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Oktober 1930. 12. Jahrgang. Dentschiane und der Der Kirchlich=soziale Kongreß.— Zweiter Verhandlungstag. Ueber die Auseinandersetzung mit dem Bolschewismus stellte Pfr. Niemöller, Münster, das Pauluswort von der göttlichen Waffenrüstung im Kampf nicht mit Fleisch und Blut, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel (Eph. 6, 10—13). Prof. Auhagen, Berlin der sich seit 30 Jahren mit den russischen Verhältnissen beschäftigt und lange Jahre bei der Botschaft in Moskau tätig war, hatte es übernommen, über die wirtschaftliche und soziale Struktur des Bolschewismus zu referieren. Seine ca. 2 stündigen Ausführungen wurden mit größtem Interesse und manchmal auch starker Bewegung ausgenommen. Der Bolschewismus ist der in Rußland zur Macht gelangte Radikalismus, der in doktrinärem Fanatismus und blindwütigem Klassenhaß den Sozialismus, den Marxismus aufrichten will. Er ist revolutionär in jeder Hinsicht und wertet alle Werte um. Er ist nicht lediglich das Erzeugnis materialistischer Weltanschauung; denn auch sie kann mit hoher Sittlichkeit wohl verbunden sein. Auch der Bolschewismus ist der Idee nach ethischer Materialismus. Menschenleben galten auch unter christlicher Herrschaft in Rußland nicht viel. Die russische Volksart neigt zu grausigen Exzessen und zum extremen Doktrinarismus. Der Bolschewismus will die Kultur der breiten Masse, zugleich ihre materielle Wohlfahrt. Er hat manches Nützliche geschaffen. Das muß man auch bei seiner Ablehnung anerkennen. Aber heute zerstört er viel mehr, als er geschaffen hat, besonders durch den radikalen Kurs unter Stalin, seinem Terror und einer Staatskunst, die sich schamloser Lüge und Heuchelei bedient. Die Frage nach dem Gelingen oder Nichtgelingen bolschewistischer Wirtschaftspolitik ist wichtig für uns. Das wirtschaftliche Programm des Stalinkurs, der sogenannte Fünfjahresplan, strebt die Industrialisierung Rußlands an. Auch die Landwirtschaft soll eine Art Industrie werden. Industrialisierung ist für das russische Volk einfach notwendig wegen des gewaltigen Bevölkerungszuwachses. In die Wirtschaft soll ein Kapital von 78 Milliarden Rubel hineingeleitet werden, um die Produktion ungeheuerlich zu steigern. Die landwirtschaftliche Produktion z. B. soll auf 55 Proz. von 16,6 Proz. gebracht werden, der Reallohn soll sich um reichlich 70 Proz. verbessern durch Senkung der Produktionskosten. Man meint oft, das alles sei bloß Phantasie und Bluff. Diese Auffassung trifft nicht ganz zu. Politische Motive spielen sicher eine Rolle. Aber es wird von bolschewistischen Führern im Ernst an die Verwirklichung geglaubt. Die Durchführung im ersten Jahr ist quantitativ befriedigend, die Steigerung der Produktion war größer als geplant. Nur merkt die Masse des Volkes nicht viel davon, daß sie nun industrielle Waren oder sonstige Guter in größerem Umfange kaufen kann. Das zweite Jahr war ungünstiger. Aber im ganzen hat die industrielle Produktion doch stark zugenommen. Aber die große Mehrzahl der Betriebe arbeitet mit Defizit. Zu der zunehmenden Technisierung gehört eine wachsende qualifizierte Arbeiterschaft. Hier liegt ein besonders wunder Punkt. Die Arbeitsdisziplin läßt nach. Die Arbeitsleistung sollte bei der Unterstützung, die