9 Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Christliches Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter W g je tausenz, i, t. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. konto Hannover 67377. — Nr. 75. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 31. März 1931. 13. Jahrgang. Heilandshände Die Hände, die die Kinder einst gekof't, Die Hände, die gespendet Heil und Trost, Die wilde Meereswogen einst geglättet, Aus Blindheit, Siechtum, Leid und Tod gerettet, Die alles Elend dieser Welt getragen— Die hat die Menschheit an das Kreuz geschlagen. Ach, daß ich stets, wenn ich durch Dornen geh, Herr, deine Hände, die durchbohrten, seh! " Kurt Tietze. Um den freiwilligen Arbeitsdienst Von Bürgermeister Bleicken, Cuxhaven. Daß der Kampf um die Einführung eines Arbeitsdienstes noch keineswegs abgeschlossen ist, beweist die Einberufung eines Gutachter=Ausschusses durch die Reichsregierung, der sich mit dieser Angelegenheit befassen soll. Zugleich wird allerdings damit auch bewiesen, daß die Ansichten über die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit dieser Maßregel noch nicht geklärt sind. Und so ist es notwendig, daß die Oeffentlichkeit sich in Presse und Vereinigungen weiter in die mit dieser Maßnahme verbundenen Fragen und Aufgaben vertieft. Hierzu trägt auch ein Aufsatz des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung, Dr. Syrup, über den freiwilligen Arbeitsdienst im„Magazin der Wirtschaft“ vom 13. Februar dieses Jahres bei. Er tritt grundsätzlich für einen solchen Arbeitsdienst ein, meint aber, daß dieser wegen Mangels an Geld nur in engem Rahmen durchgeführt werden könne. Es scheint mir deshalb notwendig zu sein, seinen Gedankengängen nachzugehen, einmal, weil Dr. Syrups Ansicht bei der Stellung, die er im öffentlichen Leben einnimmt, von erheblichem Gewicht werden kann, und ferner, weil die Reichsregierung, und gewiß mit Recht, ihre Entscheidung offenbar ebenfalls besonders davon abhängig machen wird, ob die Kosten eines freiwilligen Arbeitsdienstes tragbar sind. Dr. Syrup berechnet nun die täglichen Kosten für einen Arbeitsdienstwilligen zusammen mit denen für Sachausgaben auf rd..— RM. So kommt er zu dem Ergebnis, daß eine Beschäftigung von 100000 Menschen während 8 Monate(außerhalb der Wintermonate) jährlich 150 Millionen Reichsmark erfordern würde. Und er meint, wenn auch der Arbeitsdienst wertvolle volkswirtschaftliche Ergebnisse zeitigen werde, z. B. Siedelungsgelände, Flußregulierungen, verbesserte und neue Verkehrsstraßen, so handele es sich doch immer nur grundsätzlich um„zusätzliche", also nicht lebensnotwendige Arbeiten. Dafür könne aber die öffentliche Hand bei der allgemeinen Notlage nicht eine so hohe Summe hergeben, ohne zugleich andere und wichtigere Belange, besonders die Privatwirtschaft, zu schädigen. Ich will nun voraussetzen, daß Dr. Syrup die Zahlen mit genügender Wahrscheinlichkeit errechnet hat, und mich zunächst mit seinen eben angeführten allgemeinen Bemerkungen beschäftigen. Diesen aber muß ich mich im Grundsätzlichen nachdrücklich entgegenstellen. Dr. Syrup bezeichnet die für den Arbeitsdienst vorgesehenen Arbeiten als nicht lebensnotwendig, weil„zusätzlich“. Mir will scheinen, als stelle er solche Arbeiten denen gleich, die nach den„Richtlinien für die wertschaffende Arbeitslosenfürsorge“ für eine Unterstützung aus Reichsmitteln in Betracht kommen. Diese werden als„zusätzliche" bezeichnet, weil die öffentlichen Gewalten sie ohne Förderung durch Reichsmittel nicht würden ausführen können. Sie müssen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt besonders wertvoll sein. Der Kern ist aber, wie das Wort„Arbeitslosenfürsorge“ zeigt, daß zu Gunsten einer beschränkten Zahl jeweilig wechselnder Arbeitsloser nach Tariflöhnen Arbeiten ausgewiesen werden, m. a.., daß die Gelegenheiten zu Arbeitsverdiensten an Stelle von Unterstützungen vermehrt werden; in zweiter Linie steht als selbstverständliche Bedingung, daß die„Arbeiten für die Volkswirtschaft von produktivem Wert sind“. Umgekehrt aber sollen im Arbeitsdienst vor allem große volkswirtschaftliche und auch andere Werte geschaffen oder erhalten werden, und das Maß des Arbeitsverdienstes tritt demgegenüber in den Hintergrund. Zur Freiwilligkeit für diese schwere und— ich will sie einmal so nennen— schlecht entlohnte Arbeit kann man nach meiner Ueberzeugung überhaupt nur aufrufen, wenn es sich zur Hauptsache gerade um Leistungen handelt, die für unser Volk, und nicht nur für dessen Wirtschaft, lebensnotwendig sind. Dr. Syrup führt in diesem Zusammenhange die Beschaffung von Siedelungsgelände an. Ich denke, es gibt für unsere Innenpolitik kaum etwas lebensnotwendigeres, als gerade diese Arbeit, vor allem im Osten, aber auch in anderen Teilen Deutschlands. Aber man beklagt, daß die Vorarbeiten für die Herrichtung einer Siedlerstelle zu teuer seien, dem Siedler zu schwere Lasten auflegten. Nun wohl, der freiwillige Arbeitsdienst könnte einen Teil dieser Arbeiten verbilligen. Dr. Syrup erwähnt ferner Flußregulierungen. Erleben wir nicht fast jedes Jahr schwere Dammbrüche und Ueberschwemmungen? Militär und Technische Nothilfe werden eingesetzt, um erst einmal im Augenblick Hilfe zu schaffen. Aber fehlt nicht oft das Geld, um wirklich gründliche Besserung zu schaffen? Mir will scheinen, daß die dafür zu leistende Arbeit auch lebensnotwendig ist. Ich will von weiteren Beispielen aus dem Wirtschaftsgebiet absehen. Ich deutete oben noch auf andere Werte hin, die durch den freiwilligen Arbeitsdienst geschaffen oder erhalten werden sollten, und diese sind sittlicher Art. Der Arbeitsdienst soll vor allem junge gesunde, arbeitswillige Menschen aus dem furchtbaren Jammer langer, noch nicht übersehbarer Tatenlosigkeit mit ihren sittlichen Nöten und Gefahren herausholen und ihnen das Bewußtsein geben, daß sie, die man ja so gern die„Zukunft Deutschlands“ nennt, diesem ihrem Volke in wertvoller Arbeit dienen können. Und diese sittliche Stärkung unserer Jugend ist für unseres Volkes Zukunft so lebensnotwendig wie nur irgend eine wirtschaftliche Leistung. Und weiter: Die Siedlungsarbeit im Osten und damit der für sie zu leistende Arbeitsdienst hat eine entscheidende nationalpolitische Bedeutung. Ich brauche darüber wohl nicht viele Worte zu verlieren. Ist also der freiwillige Arbeitsdienst nicht auch in dieser Richtung lebensnotwendig? Und schließlich: Durch unsere Fachliteratur und Presse geht der klagende und anklagende Ruf„wir Deutschen sind ein sterbendes Volk“, weil unsere Geburtenzahl unheimlich sinkt, unsere Bevölkerung„vergreist". Nichl aus den Städten, kaum noch aus den Kleinstädten kann die Rettung kommen, nur vom Lande her, aber hier wieder nicht aus dem Großbesitz, sondern aus dem Bauerntum. Das Ansiedeln von Klein= und Mittelbauern ist eine bevölkerungspolitische Lebensnotwendigkeit für Deutschland, und damit ist jede hierfür ausgeführte Leistung im Arbeitsdienst, besonders durch landlose Landmanns= und Landarbeitersöhne, so lebensnotwendig wie kaum eine andere. Hieraus ergibt sich für mich der Schluß, daß