Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und ( 36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Füre einssand unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und Haus“, und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter Bgje tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 21. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Vieleseld), Sonntag, den 25. Januar 1931. 13. Jahrgang. Lasset eure Lichter brennen, Helle leuchten nah und fern, So wird selbst die Welt erkennen, Daß wir sind ein Volk des Herrn. Lichtträger. Ev. Matth. 5, 16:„Laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, auf daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ Es ist die Aufgabe jedes Menschen, der es mit seinem Christentum ernst meint, Licht auf den Weg zu strahlen, das Leben anderer heller zu machen. Ein Christ soll ein Kind des Lichtes sein. Ein Kind des Lichts ist ein Mensch, vor dessen Wandel Christus leuchtend geworden ist. Vor einem Kind der Welt ist er zugedeckt wie mit einem Nebel, dem Nebel der Sünde und Weltlust, durch den die Gestalt Jesu nur in schwachen Umrissen oder gar nicht zu erkennen ist. Aber Jesus, die große Lichtquelle, strahlt auf den wahren Christen über bis ins innerste Wesen, so daß auch er selbst leuchtend wird vom inneren Gotteslicht. Ein schönes Wort sagt:„Christen sollen sein die durchsichtige Schale, durch die Christus, der kostbare Inhalt, herausstrahlt.“ Nicht nur Lichtbesitzer, Lichtträger sollen sie sein, die hinausleuchten in die dunkle Umgebung. Und dieses Lichtträgertum ist nicht gebunden an irgendeinen Stand oder Alter. Gelehrte oder Handwerker, vielbeschäftigte Mütter oder Kinder, sie alle können sich erweisen als Lichtkinder in großen und kleinen DienWieviel auf unserer armen dunklen Erde sehnen sich nach einem Strahl echter Freundlichkeit, nach einem Wort des Trostes und wirklich warmer Teilnahme. Eine kleine Erquickung dem Kranken gereicht, ein Labsal für den Leib oder die Seele, ein paar Blumen in eine welke Hand gedrückt oder ans Fenster gestellt, ein ermunterndes Gedicht still weitergegeben— lauter kleine und für sich geringe Dinge und Dienste, die die Müden erquicken, die Durstigen laben, den Freudlosen ein Lächeln abringen. Dazu ist jeder fähig und kann von unermeßlicher Wirkung sein, wenn es im Namen Jesu in wahrer Gesinnung des Herzens geschieht. Eine der wunderbarsten Wirkungen unseres Gottes ist es, daß er Träger der stärksten Leuchtkraft auf Krankenbetten erstehen läßt. Siechbetten werden zu Siegesbetten. Wenn die Seele des Leidenden kein harter Stein war, sondern sich prägen und schleifen ließ zur Empfänglichkeit für die Gottespredigt des Leids, da gehen Lichter aus, die das Haus und die Umgebung erhellen. Wie ließen sich darüber die Beispiele häufen! Von dem blinden Brüderpaar, das Hunderten zum Segen ward, der gelähmten Witwe in einem großen Krankenhaus, deren Stube der Ruheport für alle Trostbedürftigen war, bis zu der schlichten Elisabeth Schäfer und dem adligen Fräulein L. von Hackewitz aus jüngster Vergangenheit, die mit ihrem„Erlebtes auf dem Krankenbett“, so manchen die Leidensstunden erhellten. Wie groß wird droben die Schar derer sein, die Lichtträger waren des Lichts, das sie in Leidensnächten empfingen. Kaum andere Lichter brennen so rein wie diese„Lichter in der Nacht“. Georg Meyer(Wurzen). Was vorgeht. Der Gedenktag der Reichsgründung liegt hinter uns. Nachdem die Feiern vorbei sind und die einzelnen politischen Richtungen Stellung genommen haben zu der Latsache, die sich vor sechzig Jahren als ein Ereignis vollzog, auf das Generationen gewartet sund um das sie gerungen und für das sie ihr Blut und ihre Begeisterung eingesetzt hatten, läßt es sich leichter beurteilen, wieweit das deutsche Volk überhaupt noch dafür Verständnis hat, daß sich in jenen Tagen etwas vollzog, das für einen größeren weltgeschichtlichen Zeitabschnitt von Bedeutung ist. Durch die Jahrhunderte der Vergangenheit hindurch war die Schaffung, Gestaltung und Erhaltung eines geeinigten Deutschen Reiches ein ständiger Kampf. Es läßt sich nicht leugnen, daß dynastische Zwistigkeiten und Machtkämpfe in einzelnen Perioden der deutschen Geschichte eine schnellere und gesundere Entwicklung stark behinderten. In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, in der sich nun endlich wieder ein geschlosseneres Deutsches Reich nach den Ideen des großen Staatsmannes Bismarck gestaltete, traten als neues Hinderungs= und Gefahrenmoment anstelle der teilweise schon ausgeschalteten und im ganzen ungefährlich gewordenen dynastischen Einflüsse, die in der Sozialdemokratie organisierte Internationale und dazu der konfessionelle Gegensatz, der nicht in beiden konfessionellen Lagern die gleiche Freude an dem politisch neu geschaffenen Staate aufkommen ließ. Aus den Betrachtungen, die zum 60. Gedenktage der Reichsgründung in der sozialistischen Presse angestellt wurden, klang auch jetzt noch keine freudige Begeisterung. Es ging immer ein verärgerter Unterton hindurch, aus dem man die Meinung herauslesen konnte, Bismarck und die Hohenzollern und manche andere Männer, die ihre Kraft eingesetzt für die Einigung Deutschlands, soien doch ein Hindernis gewesen für eine vollkommenere Entwickelung deutscher und weltpolitischer Verhältnisse. Hätte man auf der Seite der deutschen Sozialdemokratie mehr Sinn und Verständnis für historische Entwickelungen, so würde man schon aus der Geschichte Frankreichs wissen können, wie gewagt es ist, Personen, denen geschichtliche, reformerische Aufgaben zufallen, dafür verantwortlich zu machen, daß nicht die Wünsche aller gegensätzlichen Richtungen erfüllt werden. Gilt Frankreich auch jetzt noch bei vielen deutschen Demokraten als das Land, das Deutschland in kultureller Beziehung um hundert Jahre voraus ist, so wird doch kein Sozialdemokrat sagen können, daß man in Frankreich der Lösung der sozialen Frage, dem Kernstück sozialistischen Strebens, um einen Schritt näher ist als in Deutschland. Es wird immer noch so sein, daß der Krieg und der nachfoleiner sozialpolitischen Entwicklung war, bie doch vielleicht der deutschen Arbeiterschaft eine sicherere und bessere Gegenwart und Zukunft gebracht hätte als die, die nach den hereingebrochenen Ereignissen über die deutsche und über die Arbeiterschaft der ganzen Welt hereingebrochen ist. Eins aber könnte die deutsche Sozialdemokratie vom französischen Volke lernen, nämlich die Wertschätzung eines eigenen, starken Nationalstaates. In den Erwägungen darüber, welche Grenzregulierungen Deutschland jetzt noch fordern muß und welche Rolle Deutschland in seiner jetzigen Form bei der zukünftigen Gestaltung Europas spielen soll, ist es aber auch von großer Bedeutung, wie sich der katholische Volksteil, politisch vorwiegend durch das Zentrum vertreten. zu dem von Bismarck geschaffenen Reich stellt. Die„Germania“ schreibt n einem„Demokratie“ überschriebenen Artikel folgendes: „Die Feiern des 18. Januar sind vorüber. Es war, um es einigen boshaften Zungen gegenüber mit aller