Bezugspreis: wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und Haus“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g tie, zgusend 15 zeigen=Annahme nach uno Spuup, Sclage 30 Vfg. Beilagen unter 25 8 ke, 1sprerg, chg. „Kindergabe" und„Anser Ziel.“ tonto Hannover 971 Nr. 57. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 10. März 1931. 13. Jahrgang. Nur dem Ernst, den keine Mühe bleichet, Rauscht der Wahrheit tief versteckter Born; Nur des Meißels schwerem Schlag erweichet Sich des Marmors sprödes Korn. Schiller. mggzgggmiihhiiiiiigiiiin Raum ohne Volk. Mit Recht ist Grimms Buch:„Volk ohne Raum“ Volksbuch geworden im besten Sinn des Wortes, mit Recht hat es die Gewissen geweckt, denn seine These: „Wir sind ein Volk ohne Raum“, ist wahr, wenn wir auf den geistigen Lebensraum. auf die seelische und menschliche Erdrückung unsres Volkes sehen, ist wahr, wenn wir die wahnsinnige völkerrechtliche Erpressung des deutschen Volkes ansehen, den Raum an geistigem und menschlichem Besitz. Aber falsch verstanden könnte diese These werden, wenn wir nach dem Bodenraum fragen, der uns bevölkerungspolitisch geblieben ist. Von hier aus gesehen sind wir nicht ein Volk ohne Raum, sondern wir werden immer mehr ein Raum ohne Volk. In dieser Hinsicht befinden wir uns nicht mehr in einer langsamen Entwicklung, sondern wir nähern uns mit einer, an der Lebensdauer der Kultur gemessen, rasenden Geschwindigkeit einem verhängnisvollen Nullpunkt. Wir rasen da einer Tiefe entgegen, deren Schmach und Schande direkt zur Kulturschande wird. Die parteipolitische Politik bisher aller Regierungen, diese Politik der Entwürfe und undurchgeführten Pläne, Politik des Augenblicks ohne Perspektiven, sie kann infolge ihrer verschrobenen und verschobenen Blickrichtung nicht Politik der Zukunft treiben. Das ist die Tragik dieser Politik, daß sie nicht, wie jede große Politik, schicksalgestaltend ist für uns, sondern nur der Ausdruck eines Schicksals. Kein anderer als Spengler sagt: Deutschland steht unter der Führung von Parteien, das heißt bei uns, Berufspolitikern, welche die feigste und sinnloseste aller Revolutionen wenigstens materiell auszubeuten versuchen. Deshalb bleibt die Landwirtschaft unrentabel, und aus dem Bauerntum erfolgt eine zunehmende Flucht in die Stadt— weil Wählermassen der Stadt billiges Brot verlangen, gleichviel, ob aus Amerika oder vom heimatlichen Boden. Der Kampf für die Abschaffung des Abtreibungsparagraphen, eine Schar von Literaten, die in Romanen, Dramen und Filmen eine Erotik ohne Folgen behandeln, die Girlkultur, die den weiblichen Körper nicht für die Mutterschaft, sondern für sportliche Leistungen ausbildet, das alles ist ein Vorklang des„panes et circenses“, das sich wie ein einstimmiger Ruf aus der römischen Zivilisation erhob. Will man den Grund für diese Entwicklung suchen, so muß man sehr weit in das vergangene Jahrhundert zurückgehen. Die Uebersteigerung des Bewußtseins, das Bewußtmachen jedes Lebensvorganges, die Züchtung des bewußt handelnden Menschen, die Erziehung zur freien, unreligiösen, demokratischen„Persönlichkeit“, die gar nicht spürt, wie sehr sie an sich gebunden ist, ohne eigentliche Freiheit, all das sind Etappen auf einem Weg. Immerhin ist das Schicksal uns günstig gewesen, aber aufgehalten ist das Ende damit nicht, nicht einmal stark verschoben. Jahrhunderte lang hat uns das politische Geschick begünstigt. Wir haben nicht wie andere Völker unser bestes Blut in Kriegen der Uebersee verloren, wir haben die Auswanderungen verschmerzt. Die besten und edelsten Gestalten des Volkes sind bei uns nicht verbraucht in inneren Kämpfen und sinnlosen Revolutionen. Und doch stehen wir nun mitten in der Entwicklung zum rassemäßigen Tode. Das Wort von der Uebervölkerung und der dadurch notwendig gewordenen Geburtenbeschränkung ist nicht ein novum unserer Geschichte, es hat so geklungen vor dem Untergang jeder Kultur. Immer hat lebensmüde Menschheit dieses Wort gebraucht, um dahinter die eigene Ermattung zu verbergen, um damit die Stimme des Blutes zu übertönen. In Babylon und Aegypten, in China, Indien und Mexiko hat man zu bestimmten Zeiten so geredet, wie heute in Frankreich, Amerika und Deutschland. Erscheinungen wie Lindsay, Hirschfeld, Wolf und Hodann sind Überall als Gehilfen des Volksselbstmordes aufgetreten. Und niemals hat es lange gedauert, bis das Schicksal sich erfullte und an die Stelle des blühenden Volkes degenerierte Horden traten und ihr Vieh über die Trümmerstatten führten. Dieses Geschick ereilte Babylon um das Jahr 2000 v. Chr., Aegypten um 1700 v. Chr., Indien Um 400 n. Chr. Griechenland wird zur Zeit des peloponnesischen Krieges davon betroffen, Rom um 164 v. Chr. Und in all diesen Kulturen vollzieht sich die gleiche Entwicklung: Erst wird das Land aufgesaugt und die Großstadt wächst ins Unermeßliche. Die Hütten auf dem Lande verfallen, weil sie niemand mehr beziehen will, und in der Stadt entsteht ein Palast neben dem anderen. Bis der Stillstand kommt, und von da an geht auch die Stadt nun ohne Zustrom vom Lande, das bereits verödet ist, zu Grunde. Sie stirbt sichtbar aus, weil sie selbst ihr Menschenmaterial nicht mehr auffüllen kann. So schwillt Rom im dritten Jahrhundert an, das Hinterland verödet. Von 1000000 Menschen im dritten Jahrhundert zählt es unter Konstantin nur noch 200 000 bis 300 000 Seelen. Beim Einzug Totilas konnte man nur mit Mühe noch 500 Einwohner zum Empfang zusammenbringen. Das Land wird von Fremden regiert. Das alles hätte für uns nur kulturgeschichtliche Bedeutung, wenn sich das gleiche Schicksal nicht auch an uns erfüllte; sichtbar werdend in und an Berlin. Berlin hat nicht nur für Deutschland, sondern in der ganzen Welt die niedrigste Geburtenziffer. Neuyork hat eine Geburtenziffer von über 20 Geburten auf 1000 Menschen der Bevölkerung, London 17, selbst Paris 16, Berlin aber 10 im Jahre 1929. Es läßt sich berechnen, daß Berlin, wenn es heute keinen Zuzug mehr bekäme, in 60 Jahren statt der heutigen 4,6 Millionen Einwohner nur noch 1,5 Mill. und in 150 nur noch 90000 Einwohner besäße. Auch die Kurve der Geburtenziffer spricht Bände: 1772 gab es auf 1000 Einwohner 45 Geburten; 1740— 40; 1760—36. 