Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und (86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Küre aiussand unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. K mit den Beilagen„Für Herz und Ssster und güoler Riel“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 290. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 11. Dezember 1930. 12. Jahrgang. Geh's, wie's geh! nur nicht im Hafen liegen und schlafen... sei es bei Glück, sei es bei Weh! Leben ist nur auf offener See! Caesar Flaischlen. Milhiiih Umschau. Die„veredelte", Notverordnung.— Uebersteigerte Zinslasten.— Polen macht Stimmung in Genf.— Regierungskrise in Paris.— Der Polenterror geht weiter.— Stimmen der Vernunft.— Brüning„hat's geschafft“. Seine„veredelte“ Notverordnung hat die letzten parlamentarischen Klippen hinter sich. Gestützt auf die Sozialdemokraten und die Mittelparteien hat die Regierung Brüning einen Abstimmungssieg davongetragen, der jedoch auch von den Freunden Brünings nicht mit ungemischter Freude empfunden wird, da dieser„Sieg“ dem Sinn der letzten Reichstagswahlen schnurstracks zuwiderläuft. Prophezeiungen in der Politik sind immer ein undankbares Geschäft; aber wir glauben doch die Vermutung aussprechen zu dürfen, daß der„Sieg“ Brünings sehr bald den extremen Flügelparteien neue Wählermassen zuführen wird, wenn es der Regierung nicht gelingt, unserer Wirtschafts= und Sozialkrise in erheblicher Weise Herr zu werden. Ob aber die neue Notverordnung— auch in ihrer„veredelten“ Form— die stillstehenden Räder und die Millionen brach liegender Arme und Gehirne wieder in den lebendigen Rhythmus einer gesunden Volkswirtschaft einzufügen weiß, das ist doch zumindest sehr zweifelhaft. Ja, man wird den Verdacht nicht los, als ob das sicherlich gute Wollen unserer Reichsregierung schließlich auf nichts anderes hinausläuft, als die Verzinsung der die Wirtschaft so schwer drückenden Bankschulden sowie die Zahlung unserer Tributlasten noch einmal sicherzustellen. Denn wo bleibt sonst der Differenzbetrag zwischen der Senkung der Löhne(bezw. der Gehälter) und der Senkung der Preise?— Während nämlich eine allgemeine Lohn= und Gehaltssenkung von durchschnittlich mindestens 10 Prozent im Zuge ist, beträgt die entsprechende durchschnittliche Senkung der Lebenshaltungskosten ganze 3,5 Prozent. Und dies, obwohl das besonders Erschütternde unserer gegenwärtigen Wirtschaftsund Sozialkrise ja gerade dorin besteht, daß Millionen und aber Millionen unserer deutschen Volksgenossen dem Hunger und der Kälte preisgegeben sind, obwohl die Warenlager mit Bedarfsgütern aller Art zum Bersten vollgepfropft sind! In Krisenzeiten solcher Art ist es noch immer so gewesen, daß zuerst die Preise fielen und dann die Löhne langsam nachfolgten, während heute die Löhne und Gehälter in ein noch ungesunderes Mißverhaltnis zu unserem gewaltig überhöhten Preisstande hinobgedrückt werden, als wie wir es ohnehin schon zu beklogen hatten. Aber selbst wenn die Preise in demselben Verhältnis gesenkt würden wie die Löhne und Gehälter, ware das sozialpolitisch bedeutungslos, da ja hiermit eine Hebung der Massenkaufkraft nicht im geringsten verbunden wäre. Es würde eben die Ware K, die gestern mit einem Stundenlohn von beispielsweise RM 1,— bezahlt werden mußte, bei einer gleichmäßigen Senkung von Lohn und Preis um 10 Prozent heute eben den neuen Stundenlohn von RM—.90 kosten. Also praktisch verselbe Tatbestand wie gestern. Die alleinigen Nutznieder wären auch in diesem Falle lediglich die großen Geldbesitzer, Banken und dergleichen, deren Guthaben ganz selbstverständlich in dem gleichen Maße kaufkräftiger werden, wie der allgemeine Lohn= und Preisstand zurückfällt. Nach alledem wäre ein allgemeiner und gerade auch von der Reichsregierung entschlossen durchgeführter Vor1106 gegen die übersteigerten Zinslasten und gegen den wversetzten Zwischenhandel zweifellos viel zweckdienicher gewesen, als der Druck auf die Löhne und Gehälder bei den mehr als mangelhaften Ergebnissen der eleissenkungsaktion eine weitere verhängnisvolle Kaufnraftschwächung und somit alles andere als ein taugsches Mittel zur Behebung unserer Wirtschafts= und Soommtkrise bedeutet. Inzwischen schimpft der Verbraucher u den Kleinhändler, der Großhändler auf den ErzeuEer; aber von den maßlos hohen Zinsen und ZwischenAuldelsspannen spricht kein Mensch, obwohl gerade sie 2 sind, die den Kleinhändler, den Erzeuger wie den VerTtelicher in gleicher Weise niederdrücken. Der Zentner Kartoffeln, für den der mecklenburgische Bauer zum Teil nur 70 bis 80 Pfennig zu erzielen vermochte, wurde auf den städtischen Märkten zu RM 3,50, ja RM 4,— und mehr abgesetzt. Die Glühbirne, die wir mit RM 1,25 bis 1,50 bezahlen müssen, wird hergestellt für ganze 10 Pfennige. Und wer seiner Frau zu Weihnachten einen Staubsauger zu RM 165,— bis 200,— zu schenken sich entschlossen hat(wohl dem, der's kann!), der mag sich die Freude an seinem Geschenk schenk nicht dadurch verderben lassen, daß der durchschnittliche Herstellungspreis dieses Staubsaugers nur RM 45,— beträgt. Und wer gar im mehr oder weniger glücklichen Besitz eines Grammophons ist, der möge die neue Weihnachtsschallplatte zu RM 5,— ruhig im Glanze der Weihnachtskerzen erklingen lassen, ohne sich die Feierstimmung dadurch zu verderben, daß diese Schallplatte für ganze 50 Pfg. hergestellt wird. Doch das nur nebenbei, und zum Beweise dessen, daß in unserer deutschen Volkswirtschaft noch mancherlei im Interesse des Allgemeinwohls zu tun dringend vonnöten ist, ohne daß dabei immer nur die Einkommensverhältnisse der breiten Massen herzuhalten brauchen. Und gerade eine solche Tat, die sowohl von dem Verbraucher, wie von dem Erzeuger und dem gesunden Handel mit gleichem Beifall ausgenommen werden würde, vermissen wir bei dem„Sanierungs=Programm“ der Reichsregierung. Hoffentlich holt Brüning praktisch um so eifriger nach, was in seinem offiziellen Programm bis dahin einen formellen Niederschlag noch nicht gefunden hat. Nur so wird er sich die Sympathien des deutschen Volkes sichern können, auf die er nicht verzichten kann, wenn seine Regierung den schweren außenpolitischen Aufgaben, die ihr zur Zeit gestellt sind, gerecht werden will. Allerdings die Art, mit der Dr. Curtius die Politik der Wilhelmstraße in seiner letzten Reichstagsrede zu verteidigen suchte, stimmt in dieser Beziehung wenig hoffnungsfroh. Während unser verantwortlicher Außenminister mit sehr wenig stichhaltigen Argumenten einer großen außenpolitischen Aussprache vor dem Reichstag aus dem Wege ging und eine solche Aussprache vor Februar 1931 als„inopportun“ bezeichnete, arbeitet Polen mit allem Eifer, um die deutsche Beschwerde wegen des polnischen Terrors in Oberschlesien beim Völkerbund von vornherein unwirksam zu machen. Auf diese Weise ist ganz offenbor die täglich erscheinende Presseübersicht des Völkerbundssekretariates bereits stark unter den Einfluß polnischer Stimmungsmache geraten. Denn es werden hier in ganz einseitiger Weise die wüstesten polnischen„Pressestimmen“ kommentarlos zum Abdruck gebracht, so z. B. daß der deutsche Stahlhelm einen Angriff gegen das„friedliche“ Polen plane, daß Deutschland eine Armee von 100000 Arbeitslosen an der polnischen Grenze zu Kriegszwecken ansammeln wolle und dadurch natürlich eine Kriegsstimmung unter den Polen hervorgerufen würde, für deren Auswirkungen Warschau jede Verantwortung ablehnen müsse, und was dergleichen Hetzereien noch mehr sind. Verantwortlich für diese deutschfeindlichen Genfer Presseübersichten ist der frinzösische Direktor der Informationsabteilung des Völkerbundssekretariates— Comert—, womit alles gesagt ist. was auch über dieses traurige Kapitel der Genfer„Völkerbunds"arbeit anzumerken wäre. Und wer da etma der Meinung ist, daß der Sturz Tardieus irgendeine Erleichterung für das deutsch=französische Verhältnis bedeute, der täuscht sich gewaltig. Für Deutschland ist es ziemlich bedeutungslos, wer als neuer Ministerpräsident aus der französischen Regierungskrise hervorgeht.