Bezugspreis: wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .56 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.96(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Auser Ziel.“ Anzeigenpreis: Nr. 90. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bieleseld), Sonntag, den 19. April 1931. 13. Jahrgang. Gott, der du reich bist an Erbarmen, Nimm dein Erbarmen nicht von mir Und führe durch den Tod mich Armen Durch meines Heilands Tod zu dir. Da bin ich ewig recht erfreut Und rühme die Barmherzigkeit. Phil. Friedr. Hiller, geb. 1699. Barmherzigkeit Gottes. Die Güte des Herrn ist es, daß wir nicht gar aus sind. Seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende. Klagelieder 3, 22. Klagelieder werden viele gesungen, täglich und reichlich, besonders in unserer Zeit. Kaum, daß man noch einem Menschen begegnet, der sich nicht für verpflichtet hält, ein solches anzustimmen. Merkwürdig, auch die Bibel hat ein Klagelied! Gott kennt unsere Herzen. Er weiß, daß wir von ihm gezüchtigten Menschenkinder ohne Klagen nicht fertig werden. Aber in diesem Buche der Klagelieder können wir lernen, wie der Christ, der mit Gottes Lebendigkeit rechnet, der also glaubt, klagen soll. Gott verlangt niemals Uebermenschliches von uns. Nur Menschen verlangen von Menschen Uebermenschliches. Gott befiehlt nicht roh und rauh:„Schluß mit Euren Klagen!“ Im Gegenteil, man kann Menschen nicht genug anraten, vor Gott zu klagen anstatt vor Menschen. Vor Gott wirst Du mit Deinem Klagen verstanden, vor Menschen findest Du oft für Deine tiefste Not kein Verständnis. Ja, Du selbst bist auch gar nicht imstande, Deine Klagen richtig vorzubringen. Gott aber weiß, was in unseren Herzen ist. Er ist nicht angewiesen auf unser unzureichendes Wort. Die Tiefe unseres innersten Wesens ist seinem Blicke nicht verborgen. Dies Buch der Klagelieder will betend gelesen sein. Seine Klage solltest Du zu der Deinen machen. Ebenso will mancher Notschrei aus dem Psalm und mancher Hilferuf der bedrängten Leute, die mit ihrer Not zu Jesus kamen, Dich lehren, wie man mit seinen innersten Schwierigkeiten zu Gott kommen soll. Vielleicht bist Du gerade einer von den Blinden, die gern sehen möchten, eine von den Müttern, deren Töchter übel geplagt werden, eine von den Weinenden, wie jene Witwe von Nain, die keine Worte finden konnte für ihre Klagen. Ja, die Heilige Schrift will Dir helfen, gerade Deine Not vor Gott zu bringen. Denn das ist eine köstliche Hilfe. Die Heilige Schrift ist ja nicht nur Lob und Preis und Dank und Anbetung. Das Wort Gottes ist auch Klagewort hart mit der Not ringender Menschenkinder. Aber inmitten des Klageliedes steht dies köstliche 3. Kapitel. Es lehrt, daß Christen ihr tagtägliches Leben in einem ganz anderen Lichte betrachten sollen, als sonst jemand in der Welt. Es ist noch nicht alles aus! Du wirst freilich sagen: Wahrhaftig, ein schwacher Trost! Aber nach Gottes Meinung ein großer Halt. Seine Barmherzigkeit ist noch nicht am Ende. Dann erst ist Grund zu wirklicher Klage, wenn das Furchtbare eintritt, daß sich Gottes Barmherzigkeit in Verstockung, seine Gnade in endgültiges Gericht verwandelt. Aber noch ist das Letzte nicht da, noch ist Gnadenzeit, noch steht die Menschheitsgemeinschaft unter dem Kreuz, noch gibt Gott der Christenheit auf ihre Bitte den Geist, noch schenkt er durch denselben Geist neues Leben, noch sind die Pforten der Ewigkeit nicht geschlossen durch den, der den Schlüssel des Totenreiches(Hölle) in seiner Hand hält. Ist das wenig, daß wir einen Herrn haben, der uns das Klagen nicht verwehrt, sondern ihr sein Ohr leiht? Es gibt einen Ort, wo unser Klagen verstanden wird, die Treue unseres Gottes in Christo, die alle Morgen neu ist. Viel besser als die Klagen in sich Aineinzufressen und verbittert zu werden und den Glauden zu verlieren, ist immer wieder, Tag für Tag sein Herz vor Gott auszuschütten. Dann wirst Du— so mühselig auch Deine Lage sein mag— merken, daß das Wort von der Güte Gottes, die nicht aus ist, Wahrheit und Kraft und Trost ist. Simon. Was vorgeht. In Spanien ist nun auch die Monarchie gestürzt. Das Schicksal Spaniens gleicht in mancher Beziehung dem Schicksal Deutschlands. Die jetzt abgeschlossene Periode des spanischen Staatslebens hat ungefähr ebensolange ausgehalten als das im Jahre 1871 neu erstandene Deutsche Kaiserreich. Auch von Spanien kann gesagt werden, daß es in dieser Zeit eine wirtschaftliche Blute erlangt hatte, wie sie ihm seit Jahrhunderten unbekannt war. Die sogenannte Demokratie, die jetzt in der ganzen Welt aufjubelt über diesen neuen Sieg, spricht von einer reaktionären Willkürherrschaft, die von dem spanischen Regierungssystem über das spanische Volk ausgeübt worden sei. Wollte man darüber urteilen, müßte man spanische Verhältnisse, den Charakter des spanischen Volkes und ebenso den Charakter des Königs und seiner Ratgeber gut kennen. Vor einem Menschenalter war die Vorstellung eines evangelischen Deutschen von spanischen Verhältnissen noch durchwoben von Gedanken an mittelalterliche Inquisitionsgerichte. Es mag ja auch so sein, daß das kulturelle, das wirtschaftliche und das politische Leben in Spanien auch in den letzten Jahrzehnten noch in viel stärkerem Maße von der einen Regierungsstelle aus beeinflußt wurden in einem Maße, wie das in keinem anderen der modernen Kulturstaaten mehr der Fall war. Ob aber den klerikalen oder den dynastisch=monarchistischen Einflüssen die Hauptschuld zuzuschieben ist, wenn der Masse des spanischen Volkes der Zugang zu moderner Geisteskultur versperrt blieb, wie die Demokratie behauptet, wer will das sagen? Jedenfalls waren die Mächte, die in aller Welt an dem Sturze jeden Staatswesens arbeiten, in dem sich gewisse Ordnungen auf nationaler Grundlage behaupten, schon lange am Werk, auch den spanischen Thron zu unterminieren. In dem General Primo de Rivera fand der König vor 8 Jahren den Staatsmann, der bereit war, dem spanischen Staat sein Königtum zu erhalten. Manche Symptome bei den Putschversuchen der Revolutionäre in den letzten Jahren und auch manche Einzelvorgänge jetzt bei dem Umsturz berechtigen zu der Annahme, daß es auch jetzt noch einem zielbewußten und tatkräftigen Manne hätte gelingen können, die Lage für das alte System zu retten. Die Wahlen hatten zu ungunsten der alten Regierung entschieden. Aber auch bei dieser Wahl hat nicht die wahre Volksmeinung, sondern die rücksichtslose Agitalion