siegfriedslauf gleichfalls am dalmsonntag zusammenruft, und zwar innerhalb des etaichturngaues der Deutschen Turnerschaft(!)— also uus dem Lande!— spürt seine Krankheit und seinen Nangel an tiefsten Kräften zwar nicht, kann aber als besund nicht angesehen werden. Noch steht es trotzdem Ammelhoch über dem Religions= und Kirchenhaß der dektiner„Gottlosen“. Allein Kirchenlauheit ist kein Bolleren degen Kirchenfeindschaft. Und„panem et circenses!“ it noch immer Losung und Zeichen für ein sinken*is, nicht aber für ein sich um seinen tiefsten Besitz zusammenschließendes Volk! 9= weilt gegenwärtig nicht in Berlin, da er sich wegen eines Gallenleidens einer Kur unterziehen mußte. Sozialdemokratie wartet ab. Zusammentritt des Fraktionsvorstandes. Die sozialdemokratischen Unterhändler erstatteten dem Fraktionsvorstand Bericht über ihre Besprechungen mit dem Reichskanzler. Nach dem parteiamtlichen Bericht über diese Sitzung äußerten die Mitglieder des Vorstandes Zweifel darüber, ob die von der Regierung geplanten Maßnahmen zur Senkung der Brotpreise sich auch wirksam erweisen würden. Da die Regierung durch das Zollermächtigungsgesetz vom 28. März verpflichtet sei, einer Steigerung der Brotpreise über den Stand im letzten Halbjahr hinaus vorzubeugen, so müsse verlangt werden, daß die in den letzten Wochen eingetretenen Erhöhungen rückgängig gemacht werden. Wenn nicht in kurzer Frist eine solche Auswirkung der Regierungsmaßnahmen auf den Brotpreis erzielt werde, so würde die sozialdemokratische Fraktion weitere Schritte unternehmen. übrigen äußerte der Vorstand, wie er in seinem Communiqué weiter berichtet,„starke Bedenken gegen einen etwaigen Versuch, durch eine einseitige Finanzpolitik notwendige soziale Einrichtungen und Leistungen einzuschränken. Eine endgültige Stellungnahme zu dem Regierungsprogramm werde erfolgen, wenn die Maßnahmen des Kabinetts deutlicher erkennbar seien. Dann erst könne auch eine Entscheidung über die Notwendigkeit einer etwaigen Einberufung des Reichstags gefällt werden. Jollbeschlüsse der Regierung. Erhöhung der Zölle für lebende Schweine, Fleisch und eine Anzahl Agrarprodukte.— Maßnahmen zur Senkung der Brotpreise. — Berlin, 1. Mai. Die Reichsregierung gibt soeben ihre Beschlüsse zur Linderung der landwirtschaftlichen Notlage bekannt. Der Zoll für lebende Schweine wird, zunächst mit Wirkung bis 1. November dieses Jahres, auf 40 Mark für den Doppelzentner festgesetzt. Für die Folgezeit bleibt die Entschließung des Kabinetts vorbehalten. Der Fleischzoll ist im bisherigen Verhältnis zum Viehzoll festgesetzt worden. Für Hafer wird der Zoll auf 16 Mark für den Toppelzentner erhöht. Für den für die landwirtschaftliche Produktions= umstellung unentbehrlichen Leguminosenbau sind die erforderlichen Zollerhöhungen vorgenommen, und zwar für Speiseerbsen auf 20 Mark, für Futtererbsen und Bohnen auf 8 Mark, für ungereinigte Linsen 6 Mark und für gereinigte auf 8 Mark. Für Futterbohnen, Lupinen und Wicken, wird der Zoll auf 5 Mark bemessen. Für Gänse tritt in der Zeit vom 15. Oktober bis 31. März eine Erhöhung des Zolles auf 2,10 Reichsmark für das Stück oder 36 Reichsmark für den Doppelzentner ein. Die Zwischenzölle für Speck und Schmalz werden aufgehoben; der Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Maßnahme wird noch bestimmt werden. „Diese Maßnahmen— so heißt es in der amtlichen Mitteilung— bedeuten einen weiteren Schritt auf dem Wege zu einer Besserung der Lage der landwirtschaftlichen Veredelungsproduktion, die nachdrücklich gefördert werden muß, zumal sie weit überwiegend auf den mittleren und kleineren bäuerlichen Betrieben beruht und für die Existenzgrundlage dieser Betriebe und der Landarbeiter entscheidend ist. Verringerung der Handelsspanne. Gleichzeitig wird der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft von allen zur Verfügung stehenden Mitteln Gebrauch machen, um einer dem Verbraucherschutz nach dem Gesetz vom 28. März 1931 widersprechenden Preisentwicklung vorzubeugen. Er wird Sorge tragen, daß die Länderregierungen darüber wachen, daß die Handelsspanne auch in den Gemeinden gesenkt wird, in denen im Gegensatz zu anderen Gemeinden eine Genkung der Handelsspanne noch nicht in ausreichendem Maße erfolgt ist. Bei Fleisch wird dies um so leichter sein, als die Erhöhung der Zölle für Speck und Schmalz hierfür günstigere Voraussetzungen schafft. Weiter wird alles geschehen, um eine ungerechtfertigte Heraussetzung des Brotpreises zu verhindern oder rückgängig zu machen. Es ist eine Reihe von Maßnahmen eingeleitet, die es ermöglichen werden, auf den Mehlpreis so einzuwirken, daß er eine sichere Grundlage für die entsprechende Berechnung des Brotpreises bicten wird. Auch ist vorgesehen, die Bestimmungen des Brotgesetzes aufzuheben, durch welche die Bewegungsfreiheit des Mühlen= und Bäckereigewerdes zum Nachteil der Brotpreisbildung eingeengt wird. Die Lage des Getr.idemarktes bietet nunmehr die Möglichkeit hierzu. Krise in Rumänien. Das rumänische Parlament aufgelöst. Bukarest, 30. April. Das rumänische Parlament wurde zur allgemeinen Ueberraschung am Donnerstag nachmittag aufgelöst. Bevor Ministerpräsident Jorga den Auflösungserlaß bekannt gab, stellte er vor überfülltem Hause fest, daß seine Versuche, die Mitarbeit der Parteien zu gewinnen, vergeblich gewesen seien. Ueberall habe er Absagen erhalten oder seien ihm unannehmbare Bedingungen gestellt worden, was einem Mißtrauensvotum für sein Kabinett gleichkomme. Da die Zusammenarbeit mit dem jetzigen Parlament unmöglich sei, verzichte er auf die Stellung der Vertrauensfrage. Der König löse das Parlament auf. Jorgas Ausführungen wurden mit ungeheurem Lärm beantwortet. Die Auflösung kam für die Abgeordneten völlig überraschend. Die Neuwahlen finden am 1. Juni statt. Madeira verhandelt weiter. Portugiesische Regimenter aufgelöst. — London, 30. April. Einer Meldung aus Lissabon zufolge sind von der portugiesischen Regierung drei Infanterieregimenter und drei Batterien aufgelöst, sowie 32 Offiziere im Zusammenhang mit dem Aufstand auf Madeira entlassen worden. Unter diesen befindet sich auch der Kommandant von Madeira, General Souza Diaz. Trotz des Ablaufs auch des verlängerten Ultimatums ist auf Madeira nichts erfolgt. Derselben Nachricht zufolge ist der Grund darin zu suchen, daß der Bischof von Madeira einen zweiten Vermittlungsversuch unternommen hat und sein äußertes versucht, um Blutvergießen zu vermeiden. Er verhandelt noch immer mit dem vortugiesischen Marineminister. Schwere Explosion in Brasilien. Das Laboratorium der brasilianischen Kriegsmarine in die Luft geflogen.