### Laval, ob Barthou oder Poincaré letztgültig die Zügel ergreift— sie alle wollen den Frieden, wie ihn auch Briand und jeder Franzose will:— den Frieden nämlich von Versailles! Nicht den Frieden der Gerechtigkeit und der Menschlichkeit, sondern den Frieden der Gewalt und des Barbarentums! Alle Beweise eines ehrlichen Friedenswillens, die Deutschland in den Nachkriegsjahren gebracht hat, sind fruchtlos und ohne Einfluß auf die deutschseindliche Einstellung Frankreichs und Polens geblieben. Mit schmerzlicher Wehmut liest man heute die Zeilen, die unser greiser Hindenburg an den verflossenen Reichskanzler Müller richtete, als er schweren Herzens das deutsch=polnische Liquidationsabkommen, das ein deutsches Geschenk an die Polen in Höhe von.5 Milliarden bedeutete, unterzeichnet hatte.„Das Liquidationsabkömmen“— schrieb Hindenburg—„hat in erster Linie zum Ziel, die deutschen Stammesgenossen jenseits unserer Grenzen auf ihrer Scholle und in ihrer Existenz zu erhalten. Ich will hoffen, daß dieses Ziel durch den neuen Vertrag voll erreicht wird!“— Vergebliches Hoffen! Kaum jemals haben die Polen derart brutal und niederträchtig gegen die wehrlosen Deutschen auf polnischem Boden gewütet, wie acht Monate, nachdem das unverständlichste aller deutschen Nachkriegsabkommen unterzeichnet war. Und nichts scheint uns berechtigter als die Forderung nach Widerruf dieses Abkommens, auch wenn unser Außenminister Dr. Curtius diese inzwischen mit großer Mehrheit im Auswärtigen Ausschuß angenommene Forderung als noch so„wahnwitzig“ bezeichnet. Von besonderer Bedeutung scheint uns noch zu sein, daß sich im Laufe der letzten Woche auch Owen Young für eine weitgehende Revision seines eigenen„Planes“ ausgesprochen hat, wobei indes zu bedauern bleibt, daß auch die eifrigsten Befürworter einer Tributrevision nach wie vor der Kriegsschuldlüge weit aus dem Wege gehen. Um so erfreulicher ist es, daß ein ehemaliger Hauptmann des englischen Generalstabes— Mr. Vivian Stranders — den Mut fand, das Märchen von der deutschen Kriegsschuld damit abzutun, daß er als die wichtigste Ursache des Weltkrieges den Hunger Englands nach den deutschen Kolonien und die Furcht seines Vaterlandes vor der wachsenden deutschen Kriegsflotte bezeichnele. Der Youngplan aber sei die größte Erpressung, die je die Weltgeschichte gesehen habe. Deutschland und England, die beiden germanischen Stämme, seien eine Einheit, und diese Einheit könnte die Welt beherrschen und den Frieden garantieren. Deutschland müsse sich auf sich selbst besinnen und wieder aus der politischen Zerrissenheit herauskommen, da es anders keinen Bundesgenossen an England finden werde. Freilich, ein Deutschland, in welchem die Aufführung des Hetzfilmes„Im Westen nichts Neues“ amtlich verteidigt wird, braucht sich nicht zu wundern, wenn es um seine Bündnisfähigkeit so überaus kläglich bestellt ist. — 6 Um das Arbeitsdienstjahr. Von Bürgermeister Bleicken, Cuxhaven. In den letzten Jahren und besonders im laufe#####n Jahre nehmen die Erörterungen über die Einführung eines Arbeitsdienstjahres in der Oeffentlichkeit einen wachsenden Raum ein. Dies hat seinen Hauptgrund wohl in der ungeheueren und gefahrdrohenden Zunahme der Arbeitslosigkeit, die auf die Jüngeren noch entsittlichender wirken dürfte als auf Altere. In neuester Zeit kommt hinzu, daß die Reichsregierung in ihren großen Arbeitsprogrammen vorgesehen hat, für die Ostgebiete eine beschränkte Arbeitsdienstpflicht einzuführen. Diese Tatsache wird die Parteien des Reichstages nötigen, in kürzerer Zeit zu dem Prohlem Stellung zu nehmen. Tamit kommt es aus dem Zustand allgemeiner Erörterungen heraus. Und das ist außerordentlich zu begrüßen. Zuerst wird die Frage zu beantworten sein, ob überhaupt ein Arbeitsdienst eingeführt werden soll Die Antwort wird aber im Wesentlichen von der Entscheidung darüber abhängen, ob die Ableistung des Dienstjahres auf einem allgemeinen gesetzlichen Zwang beruhen soll, verwandt der früheren allg. Militärpflicht, oder auf Freiwilligkeit. Der Verfasser des Aufsatzes„Die Arbeitsdienstpflicht“ in Nr. 271 ds. Blattes tritt für die ersterwähnte Form ein. Dagegen ergab eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft für neuzeitliche Siedelung in Berlin am 9. November, daß sämtliche Redner eine gesetzliche Arbeitsdienstpflicht jedenfalls vorläufig für nicht durchführbar erklärten. Hierzu gehörl auch der in dem erwähnten Aufsatz genannte Professor Schöpke. Den gleichen grundsätzlichen Standpunkt habe ich in meinem für diese Tagung in der Zeitschrift einer Arbeitsgemeinschaft veröffentlichten Entwurf eines Gesetzes über ein freiwilliges Dienstjahr eingenommen. Das Ergebnis der Tagung war denn auch, daß die Freiwilligkeit der Dienstleistung die Grundlage aller weiteren Maßnahmen, insbesondere der gesetzgeberischen, bilden müsse. In der allgemeinen Begründung zu meinem Entwurf habe ich bemerkt, der Zwang müßte alljährlich Hunderttausende andere rechnen schon mit mehr als einer Million— junger Männer zur gleichen Zeit dienstpflichtig machen(das Frauendienstjahr soll hier unerörtert bleiben), deshalb müßten das Reich oder Länder für sie entsprechende Unterkunft und, was noch schwieriger wäre, für alle Pflichtigen genügend geeignete Arbeitsmöglichkeiten schaffen. Endlich müsse man mit einem starken aktiven oder passiven Widerstand großer Teile Pflichtiger rechnen, besonders soweit sie aus größeren Städten oder Industriegebieten stammten. Wie wollte man diesen brechen? Mit Strafen? Welcher Art? Durch Einstellung unzähliger Aufseher? Aber selbst wenn dieser Widerstand mit Gewalt gebrochen würde, was würde der Arbeits erfolg im Verhältnis zu den aufgewandten Mitteln sein? Nimmt man die Freiwilligkeit zur Grundlage, dann sallen alle die grundsätzlichen Bedenken und Widerstände fort, über die der mehrerwähnte Aufsatz in Nr. 271 berichtet. Allerdings wird, besonders von der Handarbeierschaft noch eingewendet, daß die Arbeitsdienstpflicht dazu führen könne, mit billigen Arbeitskräften den üblichen Lohn der Arbeiter zu drücken, oder gar die auf Lohn angewiesenen Arbeiter aus der Arbeit zu