gesiegt. Die„Demokratie", welche seit mehr als hundert Jahren systematisch das Sturzen der Monarchie betreibt, hat von dem Mittel, mit dem heute die Menschen am leichtesten zu gewinnen sind, dem Geld, für diesen Zweck immer genügend zur Hand. Die Zwischenzeit, die zwischen dieser Niederschrift und dem Zeitpunkt liegt, wo dieselbe in die Hände der Leser kommt, hat vielleicht auch den Sturz des Königtums in Rumänien gebracht. Dort ist es schon seit Jahr und Tag für das Königshaus sehr ungemütlich. Titulesku, der den Auftrag zur Regierungsbildung hat, stellt ein Programm auf, das Vereinfachung der Verwaltungsreform, Aufhebung der regionalen Direktorate und die Abschaffung der autonomen staatlichen Wirtschaftsbetriebe fordert mit Ausnahme derjenigen, deren Einkünfte für die Amortisierung der ausländischen Anleihen verpfändet sind. Wer etwas unterrichtet ist über die rumänischen Verhältnisse, kann aus den genannten Forderungen erkennen, daß dieselben den Forderungen sehr ähnlich sehen, die die von internationalem Geist und Kapitalbeherrschte Demokratie immer stellt. Sie versteht es, die Dinge so darzustellen, als stehe hinter jenen reaktionären Schranken die wirtschaftliche und geistige Freiheit für alle und warte nur darauf, alles Volk zu beglücken. Wo sich aber nun jetzt wieder die Ereignisse jagen und es so aussieht, als komme der Siegeszug der Demokratie, als dessen Ausgangspunkt doch wohl die französische Revolution angesehen werden kann, nun endlich zu seinem höchsten Ziele, sollte doch gefragt werden, ob die staatlichen und politischen Entwickelungen, die durch die demokratischen Revolutionen herbeigeführt worden sind, nun auch wirklich die Ursachen sind der wirtschaftlichen, kulturellen und technischen Fortschritte, die das letzte Jahrhundert zu verzeichnen hat. Fraglos hat sich der Intelligenz, der menschlichen Klugheit damit ein viel weiteres Feld aufgetan. Denkt man aber an die Massen des Volkes, deren Existenz immer abhängig ist von der Staatsordnung, der sie untersteht, wird man nicht sagen können, daß es dieser Masse in den Staaten am besten geht, die sich rühmen, der Demokratie am ersten bei sich Raum geschaffen zu haben. Es kommt doch immer darauf an, welcher Regierungsform es am besten möglich ist, diejenigen, die zur Regierung berufen werden, in der Verantwortung zu halten, die man als moralisch bezeichnet. Sieht man ab von einigen faschistischen Unterbrechungen in der Türkei, in Ungarn, Italien und in Spanien, so scheint es, als schreite die demokratische Entwickelung unaufhaltsam fort und jedes Angehen dagegen sei zwecklos. Aber auch diesmal wird es wieder so sein, daß diese Zeitperiode mit ihren Ereignissen auch nur den Boden bereitet, auf dem neue Generationen den alten, den Menschen nun einmal verordneten Kampf weiter führen werden. Ohne für die eine oder andere Staats= oder Regierungsform mehr Sympathien zu haben, suchen wir immer darüber nachzudenken, wie uns und unseren Mitmenschen ihr Los und ihr Kampf möglichst erleichtert werden könnte. Dabei hat uns die Erfahrung gelehrt, daß es um eine Familie, um eine Gemeinde, um einen Verein, um eine Gesellschaft irgendwelcher Art, um einen Staat dann am besten steht, wenn an der Spitze ein Mann mit dem Sinn für Gerechtigkeit steht, der die Zügel fest in die Hand nimmt und führt, auch wenn es in seiner Sippe einmal rumort. Das wissen auch die Führer in der Demokratie, und es ist nichts als ein großer Volksbetrug, wenn den Massen vorgeredet wird, es gebe eine Demokratie, die williger und fähiger sei, dem Volke größere Gerechtigkeit zu bringen als eine Monarchie über haupt. Die Berliner„Vossische Zeitung", die sich besonders herzlich über den Sturz von Königen freut, sagt in einem Artikel, den sie überschreibt„Der letzte König“ von König Alfons XIII. unter anderem folgendes:„Die kluge Neutralitätspolitik, die er während des großen Krieges durchhielt, hat dem schwer leidenden Lande die einzigartige Gelegenheit verschafft, sich gründlich zu erholen. Spanien nahm wirtschaftlich einen unerhörten Aufschwung.“ Es ist nicht das erste Mal in der Weltgeschichte, daß eine revolutionäre Demokratie sehr schnell zerstörte, was ein kluger und tüchtiger König aufgebaut hatte. Was wird das Schicksal Spaniens sein? Sicher wird auch um Regierungssysteme noch nicht der letzte Kampf gekämpft sein. Wie wenig ein Volk zur Ruhe kommt, auch wenn eine demokratische Regierung die Zügel in der Hand hat, das erleben wir in Deutschland immer wieder. Zwölf Jahre waltet nun über Deutschland ein Regiment, das dem Volke einst ein Leben in Freiheit und Würde versprach. Und unaufhörlich toben die parteipolitischen Kämpfe. Die Agitation für das Volksbegehren zur Auflösung des preußischen Landtags wird auf Grund der Notverordnung auf eine Weise überwacht und gehemmt, die fast lächerlich wirkt. Die Versammlungen werden aufgelöst, die Flugblätter beschlagnahmt und die Beamten sollen in so scharfer Weise kontrolliert werden, daß es kaum einer wagt, seinen Namen in die Liste zum Volksbegehren einzutragen. Das geschieht im demokratischen Deutschland. In Berlin wurde ein Handzettel beschlagnahmt, der zu einer Versammlung des Christl.=Sozialen Volksdienstes einlud. Der Zettel hat außer der Einladung folgenden enthalten: „Die Eintragungsfrist für das Volksbegehren mit dem Ziel der Auflösung des preußischen Landtags läuft nur vom 8. bis 21. April. Ehrenpflicht für jeden evangelischen Christen ist es, nachdem das Volksbegehren zugelassen ist, diese Möglichkeit auch zu benutzen, um für Stärkung des christlichen Einflusses in unserem Volksleben öffentlich und nachdrücklich ein zutreten. Darum, evangelische Männer und Frauen, kommt und hört, worum es geht.