1878 wieder 45; 1885— 35; 1895— 28; 1900— 26; 1905 — 24,6; 1913— 19,3; 1928— 10,2; 1929— 10. Man zählte 1927 in Berlin 40000 Säuglinge, aber dafür 200 000 Hunde. All das wäre nicht so verhängnisvoll, wenn sich dieses Schicksal der deutschen Hauptstadt nicht auf das ganze Land ausdehnte. Wer Berlin kennt in seinen dumpfen Gassen und den breiten Straßen, den Wohnungshöhlen und den Villen daneben, in seiner Politik und seiner sonstigen Geschwätzigkeit, der könnte nur wünschen, daß die Stadt als Stadt zugrunde geht, nur um die Menschen ist es schade und verhängnisvoll. Aber die Tragik der Kulturen will, daß erst das Land stirbt und danach die Metropole, daß die Hauptstadt vom Lande zehrt, bis das ganze Mark ausgesaugt ist und dann erst zerfällt auch sie. Immer noch wird das Sterben in Berlin aufgewogen durch die frischen zuströmenden Kräfte. Und der Wille zum Sterben geht von der Hauptstadt auf die Provinz über. Berlin wird in allem das Beispiel. Der Wille zum Tod frißt sich von dort her in die Provinzen auf dem Umweg über neue Lebensforderungen, er verzehrt die großen, aber ebenso auch die kleinen Städte. Wer offene Augen hat, der sieht in den kleinen Städten Berlin und die Nachahmung Berlins, immer wieder nur Berlin. Wie die Menschenentleerung in Berlin um sich greift, zeigt am besten wieder die Zahl: Im Jahre 1925 zählt man in der Mark auf einem Quadratkilometer nur 66,4 Menschen, in Berlin dagegen auf 1 Quadratkilometer 4581 Menschen. Wo der Mensch nicht mehr zu Hause ist, wo ihm die Heimat fehlt, d. h. wo er die Heimat nicht mehr will, da wird die Wohnung zur Schlafstelle, das eigentliche Leben dieses Nomaden spielt sich im besten Fall im Beruf ab, meistens aber im Lokal und im Hotel. Für den Bauern ist es das Furchtbarste, ohne Erben zu sterben, für den Großstädter ist es das Lebensideal, ohne solche Bindungen zu leben. Im Jahre 1929 sind in Berlin 70000 Plätze in Vergnügungssälen und Wirtschaften und Kinos neugebaut, neue Plätze, ein Zeichen, daß der Mensch der Großstadt in seiner Wohnung nicht mehr leben kann. Nicht weil sie zu eng ist, sondern weil sie ihn zur Besinnung und zur Stille bringen müßte. Ueberhaupt ist in diesem ganzen Prozeß wichtig, daß man erkennt, daß das Müdewerden und Nicht=mehr=leben=wollen ja nicht von den Kreisen ausgeht, bei denen die Wohnung etwa zu engist, sondern gerade die Villa wird zu eng, wie denn ja auch diese Kreise, die es sich sehr gut erlauben könnten, die tiefste Geburtenziffer aufweisen; der Tod kommt eben immer von oben. Die Seele des Menschen ist gestorben, darum kann er feste Bindungen gar nicht mehr eingehen, er kann gar nicht anders, als sich verändern und wechseln, als sich trennen und scheiden, denn es ist kein innerer Besitz mehr da, der ihn halten könnte. Darum sind die Kinos bis auf den letzten Platz überfüllt, das Berliner Planetarium, immerhin eine Angelegenheit der Seele, zählte in den letzten Monaten einen Abendbesuch von ca. 20 Menschen, es faßt mehr als 1000. Es muß im April geschlossen werden, weil die Unkosten nicht mehr lohnen. Von den Kirchen darf man schon gar nicht reden, um da nicht alle Hoffnung zu verlieren, daß sie jemals wieder gefüllt werden. Der Städter verliert den Willen zum Leben, im besten Fall wird er noch vegetieren. Die Selbstmordziffer Berlins übersteigt die aller Städte Deutschlands. Die Ziffer in Deutschland stand bei der letzten Zählung auf 2,4 Menschen auf 10 000 Einwohner, in Berlin kommen 4,4 auf die gleiche Zahl. Warum auch leben, wo das Leben entleert ist, wo man sich selbst zum Gott gemacht hat und dann erkennen muß, daß man so nicht einen Schritt weiterkommt. Zahlen könnten reden; Bücher zu uns sprechen, wenn der Mensch hier noch hören wollte, aber es ist wie bei Jeremia: Die Sünde besteht darin, daß der Mensch nicht mehr will. Es sind in dem letzten Jahr im Verlag der Süddeutschen Monatshefte von Richard Korherr Aufsätze erschienen, die mit aller Deutlichkeit auf die Entwicklung hinweisen. Sie sind lesenswert! Uns aber fehlen die Politiker mit dem historischen, weltgeschichtlichen Horizont, denn die Politik des letzten Jahrzehnts ist selbst nichts anderes als Wille zum Tod! M. Knolle, Nowawes. Verkehrsmonopol. Die Reichsbahn hat mit der Speditionsfirma Schenker u. Co. einen Vertrag abgeschlossen, der in seiner Wirkung dieser Privatfirma eine Monopolstellung gewährt, die mit der Niederhaltung und Vernichtung eines Mittelstandsgewerbes verbunden ist. Die Erregung der Oeffentlichkeit spiegelte sich in der Reichstagsdebatte wieder, in der mit seltener Einmütigkeit alle Parteien, bis zu den Kommunisten, die Gefahren darlegten. Die Reichsbahn hat wiederholt Anlauf genommen, diesen Plan durchzuführen. Ihr war bekannt, daß der Verkehrsminister einen ähnlichen Plan bereits einmal abgelehnt hatte. Dies wissend, und wohl gerade aus diesem Grunde, schuf sie den Vertrag in aller und setzte ihn juristisch fest durch Unterschrift. Weder der Reichstag noch der Reichswirtschaftsrat noch der Verkehrsminister kannten diesen Vertrag, sie erfuhren ihn erst aus der Presse. Ist so etwas überhaupt denkbar? Und doch ist es Tatsache, daß das wichtigste Verkehrsmittel einen so tief einschneidenden Vertrag ohne jede Fühlungnahme mit der Reichsregierung abschließt. Das muß festgehalten werden. Es muß weiter festgehalten werden, daß die Reichsbahn es nicht für nötig erachtete, vorher mit dem Stand zu unterhandeln, dessen Vernichtung der Vertrag vorsieht. Der Vertrag. Er wird mit einem Privatunternehmen geschlossen, dessen Gründer internationale Bindungen aller Art haben und selbst erst vor nicht langer Zeit die deutsche Staatszugehörigkeit erwarben. Er wird mit einem Privatunternehmen geschlossen, das bereits in Oesterreich versuchte, ein ähnliches Monopol durchzuführen, wo es aber abgelehnt wurde(woraus zu lernen die Reichsbahn sich anscheinend nicht verpflichtet hält). Er sichert diesem Unternehmen einen größeren Gewinn, als ihn der freie Spediteur bisher zu verzeichnen hatte. Er senkt die Beförderungskosten nicht etwa auf Kosten der Bahn, sondern auf Kosten eines Mittelstandsgewerbes. Er senkt diese Kosten aber nicht grundsätzlich, sondern nur teilweise. Er bereitet ein allgemeines Verkehrsmonopol vor, dessen Nutznießer nicht die Oeffentlichkeit, nicht der Staat, nicht die Wirtschaft sein wird, sondern die Besitzer der Schenker=Aktien und=Anteile und der Reichsbahnaktien. Die Verteidigung der Reichsbahn. Die Reichsbahn behauptet, die Beförderungskosten seien zu hoch. Natürlich ist sie auf die Frage vorbereitet, warum denn dann nicht die Reichsbahn zunächst ihre Tarife senke, die um vieles höher, als vor dem Kriege liegen. Sie weiß darauf sofort eine Antwort. Sie selber kann nicht senken. Darum muß ein Mittelstandsgewerbe herhalten. Von den Beispielen, die die Reichsbahn zur Verteidigung des Vertrages anführt, ist zu sagen, daß sie irreführend sind. Eine Zeitung der Schwerindustrie, die mit halbem Herzen bei diesem Vertrag ist, aber eben nur mit halbem Herzen, spricht es aus, was der Fachmann mit noch etwas derberen Ausdrücken bezeichnet haben will:„Wir verzichten auf die Widergabe der Verteidigung der Reichsbahn, weil sie irreführende Beispiele wählt.