Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und ( 86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Kürs einsland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und Kindergabe“ und„Anser Ziel. Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennia. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 13 Mt Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 272. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Mittwoch, den 19. November 1930. 12. Jahrgang. Wenn wir in höchsten Nöten sein Und wissen nicht, wo aus noch ein, Und finden weder Hülf noch Rat, Ob wir gleich sorgen früh und spat: So ist dies unser Trost allein, Daß wir zusammen insgemein Dich anrufen, o treuer Gott, Um Rettung aus der Angst und Not. Mimi iiiiiiin Landes=Buß= und Bettag. Der Herr hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre. 2. Petri 3, 9. Welche Bedeutung hat der Bußtag?.Tief eingewurzelt ist der Irrtum, als solle an diesem Tage jeder einmal im Jahr seiner Sünde vor Gott gedenken. Zum Teil infolge dieser falschen Auffassung strömen in den Großstädten viele Tausende, die sonst nicht die Gottesdienste besuchen, in die Kirchen. Es treibt sie der letzte Rest eines Verantwortungsgefühls vor Gott, dem man sich doch wenigstens einmal im Jahre stellen müsse. Hier ist dann freilich die Wucht der ersten These Luthers in ihr Gegenteil verkehrt. Denn mit dieser These,„da unser. Herr und Meister Jesus Christus spricht, tut Buße, hat er gewollt, daß alles Leben der Gläubigen Buße sein soll“, hat Luther ja gerade den Einrichtungen einzelner Tage und Stunden für die Bußübung widersprechen wollen. Wenn nun die römische Werkerei der Bußübungen zusammengeschrumpft wäre zu einem einzigen Tag, ja, zum Besuch eines einzigen Gottesdienstes an diesem Tage, so wäre das freilich ein Grund für solche Evangelischen, sich vor dem katholischen Bußernst zu schämen. Aber der Landes=Buß= und Bettag hat ja eine ganz andere Bedeutung. Hier handelt es sich nicht zunächst um die Sünden des Einzelnen, welche das ganze Leben hindurch vor Gott zu bringen sind, hier handelt es sich um die Besinnung auf die Sünden des ganzen Volkes. Wohl geben die Bußtage, wie sie bei Ausbruch eines Krieges eingerichtet zu werden pflegen, einen mehr unmittelbaren Anlaß für das ganze Volk, sich vor Gott zu demütigen. Aber gerade gegenwärtig ist das Maß von Sünde und Elend in unserm Volke wahrlich groß genug, um eben auch diesen feststehenden Tag recht unmittelbar als einen Buß= und Bettag vor Gott für unser Volk zu feiern. Denken wir zunächst an das Elend. So furchtbar hat der Druck der Arbeitslosigkeit, der äußeren und inneren Not, die damit verbunden ist, noch nie auf unserm Volk gelastet wie in diesem Jahr. Was wird aus dem dunklen Schoß dieses Elends, wenn es weiter anhält, hervorgehen? Hunger, Verzweiflung, Bürgerkrieg? Und dann die Sünden des Volkes, die Zuchtlosigkeit, Sinnenlust, die immer kecker auftretende Gottlosigkeit. Aber wer hat hier nun Ursache, mit Eifer Buße zu kun? Etwa besonders diejenigen, bei denen diese Sünden stark und schwarz hervortreten? Aber sie können es sa gar nicht. Keiner kann wirklich Buße tun, dem nicht zuvor das Wunder der Gnade Gottes aufgegangen ist. unaussprechliche und unbegreifliche Wunder, dieser gewaltigste Beweis des Daseins Gottes, nämlich die Gebuld, mit welcher er diese Welt, insonderheit auch unser Volk, trägt. Er läßt seine Schöpfung mißbrauchen, die zerstörenden Kräfte der Sünde dürfen sich an ihr ausloben. Dennoch trägt er uns, erhält auch noch unser Volk, weil er nicht will, daß jemand verloren werde. Darum können und müssen die, welche das Wunder dieser Geduld Gottes schauen, die ersten sein, welche Buße en und für ihr Volk beten können. Nur durch diese Geound Gottes wissen sie sich ja selbst erhalten und können varum eintreten für die, welche die Geduld frevelnd auf die Probe stellen. Und dieselbe Geduld Gottes macht sie luch stank, nicht nur für ihre eigenen, irdischen Nöte Gott di bitten, sondern auch für die Nöte der vielen Armen und verzweifelten Menschen. 5u solcher Arbeit des Bußetuns und der Fübitte für wdere sollte uns jeder Bußtag neuen Anstoß geben. Bind diese Arbeit zunächst für den engeren Kreis um gus#er treu getan, dann werden wir sie auch mit Segen eun können für unser ganzes Volk.—m. Programmatische Erklärungen Vor einigen Wochen las man in den Zeitungen die sensationelle Nachricht, daß der Präsident der Nankingregierung, General Tschiang Kai=shek, Christ geworden sei. Ueber die Beweggründe seines Uebertrittes zum Christentum hat man noch nichts Authentisches erfahren können. Bekannt ist nur, daß seine Frau, eine Schwester des Finanzministers T. V. Sung, der Methodistenkirche angehört, zu der jetzt auch ihr Mann übergetreten ist. Im Hause seiner Schwiegermutter der Frau Sung, hat Tschiang Kai=shek am 23. Oktober in Schanghai die Taufe empfangen. Da fast die ganze Familie Sung sich zum Christentum bekennt, auch Dr. Sun Yat=sen, der bekannte Schwiegersohn von Frau Sung, war Christ, wie zum Beispiel der Finanzminister Sung und der Handelsminister Kung, der eine Schwester Tschiang Kai=sheks zur Frau hat, und da von vorneherein Frau Sung ihre Tochter Tschiang Kai=shek eigentlich nur unter der Bedingung zur Ehe geben wollte, daß er Christ werde, so scheint dieser Schritt Tschiang Kai=sheks durch Familien= gründe hinreichend erklärt. Man darf wohl annehmen, daß viele seiner Landsleute, besonders die aus der Volkspartei, der viele erbitterte Gegner des Christentums anhören, Tschiang Kai=shek den Uebertritt zum Christentum sehr verargen werden. Aber daß er ihn gerade jetzt gewagt hat, ist ein weiteres Zeichen für die Eigenart seiner ausgesprochenen Persönlichkeit. Auffallend ist, daß die programmatischen Erklärungen des Mannes, die in der letzten Zeit an die Oeffentlichkeit getreten sind, keine Spur von seinem neuen Glauben zeigen, eine Zurückhaltung, die sich auch bei seinem großen Vorgänger und Vorbild Sun Yat=sen zeigte. Da diese Erklärungen, wenn sie tatsächlich die Grundlage der zukünftigen Politik der Nankingregierung werden sollten, für das Verständnis der kommenden Entwicklung von Bedeutung sein werden, so bringen wir sie nachstehend auszugsweise zum Abdruck. Dr. F. W. Mohr in Hamburg hat ihnen eine ausführliche Besprechung in der„Ostasiatischen Rundschau“ gewidmet. Da diese aber nur wenigen Lesern des„Aufwärts“ zu Gesicht kommen dürfte, sei es mir gestattet, hier in Kürze darauf hinzuweisen. Die erste dieser Erklärungen(im kaiserlichen China sagte man„Edikte“) war vom 3. Oktober und lautete, ganz im Stil der alten kaiserlichen Edikte:„Seit der Einigung des Reichs und dem Beginn der politischen Bevormundungsperiode hat die Zentralregierung es sich dauernd angelegen sein lassen, das Volk auf den richtigen Weg zu bringen und ihm die Tore zum Frieden und Wiederaufbau zu erschließen. Unglücklicherweise waren militärische Abenteuerer immer noch vom Wahn beseelt, ihre Gebiete ehrgeizig unter ihrem Einfluß halten zu müssen, womit sie Politikern, Beamten und anderen unbotmäßigen Elementen die erwünschte Gelegenheit gaben, gegen die Regierung Stellung zu nehmen. So war die Regierung gezwungen, eine Strafexpedition gegen die Aufständischen zu unternehmen, sie zu ächten oder gefangen zu nehmen. Indem die Regierung hierzu schritt, hatte sie keine anderen Ziele, als die Abtrünnigen auf den Weg des Rechts zurückzubringen.