en. Und wenn ein ungeteiltes is Müttern doch mal das in der gemacht haben, religiöse Beeinhtig, weil ihnen ziel Steine statt einem Kind das ich viel Worte, formen, sondern hall, aber meine ch eine Mutter, el, dann tut sich n mein Liebstes s mich quält, ich Wiedergabe!! em Verständnis iache ich ihm die b und vertraut. icht rechnen, es if ihn, es lernt he bringen und in erzogen, das ißter Bedeutung ar achtet genau e genauer man dieser ErkenntFrüh muß das lernen und das gibt leider nur fällt. Wie oft über die Kindertter da ihr Kind die Lüge strafen n auch belohnen. 1 Abwehr stehen eine klare Meisule kommt, wo an das Kinderdie Kindesliebe Schule kommt luß des Massent zart ist. Wie läßlich ist, ob es schneller ist das chem Kinde herorschulpflichtigen leinen Obliegenzu erfüllen, dem selbstverständlichEin Kind, dem ieb und hilfsbebringt auch in Ein Kind, das geworfenen Sahält auch in der nicht alle Tage in Kind, das in iber seinem WolWillen zu fügen, ränen zu lernen. vorbereitet zur be natürlich sehr ben, Möbel, Garverkümmern die ickelt haben, und dreich— in die sie in manchen achen oder nachsoch nur mit viel binde dein Kind auch ist, sich ein ssen, so ganz abdig und löse dich dir und deinem Qual wird. Es ten, wenn sich in ild schiebt, fast so te gibt, höher beersüchtig auf die s so in eine unas sollte nicht so ben ist die Schuldarüber wachen, eranmachen; aber chreiben, beurteilt sozialen Verhältrüh an, nach dem irteilen. Wie oft Beziehung graulecht angezogenes ossen und beiseite warm für solche andern ein Segen Kind nicht ohne der, daß der große Nöte und Sorgen ichtlich und treibt Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Füre Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und eegabe“ und„Anser Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 gje tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 287. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Sonntag, den 7. Dezember 1930. 12. Jahrgang. Mununugugnnnnngunnngunnnunguunnu O Herr von großer Huld und Treue, O komme du auch jetzt aufs neue Zu uns, die wir sind schwer verstört. Not ist es, daß du selbst hinieden Kommst, zu erneuern deinen Frieden, Dagegen sich die Welt empört. Friedrich Rückert Die wartende Gemeinde. Die Weissagung wird erfüllt werden zu seiner Zeit. Ob sie aber verzieht, so harre ihrer. Sie wird gewiß kommen... Der Gerechte aber wird seines Glaubens leben. Habakuk 2,—4. Die Gemeinde der gläubigen Christen ist eine Gemeinde der Wartenden. Denn das Warten, das sich bescheidet, gehört zum Glauben. Gott tut das Seine nicht zu dem Zeitpunkt, wo wir es wünschen, sondern dann, wenn es ihm gefällt. Wir finden den gegenwärtigen Zustand der Kirche kläglich. Wartend sprechen wir: Es ist noch nicht entschieden, was wir sein werden. Die Feinde Jesu Christi erheben stolz ihr Haupt. Wir harren seines Eingreifens und erwarten seinen Sieg. Aber wir bekennen, wir sehen ihn noch nicht, wie er ist. Die Christenheit soll ja nicht darüber verzagen, daß sie auf das Warten angewiesen ist. Daß all unser Tun Saat auf Hoffnung ist, nichts weiter, daß alles, was im Reiche Gottes von den Menschen aus geschieht, von Gott her beschafft wird, der leise Anbruch dessen ist, was kommt, das zu wissen, heißt: Warten im Glauben. Wir stehen erst im Vorhof. Wir stehen und warten, bis das Heiligtum aufgetan wird. Wir hören des Herolds Ruf. Der König ist im Anzug, aber er ist noch nicht sichtbar. Aber es drängt alles dem Ziel zu. Daß in unseren Tagen die Heidenvölker mehr als je zuvor nach dem Herrn fragen, sagt es urs. Daß die Feinde Jesu in unserem Vaterlande frecher spotten als je, daß sie die getreuen Knechte in Rußland und China quälen, in die Verbannung, in die Gefangenschaft, ja, in den Tod schikken, überrascht uns nicht, sondern sagt uns, daß die Weissagung der Schrift nicht trügt. Wir nehmen die Warnung zu Herzen: Darum, ob sie aber verziehet, so harre ihrer. Das Warten der Adventsgemeinde auf den kommenden Herrn ist heilsam für sie. Dadurch lehrt Gott uns glauben. Der Gerechte wird infolge seines treuen Festhaltens— das ist ein wesentliches Merkmal des Glaubens— leben. Wir können ja nicht leben ohne Hoffnung. Wir leben von der Erwartung. Wenn jetzt die Nenschen in dieser schweren Zeit sich auf der Gasse einander zurufen: Es muß doch einmal wieder anders werden, obwohl gar keine Anzeichen dafür da sind, so zeigen sie damit, daß der Mensch ohne Hoffnung einsach nicht leben kann. Wenn in dem Schwerkranken endlich der Gedanke an die Möglichkeit einer Genesung auftaucht, dann keyrt damit ein Stück Leben zu ihm zurück. und wir Menschen von heute, wir hart Geprüften, Ltauernden— was für eine Hoffnung haben wir? Ist sie iicht größer als die des Propheten? Denn was Habakuk im Gesicht wunderbar schaute, das haben wir im hellen Schte der Geschichte gesehen: den Retter, den Heiland, een Herrn Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auf#i.##.. Er ist unsere Erwartung: Sein Kommen, n Sieg, seine Vollendung, sein ewiges Reich, in dem er auch für uns Raum gemacht hat. das ist das Ende, dessen wir harren. Mag dann auch ga.