“ („Hamburg=Correspondent")(DBP). Die Reichsbahn weiß es sehr wohl, daß sie es in der Hand hatte, die Kosten des Rollfuhrdienstes zu senken, dazu bedurfte es keines Monopolvertrages. Trotzdem schiebt sie die„hohen Rollgeldsätze“ vor, die ihr ja zur Genehmigung vorgelegen haben. Die Reichsbahn weiß sehr wohl, daß das freie Speditionsgewerbe erheblich niedrigere Sätze für den Rolldienst rechnet, als die bahnamtlichen Unternehmen. Davon spricht sie nicht. Obwohl das freie Speditionsgewerbe den Hauptanteil an der Be wegung der Güter hat und nicht der bahnamtliche Rolldienst. Die Reichsbahn versteigt sich zu dem ganz unmöglichen volkswirtschaftlichen Grundsatz,„daß Uebersetzung eines Gewerbes zu Preisüberhöhungen“ führe. Eine Weisheit, der gegenüber jeder junge Student der Volkswirtschaft den Gegenbeweis anzutreten vermag und die nicht einmal dem Laien in Wirtschaftsfragen einleuchtet. Denn jeder weiß, je größer die Konkurrenz, je größer der Kampf um die Aufträge, je niedriger die Preise. Was will die Reichsbahn? Sie will ein Verkehrsmonopol anstreben. Das, was zwischen den Zeilen des Vertrages steht, ist viel wichtiger, als was im Vertrag selbst zum Ausdruck kommt. Wer den Nutzen des Monopols hat, ist oben bereits angezeigt. Die Folge ist Entwertung der Anlagen des Verkehrsgewerbes und seiner Betriebs= und Beförderungsmittel, um diese bei gelegener Zeit für„ein Ei und ein Butterbrot“ in die Hände der Monopolfirma Scheyker zu spielen. Das aber ist stille Enteignung mit den raffiniertesten Mitteln. Erst wird ein Gewerbe zum Zusammenbruch gebracht und, damit man ja keinerlei Entschädigungspflicht hat, wird es zunächst scheinbar in den Dienst des Monopols eingespannt, um dann, wenn Anlagen und Betriebsmittel durch den Niedergang entwertet sind, auch die Substanz für einen Pappenstiel zu erwerben. Eine weitere Folge ist die Aufhebung des Geschäftsgeheimnisses. Die Möglichkeit der Ausnutzung der durch die Monopolstellung erworbenen Kenntnisse im Interesse Dritter und des Auslandes. Die weite Verzweigung des Schenkerkonzerns, seine Rechte in Belgien, Italien usw. lassen derartige Möglichkeiten durchaus zu. Der veröffentlichte Vertrag kennt keine Sicherungen hiergegen. Wer bürgt dafür, daß die Gewinne aus dem Monopol nicht durch Verlegung des Sitzes der Schenkerbetriebe ins Ausland nicht Deutschland zu Gute kommen? Wo bestehen hiergegen Sicherungen? Ein Reichsbahnoberrat hat auf diese Frage die Stirn besessen zu behaupten, daß er schon in der Lage sein werde, dies zu verhindern. Wenn die Reichsregierung die Kapitalflucht von 8 Milliarden nicht verhindern konnte, wird der Herr Reichsbahnoberrat kaum in der Lage sein, die Verschiebungen aus steuerlichen Gründen zu hindern. Der Vertrag gibt der Schenkerfirma die Möglichkeit, die Güter nach fremden Häfen und zu Reedereien zu leiten. Hier können nur einige Folgen angedeutet werden. Der Vertrag selbst ist„der Versailler Vertrag des Verkehrsgewerbes“. Was interessiert die Oeffentlichkeit an diesem Vertrag? Das staatsbürgerliche Interesse jedes einzelnen geht dahin, die Verkehrswege und Verkehrsmittel nicht internationalen Einflüssen überantwortet zu wissen, sie sind Nationalvermögen, mit deutschen Steuergeldern angelegt und darum der Souveränität des Staates vorzubehalten. Wer die Verkehrswege und Verkehrsmittel besitzt, hat die Hand an der Gurgel des Staates. Das Ausland wünscht die Internationalisierung auf Umwegen. Sollte z. B. Deutschland aus seiner Lage heraus zu einem Hungerexport, also zum Dumping gezwungen sein, wie Rußland, so kann der Gegnerstaat sich gegen dieses Dumping durch Erhöhung der Zollmauern wehren. Dann aber hat auch Deutschland das Recht, seine Einfuhrzölle zu erhöhen. Es ist also ein Kampf mit gleichen Waffen. Besitzt aber das Ausland auf Umwegen die Macht über die deutschen Verkehrswege, dann braucht es nur (wie es doch geschehen ist) nur die Tarifsenkungen der Bahn zu behindern(Devise: Erst Dividende, dann Volksinteresse) um die deutschen Exportpreise hoch Die Handelsverträge also werden nicht verletzt. Deutschland hatte keinen Grund, sich aus solchen Handelsverträgen zu lösen mit der Begründung, daß der Gegnerstaat die Zollmauern erhöhe. Es muß sich an die Handelsverträge gebunden halten, darf die EinfuhrEine Wurzel unserer Not. „Wäre bei uns Fühlung gewesen zwischen den führenden und den verführten Klassen des Volkes, dann hätte nie die Sozialdemokratie einen so unheilvollen Einfluß auf die tiefen Schichten unseres Volkes gewinnen können. Es gehört zu ihrer weiteren Bekämpfung, daß im deutschen Volke eine höhere Auffassung von den nationalen bürgerlichen und persönlichen Pflichten aufkomme, als es heutzutage der Fall ist. Geschieht nicht, so werden die Sozialdemokraten, die fest zusammenhalten, einen hohen Begriff von ihrer Zukunft haben und mit einer Opferfreudigkeit und Hingebung ohnegleichen ihre Sache versechten, den bürgerlichen Parteien überlegen bleiben. Wir anderen müssen tüchtiger und lapferer im religiösen und einigen Geist gegen sie auftreten.“— Diese Worte hat Adolf Stöcker am 20. Januar 1900 im Reichstage gesprochen. Und sie zeugen von einer tiefen Erkenntnis. Wir sehen heute mit Schrecken die tiese Kluft, die sich durch unser Volk zieht, wir müssen wahrnehmen, wie uns die eigene innere Zerrissenheit ohnmächtig macht, mehr als der Widerstand und die Tücke unserer äußeren Gegner. Eine Wurzel dieser Not ist ganz ohne Frage die Tatsache, daß es bei uns in so bedauerlicher Weise an der rechten Fühlung zwischen den oberen, den geistig führenden Schichten und den großen Massen, zwischen den einzelnen sogenannten Gebildeten und dem sogenannten Mann aus dem Volk gefehlt hat. Und hier liegt auf der Seite der Oberen eine ganz schwere Verschuldung. Die Klasse unserer„Gebildeten“ hat sich in verhängnisvoller Weise vom Volke isoliert. Und der Grund dafür ist durchaus nicht nur die Schwierigkeit, die sich immer für den Verkehr zwischen Menschen verschiedenen Bildungsganges ergeben kann. Nein, der Grund dafür lag zu einem guten Teile im Bildungsdünkel der„Gebildeten.