Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— FürAusland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und und„Anfer Ziel.“ Nr. 59. = Anzeigenpreis:= Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter W g je tausend 15 Mt. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 12. März 1931. 13. Jahrgang. Die Lage in Sachsen. zeitliche Grenze. Sprich nicht, ich sehe keine Mittel, Wo ich such', kann mich nichts trösten; Denn das ist Gottes Ehrentitel, Helfen, wenn die Not am größten. Wenn ich und du ihn nicht mehr spüren, Da greift er zu, uns wohl zu führen. Gib dich zufrieden. P. Gerhardt. Miiiihsgigighigisssih Umschau. Die„goldenen Kugeln“ Frankreichs.— Dr. Curtius und Groener antworten Maginot.— Frankreichs Flottenerfolg ein Pyrrhussieg?— Deutschlands Anspruch auf Seerüstung.— Der VI. Sowjet=Kongreß.— Brot für Eisen. —Vor der Erneuerung des Berliner Vertrages.— Daß bei dem Abschluß des englisch=französisch=italienischen Flottenkompromisses vor allem die finanzielle Notlage Englands und besonders Italiens Pate gestanden hat, ist gleich von vornherein an dieser Stelle von uns angenommen worden. Sicherlich kommt noch hinzu die wachsende Angst Frankreichs vor dem nationalen Wiedererwachen des deutschen Volkes und die Furcht des Westkapitals vor der bedenklich steigenden Wirtschaftskonkurrenz Sowjetrußlands. Niemals aber hätte sich Mussolini so sang= und klanglos unter das Flottendiktat Frankreichs gebeugt, wenn er das Wettrüsten mit Frankreich finanzpolitisch hätte aushalten können! Und so überrascht es uns nicht, daß sofort nach dem Abschluß des französisch=italienischen Seefriedens Gerüchte über eine große italienische Anleihe bei den Franzosen umlaufen. Diese Gerüchte werden zwar— wie üblich— von der italienischen Regierung dementiert, aber es wird doch soviel zugegeben, daß es sich„lediglich“(!) um Finanzverhandlungen drehe, die seitens der norditalienischen Industrieverbände und gewisser Großbanken mit Frankreich geführt werden. Das aber ist— im Hinblick auf das faschistische System— genau dasselbe, als wenn Mussolini selber mit den Franzosen verhandeln würde. Von dem italienischen Dementi bleibt also— bei Licht betrachtet— nicht viel übrig. Wir stehen vielmehr vor der Tatsache, daß nach England nunmehr auch Italien drauf und dran ist, vor der französischen Politik der„goldenen Kugeln" zu kapitulieren. Und das ist von einer viel entscheidungsvolleren Bedeutung als der abgeschlossene Handel über das maritime Tonnageverhältnis. Hat sich Italien erst dem französischen Golde verschrieben, dann dürften alle Hoffnungen auf eine Fortsetzung der italienischen Revisionspolitik, die ja den französischen Interessen schnurstracks zuwiderläuft, vergebens sein. Deshalb halten wir vorerst nicht viel von den Beteuerungen des„Popolo'Italia“, daß„die besiegten Völker heute mehr als gestern mit ruhigem Vertrauen auf Rom blicken könnten“ und daß die Wiederannäherung Italiens an Frankreich„sogar die Sache der Revision der prüfungsbedürftigen Friedensverträge fördere"! Auch England läßt ja durch seinen Außenminister Henderson beteuern, daß„d. Weg zu einer erfolgreichen Abrüstungskonferenz nunmehr erst wirklich offen stehe". Aber es kommt eben darauf an, wie man sich das Wörtchen„erfolgreich“ auslegt. Und nach allen bisher gemachten Erfahrungen liegt die Befürchtung mehr als nahe, daß sich England im Entscheidungsfalle skrupellos zu der These des französischen Kriesministers Maginot bekennt, der sich in seiner bekannten Rede nur dann einen„erfolgreichen“. Verlauf der„Abrüstungs“konferenz versprach, wenn den Deutschen für ihre„Schuld am Weltkriege" auch weiterhin— zumal in rüstungspolitischer Bezehung— die Gleichberechtigung mit den Siegerstaaten versagt bleibt. Uebrigens hat inzwischen Dr. Curtius vom deutschen Wien aus die ungeheuerlichen Angriffe Maginots— leider erst zwei volle Wochen hinterher— zuruckgewiesen und die deutsche Forderung nach allgemeiner Abrüstung als„unser verbrieftes Recht" bezeichsier. Reichlich flau war leider der Protest unseres Außenministers gegen die„Hereinziehung der falschen Kriegeschuldthese in die Zusammenhänge der Abrüstungsfrage". Um so erfreulicher ist es, daß Reichswehrminister Groener in seiner vorgestrigen Rede die lügenhaften Angriffe Naginots weit mannhafter zurückwies und vor allem auch durch eine nüchterne Zusammenstellung der französischen Rustungsziffern das französische Rüstungsbild in seiner ganzen Ungeheuerlichkeit enthüllte, das hoffentlich auch die Weltmeinung seine heilsame Wirkung nicht verfehlen wird. Dresden, März 31. Der bekannte ehemalige Sozialdemokrat August Winnig hat im August vorigen Jahres, also kurz vor den Reichstagswahlen, folgende Worte geschrieben:„Die sozialistische Bewegung ist entseelt. Sie hat keinen Glauben, aber sie hat Macht. Sie hat keinen Wert, aber sie hat Geld. Sie hat keinen Auftrieb, aber sie hat Massen. Einem solchen Wesen ist sicherlich die zeitliche Grenze gesetzt.“ Diese Sätze schienen bereits durch die Wahlen vom 14. September in gewissem Umsang ihre Bestätigung zu finden. Die Sozialdemokratie erlitt im Reichsdurchschnitt nicht unwesentliche Einbußen. Seitdem sprachen manche Dinge dafür, daß auch weiterhin die Kurve anhielt, und die absolute Höhe der sozialdemokratischen Bewegung bereits überschritten sei. Bei den jetzigen Wahlen in Braunschweig tritt ein neuerlicher Verlust von rund 14000 Stimmen in Erscheinung. Braunschweig, Thüringen und Sachsen waren seit 1918 das Eldorado der deutschen Sozialdemokratie. Mancherlei Wechselbeziehungen bestanden zwischen diesen Ländern, alle drei haben den„Segen“ einer reinen Linksregierung so reichlich zu spüren bekommen, daß nur noch staatliche Reichsgewalt ihr ein Ende machen konnte. Der Plan war groß: die Braunschweiger hatten mit ihren sächsischen und thüringischen Genossen die Idee, alle mitteldeutschen Gebiete zu einer einzigen roten Republik zusammenzufassen und diese über die nördlichen Grenzen Braunschweigs hinaus bis zu den nordischen Hafenstädten und Oldenburg auszudehnen. Auch nach der Loslösung der sozialdemokratischen Partei aus der kommunistischen Regierungsgemeinschaft blieb sie doch noch lange fast unumschränkte Herrin der Lage. Es kam ein bunter Wechsel sozialistischer Kabinette mit oder ohne geringen bürgerlichen Einschlag. Der Großteil aller führen den Beamten= und Verwaltungsstellen geriet in die Hände der Sozialdemokratie, und man konnte mit Hilfe dieser Aemter und Verwaltungen allmählich das ganze Staats= und Volksleben bis in seine untersten Organe hinein beherrschen. Der Rückschlag für diese Entwicklung kam erst in dem Augenblick, als sich herausstellte, daß die sozialistische Politik alle drei mitteldeutschen Länder in ungeheure Schwierigkeiten gebracht hatte. Leere Staatskassen, eine arg bedrängte Wirtschaft und eine untragbare kulturelle Sphäre waren das Ergebnis. Seit dieser Stunde begann der Kampf der bürgerlichen Parteien