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Beseruseschne lattes„Für Herz ilblatt, geeignet auf Friedhöfen. zur Verfügung. innig rtofrei % Preisnachlaß % Preisnachlaß % Preisnachlaß alt Bethel Hannoner 7783 seeseettee und modernste nschmuc alkon und Fensterunstreitig meine erbayrischen längeneiken allhin. Illustriefte atis und franko. Versandgörtnere □(Oberbogen hen. Sngchek grohen Urfeie! * Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und ..98 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs ##usland unter Stretfband.25(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Auser Vel.“ Anzeigenpreis: Millimeterzeile oder deren Raum 10 PfenniDie einspaltig Reklame 30 Pfg. Beilagen unter Schluß der Anzeigen=Annahme na konto Hannover 95i. 25 g je tausend 15 Mk. nachmirtags 3 Uhr. Postscheckder 67877. Nr. 67. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Vieleseld), Sonnabend, den 21. März 1931. 13. Jahrgang. Von Hause aus dich keiner hier Für wacker oder niedrig hält; Erst deine Taten machen dich Geehrt, verachtet in der Welt. Mgggiighigig Die Pflicht der Gesellschaft gegenüber den Erwerbslosen. Professor Siegmund=Schulze gab in seinem Vortrag am 12. März über das obige Thema in Bielefeld eine Gesamtschau über die ins gegenwärtig am schwersten drückende Not der Arbeitslosigkeit und die Wege, welche zur Abhülfe dieser Not eingeschlagen werden könnten. Es gibt gegenwärtig in der ganzen Welt 25 Millionen Arbeitslose. Dabei handelt es sich nicht nur um eine sogenannte Konjunkturkrise, welche durch eine einmalige Belebung des Warenaustausches behoben werden könnte, sondern um eine Strukturkrise, welche in die Gesamtstruktur der Gesellschaft eingreift und damit als eine dauernde Not betrachtet werden muß. Was im besonderen Deutschland angeht, so hielt der Vortragende die 5 Millionen Arbeitslosen, welche wir haben, annähernd für die letzte Grenze des Tragbaren. Würden wir etwa bei 10 Millionen ankommen, so wäre Aufruhr, bezw. Zusammenbruch unseres nationalen Lebens sicher. Zu der Ursache der Krise zählte Prof. Siegmund=Schulze einmal den Krieg, in welchem die Völker 5 Jahre lang nur für das Schlachtfeld, also zur Zerstörung und nicht zum Aufbau gearbeitet haben. Ein zweiter Grund liege in der Rationalisierung der Industrie, mit welcher Deutschland zu rasch vorgegangen sei. Ferner gibt es in Deutschland seit 1914 eine Zunahme von 5½ Millionen Erwerbstätiger, wobei die Frauen mitzählen. Dieser Zunahme steht eine Zunahme der Bevölkerung von nur 4½ Millionen gegenüber. Endlich hatten wir vor dem Kriege ¾ Millionen Soldaten und Industrien, die damit beschäftigt waren, dieses Heer zu unterhalten. Siegmund=Schulze geht dann dazu über, die äußere und innere Notlage der Erwerbslosen zu beschreiben. Er lehnt die Meinung, daß es eine größere Masse absichtlicher Arbeitsloser gäbe, ab und meint, es handele sich nur um kleinere Gruppen. Von der großen Menge werde eben doch die Arbeitslosigkeit als das größte Unglück, das einen Menschen treffen kann, empfunden. Wohl könne die geldliche Unterstützung die Einzelnen, freilich viel schwerer die kinderreichen Familien, eine Zeitlang über Wasser halten, aber sowohl bei den Arbeitslosen selbst, wie bei denen, welche die Mittel mit aufbringen, sei die Folge ein ungeheurer Rückgang der Kaufkraft. Auch die Kassen des Reiches, der Wohlfahrt, der Kommunen müssen zusammenbrechen, wenn diese ungeheuren Ausgaben(vom 1. Juli bis 31. Dezember 1930 5 Milliarden) länger andauern. Sehr ernst malt Siegmund=Schulze die körperlichen und seelischen Folgen der Arbeitslosigkeit. Die Kräfte werden herabgesetzt. Immer wieder kommt es vor, daß solche, die eine Zeitlang arbeitslos gewesen sind, nachher ihre frühere Arbeit nicht wieder aufnehmen können. Dazu kommt das moralische Verkommen. Man schläft bis lang in den Tag hinein, zuerst um zu sparen, später aus einer Art Stumpfheit. Dazu die politischen Folgen, die Radikalisierung der Anschauungen, die Hinneigung zum Kommunismus, aber auch das Rücksichtnehmen aller anderen Parteien auf diese Lage und das Ausnutzen derselben durch Versprechungen von seiten der eigenen Partei. Am meisten leiden unter all diesen Momenten die Jugendlichen. Als wichtigsten Grundsatz zur Abhülfe stellt Siegmund=Schulze den auf, nicht Geld, sondern Arbeit. Freilich sei die produktive Erwerbslosenfürsorge schwierig. Sie kostet zehnmal soviel an Geld wie die Erwerbslosenunterstützung(? Schriftl.). Es käme also alles darauf an, Arbeit, neue Werte zu.schaffen, die Kaufkraft zu stärken. Auf einige Möglichkeiten wies der Vortragende weiter hin und zwar 1. auf die Beschäftigung in Unternehmungen der öffentlichen Verwaltung, Verkehrsverbesserung im Osten, Kanalisation der Städte usw. 2. Arbeitsbeschaffung durch Privatunternehmer: das Baugewerbe als Schlüsselgewerbe für viele andere habe hier in den Siedlungen um die Städte herum ein weites Feld der Betätigung. In Heilbronn z. B. bekämen fast sämtliche Arbeiter von der Stadt ihr Stück Land. Könnten sie in der günstigen Jahreszeit dieses Land nutzbar machen, so wäre die Arbeitslosigkeit schon viel leichter zu ertragen. 3. Die Siedlungsmöglichkeiten im weiteren Sinn. Es seien immer noch 2Millionen Hektar in Deutschland für die Siedlung frei. Weiter Vermehrung der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, für welche vielleicht Prämien gezahlt werden könnten, deren Kosten geringer seien als die Erwerbslosenunterstützung. Sehr stark trat er für den Bau von Frühgemüse ein, das jetzt zum größten Teil vom Ausland bezogen wird. Deutschland könne 150000 Gemüseerwerbssiedler ansiedeln. Als Voraussetzung für die Arbeitsbeschaffung sieht der Vortragende die staatlichen Subventionen an. Die Gefahr des Staatssozialismus scheut er nicht, im Gegenteil meint er, die Schätze der Erde sollten in steigendem Maße Staatsmonopol werden. Weiter sei notwendig, daß das Kapital im Lande bleibe. Die Verschiebung des Geldes ins Ausland, die nach Millionen zählt, sei eine Gemeinheit und müsse aufhären.(Der Gerechtigkeit halber hätte hier hinzugefügt werden müssen, daß der Staat durch die Streichung der Staatsschulden infolge der Inflation den Mangel an Vertrauen seitens des Kapitals mit verschuldet hat. Schriftl.). 4. dürfe kein Geld für ausländische Waren, die entbehrlich seien, ausgegeben werden. Dahin rechnet er besonders den Tabak, den Alkohol, aber auch Parfüme, Autos, ausländischen Weizen und dergleichen. Die preußische Landwirtschaft müsse auf die ausländischen Arbeiter(die Zahl schätzt er auf 100 000) verzichten. Es müßten die Wohnungen auf dem Lande verbessert, jugendliche Arbeiter aufs Land verpflanzt werden. Es gehe ferner nicht ohne Senkung der Arbeitslöhne. Diese könne aber erst eintreten nach der Senkung der Preise. In Amerika sei schon eine Senkung der Löhne um 10, in Italien um 8 Prozent erfolgt. Weiter sei ein Mittel die Verkürzung der Arbeitszeit, wie sie in verschiedener Form vorgeschlagen ist(=Stundentag,=Tagewoche, Arbeitsmonat wechselnd mit Arbeitslosigkeit). Auch die Bildungsfrage sei wichtig. Die Arbeitslosen melden sich gerne zu Kursen, selbst zu solchen, die eine Ueber die Gliederung der Angestelltenorganisationen und ihre Weltanschauung dürfte nicht überall vollständige Klarheit herrschen. Es ist deshalb vielleicht angebracht, einen Ueberblick über die verschiedenen Richtungen innerhalb der Angestelltenbewegung zu veröffentlichen. Es sei zunächst darauf hingewiesen, daß, ähnlich wie bei der Arbeiterbewegung, die Angestellten sich, weltanschaulich gesehen, auf drei Richtungen verteilen und zwar: 1. der Gesamtverband deutscher Angestellten=Gewerkschaften(Gedag); 2. der Allgemeine freie Angestelltenbund(Afabund): 3. Gewerkschaftsbund deutscher Angestelltenverbände. Diese angeführten Verbände sind auch die drei antlich anerkannten Spitzenorganisationen der Angestellten. Zum Beispiel ist in dem Gesetz über den Reichswirtschaftsrat festgelegt, daß nur diese drei genannten Richtungen der Angestellten als vorschlagsberechtigte Angestelltenorganisationen anzusehen sind. Aber nicht nur in bezug auf den Reichswirtschaftsrat, sondern auch in der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte sind nur die Verbände, welche diesen drei Spitzen angehören, für irgendwelche Aemter vorschlagsberechtigt. Dasselbe trifft bei allen anderen Angelegenheiten zu, wo es gilt, Angestellteninteressen mit irgendwelchen Behörden oder Körperschaften auszufechten. Daraus ergibt sich sehr oft die Notwendigkeit, daß die drei Spitzenorganisationen gemeinsam Eingaben an Behörden oder an den Reichstag unterzeichnen oder auch gemeinsame Verhandlungen führen. Wenn wir die weltanschauliche Gesinnung der drei Richtungen erwähnen dürfen, so ergibt sich, daß sie sich in dieser Hinsicht gegenüber stehen, wie Feuer und Wasser. Der Gesamtverband deutscher Angestellten=Gewerkschaften(Gedag) hat sich mit den christlichen Arbeiter= und einigen Eisenbahnangestellten=Verbänden im Deutschen Gewerkschaftsbund zusammengeschlossen. Diese Verbände stellen gemeinsam die christlich=nationale Arbeitnehmerbewegung dar und stehen geschlossen auf dem Boden der christlichen Weltanschauung und bekämpfen den Klassenkampf und Klassenyaß. Hier ergibt sich dasselbe wie in der Arbeiterbewegung auch, daß wohl hier und da ein gemeinsames Arbeiten erforderlich ist, daß aber eine organisatorische Selbständigkeit gegenüber der sozialistischen Bewegung notwendig wurde infolge fremde Sprache(Englisch) lehren. Volkshochschulheime, Freizeiten für Arbeitslose gehören in dieses Gebiet. Zum Schluß appellierte der Vortragende stark an den Opfersinn. Nur wenn die ganze Gesellschaft willig sei, Opfer zu bringen, könne die Krise überwunden werden. In der Diskussion wurden besonders Bedenken gegen den Staatssozialismus gäußert. Erwähnenswert ist der Vorschlag eines Generalstabs für die Wirtschaft, welchem Prof. Siegmund=Schulze beistimmte. Dieser Vorschlag bedarf einer wichtigen Ergänzung. Wird heute in diesen alle belastenden Fragen nach Führung verlangt, so sollten eben auch gerade diejenigen, welche hier vom christlichen Boden aus etwas zu sagen haben, zusammenstehen und es deutlich merken lassen, daß sie in diesen Vorschlägen eins sind. Das würde die Stoßkraft dieser Vorschläge ganz erheblich verstärken. Der eigentlich durchschlagende Gedanke, welchen Prof. SiegmundSchulze aussprach, Arbeit statt Almosen, ist von Vater Bodelschwingh schon vor Jahrzehnten mit eindringlichster Kraft in das Volk hineingerufen worden. Hätte man früher auf ihn in dieser Frage, wie in dem Ruf„eigenes Heim auf eigener Scholle“ ebenso in der Siedlungsfrage gehört, so wären die Zustände nicht so katastrophal geworden, wie sie jetzt sind. Auch gegenwärtig sind beide Söhne Bodelschwingh sowohl in der Arbeiterwohnungsfrage(Lehmbau) wie in der Siedlungsfrage, Umschulung städtischer Jugend zur Landarbeit, ohne viel Rumor energisch und erfolgreich tätig. Es war gewiß absichtslos, daß Prof. Siegmund=Schulze den Namen Bodelschwingh in dieser Versammlung und bei Besprechung dieser Pläne nicht nannte. Hätte er hier seine gewiß vorhandene Zustimmung auch öffentlich und zuversichtlich ausgesprochen, so würde dies den Stoß der Bewegung, welche er entfachen will, ganz wesentlich verstärkt haben. Gewiß, auch hier ist das Getrenntmarschieren gut, aber wenn es aufs Schlagen ankommt, muß auch die Einheit hervortreten.