— 200 Tote und Verwundete? — Neuyork, 30. April. In Nictheroy, in der Bucht von Rio de Janeiro, ist das chemische Laboratorium der brasilianischen Kriegsmarine in die Luft geflogen. Die Explosion entstand in dem Ladungsraum der Torpedoköpfe. Sie war so stark, daß ein benachbartes dreistöckiges Haus ebenfalls zerstört wurde. Man befürchtet, daß die Hälfte der 400 Mann starken Belegschaft getötet oder verletzt worden ist. * : Bisher 45 Tote bei Rio geborgen. — Neuyork, 30. April. Wie zu dem schweren Explosionsunglück in dem Laboratorium der brasilianischen Kriegsmarine ergänzend gemeldet wird, sind bisher 45 Tote und 70 Verwundete gevorgen worden. Die Katastrophe in Transkaukasien. Noch ungenügende Hilfe im armenischen Erdbebengebiet. — Moskau(über Kowno), 1. Mai. Die Sowjetregierung hat unter Leitung des Mitgliedes des Rats der Volkskommissare Armeniens, Erzinkian, einen besonderen Hilfsausschuß für das Erdbebengebiet gebildet. Erzinkian betonte, daß die Ausgrabungsarbeiten durch starke Regengüsse und Kälte auf große Schwierigkeiten gestoßen seien. Die entsandten acht Heeressanitätskolon= nen reichten nicht aus, um der Bevölkerung zu helfen. Es herrsche großer Mangel an Lebensmitteln und Arzneien. Die Zahl der Opfer wachse von Stunde zu Stunde. Ein deutscher Reparationsschritt? Englische Mutmaßungen über die Reise des amerikanischen Botschafters nach Washington. — London, 1. Mai. Die Reise des Berliner Botschafters der Vereinigken Staaten, Sackett, nach Amerika, wird von dem diplomatischen Korrespondenten des„Daily Telegraph“. im Zusammenhang mit der Reparationsfrage gebracht. Er habe Grund zu der Annahme, führt der Korrespondent aus, daß Sackett der amerikanischen Regierung eine wichtige Mitteilung Dr. Brünings und Dr. Curtius' unterbreiten werde. Es liege nämlich der deutschen Regierung viel daran, daß die Vereinigten Staaten die Initiative zur Eröffnung einer Besprechung mit den anderen Mächten ergreisen, zu dem Zweck, die Deutschland auferlegten Lasten zu verringern. Deutschland begründe in der Hauptsache mit der Erhöhung des Geldpreises und dem entsprechenden Feit der Warenpreise, welche die deutschen Meparationslasten und mit ihnen alle internationalen Schuldenzahlungen um ungefähr 30 Prozent erhöht hätten. ##„Die in Paris erscheinende Zeitung„Journal“ beschäftigt sich gleichfalls mit der Tributfrage und will aus der Rede des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther und des Reichsfinanzministers Dietrich schließen, daß die deutsche Regierung noch im Juni eine neue Entscheidung über die Tribute beantragen wird. Diäten=Kürzung angenommen. In zweiter Lesung.— Verabschiedung der Novelle zum Wohnungsgesetz. — Berlin, den 30. April 1931. reußische Landtag führte am Donnerstag die sähuug##s Forstetats bis auf die Abstinmungen zum Abschlaß. Danach stimmte das Haus dem Gesetzentwurf über die Herabsetzung der Abgeordnetendiäten in zweiter Lesung zu. In der Beratung wurde darauf hinwvicen, oaß die in diesem Gesetz vorgesehene Kürzung per Bezüge bereits seit dem 1. November 1930 vom Landtag freiwillig durchgeführt wird. Das Gesetz über die der Diäten für die Staatsratsmitglieder wurde in zweiter und dritter Lesung erledigt. Ebenso verabschiedete eine Novelle zum Wohnungsbaugesetz, doch wurde hier die erforderliche Schlußabstimmung auf den 9. Mai zurügkgestellt. lamentarischen der Deutschnationalen wurde ein barUntersuchungsausschuß zur Prüfung der Verwirtschaftung öffentlicher Gelder im Wohnungsbau eingesetzt, da mehr als ein Fünftel der Landtagsmitglieder sich für den Antrag erklärt hatten. Ein Antrag der Wirtschaftspartei, der das Aufgabengebiet des Ausschusses erweitern wollte, wurde abgelehnt, angenommen dageg ein sozialdemokratischer Antrag, der die Zahl der Aussch mitglieder von 29 auf 21 vermindert. Nach Erledigung einiger Anträge auf Strafvecfalgung von Abgeordneten vertagte sich der Landlag auf Montag, den 4. Mai. . Aufang nächster Woche tritt erneut der Aeste#enrat des meichstags zusammen, um zu der###nge einer Zwischentagung des Plenums Stellung zu nehmen. Noblet endgültig verabschiedet. Nachspiel der Enthüllung des Flotten=Geheimvertrags von 1928. — Paris, 1. Mai. Der bisherige französische Botschaftssekretär de Noblet ist durch Disziplinarurteil des Auswärtigen Amtes in Paris endgültig aus dem Dienst entlassen worden, nachdem er bereits seit 1928 vom Amt suspendiert worden war. Noblet wird vorgeworfen, eine Abschrift des französisch=englischen Flottenabkommens von 1928, dem früheren Vertreter der Hearstpresse, Horan, ausgehändigt zu haben. Die Enthüllung dieses Geheimvertrags, für den u. a. Chamberlain verantwortlich war, hat damals großes Aufsehen erregt. Seine Inkraftsetzung ist nach den Enthüllungen nicht mehr geglückt. Noch vor wenigen Tagen habe Noblet in der Presse gegen die ihm zuteil gewordene Behandlung protestiert und behauptet, das Opfer einer Rechtsbeugung geworden zu sein. — Die Hinrichtung des Versicherungsmörders Tetzner ist nunmehr auf Sonnabend früh 7 Uhr angesetzt worden. Briefkasten. Bremen. Der Nachdruck unserer„Umschau“ in Nr. 96 für dortige Zeitung ist Ihnen gerne gestattet. Irgendeine Bedingung knüpfen wir nicht baran. Nur wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie den„Aufwärts“ als Quelle angeben würden. Hinweis. Der Stolz der Hausfrau ist ein guter Wäschebestand. Gute Wäsche=Qualitäten sind ein Gegenstand dauernder Freude. Im badischen Wiesental ist die Leinenweberei seit Jahrhunderten heimisch. Wiesental=Qualitäten halten ein ganzes Leben lang aus. Die Firma Textilmanusaktur Haagen G. m. b. H. hat ihren Sitz mitten in diesem weltbekannten Fabrikationsgebiet. Die besten WebwarenQualitäten Deutschlands stammen aus dem badischen Wiesental. Sie haben es in der Hand, sich diese Qualitäten zu äußerst günstigen Preisen zuzulegen. Beachten Sie die dieser Nummer beiliegende reichhaltige Liste. Sie werden staunen über die große Auswahl und über die niedrigen Preise für beste Qugsitz waren. Tausende Nachbestellungen beweisen die keit der Textilmanufaktur Haagen G. m. b. H. in ahig(Baden). Haagen Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 3. Mai, Kantate. Samstag, 19.10 Uhr: Beichte und Abendmahl in Jasper. Zion: Pasto, Sonntag. 