der Arbeiter doch durch die Maschine erfährt, um 25 Prozent sehoben werden, ist es aber nur um 12—13 Prozent. Darum ließen sich die Selbstkosten nicht verringern. Die Lualität der Erzeugnisse ist mangelhaft. Der Ausschuß ist um 33 Prozent gestiegen und was als vollwertige Ware hinausgeht ist immerhin noch jammervoll. Die großen neuen Werke sind dem Ehrgeiz entsprungen, sicht der rationellen Erwägung, man ging nicht vom Bedarf aus, sondern stellte sie hin und fragt dann, wie und wo die Erzeugnisse zu verwerten sind. Die Ausfuhr wird gesteigert, damit aber dem Volke Lebensmittel entöogen, um Valuta und ausländische Spezialisten hereindübekommen. Aber mag industriell vieles erreicht werden, der Plan steht und fällt mit der Agrarfrage. Nan versuchte nach dem Kriege hier zu sozialisieren und burch staatliche Kollektivbetriebe die Vorteile der Konsentration der Kräfte aufzuzeigen. Diese Politik schlug 891. Der bäuerliche Einzelbetrieb wurde wegen der zueimmenbrechenden russischen Wirtschaft wieder gestattet. Ladurch kam wieder eine soziale Differenzierung auf durch die Bildung einer bäuerlichen Oberschicht(Kulak). Sie bildete den wichtigen Pfeiler der Agrarpolitik. Larum wurde 1927 die Sozialisierung wieder beschlossen. Man schuf Staatsbetriebe, Getreidelatifundien, die von einer Zentrale aus bewirtschaftet wurden mit völliger Mechanisierung. Die Bauern suchte man zum sozialistischen Großbetrieb zusammenzuführen in der Bodenbearbeitungsgenossenschaft, die als solche ganz vernünftig sein kann, aber dann weiter auch in der Produktionsgemeinschaft und der landwirtschaftlichen Kommune, die auch die Lebensführung sozialisiert, die Familie auflöst, um den Gemeinschaftsmenschen zu schaffen. Das bedeutet aber ein entsetzliches, geistesarmes, monotones Leben. Das Ziel war die Proletarisierung des Bauern, der, wenn er einmal der Kommune angehört, ihr restlos verfallen ist. Durch unerhörte Abgaben raubte man den Bauern auf scheinbar legalem Wege ihren Besitz und im Januar 1930 kam dann der Befehl, das Kulakentum zu liquidieren. Das bedeutete grausamer Untergang. Der Referent entrollte erschütternde Bilder der damals stattgefundenen Bauerndeportationen(nach vorsichtiger Schätzung wurden 500 000 deportiert) mitten im kalten Winter, wo z. B. bei einer Deportation von den mitgeführten 6000 Kindern nur 6 am Leben blieben oder von 25000 Menschen nur 5000 wiederkamen während die andern durch Kälte und Hunger einfach zugrundegingen. Durch diese systematische Bauernvernichtung wurde aber die Frühjahrssaatkampagne gefährdet. Darum linderte man im Frühjahr die Maßnahmen. Das war aber nur ein Schachzug und nach Einbringung der Ernte geht der Kampf gegen die bodenständigen Bauern weiter. Das Getreideproblem ist in Rußland nicht gelöst entgegen allen Behauptungen. Der Viehstand ist durch die Mechanisierung zugrundegerichtet, es fehlt darum an Milch, Eiern, Butter. Die Arbeiter gehen aufs Land, es tritt Desorganisation vieler Industriezweige ein. Die Kohlengewinnung nimmt ab. Deutsche Bergarbeiter wurden geworben, sind aber teilweise schon wieder entsetzt zurückgekehrt wegen der trostlosen Lebensbedingungen. Das Transportwesen liegt danieder und die Zahl der Eisenbahnunfälle ist unglaublich hoch. Trotz dieser Defizitwirtschaft, trotz des sich