“ Die Polizei soll sich darauf berufen haben, daß öffentliche Ankündigungen politischer Versammlungen nur die nötigen sachlichen Angaben enthalten dürfen, sonst können sie beschlagnahmt werden— wenn nämlich eine Ausschreitung zu befürchten ist. Obgleich eine solche Annahme nun gerade bei einer Einladung des ChristlichSozialen Volksdienstes etwas eigentümlich ist, so deckt sich diese Auffassung der Polizei doch mit einer Forderung, die in bezug auf Wahlagitation und Beeinflussung der Volksmeinung früher schon von nachdenklichen Staatsbürgern gestellt worden ist. Dort wurde verlangt, daß nach Festsetzung des Wahltermins und nach amtlicher Bekanntmachung aller Formalitäten, der Personalien und der Parteizugehörigkeit der sich um die Mandate bewerbenden Personen jede parteipolitische Agitation im Lande auf das strengste verboten werden solle. Tatsächlich dürfte bei einem solchen Modus das Ergebnis von Wahlen viel eher als der Ausdruck der Volksmeinung bezeichnet werden können als bei dem jetzigen Verfahren, wo neben amtlicher Beeinflussung durch die Organe, woelche die Machtinstrumente zur Zeit in der Hand haben, im öffentlichen Wahlkampf durch allerlei terroristische und sonstige Beeinflussungsmittel ein Ergebnis erzielt wird, bei dem von einer freien Willensentscheidung gar keine Rede mehr sein kann. Arthur Mahraun. der Führer des Jungdeutschen Ordens, sagt in einem Artikel im„Jungdeutschen“, die jetzigen Regierungsmethoden rüttelten an den Grundrechten des deutschen Staatsbürgertums. Die Handhabung der Polizeigewalt, wie sie heute in Preußen angewendet werde, könne so nicht weiter gehen. Die unzähligen Verbote, mit denen die preußische Regierung die Entwicklung des Radikalismus verhindern wollte, habe ihn nur gestärkt. Bei der Anwendung eines solchen Systems sei eine sachliche politische Auseinandersetzung nicht mehr möglich. Mahraun ruft dann seine Anhänger auf, sich für das Volksbegehren zur Auflösung des preußischen Landtages einzuzeichnen. Welche Blüten der Eifer der Organe eines demokratischen Freistaates treibt, hat den Lesern der Brief aus Essen in der Freitagnummer gezeigt. Die Großstadtzeitungen und die Provinzzeitungen berichten täglich, mit welcher Nervosität die Polizeiorgane vorgehen. Man weiß, daß Minister Severing seine Leute gut im Zuge hat. Aber diesmal scheint doch ein ganz besonderer Druck dahinter zu stehen. Freude kann man an solchen politischen Verhältnissen nicht haben. Der stille Wunsch mancher deutscher und preußischer Staatsbürger, die Verhältnisse möchten sich einmal so günstig entwickeln, daß dadurch allem Radikalismus der Wind aus den Segeln genommen werde, will sich gar nicht erfüllen. Wir lasen diese Tage einen Bericht über die Finanzlage der preußischen Gemeinden, der im Blick auf die Erwerbslosen, deren letzte Hilfe noch die Gemeinden sind, zu den schwersten Sorgen Anlaß gibt. Ueber eine halbe Million Wohlfahrtserwerbslose waren am 1. Januar 1931 vorhanden. Dabei wissen die meisten Städte und Gemeinden schon jetzt nicht mehr, wie die vorhandenen Schulden einmal wieder gedeckt werden sollen. Helfen wird nur eine neue Regierung können, die andere Mittel weiß als die, die bisher versucht wurden. Wer ans Ruder will, findet eine schwere Aufgabe. Kr. Die Auswirkungen der Als der Herr Reichspräsident auf Empfehlung der Reichsregierung am 28. März die bekannte Notverordnung erließ, gingen er und seine verantwortlichen Ratgeber sicher von dem Gedanken aus, daß die durch scharfe Gegensätze und Ueberspannungen verursachten Ausschreitungen auf dem Gebiete des politischen Kampfes, bei denen Mord und Totschlag zu den Tageserscheinungen gehörten, mit verschärften gesetzlichen Maßnahmen zu begegnen sei. Demgemäß war denn auch die Notverordnung frisiert mit dem Ziel, durch Mäßigung des Kampfes eine weitere Verschärfung der Gegensätze zu verhindern. Die Aufnahme dieser Notverordnung in der deutschen Presse war sehr verschieden. Die Zeitungen der Rechtsopposition erblickten in derselben eine Waffe gegen sich selbst gerichtet, die im Kampf um das Volksbegehren in Preußen die agitatorische Freiheit einengen, bezw. unterbinden sollte. Die Parteiblätter mittlerer Richtung begrüßten zwar unter Hinweis auf den unerträglich gewordenen Kampf die Notverordnung, gaben aber der Befürchtung Ausdruck, daß die den Landdesbehörden verliehenen Machtvollkommenheiten geeignet seien, eine willkürliche parteipolitische Handhabung der Verordnung zu ermöglichen. Die Linksblätter vom Schlage des„Vorwärts“ blickten zwar etwas süßsauer drein, aber ein ernstlicher Widerstand war, wie man heute verstehen kann, nicht sichtbar. Dieser Haltung der Presse und den Protesten der Opposition gegenüber beeilte sich bekanntlich die Reichsregierung zu erklären. daß von einer Erdrosselung der politischen Freiheit keine Rede sein könne, auch nicht, daß man dem Volksbegehren Abbruch tun wolle usw. Besonders der Reichsminister Dr. Wirth versicherte in einer Rundfunkrede mit der Wucht seiner Rednergabe, daß man hauptsächlich die„Gottlosenpropaganda“ unterbinden wolle; er fordere Achtung vor dem Kreuz und die Religionsgemeinschaften dürften nicht verlästert werden. Nur so nebenbei ließ der Minister durchblicken, daß ein schärferes Vorgehen gegen das politische Rowdytum Zweck der Verordnung sei. Nach all diesen Versicherungen hätte man nun beruhigt annehmen können, daß alles in bester Ordnung sei und die wohlweisliche Vorsicht der Reichsregierung dafür gesorgt habe, daß der friedliche deutsche Reichsbürger sich ruhig schlafen legen könne. Leider war diese Meinung, für den, der sie gehegt hat, irrtümlich. Leichtgläubige Menschen haben ihre Rechnung ohne die Machthaber in Preußen gemacht, die, dieses Instrument der Notverordnung einmal in die Hand bekommen, gezeigt haben, daß sie auch darauf zu spielen verstehen. In Dortmund setzte die marxistische Willkür ein. Zwar konnte der preußische Innenminister Severing nicht anders, als dem Verantwortlichen eine Rüge zu erteilen. Aber eine Aenderung des Systems bedeutete das nicht. Im Gegenteil! Es folgten Verbote auf Verbote. Versammlungen wurden aufgelöst, Flugblätter für das Volksbegehren verboten und dem Stahlhelm das Tragen der Uniform untersagt. In einer Provinz fing es an und prompt folgten die Oberpräsidenten der meisten Provinzen nach. Es soll nicht untersucht werden, inwieweit hier eigener Wille maßgebend gewesen ist, oder ob Winke von Berlin, oder ein Liebäugeln nach Berlin die Triebfeder gewesen sind. Wir nehmen natürlich zu Gunsten der Herren Oberpräsidenten an, daß derartige Betrachtungen durchaus nicht in Frage kommen können. Aber wie es auch sei, die jetzigen Zustände schreien zum Himmel und sind unerträglich geworden. Haben wir denn in unserem Rechtsstaat zweierlei Recht? Fast mußte man es glauben; denn wenn man sich die beanstandeten Flugblätter ansieht oder die angeblich rednerischen Entgleisungen prüft, sagt man sich, wie harmlos das doch alles ist gegenüber der Kampfesweise, die von den heutigen Machthabern im früheren königlichen Preußen beliebt wurde. Und niemand hat ihnen deswegen, wenn es nicht allzu bunt wurde, ein Haar gekrümmt. Gewiß soll und muß dem hemmungslosen Kampf, bei dem Leben, Ehre und Ansehen der Mitmenschen auf dem Spiele stehen, ein Riegel vorgeschoben werden. Aber gleiches Recht für alle. Auch sind wir der Meinung, daß diejenigen, die mit Zwangsmaßregeln den politischen Kampf verfeinern wollen, selbst mit gutem Beispiel vorangehen müßten. Daran mangelt es aber. Stellt da z. B. der„Berliner Lokalanzeiger“ aus einer Rede des preußischen Ministerpräsidenten Braun folgende von ihm gebrauchte Ausdrücke zusammen:„Unverfrorenheit und Frechheit“—„unehrlich"—„Abgesottenheit des Schwindels“—„verlogene Demagogie“—„gewissenlose Verleumdung"—„Sklaverei der Lüge und der Phrase“— „Gift der Grundsatzlosigkeit und Verleumdungssucht.