Bezugspreis: sechsmal.— Preis monatlich.25 und 35 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Kürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und Haus“ „Kindergabe“ und„Anser Nr. 42. Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67877. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 19. Februar 1931. 13. Jahrgang. Das Schaffen hat der Herr allein sich vorbehalten, Doch uns hat er vergönnt, die Dinge zu gestalten. Julius Sturm. Mi n Umschau. Englands Abstieg.— Craigie in Paris.— Auch Holland im französische Mächtesystem?— Deutschlands Recht auf internationale Abrüstung von Henderson und Cecil bestätigt.— Polen beugt das Recht.— Das Volk über die Partei!— Wenn im letzten„Was vorgeht“ gesagt wurde,„daß das England der Zukunft nicht mehr das mächtige England des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts sein wird“, so ist das eine Feststellung, die auch den Engländern selbst immer mehr zu denken gibt. Noch in der letzten Woche hat der vorgestern verstorbene, frühere konservative Kriegsminister Englands— Worthington=Evans zum Ausdruck gebracht, daß Englands wirtschaftliche und politische Weltgeltung in einem beängstigenden Abstieg begriffen sei, während die„Rivalen Englands“(gemeint sind vor allem die Franzosen) zu einer immer bedrohlicheren Aktivität übergingen. Erst ganz kürzlich habe Moret, der Präsident der Bank von Frankreich,„in höflicher Weise“ erklärt, daß das Gold aus England zurückgezogen und in Frankreich untergebracht werde, „weil seine Besitzer der Ansicht seien, daß Paris ein sichererer Aufbewahrungsort wäre als London". Schatzkanzler Snowden mußte in seiner Erwiderung zugeben, daß die finanzielle Lage Englands außerordentlich ernst sei und zwar so ernst, daß der Sozialist Snowden den Abbau der Sozialleistungen ankündigte. Und in bezug auf die Kriegsschuldenfrage sah sich Snowden zu der Feststellung veranlaßt:„Wenn einmal die Geschichte die Art und Weise untersucht, in der man diese Schuldverpflichtungen eingegangen ist, so fürchte ich, werden die Persönlichkeiten, die dafür verantwortlich sind, den Fluch der Nachwelt zu tragen haben!" Die Erklärung Snowdens, daß der Jahresetat Englands einen Fehlbetrag von 700 Millionen Goldmark aufweisen würde und daß die Aufwendungen für die englischen Arbeitslosen die Eingänge aus den Versicherungsbeiträgen im laufenden Etatsjahr um 2 Milliarden Goldmark überstiegen, wirkte wie eine Bombe. Snowdens Hinweis auf die Notwendigkeit einer Herabsetzung der Beamtengehälter und Arbeitslosenunterstützungssätze hat ihm— zumal aus dem eigenen Lager— erbitterte Feindschaften eingetragen. Aber auch mit einem etwaigen Rücktritte Snowdens wäre natürlich die Lage Englands nicht im geringsten gebessert. Es sei denn, daß endlich in England Männer das Staatsruder ergreifen, die mit dem verderblichen Kurs Eduard VII. endgültig brechen und aus den Bindungen mit Frankreich heraustreten, die den Engländern so offensichtlich zum Verhängnis geworden sind. Der Weltkrieg— planmäßig von den Franzosen unter Beihilfe Albions herbeigeführt— hat zwar das ersehnte Ziel: die Niederwerfung Deutschlands, zur Folge gehabt, aber mit Deutschland brach zugleich das einzige Gegengewicht zusammen, das ernstlich brauchbar war, um Frankreichs unersättlichen Europahunger im Schach zu halten. Und was man heute„Weltwirtschaftskrise“ nennt, das ist ja doch im Grunde nichts anderes als die Folge der durch den Krieg ins Leben gerufenen und immer weiter erstarkenden neuen Industrieländer, der Zerschlagung Europas durch das Versailler Diktat und vor allem der französischen Tributpolitik, wie sie gerade auch von den Engländern immer wieder so eindeutig unterstützt worden ist. In Versailles also ist letzten Endes der Krankheitsherd zu suchen, der ja auch die Existenz Englands immer mehr gefährdet, wie das ja auch von einsichtigen Männern Großbritanniens schon längst erkannt worden ist. Ob es für England noch ein Zurück von dem verhängnisvollen Wege Eduards Vll. gibt, das wagen wir weder zu bejahen, noch zu verneinen. Fürs erste hat sich Albion noch einmal auf den Gang nach Canossa, d. h. also nach Paris begeben, um wenigstens die französischen Flottenrüstungen etwas abzubremsen. Und zwar handelt es sich um die Reise des offiziellen englischen Flottensachverständigen Craigie, der zwar als Vermittler in der französisch=italienischen Flotsenrivalität auftrat, in Wirklichkeit aber rein englische Interessen dabei verfolgte. Denn der gegenwärtig in Vorbereitung befindliche Abschnitt des französischen Flotkenbauprogrammes richtet sich ja nicht nur gegen Italien, sondern bedeutet in gleicher Weise— trotz aller englischsranzösischen Freundschaft— eine weitere Schwächung der englischen Seegeltung. Aber Craigie hat mit seiner Mission bis dahin kein Glück gehabt, denn die Franzosen stellen sich auch in dieser Angelegenheit auf ihren sattsam bekannten„Sicherheits"standpunkt. Mit den üblichen Friedensphrasen beteuern sie, daß das neue französische Flottenbauprogramm lediglich vom„Gesichtspunkt der Sicherheit aus bestimmt“ sei und im übrigen ein„Mindestprogramm“ darstelle. Den französischen Regierungskreisen sehr nahestehende Blätter schreiben ganz ofsen, wenn Craigie nach Paris gekommen wäre, um die Durchführung dieses Mindestprogrammes(!) zu verhindern, so hätte er sich seine Reise sparen können“. Man sieht: nachdem England— zumal auch in finanzpolitischer Beziehung— in ein immer größeres Abhängigkeitsverhältnis zu Frankreich geraten ist, scheut man sich in Paris nicht, gelegentlich auch einmal die Maske fallen zu lassen und den Engländern zu zeigen, was eine französische Harke ist. Eins der allerwichtigsten Europainteressen Englands besteht bekanntlich in der Neutralisierung der Rheinmündungszone. Wenn England bisher jeden Griff Frankreichs nach dem Rhein energisch abgewehrt hat, dann geschah das natürlich nicht in deutschem, sondern in rein englischem Interesse. Eine Beherrschung des Rheinmündungsgebietes durch eine kontinentale Großmacht muß England als eine vollständig unerträgliche Bedrohung seiner nationalen Existenz empfinden. England hat zwar den letzten großen Versuch in dieser Richtung — die Ruhrbesetzung— noch erfolgreich abzuwehren gewußt, aber wie es den französisch=holländischen Beziehungen, die sich in letzter Zeit in auffälliger Weise zu vertiefen beginnen und schließlich doch dem gleichen französischen Ziel dienen, begegnen will, ist vorerst noch zweifelhaft. Wenn noch vor wenigen Wochen das französischbelgische Militärbündnis und die belgischen Festungsbauten von den Holländern aufs schärfste verurteilt wurden, so ist in dieser Beziehung jetzt eine vollständige Wandlung eingetreten. Bis auf die großniederländische Gruppe um das„Utrecht Daagblad“ steht fast die gesamte holländische Presse nun plötzlich den belgischen(lies: französischen!) Rüstungsprojekten durchaus freundlich gegenüber. Besonders gewichtig sind in dieser Beziehung die Ausführungen General Seyffards, des holländischen Generalstabschefs, der sich ganz kürzlich auf den sensationellen und ausgesprochen deutschfeindlichen Standpunkt stellte, die belgischen Festungsbauten lägen durchaus im holländischen Interesse, da hierdurch den