Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. — mit den Beilagen„Für Herz und Haus“, „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 258. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Vielefeld), Sonntag, den 2. November 1930. 12. Jahrgang. Der Glocke wuchtger Ton verklingt, der Stunde flüchtge Zeit sie sinkt zur Ewigkeit hernieder; sie kam und kehrt nicht wieder. Doch was der Wahrheit heilige Macht und was der Liebe Geist vollbracht, und was in Gott geschehen, das wird kein Sturm verwehen.— Karl Plege. Mmm Reformationsfest. Er ist nahe, der mich gerecht spricht, wer will mit mir hadern? Siehe, der Herr hilft mir. Wer will mich verdammen? Jes. 50, 8. 9. Nicht darin besteht die rechte Reformationsfestfeier, daß wir die katholische Kirche und ihren Papst herabsetzen und die Herrlichkeit der evangelischen Kirche und ihrer Reformatoren, wer weiß wie hoch, preisen, auch nicht darin, daß wir in den Erinnerungen an eine große Vergangenheit schwelgen, das erweckt vielmehr den Verdacht, wir ständen vor der Gegenwart mit leeren Händen. Nur die Kirche begeht ihre Reformationsfeier würdig, die weiß, daß Reformation an Haupt und Gliedern ihre bleibende, täglich und jährlich neue Aufgabe ist. Was ist denn in unserer Kirche heute noch so reformationsbedürftig? Luther blieb nicht dabei stehen, diesen oder jenen Mißbrauch in der römischen Kirche damaliger Zeit abzustellen, sondern Luther hat sein Volk zur Buße und zum Glauben aufgerufen. Damit gab er der Not der Kirche seiner Zeit den rechten Generalnenner. Anderen mutete sie Buße zu, aber sie tat sie selbst nicht, forderte Glauben, aber war selbst ungläubig. Damit löste Luther das große Rechenexempel seiner Zeit, an dem sich Konzilien und der Papst vergeblich zermartert hatten, mit einem Schlage. An diesem Punkte muß jedes Reformationsfest immer wieder einsetzen. Die innere Not der evangelischen Kirche war niemals ihre mangelhafte Verfassung, fehlende Einigkeit, übersteigerter Betrieb, geringe Volkstümlichkeit, oder was sonst für Vorwürfe zu allen Zeiten und auch in unseren Tagen erhoben werden, auch nicht die gewiß beklagenswerte Tatsache, daß sie immer noch viel zu sehr Pastorenkirche und viel zu wenig Volkskirche ist, und ihr Einfluß auf die großen Massen unseres Volkes gering erscheint. Nein, die Not der evangelischen Kirche ist ihr Mangel an Glauben, nicht der Unglaube der Massen, sondern der Kleinglaube ihrer Glieder, Diener und Führer. Wir wollen nicht auf andere sehen. Es ist mein und Dein Unglaube, der unsere evangelische Kirche, die vom Glauben an die Kraft des Evangeliums lebt, hemmt und drückt. Ungläubig sein, das ist meinen, es gäbe noch irgend einen anderen Herrn über uns als den einen lebendigen wirklichen Gott, etwa die öffentliche Meinung, etwa die herrschende Zeitströmung. Und glauben heißt: alles dies fahren lassen, die in Christus Jesus ausgestreckte Hand des lebendigen Gottes ergreifen und gewiß sein, wie vieles auch in meinem Leben, in meinem Vaterland, in meinem Volk, in meiner Familie, in meinem ganzen persönlichen inneren Leben fehlerhaft, gebrechlich, dürftig, sa sündig sein mag: er ist mir dennoch nahe, er verläßt seine Kirche nicht. Er spricht die Seinen, die andern und mich selbst, aus Gnaden gerecht. Ob wir schon vor Gott verdammungswürdige Menschen sind, hilft er wirklich um seines Namens willen, und schleudert uns nicht beiseite wie ein unnützes Gefäß. Wir richten nicht die katholische Kirche, sondern sprechen mit Jakobus:„Wer bist Du, der Du einen anderen richtest?“ Eher klagen wir uns ob unserer Haltlosigkeit und unseres schwächlichen Wesens an. Larum wollen wir uns fröhlich und getrost an ihn und sein Wort und an nichts anderes halten und mit aller Hüversicht mit dem Propheten sprechen:„Unser Herr sohert nicht mit uns, unser Herr verdammt uns nicht“, #eiwern um Christi, seines eingeborenen Sohnes willen, der am Kreuz für unsere Sünden büßte und am Thron er Herrlichkeit für uns eintritt, sind wir unseres Gottes und unseres Heils gewiß. Solch ein Glaube will täglich neu erbeten sein, und, ig“ er geschenkt wird, da tritt auch täglich Reformation " Buße und Glaube ein. Dann werden wir, jeder Eingne für sich und die Gemeinschaft der Christen in der siche, das Große, was am 31. Oktober 1517 Gottes 80oße Güte der Christenheit bescherte, immer wieder neu srieben, nämlich eine Reformation an Haupt und GlieG Was vorgeht. Diese Woche war für uns hier am Aufwärts eine sehr schwere Woche. Schwerer vielleicht, als wir sie jemals in dieser Arbeit erlebt haben. Wir hatten eine Falschmeldung über den Christlichen Volksdienst gebracht. Daran waren wir aber ganz unschuldig. Nun wurde uns der Vorwurf gemacht, wir hätten mit Absicht den Christlichen Volksdienst in Mißkredit bringen wollen und hätten die Nachricht einem deutschnationalen Blatt entnommen. Das ist aber alles nicht der Fall. Die Nachricht war uns von einer Stelle aus zugegangen, die weder mit den Deutschnationalen, noch mit der Hugenbergschen Telegraphen=Union etwas zu tun hat, der wir vielmehr auf Grund ihrer im allgemeinen sehr zuverlässigen Nachrichten in gutem Glauben auch diesmal unser Vertrauen schenkten, wie wir ja auch jeder anderen Nachricht glauben müssen, die uns von auswärts zugeht, wenn wir überhaupt ein Blatt mit Nachrichten hinausgehen lassen wollen. Ob die Nachrichten nun durch Depeschenbrief, durch Telefon, Telegraph oder durch Rundfunk kommen, in keinem Falle haben wir die Möglichkeit, solche Nachrichten durch irgendeine Stelle so sicher prüfen zu lassen, daß jeder Irrtum vollkommen ausgeschlossen ist. Es ist in dem vorliegenden Falle auch nicht so, daß nur rechtsstehende Zeitungen die