Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und ( 88 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Küre Aius and unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannooer 67377. mit den Beilagen„Für Herz und Haus“ „Kindergabe“ und„Anser Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Psennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 13 Mt Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Sonntag, den 11. Januar 1931. 13. Jahrgang. Jauchz' ihm, Menge heil'ger Knechte, Rühmt, vollendete Gerechte, Und du Schar, die Palmen trägt, Und ihr Märt'rer mit der Kcone, Und du Chor vor seinem Throne, Der die Gottesharfen schlägt! Mihiigiaiiigisgiihsiishisissiihiihishisiig Die Erscheinung Christi. Der Drache trat vor das Weib, das gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße. Und sie gebar einen Sohn, ein Knäblein, der alle Heiden mit dem eisernen Zepter weiden sollte. Offb. 12, 4 u. 5. Durch die Offenbarung Johannis läßt Gott seine Christenheit einen Blick tun in die Geheimnisse seiner Weltregierung— nicht nur in der fernen Zukunft, sondern auch in der Gegenwart, in der wir leben. Hier erfahren wir, daß Gott seinen Christus, seinen gesalbten König, in dieser Welt dazu erscheinen ließ, damit er die von Gott ihm anvertraute Herrschaft über alle Völker antrete. Wie wenige Christen begreifen das! Sie schwärmen für den frommen und tief reltgiösen Jesus von Nazareth. Sie feiern seine herrlichen sittlichen Grundsätze, aber das Wunder seiner Erscheinung verstehen sie nicht. Daß dieses von einer verfolgten und gehetzten Mutter geborene Knäblein von Gott die Vollmacht zur Weltherrschaft erhielt und daß von dieser seiner Herrschaft das Heil der Völker abhängt, wer will das Wort haben? Einer begriff es, der, den Johannes als ein furchtbares Ungeheuer vor der Mutter des Knäbleins stehen sieht. Dieses vorweltliche Riesentier, von dem die vorgeschichtlichen Versteinerungen uns ein anschauliches Bild geben, dieses Wesen von ungeheurer Kraft und Bosheit, das alles Leben um sich her vernichtet, ist ein zutreffendes Abbild von der gewaltigen Zerstörungsmacht des Satans, der das Kommen des gesalbten Königs, damals wie heute, mit Hohnlachen grüßt. Es ist derselbe, der einstmals in Herodes und Pilatus Macht gewann und heute in Rußland und China seine Wut an den Christen ausläßt, Alle die, die sich gegen Gott auflehnen, sind ja mit ihm eins. Aber gottlob fehlt es auch nicht an Hirten auf dem Felde und an Weisen aus dem Morgenlande, die dieses Kindlein als den von Gott gegebenen Herrn und Hirten freudig grüßen und sein eisernes Zepter küssen. Aber se mehr der erschienene Christus mit seinem Hirtenamt ernst macht, je mehr Gott ihm, und ihm allein, die Völker anvertraut, um so gewaltiger wird der Widerstand. Sie aber, die sich von ihm weiden lassen, sollen wissen, er übt sein Herrschaftsamt mit eisernem Zepter. Furchtbare Strafgerichte gehen nach seinem heiligen Willen über die Menschheit, die Gott widerstrebt. Der Christus mit dem eisernen Zepter ist ein Herrscher, der nicht mit sich spassen läßt, den man nicht biegen und beugen kann wie ein schwankendes Rohr, der die Völkerscharen im Gefolge des Drachen mit seinem gewaltigen Arm zerschmettern wird. Die Christenheit hat sich leider oft ein falsches verzärteltes Bild von dem gutmütigen Hirten gemacht, der doch der wahre Hirte ist, der die störrischen Heiden und ungehorsamen Christen niederzwingen wird. Auch die Christenheit, die auf ihren Kulturbesitz stolz, durch ihre vermeintliche Bildung aufgeblasen einhergeht, wähnend, sie bedürfe des Hirten nicht, am wenigsten des Königs mit dem eisernen Zepter, auch sie wird seine Hand zu spüren bekommen, denn er, der in Gottes Auftrag in der Menschheit erschien, ist heute wie damals der Herr ohne Gleichen, den nicht die Menschen, sondern Gott auf den Thron gesetzt hat, der mit göttlicher Vollmacht regiert und dessen Herolde Schritt für Schvitt die Völkerwelt ihm unterwerfen. Die Christenheit, unter das eiserne Zepter ihres Heerführers geschart, braucht sich nicht zu fürchten. Es ist ja ihr Trost und Siegeszeichen. Wenn wir nur seine Erscheinung wirklich lieb haben, dann werden wir einst ihm, wenn er im Strahlenkranz des ewigen Lichtes erscheint, huldigen dürfen als unserem König und Herrn. Simon. Was Augenblicklich erfordern die Maßnahmen, die der Stabilisierung der Wirtschaft gelten, das meiste Interesse. Das Ruhrgebiet mit seiner gewaltigen Industrie spielt nun einmal, wenn es sich um Lohnfragen handelt, die größte Rolle. Es wird als das Schlüsselgebiet fast der ganzen deutschen Wirtschaft angesehen. Seit mehreren Wochen sind nun schon ernste Verhandlungen im Gange, die eine Herabsetzung der Löhne und Gehälter bringen sollen. Die Schlichtungsausschüsse arbeiten ununterbrochen. Die amtlich bestellten Schlichter konnten nicht zum Ziel kommen. Der Arbeitsminister Stegerwald hat eingegriffen. Bis zu der Stunde, wo wir dies schreiben, ist aber eine Einigung noch nicht erzielt und eine Entscheidung noch nicht gefallen. Zeitweise herrschte unter den Arbeitern des Ruhrgebietes eine recht erregte Stimmung. Der kommunistische Einfluß war sehr stark. Die großen Gewerkschaftsverbände und die Nationalsozialistische Partei schienen sich aber darin einig zu sein, daß die kommunistische Führung in der Bewegung verhindert werden sollte. Ganz bestimmt läßt es sich nicht sagen, ob das schnelle Abflauen des Streiks nur auf die geschlossene Haltung jener drei Gruppen zurückzuführen ist, oder ob die Regierungsorgane ihren Willen auch hier durchzusetzen vermochten. Tatsächlich sieht es so aus, als habe die Regierung einen Sieg errungen. Wenn die Regierung alle Energie aufbietet, um durch die schweren und gefährlichen Maßnahmen einer Lohnkürzung ihr Programm durchzusetzen, so tut sie es sicher in der Meinung, damit ihren allgemeinen Zielen, einer endgiltigen Besserung der politischen und der wirtschaftlichen Verhältnisse näher zu kommen. Wie die Verhältnisse sich aber jetzt noch entwickeln, gehört ein starker Optimismus dazu, um an dieser Hoffnung festzuhalten. Unsere nähere Umgebung hier, Bielefeld und das Ravensberger Land, leiden jedenfalls sehr stark unter der zunehmenden Not. In Bielefeld regeln schon Staatskommissare die Finanzen der Stadt, diktieren die Steuern und zwingen zu Gehaltskürzungen. Davon hat man aber noch nichts gehört, daß sie auch Betriebe wieder in Gang bringen, Arbeit schaffen, die Lohn, Gewinn und Steuern bringen kann, vielmehr erliegen immer mehr Betriebe dem Steuerdruck und dem Absatzmangel und man fragt sich, was werden soll, wenn nun auch noch ein rauher Winter einsetzt, Frost und Schnee jetzt noch vorhandene Arbeitsmöglichkeiten verhindern. Es ist