“ Sprichwörtlich gewesen ist ja zölle nicht erhöhen und ist doch dem starken Druck ausgesetzt. Es muß sich vom Kampf um den Weltmarkt fesseln lassen. Der zweite staatsbürgerliche Gesichtspunkt ist die Tatsache, daß sich Kapital= und Wertevernichtung einstellt, wenn der Monopolvertrag zustande kommt(siehe Entwertung von Anlagen und Beförderungsmitteln und deren Verschleuderung). Der dritte staatsbürgerliche Gesichtspunkt: Die Steuereinnahmen werden weiter heruntergehen durch Vernichtung eines Mittelstandsgewerbes. Die Sozialetats werden weiter anschwellen durch Zunahme der Erwerbslosenziffer, spoziell an älteren Angestellten, bei denen die Arbeitslosigkeit unter den heutigen Verhältnissen zur Dauersache wird. Diese Steuerausfälle und die vermehrten Soziallasten muß die Allgemeinheit aufbringen, ohne daß sie andererseits den Ertrag aus der Monopolwirtschaft hätte. Soweit das staatsbürgerliche Interesse. Das Interesse der Wirtschaft: Anstelle jeder Ausführung ein Beispiel. Es ist bekannt, daß der Schenkerkonzern in Berlin auf eine recht merkwürdige Weise „für ein Ei und ein Butterbrot“ die Berliner Hafenund Lagerhausanlagen erwarb und sich damit eine Monopolstellung schuf. Diese viele Goldmillionen werten Anlagen pachtete Schenker für etwas mehr als 350000 Goldmark auf 50 Jahre. Kommen auf das Jahr 7000 Goldmark Pacht. Man höre und staune. Für diese großen Anlagen werbender Natur. Dadurch, daß die Schenker=Behala eine Monopolstellung einnimmt, kann sie Verdienste einheimsen, die recht erheblich höher liegen, als sie jedem anderen Spediteur gestattet werden würden. Mir liegt eine Rechnung vor aus einem Warenumschlag, der sich per 100 Kilo auf 2 Mark beläuft. Der freie Spediteur würde sich mit rund einem Viertel begnügen müssen. Ich will hier die näheren Umstände nicht untersuchen, stelle aber fest, daß da, wo ein Monovol besteht, niemals die Preise niedrig gehalten werden. Was also wird die Wirtschaft zu erwarten haben, wenn der freie Wettbewerb ausgeschaltet würde? Sie mag heute erstaunt fragen, ob es denn vielleicht kein Interesse hätte, wenn die„Beförderungskosten“ gesenkt werden. Natürlich, ist das von Bedeutung. Aber längst nicht von der Bedeutung, als was ein Monopolvertrag bringt. Abschließend ist festzustellen: Der Reichstag gegen die Reichsbahn; die Reichsregierung gegen die Reichsbahn; die Industrie= und Handelstagung gegen die Reichsbahn; die Presse gegen die Reichsbahn; die Oeffentlichkeit in breitester Form gegen die Reichsbahn. Und doch wird der Vertrag von der Reichsbahn, der heimlich vorbereitet— einer Privatfirma erhebliche Vorteile schaffend, ein Mittelstandsgewerbe vernichtend— zustande kommen. Es sind andere Kräfte am Werke. Die Verfilzung von Interessen, die unserer Kontrolle entzogen sind. Wie stark müssen diese Kräfte sein, wie wirksam, daß selbst eine Reichsregierung, selbst das Parlament in seiner Gesamtheit, Gefangene sdieser Mächte sind. Sie wehren sich— ohne Erfolg. Will das deutsche Volk denn hieraus noch nichts lernen? F. V. A. unruhige Von Abdul Rauf Malik. Obwohl nachstehender Aufsatz reichlich verspätet eingegangen ist, bringen wir ihn dennoch zum Abdruck, zumal er uns in seinem grundsätzlichen Teil trotz der inzwischen erfolgten Ereignisse auch heute noch mancherlei zu sagen hat. Der Verfasser ist ein Inder, den man wohl dem gemäßigten Flügel der indischen Nationalisten zurechnen darf. Die Schriftleitung. Mit der Schließung der Round Table Conference in London und mit der Abreise der Indischen Delegation nach Indien sino alle Augen jetzt auf die Haltung deIndischen Nationalkongresses und vor allem auf und Jawaharlal Nehru gerichtet. Irgendeine Verfassung die man im Londoner St. James Palace zustandegebracht hat, kann nicht ohne die Mitarbeit des Indischen Natig, nalkongresses in die Praxis umgesetzt werden. Mit an, deren Worten— die Frage des Friedens und des Kriegehängt in der Zukunft, wie bisher, von der Entscheidung Gandhis und des Nationalkongresses in dem noch immer sehr unruhigen Indien ab.— Um die Argumente der kommenden Konferenz in Indien, die aller Wahrschein. lichkeit nach eine Fortsetzung der Londoner Konferen; sein wird, zu verstehen, ist es wichtig, die Stellung des Indischen Kongresses zu den wichtigsten Punkten, die die Londoner Konferenz bisher behandelt und entschieden hat, im Auge zu behalten. Die wichtigsten Probleme der indischen Zukunft, die die Londoner Konferenz bis jetzt in Angriff genommen hat, sind die Errichtung einer Föderation indischer Provinzen und Fürstenstaaten, die Art der politischen Vertretung von Mohammedanern und Hindus, die Abtren, nung Birmas von Indien und der Charakter der Provinzialselbstregierungen. Wir wollen diese wichtigen Probleme kurz nacheinander behandeln. Die indische Föderation. Indien ist bis jetzt zentralistisch regiert worden. Die Oberhoheit der Indischen Regierung wird in den britischindischen Provinzen als verfassungsmäßig anerkannt. und auch die sonst autonomen indischen Staaten haben sich in sie ergeben. Diese Regierungsform soll nun durch eine föderative ersetzt werden. Die bis jetzt untergeordneten Provinzen sollen in selbständige Staaten verwandelt werden, die sich zu einem Staatenbund zusammenschließen und aus sich heraus eine besondere indische Zentralregierung wählen. Die Gründe, die die einzelnen Gruppen veranlassen, diesen Plan zu unterstützen, sowie das, was sie sich un ter seiner Verwirklichung vorstellen, sind recht verschieden. Die Mohammedaner hoffen, in Britisch=Indien fünf rein mohammedanische Staaten zu schaffen. Sie haben also die Idee indischer, auf nationaler Grundlage errich teter. Staaten aufgegeben und versuchen vielmehr, ein Gegengewicht zu den Staaten mit Hindu=Majorität zu erzeugen und damit zugleich die Rechte der Mohammedanei in diesen Staaten zu sichern, ein Bestreben, in dem sie von den Engländern offen unterstützt werden. Die indischen Fürsten wiederum beanspruchen für ihre Staaten volle Autonomie nach innen und Freiheit von äußerer Kontrolle, werde sie nun durch die britische Regierung ausgeübt oder gar durch eine Dominion=Regierung Indiens. Diese Forderungen erscheinen in einem besonderen Lichte, wenn man bedenkt, daß es etwa 700 solcher Fürstenstaaten in Indien gibt, von denen kaum eine Handvoll so groß ist wie Frankreich, England oder Deutschland— sowohl an Umfang wie an Bevölkerungszahl—, während die Masse nicht über den Umfang des vatikanischen Staates hinauskommt. Von wenigen Fürstenstaaten abgesehen, ist das Regiment, das in den meisten geübt wird, fast mittelalterlich in Form und Strenge. Dazu kommt, daß bei der Kleinheit dieser Gebilde die natürlichen Voraussetzungen für eine fruchtbare Regierungsweise fehlen. Dabei umfassen sie 70 Millionen Menschen. Diese müssen es