—m. der verschiedenen Weltanschauungen, die hüben und drüben vertreten werden. Der Allgemeine freie Angestelltenbund(Afabund) ist die Angestelltenspitzenorganisation frei=gewerkschaftlichsozialistischer Richtung. Er steht mit dem Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und dem Alllgemeinen Deutschen Beamtenbund in einem ziemlich engen Kartellverhältnis. Gerade diese Betätigung im sozialistischen Sinne erschwert sehr oft ein Zusammenarbeiten mit den übrigen Organisationen. Die dritte Angestelltenspitzenorganisation, Gewerkschaftsbund deutscher Angestelltenverbände, Gewerkschaftsring genannt, umfaßt die freiheitlich=nationale Arbeitnehmerbewegung, zu der außerdem noch der Verband deutscher Gewerkvereine(Hirsch=Dunker), sowie der Ring deutscher Beamtenverbände gehört. Diese Richtung steht politisch mehr auf dem Boden demokratischer Gedankengänge und versucht seine politische Vertretung innerhalb der demokratischen Parteien(Deutsche Staatspartei). Ueber das Stärkeverhältnis der drei Spitzenorganisationen läßt sich erfreulicherweise sagen, daß der Gesamtverband deutscher Angestellten=Gewerkschaften (Gedag), im Gegensatz zu den Arbeiterorganisationen, die weitaus stärkste Angestelltenorganisation ist. Der „Gedag“ zählte nach seinen eigenen Angaben Ende 1929 557 527 Mitglieder. Diese Ziffer ist jedoch inzwischen auf etwa 600000 gestiegen. An zweiter Stelle steht der Afabund, der angibt, 460000 Mitglieder zu haben. Die dritte Richtung, der Gewerkschaftsring, weist eine Mitgliederzahl von 375000 auf, jedoch ist nicht recht ersichtlich, wieviel Angestellte sich darunter befinden. Bei den Wahlen der Vertrauensmänner für die Angestelltenversicherung(im Winter 1927/28), die als geheime und direkte Wahlen stattfanden, wurden für den Gedag 414 431, für den Afabund 272 551 und für den Gewerkschaftsring 261 186 Stimmen abgegeben. Diese abgegebenen Stimmen für den Afabund sowohl, wie für den Gewerkschaftsring passen nicht recht zu dem Stärkeverhältnis der oben angegebenen Mitgliederzahlen. Der Gedag wird von insgesamt 14 Verbänden gebildet, von denen allerdings die Mitglieder des Reichsverbandes Deutscher Bergbauangestellten als Fachgruppe Bergbau im Gesamtverband Deutscher Angestelltengewerkscheiften(Perlin=Wilmersdorf, Kaiserallee 25) ausDie Spitzenorganisationen der Angestellten. nahmslos gleichzeitig dem für sie in Betracht kommenden Berufsverband angehören und nachstehend in der Zahl von dessen Mitglieder nicht auftreten. Die übrigen 13 den Gedag bildenden Verbände sind ihrer Größe nach geordnet wie folgt: 1. Deutschnationaler Handlungsgehilfen=Verband(Hamburg und Berlin=Wilmersdorf, Kaiserallee 25) mit 379500 Mitgliedern. 2. Der Verband der weiblichen Handels= und Büroangestellten(gleichfalls Berlin=Wilmersdorf, Kaiserallee 25) mit 84817 Mitgliedern. 3. Der Reichsverband deutscher Guts= und Forstbeamten (Berlin W 10, Dörnbergstraße 6) mit 21 867 Mitgliedern. 4. Der Deutsche Werkmeisterbund(Essen=Ruhr, Friedenstraße 61) mit 18 750 Mitgliedern. 5. Der Verband Deutscher Techniker(Essen=Ruhr, Schützenbahn 65) mit 12 594 Mitgliedern. 6. Der Reichsverband der Büroangestellten und Beamten(Berlin=Wilmersdorf, Kaiserallee 25) mit 10 497 Mitgliedern. 7. Der Verband der Privateisenbahner(Berlin RW 6, am Zirkus 9) mit 9000 Mitgliedern. 8. Der Bund angestellter Akademiker(Berlin=Schöneberg, Hauptstraße 19) mit 7234 Mitgliedern. 9. Der Verband Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere (Hamburg, Stubbenhuk 10) mit 4993 Mitgliedern. 10. Der Berufsverband Deutscher Dentisten(Berlin N 24, Oranienburger Straße 60=61) mit 3478 Mitgliedern. 11. Der Reichsverband angestellter Aerzte(Leipzig, Weitstraße 75) mit 3 142 Mitgliedern. 12. Der Reichsverband Deutscher Berufsmusiker(Berlin C 25, Kaiser Wilhelmstr. 31) mit 965 Mitgliedern. 13. Der Reichsverband der Molkerei= und Käsereiangestellten(Berlin SW 61, Teltower Straße 34) mit 600 Mitgliedern. Diese Aufstellung ergibt, daß, rein äußerlich gesehen, nur zwei Verbände eine überwiegende Bedeutung haben, nämlich der Deutschnationale Handlungsgehilfen=Verband, der jetzt über 400000 Mitglieder verfügt, und der Verband der weiblichen Handels= und Büroangestellten mit rd. 85000 Mitgliedern. Alle übrigen Verbände bleiben mit ihrer Mitgliederzahl unter der Ziffer von 22000, was wohl zum Teil daran liegt, daß wir im Bereich der übrigen Verbände wohl nicht mit einer Massenzahl von Angestellten zu rechnen haben. Trotzdem könnte das Organisationsverhältnis in den kleineren Verbänden erheblich besser sein. Interessant ist die Verteilung der Mitglieder des Gedag im Reich. Die Mitgliederzahlen, welche für die einzelnen Landesarbeitsämter angegeben sind, zeigen, daß der Gedag fast überall gleich stark vertreten ist. Von den einzelnen Arbeitsamtsbezirken zählt der sächsische die größte Zahl mit Gedagmitgliedern(61 602). Fast ebenso groß(61 047) ist die Mitgliederzahl im Landesarbeitsamtsbezirk Brandenburg. An dritter Stelle folgt der Landesarbeitsamtsbezirk Rheinland(55 360), hierauf Südwestdeutschland(47.263), Nordmark(45 594), Mitteldeutschland(42738), Bayern(38599), Niedersachsen (33 375), Westfalen(31 900), Schlesien(30 418), Hessen (29 657), Ostpreußen(13 908) und Pommern(11 314). Die Uebersicht ergibt, daß der Gesamtverband Deutscher Angestellten=Gewerkschaften verhältnismäßig sehr weitgehend gleichmäßig über ganz Deutschland hin verbreitet ist. Die Mitgliederzahl entspricht naturgemäß nicht so sehr der Einwohnerzahl der einzelnen Reichsteile, als der Intensität von Handel und Gewerbe in den einzelnen Ländern und preußischen Provinzen. Die Verbände des Gedag sind, wie das in ihren Satzungen vorgeschrieben ist, politisch neutral. Die Mitglieder, soweit sie sich politisch betätigen, suchen ihre Vertretung in fast allen bürgerlichen Parteien. So gehören vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband der Nationalsozialistischen Partei u. a. die Abgeordneten Stöhr und Förster an, während weitere Abgeordnete, z. B. Thiel und Glatzel in der Deutschen Volkspartei, Lambach in der Konservativen Partei, Gerich in der Zentrumspartei und Otto Rippel im Christlich=sozialen Volksdienst tätig sind. Aus dem Aufgabengebiet des Gedag sei aus den letzten Jahren nur herausgegriffen die erfolgreiche Tätigkeit (von den gegenwärtigen Krisenjahren abgesehen) auf dem Gebiete des Tarifabschlusses, ferner Verbesserung der Angestelltenversicherung und dergleichen mehr. Auch in der jetzigen schweren Zeit verdanken es die Angestellten insbesondere dem Gedag, wenn unberechtigte Härten und Verschlechterungen, soweit sie mit den konjunkturellen Verhältnissen nicht begründet werden können, abgewehrt werden. Zum Schluß sei noch erwähnt, daß, wie in allen Berufen, auch die Angestelltenverbände unter der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit sehr zu leiden haben. Dies trifft besonders bei den landwirtschaftlichen Beamten zu, bei denen ein Drittel stellenlos ist. Aber auch im Handel und Industrie wirkt sich die Stellenlosigkeit katastrophal aus. Dadurch wird die Mitgliedergewinnung schwierig. Die geringeren Einnahmen und die durch die auszuzahlenden Unterstützungen vermehrten Ausgaben sind schwere Belastungen für die Verbände, so daß es heute nicht leicht ist, einen Verband über Wasser zu halten. Diese Situation wird von einem Teil der Arbeitgeber mit Vorliebe benutzt, den Einfluß der Verbände zu beseitigen, ein Beginnen, das nicht klug und auch nutzlos st. W. W. Eine Anfrage an die preußische Regierung wegen der„Deutschen Friedensgesellschaft". Der deutschnationale Abgeordnete Brunk hat der Preußischen Regierung folgende Anfrage vorgelegt: Nach Mitteilung der„Berliner Börsenzeitung" Nr. 122 vom 13. März 1931 hat die Zeitschrift der Deutschen Friedensgesellschaft in ihrer letzten Nummer eine Erklärung veröffentlicht, die auf die Beratungen des Strafrechtsausschusses des Reichstages über die Verschärfung der Paragraphen„Angriffe gegen die Wehrmacht und gegen die Volkskraft" Bezug nimmt. In dieser Erklärung soll es nach Angabe der angesehenen Zeitung wörtlich lauten: „Im Falle eines Krieges würden wir mit allen Mitteln versuchen, gegen diese Gesetze zu verstoßen, die Ankunft im modernen Rom. Von Florenz eilt unser Zug südwärts, immer näyer heran an das erste große Ziel unserer Frühlingsfahrt nach Italien. Gespannt halten wir nach beiden Seiten Ausschau, um uns nichts von all den neuen Eindrücken entgehen zu lassen. Eine historische Straße, die vor uns nicht nur mancher Nordländer mit seinem nie stillbaren Südweh gezogen ist, sondern auch mancher Feldherr mit seinem Heere, und alle, die friedlichen wie die kriegerischen hatten ein und dasselbe Ziel: Rom. Vor mehr als 2 Jahrtausenden marschierte Hannibal mit seinen punischen Streitern auf dieser Straße. Schon treten links die Berge zurück und eine weite Wasserfläche zeigt sich unseren Blicken. In hellstem Blau leuchten seine Fluten. Das ist der berühmte und berüchtigte Trasimenische See und an seinem Nordufer die von Bergen umschlossene Ebene, wo die törichten römischen Legionen in die Mausefalle gingen und von den Söhnen Afrikas völlig aufgerieben wurden. Immer weiter geht's nach Süden, abwärts im Tibertale, bald rechts, bald links des Flusses. Eine Hügellandschaft begleitet uns mit Wein= und Olivenpflanzungen, ab und zu ein kleines Häuschen, meist gewaltige Einsamkeit. Es ist auffallend, wie die riesige Weltstadt Rom mit all ihren reichen Schätzen rings umgeben ist, in weitem Umkreis, von dieser traumverlorenen und doch packenden Einsamkeit. Das ist die schweigende Campagna, deren Zauber sich niemand entziehen kann. Da plötzlich bei einer Kurve der Bahn: Ein erster ferner Gruß. Am Horizont taucht die gewaltige Kuppel von St. Peter auf, um nach wenigen Augenblikken wieder zu verschwinden. Weiter geht es, unsere Spannung wächst von Minute zu Minute. Pünktlich, wie es im neuen Italien Brauch ist, und ohne daß uns der liebergang aus der Einsamkeit in die Stadt recht zum Bewußtsein kommt, eilt der Zug durch den alten Mauerring. Kaum daß wir Zeit haben, nach unserem Gepäck zu greifen, da hält auch schon der Zug:„Stazione Termini! Rom Hauptbahnhof!