“ In dieser Tonart geht es weiter. Dann aber, wieder genau nach berühmten Mustern der alten kaiserlichen Zeit, fährt Tschiang Kai=shek fort, anstatt gegen die Aufständischen, jetzt, wo der Kampf sich seinem Ende naht, mit Bestrafungs= und Vergeltungsmaßregeln vorzugehen, wolle man ihnen großmütiges Entgegenkommen zeigen. Das werde zwar von den Skeptikern nicht verstanden werden, die der Meinung seien, daß man gegen die Schuldigen mit der Schärfe des Schwertes vorgehen müsse. Das entspreche aber durchaus nicht den Verhältnissen in China, die von denen Europas und Amerikas grundverschieden seien. Unter Bezugnahme auf die alten Philosophen Chinas, die das Herz des Volkes durch moralische Einwirkungen zu gewinnen suchten, will auch Tschiang Kai=shek den Gesetzesübertretern durch großmütiges Entgegenkommen den Weg ebnen, sich zu unterwerfen und mit der Regierung dauernden Frieden zu schteber.„ Ein anderer Beweggruno, und hier geyt Tschiang Kai=shek wieder in den Fußstapfen der früheren Herrscher Chinas ist das Eingeständnis Tsching Kai=sheks, daß er selbst nicht frei von Tadel sei und darum gegen andere nicht hart sein dürfe. Er will darum auch nicht gegen Räuber und Kommunisten die volle Strenge des Gesetzes walten lassen, ihnen vielmehr die Hand zur Versöhnung anbieten und sie wieder in Gnaden annehmen, wenn sie sich bereit erklären, wieder auf den Weg des Rechtes zurückzukehren. Nur einer oder zwei sollen davon ausgenommen werden, und zwar General Tschen Tsiung=ming, der an allem Unheil und dem Bürgerkrieg der letzten beiden I. te schuldig sei, ganz abgesehen davon, daß er seinerseits an den monarchischen Bestrebungen Yuan Schikais starken Anteil genommen habe. Der andere General, der von dem Generalpardon ausgenommen werden soll, ist der in der letzten Zeit vielgenannte Yen Hsi=shan, der Verbündete des Feng Yue=hsiang. Was Tschiang Kaishek bewogen hat, Feng Yue=hsiang, der doch in den letzten Jahren in erster Linie die Seele jedes Widerstandes gegen die Nationalregierung gewesen ist, dem Yen Hsishan vorzuziehen, ist schwer zu verstehen. Ob es ihm gelingen wird, den christlichen General durch diesen Beweis seiner Großmut für sich zu gewinnen, bleibt abzuwarten. In einer zweiten Erklärung vom 7. Oktober, die an den Zentralexekutivausschuß der Volkspartei(Kuomintang) gerichtet ist, befürwortet Tschiang Kai=shek die baldige Einberufung des— vierten— Reichsparteikongresses, der insbesondere das Datum für die Veröffentlichung einer ständigen Verfassung und die Einberufung einer Volksvertretung sowie die Grundrechte des Volkes festlegen soll. Die Parteidiktatur, die von ihm bis dahin ausgeübt wurde, sei nur eine vorübergehende Erscheinung, geschaffen in der Hoffnung, damit den Weg für das Erreichen des idealen Zieles zum Wohl aller Chinesen frei zu machen. Die von Dr. Sun Yat=sen schon vor Jahren geplante Volkskonferenz hätte längst stattfinden sollen, die Regierung habe aber gefürchtet, durch eine überstürzte Einberufung einer solchen Konferenz den politischen Abenteuerern und falschen Volksvertretern neue Gelegenheit zu geben, im Trüben zu fischen. Die politische Bevormundung des Volkes müsse aber nun zu Ende gehen. Der gegenwärtige Augenblick erscheine der Regierung sehr wohl geeignet, die Ansichten des Volkes kennen zu lernen und die endgiltige Uebergabe der politischen Gewalt an das Volk vorzubereiten, damit eine gemeinsame Verantwortung geschaffen werde für die Führung der Geschäfte der Nation und der Aufbau eines mo dernen Staates auf der Grundlage von Sun Yat=sens „Drei Volksgrundsätzen“ durchgeführt werden könne. Der Bürgerkrieg sei jetzt beendet, die Aufständischen geschlagen, das Land von den Militaristen befreit. Fortan werde keiner es mehr wagen, die Regierung herauszufordern, oder die Einigkeit des Landes aufs neue zu untergraben. In diesem zuversichtlichen Ton geht es weiter und schließlich wird der Nationalregierung der Vorschlag unterbreitet, den vierten Reichsparteitag vor dem ursprünglich dafür anberaumten Termin einzuberufen und zwar spätestens nach Verlauf von drei Monaten. Bedeutsam sind auch die programmatischen Erklärungen, die Tschiang Kai=shek am Nationalfeiertag, am 10. Oktober an das chinesische Volk gerichtet hat. In ihnen werden als die Hauptaufgaben für das kommende Jahr bezeichnet: 1. Die Unterdrückung der kommunistischen Banden im ganzen Lande, soweit sie die Hand der Versöhnung, die ihnen von der Regierung entgegengestreckt wird, nicht annehmen wollen. 2. Reorganisierung der Reichsfinanzen, die im Argen liegen. 3. Säuberung der Verwaltung von unlauteren Elementen. Das Uebel der Korruption, dieser Schandfleck auf dem Schilde der nationalen Erhebung, miisse mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden. Beamte, die sich eine schlechte Amtsführung zuschulden kommen lassen, müssen streng bestraft werden. 4. Entwicklung der wirtschaftlichen Hilfsquellen des Landes, wobei die von Sun Yat=sen vor Jahren schon veröffentlichten„Grundlagen des Wiederaufbaues" zu berücksichtigen sind, die fordern, daß zur Erschließung der industriellen Möglichkeiten in China fremdes Kapital unter gegenseitig befriedigenden Bedingungen herangezogen werde. 5. Schvittweise Einführung einer lokalen Selbstverwaltung, wobei wieder die Lehren des verstorbenen Führers hinsichtlich des Wiederaufbaus und der örtlichen Selbstverwaltung besondere Berücksichtigung finden sollen, da sie„ewige Wahrheiten enthalten und den einzigen Weg zur Verwirklichung wahrer Demokratie in China bieten.“ Es ist Tschiang Kai=shek eine Quelle schmerzlichster Enttäuschung, sehen zu müssen, daß, obwohl die Zentralregierung gewisse Richtlinien für die Zeit der politischen Bevormundung ausgearbeitet hat und obschon die verschiedenen Ministerien Verfügungen erlassen haben, um diese Richtlinien in die Tat umzusetzen, noch sehr wenig nach dieser Richtung hin geschehen ist. Für das Versagen in dieser Richtung macht er hauptsächlich die ehrgeizigen und machtlüsternen Bestrebungen der Militaristen und unberufenen Politiker, die nur das Ihre und nicht das, was dem Volke frommt, suchen, verantwortlich. Nun, wo der Einfluß der Rebellen zu Ende sei, müsse man dem Volke den Rücken stärken. Seiner Meinung nach müssen die Bestrebungen der Regierung zum Wiederaufbau in der Schaffung örtlicher Selbstverwaltungen gipfeln, damit die Periode der politischen Bevormundung schnellstens ihr Ende erreiche und„wahre Demokratie“ in die Erscheinung trete. In einer Rede, die Tschiang Kai=shek am 21. Oktober im Hauptquartier der Volkspartei(Kuomintang) gehalten hat, beschäftigt er sich eingehend mit den unliebsamen Elementen innerhalb dieser Partei, die, wie er sagt, einen „falschen Gebrauch von ihren Rechten und ihren Amtsbefugnissen machen“, und denen er den Vorwurf macht, daß sie es verstanden hätten, den Eindruck zu machen, als ob sie als Mitglieder der Partei eine„privilegierte Klasse“ seien. Also auch da die bei uns vielberufene „Bonzenwirtschaft"!