verdrängen. Demgegenüber muß mit aller Deutlichkeit klargestellt werden, daß ein Arbeitsdienst nur dazu bestimmt sein soll, solche Aufgaben zu erfüllen, die öffentlichen Belangen, insbesondere der Vermehrung landwirtschaftlicher Siedelungsflächen, der Verbesserung von Verkehrszuständen und dergleichen dienen, aber bei Zahlung ortsüblicher Löhne aus Mangel an Mitteln unterbleiben müßten. Man kann hier auch von Vorbereitungsarbeiten für die innere Kolonisation, für die Schaffung von Gelegenheiten zu neuer Lohnarbeit sprechen. Wie aber will man die dafür nötigen freiwilligen Kräfte gewinnen? An sich würden wohl gerade die wertvollsten Teile der arbeitslosen Jugend am stärksten den Wunsch haben, sich zum Arbeitsdienst zu melden, um aus dem Elend öffentlicher, ohne Gegenleistung empfangener Unterstützung herauszukommen und in geregelte Arbeit überzutreten. Aber sie müßten bei der Uebernahme eines Arbeitsdienstjahres damit rechnen, daß innerhalb dieses Jahres Stellen in dem öffentlichen Dienst oder in der Privatwirtschaft, auf die sie sonst gerade wegen ihrer besseren Fähigkeiten besonders rechnen könnten, frei und von anderen besetzt würden. Deshalb sieht mein Entwurf in Anlehnung an die Rechte der Militärversorgungsanwärter gesetzliche Vorzugsrechte nach befriedigender Ableistung des Arbeitsdienstjahres für den Eintritt in öffentliche Dienste oder privatwirtschaftliche Betriebe vor. Nach Ableistung von mindestens zwei Dienstjahren soll den Entlassenen außerdem ein Vorzugsrecht bei der Anweisung landwirtschaftlicher Siedelungsstellen eingeräumt werden. Für weitere Einzelheiten muß ich hier auf Nr. 21 der„Räder“, der Zeitschrift der technischen Nothilfe, verweisen, worin er auch veröffentlicht ist. Bei Freiwilligkeit des Arbeitsdienstjahres fallen auch die gegen eine allgemeine Dienstpflicht erhobenen wirtschaftlichen und praktischen Bedenken weg. Denn die zu ständigen öffentlichen Stellen könnten die Zahl der ein zustellenden Freiwilligen nach dem Umsang der jeweilig möglichen Arbeit und den verfügbaren Geldmitteln be messen. Sind so alle wesentlichen Bedenken der erörterten Art weggeräumt, dann wird man damit rechnen dürfen, daß auch diejenigen politischen Parteien und Gruppen die sich entschieden gegen eine allgemeine gesetzliche Arbeitsdienstpflicht wehren, nicht grundsätzlich sich der Einführung eines freiwilligen Arbeitsdienstjahres widersetzen werden. Andererseits gewinnt in Kreisen, die früher für eine gesetzliche Arbeitsdienstpflicht eintraten, die Ansicht mehr und mehr an Stärke, daß jedenfalls vorerst Freiwilligkeit vorzusehen sei. Dies gilt insbesondere vom Jungdeutschen Orden, den ja der Aufsatz in Nr. 271 auch erwähnt.„„..n Burch So scheint der Weg zur prantischen Turchführung eines Arbeitsdienstjahres frei zu werden. zu machen über die Arbeitsverdiensthöhe der Arbeiter in der Zigarrenindustrie, wie sie im wesentlichen gegenwärtig gegeben ist. Es stellt sich dabei heraus, daß auch heute noch die Zigarrenindustrie mit zu einer derjenigen Industrieen gehört, wo die Arbeitsverdiensthöhe mit auf der unteren Linie des Lohnniveaus in der deutschen Indtstrie legt.... ucht sich.st 92 Die Erhebung des Vervandes erstrect jich auf 93 Orte mit 143 Betrieben. Es wurden insgesamt 3488 brauchbare Fragebogen adgeliefert. Sie verteilen sich auf 605 männliche und 2883 weibliche Arbeiter. Das Resultat dieser Erhebung war, daß insgesamt ein Durchschnittsverdienst pro Arbeitsstunde von 40.8 Pfennig erreicht wurde. Dabei verschiebt sich dieses Bild noch, wenn man die einzelnen Sparten der Arbeiterschaft berücksichtigt. So betrug der durchschnittliche Arbeitsverdienst pro Arbeitsstunde bei Rollern 43.2 Pfennig, Wichermachern 36.1 Pfennig, Zurichter 31.9 Pfennig. Sortierer 50.6 Pfennig, Kistenmacher 45.5 Psennig, Tagelöhner 42.4 Pfennig. Hierbei ist zu beachten, daß es sich nicht um Zeitlohnarbeit, sondern um Akkordlohnarbeit h delt. Das läßt die Arbeitsverdiensthöhe in einem noch ungünstigeren Licht erscheinen. Unter Zugrundelegung des durchschnittlichen Stundenverdienstes ergibt sich bei einem Arbeiter, der in der Arbeitswoche seine 48 Stunden vollbeschäftigt ist, ein durchschnittlicher Wochenverdienst von 19.58 Mark. Bei den einzelnen Sparten ergibt sich folgendes Bild: Roller 20.74., Sortierer 24.29 Mark, Kistenmacher 21.84., Tagelöhner 20.35 Mark. Wenn man diese Durchschnittswochenverdienste, die von einem großen Teil der Arbeiterschaft infolge Kurzarbeit noch nicht einmal erreicht werden, in Verhältnis stellt zu den Kosten des Lebensaufwandes, dann erkennt man die höchst ungünstige Lage der Arbeiterschaft in der Zigarrenindustrie. Man muß aber auch dann erkennen, daß unbedingt Maßnahmen getroffen werden müssen, um hier eine Besserung herbeizuführen. Möglich wird dieses u. a. aber nur dadurch sein, indem die Arbeiterschaft sich in noch viel stärkerem Maße ihrer gewerkschaftlichen Standesorganisation anschließt, um mit dem Mittel der Selbsthilfe notwendige Verbesserungen durchführen zu können. Für die christlich=national eingestellten Arbeiter und Arbeiterinnen in der Zigarrenindustrie bildet der Zentralverband christlicher Tabakarbeiter Deutschlands die in Frage kommende gewerkschaftliche Standesorganisation. Ein restloser Beitritt zu ihm liegt deshalb im Interesse der Arbeiterschaft selbst. mögen, gern entraten, wie man das bei unseren selbst, sicheren deutschen Behördenmenschen so häufig findet Ob es nicht trotzdem möglich ist, durchzusetzen, daß diese Out=sider zu Gehör und zur Betätigung kommen Vielleicht, indem erst mal Männer wie Schöpke, Bonne Damaschke zusammentreten, gemeinsam ein klares Programm ausarbeiten und dann, bereit zu völligster Verantwortlichkeit, getragen von den immerhin gewichtigen Gruppen ihrer zahllosen Anhänger, sich den Verantwort. lichen gemeinschaftlich zwecks Mitarbeit persönlich zur Verfügung stellen, wobei selbstverständlich allerlei andere an sich höchst wichtige, aber für diesen Zusammenhang be, langlose Fragen strikt ausschalten und nur der im Augenblick tatsächlich alles andere überragende Hauptpunkt, die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit, zu behandeln wäre, dieser Hauptpunkt, der bisher von niemand so gründlich und sachkundig, so umfassend und hoffnungs, voll behandelt ist wie von Schöpke. Alles andere ist und bleibt daneben Flick= und Stückwerk, manches lediglich geradezu Deklamation, ohne daß die Bedeutung der Schöpkeschen Gedanken und der Schöpkeschen Praxis im einzelnen nochmals aufgezeigt werden soll. Wie kommt es nur, daß solch einMann nicht zur Auswirkung gelangen, nicht in Stellung gebracht werden kann?? Interessant wäre es, in öffentlichem Bericht zu erfahren, wie eine solche Deputation bei den Verantwortlichen gefahren, ob man sie überhaupt gehört und mit welcher Begründung man sie fortgeschickt und fraglich kann erscheinen, ob es nicht mit allen Bemühungen dieser Art schon zu spät geworden, als daß man noch auf irgendwelchen Erfolg hoffen dürfte. Immerhin, wer kann sich schon damit abfinden, mit Kind und Kegel zusamt der ganzen Volksgemeinschaft hoffnungslos dem Zerfall ausgeliefert zu sein? Obwohl es zur Zeit noch viele, allzu viele gibt, die diese Lage der Dinge nicht erkennen und noch wenig davon spüren. Täglich sollte darum, die ganze Gesamtheit unseres Volkes an unsere größte Gegenwartsnot zu erinnern und uns zum Sinnen und Handeln zu wecken, in allen deut. schen Blättern an gleicher Stelle mit großen Buchstaben derselbe aufrüttelnde Satz uns vor Augen treten, etwa in folgender Form: Die Arbeitslosennot verschlingt auch Dich und Deine Kinder!!!, wenn du nicht mithilfst, diese Rot zu meitern.