Nachricht gebracht haben. Wir haben die Nachricht auch in großen Berliner Zeitungen der Linken gesehen, wo allerdings der Volksdienst nicht ausdrücklich genannt, wo aber von den aus der Deutschnationalen Partei ausgetretenen Abgeordneten die Rede war. Wir wissen ganz genau, daß nicht jedem einzelnen Leser der Gang der Sache bei Herstellung seiner Zeitung in seinen Einzelheiten bekannt sein kann. Deshalb wundern wir uns auch nicht darüber, wenn einzelne uns ihre Meinung über so ein Vorkommnis in einer Form sagen, die man Aufwärtslesern nicht zutraut. Jedenfalls haben wir in diesen Tagen feststellen können, daß Fanatismus nicht nur bei den Deutschnationalen, den Nationalsozialisten und bei den Kommunisten vorhanden ist, sondern daß er auch schon eingezogen ist in die Reihen der Partei, von der wir hofften, sie werde auch gerade auf dem Gebiet der politischen Polemik ganz neue Formen schaffen. Wir müssen aber auch sagen, daß in den uns zugegangenen Zuschriften auch sehr freundliches Verstehenwollen zum Ausdruck kam, mochte nun die Haltung der Volksdienstvertreter zustimmend oder ablehnend beurteilt werden. Das sagen wir heute hier als erstes Wort, weil es scheint, als hätten viele Leser übersehen, daß wir eine Berichtigung der Falschmeldung brachten, sobald wir dazu imstande waren. Die Gesamtlage in unserem Vaterlande ist nun doch so ernst, daß wir es bedauern, noch eine solche Plänkelei ausfechten zu müssen. Es ist immer unser Bemühen gewesen, Differenzen auszutragen in einer anständigen Form. Und wenn Kritik geübt werden muß, dann sollte auch das in einer Weise geschehen, daß es deutlich wird: es handelt sich um nichts anderes als um die Sache. Drei Wochen hat ein Streik der Berliner Metallarbeiter gedauert. Es ist sicher ein Zeichen für den Ernst der Lage, daß bei der politischen Hochspannung, die zur Zeit besteht, der Berliner Streik doch noch verhältnismäßig ruhig verlief. Man findet jetzt häufig in Verlautbarungen des privatwirtschaftlichen Unternehmertums den Gedanken vertreten, daß der gewerkschaftliche Einfluß die Schuld daran trüge, daß es zu keiner Regelung des Lohnund Arbeitszeitverhältnisses komme, die der Gesamtwirtschaftslage entspräche. Man meint, der Tarifvertrag, so, wie er durch die gewerkschaftliche Organisation allenthalben dort abgeschlossen wird, wo eine entsprechende Anzahl Arbeiter der Gewerkschaft angehören, raube dem Unternehmer die Bewegungsfreiheit und mache ihn konkurrenzunfähig. Wenn die Metallarbeiterverbände nur einen Einheitstarif abschlössen, der für das ganze Reich Geltung hätte, so könnte angenommen werden, daß die rigorose Durchführung eines solchen Lohnabkommens manchen Betrieb zugrunde richten könnte, der entweder schlecht geleitet ist, oder dessen örtliche Lage ihm Lasten bringt durch Frachten oder schlechte Transportverhältnisse, die ihn in Nachteil setzen gegenüber anderen in großen Konzernen zesammengeschlossenen und an Verkehrszentralen gelegenen Unternehmungen. Das ideale und sicher auch erfolgreichste Verhältnis wäre das, wenn zwischen der Leitung und dem Personal eines jeden Werkes ein solches Vertrauensverhältnis bestände, daß jede Fluktuation im Betriebe als selbstverständliche Angelegenheit des Ganzen angesehen, Leistungsfähigkeit, Leistungsmöglichkeit und Leistungswille durch gemeinsames Beraten und Handeln von Leitung und Personal geregelt würden. Das war vor 40, 50 Jahren in einzelnen Gegenden unseres Vaterlandes noch so. Es ist aber sicher nicht Schuld der Arbeiter, daß es anders geworden ist. Nur die Konzentration von Arbeitermassen in Industriezentralen und dann die Konzernierung und Vertrustung der Betriebe, die sich nicht nur auf Betriebe in einer bestimmten Gegend und nicht nur auf ein Produkt wic Kohle oder Erz beschränkte, sondern die schon aus dem Grunde alles Erreichbare in sich aufnahmen, um sich die Konkurrenz vom Halse zu halten, trägt die Hauptschuld daran, daß die Arbeiterschaft gezwungen wurde, sich Organisationen zu schaffen, die ihr Schutz und Rat und Hilfe gewähren konnten in dem schweren Existenzkampf, den sie immer zu führen hat. Vielleicht hat der ruhige Verlauf des Berliner Streikes doch etwas davon gezei##t, daß die gewerkschaftliche Disziplin auch etwas Gutes ist. Die Entwickelung des ganzen Lebens, soweit es der sogenannten Kultur erschlossen ist, hat überhaupt so manchen Zustand herbeigeführt, der als Mißstand angesehen werden muß, der aber an sich als notwendige Hilfsmaßnahme gedacht war und eben eine Folge von Ereignissen ist, an denen die ganz schuldlos sind, die sich ihrer heute mutwillig oder der Not gehorchend, bedienen. So berichtet die D. A. Z. vom 30. Oktober folgendes: Dresden, 29. 10. Die sächsische Knappschaft hat, ebenso wie eine ganze Anzahl Ortskrankenkassen, die bei ihr als„krank“ gemeldeten A glieder einer Nachuntersuchung unterziehen lassen. Dabei stellte sich folgendes heraus: Es wurden 18893 als krank gemeldete Arbeiter aufgefordert, zum Arzt zu gehen und sich einer Nachuntersuchung zu unterziehen. Davon gaben 2953 Mann schleunigst ihren Krankenschein ab und meldeten sich gesund. Von den übrigbleibenden 15 940 wurden vom Arzt als nicht krank, sondern als vollarbeitsfähig befunden nicht weniger als 8827, so daß also von den 18893 angeblich Kranken in Wirklichkeit nur 7113 krank waren! Ein krasses Beispiel von Simulantentum, das sich auf Kosten der Allgemeinheit leider immer mehr breit macht. Ueber ähnliche Feststellungen ist schon öfter berichtet worden.