Deutlichkeit zu sagen, ganz selbstverständlich, daß auch der katholische Volksteil aufrichtigen Herzens und mit treuer volksverbundener Gesinnung an den Feierlichkeiten dieses Tages teilnahm. Auch das katholische Volk hat als ein unlösbarer, mit den Fasern seiner Seele im deutschen Volkstum wurzelnder und ver wurzelter Bestandteil der Nation sich der Stunde freudig erinnert, in der vor sechzig Jahren das zerrissene deutsche Volk zu einer großen geschlossenen staatlichen Einheit zusammengeschmiedet und zusammengeschweißt worden ist: Zu einem Reich. Und wenn diese Stunde auch die räumliche Trennung vom alten deutschen Kaisertum und die nach damaligem Ermessen endgültige Loslösung vom alten Reichsgedanken bedeutete, damit ein neues Reich aufgerichtet werden konnte, es wird niemanden unter uns geben, der nicht zu geicher Zeit diese Stunde anerkennte und ansähe als die Erfüllung einer starken nationalen Sehnsucht und als den Ausdruckswillen eines tiefen, echten Nationalgefühls. Es gehört heute zum historischen Tatbestand, daß die Lösung, die der deutsche Baumeister Bismarck 1871 gefunden hat. die unter den gegebenen Verhältnissen zweckvollste und beste war. die damals erreicht werden konnte. Das kann heute um so freier und um so offener gesagt werden, als nach den Wechselfällen des Weltkrieges und nach dem Diktat von Versailles das alte umfassende großdeutsche Reich die neue große sehnsuchtsvolle Hoffnung aller Deutschen geworden ist. Die räumliche Trennung. die notwendig war, um das Bismarcksche Reich zu schaffen, hat die geistige und volkliche Einheit nicht zerstört. Und wenn uns Katholiken, die wir doch auf den Schlachtfeldern von 1870/71 auch durch unser Blut das einige Reich haben mitschaffen helfen, im neuen Reich zunächst eine sehr bittere und sehr schwere Zukunft beschert und beschieden war, so hat unser Kampf niemals dem Staat gegolten, sondern immer nur der Toleranz und Freiheit, die wir als gleichwertige Bürger zu verlangen und zu erwarten hatten, und die man uns nach Lust und Laune vorenthielt.“ Wenn für den katholischen Volksteil in der im letzten Satz genannten Hinsicht im Bismarckschen Staat viel zu wünschen übrig blieb, so darf nicht vergessen werden, daß Bismarck auch Grund genug zu der Annahme hatte, die Politik des Zentrums werde nicht nur bestimmt nach rein deutschen Gesichtspunkten, sondern das Streben der römischen Kirche nach weltlicher Macht sehe sich besonders stark gehemmt durch ein gefestigtes evangelisches preußisches Königtum und deutsches Kaisertum. Es ist nicht schwer, aus der neueren Geschichte nachzuweisen, daß die Beseitigung des Hohenzollernhauses als herrschende Macht in Preußen=Deutschland eine Hoffnung einflußreicher katholischer Kreise war. Diese Tatsache ist aber sicher für Bismarck ein Grund gewesen, in der Personalpolitik nach der katholischen Seite hin etwas zurückhaltend und vorsichtig zu sein. Soweit ist aber auch das nicht gegangen, daß sich nicht auch tüchtige katholische Persönlichkeiten im Heer, in der Politik und in der Verwaltung hätten durchsetzen können. Immerhin sind die Verhältnisse so gewesen, daß durch sie eine einheitliche glühende vaterländische Begeisterung nicht aufkommen wollte. Hat Deutschland aber nun den Weg gehen müssen, der zu einer Reichsgründungsfeier führte, wie wir sie am vergangenen Sonntag erlebten, dann muß uns die Frage beschäftigen, was nun geschehen kann und geschehen muß, um unseren Staat, unser Deutsches Reich zu einem Land zu machen, das seinen Bürgern zu einem Vaterland wird, das sie über alles in der Welt lieben. Als wir am Sonntag einen Gang durch den größten Teil unserer schönen Stadt Bielefeld machten, nur zu dem Zweck, festzustellen, ob sich auch durch Beflaggen der Häuser etwas Liebe und Begeisterung für den Staat zeige, da legte sich doch ein Gefühl tiefer Wehmut auf die Seele. Man erinnerte sich der eigenen Jugend, wo solche Gedächtnistage bei Jung und Alt Hochgefühle vaterländischen Stolzes hervorriefen. Mit wehenden Fahnen durchzog die Schuljugend Dorf und Stadt und das„Lieb' Vaterland, magst ruhig sein“ klang durch das ganze Land bis hin zum Rhein. Jetzt aber war in den Straßen keine Spur von ähnlicher Bewegung. Auf den öffentlichen Gebäuden wehten die schwarz=rot=goldenen Reichsfarben und die schwarzweiße Preußenfahne. Mit diesen Farben hatten nar gang usveingelte Prinathäuser geflaggt Schwarz=weiß=rot, die Farben, unter denen die Reichseinheit entstanden war, wagte aber fast niemand mehr zu zeigen. In einer Seitenstraße wehte eine schwarzweiß=rote Fahne etwas auf Halbmast. Es muß doch eine der obersten diabolischen Mächte gewesen sein, die gerade in der schwersten Zeit in alles übrige deutsche Elend auch noch den Flaggenstreit hineingetragen hat. Diese Aeußerlichkeiten am Gedächtnistage der Reichsgründung haben uns gezeigt, daß im tiefsten, innersten Volksleben noch eine sehr schwere Wunde klafft. Darüber konnte der Berliner Jubel bei der Feier im und am Reichstag und die Freude der Berliner am schneidigen Militärmarsch der Fahnenkompagnie nicht hinwegtäuschen. Hat aber der Erinnerungstag in allen politischen Lagern etwas von dem Bewußtsein geweckt, daß wir alle, die wir die deutsche Sprache reden und in Grenzen zusammen wohnen, eine Schicksalsgemeinschaft sind, in der einer auf den andern angewiesen ist, dann wollen wir weiter hoffen, daß auch wieder einmal die Stunde der Freiheit schlägt und die Zeit kommt, wo die Liebe des freien Mannes wieder die Heimat mit Begeisterung schützt. Inzwischen blühen im Reich und besonders in Preußen die Methoden der Gesinnungsschnüffelei. Beamte, die sich nicht offen zu der in Preußen regierenden Partei bekennen oder die sich nicht entschließen können, affen Sympathien für die Republik zu äußern, stehen ständig in Gefahr, abgebaut oder„pensioniert" zu werden, auch wenn ihre Fähigkeiten und ihr Eifer im Dienst nicht angezweifelt werden können. Die Republik hat eine so lange Probezeit hinter sich, daß erwartet werden könnte, solche nationalen Gedenktage würden allmählich allgemein etwas davon zeigen, daß auch der Staat in seiner neuen Form einen Platz im Herzen ides Volkes gewonnen hat. Wenn sich aber so gar nichts zeigt von impulsivem Aufwallen nationaler, vaterländischer Begeisterung, so ist doch nicht anzunehmen, daß nunder Druck, der von außen her auf Deutschland liegt und nur die materielle oder seelische Not es sind, die im Volke die patriotischen Gefühle niederhalten, sondern es ist ein Zeichen dafür, daß es dem neuen System noch nicht gelungen ist, sich Vertrauen zu erwerben, das das Bedürfnis hat, sich auch einmal nach außen hin kundzutun. Bei den Massen, die das Reichsbanner um sich gesammelt hat und denen von Zeit zu Zeit deutlich gemacht wird, daß sie die Schutztruppe der Republik sein müßten, sind es doch wohl vorwiegend andere Gründe als die Liebe zum Vaterland, zu Staat und Reich, die sie bewegen, sich unter Hörsings Kommando in Reih und Glied zu stellen. Wir meinen, die Erfahrungen der letzten 12 Jahre, alles das, was an Folgen des Krieges und der„Friedensverträge" zu tragen ist und auch das, was sich jetzt wieder an geschlossenem Feindeswillen den deutschen Wünschen und Bedürfnissen in Genf gegenüberstellt, müßte in Deutschland endlich die Einsicht lebendig machen, daß uns die Staatsidee fehlt, die ande ren Völkern eigen ist, und die den aktiven Politikern in Genf, London, Rom, Moskau, Budapest und Washington den Rückhalt gibt zu einer Politik, die nun auch wirklich im Interesse ihrer Länder liegt. Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs, Englands und Italiens haben in Genf eine Erklärung abgegeben, die unter anderem folgendes sagt:„Wir können zur Verbesserung der Lage nichts Besseres tun, als den Zweifel über die Solidität des Friedens in Europa nicht weiter bestehen zu lassen. In unserer Eigenschaft als Minister der Auswärtigen Angelegenheiten oder als verantwortliche Vertreter der europäischen Staaten legen wir Wert darauf, zu proklamieren, daß wir mehr als jemals fest entschlossen sind, uns der Organe des Völkerbundes zu bedienen, um jeden Appell an die Gewalt künftig auszuschließen.“ Leider muß man feststellen, daß Erklärungen bisher nicht bewirkt haben, die Zweifel über die Solidität des Friedens zu bannen. Während der Tätigkeit Dr. Stresemanns als deutscher Außenminister hat es Momente gegeben, wo auch die schlimmsten Skeptiker anfingen, Hoffnung zu schöpfen. Es sei nur an Locarno und Thoiry erinnert. Was ist aus allen Hoffnungen geworden? Wir leben wieder in einer Atmosphäre wie die vor dem Kriege, wo jahrelang davon die Rede war, daß wir auf einem Pulverfaß lebten. Jeder fürchtete die Explosion, verhindern konnte sie aber niemand. Fast scheint es so, als biete der Völkerbund ebenso wenig Sicherheit wie die Schiedsgerichte, die sich auch früher schon um den Frieden und um die Versöhnung bemühten. Ein Endurteil kann über das Ergebnis der Minderheitsverhandlungen in Genf noch nicht gesprochen werden. Von Verhandlungen auf der durch Versailles geschaffenen Basis haben wir uns noch nie etwas Günstiges für Deutschland versprochen. Der viel angefeindete Dr. Curtius hat auch jetzt getan, was er konnte, um Deutschland sein Recht zu sichern. Ist Dr. Curtius alles bekannt gewesen, was man in den Parteiblättern in den letzten Wochen über ihn geschrieben hat, dann ist seine Tapferkeit anzuerkennen, mit der er trotz allem noch vor die Oeffentlichkeit trat. Daß er sich längst fertigen Entscheidungen einer Ententemehrheit gegenüber sah, dafür konnte er persönlich gar nichts. Wir Zeitungsleser sollten uns in solchen Situationen daran erinnern, daß die Sitzungen, wo angeblich die Entscheidungen fallen, nur die äußere Dekoration sind für den Akt, der den lange vorher fertigen Beschlüssen vor der Oeffentlichkeit die nötige Wichtigkeit geben soll. Der Schwung, der die Vorbedingung ist für die Durchdrückung derartiger politischer Wünsche, fehlt Deutschland. Er muß wieder lebendig werden. und neuer Idealismus. Die Theologie ist doch wahrlich die umfassendste aller Wissenschaften! Welch umfassenden Blick sie gibt, mag man aus Wilhelm Lütgerts neuestem Werk„Das Ende des Jvealismus im Zeitalter Vlsmarcks“ ersehen. Der Berliner Universitätsprofessor gibt hier in großein Rahmen ein geschichtlich unterbautes Bild des gegenwärtigen politischen Lebens. Er zeigt, wie es zu dem gegenwärtigen Tiefstand kommen mußte:„Der Höhepunkt der politischen Geschichte des deutschen VolAmerikanische Reiseeindrücke. (Schluß.) Vorerst ist hier das Werden der Volksgemeinschaft durch den Weltkrieg beschleunigt worden, wie ja auch die Einheit des Deutschen Reiches durch einen Krieg 1871 der Verwirklichung nähergebracht wurde. In Amerika erfolgte dies zwar im Kampf gegen die Deutschen. Als Folge ist eine engere Gemeinschaft des amerikanischen Völkergemisches zu verzeichnen. Nur einen Fehler pflegt diese Art von Gemeinschaft zu haben, die einem Kriege ihre Förderung verdankt. Die Ideale, um die man vermeintlich gekämpft hat, gehen allmählich immer mehr verloren. An ihre Stelle tritt die nationale Geschlossenheit wirtschaftlicher Selbstsucht. So kommt jetzt zu den Beschränkungen, die Einwanderer von Amerika fernhalten sollen, eine große Erhöhung der amerikanischen Zollmauern hinzu, um die Einfuhr ausländischer Waren einzudämmen. Man will sich die reichere Lebensweise, den höchsten Lebensstandard in Amerika sichern, das ist das Hauptkennzeichen der dortigen nationalen Selbstsucht. Daß dem zur Zeit gerade eine große Arbeitslosigkeit gegenübersteht— man spricht von 5 und 7 Millionen, ja, sogar von einem Drittel der Stadtbevölkerung—. darauf soll hier nicht näher eingegangen werden. Mehr interessiert in diesem Zusammenhang, welche Gegenkräfte und wie die Kirchen am Werke sind, um dieser nationalen Selbstsucht Herr zu werden. In den Vereinigten Staaten von Amerika herrschte die Parole„America first“, auf Deutsch„Amerika an der Spitze" oder„Amerika über alles“. Der amerikanische Bischof G. A. Oldham gab dieser Losung in einer Predigt, die er an einem nationalen Feiertage hielt, folgende Deutung, die in vielen Postkarten, Anschlägen usw. bekannt gemacht und für die Kirche richtunggebend wurde: Amerika über alles! Nicht in materiellen Dingen, sondern in Sachen des Geistes. Nicht nur in Wissenschaft und Erfindungen, Automobilen und Wolkenkratzern, sondern auch in Idealen, Grundsätzen und Charakterstärke. Nicht nur in der ruhigen Verfechtung von Rechten, sondern in der frohen Uebernahme von Pflichten. Wir wollen mit Stärke nicht prunken wie ein Riese, sondern in Hilfsbereitschaft uns über eine kranke und verwundete Welt beugen wie ein barmherziger Samariter. kes ist zugleich das Ende des deutschen Idealismus— das ist eine Tatsache, die man nicht bezweifeln kann, auch wenn man sie beklagt.“ Und er zeigt zugleich den Weg zum neuen Aufstieg. Nicht dadurch ist ein neuer Aufstieg möglich, daß man den alten Idealismus erneut. Nein, die Fehler müssen gemieden werden, an denen der alte Idealismus gescheitert ist. Er konnte die Natur nicht in sich aufnehmen, weil er den Schöpfer nicht kannte. Insofern setzt Lütgert den Idealismus in Parallele zur Erweckungsbewegung: diese scheiterte ebenfalls daran, daß sie nur Erlösungslehre war und den Schöpferglauben, der hinter der Erlösungslehre liegt und sie trägt, zurücktreten ließ. Beiden fehlte das Bindeglied zwischen dem Menschen und dem Christen. Was Lütgert vor allem fordert, ist eine neue Sozialethik. Vier Aufgaben stellt er geistesgeschichtlich der Gegenwart: Erstens müssen wir den rechten Staatsbegriff finden: wir müssen heraus sowohl aus dem antiken Staatsbegriff, den Hegel erneuert hat, wie aus der Gleichgültigkeit gegen den Staat, die Nietzsche vertritt. Zweitens müssen wir über den Gegensatz zwischen dem demokratischen Sozialismus von Marx und dem aristokratischen Individualismus eines Nietzsche herauskommen. Drittens müssen wir herauskommen über den Gegensatz zwischen einem reaktionären Klassizismus und einer revolutionären Zerstörung der Grundlage unserer Bildung: Wir müssen eine neue Verbindung von Christentum und Griechentum finden. Und endlich brauchen wir eine Kunst und Literatur, die uns über den Kampf zwischen Idealismus und Naturalismus heraushebt. Das sind wahrlich umfassende Ziele. Und nun ist es im höchsten Grade bedeutsam, zu sehen, wie hoch hier, sonderlich für die zweite Aufgabe, Lütgert das Lebenswerk eines Adolf Stöcker einschätzt. Für Lütgert steht unter den führenden Männern der evangelischen Kirche „besonders Stöcker, ein Kenner des Volkes, der das öffentliche Leben mit klaren Augen beobachtete“(S. 60); die„Kirchlich=sozialen Blätter" bringen demnächst aus dem Buch die eingehende Darlegung der Wirksamkeit Stöckers. Die Darstellung des Lebens Bismarcks ist ebenfalls bedeutsam für uns. Wir könnten folgende beiden Worte Bismarcks, die Lütgert anführt, geradezu zur Grundlage unserer Arbeit erklären:„Ich bin Gottes Soldat, und wo er mich schickt, da muß ich gehen, und ich glaube, daß er mich schickt und mein Leben zuschnitzt, wie er es braucht.