— Bezugspreist Erscheint wöchentlich sechomal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 19 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Christlicbes Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Auser Ziel.“ = Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfeunig, Reklame 30 Pfg. Beilagen unter T5gje tausend 15 Mt. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 53. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bieleseld), Mittwoch, den 4. März 1931. 13. Jahrgang. Migghghhin Wahre Freunde nennt man solche, Die vom Bösen fern uns halten, Aber mit bedächt'gem Sinne Für des Freundes Vorteil walten; Das Geheimnis treu verbergen, Nur das Gute laut verkünden, Wenn es Zeit ist, gerne helfen, Und im Unglück nicht verschwinden. Höfer. Mneigzigeishsischiscgmi Um das 8. bezw. 9. Schuljahr. Es wird zur Zeit viel von der Einführung des., bezw., wo nur 7 Jahre Schulpflicht ist, des 8. Schuljahres geredet und geschrieben, als von einem Mittel, mit dem ein Teil der Arbeitslosigkeit gebannt werden könnte. Wenn man damit auch den Eltern, deren Kinder nach der Schulentlassung unterkämen, ein Jahr länger die Last des Unterhalts der Kinder auflädt, so würde doch ein großer Teil von Kräften, die nach der Schulentlassung von der Wirtschaft ausgenommen werden müßten, aber nicht ausgenommen werden können, zunächst untergebracht und von der Straße entfernt. Es würde auch vermieden, daß Aeltere entlassen und dafür diese billigeren Kräfte eingestellt werden. Es fragt sich nur, wie dieses 8. bezw. 9. Schuljahr sich sonst auswirkt, welche Ausgaben für Lehrkräfte und Einrichtungen dafür nötig sind. Bei der Schwerfälligkeit, mit der alle Ausgaben auf dem gesetzgeberischen Wege behandelt werden, bei dem umständlichen Ueberlegen und dem Auftürmen von Schwierigkeiten aus allen erdenklichen Gesichtspunkten heraus geht die Zeit vorbei und aus dem 9. Schuljahr wird nichts, statt daß es am 1. April da ist. Es müßte in einer Notzeit wie der heutigen möglich sein, eine 9. Klasse einfach in den bisherigen Räumen mit den jetzt vorhandenen Lehrkräften zu versorgen. Vor dem Kriege konnte ein Lehrer viel mehr Kinder in einer Klasse haben als heute; das war zu einer Zeit, in der wir uns noch Ausgaben leisten konnten, und uns nicht wie heute das Wasser an der Kehle stand. Der Lehrgang des 9. Schuljahres könnte in der Hauptsache Sport und Handarbeit sein. Wo die 9. Klasse keinesfalls von den vorhandenen Lehrkräften geführt werden kann, müßte die heute überall ins Ueberstiegene ausgebaute Fortbildungsschule ohne Vermehrung der Lehrkräfte und der Räume einspringen. Auch da lohnt sich ein Vergleich mit der Zeit vor dem Kriege, wo noch Abendschulen, in Kleinstädten und auf dem Lande Sonntagsschulden gab, die nebenamtlich versorgt wurden, und die nicht die Tagesarbeit störten, wie heute. Damals konnten wir uns die überstiegen kulturellen Ausgaben von heute leisten, eber wir sparten, weil wir etwas zu verlieren hatten. Wo das auch bei verschärften Maßnahmen nicht geht, könnte man die Schulentlassenen, bezw. die 9. Klasse, unter Leitung geeigneter Arbeitsloser zu Sport= und Arbeitsgruppen zusammenstellen. Leute, die das praktisch und gut können, und die froh sind, wenn sie etwas zu kun haben, gibt es genug, z. B. gute Vorturner aus Turnvereinen, leitende Angestellte, Meister, Verwalter, Kinvergärtnerinnen, Jugendpfleger und=pflegerinnen, Junglehrer, Schwestern, Vereinsleiter, stellenlose Akademiker Usw. Wenn die Leute auch nicht von einem wissenschaftlichen Collegium geprüft sind, geht es in Notzeiten doch, oft wahrscheinlich besser, als von solchen, denen ihre Fähigkeiten attestiert sind, denn hier handelt es sich um rein menschliche praktische Fähigkeiten. Diese arbeitslosen Gruppenführer brauchen nun allereings nicht gleich wieder„Tarif“ gehalt oder Entlohnung erhalten, sondern müssen die Tätigkeit gegen geringe Erhohung ihrer Unterstützung übernehmen. Es ist bestimmt moglich, mehr als genug geeignete Leute auf Auffordekung hin zu freiwilliger Meldung zu bekommen. beder denkende und charaktervolle Arbeitslose kann nur das eine Bestreben haben, um jeden Preis für das, was er bekommt, etwas leisten zu können, um nicht auf die Aüse anderer, die doch auch die Arbeitslosengelder zum größten Teil sind, angewiesen zu sein. Ob diese Arbeit der Schulentlassenen in ihrem wirtschaftlichen Erfolg sehr hoch einzuschätzen ist, ist dabei banz gleichgültig, der Wert einer Sammlung und Beschäftigung liegt darin, daß eine große Zahl junger Menschen oder an deren Stelle andere von der Straße verschwinden und nicht gezwungen werden, mit Faulenzen ihre Zeit zu verbringen und sich dadurch ans Faulenzen und Bummeln zu gewöhnen. Ueber sportliche Betätigung braucht nicht gesprochen zu werden, wie das zu machen ist, ist heute hinreichend bekannt. Welche Arbeiten die Jugendlichen machen sollen, ist je nach den Möglichkeiten zu überlegen. In jedem Ort gibt es Arbeiten, die liegen bleiben, weil sie nach den Tariflöhnen zu teuer sind. Da findet sich Betätigungsmöglichkeit genug, in Wäldern, Gärten, auf der Heide, auf Wegen, in städtischen Anlagen, bei Erdbewegungen, Anlage von Spielplätzen, Sandgruben, Planierungsarbeiten, in der Landwirtschaft usw. Für Mädchen durch Handarbeiten, Kochen, Garten= und Feldarbeiten, Nähkurse, auch Buchführungs=, Maschinenschreib= und Stenographiekurse. Dazu sind keine großen Ausgaben nötig, die Anschaffung von Hacken, Schauseln, Karren, Beilen oder ähnlichen Werkzeugen spielt gegenüber manchen weniger wichtigen Ausgaben wirklich eine untergeordnete Rolle. Grundsatz ist dabei: nicht die Arbeitsleistung ist die Hauptsache, sondern die Arbeit überhaupt und die Unterbringung in geordnete Tätigkeit, die Erfüllung einer Pflicht. Der Grundgedanke muß der Jugend wieder eingehämmert werden, daß jeder für sich selbst in erster Linie verantwortlich ist und für diese Verantwortung erzogen werden muß, daß ohne Gegenleistung nichts verlangt, nicht einmal etwas angenommen werden sollte. Jeder muß zunächst sehen, sich selbst zu ernähren, mit welcher Arbeit und mit welchem Verdienst, ist völlig Nebensache, Hauptsache ist, daß er es tut. Der Staat muß dieses Bestreben unterstützen, indem er trachtet, jede Leistung und Unterstützung ohne entsprechende mögliche Gegenleistung abzulehnen, er muß aber auch das Recht auf Leistung, auf Arbeit für den Einzelnen anerkennen und Gelegenheit dazu schaffen. Ein Gedanke ist bei allen Besprechungen über das 9. Schuljahr nicht einmal berührt worden, nämlich der, warum man nicht mit 7 oder 8 Jahren in der Schule anfängt, statt mit 6 oder sogar