um die Herrschaft im politischen Leben. Von nun an gab es in den Parlamenten Sachsens, Thüringens und Braunschweigs keine absolute Linksmehrheit mehr, mit ganz geringem Uebergewicht konnten die Bürgerlichen das Feld behaupten. Aber die innerliche Uneinigkeit dieser Bürgerlichen zog doch noch einmal eine neue Aufwärtsbewegung der Sozialdemokratischen Partei nach sich. Sie erholte sich zu einem bestimmten Grade, ohne jedoch das politische Uebergewicht wieder an sich reißen zu können. Es war ihre letzte günstigste Chance. Hartnäckig und mit einem dauernden Aufgebot an Propaganda hat sie seit dem versucht, sich weiter zu verbessern. Ohne Erfolg. Sie verzeichnet in allen drei Ländern eine zwar langsam, aber doch stetig abwärtsgehende Kurve. Wo liegt, wenigstens in Mitteldeutschland, dem Zentrum der gesamtdeutschen sozialistischen Bewegung, in erster Linie das Geheimnis für diesen unerbittlichen Rückgang? Genaue Beobachtungen in den letzten zwei Jahren geben darüber Aufschluß. Die Werbekraft der sozialdemokratischen Partei hat bei einem sehr wichtigen Faktor im Aufbau ihrer Organisation nachgelassen: bei der deutschen Jugend. Die Sozialdemokratie kann nicht mehr in genügendem Maße ihren Nachwuchs auffüllen. Es ist auffallend, welche Anstrengungen zu diesem Zweck in Mitteldeutschland gemacht worden sind und täglich gemacht werden. Die sozialistischen Jugendbünde erfreuen sich der denkbar größten UnterBesonders lehrreich aber ist in diesem Zusammenhang, daß Briand, der gerade jetzt wieder so viel schöne Worte von der Notwendigkeit einer deutsch=französischen Annäherung macht, mit keinem Wort den haltlosen Ausfällen Maginots entgegentrat. Briand kennt eben das wahre Gesicht Frankreichs besser als unsere Verständigungsillusionisten. Einen schönen Beitrag zu der deutsch=französischen„Verständigung“ bietet übrigens auch stützung. Die Gruppen für Leibesübungen, in denen man vor allem die Arbeiterjugend zu erfassen sucht, werden geradezu mit geldlichen Mitteln überhäuft. Zu derselben Zeit, in der die Linksmehrheiten kommunaler Stadtverwaltungen(solche Mehrheiten gibt es ja bekanntlich heute noch) den religiösen und caritativen Anstalten ihre früheren Zuschüsse kürzten oder gänzlich entzogen, bewilligten sie den sozialistischen Sportverbänden unglaublich hohe Summen. Jugendheime mit einer Ausstattung, die weit über das gesunde Normalempfinden hinausgeht, sind errichtet worden. Schon in den Schulen, Gymnasien, Fortbildungs= und Handelsschulen wird die Gründung sozialistischer Bünde gegenwärtig mit Eifer betrieben. Und der Erfolg? Ein sächsischer Landtagsabgeordneter klagte vor kurzem in einer Jugendversammlung in Leipzig:„Die Partei ist bemüht, junge Genossen als Funktionäre zu gewinnen, was an manchen Orten manchmal(!) Mühe bereitet.“ Er wurde aber deutlicher, als er bekannte, daß z. B. nach einer bestimmten genauen Statistik die Mehrzahl aller Flugblattverteiler 50 Jahre alt und älter sei. Die Jugend sei für diese Dinge fast gar nicht zu haben, sie weigere sich, derartige Propagandadienste zu leisten. Diese Feststellungen des Abgeordneten werden nach dem Bericht einer großen sächsischen Zeitung durch das Bekenntnis eines anderen Vertreters der mitteldeutschen Sozialdemokratie nicht nur bestätigt, sondern bei weitem übertroffen. Ein sozialdemokratischer Referent aus Leipzig stellte danach vor einiger Zeit in einer Jungsozialisten=Versammlung fest, daß die Partei wohl eine Million Parteimitglieder aufweise, aber nur rund 6000 Jungsozialisten organisiert seien. Das beleuchtet blitzartig die Situation. Es ist sogar teilweise ein offener Kampf zwischen den Alten und Jungen in der Partei ausgebrochen. Dabei lehnt sich die junge Generation vor allem gegen die Ideenlosigkeit des Sozialismus auf, sie behauptet, die Partei habe nicht genügend Ideale, um einen Menschen auf die Dauer befriedigen zu können. Interessante Diskussionen sind bereits im Gange. Die Jugend verwirft besonders zweierlei. Erstens die Auffassung, vom Klassenhaß aus einen neuen Staat aufbauen zu können, und zweitens das unwürdige Beispiel oder Aergernis, das gewisse Parteiangehörige, die durch eine günstige Konjunktur auf sehr einträgliche Posten gelangt sind, durch das Zurschautragen jenes Bourgoistyps geben, den sie früher bekämpften. Es ist des weiteren sehr bemerkenswert, wie sie das Wort„Sozialdemokratie“ in die beiden Bestandteile des Sozialismus und der republikanischen Freiheit zu zerlegen sucht. Dem Begriff Sozialismus legt sie die ganze Ideenlosigkeit und die inneren Unwerte der Partei als Wesensmerkmal zu, unter dem Begriff der republikanischen Freiheit möchte sie eine neue Weltordnung heraufbeschwören. In Leipzig meldete sich nach einer Rede des zweiten Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei, des Genossen Crispien, ein Jugendlicher zur Debatte mit den Worten:„Die Disharmonie zwischen Jung und Alt in der Partei drückt sich in dem sozialdemokratischen Programmsatz aus: Republik ist nicht viel, Sozialismus ist unser Ziel.“ Damit wollte er die soeben skizzierten Unterschied: herausstellen. Aber ein alter Genosse erwiderte ihm:„Republik ist schon viel, doch Sozialismus ist unser Ziel.“ Und schließlich beendete Crispien selbst die Streitfrage mit den kategorischen Worten:„Die Parole: Republik ist nicht viel, Sozialismus ist unser Ziel, ist für jeden Sozialdemokraten eine Selbstverständlichkeit.“ Es wäre falsch, behaupten zu wollen, daß die Sozialdemokratie als ausschlaggebender Faktor in Mitteldeutschland bereits erledigt sei. Aber die innere Abwendung der Jugend von ihr trifft die Partei fühlbarer als alles andere. Das geht langsam vor sich, aber unaufhaltsam.„Die sozialistische Bewegung ist entseelt. Einem solchen Wesen ist sicherlich eine zeitliche Grenze gesetzt.“ Dr. A. das Verbot der Konzerte, die der berühmte deutsche Dirigent Dr. Weingartner am vergangenen Samstag und Sonntag in Paris leiten sollte(es handelte sich um Werke von Beethoven, Schubert und Haydn). Angeblich, weil Dr. Weingartner nach Ausbruch des Weltkrieges jenes bekannte„Manifest der 93 Intellektuellen“ mitunterzeichnet hat, das sich— welch ein Verbrechen!!— gegen Frankreich richtete. Das nationalistischste Volk der Erde hat also kein Verständnis dafür, wenn Dr. Weingartner als Deutscher während des Weltkrieges gegen den Landesfeind Stellung nahm! Und in Deutschland wird auf Kosten der notleidenden deutschen Künster ein französisches Stück nach dem anderen aufgeführt, ein französischer„Star“ nach dem anderen mit Geld und Blumen überschüttet, eine Unzahl französischer Kunsterzeugnisse aller möglichen Art auf den Ausstellungen und in den Kunsthandlungen zu hohen Preisen abgesetzt.