“„Gerade dieser mein lebendiger christlicher Glaube legt mir die Verpflichtung auf, für das Land, wo ich geboren bin und zu dessen Dienst mich Gott geschaffen hat, und wo ein hohes Amt mir übertragen ist, dieses Amt nach allen Seiten zu wahren". Das erste Wort entseine Braut. das zweite einer Wie vieles aus der Vergangenheit wird uns in dem Buche lebendig! Halbvergessene Gestalten wie Constantin Frantz und Constantin Rößler werden lebendig, die ganze große Zeit Kaiser Wilhelms und seiner Paladine taucht vor uns auf, aber wir lernen auch, was in der Zeit vor dem Weltkrieg faulig war. Und wir möchten wohl wünAmerika an der Spitze! Nicht in glänzendem Sichabschließen, sondern in mutigem Zusammenarbeiten. Nicht in Stolz, Anmaßung und Geringschätzung anderer Rassen, sondern im Mitfühlen, Lieben und Verstehen. Wir wollen nicht wieder einherschreiten im alten, abgenutzten und blutigen Pfade, der unvermeidlich im Wirrwarr und Unglück endet, sondern eine neue Fährte bekannt machen, auf der, wenn es Gott gefällt, andere Völker folgen in das neue Jerusalem, wo es keine Kriege mehr geben wird.— Wenn wir nicht in die größte Barbarei zurückfallen sollen, muß eines Tages eine Nation diese Spur aufnehmen— und nach dieser Ehre gelüstet es mich für mein geliebtes Amerika. In diesem Geist und mit diesen Hoffnungen sage ich aus ganzem Herzen und mit ganzer Seele:„America fixst.“ Jedes Nationalgefühl läßt sich schließlich mit einem Geist der Feindschaft und des Hasses oder mit einem Geist der Liebe und der Freundschaft erfüllen. Daß die letztgenannte Einstellung mehr dem Geiste des Evangeliums entspricht, diese Erkenntnis bricht sich doch jeßt immer mehr Bahn. Was sich als Parallele hierzu über die Einstellung des deutschen Nationalgefühls sagen läßt, soll hier nicht näher untersucht werden. Leicht ist jedoch zu erkennen, daß die gekennzeichnete nationale Einstellung nicht nur theoretisch interessant, sondern auch praktisch bedeutungsvoll ist. So sind z. B. in diesem Zusammenhang die Hilfsaktionen zu sehen, die von den Vereinigten Staaten für fremde Völker durchgeführt worden sind.— In den ersten Jahren nach dem Kriege wurde eine umfangreiche Hilfstätigkeit für Mittel= und Osteuropa, für Armenien und für China entfacht; in diesen Ländern gab es Hunger und andere Kriegsfolgen zu beseitigen. Hierbei wurde in der amerikanischen Bevölkerung eine nationale Selbstlosigkeit und Opferwilligkeit zur Entwicklung gebracht, deren außerordentlich große Leistungen man nur bewundern kann. Ueber all diese Hilfsaktionen genaue Informationen zu erhalten, das war der Hauptzweck meiner Studienreise. Dabei war es für mich doch erfreulich zu sehen, auf welch große Anzahl derartiger Hilfsaktionen Amerika seit mehr als einem Jahrhundert gurückblicken kann. Mit Fug und Recht kann man hier von einer nationalen Tradition in der Hilfstätigkeit für fremde Völker sprechen. schen, daß zu diesem Band, der mehr die Analyse bringt noch ein zweiter, systematischer Band, der vorwo#### weist, hinzuträte. Vortouug Freilich, auch schon dieser Band bietet nicht nur für den, der geschichtliche Begründung begehrt, sondern auch für den, de wesentlich vorwärts schaut, sehr viel.(Verla; Bertelsmann, Gütersloh, 480 Seiten, geb. 18.— Markeinen ausführlichen Prospekt biefert jede gute Buchhand. lung unberechnet). Bisher hat der Christlich=soziale Volksdienst noch keine so umfassende wissenschaftliche Begründung seines Gesamtwirkens erhalten, Es ist geradezu ein Waffenarsenal: nicht in dem wört, lichen Sinne, daß man hier fertig geschmiedete Waffen für alle Fälle vorrätig fände, aber daß man es hier lernt edles Erz schürfen und daraus selbst die Waffenrüstung zu schmieden, die der Christ im öffentlichen Leben braucht. Und dafür werden wir alle, die wir wissen, daß politische Arbeit, wenn sie grundsätzlich ist, der tiefsten Begründung bedarf, Herrn Professor Lütgert von Herzen dankbar sein. D. Reinhard Mumm,..R. „siebente Eine Mahnung. Ein kluger Politiker, der mit den Großmächten zu verkehren wußte, hat die Presse als siebente Großmacht bezeichnet. Das war zu einer Zeit, als die Presse noch sehr um ihre Geltung in der Politik zu kämpfen hatte. Dieser kluge Politiker war Bismarck. Er verstand es, mit der Presse zu arbeiten, sie für seine Ideen zu gewinnen. Er erkannte allmählich in der Presse ein politisches Instrument von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Trotzdem er wiederholt und recht drastisch seinem Unwillen über einige unliebsame Vorstöße in der Presse freien Ausdruck gab. Seit Bismarcks Zeiten hat sich aber die Stellung der Presse in der ganzen Welt wesentlich verändert. Diplomatie und Presse stehen im politischen Konzert unmittelbar nebeneinander. Sie ergänzen sich gegenseitig. Das eine ist ohne das andere nicht mehr denkbar. Dort, wo Politiker tagen, sitzt die Presse als unmittelbarer Zeuge mit am Verhandlungstisch. Nicht selten werden bei internationalen Verhandlungen Vertreter der Presse zur Mitarbeit herangezogen. Das alles beweist, wie sehr es die Presse verstanden hat, sich in die erste Front der politischen Geschehnisse einzureihen. Ein moderner Politiker, der nicht eine große Presse hinter sich hat, ist von vornherein aktionsunfähig. Ebenso sind politische Aktionen, ob innerhalb einer Nation oder international, aussichtslos, wenn nicht eine große Pressemehrheit den Kampf mit der Druckerschwärze vorbereitet hat. Die Presse ist nicht mehr ein Instrument in einem Orchester, sie ist ein Orchester mit sehr vielstimmigen Inspielt auf der politischen Bühne die Rolle eines Regisseurs. Wie der Regisseur sein Ensemble, lenkt die Presse die öffentliche Meinung. Irrtümlicher Weise spricht man häufig von der Presse als der öffentlichen Meinung. Sie kann in mancher Hinsich Interpretin der öffentlichen Meinung sein, viel mehr Die amerikanischen Kirchen haben sich an dieser internationalen Liebestätigkeit, besonders nach dem Kriege, führend beteiligt. Darüber hinaus suchten sie mit den Kirchen der anderen Länder eine engere Gemeinschaft. Mutig haben sie sich an die Lösung der Aufgaben gemacht, die