noch darunter. Damit würde freilich jetzt nicht sofort gedient sein, aber es würde vorgebeugt werden, und kleine Kinder sind für die Eltern leichter zu Hause zu haben als größere. Es ist doch ein Unsinn, den bei ruhiger Ueberlegung kein Mensch ableugnen kann, manchmal sogar eine Grausamkeit, daß die kleinen Dinger von sechs Jahren in die Schule getrieben werden, während sie noch völlig verspielt sind. Sie würden ein oder zwei Jahre später alles viel besser und schneller begreifen. Diese Quälerei und Abkürzung der schönsten Jugendjahre ist doch ein Unding, das absolut zu vermeiden wäre. Man sehe sich auch die Buben und Mädels an, die, meist bleich und schwächlich wie sie sind, vollgepfropft werden mit Dingen, die oft Erwachsene nicht können und auch nicht brauchen, und die dauernd, besonders in den höheren Schulen, in Aufregung und Angst gehalten werden mit Diktaten, Schularbeiten, Niederschriften, Probearbeiten und wie die netten Henkersgriffe alle heißen. Wozu denn das? Wozu denn den Kindern die Freude am Lernen und an der Schule mit diesen unnötigen und übertriebenen Leistungsproben ehrgeiziger Lehrer und Lehrerinnen vergällen! Wozu diese Eile, wenn man hinterher sowieso nicht weiß, was man mit den Schulentlassenen anfangen soll. Lassen wir doch die Kinder bis zu ihrem vollendeten 7. Jahr im Hause. Daß viele Mütter froh sind, wenn sie ihre Plagen los sind, das kann das erste Schuljahr mit und unter 6 Jahren nicht rechtfertigen. Es kommt dabei weniger auf die Mütter als auf die Kinder an. Wenn man aber diesen Einwurf in der Hauptsache gelten lassen will, dann sorge man doch, daß er entkräftet wird durch entsprechende Einrichtungen, die nicht viel kosten und doch ihren Zweck erfüllen. Die Städte geben Millionen aus für Strandbäder, Arenas, Sportplätze usw. Oft sind es nur kleine Gruppen, die darauf wirklich Sport treiben, die anderen schauen zu. Statt dieser großen kostspieligen Einrichtungen müßte in jeder größeren Straße ein freier Platz sein, auf dem die Kinder sich tummeln können, damit sie von den Haustreppen und von den gefährlichen Straßen fortkommen. Beaussichtigt werden könnten die Kinder, wenn es nicht anders geht, wieder durch Arbeitslose, die für ihre Unterstützung, die sie beziehen, soweit sie zu solchem Dienst geeignet sind, die Aufsicht übernehmen. Es ist alles zu machen, meist ohne große Vorbereitung und Einrichtung, wenn nur der Wille da ist und allerdings auch die Einsicht und— die Macht. Hier wären Notverordnungen am Platze. Fried Engel. Lichte des Auslandes. Zeitungsnachrichten zufolge soll in einer Reichsratssitzung am 16. Oktober, in der auch ein eventuelles Pensionskürzungsgesetz zur Beratung stand, ein deutscher Oberbürgermeister gesagt haben:„Es geht nicht an, die hohen Pensionen zu kürzen und damit die Lebenshaltung der wertvollsten Volksschicht im Staat zu schmälern, die müssen von der Not der Zeit unberührt bleiben. Das Volk hat die Pflicht, ihnen die hergebrachten Lebensgewohnheiten zu sichern". Auch wenn man einmal annehmen will, daß diese Worte aus dem Zusammenhang gerissen, vielleicht in Wirklichkeit gar nicht so wirklichkeitsfremd zu verstehen waren, wie sie klingen, kann doch kein Zweifel bestehen, daß in gewissen„Oberschichten" des deutschen Volkes, zu denen neben den„wertvollsten Volksschichten", von denen das betreffende Reichsratsmitglied sprach, fraglos z. B. auch die deutschen Oberbürgermeister salbst gehören, eine nahezu erstaunliche Verständnislosigkeit für die grenzenlose Not der niederen Volksschichten und besonders der Arbeitermassen besteht. Deshalb klingt auch die besagte Aeußerung eines deutschen Oberbürgermeisters in Wahrheit gar nicht so unglaublich, wie das vielfach angenommen wird, sondern man kann sie zwanglos erklären aus einer Mentalität der— freilich zahlenmäßig sehr dünnen— Volkskreise, die infolge eigener hoher und höchster Bezüge und infolge eines eigenen, mehr als sorgenlosen Daseins das Denken in den Ziffern, die für den Arbeiter und Bürgersmann maßgebend sind, einfach verlernt haben, und denen das Wort„Not“, diese furchtbare Realität für Millionen von Volksgenossen, nichts anderes ist als ein der vielen Schlagworte aus dem Klassenkampf=Vokabularium der Arbeitermassen und des Proletariats. Aus dieser Verständnislosigkeit zahlreicher maßgeblicher Persönlichkeiten aus den„oberen" Volksschichten für die Not der anderen erklärt sich letzten Endes die Tatsache, die kürzlich ein moderner Schriftsteller mit den trefsenden Worten charakterisierte, Deutschland sei im Grunde„ein Volk von zwei Völkern“, die sich wie zwei völlig fremde Welten durch eine unüberbrückbare Kluft getrennt gegenüberständen.— Es ist fast beschämend, daß man noch immer in weitesten Kreisen des deutschen Volkes selbst an dieser Sachlage vorbeisehen und sie nicht erkennen will, während Stimmen aus dem Auslande erkennen lassen und beweisen, daß einsichtige Ausländer diesen Kernpunkt deutscher Not, die in all ihren Einzelheiten immer wieder auf die innere Zerrissenheit und Zerklüftung auf die Teilung des einen Volkes in deren zwei, in zwei Welten also— zurückzuführen ist, klar erkennen und zum Ausdruck bringen. Hochinteressant ist in dieser Beziehung der Artikel der französischen Zeitung „LaLumière“ von dem Journalisten Charles Reber, den wir der Monatsschrift der französischen religiösen Sozialisten„'Avantgarde“ entnehmen und aus dem wir folgenden Passus hier folgen lassen: „Heute habe ich die Beziehungen zu dem Nachkriegsdeutschland wieder ausgenommen. Ich habe die Vergnigungsviertel von Berlin wiedergesehen, die sich nicht verändert haben; ich bin durch die Geschäftsgegenden gegangen, und durch die Quartiere der Arbeiter. Ich habe mit Dutzenden von Menschen aus allen politischen Parteien, von den Kommunisten bis zu den Nationalsozialisten, mit Sozialdemokraten, Demokraten und Reaktionären gesprochen. Eine ganze Woche habe ich in der fieberhaften Hast eines Menschen gelebt, der zu sehen und zu verstehen sucht, und der nun, nachdem er alles verstanden hat, fühlt, wie die Angst ihn überwältigt. Die Wahrheit, die noch niemals geschadet hat, wo man sie auch anwandte, die ganze Wahrheit muß gesagt werden. Es ist wahr, daß eine entsetzliche Gefahr, wie Europa sie noch nicht gekannt hat, nicht allein Frankreich, sondern ganz Europa bedroht: Im Mittelpunkt des Erdteils kommt ein Volk vor Hunger um. Das ist die brutale Wahrheit und die Nationalismen, die in Europa wüten, tragen die Schuld daran.