ein ganz schlimmer Jahresanfang. Die unsichere Wirtschaftslage mit der zunehmenden Arbeitslosigkeit gibt der aufsteigenden Unzufriedenheit und Ratlosigkeit immer neue Nahrung. Dazu kommt eine hemmungslose parteipolitische Verhetzung und es erscheint fast als Wunder, wenn es gelingt, jetzt im Ruhrgebiet die Gemüter noch so lange zu beruhigen und schlimmere Exzesse zu verhindern. In der Neujahrsnacht waren in Berlin wieder zwei Menschen durch Mörderhand umgekommen. Beide gehörten der Sozialdemokratie an. Die Mörder sind bis jetzt noch nicht gefaßt. Es wird vermutet, daß es Nationalsozialisten sind. Das hat in Berlin einen Sturm gegeben. Für die revolutionären Elemente eine wahre Hochzeit. Was lange nicht mehr möglich war, wurde noch einmal zur Tatsache. Es zeigten sich Verbindungslinien von der..D. zu der..D. Die„Rote Fahne", das Organ der Kommunisten, berichtet: „Das rote Berlin gab gestern dem in der Neujahrsnacht von nationalsozialistischen Mörderbanden erschossenen Reichsbannerarbeiter Willi Schneider das letzte Geleit. Der Gesang der„Internationale“ eröffnete den gemeinsamen Kampfaufmarsch der Berliner Arbeiterschaft gegen den Faschismus, als in der Bötzowstraße sich der Kampfbund gegen den Faschismus an die Spitze dieser Massenkundgebung stellte. Unter tausendfachen Rot-Front=Rufen marschierten die Berliner Proletarier vorwärts. Die revolutionären Gesänge, von den Kameraden des Kampfbundes gegen den Faschismus angestimmt, griffen auf die Massen über. Kommunistische, sozialdemokratische, parteilose und christliche Arbeiter vereinten ihre Stimmen zu einem gewaltigen Massengesang des Siegeswillens. Das Treuergefolge wurde zum Kampfaufmarsch.“ Wenn dann auch hinterher die Grzesinski und Künstler im gleichen Bericht nicht weiter geschont und in der üblichen Weise beschimpft wurden, so hatte doch die„Rote Fahne“ eine Gelegenheit, ihren Lesern einmal wieder den Sieg des Kommunismus in größere Nähe zu rücken. Man will nicht zu schwarz malen. Wenn man aber die Zeitungen aller Parteirichtungen täglich studiert, kann man nur den Eindruck gewinnen, daß die Lage sehr ernst ist. Es wird auf einen Bürgerkrieg hingearbeitet, von dem ganz bestimmt kein Mensch sagen kann, daß er für irgendeinen Deutschen einen Zweck hoben würde. Die Nutznießer einer solchen Katastrophe würden nur dieselben sein, die seit einem Menschenalter von innen und von außen her an der Zerschlagung Deutschlands arbeiten. Es ist wirklich eine schlimme Tatsache, wenn Leute, wie der Genosse Crispien und andere, die schwierige Lage Deutschlands ausnutzen, um den Massen d. bedrängten Arbeiter jetzt wieder Hoffnungen auf einen goldenen Zukunftsstaat der sozialistischen Republik zu machen. Es ist doch kaum anzunehmen, daß die sozialistischen Führer an eine solche Möglichkeit glauben. Was jetzt auf der englisch=französischen Finanzkonferenz in Paris verhandelt und beschlossen wird, macht sicher nicht den Eindruck, als sei in absehbarer Zeit eine Erleichterung für Deutschland durch Lockerung außenpolitischer Bindungen zu rechnen. Die krisenhafte Ratlosigkeit, die in allen Staaten in bezug auf die Ingangbringung der Wirtschaft herrscht, bringt nicht einmal auf den Gedarken, daß eine Revision des Youngplanes oder gar des Versailler Diktats vielleicht für alle Staaten## wünschenswerte und segensreiche Maßnahme sein könnte. Und so wird das Deutschland der nächsten Zukunft, mag es eine Wirtschaftsform haben, wie es will, sich mit denselben außenpolitischen Lasten abplagen müssen, die ihm diese Verträge auferlegt haben. Wer aber beobachtet hat, daß die kalte Sozialisierung, die sich bei dem starken Einfluß, den die Sozialdemokratie in allen Nachkriegsregierungen hatte, langsam, aber dauernd stärker vollzog, in unsere ganze Wirtschaft die jetzt bestehende Unsicherheit und Zerrüttung gebracht hat, der wird vorläufig weiteren derartigen Versuchen nur mit Angst und Sorge gegenüberstehen. Sicher gibt es auch Formen der sozialistischen Wirtschaft, die vielleicht der persönlichen Initiative freieren Spielraum geben als die heutige„freie“ Wirtschaft, in der der Konzern und Trust jede Konkurrenz und jeden Wettbewerb ausschaltet. Aber die Vertreter der modernen politischen Sozialdemokratie erwarten ja nicht das Heil von einem solchen gesunden Wettbewerb. Sie scheinen vielmehr so im Bann der Internationale zu stehen, daß sie meinen, auch das internationale Weltkapital werde einmal dem Sozialismus dienstbar gemacht werden, den sie ihren Anhängern jahraus, jahrein predigen. In welche Sklaverei aber eben die ganze Welt dadurch gebracht wird, das könnten doch inzwischen die sozialistischen Führer wissen. Leider hat alle Aufklärung, alle Bildung, die auch den arbeitenden Massen gebracht worden ist, dieselben noch nicht dahin gebracht, daß sie ihren wirklichen Feind erkennen. Es wäre sehr zu wünschen, daß die augenblickliche Notlage Deutschlands in den beiden Lagern, die sich jetzt wieder so feindlich gegenüber stehen, der Arbeiter und des Unternehmertums, die Erkenntnis wächst, daß in einem Produktionsprozeß, der die Aufgaben lösen soll, die man ihm in Deutschland stellt, nur die Zusammenarbeit aller Faktoren ein erfolgreiches Ergebnis erzielen kann. Weil, wie die französisch=englischen Verhandlungen in Paris aufs neue wieder beweisen, vorläufig noch gar nicht daran zu denken ist, daß die Entente Deutschland die nötigen Erleichterungen von sich aus gewähren würde,(die Reden Mussolinis, in denen er Revision der Reparationsforderungen verlangt, machen dort noch heinen Eindruck), so sollte aller Wert darauf gelegt werden, zu sehen, ob es nicht doch trotz der Versailler Bindungen und Verpflichtungen noch Möglichkeiten gibt, die Lage in Deutschland zu meistern auf eine Weise, die sowohl der Wirtschaft auf die Beine helfen, wie auch den parteipolitischen Streit mildern und die ganze deutsche Volksgemeinschaft so stärken könnte, daß dann auch die Ueberwindung der außenpolitischen Schwierigkeiten in den Bereich der Möglichkeiten rückte. Erfreulicherweise mehren sich die Stimmen, die auf solche Notwendigkeiten hinweisen. Ganz deutlich hat auch der frühere Reichsbankpräsident Dr. Schacht in seinen Reden im Ausland darauf hingewiesen, daß der bisherige Modus der Reparationserfüllung durch Anleihen im Ausland niemals zu einem befriediganden Ergebnis führen werde. Sobald Deutschland damit Schluß macht und hält sich nur an die Reparationsleistung durch Warenlieferung, beschränkt sich auch sonst in seinem Bedarf aus dem Auslande mehr auf das allernotwendigste, so daß seine Handelsbilanz ein Aussehen bebommt, wie es der allgemeinen Lage Deutschlands entspricht, so wird es gar nicht ausbleiben, daß das Ausland sich genötigt sieht, eine Revision der Verträge vorzunehmen, ohne daß Sanktionsmaßnahmen ergrifsen wenden, wie wir sie in der Ruhrbesetzung erlebten. In einer Rede, die der Finanzminister Dr. Dietrich in Stuttgart gehalten hat, machte er Andeutungen, die darauf schließen lassen, daß die Regierung ernste Absichten hat, die Arbeitslosen= und Arbeitslosenfürsorgefrage von der Seite anzufassen, daß alles produktiver gestaltet werden soll.