8½ Uhr: Pastor Brandt; 9 Uhr: Paster 7 meyer; 10 Uhr: Pastor Bischoff; 11½ Uhr: Kindergottesdienh Montag, 20¼ Uhr: Gosen, Gemeindebibelstunde. Donnerslag, 19½ Uhr: Pastor Voigt. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 3. Mai 1931: 10 Uhr vorm.: Gottesdiont Pastor Neuhaus; 1½ Uhr nachm.: Kindergottesdienst. Dienstag, den 5. Mai 1931: 8½ Uhr abends: Bibelstund, im Hellingskamp.— Mittwoch, den 6. Mai 1931: 8½ Uhr abends: Bibelstunde in Gemeindehause. Sehlunbe Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Frei. tag 8¼ Uhr Mitgliederversammlung mit Herrn P. Ba. nicke(Reise nach Ruanda). Sonntag morgen 8½ Uhr Weißkreuzstunde in Gosen. Sonntag nachmittag 3¼ Uhr Vorstand und Vertrauensleute zur Arbeitsgemeinschaf im Paulus=Jugendheim. — Christl. Verein junger Mädchen. Freitag aben) 8 Uhr Besprechung der Hannover= und Harzwanderer in Gruppensaal. Sonnabend, den 2. Mai.30 Uhr Gebets, stunde im Jungfrauensaal. Sonntag.30 Uhr Jahresket im Assapheumssaal. Nur für Mitglieder. Möbliertes Zimmer zu vermieten. Zu erftagen s. der Expedition des Aufwärts. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpoli#lk: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Flüssige Trauben Mundelsheimer Trollinger ¾ Ltr. Fl. tiefrotnur.20 Rotgewächs ¾ Lir.„ rot„.— Bei Abnahme von 50 Fl. tiefrot.— rot.85, sind garantiert naturrein, unvergoren, frei von jeglichen Chemikalien, enthält Vitamine und Duftstoffe der frischen Frucht. Versand von 10 Fl. an(direkt aus erster Hand), bei Bestellung Bahnstation angeben. Karl Schütz, Weingärtner, Mundelsheim. tands Harmoniums erstklassige und solide Fabrikate. Mäßige Preisel Bequeme Tellzahlung Blelsfelder Piano- u. Narmonium-Hdig. Otto Stierstadt Bieleleid, Ellerstrabe 17. Gegr. 1905. Tel. 3787 5 Deinen Kindern eine Heimat, auf eigener Scholle im schuldenfreien Haus % a Pastor Felkes Pinzikrals stärkt Blutarme, Schwache und Nervöse bekanntlich überraschend schnell und nachhaltig. Erhältlich In den Apotheken, wo nicht, direkte Zusendung ohne Preisaufschlag franco gegen Nachnahme (Mk..50 d. Fl.) durch die allein berechtigte Herstellerin: Firma Hermine Schmitz, Duisburg Fabr. pharmaz. Präparate, gegr. 1903 Schöne Kleider für Damen und Kinder, fertig und vorgezeichnet, ebenso Kittel und Schürzen. Strampel= u. Spielhöschen sowie Erstlings=Sachen in schönen Ausführungen und sehr preiswert. Weiß=, Woll= und Kurzwaren Carl Oelemann, Bielefeld, Gütersloher Str. 7. Gegründet 1887. Rein echler Tilsiter vollletikäse mit 48/52% Fett l. T. kostet ab heute nur RM .00 pro Pid. Versend erfolgt nur in Postkollis unt. Nachn., Porto.Verpeckung frei. Friedrich Stotzka Dampfmolkerei Jedwilleiten. Post Motzwethen. Tllsiter Niederung. Deutsche Bausparkasse Berlin Unter den Linden 16 Sehr günstige Zuteilungsverhällnisse. Billige, unkündbare Tilgungsdarlehen für Hausbau, besonders Eigenheime, Hypothekenablösung und andere Zwecke. Prämienfreie Lebensversicherung Verlangen Sie kostenlosen Prospekt F. 57. Jetzt ist es Zeit, Ihre Bestecke zu ergänzen. Die Preise sind wesentlich herabgesetzt. Neue Preislisten bereitwilligst. ERNSTMUNCH, UHRMACHER 7 BRACKWEDE Hauptstraße 81„ Fernsprecher 2426. Suche für unser zuverlässiges Hausmädchen zum 15. Mai oder noch früher Stellung in christlich gesinnter Familie. Frau Pastor Ilgenstein geb. Anna Katterfeld Düsseldorf 36 van der Werffstraße 2. In unser neues Pfarrhaus mit 3 kleinen Kindern suchen wir zu unserer Haustochter eine zweite Haustochter gebildet und fröhlich, deren Eintritt sofort erwünscht ist. Ohne gegenseitige Vergütung. Waschund Putzhilfe vorhanden. Vir. Schmerkotte, Bochum=Werne. W ArarOnotorre Kleine christliche Privat-Pension Otto Roth Luftkurort Auerbach a. d. B. Villa, Garten. Sonnige Lage. Liegehalle. Bürgerl., Küche: Vegetar. und Rohkost. Bad im Hause. Preis Mk..—, Mk..— Unglückliche und Minderbemittelte haben Ermäbigung. In lieblichem Heideort finden zum 1. Juni bezw. 15. Mai 2 jung. Mädchen liebevolle Aufnahme zur gründl. Erlern. von Haushalt, ff. Küche, Schneidern, Weißnähen, Handarb. und Gartenbau. Beste Empfehl. Preis monatlich 50 Mk. Geschw. Forke, Hermannsburg bei Celle. Siche Sotor bunger Kacherlich. Madchen welches mit mir gemeinsam sämtl. im Hause vorkommend. Arbeiten macht. Familienanschl. Taschengeld 20 Mk. Frau Else Auersch, Jüterbog, Dammsiedlung 5 (ab 1. 6. Berlin=Vorort) Ruhig gelegenes Blockhaus zum Selbstwirtschaften für Familie bis 6 Personen geeignet für die Zeit bis Anfang Juli und ab Anfang August zu vermieten. Tongers. Nordseebad Langeoog. Erholungsuchende finden freundliche Aufnahme im Landhaus in waldreicher Gegend. Preis 3,50 bis 4,— Mk. Ongsiek, Theesen 38, Post Schildesche, Kr. Bielefeld. Simmer mit guter Verpflegung Nähe Kurhaus mit voller Pension .50 bis 5 Mk. zu vermieten. Frau L. Wagner Ww., Bad=Nauheim, Burgstr. 25. das Neueste der Saison Waschmusseline Meter zu 95, 70 U0. Wollmusseline 1 65 Meter zu.75,.25,.98 1100 Waschkunstseide 78 Meter zu.90,.30, 98 fU 3 Trachtenstoffe 59 Indanthren.......... Meter zu.15, 90 00 Nunstierbruck„ 78 Indanthren Meter zu.15, 99 1S: zen 10 uni und gestreift......... bieter zu 65, 58 20 0 Wasch-Tweed 0 Meter zu.35,.25 90“ ROMMAE Bielefeld, Obernstraße 35 Bielcfelder Musikinstrumenten-Fabrik ERNSTBAAID Gegründet 1885 prämiiert mit Ehrendiplom und goldner Medaille liefert als Spezialität die von den = Posaunen-Chören= (System Kuhlo) sowie in bester Qualitstauch alle anderen Blechinstrumente, empfohlen durch Paster Runlo in seinen„Posaunenfragen“.— Seite 20—26 — Katalos und Preisliste gratis. Sommergäste finden Aufenthalt in dem schönen Dietzhölztal 5 Minuten vom Walde. Tagespreis: .50 Mark an. Bei Ad. Müller; Metzger, Elbelshausen(Dillkf.) Elektro=Chemo=Ing.(Akad. 35 Jahre, ledig, sucht Stellung bezw. Arbeit, gleich welchgejche, auch Landwirtschaft, bei denen Ansprüchen. Gefl. Astgstesfe. unt. A 1512 an d. Geschäster d. Blattes. Nr. 101. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld). Sonnabend, den 2. Mai 1931. 