— Erde in Eis erstarren oder unser Planet in der ein irgendeiner Sonne ein furchtbares Ende finden, das %scht uns nicht. Das Wort dessen, der das A und 9, anfang und das Ende ist, der da war und der da Suimt, bleibt, wenn Himmel und Erde vergehen. Wir varten seiner und keines andern. Simon. Was Vor 2 Wochen sprachen wir hier die Vermutung aus, die außenpolitischen Verhaltnisse könnten sich in absehbarer Zeit schon in einex Weise entwickeln, daß demgegenüber alles das, was wir in Deutschland in den letzten Jahren an Schwerem erlebt haben, und auch alles, was an Zukunftsplänen und Reformabsichten vorläge, zurücktreten würde. Es wird auch tatsächlich so sein, daß ein Deutschland, auch wenn es sich in seinen inneren Verhältnissen noch so vorbildlich und mustergiltig organisierte, als waffenloser Staat jeder Willkür preisgegeben wäre, wenn in den Nachbarstaaten die Kriegsfackel loderte. Wenn man mit kritischer Ueberlegung die Entwickelung der weltpolitischen Verhältnisse in den letzten zehn Jahren betrachtet, so hat sich doch sehr wenig von den Hoffnungen erfüllt, die manche ganz ehrlich auf den Fortschritt aller menschlichen Kultur gesetzt hatten. Im Völkerbundsstatut gibt es tatsächlich Paragraphen, die man als den Anfang einer Umgestaltung des Verhältnisses der Völker und Staaten zueinander ansehen könnte. Aber in der Praxis ist doch sehr wenig Ernst darauf gelegt worden, diese Neuordnung zur Geltung zu bringen und ihr den Weg weiter zu bahnen. Wenn wir uns hier mit diesen Dingen beschäftigen, ist nie große Hoffnungsfreude zum Ausdruck gekommen. Es gab in der evangelischen Kirche manche einflußreiche und sehr ernst zu nehmende Männer, deren ganzer Ideenkreis von dem Willen beherrscht war, der Menschheit der Zukunft ein friedlicheres und besseres Dasein zu verschaffen als sie es bis dahin hatte. Auch von Kirchenkonferenzen und ökumenischen Tagungen ist versucht worden. Einfluß auf die Weltpolitik zu gewinnen und darauf hinzuarbeiten, daß die Differenzen, die zwischen dem Interessenkreis der einzelnen Völker bestehen, mit Mitteln beseitigt werden, die keine solche Erschütterungen zur Folge haben werden, wie die bisherigen Kriege. Es wird die Leser interessieren, heute einiges von dem zu erfahren, was ein Mann, der am entschiedensten und eifrigsten darum gerungen hat, den äußeren Frieden zu sichern und die inneren staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse so zu gestalten, daß die Hauptgründe für die herrschende unheilvolle Verbitterung im eigenen Volk beseitigt und Wege gesucht würden, allen Volksgenossen ein menschenwürdiges Dasein zu ermöglichen. In„Die Eiche“, der Vierteljahrsschrift für soziale und internationale Arbeitsgemeinschaft, Verlag Leopold Klotz=Gotha, bespricht der Herausgeber, Professor Dr. F. Siegmund=Schultze, die augenblickliche politische Lage. Die Hauptabschnitte lassen wir hier in ihrem Wortlaut folgen. Er schreibt: „Im Ausland verlangt man insbesondere nach einer Beurteilung der jüngsten Wahlen. Schon während der Augustkonferenzen wurde ich von den Teilnehmern der ökumenischen Sitzungen immer wieder nach den voraussichtlichen Wahlresultaten gefragt. Ich habe etwa die Ergebnisse als wahrscheinlich bezeichnet, die inzwischen eingetreten sind: Ungeheures Emporschnellen der Nationalsozialisten auf Kosten der anderen Rechtsparteien, Durchhalten eines deutschnationalen Rumpfes auf Grund der Zeitungsmacht Hugenbergs, die bei der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit sehr zu seinen Gunsten in die Wagschale fallen mußte, Versagen der konservativen und Landvolkabstolitterungen aus dem entsprechende Grunde einer fehlenden Organisation und Presse, Rückgang der seit Stresemanns Tode nicht mehr geführten Volkspartei, Sammlung der katholisch=konservativen Stimmen beim Zentrum angesichts der Unklarheit der Ziele der näherstehenden Rechtsgruppen, ein schmaler Achtungserfolg der neugegründeten Staatspartei, die das ärmliche Erbe der Demokraten antrat und sich den unsicheren Kantonisten des Jungdeutschen Ordens anvertraute, langsamer Rückgang der Sozialdemokratie, die in den zwölf Jahren der Mitregierung zuviel Verantwortung gelernt hat, um den unverantwortlichen Elementen noch gefallen zu können, starkes Anwachsen des Kommunismus, der bei den letzten Kommunalwahlen schon seine wachsenden Zahlen gezeigt hatte. Nur in einem Punkte sind meine Erwartungen zahlenmäßig übertroffen worden, nämlich durch das Anwachsen der nationalsozialistischen Reichstagsfraktion auf 107 Stimmen. Ich hätte ihr mindestens 45, höchstens 90 gegeben. Aber abgesehen von der ständig wachsenden Verwirrung im deutschnationalen Lager hat das Wahlbündnis dieser einst so vornehmen Partei mit den Nationalsozialisten die Wirkung gehabt, daß alle, die Hilfe von einem starken Rechtskurs erwarten, dem fascistischen Rechtsextrem, das von den deutschnationalen Sachverständigen als ungefährlich bestätigt war, ihre Stimme gaben. Daß im übrigen die Stimmung des„So geht's nicht weiter“ in den letzten Monaten rechts und links größte Fortschritte gemacht hat, ist bekannt. Zu der wirtschaftlichen Krise, die sich längst in einer solchen Stimmung ausdrückte, ist jetzt die politische Krise getreten, die um so schlimmer wird, als die Aufgabe, Deutschland zu regieren, offensichtlich immer schwerer wird. Die Tatsache der politischen Krisis ist schon vor den Wahlen besonders stark von Frankreich aus beobachtet worden. Man hat in den französischen Zeitungen die Bedeutung der Wahlen übertrieben. Man hat es so dargestellt, als ob durch diese Wahlen über die gesamte Außenpolitik Deutschlands entschieden würde, als ob Friede und Youngplan und alle Zukunft sonst von diesen Wahlen abhinge. Das war übertrieben, entsprach der Angst, die das böse Gewissen hervorbringt: Frankreich findet heute in dem Sprengstoff Europas, den es in Versailles fabriziert hat, nicht das in tragischer Verkennung der Wirklichkeit erhoffte Ruhekissen. Und da die meiste# Fr zosen noch nicht so weit sind, daß sie sich m jen. wenigen Einsichtsvollen und Mutigen einer konsequenten Revision der Verträge zuwenden, müssen sie die„gewaltsame Lösung“ jener offenen Fragen fürchten. Die Herrschaft des Fascismus in Deutschland aber bedeutet für Frankreich natürlich gewaltsame Aenderung des Bestehenden. Mehr als hundert fascistische Stimmen— das ist in den Augen vieler Franzosen die Einleitung der großen Aenderung. Etwas Richtiges ist an dieser Auffassung. Ich habe den französischen Freunden nicht erst in diesem Jahr, sondern seit mehr als einem Jahrzehnt diese Entwicklung vorausgesagt, ja, in ihren Einzelheiten