„Tausende von Simulanten betrügen die Krankenkassen“, so schreibt die D. A. Z. über die Meldung. Das heißt dann, die Menschen wollen nicht mehr arbeiten. Damit ist aber gar niemand geholfen. Wenn es möglich wäre, eine Statistik darüber aufzustellen, welche Bergeslasten leiblicher und seelischer Not mit den festgestellten Tatsachen zusammenhängen, das Gewissen aller dere# müßte wach werden, die ein Stück Verantwortung tr gen für die Verhältnisse, die zu solchen Zuständen der Degeneration, des Niederganges, führen. Es kann ja gar nicht ausbleiben, daß eine Politik, die glaubt, es sei möglich, ein Volk innerlich gesund zu erhalten mit Der chungen und Hoffnungen auf eine Weltentwicklung. die den Menschen eine mühelose und kampflose Existenz gewährleisten werde, zuletzt zu einer solchen Degenera ion führt, wie sie jene Dresdener Meldung anzeigt. 9 rerseits kann man aber auch nicht erwarten, daß bei einer Lohn= und Versorgungspolitik, bei der der Arbeiter alKrankfeiernder oder als Bezieher von Erwerbslosenunterstützung in manchen Fällen eine bessere und in fast allen Fällen eine nicht viel geringere Einnahme hat, als wenn er im Arbeitsverhältnis steht, daß er dann nicht das Bequemere vorzieht, wenn sich ihm nur die geringste Möglichkeit dazu bietet. Solange der höhere Arbeitslohn nicht zum Anreiz wird, die Arbeit dem Krankfeiern und dem Stempelngehen vorzuziehen, wird alles Klagen und Schimpfen über das Simulantentum keinen Zweck haben. Und solange nicht bolschewistische Zerstörung überhaußt aller noch bestehenden Ordnung, wozu auch die Krankenkassen gehören, ein Ende macht, muß sich der Arbeiter die Institutionen, die ihm der einzige rechtliche Schutz sind gegen die alleräußerste Not, zu erhalten und zu verteidigen suchen. Bis jetzt gelingt es den Kreisen, die glauben, mit der Lohnkürzungspolitik und mit dem Abbau der Sozialgesetze die Lage meistern zu können und zu besseren Verhältnissen zu kommen, nicht, den Wartenden einen Silberstreifen der Hoffnung am wirtschaftspolitischen Horizont zu zeigen. Mag das Gebiet der Wirtschaft auch ein Organismus sein, dessen Kompliziertheiten nicht jeder ganz zu durchschauen vermag. Es müßte aber einer willensstarken Regierung möglich sein, in einem Lande, in dem der Landwirt wieder eine so reiche Ernte heimführte, daß er keine Abnehmer dafür findet und in dem Kraft und Nahrung liegt, noch viel mehr hervorzubringen, die ganzen Verhältnisse so zu regulieren, daß Metallarbeiterstreiks unnötig und Simulantentum und Arbeitsscheu unbekannte Begriffe werden. So sehr es auch anzuerkennen ist, daß sich unsere Regierung unter allen Schwierigkeiten hält und mit allem Fleiß die Notverordnungen durchzuführen sucht, die nach ihrer Meinung wieder eine feste Grundlage zu weiterem Aufbau bilden sollen, so sicher ist es aber auch, daß Maßnahmen, die die Schwächung der Kaufkraft des Volkes zur Folge haben und die keinen Ausweg zeigen aus den Nöten, von denen hier die Rede war, nicht der Weg sind, auf dem ein degeneriertes Volk zu schaffens= und opferfreudigem Dienst am Vaterland ersogen wird. Arbeitgeber, die aus lauter Angst um ihr bißchen Privatbesitz nicht daran denken, daß die beste Sicherung dieses Besitzes darin liegt, wenn ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen denen besteht, die sich doch überhaupt nicht entbehren können, wenn wirklicher Besitz erhalten und Unternehmungen produktiv werden sollen. Wir sehen die Besserung und Heilung auch nicht in der ausschließlichen Befriedigung materieller Bedürfnisse. Aber die ganze Lage unseres Staates und Volkes erfordert es, daß sich bald Aussichten auf eine Wendung zum Besseren zeigen. Unsere Meinung möchten wir nun heute dahin gesagt haben, daß der Arbeiter Deutschlands wahrhaftig nicht schuld ist an den hohen Soziallasten, an den gesteigerten Verwaltungsausgaben der Staaten und Kommunen und daß es sehr kleinliche Mittel sind, wenn man nur durch 50=Pfennig=Gebühren für Krankenschein und Arznei, durch Lohn= und Gehaltsabzüge auch noch vom Existenzminimum glaubt, die Schäden heilen und den Staat und die Wirtschaft retten zu können. Trifft aber auch den Arbeiter eine Schuld, dann ist es die, daß er seine Wählerstimme solchen Leuten gab, die sich dann in fette Pfründen, herrliche Regierungs= und Verwallungsgebäude und vornehme Krankenkassenpaläste zu setzen wußten, ihre Anhänger und Wähler aber dann weiter vertrösteten auf den endlichen Sieg des internationalen Sozialismus. Wie es um den Industriearbeiterstand steht, darüber halten uns die Gewerkschaftsblätter und die Zeitungen auf dem Laufenden. Auch darüber, daß die Armut nicht einmal die größte Not in diesen Volksschichten ist. Wie es aber in Wahrheit auf dem Lande und bei dem Mittelstande aussieht, wissen wir oft nicht so genau. Neben uns saß jetzt ein Mann, der war einige Zeit über Land gewesen, auf Dörfern und Kleinstädten mit fast stilliegender Industrie. Was er uns da erzählte von zunehmender Not des Handwerks, des Mittelstandes, der Vernichtung des Kleinhandels durch die jüdischen Warenhäuser der nächsten Großstädte, die die Käufer vom Lande in Autos abholen und wieder nach Hause bringen oder ihnen doch die gekauften Waren ins Haus liefern, das alles zeigt die staats= und volkswirtschaftliche Entwickelung Deutschlands in einer Richtung, deren Ziel sicher nicht die Befriedung unseres Volkes, treue Staatsgesinnung, Liebe zum Vaterland, jeder Bürger in einer vom Staat gewährleisteten gesunden Wohn= oder Wirtschaftsheimstätte sein wird, sondern hier muß, wenn nicht fest eingegriffen wird, eine zerrüttete Wirtschaft und ein verzweifelndes Volk Folge und Ende sein. Möge auch das zweite große Grubenunglück bei Saarbrücken allen denen, die irgendeinen Einfluß haben auf die Gestaltung der Wirtschaft und des Erwerbslebens ein Hinweis darauf sein, wie nötig es ist, jeder ehrlichen Arbeit die ihr gebührende Achtung und auch den ihr gebührenden Lohn zu geben. Ueber den politischen Streit können wir heute nichts weiteres mehr sagen.