13. Jahrgang. Zur kirchlichen Lage. Von Pastor Wilm. Die Not der Evangelischen Kirche. Wer die Ueberschrift liest, mag denken, es werde nun von den Nöten gesprochen, welche uns gegenwärtig in der Kirche besonders begegnen; etwa vom Konkordat, dem Kampf gegen„Die Gottlosen“, der kommenden Flut junger Theologen und der Frage, wie diese große Schar für ihren künftigen Dienst gründlich ausgerüstet werden kann. Aber der Vortrag des Professor Karl Barth über das obige Thema, der vor kurzem in„Zwischen den Zeiten" erschienen ist, gibt den willkommenen Anlaß, von der Not der evangelischen Kirche so zu sprechen, daß es eine Besinnung auf die eigentliche Wurzel der Not ist. Ist diese Besinnung wirklich und gründlich geschehen, so fällt von da aus ein Licht auf alle die übrigen Nöte. Man wird merken, wie sie mit dieser Wurzel zusammen hängen, ebenso wie die Früchte des Baumes mit dem Baum selbst. Wie sie dann, wenn die eigentliche Not erkannt ist, auch gar nicht mehr so gewaltig und bedrohlich erscheinen. Wenn im folgenden die Gedanken des Vortrages von K. Barth besprochen werden, so soll damit nicht etwa unseren Lesern die Lektüre des Vortrages selbst erspart, vielmehr sollen sie dazu angeregt werden, sich nun erst gründlich in diese bedeutsame Kundgebung zu vertiefen. K. Barth redet nämlich hier nicht als ein Professor zu Gelehrten, sondern als einer, der eine Botschaft hat, die auch von Laien gehört und verstanden werden kann. In dieser Botschaft und hinter ihr leuchtet die Wirklichkeit des Evangeliums, und der Strahl, der davon ausgeht, leuchtet quer hindurch in alle Richtungen der Evangelischen Kirche hinein. Liberale und Orthodoxe, Gemeinschaftsleute, aber ebenso Barthianer, die es ja jetzt auch schon gibt, werden sich hiervon zu sagen lassen haben. Die Not der evangelischen Kirche hängt nämlich nach Professor Barth aufs engste zusammen mit dem Evangelium. Darum unterscheidet B. eine Not, die der evangelischen Kirche unveräußerlich ist, ja man könnte fast sagen, die ihr Ruhm sein sollte, von der Not, die darin besteht, daß sie immer wieder in der Gefahr ist, dieser ersten Not auszuweichen. Wir bekennen in der evangelischen Kirche einen Christus, der den Verbrechertod„außer dem Lager", außer dem heiligen Bezirk des Tempels, gestorben ist. Damit ist die unaussprechlich große Botschaft gegeben, daß Gottes Barmherzigkeit eben in dieser Tiefe der Niedrigkeit sich uns den Sündern, den Feinden, den an ihm Schuldiggewordenen offenbart, daß also die Kirche, die dies bekennt, eine Kirche der Sünder sein und bleiben muß. Daß sie sich selbst als der irdische Leib Christi eben immer nur in ihrer irdischen Armut anzusehen hat, während er der Herr immer das himmlische Haupt bleibt, welches von der ewigen Welt her in der Freiheit der Gnade seine Gaben uns den Armen immer aufs neue schenkt. Wie tief hier der grundsätzliche Unterschied gegenüber der katholischen Kirche geht, mag erläutert werden durch den Anfang der Rede des Papstes im Rundfunk. Es heißt da: An die gesamte Schöpfung. Durch Gottes unerforschlichen Ratschluß sind Wir der Nachfolger des Fürsten der Apostel. deren Lehr= und Predigtauftrag nach Gottes Befehl sich auf alle Völker und die gesamte Schöpfung erstreckt.—... So wenden wir uns zuerst an das ganze All und an alle, indem Wir mit der Heiligen Schrift sprechen: Höret ihr Himmel, was ich sage. Es höre die Erde die Worte meines Mundes. Höret das alle Völker, vernehmt das mit eurem Ohr, alle, die ihr den Erdkreis bewohnt, reich und arm allzumal. Höret ihr Inseln und merkt auf, ihr Völker in der Ferne.“ Die unheimliche Vermischung zwischen Menschlichem und Göttlichem ist hier deutlich genug. Hier hat das himmlische Haupt nichts mehr zu sagen. Der„Stellvertreter Christi“ ist ganz an seine Stelle getreten. Hier muß sich alles, was etwa von falscher Begehrlichkeit nach solcher Herrlichkeit der Kirche in uns wohnt, auflosen in Schrecken und in der Sorge davor, daß wir nicht auch nach diesem schillernden Glanz, der Vermischung von Göttlichem und Menschlichem begehren, sanz gleich, ob wir diesen Glanz in einer Art geistlicher Nachtstellung, mit der wir uns immer vor der Macht der römischen Kirche fast lächerlich vorkommen müssen, süchen, oder in einer Versichtbarung der Gemeinschaft der Heiligen. Alles, was wir haben, haben wir nur in der Buße, im Glauben und im Beten, also nur in der Armut. Das ist die unausweichliche Not der evangelichen Kirche, die zu ihrem Wesen gehört. Eine Not steilich, bei der man jauchzen kann im tiefsten Schmerz, der Kraft Gottes froh werden kann in der äußersten schwachheit, reich bleibt in der bittersten Armut. Nach der grundsätzlichen Erwägung über die Not der edangelischen Kirche, welche bleiben muß, bespricht Proessor Barth die heutige, die aktuelle Not, gegen weiche protestiert werden muß. Diese aktuelle Not beschreibt er nach den beiden Seiten, nämlich als Flucht vor der Sichtbarkeit der Kirche und zweitens us Flucht in die Sichtbarkeit. Das Reden von der unsichtbaren Kirche, wie es besonders in früherer üblich war, meint nach ihm eigentlich, daß man eine Kirche möchte„ohne bestimmtes Recht, bestimmtes emr, bestimmtes Bekenntnis, Kirche ohne diese störenden Menschlichkeiten“. In Zusammenhang mit den vorhergehenden grundsätzlichen Erwägungen weist B. deutlich den schweren Irrtum auf, der in dieser Flucht vor der Sichtbarkeit der Kirche liegt. Ist nämlich die Kirche von Hause aus die Kirche der Sünder, so ist gerade das offene Zutagetreten ihrer Schwachheit und Anfechtbarkeit ein Präjudiz(Beweis) dafür, daß der Gott, der nun einmal in die Niedrigkeit eingegangen ist, hier gegenwärtig zu verkündigen und zu hören ist. Indem die Kirche die Vergebung verkündigt, stellt sie sich unter die Vergebung auch mit ihrem eigen Sein und Tun. Wer sich ärgert an dem hier aufbrechenden Gegensatz, der sehe zu, ob er sich nicht im Grunde an Christus ärgert. Man kann also nicht Christus wollen und den ihn repräsentierenden Nächsten, die Gemeinde seiner Gläubigen, den Pastor und das Konsistorium sin ihrer Sünden offenkundiger Maienblüte, (bei dieser Aufzählung hätten die Professoren der Theologie nicht fehlen dürfen), die menschliche Institution in ihrer ganzen Bedenklichkeit, nicht wollen oder doch nicht ernst nehmen.