„Ein System, das nicht imstande sei, mit der ungeheuren Arbeitslosigkeit aufzuräumen", erklärte der Minister,„sei dem Untergang verfallen. Für Millionen von Arbeitslosen über drei Milliarden auszugeben, ohne einen Gegenwert zu bekommen, sei so ungeheuerlich, daß das Betreten neuer Wege gewagt werden müsse. Wenn wir zur Zeit in einem Monat eine Viertelmilliarde für die Arbeitslosen brauchten, so könnte es vielleicht angemessen sein, wenn man versuchte, mit diesem Betrage entweder die entscheidende Rohstoffproduktion anzukurbeln oder aber eine verarbeitende Industrie, die besonders viele lebenswichtige Rohprodukte verbraucht, in Bewegung zu bringen. Ich sehe darin keine Suhnention, wenn man, nachdem die Frage entschieden ist, wo man anpacken will, das, was die Arbeitslosen kosten, zur Verbilligung und Vermehrung der Produktion verwendet, indem man für jeden arbeitslosen Angestellten oder Arbeiter eine entsprechende Summe zuzahlt.“ Diese Rede hat bei der Privatindustrie gleich wieder die Sorge geweckt, die Regierung wolle nun wieder vom Staat subventionierte Betriebe aufmachen, die der Privatindustrie Konkurrenz machen würden. Bestimmtes hat Dr. Dietrich nicht gesagt. Die Regierung will aber in nächster Zeit mit ihren Plänen hervortreten. Vor den Wunderdoktoren, die dem Volke einreden, es gäbe neue Wege zur Beseitigung der Not, glaubte Dr. Dietrich warnen zu müssen. Mit Geldtheorien und Reden von der Zinsknechtschaft sei weniger als nichts anzufangen. Mit Reden ist Deutschland nicht geholfen. Auch nicht mit Reden Dr. Dietrichs. Lehnt er neue Wege ab, werden wir sehen, wohin die Wege Dietrichs führen, wenn sie sich nicht lösen von den Theorien und Praktiken der bisherigen Nachkriegspolitik. Woher will Dr. Dietrich die Mittel bekommen zu den in Aussicht genommenen Unternehmungen? Wenn er da keine neuen Wege weiß, läßt sich das Ende der Aktion leicht prophezeien. Nach den neuesten Nachrichten soll der Ruhrstreit durch eine Notverordnung erledigt werden, da eine Einigung zwischen den Parteien nicht erzielt wurde und auch von den für Sonnabend angesetzten neuen Verhandlungen keine Einigung erhofft wird. Es wird ein Kunststück sein, eine Notverordnung zu schaffen, die bei der vorhandenen Stimmung eine reibungslose Regelung fertig bringt. Unser Wunsch ist es, daß ein Weg gefunden wird, auf dem den geplagten Ruhrleuten, die sich immer in der Gefahrenzone bewegen, weitgehendste Gerechtigkeit widerfährt. Kr. Liberia. In einigen Teilen dieses Landes(gemeint sind die Vereinigten Staaten von Nordamerika) waren wir durch Gesetz von allen Menschenrechten ausgeschlossen,— in andern Teilen hielt die öffentliche Meinung, die mächtiger als das Gesetz war, uns nieder. Wir waren überall von jedem bürgerlichen Amt ausgeschlossen. Wir waren von jeder Teilnahme an der Regierung ausgeschlossen. Wir wurden ohne unsere Zustimmung besteuert... Wir waren zu einer abgetrennten und besonderen Klasse gemacht, und für uns war tatsächlich jeder Weg zum Fortschritt verschlossen. Darum appellieren wir im Namen der Menschheit und Tugend und Religion, im Namen des großen Gottes, unseres gemeinsamen Schöpfers, an die Nationen der Christenheit und bitten sie mit Ernst und Ehrerbietung, uns mit der Sympathie und den freundschaftlichen Ueberlegungen zu betrachten, zu wel„Das sind doch alles Märchen“. Erlebnis aus dem Schulleben. Von Julius Hadenfeldt. Wir hatten in der Biblischen Geschichte die Apostelgeschichte zu behandeln. Ich weiß nicht mehr, bis zu welchem Kapitel wir gpkommen waren. Es müssen die Stoffe im 9. oder 10. Kanitel gewesen sein— die Damaskusstunde des Saulus oder das Gesicht des Petrus in Joppe— in die wir uns vertieft hatten. Wir waren aber recht bei der Sache, als plötzlich einer von meinen Schülern, und zwar derjenige, der in meiner Religionsstunde am besten folgen konnte und die reifsten Antworten gab und auch gerne weiterlesen mochte, unsern Gedankengang mit den Worten unterbrach: „Herr Lehrer, mein Vater hat gesagt, das sind doch alles Märchen!"——— Ich sagte ihm:„Ja, Hermann, mir kommt es jetzt nicht darauf an, was dein Vater sagt oder meint, sondern was du meinst oder denkst. Was glaubst du denn?"— „Ich weiß nicht“, gab er mir ehrlich zweifelnd zur Antwort. Darauf sagte ich etwa folgendes: „Ihr wißt, lieben Kinder, daß der Glaube keinen Zwang verträgt und auch nur da sich recht entwickeln und entfalten kann, wo er im Herzen geheimnisvoll und aus freien Stücken keimen und wachsen kann. Jeder Zwang wirkt hier wie ein Reif in der Frühlingsnacht. Also zum Glauben soll und darf niemand gezwungen werden. Das habe ich oft betont. Darum kann auch jetzt ein Schüler vom Unterricht in Religion befreit werden, wenn er einen Brief vom Elternhaus mitbringt, daß man damit einverstanden ist.“ So bat ich denn auch meinen Schüler Hermann, er möge morgen einen Brief von seinem Vater mitbringen, dann würde er von den Religionsstunden dispensiert. Hermann wollte das auch besorgen und damit war dann für heute die Sache erledigt. — Ich glaube, er empfand es auch, daß durch diesen Zweifel seinerseits das Verhältnis zwischen ihm und seinem Lehrer nicht getrübt wurde. Im Gegenteil, ich chen die Besonderheiten unserer Lage uns berechtigen, und auf uns jene Freundlichkeit auszudehnen, welche den freundschaftlichen Verkehr zivilisierter und unabhängiger Gemeinschaften auszeichnet.“ Diese Sätze stammen aus der Unabhängigkeitserklärung vom 26. Juli 1847, mit denen Liberia in die Zahl der unabhängigen Staaten der Welt eintrat. Mit ihnen wird unmißverständlich auf die eigenartige Entstehungsgeschichte und die daraus sich ergebende„einzigartige Stellung in der Schwesternschaft der Staaten“ hingewiesen. Auf Grund der damit bezeichneten Tatsachen wird unter Hinweis auf die höchsten religiösen Ideale der Menschheit eine freundliche Aufnahme durch die zivilisierten Nationen gefordert. Schauen wir uns zunächst die in Deutschland nicht gerade weithin bekannte merkwürdige Geschichte Liberias an. Sie weist uns sofort nach Nordamerika.„Denn Liberia ist vor allem ein Kind Amerikas.“ Es verdankt sein Entsiehen dem Kampf gegen die Sklaverei.„Es war ein Hauptargument der Gegner der Sklavenemanzipation in den Vereinigten Staaten von Amerika, daß die Millionen Neger nach ihrer Befreiung eine große Gefahr für das Gemeinwesen bilden würden.