„Will Hitler ins Zuchthaus?“ fragt der„Vorwärts“ auf die Antwort, die Hitler dem Franzosen Hervé auf seinen Vorschlag einer Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland gegeben hat. Vielleicht hat der„Vorwärts“ gehofft, Hitler werde nun eine Antwort geben in dem Ton nationalsozialistischer Wahlversammlungsredner und ist nun enttäuscht durch die Antwort, die ohne Zweifel eine Form wählte, welche von staatsmännischem Geschick zeugte, das man dort HitSpielnest des Zaunkönigs und die Dummheit der Menschen. Belauschte Vogelgespräche. Von W. Trittelvitz. Seit gestern saß die Zaunkönigin brütend auf ihren sechs niedlichen Eiern. Sie waren aber auch gar zu reizend, schneeweiß, mit vielen kleinen roten Pünktchen. Wie glücklich war die junge Frau gewesen, als sie sich, nachdem alle Eier gelegt waren, nun endlich auf ihnen zum Brüten niederlassen konnte. Sie breitete die Federn an Brust und Bauch weit auseinander, damit die Körperwärme den Eiern unmittelbar zugute kommen sollte. Das Vögelchen britete zum ersten Male und wußte deshalb noch nicht, daß die Federn, die sie so sorglich beiseite geschoben hatte, in den nächsten Tagen ausfallen würden. Den kahlen Brutfleck, den alle brütenden Vögel bekommen, kannte sie noch nicht. „Was nur mein Männchen heute treibt!“ sagte die junge Frau am andern Morgen zu sich.„Ich höre ihn mmer an derselben Stelle singen. Will doch mal eben Eschauen. Damit steckte sie den Kopf zum Flugloch hinaus, mußte sich aber festhalten, sonst wäre sie vor Staunen umgefallen. Was sie sah, war aber auch gar zu sonderbar und lächerlich. Ihr Gemahl— baute ein Nest. „Mann, Mann!“, rief sie außer Atem,„Mann, was machst du da? Bist du nicht richtig im Kopfe, oder was soll ich von dir denken?“ „Liebes Frauchen", lachte der Gatte,„ich bin ganz klar im Kopf, aber ich langweile mich ohne dich so gräßlich, daß ich mir irgendeine Beschäftigung machen muß, und da habe ich denn dieselbe Arbeit angefangen, die alle Zaunkönigsmännchen unternehmen, wenn ihre Frauen brüten.“ „Ihr seid doch wunderliche Geschöpfe, ihr Männer", sagte die junge Frau.„Ich bin nur neugierig, was für ein Wunderwerk das werden wird. Gelegentlich sehe ich mir deine Arbeit mal an.“ ler so gern absprechen möchte. Manche Vorgänge in der Welt deuten darauf hin, daß der 14. September Folgen für Deutschland hat, die nicht schlecht sind. Kr. Die Regierung drosselt den Wohnungsbau. Die Neuregelung der Wohnungswirtschaft im Finanzprogramm. Die von der Reichsregierung in ihrem Programm vom 30. September 1930 vorgezeichnete Wohnungspolitik hat drei hervorstechende Merkmale. Zunächst will man das zusätzliche Bauprogramm des Jahres 1930, das ein Notprogramm mit all seinen Nachteilen darstellt, auch in den späteren Jahren weiter verfolgen, also den Bau von Kleinstwohnungen, das sind Wohnungen von 32 bis 45 Quadratmetern Wohnfläche, unterstützen. Sodann will man von dem bisher für den Wohnungsbau bestimmt gewesenen Anteil aus dem Aufkommen der Hauszinssteuer die Hälfte, also 400 Millionen Mark, für den allgemeinen Finanzbedarf, oder, wie es in dem Programm heißt, für die Senkung der Realsteuern, kürzen, so daß der Wohnungsbau in den kommenden Jahren eine ganz erhebliche Einschränkung erfährt. Schon im Haushaltsjahr 1931 sollen nur bis zu 215000 Wohnungen erstellt werden gegenüber 330000 im Jahre 1929. Schließlich soll die Wohnungszwangswirtschaft bis 1. April 1936 endgültig abgebaut sein, so daß dann ein verbessertes bürgerliches Mietrecht, unter Herausstellung besonderer sozialer Gesichtspunkte, Geltung haben soll. Was zunächst die Auflockerung und den Abbau der Wohnungszwangswirtschaft anlangt, der bis zum Jahre 1936 durchgeführt werden soll, so ist es völlig verfehlt, heute schon einen bestimmten Termin vorzuschlagen. Denn es kommt einzig und allein darauf an, daß bis dahin das Wohnungsangebot die Nachfrage wenigstens um 2 bis 3 Prozent übersteigt, damit bei einer freien Wohnungswirtschaft der freie Wohnungsmarkt, der einen genügenden Ueberschuß an Wohnungen bedingt, eine sinnvolle Regulierung auch der Mieten und der Wohnungsverteilung ermöglicht. Zu diesem Zeitpunkt ungefähr beginnt auch die verringerte Heiratsziffer sich auszuwirken, die durch den Geburtenausfall der Kriegs= und Nachkriegsjahre bedingt ist, so daß dann, wenn die Wohnungsnot behoben ist, auch die Neubautätigkeit mit der Neugründung von Haushaltungen Schritt halten kann. Die wichtigste Voraussetzung zur Aufhebung und zum Abbau der Wohnungszwangswirtschaft ist also die Bereitstellung genügenden Wohnraums zu dem gegebenen Zeitpunkt. Dieser Grundforderung kommt aber das Regierungsprogramm keineswegs entgegen, weil die Streichung der Hälfte des Hauszinssteuereinkommens den Wohnungsbau in ungeheurem Maße einengen wird. Die Beschaffung von erststelligen Hypotheken und auch von Eigenkapital für den Wohnungsbau ist gegenwärtig bei Bereitstellung von 850 Millionen Mark Hauszinssteuerhypotheken schon äußerst schwierig, sie wird geradezu unmöglich gemacht, wenn der Zuschuß pro Wohnung noch weiter gekürzt wird. Wenn das Regierungsprogramm hinsichtlich des Abbaues der Wohnungszwangswirtschaft zu einem Ziele führen soll, so kann dieses Ziel gewiß nicht durch eine Drosselung des Wohnungsbaus, durch Streichung erheblicher Mittel, sondern nur durch eine Bereitstellung ausreichender Mittel erreicht werden. Ohne ausreichende „Ich werde dir schon zeigen, daß wir Männer auch was können.