“ Der Verfasser gibt dann die genauen Zahlen über die Arbeitslosennot in Deutschland und über die unverhältnismäßig hohen Preise, um schließlich fortzufahren: „In den Straßen fühlt man die Scham, man streift das Elend: Kleider und Anzüge sind fadenscheinig bis dort hinaus, der Hut ist alt, und die Schuhe halten noch durch ein Wunder des Schicksals. In den Arbeitervierteln Kinder mit blassem Gesicht, Frauen, müde und abgemagert. Man hat mir 10 Fälle genannt, in denen Arbeitslose den Tag über im Bett bleiben, um nicht zu viel Hunger zu haben, die von schwarzem Brot und schwarzem Kaffee leben. Niemals, selbst in der Inflation nicht, hat man soviel Bettler in den Straßen gesehen..... Das Bild, das nirgends übertrieben ist, streift an Wahnsinn, denn dazu kommt nun: Im Westen Berlins, am Kurfürstendamm breitet sich ein schreiender Luxus aus, und die Läden strotzen von Lebensmitteln und französischen Früchten, wie man sie niemals in Frankreich findet. Und hier muß man den Schlüssel für die Lage suchen, in diesem Widerspruch, in diesem Dualismus: Deutschland kann die Jahresraten für den Youngplan bezahlen. Aber das Deutschland, das bezahlen kann, schafft, wie Minister Stegerwald sagt, sein Geld— 6 bis 7 Milliarden— nach der Schweiz: Es stiehlt und bezahlt nicht. Und das Deutschland, das tatsächlich bezahlt, ist am Ende seiner Kräfte. Der Verantwortliche an der ganzen Lage ist der Kapitalismus, das hapitalistische System.. Das ist unsere Lage im Lichte des Auslandes, und man kann wohl sagen, daß der französische Journalist die Zustände im deutschen Vaterlande mit klaren Augen gesehen und treffend geschildert hat. Der Wahrheit, die der Ausländer erkannte, muß auch in allen Schichten des deutschen Volkes— in beiden Welten desselben also— eine Bresche geschlagen werden, und es muß gründlich aufgeräumt werden mit den sattsam bekannten Redensarten, mit denen man im Unternehmertum und seitens der Parteigänger des Kapitalismus(nur des Kapitalismus?— Die Red.) die wahre Lage zu verschleiern sucht. Wenn es da immer wieder heißt, daß Deutschland durch Krieg und Inflation ein armes Land geworden sei, daß die Einbuße an Volksvermögen usw. Schuld sei an der Notlage des Volkes, so ist das nur sehr beschränkt richtig. Gewiß haben wir Verluste und Einbußen in gewaltigem Umfang erlitten, aber trotz alledem sind immer noch Volks=Vermögenswerte vorhanden, die an sich völlig ausreichen, unser Volk in allen seinen Schichten ausreichend zu ernähren und auch noch in beschränktem Maße an eine Abtragung der uns aufgezwungenen Lasten zu gehen. Dazu tut es aber vor allen Dingen not, eine gerechte Verteilung der vorhandenen Vermögenswerte vorzunehmen, und auf dieses unerbittliche„Muß“. weist der Bericht des französischen Journalisten mit voller Deutlichkeit hin, weil aus ihm ersichtlich, wie wenig die gegenwärtige Güterverteilung als eine auch nur annähernd gerechte anzusehen ist. Censor. Hilfe für arbeitslose Jugend! Ueberall in Deutschland der Ruf nach produktiver Erwerbslosen=Politik; Auswertung der Zeit, die die wirtschaftliche Notlage einzelnen und ganzen Volks= und Altersschichten unausgefüllt übergeben hat. Man braucht nicht jugend=psychologisch gebildet zu sein, man muß nur jung sein oder einmal wirklich jung gewesen sein, um beurteilen zu können, was Arbeitslosigkeit gerade in den Jahren um zwanzig bedeutet. Man will in diesem Alter etwas sein, will seinen Platz haben. Man muß die überschüssige Kraft loswerden und will die Welt gestalten, sie„ganz anders“ machen. Für den gesunden jungen Menschen ist Arbeit das notwendige Ventil. Man kann die Jugend heute arbeitsmarkt=politisch in zwei Gruppen teilen, in die 14= bis 17=Jährigen und 18 bis 21=Jährigen. Die Lage der 14= bis 17=Jährigen ist allgemein die günstigere. Diese Jugend ist billige Arbeitskraft, weil die Tarifsteigerung des Lohnes erst mit dem 18. Jahr beginnt. Zwei Drittel etwa sind mit mehrjährigem Lehrvertrag als Lehrlinge in Handwerk, Industrie und Handel tätig und damit vor der Gefahr des Arbeitsloswerdens einigermaßen geschützt. In der größten Berufsnot stehen die 18= bis 21=Jährigen. Sie sind ausgelernte, daher teuere, aber noch nicht als„voll“ anerkannte Arbeitskräfte. Sie müssen trotz bostspieliger Ausbildung oft wieder— günstigenfalls— ungelernte Arbeiter in fremden Arbeitsgruppen werden; meist aber finden sie, angesichts des=Millionen=Arbeitslosenheeres, überhaupt keine Arbeit. Ihnen muß vor allem die Arbeitslosenfürsorge gelten. Der Evangelische Reichsverband weiblicher Jugend hat diese Aufgabe schon seit vielen Jahren in Angriff genommen. Das Burckhardthaus in Berlin=Dahlem, die Zentrale des Verbandes, steht mit seinen 33 Landes= und Provinzialverbänden in reger Zusammenarbeit. Schon 1925 wurden erwerbslose junge Mädchen zu einem mehrmonatlichen Haushaltungskursus eingeladen. Mit der wachsenden Not nahmen immer mehr Teilverbände diesen Arbeitszweig auf: Freizeiten und Kurse wurden veranstaltet, Nähen, Kochen, Säuglingspflege und Krankenpflege wurden gelernt, Umschulungskurse für Hausangestellte gehalten. Auf Veranlassung eines Arbeitsamtes wurde ein Umschulungskursus junger Mädchen für ländliche Stallarbeit eingerichtet, um sie nicht nur zur Technik, sondern auch zur inneren Bereitschaft zu führen. Sonstige Umschulung von Industrie= zur Landarbeit fand statt. In diesem Winter ist ein besonderes Planen und Schaffen in dieser Richtung spürbar. Anregungen gehen hin und her zwischen dem Burkhardthaus und den Teilverbänden im Reich. Internats= und Externats=, Arbeitskurse und Erholungsfreizeiten finden statt. Die 21 eigenen Erholungsheime bieten willkommene Möglichkeiten. Ebenso das alkoholfreie Speisehaus„Erwu“(Berlin, Potsdamer Straße 119), in das junge Mädchen zu einem vierwöchentlichen Kochkursus, zu gemeinsamen Mahlzeiten und frohem Beisammensein eingeladen wurden. Etwa 70 Reisesekretärinnen stehen als Jugendpflegerinnen im Dienste des Evangelischen Verbandes. Eine Hauswirtschaftslehrerin wird von der Zentrale entsandt, um in den Teilverbänden Kurse zu halten; sonstige Fachkräfte werden hinzugezogen. Ein besonderes„Jugendopfer“ ruft jedes einzelne der etwa 215000 festangeschlossene Mitglieder des Evangelischen Reichsverbandes weiblicher Jugend auf zu persönlicher Mithilfe und zum Mittragen der Arbeitslosen=Not. Die jungen Mädchen in den Vereinen, die Gymnasiastinnen in den„Weggenossenkreisen“, die Pfadfinderinnen in ihren Gruppen und Scharen, die Hausgehilfinnen in ihrer Berufsvereinigung, bis hinab zu den kleinsten Verbandskindern— den 8= bis 14=jährigen Jungscharkindern — sie alle wollen und sollen helfen, soweit es in ihren Kräften steht, soweit sie und ihre Familie nicht selbst besonders von der Not der Zeit erfaßt sind. Die Zahl der Arbeitslosen ist