“ Alle diese Aeußerungen waren auf die nationale Rechte gemünzt in einer Rede, in der Ministerpräsident Braun für anständige Führung des politischen Kampfes eintrat. Wenn das am grünen Holz geschieht, was soll dann am Heimathilfe. Im Mittelpunkt von Berlin ist mir eine Speisewirtschaft bekannt, in welcher man sauber und billig seinen Hunger stillen kann. Dort kehrte ist eines abends ein. Es war schon spät. Die meisten Gäste waren fort. Der Kellner, der mich bedient hatte, kam nun endlich luch zu seinem Abendbrot. Er hatte es auf das Fensterbrett neben mir gesetzt und aß stehend. Er erzählte von seiner schlesischen Heimat, in der er am liebsten Handwerker geworden wäre. Aber zu Hause war ein großer Geschwisterkreis, und er hatte früh den Eltern helfen müssen zu verdienen. So war er Kellner geworden, schließlich in Berlin gelandet und dort hängen geblieben. Aber die Sehnsucht nach der Heimat und einer heimatlichen Stätte hatte ihn nicht wieder verlassen. Darum hatte er sich in seinen Freistunden in einer der Berliner LaubenKolonien ein eigenes Häuschen gebaut und lud mich ein, ihn dort einmal zu besuchen. Bei meiner nächsten Reise nach Berlin stand er, wie verabredet, an der Sperre des Vorortbahnhofs Lichtenberg, um mich abzuholen. Unser Weg führte uns an dem großen Friedhof vorüber, auf welchem, wie mir mein Begleiter sagte, Bebel, Singer und Liebknecht begraben liegen. Mit der Straßenbahn ist er vom Mittelpunkt der Stadt aus in einer halben Stunde zu erreichen. Dicht dahinter öffnet sich ein freies Gelände. Ein hohes, hölzernes Tor taucht auf. Darüber steht mit großen Buchstaben geschrieben:„Kolonie Bielefeldt". Nicht zur Erinnerung an die Stadt Bielefeld, sondern an den Schöpfer dieser Kolonie. Ich hatte erwartet, eine Laubenkolonie zu finden, wie man sie bei der Einfahrt in die Großstädte rechts und links vom Eisenbahnzuge aus sehen kann. Aber statt der kleinen, teils offenen, teils mit Brettern verschlagenen Lauben, die im Sommer inmitten ihrer Gärten prangen, im Winter aber tot und verlassen da liegen, fand ich hier etwas ganz anderes. Ich kam aus dem Staunen nicht heraus. Es waren gar keine Gartenlauben von der Art, wie man sie gewöhnlich sieht, sondern lauter einzelne richtige Häuser. Das eine kleiner, das andere größer; das eine zunächst nur aus einem Raum bestehend; die meisten aber aus 2, einige auch aus 8 Räumen aufgerichtet. Alle aus Holz. Die einen fertig, die andern noch im Bau begriffen. Manche, inmitten ihrer Gärten, im Schmuck leuchtender Farben prangend. Auf dem Dach ein Taubenschlag. Nebendran gebaut ein Hühner= und Kaninchenstall. Der eine Garten mit den bescheidensten Mitteln angelegt, der andere geziert durch eine Grotte, oder einen Springbrunnen. Kein Häuschen dem andern gleich, kein Garten dem andern. Alle verschieden an Gestaltung, Größe und Umfang. Keine Spur von gleichmachenden Bauverordnungen, und doch eine ganz geschlossene Anlage, weil ein Gedanke alles beherrscht: Der unbezwingbar durchbrechende Wille nach einem eigenen Heim. Was mich aber am meisten in Erstaunen setzte, war, daß im Morgengrauen des kalten Dezembertages aus den Kaminen der kleinen Niederlassung bald da, bald dort der Rauch aufstieg. Diese Bretterhäuschen waren also auch im Winter bewohnt! Schon hörte man links und rechts den Schrei eines erwachenden Kindes, und hier und da machte sich eine Mutter auf den Weg, um aus dem Kaufhaus, das inmitten der Kolonie auf freiem Platz errichtet war, einzuholen. Nahezu 400 solche Häuschen hatten wir schon hinter uns— die meisten von ihnen auch jetzt im Winter bewohnt!— als wir endlich am äußersten Rande das Anwesen meines Begleiters erreichten. Sein Hündchen sprang ihm entgegen, und hinter dem geräumigen Vorschlag tauchte, noch ganz verschlafen, ein wohlgenährtes, behäbiges Huhn nach dem andern auf, 25 im ganzen. Ich wurde in das Innere geführt. Es bestand aus 2 großen Räumen, die durch einen Küchenraum voneinander getrennt waren— Platz genug für die ganze 5 köpfige Familie. Die Familie selbst traf ich nicht an. Sie wohnte, weil Schulbesuch und Verdienstmöglichkeiten es so mit sich brachten, den Winter über in der Stadt. Nur der Familienvater selbst konnte sich auch im Winter von seiner kleinen Besitzung und von deren 2= und 4 beinigen Mitbewohnern nicht trennen, und man merkte ihm die Sehnsucht an auf die Zeit, wo die höhersteigende Sonne mit ihrem Licht und ihrer Wärme auch seine Familie wieder hierher führen würde. Das Häuschen sah in seinem Innern noch seiner letzten Vollendung entgegen, und ich erfuhr, daß es schon dürren werden? Erstaunlich ist, daß Herr Braun noch behauptet, es gebe nirgends so viel politische heit, wie in Preußen. FreiInzwischen wurde die Erregung über die rigoros, Anwendung der Notverordnung immer größer. reiche Proteste sind bereits den zuständigen Stellen, tei, mit Erfolg, zugeleitet worden. Der volksparteisig Führer, Reichstagsabgeordneter Dingeldey, hat bei de Reichskanzler telegrafisch Einspruch gegen die Polize, maßnahmen erhoben, die sich gegen Wortlaut und Sinn der Notverordnung richten. Dingeldey kündigt an, das wenn sich die Praxis der preußischen Behörden zicht ändern sollte, dann politische Komplikationen nicht aus. bleiben würden. Auch dem Zentrum, das in Preußen immer noch den Sozialdemokraten die Steigbügel häf und damit ein großes Teil Verantwortung an Zuständen mitträgt, scheint die Praxis ihrer Regierungg, freunde endlich auf die Nerven zu fallen, nur merkt man einem„Uebers Ziel" überschriebenen Artikel in dem Berliner Zentrumsorgan„Germania“ die große Verlegenheit an, wie man das unbehagliche Empfinden ausdrücken soll, um die Bundesgenossen genügend warnen, ohne sie zu verärgern. Das Zentrumsblat# sucht überflüßigerweise für die Berechtigung der Notverordnung eine Begründung, glaubt dann aber ausführen zu sollen, ob es unter den gegenwärtigen Umständen als kluge Politik bezeichnet werden kann, als Anwort des Staates ein dreimonatiges Verbot der Stahlhelmzeitung auszusprechen. Dieses Verbot bedeute, sagt die„Germania“, in der Agitation eine Beschränkung der Freiheit, die die Freunde des Volksbegehrens aus gesetzlichen Gründen mit Recht für sich in Anspruch nehmen. um so mehr, als die Fälle sich häufen, in denen Versammlungen verboten oder durch die Polizei vorzeitig aufgelöst werden. Hier ist, sagt das Zentrumsblatt, et was nicht in Ordnung und fügt hinzu:„Wir wünschen und erwarten, daß den nachgeordneten Stellen noch einmal mit aller Dringlichkeit eingeschärft wird, sie mögen nichts tun, was so aussehen muß, als wolle man ein gesetzliches verfassungsmäßig garantiertes Recht auf Grund einer Notverordnung einschränken, die nur gegen wirkliche Mißbräuche gerichtet ist.