“ Wir sind am Ziele. Der große Augenblick, das Gedankenziel vieler Monate ist da. Nun kommt die erste große Enttäuschung. Wir hatten uns wohl den Eintritt in diese„ehrwürdige" Stadt etwas anders vorgestellt. Vielleicht etwas romantischer und sentimentaler! Ach, von Romantik und Sentimentalität keine Spur! Sobald wir nur dem Zug entsteigen, nimmt uns schon der Trubel und der Lärm der Weltstadt in Empfang: Zahllose Facchini(Gepäckträger) umdrängen den armen Reisenden und bieten mit lauter Stimme liraheischend ihre gewünschten oder ungewünschten Dienste an, und ist man glücklich bis zum Ausgang vorgedrungen, worüber bei den meist sehr weitläufigen und unpraktisch gebauten Bahnhöfen eine geraume Zeit hingeht, dann muß man sich einen Weg bahnen durch die ebenso zahllosen Hoteldiener, von denen jeder mit nicht gerade leiser Stimme beteuert, sein Hotel sei entschieden das beste. Am besten wird man sie los, wenn man sie mit völliger Nichtachtung straft. Glücklich der Reisende, der erst im Auto sitzt und in schneller Fahrt dem hoffentlich bestellten Quartier zustrebt. Das ist in Rom ein billiges Vergnügen, und da man fast überall jetzt die Taxdroschken hat, so ist man auch vor Uebervorteilung geschützt, wenn man nur aufpaßt, daß der gerissene Chauffeur die richtige Grundtaxe einstellt. Immerhin, wir sind in Rom. Kaum hat man sich im Quartier notdürftig von der langen Fahrt gesäubert, so stürzt man auch schon wieder hinaus bei dem herrlichen Frühlingswetter. Man muß doch alsbald den ersten Bummel auf dem„Corso“ machen.„Corso Umberto.“ nennt sich auf dem Stadtplan die schnurgerade, lange Straße, die sich von der Porta Flaminia bis zum Kapitol nord=südwärts durch die Stadt zieht; der Römer sagt einfach„Corso“ und lächelt über jeden dummen Ausländer, der ihn anders nennt. Was? Diese schmale Straße ist der Corso? Wir hatten doch so etwas ähnliches wie„Unter den Linden" erwartet. Die Fahrstraße ist so schmal, daß sich gerade zwei Wagen begegnen können, und da an den Kreuzungen Verkehrsschutzleute strenge Wacht halten, sieht man da oft 10 bis 20 Wagen und Autobusse hintereinander halten, die auf die freie Durchfahrt warten. Auf dem Bürgersteig können gerade zwei Menschen neben einander gehen. Es ist also gar nicht so leicht, rasch vorwärts zu kommen, zumal der Römer oft mehr als gemächlich ist. Und wir kennen als Neulinge auch noch nicht die Gesetze der Straße. Denn kaum haben wir einige Schritte getan, da kommt auch schon in Gestalt eines uniformierten Herren die Stimme des Gesetzes und bedeutet uns höslich, aber bestimmt:„Alla sinistra!“ Also wir sollen links gehen, während wir doch gerade gewohnt sind, rechts zu gehen. Und zweifellos hat diese Verordnung ihren guten Sinn. Da nämlich die Fahrzeuge wie bei uns rechts fahren, würde man bei Benutzung des rechten Bürgersteiges, da man ihn ja zum Ausweichen alle Augenblicke verlassen muß, dauernd in Gefahr sein, von einem von hinten kommenden Auto überfahren zu werden, während Soldaten zum Ungehorsam gegen die gegebenen### fehle aufzufordern, sie zur Fahnenflucht zu verleise, und ihnen diese Fahnenflucht erleichtern.“ Diese Erklärung wird fraglos— falle sie zutrifft den Herrn Oberreichsanwalt, den Reichstag und die deut, schen Landesregierungen beschäftigen müssen. Für Preußen kommt folgende Feststellung in tracht: Jeder anständige Preuße, nicht nur der Frontsol. dat, wendet sich mit Abscheu gegen derartig ehrlose und planmäßig landesverräterische Worte, die nur ein Mann geschrieben haben kann, der kein Vaterland kennt, das Deutschland heißt. In diesen Tagen, in denen sich das Nationalgefühl des ganzen Volkes in stolzer Weise er, hebt, sich ein Fretheitswille geltenö macht, hat das ßische Staatsministerium die Pflicht, beschleunigt eingreisen. Ich erlaube mir die Fragen: 1. Sind die von der„Berliner Börsenzeitung" berichteten Worte in einer in Preußen vertriebenen Zeitschriß dem Staatsministerium bekannt? 2. Ist das Staatsministerium bereit, diese Zeitschrift sofort auf die gesetzlich längste Dauer im Freistaate Preußen zu verbieten? 3. Ist das Staatsministerium ferner bereit, die Deutsche Friedensgesellschaft sofort im Bereiche Preußens zu verbieten oder aufzulösen? * Der in Frage kommende Aufsatz der„Berliner Böcsenzeitung" trug die Ueberschrift„Planmäßiger Landesverrat" und lautete folgendermaßen: Die Zeitschrift der Deutschen Friedensgesellschaft veröffentlicht in ihrer letzten Nummer eine Erklärung, die auf die Beratungen des Strafrechtsausschusses im Reichs. tag über die Verschärfung der Paragraphen„Angriffe gen die Wehrmacht und gegen die Volkskraft". Bezug nimmt. Die Deutsche Friedensgesellschaft erklärt bei dieser Gelegenheit, daß sie sich an diese Strafgesetze niemals halten werde, sondern mit allen Mitteln die Soldaten der deutschen Reichswehr zur Dienstverweigerung und Fahnenflucht verleiten und ihnen bei der Fahnenflucht auch in jeder Hinsicht behilflich sein werde. In der Erklärunz heißt es wörtlich: „Im Falle eines Krieges würden wir mit allen Mitteln versuchen, gegen diese Gesetze zu verstoßen, die Soldaten zum Ungehorsam gegen die gegebenen Befehle aufzufordern, sie zur Fahnenflucht zu verleiten und ihnen diese Fahnenflucht zu erleichtern.“ Es bedarf keiner weiteren Erörterung darüber, daß diese Ausführungen das klare Bekenntnis zum planmäßigen Landesverrat darstellen und es ist wohl anzunehmen, daß die zuständigen Stellen, besonders der Oberreichsanwalt, das notwendige veranlassen werden. Das Aktenbündel über die Betätigung der„Deutschen Friedensgesellschaft" dürfte ja schon zu ansehnlicher Stärke angewachsen sein und nun endlich Veranlassung geber, etwas gegen diese ebenso schamlose wie gefährliche Organisation zu unternehmen, was in anderen Ländern längst geschehen wäre. Wohl in keinem anderen Lande könnte eine Zeitschrift so offen den Dolch gegen das eigene Vaterland erheben, wie es hier getan wird. Gegen einen der Hauptführer dieser Pazifistenbewegung, den Reichsbannermann Kraschutzki, der einmal in man auf dem linken Bürgersteig stets die entgegenkommenden Wagen im voraus sieht. Schließlich sind wir an einem weißen Tischchen vor einem der vielen Cafés gelandet, haben dort mik Befriedigung zum erstenmal eine schöne Portion römisches Eis genossen und das erste Dutzend Ansichtspostkarten an die staunenden Anverwandten in der fernen Heimat vom Stapel gelassen. Und nun soll ja wohl— nach dieser guten Grundlage— das Einleben und Kennenlernen und Studieren losgeßen. Wie glücklich durfte ich mich preisen, daß ich mehrere Monate Zeit hatte, und wie bemitleidete ich die armen Landsleute, die sich mit wenigen Tagen begnügen wollten oder mußten! Sie kamen aus der Hetzjagd gar nicht heraus, wollten sie doch„alles gesehen" haben. Man kann doch nicht aus Rom in die Heimat zurückkehren, ohne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben. Manchmal gibt's dabei auch tragikomische Irrtümer. Eines Tages schlenderte ich wieder durch St. Peter und geriet in eine der Seitenkapellen dieses gewaltigen Doms. Neben mit stand ein junges deutsches Ehepaar— vielleicht waren sie auf der Hochzeitsreise— und bestaunte mit verzuchten Blicken all die Herrlichkeiten. Aus ihren Worten, deren Ohrenzeuge ich unfreiwillig sein mußte, ging hervor, daß sie von dem holden Wahn befangen waren, sie seien in der sixtinischen Kapelle, obwohl wirklich von den großen Schöpfungen eines Michelangelo nichts erblicken war. Sollte ich auf sie zutreten und ihnense gen:„Meine Herrschaften, sie sind gar nicht in der## tinischen Kapelle. Die befindet sich im Vatikan“? 30 hatte Mitleid und— ließ sie in ihrer schönen Illusion. Nun konnten sie doch mit gutem Gewissen zu Hausee“ zählen, sie hätten auch die Sixtina gesehen. Die neuen Eindrücke dringen sinnverwirrend au den Neuling ein und betäuben ihn zunächst völlig. Man bedenke, daß man— abgesehen von dem aufreibenden Lärm der Großstadt— von einer 2000=jährigen Kullm umgeben ist, an deren Durch= und Uebereinander man sich erst langsam gewöhnen muß. Für wich ging erste Woche hin mit einfachen Wanderungen durch e Stadt. So gewann ich erst mal einen allgemeinen Uebe“ blick. Ich widerstand auch absichtlich der Versuchung, ei gleich am ersten oder zweiten Tage in eins der zahllose“ Museen zu laufen. Aber wer solche scheinbar ziellos““ Wanderungen durch Stadt und Land mit offenen Auh““ und offenem Herzen macht, der lernt Land und Leute kennen. Davon vielleicht ein andermal. sv.“ einer Reichsbannerzeitschrift ankündigte,„daß sowohl in einem Angriffs= als auch Verteidigungskrieg der deutschen Reichswehr das Genick gebrochen würde vom deutschen Reichsbanner“, schweben übrigens, wie wir hören, vier Landesverratsverfahren. In einer Versammlung der„Deutschen Friedensgesellschaft“ hat der gleiche Reichshannerpazifist in Greifswald aufgefordert, im Falle eines Angriffs= und Verteidigungskrieges sämtliche Flugzeuge der Deutschen Luft=Hansa zu zerstören, damit diese von der Reichswehr nicht zu Kampfflugzeugen umgebaut werden können. Wann endlich wird es auch in Deutschland unmöglich sein, daß solche Individuen ungehindert ihr trauriges Handwerk ausüben können? Groener gegen den Landesverrat. Keine einseitige Abrüstung Bekenutnis zum Wehrgedanken.