“ So befreiend diese Ausführungen in der Prof. Barth eigenen herben Art sind, er gestattet uns nicht, uns dabei zu beruhigen, sondern zeigt uns als die größere Gefahr die„Flucht in die Sichtbarkeit.“ Ja, wenn die Wendung zur Sichtbarkeit weiter nichts als die schlichte Rückkehr zum Kreuz Christi und zum Glauben Ann laßt das Zeil euch schenken, Sein hoher Tag erschien! Wir gehn hinaus und denken An Ihn, an Ihn, an Ihn. Die lieben Glocken klingen: Der Zerr, der Zerr, der Zerr! Und uns're Zerzen singen: Ja, Amen! Ja, nur Er! Wir wandern Ihm entgegen, Still durch das stille Feld, Es liegt auf unsern Wegen Der Glanz der andern Welt. Boersing. bedeutete! Aber hier kommen nun alle die heute üblichen Schlagworte vom Charakter, Oeffentlichkeitswillen, Tatwillen usw., welchen die Kirche haben müsse. Barth stellt hier noch einmal mit ganzem Ernst die Grundfrage, ob die Kirche wirklich das Evangelium hat. Der Herzpunkt dieser Ausführungen scheint mir ein Abschnitt zu sein, der im Vortrag selbst nicht gesprochen, sondern später eingerückt ist. Die Botschaft Christoph Blumhardts, die später von Hermann Kutter besonders in„Not und Gewißheit“ ausgenommen ist, klingt in diesen Zeilen wieder. Es heißt da: „Wenn die Kirche wirklich das Evangelium hätte, dann müßte dies sein: Das Evangelium von der Vergebung, von der barmherzigen Gegenwart Gottes eben in der rettungslosen Tiefe menschlicher Schuld und Not, von dem von ( ristus vollbrachten Tragen und Hinwegtragen der Sünde der Welt. Sichtbar werden müßte dann in der Kirche die Nichtzurechnung des Bösen, der radikale Unglaube an die Gottlosigkeit, die unbesangene Nicht=Anerkennung des Aufruhrs des Menschen, auch und gerade des modernen Menschen. Sichtbar werden müßte dann, daß sie diesen Menschen vor allem und in allem, was sie ihm vorzuhalten hat, was sie ihm sagen und geben zu können meint, worin sie ihn anders haben möchte, resolut, vorbehalts= und bedingungslos zu Gott rechnet. Wird nun etwa das sichtbar in der Kirche? Oder ist es nicht so, daß sie fast auf der ganzen Linie die Sünde des Menschen tatsächlich ernster nimmt als die Gnade Gottes, daß sie sie als unvergebene, statt als vergebene Sünde betrachtet und behandelt, daß sie in Wort und Haltung an Stelle der freien, an Unwürdige ergehenden Verheitzung Ideale verkündigt, deren Erfüllung oder doch Nacheiferung uns des Friedens mit Gott erst würdig machen soll. Weiß sie überhaupt noch, daß es zweierlei ist:„All Sünd' hast du getragen“ und: die Aufmunterung zum Kampf um religiöse Erneuerung, sittliche Reinheit, persönliche Freiheit, völkische oder soziale Gemeinschaft. Ist ihre Verkündigung nicht gerade da, wo sie sich am eindringlichsten und ausdrücklichsten an die ihr scheinbar entgleitende Welt, an die Gebildeten, an die Arbeiter, an die Jugend wendet, kaum oder auch gar nicht verhüllte Gesetzespredigt. Und zwar nicht etwa Predigt des Gesetzes Gottes, sondern eines sehr menschlichen Gesetzes, gar nicht verschieden von dem, das Paulus und Luther in der Kirche nicht wieder gepredigt haben wollten. Das Gesetz Gottes könnte doch nur da verkündigt und geglaubt werden, wo zuvor das reine, d. h. bedingungslose, keinerlei Gegenseitigkeit vorsehende Evangelium verkündigt und geglaubt ist. Das Gericht über die Sünde und der Streit gegen sie könnte doch nur da ernst sein, wo die Gnade viel ernster genommen ist als alle Sünde. Wann wird einmal statt alles groben und seinen Gesetzesernstes dieser Ernst wieder sichtbar werden in der Kirche?“ Warum ist dies so wichtig? Weil wir vielfach in der evangelischen Kirche von der Werkerei noch nicht losgekommen sind, die darin besteht, daß man Buße, Glaube, Wiedergeburt vor die Tatsache der Anerbietung der Gnade Gottes in Christo setzt; als könnte man durch sie das Heil erwerben, während doch umgekehrt die Tat Gottes, welche die Gottlosen mit umschließt, erst Buße, Glauben und Wiedergeburt wecken kann. Und auch darum ist diese Betonung der Gnade Gottes, die sich anbietet, so wichtig, weil nur unter dem Sonnenlichte dieser Tat die Liebe werden kann, welche niemanden und nichts aufgibt. Am Schluß seines Vortrages bringt Dr. Barth dann noch sehr eindringlich einen Protest vor gegen alle die Bestrebungen, welche das Evangelium mit einem Bindestrich versehen. Er nennt insonderheit deutsch=evangelisch. Aber mit gemeint ist auch alles Aestetische, geistreiche geschäftig betriebsmäßige Christentum. Ganz gewiß, hier ist die Mahnung am Platze, daß alles, was neben Christus sich wichtig macht, in die Abgötterei hineinführt. Es ist sehr zu hoffen, daß der ins Zentrum hineintreffende Stoß Barth's nun auch gehört wird, und daß die Bewegung, die davon ausgehen kann, nicht sobald zur Ruhe kommt. Gern würde ich mit diesem Bericht schließen, aber zu dem Nachtrag, welchen Barth seinem Vortrag in einer Auseinandersetzung mit Generalsup. D. Dibelius hinzufügt, kann ich nicht ganz schweigen. In die sachliche Erörterung, die hier geschieht und in welcher Barth dagegen protestiert, daß Dibelius an dem Sinn seines Vortrages ganz vorbeigehe, mische ich mich nicht hinein. Ich nehme an, daß Barth in diesem Protest sachlich durchaus recht hat, aber gerade auch unter dieser Annahme erfüllt mich die Art, wie der Professor mit dem Gegner umgeht, mit Schmerz. In Quousque tandem war ja der harte Ton des Streitens ganz ebenso und vielleicht noch mehr zu bedauern als hier. Wir Alten, die wir Vater Bodelschwingh gekannt haben, wissen, daß es nicht nur eine helfende, zarte, sondern auch eine kämpfende, ja zürnende Liebe gibt. Nur daß bei Bodelschwingh eben in diesem Kämpfen, Zürnen, welches den Gegner packte, immer etwas war, das ihn zugleich umschlang. Weil eben das Kämpfen, Zürnen aus der Liebe, die den Andern sucht, herauskam. Auf solche Weise konnte Bodelschwingh nicht nur einen irrenden Bruder von der Landstraße, sondern ganz ebenso einen Kirchenmann oder Professor, den er auf einem verkehrten Wege sah, überwinden. Und das, was hier überwand— das muß aufs stärkste unterstrichen werden— war nicht der Mensch, sondern es war Gott, dessen Liebe sich der andere in dem Ringen Bodelschwingh's entgegengestellt wußte. Ich urteile hier nicht darüber, ob dem Professor als Person diese Liebe fehle; ebensowenig