“ Hoffentlich sind das nicht nur schöne Worte, sondern die Ankündigung einer Art Protestaktion in der Regierung. Denn nur dann haben diese Ausführungen in der„Germania“ einen Zweck. Nun noch ein ernstes Wort an den Reichskanzler Dr. Brüning. Der Schreiber dieser Zeilen hat in mehreren Artikeln im„Aufwärts“ die Politik des Herrn Brünigg bis zu einer gewissen Grenze verteidigt, zum teilweisen Aerger mancher„Aufwärtsleser. Er glaubt daher ein Anrecht darauf zu haben, einmal mit aller Deutlichkeit zu sagen, daß er in dieser Frage den Herrn Reichskanzler nicht versteht. Der Erlaß der Notverordnung mag hingenommen werden, aber es mußte dann die Mözlichkeit genommen werden, daß sie parteipolitisch niß braucht werden konnte. Nun ist die große Entrechtung der Rechtskreise in Preußen da und der Herr Reichskanzler unternimmt unseres Wissens nichts dagegen! Der Reichskanzler hat sich in manchen Kreisen ein großes Maß an Popularität erworben. Die rechtsgerichteten Mittelparteien haben ihn in schwerster Zeit zestlos unterstützt. Glaubt Herr Dr. Brüning, daß er sein persönliches und politisches Ansehen sich dauernd erhalten kann, wenn er es weiter zugibt, daß diejenigen, die ihn stützten, von der Preußenregierung entrechtet werden? Wir kennen den formalistischen Weg zum Einan seiner 3. Stelle stand. Zweimal war es auf andeiem Gelände aufgerichtet gewesen. Aber es hatte weichen müssen, weil der Boden, auf dem es seinen Platz hafte, nur Mietsgelände war und versassen werden mußte, weil der Platz zur Errichtung eines großen Mietshau verwendet werden sollte. Erst im vergangenen Feuhjahr war mein Gewährsmann hierher umgezogen. Zum zweitenmal hatte er jedes Brett losschlagen, jeden Stein seines Kamins abbrechen, jedes Bäumchen ausheven müssen, und zum drittenmal hatte er die Bretter zu sammengefügt, den Kamin gebaut und seinen Garten angelegt. Alles in den Stunden, die ihm zwischen Ar beit und Schlaf übrig geblieben waren. Die Arbeitszeit hatte nicht gekürzt werden dürfen, wohl aber der Schlaf.„Sie können sichdenken“, sagte er,„daß es oft bis an den Rand der Kraft geht, und diesen Sommer über bin ich manchmal recht müde gewesen". Aber dann strahten seine Augen.„Diesmal kann ich bleiben, denn unset Gelände gehört keiner Baugesellschaft, sondern eisem Privatbesitzer, und der verdrängt uns so leicht nicht. „Sehen Sie diesen Pflaumenbaum? Ich habe ihn m Frühjahr aus meinem früheren Garten hierher gebrach, und in diesem Sommer hat er mir 80 Pfund Früchte s“ tragen!“ Am Abend setzte ich mich mit dem Besitzer des Ge ländes in Verbindung. Er gab den Kolonie=Bewohne! den Quadratmeter Land gegen einen jährlichen Ii von 5 Pfennig ab.„Ich will die Leute wohnen lassen, solange ich irgend kann. Aber ob die Verhältnisse“ mir gestatten, den Boden für 20 Jahre, wie massch Laubenbewohner hoffen, frei zu lassen, das kann schlechterdings nicht versprechen. Die Steuern sind“ hoch und ich bin u. U. zum Verkauf gezwungen. Aber trotz dieser ungewissen Lage gehen 400 Familien daran, auf gemietetem, unsicherem Lande ihr eigen Häuschen zu bauen! Keine Hauszinssteuern bekomme“ sie dafür, keine Hypotheken. Alles wird aus den einen Ersparnissen geschaffen, alles während der kurht Freizeit, die zwischen den Arbeitsstunden und alles aus Kräften von Familie und Solche urwüchsigen Kräfte beherbergen noch une“ Großstädte! Was für eine Hoffnung erwächst dart“ für unser ganzes Volksleben! Denn diese 400 Kami!““ übrig bleiht, Freundschaft. schreiten gegen möchten aber be von der Reichsr es für diese Mi das Handwerk Brüning handelt So sehr me dauern kann, ei B Griand läßt Bieder! Die Paris Frage der deutsche Stellung zu se Briand, nach dieses Monats halten, in der einen neuen P lung Europas plante österreie grund schieben Die franz bereits die Ne. ung sondieren. Gef teilt, daß die Rückäußerungen hätten. 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In diesem Falle sollte Dr. Brüning handeln, ehe es zu spät ist. So sehr man dieses Kapitel„Notverordnung“ bedauern kann, ein Gutes ist dabei herausgekommen: Das Vorgehen der Preußenregierung hat die Lauen und Gleichgültigen aufgerüttelt und veranlaßt, sich für das Volksbegehren einzutragen. Die bisherigen Resultate sind schon ein beachtenswerter Erfolg. Hoffentlich kann am 22. April ein großer Sieg des Volksbegehrens verkündet werden. Das wird aber nur erreicht, wenn der letzte Wähler an den Eintragungstisch gebracht wird. W. W. auf anderem atte weichen Platz hatte, rden mußte, Mietshauses genen Frühzogen. Zum jeden Stein in ausheben Bretter zuinen Garten zwischen ArDie Arbeitsohl aber der aß es oft bis sommer über dann strahidenn unser ndern einem leicht nicht.“ jabe ihn im her gebracht, Früchte geGrgenessin,F Hunttniche. Briand läßt einen Plan für die„wirtschaftliche Wiederherstellung Europas“ ankündigen. — Paris, 18. April. Die Pariser Zeitungen berichten von neuen Bemühungen des französischen Außenministers in der Frage der Zollunion.