ansammelnden Zündstoffes und der Sabotagestimmung der Bauern muß mit der Möglichkeit gerechnet werden, daß der Bolschewismus noch manches Jahr besteht. Aber auch in Rußland wird der Rätestaat weithin angesehen als trostloses Zuchthaus, in dem freies Denken, Reden und Handeln durch die furchbare Macht der Tscheka unterbunden ist. Die Religion soll als ein Unkraut vernichtet werden. Angesichts dieser Lage dürfen wir nicht schweigen um etwaiger guter wirtschaftlicher und politischer Beziehungen willen. Der geistige Kampf gegen den Bolschewismus ist das Wichtigste. Wir müssen uns wehren gegen seine Propaganda, aber auch gegen den Kultur= und Salonbolschewismus bei uns. Aber das Entscheidende ist, daß wir unser Christentum so von Gott reinigen lassen, daß daran die Macht des Antichristentums zerbrechen kann. Lang anhaltender Beifall dankte dem Referenten. Geheimrat Seeberg griff im Anschluß an den Vortrag noch einmal auf seine Ausführungen vom Tage vorher zurück. Die russische Sphinx gibt uns das Rätsel auf: Wer ist das Wesen, das ganz frei ist und nie ist als durch andere und nie wirkt als für andere. Es ist der soziale Mensch, und jeder Staat und jede ethische Anschauung rechnet mit der Realisierung dieses Menschenbildes. Radikalismus links und rechts ringt heute um diese Realisierung und lehnt jede Vermittlungstendenz ab. Das Ende des Bolschewismus ist Barbarentum, die Antwort der andern Seite auf das Problem der modernen Sphinx liegt noch nicht vor. Das ist ein weltgeschichtlicher Augenblick. Hier liegt die kirchlich=soziale Aufgabe, aus der Haltung des Glaubens und der Liebe heraus die christliche Botschaft zu sagen. Pastor Stratenwerth, Bethel, zeigte in der weiteren Aussprache die Stellung der Christenheit zum Bolschewismus. Es gibt kein hämisches Abwarten auf seinen Zusammenbruch, er ist eine geistige Bewegung. Er ist ein Kind deutschen Geistes(D. Fr. Strauß, Engels, Haeckel). Wer gegen ihn kämpfen will, muß frei sein von den Interessengesichtspunkten des eigenen Standes und der eignen Klasse, sonst fördert er ihn. Bolschewismus ist ein Glaube, der sich nur durch Glaube überwinden läßt. Nicht Angst um das Leben und Haß, nicht Klammern an gewisse Dogmen, nur Glaube, der weiß was er will und bereit ist zu sterben, wird siegen. Pastor Gustav von O Gott, laß deine Güt' und Liebe Mir immerdar vor Augen sein. Sie stärk' in mir die guten Triebe, Mein ganzes Leben dir zu weih'n; Sie tröste mich zur Zeit der Schmerzen, Sie leite mich zur Zeit des Glücks. Und sie besieg in meinem Herzen Die Furcht des letzten Augenblicks. mm Gottes Güte. Der Gottlose hat viel Plage. wer aber auf den Herrn hofft, den wird die Güte umfangen. Ps. 32, 10. Das ist nicht nur eine Warnung an die Gottlosen. Wer möchte gern gottlos sein? Selbst die, die gottlos leben, geben es nur ungern zu. Und wirklich, viele Gottlose erleben, daß wir Gott nicht so leicht los werden, wie wir denken. Er ist nun einmal unser Schöpfer, und das Bewußtsein davon stirbt nicht so leicht in unserem Inneren. Es gibt zuviel Wunder und Rätsel in eines jeden Menschen Lebensgang, als daß wir das Wort„Gott“ so einfach aus dem Wörterbuch unserer Lebenserfahrungen austilgen könnten. Gott macht es wie ein eifriger Vertreter, der immer einmal wieder bei seinem Kunden anruft, ob