sie in den Vereinigten Staaten mit ihren oben angedeuteten Schwierigkeiten zu bewältigen haben. Ein Land mit diesem großen Reichtum, mit diesen ungeheuren völkischen Problemen und mit diesen weiten Gebieten stellt die Kirche vor eine übergroße Arbeit. Mit allen, die in dieser schweren Arbeit stehen, müssen wir uns besonders verbunden fühlen. Diese internationale Verbundenheit wird dort immer als besonders wertvoll empfunden, wo man es mit ungewöhnlich großen Schwierigkeiten zu tun hat und vor der Größe der nationalen Aufgabe der Kirche fast machtlos steht. Wie stark die amerikanischen Kirchen mit dieser Verbundenheit rechnen, geht aus der bereits 1920 übersandten Botschaft des amerikanischen Kirchenbundes an die Schwesterkirchen Europas hervor. Darin heißt es: „Wir werden für euch beten; wollt ihr nicht auch für uns beten, damit wir und unsere Nation unserer Pflicht nicht untreu werden?... Allen Ernstes müssen wir darauf dringen, daß unser ganzes industrielles, wirtschaftliches, politisches und soziales Leben den christlichen Grundsätzen der Gerechtigkeit, des gegenseitigen Dienstes und der Liebe untergeordnet werde.“ Bei alledem bleiben für uns Deutsche doch gewisse Hemmnisse bestehen, mit diesem reichen Amerika in freundschaftliche Beziehungen zu treten. Weithin fühlen sich die Deutschen nun einmal als das ärmere Volk, des sen Reparationszahlungen zudem zu 60 Prozent ihren Weg über Paris und London nach den Vereinigten Staaten nehmen. Und was noch schlimmer ist, über diese einem verarmten und sich beleidigt fühlenden Volke eigentümliche Einstellung hinaus macht sich ein Gefühl innerer Verarmung breit, das der Welt gegenüber keine deutsche Verantwortung gelten lassen will. Und doch hat auch ein verarmtes Volk einem reicheren gegenüber seine sittlichen Pflichten. Solche Wirksamkeit hat gewiß ihre besonderen Schwierigkeiten, wie sie auch in Besonderhei im Verhältnis des Reichen zum Armen zutage treten. Diese zu würdigen und jenen nachzudenken, das ist was uns Deutschen jetzt nottut. Aber werden wir al Volk auch fähig sein, dieser nationalen Verantwortung gerecht zu werden und dosür ein Opfer zu bringen Gerade jetzt! aber ist sie darauf aus, die Meinung zu beeinflussen. Sie sucht heute in erster Linie die öffentliche Meinung zu leiten. Damit hat sie eine große Verantwortung auf sich geladen. Wäre die Presse lediglich ein Spiegel der öffentlichen Meinung, dann fiele es nicht schwer, sich mit ihr auseinanderzusetzen. So aber zwingt sie den Beobach ter zu einer streng kritischen Einstellung. Diese kritische Einstellung erweist sich bald als sehr berechtigt. Ein Berliner Zeitungsforscher hat kürzlich die Behauptung aufgestellt:„Siehe ich mir heute ein Theaterstück an, dann weiß ich mit ziemlicher Sicherheit, was am nächsten Morgen die verschiedenen Zeitungen auf Grund ihrer politischen Einstellung dazu sagen werden. So verhält es sich nicht nur bei der kritischen Würdigung eines Theaterstückes. Das tritt in noch viel stärkerem Maße bei der Politik in Erscheinung.“ Das ist an sich ein Zustand, den man als selbstverständlich hinnehmen könnte, wenn der Leser sich darüber klar wäre, daß es bei den Darstellungen dieser Zeitungen sich um ganz bestimmte Meinungsäußerungen handelt. Im allgemeinen hat aber der Leser nicht das kritische Vermögen, sich von allen Vorgängen ein klares Bild zu machen. So verfällt er mehr oder weniger kritiklos der Anschauungsweise seiner Zeitung, bezw. des Schreibers. Und hier hat besonders die parteipolitisch gebundene Presse gegen sich und ihre Leser sehr gesündigt. Wenn wir politisch und weltanschaulich unter einer niegekannten Zerklüftung leiden, so trägt nicht zuletzt die Presse daran schuld, die bei allzu einseitiger Einstellung die kleinsten Tagesgeschehnisse beleuchtet und damit Tag für Tag den Leser vollpfropft. Wie wäre sonst die widersinnige Verhetzung von Volksschichten möglich, die voll und ganz die gleichen Interessen und dieselben Ziele haben! Wie wäre es möglich, daß sich Volkskreise derselben Schichten erbittert bekämpfen, sich gegenseitig niederschlagen, wenn nicht durch eine tägliche Dosis das Gift der Verhetzung von seiten einer doktrinären Presse in den Volkskörper geimpft würde! Die Leser, die nur täglich ihre eine Zeitung ins Haus lekommen, können sich kaum eine Vorstellung davon machen, welche Ausmaße diese Verhetzung nicht allein in den extremen Lagern in der Presse angenommen hat. Allein derjenige, der am Tage ein Dutzend und mehr Zeitungen der verschiedensten Richtungen zu lesen hat, kann sich ein Bild davon machen, welche Folgen diese Art von Publizistik haben muß. Die Presse in der Gesamtheit steht auf dem Höhepunkt ihrer Geltung. Wie lange wird es dauern, daß ihr durch technische Fortschritte dieser Vorrang streitig gemacht wird. Um so mehr sollte sie sich klar werden, daß sie in der bisher gekannten Weise die Verhetzung und allzu einseitige Orientierung aus ihren Reihen heraus nicht mehr dulden darf. Sie wird sich klar werden müssen, daß auch schaften allzu fadenscheiniger Interessen bleiben wird. Glücklicherweise gibt es noch eine Presse, die das Verantwortungsbewußtsein noch nicht verloren hat. Diese Presse hat die Aufgabe, mitzuarbeiten an einer Gesundung der gesamten Presse, als dem öffentlichen Wortführer, hinzuweisen auf das, was auf dem Spiele steht. Fr. W. Kuhlmann. Eine Rede Brünings. Auf einer in Chemnitz abgehaltenen Tagung des Verbandes der sächsischen Industriellen hielt Reichskanzler Dr. Brüning eine Rede über die wirtschaftliche Lage und die Pläne der Regierung. Ausgehend von der Weltwirtschaftskrise führte er u. a. aus: In der Forderung einer Herabsetzung der Tributlasten sei sich das ganze deutsche Volk einig. Aber es wäre falsch, wenn man alles Heil von der unbedingt notwendigen Minderung der Tributlasten erwarten wolle; auch wenn das deutsche Volk die Tributlasten nicht zu tragen hätte, müßten die Fehler der Vergangenheit wieder gutgemacht werden, und wenn man der deutschen Wirtschaft helfen wolle, so müsse man von dieser Wahrheit ausgehen. Es sei notwendig, daß Deutschland sich dafür wirtschaftlich rüste. In dem Tempo, so betonte Reichskanzler Brüning, in dem es gelinge, die wirtschaftlichen und finanziellen Sanierungsbestrebungen zum Erfolge zu führen, könnten wir auch außenpolitisch wieder freier, aktiver und erfolgreicher auftreten. Die Selbstkosten der Industrie müßten weiter gesenkt werden, damit die beutsche Wirtschaft unter allen Umständen rechtzeitig den Anschluß an den Weltmarkt erhalte. Dies gelte ganz besonders für die sächsische Exportindustrie. Reichskanzler Brüning führte dann weiter aus, daß auch andere größere Länder zweifellos im Tempo und Ausmaß der Rationalisierung der Landwirtschaft und Industrie den Bedürfnissen vorausgeeilt seien. Auf diese übertriebene Rationalisierung sei auch ein Teil der heutigen großen Wohlfahrtslasten zurückzuführen und der Saldo der Nationalisierung sei nicht befriedigend. Bezüglich des notwendigen Reformwerkes der Regierung erklärte der Reichskanzler, daß der Regierung leider die Menge von zur Verfügung stehenden Kassenreserven fehle, um in einigen Monaten bereits Steuerermäßigungen der Wirtschaft zu bringen. In diesem Zusammenhang erwähnte er auch die Notwenbigkeit einer systematischen Verwaltungsreform, von der man jedoch nicht erwarten dürfe, daß sie nach Durchführung etwa Ersparnisse in zirka ein oder zwei Jahren bringen werde. Das Maximum der durch sie eintretenden Ersparnisse würde man erst in zehn Jahzu spüren bekommen. Aufgabe der gegenwärtigen negterung sei es, unpopuläre Ein= und Durchschnitte zu machen, und mehr denn je gelte heute der Grundsatz, mit wenig Geld möglichst viel zu erreichen. Zum Schluß forderte der Kanzler, daß sich alle Gerufsgruppen unter Hintanstellung ihrer Sonderinterinteressen auf einer gemeinsamen großen Linie zusammenfinden mögen. Kerentng? Giie. Rascher Abschluß in Genf? Briand will nach Paris zurück.