„Um seine durch die österreichisch= deutsche Zollvereinbarung erschütterte parlamentarische Stellung zu festigen“, so heißt es darin,„beabsichtigt Briand, nach dem Zusammentritt des Parlaments Ende dieses Monats in der Kammer eine große Rede zu halten, in der er ankündigen wird, daß er in Genf einen neuen Plau für die wirtschaftliche Wiederherstellung Europas vorlegen werde, der, wie er hoffe, die geplante österreichisch=deutsche Zollunion in den Hintergrund schieben werde! Die französischen Diplomaten im Ausland sind bereits„ewiesen worden, in diesem Zusammenhang die Re. rungen, bei denen sie beglaubigt sind, zu sondieren. Gestern wurde in amtlichen Kreisen mitgeteilt, daß diese Sondierungen bereits zu günstigen Rückäußerungen aus verschiedenen Hauptstädten geführt hätten. Es zeige sich ein neuer Geist, der bisher in wirtschaftlichen Angelegenheiten nicht in die Erscheinung getreten sei. Der Matin will darüber hinaus mitteilen können, daß die Mächte der Kleinen Entente sowie Polen, England und Italien,„den Absichten Briands zuvorkommend, Frankreich spontan das Angebot gemacht hätten, gemeinsam die Mittel zur Behebung der Wirtschaftskrise in Europa zu suchen". Die Kanzleien der genannten Länder würden binnen kurzem ein umfangreiches Wirtschafts= und Zollprogramm ausarbeiten und dieses als Gegenentwurf gegen den Plan CurtiusSchober in Genf unterbreiten. Deutschland und Oesterreich seien über diese Verhandlungen auf dem Laufenden gehalten worden.„So arbeiten Paris, London, Rom und die Länder Mitteleuropas im besten Geiste an einer wirksamen Verteilung der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion.“ Das wichtigste an diesen Meldungen ist die Tatsache, daß Briand eine Gegenaktion gegen die österreichisch=deutsche Politik der Zollunion eingeleitet hat. Was den sachlichen Inhalt des französischen Programms betrifft, sind darüber Einzelheiten noch nicht bekannt, doch wird alles wahrscheinlich darauf hinauslaufen, daß Frankreich seiner Haltung in der Frage der Vorzugszölle einer Revision unterziehen, d. h. umfallen wird. Das ist ein recht mageres Ergebnis! Ohne der Veröffentlichung des französischen Planes vorzugreifen, muß man doch schon heute feststellen, daß dieses ganze Programm phantastisch anmutet und die Notwendigkeiten, die zum österreichisch=deutschen Zollprotokoll geführt haben, nicht eus der Welt schafft. äßisch heutschen PoftDer Gedanke der österreichisch=beutschen Zollunion wird durch Programme dieser Art nicht„in den Hintergrund gedrängt“, und seine Ausführung bleibt daher für Deutschland und Deutsch=Oesterreich eine der dringlichsten Aufgaben! Oesterreich und die Zollverhandlungen. — Wien, 18. April. Zu einer Havas=Meldung, wonach Oesterreich mit Bezug auf den österreichisch=deutschen Zollunionsplan die formelle Versicherung abgegeben habe, daß die Verhandlungen bis zur Prüfung der Frage durch den Völkerbundsrat und die Studienkommission der Europäischen Union„ausgesetzt“ werden würden, veröffentlicht die Wiener amtliche Nachrichtenstelle folgende Erklärung: Mit Rücksicht auf den Antrag des englischen Ministers Henderson, daß die zwischen Oesterreich und Deutschland getroffenen Vereinbarungen zur Wiederaufnahme von Verhandlungen über die Angleichung der zoll= und handelspolitischen Verhältnisse vom Völkerbundsrat nach der juristischen Seite überprüft werden sollen, hat die österreichische Regierung in Uebereinstimmung mit der deutschen Regierung entsprechend ihrer Zusage, vorher kein fait accompli zu schaffen, eine seitens ausländischer Gesandter gestellte Anfrage dahin beantwortet, daß Oesterreich die Besprechungen im Völkerbundsrat, zu denen es sich bereit erklärte, abwarten werde, um so mehr, als es inzwischen mit internen Arbeiten beschäftigt sei.“ Deutschlands Note Der Zweck des Zollantrags. — Genf, 18. April. Die Note des Reichsaußenministers an den Generalsekretär des Völkerbundes wird jetzt im Wortlaut veröffentlicht. Sie gibt in wenigen Sätzen eine Erläuterung des Antrages, die„Entwicklung der Zollverhältnisse in Europa“ auf die Tagesordnung der EuropaKonferenz zu setzen. Dr. Curtius sagt: „Die deutsche Regierung hält es für nützlich, nochmals die Lage zu diskutieren, die durch die gegenwärtigen Zollverhältnisse in Europa und durch das Scheitern des Genfer Handelsabkommens vom 24. März 1930 entstanden ist. Sie möchte dabei ihrerseits Mitteilung machen über die Absichten, die sie auf diesem Gebiet in Uebereinstimmung mit der österreichischen Regierung verfolgt. Sie hält es weiterhin für erwünscht, daß die Möglichkeit, die sich aus der Einräumung von Präferenzzöllen für die Verbesserung des europäischen Warenaustausches ergeben, bei dieser Gelegenheit erneut erörtert wird.“ Oesterreichs Landwirtschaft begrüßt die Zollunion. * Die Konferenz der österreichischen Landwirtschaftskammern begrüßt die geplante Zollunion herzlich und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese Erweiterung des Wirtschaftsgebietes auch der gesamtdeutschen Landwirtschaft eine Besserung bringen möge. * Als Nachfolger Churchills ist Neville Chamber= lain zum Vorsitzenden des Finanzausschusses der konservativen Partei Englands gewählt worden. sind ja keineswegs die einzigen, die sich so zu helfen wissen. Wer sich die Zeit nimmt, einmal den Umkreis von Berlin oder anderer Großstädte zu bereisen, der wird immer wieder überrascht sein durch den Lebenswillen und den Heimatwillen, der in den ersterbenden Wüsteneien unserer Großstädte noch lebendig geblieben ist, und der aus diesen Wüsten heraus drangt zurück ins Freie auf ein Stückchen Land und in ein eigenes Heim,— selbst wenn dies Heim nur für ein paar Jahre auf gemietetem Lande errichtet werden kann. Aber freilich wäre es nicht richtig, aus solchen Beobachtungen heraus die Hoffnungen zu hoch zu spannen. Diese 400 Familien der Kolonie Bielefeldt und ihre kleinen und großen Schwesterkolonien im Umkreis unserer Großstädte beherbergen zweifellos die zähesten, arbeitsfrohesten, heimathungrigsten Familien unserer städtischen Bevölkerung, und die Zahl solcher Familien, die wie jene 400 in der Kolonie Bielefeldt unter den heutigen Verhältnissen noch im Stande sind, ohne irgend welche fremde Hilfe sich ein eigenes Heim zu schaffen, ist gewiß verhältnismäßig klein. Unermeßlich groß aber ist die Zahl derer, die, genau so wie die oben beschriebenen Familien, aus der Großstädt heraus möchten, wenn sie nur könnten. Nur sind sie, für sich allein gelassen, nicht umsichtig und nicht tatsraftig genug. Sie haben auch nicht Zeit genug und nicht senug Ersparnisse, um sich in derselben Weise zu helfen, wie es in der Kolonie Bielefeldt geschehen ist. So verkummern sie in der ungestillten Sehnsucht nach einem selbstgepflanzten Gärtchen, einem selbstgebauten Häuschen. Denen muß aus ihrem Kummer und aus ihrer Not Leholfen werden, und ihnen zu helfen, dazu ist der Verein„Heimathilse" entstanden. Dazu soll auch das Heimathaus erstehen. Wie es zu der Not gekommen ist, aus der geholfen