“ Auch die Gegner der Sklavexei scheinen nie der Meinung gewesen zu sein,„daß der Neger am Ende ein Teil der amerikanischen Demakratie werden würde“. Es herrschte ganz allgemein der Gedanke, daß eine Lösung der Schwierigkeiten nur durch eine Zurückführung der Befreiten in ihre afrikanische Heimat möglich sei. Auch diejenigen, welche nicht grundsätzlich die Sklaverei verwarfen, konnten sich mit diesem Gedanken befreunden. Viele befreite Sklaven in Amerika wurden zu einer Gefahr für die Gemeinschaft, weil sie es nicht verstanden, ihre Freiheit zu gebrauchen. Es schien wünschenswert, sich solcher Elemente zu entledigen. In manchen Fällen wünschten gerade ernsthafte Anhänger der Sklaverei die Auswanderung der Befreiten, um ihren Negersklaven den Anblick freier Rassengenossen vorzuenthalten. So drang dieser Gedanke in immer weitere Kreise, und nachdem er zuerst von englischer Seite in der Sierra Leone=Kolonie verwirklicht war, gelang es nach Ueberwindung mancher Hindernisse, 1816 in Amerika die „American Society for the colonization of the free people of colour in the United States" zu gründen. Sie fand bald die Unterstützung durch den Staat selbst, der 1819 durch Gesetz bestimmte, daß„Sklaven, die auf ungesetzliche Weise in die Vereinigten Staaten gebracht worden wären, nach Afrika zurücktransportiert werden sollten", und nun auch finanzielle Hilfe leistete. Der erste Versuch, Neger auf der Scherbro=Insel in Anlehnung an Sierra Leone anzusiedeln, mißlang. Aber 1822 fand man am Kap Monserrado den Platz, von dem aus dann die weitere Ansiedlung vor sich gehen sollte. Den Hauptort nannte man Monrovia nach dem damaligen Präsidenten Monroe. Aus diesen und anderen Ansiedlungsunternehmungen von befreiten Negersklaven entstand das heutige Liberia. Die Ansiedlung hatte mit den größten Widerwärtigkeiten zu kämpfen. Das Land mußte urbar gemacht und die Wildnis allmählich erobert werden. Streitigkeiten untereinander erhoben sich. Es gab Schwierigkeiten mit den Sklavenhändlern, die naturgemäß eine Kolonie von befreiten Sklaven mit wenig Freude wachsen sahen. Krankheiten wüteten und nahmen oft den Ansicdlern ihre nötigen Führer. Aber die meisten Kolonisten hielten tapfer aus. Sie blieben dem Spruche treu, den sie sich als Motto gewählt hatten:„Die Liebe zur Freiheit hat uns hierher gebracht.“ Das so entstandene und aufgebaute Gemeinwesen befand sich in schwieriger Lage.„Es stand unter der Herrhatte Mitleid mit dem Jungen; wußte ich doch, daß die zerrütteten häuslichen Verhältnisse wie Schwefelsäure in dem Knabenherzen gefressen hatten. Ich möchte hier nicht davon reden und abschweifen, sondern mit dieser Geschichte fortfahren. Am nächsten Tage hatten wir in der ersten Stunde Religion. Zu meiner Verwunderung sitzt mein Schüler Hermann doch auf seinem gewohnten Platz und macht auch gar keine Miene, einen Brief abzugeben. Ich frage: „Na, Hermann, hast du den Brief von Vater mitgebracht?"—„Nein.“—— „Warum denn nicht?“— „Vater sagte, ich könnte mich selbst entscheiden.“ „Und wie hast du dich denn entschieden?—“ „Ich will weiter an der Religionsstunde teilnehmen.“ Mit dem Wort:„Na, denn ist ja auch alles in Ordnung,“ begann ich dann meine Schüler weiter in das Verständnis der Apostelgeschichte einzuführen, ohne meine innere Freude über den guten Ausgang zu bekunden.— Wir haben viele herrliche Stunden so bei der Behandlung der Apostelgeschichte miteinander verlebt, sind mit Paulus und seinen Mitarbeitern durch die Lande gezogen, haben Menschen und Menschenherzen dabei kennen gelernt, haben gefunden, daß die seelischen Bedürfnisse sich im Wesen nicht verändern, und daß der Mensch von Brot allein nicht leben kann, eben weil in ihm eine dem ewigen Licht zustrebende Seele wohnt.— Jahre vergingen.—— Ich pilgere an einem Dezemberabend durch die Straßen der Großstadt, als plötzlich ein junger Mann mit Seemannsmütze in blauem Anzug vor mich hintritt und mich freundlich begrüßt. Es ist mein ehemaliger Schüler wi Größer war er geworden. Das Auge, der Blick wur aber derselbe geblieben, als er noch vor mir auf der Schulbank saß. Nun wollte er sich Einreiseerlaubnis für Amerika besorgen. Ich freute mich der Begegnung; denn ich hatte das Bewußtsein, als wir von einander Abschied nahmen: schaft einer privaten Gesellschaft, die aus amerikanischen Bürgern zusammengesetzt war. Die Vereinigten Staaten weigerten sich indeß, die Siedlung als ihre Kolonie anzu, erkennen“. Es ergaben sich völkerrochtliche Unmöglich, keiten. So wurde als einziger Ausweg endlich die Unab. hängigkeitserklärung von 1847 gefunden. Wenn nun auch die Vereinigten Staaten von Nordamerika die Annahme als Kolonie verweigert hatteg so war und blieb doch die Republik ein Kind Amerikag Das zeigte sich auch in der Konstitution, die man sich gab Sie schlossen sich eng an das Vorbild der Vereinigten Staaten an. Eigentümlich war ihr nur, daß nur Farbige Bürger der Republik werden und nur Bürger Grundbe, sitz erwerben durften. Offen blieb, inwieweit Eingeborene zum Bürgerrecht zugelassen werden sollten, Die Geschichte Liberias seit 1847 isi die Geschichte fortgesetzter Kämpfe und Nöte. Es wurde versucht. die Stämme des Hinterlandes zu unterwerfen. Dies gelang aber nur bis zu einem gewissen Grade. Man kann auch hier von einer Kolonie im engeren Sinn und einer Einflußsphäre reden, wo der Grad des Einflusses zeitweise und streckenweise verschieden war und ist. Es gab außerordentlich schwere finanzielle Nöte für Liberia, obwohl es von Natur ein reiches Land ist. Gold und Eisen sind an mehreren Stellen in abbaufähigen Menge nachzuweisen. Aber die Aufschließung einer afrikanischen Kolonie erfordert Mittel Kräfte und Umsicht, die die Liberianer allein nicht aufzubringen verstanden. Verschleuderung öffentlicher Gelder und liederliche Wirtschaft kam hinzu. Als dann sei 1884 die Aufteilung Afrikas begann, verlor das macht lose Land viele Tausende von Quadratkilometern an England im Westen(Sierra Leone) und Frankreich im Norden(Französisch=Guinea) und Osten(Elfenbeinküste). Wenn Liberia heute noch besteht und noch so besteht, so verdankt es dies im wesentlichen seiner in der Geschichte begründeten Verbundenheit mit Amerika. Die Republik wendet sich immer, wenn die Not am höchsten gestiegen ist, nach Amerika. So geschah es 1908 unter drückenden finanziellen und politischen Schwierigkeiten. Damals liehen die Vereinigten Staaten der Regierung von Liberia die Summe von 1700000 Dollar. Dafür übernahmen sie aber zugleich die Finanzverwaltung der Republik. Denn für die geliehene Summe waren die Zölle des Landes verpfändet worden. Auch die Schwierigkeiten der unmittelbaren Nachkriegszeit konnte Liberia nicht überwinden ohne wirksame amerikanische Hilfe. Wieder wurde eine Anleihe von 5 Millionen Dollar gewährt, deren Sicherheit durch die Ernennung eines Amerikaners als Finanzratgeber der Republik gewahrt wurde. Daß Amerika diese Hilfe nicht aus Menschenfreundlichkeit geleistet hat, so wie es seinerzeit die Befreiten nicht nur aus Menschenliebe nach Afrika zurückbrachte, ist klar. Liberia ist zwar bis heute keine offizielle Kolomie Amerikas, aber es ist doch das Land innerhalb Afrikas, von welchem die Vereinigten Staaten unmittelbar auf den schwarzen Kontinent einwirken. Es ist für die Vereinigten Staaten von großer politischer Bedeutung, zwischen den Besitzungen von England und Frankreich wenigstens Liberia als„Beobachter“ der Afrika=Politik der europäischen Großmächte gebrauchen zu Können. Dazu kommt die wirtschaftliche Bedeutung des Landes. Diese liegt für Amerika fast ganz in der Gewinnung von Gummi.