unter den Mitgliedern des Evangelischen Reichsverbandes weiblicher Jugend aber noch verhältnismäßig klein. Darum ist es ihm möglich, über die Reihen der Verbandsmitglieder hinaus eine ausgedehnte Arbeitslosenfürsorge zu schaffen. Wohl soll bei den Veranstaltungen die äußere Hilfe, wo es nötig ist, Essen, Trinken und Kleidung nicht vergessen werden, die Zeit soll genutzt werden zur Kräftigung der Gesundheit, zur Weiterbildung und Schaffung einer ernsthaften Berufsgrundlage. Diese Maßnahmen würden aber nur augenblickliche Hilfe bedeuten, wenn nicht mit ihnen die Jugend zu der Kraft des Evangeliums geführt würde, mit der allein Sinn und Un=Sinn unserer Zeit verstanden, ertragen und ausgewertet werden kann. H. von Kleist. Goldstandard u. Arbeitslosigkeit Von Dr. G. W. Schiele=Naumburg, M. d. Unter dieser Ueberschrift ist kürzlich im Verlage Gebauer=Schwetschke in Halle.d. Saale eine Broschür(47 Seiten) erschienen, die das Problem der Arbeitslasig keit mit der Goldwährung unserer Tage in hang bringt. Dr. Schiele=Naumburg, ein Volkswirt von hervorragendem Weitblick, hat hier in einer überzeugen klaren und manchmal verblüffend einfachen Formulie, rung die ganze soziale Not unserer Tage erklärt. Streng sachlich, wissenschaftlich werden die gewaltigen Ersche; nungsformen der Inflation und Deflation mit mathema, tischer Genauigkeit charakterisiert, aber hinrer diesen kalt berechnenden Verstande steht immer wieder der mit, fühlende Mensch, der eine tiefe Liebe zu seinem Polt und Vaterland hat. Nirgends ein Angriff auf politisch anders Denkende, nirgends Schimpfereien, Entstellun, gen, Schmähworte, nur klare Feststellungen, ernste Folgerungen, deutliche Fingerzeige. Goldstandard ist immer relativ, das Leben der Nation aber immer absolut; denn nicht das Geld ist das eigentliche Kapital, sondern die lebendige Menschenkraft, Warum aber läßt man diese gewaltige Kapitalmasse in Deutschland müßig spazieren gehen? Weil wir eine sehlerhafte Vorstellung von Währung haben, weil die Leute an die Goldwährung glauben wie an eine Religion, und weil uns dieser Wahn in die Irre führt Drohend und warnend steht in der Geschichte das Beispiel vom Untergang des Römischen Reiches durch Deflation, wegweisend sind die Erkenntnisse englischer Wirtschaftler, die den sog. Goldstandard beseitigen wollen Wir leben in einer gewaltigen Ueberschuldung, und daraus resultiert alles Unheil, auch der Haß unter den eigenen Volksgenossen. Darum brauchen wir zuerst und notwendigst Entschuldung(Devalvation). Nur dann verschwindet das Arbeitslosenheer in der Wirtschaft, und eine andere Hilfe kann es gar nicht geben! Es zeigt nichts deutlicher den Irrsinn unserer Zeit, als wenn der Landwirt eine schlechte Ernte wünscht, damit die Preise steigen können! Die Schrift Schiele's ist aufsehenerregend, sie verdien allerweiteste Verbreitung. Der geringe Preis von Mk. 1,50 sollte dazu beitragen. Dr. Steinbrecht. Verband Evangelischer Wohlfahrtspfleger e. V. In diesen Tagen ist eine aus der Notzeit der letzten Jahre heraus entstandene evangelische Berufsorganisation auf dem Gebiet der deutschen Wohlfahrtspflege zum ersten Male an die Oeffentlichkeit getreten. Die große Bedeutung dieser Neugründung liegt schon allein in der Tatsache, daß gerade die in der Wohlfahrtsarbeit tätigen Berufsarbeiter mitten im Ringen um Sinn und Gestalt der Wohlfahrtspflege diesem Ringen durch den aus den eigenen Reihen angestrebten Zusammenschluß die Richtung weisen. Wo immer Wohlfahrtspflege notwendig ist, handelt es sich um Hilfe vom Menschen am Menschen und diese Hilfe ist ohne eine tragende weltanschaulich fundierte Grundhaltung auf die Dauer unmöglich. Wo sich die Wohlfahrtspflege von einer solchen Bindung löst, muß sie unweigerlich in sich selbst zerfallen und kann nicht mehr Hilfe für einen Menschen bedeuten, sondern nur Almosen geben. Zweifellos steht die deutsche Wohlfahrtspflege in der Gegenwart in einer solchen Krisis, nicht nur die öffentliche, vom Staat getragene, sondern auch die von den Verbänden der freien oder privaten Wohlfahrtspflege ausgeübte ist in diese Krisis hineingezogen. Wenn auch die Krisis größtenteils mit hervorgerufen ist durch die ungeheure wirtschaftliche Not, und die freie Liebestätigkeit und auch die öffentliche Wohlfahrtspflege dabei einen schweren Kampf um ihre Existenz kämpfen, so bricht von einer anderen Seite eine weitere Not herein. Die wohlfahrtspflegerische Arbeit wird von außen her angegriffen und verächtlich gemacht. Von innen her beginnt sie weithin zu verflachen. Mitten in diese Krisis fällt die Gründung des„Verbandes evangel. Wohlfahrtspfleger e..“ unter der Führung von Dr. Helmuth Schreiner, Berlin=Spandau. Der Verband will an seinem Teil dabei mithelfen, in jener Notlage dem ganzen Werk der sozialen Fürsorge zu dienen, und die einzelnen Wohlfahrtspfleger in den verschiedenen Zweigen dieser Arbeitsselder innerlich von der Grundlage des Evangeliums ohne jegliche politische Bindung stärker zu verdinden. Neben dieser gesinnungsmäßigen gegenseitigen Hilfe im Ringen um eine innere Vertiefung der Berurfsarbeit soll aber auch ganz bewußt die deruflichwirtDeutschland in„wirtschaftlicher Sklaverei“. Der internationale Versöhnungsbund gegen den Youngplan. Der Internationale Rat des Versöhnungsbundes hat auf einer Tagung in Elmau in so scharfen Worten zu den Kriegstributen und anderen internationalen Fragen Stellung genommen, wie es bisher wohl keine andere internationale Körperschaft gewagt hat. Außer Deutschland(Prof. D. Siegmund=Schultze=Berlin) waren vertre ten: Frankreich, England, Vereinigte Staaten, Schweden, Dänemark, Tschechoslowakei. Der Bund, der auf religiöser Grundlage zu einer Versöhnung der nationalen und sozialen Gegensätze beizutragen sucht, wendet sich in seinem Aufruf zunächst gegen die Politik der Vereinigten Staaten, die noch immer alle Vorschläge auf Erlaß der Kriegsschulden abgelehnt hätten, und fordert einen„völligen gegenseitigen Erlaß all dieser aus dem Kriege stammenden Verpflichtungen". Ueber den Youngplan wird festgestellt, daß er sich infolge der Weltwirtschaftskrise so auswirke, daß der Zweck der Erleichterung fast vereitelt schaftliche Förderung in Angriff genommen werden(Beratung in beruflichen Angelegenheiten, Mithilfe bei Abschluß von Dienstverträgen, Weiterbildung, Arbeitsvermittlung soweit möglich). Mitglied kann jeder evangelische Wohlfahrtspfleger werden, der in der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege hauptberuflich arbeitet, wenn er eine wohlfahrtspflegerische Ausbildung empfangen hat oder mindestens 5 Jahre in der Arbeit der Wohlfahrtspflege