Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und und„Anser Ziel.“ Nr. 276. Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25g je tausend 15 Mt Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 6737 Schluß der ug 978*. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 25. November 1930. 12. Jahrgang. Die wahre Welt, in der wir leben, Ist unser Herz; was dieses in sich schließt, Ist Wirklichkeit; nur Schein ist unser Streben Nach dem, was außen ist und wie ein Schein zerfließt. Goethe. ig gzimin Zur politischen Gestaltung Ostafritas. II. Die Aufgabe, die rechte Gestaltung Ostafrikas zu finden, hängt auf das engste zusammen mit der einen großen Frage, die heute in ganz Afrika aufgetaucht ist: nämlich der nach der rechten Behandlung der Eingeborenen. Soll Uganda, Kenya und Tanganyika zu einem großen politischen Gebilde zusammengeschlossen werden, so muß darin eine einheitliche Linie gefunden werden. Zur Zeit ist sie noch nicht vorhanden. Uganda ist staatsrechtliches Protektorat. Die eingeborene Regierung mit dem schwarzen König an der Spitze, mit einem schwarzen Katikiro(Reichskanzler) und einem eingeborenen Parlament, hat die Leitung des Landes. Die englische Verwaltung hält sich dagegen möglichst im Hintergrunde. Das kommt schon rein äußerlich dadurch zum Ausdruck, daß Kampala, der Sitz der schwarzen Regierung, die Hauptstadt des Landes ist, während der englische Gouverneur mit seinem Beamtenstabe in Entebbe für sich allein sitzt. Uganda hat sich in den letzten 50 Jahren unter diesem System wirtschaftlich glänzend entwikkelt. Wer dieses Land durchreist, ist erstaunt über den Reichtum, den es aufzuweisen hat(Baumwolle, Zuckerrohr, Mais, Kaffee, Pfeffer). Eine Aenderung der Eingeborenenbehandlung läßt sich von da aus nicht rechtfertigen. Die in diesem Lande außerordentlich zahlreiche Schicht gebildeter Neger würde sich dem auch auf das schärfste widersetzen. Tanganyika, das ehemalige Deutsch=Ostafrika, ist Mandatsgebiet des Völkerbundes. Dieser hat aber ja feierlich erklärt:„Das Wohlergehen und die Entwicklung dieser Völker(womit die der früheren deutschen Kolonien gemeint sind) bilden eine heilige Aufgabe der Zivilisation.“ Dieses Ziel im Auge zu behalten ist England durch das Mandat selbst eingeschärft. Die Mandatskommission des Völkerbundes hat darüber zu wachen. Die englische Verwaltung sucht den von vielen Seiten immer erneuten Angriffen zum Trotz dieses Ziel durch die sogenannte „indirekte Regierung“ zu erreichen. Das heißt, sie ist auf das Energischste darauf aus, die eingeborenen Gewalten(Sultane, Häuptlinge, Aeltestenräte) der einzelnen Gebiete zu erhalten, zu stärken oder gar wieder in ihre alten Befugnisse einzusetzen. Sie verfolgt auch besonders in der Bodenpolitik eine ausgesprochen Eingeborenen=freundliche Linie. Sie betrachtet das Land als des schwarzen Mannes Land und gibt an Europäer nur sehr zögernd und widerwillig Land ab. Es wird hier also etwa die gleiche Linie wie in Uganda verfolgt, nur daß die ganze Entwicklung noch in den ersten Stadien sich befindet. Ganz anders liegen die Verhältnisse in Kenya. Hier haben die eingewanderten Europäer es verstanden, die besten Länderstrecken völlig in ihren Besitz zu bekommen. Die Hochländer von Kenya sind ganz gewiß durch ihre Energie und Arbeitsleistung zu einem wahren Garten Gottes geworden. Die wirtschaftliche Stärke Kenyas llegt unzweifelhaft in seinen landwirtschaftlichen Erzeugnissen(Mais, Weizen, Korn, Rindvieh). Die Eingeborenen sind in Reservate zurückgedrängt, die aber in ihrer ausdehnung durchaus nicht genügen, wodurch eine große anzahl eingeborener Männer ständig gezwungen ist, sich Lohnarbeiter außerhalb der Reservate zu verdingen, dis heißt, die für die weißen Landbesitzer notwendigen arbeiterscharen zu stellen. Die Regierung ist völlig im Schlepptau der mächtigen Pflanzervereinigungen, die uneer der Führung des bekannten Lord Delamere stehen. diese betrachten unzweifelhaft Kenya als„weißen Manes Land“. Damit ist natürlich nicht gemeint, daß die Schwarzen ausgerottet werden sollten, aber daß sie egentlich nur als Arbeiter für die Weißen, als Proleeciat in Frage kommen. Die Zusammensetzung des geebgevenden Rates von Kenya macht das auch ohne weidie Kenntnis der Landesverhältnisse jedem Beschauer nar. Neben 20 vom Gouverneur ernannten Mitgliedern eden 7 gewählte Europäer, 5 gewählte Inder, 1 geeahter Araber und ein vom Gouverneur ernannter, naerich weißer, Vertreter der Eingeboreneninteressen. Verbichen mit den Zahlen der Bevölkerung(20000 EuroNrr. 40 000 Asiaten und 2¾ Millionen Neger) redet diese Zusammensetzung eine beredte Sprache. Es ist zugleich klar, daß diese völlig anders geartete Einstellung zum Eingeborenenproblem in Kenya gegenüber den beiden Nachbargebieten eine Vereinigung gewaltig erschwert. Darum ist es nicht verwunderlich, daß auf der einen Seite weder Uganda noch Tanganyika dem Gedanken der Vereinigung ohne weiteres freudig zustimmen. Sie fürchten eine Einwirkung der mächtigen Pflanzerpartei Kenyas auf die Grundlinien ihrer inneren Politik. Auf der anderen Seite sperrt sich Kenya energisch gegen den Zusammenschluß, denn es sieht deutlich, daß er eine Aenderung in der Eingeborenenpolitik in Kenya mit sich bringen muß. Ohne eine sehr spürbare Abwandlung der bisherigen Einstellung Kenyas wird es nicht abgehen können. B. A. C. Die republikanische Bewegung in Spanien. Von E. von Ungern=Sternberg. Man sieht bisweilen in den Vorstädten Madrids einen dicken Mann auf seinem Esel einherreiten, man denkt unwillkürlich: Sancho Pansa! Wenn auch Don Quijote nicht zu sehen ist, so glaubt man doch, daß er nicht fern sein kann. Er reitet ja immer noch durch die spanische Gegenwart, oft lebensfern und den Weg nicht kennend, aber immer nobel und in weißen Handschuhen. Der Vergleich mag hinken, aber die Entwicklung der Dinge weist in Spanien Eigenheiten auf, die andere Länder, wenn ihnen politische Krisen drohen, nicht kennen. Als Don Quijote kam zuerst der vielgenannte Professor Unamuno nach dem Sturze Primo de Riveras aus Frankreich über die Bidasoabrücke in sein Vaterland zurück, um Spanien die Republik zu bringen, und es ist nun bald ein Jahr, daß der Welt fast täglich in Telegrammen der bevorstehende Sturz des Thrones König Alfons' XIII. gemeldet wird. Es ist eine bekannte Tatsache, daß das spanische Volk, stärker vielleicht als andere Nationen, die Erinnerung an seine große Vergangenheit pflegt und hochhält. In dieser Vergangenheit aber gibt es vom Standpunkt der Mehrheit der Spanier einen dunklen Punkt, nämlich die 23 Monate republikanische Herrschaft 1873/74 nach der Flucht der Königin Isabella ll. Niemand kann leugnen, daß die Mißwirtschaft und die Wirren auf der Iberischen Halbinsel damals alles in der Geschichte Spaniens Dagewesene weit übertroffen haben. Auch die Führer der jetzigen republikanischen Bewegung dürften diese Erinnerung nicht verloren haben. Ihr Programm ist heute noch ebenso verworren, wie es vor bald 60 Jahren war und die Uneinigkeit in ihren Reihen ist fast dieselbe geblieben. Dem„Heraldo de Madrid“ gemäß zerfallen die spanischen Republikaner in nicht weniger als 24 Gruppen und Grüppchen, die sich z. T. untereinander erbittert befehden. Um dieser Uneinigkeit ein Ende zu bereiten, wurde im großen Madrider Stierkampfplatz eine allrepublikanische Versammlung einberufen, an der etwa 15000 Menschen teilnahmen. Es wurde die gemeinsame Parole: Kampf gegen Kirche und Monarchie, angenommen. Das ist aber an sich kein politisches Programm, und die Einmütigkeit ist wohl nur auf dem Papier erzielt worden. Wenn es dem fanatischen Professor Unamuno und einigen seiner Gesinnungsgenossen gelingt, einige Hundert jugendliche Studenten aufzuputschen, die das Königsbild in feierlicher Form verbrennen, so stürzen sie durch diesen Dummenjungenstreich nicht die Mon„Glaubt nicht an die Revolution!