er nicht vielleicht seiner geschäftlichen Vermittlung für seinen Warenbezug bedürfe. Er meldet sich zu oft in unserem Leben und redet zu laut in eines jeden Menschen Gewissen. Die Menschen müssen sehr viel Kraft und Geld anwenden, um in Vergnügungen und Genüssen, Kunst und Literatur, Politik und Geschäft Gottes Stimme zu betäuben. Aber es gelingt den wenigsten Menschen, in ihrem„Gott=los=sein“ ganz zur Ruhe zu kommen. Es ist die härteste Plage des Gottlosen, daß er Gott nicht,— wie er so gern möchte— los wird. Aber merkwürdig: umgekehrt haben die, die vor Gott stehen, mit Gott leben, die in Christus seiner gewiß geworden sind, oft das Empfinden, sie seien Gott los, der Faden des Glaubens sei zerrissen. Die Wiederanknüpfung will nicht gelingen. Man sieht auf einmal ein, daß die Kette, die uns mit Gott verbindet, überaus zerbrechlich ist. Eine Sünde, eine Eigenwilligkeit im Leben, ein Sträuben gegen Gottes demütigende Hände— und es ist uns, als sei Gott in unendliche Fernen entwichen. Das ist die Plage des Gottlosen, die dann über den Christen kommt. Denn was das heißt, Gott los sein, weiß eigentlich nur der, der Gott einmal besaß. Das ist die eigentliche Strafe, die Gott auf jede Sünde gelegt hat, daß sie uns von Gott löst, oft auch von den Menschen. Diese bittere Plage erspart Gott seinen Kindern nicht. Sie sollen spüren, was es heißt: Gott los sein. Was ist da zu tun? Es nützt wenig, uns in das Gedächtnis zu rufen: so etwas darf eben nicht vorkommen. Uns hilft nur die köstliche Verheißung dieses Wortes: „sich von der Güte Gottes umfangen lassen". Das will nicht sagen: in seligen Gefühlen schwelgen; wohl aber: aufblicken aus der inneren Not und auf die Hilfe des Herrn warten. Der, der uns erlöst hat, uns bei unserem Namen gerufen, seinen eingeborenen Sohn uns zugute in diese Welt und in den Tod gab, läßt uns nicht fahren. Das heißt: so wie man da ist, sich in die Hände des Hirten bergen, der sich die Schafe auch dann noch nicht aus den Händen reißen läßt, wenn sie sich selbst los machen möchten. Die Krippe in Bethlehem, das Kreuz auf Golgatha, die Siegesfahne auf dem Grab des Gekreuzigten und dann Erhöhten sind die leuchtenden Spuren der alles umfangenden Güte Gottes in der Geschichte der Menschheit. Deshalb können wir leider gottlos sein, aber wir werden— Gott sei Lob und Dank!— nie Gott los, denn seine Güte läßt uns nicht los. Simon. Bodelschwingh u. a. wies hin auf die Schuld und Versäumnis der Christenheit und auf die uns bedrängende Heimatnot(nicht nur Wohnungsnot). Nach einem Schlußwort des Referenten ließ Frhr. von Heintze die Tagung des Kongresses ausklingen in den Dank für die reichhaltigen Tage und die Bitte um Einheit in der Gemeinschaft derer, die die sozialen Fragen nicht nur erörtern, sondern sie in ihrem tiefsten eschatologischen Ernst erkennen und auf sich wirken lassen. K. Kr. Ein Tile at Sich! Was vorgeht. Nun ist der neue Reichstag eröffnet. Daß sich das Ereignis ganz reibungslos vollziehen würde, damit hatte wohl niemand gerechnet. Unter dem Druck, unter dem zur Zeit das ganze politische und wirtschaftliche Leben steht, hätte es aber leicht zu schlimmeren Dingen kommen können, als es tatsächlich der Fall gewesen ist. Wenn die Wirtschaftsverhandlungen in der Berliner Industrie um Lohnverkürzung