Deutschen die Lust zu einem Durchmarsch Hollands von vornherein genommen würde. Wenn man also noch vor kurzem in Holland die richtige Ansicht vertrat, daß die belgischen Festungsbauten als ein französisches Ausfalltor gegen die Ruhr zu betrachten seien, so ist man dieser Auffassung weithin untreu geworden, was mit Rücksicht auf die deutsch=holländischen Beziehungen außerordentlich zu bedauern ist. Der holländische Gesandte in Paris, Loudon, gilt ja schon immer als ein sehr warmer Anhänger der holländisch=französischen Richtung, wie anderseits dem französischen Generalkonsulat in Rotterdam ein überragender Einfluß auf die holländischen Wirtschaftskreise nachgesagt wird. Daß sich das nüchtern denkende Holland seinen Eintritt in das französische Machtsystem mit erheblichen wirtschaftlichen Gegenleistungen bezahlen lassen wird, ist selbstverständlich. Daß aber diese wirtschaftlichen Gegenleistungen nur auf Kosten Belgiens(Antwerpen!) gehen können, ist ebenso selbstverständlich. Aber Frankreich ist sich ja seines belgischen Vasallen ohnehin sicher, und die Propaganda jener belgischen Kreise, die für eine Anlehnung Belgiens an England Stimmung machen, braucht Frankreich nicht zu fürchten, da das französische Gold das stolze Albion so gut wie endgültig an die französische Kette gelegt hat. Aus diesem Grunde halten wir auch nicht allzu viel von den an sich durchaus erfreulichen Feststellungen Hendersons und Cecils, daß Deutschland auf Grund des Versailler Diktates nicht nur ein moralisches, sondern auch ein juristisches Recht auf internationale Abrüstung habe. Henderson und Cecil haben das schon mehr als einmal festgestellt, aber jedesmal, wenn es am rechten Ort zu handeln galt, haben sie ihre Ueberzeugung verleugnet und dem skrupellosen Machtstandpunkt Frankreichs zum Siege verholfen. Die Geschichte beugt sich eben weder vor dem Recht noch vor der Humanität, sondern allein vor der realen Macht. Das haben— gleich ihrem französischen Lehrmeister— auch die Polen begriffen. Denn Zaleskis Erklärungen im Auswärtigen Ausschuß des Warschauer Senats, daß es„Unsinn sei, zu behaupten, Polen habe in Genf irgendwelche Verpflichtungen übernommen,“ Können nur dahin gedeutet werden, daß es den Polen gar nicht einfällt, die Genfer Polenbeschlüsse ernst zu nehmen. So hat denn auch z. B. die Kattowitzer Staatsanwaltschaft von 50 Terrorfällen bereits die Hälfte * als„unerheblich“ abgewiesen, und von einer Maßregelung des schlesischen Wojewoden ist bis dahin nicht im geringsten die Rede. Man kann wirklich nicht sagen, daß Deutschlands Lage angesichts all dieser Vorgänge eine erhebende ist. Auch die Reichstagsrede unseres Außenministers Dr. Curtius, so erfreuliche Ansätze sie hier und da zeigte, hat die Wolken am außenpolitischen Himmel Deutschlands nicht verscheuchen können. Im übrigen trat die Rede des Außenministers an Bedeutung außerordentlich hinter der Tatsache zurück, daß die nationale Opposition wegen Vorgängen im Reichstag, über die man sehr geteilter Meinung sein kann, dem Wallothaus den Rücken kehrte und somit eine Mehrheit von 220 Marxisten gegenüber 206 bürgerlichen Abgeordneten zurückließ. Daß dieser Vorgang parteipolitisch in der mannigfachsten Weise beurteilt wird, ist menschlich verständlich. Denn immer ist es nur der böse andere, der Schuld hat. Und die taktischen Kniffe der verschiedenen Parteimänner sorgen dafür, daß ihren jeweiligen Wählern der Glaube erhalten bleibt, daß sie und nur sie die richtigen und allein anständigen Abgeordneten in den Reichstag geschickt haben. Von der höheren. überparteilichen Warte aus freilich sieht das alles wesentlich anders aus. Da ist nicht eine Partei— weder auf der Rechten noch auf der Linken noch in der Mitte— von Schuld und Fehle freizusprechen. Vor allem ist es ja immer das Trennende, das von den einzelnen Parteien mit besonderem Eifer herausgestellt wird. Auch dies mag im reinen Parteiinteresse zu verstehen sein, da man ja nur im Kampf gegen andere seine eigene Daseinsberechtigung den Wählermassen plausibel zu machen vermag. Aber mit diesen Scheidewänden ist uns nicht nur nicht gedient, sondern sie sind ein Verbrechen an unserem Volke, da unsere außenpolitische Stoßkraft durch unser jämmerliches Parteigezänk restlos sabotiert wird. Was uns nottut, das ist nicht das Trennende, sondern das Einigende. Leider gibt es nicht eine einzige Partei, die uns in dieser Beziehung eine Hoffnung ist; dafür sind es eben Parteien. Deshalb wundern wir uns nicht, daß auch jetzt wieder bei dem Auszug der nationalen Opposition jede einzelne Partei ihre Hände in Unschuld wäscht, während es in Wirklichkeit niemals soweit hätte zu kommen brauchen, wenn schon längst alle Parteien sich das Wohl des Volkes etwas mehr und das Interesse der Partei etwas weniger hätten angelegen sein lassen. Eine wehrhafte Nation kann sich diese oder jene innerpolitischen Spiegelfechtereien leisten; aber ein im Staub liegendes Volk hat alle Kraft zusammenzureißen, um zunächst und vor allem seine äußere Freiheit zurückzugewinnen. ein Der Kaiser und der Nationalsozialismus in der Vorstellung kanadischer Missionsleute. In der Missionszeitschrift„Evangelical Christian and Missionary Witneß" Dezember=Nummer 1930, die von der Sudan Interior Mission 366 Bay Str. Toronto 2 in Kanada herausgegeben wird, schreibt Agnes Scott Kent von der Judenmission Toronto folgenden Erguß: „Das Zeichen des Feigenbaums. Der Kaiser und das Hitlertum.“ „Gott bleibt nie ohne Zeugen Aber auch Satan bleibt nie ohne Handlanger. Von all seinen bösen menschlichen Werkzeugen in unserer Generation hat keines mehr Unheil in der Welt angerichtet als Ex=Kaiser Wilhelm. Seine Bosheit hörte auch nicht auf mit dem Zusammenbruch seiner Herrschaft und mit seiner Verbannung nach Doorn. Vielmehr geht sein ruchloser Einfluß auch von der dortigen Operationsbasis in mannigfacher Verkleidung aus, Eben ist in Berlin ans Tageslicht gekommen, daß der Ex=Kaiser der„Finanz=Engel“ der Nationalsozialisten Deutschlands ist, und daß sein ungeheures Vermögen hinter ihren Machenschaften steht. Die Nationalsozialisten sind die Hitlerleute. Und die Hitlerleute sind die Partei, die entschlossen ist, die Juden auszurotten. Der Ex=Kaiser ist wahrlich eifrig am Werk! Die antisemitische Agitation in Deutschland wächst beunruhigend. Die antisemitische Faschistenpresse entfaltet eine hemmungslose Hetze zu Progromen. Hitlers offizielles Organ droht:—„Was Spanien vor Jahrhunderten tat, wird Deutschland morgen tun. Deutschland wird alle Juden austreiben.“ Und wenn sie von Deutschland vertrieben sind, wo sollen sie hingehen? Die Hitlerbewegung greift mächtig um sich in Oesterreich, der Tschechoflowakei. Der Anti semitismus schießt empor in Rumänien, Bulgarien, Polen. Von Rußland hält sich der Jude sowieso am besten fern. Eng sind die Schranken, die das Heimatland Palästina gegen den Juden aufgerichtet hat. Noch wandert der unglückliche Wanderer müde weiter. Wie lang, o Gott, wie lang?“— Soweit der Artikel. Es ist fast unglaublich, daß 13 Jahre nach dem Weltkrieg noch solch bodenlose Lügen und so schamlose Haßvorstellungen über Kaiser Wilhelm in angelsächsischen Gehirnen spuken und in einem Missionsblatt, das übrigens sonst einen vornehmen Eindruck macht, ernsthaft weitergegeben werden. Es ist ferner fast unglaublich, daß über eine Bewegung wie den Nationalsozialismus in der evangelischen Presse eines angelsächsischen Landes solch ungeheuerliche Unrichtigkeiten und Verleumdungen gar noch unter Gebetsseufzern weitergegeben werden. Wir nehmen an, es handle sich hier um eine Ausnahme. Immerhin erinnern wir uns hier mit tiefem Schmerz an jenen gewissen= und herzlosen Verleumdungs= und Lügenfeldzug, der gegen uns„Hunnen“ während des Weltkriegs gerade in der angelsächsischen Presse geführt wurde und der die Gehirne und Herzen der angelsächsischen Völker systematisch vergiftete*). Es scheint, daß der Evangelical Christian and Missionary Witneß das alles als bare Münze bis heute festhält. Dann aber müssen wir bei dieser Gelegenheit feststellen:— Auch in der Nachkriegszeit sind in der angelsächsischen Welt, namentlich von Nordumerika aus, immer wieder die häßlichsten Hetzfilme und Pressestimmen gegen Deutschland verbreitet worden. Wir nennen hier nur den Film:„Der Kaiser, die Bestie von Berlin, ein Gemälde, das nackt zeigt die Seele des wahnsinnigsten Mörderkönigs, des boshaftesten Wesens der ganzen Menschheitsgeschichte. Dieser Film wurde mit all seinen scheußlichen Verlogenheiten nicht nur Erwachsenen, sondern ausdrücklich auch Kindern unter 13 Jahren hin und her in der angelsächsischen Welt vor Augen geführt. Wir wissen heute in Deutschland genau, daß dieser Film aus derselben trüben Quelle stammt, wie jener Remarquefilm, mit dem neuerdings die ganze Welt überschwemmt wurde. Wir wissen ferner, daß bei dieser systematischen Vergiftung zwar nicht der„unglückliche wandernde Jude", wohl aber AllJuda mit seiner unheimlichen, weltbeherrschenden Pressemacht keine geringe Rolle spielt. Dem E. C. and M. Witneß, seinen Mitarbeitern und Lesern aber empfehlen wir die Lektüre des Buches„Die Entstehung des Weltkrieges, eine Einführung in das *) Man lese z. B. zu dem hin, was wir längst wußten, das Buch von Marie Gallison, geb. Reuter„Aus meinem Leben in zwei Welten, Erinnerungen aus bewegter Zeit in Deutschland und Amerika“, Verlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt Kaiserswerth a. Rhein, 3. Auflage 1929, vor allem S. 324 ff. Da bekommt man einen Eindruck von den grausamen seelischen Qualen, denen alle Deutschgeb# rene in der Kriegszeit in der angelsächsischen Welt ausgesetzt waren. In amerikanischen Kinos wurden Finger oder Hände in Spiritusflaschen gezeigt, welche die Deutschen den belgischen Kindern abgehauen haben sollten!(S. 330) usw. usw. Das Buch ist auch für Männer ungemein lehrreich; es ist von einer hochgebildeten Frau geschrieben, die zudem sich mit restloser Hingabe für ihr bedrängtes, geschmähtes Volk eingesetzt hat. Das ist Christentum der Tat, wie wir es neben Gottes Barmherzigkeit brauchen, wenn Deutschland aus der Tiefe seiner Not gerettet werden soll! Dies Buch sollte aber auch in englischer Sprache in die angelsächsische Welt hinein! Zu Frau Ajas 200. Geburtstage. (19. Februar 1931.) Von Hermann Trebbin. Frau„Rätin“. Elisabeth Goethe hatte einst vor, Freund Merck in Darmstadt zu besuchen(übrigens ihre einzige Reise, von der wir wissen). Sie meldet dies der Herzogin Anna Amalie mit den Worten:„Da nehme ich mir ein paar brave Mädels mit und einen wackeren Bursch, der uns gegen die Räuber verteidigt, und dann singen wir den gantzen weg allerley, was wir aus Operetten und andern Liedern wissen, z. B. Es lebe der Herzog, mein Töffel und ich; der Herzog für alle, mein Töffel für mich usw.“ Da haben wir gleich die ganze übersprudelnde Heiterkeit, den ganzen herzerfrischenden Humor Frau Ajas. Sie war schon elf Jahre Urgroßmutter, als sie ihrer Schwiegertochter Christiane schrieb:„Wenn ich unter guten Freunden bin, da lache ich die jüngsten aus.“ Sie hält das Leben„vor eine hübsche Sache" und meint:„Warum sollte es einem auf dieser schönen Gotteserde nicht wohlseyn!“„Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht,“ ist die Losung. Mit ihrem zu Besuch bei ihr weilenden Enkel August lebt sie„wie ein Vogel im Hanfsamen, und heysa, lustig ohne Sorgen, wie der König Salomo.“ Bei solcher Artung glauben wir ihr gern, wenn sie einmal an des großen Sohnes Freundin Charlotte von Stein schreibt:„Ich habe die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir weggegangen ist— weß Standes, alters und Geschlecht sie auch gewesen ist.“ Der Königin Luise waren die jugendseligen Tage, die sie einst während einer Kaiserkrönung unter der Obhut der Frau Rat zubrachte, in so beglückender Erinnerung geblieben, daß sie ihr nach Jahren noch ein kostbares goldenes Geschmeide eigenhändig um den Hals legte.— Des zu seiner Zeit berühmten Arztes und Gelehrten Zimmermann etwa sechzehnjährige, vom Vater unverantwortlich tyrannisierte Tochter war von der liebreichen Mütterlichkeit dieser seltenen Frau so hingerissen, daß sie sich ihr zu Füßen warf und sie leidenschaftlich flehte, sie als Magd, als Sklavin für immer im Hause zu behalten. Eine ergötzliche Geschichte aus der Zeit der napolconischen Kriege berichtet uns Frau Aja durch Bettinens Mund selbst:„Weißt du was? Meine französische Einquartierung hat gestern von mir Abschied genommen! Und eh' ich mir's verseh', fällt mir der Bub' um den Hals und küßt mich und sagt: Vous dtes ma mère, und Kviegsschuld=Problem“, und zwar im englischen Original, herausgegeben von dem amerikanischen Professor Harry Elmer Barnes. Wir zweifeln nicht, daß sie dann erkennen werden, in welch furchtbarem Irrtum sie gefangen sind. Und vielleicht lesen sie dann dazu, was der Angelsachse(Amerikaner) Henry Ford in seinem Buche„The international Jew. A World=Problem.“(deutsch im Hammerverlag, Leipzig, 101.—104. Tsd.) schon 1921 geschrieben hat. Die Aufsätze dieses Buches erschienen zuerst im„Dearborn Independent". Wohl wissen wir, daß Henry Ford sein Buch später„zurückgenommen“ hat. Die Tatsachen, über die das Buch berichtet, sind aber selbst verständlich durch diese„Zurücknahme“ nicht ungeschehen gemacht. Im 25. Kapitel dieses Buches findet sich folgende Stelle:„Wer Wilson einen Autokraten nennt, ist blind gegen die außerordentliche Machtfülle, die er auf Mitglieder der jüdischen Kriegsregierung übertrug. Amerika in den Krieg zu führen, war nicht sein Gedanke, ebensowenig die Art der Kriegsführung und des Friedensschlusses. Hinter, über ihm stand der Jude Baruch; er begleitete ihn nach Paris und verließ erst mit ihm den europäischen Boden auf dem„George Washington", als alles erledigt war, so wie Baruch und seine Leute es gewollt hatten, die um Wilson einen festen Ring gebildet hatten. Der einzige Journalist, der während des Krieges ständig beim Präsidenten Zutritt hatte, sein offizielles Sprachrohr, war der Jude David Lawrence.“(deutsche Ausgabe, Seite 225.). Es liegen statistische Nachweise darüber vor, daß die Herrschaft im bolschewistischen Rußland unter Trotzki, d. h. unter dem Juden Braunstein, fast völlig in jüdischen Händen war. Mehr als vier Fünftel aller Regierungskommissare waren Juden(Ford Seite 179). Deutschland aber ist dauernd vom Bolschewismus bedroht! Wenn man sich nur diese Tatsachen— andere wollen wir jetzt gar nicht nennen— vergegenwärtigt, dann begreift man wohl auch schließlich in Toronto in Kanada, warum und wogegen sich das erwachende Deutschland wehrt. Die Auswüchse, die bei diesem Abwehrkampf unterlaufen, billigen weder die Führer der nationalsozialistischen Bewegung noch wir Christen. Aber sind nicht auch sie bei der furchtbaren Not des deutschen Volkes wenigstens zu verstehen? Es wäre aber wohl gut, der Deutsch=Ev. Missionsausschuß gäbe seinerseits noch eine direkte Antwort auf den obigen Artikel. Dabei wird dann gewiß die Versicherung nicht fehlen, daß es uns deutschen Missionsleuten eine ganz selbstverständliche Pflicht ist, rückhaltlos zu unserem Volk zu stehen in dem Kampf auf Leben und Tod, in den es mit durch die Schuld angelsächsischer Kriegs= und Nachkriegspolitik heute hineingeworfen ist. Und wenn schon vom Satanischen die Rede ist, dann haben wir deutschen Christen das Recht, die Kriegsschuldlüge und die heillosen Verträge, die darauf fußen, satanisch zu neunen. Aber hier soll noch ein anderer Gedanke ausgesprochen werden. Nie hat Deutschland den Mut gefunden, offiziell und feierlich vor aller Welt diese infame Kriegsschuldlüge zurückzuweisen, und deren Zurücknahme im Namen der Wahrheit zu fordern. Deutsches Volk, wundere dich nicht, wenn in Toronto in Kanada und sonst irgendwo in der Welt irgendwer zu behaupten wagt, du seiest ein Volk von gemeinen Verbrechern! Das flennt, und ich muß auch flennen, denn da hättest du das Ambrassieren sehen sollen; denn er ist immer wieder die Trepp' hinaufgesprungen und hat mir noch einmal die Hand gedrückt und noch einmal. Es hätt' kein End' genommen, wenn die Trommel nicht gangen wär'.“ Ja, sie konnte eben nicht anders. Sie mußte alles um sich her froh, zufrieden und harmonisch gestimmt sehen. Immer findet sie das erlösende und versöhnende Wort. Und wenn die gräflichen Brüder Stolberg voll poetischem Ueberschwang sich in ihrem Hause einmal in blutrünstigen Reden über die Tyrannen ergehen, so begibt sie sich still in den Keller, wo in stattlichen Fässern die guten Jahrgänge liegen, und bringt so einen edlen Tropfen in geschliffener Flasche und stellt ihn mit den Worten auf den Tisch:„Hier ist das wahre Tyrannenblut, daran ergötzt euch, aber die Mordgedanken laßt mir aus dem Hause.“ Freilich tat sie auch„ihrem eigenen Leichnam gern seine ihm gebührende Ehre an“. Und als der Herr Sohn später mit gelindem Druck den Verkauf des großen väterlichen Hauses durch sie herbeiführen will, da schreibt sie ihm selbstbewußt:„Ich muß vor allen Dingen meinem Stand und meinen Würden gemäß ein Logie haben, daß ich mich in meinen Letzten Lebens=Jahren nicht zuguterletzt herunter setzte. Denn im 5ten Act soll ablaudiert und nicht gepfeiffen werden.“ Ihr wertes reichsbürgerliches Behagen— wer dächte da nicht an des Olympiers oft so befremdlichen Charakterzug, alles von sich sern zu halten, was ihn aus der Gelassenheit, aus dem Gleichgewicht bringen konnte— geht ihr über alles. Immer wieder wird man dessen inne, wenn man ihre„Briefger“ zur Hand nimmt.„Bey diesem Spektakel(Krieg) bliebe ich die gantze Zeit her ruhig— Eßen, Trincken und Schlaf bekame mir wohl“, schreibt sie an Goethe. Und wenn sie gute Nachrichten aus Weimar bekommt, bringt sie„das ganze linke und rechte Rheinufer weder um Appetit, noch um Schlaf“.„Die Ruhe, die Ruhe ist meine Seligkeit“, bekennt sie ihrem jungen Freunde Fritz von Stein,„und da sie mir Gott schenkt, so genieße ich sie mit Dancksagung.“ Beliebte es z. B. der Sonne— die sie übrigens nach ihrem eigenen Geständnis nie hat aufgehen sehen— länger im Bette zu bleiben, nun, so beliebte es ihr eben auch und— sie schlief bis ½9 Uhr— basta. Natürlich blieben auch ihr die Zeiten nicht erspart, wo sie durch die„Sandwüste dieser Werkeltagswelt mußte, klagte:„Frau Aja sitzt ganz allein in den Hütten Kader und ihre Harpfe hangt an den Weiden.— Einsam ist ja, genau genommen, bis zur Stunde noch veraukert im„unantastbaren“ Versailler Vertrag! Otto Lohß, früher Missionar in China. Halligen im Völkermeer. Von Pfarrer Fritz Seefeldt, Leiter der auslandsdeutschen Volkshochschule Dornfeld. Dornfeld, dessen Volkshochschule jetzt ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, ist eine deutsche Kolonie, die mit vielen anderen um 1780 zur Hebung der Kultur des Landes 30 Kilometer südlich von Lemberg angesiedelt wurde. In Abständen von 3 bis 15 Kilometern liegen im Kreise noch sechs andere kleinere solcher Kolonien um das größere Dornfeld herum. Jede dieser Kolonien hat eine private deutsche Schule, die von den Kolonisten aus eigenen Mitteln mühsam erhalten wird. und die ganze Koloniegruppe bildet eine Pfarrgemeinde, In der Nähe jeder größeren Stadt des früheren Galizien(heute: Kleinpolen) findet sich solch eine Pfarrgemeinde, aber auch dazwischen sind immer eine Reihe von Kolonien hoch bis in die Karpathen hinauf zu solchen Pfarrgemeinden zusammengeschlossen und haben oft 20, auch 30 und 40 Kilometer schlechte Straße bis zur nächsten deutschen Kolonie und zur Bahnstation. Der Verkehr von einer zur nächsten Kolonie führt meist durch eine Reihe polnischer oder ruthenischer Dörfer und kleiner, vorwiegend jüdischer, Städte. Die Hälfte dieser deutschen Kolonien ist evangelisch und hat deutschevangelische Pfarrer und ebensolche Lehrer, die andere Hälfte ist katholisch. Aus diesen Verhältnissen ergeben sich natürlich ganz besondere Bedingungen, Schwierigkeiten und Forderungen für die deutsche Volksbildungsarbeit. Es ist nicht nur als Kuriosum zu bewerten, daß Galizien selbst eine eigenartige Lage hat. Przemyfl, die im Weltkrieg berühmt gewordene Festung in der Mitte Galiziens, ist geographisch etwa der Mittelpunkt Europas. Von hier ist es gleich weit nach Brest am Atlantischen Ozean und nach Astrachan am Kaspischen Meer, nach Petersburg und nach Rom, nach Stockholm und Saloniki, nach Kopenhagen und dem Sund sowie nach Konstantinopel und dem Bosporus! Ueber die Hauptstädte Galiziens, Krakau und Lemberg, ging im Mittelalter die Haupthandelsstraße vom Westen nach dem Osten, und diese beiden Städte sind deutsche Gründungen. Galizien war das Einfallstor der Ostvölker durch viele Jahrhunderte— bis in den Weltkrieg hinein; daher hat es den Namen: Russia rubra „Land der Gräber und der Kreuze". Da es eins der an gutem Ackerboden und Bodenschätzen reichsten Länder Europas ist, ist so viel Blut um dies Land geflossen. Es ist ein begehrtes Land, das aber um der durch mehr als ein Jahrtausend in ihm hausenden und wütenden Kämpfe seinen Einwohnern bis heute keine ruhige kulturelle Entwicklung und damit keinen Wohlstand gegeben hat. Mindestens acht Kulturkreise schneiden sich hier— vier völkische und vier religiöse, so hat z. B. Lemberg als einzige Stadt der Welt drei Erzbischöfe— das gibt ein für den Westeuropäer kaum vorstellbares Gemisch. So sind in der evangelischen Kirche Deutsche, Polen und Ukrainer vereint. Hier bilden die beutschen Kolonien Halligen im Völkermeer und Religionsgemisch. Große Gefahren drohen diesen Halligen aber nicht nur von außen. Die Inzucht droht unsere Volkskraft hier zu verzehren, Degeneration ist das Schreckgespenst, das wir nur mit größter Kraftanstrengung bannen können. wie im Grabe und verlassen wie ein Käutzlein in verstöhrten Städten“, Tage, wo dann ihr sonst so„rosenfarber Humor etwas floh=farb“ wurde. Die Ehe mit dem mehr als 20 Jahre älteren, lehrhaft und etwas grämlich veranlagten Manne konnte ihr das erhoffte Lebensglück nicht bringen. Vier Kinder mußte sie nach kurzem Besitz wieder hergeben. Den Weg zum Herzen ihrer einzigen, ihr so wesensfremden Tochter, der iphigenienhaften Cornelia, hat sie nie gesunden. Es kam dann deren früher Tod im Kindbett. Es folgte der Tod ihres Mannes nach langem körperlichen und geistigen Siechtum, und dann die empörende Untreue ihres Schützlings, des von ihr in hingebungsvoller Liebe betreuten Schauspielers Unzelmann. Ihr auch nicht gerade von Dankbarkeit überfließende„Häschelhans“ aber verwöhnte sie weder durch Briefe noch durch Besuche. Da ließ denn auch sie den Kopf manchmal hängen, zumal ein heldenhaftes Sich=zur=Wehr=setzen dem Schicksal gegenüber nicht ihre Sache war. Aber rasch ist dann meist ein Trost oder doch ein Tröstelein zur Hand, und ihre„Schruppe!“ sind wieder mal behoben.„Unsere Lage ist jetzt in allem Betracht fatal und bedencklich": schrieb sie einst während der Revolutionskriege,„doch vor der Zeit sich grämen oder gar verzagen war nie meine Sache auf Gott vertrauen— den gegenwärtigen Augenblick nutzen— den Kopf nicht verlieren— sein eigenes werthes Selbst vor Krankheit... zu bewahren— da dieses alles mir von jeher wohl bekommen ist, so will ich dabey bleiben. Und ein andermal:„Ich bin wohl und vergnügt— trage, was ich nicht ändern kann mit Geduld — warte auf bessere Zeiten, ängstige mich aber nicht vor der Zeit.“ Oder:„Wer wird sich grämen, daß es nicht immer vollmond ist und die Sonne jetzt nicht so warm macht wie im Julius— nur das gegenwärtige gut gebraucht und gar nicht daran gedacht, daß es anders sehn könnte: so kommt man am besten durch die Welt.“ Wenn sie auf diese Weise ihren Lebensacher manchmal nicht sonderlich tief bestellt, so versöhnt es uns doch auch wieder, wenn wir sehen, daß sie ihr und der Ihrigen sein von einer ewigen Liebe geleitet und getragen siehl. Besonders mochte in dieser Hinsicht der Einfluß jener „schönen Seele“, der wahrhaft frommen Susanne von Klettenberg auf sie bedeutungsvoll gewesen sein.„Ich bin ruhig wie ein Kind an der Mutter Brust“, bekennt sie, „denn ich habe Glauben— Vertrauen— und feste Inversicht auf Ihn.“ Und jener erhabenen Sprüche aus den Propheten getröstet sie sich immer wieder, wenn)“ nebervölkerung tr Premder Sprache, den Volkstums einen Keil in die aft zu treiben? sich, wie alle Ensere Volksbildu ### Vereinsamung Pvserietiger## Sagueren uns uo In die Tausende werker— als oft sischen Dörfern, ppolnischen oder hhalbe oder ganz gaben, dann mag strum deutsche ders für die Praußen bedeutet Entdeuts ehemals deut Das amtliche Anik Ustaw“ veröf das Jahr 1932. Provinzen swieder an der S ten Grundbesitzes Parzellierung vo len die Parzellie der anderen### Zahlen auf. 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Und se sich bis in ihr sich berichtet:„ Zug kommst wender“, und kommt, heiter sie einmal an deren wirtschaft wirtschaftliches Geschenck vor alles zerrüttet breitet.“ ehervölkerung treibt in die Städte, wo Beruse in pemder Sprache, im Dienst an Angehörigen fremVolkstums ausgeübt werden und Landfreiheit Essen Keil in die räumlich so verstreute VolksgemeinShaft zu treiben droht. Der Volksbildner merkt deutich, wie alle diese Dinge unmittelbar Probleme für Aufere Volksbildung hier draußen bedeuten. Seelisch ## Vereinsamung unmittelbare Folge, Mangel an Begenseitiger Konkurrenz bringt ein wirtschaftliches Stagnieren als Gefahr mit sich. Wenn man nun noch un die Tausende von Deutschen denkt, die als Handwerker— als oft einzige deutsche Familie!— in ruthewischen Dörfern, als Gutsverwalter oder Pächter auf polnischen oder jüdischen Gütern sitzen und so oft Falbe oder ganze Jahre keinen deutschen Verkehr haben, dann mag man sich ausmalen, was ein Zenum deutscher Volksbildungsarbeit besonhers für die heranwachsende oder reife Jugend hier raußen bedeutet! bleibt Parole. Die ehemals deutschen Gebiete wieder an der Spitze der Zwangsparzellierung. Warschau, 18. Februar. Das amtliche polnische Publikationsorgan„Dzienmik ustaw“ veröffentlicht den Parzellierungsplan für das Jahr 1932. Die ehemals deutschen Gebiete— die Provinzen Posen und Pommerellen— stehen danach wieder an der Spitze der Zwangsparzellierung privaten Grundbesitzes! Der Plan sieht für Posen die Parzellierung von 24000 Hektar und für Pommerellen die Parzellierung von 20000 Hektar vor. Keine der anderen Wojewodschaften weist ähnlich hohe Zahlen auf. Auch die für das Bezirkslandamt Grodno festgesetzte Parzellierung von 22000 Hektar liegt insofern weit unterhalb der für Posen und Pommerellen verfügten Parzellierungen, als dort bereits 5400 Hektar parzelliert sind, so daß in Wahrheit nur noch 16.600 Hektar parzelliert werden sollen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in der Wojewodschaft Wilna. Von den im Plan veranschlagten 20 000 Hektar bleiben ebenfalls nur 16 500 Hektar zur Parzellierung übrig. Für die übrigen Landesteile liegen die Ziffern weit unterhalb der bisher genannten. Die Parzellierungen in Warschau betragen so um 10 000 hektar, in Petrikau 5000 Hektar, Lemberg 8000 Hektar, Bialystok und Krakau je 2000 Hektar. Die„Deutsche Rundschau“ in Polen, das in BromAberg erscheinende Organ des Deutschtums, bezeichnet die für Posen und Pommerellen in den ParzellierungsAplan festgesetzten Zahlen als geradezu katastrophal. Das Blatt weist darauf hin, daß bereits in den Jahren 1926—1930 der deutsche Grundbesitz ungerechterweise in einem weit höheren Verhältnis mit der Zwangssparzellierung belastet worden ist als der polnische Besitz. esonders kraß sei das Verhältnis im vorigen Jahre vin Pommerellen gewesen, wo 5455 Hektar deutschen und nur 6750 Hektar polnischen Besitzes zur Zwangsparzelrung bestimmt wurden, obwohl sich in dieser Wojewodschaft polnischer und deutscher Großgrundbesitz prozentual etwa die Waage halten. Das Blatt kommt zu dem Schluß, daß auch der neue Plau, der wiederum den Hauptdruck der Parzellierungen auf die ehemals deutschen Gebiete Westpolens legt, mit eindringlicher Deutlichkeit erkennen lasse, daß Politik und nicht Wirtschaftlichkeit die Triebfeder des handelus ist, daß mithin nicht eine gesündere Agrarstruktur, sondern die Entdeutschung die Losung sei, die durch den Plan für Westpreußen ausgegeben Awurde. Hienenialal in Spanten. Sanchez Guerra Verzicht aus die Rezierungsbildung.— Putschgerüchte in Madrid. — Madrid, 18. Februar. Sauchez Guerra, dem der König von Spanien um die Bildung der neuen Regierung ersucht hat, ist gescheitert und hat seinen Auftrag zurückgegeben. Bestimmend dafür waren die Absagen, die ihm die Führer der Republikaner und der Sozialisten, mit denen Guerra teilweise im Gesäugnis verhandelt hat, erteilt haben. Als geeigneten Mann hat Sauchez Guerra dem König Melquiades Alvarez, der auf dem äußersten Flügel der Konstitutionalisten steht, empfohlen. Der Mißerfolg Sanchez Guerras hat die Lage noch mehr zugespitzt, als sie es ohnehin schon war. Kennzeichnend für die allgemeine Nervosität sind die in Madrid umlaufenden Putschgerüchte. Danach sollte sich in dem 13 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Getafe das erste Feldartillerieregiment zu Gunsten des Königs erhoben und die Straßen besetzt haben. Später wurde diese Putschmeldung von der amtlichen Nachrichtenagentur als falsch bezeichnet. Es habe sich, so wird erklärt, um einen unpolitischen Skaudal gehandelt, den eine Anzahl Sotdaten der Garnison Getafe dadurch hervorriefen, daß sie sich in einem Tanzlokal bei einer Karnevalsveranstaltung stark betranken, großen Lärm machten und durch die Straßen des Ortes zogen. Daraufhin sei die Wache alarmiert worden, die schleunigst die Ruhestörer verhaftet und so die Ordnung wiederhergestellt habe. Bleibt der König? Versuch eines Kabinetts aller Monarchisten. — Madrid, 17. Februar. In letzter Minute wurde die Militärdiktatur abgeblasen angesichts der Gefahr eines sofortigen Generalstreiks. Der König hat sich brieflich an sämtliche überzeugten und aufrichtigen monarchistischen Führer gewandt und ihnen ihre Mitarbeit zur Pflicht gemacht. Es soll nun ein Kabinett gebildet werden, zusammengesetzt aus den konservativen Führern Cierva, Goicoechea und dem Herzog von Maura, mit den monarchistischen Liberalen Romanones und Athucema, sowie mit den Generälen Calvacanti, Saro und Barrera als Vertreter der bewaffneten Macht. Es wäre dies eine Zivildiktatur mit militärischem Einschlag. Der bisherige Innenminister hat vor einer Stunde die Garantien für die Versammlungs= und Pressefreiheit wieder aufgehoben, ohne allerdings den Kriegszustand zu erklären. Die Telefonverbindung mit dem Ausland bleibt aufrecht erhalten. erneut eingebracht.— Bereits Sonntag 25 000 Unterschriften. Der Stahlhelm teilt mit: Die Anzahl der beim Bundesamt des Stahlhelm schon aus Teilen der beiden Landesverbände Berlin und Brandenburg eingelaufenen Unterschriften der Zulassungsanträge zum Volksbegehren hatten bereits am Sonntag 25 000 überschritten(20000 sind bekanntlich nur notwendig). Trotzdem noch stündlich Tausende von weiteren Unterschriften einlaufen, wird die vom preußischen Minister des Innern geforderte Ergäuzung des bereits am 4. Februar vom Stahlhelm au sich glaubhaft genug begründeten Antrages auf Zulassung des Volksbegehrens„Landtagsauflösung“ heute nachmittag eingereicht.“ Ein Aufruf Hitlers. Verbot des Waffenbesitzes jeder Art. Der Führer der Nationalsozialisten, Adolf Hitler, veröffentlicht einen Aufruf an die Nationalsozialisten, in dem er als„verantwortlicher Leiter der Partei vor jenen Provokateuren warnt, die die.A. mit allen Mitteln in die Rolle des Angreifers zu drängen versuchen, um auf diese Weise die Legitimation für die Verfolgung der Bewegung dem heutigen System in die Hand zu drücken.“ Hitler verbietet erneut aufs schärfste den Besitz von Waffen jeglicher Art nach den gesetzlichen Vorschriften. In dem Aufruf heißt es weiter, die Spitzelzentralen arbeiteten heute mit vielen Hunderttausenden von Mark, um noch in letzter Stunde die Bewegung zu einer Unüberlegtheit zu reizen. Diesen Versuchen gegenüber sollen sich die..= und S..= Männer zu einem unzerbrechlichen Bund zusammenschließen. Eindeutscher Dampfer in die Luft geflogen. Die Besatzung gerettet. —Riga, 17. Februar. Am Dienstagabend flog der 1500 Tonnen große deutsche Dampfer„Leander“, der sich mit einer Ladung Stückgut, darunter Oel und Benzin, auf der Fahrt von Bremen nach Riga befand, bei Domesnäs in die Luft. Es kam zu vier gewaltigen Explosionen. Eine Stichflamme erreichte die Höhe von etwa 100 Meter. Der Dampfer sandte sofort SOS=Rufe aus, die in Riga, Libau und Windau aufgefangen wurden. Ein Windauer Bergungsdampfer lief sofort aus, um dem Dampfer Hilfe zu leisten. Der 18köpfigen Besatzung gelang es nur mit knapper Not, dem Feuertode zu entrinnen. Das Zuwasserlassen eines Rettungsbootes war wegen der Eisverhältnisse nicht möglich. Die Mannschaft sah sich daher gezwungen, auf das den Dampfer umgebende Eis zu springen. Sie hatte keine Zeit mehr, sich anzuziehen Nach einer schwierigen Eiswanderung haben die 18 Mann zum Teil barfuß die kurländische Küste erreicht. Der Dampfer ist sofort nach der Explosion gesunken. K großer Sohn aufs neue aus Krankheit und Gefahr erretstet ist:„Man wird wiederum Weinberge pflanzen an den Bergen Samarias, pflanzen wird man und dazu pfeifen.“ Und:„Mache den Raum deiner Hütten weit und breite gaus die Teppiche deiner Wohnung, spare sein nicht— dehne deine Seile und stecke deine Nägel fest, denn du zwirst ausbrechen zur Rechten und zur Linken.“ So war sie, die Klopstockverehrerin, wohl dazu berusen, ihre Kinder auch in die Geheimnisse der Religion einzuführen. Was sie aber besonders zu einer rechten Lichtermutter macht, das war ihr„Briliantes Talent", wie sie es selbst nannte, allerlei Geschichten, Märchen und Anekdoten zu erzählen. Darin suchte sie ihren Meister. Ja, sie macht sich anheischig, acht Tage lang in einem fort zu plaudern. Wer kennte nicht ihren eigenen, uns durch Bettina Brentano übermittelten Bericht über die meisterhafte Art, ihrem kleinen„Hätschelhans“ das kleine Herz bis unter die Halskrause hinauf schlagen zu machen, so daß er sie mit seinen großen schwarzen Augen fast verTschlang. Und diese lebendige Darstellungsgabe bewahrte lie sich bis in ihr hohes Alter, so daß sie als 76=Jährige von sich berichtet:„Frau Aja, Frau Aja, wenn du einmal in 5½g kommst, so gehts wie ein aufgezogener Bratenwender“, und alles wird, so oft sie in einen„Circul“ kommt, heiter und froh, weil sie erzählt. So berichtet sie einmal an ihre Schwiegertochter Christiane, über beren wirtschaftliches Talent sie sich besonders freut.„Ein wirtschaftliches Weib“, so schreibt sie ihr,„ist das edelste beschenck vor einen Biedermann— da das Gegentheil alles zerrüttet und Unglück über die gantze Familie verbreitet.“ Venn wir aber zum Schluß noch eins evwähnen solen, so ist es treu=deutscher Sinn. Die lateinischen Lettern d. sind ihr ein Greuel, und noch ein Jahr vor ihrem im 13. September 1808 erfolgten Tode schreibt sie an ihten Sohn:„Halte fest an deutschem Sinn— deutschen Süchstaben..„ deutsch, deutsch geredet— geschrieben und gedruckt!“— so lebt Elisabeth Goethe im Herzen ihres Volkes oet, kein vollkommenes Wesen, aber ein Mensch voll soiger Jugend, erfrischendem Humor, sprudelnder Phanste, kerngesundem, wenn auch nicht immer tiefem LePenssinn und festgegründeter Frömmigkeit, die Zierde Dtes Geschlechte, wie Wieland sie nannte, die Frau, von i der Erbprinz von Mecklenburg, der Bruder der n Luise, einst sagte, daß es ihn nie gewundert habe, daß sie uns Goethe gebar.“ Frau Aja im Spiegel ihrer Briefe. Ordnung und Ruhe sind die Hauptzüge meines Charakters; daher tue ich alles frisch von der Hand weg, das Unangenehmste immer zuerst, und verschlucke den Teufel, ohne ihn erst lange zu bekucken; liegt dann alles wieder in den alten Falten..., dann biete ich dem Trotz, der mich in gutem Humor übertreffen wollte. * Die Ruhe liebte ich von jeher und meinem Leichnam tue ich gar gern seine ihm gebührende Ehre. * Ich bin keine Heldin und halte das Leben für eine hübsche Sache. * Lassen wir das Ding gehen, wie es kann, ängstigen wir uns nicht vor der Zeit, bringen unsere Tage so vergnügt zu, als wir können, denn wir können dem Rad des Schicksals doch nicht, ohne zerschmettert zu werden, in die Speichen greifen. * Ich freue mich des Lebens, weil noch das Lämpchen glüht, suche keine Dornen, hasche die kleinen Freuden. Sind die Düren niedrig, so bücke ich mich; kann ich den Stein nicht aus dem Wege tun, ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum, und so finde ich alle Tage etwas, das mich freut,— und der Schlußstein: der Glaube an Gott! Der macht mein Herz froh und mein Angesicht fröhlich. Fröhliche Menschen, die mag ich gar gern! * Wollte Gott, ich könnte alle Menschen froh und glücklich machen, dann sollte mir erst recht wohl sein! * Ich habe die Gnade von Gott, daß noch keine Menschenseele mißvergnügt von mir weggegangen ist, wes Standes, Alters und Geschlechts sie auch gewesen ist. Ich habe die Menschen sehr lied..., bemoralisiere niemand, suche immer die gute Seite auszuspähen, überlasse die schlimme dem, der sie schuf und der am besten versteht, die scharfen Ecken abzuschleifen. Meine Gobe, die mir Gott gegeben hat, ist eine lebendige Darstellung aller Dinge, die in mein Wissen schlagen, Großes und Kleines, Wahrheit und Märchen; so wie ich in einen Circul komme, wird alles heiter und froh, weil ich erzähle. Ich besitze einen Schatz von Anekdoten, Geschichten usw., daß ich mich anheischig mache, acht Tage in einem fort zu plaudern. * So fühle ich alles, was wahr, gut und brav ist, mehr als vielleicht tausend andere meines Geschlechts.. dieses unverfälschte Naturgefühl bewahrt meine Seele... vor Rost und Fäulnis. * Ich habe Glauben, Vertrauen und feste Zuversicht auf Ihn, und niemand ist noch zu Schanden geworden, der ihm das Beste zugetraut hat. In die freie Luft, aufs Land, unter Menschen gegangen, die man leiden kann, und alle schwarzen Gedanken dem Teufel vor die Füße geschmiffen! Halte fest an deutschem Sinn redet, geschrieben und gedruckt! deutsch, deutsch geVerschiedenes. Bodelschwingh=Gedächtnis in den Schulen. Ein Erlaß des preußischen Kultusministers. In einem Erlaß an die Provinzialschulkollegien und die Regierungen weist der Preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung darauf hin, daß am 6. März 1931 sich zum 100. Mal der Geburtstag Friedrich von Bodelschwinghs jährt.„Ich halte es für selbstverständlich.“— führt der Minister aus—„daß an diesem Ehrentage der Inneren Mission im evangelischen Religionsunterricht aller mir unterstellten Schulen des ehrwürdigen Mannes und seines großen Liebeswerkes in würdiger Weise gedacht wird.“ * Westfälische Verwaltungsabademie. An der Westfälischen Verwaltungsakademie zu Münster i. W. wird mit dem S. S. 1931 ein neuer Allgemeiner systematischer Sechssemesterlehrgang beginnen. Außerdem sind besondere kommunalwissenschaftliche und sozialwissenschaftliche Fachvorlesungen in Aussicht genommen, so daß die Möglichkeit besteht, auch in Münster das Kommunal= bezw. das Soziakdiplom zu erwerben. Ueber nähere Einzelheiten erteilt die Zentralgeschäftsstelle der Westfälischen Verwaltungsakademie zu Münster i.., Johannisstraße 9. Fernruf 26 286 Auskunft. und die Osthilfe. Eine amtliche Darstellung. Amtliche Preußische Pressedienst veröffentlicht eine Stellungnahme zu den von rechtsstehenden Zeitungen gegen die preußische Regierung in der Frage der Osthilfe gerichteten Angriffe. Darin heißt es u..: „Für das Umschuldungsverfahren ist in dem Gesetz vorgesehen, daß das bisherige Osthilfegebiet auf die gesamten Ostprovinzen und auf beide Lander Mecklenburg ausgedehnt werden kann, in dem Maße, in dem die vorgesehenen Mittel flüssig gemacht werden können. Für die allgemeinen Hilfsmaßnahmen dagegen ist das frühere beschränkte Gebiet beibehalten worden. Auf die Bank für Industrie=Obligationen, bei der in der Tat die Schlüsselstellung für das Umschuldungsverfahren liegt, hat nach der bisherigen Gestaltung der Dinge weder die Preußenkasse noch die preußisch: Staatsregierung irgendeinen Einfluß. Zwischen der Bank für Industrie=Obligationen und der Preußen"asse bestehen überhaupt keine Verbindungen, und in dem von der Reichsregierung gleichzeitig mit dem Osthilfegesetz vorgelegten Industrie=Aufbringungs=Abbaugesetz ist ebenfalls eine Vertretung Preußens weder im Aufsichtsrat noch im Vorstand der Bank vorgesehen. Im übrigen haben Verhandlungen über die Gestaltung der Außenstellen der Bank, die gemeinsam mit den Landstellen an dem Umschuldungsverfahren mitzuwirken haben werden, überhaupt noch nicht stattgefunden. * Niederschlesien fordert Osthilfe. Breslau, 18. Februar. Die Industrie= und Handelskammer Breslau, der Magistrat der Stadt, die Landwirtschaftskammer Niederschlesien und der Bund schlesischer Industrieller protestieren in Eingaben an die Reichsregierung dagegen, daß der Entwurf des Osthilfegesetzes, nur einige Grenzstreifen Niederschle= siens in die Hilfsmaßnahmen einbezieht und fordern die Ausdehnung der Hilfsmaßnahmen, namentlich Lastensenkung und Frachtenerleichterung, auf die ganze Provinz. * Zunehmende Arbeitslosigkeit in Ostoberschlesien. — Kattowitz, 18. Februar. Unter Vorsitz des Demobilmachungskommissars fanden Verhandlungen über die Stillegung der ostoberschlesischen Zinkhüttenindustrie statt, die am 1. April erfolgt. Gleichzeitig gab der Kommissar seine Genehmigung zur Entlassung von 440 Arbeitern der Blei=Scharley=Grube. Ende Februar werden auf der Hugo=Hütte insgesamt 700 Mann entlassen; außerdem liegen noch Anträge zur Entlassung von 3000 Arbeitern aus dem Bergbau vor. Das Reichskabinett berät über Agrarprogramm. — Berlin, 18. Februar. Das Reichskabinett hielt unter Vorsitz des Reichskanzlers eine Sitzung ab. Das Kabinett nahm den Entwurf eines zweiten Gesetzes über die Mündelsicherheit von Wertpapieren und Forderungen an. Anschließend folgte ein Vortrag des Reichsernährungsministers über das Agrarprogramm, wie es Vertreter der Landwirtschaft ausgestellt hatten; es folgte eine eingehende Generaldiskussion. Die Beratungen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Großfeuer in einem Vier Gehöfte vollständig vernichtet. In dem kleinen Rhöndors Liebhards brach in nächtlicher Stunde ein Großfeuer aus, das vier Gehöfte vollständig und ein fünftes bis auf das Wehnhaus vernichtete. Neben den Erntevorräten sind audh die gesamten landwirtschaftlichen Maschinen dem Großfeuer zum Opfer gefallen. Das Vieh konnte zum größten Teil in Sicherheit gebracht werden; nur Federvieh und ein Schwein verbrannten. Der Schaden ist beträchtlich, zumal die Geschädigten nur gering versichert sein sollen. :: Die Pfingsttagung des Evangelisch=Sozialen Kongresses, die vom 26. bis 28. Mai in Duisburg stattfindet, wird Referate der Professoren Dr. Hellpach und Dr. Piper sowie des Generalsuperintendenten a. D. Zöllner bringen. Auf dem öffentlichen Volksabend wird als Vertreter des Saargebietes Pfarrer Alsdorf aus Scheidt sprechen. beim Der Zweck des Besuchs: Freilegung des Wegs zur Zusammenarbeit. Die gesamte englische Presse befaßt sich mit dem Besuch, den der indische Nationalführer Gandhi im Verlaufe des Dienstag dem Vizekönig von Indien abgestattet hat. Ueber die Fahrt nach Delhi berichtet die Nachrichtenagentur Reuter: „Gandhi ist gestern nach Delhi abgereist, wo die angekündigte Zusammenkunft mit dem Vizekönig stattfinden soll. Seiner Gewohnheit entsprechend benutzte Gandhi die dritte Wagenklasse. Er war begleitet von der zum Hinduglauben übergetretenen Engländerin Mira Ben(vormals Miß Slade) und von seinem Sekretär.“ In einem Telegramm an das Arbeiterblatt„Daily Herald“ sagt Gandhi, er werde verzweifelte Anstrengungen unternehmen, um den Frieden zu erreichen, falls dies ohne Preisgabe wichtiger Grundsätze möglich sei. Wenn den Indern das Licht der Freiheit zuteil werden solle, so müßten sie die Kontrolle über ihre eigene Verteidigung übernehmen, wobei ihnen die Engländer, soweit möglich, mit ihrer Erfahrung beistehen könnten. Auch mit der ausländischen Kontrolle in Finanzfragen könne er sich nicht abfinden. Die Engländer machten sich keine Vorstellung von der zunehmenden Verelendung der indischen Massen, die nach Lord Salisburys Worten„systematisch weißgeblutet wurden", um Gelder aufzubringen, die ihre Zahlungsfähigkeit weit übersteigen. Indien könne nicht die Kosten einer ausländischen Verwaltung und einer fremden Besatzungsarmee tragen. Er, Gandhi, habe damit nur zwei von den Punkten erwähnt, um die es sich handele. Aber er sei Optimist, er liebe den Frieden und werde sich bemühen, einen Weg ausfindig zu machen, auf dem Zusammenarbeit möglich werde. Englands Rüstungsausgaben seit 1890. Amerikanische Luftmanöver unter Teilnahme von 650 Flugzeugen. ? Nach einer Mitteilung des Kriegsamtes der Vereinigten Staaten werden Ende Mai mehr als 650 Armeeflugzeuge Lustmanöver über Neuyork und anderen Städten an der Ostküste der Vereinigten Staaten abhalten. General Balbo besucht Do X. Empfang im Rathaus von Las Palmas. General Balbo, der Führer des italienischen Ozeangeschwaders, ließ auf der Heimkehr von Brasilien nach Italien seinen Dampfer in Las Palmas anlaufen, um den Do X zu besichtigen und dessen Besatzung zu begrüßen. Anschließend fand ein großer Empfang im Rathause statt, bei dem Balbo zum Ausdruck brachte, daß er Las Palmas nur aus dem Grunde angelaufen hätte, um das gewaltige Entwicklungswerk auf seiner ersten Atlantiketappe zu begrüßen. Er sähe ungeachtet des geringfügigen Schadens für Do X mit großer Zuversicht in die Zukunft. in der Der Reichsverband deutscher Zigarrenhersteller hat den Tabakarbeiterverbänden mitgeteilt, daß er das Lohnabkommen für die Zigarrenherstellung kündige. Die gegenwärtigen Bestimmungen haben Geltung bis zum 31. März 1931. Bis dahin müssen also Verhandlungen über eine neue Lohnvereinbarung stattfinden. Dabei wird das Ziel der Arbeitgeber in der Zigarrenindustrie sein, die heute geltenden Löhne abzubauen. Bereits gelegentlich der letzten Lohnerhöhung in der Zigarrenindustrie, die ab 1. Oktober 1930 eintrat und ganze zwei Prozent der Reichsgrundlöhne betrug, versuchten die Arbeitgeber diese Erhöhung zu inhibieren. Der Versuch mißlang. Wenn sie jetzt das Lohnabkommen kündigen, so nur zu; Zwecke und mit dem Ziel einer Lohnsenkung. In den Kreisen der Arbeiter der Zigarrenindusri, hat das Vorgehen der Arbeitgeber eine scharfe Verurt, lung erfahren. Mit Recht ist man der Meinung, daß di. tatsächlichen Arbeitsverdienste in keiner Weise ein Lohnabbau rechtfertigen. Leider ist es in weiten Krei, des deutschen Volkes viel zu wenig bekannt, daß die A. beitsverdienste der Arbeiter in der Zigarrenindustri vielfach geradezu trostlos sind. So hat eine Erhebung deZentralverbandes christlicher Tabakarbeiter Deutschland, in der zweiten Hälfte des Jahres 1930 ergeben, daß der durchschnittliche Stundenverdienst pro Arbeiter ganz 40,8 Pfennig betrug. Bei den Rollern betrug er 43.2: bei den Wickelmachern 36,1; bei den Zurichtern 31,9; bei der Sortierern 50,6; bei den Kistenmachern 45,5 und bei der Tagelöhnern 42,4 Pfg. Das sind keineswegs Arbeite. verdienste, die auch nur annähernd dem notwendigen Aufwand für die Lebenshaltung entsprechen. Um sa schärfer wird das Vorhaben auf Arbeitgeberseite verm teilt, als die Arbeitgeber infolge der neuen steuerlichen Belastung gezwungen sind, ihre Kalkulationen neu zu gestalten und dabei die Möglichkeit haben, auf der Basie der gegenwärtigen Lohnhöhe zu kalkulieren. Zur Beurteilung der obigen Arbeitsverdienstsätze mut beachtet werden, daß sie sich nur voll auswirken bei voller Beschäftigung. Nun waren nach der Arbeitslosenstati. stik des Zentralverbandes christlicher Tabakarbeiter Deutschlands im Durchschnitt des Jahres 1930 nur 555 vom Hundert der an den Erhebungen Beteiligten voll beschäftigt. Die andern waren entweder arbeitslos oder Kurzarbeiter die Höhe des tatsächlichen Arbeitsverdien stes liegt also noch niedriger, als in den obigen Zahlen zum Ausdruck kommt. * Die Arbeiter in der Zigarrenindustrie wehren sich daher mit Recht gegen das Vorhaben ihrer Arbeitgeber. Sie dürfen dabei wohl auf die Hilfe des Reichsarbeitsministeriums hoffen, das wiederholt zum Ausdruck gebracht hat, Gegner einer schematischen Lohnsenkung zu sein. — Neue Reichsbanknoten. Stücke zu 10 Reichsmark. In den nächsten Tagen werden neue Reichsbanknoten zu 10 Mark in den Verkehr gegeben werden. Sie sind 7,5 zu 15 Zentimeter groß und auf leicht blaugrün gefärbtem Papier hergestellt. Bei der Durchsicht zeigt er von der Vorderseite aus gesehen links au dem Schaurande ein Kopfwasserzeichen(Albr. Dan. Thaer) und im bedruckten Felde die Wertzahl„10“ Ueber den rechten Teil des Schaurandes, bis in das Druckbild hineinreichend, läuft ein etwa 2 Zentimeter breiter, mit orangeroten und grünen Fasern belegter Streifen. Der etwa 4,5 Zentimeter breite Schaurand der Vorderist mit einer das Kopfwasserzeichen umschließenden Blinoprägung(Vertangabe in Buchstaben und Zahlen) und mit dem Kontrollstempel versehen. Links unten steht die große grüne Wertzahl„10“. Im rechten Felde befindet sich— in Stahldruck— auf breiter Leiste von einem Zierrahmen umgeben, das Kopfbild Albr. Dan. Thaers in dunkelgrüner Farbe. Oben links und rechts von dieser Leiste ist die kleine Wertzahl„10“ angebracht. Die Rückseite hat einen über die ganze Papierfläche laufenden Unterdruck in den Farben graugrün bis ziegelrot. Rechts ist ein etwa 4,5 Zentimeter breiter Schaurand. Das in Stahldruck hergestellte Druckbild zeigt in der Mitte das schwarzgrüne Reliefbild einer Frau mit Sichel und Kornähren. In den Leisten zu beiden Seiten stehen Putten, unten und oben begrenzt durch Kreise mit der Zierzahl „10“. Ueber dem Bilde befindet sich auf bandartigen Grunde das Wort„Reichsmark", darunter„Reichsbanknote“ in schwarz=grüner Farbe und deutscher Schrift. Bethel. — Blaukreuz=Verein Bethel. Donnerstag abd. 8½ Uhr Blaukreuzstunde in Gosen. Jeder ist herzlich eingeladen. Dunkelblauer Hut ist am Sonntag ½9 Uhr in der Zionskirche auf der Orgelempore gegen einen schwarzen vertauscht. Näheres im Dankort. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. Hobhüber-Pholszraphen decken ihren Bedarf in der Photo-Handlung König, Bieleteld, Rathausstr. 3. Tel. 955 Töchterheim des Diekonissenhauses Kassel sieatlich anerkannte Haushaltungsschule, Landgraf Karlstr. 23, bietet lungen Töchtern Gelegenheit, sich zu füchtigen Frauen und Müttern auszubilden. Näheres Prospekt. 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