— Neue Unterredung Curtius—Heuverson. — Genf, 24. Januar. Der Sturz der französischen Regierung ist in Geuf vielen Delegationen gelegen gekommen, um eine rasche Erledigung der Ratsarbeiten zu empfehlen. Auch die französische Delegation bekundet eine merkwürdige Eile und gibt zu verstehen, daß Briand lieber heute als morgen nach Paris zurück möchte. Wenn Briand gegenwärtig tatsächlich in Paris sein muß— sein Amt als Außenminister werden ihm ja auch die kommenden Männer nicht wegnehmen wollen— dann hat er doch in der Person von Massigli einen Vertreter, so daß nicht einzusehen ist, warum die Krise in Frankreich die Arbeit des Völkerbundrates beeinträchtigen sollte. Der Rat muß deshalb seine Arbeiten zu Ende führen und jeden Gedanken an eine Vertagung und Einberufung einer außerordentlichen Sitzung von sich weisen. Reichsaußenminister Dr. Curtius stattete dem den Vorsitz führenden englischen Außenminister Heuderson einen neuen Besuch ab. Ueber den Inhalt der Unterredung wurde Stillschweigen bewahrt, doch zirkuliereu trotzdem„Inhaltsangaben“. Nach der einen Lesart soll die Unterredung für Deutschland unbefriedigend verlaufen sein und der englische Außenminister den dentschen Forverungen nach Genugtnung und Sicherung der Rechte der Minverheiten für die Zukunft nicht das Verständnis entgegengebracht haben, das man von ihm erwartet hatte. Nach einer anderen Darstellung wieder soll Henverson die deutschen Forderungen als berechtigt anerkannt haben und für ihre Durchsetzung bemüht sein wollen. Endkampf um das Recht Oberschlesiens. Genf. 23. Jan. Aus den bisher zwischen der deutschen Abordnung und dem Berichterstatter für die Minderheitenfragen geführten vertraulichen Verhandlungen hat sich eine Grundlage für einen Bericht ergeben, der als endgültige Regelung der oberschlesischen Frage vom Völkerbundsrat angenommen werden soll. Auf deutscher Seite hat man sich noch nicht entschieden, ob der bisherige Berichtsentwurf als tragbar angesehen werden kann, da einige Hauptpunkte noch nicht berücksichtigt sind. Sollte sich im Lause der Nacht die Möglichkeit einer Einigung zeigen, so könnte die Tagung des Völkerbundsrates am Sonnabend abend abgeschlossen werden. Von anderer Seite verlautet neuerdings, daß die polnische Vertretung selbst den die deutschen Forderungen nicht entscheidend berücksichtigenden Punkten des Berichtes neue Schwierigkeiten entgegensetzt. Es muß also doch noch mit sehr hartnäckigen und länger dauernden Verhandlungen gerechnet werden. * Ein zweiter Oberschlesien=Entwurf von deutscher Seite abgelehnt. Genf. 23. Januar. Wie man von maßgebender Seite erfährt, ist der am Freitag abend der deutschen Abordnung übermittelte zweite Entwurf für den Bericht des Völkerbundsrates von deutscher Seite abgelehnt worden, da er den deutschen Forderungen in den Hauptpunkten in keiner Weise Rechnung trug. In diesem Entwurf war es der polnischen Regierung überlassen, ohne jede Kontrolle die notwendigen Maßnahmen zu treffen. Abrüstungskonferenz 2. Februar 1932. Tagungsort: Genf. Der Völkerbundsrat setzte am Freitagnachmittag in geheimer Sitzung den 2. Februar 1932 als Termin für die Abrüstungskonferenz statt. Als Konferenzort hat er Genf bestimmt. Der Präsident soll nicht durch die Konferenz, sondern durch den Völkerbundsrat ernannt werden. Da diese Frage aber noch nicht geklärt ist, wurde die Wahl auf die Maitagung verschoben. Die Abrüstungskonferenz soll im Anschluß an die Januartagung des Völkerbundsrats stattfinden, deren Beginn auf den 25. Januar festgesetzt wurde. Rückkehr der Tardien=Mehrheit? Steegs Rücktritt angenommen.— Als Favoriten gelten Laval und Flandin. — Paris, 24. Januar. Nachdem die französische Kammer mit 293 gegen 283 Stimmen der Regierung Steeg das Vertrauen versagt hat, hat Ministerpräsident Steeg dem Staatspräsibreitet. Der Präsivent hat die Demission angenommen und sogleich Verhandlungen über die Bildung einer neuen Regierung angeknüpft. Er empfing die Präsidenten der Kammer und des Senats sowie die Vorsitzenden der einzelnen Fraktionen. Der Sturz der französischen Regierung erfolgte etwas plötzlich, zugleich lag er aber auch in der Luft. neuer Skandal. Wie erinnerlich sein wird, hat das Kabinett Steeg, als es vor einem Monat und neun Tagen die Amtsgeschäfte übernahm, nur eine Mehrheit von sieben Stimmen erzielen können. Außerdem hatten zwischen der Ausarbeitung der Regierungserklärung und ihrer Verlesung in der Kammer nicht weniger als fünf Staatssekretäre ihre Zusage der Mitarbeit wieder rückgängig gemacht. Eine neue Zuspitzung erfuhr die Situation, als die Frage der Stabilisierung der Getreidepreise auf die Tagesordnung kam. Vollends unhaltbar wurde die Stellung Steegs, als der Ackerbauminister Boret, der aus dem Getreidegroßhandel hervorgegangen ist, unbekümmert um die Meinungsverschiedenheiten im Kabinett und über die Köpfe seiner Kollegen hinweg seinen Entschluß zur Stabilisierung der Getreidepreise bekanntgab. Er hatte damit eine wilde Spekulation ausgelöst— der Umsatz an der Getreidebörse stieg auf das Sechsfache des Vortages— und die Politik mit dem Geschäft verquickt. Letzten Endes ist es also ein politischer Skandal, der den Sturz der französischen Regierung herbeigeführt hat. Mit dem Sturz Steegs ist zugleich der zweite Versuch mißglückt, in der aus den Wahlen von 1928 hervorgegangenen Kammer mit ihrer Rechtsmehrheit eine Linksregierung zu bilden. Das Zünglein an der Wange bildeten die elf Kommunisten, die in der entscheidenden Abstimmung mit der Rechten gegen Steeg gestimmt haben. Schaltet man die Möglichkeit eines dritten Versuchs zur Bildung einer Linksregierung aus, dann kann es sich jetzt nur darum handeln, entweder eine Zusammensassung der Mitte vorzunehmen, oder aber zu der Tardien=Mehrheit zurückzukehren, also den sogenannten nationalen Block wieder zu beleben. Als kommende Männer gelten gegenwärtig Pierre Laval und der frühere Handelsminister im Kabinett Tardieu Flandin. Flandin hat in der letzten Sitzung der Kammer die Mehrheit gegen Steeg gesammelt. Politische Fragen werden bei der Kabinettskrise, deren baldige Lösung erwartet wird, kaum eine Rolle spielen. In der Außenpolitik wird