die Bedenken Dr. Syrups gegen die Bereitstellung größerer Mittel für eine weitgreifende Durchführung eines sreiwilligen Arbeitsdienstes nicht durchschlagend sind. Eine andere Frage ist natürlich, ob und wie die von ihm errechnete Summe, wenn sie als richtig anzuerkennen ist, alljährlich beschafft werden kann. Der„Jungdeutsche“ hat hierfür in seiner Beilage vom 4. Februar verschiedene Quellen bezeichnet. Ich muß es Sachverständigen und Finanzpolitikern überlassen, klarzustellen, ob und wieweit diese Quellen auszuschöpfen sind. Meinerseits habe ich in der Begründung zu dem von mir ausgearbeiteten Gesetzentwurf für ein freiwilliges Arbeitsdienstjahr darauf hingewiesen, daß die Ledigensteuer, die nur bis zum 1. April 1932 befristet ist, zu Gunsten der Finanzierung des Arbeitsdienstes beibehalten werden könne und solle. Ihre Einnahme wird für 1930 auf 110 Millionen Reichsmark geschätzt. Gut, begnügen wir uns mit diesem Betrage und stellen also nur erst einmal 70000 junge Männer ein. Dr. Syrup kann gegen diesen Vorschlag nicht einwenden, daß dem Kapitalmarkt der Wirtschaft neue Werte entzogen würden, eben weil sie ihm jetzt schon entzogen sind. Und sind die wirtschaftlichen Güter, in denen gerade jüngere Ledige zum guten Teil ihre Mittel anlegen, wie Alkohol und Tabak, volkswirtschaftlich sittlich, nationalpolitisch und bevölkerungspolitisch wertvoller als diejenigen, die mit Hilfe des Arbeitsdienstes geschaffen werden sollen? Will man indessen trotz allem auch nicht die Mittel für 70000 Menschen opfern, dann senke man diese Zahl auf 60000, auf 50 000. Aber um unseres Volkes willen tue man jedenfalls eine entscheidende Tat. Die Arbeitsdienstwilligen sind da und warten nur auf den Ruf. „Besboschniki“— Bund Der=Goniksen. Gottlosenmesse in Dresden. Soeben hat in den beiden sächsischen Großstädten Dresden und Leipzig eine lebhafte Aktion der Internationale der Gottlosen eingesetzt. In Leipzig war es der erste Reichskulturkongreß der Gottlosenverbände und in Dresden die sogenannte Gottlosenmesse, die das öffentliche Interesse aufriefen. Kaum war die Schließung der kulturbolschewistischen Ausstellung am Berliner Wedding bekannt geworden, als das Land Sachsen mit erhöhter Propaganda bedacht wurde. Der Reichskulturkongreß fand vom 13. bis 15. März in Leipzig statt. Hauptveranstalterin war die Internationale der proletarischen Freidenker, mehrere andere Organisationen hatten ihre Vertreter entsandt: die Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur(Ifa), der Kampfbund gegen den Faschismus, die Rote Hilfe, die Internationale Arbeiterhilfe usw. Der Kongreß hatte die Aufgabe, die„Richtlinien für einen Generalangriff der Gottlosen zu beraten und zu beschließen.“ Das ist geschehen. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei hat sich verpflichtet, in Zukunft in ganz außerordentlichem Umfang die Abfallbewegung von der Kirche zu finanzieren und zu unterstützen. Die 130000 deutschen Mitglieder des Gottlosenverbandes sollen so rasch wie möglich die erste Million erreichen. Bekanntlich wurde der„Bund der Besboschniki“, der„Bund der Gottlosen", im Jahre 1925 in Rußland gegründet, aber vor rund anderthalb Jahren in den„Verband der kämpfenden Gottlosen" umgetauft. Dieser Kampftypus soll von jetzt an besonders ausgebildet werden. Mitglied des Verbandes können schon Kinder vom Beginn des dritten Schuljahres an, also mit dem achten Lebensjahr werden. Man nennt sie Jungpioniere. Sie haben zwar noch nicht alle Rechte, aber bereits vom 14. Jahre ab werden sie vollgültiges Mitgried. Man behauptet, daß der Verband augenblicklich in allen Ländern zusammen, einschließlich Rußland, schon nahezu 4 Millionen aufweise, und daß man diese Zahl innerhalb 3 Jahre auf 17 Millionen steigern könne. Als Hauptpropagandagebiet ist Deutschland ausersehen. Daneben vor allem Oesterreich und alle deutschen Minderheitsgebiete in fremden, angrenzenden Staaten. In sog. Gottlosenzellen, die in den Städten und Dörfern gegründet werden und als unterste Grundlage der gesamten Organisation zu gelten haben, sollen die tüchtigsten Kräfte geschult und eine gewisse Anzahl von ihnen sogar zu einem Jahreskurs an die Zentrale nach Moskau geschickt werden. Sie sollen später die Hauptwerber und Redner abgeben. Zu ihrer Verfügung stehen entsprechende Filme, Theaterstücke und Theatertrupps, Schriften, Bücher, überhaupt alles, was die moderne Technik an Aufklärungsmitteln auf den Markt wirft. In besonderen„Schauen“ soll das verschiedenartigste Material zusammengetragen werden, lum das religiöse Kulturgut wirkungsvoller zu untergraben. Die Werbung für den Kirchenaustritt hat in ganz besonderem Maße bei den Arbeitslosen einzusetzen, weshalb auch der gegenwärtige Zeitpunkt als der allergünstigste bezeichnet wird. Eine wöchentliche Zeitschrift in deutscher, französischer und englischer Sprache ist geplant. Jedoch nicht nur die Erwachsenen, sondern ebenso die Kinder sollen mit entsprechendem Material bearbeitet werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß den obersten Leitern in Moskau die schon an sich radikale Stimmung in Sachsen als besonders günstig für ihre Bestrebungen erscheint. Dazu kommt, daß gewisse Veranstaltungen nicht sofort von staatlicher Seite verboten werden, sondern stattdessen nur unter„Kontrolle der Behörden“ gestellt werden. Bis dann das eigentliche Verbot erfolgt, ist bereits sehr großer Schaden angerichtet. So war es auch in Leipzig mit der Ifa=Kulturschau, die anläßlich des erwähnten Reichskulturkongresses eröffnet wurde, und die an Verhohnung und Verlästerung der Religion ihresgleichen suchte. Aber die größte Blasphemie stellte wohl der Gedanke dar, in Dresden eine sogenannte Gottlosenmesse zu inszenieren. Das, was dort geboten wurde, und— wäre die Veranstaltung nicht endlich doch polizeilich unterbrochen worden—- noch geboten werden sollte, spottet jeder Beschreibung. Die sogenannte„Linkskurve“ eine kommunistische Organisation zur Kirchenaustrittspropaganda, trat als die eigentliche Urheberin dieser Veranstaltung auf. In Gedichten und Dialogen wurde von einer„Spieltruppe“ alles in den Schmutz gezogen. Nicht nur die Geistlichkeit aller Konfessionen und ihre caritativen Einrichtungen, sondern auch die staatlichen Vertreter, voran der Reichskanzler Brüning. Die Sprecher trugen Masken, die die verschiedensten Personen karrikierten. Zum Höhepunkt der ganzen Veranstaltung sollte die Parodie einer Messe werden. Man wollte die Karrikatur eines Gottesdienstes auf die Bühne bringen und ließ einen Geistlichen im Talar mit fratzenhafter Maske und Bibel auftreten. Sein Erscheinen erweckte schon in kurzer Zeit so großes Aergernis, daß die Polizei endlich dem Treiben ein Ende machte. Einige Tage vorher war in Dresden ein Plakat ausgehängt, auf dem das Opferlamm als Esel dargestellt wurde, der ein priesterliches Barett mit dem Christuskreuz trug. Das sächsische Beispiel mit seinen Leipziger und Dresdener Erjahrungen ist wohl geeignet, die Aufmerksamkeit der berufenen Behörden in allen Ländern aus die kulturbolschewistische Gefahr erneut hinzulenken. Die Vorbereitungen