Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und 0,86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und indergabe“ und„Anser Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 80 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 4. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 6. Januar 1931. 13.Jahrgang. Du sollst nicht denken, daß eines Christenmenschen Leben sei ein Stand und ein Ruhm; sondern es ist ein Zug und Gang oder Wandlung von den Sünden zu der Gerechtigkeit, von den Lastern zu der Tugend, von der Liebe in die Liebe, von der Tugend in die Tugend. Und welcher nicht immerzu wird in dem Gange sein, den darfst du für keinen Christen achten. Luther. iiiiisisig Wie steht es mit der Kriegsschuldfrage. Von Dr. Emmy Voigtländer, Referentin im Arbeitsausschuß deutscher Verbände Vielsach kann man in Deutschland die Meinung aussprechen hören: kein vernünftiger Mensch im Ausland glaube heute mehr an die„Alleinschuld" Deutschlands. Und meist liegt dieser Meinung ausgesprochen oder unausgesprochen die Schlußfolgerung zugrunde: folglich ist die Kriegsschuldfrage als erledigt anzusehen. Die so sprechen, haben recht insofern, als jener Glaube niemals etwas mit Vernunft zu tun gehabt hat. Die Vernunft hätte niemals das glauben sollen, was die Anklage Deutschland vorwirft, mit Vorbedacht und verbrecherischem Willen den Weltkrieg entfesselt zu haben. Diese der Welt eingehämmerte Meinung war Erzeugnis der Kriegspropaganda, der Kriegspsychose und politischer Zwecke. Und es ist ein Irrtum, die Kriegsschuldfrage in dem Sinne als erledigt anzusehen, als ob die Vernunft sich bereits in dem Maße durchgesetzt hätte, daß jene Anklage in irgendeiner Form nicht mehr geglaubt oder nicht mehr zu politischen Zwecken verwendet wird. Man verwechselt sehr oft das Ergebnis der wissenschaftlichen Erforschung der Kriegsursachen, die die Anklage allerdings restlos widerlegt hat, mit der psychologisch=moralisch=politischen Seite der Angelegenheit. Gehört die Erforschung der Kriegsursachen und die Aufklärung über ihre Ergebnisse in das Reich der Vernunft und des Verstandes und kann daher sehr leicht die Meinung kommen, als sei die Frage gelöst, so reicht die andere Seite in die viel schwerer zugänglichen Gebiete des Irrationalen hinein. Und hier sind wir noch nicht so weit. In gewisser Weise kann die Intensität, mit der die Kriegsschuldfrage in den verschiedenen Ländern erörtert wird, als ein Zeichen der allgemeinen Einstellung jener Länder zu Deutschland angesehen werden. Soweit wir übersehen, scheint in England fast kein Interesse mehr für die Kriegsschuldfrage vorhanden zu sein. Sie wird kaum mehr dort erörtert, ohne daß man jedoch den Schluß daraus ziehen dürfte, daß damit auch wirklich die Anklage fallen gelassen worden ist. England ist nur augenblicklich mit seinen eigenen Angelegenheiten stark beschäftigt und ist am Kontinent nicht interessiert. In Amerika ist die wissenschaftliche Erforschung der Kriegsursachen außerordentlich rege. Man braucht nur die Namen Fay und Barnes zu nennen. Es klingt auch günstig, wenn die Umfrage, die vor einiger Zeit die amerikanische Zeitschrift„The World To=Morrow“ veranstaltet hat, ergeben hat, daß nur 48 von 429 Personen Deutschland und seine Verbündeten für alleinschuldig am Kriege halten. Andererseits kommt eine Mehrheit doch noch heraus, wenn es heißt, daß weniger als die Hälfte Deutschland für„hauptschuldig“ am Kriege halten. Auch kann man sich allerhand Gedanken über die Tatsache machen, daß Senator Shipstead nun zum dritten Mal seinen Antrag, daß die amerikanische Regierung den Alliierten die Aenderung des Artikels 231 des Versailler Vertrages oder die Kundgebung ihrer Absicht, ihn außer Betracht zu lassen, vorschlagen möge, eingebracht hat. Ein Zeichen, daß die Angelegenheit nicht gerade weiter gekommen ist. Die Debatte, die vor kurzem zwischen Senator Borah und Senator Reed im Senat stattfand, wobei Senator Borah der von Reed. geäußerten Ansicht entgegentrat, er habe wenig Sympathie für die Deutschen, die sich zu arm nennen, um die Reparationen zu bezahlen, obwohl Deutschland einen verhältnismäßig geringen Betrag dafür zahlen müsse, daß es durch den Krieg so viel Unglück über die Welt gebracht habe, ist ebenfalls ein Zeichen, daß die Anklage gegen Deutschland immer noch erhoben wird. Zwischen Deutschland und Frankreich, den zwei europäischen Ländern, an deren Beziehungen wohl das Schicksal des ganzen Erdteils hängt, die auf einander angewiesen scheinen, erweist sich immer wieder die Kriegsschuldfrage als ein schweres Hemmnis für die Verständigung und Versöhnung. Im Verhältnis der unzweifelhaft und bedauerlicherweise seit der Rheinlandräumung eingetretenen Versteifung der deutsch=französischen Beziehungen ist ein immer erneutes Zurückgreifen auf die alten Anklagen, die oft in der leidenschaftlichsten, geradezu an den Krieg erinnernden Weise hervorgebracht werden, zu bemerken. Die Vorstellung der deutschen„Invasionen“ scheint allmählich zu einem Bestandteil des französischen Denkens geworden zu sein, mindestens zu einem Bestandteil der waffenstarrenden Sicherheitspolitik, die ja nur mit dem Mißtrauen, daß Frankreich sich auch in Zukunft vor den immer drohenden deutschen Angriffen schützen müsse, zu begründen ist. Worte, wie sie im September auf dem Katholikentag in Münster i. W. der Abbé Demulier geäußert hat, Erörterungen, wie sie Anfang November im Club du Faubourg stattfanden, scheinen vereinzelt zu sein. In eigentümlicher Weise wird neuerdings von französischer Seite die Anklage gegen Deutschland mit geschichtsphilosophischen Gedanken verknüpft. So leitet Tardien die Niederlage, die Deutschland 1918 erlitt, von der Gewaltpolitik her, die seiner Meinung nach Bismarck und seine Nachfolger getrieben hätten. Herriot äußerte Anfang Oktober, daß Frankreich alle freien Nationen der Welt sich zu Hilfe eilen sah und seine Stärke nicht nur seinem Mut, sondern auch seiner Unschuld zu verdanken hatte.„Frankreich verteidigt sich nicht allein, es verteidigt alles, was in der Welt von Freiheit, Brüderlichkeit und Frieden träumt. Es ist die erhabene Trägerin des Tempels der Freiheit". Wenn in solchen Worten Frankreich als die Verkörperung aller abstrakten Ideale hingestellt wird, kann jeder Gegner Frankreichs zu einem Gegner der Menschlichkeit, der Freiheit, des Friedens überhaupt gestempelt werden. Auf dieselbe Weise wird jeder Widerstand gegen die bestehenden Friedensverträge ohne Rücksicht darauf, ob dieser Widerstand in Deutschland aus dem übermäßigen Druck und der Unmöglichkeit dieser Verträge herkommt, zu einer Aeußerung mangelnder Vertragstreue überhaupt, zu Aeußerungen einer Gesinnung, für die Verträge nur ein„Fetzen Papier“ sind. Außerordentlich bezeichnend für diese Gesinnung sind zwei Aufsätze, die am 18. und am 25. November der „Temps“ in Paris veröffentlichte und in denen er das deutsche und französische Volk als vollkommen entgegengesetzter Geistesart hinstellt. Für das deutsche Volk gebe es kein anderes Recht als das der Gewalt, während das französische versuche, sich im internationalen Leben von den Grundsätzen des