beschrieben. Dreimal ist das Schicksal Europas in ihre Hand gegeben gewesen: Beim Friedensschluß— als das deutsche Volk in seiner Gesamtheit so friedensfreundlich, so weich, so wandlungsbereit war, wie vielleicht nie ein Volk der Geschichte, aber in seinem Glauben an das gegebene Wort aufs schändlichste betrogen wurde; zum zweiten Male bei der mühsamen Abtragung der Reparationen in schwerster Zeit, als Poincaré, um keine Versöhnungsstimmung aufkommen zu lassen, wegen Lappalien die Invasion des Ruhrgebietes anordnete; zum dritten Male, als die Stimme des Weltgewissens deutlicher und deutlicher die A rüstung forderte. Nicht nur das französische Volk im ganzen, auch die französische Christenheit hat versagt bis hin zu dem Prager Abrüstungs=Kongreß der Kirchen, auf dem die französischen Vertieter wiederum die Stunde nicht erkannten. Von natürlichen Augen gesehen, war die dritte die letzte Gelegenheit. Nun wächst die Saat, die Frankreich gesät hat durch zwölf Jahre. Menschlich gesprochen: die Entwicklung läßt sich nicht aufhalten. Wenn nicht Wunder geschehen, ist der Ablauf der Entwicklung vor aller Augen. Die siegreiche Welt hat stets nur darauf gesehen, ob die Besiegten versagen unter der Last ihrer Lasten; das ernstere Auge sieht stets danach, ob die Sieger versagen. Sie haben versagt. Die erste Quittung ist durch die Reichstagswahlen 1930 erteilt. Alle, die ernsthaft für den Frieden arbeiten, in Deutschland so gut wie in den andern Ländern, müssen erkennen, welche ungeheure Aufgabe jetzt vor ihnen liegt. Wer die Entwicklung, die sich in diesen Jahren vollzogen hat, mit wahrhaftigen und durchdringenden Augen ansieht, kann nicht an dem kurzsichtigen Optimismus festhalten, den weite Kreise der weltlichen Friedensbewegung vor dem Kriege und bald darnach wieder an den Tag zu legen pflegten. Wenn die richtigen Folgerungen aus den vorliegenden Tatbeständen der menschlichen Natur gezogen werden. dann ist trotz aller Gewinnsucht und Angst, die den Menschen unserer Zeit zum„Frieden" treiben, keine Gewähr dafür gegeben, daß die Instinkte des individuellen und nationalen Egoismus, die zum Kriege treiben, überwunden werden. Wenn nicht über den Instinkten dieser Raubtiere die Vernunft, mehr noch: die Güte eines höheren Wesens waltet, das die äußere und innere Entwicklung der Menschheit zum Frieden leitet, ist das Verderben vor den Toren Europas. Aber gerade deshalb gilt auch der Satz: Nicht von der großen Politik, sondern von der stillen, schlichten Friedensarbeit der Mitarbeiter Gottes hängt das Schicksal der Welt ab.“ Das ist nun das Urteil eines Mannes, der, trotzdem er von dem Varhandensein jener Instinkte überzeugt ist, doch glaubte, die Zeit wäre vielleicht da, wo die Vernunft siegen würde und der deshalb ehrlich an der Verständigung arbeitete, wie er sie sich dachte. Das Schicksal einer wirklichen Befriedung der Welt, einer vollkommenen Lösung der Fragen, um die sich im letzten Grunde alles politische und wirtschaftliche Ringen der Menschen dreht, hängt sicher ab von der stillen, schlichten Friedensarbeit der Mitarbeiter Gottes. Alles Geschehen, auch wenn es sich durch Menschen vollzieht, die in die Welt und die Geschichte hineingestellt werden, um mit Macht und Gewalt einzugreifen, kann schließlich veredelt werden durch die Mitarbeit jener stillen Friedensmenschen, die sich Christen nennen. Aber auch für sie bleibt es ein inneres Ringen, wenn sie durch den Kampf um eine vollkommenere Ordnung vor Entscheidungen gestellt werden, wie sie unsere Generation nun einmal wieder zu treffen hat. Uns zittert oft das Herz und die Hand, wenn wir sagen sollen, auf welche Seite sich in dem Kampf um solche Entscheidungen diejenigen zu stellen haben, die nun einmal als Christen Bürger zweier Welten sind. Wenn Dr. SiegmundSchultze mit solcher Bestimmtheit sagt:„Die Sieger haben versagt“, und den Ausfall der Reichstagswahlen am 14. September als eine rechtmäßige und giltige Quittung ansieht, dann muß das gleiche Urteil auch gelten für die weiteren Folgen, die eine Weiterentwicklung der Verhältnisse in dieser Richtung hat, und man müßte fragen, ob der Weg zu einem Ziel, das auch der besonnene und kluge Rundschauer der„Eiche" ersehnt, ein anderer sein muß als der, den die deutsche Politik in den vergangenen zwölf Jahren gegangen ist. Dann aber wäre auch zu entscheiden, welche politische Richtung in Deutschland nun die Führung in die Hand zu nehmen hat und ob das Urteil richtig ist, das Dr. Siegmund=Schultze über die Sozialdemokratie fällt, wenn er meint:„Die Sozialdemokratie habe in zwölf Jahren der Mitregierung zuviel Verantwortung gelernt, um den unverantwortlichen Elementen noch gefallen zu können.“ Hat ein zwölfjähriges Mitregieren zu Ergebnissen geführt, wie sie sich jetzt zeigen, so kann man wirklich der Meinung sein, daß es die höchste Zeit ist, daß andere die Verantwortung übernehmen, ganz abgesehen davon, daß man über die Gründe, die die Führer der Sozialdemokratie haben, weiter die Macht in der Hand zu behalten, verschiedener Meinung sein kann. Ihren Anhängern die Zukunftshoffnungen, mit denen sie immer vertröstet worden sind, mit den bisher angewandten politischen Mitteln zu erfüllen, daran kann doch nun bald nicht mehr gedacht werden. Dabei gehen *# sicher auch selbst die Pfründen der Führer den Weg alles Fleisches. Nach diesen Betrachtungen bleibt nicht mehr viel Raum, um noch auf die Tagesereignisse einzugehen. Auf welche Weise am Sonnabend die Entscheidungen über die von der Regierung vorgelegten Notgesetze fallen werden, läßt sich jetzt, wo dies geschrieben werden muß, noch nicht sagen. Was der Reichsfinanzminister Dr. Dietrich über die Finanzlage des Reiches und über die Auswirkungen der Notgesetze zu sagen wußte, ist nicht geeignet, frohe Zukunftshoffnungen zu erwecken. Um das schon vorhandene Defizit zu