“ Mit Feuereifer nahm Herr Zaunkönig die unterbrochene Arbeit wieder auf, vergaß aber nicht, zwischendurch sein Frauchen mit Futter zu versorgen und ihm durch ein Liedchen die Langeweile zu vertreiben. Zehn Tage hatte„sie“ nun schon gebrütet und„er“ an seinem Neste gearbeitet. Da sagte die Frau: „Was meinst du, Mann, wenn ich mir heute mittag mal dein Nest ansehen würde? Ich glaube, du bist bald fertig. Ich habe dich absichtlich nicht stören wollen. Aber jetzt brenne ich vor Neugier. Zudem glaube ich, daß wir in den nächsten Tagen schon keine Zeit mehr für Spielereien haben werden.“ „Komm nur gleich mit,“ sagte gut gelaunt der Baumeister.„Ich bin gespannt auf dein Urteil.“ Eingehend wurde nun das Nest untersucht, von allen Seiten, von außen und innen in Augenschein genommen. „Nun, was sagtst du zu meiner Arbeit? Sag' deine Meinung nur gerade heraus. Ich höre immer gern die Wahrheit. Schmeicheleien liebe ich nicht.“ Da sah das kleine Frauchen ihren Mann mit leuchtenden Augen an und sagte: „Ich mache dir mein Kompliment über deine Arbeit. Nie hätte ich geglaubt, daß du so etwas zustande gebracht hättest. Schon die Wahl des Platzes für das Nest in dem dichten Geißblattgeranke verdient alles Lob. Und auch das Nest selbst kann sich wohl sehen lassen. Wenn auch hier und da noch etwas zu ändern und zu verbessern wäre, so erkennt man doch auf den ersten Blick, daß es ein Zaunkönigsnest ist. Als„Spielnest“ ist es jedenfalls sehr gut geraten.“ „Dein Urteil freut und ehrt mich. Gerade so lobend sprach sich im vorigen Jahre meine erste Frau, die, wie ich dir erzählte, der Sperber fing, auch aus. Jenes Nest muß auch besonders gut ausgefallen sein, denn ein Kukkuck erkannte es nicht als„Spielnest“, sondern hielt es für ein richtiges Zaunkönigsnest und legte sein Ei hinein.“ „Das war aber sein“, lachte das Weibchen,„da hattest du doch auch etwas zu brüten. Sonst wären ja doch nie öffentliche Mittel kann der Wohnungsbau nicht zu geführt werden und an eine Auflockerung oder gar Abbau der Wohnungszwangswirtschaft nicht gedacht werden. Es sei nur daran erinnert, daß vor der Neuwahl deg Reichstages 100 Millionen RM. als zusätzliches Bauprogramm mit dem ausdrücklichen Hinweis gegeben wurden, daß diese 100 Millionen RM. der Arbeitsbeschaffung dienen sollen. Jetzt nimmt man 400 Mill RM. aus den laufenden Mitteln für den Wohnungsbau heraus. Und das in Zeiten ungeheurer Arbeitslosigkeit Es dürfte ohne weiteres einleuchten, daß hiermit ein Steuerausfall in engstem Zusammenhang steht. Jede Einschränkung der Bautätigkeit ruft vermindertes Steueraufkommen bei der Lohn=, Einkommen=, Umsatz= und Vermögenssteuer hervor und erhöht die Ausgaben für Arbeitslosen= und Wohlfahrtsfürsorge. Damit ist schon angedeutet, daß die volkswirtschaftlichen und finanzpolitischen Vorteile der ganzen Aktion weiter nichts als eine Illusion sind. Was die gesundheitlichen, sozialen und staatspolitischen Auswirkungen durch den ausschließlichen Bau von Kleinstwohnungen anlangt, so bedeutet dieses Programm noch eine Erweiterung des unsozialen Bauprogramms vom Sommer 1930 trotz der Tatsache, daß wir in Deutschland eine ungeheure Zahl solcher Kleinstwohnungen schon besitzen. Ständig wird auf das furchtbare Wohnungselend immer wieder hingewiesen. Und man braucht nicht erst das Bild:„So wohnen 750000 deutsche Familien“ auf der Hygiene=Ausstellung in Dresden mit seiner ganzen Tragik gesehen zu haben, um zu wissen, daß durch dieses Wohnungselend unser Volk geistig und körperlich aufs stärkste gefährdet ist. Wehe denen, die religiöse, soziale sittliche Forderungen erheben und nicht daran mithelfen, dieses Wohnungselend zu beseitigen! Der ausschließliche Bau von Kleinstwohnungen bringt eine neue Wohnungsnot, ein neues Elend überfüllter Wohnungen mit ihren gesundheitlichen und sittlichen Gefahren. Die erheblichen Kapitalinvestierungen zwingen ja dazu, die Wohnungen dauernd zur Vermietung zu bringen. Die Herabsetzung des Wohnungsstandards wird sich schon allein dadurch in späteren Jahren schwer rächen. Staatspolitisch ist die vermehrte Zusammenballung von Menschenmassen in Kleinstwohnungen bedenklich; denn diese Wohnform bildet die Zelle der Unzufriedenheit. Vom volkswirtschaftlichen und wohnungswirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtet, bedeutet eine vermehrte Schaffung von Kleinstwohnungen nicht Sparsamkeit, sondern, da die Kleinstwohnung als solche unwirtschaftlich ist, Verschwendung. In einem Punkt enthält die Zielsetzung des Regierungsprogramms einen gesunden Kern, nämlich in einer vermehrten Erstellung von Heimstätten in ländlichen und vorstädtischen Gebieten, mit anderen Worten, in der Schaffung einer Wohnkultur, in einer organischen Verbindung der Bevölkerung zur Scholle. Insofern bietet der Vorschlag die Handhabe, nicht nur die Arbeitslosig keit zu bannen, sondern noch mehr: Der Nation ein an Körper und Geist mit dem mütterlichen Boden neu verbundenes und gesundes Menschengeschlecht zuzuführen. Gr. Washin Die Neufestsetzung der Diäten. — Berlin, 1. November. Der vom Preußischen Landlag eingesetzte Unterausschuß stimmte der Herabsetzung der Diäten von 750 auf 600 Mark zu. Für die Wahrnehmung der Ausschußberatungen an plenarsitzungsfreien Tagen sollen nicht mehr 25 Mark, sondern nur noch 10 Mark gewährt werden. Eier hineingekommen. Hast du denn das Kuckucksei auch richtig ausgebrütet?“ „Ich habe mich schön gehütet,“ antwortete der Mann. „Sollte ich etwa dazu beitragen, daß diese Schmarotzer sich in unseren Wäldern vermehren?" „Was ist aber aus dem Ei geworden?" fragte das Weibchen neugierig. „Das kann ich dir nicht sagen. Ich habe mich auch nicht weiter darum gekümmert.“ „Das war recht von dir. Und jetzt möchte ich dir raten, höre auf mit der Arbeit und ruh dich aus. In den nächsten Tagen wirst du genug zu tun bekommen. Nun muß ich aber schnell ins Nest zurück, sonst wei den die Eier kalt.