Rechtes, der Gerechtigkeit, der Brüderlichkeit, der Achtung vor übernommenen Verpflichtungen leiten zu lassen. Der große Krieg sollte dem deutschen Volke zeigen, daß die materielle Macht allein durch die Idee, die auch eine Macht ist, aber von anderer Ordnung, besiegt wird. Die Idee der Freiheit, der nationalen Unabhängigkeit hat gegen Deutschland 22 Nationen geführt und die Idee hat über die Gewalt triumphiert. Und wenn Deutschland seinen vorbedachten Angriffen gegenüber eine gleiche oder sogar überlegene Macht sieht, so wird es sich endlich überzeugen, daß die Macht gerecht sein soll, und Frankreich, daß die Gerechtigkeit stark sein soll. So kehrt die Anklage, die zur moralischen Grundlage des Versailler Diktats gemacht wurde, in immer neuem Gewand wieder um dem Freiheits= und Lebenswillen des deutschen Volkes falsche Motive unterzuschieben. Diese Beschuldigungssucht, die wir in den letzten Monaten wieder erschreckend in Frankreich hervorbrechen sehen, verteilt Recht und Unrecht mit der gleichen Einseitigkeit, wie es im Weltkrieg geschah. So stößt das deutsche Volk auf seinem mühseligen Wege immer wieder von neuem an die Schranke, die es unter anderes Recht, in eine andere Kategorie der Beurteilung, als sie Frankreich für sich beansprucht, stellen will. Der vor der Weltgeschichte einmal Angeklagte soll auch für alle Zukunft als solcher dastehen, als solchem soll ihm das Recht auf Revision verweigert werden. So scheinen nach wie vor die Aussichten auf einen wahren Frieden, auf eine wirkliche Versöhnung trübe zu sein. Gerechtigkeit für die Völker. Eine Neujahrsbetrachtung von Dr. Arnaldo Mussolini im„Popolo'Italia“. „An diesem Jahresende, das so grau und farblos ist wie draußen die Natur, da regnet's von Prophezeiungen, von allerlei Auslassungen über Ursprung, Entwicklung und Ende der heutigen Krise; da wird unsere Zeit gewertet, da nimmt man all die Wechselfälle, die die Völker interessieren und beunruhigen, scharf unter die Lupe und bemüht sich, dabei recht objektiv zu sein. Niemand kann dabei auf den Besitz der Wahrheit pochen. Die letzte Lösung all der vielen Probleme ist nicht das Privileg eines einzelnen. Die moralischen und wirtschaftlichen Unterschiede ergeben ein so verwickeltes Bild, daß es schwer ist, sie auf einmal zu erfassen und einer wirklichen Lösung zuzuführen. Optimismus ist heute mehr eine Anmaßung als ein Reslex der Wirklichkeit. Um der Woge eines neuen Aufschwungs freie Bahn zu schaffen, gilt es allerlei Deiche zu durchbrechen. Da gibt's Grundvoraussetzungen, ohne die man unmöglich zu konkreten und erfreulichen Lösungen gelangen kann. In den Auslassungen der bedeutendsten Männer der Welt haben Ausdrücke wie Gerechtigkeit, Gleichgewicht, Solidarität, schaffender Friede nur noch ganz unbestimmte Umrisse. All diese Begriffe erscheinen wie flüchtige göttliche Gebilde, die dem Denken der Völker abhanden gekommen sind. Sie etwa zurückrufen zu wollen in rein abstrakter Form, ohne konkrete Zweckbestimmung, würde nur einen Verlust kostbarer Zeit bedeuten. Eben die moralischen Kräfte, die man zu Hilfe ruft und die man so gerne auf religiöse Grundsätze und auf längstvergangene Gewohnheit zurückführt, besagen nicht viel in einer Welt, wo jeder Kontinent im Fieberzustand sich befindet. Wenn man wirklich aus nichtssagender Rhetorik heraus will, wenn man wirklich zur Befriedung der Welt beitragen will, dann muß man die dringendsten Probleme mit starker Hand anpacken; diejenigen, die unserer Wahrnehmung am nächsten liegen, die mit ihrem augenscheinlichen Anachronismus das klare Denken der Massen berühren. Diese muß man einer Prüfung und Revision unterwerfen und sie ins Licht wahrhaftiger, realer, konkreter Gerechtigkeit rücken. Woran leidet die Welt? An Mangel sittlichen und wirtschaftlichen Gleichgewichts. Selbst das Gold sammelt sich in den Tresors weniger Staaten, aber sicher nicht dank ihrer Sparsamkeit. Es ist das Ausmünzen einer Glückskonjunktur, mit Hilfe von allerlei Verträgen, Klauseln, internationalen Druckmitteln. Da gibt's Länder, die längst gerüstet sind und die sich weiter rüsten bis an die Zähne, und es gibt andere, denen selbst die Rüstung zu ihrer kümmerlichen Selbstverteidigung verwehrt witd. Da gibt es Grenzen, die wahrhaftig nicht völkisch sind; sie scheinen mit Stacheldraht festgelegt zu sein. Da gibt's Völker, deren Drang nach tätigem Aufschwung erstickt und gelähmt wird durch eine Aussicht, die an Schrecklichkeit einem Gottesurteil gleichkommt: Auf ganze Generationen hinaus arbeiten zu müssen, um die Kriegsschulden abzutragen. In solcher Atmosphäre müssen die besten Vorsätze zugrunde gehen. Da hat der Kommunismus leichtes Spiel für seine Propaganda. Wahrhaftig. solch Arbeiten=müssen wird zu einer übergroßen und unerträglichen Ausbeutung, wenn es sich darum handelt, ausländischem Kapital zu dienen. Solche Hemmung, solche Widerwärtigkeit, solch Urteilsspruch lähmt die besten Völker. Was soll man sagen von den Kolonien, was von der Verteilung der Rohstoffe? Was soll man denken von solchen Völkern, die um ihr Gebiet hohe Zäune aufrichten und dadurch anderen arbeitsamen Völkern, die der Mangel an Lebensraum über die Grenzen des eigenen Landes drängt, das Recht auf Arbeit nehmen? Es gibt unter den Völkern Kriegsgewinnler, die keineswegs mit ihrem Blute das Rad„in Bewegung gesetzt haben". Ist dies alles gerecht, logisch, menschlich? Können am Ende dieses drückend schweren und harten Jahres 1930 solch ungeheure Probleme gelöst werden mit einfachem sittlichen Appell, und sei er noch so edel? Den sichersten Weg, der der Wahrheit und der Wirklichkeit am nächsten kommt, hat uns der Duce in seiner Weihnachtsbotschaft im„Tag“ gewiesen. Die Revision der Verträge, die keineswegs eine Beseitigung der Verträge bedeutet, die ist der Eckstein der Wiedergeburt und des Weltgleichgewichts. Im Denken des Duce ist die Revision der Verträge durchaus keine kriegerische Idee, sondern geschichtlich bedingte nackte Realität. Sie hat den Zweck, den Krieg zu vermeiden, sie dient nicht etwa einem vorwiegend italienischen Interesse,sondern dem Interesse ganz Europas, ja, der Welt. Der Duce sschließt seine Botschaft mit den Worten: „Die Möglichkeit der Revision ist keine absurde Behauptung, die sich nicht verwirklichen ließe. Es ist doch klar daß wir die Revision nicht aus nacktem Egoismus verlangen, sondern vor allem aus Gründen der Gerechtigkeit, aus sittlichen Gründen, die die einzige wahre Grundlage bilden für einen dauerhaften Frieden unter den Völkern.