decken, müssen und sollen neue Anleihen ausgenommen wenden. Ein Schritt, der sicher nicht aus der Not herausführen wird. Und wenn auch der Haushaltsbedarf um 1½ Milliarden niedriger gesetzt ist als der vorige, so sind doch auch die Aussichten, diesen niedrigeren Bedarf durch die vorgesehenen Mittel zu decken, sehr gering. Wo sollen die Steuern herkommen, wenn die Wirtschaftsbetriebe ihre Tore schließen? Die Tabaksteuer soll besonders viel erbringen. Nun haben die Betriebe ihren Arbeitern und Angestellten gekündigt und rechnen damit, vor dem Frühjahr die Betriebe nicht wieder in Gang bringen zu können. Das gibt Ausfälle an Steuern der verschiedensten Art. Die Gehalts= und Lohnkürzungen werden auch sicher nicht zur Belebung der Wirtschaft beitragen. Und wenn der neue Vorsitzende der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, in seiner Programmrede einen Satz prägt wie den: „Mit dem Sozialismus im internationalen Gewand werden wir fertig; daß sich in Deutschland der Sozialismus auch im nationalen Gewand zeigt, ist die schwere Gefahr, vor der Staat und Wirtschaft stehen", so müssen wir sagen, daß wir um der so notwendigen sozialeren Gestaltung unseres deutschen Volkstums willen immer etwas Angst haben vor solchen Leuten, die aus den Gründen, die für den sonst sicher sehr tüchtigen und gewandten Dr. Dingeldey wohl maßgebend sind, Angst vor dem Sozialismus haben. Es ist im letzten Grunde die Angst um den Besitz und die Angst um die Macht, die der Besitz dem Einzelnen und seiner Partei verleiht. Wir hoffen, daß wir verstanden werden. Für heute müssen wir schließen. Kr. neunte Schuljahr. Von Rektor W. Steinmann, Rheinhausen. Aus volkswirtschaftlichen Gründen heraus hat der preußische Handelsminister die Einführung des neunten Schuljahres empfohlen. Es handelt sich um eine um ein Jahr befristete Hintanhaltung des Angebotes neuer Kräfte zu dem Zwecke, den Wirtschaftsmarkt zugänglicher zu machen für alle die, die aus der Wirtschaft ausgeschaltet worden sind, für das riesengroße Heer der Erwerbslosen. Diese Entschließung des Herrn Ministers hat die Lehrerschaft der Erfüllung langgehegter Wünsche nahegebracht. Wir treten damit in eine neue Epoche der preußischen Schulgeschichte ein. Friedrich der Große gab seinem Lande nach dem siebenjährigen Kriege in seinem„Generallandschulregle= ment“, die preußische Volksschule mit der=jährigen Schulpflicht. Dem großen Feldherrn und Landesvater kam es aber in erster Linie darauf an, die Jugend auf den harten Dienst volkswirtschaftlicher und militärischer Leistungen vorzubereiten. Die schweren Jahre von 1806 und 1807 ließen im Lichte pestalozzischer Ideen eine tiesergehende Volksbildung notwendig erscheinen. Leider wurden die neuen hoffnungsreichen Ansätze, die der Süvernsche Gesetzesentwurf sproßen ließ, durch den kalten Eishauch der feindlichen Reaktion zerstört. Erst nach einem halben Jahrhundert gaben die„Allgemeinen Bestimmungen“ von 1872 dem Volksschulunterricht das unterrichtsorganisatorische stoffliche und didaktische Fundament. Im weiteren Fortschritt der deutschen Kultur wurde der geistige Bildungsstoff über die Maßen angehäuft. Man erkannte aber nach und nach, daß Bildung nicht in der bloßen Aneignung des übermittelten Lehrgutes bestand, sondern in der inneren Herausarbeitung des kindlichen Seins zur wertbewußten Persönlichkeit durch die Bildungswerte, die als Kulturgüter dem kindlichen Geiste nahegebracht werden. Die Schule der Arbeit und geistigen Eigentätigkeit brachte warme Lebensnähe in die Schule, forderte darum allseitige Beschränkung der Iu. sensstoffe und Einstellung auf die Gegenwart und um welt. Indem sie diese Notwendigkeiten zu Grundsätzen ihrer Tidaktik erhob, kam ihr bald die Erkenntnis, daß diese Aufgaben, die sich auf ein verstehendes Erfassen der Umwelt und Gegenwart erstrecken, im Rahmen der Schulpflichtjahre ihre Erledigung nicht finden könnten Ein demokratisches Schulwesen kann nur getragen werden von der Gesamtheit der Volksglieder. Nur die Einsicht in unser vielgestaltiges wirtschaftliches, sozigles und geistiges Aufeinander=Angewiesensein, macht den Einzelnen zum Träger des Ganzen. Eine Demokratie mit einer Volksmasse, die ihren Kulturstaat nicht begreift, kann wohl eine Zeitlang ihr Leben als Scheindemokratie fristen, muß aber doch bald dem Marschtritt blinder Massenbataillone erliegen. Wir sehen darum wie aus dieser Einsicht heraus alle demokratischen Staaten, Amerika und England vornehmlich, ihre Schulpflicht bis zur 10=jährigen erweitern. Dieser geistigen Notwen, digkeit kann auch Deutschland sich nicht verschließen Dazu kommt noch folgende Erwägung: Die Kräfte der Wirtschaft sind eingesetzt in ein Großgetriebe, das aber vom Einzelwesen verstanden werden muß, soll letzteres seine Persönlichkeit nicht an die Einerleiheit eines seelenlosen rationalisierten Arbeitsgefügee verlieren. Ferner ist unsere wirtschaftliche Entwicklung in ein starkes Fließen gekommen: Berufe ändern sich in ihren Arbeitsleistungen, viele sterben aus, andere erstehen als neuartige Erscheinungen unserer Industrie. Rußland fordert darum von feinem Schulwesen polytechnische Bildung, d. h. vielseitige industrielle Schulung, Amerika fügt seiner Elementarschule als weitere Leiter die sogenannte junior=high=school hinzu, die es zum freien Betätigungsfeld der aktiven Berufsorientierung macht. Wir Deutschen müssen auch Aehnliches schaffen, wenn unsere Wirtschaft nicht innerlich verarmen und seelisch veröden soll. Wichtiger sind dem Pädagogen und Jugendfreund folgende Erwägungen. Es muß unbedingt erkannt werden, daß das Jugendalter in unserer Zeit, wo alle Zweige der Arbeitsleistungen den Menschen bis zum äußersten ausnutzen, wo die Anreize einer raffinierten Verführung schier unerträglich geworden sind, in der ersten Zeit seines Werdens, d. h. in der Zeit des Uebergangs von der