mit ansehen, daß ihre Volksgenossen in Britisch=Indien sich über viel weniger Mißwirtschaft zu beklagen haben und bereits zu verantwortungsvoller Selbstregierung voranschreiten. Es ist darum kein Wunder, daß sie eine Reform ihrer Staaten sehnlichst erstreben und offen propagieren. Sie wissen aber, daß, solange die oberste Gewalt in den Händen der britisch= indischen Regierung liegt, die sich ja besonders auf die indischen Fürsten stützt und darum nur im Falle ganz besonderer Mißwirtschaft eingreift, nichts für eine entscheidende Besserung zu erhoffen ist. Darum glauben sie, daß nur der Dominion=Status grobe Mißbräuche unmöglich der Akademikerdünkel. Ich werde es nie vergessen, was ich in dieser Beziehung erlebt habe: ich kam als jungey Pfarrer in eine kleine Gemeinde der Provinz K. Außer dem Pfarrer war der Arzt der einzige Akademiker im Orte; denn der im Städtchen amtierende Kreisschulinspektor war zwar ein feiner, hochbegabter und auf allen Gebieten des Wissens überaus beschlagener Mann, aber er war nur seminaristisch gebildet. Ich hatte schon nach kurzer Zeit einen regen und anregenden Verkehr mit ihm. Als einem Menschen, der selbst aus den schlichtesten Volkskreisen hervorgegangen ist, kam mir auch nicht im entferntesten der Gedanke, es könnte eine Art „Standesehre“ geben, die gegen einen derartigen Verkehr sei. Aber der gute Medikus ließ es mich durch Mittelspersonen wissen, daß ich eigentlich etwas unmögliches tue.— Nun, er blieb nicht unbelehrbar und gab seinen Standpunkt— wahrhaftig nicht zu seinem Schaden— auf.— Doch der Fall ist charakteristisch. Und er redet Bände über die Verbildung und Unbildung unserer „Bildung", wie sie gewesen ist. Wahre Bildung muß und wird immer den Blick für das tiefe Allgemein=Menschliche wecken und den Wert des Menschen darin sehen. Wahre Bildung muß uns zum Menschen hinführen, statt uns von ihm zu entfernen und zu isolieren. Wie wenig kennen unsere sogenannten Gebildeten unser Volk!— Wie wenig lieben sie darum auch den Mann im schlichten Arbeitskitte!! Doch wer unser Volk kennen lernt, der lernt es lieben und lernt es achten. Wieviel tiefe, feine Menschlichkeit lebt in den breiten Schichten unseres Volkes. Ich habe immer aufs neue einen tiefen Eindruck davon bekommen, wenn ich im Abteil vierter Klasse reiste. Diese Hilfsbereitschaft, dieses selbstverständliche Eintreten für den andern, diese herzliche Teilnahme am Ergehen des andern— wo wäre sie in den höheren Klassen zu finden gewesen!— Wieviel kann der Gebildete im freundschaftlichen Verkehr mit dem einsachen Arbeiter lernen! Ich habe mit einzelnen Menschen mit schlichter Volksschulbildung zudem viel besser und gründlicher über pädagogische oder weltanschauliche Fragen sprechen können als mit manch einem Vertreter der akademischen Bildung.— Wenn es wahr ist, daß in der nationalsozialistischen Partei vielfach ein wirkliches tiefes Verhältnis zwischen Vertretern der„Bildung“ und schlichten Arbeitern zustande kommt, dann leistet diese Partei allein schon dadurch etwas Großes! Aber abgesehen von allem Parteileben und Parteistreben— es ist Zeit, daß die sogenannten Intellektuellen eine alte große Schuld fühnen und sich von allen Bildungsvorurteilen frei machen. Wenn der Nationalsozialist auf Grund völkischen Erlebens den Weg zum Bruder findet, wievielmehr sollte es der gebildete Christ auf Grund seines Glaubenserlebens. Es kann gar nicht anders sein: wo wirklicher, lebendiger Glaube ist, da weiß sich, erlebt sich der Mensch, wo er in der sozialen Schichtung auch stehen mag, in der Solldarität der Sünde und Gnade als eins auch mit dem geringsten Bruder.— Es ist ein vernichtendes Urteil über die Christlichkeit unseres Christentums, daß es in einem christlichen Volk zur Isolierung einer Oberschicht kom men konnte. Wo das Evangelium wirklich zur Geltung kommt, da überbrückt es Gegensätze; da schafft es Einheit, nicht äußerliche, uniformierte Einheit, aber innert Einheit.So ist es in der ersten Gemeinde gewesen.„Hier! kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freiet hier ist kein Mann noch Weib; denn ihr seid allzumg Einer in Christo Jesu.“(Gal. 3, 28).— So ist es zu allen Zeiten überall da, wo der Glaube und das Christentum nicht in Worten steht, sondern in der Kraft des heillge“ Geistes.— Die tiefe Kluft, die durch unser Volk gehl,“ würde schwinden, ganz von selbst schwinden, wenn os: ein wahrhaft christliches Volk würden. Ihr„Intellektue“ len“, ihr„Gebildeten“, laßt euch heilen von allem Duli machen und den konstitutionellen Fortschritt fördern wird. Die indischen Fürsten lehnen zwar den DominionStatus nicht ab, wohl aber widerstreben sie einer rein indischen Obergewalt. Sie ziehen es vor, obwohl sie einen Eingriff der gegenwärtigen britischen Regierung in ihre Angelegenheiten und Rechte ablehnen, deren Oberhoheit anzuerkennen, und begnügen sich, ihre alten Forderungen gegenüber Groß-Britannien zu unterstreichen. Ein Wechsel der indischen Regierung wäre ihnen höchst unlieb. Die Engländer spielen mithin den indischen Fürsten gegenüber keine schmeichelhafte Rolle. Für den indischen nationalen Kongreß ist es sehr wichtig, sich die reale Bedeutung einer von England ins Werk gesetzten Föderation klar zu machen. Diese besteht darin, daß Indien in mohammedanische, hinduistische und Fürstenstaaten aufgeteilt und die Autonomie letzterer noch mehr im schon beschriebenen Sinne gefestigt wird. indus und Mohammedaner. Weniger noch als die an der Round Table Conference beteiligten Hindus sind die für London delegierten Mohammedaner die wahren Vertreter des islamischen Indien. Sie gehören zwar zur äußersten Rechten der indischen Mohammedaner, wissen aber nach einem Ausspruch von Maulana Mohammed Ali, der selbst ein Delegierter war, nicht, wen sie eigentlich repräsentieren. Im Gegensatz zu ihnen sind die Hinduvertreter äußerst liberal. Kaum einige von ihnen sind Mitglieder des Hindu Maha Sabha, einer Organisation, die die extremste Rechte der Hindus vertritt. Man muß eben bedenken, daß die Mitglieder der Rdund Table Conference, die eine Vertretung des indischen Volkes darstellen sollen, keineswegs von diesem gewählt, sondern von dem britischen Vicekönig Indiens ernannt worden sind. Die Anhänger des indischen Nationalen Kongresses, also der Partei, die die politische Haltung Indiens zweifellos am besten widerspiegelt, war in London überhaupt nicht vertreten. Es fehlten damit in London die eigentlich nationalen Kreise der Hindus und Mohammedaner. Darum könnte auch zwischen diesen beiden Gruppen in London kaum eine Verständigung zustandekommen, es sei denn daß das Minoritäten=Unterkomitee der Konferenz festsetzen sollte, daß die politische Vertretung der Hindus und Mohammedaner sich einfach nach ihrem natürlichen Zahlenverhältnis richten soll,— ein Prinzip, das abgelehnt werden müßte, weil es die Gegensätze zwischen den beiden Parteien verewigen würde, die die nationale Bewegung gerade beseitigen möchte. Der Mißerfolg der Minto=Morley=Reformen von 1909 bestätigt die Unbrauchbarkeit des Prinzips vollauf. Und dies so sehr, daß Sir Mohammed Jabal, der indische Dichter der panislamischen Bewegung, erst kürzlich in Allahabad sagte:„Die Verfassung auf die Vorstellung von einem homogenen Indien gründen oder auf Indien die Prinzipien anwenden, die von dem demokratischen britischen Gefühl diktiert sind, heißt Indien unwissentlich für den Bürgerkrieg reif machen.