„Das britische Weltreich beherrscht oder beaufsichtigt, einschließlich der über Singapore gehenden Ausfuhr des niederländischen Indien, fast 90 vom Hundert der Weltkautschukerzeugung. Zwangsläufig sind die Yankees auf den englischen Markt angewiesen. Dabei Was er in der Schule erlebt hat, das sind„doch nicht alles Märchen“ gewesen! Das Heilandsbuch von Paul Ernst. Am Tage vor Buß= und Bettag führte mich der neue Bethelfilm aus der Neumark nach Schlesien. In Breslau besuchte ich Verwandte, in deren Kreis ich liebevoll aufgenommen wurde. Allein der Vetter zog sich einstweilen zurück, da er sich für die Predigt vorbereiten mußte.— Um noch Platz zu bekommen, gingen wir am nächsten Tage früh aus dem Haus. Es dauerte nicht lange, so waren die weiten Hallen der altehrwürdigen Kirche von ungefähr 2000 Menschen besetzt. Ein erfreulicher Anblick. Erst am Nachmittag fanden wir die Zeit, uns über allerlei Fragen zu unterhalten. Dabei kam's heraus, daß ich den Dichter und Schriftsteller Paul Ernst nicht einmal dem Namen nach noch eins seiner Werke kannte. In kurzen Strichen zeichnete mein Vetter das Bild des alten Freundes, wie er sich entwickelt hat vom Idealisten zum wahren Christen, vom Sozialisten zum vaterland liebenden Mann, der einsam, nur von wenigen gekann und beobachtet, auf den Höhen des Lebens wandelt. Eine lange Reihe seiner Schriften stand in der Pfarrbüchere!: Philosophische Gespräche, Tragödien und Novellen und sein umfangreichstes Werk: Die deutschen Kaiser. Sein letztes, reifstes Werk„Der Heiland“ war noch nicht erschienen, aber Bruchstücke aus dem Manuskripi lasen wir gemeinsam. Freunde des Dichters haben die Drucklegung ermöglicht und den Preis so gering gesetzt damit es in möglichst vielen Familien Eingang finde") Abends sollte ich Paul Ernst durch eine Folge von religiösen Gesprächen, z. B.„Pfarrer und Buddhist", N0“ vellen ernsten und heiteren Inhalts noch besser keiinen lernen. Erschütternd wirkte die Erzählung von dem Ball*) Buch= und Kunstdruckerei Hans Bertschinger, Graz. Kal“, serfeldgasse 19. Leinendand, 148 Seiten, Quartsormat,.50* einschl. Porto.— Sammelbestellungen aus Bethel werden gene an Pfr. Liz. theol. G. Noth, Breslau, Herrenstr. 21/22, 6½“ wittelt. 0 brauchen die Vereinigten Staaten deren Wirtschaftsleben ja undenkbar ist ohne das Kraftfahrzeug, etwa 70 Prozent der Jahresernte für sich. So ist es verständlich, daß die Abhängigkeit von England drückend, ja, gefährlich erscheint. Daher machen sich die Vereinigter. Staaten energisch an eigene Produktion von Gummi. Unter den Ländern, die dafür in Frage kommen, ist auch Liberia. So erhielt die Firestone Tire and Rubber Co. eine große Konzession von etwa einer Million acres (gleich 405000 Hektar) zur Gewinnung von Gummi für den Gebrauch in den Vereinigten Staaten. So ist Liberia verflochten in den großen Gegenwartskampf zwischen Amerika und Europa. Während der afrikanische Kontinent sonst dem Einfluß Europas unterlag, ist Liberia von seinem Entstehen an auf die Seite der Vereinigten Staaten gestellt. B. A. C. Notverordnung für Ruhrstreit. Vor der Beisegung des Konflikts.— Zwei unparteiische Beisitzer.— Lohnsenkung von 6 v..? — Berlin, 9. Januar. Die Parteien des Ruhrkonflikts sind, wie bereits berichtet, zur Fortsetzung der Schlichtungsverhandlungen für Sonnabend 9½ Uhr vormittags nach Essen berufen worden. Die neuen Verhandlungen werden auf einer wesentlich anderen Grundlage vor sich gehen. Die Schlichtungsverhandlungen waren bekanntlich gescheilert, weil sich in der Schlichtungskammer eine Mehrheit für einen Schiedsspruch über die Löhne nicht erzielen ließ und ein Schiessspruch mit der Stimme des Vorsitzenden allein mit Rücksicht auf die bekannte Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts im nordwestdeutschen Eisensteit Anfang 1929 nicht in Frage kommt. Tamit or ht ein tarisvertragsloser Zustand, der in dieser tete tswichtigen Indusrie zu den schwersten Erschütterungen des wirtschaftlichen und politischen Lebens fihren kann. Um diesen Notstend beheben zu kinnen, hat der Reichspräsident die Notverordnung vom 9. Januar ersassen. Ihre Vorschriften schließen sich eng an die Schlichtungsverordnung und die Ausführungsverordnung dezu, die in allen Punkten in Kraft bleiben, an und sollen sie lediglich ergänzen. Im geltenden Recht ist vorgesehen, daß im Falle des Scheiterns eines Schlichtungsverfahrens, wenn es das öffentliche Interesse ersordert, ein neues Schlichtungsverfahren eingeleitet werden kann. Zu diesem Zweck kann der Reichsarbeitsminister auch einen besonderen Schlichter bestellen. Nach der neuen Verordnung kann nun der Reichsarbeitsminister diesen Schlichter anweisen, in die Schlichtungskammer außer den Arbeitgeber= und Arbeitnehmerbeisitzern auch zwei unparteiische Beisitzer zu berufen. Die Kammer verhandelt alsdann in der vollen Besetzung. Zeigt sich aber bei der Verhandlung oder bei der Abstimmung, daß die Mitwirkung aller Arbeitgeberund Arbeitnehmer=Beisitzer mit den Mitteln des Schlichtungsrechts nicht zu erzielen ist und daß es deshalb zu einem rechtsgültigen Schiedsspruch nicht kommen würde oder ergibt die Abstimmung in der vollbesetzten Kammer keine Mehrheit, so scheiden nach der Vorschrift der Verordnung die Beisitzer der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer aus, und der Schi dsspruch ist lediglich von dem Vorsitzenden und den beiden unparteiischen Beisitzern, und zwar mit Stimmenmehrheit, zu erlassen. Hierdurch soll erreicht werden, daß praktisch stets ein Schiedsspruch zustandekommen kann. ern, der sein Weib aus eigener Kraft erlösen will und schließlich äußerlich und innerlich zerbricht. Gespannt war ich auf das Heilandsbuch. Leider kam es erst kurz vor Weihnachten in meine Hände. Nun hab ich's schon zwei= und dreimal gelesen. Die schlichte, feine Sprache und Gedankenführung wirkt bereits für sich. In 56 kleineren oder größeren Abschnitten entrollt sich das Leben und Wort Jesu. Einen theologisch=kritischen Maßstab wollen wir nicht anlegen. Erschöpfen kann aber auch dieser Dichter das Leben des Heilandes nicht, obwohl er den Saum seines Gewandes berührt hat. Groß wird uns der Heiland durch diese Gabe des begnadeten Dichters. Für jeden birgt das Buch einen Schatz.