sich diesmal ebenso wenig etwas ändern als bei den voraufgegangenen Krisen. Auf wirtschaftlichem Gebiet sind die Aufgaben zwangsläufig: Durchführung der Wirtschaftsreform und Verabschiedung des neuen Staatshaushalts, und um die Präsidentenwahl wird man sich jetzt noch nicht zu sorgen brauchen, denn bis Anfang Juni kann es nochmals einen Regierungswechsel geben, sind doch kurzfristige Amtsperioden in Frankreich ganz an der Ordnung. Ohrfeigen in der Wandelhalle. Der Sturz der Regierung Steegs vollzog sich übrigens unter heftigen Lärmszenen. Auch in der Wanderhatte ging es erregt zu. Hier warf der Abgeordnete de Tessan dem Direktor einer politischen Wochenschrift vor, er habe in seiner Zeitung Mitteilung über das Privatleben verschiedener Parlamentarier gemacht und damit deren Familien beleidigt. Als er dann seinen Gegner gar noch mit Ohrfeigen traktierte, kam es zu einem regelrechten Handgemenge, das erst ein Ende nahm, als einer der Kämpfer wehrlos am Boden lag. Polenflieger kommen vor Gericht. Am 31. Januar Verhandlungsbeginn vor dem Schöffengericht Oppeln. In der Strafsache gegen die polnischen Flieger, den Feldwebel Wolff und den Sergeanten Iwiela, die während der Anwesenheit des Reichskanzlers in Oppeln dort auf dem Exerzserplatz notlandeten, hat das Schöf engericht Oppeln zum 31. 1. Termin anberaumt. Nach dem Anklagebeschlusse werden die Flieger beschuldigt, am 9. Januar die Reichsgrenzen unbefugt überschritten zu haben, ohne im Besitze eines amtlichen Passes gewesen zu sein, und einer zur Wahrung der öffentlichen Ordnung erlassenen Vorschrift über den Verkehr und den Betrieb von Luftfahrzeugen zuwidergehandelt zu haben. * Der Aufständischen=Verband klagt. Der polnische Aufständischen=Verband in Ostoberschlesten hat in Kattowitz beim Burggericht eine Klage gegen den Deutschen Volksbund angestrengt und fordert darin die Bestrafung des Volksbundes wegen Verleumdung. Die „Verleumdung“, soll darin bestehen, daß der Volksbund in seiner Eingabe an den Völkerbund den AufständischenVerband für die Greueltaten in Ostoberschlesien verantwortlich gemacht hat. Die verbotene Reichsgründungsfeier. — Berlin, 24. Januar. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat die Untersuchung ergeben, daß die Regierung in Frankfurt a. O. in der Tat die Abhaltung von Schulfeiern aus Anlaß des Reichsgründungstages schriftlich und telephonisch verboten hat. Der preußische Kultusminister hat deswegen der Regierung in Frankfurt seine schärfste Mißbilligung ausgesprochen. Er habe es für selbstverständlich gehalten, daß auch ohne besondere Anordnung in den Schulen Gedenkfeiern abgehalten werden würden. :: 6 Prozent Gehaltskürzung im Ruhrbergbau. Die Gehaltstarife der zum 31. Dezember gekündigten Angestellten des Ruhrbergbaues sind mit der Maßgabe wieder in Kraft gesetzt worden, daß sie ab 1. Januar um 6 Prozent ermäßigt werden. Gegen den Karneval. Eine Verfügung Hitlers. Im„Völkischen Beobachter“ lesen wir: Im Hinblick auf die allgemeine Not verbiete ich mit sofortiger Wirkung allen Partei=Organisationen, karnevalistische Treiben, Bälle usw. zu veranstalten oder sich an derartigen Veranstaltungen zu beteiligen. Wo bereits solche Veranstaltungen angesetzt sind, steht es frei, diese in„deutsche Abende", die vom nationalsozialistischen Geiste getragen sind, umzugestalten. München, den 20. Januar 1931. gez. Adolf Hitler. (Von allen Parteiblättern nachzudrucken.) Einheitsfront gegen Kundgebung der christlichen Gewerkschaften.— Silverberg kritisiert die Nationalisierung. — München, 24. Januar. Der Großindustrielle Paul Silverberg vom Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie sprach in München über wirtschaftliche Gegenwartsfragen. In den Vereinigten Staaten, so führte er aus, liege die Hauptursache der Wirtschaftskrise in der Verletzung des Gesetzes, daß steigende Löhne nur begründet sein dürfen in der Steigerung der Güte und der Menge der Produktion. Aehnlich verhalte es sich mit Frankreich, das überdies noch glaube, es sei am besten gegen das Wirtschaftselend gefeit, wenn es viele Millionen auf der Bank liegen habe. Für Deutschland liege eine der Hauptursachen der Krise in den kapitalzerstörenden Tributen. Hilfe sei möglich durch Kapitaleinfuhr und durch eine Handelspolitik, die die Verseinerungsindustrie schütze. Die Redensart von der Befruchtung Teutschlands durch Kredite von 8 Prozent auswärts sei verbrecherisch. Das zweite kapitalzerstörende Moment erblickte Dr. Silverberg in der Rationalisierung; das Schlimmste sei hier vor allem das Tempo gewesen, das wir eingeschlagen hätten. Weiter hätten wir den Staat und die Gemeinden in die Wirtschaft eingeschaltet. Notwendig sei die Erkenntnis der natürlichen Wirtschaftsgesetze, die Befreiung von der Zwangswirtschaft im Bauwesen, von der Zwangswirtschaft in bezug auf Löhne und Arbeitszeit. Ferner müßten wir an den Aufbau eines volkswirtschaftlich und finanzwirtschaftlich richtigen Steuersystems gehen, d. h. wir müssen den Schwerpunkt der Steuern von den direkten auf die indirekten verlegen. Der Hauptvorstand der christlichen Gewerkschaften, der sich gleichfalls mit der Wirtschaftsnot befaßte, sprach sich für ein verstärktes Zusammenwirken der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer aus und stellte ferner folgende Forderungen auf: Es muß auf allen Seiten der gute Wille herrschen, Kämpfe zwischen den am Arbeitsvertrag beteiligten Parteien durch rechtzeitige Verständigung über Lohn= und Arbeitszeit hintanzuhalten. Entlastung der Wirtschaft durch Vereinfachung des behördlichen Apparates sowie durch verstärkte Selbstverwaltung in der amtlichen Sozialpolitik. Entschiedene Durchführung der Reichsreform. Ueberwindung der schwerwiegendsten Ursachen der Volks= und Wirtschaftsnot durch eine der Leistungskraft des deutschen Volkes entsprechende Regelung der Reparationen: die heute geltende Regelung hat sich längst als undurchführbar und schädlich erwiesen, sie bildet einen Hero internationaler wirtschaftlicher und politischer Krisen. Wiederherstellung der Kaufkraft der breiten Massen durch planmäßige und beschleunigte Weiterführung des Preisabbaues. Reichsbahn, Reichspost und sonstige Verkehrseinrichtungen, Wasser=, Gas= und Elektrizitätsversorgung müssen in ihren Tarifen der Linie des allgemeinen Preisabbaues folgen. Verringerung der Spanne zwischen Erzeuger= und Verbrauchervreisen. Allgemeine Senkung der Zinssatze und Bantprovisionen onir der Spanne zwischen Soll= und Habenzinsen. Zurückdrängung ungesunder Aufblähung des deutschen Schulwesens auf ein den Notwendigkeiten eines aufstrebenden Volkslebens entsprechendes Maß. Die Tragödie der„Baden“. Berhandlung des Zwischensalls vor dem Seeamt.