und Betriebseinschränkung zugleich mit der Eröffnung dieses neuen Reichstages zusammensielen, war Grund genug zu schlimmen Befürchtungen vorhanden. Die erste Periode ist vorüber. Im Reichstag selbst ging es verhältnismäßig ruhig zu. Daß eine Partei, die durch die Wahl die Zahl ihrer Abgeordneten um fast 100 vermehrt hat, bei einem solchen Ereignis stark auffällt, ist nichts besonderes. Die erste Sitzung, der der Zentrumsabgeordnete Herold als ältestes Mitglied des Reichstages präsidierte, konnte ziemlich programmäßig zu Ende geführt werden. Geschäftsordnungsmäßig hätte in der zweiten Sitzung am Mittwoch ein Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion als der größten Partei zum Präsidenten gewählt werden müssen. Von der Nationalsozialistischen Partei konnte aber nach ihrer ganzen Einstellung im politischen Kampf nicht erwartet werden, daß sie ohne weiteres Rücksicht auf die bestehende Geschäftsordnung nahm. Und so ist es dann auch bei der Präsidentenwahl zu einem Wahlkampf gekommen, der einzelnen Parteien Gelegenheit gab, ohne sich selbst zu schaden, einer anderen Partei, die nicht gerade geliebt, die aber unter Umständen einmal gebraucht wird, um irgend ein politisches Geschäft zu machen, ein Kompliment zu machen. Das Ergebnis der Wahl war, daß der bisherige Präsident, der Sozialist Paul Löbe, wiedergewählt wurde. Die Fraktion des Christlich=sozialen Volksdienstes hatte durch den Abgeordneten Rippel eine Erklärung abgeben lassen mit folgendem Wortlaut: „Wir Abgeordnete des Christlich=Sozialen Volksdienstes sind mit einem großen Teil des Reichstages der Auffassung, daß das Ergebnis der Wahl vom 14. September eine Verschiebung der Machtverhältnisse nach rechts bedeutet, und daß diese Tatsache bei der Zusammensetzung und dem Kurs der Regierung beachtet werden muß. Wir sind aber der Meinung. daß die Zusammensetzung des Vorstandes und auch des Präsidiums des Reichstages durch die gegenwärtige noch gültige Geschäftsordnung nach§§ 8 und 9 zu regeln ist. Wir bedauern, daß die Zusammensetzung des Präsidiums, die nach vieljähriger Uebung nach der Starke der Fraktion getätigt worden ist, zu einer parteipolitischen Machtfrage gestempelt werden soll. Unsere rein sachliche Einstellung gebietet uns daher, in dieser mehr geschäftsordnungsmäßigen als politischen Frage uns an Wort und Sinn der Geschäftsordnung zu halten. Auch wenn die weltanschauliche und politische Einstellung des zur Wahl Vorgeschlagenen von uns abgelehnt wird, zeigen wir doch dem Gesetz Gerechtigkeit und Billigkeit.“ Zu diesem Vorgang äußert sich jetzt schon einer unserer Leser und Wähler des Christlichen Volksdienstes. Wir lassen die Zuschrift gleich hier folgen: „Mit tiefem Schmerze ersehe ich aus der heutigen Zeitung, daß die Abgeordneten des christlich=sozialen Volksdienstes bei der gestrigen Wahl des 1. Präsidenten für den Reichstag dem Sozialdemokraten Löbe ihre Stimme gegeben haben. Die von dem Abgeordneten Herrn Rippel verlesene Erklärung, welche diese Haltung rechtfertigen soll, wird keinen der Wähler befriedigen, im Gegenteil, sie wirkt wie eine Brüskierung der eigenen Wähler, welche sich bestimmt zum allergrößten Teil aus kirchlich eingestellten Menschen zusammensetzt. Es wäre nicht mehr als„recht und billig“ für die Abgeordneten