„Jede privilegierte Klasse", so führte er in seiner Rede aus,„ist zum Untergang verurteilt; nur wenige Mitglieder der Partei kämpften wirklich für die Wohlfahrt des Ganzen. Die meisten von ihnen arbeiten nur in ihrem eigenen Interesse. Alles, was sie erstrebten, sei Macht.“ Tout comme chez nous! Tschiang Kai=shek warnt in dieser Rede alle Mitglieder der Volkspartei, auch die Inhaber höchster Posten und erklärt auf das bestimmteste, daß jedes Mitglied, dem Korruption nachgewiesen werden könne, aufs strengste bestraft werde. Ich habe nicht die Absicht, auf eine Kritik der vorstehenden programmatischen Erklärungen Tschiang Kaisheks einzugehen. Vorläufig stehen sie eben nur auf dem Papier, und das Papier ist in China nicht minder geduldig als anderwärts. Ob es ihm gelingen wird, das alte, tiefeingewurzelte Uebel der Korruption mit„Stumpf und Stiel“ wirklich auszurotten?„Der Worte sind genug gewechselt, laßt mich auch endlich Taten sehen.“ D. Genaehr. Hitler in Bielefeld. Selten steht uns Raum zur Verfügung, um über lokale politische Ereignisse ausführlicher berichten zu können. Bei der Gestaltung, die unsere politische Lage gegenwärtig genommen hat, geht aber ein erster Besuch Hitlers in einer deutschen Stadt doch etwas über das lokale Interesse hinaus. Bielefeld, durch die Eingemeindung mehrerer Vororte zur Großstadt geworden, steht vor einer neuen Stadtverordnetenwahl, die am 30. November stattfindet. Dadurch, daß der preußische Innenminister Severing Bürger der Stadt Bielefeld ist, gewinnt natürlich der Kampf zwischen SPD und den Nationalsozialisten noch besonders an Interesse. Aber auch die anderen Parteien scheinen nicht darin zurückstehen zu wollen, der Bielefelder Wahl Beachtung zu schenken. Neben Severing treten der Vorsitzende der SPD Wels, der Kommunistenführer Thälmann und viele andere Parteigrößen auf, um die Bürger Bielefelds für ihre Parteien mobil zu machen. Und wenn es sonst ein Ereignis war, wenn die größte Versammlungshalle Bielefelds, die immerhin 5000 bis 6000 Menschen faßt, einmal voll besetzt wurde, so kann es vorkommen, daß in diesen Wochen die Ausstellungshalle mehreremal in der Woche mit Leuten gefüllt ist, die sich belehren lassen wollen, wem sie bei der Stadtverordnetenwahl am 30. November ihre Stimme geben. Daß die Hitlerversammlung, die am Sonntag abend 8 Uhr stattfand, etwas mehr war als eine Stadtverordnetenwählerversammlung, kann wohl mit Recht gesagt werden. War es doch das erste Mal, daß Adolf Hitler Der schwere Gang. Von Boersing=Kierspe. Der Regen schlug das Feld wie die Not das deutsche Land, alles Leben zausend. Und das Leben war arm genug. Welkendes Gras, auf den Aeckern die letzten armseligen Stoppelrüben, in verregneten Gärten Feldsalat und Kohlstauden— viel mehr nicht. Was der Sommer übrig gelassen hatte. Der auf der nassen Straße ging, der hatte auch seinen Sommer hinter sich. Er trug, fest zugeknöpft, einen schwarzen Rock, in dem er schon oft denselben Weg gemacht hatte. Aber nur, wenn er in die Kirche gegangen war, oder wenn er, hinter einem Totenwagen schreitend, einem lieben Weggenossen das letzte Geleit gegebenhatte. Das waren in all den Jahren nicht wenige gewesen. Auch seinen Sohn, die Hoffnung seines Alters, hatten sie nach dem stillen Friedhof gefahren, mit Fahnen und Musik, wie es einem jungen Krieger, der mit siechem Körper aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, doch auch zukam. Aber einen so schweren Gang wie jetzt hatte der Alte noch nie gemacht. Es war noch früh, es sollte ihn keiner seiner Bekannten sehen. Wenn ihm ein Mensch begegnete, ein Bauer, der seine Milch in die Molkerei fuhr, oder sonst einer, hielt er den Schirm vors Gesicht. Und spähte doch unter dem triefenden Regendach scheu nach rechts und links, ob er nicht erkannt würde. Diesen Gang durch die Morgenfrühe, er hatte ihn immer gefürchtet. Aber daß er so schwer zu gehen war, das hätte er nie gedacht. An der Straße stand ein großes Gebäude. Rote Mauern und hohe Fenster. Eine Fabrik. Drinnen war alles still und tot. Die einst dort den Hammer schwangen und die Räder sausen ließen, lagen wohl noch in den Betten. Oder sie stierten aus ihren Stuben stumpf in den Regen hinaus. Vielleicht aber machten sie sich auch fertig für den Cang in eine andere Fabrik— in die Stempelfabrik. Das Stempeln! O grause Not, hast du denn einem sonst immer tapferen und frisch das Leben anpachenden macht es sich zur Pflicht, für den„Aufwärts" zu in Ostwestfalen auftrat. Wenn auch die NSDAP in Bielefeld, einer Hochburg der SPD, bei der letzten Reichstagswahl noch nicht den Stimmenzuwachs erhalten hat, wie an manchen anderen Orten Deutschlands, so ist doch zu vermuten, daß die fast beispiellose Werbetätigkeit, die die NSDAP seit dieser Wahl entfaltet hat, auch hier in Bielefeld in die Festung der SPD eine Bresche gelegt hat. Jedenfalls war Bielefeld in der letzten Woche in einer Spannung, wie man es selten erlebt hat. Von seiten der NSDAP trat das gar nicht einmal so sehr in die Erscheinung, da man dort wohl etwas Sorge Severing werde ein scharfes Auge haben auf alles, und jede Gelegenheit benutzen, die Veranstaltung der Nationalsozialisten zu vereiteln oder unwirksam zu machen. In wenigen Stunden sind aber die Eintrittskarten für die Ausstellungshalle vergriffen gewesen und man hörte davon, daß auch der ärmste Mann nicht zu bewegen gewesen sei, die einmal für eine Mark erstandene Karte auch nicht für den höchst gebotenen Preis an einen anderen weiter zu geben. Der Sonntag kam. Wir hatten keine Gelegenheit, außer der Abendversammlung etwas weiteres von dem Leben und Treiben zu beobachten, das sich im Laufe des Tages in Bielefeld abgespielt hat. Aber schon in der Morgenfrühe sahen und hörten wir die Autos und Autobusse heranfahren, die Scharen begeisterter Männer, junge und alte, aus der Umgegend in die Stadt brachten. Zu irgendwelchen Zwischenfällen soll es nicht gekommen sein, wenn man auch den Polizeimannschaften sehr angemerkt hat, daß sie nach strengen Weisungen ihrer Berliner höchsten Instanz arbeiteten. Die großen Züge weißbehemdeter.=.=Mannschaften, die am Morgen noch durch die Stadt zogen, hatten mit irgendwelchen dunkeln Röcken und Kitteln versorgt werden müssen. Das weiße Hemd war verboten. So sah denn der Abend eine Menschenmenge von schätzungsweise 9000 bis 10000, die in der Halle und in den Nebenräumen untergebracht waren. In den Nebenräumen und auch draußen waren Lautsprecher angebracht, so daß einige Tausende, die auch hier noch versammelt waren, Hitler, wenn auch nicht sehen, dann doch sprechen hören konnten. Was hatte nun Hitler zu sagen? Hielt er eine Rede von solcher Bedeutung, daß man gern dem ganzen Wortlaut dieser Rede in unserem kleinen Blatte Raum geben möchte? Wer gewohnt ist, politische Reden in Parlamenten und Versammlungen zu hören und politische Artikel in Zeitungen mit kritischem Interesse zu lesen, wird vielleicht urteilen, daß die Rede Hitlers wenig von neuen Gedanken enthielt, die nach der einen Seite hin glühende politische Begeisterung wecken und nach der anderen Seite sichere und gangbare Wege zeigten, wie Deutschland aus der großen politischen und wirtschaftlichen