„., T. rnehach f. Gunck Ernst Friche, Scharllebenn v. Luneburg. c Die Ueberwindung der Arbeitslosigkeit. Eine Lohnerhebung des Zentralverbandes christlicher Tabakarbeiter Deutschlands. Wie in früheren Jahren hat der Zentralverband christlicher Tabakarbeiter Deutschlands auch in diesem Jahre unter seinen Mitgliedern eine Lohnerhebung veranstaltet. Dadurch ist es möglich geworden, sich ein Bild Ob diese Ueberwindung noch gelingen wird? Ob der rechte Augenblick, nach Anbruch des begonnenen Winters, nicht schon verpaßt ist? Daß selbst die besten Vorschläge, wie Leitz sie in seinem ausführlichen Artikel zusammenstellt, durchgreifende Hilfe nicht mehr brin gen werden? Gewundert hat mich, daß Leitz neben Bonne. Da maschke, Berthold Otto gerade bei der Behandlung der surchtbaren Arbeitslosennot, bei seinen Vorschlägen zu ihrer Behebung nicht vor allem auch Schöpke nennt, der in diesem Zusammenhang ganz unbedingt in allererster Stelle zu nennen ist. Ob solch ein Mann, wie auch die von Leitz genannten, von den Verantwortlichen schon jemals zugezogen worden ist? Oder ob diese Verantwortlichen, obwohl sie doch ganz offensichtlich völlig unzureichend sind mit all ihren Halbheiten, sich mal wieder selbst genügen und irgendLandgemeindetag welcher Out=sider, so sachkundig und fähig diese auch sein Zusammentritt am 12. Dezember in Köln. Vorstand und Hauptausschuß des Preußischen Landgemeindetages West treten am 12. und 13. Dezember im Rathaus zu Köln zu einer Sitzung zusammen. Im Mittelpunkt der Erörterung steht u. a. der Finanz= und Wirtschaftsplan der Reichsregierung bzw. die durch die Notverordnung geschaffene Lage in ihrer Bedeutung für die westlichen Landgemeinden: des weiteren wird das Problem der Wohlfahrtserwerbslosen= und Krisenfürsorge sowie die Frage der Verlängerung der Schulpflicht Gegenstand der Verhandlung bilden. Wie weiter mitgeteilt wird, hat der Preußische Landgemeindetag West sich mit einer Eingabe an den Preußischen Staatsrat gegen die geplante Beschränkung des Polizeiverordnungsrechts ausgesprochen und den Antrag gestellt, daß auch den Ortspolizeibehörden in Aemtern mit weniger als 10 000 Einwohnern das Polizeiverordnungsrecht belassen bleibt. * Aus Anlaß des 100. Todestages des südamerikanischen Freiheitskämpfers Bolivar wird in Caracos Standbild enthüllt. Die Regierung der Vereinigten Staaten entsandte zu der Feier eine Sonderabordnung. Lug ins Buch. Zum Augsburger Jubiläum die Erinnerung, daß Schieder ein sehr lebendiges und farbiges Bild der Augustanatage 1530 im Geschick der Stadt verwoben gezeichnet hat in„für Glauben und Freiheit“(Evang. Preßverband,.— Mk.) Bunte historische Skizzen. Sachlich und theologisch der bedeutsamste literarische Ertrag ist L. Fendt:„Der Wille der Reformation im Augsburgischen Bekenntnis.“(Wallmann, L..50 Mk.) Schon die ganz mederne Uebersetzung rechtfertigt ein besonderes Lob. Noch viel mehr jedoch die vorzügliche Einführung in den Sinn der Artikel. Dabei durchaus lebensnah in der Fragestellung von heute. Bedeutsam aus dem gleichen Verlag stellt sich erwesentlich zur Prägung der öffentlichen Meinung beiträgt, ist erst kürzlich erschienen in Knevels„Das moderne Drama“(Wollermann, 6,—). Es ist eine Darstellung und Deutung und Wertung des Gesichtes unserer Zeit, das durch das Drama hervorschaut, wie man sie besonnener, eindringlicher und hilfreicher in Absage wie Gefolgschaft nicht erwarten kann. Ob seines weiteste Kreise interessierenden Zirkelschlages wird gerade dieses Buch seinen besondern Weg gehen, ähnlich der Sammlung religiöser Lyrik durch den gleichen Verfasser vor zwei Jahren. Sehr begrüßen ist eine Vortragssammlung, gänzend zur Seite „Die Botschaft des Katechismus“ von Koeberle(.50 Mk.). Gehaltreich, modern geprägt und anpackend. Die Verantwortung für die Bewältigung gerade heute stark empfundener Probleme und ihre Bewältigung in Form einer Schulung der Gemeinde hat zu einer neuen Schriftenreihe geführt; sie will dazu dienen, eine klar evangelische Haltung in allen Lebensfragen und eine in der Wahrheit des Evangeliums beWeltanschauung zu vermitteln. Der vorliegende erste Band über„Naturwissenschaft und Blaube“ von Dr. Künneth(Steinkopf.50 Mk.) beruht auf einenden wissenschaftlichen Studien. Er bietet aber die Klerung der Prohieme in allgemeinverständlicher Form, wogn eine Reihe von Vorträgen den Verfasser hinleiteten sende Arbeit von K. Heim in der Auseinandersetzung zwischen Naturwissenschaft Glauben, in klaren Linien die Grenzen festsetzend, meiter. Denkenden Menschen, vor allem solchen, die sich seihst schon über die Frage, die das mederne Naturerkennen an den Glauben richtet, besonnen haben, auch Lehreiden, wird damit eine gute Hilfe für die Lösung dieser wichtigen Lebensfragen geboten. Ein Buch, das von hoher Warte das Ringen beleuchtet, das auf der modernen Bühne vor sich geht, und sehr die E. Stange herausgab:„Die Stadt unter der Asche“. (Eichenkreuz=., 4,—). Einer Schulungswoche dieses Frühjahrs entsprungen, handeln die Beiträge von einem besonderen Spezialgebiet unserer Leiblichkeit, der Geschlechterfrage. Sie verbinden Offenheit, Ehrlichkeit, Mut und Sachlichkeit und seelsorgerliches Verständnis. Auch wo— leider— noch nicht eine Einhelligkeit zu erreichen war, wie etwa beim Gebiet der Empfängnisregelung, wird das Voneinanderabweichen ruhig herausgestellt und nicht überkleistert. Die alles tragende Einheitlichkeit entsteht auf Grund der Verankerung der Gestaltung auch dieses Gebietes der Leiblichkeit im Geist des Neuen Testaments. Das läßt auch Meinungsverschiedenheiten ertragen, ohne der Pose des Ketzerrichters zu verfallen. Das Buch ist ein bedeutsamer Fortschritt. Wort für Wort die gleiche Wertung kann ich dem weit umfassenderen Buch Theod. Haugs:„Im Ringen um Reinheit und Reise"(Steinkopf,.—) mitgeben. Seine Tatsachen und Richtlinien für eine evangelische Sexualethik sind ein sehr zeitgemäßer Versuch, dieses ganze umkämpfte Gebiet im Zusammenhang darzustellen. Wenn mich auch die Sicherheit, mit der Haug gewisse strukturelle Artungen in der Sexualität der Ehegatten gar zu einfach zeichnet, sehr Wunder nimmt, und obwohl ich in der Frage der Geburtenregelung gerne größere Klarheit und offenere Gemeinschaft mit solchen, die diese Dinge doch auch schon sehr deutlich gesagt und gründet haben, gesehen hätte, empfehle ich das Buch doch von Herzen. Zumal auch um seiner Ausführungen übedie Ehelosigkeit. Vom gleichen Verfasser ist ein für Massenverbreitung geeignetes Heftchen„Vom Wunder Liebe“(Steinkopf,—.60) erschienen, das ganz einfach zu lesen und ganz einfach zunächst unübertroffen ist in praktischem Wert allen gegenüber, die Eheleute sind, oder bei sind, es zi werden. VII. Nachtrag. Für unsere Kleinsten bietet jedes Jahr der Verlag J. Scholz, Mainz, eine ganze Anzahl Neuerscheinungen. Gewiß, nicht immer im Geschmack gleich. Ich kann besonders alles nicht leiden, was unndtigen „Popanzanstrich“ hat oder spielerisch mit dem Gedaa### „Himmel“ umgeht. Als Evangelischen ist uns das, auc aus pädogogischen Gründen, zuwider. In diesem Jah darf man empfehlend hinweisen auf Oßwalds„Lunshen, gesindel", ausgezeichnete Bilder(.