= Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und (35 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Aussand unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Haunover 67377. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und Haus“ „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“ — Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzelle oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 40. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bieleseld), Dienstag, den 17. Februar 1931. 13. Jahrgang. mggiiishiä Vor Menschen ein Adler, Vor Gott ein Wurm, So stehst du fest im Lebenssturm. Nur wer vor Gott sich fühlet klein, Kann vor den Menschen mächtig sein. Ernst M. Arndt. Mgggngiisisiii Soll das so weitergehen? In Nr. 36 des„Aufwärts“ berichteten wir über die ersten Kämpfe im Reichstag, bei denen Dr. Brüning einen vollen Sieg erfochten hat. Leider brachten die weiteren Verhandlungen des Reichstages Begleiterscheinungen, die man um des verloren gegangenen Ansehens willen nur bedauern kann. Nach dem Etat des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers sollte sofort die neue Geschäftsordnung beraten und beschlossen werden. Die Opposition brachte es mit ihrer Obstruktion fertig, daß die Verhandlungen auf Montag voriger Woche vertagt wurden. Wie inzwischen schon berichtet wurde, haben diese Verhandlungen infolge der oppositionellen Obstruktion bis Dienstag früh um 3 Uhr gedauert, allerdings mit dem zu erwartenden Ergebnis, daß die neue Geschäftsordnung angenommen wurde. Nun trat am Dienstag nachmittag um 3 Uhr nach Wiedereröffnung des Reichstages etwas Unerwartetes ein, was die Nationalsozialisten selbst als einen historischen Augenblick bezeichnen, indem sie durch den Abgeordneten Stöhr die Erklärung abgeben ließen, sich in Zukunft an den Arbeiten dieses Reichslages nicht eher wieder beteiligen zu wollen, bis sie die Möglichkeit hätten, die Gesetzgebung in ihrem Sinne beeinflussen zu können. In recht theatralischer Aufmachung verließen die Nationalsozialisten das Haus. Mit einer weniger gewundenen Erklärung schlossen sich die Deutschnationalen an, so daß die nationale Opposition zur Zeit darauf verzichtet, an den Arbeiten des Reichstages weiterhin teilzunehmen. Fragen wir nun, ob diese Komödie berechtigt und notwendig war, dann sei darauf hingewiesen, daß die neue Geschäftsordnung in erster Linie den demagogischen Anträgen ein Ende machen will, die, ohne Rücksicht auf die entstehenden Unkosten, und ohne Rücksicht darauf, ob Deckung für die Ausgaben vorhanden ist, lediglich aus agitatorischem Bedürfnis heraus gestellt werden, um für den einen oder anderen„Interessentenhaufen“ etwas herauszuschlagen, also damit Wahlmache betreiben will. Durch die neue Geschäftsordnung sollen derartige Anträge, denen ein Ausgleichsantrag auf Deckung nicht beigefügt ist, nicht mehr beraten werden. Ferner will man das häufige Stellen von Mißtrauensanträgen beschneiden und Interpellationen nur zulassen, wenn sie keine Hetze gegen Staat und Regierung und Beschimpfungen politischer Gegner enthalten. Das sind gewiß Verbesserungen, denen man nur zustimmen kann. Es ist deshalb nicht recht ersichtlich, warum die Oppositionsparteien, wenn man von den Kommunisten absieht, für die, von ihrem Standpunkt aus gesehen, eine solche Ablehnung verständlich ist, sich gegen diese neue Ordnung derart zur Wehr setzen, der Reichsregierung und auch dem Reichstag Verfassungsbruch vorwerfen und erklären, sich an den weiteren Verhandlungen nicht mehr beteiligen zu wollen. Es darf darauf hingewiesen werden, daß solche parlamentarischen Auswüchse nicht erst seit dem 14. September 1930 vorgekommen sind, sondern die jeweilige Opposition, ob es nun die Marxisten waren oder die Parteien von rechts, hat immer mit Fleiß versucht, Anträge zu stellen, die eben, praktisch gesehen, nicht angenommen werden konnten, um dann nachher den Wählern sagen zu können:„Ja, wir, wir hatten schon die Absicht, Euch zu helsen, aber die böse Regierung und die hinter ihr stehenden Parteien, die sind so unsozial und haben so wenig wirtschaftspolitisches Verständnis, daß sie für unsere Antrage nicht zu haben waren!“. Es handelt sich in dieser Frage also um Sünder, die auf beiden Seiten des Hauses sitzen, bei der gegenwärtigen Opposition, wie bei den Parteien der Mitte und der Linken. Es wäre deshalb von der Opposition, insbesondere von der Deutschnationalen Volkspartei, klüger gewesen, sich nicht in dieser Weise an der Obstruktion zu beteiligen. Dann würde hinterher auch nicht festgestellt worden sein, daß die Leutschnationalen jetzt etwas leidenschaftlich bekämpfen, das sie früher, als sie an der Regierung waren, selbst gesordert und vertreten haben. Die„Landvolknachrichten“ bringen nämlich eine hübsche Zusammenstellung, der wir folgendes entnehmen: „Als 1929 ein Antrag des wirtschaftsparteilichen Abgeordneten Dr. Bredt eingebracht wurde, der, wie der jetzt vorliegende, forderte, daß Anträge auf Ausgabenerhöhung nur dann zugelassen werden dürften, wenn gleichzeitig Deckungsanträge vorliegen, ergab sich folgendes bezeichnendes Bild: Der Sozialdemokrat Stücklen erklärte diesen Antrag für undurchführbar und undemokratisch. Er hatte seine guten Gründe dafür, denn gerade die Sozialdemokratie hat in den vergangenen Jahren wohl mit die stattlichste Anzahl von Anträgen gestellt, die hohe Ausgaben mit sich brachten, ohne daß die Sozialdemokraten sich den Kopf über die Deckungsmöglichkeiten zerbrachen. Derselben Auffassung wie Stücklen war auch der Demokrat Georg Bernhard. Auch der Volksparteiler Dr. Cremer vermochte sich nicht mit dem Antrag anzufreunden und selbst das Zentrum hatte Bedenken. Dagegen erklärte in der Sitzung des Haushaltsausschusses vom 28. März 1927 der deutschnationale Abgeordnete Dr. Quaatz: „Es sei unverständlich, daß man im parlamentarischen System der selbstgewählten Regierung ein geringeres Vertrauen entgegenbringe, als es die Regierung im konstitutionellen System genossen habe. Er würde daher vorschlagen, daß das Reichskabinett den Grundsatz aufstelle, keine Ausgaben zu machen, die nicht im Haushaltsplan vorgesehen seien, bezw. zu denen die Reichsregierung nicht ihre Zustimmung gegeben habe. Die Regierungsparteien sollten sich geschlossen hinter eine Regierung und einen Finanzminister stellen, die diesen Mut hätten. Es sei eine Frage der Selbstbeschränkung des Reichstages, nicht eine Frage seines Budgetrechts. Die Aufgabe des Parlaments bestehe nicht in Ausgabenbewilligung, sondern in der Wahrung der Sparsamkeit. Das deutsche Volk sei reif genug, eine solche Politik der Sparsamkeit zu verstehen.“ Am 28. Oktober 1927 unterstrich Dr. Quaatz im Haushaltsausschuß ausdrücklich nochmals seine Auffassung vom März, und am 1. März 1929 begrüßte der deutschnationale Abgeordnete Graef=Thüringen im Reichstag besonders die Erklärung des Reichsfinanzministers, daß die Stellung von Anträgen ohne Deckung unmöglich weitergehen könne.