wie er bei seinen scharfen Worten meinen wird, daß D. Dibelius als Person in die Gemeinde zu Laodizea gehöre. Wir erkennen voneinander nur das, was aus unseren Worten wirkend in unseren inwendigen Menschen dringt. Und da kann ich eben nur mit Schmerz feststellen, daß ich den werbenden, ringenden, bittenden, ja auch zürnenden Ton der Liebe aus dem Nachtrag des Vortrages nicht heraushöre. Es muß dies gesagt werden, weil sich hier eine Gefahr für die vielen unter den jüngeren Theologen ergibt, welche auf Professor Barth hören. Ganz gewiß hat das Eifern mit Unverstand, in welchem sich„Barthianer“ hier und da hervortun, dem Professor selbst schon manche Not bereitet. Es ist ja aber auch keine Frage, daß man die Position Barth's— wie jede andere— mit einem kalten Herzen annehmen kann. So mancher denkt sich da hinein und ist nun auf einmal erhaben über alles bisherige Christentum, ja, auch über seine kirchlichen Behörden usw. Hier kann dann— und diese Fälle liegen schon vor— eine eckige Starrheit entstehen, die das zweite Uebel ärger macht als das erste. Werden die Wasser des Glaubens wie durch eine Schleuse abgeschlossen, so mögen sie sehr hochsteigen, aber schließlich könnte es wiederum ein träges, stockendes, faulendes Wasser geben. Glaube und Liebe verhalten sich zu einander wie zwei kommunizierende Röhren. Wenn das Wasser in der Liebe nicht ebenso hochsteigt, wie es vom Glauben herströmt, dann ist etwas nicht in Ordnung. Gerade, weil ich mit tiefer Freude wahrgenommen zu haben glaube, daß von Professor Barth und seinen Freunden um ihn her die Wirklichkeit des Evangeliums wieder neu gesehen ist, kann ich nur bitten und hoffen, daß der Glaube an diese Wirklichkeit sich nun auch in eine Bewegung der Liebe umsetzt. Wir fahren daher wie auf einem schwankenden Schiff. Wenn da einer gleitet, dürfen wir nicht zustoßen, sondern nur zufassen, daß er nicht falle. Noch einmal: Damit soll dem Austragen sachlicher Gegensätze nicht das geringste abgebrochen werden. Echte Liebe ist gegen Vertuschen noch viel empfindlicher als die kühle Stellung, die weder Haß noch Liebe ist. Stammt aber die Liebe von Gott her, so wird sie umso brennender und werbender, je mehr sie den andren irren sieht. Noch ist die evangelische Kirche, wie sie sein soll, ein Gegenstand der Hoffnung. Aber alle, die hier hoffen und in solchem Hoffen zu reden haben, sollten glaubend und bittend zusammenstehen, daß diese Kirche, auf die wir hoffen, nicht nur einen Strahl der Wahrheit, sondern die ganze Sonne im Glauben und in der Liebe wiederspiegelt. Die Leser, welche sich's nicht haben verdrießen lassen, den vorangehenden Abschnitt gründlich in sich aufzuneh men, werden verstehen, warum nun hiernuch die sogenannten aktuellen Nöte der evangelischen Kirche kurz behandelt werden können. Ueber das Konkordat, den Vertrag des Staates mit der Kirche, ist ohnehin reichlich geschrieben worden. Im Zusammenhang mit dem Vorhergehenden sei darum hier nur gesagt, daß diese ganze Frage des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche ja wohl wichtig ist, aber doch nicht die Lebensfrage bedeutet. Jede Organisation der irdischen Kirche bleibt ein Notbau, ein Gerüst um das Eigentliche des Evangeliums herum. Dies Gerüst wird immer nur für eine Zeitlang hergerichtet werden können, um dann später wieder einem neuen Gerüst zu weichen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die Geschichte der evangelischen Kirche in Schottland. Mit welcher Begeisterung hat sich dort in der Mitte des vorigen Jahrhunderts die Freikirche vom Staat gelöst und lange Zeit auch blühend entwickelt. Später zeigte sich die Gefahr, daß auch die Freikirche abhängig werden konnte von sehr irdischen Mächten, nämlich ihren wohlhabenden Mitgliedern. Nun hat sich dieselbe Kirche wieder mit der Staatskirche verbunden und nimmt an den Gütern des Staates mit teil. Gewiß, nachdem der Staat auch dort auf bestimmte Rechte verzichtet hat! Es läßt sich gar nicht voraussagen, ob und welche Gefahren eintreten, wenn der Staat durch das gegenwärtige Konkordat einen Rest von Rechten beansprucht. Da müssen wir beweglich bleiben. Kommt der Fall, daß das Gewissen der Kirche vom Staat vergewaltigt werden soll, dann ist es immer noch Zeit, wieder ein neues Notgerüst, vielleicht in einer Freikirche, aufzubauen. Auch die uns gegenwärtig so sehr bewegende Frage des Kampfes vonseiten der„Gottlosen“ empfängt durch die vorangehenden Erörterungen ihr Licht. Gewiß, die ja auch im„Aufwärts“ so vielfach besprochenen Erscheinungen dieser Bewegung haben etwas Furchtbares. Furchtbar aber nur im Blick auf die Armen, die hier in solcher erschütternden Weise ihre seelische Dunkelheit kundgeben. Für das Evangelium ist nichts aber auch gar nichts zu fürchten. Mit Entrüstungsaktionen ist wenig oder nichts geholfen. Brennend ist nur die Frage, in welcher Weise die Kirche diesen„Gottlosen“ die Liebe, die sie ihnen schuldig geblieben ist, nunmehr neu beweisen kann. Darüber ein anderes Mal meyr. auf Gott stellen. Man kann wohl von einer verwegenen Zuversicht reden, die sich in den Briefen Luthers von der Koburg kundgibt. Die Wirklichkeit Gottes war sein Lebenselement. Am deutlichsten spricht sich das aus in dem Grundgedanken der letzten Predigt auf der Koburg: „Gott hat es mit dem Nichts zu tun.“ Christ sein heißt also: auf dem Nichts stehen und einen Gott haben und an ihn glauben,„der aus einem leeren Beutel könne Geld zahlen und aus einer leeren Kanne könne jedermann genug zu trinken geben.“ Solchen verwegenen Glaubensstand brauchen wir heute in der deutschen evangelischen Mission. Wohin wir auch schauen: Not und Bedrängnis. Die Kassen sind zwar nicht geradezu leer, aber im Vergleich zu dem, was sie leisten sollten für die Arbeit draußen, in einem Zustand bedenklicher Ebbe. Woher Brot nehmen, um sie alle leiblich und geistlich zu versorgen, die von der Mission leben müssen? Offene Türen für die Ausbreitung des Wortes und keine Mittel, Arbeiter auszusenden und in die Ernte zu stellen! Eine wachsende Not. Sollte ihr nicht abzuhelfen sein? Wir möchten das doch glauben, trotz aller Verarmung unseres Volkes und der überall herrschenden Arbeitslosigkeit. Es gibt noch viele evangelische Gemeinden in unserm deutschen Vaterland, wo jahraus jahrein einfach nichts oder kaum etwas getan wird für die allgemeinen Zwecke des Reiches Gottes! Man sollte einmal eine Statistik veröffentlichen über die Kirchenkreise und Gemeinden nach ihren Leistungen für die innere und für die äußere Mission. Ist es nicht beschämend, wenn es Gemeinden gibt und ganze Kirchenkreise, wo die Leistungen für die Heidenmission auf den Kopf der Bevölkerung und fürs Jahr berechnet knapp einen Pfennig oder zwei beträgt! Da sage niemand, es könne nicht mehr sein! Daneben stehen Gemeinden mit mehr als hundert Pfennigen pro Kopf der Bevölkerung im Jahr. Man sagt: „Ja, das ist auch eine lebendige Gemeinde und jene sind tot!