— Und dann wundert sich der deutsche Michel, wenn man sich im Ausland über ihn lustig macht, ja, nicht nur das,— ihn verachtet! Wir haben gestern einen längeren Aussatz eines in Rom weilenden Korrespondenten gelesen, der den Nachweis zu erbringen suchte, daß der neue Erfolg Frankreichs über England und Italien in Wahrheit ein„Pyrrhussieg" sei. Frankreich habe zwar seine maritimen Machtansprüche auf der ganzen Linie durchgesetzt, aber in Wirklichkeit stehe es heute isolierter da denn je. Denn immer offensichtlicher bedrohe es die Stellung Englands und Italiens, die sich zwar rein äußerlich mit Frankreich „geeinigt“ hätten, im Innersten aber sich immer erbitterter gegen den wachsenden französischen Druck auflehnten. Es wurde in dem Aufsatz ganz besonders darauf hingewiesen, daß im„Großen faschistischen Rat“, der am 2. März hinter verschlossenen Türen unter Vorsitz Mussolinis getagt hat, das neue Flottenkompromiß von allen Mitgliedern des Gremiums gebilligt worden sei—„von demselben Rat, der unverändert seit sechs Jahren eine national=italienische und damit antifranzösische und revisionsfreundliche Politik gutgeheißen hat". Der Artikelschreiber schließt daraus, daß Italien in Genf nach wie vor an der Seite der Revisionsmächte stehen und für eine weitgehende Landabrüstung Frankreichs, Südslawiens und der anderen französischen Vasallen kämpsen werde.— Auch wir sind der Ansicht, daß der französisch=italienische Gegensatz, sofern Italien seine Zukunft nicht preisgibt, weder durch das Flottenkompromiß, noch durch gewisse kolonialpolitische Konzessionen aus der Welt zu schaffen ist. Und so wäre es an sich durchaus möglich, daß Italien in Genf auch weiterhin auf der Seite der Revisionsmächte zu finden ist. Aber vor übertriebenen Hoffnungen in dieser Beziehung muß doch— gerade auch im Hinblick auf die„goldenen Kugeln“ Frankreichs gewarnt werden. Und so möchten wir unser Urteil über diese für die weitere Gestaltung der europäischen Verhältnisse so außerordentlich wichtige Frage bis zu dem Zeitpunkt zurückstellen, wo Italien und auch England in Genf praktisch zu beweisen haben, ob das Flottenabkommen nur eine rein technische oder eine Angelegenheit von weittragendster außenpolitischer Bedeutung ist. Jedenfalls bedeutet das englisch=französisch=italienische Rüstungsabkommen eine Legalisierung des maritimen Rüstungsstandes der Siegerstaaten und hiermit eine Zerreißung der Bestimmung des Versailler Diktates, daß die Vernichtung der deutschen Flotte die Abrüstung auch der anderen Seemächte nach sich ziehen solle. Deutschland bleibt also nichts anderes übrig, als aus dieser Sachlage die Konsequenz zu ziehen und auch seinerseits sich wieder eine Flotte zu schaffen, auf die das deutsche Volk angesichts der französisch=polnischen Bedrohung aus Gründen der Sicherheit einfach nicht verzichten kann. Es sei nur ganz beiläufig auf die wiederholten gemeinsamen Manöver französischer und polnischer Schlachtschiffgeschwader in der Ostsee erinnert. Während sich die Weststaaten— nicht zuletzt aus Angst vor der russischen Gefahr— immer enger aneinander schließen, tagt in Moskau der VI. Kongreß der Sowjets, dem eine besondere Bedeutung zukommt, da er im„entscheidenden“ dritten Jahre des Stalinschen Fünfjahresplanes zusammentrat und eine regelrechte Heerschau über die wirtschaftlichen und politischen Kräfte des Sowjetstaates bedeutet. Wenn die Weststaaten, deren ganze Politik aus Intrige, Rechtsbruch und brutaler Machtanwendung zusammengesetzt ist, aus„moralischen Gründen“ die Völker gegen die„sowjetistischen Bestien“ aufzuhetzen suchen, dann ist eine solche Argumentation von dieser Seite aus natürlich nicht ernst zu nehmen. Gewiß, auch uns ist vieles, was in Rußland geschieht, ein Greuel. Aber die Manchesterleute, die von London, von Paris und der Wallstreet aus Moskau mit Steinen werfen, sollen nicht vergessen, daß sie selber im Glashaus sitzen. Ihre moralisch getünchte Fehde gegen Rußland ist nichts anderes als ein rein profitkapitalistischer Feldzug gegen die russische Wirtschaftskonkurrenz. Und wenn man bedenkt, daß das russische Getreide=Dumping seinerzeit den großen amerikanischen Börsenkrach auslöste und damit als eine der Hauptursachen der Weltwirtschaftskrise anzusprechen ist, dann vermag man sich einen Begriff zu machen von der gewaltigen Bedeutung, die der russischen Haudelspolitik heute auf dem Weltmarkt zukommt. Daß das russische Volk hungert, ist bekannt. Rußland führt eben Brot aus, um Eisen einzuführen. Der Fünfjahresplan sieht eine mächtige Industrialisierung der russischen Erz= und Kohlenbecken vor und braucht zu diesem Zweck Maschinen. Die führt Rußland ein und gibt dafür sein Getreide hin. So zeigt ja denn auch die Gestaltung des letztjährigen russischen Außenhandels ganz deutlich, daß im Rahmen der 28=prozentigen Einfuhrzunahme sich die Einfuhr von Metallerzeugnissen verdoppelt hat und mit Rbl. 584 Mill. die Hälfte der Gesamteinfuhr umfaßt. Die Maschineneinfuhr hat sich gar um 131 Prozent auf 345 Mill. erhöht. Dem steht freilich auch eine wachsende Ausfuhr von Industrieerzeugnissen gegenüber; aber eine ernstliche Erschütterung der russischen Handelsbilanz durch die forcierte Einfuhr von Produktionsmitteln war eben nur durch eine rücksichtslose Steigerung der Agrarausfuhr zu vermeiden. Und so wird ja denn auch ein volles Drittel der russischen Ausfuhr von reinen Agrarerzeugnissen bestritten. Während alle anderen Agrarländer der Welt eine katastrophale Schrumpfung ihrer Ausfuhr zu verzeichnen haben, hat Rußland seine Agrarausfuhr von Rbl. 878 auf 1002 Mill. zu steigern vermocht. Ob nun der Fünfjahresplan zu hundert, zu achtzig oder nur zu fünfzig Prozent glückt, ist eine Frage von untergeordneter Bedeutung. Es ist ziemlich belanglos, ob der Plan in fünf, in acht oder gar erst in zehn Jahren durchgeführt ist. Jedenfalls gibt es heute kaum noch ernst zu nehmende Wirtschaftskreise, die— wie noch bis vor einem halben Jahre— dem Stalinschen Fünfjahresplan ein völliges Fiasko prophezeien. Im Gegenteil, die Auffassung ist herrschend, daß dem groß angelegten Wirtschaftsplan der Sowjets schon heute ein„gewisser Erfolg“ nicht abgesprochen werden kann. Ein bekannter amerikanischer Wirtschaftler hat eine Reihe russischer Großwerke besucht und weiß zu berichten, daß Rußland das größte Stahlwerk der Welt(4 Millionen Tonnen Jahresproduktion) aufbaut, daß es im Ural die größten Asbestwerke der Welt organisiert, sich die gewaltigste hydroelektrische Kraftanlage der Welt schafft, die mehr Energien hergeben wird als die Niagara=Fälle, daß gigantische Automobil= und Traktorenfabriken zur Mechanisierung der Landwirtschaft im Werden begriffen sind und die Ausbeutung der russischen Petroleumfelder den internationalen Oelmarkt immer mehr aus dem Gleichgewicht zu werfen droht. Kein Wunder, daß die englischen„Times“ im Hinblick auf Rußland schreiben „eine ernste Gefahr für Europa sei im Anzuge“. Natür, lich meinen die„Times“ mit„Europa“ nichts anderes als die englischen Profitinteressen. Und in der Tat, wenn die Industrialisierung Rußlands im gegenwärtigen Tempo weitergeht, muß England ernstlich damit rechnen seinen asiatischen Markt— und nicht nur diesen— kurz