werden muß, und wie geholfen werden kann, davon soll weiter die Rede sein. G. v. B. 70 Jahre Jugendarbeit in Bielefeld. Ebenso wie ein Mensch während eines langen Lebens diet Not, Sorge und Mühe, aber auch manch helle, freundiiche Stunde kennengelernt hat, so geht es auch dem Christlichen Verein junger Männer„Bielefeld“, Papenmarkt, der in diesen Tagen auf eine siebzigjährige Vereinsarbeit zurückblicken darf. Und das Erfreuliche: diese Arbeit war nicht vergeblich. Handelt es sich doch um eine kulturell und erzieherisch hochwertige Einrichtung im Sinn der Wohlfahrtspflege, der Menschenbildung und um uneigennützige Liebesarbeit. So ist ein solches Gedenkfest von weitgreifender Bedeutung für die Allgemeinheit. Die Geschichte des Vereins erzählt von ganz kleinen Anfängen in dem alten Vereinshaus an der Altstädter Kirche. Bald schloß sich der Verein dem Weltbunde der Christlichen Vereine junger Männer an und bezog 1896 unter Führung seines verdienstvollen früheren Vorsitzenden, Herrn Pastor D. Michaelis, sein neues Heim am Papenmarkt, die „Volkshalle“, eine langjährige Vergnügungsstätte, die nun für die Reichsgottesarbeit angekauft war. Hier entfaltete der Verein im Laufe der Jahrzehnte eine rege Tätigkeit. Junge Kaufleute, Bäcker, Kellner und andere Berufszweige wurden in Gruppen gesammelt und in Belehrungsund Unterhaltungsstunden mit Rat und Tat geholfen, wie und wo es nötig war. Jugendabteilungen, Turner(Eichenkreuzturnerschaft), Wanderscharen, Ferienfahrten, Freizeiten, Gesangs= und Musikchöre und viele andere Abteilungen sorgten für Förderung und Ertüchtigung des Leibes und der Seele. Vorträge und Kurse dienten zur Vertiefung auf allen Gebieten des geistigen und künstlerischen Lebens. Viele bedeutende Männer und Frauen dienten dem Vereinsgedanken, so Pastor Le Seur, Schriftsteller Spemann, die Dichterin Marie Feesche u. a. m. Das Heim besitzt außer einem großen Saal eine geräumige Turnhalle und mehrere Vereinszimmer, sowie im Vorderhaus freundlich einladende Erfrischungsräume, in denen auch anderen Gästen mittags und abends Speisen und Getränke gereicht werden. Aber nicht all dies Aeußerliche ist der Wesenskern und das Ziel der Arbeit an dem jungen Mann, sondern die geistige Leitung und Führung mittels der Erkenntnis einer alles beherrschenden christlichen Weltanschauung, wie denn das Recht und die Bedeutung eines Vereinswerkes wie das des C...M. in den Reichsgotteswerten liegt, die erstrebt werden. Die segensreiche Arbeit des Vereins möge weiterhin Anerkennung, mehr als bisher Beachtung und tatkräftige Unterstützung in der breiten Oeffentlichkeit finden, denn für sie, das heißt für„Menschentum“ setzt sich der...M.„Bielefeld“ in selbstloser Arbeit rüftig ein. Kapitulation des Landtags? Landtagsauflösung im Herbst?— Von der Preußenkoalition erwogen. Berlin, 17. April. In den Reihen der preußischen Regierungskoalition sind zurzeit Erwägungen darüber im Gange, ob es sich nicht empfiehlt, ohne Rücksicht auf den Ausgang des Volksbegehrens und des später folgenden Volksentscheides den preußischen Landtag noch im Laufe des Sommers aufzulösen und Neuwahlen zu veranstalten. Von gutunterrichteter Seite wird versichert, daß sich die Erörterungen in der letzten Zeit bereits zu konkreten Vorschlägen verdichtet haben, die darauf hinauslaufen, etwa im September oder Oktober Landtagsneuwahlen stattfinden zu lassen. Der Grund dafür dürfte u. a. in dem Wunsche zu suchen sein, die Neuwahlen für das Preußenparlament der Zeit nach möglichst weit von der Neuwahl des Reichspräsidenten abzusetzen, die bekanntlich im Frühjahr 1932 nach Ablauf der Amtsdauer Hindenburgs erfolgen muß. Man hofft wohl auch, daß der Sommer mit seinen günstigeren Beschäftigungsziffern eine ruhigere Wahlstimmung schafft, als das Frühjahr, in dem die Arbeitslosigkeit des Winters noch nicht genügend überwunden ist. Den entscheidenden Anstoß zu den Erwägungen innerhalb der preußischen Regierungskoalition hat aber zweifellos das Stahlhelm=Volksbegehren gegeben, von dessen Ergebnis auch die letzte Entscheidung über den Plan der Landtagsneuwahl schon im Herbst abhängen dürfte. 236549 Eintragungen in Berlin. Die Eintragungen für das Volksbegehren in Berlin am Freitag. Berlin, 17. April. Am Freitag haben sich in Berlin 21511 Personen für das Volksbegehren eingetragen. Die Gesamtzahl der Eintragungen bis einschließlich Freitag stellt sich damit auf 236549. Es ist höchste Zeit, daß Du Dich in die Liste des Stahlhelm=Volksbegehrene zwecks Auflösung des preußischen Landtags einträgst, 5,2 Millionen Eintragungen sind erforderlich. An dieser Zahl fehlt Deine Stimme noch immer. Nur noch zwei Tage(bis zum 21. April) liegen die Listen auf. Also beeile Dich und trage Dich ein! Anrufung des Reichsgerichts. Die Beschwerde gegen das Verbot der StahlhelmZeitung vom Reichsinnenministerium weitergeleitet. — Berlin, 18. April. Das Reichsministerium des Innern hat die Beschwerde des Stahlhelms wegen des vom Berliner Polizeipräsidenten ausgesprochenen Verbots des Bundesorgans an den IV. Strafsenat des Reichsgerichts weitergeleitet. Gleichzeitig richtete Staatssekretär Zweigert ein Schreiben an das Reichsgericht, in dem er ausführt: „Ich trete dem preußischen Minister des Innern und dem Polizeipräsidenten darin bei, daß der beanstandete Artikel die Voraussetzungen des Paragraph 1, Absatz 1, Nr. 2, Paragraph 12, Absatz 2 der Verordnung des Reichspräsidenten zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen vom 28. März 1931 erfüllt und daß angesichts der außerordentlichen Schwere der in dem Artikel ausgesprochenen, in keiner Weise zu rechtfertigenden Vorwürfe ein Verbot der Druckschrift auf angemessene Zeit am Platze ist. Was die Dauer des Verdots anlangt, so habe ich gegen die Aufsassung des preußischen Ministers des Innern und des Polizeipräsiventen insofern Bedenken, als ich angesichts der Tatsache, daß der Stahlhelm zur Zeit im Kampfe für das von ihm betriebene Volksbegehren steht, eine kürzere Verbotsdauer für angemessen halte.