—),„Rotkapp“ von Braun=Esch(1,—),„Fritz und Liesel“(.—). Für die noch Kleineren ein Buntpapier=Klebespiel(1,25) und neuartiges Figurenlegespiel(1,25). Jungens freut beso ders der Modellbogen von„Do K“(.50), 64u9, Für Schulkinder, leicht lesbar:„Wie Christmi.““ den Kindern half“.(.50) und ein ebenso ausgestattele Märchenbuch von M. Grengg. Größere Jungen interessiert gewiß auch die bei Broc“ haus nur 2,80 kostende Ausgabe jener bedeutsamen a0 teuerlichen Reise, die 1635 eine holsteinische Gesandtsch nach Persien führte. Das war damals eine erheot Sache. Unser Dichter Paul Fleming ging auch Mil. ging um den Plan, den Landweg über Rußland nach d dien zu versuchen, um in wirtschaftlicher Ausbeute ter auf diesem Wege England die Wage zu halten. Diel““ Band 20 der Sammlung„Alte Reisen und gibt den Bericht von Olearius wieder. Echh Der Reichstag: — Berlin, hatten sich vie gefunden, um zu protestierer Reihe national der Platz voll wieder die na sach sang die 9 mit Fahnen be landlied und schiedenen na abermals, von bels und ford großem Lärm Feuerlöschwag ordneten halt und fuhr wiede unübersehbare bewegte. Wann endl Trei Antr. 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Auch am Dienstag abend hatten sich viele Tausende auf dem Wittenbergplatz eingefunden, um gegen den Film„Im Westen nichts Neues“ zu protestieren. Schon lange bevor Goedbels und eine geihe nationalsozialistischer Abgeordneter eintrafen, war der Platz voll besetzt. Aus der Menge ertönten immer wieder die nationalsozialistischen Kampfrufe und mehrsach sang die Menge, unter der sich auch Stahlhelmgruppen mit Fahnen befanden, die Wacht am Rhein, das Deutschsandlied und andere vaterländische Lieder. Neben verschiedenen nationalsozialistischen Abgeordneten sprach abermals, von der Menge wiederholt unterbrochen, Goebhels und forderte erneut das Verbot des Filmes. Zu großem Lärm kam es, als während der Kundgebung ein Feuerlöschwagen anfuhr und neben den Reichstagsabgeordneten halt machte. Er trat jedoch nicht in Tätigkeit und fuhr wieder ab. Nach der Kundgebung bildete sich ein nübersehbarer Zug, der sich durch den Westen der Stadt bewegte. Wann endlich kommt das Verbot dieses Schandfilms? Drei Anträge auf Verbot des Films„Im Westen nichts Neues“. — Berlin, 10. Dezember. Der Film„Im Westen nichts Neues“, bei dessen Aufführung in Berlin es wiederholt zu stürmischen Frankreichs Rüstungen. „Ein Minimum von Gefahr, ein Maximum an Bequemlichkeit.“— Neues Wettrennen mit Italien. — Paris, 10. Dezember. Als der Vorbereitende Abrüstungsausschuß des Völkerbundes vor einigen Wochen seine Schlußverhandlungen eröffnete, erhoffte man von dieser Tagung nicht nur die Fertigstellung eines Entwurss für einen allgemeinen Vertrag über die Begrenzung der Rüstungen, sondern aus der Zusammenkunft der Delegierten sollte auch ein französisch=italienisches Uebereinkommen über die Schiffsbauten der nächsten Jahre hervorgehen. Wie erinnerlich sein wird, hängt die Aufrechterhaltung des Ozean=Friedens, wie er auf der Londoner Konferenz zwischen England, Amerika und Japan zustandegelommen ist, praktisch davon ab, daß Frantreich und Italien ihre Freiheit nicht dazu benutzen, um durch übersteigerte Neubauten England gleichsalls zu weiteren Flottenrüstungen und damit zur Aussetzung des Londoner Vertrages zu zwingen. Gebannt werden sollte diese Gefahr durch eine neue Fühlungnahme zwischen Paris und Rom, und um Zeit für Verhandlungen zu gewinnen, kamen Mussolini und Briand überein, bis zum Ablauf des Jahres keine neuen Schiffe auf Stapel zu legen. Nun sind die Verhandlungen des Abrüstungsausschusses zu Ende gegangen, ohne daß sich Frankreich und Italien über das, was nach dem 1. Januar werden soll, verständigt haber. In italienischen Zeitungen war zwar dieser Ta von einer Verlängerung des„Flotten=Waffenstill andes" um drei Monate die Rede, doch lehnte Frankreich prompt ab. Inzwischen soll nun die italienische Delegation den Franzosen einen Vermittlungsvorschlag gemacht haben, nach dem Frankreich bis zur endgültigen Entscheidung vorerst einen Vorsprung von 200000 Tonnen gegenüber Italien haben soll, sofern dieses Plus sich lediglich aus älteren Kriegsschiffen und zu einem Viertel aus Unterseebooten zusammensetzt. Das ist zwar ein Vermittlungsvorschlag, gleichzeitig aber auch ein Angebot, dessen Ablehnung durch Frankreich unschwer vorauszusehen war Aber, muß nicht jede Pause in den französischttalienischen Rüstungen von fragwürdiger Natur sein? Hat man innerlich in Rom und Paris nicht längst den Glauben an die Möglichkeit einer friedlichen Einigung verloren, und rüstet man hüben wie brüben nicht fieberhaft, militärisch und diplomatisch? Wie systematisch und in welch großem Umsange insbesondere Frankreich sich auf die Möglichkeit eines Krieges vorbereitet, das zeigen die gewaltigen Festungen, die allmählich vom Kanal bis zu den Alpen aus der Erde wachsen. Interessante Angaben über diese Festungsbauten nachte vor einigen Wochen der„Matin“, der eine Anzahl Artikel über Frankreichs„Verteidigungs“= maznahmen veröffentlichte. Danach ist entlang der brenze gegen Belgien, Deutschland und Italien ein ewwa fünfzehn Kilometer breiter Festungsburtel entstanden, in dem sich ein Festungswerk an das andere reiht. Der leitende Gedenke bei diesen dauten war der von Marschall Pein aufgestellte brundsatz:„Ein Mindestmaß an Gefahr, ein Höchstnaß an Bequemlichkeit". So sind denn mächtige VerEldigungstürme entstanden, deren dicke Betonmauern s Verderben von der Besatzung abwehren und aus eeren Stahl=Kuppeln?.schinengewehre Tod und dtauen ausspeien sollen. Die hygienischen Einrichtugen dieser Werke können nach den Schilderungen -Natin“ mit denen modernster Hotels wetteifern. *' gibt nicht nur elektrisches Licht und Telephon, endern auch fließendes Wasser, elektrische Küchen und heizbare Schlafräume. sticken dieser Festungszone, die jeden Vorstoß ersoll und deren Kern starke Artilleriestellungen eden, führen unterirdisch breite Wege zu Reservedern und einer„Festung auf Rädern“, die aus stel großen Park von Spezialkrastfahrzeugen beN; die auf Anruf sofort jeden gewünschten Ersatzteil m die Kampffront bringen kann. Lorh“ man allein im Völkerbund von diesen franzze::gen nichts erfahren haben? Denn wer die rungvsischen Rüstungen unbefangen würdiat und Kundgebungen kam, wird am Donnerstag die Oberprüfstelle, und damit die letzte Instanz, beschäftigen. Den Vorsitz der Kammer führt Oberregierungsrat Dr. Seeger. Anträge auf