Not nun schnell herauskommen könne. Aber doch muß gesagt werden, daß die Rede Hitlers ein einziger großer Notschrei war, der aus seinem Mund im Namen vieler Millionen Deutscher, die heute das ganz gleiche Empfinden haben, hinausklingen sollte an das Ohr der ganzen Welt. Nachdem der Vorsitzende des Gaues Westfalen, der Abgeordnete Wagner in wenigen schlichten Worten Adolf Hitler, den Führer der nationalsozialistischen Bewegung im Namen Westfalens begrüßt und willkommen geheißen hatte, nahm Hitler gleich das Wort. Eine geborene Führerpersönlichkeit, eine sympathische Erscheinung, ein tiefes, volles, schönes Organ, das waren AeuVolk nichts anderes lehren können als das? All deine Gelehrten, all deine Denker— weiß denn ihrer keiner einen Weg, der einer arbeitsamen und arbeitswilligen Menschheit das ersparen könnte? Wie öde die Welt ist! Der Sturm jagt einen feinen Sprühregen über das Land; ein Schauer folgt dem andern. Und jeder zieht wie eine Nebelwolke über die Felder. Hart auf den Schirm und auf die blanke, teergedeckte Straße schlagen dicke Tropfen von den Bäumen. Alles grau in grau. Ein Wirtshaus an der Straße. Die Lampen drinnen brennen noch, die Fenster sind offen. Ein Mädchen wischt und putzt. Ein anderes schenkt einem Wanderburschen einen Schnaps ein. Mürrisch, mit spitzen Fingern die erbettelten Pfennige nehmend. Dazu spielt der Rundfunk. Nein, er spielt nicht, er höhnt. Der Alte auf der Straße wendet den Blick ab. Das Gesicht, das der arme Bursche da drinnen bei seinem Schnaps und der Musik macht, das ist noch das allergraueste von all dem grauen! Ein zwanzigjähriges Leben und schon ein Stehimwege für alle, die ihm begegnen! Ein Bettler, heimatlos. Und nur einer von Taufenden, von Zehntausenden. Auf dem Amt sind ihrer auch ein paar. Die haben dort in den Arrestzellen übernachtet und werden nun wieder hinausgeschickt in die Not ihres Tages. Keiner hat einen Mantel, schlechtes Schuhwerk haben sie alle. Einer trägt eine Pappschachtel. Der Alte, der jetzt das Dorf erreicht hat und eben die Treppe des Amtshauses hinaufsteigt, blickt ihnen teilnehmend nach. Mit Bitterkeit und Grimm. Wenn nur das nicht wäre, die grauenhafte Not der Jugend. Aber nun denkt er an seine eigene Not und späht in der Vorhalle des Amtehauses scheu nach der Tür, die ein Schild mit der Aufschrift„Wohlfahrtsamt“ trägt. Das ist nun das Letzte. Aber er kann nicht anklopfen. Er hat, ein Zimmermeister, vierzig Jahre lang mit und Säge gearbeitet— gesegnet jeder Tag, an dem er ßerlichkeiten, die auf jeden, dem nicht parteipolitischen Haß jedes ästhetische Empinden geraubt hat, Eindruch machten. In großen Zügen ging Hitler auf Geschichte unz Schicksal der Völker ein und legte dar, daß keine techni, schen Fähigkeiten, keine wirtschaftliche Tüchtigkeit, kein organisatorischer Schwung das Volk vor dem Untergang rette, wenn nicht der völkische Gedanke, der vom Schön, ser und Lenker aller Völherschicksale in die Herzen der Menschen hineingelegt sei, gepflegt und lebendig erhalten werde. Inne wird dieses Zusammenhanges der Einzelne erst dann, wenn die persönliche Not an die eigene Türe pocht. In diesem Stadium steht Deutschland jetzt. Eine jahrzehntelange Entwicklung, die unter Ausnutzung und Aufbietung der genannten Fähigkeiten dem deutschen Reiche eine gewisse staatliche Einheit und eine fast bei. spiellose Wirtschaftsblüte brachte, ließ jenen Gedanken der völkischen Rasseneinheit verkümmern und den Boden bereiten für die Saat, die nach anfänglichem Kriegsglück und nationalem Aufschwung aufging und Kleinmut und Verzagtheit und pazifistische Weltseligkeit aufkommen ließ. Und nun glaubte das deutsche Volk, die Tagesfra, gen, wie sie von den Parteipolitikern behandelt werden könnten das Schicksal des Volkes entscheiden. Aber ein kranker Organismus werde der Dinge nicht Herr. Ohne Willen zur Selbstbehauptung nutze alles nichts. Innerliche Zersetzung führt zur außeren Ohnmacht. Deutschland braucht Lebensraum. In etwas längeren Ausführungen verbreitete sich Hitler über die Deutschland aufgezwungenen Lasten. Sehr scharf trat er der Auffassung entgegen, daß die paar Milliarden Reparationsabgaben in unserem Staatshaushalt von 14 bis 16 Milliarden und bei einem Volkseinkommen von mehr als 40 Milliarden nicht so viel ausmache. Seine Meinung deckte sich mit der Ansicht darüber, die wir hier schon oft zum Ausdruck brachten. Mit aller Schärfe wandte sich Hitler auch gegen die Behauptung, die Nationalsozialisten seien Kriegshetzer. Wer selbst 6 Jahre Soldat und 4½ Jahre im Kriege gewesen sei, habe gelernt, den Krieg zu verabscheuen. Aber den Krieg aus der Welt zu schaffen, liege in keines Menschen Macht. Das Fronterlebnis gebe aber gerade denen, die im Kriege gehorchten und ihre Pflicht taten, die aber weder am Kriege noch an der Revolution schuld trügen, das Recht und die Pflicht, den Bau eines besseren Deutschland in die Hand zu nehmen. Nun ständen sich Nationalismus und Sozialismus in heißem Kampf gegenüber. Wer ist ein echter Sozialist? Der verzichtet auf den eigenen Nutzen und im starken Volksstaat, wo es allen gut geht, sein Ideal sieht. Demokratie lehnt Hitler als Volksbetrug ab und den marxistischen Sozialismus als klassenkämpferische Wirtschaftsform. Im übrigen verzichtete der Redner auf jede parteipolitische Polemik und beschränkte sich darauf, einen Blick zu wersen auf die Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung und den interessierten und begeisterten Massen vorzustellen, daß„Deutsch=sein ist alles“ die einzige Zukunftehoffnung sei. Wer auch noch so kritisch in diese Hitlerversammlung gegangen ist, wenn ihm sonst nichts zu Herzen gegangen ist, dann mußte ihm das am Schlusse von tausenden von jungen Menschen gesungene Kampflied zu Herzen gehen. Man mag zur Sache stehen, wie man will, eins muß man anerkennen, daß die nationalsozialistische Bewegung Menschen hinter sich hat, die bereit sind, für Volk und Vaterland Opfer an Kraft, Geld, Blut und Leben zu bringen. Bewegt sich der Kampf allenthalben in der Bahn, in der die Werbeversammlung in Bielefeld verlief, dann besteht die Hoffnung, daß sich hier doch vielleicht eine Bewegung durchsetzt, die unserem armen Volke wieder eine bessere und gesundere Zukunft bringt. schaffen konnte! Er hat seinen Sohn in den Sarg gelegt und seine Hand hat nicht gezittert. Aber hier zittert sie. Einige Männer kommen und schnell tritt er an eine große schwarze Tafel und liest die Bekanntmachungen, die dort aushängen.„Kauft Wohlfahrtsmarken!“—„Sorgt für eure Gesundheit!“—„Auszahlung der Erwerbslosengelder jeden Treitag von 9 bis 11.“ Wieder stampft es draußen vor der Tür. Maurer und Zimmerleute sind es, die jetzt kommen. Der Alte kennt sie. Einer von ihnen hat lange bei ihm in Arben gestanden. Ein fleißiger Mensch, der sonst an seiner Arbeit und seinem kleinen Familienglück genug halte und sich nicht groß um den Streit der Welt kümmerte. Jetzt ist auch er ein Streitender geworden. Was soll man machen, wenn man keine Arbeit und kein Glück mehr hat? Herausfordernd auf seinem Rock trägt er das Hr kenkreuz. Und das ist ja das Schlimmste! daß auch die feier müssen, die das Schaffen, was gerade dem deutschen Volt nach dem lieben Gotteswort und dem täglichen Brot du allernötigste ist— das Dach über dem Haupt! mat! Daß auch die auf der Straße liegen! Der Zimmermann sieht seinen Meister an. Der hüsse verlegen und stellt sich vor die Tür mit der Aufschrtst „Steueramt“ Und jetzt kommen die andern. Mehr, immer mehrgß, kennt fast jeden. Arbeiter, Handwerker, Angestellte. Männer und junge Burschen. Der Alte verläßt das Amt. Nein, er kann es nicht Nicht vor all den Menschen da. Er hat es ja nicht s“ wußt, daß Zahltag ist. Er geht wieder zurück. Leichter als er gekommen!