gewesen, zu bedenken, aus welcher Einstellung ihrer Wähler sie zu Abgeordneten gewählt worden sind! Dieser Schritt, welchen die Herren taten, ist einfach unfaßlich. Die christlich= sozialen Volksdienst=Vertreter geben ihre Stimme für den Vertreter des Marxismusses, welcher in den Sozialdemokraten seinen schärfsten Vertreter und Christentumsfeind hat. Die Person des Herrn Löbe wäre vielleicht noch gegangen, wenn der Genannte nicht am vorigen Sonntag im Lustgarten so unglaublich die Masseninstinkte schürend, sich hervorgetan hätte! Neues vom Remisee. Eine Stunde Eisenbahnfahrt vor den Toren Roms liegt im Albanergebirge in seiner Weltabgeschiedenheit der Nemisee, wie viele andere Seen seiner Umgebung vulkanischen Ursprungs, ein altes Kraterbecken. Seine Weltabgeschiedenheit ist allerdings sehr im Schwinden begriffen. Seit zwei Jahren ist der See bei Gelehrten und Reisenden eine Berühmtheit geworden, machte man sich doch damals daran, unter starker Förderung Mussolinis, die beiden auf dem Grunde des Sees ruhenden Prunkschiffe des Kaisers Caligula(37—41 n. Chr.) ans Tageslicht zu fördern. Durch gewaltige Pumpen, die mehr als 1½ Jahre Tag und Nacht arbeiteten, gelang es, den Spiegel des Sees um zirka 12 Meter zu senken, so daß nunmehr das eine der beiden Schiffe auf dem Trokkenen liegt. Im Mai dieses Jahres konnte ich dieses gewaltige Bauwerk längst vergangener Tage besichtigen. Es handelt sich nicht um eine Triere, sondern um ein Prunkschiff, einen schwimmenden Palast mit Loggien, Speisesälen, Schlafgemächern, Kapellen für den Götterkult, Nymphäen, hängenden Gärten, über und über mit Marmor, schimmernden Metallen, Elfenbein, Schildkrötenplatten, duftenden Holzarten geschmückt. Dazu köstliche Mosaikfußböden und goldgestickte Gewebe als Wandschmuck. Auf diesem Prunkschiff suchte der zerrüttete Kaiser Ruhe vor der unruhigen Großstadt. Offenbar haben beide Schiffe nicht lange geschwommen, sondern sind bold nach des Kaisers Tode zerfallen, sind scheinbar in sinkendem Zustand noch ans Ufer geschleppt und alsbald ihrer Kostbarkeiten größtenteils beraubt worden. So ist die heutige Ausbeute hinter den gehegten Erwartungen zurückgeblieben, woraus wohl zu erklären ist, daß man vorläufig auf die Trockenlegung des zweiten Schifses verzichtet, für die eine weitere kostspielige Senkung Die Ereignisse der letzten Wochen haben deutlicher als alles andere gezeigt, wie dringend not dem deutschen Christenvolke eine Tageszeitung tut, die keinerlei Interessen dient und frei von jeder parteipolitischen Bindung ist. Das ist auch immer wieder in ungezählten Zuschriften zum Ausdruck gekommen, wenn irgendwo die Vermutung laut wurde, daß der„Aufwärts“ seine überparteiliche Einstellung aufzugeben und sich parteipolitisch festzulegen gedenke. Schon die wenigen Wochen nach der Reichstagswahl haben bewiesen, daß die Aufgabe, die der „Aufwärts“— gerade auch durch seine Unparteilichkeit— ehrlich zu erfüllen sucht, eine so brennende ist, daß es nicht mehr als Christenpflicht ist, sich auch weiter zu ihr zu bekennen. Ganz gewiß wäre es leichter und bequemer, Echo und Bote einer bestimmten Partei zu sein. Und niemand wird zweifeln, daß die Leitung eines unparteilichen Blattes in einer politisch so leidenschaftlich erregten Zeit wie heute ein recht