über lang an Rußland zu verlieren. Schon heute wird England auf seinem eigenen Binnenmarkt von der russischen Konkurrenz unterboten. Das aber geht einem Händlervolk wie England ans nackte Leben! Daher das systematische Ringen Englands um eine große antirussische Front. Daher die Bemühungen Hendersons, nun auch Deutschland in diese Front hineinzulocken. Deutschland hat aber keinen Grund, diesen Lockungen nachzugeben. Für uns gibt es keine andere Marschroute als der unbeirrbare Kampf gegen das Versai ller Diktat, das ein Teufelswerk sondergleichen ist, Wir sind nun andererseits ganz gewiß nicht für eine Verbrüderung mit dem roten Moskau. Aber Stalin steht im Augenblick gefestigter als je. Auch seine Aussöhnung mit dem Kriegskommissar Woroschilow mag in dieser Hinsicht als Kennzeichen dienen. Allen Hemmungen zum Trotz hat er seinen gigantischen Wirtschaftsplan bis dahin mit immerhin achtunggebietenden Erfolgen durchgeführt. Das muß man anerkennen. Möge die russische Reise der deutschen Industriellen, die vorgestern beendet wurde, der weiteren Klärung des russischen Problems dienen und wenigstens wirtschaftlich für Deutschland zurückgewinnen, was wir durch unsere gescheiterte zwölfjährige Annäherungspolitik an Frankreich politisch verloren haben. Binnen kurzem stehen wir vor der Frage, ob wir den im Jahre 1926 mit Rußland abgeschlossenen Berliner Vertrag erneuern wollen. Deutschland hat keinen Anlaß, den profitkapitalistischen Interessen des Westkapitals zuliebe seine freundschaftlichen Beziehungen zum russischen Volke abzubrechen, wenngleich wir nachdrücklich darauf bestehen müssen, daß uns die moskowitischen Machthaber mit ihrer revolutionären Brandfackel aus dem Gehege bleiben. H. Arbeitsmarkt im Reich. Ende Februar hatte nach dem Bericht der Reichsanstalt für die Zeit vom 16. bis 18. Februar d. J. sowohl die Zahl der Arbeitsuchenden wie die der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung etwas abgenommen. Nur die Zahl der Krisenunterstützten ist noch gestiegen. Die Zählung vom 28. Februar ergab, daß von den bei den Arbeitsämtern ragenen verfügbaren Arbeitsuchenden rund 4972000 arbeitslos waren, d. h. rund 19000 weniZehaitar am 15. Februar. Von der Gesamtzahl der Atbeitblosen wurden Ende Februar rund 2589000 995 dden Mitteln der Arbeitslosenversicherung, rund Jos vo aus denen der Krisenfürsorge unterstützt. :: Durchführung der Aussperrung in der bayerischen Metallindustrie. Die vom Verband bayerischer Metallindustrieller in den bayerischen Großstädten mit Arbeitsschluß verhängte Aussperrung ist einheitlich durchgeführt worden und betrifft rund 40 000 Arbeiter und Arbeiterinnen. „Wissenschaft“ und„Aufklärung". Feuer vom Himmel brachte Prometheus, und wenn die alten Griechen damit den Kulturbeginn versinnbildlichten, so entstammt diesem Himmelsfeuer auch das Licht der Wissenschaft.„Feuer fiel vom Himmel" und fraß Hiob's Habe, aber es geschah nicht mit Gottes Absicht, und es ließe sich gerade an Hand der Bibel viel über die zweideutige Natur des Feuers sagen; das Feuer, mit dem die Wissenschaft leuchtet und brennt, hat sich in seiner Zweideutigkeit nie stärker ausgewirkt als in der hinter uns liegenden Epoche. Im letzten Heft der weltweit verbreiteten Zeitschrift „Kosmos“ erzählt Wilhelm Bölsche,„Wie das erste Kosmosbändchen entstand". Damals, 1903, sollte es in gedrängter und allgemeinverständlicher Art„Die Abstammung des Menschen" behandeln, die „Frage aller Fragen“, wie sie ein englischer DarwinSchüler genannt hat. Wie vorsichtig und wahrhaft wissenschaftlich Bölsche diese und andere Aufgaben der volkstümlich geschriebenen Naturkunde gelöst hat, ersehe man aus seinen Schriften, während über seine Persönlichkeit die Zeitungen anläßlich seines 70. Geburtstages unlängst das Nötige gebracht haben. Was Bölsches Schilderung ihren besonderen Wert verleiht, ist das in meisterhafter Ausdrucksform abgelegte Bekenntnis zu seiner Lebensarbeit und seiner kritischen Behandlung der betreffenden höchst verwickelten Fragen. Allein schon der Umstand, daß er die Wörter„Tatsachen“ und„Wissenschaft" in Anführungsstrichen schreibt, ergibt den Ausgangspunkt einer kulturpsychologischen Betrachtung, wie sie gewiß schon in anderem Zusammenhang in ähnlicher Weise angestellt sein wird, aber kaum an Wert verliert, wenn sie in Anlehnung an Bölsches Entwicklung vom Stürmer und Dränger zum„Besonnenen“ die mit größter Anteilnahme selbstdurchlebte Jahrhundertwende in einem ihrer grundsätzlichsten Gesichtspunkte zu kennzeichnen versucht. Bölsche ging durch jenen„Friedrichshagener Kreis“, in dem wie in einem Hexenkessel die widerstreitenden Ideen alter und neuer Zeit gärten, wie schon folgende Namen seiner Teilnahmer zeigen: Die Gebrüder Hart, Gerh. Hauptmann, J. H. Mackay, Bruno Wille, Herm. Türck(der Faust= und HamletErklärer), Samuel Jaeger,(den Lesern dieser Zeitung hinlänglich bekannt). Als 18 jähriger Student erhielt ich Zutritt zu diesem Kreis, dessen genannte Berühmtheiten ich nur noch zum geringeren Teil antraf, dafür aber so viele geistvolle Leute„vom Federvieh", wie sich die Schriftsteller humorvoll nannten, daß ich wie berauscht von der Fülle der Gedanken die Rückfahrt mit dem Erkner=Zug nach Berlin antrat, in dessen frühmorgens stillen Straßen ich einen silberhaarigen Greis zu treffen pflegte, der seine antipolitischen Ideen im Sinne des blinden Philosophen und Volkswirtschafters Eugen Dühring in einem Blättchen verbreitete, das er selber schrieb, setzte, druckte und vertrieb. Alle diese Männer, die um die Wahrheit rangen, behielten sich volle Freiheit ihrer Kritik vor, nicht nur dem Hergebrachten, sondern auch dem„Modernen“ gegenüber, und da es für sie nichts Unzweifelhaftes gab, wäre die Forderung, die Wissenschaft oder einen wissenschaftlichen Satz zu glauben, belächelt worden. So selbstverständlich das heute erscheint, so maaßlos überraschte es mich, der ich als Gymnasiast die Meinung gewonnen hatte, als könne es nur eine Wissenschaft geben, nämlich die allem offenkundigen Sein, d. h. der Natur geltende Naturwissenschaft als die Wissenschaft schlechthin, in der wiederum nur eine Wahrheit zum Ausdruck kommen könne, nämlich die im natürlichen oder mechanistischen Sinn plausibelste Naturerklärung, zugleich die, welche die beredtesten Fürsprecher hatte, wie sie in der volkstümlichen Literatur, in den Zeitschriften und Zeitungen zu Worte kamen. Während mein Erstaunen die erste Stufe zu einem mühevollen langjährigen Umlernen wurde, blieben viele meiner Altersgenossen ihrem Wissenschaftsglauben treu, den einige zu bedenklicher Beeinflussung des Zeitgeistes benutzten. Auch Bölsche gesteht, daß es ihm„tatsächlich viel Kopfzerbrechen gemacht hat,“ sich durch die widerstreitenden Lehrmeinungen so hindurchzufinden, daß er davor bewahrt blieb,„auf Meisterworte zu schwören“. Seine vielfach durch Anführung persönlicher Beziehungen gewürzte Aufzählung der namhaftesten biologischen Entwicklungsforscher Darwin, Semon, Baur Weismann, De Bries, Wilh. Roux, Haeckel, Klaatsch, hätte wenigstens zu Anfang und am Ende erweitert werden sollen, dort durch J. Lamarck, und Geoffroy St. Hilaire, den Goethe schätzte, hier durch Otto Kleinschmidt, der alle seine Vorgänger außer Noux durch die so seltene Vereinigung naturund geisteswissenschaftlicher Schulung überragt, eine Würdigung, die u. a. darin zum Ausdruck kam, daß ihm, dem Pastor, der medizinische Ehrendoktor verliehen wurde. Seit einigen Jahren leitet er das„Forschungsheim für Weltanschauungskunde" in Wittenberg.