“ Es will uns so scheinen, als müsse eine Gesamtpolitik, die von solchen Gedanken orientiert ist, uns diesem Gleichgewicht näherbringen, das doch alle Herzen erstreben. Die Schwierigkeiten von heute lassen sich nur überwinden, wenn sie auf weitem, offenem Felde, auf allen Teilen der weiten Front zum Austrag kommen. Die Revision der Verträge bedeutet eine Revision der Werte. Jetzt, wo die Menschheit schon weit entfernt ist von der lähmenden Atmosphäre von 1919, wo sie aus vielen Wechselfällen und tausendfacher Erfahrung gelernt hat, kann sie zu dem Grundsatz der Solidarität gelangen, die dem tiefsten Lebensbedürfnis der Menschen entspricht, sind sie doch alle nach dem Ebenbilde Gottes ge— Weitere Verschlechterungen der wirtschaftlichen Situation an der Saar. Nun befindet sich auch die Wirtschaft an der Saar in einer Krise, wie dieselbe in diesem Umfange bisher noch nicht erlebt wurde. In dem Wochenbericht der Regierungskommission werden über 12000 Arbeitslose angegeben. Noch scheint man nicht am Ende dieser Entwicklung zu sein. Man rechnet in den nächsten Monaten mit weiteren Verschlechterungen. Aussichten für eine Wendung zum Bessern sind gegenwärtig nicht vorhanden. Im Verhältnis zur Eisenindustrie ist der Belegschaftsabbau im Bergbau mit 3000 Menschen noch gering. Auch die hier im Laufe des Jahres wegen Absatzmangel gefeierten 17 Schichten bilden nur einen Bruchteil von denjenigen der Hüttenwerke. Hier kamen von etwa 36 000 Arbeitnehmern im Laufe des Jahres 7·000 Menschen zur Entlassung. Zu diesem Abbau kommen, nach Pressemeldungen, zusammen noch 250000 Feierschichten. Betriebsabteilungen mit 8 und mehr Ausfallschichten im Monat sind keine Seltenheit. Der gewaltige Verdienstausfall macht sich bereits im geschäftlichen Leben sehr unangenehm bemerkbar. Von Handel und Gewerbe wird über ein äußerst schlechtes Weihnachtsgeschäft geklagt. Zu diesen ungünstigen Verhältnissen kommt jetzt das Gespenst des Lohnabbaues. Die mit den gewerkschaftlichen Verbänden vereinbarten tariflichen Löhne sind bisher fast noch überall gezahlt worden. Uebertarifliche Zulagen sind jedoch seit Monaten eingestellt. Die Arbeiter hatten sich bisher mit der Situation abgefunden. Zu Störungen ist es nirgends gekommen. Man hat Belegschaftsabbau und Feierschichten in der Erwartung hingenommen, daß bald eine Besserung der Wirtschaftslage eintreten würde. Mit Beginn des neuen Jahres aber scheint man einen Lohnabbau in größerem Umfange vorzunehmen. Die Hüttenwerke verlangen eine Lohnreduzierung von 12 Prozent. Im Falle dieselben in dem genannten Umfange durchgeführt und eine Beseitigung der bisherigen Feierschichten sich nicht ermöglichen läßt, bedeutet dies für mehrere tausend Hüttenarbeiter, die jetzt schon mit ihrem Verdienst unter dem Durchschnitt bleiben, eine Katastrophe. Eine Besprechung der Arbeitgeber mit den gewerkschaftlichen Verbänden brachte keine Einigung. Der Schlichtungsausschuß wurde zur Entscheidung angerufen. Verbindlichkeitserklärungen von gefällten Schiedssprüchen sind an der Saar nicht möglich. Derartige Instanzen fehlen. Die weitere Entwicklung bleibt der Einsicht der beiden Kontrahenten oder dem Machtverhältnis eines Teiles derselben vorbehalten. Betriebswirtschaftlich gesehen, steht es entschieden besser im Steinkohlenbergbau des Gebietes. Wohl leidet Der Sturz des Antichrist. Von Hermann Leitz. Ein merkwürdiges Buch kam mir in die Hände. Es ist im Jahre 1928 erschienen im Verlag für Schöne Wissenschaften Dornach und Stuttgart. Sein Verfasser ist der namhafte antroposophische Dichter Albert Steffen. Es erklärt sich als Dramatische Skizze und trägt den wunderlichen Titel:„Der Sturz des Antichrist".—. Gefängnis an der Peripherie einer Weltstadt. Kerkerraum. Drei Pritschen. Der Blick durch die Lucke geht auf ein Flugfeid. In der Zelle: Wärter, Priester, Techniker, Künstler. Ihre Schicksalsgemeinschaft hat die Merkmale der Völker, denen sie entstammen, überwunden, sie gehören mit ihren Impulsen der ganzen Menschheit an. „Warum sind wir gefangen?"— „— Der Regent will uns vernichten!“— Der Regent erscheint. Unbestimmtes Alter. Gesicht schön, kalt, klug. Wenn er Widerspruch spürt, verdunkelt es sich. Der Regent:„Ich kenne eure Gedanken. Was ihr denkt, les' ich auf euren Mienen. Ihr fragt, wer ich bin. meine Taten geben Antwort. Wie war die Zeit vor meiner Regierung? Wie nachher?— Ein Dauerkrieg herrschte, auch nach geschlossenem Frieden. Zollschranken, Wirtschaftsnöte, Revolutionen... Dem macht der Einheitsstaat— mein Werk— ein Ende. Der Friedenspakt, die Union der Staaten, der internationale Sicherheitsdienst:— sie verdanken mir das Dasein. Seitdem ich regiere, herrscht Ruhe. Nur bei euch nicht! Ihr fügt euch nicht in die Gemeinschaft, deren Haupt ich bin. Ihr setzt den Einzelnen über das Ganze. Ihr untergrabt das Wohl des Allgemeinen. Deshalb muß ich euch, zum Heile der Gesamtheit, absondern. Bevor jedoch das Urteil fällt, sollt ihr Einsicht in meine Ziele erhalten. Ihr seid die einzigen Vertreter des Geisteslebens, die mir schaden konnten— jetzt nicht mehr!—; die mir nützen können— auch jetzt noch. Wollt ihr das erste:— Ichvernichte euch. Wollt ihr das andre:— Icherhebe euch... Der Mensch ist Erkenner der Naturgesetze geworden. Er hat die Himmelsbahnen berechnet und die Erdenstoffe auch er unter einem starken Absatzmangel. Von den annähernd 5 Mill. Tonnen Kohlen, die im Jahre 1929 in der eigenen Wirtschaft der Saar verbraucht wurden, bleiben jetzt infolge der wirtschaftlichen Krise viele Tausende von Tonnen unverbrannt. Ein erhöhter Absatz nach Frankreich war bisher nicht möglich. Trotzdem das französische Wirtschaftsgebiet jährlich mehr als 18 Millionen Tonnen fremder Kohle verbraucht, hatte die Forderung der Saarbergleute auf eine Mehrabnahme von Kohle bisher keinen Erfolg. Im Gegensatz zu dem starken Produktionsrückgang in der Hüttenindustrie aber hat der Bergbau, trotz seines Belegschaftsabbaues, ein Mehr an Förderung erzielt. In den ersten neun Monaten 1930 hatte man, im Vergleich zu derselben Zeit des vorhergehenden Jahres, ein Plus von 163000 Tonnen. Berücksichtigt man dabei, daß dieses Ergebnis trotz 13 Feierschichten erreicht wurde, wird man kaum von einem schlechten finanziellen Stand der Kohlenwirtschaft reden können. Die Bergwerksdirektion hat jetzt, zu Beginn des neuen Jahres, eine Reduzierung der Kohlenpreise angekündigt. Von der Bergarbeiterschaft wird erwartet, daß diese Maßnahme keine Rückwirkung auf die Löhne hat. Auch hier sind in den ersten Monaten des neuen Jahres Ueberraschungen nicht ausgeschlossen. Für das verlorene Einkommen suchen die Arbeitnehmerschichten Ersatz in einer verbilligten Lebenshaltung. Man fordert einen allgemeinen Preisabbau. Diesbezügliche Aussprachen zwischen Gewerkschaften und Vertretern aus Handel und Gewerbe haben bereits stattgefunden. Wie schon öfters, so entstehen auch hier durch die eigenartige Konstellation des Gebietes neue Schwierigkeiten. Ein nicht geringer Teil von Lebensmitteln und Gebrauchsartikeln werden heute aus Deutschland bezogen. Sie sind im Preise nicht unerheblich gesunken. Nun aber ist das Preisniveau Frankreichs noch in der Aufwärtsbewegung. Soweit Waren von dort bezogen werden, hat man sich mit Preiserhöhungen abzufinden. Jetzt wird von Deutschland auch die Einfuhrprämie von Vieh aufgehoben. Bisher erhielten die Saarländischen Metzger bei dem Einführen von deutschen Schlachttieren eine Prämie. Es konnte damit mehr als der an der Grenze von Frankreich geforderte Zoll gedeckt werden. Die Einstellung der Prämienzahlungen scheint eine Fleischpreiserhöhung nach sich zu ziehen. Wegen der noch höheren Preislage kann der Fleischbedarf durch französisches Schlachtvieh nicht befriedigt werden. So geht die Saar mit wenig erfreulichen wirtschaftlichen Aussichten in das neue Jahr. Die Bevölkerung wird ein gewaltiges Maß von Energie aufbringen müssen, um den Boden für einen neuen Ausstieg vorzubereiten. Trotz aller Schwierigkeiten wird sie an dieser Arbeit nicht verzweifeln. Mut und Ausdauer werden auch hier den Erfolg bringen. G. Am Sonnabend früh, 8,23 Uhr, ist nach langem Todeskampf in Paris der französische Marschall Joffre im Alter von 70 Jahren gestorben. Marschall Joffre ist von den Franzosen als„Sieger der Marneschlacht" verherrlicht worden. In. Wahrheit hatte er seine Siegeslorbeeren weniger seinen eigenen Fähigkeiten als den Fehlern der deutschen Heeresführung zu verdanken, die allzu voreilig den Sieg aus den Händen gegeben hatte. Das Verdienst Joffres beschränkt sich im wesentlichen darauf, daß er es als „Marschall Rückvärts“ verstanden hat, die französibestimmt. Die Götter haben sich von ihm zurückgezogen und ihr Werk in seine Hände gelegt. Sie gaben ihm eigenen Verstand, damit er selbständig werde: Aufsteige vom Geschöpf zum Schöpfer, als Gründer eines neuen Reiches. Zu diesem Ziele ist mir Macht verliehen. Wißt! Zwei Projekte, die alle früheren Taten übertreffen, stehn vor der Verwirklichung. Das erste: Jene Kräfte auszunutzen, womit die Wandelsterne um die Sonne kreisen: zur Weltraumfahrt. Befreiung von den oberen Göttern. Das andere: Brotbereitung mittels Steinen. Befreiung von den unteren Göttern... Das Paradies auf Erden! Wollt ihr zu diesen Taten eure Kräfte leihen?“ Der Techniker:„Ich will das Flugzeug prüfen.“ Der Priester:„Ich will das Brot versuchen“. Der Künstler:(schweigt). Techniker und Priester werden vom Wärter hinausgeleitet. Sie flüstern dem Künstler zu:„Sei klug! Widerstehe nicht dem Uebel!“ egent zum Künstler:„Willst du mit deinem Wort in meinem Willen wirken? Ich befreie die Menschen von der Notdurft des Leibes und von den Gesetzen der Götter. Die Menschheit, mündig geworden, bedarf einer neuen Sprache. Du bistberufen, sie zu schaffen. Du sollst in bisher nie gehörten Worten die Geschichte meiner Taten schreiben. Du wirst mich als den Retter der Erde preisen,— du—: mein Evangelist „Du stellst dich gegen mich!"... „Du bleibst im Kerker.“— Regent verschwindet. Sein Dämon, als Feuerschein wird sichtbar und spricht:„Ich hab mich von den Göttern losgesagt.“ Das Gespenst des Technikers:„Maschinenkraft ersetzt den Götterwillen.“ Der Dämon:„Wir pfeifen auf Unsterblichkeit.“ Die Kerkerwand wird durchsichtig. Die kollentive Menschenmasse, die auf das Flugfeld flutet, erscheint, Kopf an Kopf. im eintönigen Grau. Auf hohen schen Truppen rückwärts zu konzentrieren und sie der Marne eine neue Stellung beziehen zu lassen, aus der sie dann den von der deutschen Heeresleitung zurückgenommenen deutschen Armeen folgten, bis ihrem Vormarsch an der Aisne Halt geboten wurde. Man hat auch in Frankreich die Fähigkeiten Joffres nicht allzu hoch eingeschätzt. Man beließ ihm nur bis Ende 1916 den Oberbefehl. Die Ungeduld der öffentlichen Meinung über die geringen Fortschritte erzwang seinen Rücktritt, doch erfolgte die Verabschiedung unter den ehrenvollsten Umständen: Joffre als erster erhielt von der dritten französischen Republik die Würde eines Marschalls von Frankreich. Er blieb auch Mitglied des Obersten Kriegsrats, und bei der französischen Kriegspropaganda in den Vereinigten Staaten betätigte er sich erfolgreich als Reklame=Chef. Joffre wurde auch unter die„Unsterblichen“ der französischen Akademie ausgenommen. Seine Glorie wurde dann überstrahlt von dem Glück des General Foch, der zu Ende des Krieges Oberkommandierender der Alliierten Armeen war. Nach dem Kriege ist Joffre, der seit Jahren leidend war, in der Oeffentlichkeit kaum mehr hervorgetreten. Marschall Joffre war geborener Katalane. Seine Wiege stand in Rivesaltes bei Roussilon in den Niederpyrenäen. Als 18jähriger Leutnant nahm er 1870 an der Verteidigung von Paris teil und gewann später die erste große Anerkennung als militärischer Führer durch seinen Zug nach Timbuktu zur Rettung der Reste der unglücklichen kleinen Truppenmacht Bonniers, die in einen Hinterhalt des Tuareg=Stammes geraten und fast aufgerieben worden war. Er eroberte die Wüstenstadt. Als der Weltkrieg ausbrach, war General Joffre seit zwei Jahren der Chef des Großen Generalstabs und Vorsitzender des Obersten Kriegsrates. * In Paris herrscht Schrecken. Man schreibt den 2. September 1914. Tag von Sedan! Der Kriegsplan Joffres ist zuschanden geworden. Die Grenzschlachten sind mißlungen. Verdun ist so stark bedroht, daß Joffre es aufgeben will. Am 1. September hat der Generalissimus den Befehl zum Rückzug aller Armeen hinter die Seine gegeben. Die Regierung hat soeben am 2. September Paris verlassen und ist nach Bordeaux abgereist. Wie vor 44 Jahren! 30 Kilometer vor Paris stehen die deutschen Heeressäulen. Täglich ziehen die deutschen Flieger ihre Kreise über dem Häusermeer, das das Herz Frankreichs bedeutet. Bomben und alarmierende Nachrichten sind ihre Botschaft. Scharen von Flüchtlingen aus dem besetzten Kriegsgebiet treffen ein. Der innere Halt der französischen Truppen ist bedenklich gelockert, viel Material an Geschützen, viele tausend Gefangene sind verloren gegangen. Der englische Bundesgenosse ist durch die erlittenen Schläge so erschüttert, daß er allen Angriffsgeist verloren hat. Es sieht bös aus um das französische Heer und um das französische Land am 2. September. Aber die Regierung hat in Paris einen tapferen General zurückgelassen, Gallieni! Der alte zähe Kolonialsoldat denkt nicht daran, Paris dem Feinde zu überlassen. Er richtet alles auf hartnäckige Verteidigung ein. Joffre selbst will an eine wirksame Verteidigung von Paris und an eine Wiederaufnahme der Offensive erst gehen, wenn seine fünfte Armee der drohenden Umklammerung durch den Feind entzogen ist und die übrigen Armeen umgruppiert und aufgefüllt sind. Als Gallieni am 3. September nachmittags 6 Uhr von der Besichtigung der Befestigungsanlagen in sein Hauptquartier zurückkommt, erwartet ihn sein Chef der Nachrichtenabteilung. Oberst Girodon, mit der MitDächern stehen Maschinisten und geben Signale mit ro. ten Fahnen. Sirenengeheul geht über die Stadt. Künster:„O Höllenlaute, die den Leib zerreißen, Maschinenlärm— Martyrium der Götter.....„O ungeheure Kluft von Mensch und Gott.“ Gespenst:„Maschinen schaffen Wohnung und Gewand, erleuchten unsre Nächte und erwärmen den Winter, säen, ernten, backen Brot. Sie bringen die Erlösung für die Menschen.“...„... alles verstiebt zuletzt zu Nichts.“ ...„Leben entsteht aus Tod— und Mensch aus Tier— und Brot aus Stein.“— Der Künstler wendet sich gegen den Dämon des Regenten: „Auf deiner Stirne zuckt die Zickzacklinie, du bist das Tier, das aus dem Abgrund steigt——“. Der Wärter führt den Künstler„in einen unbekannten Kerker": Steinzelle, aus Granitblöcken gefügt, für einen einzigen Menschen bestimmt, durch Eisentür verschlossen: Der Ort des zweiten Akts. Zwiegespräch zwischen Künstler und Wärter. Künstler:„Was soll ich tun, zu retten meine Brüder?