dornenvolles Unterfangen ist. Aber wir scheuen uns nicht, unseren schweren Weg weiterzugehen — und wir tun es mit viel Dank und Freude, da wir uns mit unserer Lesergemeinde so überaus warm und herzlich verbunden wissen. Das hat nicht nur der letzte Sommer gezeigt, der unsere Leserzahl weit über den früheren Vergleichszahlen gehalten hat, sondern das geht auch immer wieder aus oft geradezu erschütternden Briefen aus der Leserschar hervor, wie wir nachstehend einen zum Abdruck bringen. „Werte Schriftleitung! Als alter warmer Freund des„Aufwärts“ und als christlicher Arbeiter fühle ich mich bei meinem Gewissen verpflichtet, dem„Aufwärts“ bei seinem Kampf gegen die Not unseres Volkes mitzuhelfen. Nicht mit Geld und Gut, dazu fehlen meinem Bruder und mir leider die Mittel. Doch wo wir können, empfehlen wir den„Aufwärts“. Es ist mir immer eine große Freude, den„Aufwärts“ zu lesen. Wie oft bin ich durch ihn erquickt und getröstet worden! Und das tat mir not. Denn nach glücklicher Heimkehr aus dem Weltkriege wurde ich magenkrank. Ich wurde operiert. Aber die Operation ging fehl. Nun siechte ich jahrelang dahin. Mir sagte einmal ein Arbeitskollege auf der Fabrik— ein Freidenker, aber sonst ein Die bürgerliche Einstellung der Wähler des christlich=sozialen Volksdienstes verlangt, daß dieser Einstellung von den Abgeordneten Rechnung getragen wird. Der gestrige Schritt war der erste zur Vernichtung des mühsam Gesammelten. Noch einige solche Entscheidungen, und der christlich=soziale Volksdienst wird wieder aus dem Reichstage verschwinden, denn die Wähler werden sich sagen und die Empfindung haben: Auch diese Sammlung hält nicht das, was sie verspricht:„Christlich=sozial!“ In der Wahlagitation haben die Vertreter des Christlichen Volksdienstes keinen Zweifel gelassen, daß sie gerade in solchen Angelegenheiten, wie die vorliegende der Präsidentenwahl, sich nicht scheuen würden, von den üblichen, von Fraktions= und Parteizwang diktierten Wegen abzuweichen. Bei ruhiger Beurteilung des Vorganges kann man doch auch noch zu einer anderen Auffassung kommen, als sie der Aufwärtsleser hier zum Ausdruck bringt. des Sees notwendig wäre. Trotzdem sind die Bronzen, die man fand, auserwählte Kunstwerke: Ein Wolfskopf mit Ankerring. Löwen= und Pantherhaupt, Medusenantlitz usw. Das Schiff liegt als gewaltiges Holzgerippe im Uferschlamm, und wir bestaunen die mächtigen Fichtenund Tannenstämme mit ihrer Metallbekleidung, deren Gefüge noch heute von riesigen Nägeln zusammengehalten wird. Schon im Mai erzählte mir ein Aufseher, daß man die Absicht habe, nunmehr das Schiff einige Hundert Meter fortzubewegen, um es in einer Art Museumshalle bergen und aufstellen zu können. Diese gigantische Arbeit hat nun am 5. Oktober begonnen. Darüber entnehmen wir dem„Popolo'Italia“ folgende Schilderung: Die Arbeiten am Nemisee begannen im Oktober 1928. Nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit hat das Kaiserschiff gestern seine Reise nach seinem endgültigen Aufstellungsort angetreten. Das Unternehmen, das Schiff trocken zu legen und von jedem Hindernis zu befreien, war denkbar schwierig. Nach der Befreiung des Schifses vom Schlamm mußte man ihm ein provisorisches Asyl geben in einer Halle, die vom Luftschiffahrtsminister zur Verfügung gestellt