“ Wenn er jedoch die Hoffnung auf das Zustandekommen eines großen mohammedanischen, eventuell sogar unabhängigen Indien im Norden und Nordwesten des indischen Kontinents ausspricht, so gilt es darauf hinzuweisen, daß das Ideal eines panislamischen Reiches seit dem Zusammenbruch des Ottomanischen Reiches zum Tode verurteilt ist. Vor allem aber kämpft der große Teil der indischen Mohammedaner jetzt zusammen mit dem indischen Nationalen Kongreß für die Selbstregierung(Swaraj) einer einigen indischen Nation. Schluß folgt. erwättel=Beumergal. Besuchsaustausch auch der Kriegsflotten?— Italiens Kurs nach dem Flottenabkommen. — Rom, 9. März. Der Vertreter einer französischen Zeitung will aus italienischen Marinekreisen erfahren haben, daß demnächst die Kriegsflotten Frankreichs und Italiens in Spezia und Toulon Besuche austauschen werden. Nach diesen Flottenbesuchen, mit denen die Einigung in der Frage der Begrenzung der Seerüstungen besiegelt werde, würde auch der französische Staatspräsident Doumergue Rom einen Besuch abstatten, während König Victor Emanuel im Auschluß daran sich nach Paris begeben werde. Ueber den Kurs, den Italien künftig zu steuern gedenkt, äußert sich ein Artikel des„Popolo'Italia“ dahin, die ktalienische Außenpolitik sei nach wie vor von dem Grundsatz der Wiederherstellung des europäischen Gleichgewichts und dem des Ausgleichs beherrscht. Die Aufgabe Italiens bleibe auch in der heutigen Phase der Entspannung der Beziehungen zu Frankreich noch groß und bedeutend in Bezug auf die Befriedung der Völker und die endgültige Liquidierung der heikelsten Probleme, die seit zehn Jahren auf dem europäischen Kontinent das Gefühl des Mißbehagens und der Unruhe aufkommen ließen. Die Flottenverständigung dränge Italien nicht in das Lager der unbekehrbaren Verteidiger der heutigen enropäischen Ordnung. Das Blatt glaubt, daß die Sache der Revision und der Nachprüfung und Korrektur der jetzt durch die Friedensverträge in Europa geschaffenen Verhältnisse aus der jetzigen Entwicklung„eher Vorteile ziehen könne". Die Möglichkeit, daß Italien Frankreich für die Flottenverständigung anderweitige Konzessionen gemacht habe, schließt„Popolo'Italia“ aus. * „Die nächste Notwendigkeit.“ — London, 9. März. Unter der Ueberschrift:„Die nächste Notwendigkeit“ schreibt die englische Zeitschrift„Weekend Review“. zu dem neuen Flottenabkommen: Eine Warnung ist notwendig. Das Flottenabkommen von Rom hat keineswegs einen Erfolg der Abrüstungskonferenz vorweggenommen. Wenn das Mittelmeerabkommen nicht von einer energischen französisch=deutschen Diplomatenarbeit aufgewogen wird, wird es möglicherweise mehr Schaden als Nutzen bringen. Deutschland hat die Verhandlungen mit einem gewissen Argwohn verfolgt. Es befürchtet, daß Großbritannien sich bereit erklärt hat, die Franzosen auf der Abrüstungskonferenz zu unterstützen. Noch begründeter ist seine Befürchtung, daß Italien aus dem Lager der Vertragsrevisionisten weggelockt werde, wenn das Flottenabkommen durch französische Zugeständnisse in Tunis und Lybien ergänzt wird. Angesichts dieser Enttäuschung hat man den sehr ernsthaften Vorschlag gemacht, daß recht bald deutsch=französische Verhandlungen nach dem Vorbild der soeben zwischen Rom und Paris abgeschlossenen stattfinden sollen. Werde nicht auch die deutsch=französische Kluft überbrückt, schließt der Artikel dann, scheine es unvermeidlich, daß Deutschland den Völkerbund verlassen und versuchen werde, wieder aufzurüsten. Die britische Regierung müsse deshalb hier ebenso wie bei Frankreich und Italien ihre guten Dienste anbieten. Sowjetrussisch=türkisches Abkommen über den Bau von Kriegsschiffen im Schwarzen Meer. — Moskau(über Kowno), 8. März. Nach einer Mitteilung russischer amtlicher Kreise wurde am Sonnabend in Ankara vom sowjetrussischen Botschafter ein Abkommen mit der türkischen Regierung unterzeichnet, in dem sich die beiden Länder verpflichten, sich über den Bau von Kriegsschiffen im Schwarzen Meer zu verständigen. Das Abkommen soll am Montag veröffentlicht werden. Frauenprotest gegen Schuldlüge. Tagung des Untersuchungsausschusses für die Kriegsschuldfragen. — Berlin, 9. März. Der Untersuchungsausschuß des Reichstags für die Kriegsschuldfragen hielt unter Vorsitz des Abgeordneten Dr. Bell eine Sitzung ab, in der beschlossen wurde, das Material zu der Frage der Friedensmöglichkeiten wahrend des Krieges, soweit der vertrauliche Charakter der Verhandlungen und Akten es zuläßt, in Bälde zu veröffentlichen. Die Beratung des vom Generalsekretär des Ausschusses, Dr. Eugen Fischer, erstatkeren zusammenfassenden Berichts über die Vorgeschichte des Weltkrieges wird nach der Österpause fortgesetzt. Oeffentliche Vernehmungen sind nicht sichtigt. Man rechnet mit einem baldigen Abschluß Arbeiten. Die in dem Deutschen Frauenausschuß zur Besampfung der Schuldlüge zusammengefaßten deutschen Grauen veröffentlichen unter Bezugnahme auf die bekannte Rede des französischen Kriegsministers Maginot eine Protesterklärung gegen die Wiederholung der Behauptung von Deutschlands Schuld am Kriege durch verantwortliche Minister Frankreichs. Erdbeben auf dem Balkan. Wie aus Belgrad gemeldet wird, richtete nach Mitternacht in Nordgriechenland und Südserbien ein heftiges Erdbeben großen Schaden an. Das Beben dauerte 30 Sekunden und war von starkem unterirdischen Rollen begleitet. Bedeutender Schaden wird aus dem Gebiet von Walandowo, Strumiza, Gjewajeli und Bogdanzi gemeldet. * Katastrophale Auswirkungen des Bebens. — Athen, 8. März. Der Herd des Erdbebens, das in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag den Balkan heimgesucht hat, liegt in der gleichen Gegend, die schon am Freitag vom Erdbeben betroffen wurde. Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat das letzte Beben katastrophale Folgen gehabt. Die Eisenbahn= und Telephonverbindungen sind völlig unterbrochen. * — Belgrad, 8. März. Nach den Aufzeichnungen der hiesigen Erdbebenwarte liegt der Herd des Erdbebens in der Nacht zum Sonntag in einer Entfernung von 530 Kilometern füdlich von Belgrad. Die Erschütterung war so stark, daß die Nadeln von sämtlichen Apparaten abgebrochen wwlrSen. Bisher 150 Tote. — Budapest. Wie aus Belgrad berichtet wird, hat das Erdbebenunglück in Südserbien nach den letzten Meldungen bisher 150 Todesopfer gefordert. Außerdem wurden 700 Verletzte gezählt. Etwa 1 500 Häuser sollen zerstört worden sein. In ganz Südserbien sind die Flüsse über die Ufer getreten. — Auf der Grube Maria des Eschweiler Bergwerksvereins ereignete sich beim Ausbau ein Sprengunglück. Zwei Arbeiter wurden getötet, fünf weitere schwer verletzt. 10 Jahre Studentenwerk. Eine Ansprache des Reichskanzlers. Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Deutschen Studentenwerks e. V. fand im Reichstag eine stark besuchte Kundgebung statt, die ihr besonderes Gepräge durch eine Ansprache des Reichskanzlers Dr. Brüning erhielt. Der Kanzler übermittelte dem Studentenwerk zunächst eine Kundgebung des Reichspräsidenten, in der die erfolgreiche Arbeit des Studentenwerks anerkennend gewürdigt wird: „Das Deutsche Studentenwerk hat durch kameradschaftlichen Gemeinschaftsdienst und tatkräftige Selbsthilfe die schwere Notlage, die auch unsere akademische Jugend hart bedrückt, gelindert und so vielen Studierenden den Weg durch das Studium erleichtert. Möge auch in den kommenden Jahren dieses Werk über dem Streit der Parteien stehen und, von allen einträchtig gefördert, seine Aufgabe an der deutschen akademischen Jugend ersüllen.“ Der Reichskanzler schloß sich namens der Reichsregierung den Glückwünschen des Reichspräsidenten an. Gern denke er an die Zeit vor elf Jahren zurück, als er selbst noch in dem Kreise stand, der das studentische Selbsthilfewerk vorbereitete und schuf. So ist aus kleinen Anfängen in zehn Jahren ein großes Werk gewachsen. Es erstand aus der Not der ersten Nachkriegszeit. Heute ist eine neue Not wie eine Sturmflut über Deutschland hereingebrochen. Die Weltkrise trifft das geschwächte und vorbelastete Deutschland allein mit ihrer ganzen Schwere. Die Folge ist die Ueberfüllung aller Berufe. Arbeitslosigkeit ist immer ein ernstes und schweres Los. Ganz besonders verhängnisvoll ist sie aber für die Jugend, die voll von Tatendrang überall auf verschlossene Türen stößt. So steht das Studentenwerk heute vor der doppelt schweren Aufgabe, die Not zu lindern und planmäßige Begabtenförderung zu treiben, anderseits aber gegen die Ueberfüllung und für eine vernünftige Begrenzung des Hochschulstudiums zu kämpfen. Unter den Möglichkeiten der Hilfe für die Jugend steht in erster Linie der Kampf gegen das Berechtigungsnnwesen. Es ist ein Unding und der Auswuchs einer ungesunden Ueberschätzung des intellektuellen Wissens, wenn für immer neue Berufe höhere oder gar Hochschulbildung verlangt wird. Ich richte hier mit größtem Nachdruck an alle amtlichen Stellen und an die Führer des Wirtschaftslebens den stärksten Appell, die jungen Meuschen auch ohne Berechtigungsscheine nach ihren charakterlichen und praktischen Fähigkeiten in das tätige Leben einzuführen und ihnen durch ihre Bewährung Aufstiegsmöglichkeiten zu geben. An die Stelle der Vorbildungsersordernisse müssen Fortbildungsmöglichkeiten treten. Leider besteht in der ganzen Welt wenig Verständnis dafür, was es für eine Nation bedeutet, wenn sie sich für zwei Menschenalter mit schweren Kriegstributen belastet fühlt, wenn deutsches Land vom lebendigen Körper des Reiches getrennt, deutsches Volkstum mißhandelt und unterdrückt wird. Heroische Anforderungen müssen an die sittliche Kraft einer heranwachsenden Generation gestellt werden, wenn sie gegenüber solchen Tatsachen und Enttäuschungen nicht der Hoffnungslosigteit verfallen soll, wenn sie Verständuis aufbringen soll für eine Politik, die nur schrittweise die Ersüllung unserer gerechten Forderungen bringen kann. Die schwere Arbeit der Reichsregierung wird im stillen von der Sorge und von dem tiefsten Mitgefühl für dieses Leid unserer heutigen Jugend beeinflußt. Die Reichsregierung hat das Studentenwerk nicht nur immer unterstützt, um ein Mindestmaß sozialpolitischer Fürsorge für die Jugend zu leisten. Die Jugend soll die Ueberzeugung haben, daß ihre Not auch als Not des Reiches und des Volkes empfunden wird. Das Studentenwerk bewahrt und verwaltet ein Erbe, das die Kriegsteilnehmergeneration schuf. Die Kriegsteilnehmer brachten das Erlebnis mit, daß es keine Stände gibt, und die besten Führer der damaligen studentischen Generation waren von dem Glauben durchdrungen, daß dieses Frouterlebnis der Gemeinschaft für alle Zukunft als Grundstock der neuen Einheit Deutschlands erhalten bleiben müsse. Das Werk hat diese Tradition bewahrt. Der Geist der Gründer gibt ein Vorbild für unsere zerspaltene Zeit. Halten Sie fest an diesem unersetzlichen Gut, um so die sittliche Grundlage für einen sicheren Aufstieg unseres Vaterlandes zu schaffen. Kleinarbeit im Reichstag. Unterbrechung der Pleuarverhandlungen bis Donnerstag. — Berlin, 8. März. Der Reichstag genehmigte in kurzer Debatte nunmehr auch sein eigenes Etatskapitel in zweiter Lesung und überwies dabei einen Antrag des Staatsparteilers Dr. Weber, der eine Klarstellung der Art und des Umfangs der wirtschaftlichen Tätigkeit der Abgeordneten erreichen will, dem Ausschuß zur Weiterberatung. Ferner beantragte Abg. Weber, von den Diäten in der sitzungsfreien Zeit je 20 Mark abzuziehen und die so gewonnenen Summen dem während dieser Zeit stellungslos werdenden Personal zu opfern. Ein zweiter Diäten=Antrag lag vom Abg. Döbrich(Landvolk) vor. Der Antrag fordert eine weitere allgemeine Kürzung der Diäten um 10 Prozent. Darüber hinaus sollen die Diäten der Beamten=Abgeordneten nochmals um 10 und die der in Berlin ansässigen Abgeordneten um 20 Prozent gekürzt werden. Zum Schluß verabschiedete der Reichstag noch das Zusatzabkommen zum deutsch=französischen Handelsvertrag. Der Notenwechsel zum deutsch=rumänischen Abkommen und das Genfer Handelsabkommen wurden dem Handelspolitischen Ausschuß überwiesen. Das Gesetz über die Entschädigung der gewerbemäßigen Stellenvermittler wurde bis auf die Abstimmungen in weiter Lesung erledigt. Der Sozialpolitische Ausschuß hat die Regierungsvorlage vollständig umgestaltet