“ so überschreibt der angesehene liberale spanische Schriftsteller Gaziel einen Artikel im„A. B..“, in dem gesagt wird, daß zwar manches im heutigen Spanien an die russischen Verhältnisse der vorbolschewistischen Zeit erinnere, nur mit dem Beigeschmack von Sonnenschein und Orangen statt Schnee und Wodka. Auch der verlorene Krieg mit seinen Begleiterscheinungen von unsäglichem Elend fehle in Spanien. Außer diesen Voraussetzungen fehlen noch manche andere für die spanische Wunschrepublik, denn der Wall, den die Kirche, das Militär, der Adel und die Masse der Landbevölkerung um den Thron bilden, werden weder Professor Unamuno noch andere Mitglieder der spanischen intellektuellen Klasse, die noch unter dem Einfluß der französischen Revolution stehen und sich in den spanischen Freimaurerlogen versammeln, so leicht durchbrechen. In Spanien pflegen Revolutionen nicht von„unten“, sondern durch die„Aufstandserklärungen“, die sogenannten„Pronunciamentos“ gemacht zu werden. Das Militär ist aber von der republikanischen Propaganda wohl kaum berührt. Die revolutionäre Intelligenz steht ohne geistige Berührung mit den Massen da. Sie verfügt aber über große Zeitungen und einen vortrefflichen Propagandaapparat. Unabhängig, oder doch nur indirekt beeinflußt durch die Führer der republikanischen(bürgerlichen) Bewegung brandet durch Spanien eine Woge von Streiks. Anfänglich forderten die Arbeiter eine Anpassung der Löhne an die gestiegenen und infolge des Valutaverfalles weiter steigenden Lebenshaltungskosten. Im Norden, namentlich in Katalonien und auch in Valencia(dort streiken 25000 Arbeiter), nahmen die Streiks eine radikale politische Färbung an. Die Arbeiterschaft geriet unter den Einfluß des früher anarchistischen, jetzt bolschewistischen„Sindicato Unico“, das, bevor es von Primo de Rivera aufgelöst wurde, in einem einzigen Jahre 752 politische Morde auf dem Gewissen hatte, und das jetzt wieder aufgelebt ist. Bisher konnte das gemäßigte Arbeitersyndikat„Sindicato Libre", das von bolschewistischen Methoden nichts wissen will, dem„Sindicato Unico“ die Waage halten, aber dennoch sah sich General Berenguer dazu gezwungen, seine duldsame Haltung aufzugeben und einen energischen Schlag gegen die revolutionären Umtriebe zu führen. In einer einzigen Nacht wurden in den meisten Städten Spaniens die Haupträdelsführer verhaftet und ins Gefängnis abgeführt. Die Verhaftungen konnten ohne Zwischenfälle durchgeführt werden, was ein Zeichen dafür ist, daß die Macht der Revolutionäre arg überschätzt wird. Gleichzeitig sammelt sich die„Union Monarquica“ unter José Antonio Primo de Rivera, dem Sohne des verstorbenen Diktators, und unter Ramiro de Maeztu mit dem festen Entschluß, dem revolutionären Spuk ein Ende zu machen. Wenn es der Regierung nun noch gelingt, die wirtschaftliche Not zu lindern und einem weiteren Valutaverfall vorzubeugen, so dürften die Unruhen bald abebben. Das wird aber die Propheten der spanischen Republik nicht davon abhalten, nach wie vor den bevorstehenden Sturz des Thrones anzukündigen, und sie werden, wie immer, Gläubige finden. Vorläufig, und vermutlich auch in Zukunft, trägt noch die gesunde Vernunft den Sieg über die vielen republikanischen Don Quijotes Spaniens davon. Der Bergmann. Noch zittern die schauerlichen Unglücke von Al. dorf und Maybach im deutschen Lande nach. Schwer hat in dem bald dahin gegangenen Jahr die deutsche Bergarbeiterschaft gelitten. Wer vermag das Leid zu ermessen, das im Augenblick über Hunderte von Fomilien hereinbrach! Wie schwer mögen die Wunden bei dem bevorstehenden Weihnachtsfest wieder anfangen zu bluten. Vieles ist geschehen, oder geschieht noch zur Linderung der Not. Manches bedeutungsvolle Wort ist in jenen Tagen gesprochen oder geschrieben worden zu dem schweren— oder schwersten— Beruf des Bergmanns. Leider, daß gerade diese Massenunfälle die Ursache sein mußten, daß man im weiten deutschen Lande und über dessen Grenzen an den Bergmann erinnert wurde und von ihm sprach. Es gibt kaum einen Beruf, so anstrengend und zugleich entsagungsvoll, wie der des Bergmanns. Schon mit dem Augenblick, wenn er den Förderkorb zur Einfahrt betritt, bringt er sein erstes Opfer. Mit wenigen Ausnahmen— Kanalarbeiter in Städten oder Taucher kann jeder Beruf im herrlichen Tageslicht ausgeführt werden. Was dies bedeutet, weiß nur der Vergmann recht zu ermessen. Dazu kommt der große und mannigfache Gefahrenfaktor, unter dem er seine Tätigkeit ausübt. Explosion, Steinfall, schlechte Wetter, Staub u. a. m. umdrohen ihn beständig. Was es heißt, als Bergmann im Schein der Grubenlampe im Schweiße„nicht nur seines Angesichts“ sein Brot zu verdienen, kann nur der recht begreifen, der mit ihm in der Tiefe schaffte. Bloßes Ansehen gewährt kein umfassendes Bild. Das mag ein Grund sein, daß man in weiten Kreisen den Bergmannsberuf falsch beurteilt. Ja, wenn man von Lohnforderungen las, mögen hie und da sogar scharfe Worte gefallen sein. Und doch sind nur werig Außenstehende in der Lage, ein gerechtes Urteil zu fällen. Denn ist der Lohn der geleisteten Arbeit stets angemessen? Leider nicht! Dabei soll hier nicht untersucht werden, ob dies möglich ist oder nicht. Aber gemessen an dem wirtschaftlichen Fortkommen eines„Ueber=Tage=Berufs“, sei es nun mal Handwerker oder auch Geschäftsmann, bleiht der Bergmann bei gleicher Arbeitszeit stets im Hintertreffen. Dabei muß natürlich noch berücksichtigt werden, daß man unter Tage bei weitem nicht so lange beruflich tätig sein kann wie über Tage, daß man, mit anderen Worten, für seine Familie als Bergmann nicht so lange voll verdienen kann wie ein über Tage tätiger. Und wiederum kann man doch auch nicht behaupten, daß die Tätigkeit des Bergmanns nicht genau so wertvoll sei im Wirtschaftsprozeß und zum Volkswohl wie die etwa eines Handwerkers, Kaufmanns, Prosessors oder gar eines Schauspielers und Filmstars! Es soll auch hier weiter nicht untersucht werden, ob der Vorwurf berechtigt ist, den man heute in Arbeiterkreisen vielfach hört: „Der Mittelstand macht heute den Arbeiter kaputt.