“) So viel Namen, so viel verschiedene, z. T. sogar entgegengesetzte Lösungsversuche der ziemlich gleichlautend gestellten Fragen, so daß„der Besonnene weiß, daß keine einzige wenigstens jener theoretischen Fragen seither wirklich gelöst worden ist“(Bölsche). Dennoch gibt es heute noch weite Kreise, die allerdings nicht zu den Wissenschafts=Vertretern der westeuropäischen Kulturwelt gehören, die an bestimmte„Errungenschaften“, der Wissenschaft in demselben Sinne glauben, wie es der Glaube unserer reiferen Knabenjahre war. Wie ist dies seltsame, für die Geschichte unserer Zeit so verhängnisvolle Verhalten verständlich zu machen? Der Philosoph Hegel, durch dessen keineswegs naturmäßig=mechanistische Methode der Begriff der„Entwicklung“ mächtig gefördert wurde, den das 19. Jahrhundert buchstäblich zu Tode hetzte, hat Recht, wenn er sagt, daß es Dinge und Begriffe lieben, in ihren Gegensatz überzuspringen. Die„Aufklärung“ ist in Verdummung übergesprungen, nachdem sie sich zu Anfang, im 18. Jahrhundert, als Lessing ihr Held war, dadurch gut eingeführt hatte, daß sie hergebrachte Begriffe au ihre Stichhaltigkeit prüfte, wie es denn gewiß nicht verwerflich ist, Dinge aufzuklären. Sehr bald aber begann ihre Materialisierung, unter der schon unsere Weimaret Klassiker zu leiden hatten, denn die damals die Aufklarung beherrschende Berliner Richtung(Nicolai) war so ausschließlich auf das nüchtern Praktische g“ richtet, daß sie ebenso bissig die Klassiker und später die Romantiker bekämpfte wie auch die Wissenschaft, — *) Kleinschmidts allgemein gehaltene Schriften sind: 1. Die Formenkreislehre und das Weltwerden des Lebens, eine Reform der Abstammungslehre und der Rassenforschumch zur Anbahnung einer harmonischen Weltanschauung, Halle 1970, Schwetschke(1930 ins Englische übersetzt). 2. Naturwissenschaft und Glaubenserkenntnis, die Zenttar frage moderner Weltanschauungskunde, Berlin 1930, Warneer An gelehrten Werhen gibt seine Monographie des Neu die Verg werk „Stär sleine auf den=Eradern der Voiter. Bleibt Italien dem Reparationsgedanken treu? Italien und die Friedensverträge. — Rom, 11. März. Im Bericht des Haushaltsausschusses der italienischen Kammer zum Voranschlag des Außenministeriums heißt es u..: Die Schwere gewisser Verträge und die fortdauernden Lasten der Kriegsentschädigungen und Kriegsschulden, die Teilung in bewaffnete und wehrlose Nationen, die neuen militärischen Bündnisse haben Europa lange in Unsicherheit und Spannung gehalten. Obgleich der Völkerbund(?) und die Initiative gewisser Staatsmänner in beträchtlicher Weise zur Ueberwindung des Kriegsgeistes beigetragen haben, bleibt eine tiefe Kluft bestehen und zu einer tatsächlichen sicheren Wiederannäherung der Völker ist noch ein, weiter Weg. Darin liegt der Grund des heutigen Problems. Alle sind von dem Gefühl des Unbehagens beseelt: die Nationen, die noch im Zustand der Minderwertigkeit gehalten werden und auch diejenigen, die rüsten, um den gegenwärtigen Zustand zu verteidigen. Aber nichts ist ewig, noch dogmatisch, nicht anfechtbar in der menschlichen Geschichte. Die Verträge können, wie der Chef unserer Regierung bemerkte, nicht Grabsteine auf den Gräbern der Völker sein. Die Idee Mussolinis zielt auf eine größere Gerechtigkeit zwischen den Nationen ab, um so Zusammenstöße und Brüche im Leben des mitgenommenen Europas zu vermeiden. Diese Richtlinien, die der Außenminister Grandi auch durch harte Gegensätze hindurch klug und treu verfolgt hat, erheben unsere diplomatische Arbeit in eine Sphäre höherer Nobilität.— Der Berichterstatter zitiert in diesem Zusammenhange ausführlich die bekannten Stellen aus Mussolinis großer Senatsrede vom Sommer 1928, in der er betonte, daß die Verträge keinen Ewigkeitswert haben. Doch Osthilfe=Doppelvorlage. Die Pläne der Reichsregierung.— Einigung mit der Landesstelle Schlesien. — Berlin, 11. März. Wie bereits berichtet, hat der Reichsrat bei der Verabschiedung des Osthilfegesetzes die Grenzen des Entschuldungsgebietes über den Regierungsentwurf hinaus erweitert. So sind Schleswig=Holstein, die östlichen Teile des Landes und der Provinz Sachsen und der anhaltische Bezirk Zerbst in die Entschuldungshilfe einbezogen worden. Wie dazu aus den Kreisen der Reichsregierung verlautet, hält das Kabinett strikte daran fest, daß die Entschuldungsaktion an der Westgrenze von Mecklenburg haltmachen müsse. Es sei aber die feste Absicht der Regierung, sobald Mittel zur Verfügung stehen, von der Ermächtigung des zweiten Absatzes des Parograph 1 des neuen Osthilfegesetzes Gebrauch zu machen, der eine Ausdehnung der allgemeinen Hilfsmaßnahmen auf Kreise außerhalb des engeren Grenzgürtels gestattet. Daß weitere Gebiete als die zur Zeit für die Entschuldung in Betracht kommenden, einer durchgreifenden Hilfe bedürfen, davon sei auch die Reichsregierung überzeugt. Da es ihr vorerst finanziell nicht möglich sei, die Grenzen so weit zu ziehen, wie es der Reichsrat beschlossen habe, werde die Reichsregierung, der Ankündigung des Ministers Treviranus entsprechend, dem Reichstag unverzüglich eine Doppelvorlage unterbreiten, so daß die letzte Entscheidung über die Begrenzung des Entschuldungsgebiets damit beim Reichstag liegt. Auch über die Bestimmungen zum Industriebankgesetz will die Reichsregierung eine Doppelvorlage machen. Der Reichsrat hat sich nämlich nicht mit den von der Regierung vorgeschlagenen 29 Aufsichtsratsmitgliedern begnügt, sondern die Zahl auf 33 erhöht. Ebenso ist in der Frage der Erweiterung des Geschäftsbereichs der neuen Industriebank eine divergierende Auffassung zwischen Reichsrat und Reichsregierung zutage getreten, da der Reichsrat die sie als„leeres Denken“ brandmarkte. Wohin das führen würde, hat mit der ihm eigenen vorausschauenden Gabe Goethe erkannt, wenn er in einem Brief an Zelter aus den schon damals aufkommenden Verkehrserleichterungen(„Facilitäten der Kommunikation“) und Schnelligkeitsrekorden auf den Charakter der kommenden Zeit schließt, der im „Verharren in der Mittelmäßigkeit" bestehen würde; es sei„das Jahrhundert für praktische Menschen, die mit einer gewissen Gewandtheit ausgestattet, ihre Superiorität(Ueberlegenheit) über die Menge fühlen, wenn sie gleich selbst nicht zum Höchsten begabt sind. Wir werden... die letzten sein einer Epoche, die sobald nicht wiederkehrt.