“ Wärter:„... Ich kannte ihn, den größen Lehrer noch, ihn, der mit allgewaltigem Atemzug die Himmelsweiten und die Erdenkräfte in seine Seele sog, um sie vereinigt bei seinem Tod den Göttern und den Menschen in freier Opfertat zu übergeben. Die Lehren und das Leben aller Geister, die durch Jahrtausende hindurch gewaltet, hat er geordnet und geläutert und dem Weltengründer wiederum verbunden, so daß kein Mensch verloren gehen kann, bei Toten und bei Lebenden, nicht einer, der sich als Einzelner ins Ganze stellt.—.. Der Gruppe, welche seine Himmelsankunft zu ihrem Kult erhob, entstammt der Priester, der jetzt die Sakramente preisgegeben, er wollte nicht dem Uebel widerstehen, er rettet sich in seine Seligkeit und übergibt die Erde dem Tyrannen. — Und aus der andern Gruppe, die den Schöpfer in der Verhärtung des Gehirns vergißt, und ihre Eigenschöpfung nur verewigt, entstammt der Techniker, der jetzt die Sonne, so blind besessen vom Maschinenwahn, mit seinem Fluge überflügeln will.“„... Bewahr das Wort in dir: Ich bin.“(Schluß folgt.) teilung, daß Kavallerie und Flieger den Abmarsch der deutschen Hauptkräfte nach Südosten melden. Gallieni kann es nicht recht glauben.„Das wäre zu schön!“ meint er zögernd. Am 4. vormittags überzeugt er sich selbst durch Erkundungsfahrten, daß die Meldungen stimmen. Gallieni ist zum Flankenstoß auf Klucks Armee entschlossen. Das Telephon geht nun ununterbrochen von Paris nach Bar fur Aube, dem Hauptquartier Joffres. Es fehlt noch an dem„accord“— wie Gallieni in seinen Erinnerungen schreibt— an dem Einvernehmen mit dem Generalissimus. Joffre fühlt sich durch die Nachrichten der überall vorrückenden Deutschen bedrückt. Noch an diesem Vormittag hat er ernstlich mit dem Verlust von Paris und Verdun gerechnet. Um 4 Uhr nachmittags ist es Gallieni gelungen, ihn von der Gunst der augenblicklichen strategischen Lage zu überzeugen. Joffre kann den Herren seines Stabes mitteilen:„Nun, meine Herren, wir werden an der Marne schlagen!“ Am 4. September.30 Uhr erging Joffres berühmter Generalbefehl, der den allgemeinen Angriff der.,.,., 4. Armee sowie des englischen Expeditionskorps befahl und den Beginn des Angriffs für den Morgen des 6. September festsetzte. Die Marneschlacht war eingeleitet.— Freilich, wir wissen, daß es nicht die Feldherrnkunst Joffres und die Ueberlegenheit der französischen Waffen war, die dann die Entscheidung brachte. Im Gegenteil, in der Schicksalsstunde des 9. September, war der französische linke Flügel, die von Gallieni zum Flankenstoß gegen Kluck angesetzte 6. Armee Maunoury, geschlagen und in die Mauern von Paris zurückgeworfen, und die 9. Armee Fochs zusammengebrochen. Umklammerung und Durchbruch drohten der Hälfte des französischen Gesamtheeres.— Es sollte anders kommen. Oberstleutnant Hentsch hatte um diese Stunde bereits den deutschen Rückzug von der Marne befohlen, ein Entschluß, der von verhängnisvoller Tragweite war. Vier Tage brauchte Joffre, um das ganz unerklärliche Verhalten des deutschen Gegners zu erfassen. Erst am 13. September wagte er, vom Sieg zu sprechen. Und doch, es bleibt Joffres Ruhm, daß er in den trübsten Tagen Frankreichs, zu Anfang September, die Ruhe und die Zuversicht nicht verlor und daß er im gefährlichsten Augenblick den Mut und die Entschlußfreudigkeit aufbrachte, ein Wagnis auf sich zu nehmen, das in seinem Endergebnis vom Schicksal dazu bestimmt war, nicht nur den Feldzug, sondern auch die Geschicke des europäischen Erdteiles zu entscheiden. F. Der Amsturz in Panama. Wer ist eigentlich der neue Präsident? Der Aufstand, durch den die Regierung des Präsidenten Arosemena in Panama gestürzt wurde, brach völlig unerwartet aus. Er wurde geführt von der „Jung=Panama=Bewegung“, einer patriotischen Organisation, die die angebliche Korruption der Regierung unter den Präsidenten Chiari und Arosemena scharf angegriffen hatte. Nach einem Sturm auf das Hauptquartier der Staatspolizei, die Panamas einzig stehende Armee bildet, wurde von dem Führer der Revolutionäre, Dr. Harmadio Arias, die Polizeistation besetzt und darauf das Präsidentschaftspalais. Präsident Arosemena wird in seinen Wohnräumen festgehalten. Bei dem Feuergefecht wurden 16 Personen getötet. Die„Jung=Panama=Bewegung“, auch„Accion Comunal“ genannt, proklamierte dann in einem dramatischen Manifest Dr. Harmadio Arias zum Präsidenten und verlangte die Abdankung Arosemenas. In dem Manifest heißt es, die Stunde der Gerechtigkeit habe geschlagen, die Verbrecher mögen die verdiente Strafe erleiden. Widersprüche in den Meldungen. „Associated Preß“ meldet aus der Stadt Panama, daß der Präsident Dr. Harmadio Arias zum Premier= minister ernannte und dann seinen Rücktritt bekanntgab. Arosemena habe somit Dr. Arias die Präsidentschaft und die Neubildung des Kabinetts überlassen. — Eine Meldung aus Washington sagt dagegen, daß der dortige Gesandte von Panama, Alfaro, den ihm angebotenen Posten eines Präsidenten von Panama angenommen habe. Wie soeben aus Panama gemeldet wird, ist Harmadio Arias nur provisorischer Präsident. Der gegenwärtige Gesandte von Panama in Washington wird wahrscheinlich Präsident der Republik werden, da er vor den letzten Wahlen, die durch einen Beschluß des obersten Gerichtshofes annulliert worden sind, Vizepräsident war. Irgendwelche Racheakte sind an den Mitgliedern der früheren Regierung nicht ausgeübt worden. Präsident Arosemena ist nach seiner Demission wieder in Freiheit gesetzt worden. Bei dem Kampf um die Polizeiposten wurde der Korrespondent einer amerikanischen Zeitung schwer verwundet und liegt im Krankenhaus im Sterben. Preisbindung bei Markenartikeln. Das Reichswirtschaftsministerium hat nach einem Beschluß des Reichskabinetts dem Vorläufigen Reichswirtschaftsrat den Entwurf einer Verordnung über Preisbindungen bei Markenartikeln zur gutachtlichen Stellungnahme zugeleitet. Nach dieser Verordnung sollen künftig Preisbindungen bei Markenartikeln nur dann noch rechtswirksam sein, wenn und insoweit eine Senkung der Verbrancherpreise um mindestens 10 Prozent gegenüber dem Stand am 1. August durchgeführt ist. Dabei wird erwartet, daß die Durchführung der Preissenkung im Zusammenwirken von Erzeugern, Großhändlern und Einzelhändlern erfolgt und nicht zu Lasten nur einer der beteiligten Wirtschaftsgruppen geht. Der Vorläufige Reichswirtschaftsrat wird sich bereits am 5. und 6. Januar mit der Vorlage beschäftigen. Die Täge inn Rahtiedtel! Eine Verschärfung der Lage nicht festzustellen.— Hemmungslose radikale Agitation.— Ein Unbeteiligter erschossen. Die formelle Kündigung der Gesamtbelegschaften im rheinisch=westfälischen Kohlenrevier hat die dort angesammelten Explosivstoffe schneller, als man es erwarten konnte, zur Entladung gebracht. Die Art, wie die wilden Streiks von den radikalen, meist kommunistischen Verbänden, inszeniert worden ist, läßt deutlich erkennen, daß man zunächst einmal eine Kraftprobe ansetzen wollte, um zu sehen, wie diese als Vorbereitung auf die Durchführung der Generalstreikidee ausfallen würde. Die Gesamtheit der Arbeiterbevölkerung ist aber bestimmt gegen den Streik, denn die überwiegende Mehrzahl der Bergarbeiter, man kann sagen, reichlich 90 Prozent, ist in dem Christlichen Bergarbeiterverband, dem mehrheitssozialistischen Verband der Bergarbeiter Deutschlands, der weniger bekannten Gruppe der HirschDunckerianer und dem Polnischen Syndikat organisiert. Allerdings nicht so sicher ist, daß die Gewerkschaften jederzeit damit rechnen können, daß die Parteigänger ihrer Parole folgen werden. Keine Verschärsung der Lage. Wie der Bergbauliche Verein in Essen am Sonnabend mitteilt, ist der Prozentsatz der nichteingefahrenen Belegschaften von 11,91 Prozent auf 11,96 Prozent gestiegen. Sonach ist eine Verschärfung der allgemeinen Streiklage nicht eingetreten. Allerdings mußten sich die Belegschaften am Sonnabend auf einzelnen Schachtanlagen gewaltsam Eintritt zu den Zechen verschaffen, da die Zechentore von radikalen Elementen besetzt waren. Aus Erwerbslosen, Frauen und Kindern gebildete kommunistische Sprechchöre forderten zum Streit auf und brachten Hochrufe auf die Räterepublik aus. Vor den Zecheneingängen bildeten Erwerbslosengruppen Spalier und machten es den Arbeitswilligen vielfach unmöglich, ihre Arbeitsstätte aufzusuchen. Das Streikgebiet. Die Streikbewegung erstreckt sich hauptsächlich auf die Reviere Hamborn, Gladbeck, Buer und Hamm. Der ganze Süden des Bezirks, die Bezirke Dortmund, Witten, Bochum, Wattenscheid, Essen und Mülheim sind streikfrei. Die Industrie braucht keine Stockung in der Kohlenversorgung zu befürchten. An verschiedenen Stellen kam es zu Zusammenstößen, die jedoch von dem verstärkten Polizeiaufgebot in den meisten Fällen ohne ernstere Zwischenfälle zerstreut werden konnten. Nur am Niederrhein hat es schwere Streikunruhen Die Polizei hat alle Vorkehrungen getroffen, um die Arbeitswilligen zu schützen und jeden Terror zu verhindern. Nach weiteren Berichten mußten sich die Belegschaften auf einzelnen Schachtanlagen gewaltsam Zutritt zu den Zechen verschaffen, da die Zechentore wieder von radikalen Elementen, Arbeitslosen usw. besetzt waren. Teilweise griff die Polizei ein, wobei es an verschiedenen Stellen zu Zusammenstößen kam. * Das Demonstrationsverbot bleibt bestehen. „Der. Polizeipräsident von Bochum hat wegen Gefayrvung ver öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit für den gesamten Bereich des Polizeibezirks Bochum mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres sämtliche Umzüge und Versammlungen unter freiem Himmel verboten. Im Präsidialbezirk Recklinghausen und auch in anderen Polizeibezirken lief mit dem 4. Januar das Verbot öffentlicher Kundgebungen ab. Da das Aufhören des Verbots in der jetzigen Zeit der wilden Streiks leicht zu Störungen der öffentlichen Ordnung führen kann, haben sich die Polizeipräsidenten im nhein=Ruhrbezirk veranlaßt gesehen, über die Verlängerung des Demonstrationsverbotes Beschluß zu sassen. Revierkonferenz in Die Stellung der BergarbeiterVerbände. In Bochum trafen sich etwa 200 Delegierte des Bergbauindustrie=Verbandes, um zur Lage im Ruhrgebiet Stellung zu nehmen. Nach längerer Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der die kommunistischen Putschpläne auf das schärfste verurteilt wurden. Das Verhalten der Vertreter der Verbände bei den Schlichtungsverhandlungen am 29. und 30. Dezember wurde gebilligt. Der von den Zechenbesitzern geforderte Lohnabbau wurde als unsozial und ungerecht bezeichnet, da die Zechen trotz der gesunkenen Kaufkraft des Volkes doch noch erhebliche Kapitalerträge abwerfen. Die Konferenz erwartet daher von allen Kameraden, daß sie sich durch die Kündigungen nicht einschüchtern lassen und keine Verträge zu geringeren Löhnen abschließen. Ferner wurden die kommunistischen Putschpläne und die groben Lügen in der kommunistischen Presse über die Führer des Verbandes verurteilt. Den Führern des Verbandes wurde das Vertrauen ausgesprochen. Es wird erwartet, daß die Kameraden nur den Anweisungen der vier Verbände folgen. gegeben. Vor der Zeche„Niederrhein" in Neukirchen wurden die arbeitswilligen Bergleute in roher und unflätiger Weise von etwa 500 Streikenden belästigt. Die Arbeitswilligen wurden geschlagen und mit Steinen beworfen. Auch riß man ihnen die Kaffeekannen weg. Die Neukirchener Polizei, die zu schwach war, sah sich schließlich gezwungen, Verstärkung von Duisburg anzufordern. Mit Gejohle und Schimpfworten wurde das Polizeiaufgebot empfangen. Da der Aufforderung, den Platz zu räumen, nicht Folge geleistet wurde, machten die Beamten vom Gummiknüppel Gebrauch und trieben die Menge auseinander. Die Polizei ist nach wie vor in Alarmbereitschaft und überwacht jeden Schichtwechsel. Starke Polizeistreifen patrouillieren in der Gemeinde Neukirchen, um die arbeitswilligen Bergleute auf dem Wege zur Zeche zu schützen. Ein Todesopfer. Vor der Zeche„Rheinpreußen" bei Mörs wurde beim Einfahren der Nachtschicht aus der Menge auf die Polizei geschossen. Diese erwiderte das Feuer und es kam zu einem regelrechten Feuergefecht, das mehrere Minuten dauerte. Ein Unbeteiligter, der Bahnarbeiter Hackstein, wurde von mehreren Kugeln getroffen. Um Mitternacht ist er im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen. Wie verlautet, sollen mehrere Personen leichte Verletzungen bei der Schigßerei erlitten haben. dem Hinterhalt erschossen. Schwere Ausschreitungen im Ruhrgebiet. In dem Dortmunder Vorort Mengede haben streikende Kommunisten einen gemeinen Feuerüberfall verübt, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Als sich Arbeitswillige zur Zeche„Hansemann“ begaben, wurden sie aus dem Hinterhalt beschossen. Von zwei Söhnen, die ihren 60 Jahre alten Vater als Schutz zur Zeche begleiteten, wurde einer durch einen Pistolenschuß getötet, der andere erlitt eine schwere Schußverletzung, zwei andere Personen wurden ebenfalls schwer verletzt. Nach diesem Feuerüberfall ergriffen die Verbrecher die Flucht. Zwei Streikende, die die Schüsse abgegeben saben, konnten festgestellt und einer von ihnen versaftet werden. In den anderen Bezirken blieb es im allgemeinen ruhig. Da am Sonntag nur Reparaturen vorgenommen wurden, sind auch nur sehr wenig Arbeiter auf den Zechen beschäftigt. Der Streik im Unveränderte Lage. Nach einer Mitteilung des Bochumer Polizeipräsidenten ist lediglich das nördliche Randgebiet des Ruhrbergbaues von der Streikwelle erfaßt worden. Das Zentrum des Gebietes und der Südrand weisen ganz geringe Streikziffern auf. Die kommunistischen Versuche, mit Gewalt eine Arbeitsniederlegung zu erzwingen, sind bis jetzt in den Gebieten restios gescheitert. Den Anzeichen nach werden die Kommunisten in den nächsten Tagen mit verstärkter Kraft versuchen, eine Arbeitsnjederlegung auf den Zechen zu erzwingen. Die Kommunisten drohen. Am Sonntag tagten ebenfalls in Bochum die Vertreter der revolutionären Gewerkschaftsopposition. Der Hauptreferent erklärte, daß man mit verstärkten. Maßnahmen eingreifen werde, um den Streik auf das ganze Ruhrgebiet auszudehnen. Sollte die Polizei die Zechentore besetzen, so würde man den Kampf in die Kolonien tragen und die Wege mit Kampfschutztruppen besetzen. Man werde auch versuchen, Schiffahrt, Straßenbahn und Eisenbahn zum Streik zu veranlassen. Das Ziel sei die Errichtung eines roten Verbandes und die Verwirklichung der kommunistischen Idee. * Verschärfter Kommunistenterror im Ruhrgebiet angekündigt. Essen, 5. Januar. Die Beschlüsse der Bergarbeiterverbände und der kommunistischen Gewerkschaftsopposition am Sonntag haben eine gewisse Klärung der Lage herbeigeführt. Die Bergarbeiterverbände lehnen erneut die Lohnabbauforderung des Zechenverbandes ab und wandten sich scharf gegen die wilde Streikbewegung der Kommunisten. Die Versammlung der revolutionären Gewerkschaftsopposition zeigte das wahre Ziel der Kommunisten: den Ausbruch eines politischen Massenstreiks, die Schaffung eines roten Einheitsverbandes der Bergarbeiter, Sturz der Regierung Brüning und der„faschistischen Diktatur“. Die Kommunisten wollen in den nächsten Tagen, wenn die Polizei die Zechen zum Schutz der Arbeitswilligen besetzen sollte, die Wege zu den Zechen besetzen und so die Arbeitswilligen am Zugang zu den Zechen verhindern. Demgegenüber hat der Verbandsvorsitzende des Bergbau=Industrie=Arbeiterverbandes die Losung ausgegeben:„Alle Mann Montag wieder zur Arbeit.