“ Jedenfalls geht es schneller, dem Bergmann den Lohn zu kürzen, als die Preise zu senken, damit er mit dem knappen Verdienst auskömmlich leben kann. Die jüngsten Ereignisse beweisen dies. Wenn Kohlen und Eisen die Grundlage unsrer gesamten Wirtschaft sind, dann müßten sie auch die Grundlage ergeben für den Verdienst aller Berufstätigen. Dann wäre wahrscheinlich die vielumstrittene Gehaltsregelung der Beamten in Staat und Kommune ebenfalls einfacher. Und dann— ja, dann ginge es dem Bergmann besser! So erfreulich es ist, daß nach den gräßlichen Unglücken im Oktober für die Hinterbliebenen reichlich Spenden fließen, so haftet dieser besonderen Fürsorge gegenüber Einzelfällen tötlich Verunglückter, bezw, deren Hinterbliebenen doch etwas Ungerechtigkeit an. Dabei übersteigt die Zahl der einzeln Verunglückten die Zahl der Opfer von Massenunfällen, wie bei den Ansprachen am Beerdigungstage in Alsdorf zu hören war. Wer hilft einer Witwe mit soundsovielen Kindern in einem solchen Fall neben der oft knappen Unfallrente noch besonders? Und ist ihr Leid und ihre Sorge nicht gleichbedeutend derjenigen Hinterbliebenen, deren Ernährer einem Massenunfall zum Opfer fiel! Hier könnte ein Fonds geschaffen werden, ähnlich der Hindenburgspende für Kriegsopfer usw. Dann brauchten die Hinterbliebenen eines einzeln Verunglückten nicht zurückzustehen vor denjenigen, deren Vater usw. bei einer Katastrophe umkam. Doch dies sind nicht die einzigen Opfer, die der Bergbau durch Explosion oder Steinfall fordert. Wer kennt außerhalb der Bergbaugebiete etwas von Staublunge? Wie ernst diese Erscheinung genommen wird, erhellt aus der Tatsache, daß die Knappschaftsberufsgenossenschaft Bergleute mit Staublunge als Unfallverletzte anerkennt. Staublungen finden sich besonders bei Arbeitern der Eisensteinbergwerke u. ä. Da der beim Bohren der Sprenglöcher entstehende Eisenstein= oder Grauwackestaub ziemlich schwer ist, übt er einen äußerst schädlichen Einfluß auf die Atmungsorgane, besonders die Lunge, aus. Zwar wird von den Werksverwaltungen alles Mögliche getan zur Staubbekämpfung, wie Absaugen oder Schutzmasken. Aber ein wirklich wirksames Mittel ist bis heute leider nicht gefunden. Es ist in diesen Gebieten keine Seltenheit, daß Bergleute von 30 bis 35 Jahren schon eine Staublunge haben. Wenn auch von Seiten der Knappschaft manches geschieht durch rechtzeitige Badekuren, so wird doch in den seltensten Fällen ein mit Staublunge behafteter ein Alter von 50 Jahren, oder seien es auch einige mehr, erreichen. Man sehe sich einmal in den Erzgebieten um und wird an der Zahl der verhältnismäßig noch jungen Witwen dies bestätigt finden. Als man den Sohn eines solchen„Lungenkranken“ nach der Art der Krankheit seines Vaters fragte, gab er die drastische Antwort:„Wie ich auch einmal krank mannskrankheit". Natürlich wirkt bei dieser Krankheit der Lunge bei seinen Kollegen oder sich selbst als„Bergmannnskrankheit". Natürlich wirkt bei dieser Krankheit auch die jahrelang eingeatmete Grubenluft mit, mag auch in der Bewetterung alles geschehen. Es müßten daher auch hier Mittel und Wege gesucht werden— und sei es durch alljährliche Kuren— um die Lebensdauer des Bergmanns heraufzusetzen, ganz abgesehen davon, daß S Eduard Sievers' schallanalytische Ergebnisse in der Paulusforschung. Zu des Meisters 80. Geburtstag(25. November). Von Georg Meyer(Wurzen). Nachdem einer der begabtesten Schüler Eduard Sievers' den Galaterbrief schallanalytisch untersucht hatte, (Schanz, Verlag von Hinrichs, Leipzig), hat inzwischen der Lehrer und Meister der Schallanalyse, Eduard Sievers, selbst alle Pauliana in dieser Richtung geprüft und durchforscht: Die Paulinischen Briefe, klanglich untersucht und herausgegeben, 3 Hefte, Leipzig, Eduard Pfeiffer, 1926—1929. Durch Unterstützung der Sächsischen Gesellschaften der Wissenschaften und der Notgemeinschaft der Deutschen Gelehrten ist die Drucklegung der schwierien und langwierigen Studien ermöglicht worden.„Ich darf mit voller Ueberzeugung sagen,“ bekennt Eduard Sievers im Hinblick auf seine Arbeit,„daß die Texte so oft mit wesentlich gleichbleibenden Resultaten durchgearbeitet worden sind, daß ich es für ausgeschlossen halten muß, daß eine abermalige Revision noch irgendwie erhebliche Abweichungen von dem jetzt Gebotenen zutage fördern könne. S. 24. Bei einer Gelehrsamkeit großen Formates kommt es nicht allein auf die Menge und den Umfang der Kenntnisse an, sondern vornehmlich auch auf die Persönlichkeit, die dahinter steht. Und die Persönlichkeit Sievers' bindet alle, die ihr nähertraten, mit herzlicher Zuneigung an den Gelehrten, der seinen vielen Schülern hin und her in den Landen im amtlichen wie im persönlichen Verkehr ein warmer Freund von imponierender Gediegenheit und Männlichkeit geworden ist. So ist es sicher angebracht, wenn auch im„Aufwärts“ dem rühmlich bekannten Leipziger Hochschullehrer, der seinerzeit schon mit einundzwanzig Jahren Universitätsprofessor in Jena war und wie selten einer eine ehrenvolle Gelehrtenlaufbahn hinter sich hat, an einem bedeutsamen Gedächtnistag ein kleiner Aufsatz gewidmet wird. Sievers ist Germanist und gilt auf dem Gebiet der Edbaforschung, ddes Gotischen, Angelsächsischen, Mittelein Arbeiter mit angegriffenen Atmungsorganen nicht mehr voll leistungsfähig ist. Von diesen Betrachtungen aus muß die soziale Frage im Bergbau beurteilt und gelöst werden. Es mag wahr sein, daß man in nicht bergbaulichen Bezirken wenig Verständnis aufbringen kann für die knappschaftliche Fürsorge usw. Wie nötig täte hier ein Anschauungsunterricht. Ja, man kann sich oft des Eindrucks nicht erwehren, daß er auch auf die Berufenen im Reichstag ausgedehnt werden könnte! Wer im Mannesalter von 50 Jahren im Beruf noch seinen Platz ausfüllen kann, sollte Gott danken, sollte umsomehr Gott danken, wenn er noch mit Schiller sprechen kann:„Drum freue sich, wer da atmet im rosigten Licht!". Die Sache des Bergmanns ist eine Sache des Volkes. Darum bringe man ihm Verständnis entgegen bei seinen mancherlei Fragen, wie Lohn, Gesundheit, Rente. Wenn es wahr ist, daß wir in unserem Staat eine Volksgemeinschaft bilden, dann erfordert diese Gemeinschaft, daß diejenigen Glieder besonders bedacht werden, die im wahrsten Sinne des Wortes nicht den ersten Platz an der Sonne haben. Und dazu gehört neben anderen unbedingt der Bergmann. Missionsdirektor J. Kroeker hat ein schönes und beherzigenswertes Wort gesprochen. Am 6. September dieses Jahres hielt er in Wernigerode einen Vortrag über das Thema:„Das Geheimnis vor Moskau.“(Veröffentl. in „Dein Reich komme“ Nr. 11, zu bez. vom„Missionsbund Licht im Osten“ Wernigerode.) Dort sagte er u..: Ich darf offen sagen, ich fühle mich den körperlich so schwer arbeitenden Volksschichten gegenüber zu aufrichtigem Dank verpflichtet, wenn meine Arbeit auch auf anderen Gebieten liegt. Ich bin einmal in England mit dem Direktor des Werkes in einen großen Kohlenschacht gefahren. Da bin ich stundenlang herumgewandert und habe die Tausende an ihrer schweren Arbeit gesehen. Seitdem ist es mir immer wieder, als ob man jedem Bergmann die Hand küssen sollte aus Dankbarkeit, daß wir nicht frieren müssen. Wie sollten wir jedem ehrlichen Arbeiter danken für die Opfer, die er durch seine vielfach sehr rauhe Arbeit bringt. Denn er bringt Opfer!“ Einer, der noch jeden Tag seine Schicht verfährt. Der Aufwärts und die Wirtschaftsreform. Ich habe eine Feststellung zu machen und daran eine Frage zu knüpfen: 1. In Nr. 264 des Aufwärts vom 9. 11.