“ Nicht durch die Hauptstraße des Dorfes. Abseits. Neun Uhr schlägt es von der Kirche. In einer##### wo noch gearbeitet wird, ist Frühstückspause. Die ner, in ihren blauen Kitteln, sitzen an den Fenstern" stärken sich. Solch ein Anblick, wie der den Alten Die Ruhe in dem Schaffen! Das Atemholen, das Kre schöpfen zu neuem Wirken! parteipolitischer hat, Eindruck f Geschichte und aß keine technisüchtigkeit, kein dem Untergang der vom Schöp. die Herzen der bendig erhalten es der Einzelne die eigene Türe and jetzt. Eine Ausnutzung und dem deutschen eine fast beienen Gedanken und den Boden em Kriegsglück Kleinmut und eit aufkommen 1, die Tagesfrahandelt werden, iden. Aber ein icht Herr. Ohne nichts. Innermacht. Deutschverbreitete sich ngenen Lasten. gegen, daß die unserem Staatsei einem Volksn nicht so viel nit der Ansicht sdruck brachten. ) g e g e n d i e B e riegshetzer. Wer Kriege gewesen zuen. Aber den keines Menschen rade denen, die taten, die aber n schuld trügen, eines besseren kun ständen sich zem Kampf geDer verzichtet olksstaat, wo es tratie lehnt Hittischen Sozialisform. 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Von den 444=SeimMandaten sind 248 auf den von dem Marschall gezührten Regierungs=Block entfallen, der da nit im neuen sandtag die einsache Mehrheit besitzt. Nicht gelungen in den Regierungsparteien dasgen— und das trotz des heispiellosen Terrors— die Erpressung der erstrebten zweidrittelmehrheit für Verfassungsänderungen in„gesetzlichen“ Bahnen. Die innerpolitische Zukunft Posens ist daher auch nach den Wahlen völlig ungewiß. Die nationalen Minderheiten, die den Hauptdruck auszuhalten hatten und von denen viele für die Tauer des„Wahl“lampfes nach Deutschland geflüchtet waren, kehren, wie es leider von Anfang an zu befürchten war, erheblich geschwächt in den Landlag zurück. So haben die deutschen Parteien in Pommerellen und Kongreßvolen sämtliche Mandate, in Ostoberschlesien zwei und in Polen und Ostgalizien je eins verloren. Insgesamt haben die Deutschen von 21 Mandaten 16 eingebüßt, aiso nur fünf Abgeordnete in den neuen Landtag entsandt. Von den übrigen Minderheiten sind die Ukrainer in Zukunft durch 20 Abgeordnete, die Juden durch sieben, alle übrigen durch zwei, vertreten. Von den nicht dem polnischen Regierungsblock angehörenden Parteien entfielen 65 Mandate auf die Nationaldemo= kraten, 28 auf die Zentrolinte, 14 aus Korsanty und fünf auf die Kommunisten. Dieses„Wahl“ergebnis stellt eine schwere Anklage gegen die herrschende Partei Pilsudskis und gegen die Behörden dar, die die Gewalttätigkeiten der Aufständischen noch durch die Ungültigkeitserklärung deutscher, wie überhaupt oppositioneller Listen und durch den Bruch des Wahlgeheimnisses noch gefördert haben. Wenn die Aufständischen in vielen Ortschaften mit Musik und in geschlossenem Zuge fast die gesamte Einwohnerschaft in das Wahllokal führten, wenn vor den Wahllokalen die Deutschen nach Stimmzetteln durchsucht wurden und wenn die Mitglieder der KriegerGehaltskürzung schon ab 1. Februar? — Berlin, 17. November. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers verabschiedeten die vereinigten Ausschüsse des Reichsrates in der Montag=Nachmittagssitzung in zweiter Lesung das Haushaltsgesetz und den Reichshaushaltsplan 1931. Nach schwierigen Verhandlungen erklärt sich die Reichsregierung damit einverstanden, den Ländern für die Kürzung der Ueberweisungen um 100 Millionen Mark, die im Hinblick auf die Einschränkung des Personalaufwandes in der öffentlichen Verwaltung der Länder und Gemeinden vorgesehen ist, einen Ausgleich zu gewähren. Für einen Betrag von 50 Millionen Mark werden ihnen im Reichsbesitz befindliche Reichsbahnvorzugsaktien übereignet. Die Tragung der restlichen 50 Mill. Mark soll ihnen dadurch ermöglicht werden, daß die für drei Jahre vorgesehene sechsprozentige Gehaltskürzung der Beamten schon am 1. Februar 1931 beginnen und entsprechend mit dem 31. Januar 1934 außer Kraft treten soll. Ab 1. Februar 1931 wird die Reichshilfe der Beamten auf die Gehaltskürzung angerechnet. Die von Preußen(!) zum Wehrhaushalt gestellten Aenderungs= und Kürzungsanträge sind gegen die preukischen Stimmen abgelehnt worden. vereine ihre Stimmzettel fast durchweg offen abgegeben haben, dann kann man diese Stimmabgabe als Wahl nicht mehr bezeichnen! Zennzeichnend für die Schärfe des gegen die Minverheiren eingesetzten Terrors ist, daß in der rein ukxainischen Wojewodschaft Wolhynien, in der 1922 fast samtliche Mandate den Ukrainern zugefallen waren, diesmal 15 von insgesamt 16 Mandaten dem Föchmnen Bnd Pilsudski zugute geWas insbesondere noch die deutschen Parteien betrifft, haben die Deutschen in Ostoberschlesien trotz aller Gewalttaten immerhin noch gut abgeschnitten. Denn wenn die deutschen Parteien hier 20 bis 30 Prozent an Stimmen verloren haben,— bei den Mandaten ist der Prozentsatz merkwürdigerweise weit hiher— dann kann man das in Berücksichtigung der Drohungen und Gewaltakte, nur als befriedigend bezeichnen. Gesiegt hat in Ostoberschlesien ja auch nicht die Regierungspartei, sondern die Partei des in Brest=Litowsk im Gefängnis sitzenden Abgeordneten Korfanty, deren Gewinn teilweise 100 Prozent beträgt. Im einzelnen erhielten in den drei Wahlkreisen Ostoberschlesiens an Stimmen: Deutsche Wahlgemeinschaft 127458(1928: 175 113) 3 Mandate(); Regierungsblock 196 148(172037) 6 Mandate(); Korfanty=Partei 210 352(109 606) 7 Mandate(): Polnische Sozialisten 54747(77301) 1 Mandat(). Der Rückgang der deutschen Stimmen beträgt im Durchschnitt etwa 27 Prozent. Der Mandatsverlust dagegen etwa 50 Prozent. Gewählt wurde in Ostoberschlesien auch der vor einigen Tagen zu Gefängnis verurteilte Oberstleutnant a. D. Graebe. Daß aber in den übrigen Bezirken die deutschen Parteien noch größere Verluste erlitten haben, zeigt eben, daß in diesen Bezirken eine Stimmab abe für deutsche Parteien Gefahren für Leib und Vermögen heraufbeschwor, die leider nur zu viele unter allen Umständen vermeiden mußten. Für die wirklichen Mehrheitsverhältnisse in Polen sind diese„Wahlen“ kein Gradmesser, wohl aber wachen sie deutlich den Druck sichtbar, dem die Minderheiten und die Opposition ausgesetzt waren. Weiteres Anwachsen der N. S. D. A. P. Wie wir bereits gestern berichteten, haben die Nationalsozialisten bei den Gemeindewahlen ihren Vormarsch auf der ganzen Linie fortgesetzt. Nachdem sie in Karlsruhe die bis dahin stärkste Partei der Sozialdemokraten um volle 10 Mandate überflügelt haben, erfahren wir heute ergänzend, daß sie sich in Pforzheim mit den Sozialdemokraten jetzt ungefähr die Waage halten und in Heidelberg mit 31 Sitzen der SPD gar um 15 Mandate voraus sind. Wann werden unsere regierenden Männer den tiefen Sinn dieser geradezu elementaren Volksbewegung begreifen und endlich mit Regierungsmethoden brechen, die wegen ihrer Erfolglosigkeit von immer weiteren Kreisen des deutschen Volkes nicht mehr verstanden werden?— Rücktritt des französischen Justizministers. — Paris, 17. November. Im Anschluß an den Ministerrat fand am Montag eine geheime Besprechung der Kabinettsmitglieder bei Tardieu statt, in deren Verlauf Justizminister Raoul Peret seine Entlassung einreichte, die von dem Ministerpräsidenten angenommen wurde. Allerlei furchtbare Nöte gibt es auf der Welt, und dreie, das sind die schlimmsten. Die eine, die allerschrecklichste, wenn Gott den Menschen sein Wort wegnimmt; die zweite, wenn Krieg und Aufruhr über die Welt kommt, und die dritte, wenn die Menschen keine Arbeit haben. Wie sie ihm immer noch entgegenkommen, die Erwerbslosen! keiner kann mehr den Schirm gegen den Wind halten, schlatschend naß an ihren Gliedern liegen die Kleider. Und ihrer etliche kommen stundenweit. Andere, die schon ihr Geld haben, kommen bereits zurück. Auf Fahrrädern. Den ganzen Weg entlang ist fast an jeder Haustür ein kleines Schild zu sehen: Betteln und Hausieren verboten. über ob der findige Erwerbslose, der jüngst den Hausbesitzern die Schilder verkauft hat, der letzte Hausierer dort gewesen ist? Die Not pocht auch an verschlossene Türen. Dann ist der Alte schon wieder an der Wirtschaft. An der Wand des Hauses, unter dem schützenden Dach, drei der vier verdrossen lungernde Burschen! Einheimische. auf der Straße ein anderer! Ein Fremder, stumpf wie ein Der durch den Regen trottend. Und vor der Tür des Hauses die Fahrräder der Stembeibrüder. Drinnen lochen wieder die lustigen Weisen des Rundfunks. die mögen sich wohl einen Schnaps fordern, denkt der Nun, der Wirt ist ein vernünftiger Mann und ich nichts sagen. Aber wie sich das wohl jetzt in den groden Städten auf allen Gassen breit macht, schreckhaft in n dem Jammer, das widerwärtige Werben selbst um die emen Groschen eines Erwerbolosen! Alle Gewerde leiden fa. Nach einem abseits vom Wege liegenden Gehöft, mühein durch den schweren Ackerboden stampfend, gehen Enige Männer. Andere, und nicht wenige, sind dort schon Ecsammelt. Unter einem Schuppen, wo allerlei landerrtschaftliches Gerät steht. In einem Winkel drängen zwei dumm glotzende Kühe. Auf einer Kiste steht #7 Mann, ein anderer, besser gekleidet, sitzt hinter einem mit Papieren bedeckten Tisch. Die Fenster des nahen Hauses sind verhängt, der Bauer ist nicht zu sehen. Der Mann auf der Kiste hebt die Hand. Hart und schnarrend in eine graue Stille hinein springen die Worte:„Und jetzt geht es an das Vieh. Erst das trächtige rotbunte Rind hier! Wer bietet?“ Der Alte, der auf der Straße stehen geblieben war, wankt weiter. Auch der Hüllhofbauer! Auch der! Nun ist es genug. Und die das hier lesen, die werden auch sagen: Es ist genug! Was für ein graues Bild unserer grauen Tage! Ich weiß, daß es grau ist. Aber wenn heute, wie ein Hohn auf all die grimme Not frühmorgens um sieben der Rundfunk seine lustige Schallplattenmusik in die Welt streut— wenn jetzt, noch vor dem Totenfest schon wieder ein gottverlassenes Narrenvolk für das nächstjährige Fastnachtstreiben die Werbetrommel rührt: dann darf doch wohl auch einmal ein solches Bild gemalt werden. Die Farben auf ihm hätten, ohne die Wahrheit zu vergewaltigen noch viel schwärzer sein können. Stöhnend in seinen vier Wänden sinkt der Zimmermeister auf einen Stuhl. „Es ist nicht wahr! Du wirst dich nähren deiner Hände Arbeit— Mutter, das ist nicht wahr!“ Seine treue Lebensgefährtin legt ihm tröstend die Hand auf die Schulter:„Denen, die Gott lieben, müssen alle Dinge zum Besten dienen. Alle, Karl!“ Der Alte nestelt müde an seinen nassen Kleidern. „Vorgestern der Bußtag— übermorgen das Totenfest — den Freitag will ich nicht vergessen!“ Und er hebt den trüben Blick:„Mutter, nun weiß ich, weshalb ich den Beerdigungsrock anziehen mußte. Ich habe meinen Glauben begraben. Gott hat uns verlassen.“ „Ich dachte es mir,“ sagte das Mütterchen ruhig. „Aber ich hole ihn dir wieder. Er hat uns nicht verlassen. Wenn dir der Gang zu schwer war— morgen mache ich ihn.“ Er wird auch ihr schwer genug werden. Gegen den Kundgebung des Deutschen Bundes zum Schutze der abendländischen Kultur. Der kürzlich gegründete„Deutsche Bund zum Schutz der abendländischen Kultur“ veranstaltete im Sportpalast eine Kundgebung bei der außer den beiden Präsidenten der Versammlung, dem Grafen Keyserlingk=Cammerau, als Vertreter der Protestanten, und dem Fürsten Aloys zu Löwenstein für die Katholiken, Generalsuperintendent Dr. Karow, der katholische Professor Dr. Berg aus Aachen, Rabbiner Dr. Rosenthal aus Köln, der aus Charkow vertriebene orthodoxe Bischof Seraphim, der ehemalige Polizeipräsident von London, Sir William Horwood und zum Schluß der Bundesvorsitzende Werner von Alvensleben sprachen. Im einzelnen wies im Verlaufe der Kundgebung Generalsuperintendent Karow besonders auf die Kindernot in Rußland hin. Er betonte, daß das dortige Massenelend und die Verwahrlosung der Jugend hauptsächlich durch die Auflösung der Familie verursacht worden seien. Der dem Zentrum nahestehende Professor Dr. Berg erklärte, das Unkraut, das in Rußland die religiöse Kultur zu ersticken drohe, sei zuerst in Deutschland gesät worden. Karl Marx sei der böse Feind genau so wie Lenin. Bischof SeraphimCharkow berichtete vornehmlich aus eigener Erfahrung von den russischen Religionsverfolgungen. Zur Schande der europäischen Kulturvölker beherrsche der blutdürstige Bolschewismus immer noch den sechsten Teil der Erde. Von kommunistischer Seite wurde die Kundgebung wiederholt gestört, so daß die Polizei eingreifen mußte. 23 Kommunisten wurden abgeführt. Zwischen den Vorträgen brachte der Koslecksche Bläserbund geistliche Melodien zum Vortrag. Die Kundgebung schloß mit dem gemeinsamen Gesang des Liedes:„Großer Gott, wir loben dich“. Reichsrat für Realsteuersenkung Zustimmung zur Regierungsvorlage.— Annahme der Tabaksteuernovelle. In der ersten Sitzung der Vereinigten Reichsratsausschüsse in der neuen Woche bemerkte man wiederum die Ministerpräsidenten zahlreicher deutschen Länder. So waren anwesend der bayerische Ministerpräsident Held, der hessische Ministerpräsident Adelung, der Vorsitzende des thüringischen Ministeriums, Baum, und Minister der Staaten Vraunschweig, Württemberg und Baden. Den Vorsitz führte wiederum Reichsfinanzminister Dietrich. Das Gesetz über die Senkung der Realsteuern wurde in zweiter Lesung angenommen. Die Senkungsvorschläge der Regierung wurden grundsätzlich aufrechterhalten, jedoch wurde das Gesetz im Einvernehmen mit der Regierung mit Rücksicht auf die Verschiedenartigkeit der Verhältnisse in den einzelnen Ländern etwas beweglicher gestaltet. Bei der zuvor erfolgten Annahme der Tabaksteuernovelle wurden die von der Regierung vorgeschlagenen Zollsätze etwas herabgesetzt. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich hat sich mit diesen Aenderungen einverstanden erklärt. Von einigen Ländern wird im Hinblick auf die neue starke Belastung der Zigarre eine erhöhte Belastung der Zigarette für notwendig gehalten. Eine Entscheidung über diese Frage wird im Verlaufe der dritten Lesung gefällt. Ferner erledigten die Ausschüsse die drei Gesetzentwürfe zur Neuregelung der Wohnungswirtschaft. Alsdann wurde die Beratung des neuen Haushaltsgesetzes fortgesetzt. Der größte Teil der Etats wurde, da Streitfragen nicht vorlagen, in kurzer Zeit in zweiter Lesung erledigt. Ueber die Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich des Reichswehretats und der Kürzung der Länderüberweisungen um 100 Millionen Mark wurde in Gegenwart des Reichskanzlers verhandelt. Störungen in der Goldverteilung Folgen: Anziehen der Goldpreise und Erhöhung der Tributlasten. Der diplomatische Korrespondent des„Observer“ schreibt: Es scheint, daß das Problem der Goldverteilung Gegenstand einer internationalen diplomatischen Aktion geworden ist. In welcher Weise vorgegangen werden wird, ob durch Einberufung einer internationalen Konferenz oder auf anderem Wege, ist noch nicht entschieden. Aber die letzten Ereignisse haben die Vorarbeiten beschleunigt. Der Youngplan, die B. J.., der vorläufige Bericht der Golddelegation des Finanzausschusses des Völkerbundes haben Material zur Lösung des Problems geliefert. Der Korrespondent sagt, zum ersten Male sei die Forderung nach einer beschleunigten diplomatischen Aktion von deutschen Politikern erhoben worden. Diese Punkte habe Lord'Abernon in einer Rede in Liverpool unterstrichen. Der Korrespondent verweist ferner auf die von Dr. Schacht in Neuyork abgegebene Erklärung, daß der deutsche Außenhandel um 40 bis 50 Prozent erhüht werden müsse, um die Young=Annuitäten bestreiten zu können. Danach heißt es: Der Young= Plan ist erst im Mai dieses Jahres in Kraft getreten. Aber schon sind die finanziellen Ratgeber der Gläubiger=Regierungen gezwungen, mit der Möglichkeit einer Anwendung der Moratoriumsklauseln dieses Planes zu rechnen. Die Frage eines solchen Moratoriums ist allerdings nur eine Nebenfrage des Hauptproblems. Gegenwärtig sind Diplomaten, Politiker, Finanzleute und Wirtschaftssachverständige hinter der Szene dabei, eine durch die Umstände erzwungene Prüfung der großen Gefahren anzustellen, die zu entstehen drohen aus dem Vorhandensein eines Netzwerkes internationaler Schulden, aus dem Goldhunger der Zentralbanken zweier führender Länder und aus den daraus sich ergebenden Folgen des Anziehens des Goldpreises, des Sinkens des wertes der Waren und des automatischen Steigens der Schuldenlast, die nur in Gütern bezahlt werden kann. Der Teil des Beungplanes, der die Schaffung der B. J. Z. vorsieht, hat in dieser Hinsicht mehrere Vorschriften gemacht, die nicht befolgt worden sind. Verbot der von der deutschen Delegation im Abrüstungs=Ausschuß beantragt. — Genf, 18. November. Graf Bernstorff hat im Vorbereitenden Abrüstungsausschuß den Antrag gestellt, daß außer dem Verbot des Gaskrieges ein Verbot aller schweren Tanks, in den Abrüstungsvertrag ausgenommen werde. Der Antrag sieht im einzelnen vor, daß außerhalb von Befestigungen Geschütze mit einem Kaliber über 77 Millimeter, Hanbitzen über 105 Millimeter verboten sein sollen; innerhalb von Befestigungen sollen Geschütze mit einem Kaliber von über 105 Millimeter, Haubitzen über 210 Millimeter, ferner Mörser und Minenwerfer über 150 Millimeter verboten sein; desgleichen sollen unter das völlige Verbot fallen alle Arten von Kampftragen(Tanks). Die Staaten sollen sich verpflichten, das vorhandene Matersal zu zerstören und darüber an den Generalsekretär des Völkerbundes berichten. Nachdem der Ausschuß den Grundsatz der direkten Herabsetzung des Heeresmaterials abgelehnt hit, bleibt abzuwarten, ob er diesen Antrag annehmen wird. Zur Behandlung der Flottenfrage wurde ein Unterausschuß eingesetzt, in dem die Führer sämtlicher an dieser Frage interessierten Delegationen vertreten sind. Seine Vorschläge werden der Vollkommission unterbreitet werden. Vorher war noch zur Frage des Kriegsmaterials ein französischer Antrag angenommen worden, der das Studium dieser Frage durch den Sachverständigenausschuß vorsieht. Massenverhaftungen in Indien. Aus Anlaß der Protestkundgebungen gegen die Verurteilung Nehrus. In der indischen Stadt Delhi wurden mehrere Kundgebungen veranstaltet, um gegen die Verurteilung des Präsidenten des Nationalkongresses, des Pandit Nehru, zu zwei Jahren Zuchthaus zu protestieren. Bei der Auflösung eines größeren Demonstrationszuges verhaftete die Polizei 218 Personen. In Amritsar wurden drei junge Leute festgenommen, die sich im Besitze von drei Revolvern und zwei Dutzend Patronen befanden. In Bombay verhaftete die Polizei den Präsidenten des Kriegsrates des Nationalkongresses Joseph Binnie, der Absätze aus Reden des verurteilten Jawaharlal Nehru zitiert hatte, die vom Gericht für„aufrührerisch" erklärt worden waren. Auch aus den Vorstädten von Bombay werden zahlreiche Verhaftungen gemeldet. Bei der Auflösung eines verbotenen Demonstrationszuges in Surat nahm die Polizei 50 Verhaftungen vor. Etwa 50 Personen trugen bei Zusammenstößen mit den Beamten Verletzungen davon. Bagdad ratifiziert den Vertrag mit England. * Der Vertrag zwischen England und dem Jrak wurde in Bagdad von der Kammer mit 69 gegen 13, vom Senat mit 11 gegen 5 Stimmen ratifiziert. Der Vertrag, der jedoch erst nach der Zulassung des Jrak zum Völkerbund in Kraft tritt, legt die Unabhängigkeit des Jrak und die Zurücknahme der britischen Truppen fest. Andererseits sichert der Vertrag England im Irakgebiet drei neue Flugzeugstützpunkte und die Zulassung einer britischen beratenden Militärmission. Generalstreik in Barcelona. Madrid, 18. Nov. Aus Barcelona wird berichtet, daß auch dort der Generalstreik ausgerufen wurde. Kraftwagen und Autobusse verkehren zwar noch, ebenso sind die Kaufhäuser geöffnet, im übrigen aber ruht das wirtschaftliche Leben vollkommen. Stahlhelm=Appell zur Wachsamkeit im Osten. — Magdeburg, 18. Nov. Unter Hinweis auf die Mobilisierung der polnischen Aufständischen faßte der Bundesvorstand des Stahlhelms eine Entschließung, in der es u. a. heißt:„Gewaltsame Uebergriffe auf deutschem Boden wie im Jahre 1921 drohen. Zusammen mit der gesamten Grenzbevölkerung fordert der Stahlhelm, daß die Reichsregierung sofort Maßnahmen trifft, um eine Wiederholung polnischer Ueberfälle wie 1921 mit aller Sicherheit zu verhindern. ten Jo0d girgvishen Saate Rhode Island Teranst ken 4000 Milglieber ukrainischer Vereine eine Kundgeb gegen, den polnischen Terror in den Dörfern ihrer a In Lyon hat sich ein neuer Einsturz ereignet, der sedoch keine Opfer gefordert hat. Vor dem Weiterflug nach La Coruna. Zwei Rundflüge des Do X über der Girondemündung. — Bordeaux, 18. November. Das Flugschiff Do X wird voraussichtlich heute von Hourtin aus, der großen französischen Marineflugstation, den Weiterflug nach dem nordspanischen Hafen La Coruna antreten. Der Empfang, den Dr. Dornier und das Flugschiff in Bordeaux gefunden haben, ist überaus herzlich gewesen.„Am Sonntag hatten die Dornierwerke die Vertreter des französischen Luftfahrtministeriums, des Marineministeriums sowie zahlreiche Vertreter der deutschen und Pariser Presse nach Bordeaux zur Besichtides Flugschiffes eingeladen. Ein Sonderzug führte von Bordeaux aus die Gäste nach der an der unteren Gironde liegenden Ortschaft Blaye, 42 Kilometer von Bordeaux entfernt, wohin der Do X von seinem Ankerplatz befördert worden war. Das Flugschiff unternahm zwei Rundflüge mit je 50 Personen an Bord über das Girondedelta. Vom Ufer aus beobachtete eine zahlreiche Menge die einzelnen Bewegungen des Riesenapparates. Wie erneut verlautet, beabsichtigt Dr. Dornier grundsätzlich den Flug nach Amerika über Lissabon und die Azoren durchzuführen, falls es die Witterungsbedingungen gestatten. Man verhehlt sich jedoch nicht, daß die Jahreszeit, die dafür gewählt ist, sehr ungünstig für ein derartiges Unternehmen ist. Technische Gründe(Einbau der amerikanischen Motoren und wider Erwarten verlängerter Aufenthalt in den europäischen Gewässern) hätten jedoch diese Verspätung verursacht. Dr. Dornier verspricht sich, wenn er den Flug nach Amerika wegen der Witterungsverhältnisse nicht ausführen sollte, doch insofern von dem Unternehmen viel, als es seiner Ansicht nach den Beweis erbracht hat, daß etwas ganz Neuartiges im Werden begriffen ist. Von Interesse dürfte sein, daß seit dem Start in Friedrichshafen insgesamt 5000 Personen den Do X besichtigt haben. G 38 auf dem Heimflug. — Köln, 18. November. Das Großflugzeug G 38 (D 2000) ist gestern aus Paris auf dem hiesigen Flughafen eingetroffen und hat hier übernachtet. Der Wei terflug nach Dessau ist für 11 Uhr vormittags vorgesehen. Von gut unterrichteter Seite wird mitgeteilt: Neuwahl des westfälischen Generalsuperintendenten. Die durch die Presse gegangene Nachricht über die Neuwahl des westfäl. Generalsuperintendenten greift den Tatsachen durchaus voraus und ist nur teilweise richtig. Der preußische Kirchensenat in Berlin hat allerdings den Superint. Weirich aus Barmen als Nachfolger des bekannten D. Zöllner ins Auge gefaßt. Artikel 107 der kirchlichen Verfassungsurkunde sieht jedoch für die Wahl des Generalsuperintendenten die Zuziehung der Mitglieder des betr. Provinzialkirchenrats mit beratender Stimme und die Anhörung desselben sowie ein Einspruchsrecht vor. Die Zustimmung des westfälischen Provinzialkirchenrates zu dem Vorschlag des Berliner Kirchensenates ist bisher alles andere als sicher. ** Unna. Jahrestagung des evangelischen Kirchengesangvereins für Westfalen. Vom 25. bis 27. Oktober hielt der evangelische Kirchengesangverein für Westfalen seine 36. Jahresversammlung in Unna ab. Es ist selbstverständlich, daß in dieser Stadt, wo die Choräle:„Wachet auf, ruft uns die Stimme", und„Wie schön leuchtet der Morgenstern“, entstanden sind, das Gedächtnis Philipp Nikolais besonders gefeiert wurde. Die liturgische Abendfeier am Sonnabend, den 25. Oktober galt dem Gedächtnis dieses Liederdichters. Pfarrer Kulp=Barmen wußte so recht die Persönlichkeit dieses in der Festzeit so tapferen Mannes vor die Augen zu malen. Im Festgottesdienst am Sonntagvormittag hielt Pfarrer Niemann=Gütersloh die Festpredigt, die von herrlichen Chorliedern und Gemeindegesängen umrahmt wurde. Nach dem Gottesdienst war auf dem alten Markt in Unna eine Singekundgebung, an der etwa 2000 Menschen teilnahmen und in der der Betheler Posaunenchor unter der Leitung des D. Kuhlo und Pfarrer Sinn=Gevelsberg mit einer begeisterten Ansprache mitwirkten. Nachmittags ma wiederum eine kirchenmusikalische Feier. Die Haunt, jahresversammlung am Montag, den 27. Oktober wundgeleitet von Superintendent Torhorst=Hamm 1. Stählin=Münster sprach über„den Sinn der Liturgie.“ Die ganze Tagung zeigte deutlich, welch große zielbewußte Arbeit der evangelische Kirchengesangverein für Westfalen auf dem Gebiete des Kirchengesanges und der Liturgie leistet. Mitteilung. Der Artikel von Pfarrer Fronzelius in der Beiloge zu Nr. 263 über„Amerikanisches und Deutsches Christen. tum“ ist auch etwas ausführlicher und mit einigen Bi, dern unter dem Titel„Die Welttagung der Zehntausende in einem Sonderheft erschienen. Dasselbe wird von der Jugendbundbuchhandlung in Woltersdorf bei Erkner (Mark) das Stück zu 10 Pfg. abgegeben. Von 20 Stück an 8 Pfg., von 50 Stück an 7 Pfg., von 100 Stück 2 3/G. Hinweis. Der Gesamtauflage unserer heutigen Ausgabe liegt ein Bücherprospekt der Vereinsbuchhandlung G. Ihlhoff u. Co., Neumünster i. Holst. bei, auf den wir auch an dieser Stelle hinweisen. 2 mit Mentol gegen Husten u. Heiserkeit — Posaunenverein:(Bitte ausschneiden und aufheben) Heute, Dienstag, abds. 8 Uhr findet im Assapheum (Jünglingssaal) die letzte Probe zum Blasen am Toten sonntag auf den Friedhöfen statt. Ich bitte sämtliche Bläser, pünktlich zu erscheinen. Am Totensonntag blasen wir auf dem neuen Fried. hof von 13,15 bis 13,45 Uhr, auf dem alten Friedhof von 13,55 bis 14,30 Uhr. Um 14,40 Uhr Abfahrt zum Sennefriedhof, dort beginnen wir um 15,00 Uhr. Mit freundlichem Gruß W. Duwe, Diakon. Dr. Boekh hält von jetzt ab Dienstags und Freilags von 3 bis 4 Uhr in Sunem Sprechstunde. Christlicher Verein junger Männer. Wir gehen Mittwoch, 8½ Uhr zum Gottesdienst. Dann um 10 Uhr an der Dorflinde Treffen zum Senneheim. Für nachmittags ist der Familienkreis eingeladen. 4 Uhr gemeinsames Kaffeetrinken(Zubrat mitbringen). Anschließend Gemeinschaftsstunde. — Am Donnerstag, den 20. 11. 1930, abends 8½ Uhr findet in Tiberias eine Generalversammlung der Feuerwehr statt. Die Mitglieder der Wehr treten um 8 Uhr am Turm an. Da eine Neuordnung in der Unterbringung der Uniformen herbeigeführt werden soll, darf keiner, der im Besitz einer Uniform ist, fehlen. Wer dringlich verhindert sein sollte, hat sich schriftlich mit Angabe seiner Nummer bei mir zu entschuldigen. Der Brandmeister. Beamtenfürsorge. Zu einer Mitgliederversammlung am Freitag, den 21. November d.., nachm. 5½(nicht um 5) Uhr, im Jünglingssaal des Assapheums werden hierdurch alle Mitglieder der Kasse eingeladen. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungslegung, Bericht der Revisoren und Entlastung des Rechners 3. Ernennung von drei Rechnungsrevisoren. 4. Aufwertung der Nachzahlungen. 5. Beschlußfassung über Anträge von Mitgliedern. 6. Verschiedenes. Zu Punkt 5 der Tagesordnung wird an§ 22 e) der Satzungen erinnert, wonach Anträge, welche in der Mitgliederversammlung beraten werden sollen, mindestens 24 Stunden vor der angesetzten Eröffnungszeit an den Vorsitzenden des Kassenvorstandes, Herrn Graf v. Baudissin, zu richten sind. Bethel, den 6. November 1930. Der Kassenvorstand. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: M. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Gelosendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Auswärts“, Chrinliches Tageblatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3916, Am Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. J 30 Wir zeigen voller Freude die Geburr eines gesunden MädchenS an. Pfarrer Dr. theol. Alfred Adam Jutta Adam, geb. Blümcke z. Zt. Paulinenstift Wiesbaden, den 13. November 1930 Emserstraße 5 * Original“ 6e0 fertigen als Spezialität an 9 " Polsieler Bibechewe, Vieleseld Kreuzstraße 43„ Gegr. 1888( F. 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