“ Die neuen Schlichtungsverhandlungen, die in Essen unter Vorsitz von Professor Dr. Brahn stattfinden, werden voraussichtlich am 7. Januar beginnen. Gerüchte von der Ernennung eines Sonderschlichters treffen nicht zu. * Lohnbewegung. Gekündigte Lohntarife. Für die Metallarbeiter des links= und rechtsrheinischen Wirtschaftsgebietes Neuwied=Andernach wurde zum 31. Januar der Lohntarif von den Arbeitgebern gekündigt. Es wurde ein 15prozentiger Abbau der Löhne vorgeschlagen. Dem nunmehr gekündigten Bezirkstarif sind eine größere Anzahl kleinerer und mittlerer Metallbetriebe des Gebietes angeschlossen. Die Tonbergbaugesellschaft in Kruft hat ihren Arbeitern ebenfalls den bestehenden Lohntarif gekündigt. Einigungsvorschlag für Köln. Der Schlichter hat in dem Lohnstreit in der Kölner Metallindustrie den Parteien auf ihren Wunsch einen Einigungsvorschlag unterbreitet, zu dem sich diese bis zum 5. Januar erklären sollen. Die Betriebe laufen einstweilen ohne Störung weiter. Schiedsspruch für das Siegerland. In dem Lohnstreit der Siegerländer Metallindustrie wurde unter dem Vorsitz des Schlichters von Westfalen folgender Schiedsspruch gefällt: 1. Der bisherige Lohntarif wird ab 1. Januar 1931 mit der Maßgabe wieder in Kraft gesetzt, daß der Tariflohn des Fachurbeiters über 24 Jahre 68 Pfennig be2. Die übrigen Sätze der Lohnordnung, ebenso wie die untordgrundlöhne, ändern sich im gleichen Verhältnis. 3. Von den sozialen Zulagen fällt die Verheiratetenzulage fort, während die Kinderzulage bestehen bleibt. 4. Diese Regelung kann mit einmonatiger Frist, erstmalig zum 31. Mai 1931, gekündigt wegder10 Die Erklärungsfrist läuft bis zum 9. JaFür Deutschlands Osten. Eine Kundgebung des Reichskanzlers. Reichskanzler Dr. Brüning hat am Sonntag eins„Reise nach Ostdeutschland angetreten. In seiner Begleitung befinden sich Reichsminister Trevirafür die Osthilfe, ferner ReichsLuther und der Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, und Staatssekrerüger für den erkrankten preußischen Wohlfahrtsminister Hirtsiefer. Die Reise führt zunächst nach in Pommern, dann nach Ostpreuhen und von dort über Schneidemühl nach Oberschlesten. Ueber den Zweck dieser Reise äußerte sich Dr. Bruning folgendermaßen: 13 Fis., Botschaft des Herrn Reichspräsidenten vom den 9. 1930 bezeichnete als wesentliche Aufgaben Keichoregierung die Hilfe für die Landwirtschaft hart bedrängten Gebiete an den Ostgrenzen des 9 Die neue Reichsregierung hat sich bemüht, ihr im Numen des Möglichen gerecht zu werden. Die Maßnahmen, die bisher für Ostpreußen getroffen waren, sollten durch ein umfassendes Osthilfegesetz auf die anderen notleidenden Gebiete an den Ostgrenzen ausge# sie sollten erweitert und organisch gestaltet werven. Leider wurde durch die Auflösung des Reichstags der Erlaß des umfassenden Osthilfe=Gesetzes unmöglich gemacht. Nur die nötigsten und dringendsten Aufgaben konnten durch Notverordnungen des Herrn Reichspräsidenten in Gang gesetzt werden. .. So ist es zu verstehen, daß die Erwartungen, die sich für die Bevölkerung an die Osthilfe knüpften, noch nicht so weit befriedigt werden konnten, wie es der Wille der Reichsregierung war und ist. Der Wille, dort zu helfen, wo die Not am größten ist, ist der Grund für die Bereisung der Ostgrenze durch Mitglieder der Reichsregierung, Vertreter der preußischen Staatsregierung, den Reichsbankpräsidenten und den Generaldirektor der Reichsbahn=Gesellschaft. Trotz der knapp bemessenen Zeit soll versucht werden, möglichst mit allen Bevölkerungskreisen in Berührung zu treten, möglichst alle Wünsche und Ausführungen entgegenzunehmen und so ein umfassendes Gesamtbild der Lage und der Not zu gewinnen. Die Reise soll ein äußeres Zeichen dafür sein, daß der starke Wille der Selbsterhaltung und der Staatsbejahung, der Liebe zur eizenen Scholle und zum Vaterland, der in der Bevölkerung der Ostgebiete lebt, einig ist und gleich gerichtet mit dem Willen der Reichsregierung und des Herrn Reichspräsidenten, die nach wie vor bereit sind, die letzten Kräfte einzusetzen für Deutschlands Osten. Rundschau. — Berlin, den 5. Januar 1931. Der Reichsparteiausschuß der Wirtschaftspartei er###rte am Sonntag in Berlin abermals die Differenzen, dir Führung der Wirtschaftspartei, vor allem zwischen #em Parteijührer Drewitz und dem Abg. Colosser und Dannenberg entstanden sind. Weiter wurde geprüft, was Gade gegen Drewitz gerichteten schweren Vorwürfen tatist nach Hersin Vernigten Staaten, Sackett, zurückgekehrt und hat die Leitung der Botschaft wieder übernommen. * :: Die Reichsinderziffer für die Lebenshaltungs= kosten beläuft sich nach den Feststellungen des Statistischen Reichsamtes für den Durchschnitt des Monats Dezember 1930 auf 141,6 gegenüber 143,5 im Vormonat. Sie ist somit um 1,3 Prozent zurückgegangen. :: Gegen die„Internationale der Gottlosen“. Der Deutsche Evangelische Frauenbund richtet in einer Eingabe an den Reichsminister des Innern die dringende Bitte. eine Niederlassung der„Internationale der Hannelore Gottes Güte schenkte uns ein gesundes Töchterchen. In danbarer Freude: Dastor Konrad Trinius und Frau Herta geb. Schmitz. Langendorf, den 31. Oezember 1930. Dost Mumsdorf, Bez. Halle. Fe ürien-die bis zum 9. Januar, dann beginnt unser Verkauf von Resten, Einzelstücken usw. zu äuberst günstigen Preisen. Opilh, vereinigte Verkaufstellen. Gottlosen“ in Berlin nicht zuzulassen. Mit größter Sorge, so wird in der Eingabe u. a. gesagt, sehen weite, die ewigen Werte religiöser Gedanken und christlicher Wahrheit bejahende Volkskreise auf das Umsichgreifen antichristlicher Hetzarbeit auch in Deutschland. Die Verlegung des Bundessitzes der„Internationale der Gottlosen" nach Deutschland würde den Kampf auf das äußerste verschärfen und den durch Artikel 135 der Reichsverfassung gewährleisteten Schutz der ungestörten Religionsübung auf das schwerste gefährden. Keine Betragensnote mehr. Erlaß des preußischen Unterrichtsministers. Der preußische Unterrichtsminister Dr. Grimme erläßt demnächst an die Provinzialschulkollegien eine Verfügung, wonach künftig die Prädikate über