Kindheit zum Jugendalter geschont werden muß. Nur dann, wenn der Jugendliche sein Jugendalter ganz durchlebt, kann sich der Mann voll entfalten. Es geht nicht an, durch zu schwere Arbeitsleistungen die äußere Pubertät zu hemmen und die geistige zu ersticken. Wenigstens in den ersten Jahren muß sie ihre zarten Keime ungehindert zur Entfaltung bringen können. Erst in diesen Jahren entwickelt sich das menschliche Gehirn zu seiner Vollendung, indem die Assoziationsbahnen der Großhirnrinde sich voll ausbauen. Dadurch wird die physiologische Grundlage gelegt zu all den höheren Geistestätigkeiten, die ein Erfassen der höheren Geistes schätze in der Art des Wahren, Schönen, Guten und Heiligen ermöglichen. In diesem Alter muß man darum die Lebensstufe sehen, die einer Führung der kindlichen Individualität zur inneren Persönlichkeit die beste Aussicht gewährt. Gerade das neunte Schuljahr muß darum noch im Dienst der Bildung zum allgemeinen Menschentum stehen, denn hier beginnt die Innenschau und Selbstbeobachtung, hier gelangt das Ich zum Persönlichkeitsbesitz, hier bahnt sich im Auf= und Niederwallen des Gemütes Lug ins Buch. Weihnachten 1930. IV. Weltwanderschaft(Biographisches). Biographisches, wenn es nicht plump oder langweilig ausgemacht ist, weckt immer Interesse. Denn es ist Spiegelung nicht erdachten, sondern gelebten Lebens. Diesmal kam wieder— kein Wunder im AugustanaJahr— allerlei über und von Luther heraus. Da ist zunächst: Martin Luther, ein Held des Glaubens, von Vittorio Macchioro(Leopold Klotz, Gotho, 4,—). Der Verfasser, ein angesehener italienischer Gelehrter, trat aus innerer Ueberzeugung zum Protestantismus über. Seine Liebe zu dem großen deutschen Reformator führte ihn zur Lutherforschung und ließ ihn dieses Buch schreiben, das den Charakter einer Bekenntnisschrift trägt. Die tiefsten Kräfte, die in dem Lebenswerk Luthers zu Tage treten, werden dargestellt und beurteilt, die Notwendigkeit des Protestantismus als Kultursaktor anerkannt.— Als Einzeluntersuchung stellt sich dar: Luthers Aussehen und Bildnis, Prof. Karl Bauer. (C. Bertelsmann,.—). Bauer— bekannt durch seine Charakterköpfe zur deutschen Geschichte— handelt interessant über die Frage: Wie hat Luther wirklich ausgesehen? 12 Tafeln zeitgenössischer Bildnisse und 12 Tafeln Lutherstudien von der Hand des Malers.— Die packende Dämonie des gefürchteten Gegners, das Stürmende des Kämpfers, das Ceniale des Reformators, das Gütig=Verstehende des Predigers, immer wieder fesseln diese Bilder.— Die Kunst Karl Bauers ist nicht bloß für die Aestheten, sondern für unser evangelisches Volk. An Einzelausgaben neueren Datums treten auch durch buchhändlerisch bemerkenswerte Eigenschaften hervor: Luther„Das Vaterunser“(1,80),„Das Magnificat“. das„Abendmahl“(1,50) und seine„Coburgbriefe“(.20, sämtlich bei Kaiser in.). Namentlich diese letzteren seien angemerkt. Sie lassen in das aufreibende Hin und Her von Verhandlungen, Verwandlungen, Ermutigungen im Auf und Ab der Kommissionsberatungen in Augsburg sehen. Luther, der Seelsorger und Kämpfer, tritt hier lebensvoll ans Licht. Dankbar sind wir auch für die Auswahl lutherischer Trostbriefe im weiteren Sinn, die Scheurlen besorgt hat bei Steinkopf(.80). Titel:„Vom wahren Herzenstrost“. Diese Lutherbriefe an Aengstliche und Verzagte, Bekümmerte und Angefochtene, Kranke, Leidtragende, Verzweifelnde vermögen auch heute Menschen in ähnlicher Bedrücknis mehr Trost und Lebenswillen einzuflößen als gutgemeinte welkende Kranzspenden oder schallende Worte. Mit ganz besonderer Dankbarkeit und Freude aber zeigen wir den ersten Band der neuen=bändigen Calwer Lutherausgabe(Calw..— RM, 400 Seiten) an. Das ist eine gute und feine Sache! Denn hier kommt Luther in unserer Sprache zu uns. Gewiß, es geht manches Ekkige, Eigenartige, Granitne verloren bei der Umdeutschung, aber— seien wir uns doch darüber klar, daß das federleicht wiegt gegen die bisherige Mauer, die das Deutsch der Lutherausgaben trennte vom Sprachempfinden und=Gebrauch des einfachen Menschen. Hier vermag Luther wirklich wieder zum Volk zu reden. Die Auswahl unter Mitarbeit übrigens von E. Hirsch, was wir besonders begrüßen— sieht als Inhalt der 6 Bände vor: 1. Der Bannerträger des Evangeliums.— 2. Der Bahnbrecher christlicher Lebensordnung.— 3. Der Zeuge auf der Kanzel.—./5. Der Doktor der Heiligen Schrift.— 6. Der Reformator im Kampf um sein Werk. Auch technisch ist die Ausgabe gut gelungen. Wer sich in den ersten Band hineinliest, wird zweifellos erst recht zu den späteren vordringen wollen. Hoffentlich wird die Ausgabe durch ein eingehendes Sachregister auch zum ständigen Arbeitswerkzeug gemacht. Das Register sollte namentlich alle Worte Luthers nachweisen, die ihrer Form nach eine Heraushebung als sachliche Sentenz rechtfertigen und deshalb nicht nach engen theologischen, sondern nach lebenswissenschaftlichen Grundsätzen durchgliedert sein. An biographischen Werken seien angereiht: Die letzten Sylter Riesen, von Margarete Boie(Steinkopf,.—). Unter diesem Titel verbirgt sich das kurzgefaßte Lebensbild der beiden Sylter Lornsen und Jensen, die man als Vorkämpfer Großdeutschlands und Märtyrer dänischer Tyrannei kennt, eingeflochten in die schleswigholsteinische und deutsche Geschichte. Wer daher die geschichtlichen Grundlagen unserer heutigen Nordmarksfragen und=Kämpfe kennen lernen will, wird kaum etwas Besseres finden, als dieses objektiv und klar geschriebene kleine Buch, in jeder Beziehung, vom politischen und volkskundlichen, wie vom psychologischen menschlichen Standpunkt aus gesehen, lesenswert. Die äußere Form von Aufzeichnungen des alten Sylter Schulmeisters Hansen, dem die Verfasserin viel von ihrem Stoff verdankt, wurde beibehalten. „Unser Onkel Eduard“ von Gottfried Kittel(Salzer, .