(„Was vorgeht“) wird wiederum die Frage aufgeworfen, ob die bestehende Geldwirtschaft,„die zuletzt zu einer Versklavung aller an einen unsichtbaren, grausamen Herrn, das internationale Gold, führt, die einzig denkbare„Wirtschaftsform“ sei. Daran wird die Bemerkung geschlossen,„mag in einem Staate das politische Regiment geführt werden von bolschewistischen oder von faschistischen Machthabern, solange sie nicht den Willen haben und den Mut finden, mit dieser internationalen Macht des Goldes zu brechen, werden sie alle und immer wieder auf die Knie gezwungen werden. Wir haben trotz aller Wirrnis, trotz allem Streit zwischen Unternehmer und Arbeiter doch noch die Hoffnung, daß es gerade Deutschland gelingt, die allgemeine Fessel zu durchbrechen und durch irgendeine Reform die nationale Wirtschaft zu befreien... und ein Wirtschaftssystem zu schaffen, das gegenüber dem bisherigen einen Fortschritt bedeutet, von dem die Allgemeinheit Nutzen hat“. Man muß sagen, fast jeden Tag— und das mit Recht — findet man im Aufwärts ähnliche Ueberlegungen und hochdeutschen usw. als unbestritten hohe Autorität. Aber daneben hat er sich frühzeitig mit den Fragen der Phonetik(Phonetik soviel als Stimmenstudium) beschäftigt. Viele Male hat er ein Kolleg über Phonetik gelesen, auch darüber Wertvolles geschrieben. Seine Vorliebe und Eignung für solche Fragen ließen ihn an biblische Themata herantreten, vor allem mit den Paulinischen Briefen gründliche Bekanntschaft machen. Der Mann von Tarsus, die geistige Großmacht des apostolischen Zeitalters, der mit seinem Evangelium vom Weltheiland als Weltbildner bis auf den heutigen Tag wirkt, ist Sievers des höchsten Interesses würdig. Die analytische Paulusforschung hat den Gelehrten aber keineswegs in die Reihe der Bibelkritiker— d. h. was man als solche im allgemeinen darunter verstand,— treten lassen. Paulus gilt Sievers als jener tiefinnige Heros der Frömmigkeit, der uns, je älter wir werden, desto größer wird und unwiderstehlich in seinen Bann zieht: er hat mehr geschafft, und nicht nur mehr geschafft, sondern mehr geschaffen als alle anderen, aber was er gewesen, ist er in Christo gewesen. Der Glaube an den Erlöser war das Fundament, auf dem der Bau seiner gigantischen Lebensarbeit sich erheben konnte. Für Sievers besteht die Frage nicht, die den„müden Gehirnen begabter Dilettanten“ schweres Kopfzerbrechen gemacht hat: Sind die Paulusbriefe alle echt? Wie steht es mit den sogenannten Pastoralbriefen?, denn wenn er auch durch seine Schallanalyse dazu gedrängt worden ist, festzustellen, daß einzelne Stellen in den Briefen erweitert, ergänzt, etwas vom ursprünglichen Text weg verändert worden sind, für ihn sind alle Briefe echt und er schreibt: Ich bin tatsächlich der Meinung, daß auch alles dem Wortlaut nach Nichtpaulinische, also alles von fremder Hand Formulierte, seinem Inhalt nach in letzter Linie doch irgendwie wieder auf paulinische Anregungen zurückgeht.“ Die beiden Timotheusbriefe und der Brief an Titus haben nach Sievers paulinischen Inhalt, aber sie sind vorgetragen in fremden Stimmen. Die drei Briefe wurden im Auftrag des Apostels geschrieben, vermutlich Fragen, ein Zeichen dafür, wie stark gerade bei den wärtslesern die Erkenntnis geworden ist, daß die beitg. hende Wirtschaft nicht etwa über den Haufen zu renng, sei, sondern im Sinne der schon vorhandenen gesunden Ansätze(vom bargeldlosen Verkehr zur reinen Buchfüß, rung der Volkswirtschaft, von der Goldwährung über di, Rentenmark zu einem einwandfreien Leistungsmesser der Arbeitsmark, vom zinslosen Häuserbau zur völligen Beseitigung des Zinsendienstes usw. usw.) weiter entwiß, kelt werden müsse. In der Auffassung, daß die Zeit reit für eine Aenderung der Wirtschaft werde, wird man auch bestärkt durch Aeußerungen führender Wirtschaftler doe Auslandes. Sagt doch H. Ford in seiner Philosophie der Arbeit:„Wenn wir eine Geldwirtschaft eingeführt haben die von wenigen zum Schaden der Masse gemeistert werden kann, so ist es so sicher wie das Schicksal selbst, daß sie zu verschwinden verurteilt ist. Die Entdeckung ihrer Unzulänglichkeit ist schon ihr Todesurteil.“(S. 98); serner bemerkt der Engländer Kitson in„Der Internatig. nale Goldbetrug"(übersetzt von Dr. Aust, herausgegeben vom Deutschen Verkehrsverein in Bremen, Contreskarpe 129):„Durch falsche Wirtschaftslehren können Völker heute weit leichter und viel gründlicher vernichtet und unterjocht werden als durch Armeen, die in fremde Länder eindringen. Unseren fortgeschrittensten Chemikern ist kein Mittel der Vernichtung bekannt, das auch nur halb so furchtbar wäre als die Lehren schlechter Wirtschaftler! Heute, ist die Presse aller Völker von den Geldgewaltigen, der Hochfinanz, kontrolliert und vor allem vermittels der Presse werden der Oeffentlichkeit fortgesetzt wirtschaftliche Irrlehren beigebracht. Es gilt dies hauptsächlich hinsichtlich aller Fragen, die mit dem Geld= und Kreditwesen zusammenhängen. Und als furchtbares Ergebnis alles dessen steht die Welt heute der folgenschweren Tatsache gegenüber, daß sie nun durch Schulden, die an sich untilgbar, unauslöschlich sind, den Geldverleihern, der Hochfinanz, letzten Endes also einer kleinen Gruppe internationaler Bankiers, versklavt ist!“ (S. 10). fl. Nun die Frage: Wenn die Lage so trostlos ist— und sie ist es; mit Grausen denken wir an die 3¼ Millionen Arbeitslose, für die Arbeit in Hülle und Fülle da ist (Wohnungsnot!!) und die nicht arbeiten dürfen, weil„kein Geld“ da ist—, und wenn dem Aufwärts so viel daran gelegen ist, durch Aufdeckung der Mängel des Kapitalismus eine Besserung herbeizuführen, warum geht er nicht noch einen Schritt weiter und stellt die Versuche zur Aussprache, die die Wirtschaft auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit ganz im christlich=sozialem Sinne— nicht im Sinne einzelner Klassen und Parteien— aufbauen wollen? Diese Lehren erkennen den Privatbesitz an, stellen ihn aber, wie Damaschke es will, unter deutsches Recht, schalten Betrug und Wucher aus und messen die Leistungen mit einem reinen Wertmaßstab, der Arbeitsmark. Warum, so frage ich mich verwundert, werden alle diese entscheidenden Fragen, so wie sie für den willigen und unverbildeten Leser leicht faßlich in den Werken Berthold Ottos dargestellt worden sind(Von der Rentenmark zur Arbeitsmark, Der Zukunftsstaat als sozialistische Monarchie— letzterer in Neuauflage bei Puttkammer in Berlin), hier im Aufwärts nicht erörtert? Und wenn das allenfalls früher geschehen ist, warum geschieht es gerade jetzt nicht, warum nicht in diesem Winter, in dem die Not immer größer wird und damit die Bereitschaft zum Weiterdenken? Man sage nicht, Währungsfragen sind technische Fragen, die den Fachmann angehen. Gewiß sind wir alle der Meinung, daß technische Fragen am besten von Fachleuten zu erledigen sind. Aber handelt es sich hier denn in erster Linie um eine technische Angelegenheit? Nein, hier auf Grund vorhergehender mündlicher Instruktion. Eine wundersame Feinfühligkeit, ein Sensorium geheimnisvoller Art gehört dazu, wenn man in den Briefen des Apostels verschiedene Klänge heraushören will. Der Leipziger Geheimrat versteht sich auf die Kunst, die Gelster der langen Vergangenheit in ihrem Lautrythmus vor uns lebendig werden zu lassen.„Im Ton“, sagt er, „glaube ich einen recht erheblichen Abstand zwischen Paulus und Nicht=Paulus herauszufinden. Paulus kedet stets in Normalstimmen, er wechselt aber Absatz um Absatz zwischen falltonigem und steigtonigem Redetypus. Auch sonst ist Verschiedenheit.