tätig ist. Schüler sozialer Ausbildungsstätten und Personen, die diesen Bedingungen nicht genügen, aber in der sozialen Arbeit stehen, können als außerordentliche Mitglieder ohne Stimmrecht ausgenommen werden. Die Geschäftsstelle des Verbandes befindet sich Berlin=Lichterfelde=Ost, Wilhelmstraße 28. Bodelschwinghfeiern im Aus Anlaß des 100. Geburtstages von Friedrich von Bodelschwingh werden am 6. März im ganzen deutschen Reich und besonders in Westfalen eine große Anzahl Gedächtnisfeiern veranstaltet. Im Mittelpunkt derselben wird die Hauptfeier in der großen Stadthalle der Stadt Bielefeld stehen, in der neben dem jetzigen Leiter der Betheler Anstalten O. Fritz von Bodelschwingh noch der Vizepräsident des evangel. Oberkirchenrates D. Burghart, der westfäl. Generalfuperintendent i. R. D. Zöllner und der Wohlfahrtsminister Hirtsiefer sprechen werden. Auch der Rundfunk hat Feiern zum Gedenken dieses größten Anregers und Tatmenschen des vergangenen Jahrhunderts auf sozialem Gebiet in seinen Programmen ausgenommen. So bringt der Westdeutsche Rundfunk am 6. März um 7,20 Uhr ein Zwiegespräch zwischen Stratenwerth=Bethel und Fritz Worm über„Werk und Persönlichkeit Bodelschwinghs". Die deutsche Welle überträgt am gleichen Tage von 8 bis 9 Uhr die große Gedenkseier aus Bieleseld mit den Ansprachen der oben genannten Redner. Ein großer Teil der andern Sender übernimmt die Sendungen. Der Westdeutsche Rundfunk hat die Uebertragung des Festaktes aus Bielefeld der deutschen Welle überlassen und überträgt selbst diese Veranstaltung nicht; wahrscheinlich in völliger Verkennung der Mentalität des westdeutschen Menschen gegenüber dem Namen Bodelschwingh. Technikum Das Wintersemester am Technikum Lage i. Lippe begann am 28. Oktober 1930. Trotz der allgemeinen schlech ten Wirtschaftslage hat die Besucherzahl gegenüber dem Sommersemester sehr stark zugenommen, ein Zeichen dafür, daß die Bemühungen der Schulleitung um einen modernen Ausbau des Unterrichtswesens und der Laboratorien in den interessierten Kreisen bekannt sind und Anerkennung finden. Unter anderem wurde für die Maschinenbau=Abteilung und für das Fachgebiet„Heizungstechnik“ de Dampfkraftanlage des Maschinenbau=Laboratoriums durch einen großen Dampfkessel von 90 Quadratmeter Heizfläche, mit automatischer Kohlenbeschickung, Speist“ wasservorwärmung und Ueberhitzung erweitert. Die neue Anlage gestattet es, den Kraft= und Heizbetrieb mitemander zu kuppeln und außerdem die Laboratorien bei elektrotechnischen Abteilung vom Fremdstrombezug un abhängig zu machen. In der Abteilung für Hoch= und Tiefbau ist die be sucherzahl gegenüber den Vorjahren ganz erheblich gestte“ gen. Die Schukleitung sieht hierin einen Erfolg ihter Bestrebungen, welche darauf gerichtet sind, durch eine weitgehende Ausbildung im Zeichnen, Entwerfen und Modellieren, durch Berücksichtigung aller modernen un terrichtsfächer im Lehrplan und durch Uebungen in dem mustergültig eingerichteten Baustofflaboratorium, Studierenden der Bauabteilung nach den modernsten de sichtspunkten auszubilden. Der Ausbau der Abteilung Ziegeleiwesen und Bau keramik ist soweit vorgeschritten, daß sowohl der Ley“ plan als auch die Laboratorien den Studierenden ale? bieten, das sie befähigt, den in diesem Zweige der Deh nik in besonderem Maße auftretenden Schwierighei“ mit Erfolg zu begegnen. Das Sommersemester beginnt am 28. Apri Lehrpläne versendet das Sekretariat kostenlos. wurde.„Aufs neue enttäuscht und ernüchtert“, so heißt ee wörtlich,„ist das deutsche Volk in innerer Unruhe. Die Fortsetzung eines Zustandes, der in Wirklichkeit wirtschaftliche Sklaverei bedeutet, stärkt die Kräfte, die nach Gewalt rufen und schwächt die friedensfreundlichen Gruppen". Zur Kriegsschuldfrage selbst führt der Internationale Rat aus:„Die bloße Selbstachtung sollte die Gölker zu einem wachsenden Widerwillen bringen gegenüber einer Theorie über die Kriegsschuld, welche die besondere Verantwortung jeder einzelnen Macht übersieht und den damals herrschenden Glauben aller Nationen an Gewalt und Kriegsmethoden außer Acht läßt.“ „Wir glauben nicht,“ so schließt der Aufruf,„daß die heldenmütigen sittlichen Kräfte tot oder im Aussterben sind, wir glauben vielmehr, daß die Stunde gekommen ist, wo wir sie erneut mit aller Macht einsetzen müssen.“ Zur freundlichen Beachtung! Die von den Lesern bestellten Bodelschwingh: Festnummern kommen am Dienstag zum Versand. Die Abonnenten erhalten ihre Festnummer am Freitag auch als laufende Nummer. Wir bitten alle Verteiler dieser Bodelschwingh=Nummer und auch die Redner, diese Gelegenheit recht ernstlich als eine Werbegelegenheit für den„Aufwärts“ zu benutzen. Massenm=Vorzichiel auf Purnat. Rückkehr Hendersons nach London.— Danktelegramm an Grandi.— Freude in Paris. Die englischen Minister Henderson und Lord Alerander, die auf der Rückreise von Rom bis Montag mittag in Paris weilten, haben sich nunmehr nach England zurückbegeben. Vor seiner Abreise aus Frankreich erklärte Henderson Journalisten gegenüber, er sei „glücklich, ein Abkommen abgeschlossen zu haben, das die Freundschaft zwischen Frankreich, England und Italien festige. Man werde nun die Vorbereitung zur Genser Abrüstungskonferenz mit größerem Vertrauen sortsetzen.“ Gleichzeitig wurde ein Telegramm bekannt, das Briand und Henderson an den italienischen Außenminister Grandi gesandt haben, und in dem es heißt: sind glücklich, mitteilen zu können, daß wir mit Ihnen über die in Rom zur Regelung der auf der Londoner Seeabrüstungstouferenz noch nicht gelösten Fragen betreffend die Einschränkung der Flottenrüstungen getrossenen Abmachungen einig sind. Wir sind bereit, diese Regelung unseren Rezierungen und den anderen interessierten Regierungen zur Billigung zu empfehlen. Wir zollen der freundschaftlichen und entgegenkommenden Haltung Anerkennung, die die italienische Regierung im Laufe dieser Verhandlungen namentlich während der letzten Diskussionen in Rom, bei denen sie eine loyale Bemühung zur Beseitigung der Meinungsverschiedenheiten unternomen hat, bewiesen hat. Wir sind überzeugt, daß die zustandegekommene Einigung zwischen den Vertretern unserer drei Länder sehr zum allgemeinen Fortschritt des Werkes der Konsolidierung des Weltfriedens beitragen wird. Wir möchten, daß nichts unterlassen wird, um den Nutzen, der sich aus der dadurch geschaffenen Atmosphäre des Vertrauens und der Freundschaft ergeben könnte, diesem Werke angedeihen zu lassen.