für große Veranstaltungen werden nicht selten auf geheime Art durchgeführt, so daß die Behörden leicht getäuscht werden. Das Hauptorgan der Kommunistischen Partei in Sachsen, die„Arbeiterstimme“ ist. z. B. schon seit rund einem Monat verboten, sodaß also eine äußere Pressepropaganda mit großen Schwiertgkeiten verbunden war, und trotzdem konnten die Dinge in letzter Zeit so weit gedeihen. Es liegen hier in Sachsen bestimmte Beweise dafür vor, daß die russische Zentrale in nächster Zeit alles aufbieten will, um die Gottlosenbewegung rascher auszudehnen. Schon der Umstand, daß mit dem Kampf gegen das Religiöse immer zugleich eine scharfe Campagne gegen jede staatliche Autorität geführt wird, sollte die verantwortlichen Behörden zu einer rechtzeitigen Unterbindung all dieser kulturfeindlichen Aktionen veranlassen. Dr. A. Zu den„Gedanken eines Harmlosen“. In den Nummern 47 und 48 des„Aufwärts“ schreibt jemand unter der Ueberschrift„Gedanken eines Harmlosen“ zum Wirtschaftsgeschehen unserer Zeit. Diese Gedanken bedürfen doch noch mancher Klärung. Wenn uns etwas helfen soll in unserer ratlosen Zeit, dann ist es vollständigste Denkklarheit in unseren Vorschlägen. Es ist richtig, daß der Verfasser die Ursache unserer verfahrenen Wirtschaftslage in der mangelhaften Ordnung unseres Geldwesens sucht. Wir haben es verstanden, die Verkehrsmittel in einer glänzenden Weise zu verbessern. Wer heute eine Reise von Hannover nach Frankfurt machen und dazu den Ochsenkarren benutzen wollte, würde sich billig der Lächerlichkeit aussetzen. Das wichtigste Verkehrsmittel, ohne das die Waren nicht von der Produktion zum Verbrauch gelangen können, das Geld, haben wir aber kaum verbessert. Es ist noch genau so, wie es vor Jahrhunderten und Jahrtausenden benutzt worden ist, und besorgt seine Aufgabe so mangelhaft, wie der Ochsenkarren den Bedürfnissen des modernen Warenverkehrs gerecht zu werden vermöchte. Es ist auch richtig, daß das charakteristische unserer Zeit in einem Kapitalmangel und einer schleichenden Kreditverknappung zu sehen ist, weshalb die Zinssätze des Leihgeldes sich noch jahrein, jahraus, an den Vorkriegsverhältnissen gemessen, auf einer phantastischen Höhe bewegen. Mit erfrischender Deutlichkeit treten die Ausführungen auch dem Wahngebilde entgegen, als ob die Ausgabe von Papiergeld gleich Inflation wäre. Immer wieder wird die Behauptung aufgestellt, daß die Inflation der ersten Nachkriegsjahre nur darauf zurückzuführen sei, daß wir von den alten soliden Grundsätzen der Goldwährung abgegangen seien. Nichts ist törichter als das. Was wir in jenen Jahren erlebten, hatte nichts mit Währung oder Geldverwaltung zu tun. Es war eine Mißwirtschaft allerschlimmster Art, die nur dadurch möglich wurde, daß die Reichsbankdirektoren, also die verantwortlichen Währungsleiter nicht die geringste Ahnung von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen hattenja, daß ihnen die Dynamitz des Geldumlaufs nicht einmal geläufig war. Havenstein kannte nur den Automatismus der Goldwährung; als der nicht mehr bestand, gab er Milliarden über Milliarden in den Verkehr und wunderte sich, daß die Wirtschaft immer noch nicht Geld genug hatte.(Ob die Sache so harmlos gewesen ist? Die Schriftleitung.) Hier liegt aber auch eine ganz gefährliche Täuschung des Verfassers vor, die unbedingt beachtet werden muß, wenn durch die Einführung der Inlandmark nicht unberechenbarer Schaden angerichtet und der Mut zu neuen Versuchen auf dem Gebiet des Währungswesens nicht auf lange Jahre hinaus genommen werden soll. Er behauptet, daß die Ausgabe von einigen Milliarden Inlandsmark, für welche neue Werte geschaffen und womit die Industrie belebt wird, niemals eine Inflation verursachen kann. Das ist derselbe Irrtum, den Gottfried Feder begangen hat, über den ich an dieser Stelle schon in „Ein Wort, das um des Gewissens willen gesagt werden muß. berichtet habe. Schneller, als ich vermutete, ist die NSDAP. selbst zu der Ueberzeugung gekommen, daß das Federsche Programm weder in der Theovie, geschweige denn vor der Praxis des Lebens— standzuhalten vermag. Die„Bayerische Staatszeitung“ berichtet, daß Hitler den bisherigen Wirtschafts=Sachverständigen der Partei, Abg. Feder, fallen gelassen habe und jetzt selbst mit anderen Wirtschaftstheoretikern ein neues Wirtschaftsprogramm ausarbeite. Eine plötzliche Hineingabe von einigen Milliarden Mark in die Wirtschaft würde ganz zweifellos eine Inflation ergeben. Jedenfalls dürfte es nur ganz vorsichtig und nur nach und nach, vielleicht im Laufe einiger Jahre, geschehen unter beständiger gewissenhaftester Beobachtung der Preisgestaltung. Der Verfasser hat sich eine ganz eigene Auffassung von den Ursachen unserer großen Inflation gemacht, wodurch er zu der obigen Behauptung gekommen ist. Ec ist der Ansicht, daß unsere Mark darum zerbrochen ist, weil das Ausland das Vertrauen in sie verloren hatte. Diese Ansicht widerspricht allen volkswirtschaftlichen Erfahrungen. Der Wechselkurs eines Geldes gegenüber den ausländischen Währungen stellt sich sofort automatisch um bei jeder Veränderung der Kaufkraft des betressenden Geldes auf dem Inlandsmarkt. Mit Mark kann ich uun in Deutschland, mit Franken nur in Frankreich, mit Dof. lar nur im Dollarland kaufen usw. Unsere Mark zersigf nicht, weil das Ausland das Vertrauen zu ihr versar sondern weil die Reichsbank durch die fortgesetzte tenvermehrung die Kaufkraft im Inlande beständig ver. ringerte. Dem Amerikaner erschien unsre Frage, warum er soviel für seinen Dollar haben wollte, verwunderlich weil er von einer Kaufkraftsteigerung des Dollarz in Amerika nichts gespürt hatte, sondern genau das Gegen, teil. Die Rettung durch die Rentenmark aus dem Wäß, rungsverfall erschien dem Volkswirtschaftler, der die Du. namik des Geldumlaufs begriffen hatte, durchaus nicht wie ein Wunder, sondern als eine Selbstverständlichkeit Als man dem schwedischen Nationalökonomen Prosessor Cassel den Plan vorlegte und ihn fragte, ob die Renten, mark fest bleiben würde, da antwortete er:„Ja, freilich wird sie stabil bleiben, wenn man ihre Ausgabe beschränkt,“ und als ein Jahr später Dr. Schacht befragt wurde, ob er die neue Reichsmark stabil halten könne da antwortete er mit einem:„Unbedingt!“ und er fügte hinzu:„Ich würde mich nicht scheuen, wenn es ihre Stabilität erfordert, die letzte Mark aus dem Verkehr zu ziehen.