— Reichstags=Protest gegen die Lüge von den Geheimrüstungen. — Berlin, den 19. März 1931. Bot der Plenarsaal des Reichstags am Mittwoch in seiner Leere ein wenig erfreuliches Bild, dann geht es in der heutigen Sitzung lebhafter zu. Auf der Tagesordnung steht die zweite Lesung des Etats des Reichswehrministeriums, zu deren Inangriffnahme sich das Haus schon in den Vormittagsstunden versammelte. Die Entscheidung stand freilich schon vor Beginn der Verhandlungen fest, indem sich die Sozialdemokratie erneut dahin schlüssig geworden ist, sich vorerst weiterhin der Stimme zu enthalten. Vom Ausschuß lag zum Reichswehretat eine Entschließung vor, nach der Angehörige der Wehrmacht nicht als Ersatz für streikende oder ausgesperrte Arbeiter verwandt werden sollen. Zu Beginn der Debatte weist Abg. Stücklen als Berichterstatter im Namen des gesamten Ausschusses die Behauptung von deutschen Geheimrüstungen als absolut unbegründet zurück. Mit solchen Behauptungen, für die auch nicht der Schatten eines Beweises vorgebracht sei, werde nur die deutsch=französische Verständigung gestört! Die Reichstagsmehrheit werde irgendeine schwarze Rüstung nicht dulden, sie habe seinerzeit auch der schwarzen Reichswehr ein Ende gemacht. Reichswehrminister Groener erinnert an seinen im vorigen Jahre ausgesprochenen Wunsch, daß die Einstellung zur Wehrmacht möglichst wenig von parteipolitischen Gesichtspunkten beeinflußt werden möge. Mit Dank und Freude könne er heute feststellen, daßt die Verhandlungen im Haushaltsausschuß die Erfüllung dieses Wunsches gebracht haben. Alle Parteien mit Ausnahme der Kommunisten hätten sich in so warmer und zustimmender Weise zur Wehrmacht geäußert, daß diese Anerkennung das schönste Geschenk für die Reichswehr zu ihrem zehnjährigen Bestehen sei. Der Minister geht dann auf die politische Einstellung der Wehrmacht ein und fährt fort: Die Wehrmacht wird von Parteien und Richtungen der verschiedensten Art umworben, um sie zu zersetzen. Ein Erfolg dieser Bemühungen würde Bürgerkrieg und Chaos im Gefolge haben. Lisziplin und Staatsgesinnung sind in der Wehrmacht fest verankert. An diesem Glauben können mich auch Vorkommnisse, wie sie zum Leipziger Prozeß geführt haben, nicht irre machen. Ueber die Frage, ob der Prozeß nötig war oder nicht, sollte es aber keine Meinungsverschiedenheiten geben. Die Disziplinarerledigung dieses Falles ist an dem wenig ehrenhaften Verhalten der beteiligten Offiziere gescheitert. Der letzte Erlaß des Chefs der Heeresleitung kann sachlich nicht beanstandet werden. Man kann nur darüber streiten, ob lieber ein Exempel statuiert und ohne Warnung mit der Entziehung der Uniform hätte vorgegangen werden sollen. Der Minister verliest dann den Brief eines ehemaligen Offiziers aus dem Militärkabinett des Kaisers, der schreibt, er stehe der Kundgebung des Nationalverbandes deutscher Offiziere völlig verständnislos gegenüber. Gegenüber dem Vorwurf, daß die Landbevölkerung beim Ersatz bevorzugt werde, weist der Minister darauf hin, daß am 1. Januar 1930 55 Prozent Stadt= und 45 Prozent Landersatz war. Grundsätzlich müsse es das Ehrenrecht eines jeden Deutschen sein, dem Vaterland als Soldat zu dienen. Aus politischen Gründen dürften nur solche Bewerber abgelehnt werden, denen nachgewiesen werde, daß sie sich in verfassungs= als auch in wehrfeindlichem Sinne betätigt haben. Entgleisungen einzelner Führer oder Mitglieder von Verbänden könnten noch kein Grund zum Ausschluß aller Mitglieder derartiger Verbände sein. Die Entscheidung, ob eine Partei als staatsseindlich auzusehen ist, sei aber durchaus nicht endgültig und feststehend. Unter keinen Umständen könnten Bewerber aus Kreisen aufgenommen werden, die sich nicht scheuten, den Soldaten für den Kriegsfall Kriegsvienstverweigerung und Fahnenflucht zu predigen. Der Minister verweist dann auf die dauernd steigenden Zahlen der Versorgungsanwärter und tritt für Verbesserungen der Zivilversorgung ein. Als letztes Kapitel behandelt Minister Groener dann die Abrüstungsfrage, wobei er ausführte: In dieser Frage ist sich ganz Deutschland insofern einig, als wir alle von der Abrüstungskonferenz volle Gleichberechtigung erwarten und auf der Erfüllung unseres guten Rechts bestehen werden. Der in der letzten Geuser Tagung fertiggestellte Konventionsentwurf dient der Verschleierung und Aufrechterhaltung den gegenwärtigen Mißverhältnisses der europäischen Rüstungen. Man sollte sich im Ausland vor der Illusion hüten, daß es möglich sei, die psychologischen Rückwirkungen der Behandlung der Abrüstungsfrage für das deutsche Volk außer acht zu lassen. Wenn der Bereitschaft zur Verständigung, die durch zahlreiche und schwerwiegende Opfer von Deutschland unter Beweis gestellt wurde, immer wieder die Forderung auf einseitige Entwaffnung gegenübergestellt wird, dann kann eine solche Behandlung nicht ohne Rückwirkungen auf den Willen und Glauben an die Möglichkeit einer Verständigung bleiben. Ausnahmegesetze gegen Verleumder. Was die angeblichen Geheimrüstungen betrifft, so bin ich überzeugt, daß die Verkünder solcher Nachrichten im Ausland an diese Märchen selbst nicht glauben. Das trübste an diesem Kapitel bleibt aber die Tatsache, daß diese Kreise des Auslandes zum größten Teil ihr Material von Deutschen beziehen, deren Triebfeder entweder fanatischer Haß gegen alles Militärische oder gewöhnlichste Gewinnsucht ist. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß ich außerordentliche gesetzliche Maßnahmen gegen diese Staatsverleumder für erforderlich halte und auch beim Reichskabinett bereits beantragt habe. Es ist ein Lebensrecht des Staates, sich gegen Verleumdungen zu schützen. Geheimrüstungen gibt es nicht. Ich habe aber nie ein Hehl daraus gemacht, daß wir alle Maßnahmen zum Schutze unserer Grenzen treffen, soweit uns das unsere schwachen militärischen Kräfte und die uns auferlegten vertraglichen Bindungen erlauben, und ich bin selsenfest überzeugt, daß sich zur Verteidigung der Grenzen alle Kreise unseres Vaterlandes ebenso zu. sammenfinden werden, wie in der Vertretung unseres vertraglichen und moralischen Rechts auf Abrüstung, Die Aussprache zum Wehretat. Ueberraschender Brief des Oberleutnants Scheringer an die Kommunistische Partei. Die Aussprache zum Wehretat ergab im großen und ganzen Uebereinstimmung dahin, daß die Abrüstungskonferenz des nächsten Jahres Deutschland unbedingt den gleichen Grad von Sicherheit bringen muß, wie ihn die anderen Mächte längst haben. Die tionen haben also den Appell des Reichswehrministers noch verstärkt. Großes Aufsehen erregte ein Sprecher der Kommunisten, der einen vom 18. März aus der Festung Gollnow datierten Brief des früheren Oberleutnants Scheringer an die Kommunistische Partei verlas, mit dem sich Scheringer, der in Ulm wegen nationalsozialistischer Betätigung zu Festung verurteilt worden war, von Hitler lossagt und den Kommunisten anschließt. Zum Schluß der Debatte nimmt Reichswehrminister Groener nochmals das Wort und erklärt, es sei unverständlich, wie der Ersatz des überalterten Schiffsmaterials sich zu einer politischen Streitfrage habe entwickeln können. „Ich könnte unmöglich an meinem Platz bleiben“, so fährt er dann fort,„wenn dieser sachlich notwendige Ersatz abgelehnt würde. Ich bin kein kritikloser Flottenschwärmer, aber eine aktionsfähige, wenn auch kleine deutsche Flotte, ist von ganz entscheidender Bedeutung für unsere Stellung in der Ostsee. Nach dem neuen Marine=Abkommen werden am 31. Dezember 1936 an Marine=Tonnage haben: England 1137 200 Tonnen, Frankreich 670 723 Tonnen, Italien 441 256 Tonnen und Deutschland nur 164 000 Tonnen(Hört! hört!) Nach der zweiten Ministerrede gab Abg. Hünlich eine kurze Erklärung ab, in der dem Reichstag formell davon Mitteilung gemacht wurde, daß die Sozialdemokratie sich bei der Abstimmung über den Panzerkreuzer der Stimme enthalten wird. Vor der Vertagung aus Freitag erledigte der Reichstag dann noch das neue Zollgesetz, das die Reichsregierung bis zum 31. März 1932 zur Vornahme von Zolländerungen ermächtigt, in erster Lesung. — Bei einer Versuchsfahrt mit einem vierachsigen Personenwagen wurde auf der Strecke von Potsdam nach MagIrs eine Höchstgeschwindigkeit von 140 Kilometern erFortsetzung der Kultusdebatte. Die Forderungen der Parteien. — Berlin, den 19. März 1931. Im Preußischen Landtag polemisierte Abg. Kerff(.) in Fortsetzung der allgemeinen Aussprache zum Kultusetat gegen die Zentrumspolitik. Abg. Meyer=Herford(D. Vp.) verlangte, daß die berechtigten Forderungen der evangelischen Kirchen von der Regierung erfüllt werden. Abg. Schmidt=Limburg(Ldvolkp.) erklärte, die deutsche Kultur sei durch die Kirche geschaffen worden. Eine Trennung von Staat und Kirche wäre daher ein Verbrechen. Abg. Graue(Staatsp.) führte aus, das alte Christenkreuz, das zum Ausdruck bringe, daß der Geist stärker ist als alle Gewalt, sei dem Hakenkreuz überlegen. Abg. Grüter(Wirtschp.) bezeichnete unter anhaltenden Unterbrechungen der Kommunisten die Religion als die beste Stütze für den Staat. Abg. Kliesch(Christl.=Soz.) hob die sozialen Leistungen der evangelischen Kirche hervor. Abg. Doht(Soz.) beschäftigte sich mit Volksschulfragen. Abg. Fritzsche=Wormsleben(Dutl.) kritisierte den Schullastenausgleich, der zur Finanznot vieler Gemeinden wesentlich beigetragen habe. Abg. Frau Stoffels(Ztr.) bezeichnete den Erlaß, nach dem nicht jede Klasse der Volksschule einen eigenen Lehrer brauche, als bedenklich. Abg. Frau von Kuleße(Dt. Volkspt.) forderte größere Stetigkeit und ruhigere Arbeit im Unterricht und Schulbetrieb. Abg. v. Posadowsky=Wehner(Volksrechtspt.) wünschte eine baldige Einigung zwischen dem Staat und der evangelischen Kirche. Weiterberatung Freitag. Ende der Stellenvermittlung. Die der Rede des Reichswehrministers folgende Debatte wird nach kurzer Zeit unterbrochen, um die zurückgestellte Abstimmung über die Entschädigung der gewerbsmäßigen Stellenvermittler vorzunehmen. Nachdem ein Antrag der bürgerlichen Parteien auf Wiederherstellung der ursprünglichen Regierungsvorlage mit 156 gegen 144 Stimmen der Ablehnung verfallen war, wird das Gesetz in der Schlußabstimmung entsprechend den von den Sozialdemokraten und Kommunisten hineingearbeiteten Bestimmungen in der Form verabschiedet, daß alle gewerbsmäßigen Stellenvermittler spätestens am 30. Juni 1931 ihren Betrieb gegen Entschädigung einzustellen haben. Sowjetmethoden. In den Zeitungen war kürzlich zu lesen, daß im Jahre 1930 die Weltgewinnung an Rohöl um nicht weniger als 10 Millionen Tonnen oder 5,2 Prozent zurückgegangen sei. In den Vereinigten Staaten betrage der Rückgang sogar fast 15 Millionen Tonnen, und der Anteil an der Weltproduktion sei von 67 Prozent im Jahre 1929 auf 63 Prozent im Jahre 1930 gesunken. Die amerikanische Union habe somit die ganze Last der Krise und der damit zusammenhängenden Restriktionen getragen, während im Gegensatz zur Neuen Welt die Russen ihre Förderung um 5 Millionen Tonnen oder 35 Prozent gesteigert hätten, womit sie an die zweite Stelle der Produktionsländer getreten seien und Venezuela auf den dritten Platz gedrängt hätten. Auch Rumänien habe seine Ausbeute um 1 Million Tonnen erhöht und nehme nunmehr den fünften Platz unter den Ländern mit Erdölgewinnung, den bisher Mexiko inne hatte, ein. Für das laufende Jahr erwarte man eine weitere Einschränkung der Produktion in den Vereinigten Staaten, während— Rußland die Gewinnung um mindestens 2 Millionen Tonnen steigern dürfte. Uns interessiert hier nicht die Frage, welchen Platz unter den Ländern mit Erdölgewinnung dieses Land oder jenes Land einnimmt, sondern lediglich die andere uns wichtiger dünkende Frage, warum die Russen ihre Förderung um 5 Millionen Tonnen oder 35 Prozent