“ Da die Einzelheiten der neuen Flottenvereinbarungen noch geheim sind und erst nach der Zustimmung Amerikas, Japans und der britischen Dominions veröffentlicht werden, legen sich die Zeitungen in ihren Kommentaren noch Zurückhaltung auf. Beachtung verdient aber der Satz, den die„Times“ aus einer Unterredung mit Grandi anführt und in dem von„großen Opfern“ die Rede ist, die Italien„freiwillig im Interesse des europäischen und des Weltfriedens“ gebracht hat. Wenn die liberale Zeitung„News Chroniele“ fragt:„Wissen wir bereits alles, oder sind Frankreich irgendwelche bisher noch nicht ausgesprochene Zusagen gemacht worden, damit es den neuen Vereinbarungen beitrat?“ dann rückt das Blatt damit die ernste Frage in den Vordergrund, von deren Beantwortung der ganze Wert des Flottenpaktes abhängt. Nach einem Bericht des„Daily Telegraph“ aus Paris sichern die neuen Vereinbarungen Frankreich eine Ueberlegenheit von etwa 150 000 Tonnen. Die schwierigste Frage sei, einen Wortlaut zu finden, der Aussicht darauf habe, für den amerikanischen Senat annehmbar zu sein; denn die neue französischbritisch=italienische Vereinbarung decke sich in einigen Beziehungen nicht ganz mit dem Londoner Flottenvertrag, besonders was die=Boote betreffe. Frankreich seien nämlich 70000 Tonnen=Boote zugebilligt worden, d. h. mehr als England, den Vereinigten Staaten und Japan, die je 52 700 Tonnen haben dürfen. Frankreich und Italien würden die gleiche Zahl von 10000=Tonnen=Kreuzern haben, nämlich je sieben; aber die Schlachtkreuzer von 23000 Tonnen, die Frankreich zu bauen plane, würden von den italienischen Neubauten nicht übertroffen werden. * Freude Frankreichs über den Abschluß des Abkommens mit Italien. — Paris, 3. März. Der„Temps“ begrüßt die Erklärung Hendersons, wonach das Flottenabkommen mit Italien wesentlich dazu beitrage, die Freundschaft zwischen den drei Staaten zu festigen und die Vorbereitungen der nommenden Abrüstungskonferenz in einer Atmosphäre des gegenseitigen Vertrauens möglich zu machen. Das Blatt fügt diesen Ausführungen hinzu, das Ergebnis der Verhandlungen habe bewiesen, daß die„Entente cordiale“ nie aufgehört habe zu bestehen. Alle Aussichten seien dafür vorhanden, daß die französisch=italienische Freundschaft wieder Wirklichkeit werde. Das„Journal des Debats“ warnt als eines der wenigen Blätter vor übertriebener Freude, bevor nicht die endgültigen Ziffern des gegenseitigen Flottenverhältnisses bekannt gegeben seien. Man dürfe vor allem auf die Beantwortung der Frage gespannt sein, ob die Ueberlegenheit, die Frankreich zuerkannt worden sei, sich auf Neubauten oder aber auf alte Kriegsschiffe beziehe. Die nationalistische„Liberté" betont, man brauche sich nicht (auf einmal?— Die Red.) bei den Tonnageziffern aufhalten, wenn das französisch=italienisch=englische Abkommen als der Ausdruck der gleichen Auffassung auf allen Gebieten anerkannt werden könne. Das neue Abkommen bedeute nichts, wenn es nicht endgültig die Spannung löste, die bisher zwischen Frankreich und Italien bestanden habe. Deutscher Reichstag Beginn der innerpolitischen Debatte Berlin, 2. März. Auf der Tagesordnung der Montagsitzung des Reichotages steht die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministerlums in Verbindung mit der ersten Beratung des Gesetzes gegen Waffenmißbrauch. Nach diesem Gesetz, daß in derselben Weise wie das Republikschutzgesetz befristet ist, wird nicht nur das Mitführen von Schußwafsen, sondern auch von Hieb=, Stoß= und Stichwassen bestraft, besonders schwer, wenn diese Waffen bei politischen Kundgebungen mitgeführt werden. Abg. Dr. Schreiber(Ztr.): Wir leben nicht nur in einer Wirtschaftskrise, sondern in einer Krise der Staatsgesinnung und des Staatsgefühls. Es ist die Aufgabe der Regierung, dafür zu sorgen, daß unser Volk nicht russischen und chinefischen Revolutionszuständen preisgegeben wird. Unser Volk kann weder an einer bolschewistischen Revolution noch an einer nationalsozialistischen Insurrektion gesunden. Wir brauchen eine Einheitsfront der Verantwortungsbewußten für lange Zeit. Der moralische und im Zusammenhang damit auch der wirtschaftliche Kredit des deutschen Volkes wird in der ganzen Welt geschädigt, wenn bei uns gewalttätige Elemente die Straße beherrschen. Demgegenüter muß die Regierung die Sicherung von Ruhe und Ordnung energischer durchführen als bisher. Wer die Freiheit mißbraucht, darf sich nicht wundern, wenn er die Freiheit verliert. Die Trennungslinie liegt heute zwischen den aufbauenden und den zerstörenden Kräften, zwischen denen, die positiv und jenen, die negativ politisch wirken. Wer diesen Saal fluchtartig verläßt. der kann mit dem Schlagwort„Marxismus“ nicht die Tatsache verschleiern, daß er in den schwersten und bittersten Jahren des deutschen Volkes sich abseits gestellt hat, während große Arbeitermassen ven Mut aufgebracht haben, die Politik der Verantwortung mitzumachen.— Der Redner verlangt dann unter großer Unruhe der Kommunisten eine energische Abwehr der russischen rulturbotschewistischen Propaganda gegen die Religion. Abg. Schreck(Soz.) verlangt eine größere Aktivität in den BeEshungen der Reichsreform mit dem Ziele eines Groß=DeutschDie Jugend müsse dazu erzogen werden, daß mit dem ihr in der Weimarer Versassung gegebenen Recht auch die Pflicht verbunden ist, für das neue Deutschland zu arbeiten, um es zum Grotzdentschland zu machen. 8391 lei größere Schulung auch auf politischem Gebiet erforderlich. :7 Rangel daran habe dazu geführt, daß politische Ganz= und Halbidioten zu Volksvertretern gewählt wurden. Die von der Ardeiterschaft selbst geschaffenen Bildungseinrichtungen verdienen die nachdrücklichste Förderung.— Der Redner wendet sich dann 6333, das Verdot des Remarque=Filmo„Im woenten nichte a# beg vnn Kardorst(9. Bp.), Hezeichnei. se die den Schwindel, wenn die Nationalsoziaunen und Deutchpottongien hhren Auszug damit begründen, daß sie mundtot gemae#, worden eten. Wit bedauern, daß durch das Ersordernis der Zweitdrittelbonn i s beder Hortschritt in der Weimorer Versossung verWir hallen eine Versassungsreform für dringend nolwendig. der Reichopr Wir wollen, daß der Reichspräsident gleichzeilig greußischer Staatspräsident wird, daß das Wahlaller heraufgesetzt wird. Das jetzige frühe Wahlalter hat dazu geführt, daß die Jugend heute umichmeichelt wird, statt erzogen zu werden. Wir müssen wieder zu bestimmten Tagungsabschnitten kommen. Wir brauchen auch eine zweite Kummer, die durchaus keine reaktionäre Einrich= tung zu sein braucht. Wir brauchen weiter eine Verstärkung der Macht des Reichopräsidenten in der Richtung, daß die Regierungsmacht stabiler wird. Von den Sozialdemokraten ist inzwischen eine Entschließung eingegangen, die verlangt, daß alle Reichs=, Staats= und Gemeindebeamten, die zur Ausubung ihrer Obliegenheiten als Reichstagsmitglieder beurlaubt sind, zum Dienst herangezogen werden, sofern sie ihre Obliegenheiten als Abgeordnete nicht erfüllen. Abg Petzoid(Wirtschaftsp.) bedauert die Kürzungen im Haushalt des Innenministeriums, von denen besonders die Arbeiten wissenschaftlicher Art betroffen würden. Er betont, daß er am Remurque=Film nichts gesunden hat, was das Verbot verlangt, daß aber die Staatsautorität fordert, ein einmal ausgesprochenes Verbot auch anzuerkennen. Zu bedauern sei, daß ein Reichsschulgesetz zurzeit nicht geschaffen werden kann. Die Ueberorganisation im Schulwesen sei zu beseitigen; ein neuntes Schuljahr erscheine nicht erwünscht. Eine Wahlreform sei unannehmbar, wenn sie nicht auch die Erhöhung des Wahlaltero bringt. Auf die Technische Nothilfe könne angesichts der Kämpfe in der Arbeiterschaft immer noch nicht verzichtet werden. Abg. D. Mumm(Christl.=Soz. Volksd.): Im Innenministerium, aus dem geschichtlich alle anderen Reichsämter hervorgegangen sind, muß der Staatsgedanke lebendig sein. Er erschöpft sich nicht in möglichst oiel Einnahmen und möglichst viel Wohlfahrt, sondern der Grundgedanke des Staates ist der Schutz. Erste Aufgabe des Staates ist es, seinen Gliedern Schutz gegen alle Gewalttätigkeit und Ungerechtigkeit zu geben. Wir danken der Schutzpolizei, daß sie sich mit der Waffe für die Ordnung einsetzt. Wir alle, die den Staatsgedanken hochhalten, achten den„unbekannten Jeden läßt, der gleichen zekannten Soldaten. Unehre aber ist es, Schutzmann“, der im Straßenaufru Ehre wert wie den unbekannten im Aufruhr zu fallen. Wir stellen dem Haß mancher Arbeitsloser nicht gleichen Haß entgegen, mancher, der behaglich in der Stube sich über die Arbeitolosentumulte aufregt, würde vielleicht ebenso wild werden. wenn er gleiches Unrecht erfahren hätte, daß vielleicht ein verzweifeiter Arbeitoloser erfuhr. Fassen wir in die eigene Brußt und hüten wir uns vor lieblosem Urteil über Verzweifelte. Hart sei aber das Urteil über diejenigen, die andere durch Haßwort in die Tumulte treiben. Abg. Dr. Kölz(Staatop.) fordert, daß die Staatsautorität sich gegenüber der zunehmenden Radikalisierung der Politik durchsetzt, ebenso die Autorität des Parlaments gegen Sabotageversuche. Die jetzige Resorm der Geschäftsordnung kann nur ein Anfang sein. Es handett sich nicht um Mundtotmachung einer Opposition, sondern um Erneuerung der politischen Anständigkeit. Die Reichsreform in nicht nur Gegez, Sache politischen Willens. Zu einer Reichsresorm gehört auch eine Wahlreform, bei der die Einzelpersönlichkeit wieder zur Geltung kommt und bei der durch kleinere Wahlkreise eine persönliche Vertrauensbeziehung zwischen Abgeordneten und Wählern wieder möglich wird. Der Remarque=Film hat viel zuviel Staub aufgewirbelt. Es wäre eine Schmach für Deutschlend, wenn die Zensur über Filme von der Gasse auegeüdt würde. Anständigl= enstand staaterechtlicher Prüfung, sondern eine Die Mandatsverteilung in Braunschweig. — Brannschweig, 3. März. In den braunschweigischen Städten wurden insgesamt 208 Stadtverordnete gewählt. Davon entfielen auf die Nationalsozialisten 47(vorher); außerdem sind sechs Stahlhelmmandate vorhanden. Auf die verschiedenen Listen bürgerlichen Gepräges entfallen 62 Sitze(vorher 105), auf die Sozialdemokraten 72(vorher 94), auf die Kommunisten 21(). Von 102 Kreistagssitzen erhielten die Nationalsozialisten 32(vorher), verschiedene bürgerliche Listen 21(46), die Sozialdemokraten 42(53), die Kommunisten 7(). Von den 13 Landstädten haben eine nationalsozialistische Mehrheit neun Städte, und zwar Bad Harzburg, Blankenburg, Gandersheim, Helmstedt, Holzminden, Königslutter, Schöppenstedt, Seesen und Wolfenbüttel. In Stadtoldendorf ist das Verhältnis gleich zu gleich, in Schöningen stehen sieben Bürgerliche acht Sozialdemokraten und Kommunisten gegenüber, in Eschershausen und Hasselfelde ist das Verhältnis fünf Linke zu vier Rechten. Von den sechs Kreistagen haben drei eine bürgerliche Mehrheit, und zwar Braunschweig, Helmstedt und Wolfenbüttel, eine Linksmehrheit ist vorhanden in den Kreistagen von Blankenburg, Gandersheim und Holzminden. Die Wahlbeteiligung betrug 84 Prozent gegen 89,29 Prozent bei den Landtagswahlen im September 1930. Die Politik des Rundfunks. Geheimrat Dr. Quaatz hat an den Reichsinnenminister Dr. Wirth folgendes Schreiben gerichtet: „Der sozialdemokratische Abgeordnete Paul Löbe hat im Rundfunk über meine Stellungnahme im Reichstag Mitteilungen verbreitet, die wahrheitswidrig den Anschein erwecken, als ob ich jemals Vorschläge zur Aenderung des Budgetrechtes gemacht hätte, wie solche jetzt durch die jüngste Novelle zur Geschäftsordnung des Reichstags unter Verletzung der Verfassung Tatsache geworden ist. In allen Kulturstaaten ist das Recht der freien Meinungsäußerung sowie die Gleichberechtigung der Staatsbürger rechtlich gewährleistet. Gegen diese Grundsätze des Rechtslebens verstößt es, wenn amtliche aus Steuermitteln und regierungsseitig kontrollierte Einrichtungen wie der Rundfunk einseitig den Agitatoren einer Partei zur Verfügung gestellt werden. Die Verletzung dieser Grundgesetze tritt um so krasser hervor, wenn die öffentlichen Einrichtungen zur Verbreitung von Unwahrheiten mißbraucht werden, ohne daß eine Gelegenheit zur Gegenäußerung gegeben wird. In diesem Zusammenhang darf ich darauf hinweisen, daß der von mir genannte Reichstagsabgeordnete Paul Löbe in einem früheren Rundfunkgespräch die Behauptung aufgestellt hat, daß er auf die Hälfte der Aufwandsentschädigung, die ihm in vierfacher Höhe der Abgeordnetenbezüge als Prasident des Reichstags zusteht, verzichtet habe, während er in einem Brief an die nationalsozialistische Fraktion des Reichstages vom 11. Februar 1931 die gegenteilige Behauptung aufstellt, daß nämlich ein Verzicht auf die Aufwandsentschädigungen nicht zulässig sei. An Sie, sehr geehrter Herr Reichsminister, richte ich die Frage, ob Sie beabsichtigen, diesem Mißbrauch der Ihnen unterstehenden öffentlichen Einrichtungen zu teizwecken nunmehr endlich Einhalt gebieten.“ Verfahren gegen die Stahlhelmführer. — Halle, 3. März. Der Generalstaatsanwalt in Berlin hat, wie hier soeben bekannt wird, gegen die Bundesführer des Stahlhelm, Seldte und Düsterberg, auf Grund des Paragraph 5, Absatz 1 des Republikschutzgesetzes in Verbindung mit Paragraph 20 des Reichspressegesetzes wegen des Aufrufes in der„Stahlhelmzeitung“ Nr. 2 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Der am 18. Januar erschienene Aufruf war die Einladung zum Volksbegehren auf Auflösung des Preußischen Landtags. Merkwürdig! Die nächsten Aufgaben. Neue Rede des Reichsarbeitoministers.