“ Unsere Geldverwaltung sollte sich nach den Gesetzen der Quantitätstheorie richten, d.., die Menge des umlausenden Geldes muß abhängig sein von der Größe der Produktion, oder volkswirtschaftlich ausgedrückt: die Herausgabe des neuen Geldes muß sich nach der Bildung neuer Kapitalien richten, sie darf nicht der freien Willkür überlassen werden, ebensowenig wie sie sich nach der Menge eines vorhandenen Geldstoffes richten darf, wie es heute der Fall ist. Beides trägt ernstliche Störungen in die Wirtschaft hinein. Da ich aber annehme, daß die meisten Leser mit dem Wort Quantitätstheorie nicht sofort die klare Vorstellung verbinden können, sei hier die Theorie kurz erörtert, Die Volkswirtschaft geht davon aus, daß in einer gewissen Zeit, sagen wir einmal, in einem Monat, mit dem vorhandenen Gelde die auf dem Markt erscheinenden Waren gekauft werden können. Geld(G) gleich (). Für eine Einheit Geld kann ich eine Einheit Ware kaufen. Verdoppelt sich die Menge des Geldes ohne wesentliche Vermehrung der Warenmenge, so ist 2 G gleich W. Die Warenpreise steigen, die Kaufkraft des Geldes fällt. Sinkt jedoch die Menge des Geldes auf die Hälfte ohne Veränderung der Warenmenge, so ist ½ G gleich W oder G gleich 2W. Die Kaufkraft des Geldes hat sich verdoppelt. Der Warendurchschnittspreis(), der Index, ist auf die Hälfte gesunken. Der Warendurchschnittspreis ergibt sich, wenn die vorhandenen Geldeinheiten durch die Wareneinheiten geteilt werden. I gleich Ggeteilt durch W. Die Währungsmaßnahmen sind nach der Formel der Quantitätstheorie nun außerordentlich leicht zu beachten. Steigt der Warenindex, so ist das ein chen, daß im Verhältnis zur möglichen Prodükkion die Geldausgabe zu groß war. Die Währungsleitung wird also Geld einziehen. Fällt er dagegen, so ist das ein Beweis, daß die Geldmenge den Erfordernissen der Wirtschaft nicht entspricht. Die Währungsleitung wird mehr Geld in den Verkehr geben. Die Quantitätstheorie strebt also dem Gleichstand des Index, der Warenpreise zu. Sie hält sowohl die steigenden wie die fallenden Preise, durch die Krisen und Konjunkturen in der Wirtschaft bewirkt werden, für einen Zustand, der in der zukünftigen Wirtschaft nicht mehr möglich sein soll. Die totale Mondfinsternis am 2. April 1931. Da die Erde eine dunkle, nichtleuchtende Kugel ist, die von der Sonne beschienen wird und von dieser ihr Licht erhält, so muß sie naturgemäß hinter sich, in der zur Sonne entgegengesetzten Richtung einen vollkommen dunklen Schatten werfen. Dieser Schatten hat die Gestalt eines Kegels, dessen Spitze nahezu 3,6mal weiter von der Erde entfernt ist als ihr treuer Begleiter, der Mond. Tritt nun letzterer, bei seiner Wanderung um die Erde, in diesen Schattenkegel, so haben wir eine Mondfinsternis. Eine solche kann sich nur zur Zeit des Vollmondes ereignen, weil nur dann der Mond, von der Sonne aus gesehen, hinter der Erde steht, oder, wie der Astronom sagt, sich in Opposition zur Sonne befindet und sich somit dem vorhin erwähnten Erdschatten nähert. Fiele nun die Bahn des Mondes mit der Ekliptik, in deren Ebene ja die Sonne steht, zusammen, so müßte der Mond jedesmal zur Zeit seines vollen Lichtes verfinstert werden, ebenso würde er alsdann bei jedem Neumand eine Sonnenfinsternis verursachen. In Wirklichkeit bilden aber Mondbahn und Ekliptik einen Winkel von 5 Grad miteinander und infolgedessen geht der Mond zur Zeit seines Vollichtes meistens über oder unter dem Schattenkegel der Erde hinweg, ohne ihn zu berühren. Er wird seinen Weg nur dann durch den Erdschatten nehmen, wenn er gleichzeitig auch nahe der Ekliptik, also in der Nähe eines der sogenannten Knoten seiner Bahn, das sind eben jene Punkte, wo die Mondbahn die Ekliptik schneidet, steht. Da die Mondbahn zwei solcher gegenüberliegender Knoten hat, und da die Sonne, oder besser gesagt, die Erde, in einem Jahre die ganze Ekliptik durchläuft, die Bewegung der Sonne innerhalb der Ekliptik ist ja nur eine scheinbare Folge der Erdbewegung, so folgt daraus, daß es jährlich zwei Perioden gibt, während welcher Finsternisse vorkommen können. Wegen der noch hinzutretenden Bewegung der Mondbahnknoten treten diese Finsternisperioden nicht jedes Jahr zu gleicher Zeit ein, sondern durchschnittlich in jedem folgenden Jahre 20 Tage früher. In 18 Jahren und 10 oder 11 Tagen haben die Knoten der Mondbahn einen vollen Umlauf vollendet. Die Folge ist, daß nach Ablauf dieser Zeit alle Finsternisse in nahezu gleicher Reihenfolge wiederkehren. Man nennt diese Periode, die schon den alten Babyloniern bekannt war, den babylonischen SacosZyklus. Eine Mondfinsternis kann stets an allen Orten und zu gleicher Zeit wahrgenommen werden, wo gerade der Mond über dem Horizont steht; sie ist eben keine perspektive, sondern eine objektive Erscheinung, da der Mond wirklich direkt vom Erdschatten getroffen wird. Daraus geht hervor, daß eine Mondfinsternis für eotl. Mondbewohner eine Sonnenfinsternis ist, weil für sie das Tagesgestirn, die Sonne, von der Erde verdeckt wird. Im Gegensatz zu der vorhin erwähnten Sichtbarkeit der Mondfinsternisse sind Sonnenfinsternisse bekanntlich durchaus nicht für alle Bewohner der Erdhalbkugel, die zur Zeit der Finsternis Sonnenschein haben, sichtbar, weil hier die Ursache eben eine ganz andere ist. Für einen bestimmten Erdort sind daher Mondfinsternisse häufiger als Sonnenfinsternisse, für die Erde im allgemeinen treten dagegen die letzteren weit öfter auf, kommen doch im allgemeinen auf 42 Sonnenfinsternisse, innerhalb der bereits erw###en Sarosperiode, nur 29 Mondfinsternisse. Bei der Hälfte aller Mondfinsternisse geht der Mond soweit über oder unter dem Zentrum des Erdschattens weg, daß auch zur Zeit der größten Verfinsterung nur ein Teil seiner Scheibe im Kernschatten steht; wir haben alsdann eine partielle Mondfinsternis. Bleibt der Mond ganz im Halbschatten, das ist der hellere Saum, der den dunkleren Kernschatten umgibt, so spricht man von einer Penumbra=Finsternis. Eine solche ist so unauffällig, daß sie nur in Instrumenten zu beobachten ist. Eine ringförmige Mondfinsternis ist, im Gegensatz zu den Sonnenfinsternissen, nicht möglich, weil der Durchmesser des Erdschattens den des Mondes übertrifft; er ist in der Entfernung des Mondes 2½mal größer als der des Mondes. Tritt nun der Mond zur Zeit seines Vollichtes ganz in den Kernschatten der Erde, so haben wir eine totale Mondfinsternis. Die Dauer einer vorhin kurz beschriebenen partiellen Mondfinsternis kann im Höchstfalle 3,3, die einer totalen 4,6 Stunden umfassen. Eine größere oder totale Mondfinsternis ist, für alle, die ihre Ursache kennen, ein interessantes Ereignis, für die wilden Völker dagegen, die in dem Verschwinden des Mondlichtes das Wirken böser übernatürlicher Mächte sehen, unheimliche Schrecken einflößende B eine achlitnih. Schrrulm=flöße... Jegebenheit. Während einer totalen Verfinsterung ist der Mond niemals ganz unsichtbar, sondern erscheint in dem bekannten kupferfarbigen Lichte, welthes von den durch die Erdatmosphäre im Kernschatten der Erde gebrochenen Sonnenstrahlen herrührt. In diesem Jahre werden wir Gelegenheit haben, in unseren Breiten zweimal eine totale Mondfinsternis beobachten zu können und zwar am 2. April und 26. September. Nachstehend sei kurz der Verlauf der ersten, in den Abendstunden des 2. April stattfindenden, Finsternis angegeben: Eintritt des Mondes in den Kernschatten der Erde 19 Uhr, 23 Minuten Beginn der Totalität 20 Uhr 22 Minuten Mitte der Finsternis 21 Uhr 7 Minuten Ende der Totalität 21 Uhr 52 Minuten Austritt des Mondes aus dem Kernschatten der Erde 22 Uhr 51 Minuten. Der Positionswinkel des Eintritts in den Erdschatten ist— 130 Grad, der des Austritts— 287 Grad. Der Posttionswinkel wird vom Nordpunkt der Mondscheibe, nach links, über Osten gezählt und beginnt somit die Versinsterung am linken unteren Mondrande. Die Größe der Finsternis beträgt 1,5 Monddurchmesser, d. h. der Mon muß eine Strecke, die 1½mal so groß ist wie sein eigener Durchmesser, im Kernschatten der Erde zurücklegen. 