Verbot des Films liegen von Thüringen, Braunschweig und Sachsen vor, außerdem hat die thüringische Regierung die eventuelle Aufführung des Bildstreifens in Thüringen vorläufig verboten. Die Delegierten des Reichsverbandes deutscher Lichtspieltheaterbesitzer haben auf einer Tagung eine Entschließung gefaßt, in der sie es ablehnen, Filme zu zeigen, die ihre Theater zum Schauplatz politischer Kämpfe machen. Sie bedauern es außerordentlich, daß der Deutschamerikaner Karl Laemmle zwölf Jahre nach Friedensschluß noch einen Kriegsfilm hergestellt hat, der in Berlin nicht in der gleichen Fassung wie in London und Paris laufen kann. Die Abgeordneten Geheimrat Hugenberg und Dr. Oberfohren sandten namens der deutschnationalen Reichstagsfraktion ein Telegramm an den Reichspräsidenten, in dem es heißt: „Trotz des Einspruchs des Reichswehrministeriums gegen den Hetzfilm„Im Westen nichts Neues", trotz der berechtigten Empörung der gesamten nationalen Bevölkerung werden die Aufführungen des Films unter stärkster Inanspruchnahme der Polizei fortgesetzt. Wir bitten den Herrn Reichspräsidenten, den Führer der in diesem Film beschimpften Heere des Weltkrieges, den Oberbefehlshaber der jetzigen Wehrmacht, durch persönliches Eingreisen diesem öffentlichen Skandal ein Ende zu machen.“ gleichzeitig in Rechnung stellt, daß die Gesamtstärke des deutschen Heeres auf 100000 Mann dezimiert ist, ausgebildete Reserven in Deutschland nicht vorhanden sind und ebenso keine schweren Waffen, wie Haubitzen, Tanks und Kampfflugzeuge, der kann unmöglich angesichts des Ausgangs der Abrüstungsverhandlungen nach der Art Lord Cecils Selbstzufriedenheit vortäuschen. Die europäische Lage ist voller Gefahren, und der Vorbereitende Abrüstungsausschuß hat nichts getan, um unseren Erdteil dem Frieden entgegenzuführen. Denn ein Friede, der es wirt ist, durch Betonklötze geschützt zu werden, existiert heute noch nicht. Neue Flottenbauten Amerikas. Gesamtauswand: 540 Millionen Mark. * Der Marinestaatssekretär der Vereinigten Staaten, Adams, unterbreitete dem Flottenausschuß des Repräsentantenhauses ein neues Flottenbauprogramm, das einen Gesamtaufwand von rund 540 Millionen Mark vorsieht. sollen gebaut werden ein 7500=Tonnen=Kreuzer, ein 10000=Tonnen=Kreuzer, vier 1100=Tonnen=Unterseeboote, ein Flugzeugmutterschiff zu 13.800 Tonnen, zehn 1500 Tonnen große Zerstörer und ein Zerstörerführerboot zu 1850 Tonnen. Der Senat der Vereinigten Staaten verabschiedete einen Gesetzentwurf über die Modernisierung von drei Panzerschiffen und bewilligte dafür 125 Millionen Mark. Abrüstungstagung beendet. Auch der Generalbericht fertiggestellt.— Deutschland verwirft das Abkommen. — Genf, 10. Dezember. Der Vorbereitende Abrüstungsausschuß des Völkerbundes hat nunmehr auch die Beratung des Generalberichts beendet, der dem Völkerbundsrat Auftlärung über den kläglichen Abschluß der fünfjährigen Vorbereitungen geben soll. Der politisch wichtigste Artikel des ganzen Abrüstungsentwurfs, der die einseitigen Entwaffnungsbedingungen des Versailler Vertrages nochmals aufgreift, ist dabei endgültig dahin formuliert worden, daß die Abrüstungskonvention in keiner Weise die Verpflichtungen früherer Verträge berührt, durch die gewisse Staaten eine Begrenzung ihrer Land=, Luft= und Seestreitkräfte eingegangen seien. Und das müßte zur Folge haben, daß im Falle der Annahme dieser Bestimmung durch die Plenarkonferenz Frankreich und seine Verbündeten ihre Rüstungen noch vervollkommnen dürften, während Deutschland abgerüstet bliebe. Der Einspruch Deutschlands gegen diese unsinnige Regelung ist im Generalbericht in einer Erklärung zum Artikel 52, dem früheren Artikel Ea, niedergelegt, die folgenden Wortlaut hat: „Die deutsche Delegation erklärt, daß sie wegen des Artisels 52, soweit er nicht die Verträge von Washington und London berührt, gegen den Entwurf in seiner Gesamtheit stimmen muß. Der von der Mehrheit des Ausschusses aufgestellte Konventionsentwurf schließt von einer Begrenzung und Herabsetzung der Landrüstungen wesentliche Elemente aus. Statt zu einer wirklichen Abrüstung zu führen, würde dieses Projekt nur dazu dienen, den wirklichen Stand der Rüstungen der Welt zu verschieiern, ja, es würde sogar eine Erhöhung der Rüstungen gestatten, Wenn Deutschland diese Konvention unterzeichnen würde, so würde das eine Erneuerung seiner Unterschrift unter die Entwaffnungsbestimmungen des Versailler Vertrages bedeuten.“ Landbund bei Hindenburg. Unterbreitung von Vorschlägen zur Rettung der Landwirtschaft. Reichspräsident von Hindenburg empfing eine Abordnung des Reichs=Landbundes, bestehend aus den Präsidenten Graf Kalckreuth, Lind und Bethge, sowie den Direktoren von Kriegsheim und von Sybel, zu einer Besprechung der Notlage der Landwirtschaft und zur Entgegennahme von Vorschlägen zur Besserung verselben. An der Besprechung nahm auch der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Schiele, teit. Zwei Männer, wie sie unsere Zeit gebrauchen könnte. Die Jahre 1930 und 1931 erinnern in besonderer Weise an Friedrich von Bodelschwingh(geboren am Sonntag, den 6. März 1831, heimgegangen am 2. April 1910) und an Adolf Stöcker(geboren am Sonntag, den 11. Dezember 1835, heimgegangen am Sonntag, den 7. Februar 1909). Ersterer wäre am kommenden 6. März 100 Jahre, letzterer heute 95 Jahre gewesen. Beide wurzelten fest in dem einen Grunde, der unseren Anker ewig hält.„Weil uns Barmherzigkeit widerfahren ist, werden wir nicht müde, Gutes zu tun“ bekannte Vater von Bodelschwingh.„In dem allen überwinden wir weit durch unseren Herrn Jesum Christum“, schrieb Vater Stöcker unter seine Bilder. Mit dem Wort, mit der Schrift und mit der Tat der barmherzigen Liebe haben beide bis zum letzten Atemzuge für ihren himmlischen Herrn und König gewirkt. In die Arbeit der deutschen Reichshauptstadt wurde am 1. Oktober 1874 Adolf Stöcker gerufen. Sollte Berlin nicht eine Mannesarbeit wert sein, um es für den Herrn der Kirche zu gewinnen? So fragte sich Adolf Stöcker.— Friedrich von Bodelschwingh kam dann und wann nach Berlin. Einmal ließ er sich durch die Schlafsäle des Berliner Obdachlosen=Asyls und dann nach Hoffnungstal führen. Nun grünt und blüht es seit 25 Jahren alljährlich in den Obstgärten an der Chaussee Rüdnitz— Hoffnungstal— Lobetal und darüber hinaus. Müßige Hände wurden rege, zerrissene Herzen wieder fest, gesunkene Hoffnungen lebten wieder auf. Berlin sei eine schöne Stadt, so sagte Friedrich von Bodelschwingh, dort gäbe es so viel Werke der Barmherzigkeit zu tun. Den irdischen Herren ihrer Zeit waren beide treue Diener und aufrechte, unbeirrbare Ratgeber, nach oben und nach unten frei und unbestechlich in ihrem Urteil. Auf den Höhen der Menschheit wandelnd, blieben sie dem Mann aus dem Volke Freund und Bruder. Der Dienst an den Armen und Kranken und Elenden, an den Menschen ohne Heimat und ohne Hoffnung— in Bethel und in der Berliner Stadtmission— dieser ihr Dienst zeigte ihnen in besonderer Weise auch die Ursachen der mannigfachen Nöte. Und mutig sagten sie ihrer gottvergessenen, satten, hochmütigen und