„Paulus redet, wie ich ihn verstehe, im Ton eines leidenschaftlich erregten Missicnars, der mehr durch die eindringliche Wärme seines Wortes die Gemüter der Hörer zwingt, als daß er bloß argumentierend und dogmatisierend an ihren Verstand appelliert; bei seinen(gemutmaßten) Nachfolgern abei scheint mir der letztere Weg öfter beschritten zu sein bei niederem inneren Feuer. S. 23. Die Paulusbriefe— immer handelt es sich in ihnen um seelische und um Gemeindeprobleme in einer de stimmten eigenartigen Lage— sind nach Sievers von motheus und Sosthenes, ebenfalls einem Vertrauten d? Apostels, nachdem sie vorher im großen Römerreich so# zerstreut gewesen waren, gesammelt und herausgegebe“ worden. Ein Teil der Briefe war ohne Zweifel sch0“ frühzeitig verloren gegangen. Wir wissen z. B. von zwe“ Korintherbriefen, die leider nicht auf uns gekommen sind. Zuerst hat Timotheus nach des Apostels Tod an 5“ eigneter Stelle das angegliedert, was er aus der munh lichen Unterweisung Pauli wußte und für wertvoll hlett daß es der Nachwelt erhalten blieb. Nach Timotheus“ Sosthenes durch persönliche Ein= und Anfügungen an teilweisen Aenderung der ursprünglichen Textfolge“ teiligt gewesen. Sievers weiß genau zwischen Timothen und Sosthenesstimme zu unterscheiden. Aber n sonst sind ab und zu noch Klangliche weichungen zu bemerken. Um die rechte Ste lung zur Sieversschen Arbeit zu gewinnen, seht es um viel Tieferes, um seelische, und zwar um gesamtseelische Aufgaben, die nur— wie Berth. Otto sagen würde— in volksorganischer Verbundenheit zu lösen zind, Und wo wäre dazu ein geeigneterer Platz, als im aufwärts, bei dessen Lesern sich diese organische Grundztimmung und die dazu gehörige Hilfsbereitschaft so gußerordentlich deutlich ausspricht? Und wenn die Gemüter empfänglich gemacht sind, dann wird auch der umsichtige Techniker und Fachmann da sein, der das, was die Volksseele so heiß verlangt und was in den Werken gerth. Ottos bis zum einzelnen Gesetzentwurf genau zurchdacht ist, in die Wirklichkeit umsetzt. Ich schließe mit den Worten des eingangs erwähnten Aufsatzes:„weise Männer und Männer der mutigen Tat“— und ich füge hinzu: auch Frauen—„das ist es, was unser armes Vaterland braucht". Dr. Fr. Muth. Auf die gestellte Frage eine kurze Antwort. Es gab eine Zeit, da der Aufwärts wie keine andere zeitung solchen Geld= und Wirtschaftsreformern das Wort gab in einem Maße, daß sich die Leser gegen eine so ausgedehnte Besprechung von Fragen wandten, die gar keine Aussicht auf Beachtung und Lösung durch die Stellen haben, die über die Macht verfügen. Weil uns aber die Tagespolitik aus einer Not immer wieder in die noch größere Not führt, taucht eben bei jemand, der die bestehende Wirtschafts= und Währungsform nicht für ein ehernes, unumstößliches Gesetz hält, ganz unwillkürlich doch die Frage auf, ob es nicht doch noch ein Hilfsmittel gibt. Es ist ausgeschlossen, die Berthold Ottoschen, die Gesellschen oder Damaschkes Wirtschaftslehren ausführlich zu behandeln. An Hinweisen darauf haben wir es aber nie fehlen lassen. Graf Terhtens Besuch. — Berlin, 24. November. Bis Dienstag ist Graf Bethlen, Ungarns Ministerpräsident und der bedeutendste Politiker seines Landes, Gast der Reichsregierung. Es ist der erste Besuch, den ein ungarischer Staatsmann seit den schweren Jahren des Weltkrieges Deutschland abstattet. Die Begrüßung, die dem Grafen Bethlen bei der Ankunft in Berlin durch den Reichskanzler und den Reichsminister des Auswärtigen zuteil wurde, zeigt auch äußerlich, wie eng nach wie vor die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind. Die ungarisch=deutsche Freundschaft und Waffenbrüderschaft führt durch glückliche und ernste Zeiten weit in die Jahrhunderte zurück; auch kulturell knüpfen sich Fäden mannigfacher Art hinüber und herüber. Damit hängt zusammen, daß Bismarck, wie es uns Fürst von Bülow in seinen Erinnerungen mitteilt, 1884 zu der Feststellung kommen konnte, bei einer Reise nach Ungarn gewinne man den Anschein, als ob auch zwischen der Donau und den Karpathen Deutsche säßen. Auch wenn hinter der Freundschaft zwischen dem deutschen und dem ungarischen Volke nicht eine auf Jahrhunderte zurückreichende Vergangenheit läge, auch dann müßte— so schreibt der„Pester Lloyd“— die gegenwärtige Lage beider Staaten eine Einheit der Gefühle und der Interessen zwischen ihnen schaffen. Beide Nationen leiden unter dem gleichen Unrecht. Beide erhofften eine bessere Zukunft von dem Widererwachen des Gerechtigkeitsdranges der gesitteten Menschen. Beide seien von der Ueberzeugung durchdrungen, daß sich ein friedlicher Weg zur Anpassung und zum Ausgleich der Lebenserfordernisse der Völker finden müsse. Auch hinsichtlich der Revision der Friedensverträge liefen die deutschen und die ungarischen Interessen parallel zueinander, und dieser Umstand sei es, der die bisher schon bestehende Freundschaft noch enger knüpfen müsse. Die Unterhandlungen, die Graf Bethlen in Berlin führen werde, würden gewiß die volle Uebereinstimmung in diesem Leitgedanken der S die Stimme als das Wesentliche hervorhebt, gilt es zu beachten, daß die Briefe des Apostels gesprochene Briefe sind, d. h. diktiert in die Feder gesprochen. Darum sagt auch Adolf Deißmann(Paulus. Eine kultur= und sittengeschichtliche Skizze) von den Briefen:„Man muß bei vielen Zeilen fragen: Sind sie wohl laut oder leise gesprochen, hat Paulus dabei gelächelt oder vor Leidenschaft gezittert, hat er durch eine rasche Geste den Sinn verschärft oder gemildert?" Der Berliner Gelehrte hat rührungspunkte mit dem Leipziger Forscher. Eduard Sievers ist seinem Beruf nach Philolog und seine Untersuchungen sind demnach auch durchaus philologischer Natur. Bescheiden meint er in theologicis nicht die nötige Schulung zu haben. Aber was den großen Gelehrten uns lieb macht, ist seine vornehme Zurückhaltung, seine heilige Scheu und sein gut konservativer Sinn; sein frommes Gemüt. Ob und inwieweit die durch die Schallanalyse gewonnenen Ergebnisse stichhaltig und richtig sind(z. B. in den Thessalonicherbriefen fehlt die Paulusstimme fast ganz, Sievers läßt den Silvanus, Pauli Freund und Genossen, den eigentlichen Briefschreiber sein), das noch nachzuprüfen ist für die, die jene Feinhörigkeit nicht besitzen, sehr schwer oder auch unmoglich. Vergleichsweise ähnlich muß es uns vor dem Gemälde eines Leonardo oder Rembrandt ergehen, auf welchem etwas Unwesentliches von der Hand eines ihrer Schüler stammt oder übermalt worden ist. Für den Nichtspezialisten ist es wohl unmöglich, das herauszufinden. Hört man Sievers selbst in den verschiedenen Modulationen oder Lautrhythmen sprechen, so ist auch der vorher Zweifelnde für die Richtigkeit der Schallanalyse bewonnen. Allein, wie dem auch sei, die Hauptsache an den umfangreichen Untersuchungen ist für den evangelischen Christen die Tatsache, daß selbst bei subtilen Forschermethoden keine der Kraft= und Hauptstelen der Paulusbriefe irgendwie zu beanstanden !: Der große Heidenapostel und Bannerträger des Sdangeliums von Christo Jesu spricht durch Sievers mit selter Lebendigkeit und alter Kraft zu dem glaubensschwachen Geschlecht unserer Tage. berderseitigen Politik abermals zu Tage treten lassen Einu: die Zukunft, noch mehr festigen. Und da der Feizand Interessen in den Lebensbedingungen Völker verknüpft sei, erscheine es schon vorweg ausgeschlossen, daß auf der weiteren Bahn litischen Entwicklung störende Momente diese sslhltverstandtige und glückliche Harmonie trüben mattze#ssell trägt der Berliner Besuch des Grafen ###i# ins ven Charakter eines Aktes der Höflichkeit. Graf Bethlen hat, seitdem er im Jahre 1921 die Leitung der Politik seines Landes übernahm, fast allen Hauptstädten Europas einen Besuch abgestattet. Nachdem dann der deutsche Außenminister anläßlich der Zusammenkunft mit Graf Bethlen auf der Haager Konferenz dem ungarischen Ministerpräsidenten noch eine Einladung nach Berlin übermittelte, hat Graf Bethlen nicht mehr gezögert, die Reise anzutreten. Natürlich ist der ungarische Ministerpräsident nicht nach Berlin gekommen, um die Reichshauptstadt kennen zu lernen, sondern er will hier mit den verantwortlichen Männern der Reichsregierung die Fragen erörtern, die zwischen Deutschland und Ungarn offen sind. So ist z. B. ein deutsch=ungarischer Handelsvertrag fällig, weil beide