0 er stündlich um die Länge seines Durchmessers fortschre“ tet, währt die Totalität 1½ Stunden. Wir werden also in den Abendstunden des Gründon“ nerstag, falls das Wetter günstig ist, ein sehr schones Naturschauspiel erleben und alle Freunde des gestirne“ Himmels seien hiermit besonders darauf hingewiesen. Für Fernrohrbesitzer wird es sehr interessant sein, das Eintauchen gewisser Landschaften sowie einzelner Krate“ und Ringgebirge in den Erdschatten zu verfolgen. Alles Bewunderern astronomischer Vorgänge wird die Finste“ nis reiche Freude und mehr Genuß bieten als massch seichte und oberflächliche Kino= und Theaterdarstellung unserer Tage. Dazu brauchen wir zu dieser kosmischen Darbietung kein Entrittsgeld zu zahlen und das durf“; bei der gegenwärtigen allgemeinen Notlage, doch ant eine kleine Rolle spielen. Fr. Saatkamp. Der bargeldle weist, regelt sich laufsgeldes. Er. verlangsamender bargeldlose Ver Barverkehr. 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Die Warennachfrage ist allein abhängig von der Höhe des Barverkehrs, denn nur der, der im Besitz des Geldes ist, kann Nachfrage halten. Strafbar macht sich der, der Nachfrage hält, ohne im Besitz des Geldes zu sein oder sich bis zum Zahlungstermin nicht in den Besitz desselben zu setzen vermag. Mancher Punkt, den ich eben erwähnt habe, würde einer besonderen Darstellung bedürfen, um zu völlig denkklaren Resultaten zu kommen. Vielleicht wird die Schriftleitung mir aber einmal Gelegenheit geben, zu dieser oder jener Frage in besonderer Abhandlung Stellung zu nehmen. H. Vagts, Kiel. Aoie Rert kattgW....... Wesentliche Einschränkung der Versammlungsfreiheit. — Politische Versammlungen und Plakate müssen 24 Stunden zuvor angemeldet werden. — Berlin, 30. März. Reichspräsident von Hindenburg hat auf Grund des Artikels 48 der Reichsverfassung eine Notverordnung zur Bekämpfung politischer Ausschreitungen erlassen, die die Befugnisse der Behörden aus dem Gebiete des Versammlungsrechtes und hinsichtlich der politischen Druckschriften in einer Anzahl von Punkten wesentlich erweitert und einschneidend in das Versammlungsrecht eingreift. In Paragraph 1 der Verordnung wird bestimmt, daß öffentliche politische Versammlungen sowie alle Ansammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel spätestens 24 Stunden vorher der Ortspolizeibehörde angemeldet werden müssen. Sie können beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen verboten werden, vor allem dann, wenn zu besorgen ist, daß zum Ungehorsam gegen Gesetze oder Anordnungen der Behörden aufgefordert oder angereizt wird, der Staat oder seine leitenden Beamten beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werden oder eine Religionsgemeinschaft beschimpft wird. Statt des Verbotes kann eine Genehmigung unter Auflagen erfolgen. Verstöße werden mit Gefängnis bestraft. Die gleichen Vorschriften gelten für politische Umzüge auf Lastwagen. Unterlassung der Anmeldung oder öffentliche Aufreizung zu Gewalttaten wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. Mit Gefängnis nicht unter sechs Monaten wird bestraft, wer eine Schußwaffe unbefugt führt und eine Gewalttätigkeit mit ihr gegen einen anderen begeht oder ihm androht. Versammlungen und Aufzüge können unter den gleichen Voraussetzungen, die das Verbot begründen, aufgelöst werden. Nach Paragraph 7 können Vereinigungen, deren Mitglieder wiederholt gegen die Bestimmungen der Verordnung und andere in der Verordnung genannte Vorschriften verstoßen haben und in denen solche Handlungen gebilligt oder geduldet werden, ausgelöst werden. Paragraph 8 bestimmt, daß für politische Vereinigungen das Tragen einheitlicher Kleidung oder Abzeichen verboten werden kann. Nach Paragraph 10 können Plakate und Flugblätter, deren Inhalt geeignet ist, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden, beschlagnahmtund eingezogen werden, auch müssen Plakate unt blätter politischen Inhalts mindestens 24 Stunven vor ihrer Verbreitung der zuständigen Polizeibehörde zur Kenntnisnahme vorgelegt werden. Die öffentliche Ankündigung politischer Versammlungen darf nur die erforderlichen sachlichen Angaben enthalten. Andernfalls kann sie polizeilich beschlagnahmt und eingezogen werden. Das gleiche gilt für Druckschriften, in denen eine Kundgebung der in Paragr. 1 der Verordnung bezeichneten Art enthalten ist. Periodische Druckschriften können beim Vorliegen dieser Voraussetzungen, wenn es Tageszeitungen sind, bis auf die Dauer von acht Wochen, in anderen Fällen bis auf die Dauer von sechs Monaten, verboten werden. Dasselbe gilt für periodische Druckschriften, als deren verantwortlicher Schriftleiter eine Person bestellt oder benannt ist, die strafrechtliche Immunität genießt. Beschwerderecht. Der dritte Abschnitt der Verordnung, die Paragraphen 13 bis 17, enthält Verfahrens= und Durchführungsvorschriften. Er bestimmt insbesondere, daß gegen die Maßnahmen der Ortspolizeibehörden die Anfechtung nach den Bestimmungen des Landesrechts, in allen übrigen Fälien die Beschwerde an einen vom Präsidium zum bestimmenden Senat des Reichsgerichts gegeben ist. Die Einlegung der Rechtsmittel hat keine aufschiebende Wirkung. Der Reichsminister des Innern kann die oberste Landesbehörde um die Auflösung einer Vereinigung, das Verbot des Uniformtragens oder das Verbot einer periodischen Druckschrift ersuchen. Bei Meinungsverschiedenheiten ist unverzüglich(telephonisch) die Entscheidung des Senats des Reichsgerichts anzurufen. Die weiteren Durchführungsmaßnahmen trifft der Reichsminister des Innern, auch kann er Richrunten für die Handhabung der Verordnung erlassen. Die in Artikel 48 Abs. 2 der Reichsversassung genannten Grundrechte werden für die Geltungsdauer diese Verordnung in dem zu ihrer Durchführung sorderlichen Umfange außer Kraft gesetzt. Die Verordnung tritt mit ihrer Verkündung in Kraft, mit Ausnahme der Vorschriften über die vorherige Anmeldung von Versammlungen und die Vorlegung von Plakaten und Flugblättern. Diese letztgenannten Vorschriften treten mit Beginn des dritten Tages nach der Verkündung in Kraft. * Rundtelegramm des Innenministers. Verbot der kommunistischen Anti=Ostern=Kundgebungen. Sofort nach der Unterzeichnung der Notverordnung durch den Reichspräsidenten richtete der Reichsminister des Innern Dr. Wirth ein Rundtelegramm an die Innenminister der deutschen Länder, mit dem er ihnen von der Notverordnung Mitteilung macht. Das Telegramm schließt mit der Erklärung: „Danach können die das christliche Empfinden schwer verletzenden kommunistischen Anti=Ostern=Kundgebungen, insbesondere Fahrten, verhindert werden,„Ich darf Ihre besondere Aufmerksamkeit auf die ponnische Bedeutung der Verhinderung dieser Fahrten lenten.“ Die nationale Opposition zur neuen Notverordnung. — Nürnberg, 29. März. Die Vertreter der dem Reichstag ferngebliebenen Parteien hielten am Sonntag in Nürnberg eine Tagung ab. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt:„Die mit dem Auszug der Opposition angestrebten Ziele sind ihrer Verwirklichung nähergebracht. Eine an sich brüchige, nur durch Wahlangst zusammengehaltene, Mehrheit hat mit der Vertagung des Rumpfparlaments den Beweis erbracht, daß das sogenannte Frontkämpfer=Kabinett Brüning sich in hoffnungsloser freigewählter Abhängigkeit von der Sozialdemokratie befindet. Irgendwelche Aufbauarbeit im Sinne der vorjährigen Osterbotschaft Hindenburgs ist nicht geleistet worden. Die Sozialdemokratie ist entlarot. Ihre Anhänger sehen jetzt, was von den Wahlversprechungen dieser Partei zu halten ist. Die nationale Opposition wendet sich mit Entschiedenheit gegen die neue Notverordnung, durch die wesentliche Grundrechte der Verfassung außer Kraft gesetzt werden. Sie wird die Einberufung des Reichstages fordern und sie wird auch in den Ländern die zur Aufrechterhaltung ihrer von der Verordnung verletzten Souveränität gebotenen Schritte tun. Von dem Herrn Reichspräsidenten wird erwartet, daß er sich nicht länger von den Parteien einseitig unterrichten läßt, die ihn ursprünglich bekämpft und zum Teil geschmäht haben, sondern daß er auch die Vertreter der nationalen Opposition hört, hinter denen die Mehrheit seiner ehemaligen Wähler steht. Die von ihm unterzeichnete Verordnung ist von ihren Urhebern nicht nur zur Abwehr der Propaganda der Gottlosen bestimmtsle ist offensichtlich gegen die besten aufbauenden Kräfte der Nation gerichtet und soll dem Stahlhelm=Volksbegehken Abbruch tun. Die zersetzende Tätigkeit der Gottlosen und der übrigen christentumsfeindlichen und landesverräkerischen Organisationen muß durch ihn unterbunden werden. Kann der Herr Reichspräsident die Aufhebung der Verordnung bei der Reichsregierung nicht durchsetzen, so fordert die nationale Opposition, daß er sich von seinen gegenwärtigen Beratern trennt.“ „Verschleierte Diktatur“ Paris und die neue Notverordnung. Paris, 29. März. Die neue vom Reichspräsidenten von Hindenburg unterzeichnete Notverordnung zur Beschränkung der Versammlungs= und Pressefreiheit findet in der französischen Presse starke Beachtung. Der „Temps“ schreibt hierzu, daß in diesen Verordnungen vielleicht der erste Schritt zur Diktatur gesehen werden müsse. Es werde sich bald herausstellen, ob damit tatsächlich nur die Unterdrückung der bolschewistischen und rechtsradikalen Umtriebe beabsichtigt war, oder ob es sich um den Ausgangspunkt einer neuen Politik zur Erleichterung der Aufgaben des Kabinetts Brüning handele. Das „Petit Journal“ glaubt zu wissen, daß man im Quai 'Orsay diese Maßnahme, wo sie schon vor einigen Tagen von Berlin angekündigt gewesen sei, für eine verschleierte Diktatur halte. Stahlhelm und Kirche. Der Gründer und erste Bundesführer des helms, Franz Seldte, gab in Magdeburg eine Erklärung über die Stellung des Stahlhelms zu den Kirchen ab. Bundesführer Seldte führte aus: „Der Stahlhelm ist staatsbejahend. Er debattiert nicht über die Staatsform, und er debattiert nicht über die lichen Konfessionen. Ueber den Versuch jedoch, das Gefechtsfeld zu verlegen und zwischen dem Stahlhelm und der katholischen Kirche durch eine Art Ablenkungsmanöver Unfrieden zu säen, will ich heute noch einmal und abschließend sprechen. Nicht erst heute, sondern 10. Reichsfrontsoldatentag in München am 9. Juni 1929, hat der Bundesvorstand zur endgültigen Darlegung seiner christlichen Auffassung eine Entschließung„Stahlheim und Christentum“ gefaßt und veröffentlicht. Vom Geiste dieser Entschließung ist der Stahlhelm noch obwohl es ihm die Kirchen— auch die katholische nicht leicht gemacht haben, sondern sich Kirchenbehörden in München und Koblenz, teilweise direkt entzogen haben. An der Entschließung von Püinchen nichts geändert. Der Stahlhelm wünscht und will mit keiner Kirche scampf. Im Gegenteil, er will ein Zu sammenarbeiten mit beiden christlichen Konfessionen, mit der katholischen und der evangelischen Kirche.“ Etatssorgen der Gemeinden — Berlin, 30. März. Wenn auch das Finanzjahr 1930, das am 31. März zu Ende ist, mit dem bekannten Defizit schließt, so wird doch der dieser Tage vom Reichstag und Reichsrat verabschiedete neue Reichshaushaltsplan durch den Fehlbetrag des letzten Jahres nicht gefährdet werden. Die schwebende Schuld von rund eineinhalb Milliarden, die sich trotz aller Steuererhöhungen und sonstigen Anstrengungen gegenüber dem 31. März 1930 kaum verändert hat, wird weiter durch Kreditüber= brückungen in das nächste Jahr hinein und wohl auch noch darüber hinaus fortbalanciert werden, ohne daßt der Reichshaushalt im Jahre 1931 damit belastet wird. Die Gefahr für den Reichsetat in dem kommenden Finanzjahr liegt daher auch auf einem anderen Gebiet: dem der Gemeindefinanzen. Der Aufbau der sozialen Fürsorge in Deutschland bringt es mit sich, daß ein starker Wirtschaftsniedergang, wie wir ihn seit 1929 durchmachen, zuerst vornehmlich die Reichskasse belastet, später aber in steigendem Maße die Gemeinden, weil diese das letzte Stadium der Ar beitslosigkeit, die Wohlfahrtsfürsorge, allein zu finanzieren haben. Da die Arbeitslosen ihre Unterstützungen zunächst eine gewisse Zeit hindurch von der Arbeitslosenversicherung, darauf von der zu vier Fünftel vom Reich bezahlten Krisenfürsorge und dann von der Wohlfahrtsfürsorge der Gemeinden bezieht, so liegt der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit in der Wohlfahrtsfürsorge etwa ein Jahr später als in der vom Reich betreuten Arbeitslosenversicherung. Es ist heute mit Gewißheit anzunehmen, daß die Wohlfahrtslasten der Gemeinden infolge dieser Zusammenhänge im Jahre 1931 noch beträchtlich steigen werden! Sie werden jetzt schon auf 900 Millionen Mark für dieses Jahr geschätzt. Es ist klar, daß sich die Gemeinden auf eine so hohe Leistung nicht ohne weiteres umstellen können, zumal sie infolge der allgemeinen Wirtschaftskrise ebenso wie Reich und Länder mit verminderten Steuereinnahmen zu rechnen haben. Demgegenüber reichen natürlich auch die Bürger=, Gemeindegetränke= und Gemeindebiersteuern nicht aus, und das Ergebnis ist ein voraussichtlicher Fehlbetrag der Gemeinden von 400—500 Millionen Mark, bei dem der Fehlbetrag noch gar nicht berücksichtigt ist, den die Gemeinden aus dem Jahre 1930 in das neue Finanzjahr mit hinübernehmen, und den sie zum großen Teil, ähnlich wie das Reich, mit gewagten Finanzoperationen werden weiterbalancieren müssen. Angesichts der vielfach befürchteten Katastrophe haben bereits wiederholt Verhandlungen mit Reich und Ländern über eine Hilfe für die Gemeinden stattgefunden. In Preußen haben die vereinigten Hauptund Gemeindeausschüsse des Staatsrates der Staatsregierung folgende Forderungen vorgelegt: 1. Reich und Staat müssen einspringen bei den Gemeinden, die nachgewiesenermaßen nicht mehr imstande sind, die Wohlfahrtslasten zu tragen, wo also der Kassenzusammenbruch unvermeidlich ist; 2. die Verteilung der Erwerbslosenlasten zwischen Reich, Land und Gemeinde ist neu zu regeln. Was die erste Hilfsaktion betrifft, so besteht ein Fonds in Preußen in Höhe von 60 Millionen