—) ist eine Charakterzeichnung des berühmten Malers Eduard von Gebhardt, der in Düsseldorf einst als Professor der Kunstakademie gewirkt hat, und dessen Bilder aus dem Leben Jesu und aus der Welt der Reformatoren von dem deutschen evangelischen Volk in unverganglicher Liebe festgehalten werden. Der Verfasser gibt hier das Bild des Menschen E. von Gebhardt mit ganzen Knorrigkeit, seinem sieghaften Humor, seiner Treuherzigkeit, seiner echten Gläubigkeit und seiner herzwarmen Güte. Das sprüht und leuchtet in tause Funken. Und wenn man den Maler nicht schon lang lieb hätte, jetzt müßte man ihn ins Herz schließen. Lar ist eine Malerbiographie, die neben Ludwig Thaeter, Kügelgen gestellt werden kann. Der Künstle als Charakter, dessen letzte Gründe in dem Kindesglau den liegen. Schroers„Joachim Werner“(Quell, St.,.—) ist 972 Gegenstück zu„Frau Käte Werner“, kommt aber, wenn gleich ebenfalls tiefgefaßt in der Gestaltung, an die Fr“ sche und Unmittelbarkeit jenes ersten biographischen De““ suches nicht heran. Walters„Ein Leben der Tat“ schildert des Ozeaustle gers Frh. von Hünefeld Leben(Ernte.,.50). bei dem vorjährigen Buch über den jungen Hunel“ spürte man die Vorzüge Fr. Walters in der biograp) schen Gestaltung. Sie bewährt sich hier erst recht. un mittelbarkeit, Lebensnähe und die Fähigkeit, die Hmle“. gründe des Handelns, Wagens und Leidens aufzudecte“ zeichnen sie aus. Stete Todesbereitschaft und glühendr Lebenswille einten sich bei Hünefeld zu seltsamer 3 und offener Männlichkeit. Ein gegebenes Buch reifende Jugend zumal. Man sähe es gern in den Hai und den Geist dieses Mannes in den Herzen der menden Generation. 1167. In Traugott Hahn:„Gott allein die Ehr“##tuge 1,60), zeichnet ein Vater die Jugend seines als war! nkung der Wistwart und Umzu Grundsätzen Erkenntnis, daß es Erfassen der Rahmen der 8 finden könnten. nur getragen lieder. Nur die tliches, soziales in, macht den ne Demokratie rstaat nicht beden als Scheind dem Marschir sehen darum, kratischen Staaihre Schulpflicht istigen Notwenverschließen. : tzt in ein Großstanden werden ht an die EinerArbeitsgefüges che Entwicklung e ändern sich in #us, andere erserer Industrie. lwesen polytechSchulung, Ameeitere Leiter die es zum freien ntierung macht. schaffen, wenn nen und seelisch d Jugendfreund gt erkannt werZeit, wo alle nschen bis zum iner raffinierten sind, in der erdes Uebergangs ont werden muß. Jugendalter ganz tfalten. Es geht ngen die äußere zu ersticken. Wesre zarten Keime können. 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Eine Zeit der Muße für dic Pflege des werdenden inneren Menschen. nicht die Berufsschule, nur die Volksschule kann sol des dem Kinde gewähren; denn das ist der Geist, der nur ihr eigen ist. Erst das neunte Schuljahr macht die Folksschule vollwertig. Nimmt man ihr das, so entziehl man ihr die Möglichkeit, ihre Arbeit zu vollenden, weil man ihr das beste Bildungsalter vorenthält und dieses gahr der Berufsschule opfert, die einen ganz anderen Geist atmet. Krylenko beantragt Todesstrafen Gegen sämtliche acht Angeklagten. In dem Moskauer Schauprozeß gegen die acht Professoren und Ingenieure, die angeklagt sind, die Sowjetindustrie durch Sabotageakte geschädigt und im Einvernehmen mit dem französischen Generalstab und Poincaré den Einmarsch fremder Truppen in Rußland vorbereitet zu haben, beantragte Cowjetstaatsanwalt Krylenko gegen sämtliche Angeklagten die Todesstrafe. Dem Urteil sieht man mit großer Spannung entgegen. Das merkwürdigste an diesem Prozeß war, daß sich Angeklagte und Zeugen in Selbstbezichtigungen überboten, trotzdem sie wußten, daß das nach der Praxis der Sowjetjustiz einen glatten Selbstmord bedeutete. In diesem Prozeß gab es keinen Kampf, so daß das den Sowjetanwalt zu dem Ausspruch verleitete: „Unter diesen Leuten werden Sie keine Helden finden!“ Die Angeklagten haben durch die Art ihrer Aussage dem System Stalin einen hervorragenden Dienst geleistet: sie haben die Aufmerksamkeit des Landes von der Wirtschaftsnot auf die„Verschwörerzentralen“ des Auslands abgelenkt. Wird ihnen dieser Dienst wenigstens gelohnt werden? Der Antrag des Sowjetanwalts läßt vorerst Schlimmes befürchten. Es wäre allerdings nicht das erstemal, daß die G. P.., die russische politische Polizei, Angeklagte um den„Geständnisloßn“ geprellt hat! Ausklang in Genf. — Genf, 6. Dezember. Der Vorbereitende Abrustungsausschuß des Völkerbundes hat nunmehr die Beratung des Vertragsentwurfs endgültig abgeschlossen. Abstimmungen fanden nicht mehr statt. Der Ausuß prüft gegenwärtig den Bericht an den Völlerbundsrat. Die Schlußsitzung ist für Dienstag angesetzt. Die deutsche und die russische Delegation erinnerten nochmals daran, daß Deutschland und Rußland den jetzigen Vertragsentwurf ablehnen werden. Keine losen Zigaretten mehr. Statt Zehner= in Zukunft nur Neuner=Packungen. Die Organisationen der deutschen Zigarettenindustrie befaßten sich mit der durch Notverordnung festgesetzten Steuererhöhung und beschlossen, den Kleinverkaufspreis für Zehnerpackungen in bisheriger Höhe zu belassen, dafür werden die Zehnerpackungen in Zueift jedoch statt zehn nur neun Zigaretten enthalAls weitere Neuerung im Zigaretten=Kleinverlauf ist für den Raucher von besonderem Interesse, daß Zigaretten künftig lose überhaupt nicht mehr zu haben sein werden. Alanzill=Appen inn Keichblag. die Ehres(Salzel eines als Märtyret verbluteten Sohnes, des nachmaligen Dorpater Professors. Die Perspektiven der Lebensführung, die in dem Titelwort münden, sind packend und lebensgestaltend. Eine dankenswerte Gabe. Von der Herbheit in Wesen und Schicksal baltischer Frauen erzählt Monika Hunnius in„Baltische Frauen aus einem Stamm“(Salzer, 1,60). M. Hunnius beim Erzählen zu folgen lohnt immer. In„Elisabeth“, von E. Fr. Spiecker(Quell, St. 1,50) viegelt sich ein Stück Zeitgeschichte, das bisher noch keinen Darsteller gefunden hat und zugleich ein