“ Zum Schluß betont der Staatssekretär, das Reichsinnenministerium habe davon abgesehen, von sich aus das Verbot abzukürzen, weil das Verbot sich u. a. auch auf das seiner Zuständigkeit entzogene Republikschutzg jetz stütze. Anerkennung der Republik Spanien durch Frankreich und Chile. Madrid, 17. April. Chile hat als dritter Staat die spanische Republik anerkannt. Zur offiziellen Flagge der Armee und der Marine ist die rot=gelb=violette Flagge erklärt worden, die in der Mitte das spanische Wappen, gekrönt mit der Mauerkrone enthält. Der Kriegsminister hat angeordnet, daß die sonntäglichen Messen in den Kasernen weiter abgehalten werden sollen; die Beteiligung ist den Militärangehörigen jedoch freigestellt. Ein Pionieroffizier ist zu Arrest verurteilt worden, weil er bei einer Kundgebung am Mittwoch eine republinanische Flagge getragen hat. Dies widerspricht einem Besehl der neuen Regierung, wonach die Armee sich jeder politischen Aeußerung zu enthalten habe. Der Quai'Orsay gibt amtlich bekannt, daß Frankreich die neue spanische Regierung de jure anerkannt habe. Wie hier bekannt wird, ist zum Nachfolger des Botschafters Quinones de Leon als Vertreter Spaniens im Völkerbund Außenminister Lerroux ausersehen worden. Prominente für das Volksbegehren. Kürzlich veröffentlichte das Zentrum einen Aufruf gegen das Volksbegehren des Stahlhelm. Die Einstellung gegen das Volksbegehren wird wie folgt begründet: 1. Die politische Zweckehe des Zentrums mit der SPD sei doch recht ersprießlich gewesen. Das mag richtig sein, wenn man die Ersprießlichkeit im Gesichtswinkel der Zentrums= und SPD=Personalpolitik betrachtet. Jedenfalls hat das Zentrum aus dieser politischen Zweckehe recht günstig abgeschnitten, wenn man z. B. an das Konkordat denkt. 2. Die politische Bettgenossenschaft begründe ja noch lange nicht die Gesinnungsgemeinschaft. Wenn man zehn Jahre lang politisch Seite an Seite sicht, sei es auch nur auf Grund einer gemeinsamen Verbundenheit gegen den Feind, der rechts steht, so färbt doch mancherlei von der Kampfesweise der SPD auf das Zentrum ab. 3. Die an sich schon bedrohte Volksgemeinschaft werde durch ein Volksbegehren nur erneut gestört. Als ob in Preußen eine Volksgemeinschaft in dem Sinne bestünde, wie wir sie alle erhoffen. Mit Hilfe des Zentrums hat die SPD ja von jeher versucht, die Rechte niederzuhalten und den nationalen Widerstandswillen mit allen ihr zu Gebote stehenden Machtmitteln zu brechen. Das, was Zentrum und Sozialdemokratie und ihre Organisation verbindet, ist keine Volksgemeinschaft, sondern eine Interessengemeinschaft, und wir wehren uns ganz entschieden gegen die Behauptung, daß Interessengemeinschaft mit wahrer Volksgemeinschaft gleich zu setzen sei. Durch das Volksbegehren kann eine nicht bestehende Volksgemeinschaft folglich auch nicht gestört werden.— Die rechte Antwort auf diese Erklärung des Zentrums gibt ein von der Zentrumspresse bisher recht nebensächlich behandelter Aufruf katholischer Prominenter, unter denen wir Namen aus altem katholischem Adel finden. In diesem Aufruf, der sich gegen die politische Zweckehe des Zentrums mit der SPD wendet, finden wir auch den Namen Windthorst. Windthorst war der große Führer des Zentrums nach 70, ein scharfer aber immerhin ritterlicher Gegner Bismarcks. Der Neffe Windthorst's, der Staatsanwaltschaftsrat Windthorst=Westfalen begleitet den Aufruf katholischer Prominenter für das Volksbegehren mit den Worten, daß er den Aufruf umso lieber unterzeichne, als sein großer Onkel niemals in eine Politik gewilligt haben würde, wie sie das Zentrum heute zusammen mit der Sozialdemokratie betreibt. So erfreulich solche Bekenntnisse nationaler katholischer Staatsbürger sind, so wenig werden sie an dem Zustand ändern können. Das Zentrum hat die Verpflichtung, jene Sozialdemokratie bis zum Aeußersten zu decken, die ihm zu einer Vorrechtsstellung gegenüber dem evangelischen Preußen verhalf, wenn es bei der Sozialdemokratie als anständiger Unterhändler gelten will. Im übrigen ruht die politische Bettgenossenschaft zwischen Zentrum und Sozialdemokratie auf dem gewerkschaftlichen Flügel des Zentrums, der im Machtstreben hinter dem sozialistischen Gewerkschaftsflügel nicht zurückstehen will. Erst lange nach dieser Gewerkschaftsinteressenpolitik kommt das übrige Deutschland. — F. v. A. Grubenunglück durch Sprengstoffanschlag? Aussetzung einer Belohnung. Seit der Explosion auf der Grube Eschweiler Reserve am 21. Februar sind an verschiedenen Stellen der Grube Dynamitpatronen gefunden worden. Die Staatsanwaltschaft Aachen hat jetzt durch Plakatanschlag eine Belohnung von 1000 Mark gaben ausgesetzt, die zur Aufklärung der und zur Festnahme der Täter führen. Es besteht der begründete Verdacht, daß stofse, die in der Grube gestohlen worden sind, und in ihr verborgen waren, zur Explosion ben, die sich am 21. Februar 1931 im ereignete und 32 Vergleuten das Leben gekostet## Die Vermutung, daß ein Verbrechen vorlien wird verstärkt durch die Tatsache, daß in der des Explosionsherdes nach dem 21. Februar Dynamit. patronen gefunden wurden. Großfeuer im Eichsfeld. — Heiligenstadt, 18. In Rheinholtsrode entstand in dem Wirtschafts, gebäude der Landwirte Apel und Rode ein dem vier Scheunen, sämtliche Stallungen und zue Schuppen mit Landwirtschaftsgerät zum Opfer fielen. Verbrannt sind ferner zwei Pferde, sechs Rinder, sech Schweine und sämtliches Federvieh. Auch die Wohn, häuser der beiden Landwirte haben schweren Schader erlitten. Nur der Windstille und dem einsetzender Regen ist es zu verdanken, daß das Unterdorf mit seinen 40 Häusern vom Feuer verschont geblieben is. — Christl. Verein junger Männer. Sonntag sind wir im Senneheim. Jugend heute .30 Uhr ab Gosen. Montag.15 Uhr Männerchor. Letzte Probe für Jahresfest in der Sareptakapelle. Christl. Verein junger Mädchen. Montag 8 Uhr Turnen. Dienstag 8 Uhr Kursus fü Gruppenmütter und Helferinnen. Mittwoch 8 Uhr Bibelstunde Herr Pastor Voigt, altes Testament. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. Für alle Beweise der Teilnahme und Liebe beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen sprechen wir unseren Freunden und Bekannten unseren herzlichen Dank aus. Im Namen der Hinterbliebenen R. Grotz, Hausvaler. Bethel, den 17. April 1931. Bad Berka. In kleinem Erholungsheim finden -4 junge Mädchen Aufnahme zur Erlernung der Küche, des Haushalts. anfertigen v. Wäsche u. Kleidern, Handarbeiten. Pensionspreis 60 Mk. monatl. Ebenso finden junge Mädchen u. Kinder guten Erholungsaufenthalt für kürzere u. längere Zeit bei mäß. Preis. C. Rost, Klosterberg 59a. Im stillen Schwarzwalddorf umgeben von Wald und Wiesen finden Erholungsbedürftige bei guter Verpflegung Aufnahme. Pension pro Tag 3,50 Mk. und Kinder 2,50 Mk. Angeb. unter A 1441 an die Geschäftsst. d. Bl. 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