Mark, aus dem allerdings nur die allerdringendsten Zuwendungen gemacht werden können. Da es Gemeinden gibt, in denen bis 20 v. H. aller Einwohner erwerbslos sind, kann man sich denken, daß für diejenigen Gemeinden, in denen„nur“ etwa 10 v. H. erwerbslos sind, aus dem Hilfsfonds nichts übrig bleibt. Neue Mittel aber zur Hilfeleistung a fonds perdu wird weder das Reich, noch der Staat zur Verfügung stellen können. Von dieser Seite wird also eine durchgreifende Sanierung nicht kommen. Die Vorschläge, mit denen die Gemeinden eine neue Verteilung der Erwerbslosenlasten erreichen wollen, gehen dahin, die Wohlfahrtsfürsorge im Betrag von 900 bis 1000 Millionen mit der Krisenfürsorge zu vereinigen und die Kosten auf Reich, Länder und Gemeinden so zu verteilen, daß das Reich 50 v.., Länder und Gemeinden je 25 v. H. aufbringen. Das Reich allein hätte somit von der Gesamtsumme, die sich etwa auf 1400 Millionen stellen dürfte, die Hälfte, also 700 Millionen zu tragen, während es bisher für die Krisenfürsorge nur den Betrag von 420 Millionen in seinen Etat eingesetzt hatte. Es würde sich also ein neuer Fehlbetrag von 280 Millionen beim Reich ergeben, für dessen Deckung zunächst keine Möglichkeit besteht. Ob die Länder ihrerseits, obgleich ihre Etats weniger konjunkturabhängig sind wie der des Reiches, ohne weiteres zur Aufbringung ihres Anteils in der Lage wären— bei Preußen würde es sich etwa um 200 Millionen handeln— ist gleichfalls nicht abzusehen. Landbund und Agrargesetze. Graf von Kalckreuth empfängt die Vertreter der Presse. Der Präsident des Reichslandbundes, Graf von Kalckreuth, legte bei einem Presseempfang die Stellung des Landbundes zu den von den gesetzgebenden Körverschaften verabschiedeten Agrargesetzen dar. Aus dem Zoll=Ermächtigungsgesetz zum Schutz der Landwirtschaft, so führte er dabei aus, sei ein Gesetz zur Sicherung der Konsumenten geworden. Hilfe müsse die Landwirtschaft nun durch das schärfste Zusammendrücken der auch heute noch außergewöhnlich hohen Zwischenhandelsspanne erhoffen. „Der Anteil des Landwirts am Lebensmittelpreis,“ so fuhr Graf von Kalckreuth dann fort,„beträgt knapp 50 Prozent, während er in anderen Ländern 60 Prozent beträgt und in Däuemark sogar bis 76 Prozent steigt. Die Möglichkeiten zur Spannensenkung für den Lanowirt reichen nur ois an die Tore den Stadt. Ab städtischen Bahnhof ist es Aufgabe des Verbrauchers, seinerseits für eine vernünftige Spannenregelung zu sorgen. Wenn das Gesetz auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Preisgestaltung nur außerordentlich geringe Besserungsmöglichkeiten in Aussicht stellt, so fehlen ihm Maßnahmen auf dem Gebiete der Lastensenkung völlig. Dieser Mangel wird sich im Laufe der nächsten Monate katastrophal auswirken.“ Dei Pandufrpurgigin Gunten Drohungen Briands. Der deutsch=österreichische Zollvertrag vor dem französischen Senat. In der Generaldebatte des französischen Senats über das Budget des Ministeriums des Auswärtigen nahmen mehrere Redner, u. a. auch Briand, das Wort zu dem deutsch=österreichischen Zollvertrag. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Viktor Bérard, erklärte, daß die deutsche Diplomatie einen unerwarteten Schlag geführt habe. Frankreich vergleiche diesen Schlag mit dem Coup von Tanger und Agadir. Frankreich verfüge über den stärksten Trumpf in Gestalt einer Politik des Friedens. Aber es sei notwendig, daß diese Politik durch Mittel aufgezwungen werde, die die Sicherheit Frankreichs gewährleiste. Von den Mächten, denen gegenüber sich Oesterreich 1922 verpflichtet habe, nämlich Italien, England, die Tschechoslowakei und Frankreich, seien drei der Ausicht, daß Oesterreich seine Verpflichtungen verletzt habe. Eine rasche Zusammenarbeit sei wünschenswert. Er, Vérard, glaube nicht, daß man, wie es der Wunsch Englands sei, die Angelegenheit dem Völkerbund unterbreiten solle. Daß diese Prozedur sehr wirkungsvoll sein werde, sei zu bezweifeln, da der Völkerbund nicht über die notwendigen Mittel verfüge, Sanktionen auszuführen. Senator Lemery erklärte, wenn eine energische Erwiderung nicht die deutschen Absichten im Keime ersticken würde, würde es aus sein mit dem Prestige des Völkerbundes. Das würde die Rückkehr zur Vorkriegszeit mit ihren zueinander in Widerspruch stehenden Staatsgruppierungen bedeuten. Das würde die stärkste Bedrohung für den Weltfrieden seit 1918 sein. Das deutsch=österreichische Abkommen bedeute eine Verletzung der Verträge von Versailles und St. Germain und anderer Vereinbarungen. Außenminister Briand erklärte, die Beziehungen Frankreichs zu den Sowjets seien nicht besonders gut. Die wirtschaftliche Lage Rußlands habe sich vollkommen geändert und könnte die Staaten, die Handel mit diesem Lande treiben, in den Zustand der Inferiorität bringen, so daß man Vorsichtsmaßnahmen ergreifen müßte. Was Italien betreffe, sei eine sehr nützliche Entspannung für den europäischen Frieden zu verzeichnen. Die letzten Wiener Vorgänge müsse man kaltblütig prüfen. Wenn das Wiener Abkommen die Beibehaltung seiner(Briands) Politik nicht zulassen würde, müßte man das sofort erklären, und dann würde eine ganz andere Politik eingeschlagen mit dem brennenden Wunsch, mehr Erfolg zu haben. Das hieße aber die französische Politik von dem ersten Zwischenfall abhängig machen. Soweit sind wir noch nicht. Die Tatsache, die sich ereignet hat, kann in keiner Weise das Prestige Frankreichs berühren. Ich habe immer alle notwendigen Vorsichtsmaßnahmen für die Landesverteidigung unterstützt. Frankreich ist stark genug, sich Geltung zu verschaffen und um nicht mit ohnmächtiger Geste den Ereignissen gegenüberstehen zu müssen, Die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen Deutschlands und Oesterreichs habe nicht ich geschaffen, sondern der Versailler Vertrag, und ich muß mit den Schwierigkeiten rechnen, die sich daraus ergeben. Vor einigen Jahren standen wir vor einem politischen Anschlußunternehmen. Das war eine ernste Gefahr, und ich habe in Genf erklärt: Wenn Sie soweit gehen, bedeutet das den Krieg. Man hat mich beruhigt. Die Propaganda hat nachgelassen und es ist eine Entspannung eingetreten. Schon 1921 habe ich auf einer Konferenz in Paris die Gefahr aufgezeigt. Dann hat man Abkommen getroffen, die 1922 zu einer Anleihe für Oesterreich führten. Die vier Garanten forderten die Verpflichtung, daß Oesterreich weder direkt noch indirekt etwas von seiner Unabhängigkeit aufgeben dürfe. Am ernstesten in dieser Angelegenheit ist die Art, in der dabei vorgegangen wurde. Frankreich hat 48 Stunden vor den anderen Kenntnis gehabt, und sofort habe ich unsere Vertreter in Wien und Berlin angewiesen, die Auffassung Frankreichs zum Ausdruck zu bringen, daß die Abmachungen Oesterreichs im Widerspruch zu dem Abkommen von 1922 stehen. Man bezeichnet die Haltung Englands als nicht klar und energisch. Es hat uns gesagt, weiter, als man bis jetzt gegangen sei, könne man nicht gehen. Erst müsse der Völkerbundsrat gefragt werden. Es werde auch jedenfalls hinzufügen, wenn man das Vorgehen Oesterreichs und Deutschlands mißbillige, müsse man vor den Haager