gesteigert haben, und ob Rußland die Gewinnung von Naphta und Oelprodukten im laufenden Jahr um mindestens 2 Millionen Tonnen wird steigern können? Antworten auf diese Fragen kann uns Dr. W. Hoeffding geben, der in dem Buch„Welt vor dem Abgrund““), einem Sammelwerk, bearbeitet und herausgegeben von Universitätsprofessor Dr. Iwan Ilijin, früher in Moskau, nach authentischen Quellen den Abschnitt:„Das Außenhandelsmonopol und der auswärtige Handel Sowjetrußlands“ in eingehender Weise behandelt hat. Der Fünfjahresplan der Entwicklung der produktiven Kräfte der U/S:.., die nach dem Urteil des Kommunisten Larin ein„Herd für die weitere Entwicklung der Weltrevolution“ sein will, und zwar auf dem Wege einer energischen Industrialisierung und einer konsequenten Befestigung der sozialistischen Elemente der Wirtschaft, hat sich bekanntlich die gewaltige Aufgabe gesetzt— innerhalb der nächsten Jahre das Niveau der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder einzuholen und zu überholen. Hierdurch soll der Sieg des sozialistischen Wirtschaftssystems in seinem historischen Kampf gegen den Kapitalismus befestigt werden. Diese Aufgabe zwingt die russiiche Regierung, gestützt auf die riesigen wirtschaftlichen Hilfsmittel des Landes, auf die Vorzüge einer organisierten Planwirtschaft und auf die Errungenschaften der Technik der ganzen Welt, ein solches Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung einzuschlagen, wie es die Länder des modernen Kapitalismus nicht haben und nicht haben können. Die Hoffnungen der Kommunisten Rußlands gelten erstens den Naturschätzen des Landes, zweiten der Zentralisierung sämtlicher wirtschaftlichen Mittel in den Händen einer Zentralgewalt; drittens ihrem eisernen Willen, dem Entschluß, alle Mittel rücksichtslos einzusetzen, um den Plan zu verwirklichen. Wir haben es hier nur mit den Naturschätzen des Landes zu tun, und zwar mit der phänomenalen Entwicklung der Ausfuhr von Naphta und Oelprodukten aus der Sowjetunion. Hören wir, was Dr. W. Hoeffding darüber zu sagen weiß. Er schreibt: „Die Steigerung dieser Ausfuhr, die das Dreifache der Vorkriegsausfuhr überschritten hat, ist aber nicht nur das Ergebnis der Tatsache, daß keine Ausgaben gescheut werden, um diese in erster Linie„valutaproduzierende" Industrie zu entwickeln, sondern auch ein Resultat dessen, daß die Ausfuhr auf Kosten der notwendigen Versorgung des Inlandmarktes geschieht. In einer Sitzung des Präsidiums der staatlichen Planwirtschaftskommission zu Anfang September 1929 wurde darauf hingewiesen, daß infolge der forcierten Ausfuhr sämtliche Petroleumvorräte im Innern Rußlands erschöpft sind. Dabei muß berücksichtigt werden, daß Petroleum das Volksbeleuchtungsmittel für vier Fünftel der russischen Bevölkerung darstellt.“(S. 348). Hier wird also unumwunden zugegeben, was in der Sowjet= und Auslandpresse über die Entwicklung der Ausfuhr von Naphta und Oelprodukten aus der Sowjetunion geschrieben worden ist. Eine Entwicklung, die das Dreifache der Vorkriegsausfuhr überstiegen hat, ist phänomenal. Sie ist aber auch mit allen Mitteln„forciert", weil die bereits chronisch gewordene passive Handelsbilanz der Sowjetunion den Führern der Sowjetwirtschaft die größten Sorgen bereitet und sie zwingt, in erster Linie„valutaproduzierende“ Industrien zu entwickeln. Daß dieser Notexport auf Kosten der Versorgung des Binnenmarktes geschieht, vier Fünftel der russischen Bevölkerung darunter schwer zu leiden haben, macht dieser sozialistischen Regierung keinen Kummer Wenn nur das Ziel erreicht wird, das sie sich gesteckt hat, bis zum Jahre 1933 nämlich das Niveau der fortgeschrittenen kapitalistischen Länder einzuholen und zu überholen, wodurch dann der Sieg des sozialistischen Wirtschaftssystems in seinem Kampf gegen den Kapitalismus erwiesen und ein Herd für die weitere Entwicklung der Weltrevolution geschaffen sein wird. *) Das Buch ist erschienen im Eckart=Verlag, Berlin=Steglitz. Beymestraße 8. In einem Band von 576 Seiten, der geheftet 20.— M, geb. 24.— A hostet, haben 12 Männer, die Rußland genau kennen und den Bolschewismus gründlich studiert haben, ihre Erfahrungen und Meinungen niedergelegt. Die einzelnen Kapitel behandeln die wirtschafts= und kulturpolitischen Ideen, die in der russischen Umwälzung wirksam sind und die als Ziel die Weltrevolution haben. Wer Zeit und Interesse genug hat, um dieson ernsten Problemen möglichst auf den Grund zu gehen. findet in Ilksins Wern das geeignete Material. D. A. Neben der finanziellen Not der Sowjetregierung, die sie zwingt, um jeden Preis ausländische Devisen zur Bezahlung der Einfuhr zu beschaffen, spielt also auch das Bestreben, durch Desorganisierung der kapitalistischen Wirtschaft Arbeitslosigkeit, Unruhe und, als Folge, Verbreitung des Kommunismus herbeizuführen. Die russische Regierung hat es nie verheimlicht, daß eines der Endziele des„Fünfjahres=Planes“ nicht nur in der„Verselbständigung“ der Sowjetwirtschaft, sondern auch in der wirtschaftlichen Unterminierung der kapitalistischen Welt liegt. Daß die Gewinnung an Rohöl in den Vereinigten Staaten einen Rückgang von fast 15 Millionen Tonnen zu verzeichnen hat, und daß damit auch die Arbeitslosigkeit in der nordamerikanischen Union zugenommen hat und die Unzufriedenheit gewachsen ist, paßt ja ganz zu den Beweggründen, die dem„Fünfjahresplan" zugrunde liegen. Von diesem Standpunkt aus bedeutet die unter technischer und finanzieller Unterstützung des Auslandes, wenn auch bis jetzt nur teilweise, gelungene Durchführung des Industrialisierungsplanes eine große Gefahr für die kapitalistische Umwelt. Die mit ausländischer Hilfe erfolgende technische Erstarkung der Sowjetindustrie gibt den Kommunisten in Rußland ungeahnte Machtmittel in die Hand, die sie fraglos zu gegebener Zeit mit der ihnen eigenen Rücksichtslosigkeit im Kampfe gegen die seindliche, innerlich zersplitterte Welt einsetzen werden. G. Fensterscheiben der deutschen Gesandtschaft in Prag eingeworfen. Prag, 20. März. Am Donnerstag gegen 22 Uhr wurden sechs Fensterscheiben der deutschen Gesandtschaft auf der Klein=Seite in Prag mit Steinen und einem Bleistück eingeworfen. Der Pförtner der Gesandtschaft wurde durch das Klirren der Scheiben geweckt. Bei seinem Heraustreten auf die Straße sah er jedoch keine Personen mehr. Zeugen, die zur Zeit des Vorfalles an der deutschen Gesandtschaft vorbeigingen, bekundeten bei der Polizei übereinstimmend, daß als Täter nur zwei Burschen in Frage kämen, die ziemlich eilig an der Gesandtschaft vorbeigegangen seien, ohne sich dabei amffällig zu bewegen. Erst durch das Klirren der Scheiben seien sie, die Fußgänger, darauf aufmerksam geworden, daß etwas geschehen sei. Nach den beiden Burschen forscht die Polizei. Auf dem Bleistück, das in der Gesandtschaft gefunden wurde, stehen in tschechischer Sprache die Worte: „Fort mit der deutschen nationalistischen Diktatur in Deutschland. Die Inschrift ist in äußerst mangelhaftem Tschechisch abgefaßt. Die Polizei gibt an, daß der Text ins Deutsche übersetzt, wahrscheinlich richtig lautet:„Fort mit der faschistischen Diktatur im hinterlistigen Deutschland. Infolge der Fehlerhaftigkeit der Schrift steht jedoch auch dieser Text noch nicht fest. Die Polizei hat Beamte vor der Gesandtschaft postiert. Der deutsche Gesandte Dr. Koch weilt zur Zeit in Berlin. Aufruf Hindenburgs. Zum zehnten Jahrestag der oberschlesischen Volksabstimmung. — Berlin, 20. März Reichspräsident von Hindenburg veröffentlicht folgenden Aufruf zum Jahrestag der Volksabstimmung in Oberschlesien: Am 10. Jahrestag der Volksabstimmung in Oberschlesien gedenkt das deutsche Volk in Dankbarkeit der Treue derer, die in einer Zeit bitterer Not und schwerer Bedräugnis das Bekenntnis zu ihrer deutschen Heimat abgelegt haben. Zehn Jahre harter und schwieriger Wiederaufbauarbeit sind gefolgt. Sie war getragen und gefördert von dem unbeirrbaren Bewußtsein der Pflichterfüllung, die das sicherste Unterpfand für die Zukunft unseres Vaterlandes ist.“ Müller. — Berlin, 19. März. Der Zustand des früher mann verschlechtert. Angesichts des verfalls des Patienten wurde in den Abendstunden neben anderen Maßnahmen eine Bluttransfusion vorgenommen. Eine neue Komplikation ergab sich dann dadurch, daß eine rechtsseitige Lungenentzündung hinzutrat. Das Bewußtsein Hermann Müllers war den ganzen Tag über getrübt. Evangelische Stellungnahme zur Filmzensur. — Berlin, 20. März. Die Evangelische Hauptstelle gegen Schund und Schmutz wandte sich in einer im Reichstag abgehaltenen Sitzung einstimmig gegen den Antrag Breitscheid(Soz.), auf Lockerung der Filmzensur. Wenn jeder nach Paragraph 1 des Filmgesetzes verbotene Film vor bestimmten Personenkreisen zugelassen werden müsse, dann sei damit die Filmzensur praktisch zum großen Teile aufgehoben. Nationalsozialistischer Exodus in Weimar. — Weimar, 20. März. Die Nationalsozialisten haben ihre Mitarbeit im Haushaltsausschuß des Thüringischen Landtags eingestellt und den Ausschuß verlassen. Zur Begründung dieser Maßnahme verwiesen sie auf die Haltung der volksparteilichen Ausschutzmitglieder. Die Deutsche Volkspartei gab eine Gegenerklärung ab. — Briand empfing den polnischen Botschafter in Paris zu einer längeren Aussprache. — Der Vizekönig von Indien hatte eine neue Unterredung mit Gandhi: im Anschluß daran verhandelte Gandhi mit Vertretern der Hindus, der Mohammedaner und der Oberst Maddalena abgestürzt. Mit zwei anderen Teilnehmern des Südamerikafluges ertrunken. — Rom, 20. März. Bei Marina di Pisa ist das Flugzeug„Savona 64“, das die drei Teilnehmer des italienischen amerikafluges, Oberst Mavoalena, den Hauptmann Cee, coni und den Leutnant Damonte, an Bord hatte, ins Meer gestürzt. Alle drei Flieger haben den Tod ae, funden. Luftfahrtminister Balbo ist sofort mit einem Flugzeug nach Pisa geflogen. Oberst Maddalena war der bekannteste und erfolgreichste Flieger Italiens. und die beiden anderen ertrunkenen Offiziere hatten für den Südamerikaflug die goldene Luftfahrtmedainerhalten. Schnellzug Paris=Bordeaur entgleist. Paris, 20. März. Der um 19,55 Uhr in Paris abgehende Schnellzug Paris—Bordeaux ist bei dem Ort Etampes entgleist. Nach den bis jetzt vorliegenden Meldungen sollen 10 Personen ums Leben gekommen und 40 verletzt sein. Weitere Einzelheiten fehlen noch. Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 22. März 1931, Judika. Samstag 19.10 Uhr: Beichte und Abendmahl in Zion, Pastor Bischoff. Sonntag 8½ Uhr: Passionsgottesdienst, Pastor Wilm; 9 Uhr: Pastor Schmidt; 10 Uhr: Pastor Wilmanns; 11½ Uhr: Kindergottesdienste. Passionsgottesdienste: Dienstag 19½ Uhr: Pastor Wilmanns; Donnerstag 19½ Uhr: Pastor Wilmanns. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 22. März 1931: 10 Uhr vorm. Konfirmation, Pastor Dahlmann; 2½ Uhr nachm. Könfirmandenprüfung, Pastor Hopmann; 5 Uhr nachm. Abendmahlsfeier, Pastor Dahlmann. Freitag, den 27. März 1931: 8 Uhr abends Passionsgottesdienst mit Abendmahlsfeier, Pastor Dahlmann. — Zur feierlichen Entlassung der Abiturienten der Aufbauschule, die am Montag, den 23. März, vormittags 11 Uhr in der Turnhalle stattfindet, wird die Gemeinde herzlich eingeladen. — Bethel=Orchester. Zur Verstärkung des BethelOrchesters werden noch Damen und Herren für sämtliche Streichinstrumente gesucht. Meldungen an Hausvater Wellmann, Bethel, Fuhrgeschäft. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Betbel Eine erzgebirgische Strumprwarenfaurik empfichlt ihre schönsten, dauerhaffesten Hako-Damenstrümpfe Nr. 236, Zfach, dicht gewirkt, dunkle Farben und schwarz. Gr. 9, 9½, 10, 8 Dtz. 13.20 Mk. 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Dazu kommt die Lehre von der göttlichen Stellung des japanischen Kaisers. Dennoch hat das offizielle Japan sich wiederholt dahin geäußert, daß keine Lösung der sozialen Nöte ohne Mithilfe des Christentums möglich wäre. Hier liegt die Bedeutung eines Mannes, den man Japans Bodelschwingh nennen könnte. Es ist Kagawa, der Arbeiterführer Japans; er ist wie der englische Außenminister Henderson Sozialist und Christ. 1. Wer ist Kagawa? Als Kind wohlhabender Eltern erzogen, wird er später vom Christentum gewonnen, von seinen Angehörigen verstoßen, besucht die theologische Schule in Kobe und lebt in den engen und schmutzigen Arbeiter= und Kaschemmengegenden Kobes. Er wird als tiefinnerliche, religiöse Persönlichkeit geschildert; eine Krankheit soll den Umschwung ausgelöst haben: er fühlte sich von Gott wie gehalten, wie in Gott getaucht, will nun alles ins Göttliche erheben, daß Gott in allem und in allen verherrlicht werde. Er wird von Jesus ergriffen und sucht die Bergpredigt zu verwirklichen. Besonders durch die Politik des NichtWiderstand=leistens. Er beginnt literarisch tätig zu sein, besonders ein autobiographisches Buch, das jetzt in 200. Auflage erscheint, macht ihn bekannt und bringt ihm Einnahmen. Viele andere kommen durch ihn zum Christentum, besonders ein bekanntes Mitglied des Adels. 2.„Auflehnung und Opfer“— oder„Jenseits der Todeslinie“, lautet der Titel seines Lebensromans, in dem er in der Gestalt des Helden Eiichi seinen eigenen Weg, seine innere Not, seinen Kampf, seine Entscheidung für Jesus und seine praktisch=christlich=soziale Arbeit„Im dunkelsten Japan“ zeichnet. Mit diesem Werk— das in deutscher Uebersetzung im Verlag von D. Gundert, Stuttgart, erschienen ist, beschmückt mit Zeichnungen aus Japan(Leinen.— RM.)— tritt zum ersten Male ein Japaner aus dem Kreis seiner nationalen Zuhörerschaft heraus und spricht zu den Gebildeten der ganzen Welt. An sie ergeht der Weckruf dieses mit Herzblut geschriebenen Buches— denn nur die Form ist anders in den verschiedenen Ländern, die Sache, die Not und die Hilfe ist überall nur eine, ja eine gemeinsame: Weltschuld, Weltnot, Welthilfe. Nicht heidnische oder englische oder deutsche Philosophie kann dem suchenden Japaner Antwort auf letzte Fragen geben, nicht„Liebe“ oder was man fälschlich so nennt, nicht bürgerliche Sicherheit des wohlhabenden Kaufmanns. Die Frage, weshalb im Innern des Blumenlandes Japan solche Dunkelheit, solche menschenunwürdige Verhältnisse, weshalb bei glitzernder Oberfläche soviel Halbheit, leere Formen und abergläubischer Wahn? Flucht aus der Welt? Mönch werden? Selbstmörder? Eiichi= Kagawa wird von Christus gerufen und berufen, über die Todeslinie hinweg zu wagen ein Leben durch Arbeit an den Armen, durch Leben mit den Armen im Schlamm. 3. Kagawas Liebe zu den Armen. Kagawa ist Führer der Arbeiterpartei Westjapans, ein Vorkämpfer der Temperenz=Vereine. Das Hauptquartier seiner Arbeit liegt im westlichen Bezirk Honyo, ein großer Holzbau mit Bureau, Empfangsraum mit Predigthalle, Es wächst der Tag, das Licht nimmt zu. Die Erde hebt sich aus der Ruh, Schlägt auf die Augenlider. Der Winter ballt noch seine Faust, Hält fest die Berge, stürmt und braust. Doch sacht wird's Frühling wieder! Ich hab ihn heimlich schaffen sehn: Schneeglöckchen schon im Garten stehn, Bald ihre Glöcklein schwingen. Die Amsel huschet durchs Geäst Und sucht ein Plätzchen für ihr Rest. Die Reisen fröhlich singen. Und auf der Mauer alt und grau, Da träumen in des Zimmels Blau Still glücklich Dohlenpaare. Sie freu'n sich, wie der Schnee zerrinnt, Und daß der Lenz sein Werk beginnt, Das große, wunderbare. So dunkel schien das Erdental, Da hat ein lieber Sonnenstrahl Rkein müdes Zerz getroffen. Er kam von Gottes Angesicht Und füllte mich mit stillem Licht, Mit selgem Trost und Hoffen. Kurt Tietze. wo Kindergarten, Sonntagsschule und Abendpredigt gehalten werden. Von praktisch=sozialen Werken seiner Arbeit sind zu nennen: Nähschulen, die Frei=Apotheke, das Speisehaus, die soziale Auskunftshalle, das Schlafhaus der Arbeiter, die Bürstenfabrik. Unaufhörlich arbeitet er an weiteren Einrichtungen dieser Art. All diese Arbeit ist bei Kagawa nur die Frucht seines Glaubens, die Frucht seiner Liebe, die sich nicht erbittern läßt durch Verfolgungen und körperliche Bedrohungen. Mit neunzehn Jahren hatte Kagawa während eines Sommeraufenthalts in Toyohashi 40 Tage lang auf den Straßen gepredigt. Am vierzigsten Tage, als es regnete und er trotzdem weiter predigte, ergriff ihn ein Schüttelfrost; seine letzten Worte:„Gott ist Liebe, das werde ich rufen, bis ich hinfalle; wo Liebe ist, da offenbart sich Gott im Leben“— dann fiel er um und wurde in ein Haus gebracht. Er mußte Blut speien, und hatte kein Geld, um den Arzt kommen zu lassen. Aber der Pfarrer der Kirche sandte einen Arzt, der tuberkulöse Lungenentzündung feststellte und wenig Hoffnung machte. Eine Woche lag er zwischen Leben und Tod. Und dann brachte er einen ganzen Tag mit Beten und Fasten zu; er erzählt von einer„großen inneren Freudigkeit“, die ihm geworden wäre und während seiner schwersten Leidensstunden hat ihn der Gedanke beschäftigt, in das Shinkawa= Schlammviertel in Kobe zu gehen und dort mit den Armen zu leben. Er hatte auf dem Gymnasium in Kobe von der Arbeit Arnold Toynbee gehört, der sein Leben in den Schlammvierteln Londons zubrachte. Er fühlte sich von Gott für diesen Dienst unter den Armen berufen und aus dieser Berufung gewann er die Gewißheit, daß er nicht sterben sollte,„im Augenblick meiner Erleuchtung war es mir, als ob ich einen Sprung über die Todesgrenze hinüber machte. Von da an fühlte ich mich wie genesen und war im Stande, die Psalmen zu lesen und abermals nach vier Wochen Genesungslager war ich fest entschlossen, ins Schlammviertel von Shinkawa zu gehen.“ So ging er nach Osaka, dort ist das Zentrum des Arbeitsmarktes in Japan, dort wohnen die meisten unterrichteten geschickten Arbeiter, mit deren Hilfe wollte er die Shinkawa=Leute, die so Heruntergekommenen, an Leib und Seele Verkommenden, diese Bettler unter den Bettlern, retten und sie für Christus zu gewinnen suchen. 4. Kagawas Erfolge. Mehr denn einmal hat er selber Gefängnis, Ueberfall. Schläge, Verwundungen ertragen. Rücksichtslos kämpft er auch gegen nationale Sünden(Prostitution!). Besonders die Frauen Japans ruft er auf zum Kampf und stellt das Ideal der Liebe in der Einehe beiden Geschlechtern vor Augen. Seine Stimme wird im Parlament gehört, die Regierung hat beschlossen, 20 Millionen Yen zum Umbau der ungesunden Schlammviertel in den sechs größten Städten Japans aufzuwenden. In Shinkawa ist das Christentum eine Macht geworden. Mord und Gewalttat haben abgenommen, und in vielen Häusern ist christliche Hausandacht eingeführt. Oft sind 70 bis 80 Zuhörer in der kleinen Schlamm=Kapelle versammelt; kurz nach dem großen Erdbeben hat Kagawa an 124 Abenden hintereinander gepredigt und mehr als 5000 Menschen veranlaßt, sich einer christlichen Gemeinde anzuschließen. Mit Recht sagt der Bericht in dem Buch des Missionsinspektors Deveranne:„Christus an Torii und Pagode“ (Leopold Klotz, Verlag, kart..—):„Jedenfalls setzt hier eine zweite christliche Bewegung in Japan ein. War bisher die christliche Anhängerschaft mehr eine Bewegung von oben her, von gebildeten Schichten, oft von Aerzten und anderen Akademikern geleitet, so setzt hier eine überwiegend von den Unterschichten getragene christliche Strömung ein, von Arbeitern, Landpächtern und Entehrten gespeist, wenn beide Kreise sich mehr und mehr ausbreiten und einander ergänzend immer mehr das Volk ergreisen werden, dann schaffen sie eine erstarkende japanische Den scheidenden Volkshochschülern zum Gruß. Wieder ist im Lindenhof, dem Betheler Volkshochschulheim, der Winterkursus zu Ende gegangen. Eine schlichte Abschiedsfeier vereinigte am Donnerstag, den 12. März, Schüler und Lehrer auf der traulichen Lindenhofdeele. Zu diesen Schlußfeiern werden auch die Angehörigen der Schüler und Schülerinnen eingeladen; es ist die einzige Gelegenheit im Lehrgang, wo Eltern und Geschwister etwas von dem hören und sehen dürfen, was im Kursus das gemeinsame Erleben und Arbeiten erfüllte. Und wenn sich überhaupt etwas davon sichtbar machen läßt, was Sinn und Inhalt, Ziel und Frucht evangelischer Volkshochschularbeit ist, dann tritt hier etwas davon zu Tage. Den gestrigen Nachmittag sollte Fritz Reuter mitgestalten helfen. Leider war es nicht möglich, ein Stück aus seinem Werk„Ut mine Stromtid“ zur Darstellung zu bringen, wie es ursprünglich geplant war. Aber heitere und ernste Bilder, Darstellungen der lustigen und auch oft traurigen Geschichten Fritz Reuters ließen uns den Dichter aufs neue lieb werden. Man hatte sich dann im großen Kreise zusammengefunden und einige Schüler und Schülerinnen erzählten aus dem Lehrgang. Von Vorträgen, von Fahrten und Wanderungen, von Besichtigungen und Feiern wurde berichtet. Durch alles hindurch aber klang etwas von dem, was diese jungen Menschen gesehen und gelernt, empfangen und aufgenommen hatten, was sie mitnehmen wollten ins Leben hinaus, um es dort ins Leben zu übertragen. sie hatten sehen gelernt. Das konnte man heraushören, als einer uns erzählte von Fabrikbesichtigungen während des Kursus. Offenbar erschien ihm nicht das das Wichtigste, wie und was in den besichtigten Fabriken hergestellt wurde. Er sprach davon, wie hier die Arbeiter in schlecht durchlüfteten Räumen ihre oft so eintönige Arbeit tun und zu alledem manchmal noch hart und unfreundlich behandelt werden.„Wir wollen doch nicht mehr über die Arbeiter und ihren Achtstundentag schimpfen“, sagte er.