Länder bisher nur in einem Meistbegünstigungsverhältnis zueinander stehen. Aber bei aller Achtung vor der Bedeutung wirtschaftlicher Fragen ist doch nicht anzunehmen, daß in den Besprechungen mit dem Reichskanzler und dem Reichsaußenminister ausschließlich über wirtschaftliche Dinge gesprochen werden wird. Dazu lastet das System der Versailler Verträge auf Deutschland und Ungarn zu schwer. Ueber die Not, die Versailles Deutschland gebracht hat, braucht in dieser Stunde nichts gesagt zu werden. Wie sehr aber auch Ungarn unter den Diktaten von 1919 zu leiden hat, das wird verständlich, wenn man bedenkt, daß Ungarn von seinen 325000 Quadratkilometern nur 93000 und von zehn Millionen Einwohnern nur sechs Millionen übrig geblieben sind! Wie Graf Bethlen im Gespräch mit Journalisten wiederholt betont hat, ist es abwegig, seinen Besuch in Berlin mit seiner letzten Reise nach der türkischen Hauptstadt Angora und seiner dortigen Zusammenkunft mit dem Griechen Venizelos und bulgarischen Politikern dahin in Zusammenhang zu bringen, daß jetzt in Berlin die Bildung eines„Blockes der Hungrigen“ besiegelt werden soll. Diese Feststellung ist eine Selbstverständlichkeit, bedarf es doch der Bildung eines Revisionsblockes überhaupt nicht, weil die furchtbaren Ungerechtigkeiten des Versailler Systems längst alle Völker, die unter den Versailler Verträgen nicht leben können, in eine Einheitsfront geführt haben. Und darum hoffen wir, daß der Besuch Graf Bethlens in Berlin auch für die Gesamtheit der deutschungarischen Schicksalsgemeinschaft von Nutzen sein wird. * Graf Bethlen beim Reichspräsident von Hindenburg empfing den Besuch des ungarischen Ministerprasidenten Graf Bethlen, der von dem ungarischen Gesandten von Kanya begleitet war, und gab zu Ehren des Grafen und der Gräfin ein Frühstück, an dem außer den ungarischen Gästen und ihrer Begleitung u. a. die Mitglieder der ungarischen Gesandtschaft, der Reichskanzler, Reichsminister Dr. Curtius sowie der Chef der Heeresleitung, General Freiherr v. Hammerstein, mit ihren Damen teilnahmen. „ Graf Bethlen beim Reichskanzler.— ungarns Eunsche für Deutschland. Reichskanzler Dr. Brüning gab zu Ehren des ungarischen Ministerpräsidenten Graf Bethlen ein Herrenessen, an dem etwa 75 Personen teilnahmen. In seinem Trinkspruch führte der Reichskanzler, zu Graf Bethlen gewandt, aus: Wir freuen uns, in Ihnen den Vertreter einer Nation begrüßen zu dürfen, die mit uns in treuer Kameradschaft gekämpft und gelitten, und die durch unbeugsamen Mut in den Zeiten schwerster Not ein leuchtendes Vorbild gegeben hat. Die alte Schicksalsverbundenheit unserer beiden Völker bietet die sicherste Gewähr dafür, daß Ungarn und Deutschland stets in Freundschaft ihren nationalen Zielen zustreben werden, die sich mit einer wahren und dauernden Befriedung Europas in voller Uebereinstimmung befinden. Ministerpräsident Graf Bethlen unterstrich in seiner Antwort gleichfalls die engen Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn, gab der Hoffnung auf eine engere wirtschaftliche Verbindung beider Länder Ausdruck und schloß dann u..: Ich bitte Euer Exzellenz versichert zu sein, daß die aufrichtigsten Wünsche aller Ungarn das deutsche Volk auf dessen schwierigem und dornenvollem Wege des Wiederaufbaues begleiten; ganz Ungarn ist davon überzeugt, daß es dem Reiche in naher Zukunft gelingen wird, den ihm gebührenden Platz an der Sonne zurückzuerobern. Bei einem Presseempfang äußerte sich Graf Bethlen noch über seinen Besuch beim Reichspräsidenten. Es sei ihm eine wahre Freude gewesen, so führte er aus, diesen großen Nationalhelden begrüßen zu dürfen. Hindenburg sei eine lebendige Verkörperung der Bande zwischen der Gegenwart und der Vergangenbekt. Kundgebung für den Anschluß. e Rede Dr. Schnees.— Oesterreichs Vereinigung mit Deutschland nur eine Frage der Zeit. — Wien, 24. November. Der Oesterreichisch=deutsche Volksbund versame sich in Wien zu seiner Jahreshauptversammlung, Festsitzung, zu der sich der deutsche chenfeld und zahlreiche führende Persönlichkeiten tsch=Oesterreichs eingefunden hatten, gestaltete sich iner machtvollen Kundgebung für die tsch=Oesterreichs mit Deutschland. Ansprachen hielu. a. Professor Eibl und Gouverneur a. D. Dr. Ob in Deutschland eine Regierung von rechts oder s her komme, so betonte Dr. Schnee, immer werde für den Anschluß sein. Der Anschluß sei eine ung der Freiheit und Gleichberechtigung des deutn Volkes, ohne die es keine dauernde friedliche Verdigung zwischen den Nationen geben könne. So werde die Auschlußfrage zu einer großen Schicksalsfrage nicht nur des deutschen Volkes, sondern auch Europas. Ihre Lösung könne nur erfolgen durch Beseitigung der Schranken, die fremde Gewalt gegen den Willen des Volkes errichtet hat. Der Auschluß sei nur eine Frage der Zeit. Der Tag werde kommen, an dem das heiße Sehnen vieler Millionen deutscher Herzen in Erfüllung gehe und ein einheitliches Reich Deutsche und Deutsch=Oesterreicher umfassen werde. Grausamkeiten gegen Deutsche. Wahlen in Ostoberschlesien unter dem Schreckensregiment der Aufständischen. Am Sonntag hatte Ostoberschlesien einen neuen Seim, nach deutschen Begriffen also einen Provinziallandtag zu wählen. Wie sehr auch diese Wahlen unter dem Schreckensregiment der Aufständischen vor sich gingen, zeigt die Aurufung der Gemischten Kommission durch den Deutschen Volksbund. In dem unmittelbar an der deutschen Grenze bei Nativor gelegenen Hohenbirken brach am Vorabend der Wahl ein Trupp schwerbewaffneter polnischer Aufständischer in den Ort ein und zerstörte sieben Wohnungen von deutschen Vertrauensleuten. In zwei Wohnungen ist nicht ein einziges Möbelstück heilgeblieben! Die gesamte Einrichtung der Wohnungen und das Geschirr der Jamilien wurden zertrümmert, selbst die Heiligenbilder verschonte man nicht. In einem Hause sind 70 Fensterscheiben, in einem anderen 50 eingeschlagen worden. Die Hansbewohner wurden aufs Schwerste mißhandelt, zwei Vertrauensleute bis zur Unkenntlichkeit verprügelt. Auf Antrag des Deutschen Volksbundes begab sich die Kommission unter Führung Calonders nach Hohenbirken, um an Ort und Stelle Ermittlungen über den Terror dieser Banditen anzustellen. Die polnische Polizei, die in der Nähe der Ueberfallenen ihren Sitz hat, will— wie immer, wenn Deutsche mißhandelt werden— auch von diesen, doch gewiß ungeheuerlichen Greueltaten nichts bemerkt haben. Als die Angehörigen der Mißhandelten nach dem Rückzug der Aufständischen bei der Polizei Anzeige erstatteten und die Polizei in die Wohnungen der Opfer kam, wagten einzelne Polizisten, den Deutschen Vorhaltungen zu machen und sie zu fragen, was sie eigentlich auf dem Gewissen hätten, daß es zu diesen Geschehnissen hätte kommen können! für die Akrainer? Die polnischen Zeitungen bringen eine Londoner Meldung, nach der ein Abgeordneter der englischen Arbeiterpartei im Unterhaus eine Anfrage eingebracht hat, mit der die Regierung ersucht wird, die Behandlung der ukrainischen Minderheit in Polen zum Gegenstand einer Vorstellung beim Völkerbund zu machen. Neue Dritte Lesung des Regierungsprogramms bis zum 21. Dezember? Der Wiedereröffnung des Reichstags am 3. Dezember sollen in dieser Woche neue Besprechungen des Reichskanzlers mit den Partei= und Fraktionsführern voraufgehen. Zuerst werden die Vorsitzenden jener Fraktionen vom Reichskanzler empfangen werden, die der Regierung nahestehen. Es heißt, daß der Reichskanzler von den Parteiführern verlangen wird, daß die Sanierungsgesetze bis zum 21. Dezember die parlamentarische Erledigung finden. Für die Spezialberatung in den Ausschüssen soll eine Frist von 14 Tagen gegeben werden. Die erste Beratung über das Finanz= und Wirtschaftsprogramm soll drei Tage dauern. Für die zweite und dritte Lesung sind ebenfalls drei Tage vorgesehen, und zwar die Zeit vom 19. bis 21. Dezember. Senkung der Kohlenpreise um 9 Der offizielle Beschluß des Rheinisch=Westfälischen Kohlensyndikats. Das Rheinisch=Westfälische Kohlensyndisat, das, wie seinerzeit aus der Kanzlerrede im Reichstag bekannt wurde, zum 1. Dezember eine sichsprozentige Ermäßigung der Kohlenpreise in Aussicht genommen hatte, hat nunmehr offiziell eine Preisermäßigung um neun Prozent beschlossen,„unter der Vorausserung, daß vom 1. Januar ab eine entsprechende Senkung der Löhne durchgeführt wird.