übermütigen Zeit voraus, was kommen werde, wenm sich die besitzenden und gebildeten Kreise nicht auf ihre Christenpflicht an Seele und Leib ihrer minderbemittelten Volksgenossen noch rechtzeitig besinnen würden. Sittliche Not, Alkoholnot, Wohnungsnot und deren Zusammenhänge als Ursache und Folge, haben sie immer wieder scharf und treffend beleuchtet. Und ihre Werke folgen ihnen nach. Wie zu den Zeiten des Anstaltsvaters breiten sich die Anstalten von Bethel sowohl bei Bielefeld, als bei Berlin und vor Bremen äußerlich aus, vertiefen sie sich innerlich. Gleicherweise sucht die Berliner Stadtmission vom alten Grunde aus auf alten und immer neuen Wegen der Riesennot einer 4,3 Millionen=Stadt zu wehren. Christlich=soziale Stimmen hört man neuerdings, wie einst im Reichstage, aber nicht nur dort, sondern auch in Landtagen und Rathäusern. Schwach noch, aber es ist doch wieder die Stimme des Hofpredigers. Wer in die Zukunft schauend der suchenden Jugend Führergestalten zeigen will, der schenke ihr die Lebensbeschreibung Friedr. v. Bodelschwinghs, die dessen Sohn geschrieben hat(.— RM). Aus der Buchhandlung der Anstalt Bethel bei Bielefeld sind auch kürzere Betrachtungen über Friedr. v. Bodelschwingh, über seine und seiner Nachfolger Arbeiten, sind ebenso die Beschreibungen über Adolf Stöckers Leben von Max und Martin Braun(.— RM) und von Paul le Seur(.— RM), von Dietr. von Oertzen, von Walter Frank zu haben. Gedenket an Eure Lehrer— und Wegbereiter— und folget ihrem Glauben nach. Bln.=Schöneberg. A. M Parlamentseröffnung in Polen. Polizei entfernt die kommunistischen Abgeordneten.— Neun Offiziere Kabinettsmitglieder. — Warschau, 10. Dezember. Der neugewählte polnische Landtag hielt in Warschau seine erste Sitzung ab und nahm die Eröffnungsbotschaft entgegen, die der neue Ministerpräsident Slawek, der Vollstrecker des Willens des Marschalls Pilsudsli, verlas. Während der Bereidigung der Albgeordneten protestierten die Kommunisten, worauf die Polizei in Erscheinung trat und die sommunistischen Abgeordneten auf die Straße setzte. Die weitere Sitzung verlief ruhig. Mit der Eröffnung dieses Parlaments begann in Polen ein neues Kapitel. Es ist das erstemal, daß der Marschall eine parlamentarische Mehrheit besitzt und damit seine Politik auch im Landtag durchsetzen kann. Allerdings ist diese Mehrheit nicht mit reinen Waffen und reinem Schild erkämpft worden; vielmehr ist der Boden, aus dem dieses Parlament erwachsen ist, mit Grausamkeiten und Gewaltakten gegen die nationalen Minderheiten und die Oppositionsparteien überreichlich gedüngt. Doch das wird vorerst die polnische Regierung nicht abhalten, die Früchte dieser„Wahlen“ zu pflücken und über den Umweg einer Verfassungsreform dem Marschall die Macht zu sichern. In Deutschland wird man darauf achten müssen, daß diese Verfassungs„Reform“ nicht auch als einschneidendes Mittel benutzt wird, um— z. B. durch die Aufteilung der deutschen Wahlkreise und ihre Zusammenlegung mit rein polnischen Gebieten, mit denen diese Bezirke noch niemals verbunden waren—, das deutsche Volkstum in Polen politisch noch mehr zu entrechten. Von dem vorigen Kabinett unterscheidet sich das neue, das sich in der Eröffnun#ssitzung dem Landtag vorstellte, dadurch, daß der Marschall auf das Amt des Ministerpräsidenten verzichtet und sich mit dem Ressort des Kriegsministers begnügt hat. Daß trotzdem aber auch in diesem Ministerium Pilsudski der Mann ist, der das Steuer führt, unterliegt nach alten Erfahrungen keinem Zweifel. Uebrigens tritt der militärische Einschlag des Kabinetts Slawek auch schon dadurch in Erscheinung, daß von seinen Mitgliedern nicht weniger als neun aktive Offiziere sind. Bombenfunde in Pirmasens. Bei einer kommunistischen Organisation. 24 Verhaftungen. In der pfälzischen Stadt Pirmasens entdeckte die Polizei bei Erhebungen in einem gegen den kommunistischen Antifaschisten=Bund schwebenden Verfahren ein Lager von sprengsertigen Bomben. Etwa ein Dutzend dieser Bomben war aus alten Handaranaten hergestellt, dazu wurde noch verschiedenes Material für die Herstellung von weiteren Sprengkörpern, wie Sprengstoff, Zündhütchen, Zündschnüre usw. gefunden. Von maßgebender Seite wird dazu erklärt, daß die Bomben nach eigenen Angaben der Hersteller in einem künftigen Bürgerkriege, insbesondere gegen den Faschismus, Verwendung finden sollten. Bisher sind 24 Personen ins Gefängnis eingeliefert worden. Die Kürzung der Ruhegehälter. Erste Lesung des Gesetzentwurfs im Reichstag.— Verhandlungen Brünings mit den Christlich=Sozialen. — Berlin, den 9. Dezember 1930. Auf der Tagesordnung der Dienstag=Sitzung des Reichstags stand die erste Lesung des Gesetzentwurfs über die Kürzung der Ruhegehälter. Der Plenarsitzung waren Sitzungen der Fraktionen und ausgedehnte Besprechungen des Reichskanzlers Dr. Brüning mit Vertretern des Christlich=Sozialen Volksdienstes und der konservativen Gruppe voraufgegangen. Im Mittelpunkt dieser Besprechungen stand die Frage des Zeitpunkts der außenpolitischen Reichstagsdebatte. * Die Abstimmungen. Abgelehnt wurden die kommunistischen Anträge auf Streichung der Deckungsmaßnahmen aus der Juli=Notverordnung und die Festsetzung der Höchstgehaltsgrenze für Beamte von 7000 Reichsmark und Höchstpensionsgrenze von 6000 Reichsmark, ebenso die Forderung der Kommunisten auf eine Sondersteuer für Vermögen, Einkommen, Dividenden und Tentieme, die Aenderung der Arbeitslosenversicherung und die Aufhebung der Krankenscheingebühr. Auch der Antrag der Kommunisten, Erwerbslose, Renten=, Pensions= und Unterstützungsempfänger als krankensicherungspflichtig zu bezeichnen, wurde abgelehnt. Angenommen wurden einige Ausschuß=Entschließungen, die eine Aenderung der Kranken=Versicherung und des Versorgungswesens fordern. Die Anträge auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses über die Roggenstützung wurden angenommen. Die übrigen Landwirtschaftsanträge gingen an den Volkswirtschaftsausschuß. Nach längerer Debatte wurden die Anträge auf Durchführung einer außenpolitischen Auesprache abgelehnt. Das Haus vertagte sich auf Mittwoch 3 Uhr. * Drei neue Mißtrauensanträge. Die deutschnationale Fraktion hat drei Mißtrauensanträge gegen die Reichsminister Dr. Curtius, Dr. Wirth und Treviranus eingebracht. Neue Anträge. Die Nationalsozialisten haben eine neue Interpellation zur Außenpolitik eingebracht, in der sie die Reichsregierung fragen, ob sie bereit sei, den Grafen Bernstorff unverzüglich aus Genf abzuberufen. Ferner soll die Regierung die Einberufung der allgemeinen Abrüstungskonferenz für das Frühjahr 1931 verlangen, und bei weiterer Sabotage der Abrüstung den Deutschlands aus dem Völkerbunde erklären. Die Fraktion der Evangelisch=Sozialen und der Konservativen beantragen, die Reichsregierung möge bis zum April 1931 einen Gesetzentwurf über die Einrichtung eines freiwilligen Arbeitsdienstes vorlegen. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt, daß die in der Notverordnung bestimmte Gehaltskürzung gestaffelt erfolgt. Reichstagung der Mieter. — Berlin, 10. Dez. Auf Einladung des Reichsbundes Deutscher Mieter waren in Berlin zahlreiche Vertreter der Mieterschaft aus dem ganzen Reich versammelt. Die Versammelten protestierten gegen die Verlürzung der für den Wohnungsbau bestimmten Hauszinssteuermittel und gegen den geplanten Abbau des Mieterschutzes; sie forderten erneut die Schaffung eines sozialen Miet= und Wohnrechtes. Diese Forderungen wurden sämtlichen Reichstagsfraktionen übermittelt. Der Todesnebel. Noch immer unbeschreibliche Panik.— Schon 90 Tote. Die Bevölkerung der von den todbringenden Nebeln bedrohten Teile des, belgischen Maastales gz, det sich noch immer in einer unoeschreiblichen unn Die Leute trauen sich kaum noch aus ihrerg, Zassern, die sie gegen das Eindringen des tödlichen gedichtet haben. Im Laufe des Tages sind Tausende von Gasmasken eingetroffen; doch war es bisher noch nicht möglich, festzustellen, ob Gasmasken genügend Schutz gegezt, die Gistgase gewähren. Auf Anordnung der sind in einzelnen Häusern und auf den Plätzen Sauer stofflaschen aufgestellt und offene Feuer angezündet worden; doch wurden durch diese Maßnahmen keinerlei Erfolge erzielt. Trotzdem, drei Behörden, Staatsanwaltschaft, Aerzteausschuß und eine von der Regierung e wissenschaftliche Kommission, eingeh nde Untersuchungen über die Ursache der Gifterkrankungen vornehmen, konnte bis jetzt noch in keinem Seapiggeig getezg desursache festgestellt werden. Inzwischen#. sich Zahl der Todesopfer weiter erhöht und ist auf 90 gestiegen. im Krankheitsfalle. Notverordnung beseitigt eine Unklarheit. Nach Paragraph 63 Absatz 1 des Handelsgesetzbuches hat der Handlungsgehilfe bekanntlich Anspruch auf Weiterzahlung seines Gehalts bis zur Dauer von sechs Wochen, wenn er durch unverschuldetes Unglück (Krankheit) an der Leistung der Dienste verhindert ist. Seither bestand Streit darüber, ob diese Bestimmung zwingend ist. Auch die Rechtsprechung war nicht einheitlich. Das Reichsarbeitsgericht hat über die Streitfrage selbst noch nicht entschieden. Vermehrt worden war die Rechtsunsicherheit noch durch die erste Notverordnung vom 26. Juli 1930, in der bestimmt war, daß die Krankenkasse für die Zeit, in der der Arbeitnehmer Gehalt oder Lohn weiterbezieht, kein Kranken= und Hausgeld zu zahlen hat.„ Die bestehende Rechtsunsicherheit wurde durch die Notverordnung des Reichspräsidenten vom 1. Tezember 1930 beseitigt. In der neuen Verordnung ist festgelegt worden, daß der Anspruch auf Weiterzahlung des Gehalts gemäß Paragraph 63 Absatz 1 des Handelsgesetzbuches durch Vertrag weder ausgeschlossen noch beschränkt werden kann. Die gleiche Vorschrift wurde auch für die ähnlichen Bestimmungen der Gewerbeordnung und des Bürgerlichen Gesetzbuches getroffen. Damit ist neben den kaufmännischen Angestellten auch den technischen Angestellten und Werkmeistern und allen übrigen Angestelltengruppen die Fortzahlung des Gehalts im Krankheitssalle gesichert. — Der zweite Bürgermeister von Pforzheim, Dr. Ecarius, wurde mit 27 von 41 Stimmen zum Oberbürgermeister von Ludwigshafen gewählt. Vichto... usiter ist billiger Dr öetkersPucatngpalber ist brtig uu Eskoftet halt bisher io efg. Jetzt nur nock:19 Lokal= und Provinzialnachrichten. Bielefeld. Falschgeld. Diese Tage sind wieder ver. schiedentlich Geldstücke,=Mark= und=Mark=Stücke au gehalten und von der Reichsbank als Falschstücke jes, gestelt worden. knusperiges Weihnachtsgebäck 3 nicht fehlen. Am besten gelingt alles mit Dr. Oefker’s "„Schpulver nach Dr. öeiker-Rezepfen? Nicht vergesfen: Dr. Oetkers Vanillinzucker! * Eine neue Sammlung Dr. Oetker-Rezepte„Backen macht Freude“ 96 Seiten Text und 12 farb. Bildtafeln. Preis 20 Pfennig. Falls bei Ihrem Händler nicht zu haben, gegen Einsendung in Marken von Dr. August Oetker, Blelefeld. Bekanntmachung. Zu der durch den Gemeindevorstand in Gadderbaum bewirkten Ernennung des Ehrenbürgermeisters Dr. Her, mann Huttel zum Standesbeamten und des Amtsober, sekretärs Hubert Gehlen zum 2. stellvertretenden Stan, desbeamten für den Standesamtsbezirk Gadderbaum im Landkreise Bielefeld ist in Gemäßheit des§ 4 des Reiche, gesetzes vom 6. 2. 1875 über die Beurkundung des Per. sonenstandes und die Eheschließung(RGBl. S. 23) durch die Verfügung des Herrn Regierungspräsidenten in Min. den vom 16. 8. 1930 Nr. 1 A 440 10. 11. 1930 Nr. 1 A 680 die Genehmigung erteilt. Gadderbaum, den 6. Dezember 1930. Der Cemeinde, vorstand: Der 1. Beigeordnete: gez. Graf Baudissin. Der Gemeindevorsteher: gez. Ehmann. Hinweis. (!) Neue Rezepte sind allen Hausfrauen willkommen, beson ders dann, wenn sich solche auch schwächeren Haushaltshasse, anpassen lassen. Diesem Umstand hat die bekannte Firma Dr. August Oetker, Bielefeld, Rechnung getragen durch Heraus, gabe einer neuen Sammlung wohlerprobter Backrezepte, von denen eine große Zahl bisher noch nicht veröffentlicht wurde Das fast 100 Seiten starke Buch ist mit 12 farbigen Bildtaseln ausgestattet und enthält außerdem viele wichtige Winke und Kniffe für die Hausbäckerei. Die Sonder=Gruppe„Weihnachts. gebäcke“ dürfte jetzt größtes Interesse finden. Beachten Sie bitte die heutige Anzeige. Weihnachtsbitte für die Anstalt Wittekindshof bei Bad Oeynhausen. In heutiger Zeit mit soviel innerer und äußerer Not, wo die Sorge drängend an soviel Türen klopft, wagen wir kaum zu Aber dennoch möchten wir nicht unterlassen, für die unserer Kinder zu bitten, die keine Liebe ihrer Angehörigen erfahren und die auch niemanden haben außer uns, der ihnen Liebe zum Sie sollen nicht hinter den anderen zurückstehen und für sie möchten wir in aller Bescheidenheit bitten: Gebt uns etwas in die Hände, damit wir es an jene weitergeben und damit auch Das Licht von Beihlehem erleuchte die Herzen der freund lichen Geber. Brünger, Pastor, Anstaltsvorsteher. Anschrift für Pakete: Wittekindshof bei Bad Oeynhausen für Geldsendungen: Postscheck=Konto Nr. 4652, Amt Hannover. Weihnachtsbitte der Heilerziehungs= und Pflegeanstalt Scheuern bei Nassau a. d. Lahn. Weihnachten naht! Die Zeit der frohen Erwaxtunggg, geheimnisvollen Vorbereitungen ist gekommen. Unsere### großen und kleinen Kinder, unsere Geistesschwachen, Epileptischen und sonstwie Gebrechlichen, freuen sich auf das Fes.. Trotz der Einschränkungen, die die allgemeine Not erfordert, erwarten sie zuversichtlich, daß ihnen das Christkind den Gabentisch wieder decken wird. Wir wollen sie nicht zu sehr enttäuschen und bitten herzlich um eine Beihilfe zu der Bescherung. Auch für die kleinste Gabe sind wir dankbar. Der Anstaltsvorstand: Der Direktor und Hausvater: Martin, Dekan, Todt. Vorsitzender. Das Postscheckkonto der Anstalt ist 4000 bei dem Postschechamt Frankfurt a.., das Bankkonto 259 bei der nuss. Landesbank in Rassan a. d. Lahn. Bethel. — Donnerstag abend 8½ Uhr in Gosen Blaukreuzstunde. Jeder ist herzlich eingeladen. — Brosche gefunden. Abzuholen in der Anstaltspost. Unzeigen aus Bethel. Die Bäckerei bittet um baldigste Bestellung von Betpachtentichern. Geehor. Sodener Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltv=gischrze H. Huller, Augrigrn:#. 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