“—— Wie schnell doch der Sommer vorüberging! Der Winter war da, die Erde war dicht mit Schnee bedeckt, da 1= durfte ich wieder einmal ein Gespräch der Vögel bel# schen. Diesmal zogen sie über die Menschen her. „Die Menschen sind böse!“, rief der Spatz,„sie haben Keller und Böden voll von Vorräten aller Art. Sie sitzen hinter dem warmen Ofen und lassen es sich gut sein. An die hungernden Vögel denken sie nicht. Sie sins eigennützig und geizig. Es geschähe ihnen recht, wenn an ihre Vorräte in Flammen aufgingen.“ „Wie lästerlich und ungerecht du nur redest,“ ereiferte sich die sonst so sanfte Goldammer.„Die Menschen sind gar nicht böse und geizig; sie geben uns gern etwas ab. Leider aber sind sie oft gedankenlos. Viele bi ihnen richten Futterplätze für uns her, damit wir nicht Not leiden sollen. Zu unserem Schaden aber machen sie dabei vieles falsch, weil sie nicht nachdenken. Der größte Fehler ist der, daß sie die Futterplätze viel zu spät einrichten. Wenn der Schnee schon tagelang uns unser Fulter verdeckt, denken sie erst an uns, und sie wundern sich dann, daß wir uns an den Futterstellen nicht gleich einfinden. Wie sollen wir nur wissen, wo man uns ter gestreut hat! Würden sie zeitig, als noch kein Schnee lag, die Futterplätze eingerichtet haben, dann hätten wit sie gelegentlich bei unseren Streifereien durch die Gal' ten gewiß schon gefunden, und wenn dann der Schnee kam, hätten wir uns dieser Plätze erinnert und wur“ den nicht erst so lange zu hungern brauchen. Frankreich und treten.— Wie hier #einigten Staat einer der # die Genfer zwischen„Frau beide Machte doner Konferer pau getroffenen zu gewinnen. längere Unterr vräsibenter Je Wege nach nehmen dürfte. Die Richt würde dieser großer grundsä doch mit einer Mittelmeerfrag Schlußfolgerung Staaten in Ge in erster Linie einsetzen will, rüstungen dage lassen wünscht. Gleichzeiti rikas im franz man in Paris sischen Sonder reichs zu den bleiben Italien Paris“, die fra ••• 577 im April von Japan.#% geschl unter der Bedi geforderte Ton auf 560000 T die„Spezialsch zweitens da zugebilligt e in den Vertr. 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Wie hier verlautet, hat der Präsident der Vereinigten Staaten den Botschafter Gibson=Brüssel, der ziuer der Führer der amerikanischen Abordnung für nie Geufer Abrüstungsbesprechungen ist, beauftragt, zwischen Frankreich und Italien zu vermitteln, um geide Mächte für den Beitritt zu den auf der Lonvouer Konferenz zwischen Amerika, England und Janau getroffenen Vereinbarungen über die Flottenstärke zu gewinnen. Botschafter Gibson hatte bereits eine jängere Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Tardien und befindet sich jetzt auf dem wiege nach Rom, wo er auch mit Mussolini Fühlung nehmen dürfte. Die Richtigkeit dieser Meldung vorausgesetzt, würde dieser Schritt der Vereinigten Staaten von großer grundsätzlicher Bedeutung sein, hätte man es doch mit einer ersten Vermittlung Amerikas in der Mittelmeerfrage zu tun. Zugleich ließe diese Aktion Schlußfolgerungen über die Haltung der Vereinigten Staaten in Genf dahin zu, daß Washington sich hier in erster Linie für die Begrenzung der Seerüstungen einsetzen will, die Regelung der Fragen der Landrüstungen dagegen den europäischen Mächten zu überlassen wünscht. Gleichzeitig mit diesem Vermittlungsschritt Amerikas im französisch=italienischen Flottenstreit erörtert man in Paris aber auch die Möglichkeit, einer französischen Sonderaktion, nämlich eines Beitritts Frankreichs zu den Londoner Vereinbarungen unter Fernbleiben Italiens. So behauptet z. B. das„Echo de Paris“, die französische Regierung sei bereit, sich den im April von England, den Vereinigten Staaten und Japan abgeschlossenen Flottenabkommen anzuschließen unter der Bedingung, daß erstens die von Frankreich geforderte Tonnageziffer mit einer gewissen Kürzung auf 560000 Tonnen angesetzt werde, ohne daß dabei die„Spezialschiffe“ mitgezählt würden, zweitens daß Frankreich eine Sicherheitsklausel zugebilligt erhalte, wie sie zu Gunsten Englands in den Vertrag ausgenommen worden sei, also eine Klausel, die Frankreich berechtige, seine Flottenbauten über das vorgesehene Maß zu erhöhen, falls es sich als notwendig erweisen sollte, gegenüber Italien die für unerläßlich anerkannte Ueberlegenheit zu bewahren. Wenn man die französische Presse aufmerksam liest, kommt man zu der Ueberzeugung, daß den Franzosen an einer solchen Sonderaktion anscheinend mehr gelegen ist, als an einem Erfolg der Bemühungen Gibsons. Einem Ausgleich zwischen Frankreich und Italien stehen nämlich nach wie vor größte Hindernisse im Wege, und daran wird auch eine amerikanische Vermittlung nichts ändern können. Wenn nun aber schon ein Ausgleich nicht zu haben ist, dann ist es der französischen Politik angenehmer, allein und mit Vorbehalten— also ohne Bindungen— dem Londoner Vertrag beizutreten, würde es damit doch Italien„aller Welt sichtbar“, als die einzige Macht hinstellen, die den Londoner Vereinbarungen seine Zustimmung verweigert. Attentat auf König Boris. Schüsse auf den heimkehrenden Hofzug.— Begeisterter Empfang des jungen Paares. — Sofia, 1. November. Das jungvermählte bulgarische Königspaar, König Voris und Königin Johanna, sind von der Hoch„Du hast vollkommen recht", stimmte der Buchfink der Goldammer zu.„Und zu wünschen wäre es auch, daß die Menschen für uns Körnerfresser anderes Futter wählen würden. Sie streuen uns gedankenlos gekochte Karkoffeln und Brotkrumen hin und denken nicht daran, daß beides bald hart gefroren ist, so daß nichts davon zu genießen ist. Wie würden wir uns freuen, wenn die Futkerplätze mit allerlei Sämereien versehen würden: Mohn, Rubsamen, Hanf, Hirse, Sonnenblumensamen und dergleichen. Wir wären auch schon zufrieden mit allerleiUnkrautsamen und kleinem Getreide und was sonst ales beim Durchsieben des Kornes als wertlos fortgeworfen wird.“ „Ich wollte auch,“ sagte noch immer grollend der sperling,„daß die Menschen bei der Anlage von Futterplatzen mit mehr Nachdenken zuwege gingen. Meistens llegen die Plätze ganz frei auf dem Rasen, so daß unser chümmster Feind, der Sperber, uns leicht erwischen sann. Viel besser wäre es, wenn sie sich in Buschwerk dder an breiten Hecken befänden. Am vorteilhaftesten are aber die Nähe eines großen Dornenhaufens, dawir da hineinflüchten können, wenn der Feind uns werfallt. Nur so können wir ihm entkommen, während wir im Freien immer unrettbar verloren sind.“—— Loch jetzt höre ich, wie mir meine Leser von allen zurufen:„Bist du denn ein Sonntagskind, daß du Sprache der Vögel verstehst?" Nein, das bin ich nicht, Eer ich habe einen Freund gefunden, der muß die VoEesprache verstehen. Das ist der Konrektor Karl Behenos; der hat die beiden Vogelgespräche vom Spiel5s des Zaunkönigs und von der Dummheit der Meneen bei der Anlegung von Futterplätzen in einem Buche geschrieben, das jetzt im Verlage der Anstalt Bethel Bielefeld erscheint. Es heißt:„Meine gefiederscho, Freunde“*). Mit der gleichen Ueberschrift war ungi vorigen Jahr ein Buch erschienen. Jetzt schenkt s der Verfasser des ersten Bandes den zweiten zu Eehnachten. Und ebenso herzlich, wie ich vor einem Zolge Karl Behrens,„Reine gesiederten Freunde“ Zweite Verlag der Anstalt Bethel. In Leinen gebunden.50 Jl. zeitsfeier in Italien heimkehrend in Sosia eingetroffen. Bei der Einfahrt des Sonderzuges wurde die Nationalhymne gespielt. Der König in Generalsuniform und die Königin stiegen lächelnd aus und wurden mit begeisterten Beifallskundgebungen empfangen. Ministerpräsident Liaptscheff, der in Begleitung aller Mitglieder der Regierung erschienen war, hieß das Herrscherpaar willkommen, während aus der Ferne Geschützdouner der auf den Straßen stehenden ungeheuren Menschenmenge die Ankunft des Königs und der Königin anzeigte. Nach den üblichen Vorstellungen im Empfangssaal des Bahnhofs, wo sich das Königspaar einige Augenblicke ausruhte, begab sich der Zug nach der Kathedrale. Polizei und Militär bildeten Spalier. Die Rufe„Es lebe der König",„Es lebe die Königin“, nahmen kein Ende. Vor einem Triumphbogen, wo der Bürgermeister und die Gemeinderäte von Sofia Aufstellung genommen hatten, machte der Zug Halt. Nach der Begrüßungsansprache des Bürgermeisters setzten der König und die Königin ihren Weg nach der Kathedrale fort, wo sie unter dem Geläut aller Glocken empfangen wurden. Während des feierlichen Einzuges kreiste ein Flugzeuggeschwader über der Stadt, das in seiner Staffelung die Initialen der Namen des Königs und der Königin bildete. Auf dem Schloßplatz fand ein Vorbeimarsch der Truppen vor dem König statt. Wie noch bekannt wird, ist während der Heimfahrt des Königspaares in nächtlicher Stunde ein Auschlag verübt worden, der erfreulicherweise keine ernsten Folgen hatte. In der Nähe von Philippopel feuerten unbekannte Täter mehrere Schüsse auf den Zug ab. Ein Schuß verletzte einen Soldaten, der an der Eisenbahnlinie ausgestellt war. Weitere Schüsse ver„erst 1929!“ Ratlteiner in Much gut schmecr; wissen wir laugst. KtHautrenterprachihr Walch breimari. teichter als reine Wlllch — das habenl unsere Eiaahrungssorscher ast im A. Hen zich andan? Jahre den ersten Band empfohlen habe, empfehle ich nun auch den zweiten. Der Name von Manfred Kyber ist in letzter Zeit bekannt geworden. Auch er schreibt Tiergeschichten und ich begreife es, daß diese Geschichten viele Leser finden, denn ich lese sie gern. Aber, wenn ich es mir überlege, schreibt Manfred Kyber eigentlich gar nicht von Tieren, sondern von Menschen; seine Tiere sind nur Menschen in tierischer Kleidung. Bei Karl Behrends aber hören wir, wie es wirklich bei den Tieren zugeht. Man kann aus dem Buche, das er geschrieben hat, viel Neues über das Vogelleben lernen, nur, daß es nicht in langweiliger Belehrung vorgetragen wird. Indem die Vögel es selber erzählen, geht es einem gar leicht ein. Manches habe ich in dem Buche gefunden, was ich bis dahin noch nicht wußte. Wie der Eisvogel und der Wasserstar ihre Beute suchen, wie der Kleiber das Spechtloch soweit zumauert, daß es für ihn klein genug wird, wie der Wiedehopf sein Futter erst in die Luft wirft, um es dann aufzufangen, das habe ich erst aus diesem Buche erfahren. Gerade von seltenen Vögeln ist in dem Buche die Rede. Der Kernbeißer und der Pirol, der Birkhahn und der Brachvogel wohnen zwar mit uns in unserem Vaterlande, aber wer bekommt sie wohl zu Gesicht? Wer auf dem Lande aufgewachsen ist, der kennt die Rebhühner, aber über die Gefahren, denen das Rebhuhnnest im Kleefelde ausgesetzt ist, und über die Umwandlung, die sich in den Gewohnheiten dieser Tiere dadurch allmählich vollzieht, habe ich erst durch dieses Buch Bescheid bekommen. Und die Geschichte von dem klugen Rebhuhnhahn, der sein Volk vor den Nachstellungen der Jäger zu schützen weiß, ist höchst anziehend zu lesen. Und so gibt's noch mancherlei in diesem Buche zu finden, wonach man mit Freuden greift. Gerade so, wie im vorigen Jahre, ist auch in diesem Jahre das Buch wieder mit einer Reihe großer bunter und kleiner schwarzer Bilder ausgestattet. Der Preis ist im Verhältnis zu dem, was man bekommt, gering, und so möchte ich denn wünschen, daß recht vielen unter uns auch dieser zweite Band die gefiederten Freunde in Feld und Wald näher bringen möge. ursachten keinen Schaden. Der Zug setzte seine Fahrt ohne Aufenthalt fort und langte fahrplanmäßig in Soite g1.