einzigartiges persönliches Leben: die Umwelt und die Innenwelt eines deutschen Mädchens, im Elsaß geboren. Sie wurde mit allen deutschen Elsäßern durch den Krieg heimatlos. Aber sie trug eine dreifache Heimat unverlierbar in sich: ihr Deutschkum, ihre Musik und ihre Frömmigkeit. Spätere Genekationen deutscher Jugend können aus diesen Seiten dieles lernen, auch was Jugend= und Singbewegung heißt. Die Besten werden auf die frühvollendete Elisaberh wie auf eine Führerin schauen und der Mutter dankbar sein, die das Buch aus Briefstellen und Tagedichern zusammenstellte und aus den Erinnerungen niederschrieb, die sie in einem feinen Herzen treu bewahrt hat. Muttel Behm, von Margarete Wolff, Stiftungsverlag. #50 Mark. Margarete Behms schlichte Gestalt verdient *, um der edlen Treue und völligen Hingabe willen, ein Vorbild echt weiblicher Berufsauffassung der Eeltschen Frauenwelt vorgestellt zu werden. Das warmPr7sig geschriebene, gut ausgestattete und mit vortreffschen Bildern geschmückte Buch ist ein vorzügliches Gehenk für die deutsche Frauenwelt und ihre Jugend. sachratean“ wüchsigkeit, frischer Originalität und Einom Verlag der Agentur(.80) folgt dem erschüttern„Kinder der Staates“ ein abermals erschittterndes „Gezeichnete" von Elis. Schucht. Erlebnis von 5. Aus der Welt der Gefangenen und der Verzweif8 von Strafentlassenen erzählt das Buch. Bilder von iie Kollwitz verstärken seine Wucht. Es ist wie ein vielSchrei. Und sein Echo? Das ist die Frage, die an uns als Leser stellt. Eckart „Sie tragen eine surchtbare Verantwortung.“— Reierung gegen Abänderung der Notverordnung.— der Entscheidung. — Berlin, den 5. Dezember 1930. Die Reichstagsentscheidung über die Juli=Steuerverordnung und die neue Notverordnung steht bevor. Noch am Sonnabend soll die Entscheidung fallen. Im Verlause der Debatte nahm auch der Reichslanzler das Wort, um nochmals den Reichstag zur Zustimmung zu den Notverordnungen zu ersuchen. Mit dem Ausscheiden der Wirtschaftspartei hat sich das Kahinett nach den Ausführungen des Kanzlers zu schließen, bereits abgesunden. Um so mehr versuchte der Reichskanzler die Landvolkpartei für sich zu gewinnen. Nach der Kanzlerrede marschierten sogleich wieder die Redner der Parteien auf. Den Anfang machte der Nationalsozialist Rosenberg. Reichskanzler Dr. Brüning beantwortete in seiner Rede zunächst Anfragen und teilte dabei mit, daß auch die Reichsbahn bei ihren leitenden Beamten die gleiche 20prozentige Kürzung der Gehälter und Leistungszulagen vorgenommen habe, wie die Regierung bei den Ministergehältern. In ähnlichem Sinne, vielfach mit Erfolg, sei die Reichsregierung bei den wirtschaftlichen Spitzenorganisationen vorstellig geworden. Es hat sich überhaupt, so fuhr Dr. Brüning dann fort, eine erfreuliche Bereitschaft zur freiwilligen Mitarbeit gezeigt, auch bei der Preisfenkung. Es ist aber notwendig, daß die Preissenkung möglichst schnell bis zu dem Punkte durchgeführt wird, den sich die Reichsregierung als Ziel gesetzt hat. Würde sich die Preissenkungsaktion noch mehrere Wochen hinziehen, dann bestärde allerdings für die Wirtschaft die Gefahr, daß die Käuferschichten sich stark zurückhalten. Die Reicheregierung wird selbst öffentlich erklären, wann sie glaubt, ihr Ziel bei der Preiesentung erreicht zu haben. Augenblicklich ist dieser Zeitpunkt noch nicht gekommen. Der Textilgroßhandel könne weitere Preissenkungen nicht vornehmen. Wenn die Wirtschaftspartei erkläre, die Notverordnungen befriedigten nicht, dann müsse dabei beachtet werden, daß die Notverordnung nur ein Anfang sei, weitere Maßnahmen zur Gesundung der Wirtschaft müßten folgen. Eingehend setzte sich der Reichskanzler dann mit der Kritik des Abgeordneten Gereke auseinander. Mit Zollmaßnahmen allein könne der Landwirtschaft nicht geholfen werden. „Ich verstehe“, so betonte der Reichskanzler sodann,„daß das deutsche Volk ohne Unterschied der Parteien, den schweren Druck der Reparationslast beklagt und daß alle darum kämpfen, das dieser Druck erleichtert wird— Zurufe rechts: mit Ausnahme der Regierung— aber wenn Sie hinter jedem Problem und hinter jeder Frage als einzige Antwort die Tributfrage haben, dann können Sie weder der Landwirtschaft noch der Wirtschaft überhaupt helfen. Versagt der Reichstag die Zustimmung zum Sanierungsprogramm, dann werden auch Zollmaßnahmen die Landwirtschaft nicht retten. Ich begreife nicht, weshalb landwirtschaftliche Organisationen gegen die landwirtschaftliche Einheitssteuer Stellung nehmen. Sie bedeutet doh, daß die Landwirtschaft ein steuerfreies Existenzminimum von 6000 Mark jährlich erhält Skandal um„Im Westen nichts Neues“. Die„Früchte" Remarques. — Berlin, 5. Dezember. Bei der Aufführung des amerikanischen Hetzfilmes„Im Westen nichts Neues“ (bearbeitet nach dem berüchtigten sog.„Kriegsbuche" von Remarque), bei der zum ersten Male das Publikum frei zugelassen war, kam es am Freitag zu schweren Demonstrationen. Nachdem die ersten Szenen ohne Störung verlaufen waren, erhob sich, als zum erstenmal das Heulen und Kreischen der Freiwilligen im Unterstand gezeigt wurde, ein Proteststurm des Publikums, der die Theaterleitung zur Unterbrechung der Vorführung zwang. Es entwickelten sich schwere Schlägereien, in deren Verlauf die Polizei eingreifen mußte. Erst nach 10 Minuten konnte an die Fortführung der Vorstellung gedacht werden. Bald darauf wiederholten sich die stürmischen Proteste, so daß sich die Theaterleitung entschließen mußte, die Vorführung abzubrechen. Zu dem Skandal um die Aufführung des Filmes„Im Westen nichts Neues“ in den Terra=Lichtspielen(Mozart=Saal) verlautet ergänzend, daß auch Stinkbomben geworfen wurden. Die Direktion forderte Polizei an, die das Theater räumte. Dabei wurden drei Personen zwangsgestellt. Eine zweite Aufführung erfolgte am Freitag nicht mehr. Darüber, ob der Film nach diesen Vorgängen