“ So kam es denn auch, denn als sich die bisher einheitliche Wissenschaft spaltete, um als„Naturwissenschaft“ einer„Geisteswissenschaft“ gegenüber zu stehen, da folgte die„Aufklärung" den siegreichen Fahnen der ersteren, die weit über den Rahmen einstiger Natunbeschreibung hinausgehend nur noch ein Wissen aus Erfahrung gelten ließ, und als deren Vermittler nur die Sinne anerkannte(Sensualismus); als Beweis für die Richtigkeit ihrer Auffassung berief sie sich auf die Erfolge der Technik. Das wurde in gelehrten und noch viel mehr in volkstümlichen Werken mit einer Bestimmtheit vorgetragen, die nichts mehr von dem Problematischen(Fragwürdigen) echter Wissenschaft ahnen ließ, sondern ein Glaube geworden war, genau so ausschließlich formuliert, wie nur je ein religlöses Dogma formuliert worden ist. Folgerichtig wurde sedem Zweifler die Wahrhaftigkeit oder das normale Denkvermögen abgesprochen, sodaß er als materiell inkeressierter Heuchler oder als Narr dastand, zum minbesten als armer Unwissender(„Köhlerglaube", 2. Vogt). Es half nichts, daß Schopenhauer, der sicht nur ein scharssinniger Philosoph, sondern auch ein kenntnisreicher Naturforscher war, die„Rache der Metaphysik“(der Wissenschaft des Uebersinnlichen) den„Barvieren“ androhte; vergeblich verschwendete Nietzsche seinen Jorn an die Astronomie mit ihren unfaßlichen Jahlenungeheuern, ohne zu ahnen, daß die mathematische Physik die„Unendlichkeit des Weltalls“— ein brundpfeiler jener Wissenschaftsreligion— jeugnen wurde, um dieses„All“ bedenklich zusammenschrumpfen zu lassen gegenüver den Unendlichkeiten(von der Mehr zahl sprechen die Mathematiker), die der Menchengeist zu denken, wenn auch sich nicht vorzustellen bar gute Enschuldun. i andere als unmittelzur Entschalbung dienende Zwecke von der ZuEirnnuung des Reichsrats abhängig machen will. Die kunch ößrei stus slaubt, daß durch eine solche Beschränwird, daß sie ähnlich weiis die Gefsahr heraufbeschworen kreditanstalt von Jap.. Ventenbankschaften muß. Juhr zu Jahr neue Gesetzesnozellen ist unzufrieden. Das Ergebnis der Berliner Tagung. Der Bundesvorstand des Reichslandbundes beschäftigte sich auf einer Tagung in Berlin mit der„Stellungnahme zu der Agrarvorlage und dem Gesetz über die Osthilfe.“ Ueber das Ergebnis der Sitzung wurde folgender Bericht veröffentlicht: „Der Bundesvorstand des Reichslandbundes hat den Bericht des Geschäftsführenden Präsidenten Grafen von Kalckreuth entgegengenommen und billigt die Haltung und Maßnahmen, die das Präsidium in Auswirkung der Kampfbeschlüsse vom diesjährigen Reichslandbundtag ergriffen hat. Ausdrücklich erklärt auch der Bundesvorstand die seitdem bekannt gewordene Agrarvorlage einschließlich der Osthilfe für unzureichend, insbesondere wegen Nichtberücksichtigung unserer Forderungen auf dem Gebiete der allgemeinen Lastensenkung und der innerwirtschaftlichen Maßnahmen sowie des Fehlens jeder Garantie für sofortige und ungeschmälerte Durchführung der Zollmaßnahmen. Den innerhalb und außerhalb der Reichsregierung verstärkt zutage getretenen landwirtschaftlich feindlichen Kräften gilt nach wie vor unser schärfster Kampf. Eine Einwirkung auf die Parteien in den gegenwärtig rein politischen Entscheidungen lehnt der Bundesvorstand ab. Die Verantwortung für die augenblickliche Lage und die weitere Entwicklung der Gesetzgebung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet liegt ausschließlich beim Reichskabinett und den Parteien.“ vermag. Der schwere Denkfehler, der das wahrnehmbare„All“ für das Alkes nimmt, und das sinnenfällige Dasein für das Sein schlechthin, läßt allein schon erkennen, daß die Natur und die aus ihr abgezogenen (abstrakten) Begriffe niemals für den Bau einer „Weltanschauung“ ausreichen können. Wenn sich dem Ausblick in das Außernatürliche Unwissenheit oder Hochmut entziehen, so begeben sie sich des Einspruchrechtes, wenn ihrem„naturwissenschaftlichen Standpunkt“ ein anderer Standpunkt gegenübergestellt wird. Deshalb war es die Ueberheblichkeit derjenigen, die sich als Priester einer neuen Religion fühlten, wenn sie die Warnung Rudolf Virchows unbeachtet ließen, der, gleich berühmt als Mediziner wie als liberaler Politiker, die Vertreter jener„Wissenschaft" beschwor, die Mitteilung ihrer vermeintlichen Problemlösungen(tierische Abstammung des Menschen und drgl. mehr) auf wirklich wissenschaftliche Kreise zu beschränken, statt sie volkstümlich zu machen und dadurch unabsehbares Unheil anzurichten, wohlgemerkt mit einseitigen Problemlösungen, statt mit Tatsachen.— Zu spät! Der Stein war im Rollen und es waren schon Doktrinäre am Werk, die für die neue Religion einen volksmäßigen Träger gefunden hatten, den„vierten Stand“, dem sie die am gewandtesten geschriebenen naturwissenschaftlichen Volksbücher als„Evangelien“ in den Schoß legten.— Sobald Wissenschaft auf den Menschen angewandt wird, erscheint ihr Kernbegriff als Sittlichkeitslehre(Ethik), die in der neuen Wissenschaft nur vom„Kampf uns Dasein“— logischerweise das gerade Gegenteil jeder Sittlichkeit!— herzuleiten war. Denn dieser bildet oder„schafft“ sogar, wie die„Wissenschaft“ damals lehrte, die Fülle der Daseinsformen, und da er mit dem Recht des Stärkeren schafft, muß der Schwächere darnach streben, der Stärkere zu werden, wenn er seine Gesetze diktieren will. Von den Ideen, mit denen die Aufklärung des 18. Jahrhunderts ihre politischen Siege gewann, ist keine Rede mehr; denn„Freiheit“ gehört der unwissenschaftlichen „Ideologie“ an, nachdem sie der Kausalität“ der Wissenschaft hatte weichen müssen,„Brüderlichkeit" behält nur noch Sinn im Rahmen der Standes= oder Klassenzugehörigkeit, und„Gleichheit" hat der„Diktatur“ zu weichen, und zwar seitens derjenigen Gesellschaftsschicht, die in Beherzigung der neuen Religion der Sieger geworden ist. Hohenbirken vor Gericht. Der schlimmste Fall des polnischen Terrors.— Sämtliche Angeklagten leugnen. — Rybnik, 11. März. Das polnische Burggericht in Rybnik verhandelt gegenwärtig unter dem Vorsitz des Richters Stoballek gegen sechs polnische Aufständische, die angeklagt sind, mit einer Horde unbekannt gebliebener Täter den schweren Ueberfall auf die deutschen Bewohner des Dorfes Hohenbirken verübt zu haben. Die Schreckensnacht von Hohenbirken bildete bekanntlich einen der Höhepunkte des polnischen Wahlterrors im November 1930 und einen Hauptgegenstand der deutschen Völkerbundsbeschwerde. Der Deutsche Volksbund hat sich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen. Aus dem Tatbestand, mit dem sich das Gericht zu beschäftigen hat, ist hervorzuheben, daß die Wohnungseinrichtungen von nicht weniger als sieben deutschen Familien durch die Aufständischen vollständig vernichtet und mehrere hundert Fensterscheiben zertrümmert worden sind. Zwei Leute wurden derart mißhandelt, daß sie noch heute unter den Nachwirkungen schwer zu leiden haben. Auch zwei vierjährige Kinder wurden schwer mißhandelt. Die anderen mißhandelten Deutschen konnten