—— Die Polizei war Die bulgarische Polizei war übrigens schon seit mehreren Tagen darüber unterrichtet, daß Kommunisten, die aus Rußland kamen, ein Attentat gegen das Königspaar planten. Man hatte umfassende Sicherheitsvorkehrungen sowohl an der Eisenbahnstrecke, wie auch in Sofia getroffen. Grundsätzliche Aussprache über die 30 Ausführungsgesetze zum Notprogramm. — Berlin, 1. November. Reichskanzler Dr. Brüning empfing in der Reichskanzlei in Gegenwart des Reichsfinanzministers Dr. Dietrich, die Ministerpräsidenten und Vertreter der Länder Thüringen, Oldenburg, Brannschweig, Mecklenburg=Schwerin und=Strelitz, Anhalt, Bückeburg, um mit ihnen den Finanz= und Wirtschaftsplan der Reichsregierung, insbesondere auch die in den vom Kabinett verabschiedeten 30 Ausführungsgesetzen zum Notprogramm enthaltenen Einzelheiten durchzusprechen. Anschließend hatte der Reichskanzler eine Unterredung mit den Vertretern der drei Haufestädte. Die 30 Ausführungsgesetze umfassen u. a. das Gehaltskürzungsgesetz, das Gesetz über die Einschränkung der Personalaufwendungen in Ländern und Gemeinden, eine Novelle zum Tabaksteuergesetz, die Vorlagen über Vereinfachung des Steuerwesens, über die Senkung der Realsteuern, das Gesetz zur Sicherung des Haushalts in Ländern und Gemeinden und endlich den Entwurf eines Gesetzes über die Zuschläge zur Einkommensteuer im Haushaltsjahr 1931. an Braunschweig. Die Frage der Polizeizuschüsse. Reichskanzler Dr. Brüning richtete ein Telegramm an das braunschweigische Staatsministerium, in dem er wie folgt zu der Frage der Weiterzahlung der Polizeizuschüsse an Braunschweig Stellung nimmt: „Der Herr Reichsminister des Innern hat mir von dem Inhalt des Schreibens Kenntnis gegeben, das er am 21. d. M. an die braunschweigische Regierung gerichtet hat, und in dem er zum Ausdruck bringt, daß er sich die Entscheidung über die weitere Auszahlung der auf das Land Braunschweig entfallenden Zuschüsse zu den Polizeikosten zunächst vorbehalten müsse. Nachdem die Angelegenheit zum Gegenstand einer Aussprache innerhalb der Reichsregierung gemacht ist, beehre ich mich mitzuteilen, daß auch das Reichskabinett sich die endgültige Entscheidung vorbehält. Für die Regelung des Zwischenzustandes ist der Herr Reichsminister des Innern zuständig, der hierüber gleichzeitig besondere Nitteilung macht.“ Wie uns dazu vom Reichsinnenministerium mitgeteilt wird, ist eine Unterbrechung der Auszahlung der Polizeizuschüsse bisher nicht eingetreten. Die Zuschüsse für November sind gleichfalls bereits ausgezahlt worden. in Altona. Im Einzelfalle: von einem bis zu sieben Jahren.— Drei Freisprüche. — Altona, 1. November. In dem Prozeß wegen der Sprengstoffanschläge in Nordwestdeutschland wurde unter atemloser Spannung folgendes Urteil verkündet: Hofbesitzer Claus Heim erhält sieben Jahre Zuchthaus, Schriftsteller Volck gleichfalls sieben Jahre Zuchthaus, Kaufmann Nickels drei Jahre sechs Monate Gefäugnis, Kunstmaler Schmidt 5 Jahre 6 Monate Zuchthaus, Hofbesitzer Rathgen ein Jahr Zuchthaus, Johnsen 5 Jahre, 3 Monate Zuchthaus, Syndikus Weschke 50 M. Geldstrafe und 6 Monate Gefängnis, Hennings 5 Jahre, 3 Monate Zuchthaus, Bick 6 Jahre Zuchthaus, Luhmann 5 Jahre Zuchthaus, Becker 5 Jahre 3 Monate Zuchthaus, Weichensteller Mahnecke 1 Jahr Zuchthaus, Kaufmann Rieper 1 Jahr drei Monate Zuchthaus, Kraftwagenführer Wiborg 1 Jahr 3 Monate Gefängnis, Gastwirt Mattes 50 M. Geldstrafe, Landwirt Holländer 4 Monate Gefängnis, Landwirt Bossen 4 Monate und 14 Tage Gefängnis, Hamkens statt 2 Monate Gefänguis 500 Mark Geldstrafe. Freigesprochen wurden Schriftsteller v. Salomon, Frau Holländer und Rehling. In der Urteilsbegründung verwies Landgerichtsdirektor Dr. Zelenka darauf, daß die Angeklagten während der ganzen Dauer des Prozesses meist geschwiegen, wie sie ja auch in der Schlußsitzung des Gerichts auf das letzte Wort verzichtet hätten. Das Gericht sei sich bewußt gewesen, daß dies das gute Recht des Angeklagten sei und habe deshalb das Schweigen nicht als Geständnis der Schuld gewertet. Was die Protokolle der Voruntersuchung betreffe, habe das Gericht diese Akten von sich aus geprüft. Lokal= und Provinzialnachrichten. — Bielefeld. Kriegsgräberfürsorge. Am heutigen Sonntag wird allenthalben gesammelt für die Kriegsgräberfürsorge, die sich bemüht, die Stätten, wo in fremden Landen 1800000 deutsche Kämpfer ruhen, in Ordnung zu halten. Dazu werden Mittel gebraucht. Hilft jeder etwas durch eine freundliche Gabe, so kann etwas Gutes geleistet werden und denen, die sich um die edle Sache bemühen, wird ein Teil der Sorge abgenommen. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. 24 525 BETTFEDERN Zehntausend Dankschreiben beweisen unsere gute u. billige Bedienung. 1 Pfd. graue—.80 u..—, halbw..50, gr. Halbd..50 u..—, welß. Plaumrupf.80,.50, — Spezialilät.—, weil, handgeschl..80 u..50, Idaunenw..50 u..80, weißler Flaum.— und # 10.— Mk. Oberbetten 16.—, 26.50, 26.—. 31.—. Kissen:.50,.50,.50, 11.50, Unterbetten: 17.-, ∆ 19.—, 21.50,29.—. Muster und Preisl. umsonst. Von 9 Pfd. an franko geg. Nachn. Umtausch gestattet oder Geld zurück C Josef Chri.fl Nachf., Cham 315(b. Wald). Knob auchzwiebelsaft 70 Scheilver Stälienige ist ein hochwertiges Naturmittel und besitzt die Eigenschaft den erhöhten Blutdruck herabzusetzen, daher äußerst wirksam gegen Arterienverkalkung und Hämorrhoiden, gut gegen Magen= und Darmstörungen, Nieren=, Blasen=, Gallen= und Leberbeschwerden, Würmer, bei Zucker, Gicht, Rheumatismus und Asthma sehr zu empfehlen. 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