„Lieber wollen wir 15 Stunden auf dem Acker arbeiten als 8 Stunden in der Fabrik.“ Gut so, daß ihnen dafür die Augen aufgegangen sind! Die Lösung der sozialen Frage, um die unser Volk ringt, hängt entscheidend davon ab, ob Menschen da sind, die den anderen in seiner besonderen Lage sehen und verstehen können, die dankbar sind für ihr eigenes Los und bereit, mitzuhelfen, um auch das Leben der anderen leichter und lichter zu gestalten. Aber noch mehr! Diese jungen Menschen hatten auch fragen und aufmerken gelernt. Durch den Unterricht und besondere Vorträge war manche Frage in ihnen lebendig geworden. Unser Leben und unsere Zeit gestaltende Kräfte waren ihnen gezeigt worden. Manche Frage war aufgetaucht, ohne eine Lösung zu finden. Aber’auch ungelöste Fragen können unser Leben befruchten und in heilsame Bewegung setzen. Es kann ja überhaupt niemals der Sinn echter Volksbildungsarbeit sein, dem Menschen die fertige Antwort auf seine Fragen zu geben. Ihm ist dann am besten gedient, wenn er es lernt, ehrfurchtsvoll vor dem zu stehen, was er noch nicht weiß, dankbar zu sein für den Reichtum, den Gott in jedes Menschenleben hineinlegte, treu zu werden der Aufgabe gegenüber, die dem einzelnen aus der ihm anvertrauten Gabe erwächst. So ziehen diese jungen Menschen wieder hinaus ins Leben, kehren zurück in die alten Verhältnisse, in Haus und Beruf.„Der beste Dank für das, was wir empfangen haben, besteht darin, daß wir es zur Tat werden lassen.“ Das war ihnen allen aus der Seele gesprochen. Hoffen wir, daß sie in ihren Häusern und Gemeinden den Mut und die Kraft zur helfenden, neugestaltenden Tat finden werden. Dazu bedarf es wahrlich nicht besonders hervorragender Geistesgaben, es bedarf auch nicht eines besonders großen Einflusses in der Gemeinde und im öffentlichen Leben. Vielleicht ist gerade der stille verborgene Dienst in der eigenen Familie oder in dem Kreise, in dem der einzelne steht, am entscheidendsten. So erzählte eine Schülerin davon, wie sie es gelernt hätten, mit ganz bescheidenen Mitteln Feste und Feiern schön und sinnvoll zu gestalten, so daß aus ihnen echte, starkmachende Freude erwuchs. Das mitgenommen und daheim angewandt, das würde einen solchen entscheidenden Dienst an unserm Volk bedeuten, das in der Seele krank ist, das an„Vergnügungen“ zugrunde geht und keine Freude mehr kennt. Wer diese Stunden der Feier auf dem Lindenhof miterlebt hat, dem war's, als ob ihm hier doch noch einmal ein Hoffnungslicht aufblitzen wollte in unserer sonst so dunkel=trüben Zeit. Junge, unverbrauchte, zum Leben drängende und lebenstärkende Kräfte in einem Volk, in dem wir fast nur Sterben sehen: werden sie unserm Volk neues Blut zuführen können? Werden sie nach allem Dunkel der Gegenwart eine neue Zeit heraufführen? Unsere Freude und unsere Hoffnung soll uns nicht übermütig machen. Vielmehr wird's darauf ankommen, daß aus der Hoffnung die Bitte werde: Gott, stärke diese jungen Menschen mit ihrem ehrlichen Wollen in ihrem Dienst in ihrer Arbeit! Hilf uns allen in letzter Treue und letzter Verantwortung dort zu stehen, wo du uns gebrauchen willst!„So dürfen wir glauben, daß Gottes Weg mit uns und durch uns zum Heile-führt. Das darf wohl gesagt werden, daß der Dienst christlicher Volkshochschularbeit gerade in unseren Tagen nötig und für manches junge Menschenleben entscheidend wichtig ist. Im April beginnen in beiden westfälischen Volkshochschulheimen in Bethel und Tecklenburg(früher Lienen) wieder die Sommerlehrgänge für junge Mädchen, im November für junge Männer und für junge Mädchen. Wir weisen darauf herzlich empfehlend und einladend hin. Näheres erfährt man durch den Leiter der Schule: Pastor Wörmann, Bethel bei Bielefeld, Lindenhof oder Pastor Thiemann, Evgl. Volkshochschulheim, Tecklenburg in Westfalen. H. St. Christenkirche, dann herrscht Christus auch im Lande des ewigen Frühlings. Neben Kagawas Buch weisen wir hin auf die ebenfalls bei Gundert in Stuttgart erschienene Lebensbeschreibung des 1930 abgerufenen, für die Gründung einer sapanischen Nationalkirche wichtigen Mannes, Kanso Utschimura:„Wie ich ein Christ wurde", das eins der wichtigsten Bücher der gesamten christlichen Literatur ist, zugleich ein Spiegelbild für das europäische und amerikanisierte„Christentum, daneben sei nochmals hingewiesen auf Devaranne„Christus an Torii und Pagode", die Frucht der nun seit 45 Jahren dort arbeitenden evangelischen Deutschen Ostasien=Mission. Eine wertvolle Ergänzung bietet das im Christlichen Verlagshaus Stuttgart erschienene Erinnerungsbuch des deutschen Missionars S. Umdreit, jetzt Bischof der Evang. Gemeinschaft in Berlin: „Zwanzig Jahre Missionar in Japan“(Leinen.— RM.). Psychvanalyse und seelische Wirtlichkeit. (Ein Wort zur Kritik der Psychoanalyse.)") Bemerkungen zu dem gleichnamigen Buch von Dr. Paul Maag, Zürich. Zu dem dem„Aufwärts“ eigenen Aufgabenkreis, zwischen Schrifttum und evangelischer Weltanschauung ein inneres Einvernehmen herzustellen, möchte auch folgende Buchbesprechung gehören, die zur weltanschaulichen Haltung der heutigen Psychologie und modernen medizinischen Schule Wesentliches zu sagen hat: Wesentliches in dem Sinne, daß hier gerungen wird um die Gestaltung einer wirklichkeitsnahen Psychologie und letztlich um die tiesste Sinngebung des Lebens. Zwar werden starke Anforderungen an den Willen zur geistigen Mitarbeit gestellt; und eine Beschränkung derart, den Lesern einfach und ohne eigene Gedankenarbeit die Bestätigung altvertrauter religiöser und seelenkundlicher Ansichten vorzusetzen, darf nicht erwartet werden, wenn es sich um so stark diskutierte Fragen handelt, wie die moderne Psychoanalyse sie bietet, und kulturpolitisch so sehr umstrittene Persönlichkeiten wie die des diesjährigen Goethepreisträgers, S. Freud, im Mittelpunkt der Erörterungen stehen. Seitdem der Naturalismus Freuds alles psychologische Geschehen fast auf eine einzige mathematische Formel geführt hat, deren Wurzel die Sexualität ist, eine Formulierung, die die Linie unserer weltanschaulichen Haltung kreuzt und zur Kritik herausfordert, sind die Stimmen, die zur„Krisis der Psychoanalyse“ und zur Ueberforderung ihrer Ansprüche laut wurden, nicht mehr verstummt. Und je mehr Fachärzte für Seelenkrankheiten uns immer wieder versichern, daß ihre nervenärztliche Behandlung zur Stunde in einem ganz großen Ausmaß in religiöser Seelsorge bestehe, um so schärfer erhebt sich unser Protest gegen die Voraussetzungen und Bestrebungen, Religion und Psychoanalyse Seite an Seite zu stellen als zwei gleichwertige Mächte. Die moderne Auffassung über Religion und Glauben dokumentiert sich im Freudschen Sinne bestenfalls als eine Lebenshypothese oder„Illusion" ...„Wir heißen also einen Glauben eine Illusion, wenn sich in seiner Motivierung die Wunscherfüllung vordrängt, und sehen dabei von seinem Verhältnis zur Wirklichkeit ab, ebenso wie die Illusion selbst auf ihre Beglaubigung verzichtet.“(Freud.) Daß Verwendung gleicher und ähnlicher Begriffe nicht Gleichheit der Lehren begründen kann, da es doch auf die Systematik der Begriffe innerhalb eines Lehrsystems und auf die weltanschauliche Basis ganz wesentlich ankommt, von der diese Lehrmeinungen getragen werden, ferner, daß der Unterschied zwischen Psychologie und der Botschaft vom Evangelium nicht verwischt werden darf noch kann, sind Forderungen, die für eine evangelische Beurteilung dieser Fragen grundlegend sind. Maags Psychologie der Wirklichkeit, die er den Freudschen Lehren gegenüber stellt, trägt diesen Forderungen Rechnung, indem er mit scharfsinnigen Beweisführungen und in der Formgebung streng wissenschaftlicher Sprache die Gedankenreihen einer biologisch naturalistischen Grundanschauung, die die Psychoanalyse von jeher vorausgesetzt hat, einer ruhigen und sachlichen Kritik unterzieht und widerlegt.„Der massive Naturalismus Freuds, der sein Denken beherrscht, und in seinen Publikationen immer wieder durchbricht, stört uns nur insofern, als er ihn hindert, die ätiologischen Faktoren der Neurose richtig gegeneinander abzuwerten und ihn verleitet, den Urgrund alles Seienden, den lebendigen Gott, als Hirngespinst zu erklären. Mit einer Weltanschauung, die den Sinn des Daseins leugnet, können wir nichts anfangen. Die Voraussetzung, daß es in sexuellen Dingen keine Sünde, sondern nur Gesetzmäßigkeit im psychologischen und biologischen Sinne gibt, wird scharf zurückgewiesen. Dem Freudschen System fehlt der Begriff der Verantwortung darum so völlig, weil er die menschliche Seele zum Gegenstand einer kausalen, rein naturwissenschaftlichen Betrachtungsweise macht. Alles bewußte und sinnvolle seelische Geschehen wird aufgelöst und auf die gesetzmäßige Verschiebung eines letzten einheitlichen Etwas, die seelische Energie(analog dem Physikalischen Prozeß der Energieverschiebung) zurückgeführt. Daß der Begriff der Verantwortung dadurch nicht nur entwertet, sondern völlig beiseite gesetzt wird, liegt auf der Hand. Maag betont, wieder in streng wissenschaftlicher Formulierung und klarer, nicht abgegriffener Wortprägung die persönliche Verantwortung der höchsten Norm(Gott) gegenüber, die Wahrheit der Schuld vor Gott und die Notwendigkeit dieser Sühne vor Gott. Wo das geschieht, ist die Auffassung Gottes und des Menschen eine biblische. „Die Anlage des Menschen ist ein Complexio oppasitorum. Sie birgt Gutes und Böses in ihrem Schoß.“„So oft wir das Gewissen verleugnen, tritt es als Richter auf. Die Strafe ist das peinliche Gefühl des schlechten Gewissens, der Schuld... Das Gewissen ist der souveräne *) Erschienen im Verlage J. F. Lehmann, München. Geb. 10.— M, geh..— M. geistige Führer... Darum ist der Gehorsam gegenüber seinen Forderungen das schlechthin Wertvolle, dem gegenüber alles andere an Bedeutung zurücktritt. Das Gewissen steht im Dienste des Lebensgesetzes. Man kann es als den Schöpferwillen bezeichnen, der sich im Menschen auswirken möchte. Und darin, daß dieser Wille uns nicht fremdartig berührt, sondern unsere eigne Sehnsucht ausdrückt, bekundet sich unsere Zugehörigkeit zu dem transzendentalen Reiche des Guten— in der Sprache der Religion ausgedrückt: Zugehörigkeit zu Gott, Glied und Förderer seines Reiches.