“ Wenn man einen Vergleich zieht zwischen dem Verhalten der damaligen deutschnationalen Abgeordneten und andererseits der in Opposition stehenden Sozialdemokratie und umgekehrt jetzt die vertauschten Fronten beobachtet, dann kommt man zu der Frage, wie inkonsequent ernst zu nehmende Männer handeln können, wenn es sich um das liebe Parteiinteresse dreht. Bedeutet denn sachliche Arbeit nichts mehr gegenüber dem Bedürfnis, demagogische Agitation treiben zu dürfen? Oder ist die Not unseres Volkes und unseres Vaterlandes nicht hoch genug gestiegen, als daß unsere gewählten Vertreter im Reichstag mit derartigen Komödien der Welt eine angenehme Heiterkeit verschaffen, anstatt darauf bedacht zu sein, wie kann dem armen, gequälten deutschen Volke geholfen werden? Diese Zustände, wie sie sich jetzt im Reichstag entwickelt haben, sind auf die Dauer nicht zu ertragen. Wohl haben wir eine Regierung, die die Führung fest in der Hand hält, was in diesem Tohuwabohn immerhin schon etwas bedeuten will. Aber solange die Parteiführer in erster Linie ihre Parteisuppe kochen, darf die arme Wählerschaft nicht hoffen, einer besseren Zeit entgegengeführt zu werden. Erst wenn das von Hindenburg schon so oft geprägte Wort:„Das Vaterland über die Partei!“ auch von den Parteien respektiert und zur Geltung gebracht wird, erst dann dürfen wir erwarten, daß fruchtbringende Arbeit geleistet wird. Es ist anzunehmen, daß, wenn diese Zeilen sich in den Händen der Leser befinden, die Deutschnationalen inzwischen in den Reichstag zurückgekehrt sind. Aber was hat man dann damit erreicht? Man hat der eigenen Partei höchstens eine unangenehme Situation verschafft, da ja die Räder im Reichstag nicht stillstehen, sondern eine genügende Zahl von Abgeordneten bereit ist, positive Arbeit zu leisten. Erreicht hat man allerdings, daß die Sozialdemokratie aus der Zange, mit der sie Dr. Brüning zähe und fest gefaßt hat, heraus sind und nunmehr den Mittelparteien wieder ein Diktat aufoktroyieren können, was insbesondere vom Standpunkt der Landwirtschaft aus gesehen, nicht erfreulich ist. Die Opposition glaubt also, Gutes geschaffen zu haben und hat in Wirklichheit aber das Böse gefördert. Soll das so weiter gehen? W. W. Quo usque fandem? Wie lange noch? Unwillkürlich fragt man sich so, wenn man die Reden und Artikel über die Abnüstungsfragen, die' im Ausland gehalten und geschrieben werden, verfolgt. Wie denkt sich das Ausland die Abrüstung? Wie England? Der englische Völkerbundsvertreter, Viscount Cecil, der unsere geringen Hoffnungen bei der letzten Abrüstungskonferenz so bitter enttäuschte, hat in diesen Tagen unserm Volk einige „Fragen" vorgelegt. Diese„Fragen an das deutsche Volk“ zeigen uns ganz klar, wie wenig man in England die Deutschen kennt, kennen will. Das Licht, das diese Erkenntnis bringt, ist schmerzhaft, aber—— vielleicht auch heilsam. Deutscherseits hat Staatssekretär z. D. Freiherr von Rheinbaben auf Cecils„Fragen“ geantwortet. Ganz klar und sachlich, beinahe ungewohnt dentlich. Für die Aufwärtsleser dürften die Fragen Cecils und die Antwort Rheinbabens nicht ohne Interesse sein“). Ich lasse sie nachstehend folgen.— Viscount Cecils Ausführungen, in denen ich nicht nur seine, sondern die Meinung weiter englischer Volkskreise sehe, treiben mich zu der Frage: Quo usque tandem? Wie lange noch? I. Cecilschreibt: „Meine Fragen an das deutsche Volk. Enttäuschung kann zur Auflösung aller Grundsätze und Ueberzeugungen führen, vor allem, wenn sie aus ungerechtfertigten Hoffnungen erwachsen ist. Wer kann. letzter Zeit die Intrigen und Manöver um Geltung beobachtet haben, ohne zu sehen, daß dieser verderbliche Prozeß in mehreren europäischen Ländern vor sich geht, und am tragischsten in Deutschland? Das deutsche Volk ist in den Völkerbund eingetreten, und das zu einer Zeit. in der der Umschwung gegen Militarismus und Autokratie noch stark genug war, sogar gegen die nationale Erbitterung, die das Kriegsergebnis mit sich brachte. Die Deutschen schlossen sich dem Völkerbund an, aber icht so sehr, um an der Aufrichtung einer neuen Weltordnung teilzunehmen, sondern um ihren nationalen Leiden abzuhelfen. Ich glaube zwar nicht, daß es Dr. Stresemann und seinen Kollegen darum zu tun war, diesen Eindruck zu erwecken. Aber ich bin gewiß, daß ein großer Teil des deutschen Volkes zu dem Glauben gebracht wurde, daß durch den Eintritt in den Völkerbund sein Land sehr bald das vermeintliche Unrecht wieder in Recht zu wandeln imstande sein wird. Das Brandmal der Kriegsschuld und die Lemütigung militärischer Unterlegenheit würde, so glauben sie, aufgehoben werden. Die deutschen Minoritäten würden befreit oder im besonderen Maße begünstigt werden. Grenzberichtigungen würden zugunsten Deutschlands vorgenommen werden. Es werde sogar einen Teil der Kolonien wiedererlangen. Solche Hoffnungen sind verständlich genug. Aber ihre Erfüllung kann nur als Ergebnis eines neuen Internationalismus erwartet werden. Der Prozeß mag sehr langwierig erscheinen. Die Mühlen von Genf mahlen langsam, aber glaubt mir: es gibt keinen anderen Weg. Ich weiß wohl, was demgegenüber gesagt worden ist. Nach einem Schwall von Worten wurde nicht mehr erreicht, als kleine Verbesserungen des Verfahrens bei der Behandlung der Minderheitenbeschwerden. Eine Vertragsrevision ist kaum noch erwähnt worden. Zehn Jahre der Verhandlungen über die Abrüstung bringen, so scheint es, das Ende der militärischen Uebermacht der Alliierten nicht näher. Die Vision einer wirtschaftlichen Einheit und Zusammenarbeit, die im Jahre 1927 aufleuchtete, verschwindet beinahe vor der Wirklichkeit des wirtschaftlicher Nationalismus des Jahres 1930. Inzwischen ist der ungeheure Umfang positiver Leistung in Genf aus dem Gesichtskreis entschwunden. Ich denke. das ist nicht ein Zerrbild der Auffassung, die im Bewußtsein eines bestimmten Teils der deutschen Oeffentlichkeit entstanden ist. Und zu welchen Folgerungen kommt ein Deutscher bei dieser Denkungsart? Er fühlt, daß der Bogen seiner Geduld überspannt worden ist. Das System einer Zusammenarbeit im Rahmen des Völkerbundes hat die Hoffnung auf Ergebnisse nicht gezeitigt, und in seiner Enttäuschung ist er in Gefahr, zu den alten Grundsätzen von Blut und Eisen zurückzukehren, zum internationalen Zynismus, der es verbietet, an etwas anderes als an die Gewalt zu glau* Obgleich wir der Meinung sind, daß das, was in der nachfolgenden Auseinandersetzung gesagt wird, hier im Auswärts schon in viel kürzerer und deutlicherer Form gesagt worden ist, halten wir es doch für wichtig, die Ansicht dieser beiden Männer, die an den Erörterungen in Genf sehr aktiv beteiligt waren, kennen zu lernen und möchten den Lesern empfehlen, den Ausführungen ihr Interesse zuzuwenden. Die Schriftleitung. ben. Und das muß letzten Endes zu einer Wiederholung von 1914 bis 1918 führen. Ich zweifle nicht, daß verbunden mit der Arbeitslosigkeit, der finanziellen Depression und dem unvermeidlichen Gefühl verletzten Stolzes, diese Empfindungen den Führern des extremen Nationalismus die Waffen geliefert haben, die sie so heftig und skrupellos gegen die jüngst abgeschlossene Abrüstungskommission und gegen Deutschlands Mitgliedschaft am Völkerbund kehren. In Frankreich, in Italien, sogar in England kann man in manchen Lagern dieselbe Rückkehr zu dem, was man Realpolitik nennt, beobachten, dieselbe Abweisung aller Möglichkeiten, ausgenommen die bewaffnete Macht als die Grundlage der Staatskunst. Die Reaktion— denn eine Reaktion ist es— ist zum Teil schuld an der jahrhundertealten Tradition, daß nationale Sicherheit abhänge vom Heer und von der Flotte und, vielleicht hauptsächlich, schuld an dem internationalen Mißtrauen, genährt durch ähnliche Bewegungen in andern Ländern. In einigen Ländern hat die weitverbreitete Unzufriedenheit mit der Unergiebigkeit der parlamentarischen Demokratie in der inneren Politik Mißtrauen geweckt gegen die Anwendung ähnlicher Methoden auf internationalem Gebiet. Schließlich hat das Vorherrschen wirtschaftlicher Schwierigkeiten nationale Unruhe hervorgerufen, und die Unzufriedenheit hat leicht die Formen eines irrationalen Neides und der Fremdenfurcht hervorgerufen. Das sind einige der Ursachen, welche, verbunden mit der schwindenden Erinnerung an die Schrecken des Krieges, zu einem Aufruhr des nationalen„Realismus“ geführt. Aber ist das auch wahrhaftig„Realismus“? Ist es nicht nach alledem eine weit schlimmere Illusion, als die Hoffnung auf eine systematische internationale Zusammenarbeit es je sein könnte? Darf ich offen zu jenen in Deutschland und auch anderwärts sprechen, die in die Vorkriegsauffassung von den internationalen Beziehungen zurückzufallen scheinen, nämlich in die Auffassung, daß sie bloß auf der Basis der Gewalt verharren können? Kann auch nur ein Mensch behaupten, daß der große Krieg mit seinen ungeheuren Verlusten an Menschenleben und Gütern mit all seinen geistigen Uebeln nicht den Bankerott dieses Systems bewiesen hat? Es ist in der Tat überhaupt kein System und kann niemals ein solches sein. Es ist die blinde Weigerung, die Existenz einer internationalen Gesellschaft anzuerkennen, und es schlägt allen Regungen der Vernunft, des Gewissens und der handgreiflichen Entwicklung des wirtschaftlichen und finanziellen Lebens ins Gesicht. Diese Auffassung ist blind, weil sie dadurch, daß sie die Gewalt als für die Interessen ihrer eigenen Nation als unerläßlich voraussetzt, nicht bloß die Rechte der anderen Nationen, sondern auch die unvermeidlichen Rückwirkungen mißachtete, die eine solche egoistische Denkungsweise bei den anderen auslösen muß. Denn immer können und werden zwei Partner dieses Spiel mit der Gewalt spielen. Es ist nicht bloß die Frage einen Sieg zu erkämpfen in der internationalen Politik über die Verteidiger der internationalen Verständigung des Völkerbundes. Wenn eine Nation so mißleitet und verblendet genug wäre, daß sie ihre Rechte und Pflichten im Rahmen des Völkerbundes einfach in den Wind schlagen würde, wenn sie sich über die Abrüstungskonvention hinwegsetzte und als Schutzmethode sich das alte System der militärischen Macht aussuchen würde— dann würden die Nachbarn, sogar die friedliebendsten und verständigungsbereitesten, auf diese Politik sofort mit Gegenrüstungen antworten. Ihre alten Rivalitäten und Streitigkeiten würden wieder beginnen, das alte System der Bündnisse und Gegenbündnisse würde wieder aufkommen, bis wieder einmal Europa in einen Abgrund von Wirrnis und Zerstörung gestürzt würde. Will die Bevölkerung Europas wirklich die Rückkehr zu einem so unheilvollen und verrufenen System dulden? Ich zweifle daran. Es gibt aber einen Faktor, den die Advokaten in diesem Prozeß der Verzweiflung leicht vergessen, und das sind Nationen wie meine eigene, die glühend für den Frieden eintreten. Das ist der Ursprung jenes Widerstandes gegen europäische Angelegenheiten, der in England zuweilen so heftige Formen annimmt, daß ausländische Beobachter glauben, England, was immer auf dem Kontinent geschehen würde, bliebe neutral. Das ist ein alter Fehler— siebzehn Jahre alt, um genau zu sein—. Nein, es gibt viele Länder— zumindest England und Amerika und einige der kleineren europäischen Mächte deren Bevölkerung die tiefe Ueberzeugung hat, daß Zusammenarbeit und Gerechtigkeit an Stelle von Gewalt gesetzt werden muß. In England ist diese Ueberzeugung so stark, daß ich nicht anstehe zu sagen: wenn irgendeine Nation die internationale Zusammenarbeit oder die Methode der Schiedsgerichtsbarkeit sabotiert oder dadurch einen Beweis ihrer Unehrlichkeit liefert, daß sie für den Frieden arbeitet, indem sie sich weigert, die Zahl ihrer Truppen herabzusetzen— früher oder später sich alle englischen Sympathien verscherzen wird. Diese Nation wird sich ebenso die amerikanische Freundschaft und die amerikanische Finanz entfremden. Alle fortschrittlichen Länder der Welt würden sich unvermeidlich gegen sie stellen. Und wenn die Verteidiger der„starken Hand“ glauben, daß ein Bündnis mit zwei oder drei anderen Mächten— und die gleichzeitige Weiterverfolgung ihrer individualistischen Politik einen genügenden Ausgleich schaffen könnte— denen kann ich nur antworten, daß ich an ihrer internationalen Vernunft zweifle. In Anbetracht dieser Tatsachen muß sich jeder Staat entscheiden, auf welche Seite er sich stellen wird: Unterstützung des Völkerbunds und Zusammenarbeit, langsam und schwierig, wie es nicht anders geht— oder internationale Anarchie, die in einen Krieg mündet? Es ist an der Zeit, den Bluff der Militaristen aufzudecken. Diese hochtrabenden Reden, Deutschland„werfe sein Joch ab und nehme seinen Platz mit Gewalt wieder ein," diese panikerzeugenden Leitartikel der Pariser Zeitungen, wonach Frankreich(die reichste und stärkste Macht in Europa) immer mehr und mehr Maßnahmen zu seiner Sicherheit treffen müsse, diese lauten Versicherungen, daß Italien„ein Teufel sein werde, wenn es einmal aufstehe“: wie sehr pochen diese Phrasen auf die Tatsache, daß das arbeitende Volk die wahre internationale Lage nicht kennt und durch dieses Gerede daran verhindert wird, die These der Gewalt in allen Konsequenzen zu Ende zu denken! Wie sehr liegt die Enttäuschung über den Völkerbund daran, daß das Fortschreiten der Genfer Verhandlungen ständig in der Oeffentlichkeit verdreht worden ist— mit der Absicht, eine Politik„aufzubauschen“ oder eine Sensation in der Presse hervorzurufen? Die Abrüstungskonvention ist ein Beispiel dafür. In Deutschland, in anderen Teilen von Mitteleuropa und in manchen Teilen der britischen öffentlichen Meinung ist die völlig fatsche Annahme entstanden, daß das Gegenseitige Hilfe im Tierreich. (Nach Kropotkins*) Forschungen, berichtet von H. Kohl.) Seit Darwin vom„Kampfe ums Dasein“ geschrieben, ist dieses Wort in ungeahntem Umfange zum Schlagworte geworden. Man sieht überall in der Natur nur Kampf zwischen Pflanze und Pflanze, Tier und Tier. Auch das Leben des Menschen wird hauptsächlich als Kampf angesehen. Der„Kampf ums Dasein“ ist etwas was die Natur will, oder der Schöpfer hineingelegt hat.— Denkt man über diese Ansicht nach, so merkt man, welch gewaltigen Einfluß diese Idee auch im Menschenleben ausübt. Der„Kampf ums Dasein“ gilt als Naturgesetz auch für den Menschen. Der Vernichtungskampf, den die zivilisierten Völker gegeneinander führen, ohne sittliche Hemmungen zu empfinden, ist mehr oder weniger die Folge jener Denkart. Es ist ohne Zweifel wahr, daß im Tierreiche gegenseitiger Kampf herrscht; aber es ist nach dem Zeugnis russischer Zoologen unwahr, daß in der Natur vorwiegend Kampf regiert, die Natur gewissermaßen ein Schlachtfeld sei. Der russische Professor Keßler ist wohl derjenige, der zuerst darauf aufmerksam machte, daß neben dem Kampfe gegenseitige Hilfe in hervorragender Weise bestehe. Kropotkin hat durch umfangreiche Forschungen Keßlers Ansicht gestützt. Seinem Werke entnehme ich folgende Beispiele. Selbst unter den niedersten Tieren, den Käfern, findet man gegenseitige Vereinigung zur Ueberwindung von Hindernissen. Die Totengräber legen ihre Eier in einen Tierleichnam, den sie vergraben. Ist der Erdboden zu hart, so ruft der Totengräber einige seiner Brüder. Sie tragen gemeinsam den Leichnam an eine Stelle mit lockerem Boden und begraben ihn bedächtig, ohne sich darüber zu zanken, welcher von ihnen das Vorrecht habe, seine Eier in den toten Körper zu legen. Als man eine tote Kröte an einen Stock band, den man in die Erde steckte, kamen die Totengräber in größerer Zahl, um das künstliche Hindernis mit gemeinsamen Kräften zu beseitigen. Ein außerordentlich interessantes Beispiel hat Kropothin im Aquarium zu Brighton beobachtet. Ein Molukkenkrebs war auf den Rücken gefallen. Sein schwerer Rückenschild hinderte ihn, in die natürliche Stellung *) Dos Werk Kropotkins ist im Verlage von Karl Döring, Leipzig C. 1, erschienen. urückzukommen. Da kamen zwei Kameraden und hoben ihn unter großen Anstrengungen in die Höhe; aber eine Eisenstange machte das Hilfswerk unmöglich. Der Krebs fiel wieder auf den Rücken. Nun ging einer in die Tiefe des Beckens und holte noch zwei Kameraden, die mit neuen Kräften das Hilfswerk förderten. Kropotkin hat zwei Stunden zugesehen. Es war bei seinem Fortgang noch nicht beendet. Dr. Erasmus Darwin hat beobachtet, wie der gemeine Krebs in der Zeit, in der die Rückenschilde erneuert werden, Schildwachen ausstellt, damit die ungeschützten Genossen von keinem Feinde überfallen werden können. Der Franzose Forel hat folgendes bei Ameisen beobachtet. Eine hungrige Ameise begegnete einer andern, die gerade Nahrung ausgenommen hatte. Die hungrige forderte durch Bewegungen von ihrem Genossen Nahrung. Sofort brachte die Ameise einen Tropfen Nahrungssaft heraus, den die hungrige Verwandte aufsog. Ameisen, die sich dieser Pflicht entziehen, werden von den andern Kameraden erbarmungslos getötet. Geschah die Nahrungsverweigerung während eines Kampfes gegen Feinde, so wenden sich die Ameisen von ihren Feinden ab und stürzen sich mit noch größerer Wut auf ihren Angehörigen, der ihr Gesetz der gegenseitigen Hilfe verletzte. Das Leben der Bienen als ideale Hilfsgemeinschaft ist allbekannt. Erwähnen möchte ich, daß die Bienen allen unnützen Kampf vermeiden. Während die„Posten“ am Eingange zum Stocke alle räuberischen Bienen töten werden Bienen, die mit Pollen beladen irrtümlich zum Stocke kommen, unbelästigt gelassen. Auch junge Bienen, die sich leicht verirren, werden geschont. Bei den Vögeln ist ebenfalls das Gesetz gegenseitiger Hilfe zu beobachten. An den Küsten des Meeres und auf den Meeresinseln nisten Millionen von Vögeln zusammen, ohne daß sie großen Streit hätten. Die kleinsten Vögel haben durch ihren Zusammenhalt den stärksten Schutz. So sah man kleine Uferschwalben in der Nähe eines Falkens nisten, der über ihnen seine Wohnung hatte. Nie wagte es der starke Räuber, in die Schwalbenkolonie einzubrechen.— Der Morinell bewacht kleinere Vögel. Die Morinellen leben so zärtlich in ihren Fomilien, daß selbst leidenschaftiche Jäger sich scheuen, auf ein Weibchen zu schießen, das seine Kinder spazieren führt. Millionen von Möwen, Strandläufern, Seeschwalben, Regenpfeifern, Enten usw. Abkommen die bestehende Ungleichheit der Bewasin der Länder für ewig sortgesetzt hütte. Es ist betrüßl:“ aber notwendig, zu wiederholen, daß die Konvention nn einen Rahmen zur Herabsetzung der Rüstungen dasten und nicht mehr. Sie ermöglicht die Abrüstung, aber z. führt sie nicht durch. Die kommende Abrüstungskoni, renz wird Tatsächliches festlegen. Durch den bloßen um stand, daß wir in die Konvention einen Hinweis auf di. Entwaffnungsklausel der Friedensverträge hineingebrag haben, sollten wir und haben wir, glaube ich, wirklich au den Mächten in jedem Land einen ungemeinen Andas gegeben, das allgemeine Maß an Waffengewalt so zehr wie möglich etwa zu dem Standard Deutschlands seiner Verbündeten herabzusetzen. An Stelle dessen hat man das ganze Ergebnis in Nebel ertränkt und die Hof. nung auf allgemeine Abrüstung zur Seite geschoben durch das Wiedererwachen all der politischen Streitig, keiten bezüglich der Revision oder Nichtrevision der sailler Verträge. In einem früheren Artikel schlug ich vor, die wahr, hafte Lösung den Völkern selber zu überlassen. Die „Kölnische Zeitung“ hat mich beim Wort genommen und ein Referendum vorgeschlagen. Ich weiß sehr wohl die verfassungsmäßigen Schwierigkeiten, die den Weg eines wirklichen Referendums verbauen— aber ich bin trotzdem sehr dafür, wenn die wichtigen Fragen den einfachen Männern und Frauen vorgelegt werden. Hier sind sie: 1. Sind Sie bereit, Ihre jungen Söhne, die jetzt die Schule besuchen oder daheim spielen, in einem kommenden Krieg töten oder verstümmeln zu lassen, weil einzelne Staatengruppen ihre Rivakitäten mit den Wassen ausfechten? 2. Sind Sie zufrieden, daß an jedem Tag eines Jahres von den Nationen über vierzig Millionen Mark zu Rüstungszwecken ausgegeben werden, zu derselben Zeit, wo äußerstes Elend und Arbeitslosigkeit Millionen von Familien bedrängt, und zu gleicher Zeit, wo alle guten Einrichtungen sozialer, religiöser, erzieherischer Art darben? 3. Sind Sie bereit, stets darauf zu achten, daß internationale Auseinandersetzungen auf friedlichem Wege von Ihrer Regierung geregelt werden, daß sie im Interesse aller Völker eine Politik der Zusammenarbeit betreibt oder daß sie Ihr Geld sinnlos vergeudet?“ Schluß folgl. Um den evang. Kirchenvertrag. Lange genug hat es gedauert, bis nun endlich da beim Abschluß des Konkordats, des katholischen Kirchen vertrages abgegebene Versprechen der preußischen Regie. rung auf schleunigen Abschluß auch des evangelischen chenvertrages in die Tat umgesetzt wurde. Es ist so weit, daß ein von Preußen wohl als endgültig angesehener Entwurf vorliegt, den die Körperschaften der evanglischen Kirche nun unterschreiben sollen. Leider ist der Inhalt dieses Vertragsentwurfes si, daß er nicht als endgültig angesehen werden kann. Du Haupteinwand, der gegen diesen Vertrag, dessen Einzelheiten noch nicht sämtlich bekannt sind, dennoch schon jetzt erhoben werden kann, ist der Einwand der sogenannten politische Klausel. Es bleibt nach diesem Kirchenvertrag dem Staat ein letztes Aufsichts= und Vetorecht, das unter den nun einmal gegebenen Verhältnissen von plätschern in den Wellen. Nähert sich ein Seeadler oder Falke, so geben zahlreiche Posten Signale. Die unendliche Masse kleiner Vögel greift den Räuber an, der meist vor der Macht der gegenseitigen Hilfe flüchtet. In Südamerika leben die Pelikane in ungeheuren Schwärmen von 40000 bis 50000 Stück zusammen. Ein rührendes Beispiel gegenseitiger Hilfe hat man bei ihnen beobachtet. Ein blinder Pelikan, der selbst nicht fischen konnte, blieb am Lagerplatz zurück, während seine Brüder auf die Fischjagd zogen. Von dem ca. 40 Meilen kangen Jagdwege brachten sie dem blinden Genossen Fische mit, damit er nicht verhungerte. Zuletzt seien noch die Papageien erwähnt. Sie sind wohl die intelligentesten aller Vögel. Stets sind sie von Wachen beschützt. Ihre Geselligkeit ist so berühmt, daß in Indien Häher und Krähen meilenweit herbeikommen, um die Nacht mit den Papageien verleben zu können. Ist ein Papagei von einem Feinde getötet, so fliegen die andern über den Toten und lassen sich zum Zeichen ihrer Zusammengehörigkeit auf die Erde fallen. Diese wenigen Beispiele lassen ohne Zweifel erken nen, daß der Weltenschöpfer nicht nur Kampf, sonder auch gegenseitige Hilfsbereitschaft als Naturgesetz sest gelegt hat. Daß die Menschen diese Tatsache nicht viel beachten, mag daran liegen, daß es sicher schwierig ist, diese Seite der Natur zu sehen. Nachdem ich über die Gruppe der Käfer und Bog berichtete, will ich nun auch über die Säugetiere eimgemitteilen. Beobachten wir die Säugetiere, so fällt uns soso? auf, daß die meisten geselkige Arten sind. Verschwinden klein ist die Zahl, die ein Einzelleben führt. Die Eigen art des geselligen Lebens ist stets ein Merkmal dafür, au diese Tiere das Gesetz gegenseitiger Hilfe beachten. In Amerika lebten die Büffel zur Zeit der Entdeb kung Amerikas in so großen Gesellschaften, daß die eln wanderer oft 2 dis 3 Tage dem Vorüberziehen ein Büffelherde zusehen konnten. Als die Russen Sibirlen in Besitz nahmen, war das Land so dicht von Rottoll Antilopen, Pferden usw. in Gesellschaftsverbänden* siedelt, daß die wirkliche Eroberung eine Jagd war,“ 200 Jahre dauerte. Und nun einige Beispiele, die zeis“ wie auch die Säugetiere Hilfsbereitschaft üben. In den russischen Steppen leben wilde Pferde in 9“ zeren Herden. Werden sie von Wölfen angegriffen, unabsehbarer: von der theore gingen, äußert spruchsrecht al „nicht wohl ab Staatsformen, bracht gewesen Regierung dur fassung in die Dinge anders. trale, sondern teien zu Träge rinnen des kir ist und bleibt: Man hat zu fahren des po fung einer ne sehen davon, d nicht angenom Es läßt sich fü wesenen summ sungsverhältni Vom Reichskal Amtlich Rei Reichskanzlers preußischen S Hirtsiefer son bank Dr. Drei maßnahmen eines Gesetzes Siedlung sow Aufbringungs für deutsche 9 den sofort den Der Zwe ist, durch eine wieder eine ge über hinausd triebe sowie von Eisenbahr die die Versti Verträge von und so den deutscher Wir 3 geschieht durch obligationen, bände. Entschu tungsverbände Gewährung vr des Schuldner machen. Entsch stellen im Zu Haftungsverbät diesen geprüft. bei den Landst zogen werden. It Der Reichsv Der Re zu einer Er schlagen sie ein Opfer det der Herde tr sammenleben Gegend Gefa sende von Hi Amur wande Kälte und S wurden von schlachtet; de an. 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Staatsrechtler, die von der theoretischen Seite an den Kirchenvertrag herangingen, äußerten die Ansicht, daß ein staatliches Einspruchsrecht auch in dem evangelischen Kirchenvertrag nicht wohl abzulehnen“ sei. Das mag gegenüber älteren Staatsformen, die früher im Reich gegeben waren, angebracht gewesen sein. Heute aber, da der Staat und seine Regierung durch eine parlamentarisch=demokratische Verfassung in die Hände von Parteien gelegt ist, liegen die Dinge anders. Denn es können nicht nur religiös neutrale, sondern auch ausgesprochen religionsfeindliche Parteien zu Trägerinnen des Staates und damit zu Inhaberinnen des kirchlichen Einspruchsrechts werden. Und das ist und bleibt unmöglich und unerträglich. Man hat zunächst versucht, die kurz angedeuteten Gefohren des politischen Einspruchsrechts durch die Schaffung einer neutralen Schiedsinstanz zu mildern. Abgesehen davon, daß dieser Vorschlag von Preußen offenbar nicht angenommen wird, ist er auch ungenügend. Es läßt sich für den unter der Monarchie vorhanden gewesenen summus episcopus unter den heutigen Verfassungsverhältnissen kein irgendwie gearteter Ersatz finVom Reichskabinett.— Sämtliche Vorlagen dem Reichsrat zugeleitet. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett verabschiedete unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning und unter Beteiligung der preußischen Staatsminister Dr. Höpker=Aschoff und Dr. Hirtsiefer sowie des Vizepräsidenten der Reichsbank bank Dr. Dreyse den Entwurs eines Gesetzes über Hilfsmaßnahmen für die notleidenden Gebiete des Ostens, eines Gesetzes zur Förderung der landwirtschaftlichen Siedlung sowie eines Gesetzes über die Abwicklung der Aufbringungsumlage und die Neugestaltung der Bank für deutsche Industrieobligationen. Die Vorlagen werden sofort dem Reichsrat zugeleitet werden. Der Zweck des Hilfswerks für den deutschen Osten ist, durch eine Entschuldungsbeihilfe der Landwirtschaft wieder eine gesunde Grundlage zu verschaffen und darüber hinaus durch Kreditgewährung an gewerbliche Betriebe sowie durch Lastensenkung und durch den Bau von Eisenbahnen, Land= und Wasserstraßen die Folgen, die die Verstümmelung des deutschen Ostens durch die Verträge von 1918 nach sich gezogen hat, zu mildern und so den Osten als Bollwerk deutscher Kultur und deutscher Wirtschaft zu erhalten. Die Zuteilung der Umschuldungskredite. geschieht durch Zusammenwirken der Bank für Industrieobligationen, der Landstellen und örtlicher Haftungsverbände. Entschuldungsbetriebe können sich in örtlichen Haftungsverbände zusammenschließen, und die Bank kann die Gewährung von Umschuldungskrediten von dem Beitritt des Schuldners zu solchen Haftungsverbänden abhängig machen. Entschuldungsanträge werden dann von den Landstellen im Zusammenwirken mit der Bank und, soweit Haftungsverbände vorhanden sind, im Zusammenwirken mit diesen geprüft. Wo keine Haftungsverbände bestehen, sollen bei den Landstellen landwirtschaftliche Vertretungen zugezogen werden. Industrie für rasche Der Reichsverband befürwortet schleunige Durchführung des Ostprogramms. Der Reichsverband der Deutschen Industrie tritt zu einer Erklärung für die schleunige Durchführung schlagen sie vereint die Angreifer. Oft werden die Wölfe ein Opfer der Pferdehufe. Sobald sich aber ein Pferd von der Herde trennt, ist es verloren. Erstaunlich ist das Zusammenleben, wenn irgendwelche Naturereignisse in einer Gegend Gefahren bringen. So sah Kropotkin, wie Tausende von Hirschen gemeinsam vom Hochgebirge über den Amur wanderten, um ins Tiefland zu kommen, denn Kälte und Schnee nahm ihnen jede Nahrung. Hunderte wurden von den dort wohnenden Kosaken täglich geschlachtet; dennoch hielt der Zug unvermindert Wochen an. Dabei ist besonders zu bedenken, daß die Hirsche in einem Gebiet von der Größe Englands bisher lebten. Welche Schwierigkeiten waren zu bewältigen, um in einem solchen großen Gebiete die einzelnen Gruppen zu sammeln und die gemeinsame Wanderung in die Wege zu leiten! Auch das kleine Wiesel sei erwähnt. Wood sah ein Wiesel, das einen verletzten Kameraden aufhob und wegtrug, damit er nicht den Jägern in die Hände fiel.— Bei den Affen führen der Gorilla und der Orang=Utan ein Einzelleben. Alle andern Arten sind äußerst gesellige Liere. Werden Affen angegriffen, so kommt die ganze verde und kämpft. Ist einer verwundet, so verlassen ihn die andern nicht eher, als bis sie wissen, daß er tot ist. James Forbes berichtet, daß Affen von einer Jagdgesellschaft ihren getöteten Genossen so beharrlich gefordert hatten, daß jene Jäger beschlossen, nie wieder auf Affen zu schießen. Hiermit möchte ich meine Ausführungen beenden. Es ist nur ein Bruchteil dessen, was ich in Kropotkins Werke sand. Was den russischen Zoologen trieb, mit so vie und Liebe seine Augen und sein Denken auf das mannigfaltige Leben der Natur zu richten, möchte ich allen Lesern mit Kropothins eigenen Worten sagen: „Streitet nicht! Streit und Konkurrenz ist der Art immer schädlich, und ihr habt Mittel, sie zu vermeiden. Das ist die Tendenz der Natur, die nicht immer völlig verwirklicht wird, aber immer wirksam ist. Das ist die Parole, die aus dem Busch, dem Wald, dem Fluß, dem Lzean zu uns kommt. Daher vereinigt euch, übt gegenleitige Hilfe! Das ist das sicherste Mittel, um all und jedem die größte Sicherheit, die beste Garantie der slenz und des Fortschrittes zu geben, körperlich, geistig und moralisch.“ den, der die Kirche nicht einer grundsätzlich untragbaren, wesensfremden Gewalt auslieferte. Und es ist vorauszusehen, daß es zu inneren Auseinandersetzungen in der Kirche kommen müßte, wenn sich die jetzt verantwortlichen kirchlichen Körperschaften dazu bereit fänden, solche untragbaren Bestimmungen hinzunehmen. Hinter der Bedeutung dieser politischen Klausel tritt die Regelung der finanziellen Beziehungen zwischen Staat und Kirche zurück, so wesentlich diese Dinge für die Erhaltung der Lebensmöglichkeit der evangelischen Kirche auch sein mögen. Die Grundlagen der finanziellen Verpflichtungen des Staates gegenüber der Kirche sind in der früheren Einziehung der Kirchengüter durch den Staat gegeben. Es scheint, als ob in dieser Beziehung bei den klaren Rechtsverhältnissen auch keinerlei Schwierigkeiten aufgetaucht wären. Um so größer ist die Schwierigkeit bei der politischen Klausel, die ganz prinzipiell an die Grundlage der Kirche rührt und in der es deshalb auch keine Kompromisse geben kann. Man darf gespannt sein, wie sich der Streit um die politische Klausel lösen wird. ***** RIP20. des Osthilfe=Programms ein. Er verlangt dabei eine verantwortliche Mitwirkung der Landwirtschaft. Die Industrie stehe auf dem Standpunkt, daß der Großgrundbesitz auch im Osten seine wirtschaftliche Berechtigung hat und daß er deshalb neben einer weitgehenden Förderung der Siedlung ebenso erhalten werden müsse wie die kleineren und mittleren Betriebe. In diesen Fragen bestehe völlige Uebereinstimmung zwischen Industrie und Landwirtschaft. Wenn auch die Industrie wegen der Zölle für die agrarische Beredelungsproduktion einen anderen Standpunkt vertrete als die Landwirtschaft und jede weitere Erhöhung dieser Zölle scharf ablehne, so stehe sie doch unbeschadet dieses Gegensatzes auf dem Standpunkt, daß nur eine verständnisvolle Zusammenarbeit zwischen Industrie und Landwirtschaft die deutsche wirtschaftliche Entwicklung fördern kann. Die Industrie lehne jeden Versuch, einen Keil zwischen Industrie und Landwirtschaft zu treiben, ab, ganz gleich, von welcher Seite er kommt. Briefwechsel Löbe—Stöhr. Ueber den Diäten=Antrag der Nationalsozialisten. Im Zusammenhang mit dem nationalsozialistischen Antrag,„die durch den Verzicht der nationalen Opposition auf Teilnahme an den Parlamentssitzungen eingesparten Beträge restlos den Bedürftigsten unter den ausgesteuerten Erwerbslosen zuzuführen,“ hat sich ein mehrfacher Briefwechsel zwischen dem Reichstagspräsidenten Löbe und dem Abg. Stöhr(Natsoz.) ergeben. Das letzte Schriftstück in dieser Reihe bildet ein Brief Stöhrs, in dem es heißt, wenn Präsident Löbe„unter schallender Heiterkeit des Rumpf=Reichstags“ festgestellt habe, daß vorerst„kein roter Heller“ zur Verfügung stehe, weil die Nationalsozialisten ihre Diäten im voraus abgehoben hätten, dann sei das ein Kunstgriff. Der Reichstag müßte wissen, daß nachträglich abgerechnet werde und dabei für die Tage, wo ein Abgeordneter den Verhandlungen ferngeblieben ist, Abzüge gemacht würden. Bolschewisierung Europas. Dingeldey über Außen= und Innenpolitik — Frankfurt an der Oder. 15. Februar. In einer gut besuchten Versammlung der Deutschen Volkspartei sprach am Sonntag der Parteiführer Dingeldey. In Frankreich sei seit zwei Jahren ein schwerer Rückschlag erfolgt, es habe sich von dem Gedanken von Locarno weit entfernt, und bediene sich wieder der alten Methoden, um sich die Vorherrschaft in Europa zu sichern. Das habe in Deutschland zu furchtbaren Spannungen geführt. Falls sich diese einmal entladen sollten, würden sie kaum vor den Grenzen Halt machen. Die Gefahr einer Bolschewisierung Europas stände dann vor der Tür. Ein einiges Europa sei nur möglich, wenn die Bahn des Versailler Friedensvertrages verlassen werde. Der Redner sprach dann über die Fragen der inneren Politik und sagte, daß wir an einer Ueberspitzung des Parlamentarismus krankten. Der Nationalsozialismus sei eine wertvolle Bewegung, nur habe er bisher leider den Uebergang zur Verantwortung noch nicht gefunden. Durch den Auszug der Opposition aus dem Reichstag sei die Lage der Deutschen Volkspartei unendlich schwer geworden. Die preußische Regierung habe in drei Beziehungen völlig versagt: erstens in ihrer Personalpolitik, zweitens in der Handhabung der Polizei, die mit den kleinlichsten Schikanen arbeite, und drittens habe sie jede Fühlung mit der Jugend verloren. Die preußische Regierung habe eine unendliche Verwüstung in den Seelen der Jugend angerichtet und sei mit furchtbarer Verblendung vorgegangen. Darum mache die Volkspartei das Volksbegehren des Stahlhelms mit. Hilfe für die amerikanische Landwirtschaft. — Washington, 16. Februar. Präsident Hoover unterzeichnete die vom Senat und vom Repräsentantenhaus angenommene Kompromißvorlage, durch die den notleidenden Landwirten der Vereinigten Staaten 20 Millionen Dollar zugewiesen werden. Ablehnung der englischen Prohibitionsvorlage. — London, 14. Februar. Im Unterhaus ist die Vorlage, durch die der Handel mit Spirituosen verboten werden sollte, mit 137 gegen 18 Stimmen abgelehnt worden. Die Baufinanzierung. — Berlin, 16. Februan. Wenn wir die Lage der gesamten Baufinanzierung für das laufende Jahr überblicken, so kommt man zu der Feststellung, daß eine stärkere Förderung des Wohnungsbaues die großen Schwierigkeiten auf dem Baumarkt und damit auf dem Arbeitsmarkt mildern kann. Die Aussichten auf anderen Gebieten der Bauwirtschaft, des gewerblichen und öffentlichen Baues, sind im Hinblick auf die gesamte Wirtschaftsund Finanzlage wenig zuversichtlich. Schon im vergangenen Jahre sind die gesamten langfristigen Mittel für die Bauwirtschaft um beinahe zwei Milliarden Mark gegenüber den vorhergehenden beiden Jahren zurückgegangen. Während im Jahre 1928 insgesamt 9,1 Milliarden Mark, im Jahre 1929 8,2 Milliarden Mark langfristige Mittel für die gesamte deutsche Bauwirtschaft bereitgestellt wurden, waren es im Jahre 1930 nur rund 6,8 Milliarden Mark. Die schlechte Finanzlage des Reiches, der Länder und Gemeinden hat auf allen Gebieten eine erhebliche Herabsetzung der zur Verfügung gestellten Mittel gebracht. Für etwa eine Milliarde Mark wurde im vergangenen Jahre weniger für den Bau ausgegeben. Der gewerbliche Bau hat ebenfalls geringere Mittel gebraucht. Statt drei Milliarden Mark im Jahre 1928 sind im vergangenen Jahre nur 2,4 Milliarden Mark für den gewerblichen Bau bereitgestellt worden. Auch der Wohnungsbau hat im vergangenen Jahre eine kleine Herabsetzung der zur Verfügung stehenden Geldmittel erfahren, und zwar wurden 1930 hierfün 2,7 Milliarden Mark gegenüber 2,8 Milliarden Mark im Jahre 1929 aufgebracht. Wenn man nun die Aussichten der Mittelbeschaffung für das laufende Jahr untersucht, so muß man bei den bekannten Sparmaßnahmen sich klar darüber sein, daß eine erhebliche Steigerung der öffentlichen Bautätigkeit nicht zu erwarten sein wird, vielmehr ist zu hoffen, daß es wenigstens gelingt, sie auf der bisherigen Höhe zu halten. Ebenso wenig ist eine verstärkte Bautätigkeit für Industrie und Handel, also im gewerblichen Bau, zu erwarten, denn die gegenwärtige Wirtschaftslage reizt nicht allzu sehr, langfristige Geldmittel in Industrie= und Handelsbauten anzulegen. Bei dem Pessimismus, den manche Unternehmerkreise hegen, ist leider schon eher mit einen rückgängigen Bautätigkeit im gewerblichen Bau zu rechnen. Das Institut für Konjunkturforschung glaubt in seinem letzten Wochenbericht sogar an einen Rückgang der langfristigen Invistitionen um rund 400 Millionen Mark. So bleibt bei den ungünstigen Aussichten im gewerblichen und öffentlichen Bau nur noch der Wohnungsbau als derjenige Zweig der Bautätigkeit übrig, der die Ausfälle wettmachen sollte, wenn nicht im laufenden Jahre das Baugewerbe als ein so wichtiges Schlüsselgewerbe für das deutsche Wirtschaftsleben verkümmern soll. Das Institut für Konjunkturforschung berechnet die Höhe der langfristigen Investitionen für den Wohnungsbau für 1931 mit 1,9 bis 2,2 Milliarden Mark, gegenüber 2,7 Milliarden Mark im vergangenen Jahre. Also ein Ausfall von rund 500 bis 800 Millionen Mark. Dieser Ausfall kommt in erster LiniLe durch die bekannte Kürzung der Hauszinssteuermittel, da ja auf Grund der Notverordnung vom 1. Dezember 1930 ein größerer Teil des Aufkommens zur Deckung des allgemeinen Finanzbedarfs herangezogen wird. Wenn das Institut für Konjunkturforschung die Höhe der gesamten Hauszinssteuerhypotheken auf 500 Millioneu Mark(gegenüber 800 bis 900 Millionen in den letzten Jahren) schätzt, so ist diese Schätzung schon sehr optimistisch. Noch optimistischer sind die Schätzungen der von anderer Seite, nämlich von den Bodenkreditanstalten, Sparkassen und Versicherungen zu erwartenden Mittel. Bei der Ueberspannung in der Herabsetzung der Nutzfläche der zu erstellenden Wohnungen werden gerade diese Kreise langfristige Geldmittel für den Wohnungsbau mit größerer Vorsicht hergeben, als sie das für den Bau geräumiger und brauchbarer Wohnungen getan haben. Die schnelle Abkehr von der bisherigen Finanzierungsmethode macht die Finanzierung des Wohnungsbaues sowohl für jede einzelne Wohnung, wie auch für das gesamte Bauprogramm ungemein schwieriger, denn je niedriger die Hauszinssteuerhypothek zu verbilligtem Zinsfuß ausfällt, je mehr Mittel vom freien Kapitalmarkt zu den bekannten hohen Zinssätzen müssen bereit gestellt werden. In der Praxis bedeutet die Abkehr vom bisherigen Finanzierungssystem eine erhöhte Beschaffung von Mitteln vom freien Kapitalmarkt, und zwar besonoers bei denjenigen Wohnungen, die ohne Hauszinssteuer errichtet werden sollen. Eine erststellige Hypothek von seiten der Sparkassen, der Hypothekenbanken oder anderer öffentlicher oder privater Geldgeber wird bis zu 40 v.., wenn auch oft mit Schwierigkeiten, zu haben sein; ob sich aber der freie Kapitalmarkt selbst bei Zinszuschüssen und unter Bürgschaftsstellung der öffentlichen Hand so schnell bereit finden wird, bis zu 90 v. H. des Bauund Bodenwertes langfristige Gelder herzugeben, das muß leider bezweifelt werden. Um so mehr ist es nötig, daß die verantwortlichen Stellen bei der ohnehin schon fortgeschrittenen Zeit alles nur Erdenkliche unternehmen, für das laufende Jahr dem Wohnungsbau ausreichende Mittel zuzuführen und damit zugleich auch Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit mildern zu helfen. O. Böhme. Krise in Spanien. General Verenzuer mit seinem Kabinett zurückgetreten. — Madrid, 16. Februar. Die politische Krise in Spanien, die sich in den letzten Tagen zusehends verschärfte— kennzeichnend für den Ernst der Lage waren die an der Pariser Börse umlaufenden Gerüchte von der Abdankung des Königs Alsous— hat jetzt zum Rücktritt des Generals Berengnen und seines Ministeriums geführt. Der Rücktritt erfolgte nach einer Unterredung des Generals mit dem Grafen Romanones, dem Führer der monarchisch=liberalen Partei. Graf Romanones hatte dabei betont, er werde sich zwar an den geplanten Neuwahlen des Parlaments— den ersten Wahlen nach der Diktatur— beteiligen, im Parlament aber seine Tätigkeit darauf beschränken, Neuwahlen für ein verfassunggebendes Parlament zu betreiben. Dem jetzt zu wählenden Parlament sollten verfassunggebende Befugnisse nach dem Willen der Regierung nicht zustehen. Die Cortes=Wahlen Ein Dekret des Königs. Der König von Spanien hat ein Dekret unterzeichnet, durch das die Ausschreibungen der Cortes=Wahlen, die auf den 1. März anberaumt waren, rückgängig gemacht wird. Die Lage in Spanien ist noch immer ziemlich ungeklärt, doch hofft man, daß es gelingen wird, im Laufe des Montags ein neues Kabinett zu bilden. * Zusammenstöße in Madrid. Berlin, 16. Februar. In Madrid kam es, nach einer Meldung Berliner Blätter, am Sonntag zwischen der Polizei und Republikanern zu Zusammenstößen, in deren Verlauf die Polizei wiederholt mit der blanken Waffe gegen die Demonstranten vorging. Drei Republikaner wurden verletzt. Die Polizei nahm zahlreiche Verhaftungen vor. Gandhis Friedensbedingungen. Ein Resolutionsentwurf des indischen Kongresses. Der Arbeitsausschuß des indischen Kongresses erörterte einen von Gandhi vorbereiteten Resolutionsentwurf, in dem die Bedingungen dargelegt werden, unter denen der Kongreß zur Aufgabe seiner regierungsfeindlichen Haltung sowie zur weiteren Ausarbeitung der Ergebnisse der englisch=indischen Konferenz bereit sein würde. Gefordert wird: Allgemeine Amnestie für politische Gefangene, unverzügliches Aufhören jeder Unterdrückung, Untersuchung des Verhaltens der Polizei gelegentlich der Zwischenfälle in Vorsad und Midnapore, Freiheit, diejenigen Läden, welche alkoholische Getränke und ausläudische Stoffe verkaufen, durch das Aufstellen von Posten am Verkauf zu verhindern, ferner Rückgabe des beschlagnahmten Eigentume und Wiedereinstellung aus politischen Gründen entlassener oder sonstwie gemaßregelter Beamter. Worthington=Evans F. — London, 16. Februer. Im 63. Lebensjahre starb in London der Kriegsminister des letzten konservativen Kabinetts, Worthington Evaus. Noch am Rittwoch letzter Woche ist er im Unterhaus hervorgetreten, indem er den Mißtrauensantrag der Konservativen gegen die Ausgabenpolittt der Regierung Macdonald begründete. Deutschland beerbt Robinson. 140 000 Mark für Kriegsverstümmelte.— Das Testament des englischen Kapitäns gültig. In London ist nunmehr die Entscheidung in der Erbschaftssache Robinson gefallen. Der am 20. Februar 1930 verstorbene ehemalige Kapitän Robinson hatte in seinem Testament bestimmt, daß sein Vermögen in Höhe von 140000 Mark der deutschen Regierung zur Unterstützung der im Weltkrieg verstümmelten deutschen Soldaten zufalle. Robinson hatte diese Verfügung damit begründet, daß das„siegreiche und wohlhabende England gut in der Lage ist, für seine im Welthrieg verstümmelten Soldaten Vorsorge zu treffen. Richter Maugham vom Obersten Gericht in Lons=n hat nunmehr entschieden, daß dieses Gescheus an die deutsche Regierung gültig ist. Robinson hatte übrigens in seinem Testament weiter bestimmt, daß, falls seine Verfügung angefochten wird, General Smuts 1000 Pfund personlich erhalren soll und die übrigen 6000 Pfund von Smuts unter verstümmelte Buren, die durch den südafrikanischen Krieg gelitten haben, verteilt werden sollen. Die Gültigkeit dieser Verfügungen war angesochten worden. Dynamit Versailles! Für die Beseitigung der Kriegsschuldlüge.— Senator Shipstead über seinen Antrag. — Berlin, 16. Februar. Der amerikanische Senator Shipstead erklärte, nach einer Meldung des„Montag“ aus Neuyork, in einer Unterredung über seinen Antrag, die Lüge von der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands offiziell zu beseitigen u..: Die deutschen Reparationszahlungen seien auf die Annahme gegründet, daß Deutschland die Alleinschuld am Weltkriege trage. Das sei nur eine der Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages, aber eine der wichtigsten, und sie habe die Weltwirtschaftskrise verursacht und die Weltwirtschaft aus dem Gleichgewicht gebracht. Inzwischen hätten Lloyd George und die meisten anderen alliierten Staatsmänner und Historiker zugegeben, daß Deutschland nicht allein für den Krieg verantwortlich sei. Amerika habe den Vertrag von Versailles nicht ratifiziert und daher keinen Anteil an diesem Verbrechen. Aber andere Regierungen versuchten Amerika hineinzuziehen. Der Versailler Vertrag enthalte tatsächlich 90 v. H. des Dynamits, das den nächsten Krieg entfesseln werde. Es sei nutzlos, von Frieden zu reden, solange dies Urteil bestehe. Der Zweck seines Antrages sei, die Vereinigten Staaten von jeder, auch einer stillschweigenden, Verantwortung an dem in diesem Vertrag gefällten Urteil zu entbinden. Recht auf Abrüstung. Eine Erklärung Lord Cecils. In der politischen Kommission des Weltverbandes der Völkerbundsligen in Brüssel fand eine grundlegende Debatte statt, deren Höhepunkt die Ausführungen des deutschen Delegierten von Rheinbaben und des englischen Delegationsführers Lord Robert Cecil bildeten. Lord Robert Cecil führte aus, daß die bevorstehende Geufer Abrüstungskonserenz unbedingt mit einem starken positiven Erfolg enden müsse, da sonst der Völkerbund ernsthaft gefährdet wäre und in der ganzen Welt eine verhängnisvolle Lage entstehen könnte. Für die deutsche Delegation wies Staatssekretär a. D. von Rheinbaben darauf hin, daß die in Genf vorgeschlagene Konvention, solange sie in verhüllter Form die Aufrechterhaltung der Entwaffnungsbestimmungen enthalte, für Deutschland unannehmbar sei. Lord Robert Cecil erklärte, daß Deutschland ein nicht nur moralisches, sondern auch juristisches Recht auf Abrüstung habe. Justizetat angenommen. Schlußabstimmung über Pressegesetz zurückgestellt.— Pleuarpause bis Donnerstag. — Berlin, den 14. Februar 1931. Der Reichstag stimmte in Fortsetzung seiner Etatsarbeiten nunmehr auch dem Haushalt des Reichsjustizministeriums in zweiter Lesung zu. Die zu diesem Etat eingebrachten Anträge der Kommunisten auf Abschaffung des Schnellverfahrens und der sozialdemokratische Antrag auf Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren Freigesprochenen wurden dem Rechtsausschuß zur Weiterberatung überwiesen. Ebenso ein staatsparteilicher Antrag zur Rechtsanwaltsordnung. Brandunglück in London. rei Pers brannt. Zu einem Gebäude des Londener Stadtteils Mary, lebone entstand ein Brand, der sich mit ligkeit ausbreitete, daß sich mehrere Bewachner mehr zu retten vermochten. Drei Personen kamen in den Flammen um, darunter ein Richter und eine Zwei Perseum, die aus dem Feuster gesprungen waren. und drei Feuerwehrleute wurden verletzt. Bitte. Der Winter kommt mit Frost und Schnee Und bringt den Vögeln Not und Weh. In Berg und Tal und Gründen Kein Körnchen ist zu finden. Mitleid'ge Herzen, steht uns bei! Vom Schnee macht schnell ein Plätzchen frei. Dort streut uns milde Gaben, Uns Hungrige zu laben. O, lindert unsre große Not! Errettet uns vom Hungertod! Wir werden Dank beweisen Und Euch in Liedern preisen. Ja, wenn der holde Lenz erwacht, Der Sommer steht in Blütenpracht, Dann soll Gesang erfreuen, Die uns jetzt Körnchen streuen. Auch nützen wir alsdann Dem Landmann und dem Bürgersmann, Das Ungeziefer mindern, Und manchen Schaden hindern. O, laßt uns nicht vergeblich flehn, Und schnell hülfreiche Hände sehn! Wehrt schleunigst dem Verderben, Bevor wir Hungers sterben! Erhört der Spatzen, Finken, Ammern, Der Lerchen, Drosseln, Meisen Jammern! Erbarmt Euch der Rebhühner Not Und übt so christliches Gebot!— Vorstehendes Gedicht ist von dem verstorbenen Dich ter und Rektor Fr. Kloepper aus Witten. Er wirkte in den siebzig= bis achtziger Jahren im Schulwesen und im öffentlichen Leben der Stadt Witten und ist mit mancher Dichtung an die Oeffentlichkeit getreten. Heute, wo uns die winterlich verschneite Landschaft das Herz erfreut, dürfen wir auch die arme, notleidende Vogelwelt nicht vergessen. Möge die Bitte des Dichters auch heute noch unsere Herzen öffnen für die Bitte der armen Vögel. Bethel. Christlicher Verein junger Männer. Heute, Montag, 8¼ Uhr Männerchor in„Ephrata“. Dienstag 8 Uhr Turnen, Mittwoch nachmittag 4 Uhr in Gosen allgemeine Märchenstunde mit Lichtbildern: „Kalif Storch“,„Der kleine Däumling",„Rattenfänger von Hameln“.(15 Pfg. mitbringen). — Frauenhilfe: Mittwoch, den 18. Februar, 3½ Uhr nachmittags im Jungfrauensaal des Assapheums. I..: E. Brandt. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. 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