und im Sinne volksparteilicher Anträge bestimmt, daß die Stellenvermittler für Haus= und Gastwirtspersonal die Wahl haben, ob sie den Betrieb bis zum Lebensende des Inhabers fortführen oder den Betrieb gegen Entschädigung aufgeben wollen. Die ersten drei Tage der neuen Woche sind sitzungsfrei; in dieser Zeit soll der Haushaltsausschuß den Wehretat beraten. Auf der Tagesordnung der Donnerstag=Sitzung steht die zweite Lesung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums. * Umarbeitung der Osthilfe? Der Reichsrat, der sich bereits am Sonnabend vergangener Woche mit dem Osthilfegesetz beschäftigen sollte, wird nunmehr erst im Verlaufe des Montags zu dem Gesetzentwurf Stellung nehmen. Wie verlautet, ist der Entwurf in der Ausschußberatung mehrfach abgeändert worden, so daß nun eine Umarbeitung erforderlich sei. in Die deutsche Fraktion verzichtet auf weitere Teilnahme an der Etatsberatung. — Warschau, 9. März. Der Führer der deutschen Senatoren des polnischen Senats, Senator Pant, protestierte gegen den ungenügenden Schutz, den die deutschen Parlamentarier gegen die lächerlichen Unterstellungen des regierungsparteilichen Senators Everth gefunden haben und gab danach den Verzicht der deutschen Mitglieder auf die weitere Teilnahme an der Haushaltsberatung bekannt. Senator Everth hatte am Vortage gegen seinen deutschen Vorredner Utta den Vorwurf erhoben, seine Rede— die an die Adresse der polnischen Regierung gerichtet war, ihr Gewissen wachrütteln und sie zur Beseitigung bestehender Mißstände veranlassen sollte — sei„für Berlin bestimmt gewesen“. Mit dem Verzicht der deutschen Fraktion auf die Mitarbeit an der Verabschiedung des Haushaltsgesetzes sind die deutschen Anklagen verschärft worden. Wie sehr aber auch schärfste Abwehrmaßnahmen notwendig sind, wenn die deutschen Gebiete Polens ihren nationalen Charakter bewahren wollen, zeigten die Ausführungen Uttas, die Everty zu seinen Ausfällen veranlaßt haben. Danach sind von den 574 deutschen Schulen, die es 1919 in Kongreßpolen gab, nur 98 und von den 557 deutschen Schulen in Posen und Pommerellen nur 230 übrig geblieben. 66 Prozent der deutschen Schuljugend in Posen— in Kongreßpolen sind es sogar 80 Prozent— müssen heute polnische Schulen besuchen. Geht der indische Freiheitskampf weiter? Gandhi droht mit seinem Rücktritt. — London, 9. März. In einer öffentlichen Versammlung erklärte Gandhi, daß er alles tun werde, um den Kongreß zur Annahme des Abkommens zu veranlassen. Sollte ein Mißtrauensantrag gegen ihn angenommen werden, so könnten diejenigen, die dafür stimmten, den Kongreß allein weiter führen. Verkehrsflugzeug nach Landung verbrannt Die Insassen unversehrt. Das dreimotorige Verkehrsflugzeug D 1338 der Strecke Amsterdam—Hannover, Typ RohrbachRoland, mußte zwischen Oldenzal und Almelo, etwa 10 Kilometer von der Grenze entfernt, auf holländischem Gebiet eine Landung vornehmen, da der Flugzeugführer eine Beschädigung des rechten Motors wahrnahm. Die Landung auf einer Wiese ging glatt vonstatten. Während das Flugzeug selbst später durch Brand zerstört wurde, blieben Fahrgäste und Besatzung völlig unversehrt. ** Flugzeuge in Schottland verunglückt.— Zwei Tote. Zwei Flugzeuge der Hilfsluftstreitkräfte stießen in der Luft zusammen und stürzten ab. Beide Piloten wurden getötet. Die Beobachter retteten sich durch Fallschirmabsprung und blieben unverletzt. — Die deutsche Industriellendelegation hat sich von Moskau nach Leningrad begeben; sie wird heute die Heimreise nach Deutschland antreten. Schiffsunglück auf der Donau. Nächtlicher Dampferzusammenstoß.— Zahlreiche Tote. — Belgrad, 8. März. Bei undurchdringlichem Dunkel und heftigem Sturm hat sich auf der Donau zwischen Belgrad und Pancsova ein schweres Dampferunglück ereignet. Der Personendampfer„Franchet’Espery“ der südslawischen staatlichen Schiffahrtsgesellschaft wurde nahe der Insel Ada bei Pancsova von dem aus der entgegengesetzten Richtung kommenden Dampfer„Zagreb“ gerammt. Sein Salon füllte sich sofort mit Wasser, und alle darin befindlichen Fahrgäste ertranken. Der Dampfer„Zagreb“ nahm dann den leck gewordenen„Franchet’Espery“. ins Schlepptau und brachte ihn zur Insel Ada, wo die Ueberlebenden an Land gingen. Man nimmt an, daß neun bis sechzehn Personen das Leben eingebüßt haben. Unter den Toten befinden sich drei Sträflinge, die von mehreren Gendarmen bewacht wurden. Auch die Gendarmen sollen ertrunken sein. Das Unglück ereignete sich in nächster Nähe der Donaubrücke. Der Kapitän des gesunkenen Dampfers soll Selbstmord verübt haben. Einladung zu einer Freizeit für Lehrerinnen aller Schulen Bethel bei Bielefeld vom 23. bis 28. Mai 193. Das Hauptthema ist:„Schulkind und Evangelium i. der Gegenwart“. Es wird nach folgenden Gesichtspunk, ten behandelt: 1. Die seelische Lage des Kindes, 2 Religionsunterricht. 3. Religiöse Beeinflussung im ühri. gen Unterricht und außerhalb des Unterrichts. 4. gelische Schule. Neben der Tageseinteilung, die dem aa, nannten Thema gilt, bietet das Programm auch noch wei. tere Anregung durch Teilnahme in den Pfingsttagen an den Gottesdiensten der Bethelgemeinde, durch Besichti, gungen, Spaziergänge, Bethelfilm, Familienabend in Diakonissenhaus. Kosten für den vollen Tag RM.—. Anmeldungen werden an Diakonisse Anna Heuser oder Schulrat 9. Schmidt, beide in Bethel bei Bielefeld, erbeten. Frühlingskuren in Bad Salzuflen. Das besonders wegen seiner Erfolge bei Herzieiden zur Berühmtheit gelangte Thermalbad Salzuflen am Teutoburger Walde hat mit seinen Frühjahrskuren begonnen. 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Versammlung der Konfirmierten: der Mädchen am Dienstag, den 10., der Knaben am Mittwoch, den 11 März, abends 8 Uhr bei Herrn Pastor Wilmanns, Saronweg 37. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel von Karl Josef Friedrich. 1. Bd. 50 Liebesgeschichten 2. Bd. Das blaue Herz (jeder Band geb. c.—) Hinter diesem Titel verbirgt sich ein trefflicher Inhalt. Kurze, packende Geschichten von rechter Mutterliebe, Freundesliebe, Kindesliebe sind es, die man in einem Zuge lesen möchte. Mit dieser Liebe erobert man die Welt. Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder durch den Verlag Ludwig Agelenk, Dresden A27 Die staatl. anerk. Jaushaltungssch. Eckardts. b. Bielefeld) haus der Westf. Diakonissenanstalt Sarepta bietet in ihrem Internat Töchtern christl. Fam. Ausbildung in allen Zweigen des Zaushalts. Gründl. hauswirtsch. Durchbildg. ermöglicht den Eintritt in praktische Bevufe. 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