“ Vielleicht würden jene toten Gemeinden lebendig, wenn sie erst einmal anfingen etwas zu tun. Die Erneuerung unseres Volkes ist nicht mit Worten zu erreichen, sondern durch Taten. Auf allen Gebieten heißt es: Hand anlegen!— Ja aber, sind nicht die Kirchengemeinden selbst in einer üblen Lage? Gewiß, manche vielleicht aus demselben Grund wie unser ganzer„Staat“, in dem man sich seit Jahren gewöhnt hat— mehr auszugeben, als da war. Wie wir in den Berichten der Rheinischen Mission lesen, hat man sich dort entschlossen, den Jahresvoranschlag mit den zu erwartenden Einnahmen dadurch ins Gleichgewicht zu bringen, daß man eine Kürzung sämtlicher Ausgaben um ein Drittel in der Heimat und draußen anstrebt. Ob das gelingt, ist nicht vorauszusagen; aber der aufrichtige Wille dazu ist da. Die Rheinische Mission hat nicht nur die größte Zahl von Heidenchristen,(nahezu 450000) sondern unterhält auch von allen deutschen Missionen die meisten europäischen Missionsarbeiter auf ihren Missionsfeldern. Die Maßregel der Kürzung der bisher verwilligten Gehälter wird also daheim und draußen die Mitarbeiter am Werk ganz besonders stark treffen. Auch aus anderen Missionsberichten erfahren wir von ähnlichen bedenklichen Verhältnissen. Warum reden wir davon? Weil die Lage unserer evangelischen Missionen täglich ernster wird, so ernst, daß ihr Fortbestand in Frage gestellt ist, wenn die Entwicklung auf diesem Wege weiter läuft. Wer würde beim Zusammenbruch der Erbe sein? Rom, das mit aller Macht an der Arbeit ist, die evangelische Mission zu überflügeln. Dies sollte laut in alle Kreise des evangelischen Volkes hineingerusen werden. Wir wissen, daß Gott allein unser Werk retten und durchbringen kann, und darum wollen wir alles auf ihn stellen. Das bedeutet aber nicht, die Hände in den Schoß legen. Alle deutschen evangelischen Christen sind mitverantwortlich für das Werk der Heidenmission und müssen die Verantwortung viel tiefer erfassen als wie bisher, wenn die evangelischen Missionen durch diese schweren Zeiten hindurchkommen sollen. Vereinzelt mögen die Gesellschaften Werte haben, die sie veräußern können. Aber sie sind allenthalben nur gering, und ihre Veräußerung wäre nur eine kleine Hilfe. Außerdem nennt man das: von der Substanz leben, und das ist immer sehr bedenklich. Was allein den Missionsgesellschaften wahrhaft helfen kann, ist das Oelkrüglein der Witwe, das sich in den Händen ihrer Freunde befindet und sich neigen muß, herzugeben so lange etwas darin ist. Gott kann es machen, und Gott kann auch dürftige und kärgliche Vorräte so segnen, daß es ausreicht. Auf ihn schauen wir, und um einen so verwegenen Glaubensstand, wie ihn Luther hat, bitten wir: Alles auf Gott stellen, dessen Vermögen weder Ende noch Schranke hat. G. M. Frühlingsmond. schlummert in Abendfrieden tein liebliches Gärtlein ein, Jarzissen und Blütenbäume Rüßt sanft der Mondenschein. Im Leuchten des träumenden Vilands Ich stille in Andacht steh'. Ein Glanz von ewiger Schöne Liegt über dem Blütenschnee. as sind der Menschen Werke Und was ihr Geist erfand, Gott, gegen das blühende Leben Aus deiner Schöpferhand! In deiner Schönheit und Liebe Ruht meine Seele aus. Ich ahne die zerrlichkeit droben In meinem Daterhaus. Kurt Tietze. Wille zum Opfer— Wille zur Führung. Worin hat die Not unserer Zeit im letzten Grunde ihre Wurzel?— Ich meine, es läßt sich mit einem einzigen Satze sagen: Es fehlt uns der Wille zum Opfer. Ohne den Willen zum Opfer, einem Opfer, das auch vor letzten Wegen nicht zurückschreckt, ja zur Hingabe des Lebens bereit ist, ist kein Leben auf Erden möglich. Erst recht kein Gemeinschaftsleben. Wo man das Opfer scheut, kann kein Leben entstehen. Und wo ein jeder, jedes Alter, jedes Geschlecht, jeder Stand nur sich selbst behaupten will, muß jedes Gemeinschaftsleben zerfallen. Ist unser deutsches Volk zum Opfer fähig?— Ich glaube, wir können das uneingeschränkt bejahen. Wir brauchen nur einen Blick in die deutsche Geschichte zu werfen. Ohne den Willen zum Opfer wäre Deutschland nie wieder aus der Not des 30=jährigen Krieges hochgekommen. Ohne den Willen zum Opfer wären die herrlichen Taten der Freiheitskriege nicht möglich gewesen. Wir wissen auch, wie der Wille zum Opfer noch zu Beginn des Weltkrieges hoch empor flammte,— eine hehre, heilige Flamme. Was hätte werden können, wenn sie geschürt und genährt worden wäre?! Gibt es denn heute keinen Willen zum Opfer mehr in unserem Volke?. Ganz gewiß, es gibt ihn noch immer. Mehr vielleicht, als wir glauben. Unsere Anstalten für Arme und Elende, für Krüppel und Kranke, für Heimatlose und Verlorene könnten nicht bestehen, wenn es keinen Willen zum Opfer gäbe. Es war in der Inneren Mission schon immer so und ist es heute erst recht, daß es die Scherflein der Armen sind, wirkliche Scherflein, die die Werke der Liebe erhalten. Wer Gelegenheit gehabt hat, sich bittend für ein Liebeswerk an seine Mitchristen zu wenden, der ist oft erstaunt, ja ergriffen über die Opferwilligkeit, die sich noch heute in weiten Kreisen findet. Aber auch außer den eigentlichen christlichen Kreisen lebt noch viel schöner Opfersinn, gerade auch unter den„kleinen Leuten.