— Sanierung auch der Gemeinden. Im Haushaltsausschuß des Reichstags wandte sich Reichsarbeitsminister Stegerwald gegen den Vorwurf, die staatliche Lohnpolitik habe die politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten verschärft. Ueber die nächsten Aufgaben führte der Reichsarbeitsminister aus: Einmal ist die Sanierung der Gemeinden notwendig. Die Arbeitsstreckung muß ernsthaft in Angriff genommen werden. Schließlich müssen dann noch eine Reihe von kleineren Staaten im Benehmen mit dem Gutachterausschuß zur Arbeitslosenfrage zusammen wirken. Die Preissenkung hat sich bisher noch nicht genügend ausgewirkt. Es muß ausdrücklich gesagt werden, daß, wenn keine Preissenkung in größerem Ausmaß kommt, diese Tatsache auch bei der Lohnpolitik in Rechnung gestellt wicd. Hinsichtlich der Auseinandersetzungen zwischen Industrie und Landwirtschaft verwies der Minister darauf, daß gegenwärtig in der Landwirtschaft 15, durch den Außenhandel bis zu zwölf Millionen beschäftigt würden. Die Feier des hundertsten Geburtstages von Vater Bodelschwingh in der Bethelgemeinde. Gottesdienste: morgens 7½ Uhr in der Zionskirche. Festpredigt: P. Graf v. Lüttichau=Kaiserswerth. „ 9„„„„ Festpredigt: Generalsup. D. Stoltenhoff=Koblenz. „ 9„ im Assapheum. Festpredigt: Generalsup. Weirich=Münster. „ 9„ in Sarepta. Festpredigt: Pastor Graf v. Lüttichau=Kaiserswerth. Nach den um 9 Uhr beginnenden Gottesdiensten, also etwa von 10¼ Uhr ab, gemeinsamer Weg auf den Friedhof zum Grabe von Vater Bodelschwingh. Der Friedhof bleibt bis zum Beginn der Feier geschlossen. Eingang für die Vertreter der Behörden und für die auswärtigen Gäste durch das Haupttor. Die übrige Gemeinde zieht an der Waldkirche vorüber bis Arimathia und betritt von daher den Friedhof. Festversammlungen für die Krankengemeinde im Assapheum nachmittags um 1½ und 4 Uhr. Zu dieser Feier haben sonst nur die auswärtigen Gäste Zutritt. Die gesunden Bewohner von Bethel werden zur Wiederholung der gleichen Feier am Sonntag, den 8. März, nachmittags um 4½ Uhr und abends um 7½ Uhr eingeladen. Für diese Versammlungen am Sonntag werden Programme, die zum Einlaß berechtigen, in Dankort, in der Auskunft und in der Anstaltspost abgegeben. Preis 30 Pfg. Für Arbeitslose und Jugendliche die Hälfte. Die Abendfeier in der Bielefelder usstellungshalle ist zunächst für die Bielefelder Gemeinden bestimmt. Darum konnten zum Freitagabend außer an die dort mitwirkenden Sänger und Bläser nur verhältnismäßig wenige Programme in Bethel vergeben werden. Die erste Hälfte der Feier wird vom Rundfunk des Deutschlandsenders aufgenommen. Wo in den Häusern Radioanlagen sind, können die Hausbewohner also die Lieder und Ansprachen mithören. Für die Häuser, die kein eigenes Radio haben, wird im Assapheum ein Lautsprecher aufgestellt. Wer dort zuhören will, wird gebeten, pünktlich bis 19.45 Uhr zu erscheinen.— Die Bielefelder Feier soll am Sonnabendabend wiederholt werden. Die Festrede hält dann statt D. Zöllner, der bekannte Pfarrer D. Niemöller=Elberfeld; sonst im wesentlichen dasselbe Programm wie am Freitag. Letzte Meldungen. Dr. Curtius nach Wien abgereist. Berlin, 2. März. Reichsminister Dr. Curtius, Staatssekretär Dr. Pünder und der österreichische Gesandte Dr. Frank traten mit dem fahrplanmäßigen Nachtzug die Reise nach Wien an. Die Gattin des Gesandten, die Herren der österreichischen und Staatssekretär v. Bülow hatten sich zum schied auf dem Bahnhof eingefunden. Der Ausgleich für die Aufwertungszinsen. Berlin, 3. März. Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages erledigte das Verläugerungsgesetz für die Hauszinssteuer und beschloß, einen Ausgleich für die höheren Zinsen, die der Hausbesitzer vom 1. Januar 1932 an für Aufwertungshypotheken zu zahlen hat, durch eine staffelweise eintretende Steuersenkung herbeizuführen. Bethel. Missionsnähen. Mittwoch, den 4. März, ½4 Uhr im großen Hospiz. Schwester Frieda von Bodelschwingh wird von ihrer Reise nach Afrika erzählen. Herzlichst ladet dazu ein L. Trittelvitz. — Kirchenchor. Sehr wichtig! Die Probe am Donnerstag, den 5. März findet punkt 8 Uhr in der Zionskirche statt. Noten mitbringen!(Pf. 126 und Kantate und Choralblätter!) Niemand darf fehlen! Freitag den 6. März abens 6,45 Uhr gemeinsame n# fahrt des Chores Ecke Gütersloherstraße. Jeder mut sein Programm mitbringen. Ohne Programm kein;“ tritt! Posaunenchor. Es wird noch einmal erinnert 8 Uhr abr. Em. an die Prote für die Bodelschwinghfeier. Mittwoch, d. 4. sends in der Volkshalle am Papenmarkt. — Anläßlich des 100. Geburtstages Vater schwinghs sind unsere Verkaufsräume am kommenden Freitag, dem 6. März, geschlossen. Wir bitten unsere verehrte Kundschaft, die Bestell. zettel für Lieferungen, welche Donnerstag durch unser Auto erfolgen sollen, spätestens bis Mittwochmittag uns hereinzureichen, damit eine pünktliche Erledigung ge, währleistet werden kann. Ophir, vereinigte Verkaufstellen der Anstalt Bethel. Die Sarepta=Apotheke bleibt am 6. März schlossen. — Da am 6. März die Anstaltspost geschlossen bleißt werden die Westf. Zeitung und Neueste Nachrichten erst am Sonnabend früh ausgetragen. Die Abholer können dieselbe Sonnabend früh, nicht vor ½9 Uhr, in Emvfang nehmen. Die Anstaltspost. S1 Anzeigen aus Bethel. — Zimmer gesucht zu sofort oder 15. März. Morgenkaffee. Angebote unter E. J. an den Aufwärts. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitin: Dr H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen dankt Familie Nusser. Gesucht für sofort ein zuverlässiger, evangelischer Krankenwärter Meldungen mit Zeugnissen an Evangel. Krankenhaus in Castrop=Rauxel Senne l 554. Anersheim Srohingen dei Karmrühe am Fuße des Badischen Schwarzwaldes. Ein Heim für alleinstehende Damen und Herren wird in Grötzingen bei Karlsruhe zu errichten geplant. Dasselbe soll mit allen Einrichtungen moderner Hygiene und Annehmlichkeiten ausgestattet und jeder Anstaltstyp soll darin vermieden werden; so daß es ein familiäres Heim wird. Die Lage des Landortes Grötzingen, welches an der Bahnlinie Karlsruhe, Pforzheim und Bretten liegt und Bahnstation ist, zeichnet sich landschaftlich durch die schönen Gebirgszüge und dem bekannten Pfinztal aus. Um die notwendigen Dispositionen trefsen zu können, wollen sich Interessenten jetzt schon unverbindlich vormerken lassen mit Angabe der eventl. Einkaufssumme, oder der Ihnen zur Verfügung stehenden Beitragszahlung bei Erholungsheim Grötzingen bei Karlsruhe, Haus Eben=Ezer. 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