in den nächsten Tagen weiterlaufen soll oder kann, ist eine Entscheidung noch nicht getroffen. Die Reichsregierung muß in dieser Stunde die Parteien davor warnen, zu glauben, da; unmittelbar und so ort an den Bestimmungen der Notverordnung noch vieles und überhaupt etwas in dieser Stunde geändert werden könnte. Es ist meine Pflicht, in dieser ernsten Stunde Sie zu bitten, die Nolv:rordnung so, wie sie ist, anzunehmen bzw. nicht aufzuheben und die Entscheidung ehestens zu fällen. Gelen Sie sich Ihrer groen Verantwortung bewußt. Stellen Sie Ihre Kritik in dieser wirklich ernsten Stunde zurück. Sie wissen nicht, wenn etwa Dinge zum Scheitern sommen sollten, was hinter diesem Scheitern stehen kann. Sie tragen eine furchtbare Verantwortung. Ich bin der Ueberzeugung, daß es genügt, die Parteien daran erinnert zu haben, um ihnen den Mut zur Beschließung jener Maßnahmen zu geben, die heute Volk und Vaterland notwendig sind. Parteien zur Notverordnung. Im zweiten Teil der Reichstagssitzung kam Abg. Rosenberg, der Sprecher der Nationalsozialisten, auch auf die Not des deutschen Volkstums sowie der ukrainischen Minderheit in Polen zu sprechen. Redner erklärte: Das Ziel der polnischen Aufständischen sei, die volnischen Grenzen von 1792 wieder zu erreichen. Das gäben die Verbände offen zu. Polen hätte sich den Deutschen gegenüber eines offenen Bruches der Minderheiten=Ordnung schuldig gemacht, aus dem die Reichsregierung die Konsequenzen zu ziehen habe.(Sehr wahr! rechts.) Das könne nicht durch Beschwichtigungsreden geschehen, wie sie Dr. Wirth gehalten habe, sondern nur durch die Aufhebung des ungerechten Spruches über die Zerreißung Oberschiesiens. Das Versailler Diktat bedeutet einen Bruch der von Wilson feierlich verheißenen 14 Punkte. Frankreich hat jetzt selbst durch Nichterfüllung der Abrüstungsverpflichtung den Versailler Vertrag gebrochen. Deutschland muß daraus die Konsequenzen ziehen. Dazu brauchen wir eine Abkehr von dem jetzigen System der Außen= und Innenpolitik, die Ausmerzung des sozialdemokratischen Einflusses auf diese Politik. Wir kämpfen nicht nur gegen das jetzige System, sondern auch gegen die Persönlichkeiten. Abg. von Stauffenberg(Landvolk) verwies auf die schon früher von seiner Partei geäußerten Bedenken gegen die Finanzpolitik Dr. Brünings. Seit dem Eingreifen Hindenburgs sei manches für die Landwirtschaft getan worden, auch die Berufung Schieles sei ein Plus für die Landwirtschaft gewesen, das große Werk der Rettung der Landwirtschaft sei aber trotz aller Teilerfolge noch nicht vollbracht. In der Landwirtschaft herrsche eine wahre Verzweiflungsstimmung. Die heimische Landwirtschaft müsse jetzt unter allen Umständen geschützt werden, auch wenn dazu das ganze bisherige System unserer Handelsvertragspolitik umgestaltet werden müsse. Nach einer Kritik der einzelnen Maßnahmen der Regiegierung erklärte Redner, da aber das Gesamt=Osthilfe= programm in der Notverordnung nicht berücksichtigt sei, müsse seine Partei schon aus diesem Grunde die Notverordnung ablehnen. Nach ausgedehnter Debakte, die sich bis in die späten Nachtstunden hinzog, und in der nochmals Redner fast aller Fraktionen ihren Standpunkt darlegten, vertagte der Reichstag die Aussprache auf Sonnabend. S. P. D. für Notverordnung. — Berlin, 6. Dezember. Die sozialdemokratische Fraktion hielt während der Pleuarsitzung des Reichstags eine Sitzung ab und beschloß, gegen die Mißtrauensanträge und gegen die Anträge auf Aufhebung der Notverordnungen zu stimmen. Die rätselhaften Todesfälle bei Lüttich. — Brüssel, 5. Dezember. In der Umgegend von Lüttich sind auf rätselhafte Weise bisher 39 Menschen ums Leben gekommen. Es wird ernstlich angenommen, daß es sich um Gasvergiftungen handelt, da diese hohe Sterblichkeitszisser in den Ortschaften Flemalle, Jemeppe und Othee nie erreicht worden ist. Zehn Personen mußten außerdem Krankenhäusern zugeführt werden. Weihnachtsbitte. Ueberall erklingen jetzt wieder die lieben alten Weihnachtslieder. Wir blicken auf zu dem Stern von Bethlehem, der auch in die dunkelste Nacht des Lebens Licht und Heil bringt.„Drum ist auf Erden weit und breit, bei allen Kindern frohe Zeit.“ Wir bitten alle unsere Freunde recht herzlich, uns gerade in dieser dunklen Zeit zu helfen, unsern Kindern den Weihnachtstisch zu decken. Gaben jeder Art sind uns herzlich willkommen. Gott, der Herr, aber segne uns alle in dieser Weihnachtszeit! Der Vorstand des Johannesstiftes. I..: Leich, Pastor. Geldspenden werden erbeten auf unser Postscheckkonto Rettungshaus, Schildesche, Konto Nr. 14051 in Hannover. Kirchennachrichten für Zion. Sonntag den 7. Dezember. 2. Advent. Vorm. 8½ Uhr: Pastor Vischer; 9 Uhr: Pastor Jasper, anschließend Beichte und Abendmahl; 10 Uhr: Pastor Kirschsieper; 11½ Uhr: Kindergottesdienst; 16½ Uhr: Zion, Adventsfeier: Pastor Wilm.— Montag 20¼ Uhr, Gosen: Gemeindebibelstunde. — Donnerstag 19½ Uhr: Pastor Stratenwerth. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag den 7. Dezember 1930, 10 Uhr vorm.: Pastor Neuhaus; 5 Uhr nachm.: Liturg. Adventsgottesdienst Abendmahlsfeier, Pastor Dahlmann.— Dienstag, den 9. Dezember 1930, 8 Uhr abends: Bibelstunde in Untertheesen.— Freitag, den 12. Dezember 1930, 5 Uhr nachm.: Adventsgottesdienst, Abendmahleseier, Pastor Neuhaus. Bethel. — Versammlung der Konfirmierten: der Mädchen am Dienstag, den., der Knaben am Mittwoch, den 10. Dezember, abends 8 Uhr bei Herrn, Pastor Wilmanns, Saronweg 37. Anzeigen aus Bethel. — Radioapparat, Seibt, 4 Röhren zu verkaufen. Näheres im Dankort. — Kanartenvögel(gute Sänger) sind wieder zu haden bei Stegemann, Badeweg 1. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitih: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diehmann; alle in Bethel. 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Nicht in Sonne und Ofennähe trocknen!