“ Damit ermäßigt sich vom 1. Dezember ab der Preis für Fettförderkohle um 1,50 Mark. Die Preissenkung für die übrigen Sorten erfolgt in Anpassung an die Marktgängigkeit der einzelnen Sorten differenziert. * Am Dienstag finden in Berlin die Nachverhandlungen über den die Arbeitszeit betreffenden Schildsspruch im Ruhrbergbau statt. Ertschließung der Landgemeinden. Die Gesundung Deutschlands auch von der Gesundung der Landgemeinden abhängig. Die große Kundgebung des Deutschen Landgemeindetags im Reichstag fand mit einer Vertretertagung des preußischen Landgemeindeverbandes ihren Abschluß. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Die Landgemeinden sind stets bereit, in Reich und Staat an der Wiederherstellung geordneter Finanzverhältnisse nach besten Kräften mitzuarbeiten. Der Finanz= und Wirtschaftsplan der Reichsregierung darf sich jedoch nicht vorwiegend in einer Entlastung des Reiches und der Wirtschaft auf Kosten der Gemeinden auswirken, die infolgedessen gezwungen sein würden, ihrerseits die Wirtschaft durch eine entsprechende Erhöhung der gemeindlichen Steuern neu zu belasten. Das Fundament des Reiches und des Staates bilden die Landgemeinden und die bodenständige Bevölkerung des platten Landes; Reichs= und Staatsregierung müssen daher, schon um ihrer selbst willen, die ländlichen Belange der Bedeutung des Landvolkes und der Landgemeinden entsprechend berücksichtigen. Wird Mecklenburg=Strelitz preußisch? Das Staatsministerium legt dem Landtag eine Denkschrift über den Anschluß vor. Das Staatsministerium von Mecklenburg=Strelitz hat dem Landtag, der am Donnerstag seine Beratungen wieder aufnimmt, eine umfangreiche Denkschrift zur Beschlußfassung überreicht, die sich mit dem Anschluß von Mecklenburg=Strelitz an Preußen befaßt. In dem beabsichtigten Staatsvertrag wird im wesentlichen vorgesehen, daß das Gebiet des Freistaates Mecklenburg=Strelitz mit Wirkung vom 1. April 1931 ab mit Preußen vereinigt wird. Das Land Stargard und das Land Natzeburg sollen den benachbarten preußischen Provinzen zugeteilt werden. Der Konflikt in Königsberg. Wiederanbringung der Schleifen der Deutschen Studentenschaft. Zu den Zwischenfällen vor der Universität in Königsberg wird noch mitgeteilt, daß die Schleifen der aus Anlaß der Langemarkfeier vor der Heldengedenktafel niedergelegten Kränze der Deutschen Studentenschaft auf Veranlassung des Rektors entfernt worden sind, weil der Rektor eine Deutsche Studentenschaft der Albertina bisher nicht anerkannt habe. In einem Senatsbeschluß bedauern Rektor und Senat das Einfreifen der Polizei. Der Deutschen Studentenschaft, sie sich bis vor kurzem Freie Studentenschaft nannte, wurde die Wiederanbringung der Schleifen gestattet. Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der preußische Kultusminister Grimme den Rektor der Universität Königsberg zur Berichterstattung über die Vorfälle nach Berlin gebeten. Weißenberg erledigt. Sein„Beleidiger“ freigesprochen. Bekanntlich hatte der Redakteur Preuß von der „Zeitschrift zur Bekämpfung des Kurpfuschertums und Heilmittelschwindels“ dem„göttlichen Meister",„Propheten“ und Sektenhäuptling Weißenberg Gemeingefährlichkeit und schwindelhaftes Treiben vorgeworfen. Für diese Behauptung hatte er in dem Beleidigungsprozeß, den Weißenberg daraufhin gegen ihn anstrengte, den Wahrheitsbeweis angetreten. Das Urteil, das jetzt verkündet wurde, lautet: Der Angeklagte Redakteur Preuß wird auf Kosten des Privatklägers freigesprochen. In der Begründung heißt es u.., daß die Tätigkeit Weißenbergs tatsächlich als gemeingefährlich anzusehen ist. Hochwasser in Westdeutschland. Explosion infolge von Ueberschwemmungen.— Alarmbereitschaft zwischen Basel und Kehl. — Köln, 24. November. Infolge der Regengüsse der letzten Tage besteht in Westdeutschland wieder Hochwassergefahr. Auf der Mosel treiben Kähne, Kleinvieh, Balken und Bretter. In der Gegend von Kreuztal bei Siegen sind einige Straßen überschwemmt. Bei Eiserfeld ist eine ganze Siedlung durch Hochwasser vom Orte abgeschnitten worden. In Warndt im Saargebiet ist der Staudamm des Jakobswehrs durchbrochen; das Wasser hat weite Gebiete überflutet. Am Oberrhein befinden sich die Dörfer zwischen Basel und Kehl in Alarmbereitschaft. Auf dem Hochschwarzwald bilden zahlreiche Täler mit dem überschwemmten Wiesengelände große Seen, namentlich im Gebiet von Villingen und St. Georgen. Aehnliche Meldungen laufen aus Belgien ein. So wurde in Grembergen in Ostflandern der Deich durch Stürme zerstört. Bei Charleroi wurde auch eine Fabrik zur Herstellung von flüssiger Luft überschwemmt, wobei sich die aufgespeicherte Kohlensäure mit Wasser verband, was Gasausströmungen verursachte. Kurze Zeit später ereignete sich eine furchtbare Explosion. Neue Erplosionen werden bei einem weiteren Ansteigen des Wasserspiegels befürchtet. Politische Rundschau. Der Reichsminister des Innern sprach dem Universitätsprofessor Dehio seine Glückwünsche zum 80. Geburtstag aus. :: 65. Geburtstag Adolf Damaschkes. Adolf Damaschke, der Führer der deutschen Bodenreformerbewegung, feierte am Montag seinen 65. Geburtstag. Von Hause aus Volksschullehrer, machte Adolf Damaschke 1896 die Vertretung des Gedankens der Bodenreform zu seiner ausschließlichen Lebensaufgabe. 1919 erhielt er von der Universität Münster die Würde eines Ehrendoktors. :: Z u r E r l e i c h t e r u n g d e s E i s e n b a h n v e r k e h r s m i t Ostpreußen wurde im Reichsverkehrsministerium ein Vertrag unterzeichnet, an dem Deutschland, Danzig und Polen teilhaben. :: Der Mörder des Gesandten von Baligand irrsinnig. Die portugiesischen Aerzte, die den deutschen Staatsangehörigen Wiechorowsky, den Mörder des Gesandten von Baligand, auf seinen Geisteszustand hin untersucht haben, haben Wiechorowsky als irrsinnig bezeichnet. :: Der Haushaltsausschuß des Reichstags befaßte sich in Fortgang seiner Beratungen mit dem in der Juli=Notverordnung enthaltenen Zuschlag zur Einkommensteuer für Jahreseinkommen von mehr als 8000 Mark. Alsdann wurde die Tabaksteuernovelle beraten; die Beratungen werden am Dienstag fortgesetzt. :: K o n f e r e n z d e r p r e u ß i s c h e n P o l i z e i p r ä s i d e n t e n. Die preußischen Polizeipräsidenten hatten im Ministerium des Innern eine Konferenz mit Staatsminister Severing. Erörtert wurden die Handhabung des Republikschutzgesetzes, die Frage der Zeitungsverbote, die Versammlungsfreiheit und die Versammlungsüberwachung. :: Anwendung der Kartell=Verordnung gegen die Berliner Brotfabriken. Das preußische Staatsministerium hat der Vereinigung der Brotfabriken GroßBerlins untersagt, für die Mitglieder der Vereinigung verbindliche Preise für den Verkauf von Brot festzusetzen, Empfehlungen auszusprechen oder einen wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Druck im Sinne der Besolgung derartiger Empfehlungen anzuwenden. Preußen und der Kirchenvertrag. In einem Berliner Blatte lesen wir: „In den Verhandlungen des preußischen Staates mit den evangelischen Kirchenbehörden über den Abschluß eines Kirchenvertrages hat der sozialdemokratische Ministerpräsident Braun den Standpunkt eingenommen, daß dem Staate ein weitgehendes Aufsichts= und Mitbestimmungsrecht in kirchlichen Dingen eingeräumt werden müsse, daß also Preußen das Recht hätte, gegen jede politisch nicht genehme kirchliche Persönlchket zu protestieren. Bei Abschluß des Konkordats mit der katholischen Kirche hat man von einem solchen Rechtsanspruch des preußischen Staates nichts gehört, der zudem gegen das sozialistische Dogma verstößt!— Eine alte Forderung der Sozialdemokratie ist nämlich die Trennung der Kirche vom Staate.— Der Staat habe sich nicht um kirchliche Dinge zu kümmern, und Religion sei Privatsache.— Und nun doch—„Aufsichts= und Mitbestimmungsrecht"? Rundschau im * Wie verlautet, will jetzt auch Italien gegen Gewährung einer Anleihe dem schwedischen Zündholzkönig Ivar Kreuger ein Streichholzmonopol gewähren. * Die russische Armee hat aus Mitteln einer Werkssammlung 87 neue Flugzeuge erhalten. * Schurmanns Gemahlin F. * In Bedford im Staate Neuyork starb die Gemahlin des früheren amerikanischen Botschafters in Berlin, Barbara Schurman. Vor einer Woche war die Gemahlin des Botschafters an einer Lungenentzündung erkrankt. Reichspräsident von Hindenburg sandte dem Botschafter ein Beileidstelegramm. ZIONSRTRUIE-BETHEL Donnerstag, den 27. November 1930, abends 8 Uhr Back-Feierstunde Ausführende: Frau E. Schroiff-Bielefeld(Sopran), Herr Lic. Pastor VischerBethel(Flöte), der Oratorienchor-Bethel, Leitung u. Orgel: I. P. Seiler-Bethel Die Vortragsfolge bringt nur Werke von Johann Sebastian Bach Programm mit Text zu 50 Pfennig berechtigt zum Einfritt Die Schlußkollekte ist für die Ostafrika-Mission bestimmt. gleicht die Fehler der heutigen Ernährung aus, überbrückt die Kluft zwischen Rohkost und Feinkost, Naturnahrung und Kulturnahrung. Auch Sie sollten sich durch einen Versuch überzeugen. Zu haben in den Ophir-Geschäften. Geb. Vierzigerin, christl. ges, unbedingt vertrauensvoll, durch Todesfall frei, m. reich. Erfahr. in allen Zweigen des Haushaltes, gewissenhaft und sparsam sucht Wirtungstreis in gutem Hause. Angebote unter A 7247 an die Geschäftsstelle des„Aufwärts". Anstalt der Inneren Mission auf dem Lande sucht Darlehen von 15000 Mk. auf 2. Hypothek(sichere Stelle). 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Geheimhaltung der House=Tokumente. : Auf Wunsch Englands, Frankreichs und werden die Aufzeichnungen über die Unterredungen Oberst House, der bekannte Ratgeber und Vertraute Präsidenten Wilson, im Jahre 1917 mit den führenden Staatsmännern der alliierten Länder hatte, aus den u. Staatsdepartement geplanten Veröffentlichungen über Weltkrieg weggelassen werden. ven Was geht in Rußland vor? Störung des telephonischen Verkehrs.— Moskau dementiert * In den letzten Tagen kamen vielfach Alarmmeldun, gen aus Rußland, nach denen ein Attentat auf Stalin, den eigentlichen Beherrscher der Sowjetunion, verübt worden sein und in mehreren Städten Militäraufstände ausgebrochen sein sollten. Eine Meldung berichtete sogar von der Ver, haftung des Generals Blücher. Angesichts dieser, von Mos, kau allerdings als falsch hingestellten Nachrichten, erregte## jetzt großes Aufsehen, daß mit Rußland plötzlich keine tele, phonische Verbindung mehr hergestellt werden konnte. Amtlicherseits werden die Störungen im Telephonver, kehr ausschließlich auf atmosphärische Ursachen zurückge, Bethel. Christlicher Verein junger Männer. Heute, Montag, 8¼ Uhr in„Ephrata“ Männerchor. Vollzähliges scheinen wegen der Adventsfeier am 30. 11. nötig. Dienstag 8¼ Turnen Mittwoch nachmittag 4 Uhr Märchenstunde für Kin, der(Lichtbilder), 10 Pfg. mitbringen. — Frauenhilfe. Am Mittwoch, den 26. November. 3½ Versammlung der Frauenhilfe. E. Brandt. Anzeigen aus Bethel. — Trockenes Anmacheholz hat abzugeben Haus Morija. Gebündelt je Bündel 15 Pfg., lose in Säcken etwa 1 Zentner.— RM. Lieferung frei ins Haus.— Größere Posten billiger nach Uebereinkunft. Weihnachtsbitte für die deutsche Seemannsmission. Seit das Kind in der Krippe von Bethlehem lag, gehört die frohe Botschaft von der Liebe Gottes allen armen Leuten, allen Einsamen, Verlassenen und Heimatlosen. Solche gibt es auch unter den deutschen Seeleuten. Deutsche Seeleute sind den Aufwärtslesern keine Unbekannten mehr, darum wagen wir auch in diesem Jahr mit der alten Bitte an die Aufwärtsgemeinde heranzutreten. Wer denkt beim Nahen des Weihnachtsfestes nicht gern an die Heimat, an den Weihnachtsbaum und an den von lieber Hand gedeckten Weihnachtstisch? So sehen auch viele unserer deutschen Seeleute, die fern von Heimat und Vaterhaus, fern von Weib und Kind in der Fremde dem Fest entgegensehen, nach einem Plätzchen, wo ihnen von lieber Hand ein Tisch gedeckt wird. Das will das Seemannsheim tun, das will die frohe Botschaft von der Liebe Gottes auch den Seeleuten bringen und möchte in das entsagungsreiche und einsame Leben des Seemanns etwas von dem Leuchten aus der Ewigkeit, das besonders an Weihnachten deutlich wird, hineinbringen. Wir sind überzeugt, daß die„Aufwärtsgemeinde" uns auch jetzt wieder gerne hilft. Willkommen sind Strümpfe, Taschentücher, Bücher, Tabaksbeutel, Nähbestecke, Halstücher und dergl. Von Tabak bitten wir abzusehen, da derselbe sehr hoch verzollt werden müßte. Einen persönlichen Gruß mit der eigenen Adresse beizufügen ist erwünscht und verleiht der Gabe einen besonderen Wert. Wir senden diese Bitte so früh hinaus, weil die Weihnachtskiste 14 Tage vor dem Fest abgehen muß, um den Anschluß an den Dampfer, der sie frachtfrei nach Amsterdam bringen soll, zu erreichen. Wir bitten alle Liebesgabenpäckchen mit dem Vermerk„für die Seemannsmission in Amsterdam“, recht bald an Hausvater Göckelmann, Bethel bei Bielefeld, Haus Nazareth, zu senden. Mit herzlichen dankbaren Weihnachtsgrüßen Deutsche Seemannsmission Amsterdam. Der Ortsvorstand: Ludwig Würdemann, Vorsitzender, F. Voges, Pfarrer, Schriftführer. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel: Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. ( Die glöckliche Geburt des fünften Sohnes zeigen hochertreut an Dr. med. Hanns Löhr und Frau Marianne, geb. Dieterici Bethel-Bielefeld, den 22. November 1930. Anmeldungen zu den öffentlichen höheren Schulen der von Bodelschwingh'schen Anstalten. 1. Friedrich von Bodelschwingb-Schule Deutsche Oberschule in Aufbauform. Zur Aufnahmeprüfung für Untertertia werden Schüler der Volksschule zugelassen, die das siebte Schuljahr Erfolg durchlaufen haben. Anmeldungen nimmt ber Unterzeichnete täglich in seinem Dienstzimmer(Aufbau' schule, Bethel, Pellaweg 37) vormittags von 11 1 Uhr entgegen. Vorzulegen ist außer dem Geburts schein das letzte Schulzeugnis. Studiendirektor Dr. Georg Müller, Bethel bei Bielefeld. 2. Bethelstbule, Oeffentl. höhere Mädchenschule. Lehrplan des Lyzeums. Ausbau zum Lyzeum für Ostern 1931 beschlossen. Beaussichtigung der Schularbeiten. Anmeldungen nimmt die Schulleiterin täglich im Schnt“ gebäude am Bauweg von 10½ bis 12½ Uhr entgegen.