— Wie kindlich innig ist Mariä Verkündigung. Dürer, Richter oder Schäfer könnten Paul Ernst die Feder geführt haben. Wuchtig sind dagegen andere Abschnitte, z. B. die Gespräche Jesu mit den Pharisäern. Hin und wieder erscheinen in frei ersonnenen Gleichnissen Hinweise auf die heutige Zeit. Unter anderem in dem Bild von der Maschine, die durch Menschenhand geformt den Menschen vernichtet; oder in dem Gleichnis vom Löwenzahn:„Es werden Zeiten kommen schwer, da wendet Gott sein Angesicht“ Fein ist die Schilderung des reichen Pharisäers, der den Kohlkopf seines Gärtchens aber nicht den Riesengewinn seines Wuchergeschäftes verzehntet und seines Gegenspielers, des ehrsamen Maurers, der lieber sein Handweck aufgibt, als betrügt.— Das Leben eines Christen, wie es sein soll, beschreibt er mit folgenden Versen: „Das ist ja alles außen nur, was Leben Ihr und Schicksal nennt, In Eurer Seele Heiligtum still eine rein: Flamme brennt; Auf diese Flamme kommt es an, das andere nur die Flamme speist.“ Oder: „Wenn Euch die Menschen hassen nicht, „Dann warft von Euch Ihr Gottes Last, dann tut Ihr nicht mehr Eure Pflicht. Die rechtliche Bedeutung des Schiedsspruchs, der ohne Arbeitgeber= und Arbeitnehmer=Beisitzer gefällt wird, unterscheidet sich nicht von der jedes anderen Schiedsspruches nach der Schlichtung verordnung. Der Schiedsspruch ist also in jedem Fall nur ein Vorschlag an die Parteien, der angenommen oder abgelehnt werden kann; gegebenenfalls besteht die Möglichkeit der Verbindlichkeitserklärung nach den Vorschriften des Allgemeinen Schlichtungsrechts. Die Anordnung des Reichsarbeitsministers, unparteiische Beisitzer zu berufen, die das in der Schlichtungsverordnung nicht vorgesehene besondere Verfahren nach der neuen Verordnung in Kraft setzt, soll nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen, nämlich dann, wenn das Staatsinteresse die Anwendung dieser Maßnahmen dringlich erfordert. Zur Entscheidung darüber hat der Reichsarbeitsminister vor der erwähnten Anordnung einen Beschluß der Reichsregierung herbeizuführen. Wie der Inhalt der Notverordnung ergibt, ist sie nicht lediglich auf den gegenwärtigen Fall des Streites im Ruhrbergbau anzuwenden. Die allgemeine Fassung ist erforderlich, weil ähnliche Gefahren wie dort in der augenblicklichen Notzeit nach den Erfahrungen auch an anderer Stelle auftreten können. Andererseits ist die Geltung dauer der Verordnung auf die Zeit bis zum 31. Juli 1931 beschränkt. * Schlichter und Beisitzer bereits ernannt. Auf Grund einer„Verordnung über die Beilegung von Schlichtungsstreitigkeiten öffentlichen Interesses", ist der Schlichter für Westfalen Professor Dr. Brahn zum Schlichter für das Verfahren im Ruhrbergbau ernannt worden. Er hat zu Beisitzern Oberbürgermeister Dr. Bracht=Essen und Landesarbeitsamtspräsident Dr. Link=Hannever ernannt. Der Schiedsspruch dürfte voraussichtlich auf eine Lohnkürzung von sechs Prozent erkennen und sich damit in der Mitte zwischen den Forderungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die eine Lohnkürzung von acht bzw. vier Prozent für angemessen hielten, halten. Der Beschluß der Reichsregierung zur Beilegung des Ruhrkonflikts aus dem Verordnungswege war in einer Besprechung der in Berlin anwesenden Minister, die am Donnerstag nachmittag unter dem Vorsitz des Reichsfinanzministers Dietrich stattgefunden hatte, gefaßt worden. Am Abend hatte sich dann Reichkarbeitsminister Dr. Stegerwald zum Reichskanzler Dr. Brüning nach Küstrin begeben, der nach kurzer Besprechung dem Vorschlage der Ministerkonferenz zustimmte. Am Freitag erfolgte dann die Unterzeichnung der Notver. ordnung durch den Reichspräsidenten. 4357000 Arbeitslose! Zunahme um 380 000 in 14 Tagen. Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitslosenversicherung haben im letzten Berichtsabschnitt des Jahres 1930 vom 16. bis 31. Dezember ähnlich wie in der ersten Hälfte des Monats Dezember die bekannten überwiegend in der Jahreszeit liegenden Gründe zu einem weiteren Anwachsen der Arbeitslosigkeit geführt, dabei hat jedoch die Schnelligkeit, mit der sich diese Entwicklung vollzieht, im Vergleich zum Vorjahre weiterhin merklich nachgelassen. Vom 16. bis 31. Dezember hat die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung um rund 210 000 auf rund 2155 009, in der Krisenfürsorge um rund 64000 auf 667000 zugenommen. Die Zählung der arbeitslosen Arbeitsuchenden am 31. Tezember ergab rund 4357000, d. h. gegenüber Ihr seid das Salz der Erde, Ihr—, daß sie nicht sault, das liegt auf Euch. Das Himmelreich ist nah. Nun strebt und zittert nach dem Himmelreich!“ Als alter, kampferprobter Mann möcht er seinem geliebten Volk einen Dienst tun, seinem Volk, in tausend Schlachten unbesiegt, das hungerschwach am Boden liegt. Was ist Leben, Tod, Freiheit und Knechtschaft, wenn Gott nur bei ihm ist. Das sind einige Gedanken aus dem mannhaften Vorwort——— Der Beschluß des Werkes: Nun bin ich alt. Nun seh ich bald des Lebens Ziel. Das ist die Tür zur andern Welt.... Bin ich gegangen durch die Tür, der Bruder nimmt mich an die Hand und führt mich weiter, weiter fort, und führt mich in mein Vaterland. W. Boldemann. Kantate zur Feier des 100. Geburtstages Vater Bodelschwinghs(6. März 1931.) Wie uns mitgeteilt wird, hat unser Organist I. P. Seiler(Zionskirche Bethel) eine Kantate für den genannten Zweck geschrieben. Inhaltlich führt sie, ausschließlich an Hand von Bibelsprüchen, aus der Bußstimmung des 130. Psalms durch das Erlebnis der göttlichen Barmherzigkeit zur Glaubenszuversicht des 23. Psalms, und weiter zur werktätigen Barmherzigkeit, wie dies im Leben Vater Bodelschwinghs offenbar geworden ist. Die Ausführbarkeit des Werkes ist leicht: die Chöre sind a capella gedacht, können aber von der Orgel begleitet werden, ein dreistimmiger Frauenchor und zwei Sopransoli(das eine zum Chor)— das ist alles. Dauer etwa eine halbe Stunde. Falls Kirchenchöre auswärts eine solche Feier beabsichtigen, ist die Arbeit, als gerade aus Bethel hervorgegangen, zu empfehlen. Preis des ganzen Werks 60 Pfennig(Selbstkostenpreis) im Selbstverlag von J. P. Seiler, Bethel=Bielefeid. Bestellungen bis spätestens Freitag, den 16. Januar. K. Mitte des Monats ein Anwachsen um rund 380 000 Personen. Ende Tezember des Vorjahres war nach einer Zunahme um rund 489000— eine