Betragen und Aufmerksamkeit auch in den regelmäßigen Schulzeugnissen in Fortfall kommen sollen, während sie bis jetzt nur in den Zensuren über die bestandene Schluß= und Reifeprüfung beseitigt waren. Der Ernst der Erziehung und die Strenge der Forderung, die sich in diesen Urteilen aussprechen, sollen aber— so heißt es weiter in dem Erlaß— damit nicht beseitigt werden, sondern in einer Weise gesteigert werden, die den Ergebnissen der Jugendkunde besser Rechnung trägt. Weder die Eltern, noch die Schüler sollen erst durch das Zeugnis erfahren, daß sich in der Entwicklung des Schülers Hemmungen, Störungen oder Gefahren gezeigt haben. Die Beratung des Schülers und die Mitteilung an die Eltern müssen sofort geschehen, und zwar nicht in einer kahlen Formel, sondern in einer eingehenden Darlegung des Beobachters. Um die Eltern und Schüler beraten zu können, werden in Zukunft mindestens zwei Klassenkonferenzen im Jahre unabhängig von den Zensurenkonferenzen abgehalten, um„über die geistige und körperliche Entwicklung der Schüler, über ihre häuslichen Verhältnisse, ihr Verhalten innerhalb und außerhalb der Schule, ihre Stellung in der Klassengemeinschaft, über ihre Arbeitsweise im Arbeitsunterricht, in der Gruppenarbeit und in der häuslichen Arbeit, über ihre besonderen Neigungen und Begabungen, über ihr Verhalten bei Spiel und Wanderungen oder im Landheim usf. sich auszusprechen.“ Gegebenenfalls soll von den Ergebnissen dieser Konferenzen Schülern und Eltern Mitteilung gemacht werden. Sternhimmel im Januar. Beobachtungszeit im Januar etwa 21 Uhr, rden: Der Große Wagen steht in aufrechter Stellung, links von ihm der Kleine Bär und auf den Horizont zu der hellste Teil des Drachen, der Drachen kopf; tief im Nordwesten der helle Stern Wega in der Leier.„ 5 * ∆ 35 Rundschau im Auslande. greß, dek: London urde der erste internationale Konschaft verausig schen Universitäts=VölkerbundsgesellMalt und"#uitet wird, eröffnet. 500 Studenten aus aller Srau#n## anwesend. Fast 50 Prozent der Teilnehmer sind Ersten Sestskars Hoover kündigte den Rücktritt seines a der des%## Leorge Akersons, an, dessen Stellung #e des Chefs ver Reichskanzlei entspricht. Der Nachfolger ist noch nicht bestimmt, jedoch wird der bei den Wahlen im November nicht wiedergewählte frühere Senator Henry I. Allen, ein persönlicher Freund des Präsidenten, viel genannt. * Weniselos in Wien. ..*„Der griechische Ministerpräsident Weniselos und seine Gemaylin sind in Wien eingetroffen. Zum Empfang auf dem Westbahnhof hatten sich der Vizekanzler und Außenminister Dr. Schober mit seinen Beamten und in Vertretung des Bundespräsidenten Kabinettsdirektor Löwenthal eingefunden. Auch die griechische Gesandtschaft und die griechische Kolonie waren vertreten und begrüßten Weniselos und seine Gemahlin. Die Londoner„Konferenz am Runden Tisch“. * Der Unterausschuß der Indienkonferenz, dem die Beratung des Problems einer föderativen Gliederung obdie Erörterung über die Form der Zentralexekutive, die unter der neuen indischen Verfassung eingerichtet werden soll. Dieses Problem ist insofern eines der bedeutungsvollsten, als es mit der Forderung nach dem eng verknüpft ist. Der Lordkanzler eröffnete die Verhandlungen mit der Erklärung: Ich hoffe und glaube, daß, wenn Hindus und Mohammedaner das darin zu setzen, sehen, sie bereit sein werden, zusammen Prinzessin Luise Tagmar F. London, 5. Januar. Prinzessin Luise Viktor Alexander Dagmar, die Prinzessin Royal von Großbritannien und Irland, ist gestorben; sie war die älteste Schwester König Georg V. Haustochter nicht unter 20 Jahren, schlicht um schlicht, sofort gesucht. Frau Professor Schüle, Essen, Christophstraße 13. gleicht die Fehler der heutigen Ernährung aus, überbrückt die Kluft zwischen Rohkost und Feinkost, Naturnahrung und Kulturnahrung. Auch Sie sollten sich durch einen Versuch überzeugen. Eviunis-Margarine-Gesellschaft m. b. H. Lippinshausen bei Heriord Zu haben In allen Ophir-Geschäften. Für sofort ein gläubiges, nicht zu junges Vienstmadchen das schon Kenntnisse im Haushalt hat, gesucht. Familienanschluß im Arzthaushalt. Angebote an die Geschäftsst. d. Bl. unt. A 1010 Südamerik. Maté Paraquaytee Preis:.80 Mk. per 1 Pfd. franko, excl. Nachnahme. Gustav Gichl& Sohn Sangerhausen Hindenburgstraße Unser Tee ist zum gl. Preise auch in Ophir erhältlich. 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In und an der Milchstraße die Zwillinge mit den Sternen Kastor und Pollux, darunter der Kleine Hund mit Prokyon, rechts unterhalb des letzteren, auf der rechten Seite der Milchstraße der hellste Fixstern, Sirius im Großen Hunde. der Nähe des Zenits Fuhrmann mit Kapella und der Perseus, beide in der Milchstraße. Links vom Meridian, hoch am Himmel Stier mit Aldebaran und den Sternhaufen Hyaden und Plejaden, darunter Orion mit den Sternen erster Größe Beteigeuze und Rigel. Ueber dem Südpunkt das Bild des Eridanus. Westen: Im Südwesten der Walfisch, im Westen Pegasus und Andromeda. In der Milchstraße Kassiopeia, im Nordwesten untergehend der Schwan mit Planeten: Merkur wird Mitte des Monats am Morgenhimmel sichtbar. Die Dauer seiner Sicht## a am 21. und 22. über 20 Minuten. Ende der Monats nur noch sieben Minuten. Venus glänzt als Morgenstern; zunächst leuchtet sie über drei Stunden, Ende Januar nur noch zweieinhalb Stunden. Mars läuft im Sternbild des Krebses, geht bei Monatsbeginn um 18¾ Uhr auf und kann von Mitte Januar an die ganze Nacht über beobachtet werden. aa mittlerer Abstand von der Sonne beläuft sich auf Zu7 Mittionen Kilometer. Jupiter ist die ganze hindurch sichtbar. Er bewegt sich im Sternbild der Zwillinge und hat einen mittleren Sonnenabstand von 775 Millionen Kilometern. Saturn bleibt unseren Augen verborgen. Mond: Am 4. Vollmond, am 11. letztes Viertel, am 18. Neumond und am 27. erstes Viertel. Sonne: Aufgang am 1.(Berlin) etwa um 8¼ Uhr, Untergang 4 Uhr, Aufgang am 16. um.10 Uhr. Untergang etwa 16.20 Uhr. Die Sonne steigt im Laufe des Januar zur Mittagszeit um 11 Sonnenbreiten am Himmel empor. Für Mitteleuropa findet man für jeden Ort den Auf= und Untergang der Sonne in„Wann geht die Sonne auf und unter?“ Verlag Dümmler, Berlin und Bonn. Empfehlenswerte Zeitschriften:„Das Weltall“, Verlag Berlin=Treptow;„Die Himmelswelt", Verlag Dümmler, Berlin und Bonn. — Unsere Verkaufsräume bleiben wegen Aufnahme am 7. und 8. Januar geschlossen. Wir bitten unsere verehrte Kundschaft, die Aufträge so früh hereinzugeben, daß diese bis zum Dienstag(6 Januar erledigt werden können. Ophir. Anzeigen aus Bethel. — Trockenes, Anmacheholz hat abzugeben Haus Morija. Gebündelt je Bündel 10 Pfg., lose in Säcken etwa 1 Zentner.— RM. Lieferung frei ins Haus. Größere Posten billiger nach Uebereinkunft. Deute nachmittag um ¾4 nahm Gott unsere geliebte Mutter *..s. geb. Groth zu sich in sein Reich. In tiefer Trauer: Anna, Erna, Maria Bethel, den 3. Januar 1931 Gleiß Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 7. Januar nachm. 3 Uhr, von der Zionskirche aus statt. Wiesbaden Evangelisches Hospiz Oranien, Oranienstr. 53. Zimmer mit und ohne Verpfleg., 5 Min. vom Bahnhof. Mäßige Preise.