— Vernehmung des Kapitäus. — Hamburg, 24. Januar. In Anwesenheit von Vertretern des Reichswehrministeriums sowie anderer Reichs= und Staatsbehörden eröffnete das Secamt in Hamburg die Verhandlung über die Beschießung des deutschen Tampfers „Baden“ in der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro, bei der 31 Personen getötet und 37 schwer verletzt worden sind. Den Vorsitz der Berhandlung führte Regierungsdirektor Dr. Schön. Aus der Verlesung der Zeugenprotokolle, mit der die Verhandlung begann, ergab sich, daß auf der offiziell vom Hafenkapitän in Rio ausgestellten AusreiseErlaubnis zwei Sondervermerke enthalten waren. Nach dem ersten Vermerk erklärte der Kapitän feierlich, kein politischer Passagier an Bord sei, und der zweite, handschriftlich eingetragene, dem entscheidende Bedeutung zukommt, besagte, daß beim Passieren des Forts Santa Cruz das Schiff auf Signale achtgeben müsse. Weiter ergab sich, daß am Fort drei Signale aufgesteckt waren, die von der Schiffsleitung nicht verstanden wurden und nicht verstanden werden konnten, weil der Kommandant des Forts mit den Signalen anscheinend nicht richtig Bescheid gewußt hat und Signale gesetzt hat, die der Schiffsleitung ein Rätsel waren. Kapitän Rolin erklärte, er führe die Beschießung auf die Denunziation eines später in Rio verhafteten Mannes zurück, der die falsche Angabe gemacht habe, ein Freund des Kapitäns habe einen brasilianischen Politiker heimlich an Bord gebracht; darauf habe dann die Polizei das Fort angewiesen, den Dampfer an der Ausfahrt zu hindern. Ferner gab er zu, Kritzeleien auf dem Ausfuhrpaß, die ihn aufforderten, sich mit dem Fortkommandanten in Verbindung zu setzen, übersehen zu haben. Ausdrücklich betonte er aber, daß es, um die Baden“ zum Halten zu bringen, der Abgabe scharfer Schüsse nicht bedurft hätte! * Der Arteilsspruch. Nachdem dann noch der Schießsachverständige und der Reichskommissar zu Worte gekommen waren, verkündete das Seeamt das Urteil. Der Spruch besagt, daß der tragische Zwischenfall zunächst durch die Besatzung des Forts Santa Cruz verursacht worden ist, deren mißverständliche Signale die Voraussetzungen für die Beschießung durch das zweite Fort geschaffen hätten. Neven der Besatzung der beiden Forts trage Kapitän Rollin insosern einen Teil der Schuld, als er den Passus im Ausfahrtschein, der ihn anwies, sich mit dem Kommandanten des Forts Santa Cruz in Verbindung zu setzen, üversehen habe. Angesichts der revolutionären Wirren in Nio hätte er nach dem Aufziehen der unverständlichen Signale stoppen müssen. Die nach der Beschießung von der Schiffsleitung und dem Vordarzt getroffenen Anordnungen zur ttung der Passaziere wurden vom Secamt als.dnungsgemäß anerkannt. Verkehrsfragen. Eine Rede von Guérards. Bei der Beratung des Haushalts des Reichsverkehrsministeriums im Haushaltsausschuß des Reichstags nahm Reichsverkehrsminister von Guérard in längerer Rede zu den verschiedenen Verkehrsfragen StelLage der Reichsbahn führte er u. a. aus, daß die sämtlichen deutschen Staatsbahnen vor dem Kriege etwa eine Milliarde aufgebracht hätten. Er rechnete Aonn haan,#.t han. hr..1 Lof....,,..— rationsabgaben und sonstige Ausgaben mit rund einer Milliarde belastet sei. In Aubetracht der schlechten Finanzlage der Reichsbahn steht der Minister einer weiteren Tarissenkung skeptisch gegenüber. Der Minister kam dann auf das Gesetz über die Regelung des Kraftwagenwettbewerbs zurück. Dieses Gesetz solle den Streit Kraftwagen—Eisenbahn möglichst mildern. Ohne eine Herabsetzung der Tarife der Klassen A und B der Reichsbahn werde es darüber aber zu keiner Einigung kommen. Auf dem Wasserstraßengebiet sei die erwünschte Planmäßigkeit noch nicht zu erreichen gewesen. Der Minister hofft jedoch, das Geld für diejenigen Kanalbauten, die rentabel sind, nach dem gesunden alten Grundsatz nicht aus laufenden Haushaltsmitteln, sondern aus Anleihen aufzubringen. Für den Osten seien in dem neuen Osthilsegesetz neun von den dort vorgesehenen elf Eisenbahnen Aussicht genommen. Das sei das allernotwendigste. was gebaut werden müsse. 46 Bahnen seien durch die Grenzziehung durchschnitten. Ueber die genannten Prajekte hinaus sei auf die Dauer die Schaffung der graßen Nordost=Südwestverbindung notwendig. In Angriff genommen seien zunächst die Vorbereitungen für Gilgenburg—Neidenburg, wo unter Umständen auch eine Kraftfahrlinie in Betracht komme. ebenso für Namslau—Groß=Wartenburg—Neumittenwalde. Für den Bau Groß=Strehlitz—Kandrzin sei endgültig der Auftrag für die ausführlichen Vorarbeiten erteilt. Ferner werde zunächst die Strecke Schwerin— Kreutz, ein Teil der Nordost=Südwest=Linie, in Angriff genommen. Zum Schluß ging der Minister auf die Gehälter der leitenden Beamten der Reichsbahn ein. Um diesen Punkt habe es jahrelange Kämpfe gegeben, denn es handele sich um alte Beamte, die obendrein höhere Pensionen als die gleichgestellten Reichsbeamten zu erwarten hätten. Der Minister hält deshalb die Höhe ihrer Gehälter nicht für gerechtfertigt. Katastrophe im Schwarzen 54 Todesopfer. Wie amtlich aus Ddessa gemeldet wird, ist auf dem Schwarzen Meer ein Passagierdampfer im Sturm gesunken. 18 Fahrgäste und 36 Mann der Besatzung sind ertrunken. Nicht weniger als 17 Fischerboote werden vermißt. Zur Hilfeleistung der in Seenot befindlichen Fischdampfer sind sowjetrussische Kriegsschiffe ausgelaufen. Fährunglück bei Serajewo. Auf der Bosna in der Herzegowina ereignete sich in der Nähe der Stadt Serajewo ein Fährunglück. Eine Fähre mit acht Frauen an Bord begann in der Mitte des Flusses zu sinken; sämtliche Insassen fielen ins Wasser. Vier Frauen ertranken. Letzte Meldungen. Amerika will die Kriegsschulden einkassieren. * In einem von dem Schatzamt der Vereinigten Staaten ausgearbeiteten Schriftstück, das offensichtlich gegen richtet iuteheige“ au Streichung der Kriegsschulden gebritannien.2 Prgz Priegtschulden betrügen in Grobin Frankreich.5 mgent der gesamten Jahresausgaben, Die Last der"a" zent und in Italien 0,5 Prozent. durch einen Zahlung dieser internationalen Schulden werde gewogen werdentschwung des internationalen Handels aufKeine Verbindlichkeitserklärung des Lohnschiedsspruchs für den oberschlesischen Erzbergbau. — Berlin, 24. Januar. Der Reichsarbeitsminister hat es abgelehnt, den Lohnschiedsspruch für den oberschlesischen Erzbergbau für verbindlich zu erklären. Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruchs in der — Berlin, 24. Januar. In dem Lohnstreit der Siegerländer Metallindustrie ist der Schiedsspruch vom 2. Januar 1931 vom Reichsarbeitsminister für verbindlich erklärt worden. Anzeigen aus Bethel. 83 — Radiogerät, 4 Röhren,„Seibt“ billig zu verkaufen. Näheres im Dankort. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Auswärts“, Christliches Tageblatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3919, Amt Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. i. Gnadau bei Magdeburg 32 Evangelische Brüdergemeine Höhere Mädchenschule und Lyzeum 4.(mit drei Schülerinnenheimen) *?: Oberlyzeum(mit zwei Schülerinnenheimen) 3333337= biturientenprüfung(Anstaltsprüfung) Sorgfältige christliche Charatterbildung. 22:333112 Große Gärten und Spielplätze. Al K. Kücherer, Direktor. : Raumnotmobel Sofa Sessel Ruhebetten Wäschetruhen Diwandecken in bekannter Güte. Polsterwerkstätten Ordelheide Bielefeld, Kreuzstraße 43. 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