Z hl von rund 2851 000 Arbeitslosen erreicht. Das Zunahmetempo hat sich im Dezember 1930 gegenüber dem Vorjahre erheblich verlangsamt. Höher als im Reichsdurchschnitt ist die Zunahme der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in den Bezirken Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Niedersachsen, geringer dagegen in Brandenburg, Nordmark, Westfalen, Rheinland und Sachsen. Der Kanzler in Oberschlesien. Tr. Brüning über den Zweck der Ostreise. Von Küstrin aus traf Reichskanzler Dr. Brüning Freitag früh mit den ihn auf seiner Ostlandfahrt begleitenden Herren im Sonderzug in Oppeln ein. Nach der Begrüßung durch den Ooerpräsidenten Dr. Lukaschek begab man sich sofort zum Oberpräsidium, wo durch führende Persönlichkeiten aus der Provinz Einzelvorträge über die Notlage auf den verschiedenen Gebieten des oberschlesischen Wirtschaftslebens gehalten wurden. Reichsminister Treviranus dankte für die Anregungen und stellte eine Beschleunigung der Hilfsmaßnahmen in Aussicht. Im übrigen bat er, Vertrauen zu haben, daß die Entscheidungen der Oststelle nach sachlichen, vaterländischen Gesichtspunkten entschieden würden. Reichskanzler Dr. Brüning stellte fest, daß es nicht der Zweck der Reise sei, Versprechungen zu machen, die nicht erfüllt werden könnten. Leitmotv für die Osthilse müsse sein, mit den vorhandenen geringen Mitteln möglichst viel zu erreichen. Das Osthilfewerk baue sich auf einer harmonischen Zusammenarbeit zwischen den amtlichen Stellen und dengenigen auf, denen geholfen werden soll. Leider habe diese Zusammenarbeit bisher nicht in dem Maße bestanden, daß der größtmögliche Nutzeffekt erzielt werden konnte. Dies müsse das Bestreben in der Zukunft sein. Die gegenwirlige Ostreise diene dem Zweck gründlichster Information und der Herstellung eines unmittelbaren Kontaktes mit der notleidenden Bevölkerung und der Osthilfe, aber keinen außenpolitischen Wenn diese Fühlungnahme jenseits der Grenzen auf eine unberechtigte Kritik stoße, so werde sich die Reichsregierung hierdurch auf dem von ihr bes. rittenen und als richtig erkannten Wege nicht beirren lassen. Alsdann erfolgte die Weiterfahrt nach Rosenberg, wo wiederum mit den verschiedenen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und sodann auch mit den Vertretern von Kreuzburg Fühlung genommen wurde. Die Schuljugend, die die Hauptstraßen Rosenbergs umsäumte, bereitete einen begeisterten Empfang. Nach einer kurzen Fahrtunterbrechung in Zawadzki(Kreis Gr. Strehlitz) ging die Fahrt weiter nach Beuthen. Die Eine Erklärung des preußischen Landwirtschaftsministers. Im Hauptausschuß des preußischen Landtags nahm der preußische Landwirtschaftsminister Dr. St iger bei Fortsetzung der Beratung des Landvirtschaft haushalts das Wort. Er ging auf die Maznahmen ein, die zu Gunsten des Ostens, insbesondere Ostpreußens, vom Reich und Staat getroffen seien, und kam dabei auf die Angriffe zurück, die der deutschnationale Abgeordnete Graf Garnier in einem in der Presse veröffentlichten Briefe an den Reichspräsidenten ausgesprochen hat. In diesem Brief wird Preußen der Vorwurf gemacht, daß es die Osthilfe verwässere, man wäre geneigt zu sagen,„sabotiere". Diese Angriffe wies der Minister mit Entschiedenheit zurück. Er gab zu, daß in der Tat bedauerlicherweise bisher Umschuldungskredite im Rahmen der Osthilfe noch nicht zur Auszahlung gelangt seien, wandte sich aber mit aller Schärfe gegen den Vorwurf, daß hieran Preußen die Schuld trage, und führte aus, daß die Gründe dafür in erster Linie in den schwierigen Verhandlungen mit den Kreditinstituten gelegen hätten. Diese Schwierigkeiten beständen darin, daß ein Ausgleich gefunden werden mußte, zwischen den Forderungen der Kreditinstitute hinsichtlich einer ausreichenden Gegenleistung für ihre Arbeit und ihre Beteiligung am Risiko, während auf der anderen Seite die Finanzressorts, besonders des Reiches, im Interesse der Landwirtschaft, zähe für eine möglichst niedrige Verdienstspanne der Kreditinstitute kämpften. Erfreulicherweise sei in den letzten Tagen mit den maßgebenden Kreditinstituten eine Einigung erzielt worden, so daß mit der baldigen Auszahlung der Umschuldungsmittel gerechnet werden könne. Für die Voungrevision. Das Urteil der Finanzwelt. In der ersten Sitzung der Kölner Handelskammer im neuen Jahre sprach der Präsident der Kammer, Geheimrat Louis Hagen über den gegenwärtigen Tiefstand des deutschen und des internationalen Wirtschaftslebens. Zur Revision des Young=Plans übergehend, bemerkte Geheimrat Hagen, daß es im Deutschen Reiche wohl kaum einen Menschen gebe, der nicht die Notwendigkeit dieser Revision fühle, einsehe und wünsche. Er glaube darüber hinaus sagen zu können, daß man sich sast in der ganzen Welt nach und nach davon überzeugt habe, daß dasjenige, was viel zu früh in diesem Plan bestimmt worden sei, für Deutschland in absehbarer Zeit untragbar sein werde. Was den Zeitpunkt der Einleitung der Revision angehe, so sollte man zunächst Ruhe und Ordnung im eigenen Lande schaffen, schon damit man dann beurteilen könne, was eine reguläre Wirtschaft in Zukunft zu leisten imstande sei, um als Kriegsschuldner an die Gläubiger zahlen zu können. Ehe man dies nicht selbst übersehen könne, sei eine derartige Regelung absolut ausgeschlossen. Der bekannte amerikanische Bankier Paul M. Warburg wandte sich in einer gemeinsamen Aufsichtsratssitzung mehrerer großer Bankunternehmen ge gen die wirtschaftspolitische Isolierung Amerikas. Wir sollten, so führte er u. a. aus, Deutschland in seinem Bestreben, sein Haus in Ordnung zu bringen, jede moralische und materielle Unterstützung gewähren, damit es den Anforderungen der Wirtschaftsdepression genügen kann, die besonders schwer auf einem erschöpsten Lande lastet, das seiner wirtschaftlichen Reserven beraubt und mit schweren Reparationszahlungen belastet ist. Es ist unmgih verau zusag n, ob Teutschland sich der Moralo sumstläusel des YouigPlans bedienen werde. Die gegenwärtige Weltwir schaftslage würde zwei ellos einen solchen S. ritt rechtfertigen. Was aber Deutschland auch immer tun mag. es wäre gut, wenn das amerikanische Anlagepubl. kum berücksichtigen wollte, daß ein solcher Entschluß weder die Dawesanleihe noch die Younganleihe noch irgend eine andere deutsche öffentliche oder Privatanleihe berühren würde. Ein Moratorium würde lediglich die unmittelbar den Gläubigernationen geschuldten Zahlungen berühren, und der Stand der Anleihen, die einem Moratorium nicht unterliegen, dürfte eher gebessert werden dadurch, daß das Moratorium zeitweise den Druck auf die deutschen Finanzen erleichtern würde. — Der Reichskanzler hat an die Gattin des verstorbenen Staatssekretärs z. D. Kempkes ein Beileidstelegramm