Gerichtshof gehen. Gewiß wird das, was jetzt geschehen ist, einen Stillstand in unseren Beziehungen zu Deutschland bringen. Mit Oesterreich haben, wir Handelsverträge abgeschlossen, die Rücksicht genommen haben, auf seine wirtschaftliche Lage. Wenn diese sich verändert, muß die Frage neu aufs Tapet gebracht werden. Die Betrachtungen, die angestellt wurden, werden die beiden interessierten Länder dazu führen, ein Ziel fallen zu lassen, das nichts taugt, aber nicht auf die europäische Zusammenarbeit zu verzichten. Man müßte allerdings Vorsichtsmaßnahmen treffen und sich nicht mehr mit verbundenen Augen weiter auf dem Wege des Friedens vorwagen. Wenn ich auf meinem Posten bleibe, werde ich trotzdem die Aktion fortsetzen, die ich mit dem Willen unternommen habe, bis zum Ende zu gehen, das heißt, zu erreichen, daß die beiden in Frage kommenden Länder nicht bei ihrer Absicht bleiben, feierliche Verpflichtungen zu verleugnen. Nach Briand ergriff Senator Lemery nochmals das Wort, um zu erklären, die Kritik Briands am Friedensvertrag von Versailles lasse bei ihm die Befürchtung aufkommen, daß Deutschland und Oesterreich sich seiner Gründe bedienen werden, um ihre Handlung zu rechtfertigen. nächster Schritt. Einbringung eines Antrags, das Zollprotokoll auf die Mai=Tagesordnung zu setzen. Das englische Kabinett trat alsbald nach der Rückkehr des Außenministers Henderson aus Paris zusammen. Wie der„Daily Herald“, das Regierungsblatt, andeutet, wird der nächste Schritt von englischer Seite in der Frage des deutsch=österreichischen Zollabkommens vermutlich die Einbringung eines offiziellen Antrags sein, die Angelegenheit vor den Völkerbund zu bringen. Dem Völkerbund stehe jedoch nur ein Weg offen, nämlich die Angelegenheit dem Internationalen Gerichtshof im Haag zu unterbreiten. Die Lösung der Weizenfrage. Darlegung des deutschen Standpunktes. — Rom, 30. März. Der deutsche Delegationsführer und frühere Reichsminister Dr. Hermes entwickelte auf der Weizenkonferenz den deutschen Standpunkt. Eine schematische und einheitliche Anwendung von Rezepten zur Lösung des Weizenproblems hielt er nicht für möglich. Die Regelung auf nationaler Grundlage bilde die Voraussetzung für die Lösung des Gesamtproblems. Ein internationaler Plan müßte darauf abzielen, daß die wichtigsten Exportstaaten sich über ihren Anteil am Weltweizenmarkt verständigen. Eine Arbeitsteilung zwischen den Getreide produzierenden Ländern in Uebersee und den Spezialkulturen betreibenden Ländern Europas ist aus wirtschaftlichen und sozialen Gründen unmöglich. In dem von den Donauländern vorgeschlagenen Präferenzsystem ist ein konkreter Vorschlag zur Lösung der Schwierigkeiten wenigstens für einen Teil der Anbaugebiete zu erblicken. Nach kurzen Ausführungen des britischen, spanischen und russischen Delegierten setzte die Konferenz zwei Ausschüsse und einen Unterausschuß zur Prüfung verschiedener Fragen ein und vertagte sich. — Korrespondenzmeldungen zufolge soll die Konferenz der Außenminister der Kleinen Entente von Mai auf Anfang April vertagt werden. Jeppelin landet bei Budapest. In Anwesenheit des Reichsverwesers. — Budapest, 29. März. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ ist morgens Uhr 45 Minuten in Csepel bei Budapest unter Klängen des Teutschlandliedes glatt gelandet.## dem Flugselde waren anwesend außer einer ungeheuren Menschenmenge der Reichsverweser und seine Gemahlig die Mitglieder der Regierung, die Bürgermeister der Hauptstadt, die Spitzen der Behörden und viele denträger. In den Straßen und auf den Dächern erwarteten Unzählige den Luftriesen, der auf seiner Rundfahrt überall begeistert begrüßt wurde. Bald darauf stieg das Luftschiff mit neun Passa, gieren zu einer Rundfahrt auf, an der unter anderen auch der Minister für Landesverteidigung, Gömböz teilnahm. Erdstöße in Italien. — Mailand, 30. März. In Miglarino in der Provinz Ferrara wurden am Sonntag früh zahlreiche heftige Erd. stöße verspürt, die mehrere Sekunden dauerten. Die Bevölkerung verließ panikartig die Häuser. Schornsteine wurden umgeworfen und zahlreiche Gebäude weisen große Risse auf. Neue Bücher. Michael Weiße, Gesangbuch der böhmischen Brüder vom Jahre 1531. Bärenreiter=Verlag zu Kassel. Faksimile=Neudruck, mit einem Nachwort herausgegeben von Wilhelm Thomas. Veröffentlichung der Anstalt für sidetendeutsche Heimatforschung der Deutschen Wissenschaftlichen Gesellschaft in Reichenberg und der Hymnelogischen Arbeitsgemeinschaft des Praktisch=theologischen Seminars der Universität in Gießen. 330 Seiten, 155 Lieder, größtenteils mit eigenen Weisen, broschiert Mk..—. in Pappe gebunden Mk. 6,50, in Ganzpergament gebunden Mk. 18,—. Diese Subskriptionspreise werden nach Erscheinen(Ende März 1931) erhöht: Mk. 6,—, Mk. 7,80 und Mk. 20,—. Michael Weißes„Gesangbüchlein“ von 1531 gehört zu den Veröffentlichungen, die schon bei ihrem ersten Erscheinen eine sehr starke Wirkung erzielt haben und doch vielleicht erst in der Zukunft— bei dem neu erwachten Verständnis für die edle Schönheit dieser einstimmigen Weisen— ihre volle Würdigung und Auswirkung erfahren werden. Der Druck in seiner natürlichen, mit echtem Handwerkergeist durchdrungenen Ordnung ist klar und kräftig in der schönen alten Fraktur jener Zeit. Holzschnittinitiale und=noten beleben das Gesamtbild, das im Nachdruck in völlig originalgetreuer Wiedergabe auf entsprechend kräftigem Papier erscheint. Der Band reiht sich ebenbürtig neben die jüngst erfolgten Neudrucke des Babst'schen, des ersten Leipziger und des Erfurter Gesangbuches. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Montag, 8¼ Uhr Männerchor in„Ephrata“. Am Ostersonnabend, den 4. 4. 31, ist unser Laden von 7 bis 14 Uhr durchgehend geöffnet. Bestellungen bitten wir spätestens bis Mittwoch mittag. Nach der Senne kommt unser Wagen schon am Mittwoch. Schlachthof. — Hühner einsperren! Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß von jetzt an, nachdem mit der Bestellung der Gärten wieder begonnen ist, die Hühner eingesperrt gehalten werden müssen. Der Anstaltsvorstand. — Geldtasche mit Inhalt gefunden. Abzuholen im Leinengeschäft. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Aufwärts“, Christliches Tageblatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919. Am Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. Knollengewächse: Dahlien, Gladiolen, Begonien. Baumschulartikel: Obstbäume, Ziersträucher, Rosen, Nadelhölzer.— Blütenstauden usw. Gärtnerei und Samenhandlung der Anstalt Bethel bei Bielefeld Die staatl. anerk. JZaushaltungssch. Eckardte. haus der Westf. Diakonissenanstalt Sarepta bietet in ihrem Internat Töchtern christl. Jam. Ausbildung in allen Zweigen des Zaushalts. Gründl. hauswirtsch. Durchbildg. ermöglicht den Eintritt in praktische Berufe. Vertiefung der Allgemeinbildg., Lebensschulg. sind Ziele der Schule. Aufn. im April u. Oktober. Prospekte d. die Leitung d. Schule. Für den Haush. meiner Mutter (2 Pers.) in waldreicher, rheinischbergischer Kleinstadt, suche ich, schlicht um schlicht, per 1. 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