“ Wieviele Männer und Frauen stellen Zeit und Kraft mit seltener Treue in die ehrenamtliche Mitarbeit in der Wohlfahrtspflege, die nichts einbringt, aber viel Mühe und Arbeit fordert, auch manche Sorge und manche Enttäuschung erleben läßt. Wie manche, schlichte Frau wird nicht müde, Kranken oder sonst irgendwie notbedrängten Nachbarn echte, tatkräftige Nächstenliebe zu erweisen, unter persönlichen Opfern nach den Kindern zu sehen, das Essen zu kochen usw. Wenn wir Einblicke in manche als„rot“ verschriene Arbeitervorstadt gewinnen, staunen wir, wie wir umlernen müssen, und wie die„Samariter" noch heute die„Priester und Leviten“ oft genug beschämen. Der Wille zum Opfer ist da, ist noch heute in unserem Volke da. Das ist keine Frage. Aber woran liegt es dann, daß unser Volk als Ganzes dennoch am mangelnden Willen zum Opfer krankt, ja, daß es an ihm zu sterben droht, wenn nicht bald ein Wandel einVielleicht können wir auch das mit einem Satze beantworten: Es fehlt der Wille zur Führung. Der Wille zum Opfer ist bei unzähligen einzeln da, aber er gleicht den Tröpflein, die im ausgedörrten Erdreich versickern und die doch von einem starken einheitlichen Willen in ein Bechen geleitet zum vollen befruchtenden lebenwechenden Strome werden könnten. Wir haben es voll innerer Erschütterung er, lebt, wie der Wille zum Opfer während des Weltkrieges gestorben ist, weil niemand da war, der die heiligFlamme der Opferbereitschaft pflegte und nährte, son, dern die, die die politische Führung hatten, das Feuer dämpften und verdeckten, bis es schließlich elend verglomm und ein trostloser Aschenhaufen übrig blieb, Und als das Feuer des Opferwillens noch einmal im kampfe hoch emporloderte, hat man es auch nicht verstanden, die Flamme brennend zu erhalten, sondern haf es durch die Politik der Kompromisse und Konzessioner gedämpft und gelöscht. Es ist fast ein Wunder, daß es noch nicht ganz erstorben ist. Was wir brauchen, ist der Wille zur Führung. der den Willen zum Opfer entflammt und leitet. Das erschütternde Versagen des Willens zur Führung in den letzten Jahrzehnten ist unser Verhängnis geworden. Wo sich ein Führer findet, der den Willen zum Opfer zu wecken versteht, da wird er immer Gefolg. schaft finden. Wir sehen das an den Nationalsozialisten. was ist es, das ihnen die besten unter der Jugend zuführt? Was auch ältere Leute mit starkem vaterländischem Empfinden trotz mancher Bedenken in einzelnen Punkten dennoch begeistert in ihr Lager übergehen läßt; Doch wohl in erster Linie dieses, daß sie hier eine Führung spüren, die den Mut hat, ein ganz großes Ziel zu zeigen, und die es versteht, den Willen zum Opfer zur Erreichung dieses Zieles zu wecken. Während der Kommunismus für diese Erde den jetzt Enterbten goldene Berge verspricht und dadurch die Massen an sich zieht, scheut sich der Nationalsozialismus nicht, zu betonen, daß nur durch schwerste Opfer eines jeden Deutschen die Freiheit gewonnen werden kann. Vielleicht wird sich daran in erster Linie die Zukunft unseres Volkes entscheiden, ob es der jungen vaterländischen Bewegung gelingt, an Stelle der ängstlich abwägenden Politik, die doch im Grunde der selbstsüchtigen Furcht vor dem Opfer entspringt, den Willen zum Opfer in der Leitung des Staates zu setzen. Aber nicht nur in der Politik, auch auf den meisten anderen Lebensgebieten ist die Not unserer Zeit der Mangel einer Führung, die den Willen zum Opfer in die rechten Bahnen leitet. Wo irgend der Wille zur Führung da ist, der vor der Forderung des Opfers nicht zurückschreckt, kann er Größtes erreichen. Kein Aufruf zu einem Opfer für die von der Not der Zeit am Härtesten Betroffenen ist noch vergeblich verklungen, wenn er mit Führung und Organisation verbunden war. So hatten in Sachsen in der Adventszeit die Dresdener Superintendenten(Stadt und Land) in ihrem Sprengel einen Aufruf für eine Fastenwoche erlassen, in der jeder zum Besten der Erwerbslosen auf irgend etwas verzichten sollte, sei es in der Ernährung und Kleidung, sei es auf ein Vergnügen, um aus dem ersparten Gelde eine großzügige Hilfeleistung zu ermöglichen. Der Aufruf hatte einen überraschenden Erfolg. Die Summe übertraf alle Erwartungen und brachte viel Weihnachtsfreude in die Wohnungen der Armut, ja, ein bedeutender Fonds zum Kampfe mit der Not des Winters in den Gemeinden jener Sprengel blieb übrig. Dieses Beispiel ließe sich leicht vermehren. Wo jemand die Führung in die Hand nimmt und an die Herzen zu greifen versteht, da wird er nie vergeblich bitten. Auch die Erfahrung kann oft gemacht werden, daß so mancher nur darum nicht opfert, weil er nicht die rechten Wege zum Opfer sieht. Es steckt viel Wahrheit in den Gedanken Vater Bodelschwinghs, daß es ein Werk der Barmherzigkeit ist, den Reichen zu zeigen, was sie mit ihrem Reichtum machen sollen. Ein Werk der Barmherzigkeit ist fraglos jede Zusammenfassung, jede Organisation einer Hilfeleistung in unserer Zeit. Ein Werk der Barmherzigkeit an unserem ganzen Volke ist auch die Erziehung zum Opfersinn, an dem ein jeder mitarbeiten sollte, der irgend zur Führung auf irgend einem Lebensgebiete berufen ist. Zum Opfer ließen sich Unzählige bereitfinden, nicht nur im Geben, sondern auch in der Mitarbeit, sowie in der Gestaltung der ganzen Lebenshaltung, wenn nur ein zielklarer, kraftvoller, ich möchte fast sagen unter Umständen rücksichtsloser Wille zur Führung da wäre. Es ist gewiß nicht von zu unterschätzender idee!ler Bedeutung, wenn der Einzelne etwa auf ausländische Genußmittel verzichtet, sich an Roggenbrot halt und sich ähnliche Beschränkungen auferlegt. Aber praktisch nützt es doch nur wenig, was der Einzelne in seiner Vereinzelung tut. Und daß man sich das sagen muß, lähmt die Opferfreudigkeit in ungeahntem Maße. Aber wenn sich ein Führer findet, der den Mut hat, in seinem Kreise Opfer zu fordern, dann wird er bestimm! immer ein freudiges Echo finden. Die Entwicklung der Geschichte Italiens im letzten Jahrzehnt ist ein unwiderlegliches Beispiel dafür. Mussolini macht es seinen Mitbürgern ganz gewiß nicht bequem, aber er zeigt ihnen Wege, um unter Opfern zum nationalen Aufstieg 3“ gelangen, und so hat er sein ganzes bisher so träges und gleichgültiges Volk hinter sich. Wann wird uns Deutschen endlich die Führung““ schenkt werden, die das, was an Opfersinn und innere: Größe noch in unserem Volke lebendig ist, aufwecht, stärkt und leitet, bis an die Stelle der öffentlichen Selbst sucht der Opferwille des ganzen Volkes tritt? Nur durch solch einen Opferwillen können wir hoffen, uns aus der gegenwärtigen Versklavung zu lösen. A. Katterfeld. eistleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: H. Huttel; Anzeigen: K. Diehmann; alle in Bethel