gerichtet. — Der deutsche Generalkonsul in Klagenfurt, August Haas, ist im 49. Lebensjahre plötzlich gestorben. — In dem Tarifstreit um die sechsprozentige Gehaltskürzung bei den Reichs= und den preußischen Staatsangestellten hat der Reichsarbeitsminister Schlichtungsverhandlungen auf den 15. Januar anberaumt. * :: Dr. Sahm Oberbürgermeister von Berlin? Unter den Kand daten, die für das Amt des Berliner Oberbürgermeisters in Frage kommen, wird neuerdings auch der frühere Präsident des Danziger Senats, Dr. Sahm, genannt. Dr. Sahm war früher Bürgermeister von Bochum und nach der Revolution Geschäftsführer des Deutschen und Preußischen Städtetages. Rundschau im Auslande. : Die englische Fliegerin Amy Johnson, die den Streckenflug London—Peking ausführt, hat sich von Warschau nach Moskau begeben, um sich über die Möglichkeiten der Fortsetzung ihres Fluges durch die Sowjetunion zu unterrichten. * Graczyuski geht nach Genf. ? Der ostoberschlesische Wojewode Graczynski begibt sich am 13. Januar nach Genf. Er hat vergangene Woche zwei Tage im Warschauer Außenministertum konferiert. Die Fahrt des Wojewoden nach Genf steht im Zusammenhang mit den deutschen Beschwerden über die Wahlterrorakte in Ostoberschlesien. Offenbar soll er dem Außenminister Zaleski in Genf„hilfreich“ zur Seite stehen. Josires Generalstabschef ebenfalls operiert. ? Kurz nach dem Tode des Marschalls Joffre ist nun auch der ehemalige Generalstabschef des Marschalls bei Beginn des Krieges, General Berthelot, schwer erkrankt. Es mußte genau wie seinem ehemaligen Chef das linke Bein oberhalb des Knies amputiert werden.— Berthelot war im Verlaufe des Weltkrieges auch Chef der französischen Militärmission in Rumänien. Auflösung der spanischen Fliegertruppe. ? Durch königliches Dekret wird die Auflösung der spanischen Fliegertruppe verfügt. Sämtliche Fiegeroffiziere werden zu ihren Stammtruppenteilen zurückversetzt. Die Regierung schreitet zu dieser Gewaltmaßnahme gegenüber der Waffengattung des Majors Franco, weil die ganze Fliegertruppe als unzuverlässig gelten muß. Eisenbahnzusammenstoß in Polen. Angeblich 60 Personen verletzt. Wie einem Warschauer Blatt aus Wilna gemeldet wird, ereignete sich auf der Strecke Ostki—Wojtkowice ein schweres Essenbahnunglück. Infolge der Fahrlässigkeit eines Maschinisten überfuhr ein Personenzug etwa 4 Kilometer von Ostki das Haltesignal und stieß mit einem vort haltenden Güterzug zusammen. Der Personenzug wurde aus dem Gleis geworfen. Es sollen angeblich 60 Prrsonen verletzt worden sein. Der Führer, der betrunken gewesen sein soll, wurde verhaftet. Flieger in Notlandung in der Nähe der Stadt. Drei polnische Flieger kreuzten über Oppeln(also deutschem Gebiet); sie wurden von der Luftpolizei verfolgt. Zwei Flugzeuge mußten in unmittelbarer Nähe der Stadt notlanden, die Piloten wurden verhaftet, die Maschinen beschlagnahmt. Es handelt sich um Militärmaschinen, die mit polnischen Polizeifliegern besetzt waren. Die Piloten behaupteten, sich bei dem schlechten Wetter verirrt zu haben. Wenn diese Erklärung durchaus ihre Richtigkeit haben kann, so neigt man dennoch dazu, das Erscheinen und Ueberfliegen der Stadt mit der Anwesenheit des Reichskanzlers in Verbindung zu bringen. * Der Kanzler in Beuthen. Beim Besuch des Kanzlers in Beuthen schilderten Vertreter der Stadt und des Kreises Beuthen die Lage in dieser Gegend. Oberbürgermeister Dr. Knakrick gab dabei an Hand zahlreicher graphischer Darstellungen ein eindrucksvolles Bild von den schwierigen Verhältnissen der Südostecke des Reichs. Nach einer Rundfahrt durch Hindenburg wurde dann die Fahrt nach Gleiwitz fortgesetzt. Von Gletwitz begab sich Dr. Brüning nach Natibor, wo eine Lesprechung der kommunalen Vertreter mit ihm stattfand. Während der Kanzlerreise kam es mehrfach zu Demonstrationen von Kommunisten und Nationalsozialisten, so in Oppeln, Gleiwitz und Rosenberg, so daß die Polizei zum Gummiknüppel greifen mußte. In Oppeln wurden aus der Menge Steine gegen die gen geworfen. Letzte Meldungen. Das Ende des Ruhrstreiks. — Essen, 10. Januar. Nach einer Mitteilung des Bergbauvereins fehlten auf den beiden letzten bestreikten Zechen„Lohberg" und„Westfalen“ nur noch 153 Mann(ohne Berücksichtigung der Entlassenen), so daß der Streik als erloschen gelten kann. Dr. Strathmann zieht in den Reichstag. — Nürnberg, 10. Januar. An Stelle des bisherigen Reichstagsabgeordneten Kling. der auf sein Mandat verzichtet hat, wird Professor Dr. Strathmann=Erlangen(Christlich sozialer Volksdienst) der an der Spitze des Wahlvorschlages 17 des Wahlkreises Franken stand, in den Reichstag einziehen. Die Arbeitslosigkeit in Frankreich nimmt zu. — Paris, 10. Januar. Die amtliche Statistik vom 3. Januar stellt fest, daß an diesem Tage 13 149 Arbeitslose in Frankreich gegenüber 11952 in der Vorwoche vorhanden waren. Das bedeutet eine Vermehrung um 1197 Personen innerhalb einer Woche. Lokal= und Provinzial nachrichten. — Bielefeld. Wintersportzug. Die Reichsbahn teilt mit, daß der für Sonntag, den 11. Januar, vorgesehene Wintersportzug nach Willingen bestimmt verkehrt. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Sonntag nachmittag 4 Uhr„Tole"=Zusammenkunft bei Herrn Romann, Badeweg. Abends 8 Uhr Jugendabend in Gosen. Außerdem nach Möglichkeit Teilnahme am Kampfabend im Saal der Lesehalle, Zimmerstraße,„Freidenkertum und Kirche". — Die Generalversammlung der„Sterbeunterstützungskasse der Angestellten und Arbeiter Bethel“ findet am Donnerstag, den 15. Januar 1931, um 5½ Uhr in Gosen statt. Tagesordnung: Kassen= und Jahresbericht— Aenderung der Satzungen— Verschiedenes— Vorstandswahl. Der stellvertretende Vorsitzende, Lippold. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel: Anzeigen: K. Diekmann: alle in Betbel. Allen, die uns beim Heimgang unserer geliebten Mutter so viel Liebe und Teilnahme erwiesen haben, danken wir herzlich. Geschwister Gleiß. Wiesbaden Evangelisches Hospiz Oranien, Oranienstr 53. Zimmer mit und ohne Verpfleg., 5 Min. vom Bahnhof. Mäßige Preise Künstliche Zähnc ohne Gaumenplatte Wer durch Zehnkrankheiten seine Zähne verloren hat, frage behandelte Patienten über die Vorzüge dieses Systems. Feinste Ausführung, auch Teilzahlung. Tel 2220 Rauschenbusch, am Markt Nr. 11 Tel. 2220 Sseer e äecier ... Evangelische Brüdergemeine 124 Höhere Mädchenschule und Lyzeum 132(mit drii Schulerinnenheimen) Oberlyzeum(mit zwei Schülerinnenheimen) biturientenprüfung(Anstaltsprüfung) 2222322. Sorg ältige christliche Charatterbildung. zt333#### Große Gärten und Spielplapze. S. K. Kücherer, Direktor. Raumnotmöbel Sofa Sessel Ruhebetten Wäschetruhen Diwandecken In bekannter Güte. 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