sich dem Schlimmsten durch die Flucht entziehen. Der Ueberfall begann damit, daß durch die Fensterscheiben in die Wohnungen der deutschen Familien hineingeschossen wurde, und zwar wurde so niedrig gezielt, daß sie, wenn sie noch schlafend im Bett gelegen hätten, unfehlbar getroffen worden wären. Glücklicherweise waren die Bewohner durch den auf der Straße beginnenden Lärm bereits aufgeschreckt worden. Auch bei einer Frau, die im Wochenbett lag, wurden die Fenster durchschossen. Die von auswärts nach Hohenbirken gekommene Horde wütete von 9½ Uhr abends bis 1½ Uhr nachts. Die Polizei erklärte, von all den Schüssen und Hilferufen nichts gehört zu haben. Besonders schlimm gepeinigt wurde die Familie des deutschen Vertrauensmannes, den die Aufständischen nach Zerstörung der Lichtleitung aus dem Bett zerrten und die Treppe hinunterschleiften, um ihn bis zur Bewußtlosigkeit zu verprügeln. Jedenfalls waren diese Vorgänge sämtlich von einer solchen Brutalität, daß sich auch der Präsident der Gemischten Kommission, Calonder, bei der Besichtigung Hohenbirkens erschüttert zeigte. Angeklagten. Unter den Angeklagten befinden sich wie bei ähnlichen Prozessen der letzten Woche schon wiederholt auch der Polizeikommandant des Ortes und der polnische Schulleiter, dem vorgeworfen wird, die Aufständischen zu weiteren Gewalttaten aufgereizt zu haben. Bei ihrer Vernehmung bestritten alle Angeklagten ihre Schuld, sie verlegten sich aufs Leugnen und wollen, sofern sie überhaupt zugaben, in jener Schreckensnacht in Hohenbirken gewesen zu sein, selbst „bedroht“ worden sein. Schlichtungsverfahren bei der — Berlin, 11. März. Die Verhandlungen der Reichsbahn mit den Gewerkschaften über die Senkung der Löhne sind ergebnislos abgebrochen worden. Die Gewerkschaften lehnten die Forderungen der Reichsbahn ab und verlangten die Aufrechterhaltung der bestehenden Löhne. Die Hauptverwaltung der Reichsbahn will nunmehr die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens beantragen. Wem aber die freie Forschung nicht verboten ist, der weiß, daß„Kampf ums Dasein“ nur eine sogenannte heuristische Hypothese sein konnte, d. h. ein begründeter Vorschlag, wie man etwa die Lösung der Frage nach den verschiedenen Daseinsformen finden könnte. Die Jahrzehnte lange Prüfung hat ergeben, daß er zur Erklärung jener Dinge so gut wie garnicht geeignet ist. Wo bleiben da die weitgehenden Schlußfolgerungen? So ist es mit allen wissenschaftlichen Fragen, deren Stellung und Beantwortung je nach dem Zeitalter wechselt, keineswegs in Herabsetzung der Wissenschaft, sondern in deren Wesensbestimmung: als Befriedigungsmittel des menschlichen Bedürfnisses, alle Denkmöglichkeiten zu erschöpfen. Wissenschaftliche Arbeit, die freiwillig geleistet wird, ist Spiel, wie es der Sport ist, sonderlich ein Spiel der Verstandeskräfte, als solches ebensowenig Religion, wie es die Kunst ist, obwohl deren Beziehungen zur Religion weit inniger sind. „Die Wissenschaft" als Religion konnte nur Platz greifen bei einer Volksschicht, die aus sich selber nicht an die Quellen echter Wissenschaft vorzudringen vermag, und nur bei einem ganzen Volke Epoche machen, das ohne Zusammenhang mit der übrigen und wirklichen Kulturwelt Westeuropas blieb. Darum heharrt sie dort, in Seelen, die auf jugendlich unreifer Stufe stehen blieben, während sie hier nur das Durchgangsstadium der„Sturm= und Drang"=Periode füllte, ein Ausdruck, der 1776 von Goethes Landsmann Klinger, nach anderen schon in Lavaters Kreis geprägt sein soll, und dessen Wesen darin besteht, einem alten Glaubenssystem ungestüm und unbesonnen ein neues gegenüberzustellen. Dem„Besonnenen“(um mit Bölsche zu reden) bleibt daher nichts anderes übrig, als sich über das Ausmaß knabenhaften Verhaltens zu wundern, das aus wissenschaftlichen Vermutungen hergeleitet wird, die er selber kaum länger als bis zum zwanzigsten Lebensjahr für schwerwiegend hielt; noch weniger aber vermag er zu begreifen, wie völlig überiebte Bedankengänge die Kraft einer treibenden Idee gewinnen könnten, wie sie für das Entflammen einer„Weltrevolution“ nötig wäre. Männer lassen sich eben nicht mehr für die Anschauungen ihrer unreifen Knabenjahre begeistern, selbst wenn mon sie daran einnern wollte, daß Universitätsprofessoren des durch Goethe gekennzeichneten 19. Jahrhunderts zeitlebens im Köhlerglauben an„die Wissenschaft“ beharrten.:: Dr. J. W. Baldwin folgt Churchill. Ueberraschende Kapitulation.— Die Konservativen gegen die neue Indien=Konferenz. — London, 11. März. Der Indien=Ausschuß der englischen Konservativen eine Entschließung an, in der es heißt, der Ausschuß billige den Entschluß Baldwins, wonach die Konservative Partei sich auf der neuen Rundtisch=Konferenz nicht vertreten lassen könne, da diese in Indien stattfinden solle. Dieser Beschluß der Konservativen Partei hat allgemeine Ueberraschung hervorgerufen, die um so größer ist, als Baldwin seine Entscheidung bereits vorige Woche vor Bekanntwerden der Vereinbarung von Delhi getroffen haben soll, aber in seiner am Freitag in Newton Abbot gehaltenen Rede, in der er auch die indische Frage erörterte, keinerlei Andeutung darüber machte. Am Donnerstag wird im Unterhaus eine Debatte über Indien stattfinden, und man erwartet, daß Baldwin dabei Aufklärungen über die Haltung der Konservativen geben wird. „Daily Telegraph“ zufolge ist der Beschluß von den Kritikern und auch von den Verteidigern der Vereinbarung zwischen dem Vizekönig und Gandhi gebilligt worden;„Daily Herald“ und„News Chronicle“ geben der Ansicht Ausdruck, daß Baldwin vor dem radikalen Churchill kapituliert hat. Einstweilen herrscht in den parlamentarischen Kreisen völlige Unklarheit über die Bedeutung des konservativen Beschlusses. Daß damit die bisherige Zusammenarbeit der Regierung und der Opposition in der Indienfrage zu Ende ist, ist eine Selbstverständlichkeit. Wehretat verabschiedet. Japans Antwort an England. Zustimmungserklärung und Abänderungswünsche. — London, 11. März. Die Antwort Japans auf die Mitteilung über das französisch=italienische Flottenabkommen, die jetzt erst erreicht worden ist, dürfte die vorbehaltlose Billigung des Abkommens enthalten. Es verlautet, daß Japan seiner Zustimmungserklärung eine Anzahl Zusätze angefügt habe, die den Charakter von Wünschen haben. Wie man zu wissen glaubt, wird die Aufmerksamkeit in diesen Zusätzen auf die Frankreich zugeteilte große Tonnage der Unterseeboote und alten Einheiten der Kriegsflotte sowie auf die Frage der Hauptkampfschiffe gelenkt. Man fürchtet, daß eine neue Ratifikation des Vertrages in seiner abgeänderten Form erforderlich werden wird, was als unerwünscht angesehen wird, und daß die Hoffnung auf Abschaffung der Hauptkampf= schiffe in der Konferenz im Jahre 1936 in Frage gesteilt sei. Die Zusage Japans zu dem Abkommen dürfte dazu bestimmt sein, bei der nächstjährigen Genfer Abrüstungskonferenz in Erwägung gezogen zu werden. Beratung des