“ Während Freud die Wurzeln alles menschlichen Geschehens ins Unbewußte verlegt und durch„Verdrängung“ der Triebe die Neurose zu einem Triebkonflikt stempelt, betont Maag die Vormachtstellung des bewußten Ich und setzt die Forderungen des ethischen Bewußtseins in Gegensatz zu dem blinden Triebwillen, der ohne die Zensur und den Sieg des Gewissens zu reiner Triebherrschaft wird. Die Neurose beruht also nicht auf der Existenz eines Triebkonfliktes, vielmehr liegt ihr ein ethischer Konflikt zugrunde. Die Verdrängung„unbewußter“ sexueller Affekte ist eine Contradictio in adjekto, da sexuelles Erleben stets den Akzent der Aktivität mit sich führt und somit nicht unbewußt sein kann. Maag glaubt nicht, daß der Verdrängung die Krankheit verursachende(neurosebildende) Bedeutung zukommt, die Freud ihr zuerkennt. Er erweitert den Begriff der Verdrängung sehr wesentlich auf psychische Inhalte, die Freud unbeachtet ließ. Die antithetische Betonung der Freudschen Theorien und der Gedankengänge Maags kommt am stärksten zum Ausdruck in der Auffassung des Sexuellen und Religiösen. In der Freudschen Psychologie verliert alles Individuelle seine besondere Wertnuancierung. In erschütternder Einseitigkeit sieht Freud in allen Lebensäußerungen nichts als umgewandelte„Libido“. Wenn auch die Analyse von Anfang an viel dazu beigetragen hat, die Besprechung alles Sexuellen erst zu ermöglichen, und den Komplexen (Wurzeln) auf die Spur zu kommen, so steht Verlust und Gewinn doch in keinem Vergleich in dem Augenblick, da man in allem seelischen Geschehen Offenbarungen der Geschlechtlichkeit zu sehen meint. Maag betrachtet die Geschlechtlichkeit nicht als einen selbständigen Teil oder gar als selbständiges Ganzes innerhalb des übrigen Lebens(S. 161). Und so ist ihm Religion oder religiöses Gefühl nicht eins mit der ausströmenden Lebensenergie. Und der Glaubensinhalt kann nicht auf einer„Wunscherfüllung" im Sinne Freuds noch auf den der menschlichen Seele innewohnenden Kräften und Gefühlen beruhen, sondern ist offenbarte objektivierte Welt. Es überrascht einen Augenblick, daß Maag der Erfahrung Freuds zustimmt, wonach jeder Neurose so gut wie ausnahmslos eine sexuelle Unterlage eignet. Sobald man sich aber vergegenwärtigt, daß es die Psychoanalyse nur mit der Gruppe der„Uebertragungsneurosen“ zu tun hat(der Hysterie, den Angst= und Zwangszuständen), verschwindet der befremdende Ersteindruck. Ob eine Neurose vorwiegend oder gar ausschließlich auf dysethischen Akten, und nicht auch auf Gedanken und intrapsychischen Inhalten basiert, läßt sich diskutieren. An dem Zwiespalt, der hier klafft, wird die Forderung um so dringlicher, die Seelenstörungen, deren Ursprung außerhalb aller ethischen Konflikte liegen, scharf abzugrenzen von den Neurosen im engeren Sinne. Beim Lesen des Maagschen Buches empfindet man es aufs Neue stark, daß Glaubenserkenntnisse und Erlebnisse auf anderem Gebiet als dem der empirischen Psychologie liegen. Das, was für die Wissenschaft„Wunder“, für den Erlebenden„Gnade“ bedeutet, läßt sich nicht einspannen in Systeme und Formeln(Umkehr, Vergebung, Rechtfertigung). Maag sucht, wenn auch nicht so stark, wie in seinem 1924 erschienenen Buche,„Geschlechtsleben und seelische Störungen“ über die nur psychologische Methodik auf die pneumatische Erfahrung hinzuweisen. Daß dies nicht in apologetischem Sinne geschieht, sondern in einem wissenschaftlichen Werk zum Ausdruck kommt, dessen Hauptinhalt eine klare sachliche, an streng wissenschaftliche Methoden gebundene Widerlegung der Freudschen Lehren bildet, macht die umfassende Arbeit Maags um so wertvoller. Der Abscheu vor Dilettantismus auf diesem Gebiete, das einen besonders günstigen Boden für diese Literatur darzustellen scheint, läßt uns ein solches Werk, wie Maag es uns bietet, doppelt dankbar begrüßen. Auf die rein wissenschaftliche Seite des Buches ist hier absichtlich nicht eingegangen worden, da diese Abhandlung nur den Anspruch erhebt, zur weltanschaulichen Klärung dieser Fragen einen bescheidenen Beitrag zu liefern. Die Rechtfertigung dieses Unterfangens liegt nicht nur im Rahmen der Aufgabe des Blattes, in dem der Artikel erscheint, sondern auch in dem Inhalt des Maagschen Werkes, das sich nicht nur an Psychologen und Mediziner, sondern auch an den gebildeten Laien wendet. Dr. med.—I— Land ohne Volk- Volk ohne Land. Der Aufsatz in Nr. 8 über Siedlungen war mir sehr willkommen. Dem Bodenreformer sind diese Gedanken geläufig. Wissen wir doch auch, daß Vater Bodelschwingh auf dem Grunde stand und seine Söhne tun es heute noch. Und doch kommt mir jetzt oft ein schweres Bedenken. Die Bodenreformer betonen immer wieder, daß sie Freunde des persönlichen Eigentums sind; daß Grund und Boden sich in den Familien erhalten soll, damit sie bodenständig seien, damit der Boden nicht von Hand zu Hand walzen kann. Daher Erbpacht, Vorkaufsrecht der Gemeinden usw. Der Staat, die Gemeinde soll darüber wachen, daß der Einzelne nicht mit dem Boden spekulieren kann, der schließlich ja Vaterland ist, der Einzelne hat ihn nur von der Heimat zu Lehen. Das ist theoretisch ganz klar. Wie aber, wenn wir praktisch einen Staat haben, der die Lehen auflöst(auch Masorate) an, statt neue Lehen, auch Bauernlehen, zu schaffen, dev immer weiter geht in der kalten Sozialisierung. Einmal muß dann der Augenblick kommen, wo der sozialistische Staat sagt, das Land ist nicht ideeil, sondern praktisch mein und ich gebe und nehme es, wo ich will, nur der, der mir genehm ist, wird angesetzt, der andere kann zusehen. Oder staatliche Aktiengesellschaften mit Direktoren. Ma, schinen und wenig Leuten bearbeiten das Land. Ich äußerte kürzlich diese Bedenken einem Bodenreformer gegenüber, der mir darauf antwortete: Wir müßten hofsen, daß der Staat das nicht tun würde. Wahrlich eine schwache Stütze. Ein anderer begeisterter Bodenreformer, der selbst jahrzehntelang sich in der Siedlungsarbeit betätigt hat, teilt meine Bedenken heute. Es ist da ein Punkt, wo die Sache in ihr Gegenteil umschlagen kann. Die Art und Weise, wie die Siedler jetzt angesetzt worden sind, nützt nur den Siedlungsgesellschaften. Aus Preußen weiß ich, daß die Siedler nach 2 bis 3 Jahreg bei Nacht und Nebel ihre Siedlung verlassen, weil die Schulden sie erdrücken. In Pommern ist es ähnlich. wenigstens gehen die Siedlungen immer von Hand zu Hand und kein Siedler bleibt. Die Leute fangen mit Schulden an, weil ihnen gleich Wohnhaus und Scheune fertig hingesetzt werden, noch dazu auf Mindestangebot aufgebaut, so schlecht, daß schon nach 2 Jahren die Reparaturen anfangen. Brieflich bespricht ein pommerscher Grundbesitzer die Zustände dort in ruhiger Weise und äußert sich wie folgt:„Hoffentlich kann man sich halten, bis wenigstens einigermaßen bessere Zeiten kommen. Leider hat die Sommerdürre hier soviel geschadet; und nun die miserablen Preise und hohen Lasten! Wieviel Güter in diesem Jahre noch verkauft werden müssen, ist kaum zu sagen, leider oft die ältesten Familiengüter, und so, daß die Besitzer kaum ihre Schulden decken können, geschweige denn etwas für sich behalten. Was die Sozialdemokratie 1918 nicht erreicht hat, erreicht jetzt die sozialdemokratische Regierung in Preußen. Ob die Siedler, die man dort ansetzt, mehr Liebe zur Scholle haben als die alten Besitzer und die dort lebenden Arbeiter, die dann bestimmt in die Stadt ziehen müssen, ist die Frage. In wieviel Händen ist die Siedlung schon gewesen, die man hier 1920 abgab. Den Hauptverdienst schlucken die Siedlungsgesellschaften, da sie vom Staat und vom Siedler zuviel erhalten. Und wie wird es, wenn das Slawentum, wie es manchmal fast unabwendbar erscheint, den Osten sich holen will? Der Siedler, dem sein Besitz heute nur Sorge macht, bleibt bestimmt nicht hier, ausgenommen vielleicht der Katholik, der in Ruhe Pole wird. Es ist auch sehr die Frage, ob Deutschland, wenn es wieder einmal blockiert würde, sich dann noch ernähren könnte, wie das im Weltkriege durch die großen Güter noch möglich war. Man sollte den Leuten die Existenz leichter machen, die großen Bauernhöfe zu halten suchen und neue Bauerndörfer machen. Jetzt wird der Bauer, der sein Land seit Jahrhunderten gehalten hat aus Liebe zur Heimat, durch Finanzamt und Juden von seinem Hofe gejagt und der Staat stellt neue Gerichtsvollzieher ein. Möge uns Gott davor bewahren, daß die Erbitterung überhand nimmt und die ruhige Ueberlegung und Besonnenheit unterliegt, denn die Bauernrevolution droht allerorten und Herrn Severings 70000 Schupos, mit denen er in Königsberg gedroht hat, schützen dann auch nicht.“ Wenn man als Gegenstück zu dieser Bauernnot das geradezu furchtbare Leben des Auswanderers in Kanada nimmt, dessen Briefe eben im Aufwärts veröffentlicht wurden, so fragt man sich: Wo auf Erden ist denn für den deutschen Bauern noch Platz? Ist es nicht, als ob sich teuflische Mächte verschworen hätten, den Nährstand durch Aktiengesellschaften zu ersetzen?(was übrigens das Berliner Tageblatt vor einigen Jahren als wünschenswert hingestellt hat.) Und dennoch— unser Volk kann sich nur dann wieder helfen, wenn Bauern, Bauern, Bauern aus den Schollen erstehen. Man teile dem Landwirt den verödet liegenden Boden zu, mit der Verpflichtung, ihn zu bebauen, sich sein Haus zu errichten, so wie er es tun würde, wenn er im Ausland siedelte. Ueberläßt nicht jeder Staat, der Ansiedler ansetzt, das Bauen den Leuten selbst nach ihrem Vermögen und nicht nach einem Schema? Warum muß denn diese teure Bevormundunz in Deutschland sein? Auf die Frau wird es ankommen, ob sie dem Manne hier zuverlässige, treue Gefährtin sein wird. Das Scheitern eines Siedlers liegt(abgesehen von der Verschuldung) in den meisten Fällen an der Untüchtigkeit der Frau. Man gebe ihm Saatgetreide und einige Stück Vieh dazu, das ganze als Erbpacht in den ersten zehn Jahren frei von Lasten. Laßt ihn ganz unten, ganz klein, ganz gering, ganz bescheiden anfangen. Die geringste deutsche Scholle, auf der er schuldenfrei sitzt, wird ihm mehr geben als das Straßenpflaster der größten Millionenstadt, denn er wird nicht hungern wie in dem Rachen des Großstadtmolochs, der ihn erst aussaugt und dann zertritt. Er wird mit seiner Sippe vom Boden leben und braucht nicht stempeln zu gehen. Und wo der Bauer, der Siedler erst seine eigene Nahrung findet, da zieht er den Handwerker nach sich. K. v. Doering. Wir hatten einige Bedenken, diesen stark pessimisttschen Artikel aufzunehmen, zumal, wo wir selbst immer noch die Ansicht vertreten haben, daß ein tüchtiger deutscher Mann mit einer ebensolchen Frau als Gesinnungs“ und Schicksalsgenossin auch unter den heutigen Siedlungsmethoden noch sicherer in Deutschland ist als il“ gendwo im Ausland. Der Artikel ist aber aus tiefer Sorge und heißer Liebe um Volk und Vaterland ge“ schrieben. Die Gefahren. die hier angedeutet sind, sino so offenbar und so ernst, daß es zur zwingenden Pflich wird, darauf aufmerksam zu machen. Die Schriftlig, Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel.