Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und 0,86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg., Postscheckonto Hannoveraa Peeis e enfchrulono=Hannöder 67 311. Tormhes Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Oft größern Schaden hat gebracht Ein kleiner als ein großer Feind, Weil du vor dem dich nimmst in Acht, Und jener dir verächtlich scheint. Rückert. Me g n Fürst Bülow als Reichskanzler der Sozialdemokratie. Von August Winnig. In seinem soeben in der Hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg 36, erschienenen Buche„Vom Proletariat zum Arbeitertum“(4,50 RM.) berichtet August Winnig u. a. auch über die Umtriebe, die im Jahre 1918 von der Sozialdemokratie begannen. Winnigs Buch bringt die sensationelle Enthüllung, daß Fürst Bülow sich im Jahre 1918 der Sozialdemokratie als Reichskanzler für den geplanten Sturz der Regierung zur Verfügung gestellt habe. Mit Genehmigung des Verlages bringen wir diese Stelle aus dem vierten Kapitel„Zusammenbruch“ des aktuellen und richtunggebenden Werkes von Winnig zum Abdruck. In gewisse Unterströmungen leuchtet ein Erlebnis hinein, das zu Anfang des Jahres 1918 an mich herankam. Ein namhafter Parteiführer schrieb mir, daß der Geheimrat Witting den Wunsch habe, mit mir bekannt zu werden. Ich kannte den Herrn nicht und wußte nur, daß er früher Oberbürgermeister von Posen gewesen war und nun zur Berliner Finanzwelt gehörte. Es handelte sich um den Bruder des bekannten Schriftstellers Maximilian Harden. Wir trafen uns am 28. Januar 1918 in der Deutschen Gesellschaft zu Berlin und verabredeten für den folgenden Tag eine Zusammenkunft in Wittings Wohnung, einer Villa im Tiergartenviertel. Ich erinnere mich der folgenden Unterredung noch deutlich genug, um sie wiedergeben zu können. Witting sagte mir zunächst einige Freundlichkeiten und kam danach zur Sache: Der Krieg sei ein ungeheures Verbrechen am deutschen Volke, er sei durchaus das Werk des Kaisers, den krankhafte Großmannssucht beherrsche. Deutschlands Schuld am Kriege sei sonnenklar, seine Niederlage sicher. Die regierende Klique werde trotz der scheinheiligen Beteuerungen ihrer Friedensliebe nicht eher Schluß machen, bis alles hingeopfert und nichts mehr zu retten sei. Witting verweilte lange bei der Schuldfrage, gab mir auch die vervielfältigte Denkschrift Lichnowskys, des früheren deutschen Botschafters in London, die mir allerdings schon bekannt war. Dann sagte er, der einzige Ausweg sei, daß die Arbeiter die Regierung zum Frieden zwängen. Bisher hätten die Gewerkschaftsführer die Streiks verhindert oder doch schnell wieder beigelegt. Wenn sie, ohne sich persönlich in Gefahr zu bringen, die Streiks begünstigen würden, so hätten sie die Regierung in drei Monaten auf die Knie gezwungen, Deutschland gerettet und der Zivilisation einen großen Dienst erwiesen. Ich lehnte das ab. Witting aber gab die Hoffnung nicht auf. Er teilte mir mit, daß er an dieser Sache schon seit Monaten arbeite, nannte manche Namen von Politikern und Publizisten, die seine Meinung teilten— ich wunderte mich sehr über diese Angaben, denn die öffentliche Haltung der Leute, die er nannte, paßte nicht zu solchen Plänen. Nach fast zweistündiger Dauer brach ich die Unterhaltung ab. Es kam jedoch nach wenigen Wochen zu einer zweiten Besprechung, die wieder in Wittings Wohnung stattfand. Er hatte sie durch einen Brief herbeigeführt, der voller Andeutungen war, die mich neugierig machten. Er sagte nun, in der sozialdemokratischen Partei sei man seiner Meinung. Auf meine Fragen nannte er mir einige Namen. Ich fragte, ob er auch Ebert gewonnen habe. Die Frage machte ihn verlegen und er wich aus: ebert sei ein enger Kopf und erkenne nicht die große Chance der Partei; in der Sache selber habe er erklärt, dafur seien die Gewerkschaften zuständig. Nun wisse er, Vitting, daß ich der entschiedenste Verfechter der Kriegsvoltnk in den Gewerkschaften sei; viele meiner Kollegen hatten längst genug und würden sofort„bei der Sache“ eein, wenn ich mich überzeugen ließe. Darum habe er sich an mich gewandt. Ich blieb bei der Ablehnung. Das machte ihn unruhig und war vielleicht der Grund, daß er weiter ging, als " beabsichtigt hatte. Das weiter klingt, wie ich zugeeen muß, etwas abenteuerlich, aber es ist so gewesen. Vitting sagte, ich solle ihn nicht für einen obskuren Planemacher halten, er sei mit vielen bekannten Soziasten einig, und außerdem ständen sehr hohe Persönlichteiten hinter ihm. Er nannte den Fürsten Lichnowsky und fügte hinzu, L. sei bei ihm im Hause und halte sich mir weitere Aufschlüsse über Deutschlands Schuld am Kriege zu geben. Dann nannte er den Fürsten Bülow. Bülow, sagte er, werde sich an die Spitze der neuen Regierung stellen. Er habe den Fürsten gefragt, was er, Witting, den Sozialdemokraten bieten könne. Er sei ermächtigt, der Sozialdemokratie vier oder fünf Staatssekretäre zuzusichern, und glaube, mir versprechen zu können, daß ich einer dieser Staatssekretäre sein würde. Er wies auf den Fernsprecher: Bülow wohne zur Zeit im Hotel Adlon und halte sich bis ein Uhr bereit, mich zu empfangen; der Fürst werde seine Zusicherung vor mir wiederholen, nur solle ich nicht zu bescheiden sein; ob er mich jetzt gleich anmelden solle? Ich schwankte keinen Augenblick und sagte, ich würde meine Hand nie zur Ausführung dieser Pläne bieten. Jetzt wurde Witting aufgeregt und verlor nahezu die Fassung: er sei in meiner Hand, Bülow, Lichnowsky und alle, die er genannt habe, ich solle den Augenblick bedenken; nie wieder werde sich mir eine solche Chance bieten. Um ihn zu beruhigen, versprach ich ihm, für den Fall, daß der Plan nicht weiter verfolgt würde, über seine Eröffnungen solange zu schweigen, wie ihr Bekanntwerden ihm schaden könne. Enthullungen. Den nachfolgenden, sehr scharfen und ernsten Ausführungen geben wir Raum, weil der Verfasser alle die Angaben über Vorgänge, die uns nicht so bekannt sind, mit seinem Namen deckt. Die Schriftleitung. Es soll nicht gesagt werden, aber es muß um der Wahrheit willen gesagt werden, damit die dicke Nebelschicht, die seit der Schuldlüge über Deutschland lagert, endlich durchbrochen wird. Hier ein Durchblick durch den Wirrwarr in der römischen Provinz Germania, ehemals Deutsches Reich: Das Kabinett Brüning„hat das Vertrauen des Auslandes(soll heißen: Frankreichs), darum(!?) sollte man ihm doch auch in Deutschland Vertrauen schenken“. Wie ist dieses Kabinett entstanden? Man nennt es das Hindenburg=Kabinett, andere nennen es das Young=Plan=Kabinett. Wie ist es entstanden? Am 19. 12. 29 berichtet Europapreß aus Paris:„An der Spitze einer Delegation von Politikern und Wirtschaftsführern der franz. Mittelparteien ist der ehemalige Ministerpräsident Senator Francois Marsal heute nachmittag nach Berlin abgereist. Die Delegation wird in Berlin von Politikern und Wirtschaftsführern des Zentrums, u. a. dem ehemaligen Reichskanzler Marx, den Ministern Guérard und Wirth, sowie zahlreichen Abgeordneten und Journalisten des Zentrums empfangen werden. Die französische Delegation erwidert damit den im Juli dieses Jahres abgestatteten Besuch einer deutschen Zentrumsabordnung. Der Besuch ist privater Natur, erfolgt jedoch im vorherigen Einvernehmen mit den beiden Regierungen.— Eine erste gemeinschaftliche Zusammenkunft findet am 20. Dezember statt, wobei Professor Platz=Bonn, sowie R. P. Delattre über den Charakter und die Denkart der Franzosen und Deutschen sprechen werden.“ Wie harmlos klingt das! Die Besprechung fand statt 2 Tage vor der Volksabstimmung gegen den Youngplan! Dann ging Dr. Wirth als Vertreter Deutschlands mit den anderen Vertretern nach dem Haag. Während der Verhandlungen dort wurde in deutschen Zeitungen die Klage laut, daß Dr. Wirth mit den französischen Vertretern private Verhandlungen führe und weitergehende Bedingungen bewillige als die anderen deutschen Vertreter. Die Verhandlungen wurden abgeschlossen. Die deutschen Vertreter kamen zurück mit dem bekannten Haager Abkommen. Der Reichstag sollte die Zustimmung geben. Da verweigerte das Zentrum die Anerkennung des Vertrages ohne vorhergehende Ordnung der Finanzen. Der Reichspräsident hatte erklärt, seine Unterschrift dem Vertrage nur zu geben, wenn eine bedeutende Mehrheit im Reichstag sich finden würde. Nun mußte mit dem Zentrum, das seine schützende Hand über Deutschlands Steuerlast zu halten schien, verhandelt werden. Der sozialdemokratische Reichskanzler beorderte den Zentrumsmann Dr. Brüning zum Reichspräsidenten. Auf Grund von§ 48 wurde nun das Kabinett ernannt, wie es heute besteht. Das lang erstrebte Ziel der vatikanischen Weltpolitik ist erreicht: Die diktatorische Regierungsgewalt über Deutschland ruht in den Händen des Reichskanzlers, der an das Zentrum gebunden ist, dessen Führung der Jesuitenpater und päpstliche Hausprälat Dr. Kaas übernommen hat.— Kein Parteikabinett, als Kabinett des Vertrauens!, vom„Vater des Vaterlandes“, wie Hindenburg in Trier begrüßt wurde, ernannt! So wird es dem deutschen Volke gepriesen. Kann das deutsche Volk Vertrauen haben zu diesen Ministern? Der Innenminister ein Freund Erzbergers, der dem Versailler Vertrag mit der Schuldlüge seine Zustimmung gab, ist seinerzeit in Weimar durch die Reihen des Zentrums gegangen mit der Ermahnung: Der Heilige Vater wünscht schwarz=rotgold. Der päpstliche Prälat Dr. Seipel, damals Präsident der österreichischen Republik, hatte ja erklärt, unter der alten schwarz=weiß=roten Flagge würde Oesterreich niemals den Anschluß an Deutschland vollziehen. So wurde die Flagge der Republik gehißt. Dr. Wirth deckte damit die Schuldlüge seines Freundes Erzberger zu in dem Sinne: Das alte kaiserliche Deutschland ist schuld am Kriege, seine Flagge ist heruntergeholt, das neue Deutschland unter der republikanischen Flagge muß aber die Schuld des alten bezahlen und darum die diktierten Verträge annehmen. Volles Vertrauen kann das Ausland auf diese Regierung haben, deren Innenminister dafür Sorge trägt, daß die Schuldknechtschaft des Youngplans durchgeführt wird. Solange die Sozialistenherr= schaft über Preußen und die Zentrumsherrschaft über Deutschland besteht, hat Frankreich keine nationale Erhebung des deutschen Volkes zu befürchten. Darüber wacht auch der Wehrminister. Zur Kaiserzeit hat er den Fahneneid für eine Idee erklärt, für den Eid auf die Verfassung der schwarz=rot=goldenen Republik fordert er„bedingungslosen Gehorsam“ bis zur Verleugnung deutscher nationaler Gesinnung, ja, bis zum Gewissenszwang evangelischer Militärmusiker, die in Marburg zum „Triumphzug über die Ketzer“(Fronleichnamsprozession) haben aufspielen müssen. Der Minister Treviranus versuchte die Deutschnatio nale Volkspartei zu sprengen, als sie dem Zentrum die Gefolgschaft versagte.„Ich habe authentische Mitteilung, daß das Zentrum jetzt rechts schwenken wird“, so verkündete er und bestieg den von Dr. Brüning angebotenen Ministersessel. Das Zentrum aber schwenkte links und machte wieder den Sozialistenführer zum Reichstagspräsidenten und stützte die Sozialisten=Regierung in Preußen. Wenn man aber daneben hält, mit welcher Energie auf dem letzten Katholikentag ein Zusammengehen mit der Sozialdemokratie abgelehnt worden ist, dann sollte man doch endlich einsehen, daß das Zentrum keine katholische noch christliche Partei ist, sondern die Vertreterin der Weltpolitik der päpstlichen Weltherrschaft. Diese Weltpolitik wird heute noch geführt von dem polnischen Kardinal und Jesuitengeneral von Ledochowski. Dieser residierte während des Krieges in Zürich, als Italien auch in die Reihe der kriegführenden Mächte eingetreten war. In Zürich bildete er die katholische Völkerliga, deren erster Geschäftsführer Matthias Erzberger war.(Als solcher hat er seinerzeit das Friedensangebot Deutschlands gemacht, um Frankreich vor dem Zusammenbruch zu retten; und später hat er die Versailler Vertrags=Verhandlungen für Deutschland geführt.) Die Fortsetzung dieser Völkerliga ist der heute noch bestehende Völkerbund. Die deutsche Republik hat ihm beitreten dürfen, als in Deutschland die Zentrumsherrschaft gesichert war. Und das Ziel? Germaniam esse delendam, Deutschland muß zerstört werden. Den Ruf hört man nicht mehr, aber die Ausführung ist ersichtlich in allen Verträgen, die auf Grund der bejahten Schuldlüge abgeschlossen sind, bis auf den letzten Young=Vertrag, den der jetzige Innenminister unterzeichnet und dessen Durchführung er übernommen hat.— In dieser Lage steht das deutsche Volk. Wer noch oder wieder national denkt und denken gelernt hat, wehrt sich dagegen, denn es geht ums Leben und die Freiheit des deutschen Volkes, das von den internationalen Mächten bedroht und betrogen wird. Preußen bleibt unter sozialistischer Herrschaft und wird den Polen immer mehr preisgegeben. Polen war ja von jeher„der schönste Edelstein in der päpstlichen Krone", während Deutschland nach dem Ausspruch eines Zentrumsführers„von Rom nichts zu erwarten hat“. Während der Verhandlungen über den Versailler Vertrag richteten deutsche Katholiken an den damaligen Papst die Bitte: er möge für Deutschland günstigere Friedensbedingungen vermitteln. Die Antwort darauf, die in der Presse bekannt wurde, lautete: Bei den weltumfassenden Plänen des heiligen Vaters könne er sich um die kleine Enklave im protestantischen Deutschland nicht kümmern, die deutschen Katholiken sollten sich nur um so fester an den heiligen Stuhl anschließen.— Dieser Anschluß ist erfolgt. Der „größte deutsche Reichskanzler“— so hat ihn sein Freund Dr. Wirth genannt— hat den triumphierenden Ausspruch getan:„21 Fürstenkronen sind in den Staub gerollt, kein Bischofsstab ist umgefallen. In der einstigen Reichshauptstadt des deutschen Kaiserreiches residiert jetzt der Bischof von Papstes Gnaden. Der päpstliche Nuntius steht an der Spitze des diplomatischen Korps und hat die Konkordate erzwungen. Ein Jesuitenpater und päpstlicher Hausprälat ist Führer des Zentrums, d. h. der Partei, welche die vatikanische Politik in der deutschen Republik zu besorgen hat. Vertreter dieser Politik in Oesterreich ist ebenfalls ein päpstlicher Hausprälat(zur Zeit Außenminister), der Urheber des Flaggenwechsels. Die Sozialisten in vollständiger Abhängigkeit vom Zentrum und darum in erzwungener Gefolgschaft, haben dazu gedient und dienen weiter dazu, daß Deutschland, das einstige freie und mächtige Kaiserreich, jetzt unter der Flagge der Republik eine unselbständige„Provinz Germania“ in dem päpstlichen Weltreich ist. Soll das so bleiben!? Wilhelm Baltzer, Konsistorialrat. Schwierigkeiten beim Abschluß des preußischen Kirchenvertrages. Vor einigen Tagen hat sich der Kirchensenat der altpreußischen Landeskirche mit dem Staatsvertrag beschäftigt, der zwischen dem preußischen Staat und den evangelischen Kirchen Preußens abgeschlossen werden soll. Es stellte sich heraus, daß noch erhebliche Meinungsverschiedenheiten zu überwinden sind. Die preußische Staatsregierung verlangt, daß die Regierung ein politisches Einspruchsrecht gegen die Besetzung der obersten Kirchenstellen erhält. In evangelischen Kreisen tritt eine starke Beunruhigung hervor, wenn noch immer an diesem politischen Einspruchsrecht festgehalten wird. Es ist abwegig. hier ohne weiteres die katholische Kirche mit ihrem Konkordat heranzuziehen. Die obersten Kirchenämter der katholischen Kirche werden von einer ausländischen Macht besetzt und außerdem sind die obersten katholischen Kirchenämter mit einer großen Machtfülle ausgestattet. Es ist unter diesen Umständen selbstverständlich, daß sich der Staat ein gewisses Einspruchsrecht vorbehält. Bei der Besetzung der obersten evangelischen Kirchenstellen handelt es sich aber um eine rein deutsche und rein innerkirchliche Angelegenheit. Auch die„Machtfülle“ der evangelischen Kirchenoberen ist viel geringer als die der katholischen Bischöfe. Der preußische Staat könnte nun aus parteipolitischen Gründen von seinem Einspruchsrecht Gebrauch machen und größte Beunruhigung in evangelisch=kirchlichen Kreisen hervorrufen. Um aus diesen Schwierigkeiten herauszukommen, denkt man unter Umständen an Errichtung eines Schiedsgerichtshofes. Es scheint so, als ob auch die preußische Staatsregierung nicht davor zurückschrecke, den evangelischen Bevölkerungsteil ihres Gebietes zu verletzen. Noch ist die Unruhe nicht verschwunden, die daraus entstanden ist, daß die preußische Staatsregierung eine katholische und eine dissidentische Akademie in Berlin errichten wollte, ohne vorläufig an die Errichtung einer evangelischen Akademie in demselben Bezirke zu denken. Die Erbitterung in weiten Volkskreisen war darüber so groß, daß, wie es nach neueren Nachrichten scheint, nun doch auch eine evangelische pädagogische Akademie in Groß=Berlin gleichzeitig errichtet werden soll. Hoffentlich findet die preußische Staatsregierung einen Weg, den Wünschen weitester evangelischer Volkskreise auch beim Staatsvertrag, der Lug ins Buch. Eine Weihnachtsbücherschau. 1. Jugendland. Wenn man so alljährlich gegen Weihnachten hin sich besinnt, was das Jahr an Büchern gebracht hat, die anderen zu empfehlen man verantworten kann, so freut man sich doppelt, wenn auch für unsere Kinder im Jugendland ein Sträußlein dabei ist. Es ist nicht alle Jahre so leicht zu binden wie heuer. Da nenne ist zuerst für die Kleineren: Neue Kinderlieder und Reigen von Albert Seifried(Thienemann, Stuttgart,.— RM). Diesem originellen und so angenehm billigen Buche merkt man es an, daß es aus freiem frohem Künstlerschaffen und ohne jeden Gedanken an Veröffentlichung oder Gelderwerb entstanden ist. Daher die Frische, der duftige Reiz und der harmonische Zusammenklang von Lied, Melodie und Bild! Es ist ein entzückendes Geschenk für Kinder, wie für die Mutter, die ihre Kinder in gesunder Bewegung beschäftigen will. Gleich wertvoll für alle Kindergärtnerinnen und Kleinkinderschulen, weil es neue Anregungen für das Bewegungsspiel vermittelt. Ihm reiht sich an aus der gleichen mustergültigen Sammlung(.—)„Heisa Juchhei!“ von K. F. Oßwald. Diese kleinen Kurzgeschichten, vorzüglich auch zum Vorlesen geeignet, geben in ihrer klaren Latein=Balkenschrift gerode auch für die„Einjährigen“ ABC=Schützen ein willkommenes Geschenk ab. Die Bebilderung ist gut und sehr reich. Franziska Schenkels Kunst schuf köstliche Bilder zu zwei anderen, prächtig ausgestatteten Bildbüchern des Verlags Keutel in Lahr. Der Text von pelchen und Pimpelchen“ stammt von Rinkefeil, dem Verfasser der„Schleirilei“ und schildert die lustigen, aber nicht sinnlosen Streiche zweier Gnomen, von einer Fee mit einem Wundersack ausgerüstet, der mithilft, Nenschen zu— erziehen. Der Text des zweiten„Lustidus Löwenzahn“, die Wander= und Wunderfahrten eines der kleinen windgetragenen Löwenzahnsamen erzählend, ist von einem unserer bedeutenden Gartengestalter, Harry Maaß, gestaltet. Und dann eine sehr niedliche Entdeckung: 17 Tuschzeichnungen aus den Mußestunden Wilhelm Steinhausens:„Schncewittchen bei den sieben Zwergen.“ Aus Familienbesitz herausgegeben vom Eckart=Verlag, ## erlin,.20 KM. Echt Steinhausen, sowohl im Bild als in den märchenduftenden Verslein. Ein schlichtes Kleinod! demnächst abgeschlossen werden soll, gerecht zu werden. Es liegt wirklich nicht im Staatsinteresse, immer wieder derartige Unruhe hervorzurufen und zu steigern. Der evangelische Bevölkerungsteil Preußens darf nicht dauernd in Unruhe gelassen werden. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß auch das evangelische Kirchenvolk alle Zeit aus freudigem Herzen Staat und Staatsautorität bejahen kann. Polnisch=katholische Schwestern im Johanniterkrankenhaus. Den deutschen Diakonissen wird die Verpflegung gesperrt. Das Vorgehen der Polen gegen das vom Johanniterorden erbaute deutsche evangelische Krankenhaus in Vandsburg hat in ganz Deutschland wie auch in evangelischen Auslandskreisen lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Ueber die Begleitumstände der empörenden Vorgänge gehen uns die folgenden Mitteilungen zu: Der Johanniterorden unterhält in Posen und Pomerellen mehrere Krankenhäuser, die auch nach der Abtretung an Polen in seinem Besitz und in seiner Verwaltung geblieben sind. An eines von diesen Krankenhäusern in der kleinen Stadt Bandsburg glaubte der Kreis Zempelburg Eigentumsansprüche zu haben. Der darum geführte jahrelange Prozeß wurde vom Thorner Appellationsgericht zu Gunsten des Kreises entschieden, in dessen Besitz das Krankenhaus nunmehr überging. Das gerichtliche Urteil bestimmte aber, daß zugleich ein im Jahre 1877 zwischen Johanniterorden und Kreis geschlossener Vertrag über die Verwaltung des Hauses wieder in Kraft treten solle. In diesem Vertrage heißt es ausdrücklich, daß die innere Verwaltung des Hauses sowie die Krankenpflege für dauernd Diakonissen anvertraut werden solle. Diese Bestimmung entspricht dem deutschevangelischen Geiste des Johanniterordens, der das Haus aus eigenen Mitteln erbaut und bisher unterhalten hat. Ungeachtet dieses Gerichtsentscheides erschienen am Reformationstage, als das Haus von seiten des Kreises in Besitz genommen werden sollte, in Begleitung der behördlichen Vertreter fünf polnisch=katholische Nonnen vom Elisabethinerinnenorden aus Posen ohne jede vorherige Anmeldung und wurden in das Pflegeamt eingesetzt. Den deutsch=evangelischen Diakonissen, die dem Diakonissenmutterhaus in Danzig angehören, wurde mitgeteilt, daß sie nur noch so lange bleiben sollten, bis sie ihre persönlichen Verhältnisse geregelt und die polnischkatholischen Schwestern eingearbeitet hätten. Der Protest der bisherigen deutschen Verwaltungsmitglieder hat noch keinen Erfolg gehabt. Die Danziger Diakonissen, deren Anstellungsvertrag eine vierteljährliche Kündigungsfrist vorsieht, sind bisher noch im Hause verblieben. Schon am 3. November wurde ihnen aber von amtlicher Seite mitgeteilt, daß sie ab 4. November früh acht Uhr keine Verpflegung mehr erhalten würden. Damit hat man also wieder auf die Methode der Aushungerung zurückgegriffen, die seinerzeit in dem großen Gnesener Krankenhaus des Roten Kreuzes„Bethesda" den tapfer auf ihrem Posten ausharrenden deutschen evangelischen Schwestern gegenüber zur Anwendung kam.— Das Vorgehen der Polen ist um so unverständlicher, als das Danach für die zwischen 10 und 16 Jahren: Wenn man selbst für eine ganze Schar leseeifriger Kinder zu sorgen hat, ist man aus Erfahrung hellhörig für den Namen Else Model. Auch dies Jahr bewährt sich diese Erfahrung bei ihrem neuen Band Geschichten „Leonhard Herdegens wundersamer Feiertag“(Thienemann, 4,80 RM). E. M. ist eine zweite Spiry im besten Sinne. Tiefer erfaßbar sind die selbsterlebten Geschichten erst eigentlich fürs Konfirmandenalter. Auch für Erwachsene ist das Buch lohnend. Insonderheit für Jungen ist Nikolaus Bolts: „Christophs Flucht“(Steinkopf, 4,20 RM). Knapper, anregender Stil. Große und Kleine im Kampf ums Brot im Neuyorker Osten, Flucht in die Weite, Rückkehr und ein neuer Weg zu wirklichem Werden. Auch Edmund Kiß':„Schwarze Felsen am Pazifik“(Thienemann, 5,50 RM), an der peruanischen Küste spielend, darf genannt werden. Es würde sich flotter lesen, wenn nicht die Namen der peruanischen Granden jeweils zu zungenbrecherisch, d. i. ungewohnt dem lesenden Auge wären. Knapp, herb und männlich ist Leopold Webers: „Njal, der Seher"(Thienemann, 2,—RM). Eine isländische Heldengeschichte, der Held ein innerlich gereister Führer von Sippe und Volk zu höherer Kulturstufe. Voll starker Aufbauwerte. Für gereiftere unter den jungen Mädchen hat schon der erste Band von E. Steinbiß:„Der Lenz hat Rosen angezündet“ eine ganz außerordentlich wertvolle Gabe. Er liegt in Neuauflage vor und bildet mit dem neuen„Und jede Seele"(beide Thienemann, 5,50 RM) ein Werdebuch wie es gerade in dieser Gattung Literatur für das sog. Backfischalter weit über alle romantische Seichtheit hinaufragt. Kriegsschicksale junger Menschen und Nachkriegswirdel sind hier eindringend gestaltet. Auch darin hallt ein Echo von gestern, das den Werdenden von heute sehr dienlich zu vernehmen ist. Denn es täte wirklich not, daß es wieder mehr Wirklichkeit würde, was der Vers vom Sinn alles Lebenskampfes sagt:„Und jede Seele schwillt und mündet hinüber in den Opferstrom". Zwei Jugendbücher, nicht erzählender, sondern sachlich darstellender Art, die sich das Ziel religiöser Vertiefung setzen, reihe ich an: Lüphes„Jugendglaube“(Landbuchhandlung,.— RM). Vielleicht etwas viel an jugendlicher Konzentration fordernd, ohne genügend sedernde Lebendigkeit der Darstellung, und daneben„Die mich frühe suchen", von Paul Dorsch.(Calw,.—RM). Vandsburger Johanniterkrankenhaus stets sämtliche Kranken ohne Rücksicht auf Konfession oder Nationalitz, aufopfernde Hilfe geleistet hat. Dazu kommt ein zweiter Fall: Wie ein der Regig, rungspartei nahestehendes polnisches Blatt soeben an, kündigt, soll die evangelische Kirche in Althütte den dar. tigen Katholiken übergeben werden. Die evangelische Gemeinde in Althütte, die im nächsten Jahre ihr 300. jähriges Bestehen feiert, ist eine der ältesten Gemeinden des Netzedistrikts. Die Kirche, um die es geht, ist Jahre 1915 erbaut worden. Die geplante Maßnahme heißt es in der genannten Zeitung— zeuge von dem Wohlwollen der Regierung gegenüber Fragen der katho, lischen Kirche. Man muß abwarten, was auf diese An, kündigung hin geschehen wird. General von Steuben. Am 15. November werden es 200 Jahre, das in Magdeburg einer der bedeutendsten deutschen Män, ner der Geschichte geboren wurde: Baron Friedrich Wilhelm von Steuben. Wie den Achtundvierziger Carl Schurz, so haben Deutschland und die Vereinigten Staaten auch den friderizianischen Offizier von Steuben gemeinsam. Es ist darum von tiefer Symbolik, wenn von den beiden Gedenksteinen, die von dem Ruhm Friedrich Wilhelms von Steuben künden, das eine Denkmal in Potsdam, das andere in der nach dem ersten Präsidenten Washington benannten Bundeshauptstadt der Vereinigten Staaten steht. Der äußere Werdegang des Barons von Steuben ist bald erzählt. Mit 17 Jahren trat er in die preußische Armee ein, wurde Offizier und schlug mit dem großen Friedrich gegen eine Welt von Feinden die Schlachten des Siebenjährigen Krieges. 1761 geriet Steuben in der ausgehungerten Feste Kolberg vorübergehend in russische Gefangenschaft. 1764 vertauschte Baron von Steuben den Beruf des Offiziers mit dem Amt eines Hofmarschalls des Fürsten von Hohenzollern=Hechingen. Inzwischen hatte sich auf amerikanischem Boden ein weltgeschichtliches Ereignis abgespielt: der Abfall der dreizehn englischen Kolonien in Nordamerika von England! Seit 1775 kämpften amerikanische Freiwillige unter George Washington gegen gutgeschulte englische und angeworbene deutsche Truppen um die Unabhängigkeit Nordamerikas. Doch standen die Dinge nicht gerade günstig für das ehemalige Kolonialland. Die höheren Führer der amerikanischen Freiwilligen waren ihren Aufgaben vielfach nicht gewachsen, der Soldat aber war durch die langen Märsche kreuz und quer durch die amerikanische Weite, durch die vielen Niederlagen und die Mißstände in der Versorgung zermürbt. So kam es, daß trotz der vaterländischen Glu in Washington und trotz der strategischen Fähigkeiten dieses Führers, der auch nach verlorenen Schlachten rechtzeitig wieder auf dem Plan war, um den Engländern erneut Schach zu bieten, sich 1777 für England beste Aussichten auf die Wiederunterwerfung Nordamerikas eröffneten. In diesem kritischen trat nun General von Steuben die Reise nach den Vereinigten Staaten an. Washington, dem Steuben als der Mann empfohlen worden war, den die Stunde erforderte— u. a. vom französischen Kriegsminister, der wie Friedrich der Große den Engländern eine Niederlage wünschte,— machte Steuben zum Generalinspekteur seiner Truppe. Eine frische, anschauliche Darstellung von Persönlichkeiten, die schon im jugendlichen Alter lebendige Gemeinschaft mit Gott fanden.(U. a. Zinzendorf— Zeppelin— Washington— Albert Schweitzer— Sundar Singh). Nicht an Phantasiegestalten, sondern am begeisternden Vorbild lebenstüchtiger Männer, die mit unruhevollem Schicksal und harten Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, wird den jungen Lesern vor Augen geführt, wie sie im Kampf des Lebens Kraft und Mut und Sicherheit gewinnen können. Beides aber, religiöse Erziehung und erzählende Darstellung vereinen die von J. Jeremias herausgegebenen drei Lesebücher„Gute Geister“(M. Müller). Sie enthalten kindliche Verse und Lieder, Geschichten und Gedichte fürs Leben, die langsam gelesen, erzählt und desprochen sein wollen. Sie sind ausgewählt von einem Manne, der die Kinder lieb hat, und mit Bildern 3“ schmückt von einem jungen Künstler, der die kindlich Seele mit ihrer heißen Liebe für das Schöne und inmr lich Wahre, ihrem Sehnen nach dem Heimatlichen##0 Ewigen aus eigenem frohen Erfahren kennt. Die Geschichten sind sämtlich packend und lebenswaht Alles Süßliche, Weichliche, Unechte, Sentimentale grundsätzlich ausgeschieden. Denn die Religion hat um soviel Wert, als sie Kraft fürs Leben und Einfluß au das Leben hat. Alle drei haben das eine große Ziel vor Augen, Christentum mit seinen reichen Schätzen der Freude i der Kraft unserer lieben Jugend in kerniger, leben wahrer, formenschöner Entfaltung als besten, großte“ Schatz fürs Leben mitzugeben. Welche drei das sind! I. Teil: Wie fröhlich bin ich aufgewacht, für Kinde von 6 dis 9 Jahren. In keinem Einband RM.80. S das erwachende innere Leben des Kindes, und für“ Freude an Gottes schöner Welt, die geweckt werden“ U. Teil: Davon ich singen und sagen will. Für Kind“ von 9 bis 12 Jahren. In seinem Einband RM 3,80. 5“ die Größeren, die einen ersten lebendigen Eindruck der Herrlichkeit des Christenglaubens empfangen soils „Daß ich den Frieden Gottes schmeck' und fühl, und darob im Herzen sing und spiel“.“ III. Teil: Einer ist ener Meister, Thristus. Für Kino“ von 13 bis 15 Jahren, insbesondere für den Konfirimht denunterricht. In feinem Einband RM. 5,60. Fur reifere Alter, das vor dem erledten und heldenhafte“ Glauben, vor allem der hohen Gestalt des großen sters ehrfurchtsvoll stehen solk. Echalt sämtlichen oder Nacionalitä e ein der Regie. Blatt soeben anAlthütte den dorepangelische n Jahre ihr 300. ltesten Gemeinden e es geht, ist im ite Maßnahme— zeuge von dem Fragen der katho. das auf diese Aneuben. 10 Jahre, daß i n deutschen Män Baron Friedri indvierziger Car die Vereinigte zier von Steube Symbolik, wen von dem Ruhr n, das eine Den nach dem erste Bundeshauptstad ons von Steuben in die preußische mit dem großen en die Schlachten eriet Steuben in vorübergehend in ischte Baron von dem Amt eines sollern=Hechingen. ikanischem Boden spielt: der Abt in Nordamerika ten amerikanische on gegen gutgedeutsche Truppen s. 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Mit der Tatkraft und Zähigceit, wie sie Steuben aus der Armee des großen Friedrichs mitbrachte, ging er daran, aus den amerikanischen Freiwilligen eine militärische Truppe zu schaffen. General von Steuben führte deshalb die geste der entmutigten Truppe zunächst vom Schlachtseld auf den Exerzierplatz und sorgte hier für Schulung und Manneszucht. Gleichzeitig ordnete er die Heeresverwaltung und überwachte die Rekrutierung. Alsdann begann der Krieg mit neuer Kraft, und nun reiften die Früchte der Tätigkeit Steuhens. Den Höhepunkt erreichte sein Ruhm, als dank seiner Reorganisationsarbeit und dank der Strategie Washingtons der englische General Cornwallis 1781 in Pirginia die Waffen strecken mußte. Dieser Schlag traf London um so schärfer, als inzwischen auch Frankreich und Holland gegen England den Krieg eröffnet hatteg. Die Verdienste, die sich Steuben als Schöpfer der amerikanischen Armee erworben hat, sind nicht immer so gewürdigt worden, wie sie tatsächlich zu bewerten sind. So brachte es z. B. der amerikanische Kongreß fertig, beim Friedensschluß die Berufung Steubens als Kriegsminister zu verweigern, weil Steuben ein„Ausländer“ war. General von Steuben zog sich nach dem Krieg auf seine Farm zurück, in der Hoffnung, doch noch einmal von Washington berufen zu werden. Am 28. November 1794 ist er darüber hinweggestorben. Erst neuerdings hat sich drüben die Erkenntnis Bahn gebrochen, wieviel die Vereinigten Staaten diesem Manne schuldig sind. Denn General von Steuben ist einer der Deutschen, denen Amerika seine Freiheit mit zu verdanken hat! Möge diese Erkenntnis dazu beitragen, die deutsch=amerikanischen Beziehungen zu vertiefen und die Stellung des deutschen Volkselements in den Vereinigten Staaten zu stärken. Heute können die Vereinigten Staaten dazu beitragen, oaß die Völker, die um ihre Freiheit ringen, allen Widersachern zum Trotz als Sieger aus diesem Kampfe hervorgehen. Billigung der preußischen Durchführungsbestimmungen mit 251 gegen 149 Stimmen. Die Donnerstag=Sitzung des Preußischen Landtags begann mit erregten Auseinandersetzungen. Auf Antrag der deutschnationalen Fraktion ersuchte Abg. Borck das Staatsministerium um eine eingehende Darlegung der Zwischenfälle in der Berliner Universität, insbesondere um die Beantwortung der Frage, aus welchen Gründen und auf wessen Veranlassung die Polizei eingesetzt worden sei. Die deutschnationale Fraktion habe den Eindruck, als sollten nationale Regungen der Studentenschaft mit' Gewalt unterdrückt werven. Abg. Heilmann widersprach der sofortigen Beratung des Antrags. Nach kurzer, aber heftiger Debatte wandte sich dann der Landtag der dritten Lesung der neuen Gemeindesteuern zu. Abg. Dr. v. Kries(Dutl.) verlangte Mitteilungen über das Finanzprogramm der Reichsregierung. Nach den neuesten Ermittelungen solle das Ergebnis der neuen Steuerquellen ein so mageres sein, daß es sich schon aus diesem Grunde nicht lohnen würde, die neuen Kommunal= steuern einzuführen. Redner brachte schließlich noch Aenderungswünsche vor. Finanzminister Dr. Höpker=Aschoff äußerte sich über das Reichsfinanzprogramm. Zur geplanten Besoldungskürzung erklärte er, daß diese in Preußen ohne verfassungsänderndes Reichsgesetz durchgeführt werden könne, da die Besoldungsordnung von 1927 die Bestimmung enthalte, daß zur Abänderung ein einfaches Gesetz genüge. Anders liege es bei dem Pensionskürzungsgesetz und dem Besoldungssperrgesetz. Es könne kein Zweifel darüber bestehen, daß beide Gesetze verfassungsändernd seien. Bei dem Besoldungssperrgesetz habe die preußische Regierung Bedenken nicht etwa gegen eine Angleichung der Bezüge an diejenigen im Reich, sondern deshalb, weil entsprechende Maßnahmen von ihr bereits durchgeführt seien und sie Bedenken gegen eine nochmalige Durchführung habe. Sie werde daher eine Aenderung des Gesetzes dahin beantragen, daß eine Wiederholung des durchgeführten Verfahrens nicht stattzufinden brauche. Gegen die im Reichsfinanzprogramm vorgesehene Mitwirkung des Reiches bei der Gestaltung der Länderhaushalte habe er keine Bedenken, vielmehr begrüße er sie, da dann auch das Reich die Ueberzeugung gewinnen werde, daß die Ersparnismöglichkeiten innerhalb des preußischen Haushalts die Grenze erreicht hätten. Die Absichten, die die Reichsregierung zur Erzielung einer sparsameren Rechtspflege verfolge, gehen auf preußische Anregung zurück. Die geplante Einheitssteuer für Landwirtschaft und Gewerbe sei zu begrüßen, da sie zur Entlastung des Steuerzahlers und zür Vereinfachung des gesamten Steuerwesens führe. Ebenso verdiene das geplante Steuervereinheitlichungsgesetz allgemeine Billigung, weil es einheitliche Grundlagen für die gesamte Realbesteuerung bringe. Bedenken seien dagegen zu erheben hinsichtlich der Neutegelung der Wohnungswirtschaft und der Realsteuersenkung. Preußen würden danach im nächsten Jahre nur 120 Killionen Reichsmark Hauszinssteuermittel für die Neuautatigkeit zur Verfügung stehen, ein Betrag, der in einem Verhältnis zum Bedarf stehe. Deshalb habe die ceutzische Regierung vorgeschlagen, die Hauszinssteuermittel ür die Neubautätigkeit nicht um die Hälfte, sondern um ein eittel zu kürzen. Die Senkung der Realsteuern könne nach insicht der Staatsregierung nur an solchen Orten erfolgen, die Realsteuersätze überspannt seien, d. h. in Gemeinen in denen die Zuschlagssätze über dem Landesdurchhnitt lägen. Er hoffe, daß die Abänderungsanträge der renhischen Regierung eine Mehrheit im Reichsrat, aber ich die Zustimmung der Reichsregierung finden mögen. ir dreußische Regierung werde den Plänen der Reichstimmen““ preußischen Aenderungsanträgen zuIn der Debatte sprachen die Abgg. Kloft(Ztr.), Szil(Soz.), Schwenk(Komm.), Dr. Neumann(D. Vp.) und Früter Turchführungsbestimmungen wurden in namentberabschieher 251 gegen 146 Stimmen endgültig Neven anderen wurde auch der kommunistische Antrag zwar allein gegen die Stimmen der Kommunisten— seiehnt, der die Regierung auffordern wollte, die Aufung der Notverordnungen des Reichspräsidenten zu erEn. Es folgte die gemeinsame Beratung der deutschonalen und deutsch=volksparteilichen Anträge über die Vertei enne=Gildt. Polnisches Vandalentum. in Ostoberschlesien. verfahren werden, wie dies gegen die Deutschen brüben geschieht. Deutschen in Ostoberschlesien nimmt immer mehr zu. Täglich werden neue Ueberfälle gemeldet, besonders aus den Landkreisen, wo der Terror gegen die Deutschen schlimmer ist als während des dritten Aufstandes. Die Polizei sieht den Gewalttaten seelenruhig zu. Selbst in ihren Wohnungen sind die Deutschen ihres Lebens nicht mehr sicher. Gewaltsam dringen die bis an die Zähne bewaffneten Aufständischen ein und mißhandeln auch Frauen und Kinder. In Siemianowitz sprang ein junger Mann in seiner Angst zum Fenster hinaus und blieb bewußtlos mit Knochenbrüchen auf der Straße liegen. In Michalkowitz hat der Gemeindevorsteher, der aus Aufständischenkreisen hervorgegangen ist, in einer Wahlversammlung indirekt zu Gewalttaten gegen die Deutschen aufgefordert. Die Deutschen erhalten offene Drohbriefe, die ihnen durch die Postbeamten„portofrei“ zugestellt werden. In Schlesiengrube ist in der Nacht zum Donnerstag die deutsche Volksbibliothek von Aufständischen erbrochen worden. Etwa 1000 Bücher wurden auf die Straße geworfen und zertreten. Die Einrichtung wurde vollständig zerstört. Eigentum des Bibliothekars wurde gestohlen. In Schoppinitz wurde das Bahnhofshotel verwüstet. Ein Polizeibeamter, der sich im Lokal befand, wurde dabei verletzt. In Mokrau wurde ein 60=jähriger deutscher Landwirt von den Aufständischen in seiner Wohnung so schwer mißhandelt, daß er mehrere Knochenbrüche davontrug. Die Reichsregierung soll eingreifen. Die Ortsgruppe Beuthen des Deutschen Ostbundes veröffentlicht eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Das Verhalten der Polen in Ostoberschlesien gegenüber den deutschen Brüdern stellt uns auf eine harte Geduldsprobe. Da unsere Regierung sich zu diesem schändlichen Treiben in Stillschweigen hüllt, bitten wir alle zuständigen Stellen, mit dem größten Nachdruck darauf zu dringen, daß sofort sämtlicher Terror eingestellt wird, widrigenfalls fordern wir als Gegenmaßnahme zunächst, alle polnischen Staatsangehörigen aus ihren hiesigen Arbeitsstellen sofort zu entlassen, und sollte dies nicht helfen, dann müßte, o leid es uns tut, gegen die hiesigen Polen ähnlich in Bromberg. Oberstleutnant a. 2. Graebe zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt! — Bromberg, 14. November. In dem Prozeß gegen den deutschen Abgeordneten für den polnischen Landtag, Oberstleutnant a. D. Graebe, fällte die polnische Strafkammer nach kurzer Verhandlung, während der die Oeffentlichkeit ausgeschlossen worden war, folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen Durchkreuzung volnischer Regierungsmaßnahmen durch ungesetzliche Mittel zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, von der Anklage der Vorbereitung des Hochverrats aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Gegen das Urteil wurde sofort Berufung eingelegt. Die Verurteilung des Abgeordneten Graebe zeigt ecnent, wie es mit dem Rechtsschutz der deutschen Minderheit bestellt ist. Hat man doch Gracbe zur Last gelegt, daß er deutsche Lehrer um statistisches Material im Interesse der deutschen Minderheit ersucht und deutsche Schulkinder aus verschiedenen Ortschaften einer Schule überwiesen hat, der einige Schüler an der vorgeschriebenen Mindestzahl fehlten. Der Vorwurf des„Hochverrats“, damit begründet, daß Graebe Denkmünzen einer reichsdeutschen Kriegerorganisation verteilte, war anscheinend auch dem polnischen Gericht zu lächerlich. Der Spruch des Bezirksgerichts Bromberg muß kassiert werden! Mit einem geordneten Rechtsverfahren hatte dieser Prozeß nichts gemein, sondern bei ihm handelte es sich nur darum, die deutsche Minderheit in einem bedeutsamen Wahlkampf noch mehr zu schwächen, als es bisher durch andere Gewaltmittel bereits geschehen ist. Abgeordneter Graebe hat in seinem Schlußwort betont, daß er niemals gegen den polnischen Staat gearbeitet hat, das er aber nach wie vor fest entschlossen sei, der deutschen Minderheit in Polen zu ihrem Recht zu verhelfen, das zu hehlen habe er keine Veranlassung. 1919 habe man ihm gute Angebote nach Deutschland gemacht, er habe diese jedoch abgelehnt, weil er es für seine Pflicht halte, dem deutschen Volkstum in Polen zu dienen. Die Antwort auf das polnische Schandurteil muß darum die sein, Oberstleutnant a. D. Graebe erneut als Wortführer der deutschen Minderheit in den polnischen Landtag zu wählen: Treue um Treue. 1 Errichtung von Pädagogischen Akademien, sowie des deutschnationalen Antrages, der verlangt, daß vor Zulassung von Tissidenten zum Besuch einer Pädagogischen Akademie eine höchstgerichtliche Entscheidung über die Zulässigkeit der Anstellung dissidentischer Lehrkräfte an den preußischen Volksschulen herbeigeführt werden solle. Der deutschnationale Akademie=Antrag verlangt vor allem, daß in den Etat für 1931 Mittel zur Errichtung einer Pädago= gischen Akademie für evangelische Lehrer in Groß=Berlin eingestellt werden. Der deutsch=volkspartetliche AkademieAntrag wendet sich gegen den Plan der Errichtung einer weltlichen Akademie in Berlin und wünscht, daß eine kathoeische Akademie in der Reichshauptstadt nur errichtet werde, wenn gleichzeitig eine evangelische Akademie zustande kommt. Nach Begründung der Anträge durch die Abgg. Oelze (Dutl.) und Schwarzhaupt(D. Vp.) erklärte Kultusminister Grimme, daß die Regierung keinen Augenblick daran gedacht habe, die Staatsbürger, die sich zum evangelischen Glauben bekennen, gegenüber anderen Gruppen zu benachteiligen. Von den 15 pädagogischen Akademten, die Preußen bisher habe, seien zwei katholisch, eine simultan und nicht weniger als zwölf rein evangelisch. In der Provinz=Umgebung Berlins beständen bereits zwei evangelische Akademien in Cottbus und Frankfurt a. O. Sein Wunsch und Antrag im Staatsministerium sei gewesen, in Berlin oder Potsdam je eine evangelische und eine katholische Akademie und eine dritte für 1931 zu errichten, die eine konfessionell nicht gebundene Erziehung vorbereiten sollte. Er habe aber geglaubt, sich den starken Bedenken nicht verschließen zu sollen, die im Staatsministerium wegen der nicht ausreichenden Berücksichtigung der Interessen des Ostens und insbesondere Ostpreußens erhoben wurden. Die Ostbevölkerung müsse die Möglichkeit haben, ihren Bedarf an jungen Lehrern außer in Elbing auch noch in Königsberg zu decken. Da nun die inanzverwaltung bei der angespannten Lage nicht über die Zahl von drei Akademien für 1931 hinausgehen wollte, sei es dann zu dem Beschluß gekommen, die Berliner evangelische Akademie vorläufig zu Gunsten der Königsberger zurückzustellen. In diesem Beschluß liege, daß zwei evangelische Akademien in gesicherter Aussicht stünden, von denen die Königsberger sofort eröffnet werden konnte und für die Potsdamer eine Baurate in den Etat eingesetzt werden soilbe.„ 77 Nachdem nun die Stadt Verlin sich bereit erklart gave. sich an der Finanzierung nicht nur einer, sondern zweier Akademien zu beteiligen, sei die Staatsregierung bereit, sich jetzt dahin zu entscheiden— die Bewilligung der Mittel durch den Landtag vorausgesetzt—, daß Ostern 1931 in Groß=Berlin drei Akademien errichtet, darüber hinaus aber Königsberg durch Einsetzen der ersten Baurate ebenfalls gesichert würden. An der sehr ausgedehnten Aussprache beteiligten sich die Abgg. Rüsser(Dntl.), König(Soz.), Dr. Brockmann (Ztr.), Dr. Ausländer(Komm.) und Dr. Boelitz(D. Vp.). Nach einer längeren Geschäftsordnungsdebatte vertagte sich das Haus auf Freitag 10 Uhr. Italien zur Unterstützung de Marinis durch die Presse. Der Vorstoß des italienischen Hauptdelegierten bei den Genfer Abrüstungsverhandlungen, Generals de Marint, wird in der italienischen Presse unterstützt. Die Blätter unterstreichen die überragende Bedeutung der gewaltigen modernen technischen Kriegsmittel für die künftige Kriegsführung. Giornale'Italia bemerkt, daß der italienische Hauptdelegierte mit seinen Darlegungen dem Faktor„Kriegsmaschine“ den Platz gewiesen hat, der ihm bei der Festsetzung des legspotentiells der einzelnen Staaten zukomme. **Frankreich und seine Verbündeten seien bereits auf die ständige Vervollkommnung aller Kriegsmaschinen und auf die Bildung ungeheurer Kriegsmaterialreserven bedacht, deren Erneuerung jeweils nach dem letzten Stand der wissenschaftlichen Fortschritte ihm seine gewaltigen Geldmittel von Fall zu Fall erlauben, ohne daß es unter dieser Belastung zusammenbrechen müsse. Wenn Frankreich wirklich einen praktischen Anfang mit der Abrüstung machen wolle, so sei unverständlich, warum es der italienischen These entgegentrete, nach der gerade das Heeresmaterial und die Kriegsmaschinen das Hauptobjekt der Rüstungsbeschränkung bilden.—„Tribuna“ sagt, daß die Genser Beratungen bereits das Spiel der bis zum äußersten gerüsteten Länder und besonders Frankreichs aufdeckten, das ausschließlich darauf gerichtet sei, den von ihnen erreichten Rüstungsstand für ihre hegemonistischen Ziele zu kristallisieren. Rüstungsausgleich das Ziel. Ein Abrüstungsentwurf ohne Rüstungsausgleich für Deutschland wertlos. — Genf, 14. November. Bei der Fortsetzung der Aussprache über die Begrenzung des Kriegsmaterials betonte Graf Bernstorff, es sei festzustellen, daß die Regierungen eine feierliche Verpflichtung zur Abrüstung auf sich genommen hätten. Die Unzufriedenheit in Europa sei hauptsächlich eine Folge der Ungleichheit des Rüstungsstandes. Die Völker der Welt würden es nicht verstehen, wenn man einen Vertrag schließe, der nicht eine Kanone und nicht einen Tank abschaffe. Ein Ausgleich der Rüstungen sei die wichtigste Frage der Abrüstung. „Solange ich hier bin,“ sagte Gras Bernstorff,„have ich stets als unser Ziel einen Rüstungsausgleich bezeichnet. Ein Abrüstungsvertrag ohne Rüstungsausgleich ist wertlos.“ Die französische Delegation, die Bernstorffs Ausführungen mit wachsender Unruhe angehört hatte, erklärte in gereiztem Tone, sie behalte sich vor,„auf die deutsche Ansicht, daß der Rüstungsstand für alle Staaten gleich sein müsse, zurückzukommen. für Zur Verbilligung von Frischfleisch.— Ausgabe erstmals im Dezember. — Berlin, 14. November. Der Haushaltsausschuß des Reichstags verhandelte über die Bereitstellung außerplanmäßiger Mittel zur Verbilligung von Brischfleisch an Stelle des in Fortfall gekommenen zollfreien Gefrierfleisches. Reichsernährungsminister Schiele führte aus, daß sich die Frischfleischbelieferung nur auf diejenigen Gemeinden erstrecken soll, die bisher mit zollfreiem Gefrierfleisch beliefert worden sind. Die Gemeinden sollen erstmals Anfang Dezember Fleischmarken erhalten und diese Marken monatlich Minderbemittelten aushändigen. Die Marken berechtigen zum verbilligten Bezug von Frischfleisch, ausgenommen anderen Waren, wie Speck, Würste. Flo men, Liesen, Talg, Schmalz, Margarine und vergleichen. Nach Abgabe der Ware entwerten die Fleischverkäufer die Marken und liefern sie an die Gemeinden, die ihnen den Betrag erstatten und die Marken als Rechnungsbeleg verwenden. Zur Durchführung dieser Verbilligung von Frischfleisch wird die Reichsreg: ung für die zweite Hälfte des Rechnungsjahres 1930 den Betrag von 10075 000 Mark benötigen. Wenn die Aktion erst vom 1. Dezember an durchgeführt werden soll, so senkt sich der ersorderliche Betrag auf 6716 666 Mark. Die Beschlußfassung im Ausschuß soll noch am Freitag erfolgen. Maßregelungen in Thüringen. Das thüringische Staatsministerium veröffentlicht eine Erklärung, nach der Haussuchungen in den Geschäftsräumen des Gaues Thüringen des Reichsbanners und in den Privaträumen des Gauführers Dr. Dietzel, Material erbracht haben, das das Vorhandensein einer Spitzelzentrale bei der thüringischen Polizei erweise. Das beschlagnahmte Material sei für mehrere Polizeibeamte derartig belastend, daß das thüringische Innenministerium den Polizeihauptmann Schüler in Gotha fristlos und ohne Zuerkennung von Versorgungsgebührnissen entlassen sowie gegen die Polizeihauptwachtmeister Lenk und Engel und gegen den am 31. August aus der Landespolizei ausgeschiedenen früheren Polizeioberleutnant Bathte sowie gegen den städtischen Polizeioberwachtmeister im Wartestand Undeutsch in Jena Dienststrafverfahren eröffnet habe. Ein weiteres Disziplinarverfahren schwebt bereits gegen den Obersekretär Müller von der Wirtschaftsstelle der Polizei in Sondershausen. Der Preissenkungsausschuß. — Berlin, 14. November. Der vor einigen Tagen gebildete Ausschuß für Preissenkungsfragen trat geter.. unter dem Vorsitz des Reichskanzlers zusammen. An der Sitzung nahmen teil Reichsbankprasident Dr. Luther, die Reichsminister Dr. Dietrich und Schiele, der preußische Handelsminister Dr. Schreiber und Ministerialdirektor Dr. Trendelenburg. Es wurde eine systematische Aufteilung des gesamten Arbeitsgebiets vorgenommen. Im Laufe des heutigen Tages soll eine amtliche Verlautbarung herauskommen. * Senkung der Benziupreise. — Berlin, 14. November. Die Verhandlungen der Benzinkonzerne haben zu dem Ergebnis geführt, daß eine Preisermäßigung um zwei Pfennige pro Liter beschlossen wurde. Die Ermäßigung trat am Freitag in Kraft. Rundschau im Auslande. * Der König von Spanien hat ein Dekret unterzeichnr, das den Ankauf von 27 Torpedobooten genehmigt. * Englischer Ostafrika=Ausschuß. : Auf Antrag der Regierung beschloß das englische Oberhaus die Einsetzung eines gemeinsamen Ausschusses beider Häuser des Parlaments, der die Berichte über eine „Vereinigung ostafrikanischer Gebietsteile“ prüfen soll. Kolonialminister Lord Paßfield erklärte dazu, die Regierung „sei sorgsam darauf bedacht, Geist und Buchstaben der Mandatsbestimmungen einzuhalten“. Die Wirtschaftsverhandlungen auf der britischen Weltreichskonferenz gescheitert. London, 14. November. Auf der Weltreichskonferenz erklärte der Sprecher der Konferenz, der Lauf der Verhandlungen habe gezeigt, daß es physisch unmöglich sei, die Verfassungsfragen des Weltreiches gleichzeitig mit Wirtschaftsfragen auf einer Konferenz zu behandeln. Da es bisher unmöglich war, die Ansichten der Abordnungen über die Wirtschaftsfragen unter einen Hut zu bringen, werden die Verhandlungen in den späten Nachtstunden des Donnerstags fortgesetzt, um möglichst die Schlußsitzung am Freitag abhalten zu können. Die Spenden für Ueber die Verteilung und Verwaltung der Spenden, die aus Anlaß des Grubenunglücks von Maybach eingegangen sind, hat auf Anregung des Landrats des Landkreises Saarbrücken eine Besprechung stattgefunden. Es ergab sich bei dieser die einstimmige Auffassung, den Kreis der Unterstützungsberechtigten zu erweitern und einen Teil der eingegangenen Mittel mit Zustimmung der Spender zur Bildung eines Fonds für Sonverunterstützungen bei anderen Berufsunfällen im Bergbaubetriebe des Caargebiets vorzusehen. Bergrutsch in Lyon. 21 Häuser eingestürzt.— Ein ganzer Stadtteil bedrobt.— Ueber 100 Tote! — Lyon, 14. November. In Lyon ereignete sich eine entsetzliche Einsturzkatastrophe. Auf einem oberhalb des Kirchenviertels Saint=Jean gelegenen Hügel stürzte in nächtlicher Stunde, morgens gegen 1 Uhr, eine Bergterrasse mit lautem Getöse zusammen. Die herabstürzenden Trümmer verschütteten ein Verwaltungsgebäude des Hospitals St. Pothin. Als Feuerwehr und Rettungsmannschaften daran gingen, die Opfer der Katastrophe zu bergen, erfolgte eine neue Erschütterung des durch die Regengüsse der letzten Tage völlig aufgeweichten Bodens. 19 Feuerwehrleute und vier Polizeibeamte wurden unter den Trümmern begraben. Nun folgte eine Erschütterung der anderen, dazu stürzten viele Riethäuser ein, darunter Gebäude bis zu sieben Stockwerken. Als der Tag dämmerte, lag die volkreiche Rue Tramassae völlig in Trümmern. Aus allen Stadtteilen strömten die Einwohner an die Unglücksstelle. Die gesamte Garnison wurde alarmiert! Bei der Ankunft an der Bergterrasse bot sich ihnen ein schrecklicher Anblick. Nur die Kathedrale, die auf einem Felsen erbaut worden ist, stand noch, alle anderen Gebäude waren zu Schutthaufen geworden, aus denen Menschen nach Hilfe schrien. Die Bewohner des Viertels, die im Schlaf von der Katastrophe überrascht worden waren, irrten trostlos, viele nur mit einem Hemd bekleidet, in den Straßen umher. In der Kathedrale drängten sich Frauen und Kinder, noch zitternd unter dem Schrecken des Erlebnisses. Aussagen der Geretteten. Einer der Geretteten erzählt, daß er gegen 1 Uhr morgens durch einen gewaltigen Lärm geweckt und zwischen Mauerstücken und eisernen Trägern auf die Straße geschleudert wurde. Er wurde am Kopf verletzt, konnte sich aber retten. Als er, halb wahnsinnig, ins Dunkle stürzte, prasselten von allen Seiten Mauerstücke und Balken nieder. Wie überraschend schnell die Einstürze einander folgten, zeigt auch die Zertrümmerung eines Kraftwagens, der Verunglückte abtransportieren wollte. Das Sanitätsauto hatte gerade mit Verletzten von der ersten Einsturzkatastrophe die Heimfahrt angetreten, als neue Gesteinsmassen herabprasselten. Der Kraftwagen wurde von Trümmern völlig überschüttet und zerdrückt. Der Präfekt des Rhonedepartements, der sofort an die Unglücksstelle geeilt war, wäre um ein Haar ebenfalls der Katastrophe zum Opfer gefallen. Sein Automobil, das er gerade verlassen hatte, wurde unter den Trümmern eines einstürzenden Hauses zerschmettert. Er selbst wurde durch einen Feuerwehrwagen von den herabstürzenden Steinmassen bewahrt. Der Stadtteil seit langem gefährdet. Ueber die Ursache des Unglücks ist man sich noch nicht restlos klar. Man nimmt aber an, daß die Regengüsse der letzten Zeit den Hügel gelockert und untergraben haben. Noch am Tage vor der Katastrophe hatte der leitende Stadtbaumeister eine Neigung der Stützmauern, durch deren Zusammenbruch die Katastrophe ihren Anfang nahm, festgestellt und die Einwohner aufgefordert, ihre Wohnungen unverzüglich zu räumen! Es scheint jedoch, daß nicht von vornherein alle notwendigen Maßnahmen getroffen worden sind, die eventuell, wenn auch nicht die Katastrophe, so doch ihren Umfang hätten vermeiden können. Daß das Gebiet längst gefährdet war, zeigt auch noch folgende Tatsache: Als vor drei Monaten die gleichfalls teilweise eingestürzte Straße Ehemin Neuf ausgebessert wurde, sank das Vorderrad einer schweren Straßenwalze tief in den Boden ein. Das hätte darauf aufmerksam machen müssen, daß sich im Boden gefährliche Ereignisse vorbereiteten! Nach den bisherigen Meldungen haben mehr als hundert Menschen bei dem Unglück ihr Leben eingebüßt. Außerordentlich groß ist auch die Zahl der Verletzten. Es wird mehrere Tage dauern, bis alle Leichen aus den Trümmern geborgen sein werden! Was den Umsang der Katastrophe betrifft, ist der Einsturz in einem Bezirk von 300 Meter Länge und 60 Meter Tiefe erfolgt. In der Rue Tarmassac sind 21 große Häuser— darunter allerdings auch einige altersschwache, eingestürzt. * Die Zahl der Todesopfer in Lyon noch nicht bekannt. Paris, 13. November. Die Zahl der Opfer des Erdrutsches auf dem Hügel von Fourvière in Lyon ist noch immer nicht einmal annähernd bekannt, da die gewaltigen Stein= und Erdmassen erst zum kleinsten Teil weggeräumt werden konnten. Einer Frau, die noch lebend unter den Trümmern eines eingestürzten Hauses liegt, konnte durch einen Schlauch Sauen stoff zugeführt werden. Die Stadt hat Truppen zur Hilfe angefordert. Ein Sonderflugzeug mit einen Kinooperateur an Bord, das für zwei Pariser 9, tungen Aufnahmen über dem heimgesuchten Stadtteu Fourvière machte, ist in die Saone abgestürzt. Di, beiden Insassen, der Pilot und der Operateur, konn ten sich retten und sind unverletzt geblieben, wär rend das Flugzeug versank. 44 Deutsche Luftfahrt. Steigerung des Luftverkehrs.— Die Deutsche Lufthause fliegt nach Bagdad. Die Deutsche Lufthansa wird in den nächsten Tagen zum ersten Male eine ihrer Maschinen im Anschluß an die Strecke Wien—Stambul nach Bagdad entsenden Wenn auch dieser Flug zunächst nur ein Versuch sein soll, so ist doch damit zu rechnen, daß vielleicht schon im nächsten Jahr eine 26 Poststrecke dorthin gelegt wird, die dann Anschluß an die bereite bestehenden Linien nach dem Fernen Osten haben wird Diese bemerkenswerte Tatsache teilte Direkton Wronsky auf einem Presse=Abend der Deutschen Lusthansa in Berlin mit. Er konnte hinzufügen, daß auch der übrige Luftverkehr sich trotz der Einschränkungen die die Luftfahrt sich auch in diesem Jahre gefallen lassen mußte, in erfreulich aufsteigender Linie bewegt hat. Aus Amerika sind geschlossene Reisegesellschaften herübergekommen, die in Bremerhaven die Flugzeuge bestiegen, um den Kontinent zu bereisen. Die in verschiedenen Orten unternommenen Rundflüge haben sogar eine Steigerung von 100 v. H. erfahren. Die auf den beiden Dampfern„Bremen" und „Europa“ eingerichteten Katapultflugzeuge haben die Postbeförderung in der Richtung nach Europa um 48 Stunden verkürzt.— Ueber die Förderung der Sicherheit berichtete Direktor Milch. Alle erdenklichen Kontroll= maßnahmen werden weiter vervollkommnet, um die Sicherheit auch im Luftverkehr zu fördern. Trotzdem ereigneten sich Unfälle, wie sie auch bei anderen Verkehrsmitteln vorkommen. Aber gerabe aus diesen sehr bedauerlichen fällen versuche die Lufthansa ihre Erfahrungen auf dem Gebiet der Luftfahrt zu erweitern. Der Lohnabbau. Schiedsspruch im oberpfälzischen Erzbergbau. Die Zweigstelle Nürnberg des Landesschlichters für Bayern hat sich unter dem Vorsitz des Landesschlichter Böhm in dreitägiger Verhandlung mit der zwischen dem Deutschen Metallarbeiterverband und dem Christlichen Arbeiterverband einerseits und dem Arbeitgeberverband der bayerischen Erzbergbau= und Hüttenbetriebe andererseits schwebenden Streitsache, den Neuabschluß eines Lohn= und Manteltarifvertrages, beschäftigt. Durch den jetzt gefällten Schied sspruch werden die bisher gültigen Löhne um etwa 5 Prozent herabgesetzt und außerdem wesentliche Aenderungen an dem Manteltarifvertrag vorgenommen, die eine erhebliche Entlastung der Werke bringen. Kirchliche Nachrichten der Zionsgemeinde zu Bethel. Sonntag, den 16. Nov. 1930, 22. S. u. Trin. 8½ Uhr: P. Greve; 9 Uhr: P Wilmanns; 10 Uhr: P. Küßner; 11½ Uhr: Kindergottesdienst.— Montag 20¼ Uhr: Gosen: Gemeindebibelstunde. Mittwoch, den 19. Nov., Buß= und Bettag, 8½ Uhr: P. v. Bodelschwingh; 9 Uhr: P. Meyer; 10 Uhr: P. Jungblut; 16½ Uhr: Sarepta: Beichte und Abendmahl, P. Wilmanns. Schildesche. Sonntag, den 16. Nov. 1930. 10 Uhr vorm.: Missionsgottesdienst, Missionar Blum; 1½ Uhr nachm.: Missionsindergottesdienst. Mittwoch, den 19. November 1930, 10 Uhr vorm.: Gottesdienst, P. Neuhaus, Abendmahlsfeier. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer! Heute, Freitag 8½ Uhr Bibelstunde in Gosen. 1. Joh. 4, 1 ff. Sonntag, 16. Novemb., abends 8 Uhr allgemeiner Jugendabend mit Spiel und Unterhaltung. Anzeigen aus Bethel. Unser Spielwarenverkauf für Bethel=Angehörige beginnt am Montag, den 17. dieses Monats. Brockensammlung. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. Ernst Münch, Brackwede Telefon 2426 Gegr. 1886 Hauptstraße 81 Uhrmachermeister, Optiker Zentka- und Zentka-Tavannes Uhren Platura Bestecke, einziges Fabrikat mit eingeöteten Silberplatten an den Aufliegestellen Moderne Augenoptik, Brillen, Klommer, Ferngläser, Theatergläser Schmuck, Alfenidewaren, Kristall Trauringe! Harmonium last neu mit Spielapparat billig und günstig abzugeben. R. Thunert& Söhne, Bad Oeynhausen Herforderstraße 47 Ein älteres, gläub. Fräulein sucht Stellung zur Stütze oder Pflege bei bescheidenen Ansprüchen. Angebote unter A 7229 an die Geschäftsstelle dieses Blattes. Ein Beispiel: Herren- Arbeitsstiefel naturdraun, Spalt=Rind.* 90 leder, Größe 36/46. O Schreiben Sie uns bitte Ihre Adresse, damit wir Ihnen kostenlos unsern neuen Prachtkatalog senden können! Deutsch-Amerik. Schuhgesellschaft München K 98 m. b. M. 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Erzbergbau. ndesschlichters für Landesschlichter mit der zwischen und dem Christdem Arbeitgeberind Hüttenbetriebe den Neuabschluß beschäftigt. spruch werden die rozent herabgesetzt n an dem Mantelerhebliche Ente zu Bethel. Som8½ Uhr: P. Greve; 11½ Uhr: KinderGemeindebibelstunde. 3½ Uhr: P. v. BodelJungblut; 16½ Uhr: sanns. 930. 10 Uhr vorm: Ihr nachm.: MissionsNovember 1930, lbendmahlsfeier. er! unde in Gosen. hr allgemeiner Ju6. ethel. Bethel=Angehörige onats. rockensammlung. und Weltgoltiüt: n: alle in Betbel Schlater. Sichlmet. den fel. uhl(Thcr.) sen, dann kaufen! Armoniums tklagsige und sollde Fabrikete, eme Fel. Preigeh unse auene Tetr Vert einer Aee 5 „lostmtt Dauer ihre: Erscheinens Nr. 269. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Sonnabend den 15. November 1930. 12. Jahrgang. Die Amnsner=erzahten die Shte Geltes Johannes Kepler. Zu seinem 300. Todestag. Von Prof. D. Dr. E. Dennert, Bad Godesberg. Wie ein Leuchtturm wies Kepler seiner Zeit und uns den Weg zu einem großartigen harmonischen Weltbild.— Er wurde zu Weilderstadt in Württemberg am 27. Dezember 1571 geboren. Seine Vorfahren waren Nürnberger Patrizier. Sein Körper war lebenslang schwächlich, sein Geist riesenstark. Nach freudloser Jugend studierte er in Tübingen Theologie, wandte sich aber, nachdem er 1594 Professor der Mathematik und Moral in Graz geworden, mehr und mehr der Astronomie zu. Die Protestantenverfolgung in Steiermark aber vertrieb ihn, den überzeugten Protestanten, von dort. Er wurde 1600 Gehilfe des großen Astronomen Tycho de Brahe in Prag und 1601 nach dessen Tode sein Nachfolger als Hofastronom Kaiser Rudolfs II., der aber vor allem astrologische Interessen hatte, mit denen auch Kepler rechnen mußte. Als sich in Böhmen die politischen Verhältnisse zuspitzten, versuchte er nach Württemberg zurückzukehren, doch hatte ihm dort sein Bestreben, Bibel und neue Astronomie zu versöhnen, sowie seine Auffassung des Abendmahls, manche Gegner eingetragen. Als Rudolf 1612 der Krone entsagte, nahm Kepler eine Professur in Linz an. In Prag hatte er seine Frau und einen Sohn verloren; in Linz heiratete er wieder. Dort wurde ihm das Leben aber sehr verbittert durch den lutherischen Pfarrer und dessen Konsistorium, nannte man ihn, den treuen Sohn seiner Kirche, doch spöttisch„Schwindelhirnlein“ und„Letzköpflein". Hinzu kam, daß man seiner Mutter den Prozeß als Hexe machte; nur mit Mühe erreichte Kepler ihren Freispruch. Bald machte ihm die Gegenreformation den Aufenthalt in Linz unmöglich, auch brachte ihm die lässige Gehaltszahlung ständig Sorgen. Da Kaiser Ferdinand II. die rückständigen 12000 Gulden Gehalt nicht zahlen konnte, wies er ihn an Wallenstein, der ihm in Sagan zwar eine Druckerei für sein großes Ephemeridenwerk“) einrichtete, aber in der Gehaltszahlung ebenso lässig war. Ruhelos mußte der große Astronom umherziehen, bis er 1630 auf dem Reichstag zu Regensburg selbst sein Recht zu erlangen beabsichtigte. Anfang November kam er dort an, erkrankte aber schwer und entschlief am 15. November.— So war Keplers Leben bis zuletzt voll von Sorgen und ein Kampf um das tägliche Brot, wenn auch Kästners Epigramm übertrieben ist:„So hoch war noch kein Sterblicher gestiegen, als Kepler stieg, und starb in Hungersnot: Er wußte nur die Geister zu vergnügen, drum ließen ihn die Körper ohne Brot.“ Kepler hat auf dem Gebiet der Astronomie und vor allem auch der Optik Großes geleistet. So gab er z. B. schon eine ganz gute Theorie des Sehens und baute ein vorzügliches Teleskop; aber seine größte Tat war die Aufstellung der nach ihm genannten Himmelsgesetze. Zwar hatte Kopernikus bereits das ptolemäische System, nach dem sich die Himmelskörper um die Erde bewegen, durch das„heliozentrische“ mit der Bewegung der Planeten um die Sonne ersetzt, aber er fand nicht deren Gesetze, auch glaubte er noch, daß die Planeten an sich drehenden„Sphären“ oder Kugelschalen befestigt seien. Erst Tycho de Brahe lehrte, daß alle Himmelskörper frei im Raum schweben. Auf Tychos und eigene Beobachtungen gestützt, fand Kepler nun die 3 großen Himmelsgesetze: 1. Die Planeten bewegen sich nicht in Kreisen, deren Punkte also von dem Mittelpunkt alle gleich weit entfernt wären, sondern in Ellipsen, d. h. krummen Linien mit zwei sog. Brennpunkten; die Entfernungen von diesen sind also verschieden. In dem einen Brennpunkt steht a Sonne und ihre Kraft verursacht die Bewegung der Planeten. Sie nimmt mit größerer Entfernung ab.— *. Die„Kraftstrahlen“ von der Sonne zu den Planeten bestreichen bei deren Bewegung in gleichen Zeiten gleiche Flachen. Dies bedeutet aber, daß die Bewegung in der sonnennähe schneller erfolgt als in der Sonnenferne.— °. Während das 2. Gesetz die Geschwindigkeiten der Plasetenbewegung regelt, spricht das 3. von ihren Umlaufskeiten: deren Quadrate(d. h. eine Zahl mit sich selbst multipliziert: axa) verhalten sich nämlich zueinander wie die dritten Potenzen(d. h. eine Zahl mit sich 5 zweimal multipliziert: aXaX a) ihrer mittleren Abstande von der Sonne. Sind also die Umlaufszeiten obeier Planeten 2. und., ihre Abstände von der Sonne und a,, so stehen z. X z. und.Xz, zueinander in demelden Verhältnis wie a,Xa.Xa, zu a,Xa,Xa;. Dem Laien nug genügen, daraus die harmonische Gesetzmäßigkeit des enzen Weltalls zu entnehmen.— Auf diesen Gesetzen etend, konnte Newton später die Himmelsmechanik vollwendungLLicht's ist;, daß Kepler seine Gesetze durch AnLendung der von Baco von Verulam geforderten indukden Methode fand, indem er von Beobachtungen ausging. ) Ephemeriden sind Tafeln über den Tagesstand der Sterne. Kepler wurde bei seiner großen Entdeckung durch die Ueberzeugung von der im Weltall herrschenden Ordnung und Harmonie geleitet, die ihn auch zu festem Gottesglauben führte. Das zeigt sich in vielen seiner Aussprüche, so ruft er z. B. begeistert aus:„Großer Künstler der Welt, staunend sehe ich die Werke deiner Hände!“ So wußte er also Wissenschaft und religiöse Ueberzeugung zu vereinigen. Daher nannte sich nach ihm der „Keplerbund“, den ich mit einigen Freunden 1907 zur Abwehr des Haeckelschen Monismus und zur Förderung der Naturerkenntnis in unserem Volk gründete. — Jetzt will ein„Keplerverein" zu Ehren Keplers ein astronomisches Observatorium in Württemberg gründen.— Lob des Herrn „Lobt den Ferrn, ihr Wesen alle, All ihr Werke seiner Zände, Lobt den Zerrn, denn er ist mächtig, Gütig ist er ohne Ende! Lobt den Zerrn, ihr Geisterscharen, Die am Thron ihr kniet zu beten; Sonn’ und Ukond, ihr Morgensterne, Lobt den Zerrn, ihr Abendröten. Lobt den Zerrn, ihr Wind' und Wolken, Donner, Blitz und Regengüsse; Lobt den Zerrn, ihr großen Meere, All ihr Brunnen, all ihr Flüsse. Lobt den Ferrn, der Erde Festen, Berg und Zügel, hüpft vor Freude; Lob ihn, Ackerflur und Wiese, Lob ihn, Wald und grüne Zeide. Ihr Delphine und ihr Drachen, Lebt den Zerrn in Flut und Klüften; All ihr Tiere auf dem Felde, All ihr Vögel in den Lüften. Lobt den Zerrn, ihr Menschenkinder Von Geschlechte zu Geschlechte, Vom Aufgang zum Niedergange All ihr Rönige und Rnechte. Alle, die ihr hohen Zauptes Geht die weiten Erdenpfade, Lobt den Zerrn für seine Treue, Lobt den Zerrn für seine Gnade. „Dreieehnlinden“ v. F. W. Weber. BRRRR An dem Tage, an dem wir den 300. Todestag Keplers feiern, dürfte es von allgemeinem Interesse sein zu fragen, wie sein Erbe verwaltet wurde und welche Ergebnisse diese drei auf ihm fußenden Jahrhunderte erlangten. Er brachte uns die drei nach ihm benannten Gesetze, 50 Jahre nach ihm faßte Newton sie zu einem einzigen Gesetze zusammen und dieses Gesetz bestimmt die ganze weitere Entwicklung der Astronomie. Unter allen Ergebnissen der Astronomie haben die Entfernungsbestimmungen der einzelnen Himmelskörper entschieden das größte Allgemeininteresse. Denn einerseits erscheint es dem Laien unfaßlich, daß es möglich sein soll, mit Anspruch auf Exaktheit Himmelsräume auszumessen, die noch niemand durchschritten hat, wo noch niemand gewesen ist. Andererseits findet der Astronom, diese Möglichkeit vorausgesetzt, Resultate, die alles Vorstellbare überschreiten. Die größten astronomischen Zahlen überragen die sprichwörtlichen Inflationszahlen bei weitem, sind aber von echtem Realitätswert. Also Ueberinflationszahlen mit Goldwert! Das Deutsche Reich hat ein Jahresbudget von 10 Milliarden. Drücken wir das in Inflationszahlen aus, d. h. multiplizieren wir das mit Billionen, dann entstehen daraus 10000 Trillionen. Das kann also als die höchste konstruierbare Inflationszahl gelten. Andererseits folgt aus Einsteins Theorie als Durchmesser des gesamten Universums die Zahl von 200 Quadrillionen Kilometer. Das sieht ausgeschrieben so aus: 200 000000000000000000 000000 Kilometer! Das wäre also die größte astronomische Zahl! Nun wollen wir aber bei den kleinsten astronomischen Zahlen anfangen und Schritt für Schritt beobachten, wie sie wachsen. I. Der Astronom besitzt zwei Methodengruppen, um seine Zahlen abzuleiten. Die ältere Methode beruht auf geometrischen Betrachtungen in Verbindung mit dem aus den Keplerschen Gesetzen abgeleiteten Newtonschen Gravitationsgesetz! Als diese Methode schon recht tief ins Weltall eingeführt hatte, zeigte sie uns Regelmäßigkeiten im Aufbau der Fixsterne, die sich zu einer ganz neuartigen Methode, der astrophysikalischen, ausbauen ließen. Wir betrachten zunächst die ältere geometrische Methode. Der Laie fragt oft verwundert, wie das nur möglich ist, daß der Astronom mit solcher Zuversicht Zahlen angibt, die doch niemand messen kann,„denn es ist ja noch niemand oben gewesen". Der Astronom antwortet darauf, daß er im Prinzip dieselben Methoden anwendet wie der Geometer auf der Erde, wenn er Größen messen will, die er nicht abschreiten kann, etwa die Breite eines Flusses, ja, daß der Geodät es sogar vorzieht, dieselben Methoden anzuwenden, wo er Längen durchaus direkt messen könnte— aus instrumentellen Gründen. Es ist bekannt, daß ein Dreieck in allen Stücken eindeutig bestimmt ist durch die Länge einer Seite(die wir in Zukunft die Basis nennen wollen) und die Größe der beiden anliegenden Winkel. Diese über zwei Jahrtausende alte Wahrheit hat verbunden mit dem Gravitationsgesetz und instrumentellen Verbesserungen vor nicht ganz zwei Jahrhunderten die ersten Früchte getragen. In den Keplerschen Gesetzen und dementsprechend im Gravitationsgesetz ist zunächst immer nur von Verhältnissen gewisser Zahlen zueinander die Rede. Alle Beobachtungen, auch die feinsten, modernsten, liefern bei ihrer rechnerischen Verarbeitung zunächst bloß Verhältniszahlen, z. B. das Verhältnis der Entfernung der Erde von der Sonne zu der des Mars(der moderne Wert dafür ist:1,52368). Daraus folgt die absolute Größe der Marsentfernung, wenn die Erdentfernung bekannt ist, oder umgekehrt. Irgendeine Länge in unserem Planetensystem muß absolut gemessen werden. Da alle Verhältniszahlen unseres Planetensystems mit sehr hoher Genauigkeit durch jahrhundertelange Beobachtungen bekannt sind. folgen aus einer solchen Länge mit derselben Genauigkeit alle anderen. Um nach der vorhin beschriebenen Methode eine solche Länge zu finden, ist eine„Basis“ notwendig, von der aus die Winkel nach dem Objekt, dessen Entfernung gesucht wird, gemessen werden können. Die größte Basis, die wir nachmessen können, ist unsere Erde. Es gilt nun, ein geeignetes Objekt zu suchen. Ein solches muß erstens möglichst nahe sein, um die Genauigkeit der Winkelmessung möglichst hoch treiben zu können, zweitens sich unter dem überwiegenden Einfluß der Sonne bewegen, die ja das ganze Planetensystem in allen seinen Verhältniszahlen beherescht. Die erste Bedingung würde der Mond am idealsten erfüllen, der nur 384 400 Kilometer durchschnittlich entfernt ist, aber er erfüllt die zweite nicht, indem er sich unter dem überwiegenden Einfluß der Erde bewegt! So ist durch Jahrhunderte der nächste Planet, die Venus, das klassische Objekt der astronomischen Entfernungsbestimmung gewesen. Da die Vennsdurchgänge für dieses Problem bis in die breitesten Laienkreise hinein berühmt geworden sind, will ich hier darauf nicht näher eingehen, um so weniger, als wir heute ein besseres Objekt haben. Als Kuriosität und um die Schwierigkeit astronomischer Untersuchungen zu illustrieren will ich bloß bemerken, daß die Enduntersuchung aller Beobachtungen der letzten beiden Venusdurchgänge von Auwers ein Werk von 10 Foliobänden ist!! Aus diesen und anderen Untersuchungen folgt als modernster Wert der astronomischen Einheit, das ist der Entfernung der Erde von der Sonne: 149 500 000 Kilometer. Diese Zahl ist um etwa 170 000 Kilometer unsicher, d. h. um soviel kann sie sich noch vergrößern oder verkleinern. Wir leben gerade augenblicklich in einer Zeit, wo wir Aussicht haben, diese Zahl noch etwas genauer kennen zu lernen. Ich erwähnte schon, daß wir heute ein besseres Objekt als Venus haben. Das ist der am 13. August 1898 von Gustav Witt in Berlin entdeckte kleine Planet Eros. Er kommt der Erde ungefähr alle 30 Jahre' ganz besonders nahe, und zwar trifft dieser Fall gerade diesen Winter(Oktober 1930 bis Mai 1931) ein. Die größte Erdnähe fällt auf den 30. Januar 1931 und beträgt ungefähr 25,4 Millionen Kilometer. Dieser außerordentlich günstige Zufall veranlaßte die Astronomen schon seit dem Jahre 1925 zu den umfangreichsten Vorbereitungen. Die Beteiligung der Sternwarten der ganzen Erde an den Erosbeobachtungen dieses Winters wird eine sehr erhebliche sein und wir dürfen auf eine weitere Verbesserung der astronomischen Fundamentaleinheit und damit aller daraus folgenden Längen hoffen. Mit diesen Anwendungen auf unser Planetensystem ist aber die Fruchtbarkeit der geometrischen Methoden der Entfernungsbestimmung nicht erschöpft. Dadurch, daß wir die Entfernung der Erde von der Sonne kennengelernt haben, bietet sich uns die Möglichkeit, den Durchmesser der Erdbahn selbst als„Basis“ für die Anwendung unserer Methode auf ferne Fixsterne zu benutzen. Das bedeutet eine mehr als 20000 fache Vergrößerung der Basis und die entsprechende Möglichkeit, tiefer in das Weltall einzudringen. In wenigen Jahren ist ein Jahrhundert seit den ersten brauchbaren Bestimmungen von Fixsterndistanzen verflossen. Heute beträgt die Zahl der Fixsterne mit bekannten meßbaren Entfernungen einige Hundert. Umsangreiche Arbeitsgemeinschaften, hauptsächlich amerikanischer Riesensternwarten, arbeiten fieberhaft aus diesem Gebiete. Der uns nächste Fixstern, Alpha Centauri, ist 40000000 000000 Kilometer von uns entfernt, während die Meßbarkeit nach dieser Methode etwa bei 500 000000 000000 Kilometer aufhört! II. Hand in Hand mit diesem Eindringen in die Tiefen des Weltalls ging eine immer genauere Untersuchung des Fixsternlichtes. Es ist eine alltägliche Erfahrung, daß die Fixsterne verschiedene Helligkeit haben. Die Unterschiede der scheinbaren Helligkeit können nun sowohl von Unterschieden in der Entfernung der Sterne als auch von Unterschieden ihrer wirklichen, der sogenannten„absoluten Helligkeit“ herrühren. Wenn die Entfernung eines Sternes bekannt ist, läßt sich aus seiner scheinbaren Helligkeit seine absolute Helligkeit berechnen. Umgekehrt ist klar, daß man die Entfernung eines Sternes aus seiner scheinbaren Helligkeit ableiten könnte, wenn man anderweitige Mittel fände, seine absolute Helligkeit zu bestimmen. Die Berechnung der absoluten Helligkeiten derjenigen Sterne, deren Entfernung wir kennen, hat nun tatsächlich ganz feste Regeln und Beziehungen zwischen gewissen anderen Eigenschaften des Sternlichtes und der absoluten Helligkeit dieses Sternes ergeben. So, wie uns die ersten Entfernungsmessungen die Größe der Erdbahn und damit eine unendlich viel größere Basis für weitere Entfernungsmessungen lieferten, liefern uns diese letzteren Entfernungsmessungen wieder eine neuartige Basis für noch weitere Fortschritte! Die Einzelheiten dieser astrophysikalischen Entfernungsmessungen würden zu weit führen, um so mehr, als es heute schon eine ganze Reihe von Methoden gibt, die absolute Helligkeit eines Sternes ohne Kenntnis seiner Entfernung zu bestimmen. Nur eine Methode sei kurz erwähnt, da sie uns bis in Entfernungen von 10—100 Trillionen Kilometer führt. Es gibt eine gewisse Gruppe von veränderlichen Sternen, deren Lichtschwankungen in ihrer Dauer auf eine klare Art von ihrer absoluten Helligkeit abhängen. Das Bild, das wir von unserem Sternensystem durch alle diese astrophysikalischen Methoden erhalten, sei nun kurz beschrieben. Dabei ist zu bemerken, daß in der Astronomie nicht Kilometer, sondern Lichtjahre (die Strecke, die ein Lichtstrahl in einem Jahre zurücklegt, das sind 9436000000000 Kilometer) und Sternweiten (30 800000000000 Kilometer) die gebräuchlichen Einheiten sind. Eine Sternweite sind 3,26 Lichtjahre. Die Sonne gehört einem großen System von Sternen an, das man als das Milchstraßensystem bezeichnet. Das Milchstraßensystem ist eine schmale Linse, deren größter Durchmesser in der Ebene der Milchstraße etwa 20000 Sternweiten beträgt, ihr kleinster Durchmesser senkrecht dazu etwa 2500 Sternweiten. Dieses„engere Milchstraßensystem“, liegt am Ende einer 50000 Sternweiten langen Reihe von Sternhaufen, dem„weiteren Milchstraßensystem". Die beiden nächsten Sternhaufen sind 7000 Sternweiten entfernt, der weiteste 67000 Sternweiten. Dann beginnt eine große Leere im Weltall. Erst bei 300000 Sternweiten Entfernung beginnen wieder Materieansammlungen neuer Art, die„Spiralnebel". Das sind dem Milchstraßensystem gleichartige Objekte höherer Ordnung. Das nächste dieser fernen Milchstraßensysteme ist der große Andromedanebel. Seine Entfernung beträgt ungefähr 10000000000000000000 Kilometer. Es sind noch ein paar andere Spiralnebel bekannt, deren Entfernung etwas größer ist. Aber dann hört die Anwendbarkeit aller astrophysikalischen Methoden auf. Erwähnt sei nur, daß die Zahl der kleinsten, fernsten, sichtbaren Spiralnebel auf ¾ bis 1 Million geschätzt wird. Wie groß die Zahl derer ist, die allen unseren instrumentellen Hilfsmitteln spotten, läßt sich natürlich nicht sagen. Indes sind doch Anzeichen dafür da, daß die Grenze des Universums nicht mehr weit sein dürfte. Rein theoretische, von der Relativitätstheorie ausgehende Ueberlegungen führen zu der anfangs genannten Schätzung für die Größe des Universums. Die Relativitätstheorie geht dabei aus von einer neuartigen Interpretation des aus den Keplerschen Gesetzen abgeleiteten Gravitationsgesetzes. So gelangen wir bei den modernsten Ueberlegungen wieder auf Keplers Spuren! Ry. Israel. In Nr. 260 warf ein Leser in einem kleinen Artikel die Frage auf, ob nach der Schrift das Volk Israel wirklich noch einmal zu einem Segen für alle Völker gesetzt werde. Der nachfolgende Artikel will versuchen, darauf eine Antwort zu geben. Wir kommen zu dem zweiten Merkmale des Tausendjährigen Friedensreiches. Es betrifft die große Veränderung in der Stellung Israels zu Gott und zur Völkerwelt. Dieses Volk wird sich zu Gott und zu seinem Messias, zu Christo, bekehren. Sodann wird es in dem Tausendjährigen Friedensreiche wieder in den Mittelpunkt der Menschheitsgeschichte eintreten. Dem Abram war einst von dem Herrn bei dem Auszuge aus seinem Vaterlande die große Verheißung gegeben, 1. Mose 12, 3b:„In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter auf Erden“. Diese Verheißung sollte sich an seinen Nachkommen, an dem Volke Israel, erfüllen. Weil aber die Juden den Messias, Christum, verwarfen, so wurden auch sie von Gott verworfen. Da ersüllte sich an ihnen infolge ihres Ungehorsams der von dem Herrn angedrohte Fluch 5. Mose 28, 64a:„Der Herr wird dich zerstreuen unter alle Völker von einem Ende der Welt bis ans andere". Dieses Gericht über die Juden steht heute noch— einen Bruchteil abgerechnet— vor unser aller Augen. Aber nicht für immer hat der Herr Sein Volk verstoßen. Viele Verheißungen des Alten Testamentes bezeugen eine Rückkehr Israels in das Land ihrer Väter. Sie wird zunächst eine rein nationale sein. Später folgt dann zu Anfang des Tausendjährigen Friedensreiches eine Hinkehr zu Gott und dem Messias, zu Christo. Aus der Fülle dieser Verheißungen wollen wir nur eine, die Hauptverheißung, herausgreifen. Es ist Hesekiel 37,—14, das Gesicht von den Totengebeinen. Dazu kommt noch Vers 15—28, die sinnbildliche Handlung von Israels Wiedervereinigung. Es heißt Vers 1:„Und des Herrn Hand kam über mich, nämlich den Propheten Hesekiel, und führte mich hinaus im Geist des Herrn und stellte mich auf ein weites Feld, das voller Totengebeine (Knochen, Menschenknochen) lag. Diese Totengebeine waren sehr verdorrt. Auf Befehl des Herrn muß Hesekiel von diesen so verdorrten Knochen weissagen, daß sie wieder lebendig werden. So lesen wir es in Vers 7 und 8: „Und ich weissagte, wie mir befohlen war. Und siehe, da rauschte es, als ich weissagte. Und siehe, es regete sich und die Gebeine kamen wieder zusammen, ein jegliches zu seinem Gebein. Und ich sah und siehe, es wuchsen Adern, wörtlich:„Sehnen“, und Fleisch darauf und wurden mit Haut überzogen. Es war aber noch kein Odem in ihnen.“ Aber auch der Odem soll auf Geheiß des Herrn in diese, auf der Erde noch hingestreckten, leblosen Körper kommen. So heißt es in Vers 10:„Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig und richteten sich auf ihre Füße. Und ihrer war ein sehr,„sehr“ großes Heer.“ Was sind das für Totengebeine, die wieder zu lebendigen Menschen wurden? Sie stellen das ganze Haus Israel dar. Dies sagt Vers 11a:„Und er sprach zu mir: Du Menschenkind, diese Totengebeine sind das ganze Haus Israel.“ Zuerst also kamen die entsprechenden Knochen zu Skeletten zusammen. Sodann wuchsen Sehnen, Fleisch und Haut darüber. Es waren somit zunächst nur am Boden liegende, leblose Körper. Ihrer war ein sehr, sehr großes Heer. So wird der Herr Israel zunächst als unbekehrtes Volk aus allen Völkern, unter welche sie zerstreut sind, sammeln und in das Land ihrer Väter zurückbringen. Dies finden wir in Vers 12 und 13a ausgesprochen:„Darum weissage und sprich zu ihnen: So spricht der Herr Herr: Siehe,„Ich“ will eure Gräber auftun und will euch, mein Volk, aus denselben herausholen und euch ins Land Israel bringen. Und sollt erfahren, daß ich der Herr bin.“ Zunächst also werden die Juden als unbekehrtes Volk in das Heilige Land zurückkehren. Dann werden sie nach den klaren Schriftaussagen des Alten, wie auch des Neuen Testamentes, zu Anfang des Tausendjährigen Friedensreiches zu Gott und zu Christo, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, also zu ihrem wahren Messias, sich bekehren. Diese Umkehr Israels wird an dem Tage der Wiederkunft Christi, wie er Offb. 19 geschildert ist, stattfinden. Von diesem Tage lesen wir Offb. 1, 7:„Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn gestochen haben.“ Dieser letzte Ausdruck:„die ihn gestochen haben“, geht auf die Juden. „Und es werden heulen alle Geschlechter der Erde. Ja, Amen.“ Wenn der Herr also zur Zeit von Offb. 19 kommt, dann werden ihn alle Völker der Erde und auch die Juden sehen. Die Verheißung von der Bekehrung Israels finden wir im Propheten Sacharjah 12, 9. 10:„Und zu der Zeit“, wörtlich:„An jenem Tage“, d. h. nach dem ganzen Schriftzusammenhange: An dem Tage der Wiederkunft Christi, wie er Offb. 19 geschildert wird. Dann„werde ich gedenken zu vertilgen alle Völker, die wider Jerusalem gezogen sind“. Vers 10a:„Aber über das Haus David und über die Bürger zu Jerusalem will ich ausgießen den Geist der Gnade und des Gebetes". Das hebräische Wort für Gebet in unserer Stelle bedeutet seinem Wurzelstamme nach genau:„Die Bitten um Gnade“. So wird dann Israel den Messias, Christum Jesum, um Gnade bitten, daß er sein Volk wieder annehmen und zu seinem Kreuzesvolke machen wolle. Dies ist der ursprüngliche, heilsgeschichtliche Sinn dieser Schriftstelle.„Und sie werden mich ansehen, welchen sie gestochen haben.“ Man vergleiche dieselben Worte in Offb. 1, 7:„Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn gestochen haben.“ Sacharjah 12, 12h heißt es dann weiter:„Und sie werden über ihn klagen wie man klagt über ein einziges Kind“, welches durch den Tod entrissen ist,„und werden sich um ihn„bitterlich“ betrüben, wie man sich„bitterlich“ betrübt um ein erstes Kind, um den„Erstgeborenen", welchen der Tod hinweggerafft hat. So tief und bitter wird dann die Klage der Juden darüber sein, daß sie in ihren Vorfahren den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt haben. Hieraus ergibt sich also, daß die Juden als Volk sich am Tage der Wiederkunft Christi(Offb. 19) zu ihrem Messias, Jesu Christo, bekehren werden. Israel wird dann mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden. Diese Verheißung steht in Hesekiel 37, 13 und 14 geschrieben:„Und sollt erfahren, daß ich der Herr bin, wenn ich eure Gräber geöffnet und euch, mein Volk, aus denselben gebracht habe. Und ich will meinen Geist in euch geben, daß ihr wieder leben sollt... und sollt erfahren, daß ich der Herr bin. Ich rede es und tue es auch, spricht der Herr.“—... Wie Israel ein Fluch unter den Völkern gewesen ue so wird es in dem Friedensreiche Christi ein Segen sein Dies geht aus Sacharjah 8, 13 hervor:„Und soll geschehen wie ihr vom Hause Juda und vom Hause Israel seid ein Fluch gewesen unter den Völkern, so will ich euch erlöson daß ihr sollt ein Segen sein. Fürchtet euch nur nicht und stärket eure Hände. Nach alttestamentlichem Sprachgebrauche bedeutet der Ausdruck„Ein Fluch sein" nach den zehn hierfür in Be, tracht kommenden Schriftstellen ein Dreifaches: 1. Ein Gegenstand des Fluches sein— von seiten Gottes. 2. Ein Fluch für die Völker sein. 3. Verflucht von den Völkern sein. In gleicher Weise bezeichnet die Wendung„Ein Segen sein" nach den sieben einschlägigen Schriftstellen: 1. Ein Gegenstand des Segens sein— von seiten Gotteg 2. Ein Segen für die Völker sein. 3. Gesegnet von den Völkern sein. Welche Bedeutung oder wie viele in dem einzelnen Falle zu nehmen sind, darüber entscheidet jedeg. mal der engere oder der weitere Schriftzusammenhang — An unserer Stelle ist meines Erachtens für die Aus. drücke„Ein Fluch sein" und„Ein Segen sein“ jedesma die dreifache Bedeutung zu nehmen. Sach. 8, 13a:...„.wie ihr seid ein Fluch gewesen unter den Völkern“... d. b grundlegend zum ersten:„Ein Gegenstand des Fluches von seiten Gottes sein". Zum andern, auf Grund des alttestamentlichen Sprachgebrauches mit inbegriffen und die ganze Sachlage erklärend:„Ein Fluch für die Völker sein“. Zum dritten desgleichen:„Verflucht von den Völkern sein".„So will ich euch erlösen, daß ihr sollt ein Segen sein“, d. h. in gleicher Weise grundlegend zum ersten:„Ein Gegenstand des Segens von seiten Gottes sein". Zum andern:„Ein Segen für die Völker sein". Zum dritten: „Gesegnet von den Völkern sein“.— Man muß sich nur nicht durch den deutschen Sprachgebrauch in dieser Frage beeinflussen lassen. Danach würde der Ausdruck„Ein Segen sein“ nur bedeuten„Ein Segen für andere sein". Das hebräische Sprachidiom, d. i. Spracheigentümlichkeit. ist wesentlich anders, wie wir eben gesehen haben... Demgemäß glaube ich, daß Israel nach den Verheißungen der Schrift noch eine segensreiche Zukunft hat. Dies habe ich genauer ausgeführt in meiner Schrift„Das Tausendjährige Friedensreich. Nach zehn Merkmalen dargestellt". Zweite Auflage. 55 Seiten. F. Eichler, Pastor i.., Teichwolframsdorf. Lutherbriefe in Soest. Es ist nicht erwiesen, daß Dr. Martin Luther in Westfalen geweilt hat; insonderheit läßt sich nicht nachweisen, daß er in Lippstadt bei den Augustinern eingekehrt sei, unterwerfen, daß ich hoffe, es solle förder mit Hilfe und Einigkeit zu hoffen zwischen mir allerärmstem Sünder wie schon bald nach seinem Tode behauptet wurde. Daß er aber die reformatorische Bewegung in Westfalen genau verfolgt hat, beweisen u. a. vier Briefe, die Luther nach Soest gerichtet hat und sich heute im Stadtarchiv befinden. Die Feinde des Reformators hatten den Versuch gemacht, das Reformationswerk durch Luthers eigene Aussprüche zu bekämpfen. Auf diesen Umstand nimmt einer der Briefe Bezug, den Luther im Jahre 1535 an den Superintendenten und die Geistlichen der Stadt richtete. Er lautet: Lieben Herren und Freunde. Ihr sollt billig euch nicht verwundern, ob ihr sehet und höret, daß des Papstes Gesindlein treugt und leugt(trügt und lügt). Und ob sie gleich darin oft ergriffen und immerdar zuschanden worden, sind sie dennoch niemals rot dafür worden. So starke Helden sind sie und wie können sie auch anders tun? Es sieht mich an, als wollte Junker Teufel gern unter uns inwendig eine Zwietracht anrichten, weil er merkt, daß er von außen nicht kann zu uns einbrechen. Aber mein Herr Christus hat nun bisher über 20 Jahre mich erhalten in diesen großen Schaden wider soviel Geister, die mich übermeistern haben wollen und dem Papst unterworfen, daß ich hoffe, es solle förder mit Hilfe und Gnade seines Geistes nicht Not haben. Denn das darf und soll niemand gedenken noch vornehmen, daß ich mit Papst oder Papisten will eins werden. Darum sage ich: es sei denn, daß sie das Evangelium annehmen, welches ich mein Evangelium heiße und ii soviel Marter und Gefahr erkannt habe, so ist da keine Einigkeit, zu hoffen zwischen mir allerärmsten Sündet und dem allerheiligsten Vater, er sei, wie groß er kann, und ich, wie klein ich bin. Denn sie wissen und ich ha0 ihr eigen Gewissen gefangen, daß ihr Evangelium Men schenlehre ist, und sie müssen bekennen, daß mein Evangelium Gottes Lehre und die Heilige Schrift ist. Und dieweil sie solches wissen, daß Gott und sein Wort wider sie ist, und die Schrift bei uns, so kann das nicht fehlen, daß ihr Trotzen ein heimlich Versagen und unsere Furcht en heimlicher Trost ist. Kommt's darnach zum Treffen, wird Gott wohl der rechte Retter sein und ihnen an zeigen öffentlich, was sie jetzt fürchten. Wenn sie abet hören könnten, wäre ihnen zu raten, daß sie aufhorten, ins Feuer zu blasen, und Gott fürchten; denn sie sa wissen müssen, daß er wider sie erzürnt sei. Wollen!“ aber nicht, so laß gehen, wie Gott will; sie werden? finden. Unser lieber Herr Christus, der diese seine Sach ohn all mein Bedacht und Vorwissen angefangen über all meine Hoffnung bis hierher bracht hat, wird's ferner auch wohl weiter machen und zum bringen über unser aller Gedanken und Wünschen. Hle“ mit Gott befohlen und bittet für uns, wie wir für euch alle Christen. Bekanntlich nahm die westfälische Reformation Herford und Lippstadt ihren Anfang. folgten Soest, Dortmund u. a. Um ihre Einführn in der Heimat hat Gerhard Oemeken sich besonde verdient gemacht. Er stammte aus Kamen und hat“ Soest eine Kirchenordnung ausgearbeitet. Im J# 1562 starb er als Superintendent in Minden.