Marinehaushalts im Hauptausschuß. — Berlin, 11. März. Der Haushaltsausschuß des Reichstags erledigte in längerer Einzelberatung den Etat der Reichswehr und wendet sich nunmehr der Beratung des Marinehaushalts zu. Im Mittelpunkt der jetzigen Verhandlung steht dabei die Frage des Baues eines zweiten Panzerkreuzers. Bei der Einzelberatung des Wehretats wurden zahlreiche kommunistische Anträge abgelehnt, teilweise mit den Stimmen der Sozialdemokraten. Das geschah beispielsweise bei einem Antrag der Kommunisten, wonach die Uebertragbarkeit der Etatmittel im Interesse genauer Ausgabenkontrolle nicht zugelassen werden sollte. Das gleiche Schicksal hatte ein kommunistischer Antrag auf Streichung des Ministergehalts. Angenommen wurde dagegen ein Antrag, wonach der Bericht des Sparkommissars im Ausschuß vorgelegt werden soll, sowie ein weiterer Antrag— und zwar unter Zustimmung des Reichswehrministers— wonach Angehörige des Reichsheeres und der Marine nicht als Ersatz für streikende oder ausgesperrte Arbeiter verwendet werden dürfen. Zur Frage des Nachwuchses erklärte Reichswehrminister Groener, durch ständige, von ihm selbst vorgenommene Prüfung sei die Gewähr dafür gegeben, daß sowohl der Offiziers= wie auch der Mannschaftsersatz unparteiisch und nur nach der persönlichen Eignung durchgeführt werde. schaffenden Arbeitslosenfürsorge neue Bestimmungen erlassen. Danach darf die geförderte Wohnfläche 50 bis 60 Quadratmeter nicht übersteigen. Nur für derreiche Familien darf ausnahmsweise bis zu 70 Qug. dratmeter gefordert werden. Der höchste Darlehnz, betrag für Wohnfläche bei einer Heimstätte beträgt 80 Mark je Quadratmeter. Die geförderte Stall= und Scheunenfläche darf insgesamt 40 Quadratmeter nicht übersteigen. Bei Stellen mit mindestens 1 Hektar land, Prttar tand. wirtschaftlich nutzbaren Bodens dürfen bis zu 60 Qugdratmeter gefördert werden. Um den Landerwerb zu erleichtern, darf das Darlehen bei einer Eigenlandzu, lage von wenigstens 1 Hektar landwirtschaftlich nutz, baren Bodens um 90 v. H. des Schätzungswertes der Fläche, jedoch um höchstens 1500 Mark erhöht werden. Die Sicherungsgrenze für die Reichs= und Landesdar, lehen darf im Ausnahmefall auf 95 v. H. der reinen Gesamtbaukosten zuzüglich des Wertes des Grund und Bodens heraufgesetzt werden. 15prozentige Gehaltskürzung in Polen? : Die polnischen Zeitungen beschäftigen sich mit einer Senat abgegebenen Erklärung des im Senat abgeigrrenen Erlnlung ers Leiters des Finanzministeriums, Oberst Matuschewski, wonach der Fehlbetrag im laufenden Finanzjahr 1930=31 50 Millionen und im kommenden Finanzjahr ungefähr 300 Millionen Zloty betragen werde. Matuschewsti kündigt an, daß er, wenn verde. Matuschewski kündigt an, daß er, wenn notwendig, zur teilweisen Deckung dieses Defizits die Beamtengehälter um 15 Prozent kürzen werde, was eine Ersparnis von 200 Millionen Zloty bringen würde. Lübeck entschädigt. Zustimmung der Bürgerschaft zu der Calmette=Entschädigungsvorlage. — Lübeck, 11. März. Die Lübeckische Bürgerschaft stimmte nach längerer Debatte der Senatsvorlage, die die Fürsorge für die durch die Tuberkulose=Impfungen Geschädigten und die schiedsgerichtliche Regelung der Schadenersatzansprüche der Betroffenen zum Gegenstand hat, zu. An Kosten sind bis Ende Januar bisher 172355 Mark entstanden. Bewilligt wurden jetzt 200 000 Mark für das laufende und weitere 200000 Mark für das kommende Jahr. In Durchführung des Vertrags wird nunmehr ein Schiedsgericht eingesetzt, das aus einem Obmann besteht und aus je zwei vom Senat und von Geschädigten gewählten Beisitzern. Dieses Schiedsgericht entscheidet unter Ausschluß des ordentlichen Rechtsweges über die Entschädigungsansprüche der Eltern. Anklagcerhebung gegen vier Fachärzte. Im Laufe der Aussprache betonte der Leiter des Gesundheitsamtes, daß die gerichtliche Untersuchung gegen die vier angeschuldigten Fachärzte am 24. Februar abgeschlossen wurde und daß der Oberstaatsanwalt nunmehr die Anklage erheben wird. Es seien umfangreiche Sachverständigengutachten eingefordert, die eine Verzögerung des Verfahrens bedingten. Von 251 Eltern hätten bereits 221 dem Schiedsvertrag zugeTigann:. b 4 Bethel. Neue Bestimmungen des Reichsarbeitsministers. Der Reichsarbeitsminister hat über die Förderung des Landarbeiterwohnungsbaues mit Mitteln der wertChristlicher Verein j. Männer. Heute, Mittwoch abend 8¼ Uhr in Gosen Vortrag von Herrn Dr. Wilkes=Barmen:„Die Wunderfrage". Junge Männer und Männer herzlich willkommen. Wegen der Passionsgottesdienste fallen die Blaukreuzstunden bis Ostern aus. Zahnklinik Bethel. Herr Zahnarzt Dr. med. Kuhlo gibt bekannt, daß er tägl. von—10 Uhr in der„Arche“ am Bethelweg zu sprechen ist. Außerdem auch für alle Anstaltsangehörigen von 10 bis 12 und 3 bis 6 Uhr in seiner Wohnung Hindenburgstr. 14. Er bittet, daß die Anstaltsangehörigen ihn möglichst in diesen Sprechstunden(10—12,—6 Uhr) aufsuchen. Nachfeier zum 100. Geburtstag Vater Bodelschwinghs. Am 19. und 20. März findet in Zion eine musikalische Nachfeier statt, bei der zwei Kantaten für Solo, Chor und Orchester gesungen werden. Außerdem spielt Gerard Bunk das Es=dur Präludium und Fuge für Orgel von J. S. Bach. Eintrittspreis 1,00., im Vorverkauf nur in der Anstaltspost 75 Pfg. Die ganze Gemeinde ist dazu herzlich eingeladen. Zu dem Dank, der am Sonntag den Beteiligten an dem Spiel und der Ausstattung dazu ausgesprochen wurde, sei hier noch nachgeholt, daß der Kreis Lübbecke, Nettelstedt und Bethel den größten Teil der Ausstattung an Bauerntrachten und wertvollem Schmuck, Ritterrüstungen und Kleidern geliefert und mit viel Liebe und Treue hergerichtet haben. Die Bühnenmalereien stammten von Herrn Sönnichsen jr. Bethel. Allen sei noch einmal herzlichst gedankt! Bielefelder Hausfrauenverein. Am 12. März, nachmittags 4 Uhr, findet eine Versammlung im Assapheum statt, wo wir des 100=jährigen Geburtstages Rter Bodelschwinghs gedenken wollen. Sodann: Vortrag von Frl. Ernst, Berufsberaterin am Städt. Arbeitsamt: „Nachwuchs in der Hauswirtschaft.“ Aussprache. Hierauf: Filmvorführung„Ein Tag in der Haushaltsschule" Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. Bad Godesberg Staatl. genehm. Haus Gelderblom Sbangelischer Tochlerheim Eigenes a. Töchterheim geb. Zaus i. Nähe d. Rheines. Gart. Tennispl. gr. Veranden. Siebengb. Zerrl. Aussicht, Ausflüge, Erholung. Erz.=Ziel: Zarm. christl. Charakterentw. taktvoll, fein. Umgangsf. Bildg. d. Mädchenpersönlichk. Gesundheitspfl. Gymn. Sport, Wissensch. Ertücht..Hausfrau: Gründl. Unterr. i. Rüche, Zaushalt, Nadelarb., Gemüseg. Einführ. i. mütterl. Aufgab. f. deutsche Familie, Staat und ev. Rirche. Samariterkurse, Wv. Jugend= u. Frauenbew. Bürgerk. Hausmus. Auf.: Sprachen, Ulalen, Musikunt. Auch Aufnahme v. Ausländerinnen u. Studentinnen. Ersatz f. Elternhaus. Orosp. frei. Akad. u. staatl. geprf. Lehrk. i. Frau Orf. Dr. Gert. 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