wurde. Um nun das Schiff im NemiMuseum unterbringen zu können, ergab sich die Notwendigkeit, es um mindestens 300 Meter von seinem Liegeort fortzubewegen. Man konstruierte also um den Schiffsrumpf ein Holzgestell, das nebenbei auch dazu diente, dem Schiff seine ursprünglichen Linien wiederzugeben. Unter dieses Holzgestell montierte man ein Fahrgerüst aus schweren Eisenbalken, das etwas breiter als das Schiff ist und mit kleinen, kräftigen Rädern auf einem doppelten Gleis läuft. Gleichzeitig setzte man die gradlinige Wegstrecke von etwa 300 Meter instand, die der gewaltige Apparat mit seiner kostbaren Last durchlaufen muß. Vorgestern brachte man die mächtigen aufrichtiger Mensch—„Freund, warum mußt du al. gläubiger Christ nun so viel leiden?“ Ich sagte, das sei Gottes Schule. Er aber schüttelte den Kopf und verstang mich nicht. Meine Schmerzen waren schließlich so uner, träglich, daß ich mich zu einer zweiten Operation ent. schloß, nachdem ich vorher wegen meines Krankseins aus der Fabrik entlassen worden war. Es wurde ein ganzer Teil meines Magens entfernt. Tagelang konnte ich vor Schmerzen nicht schlafen. Und abermals redete Gott mit mir. Und er tröstete mich, daß ich erfrischenden Schlaf fand. Dann aber stellte sich schmerzhafter Husten und hohes Fieber ein. Lungengrippe! Ich bekam zweima einen Blutsturz! Der Arzt offenbarte mir:„Sie müssen sich noch einmal operieren lassen. Wir müssen Ihnen drei Rippen fortnehmen, damit wir die eiternde Lunge säu, bern können!“— Nachdem ich es mit Gott beraten hatte. entschloß ich mich zu der schweren Operation. Die Opera, tion wurde bei vollem Verstand vorgenommen. Wochenlang schwebte ich dicht am Rande des Grabes. Dennoch genas ich wieder! Gottes starke Hand hielt mich. Als ich dann nach langen Monaten endlich wieder aufstehen durfte und matt und gebückt einherschlich, fragte ich mich in meinem Herzen:„Was willst du nun anfangen als Krüppel?“— Ich dachte doch nicht daran, daß ich jemals wieder meiner Fabrikarbeit nachgehen könnte. Da wollte ich verzagen. Aber Gott half mir weiter. Was ich nicht geglaubt hatte: ich konnte nach zwei Jahren wieder in meinem Berufe arbeiten. Treue Freunde hatten meiner gedacht und mir geholfen. Aber nun bin ich wieder seit sieben Monaten erwerbslos. Aber Dir, lieber Aufwärts, schicke ich ein kleines Scherflein mit(1,50 RM in Briefmarken), damit Du weiter wie bisher schreiben kannst, so werden wir dir treu bleiben. Mein Bruder und ich grüßen Dich herzlich. F5# Soweit ein hartgeprüfter Arbeitsloser. Und dus— Ueber die Vorgänge, welche sich während der Reigtagseröffnung vor dem Reichstagsgebäude und in den Berliner Straßen abspielten, haben auch die Verhandlungen und Urteile des Schnellgerichtes keine volle Klarheit bringen können. Liest man die Berichte in den Blättern der Linken, so merkt man, mit welchem Geschick die Dinge so dargestellt werden, als bestände kein Zweifel, daß die Radaumacher und Fenstereinwerfer nur Nationalsozialisten gewesen seien. Nötigen aber dann inzwischen erfolgte Aufklärungen zu einem Rückzug, dann geschieht das in so versteckter Form, daß nur der aufmerksame Leser die Sache merkt. Nach den Berichten der Nationalsozialisten sollen die Verhafteten und Verurteilten, soweit sie wirklich zu den Nationalsozialisten gehören oder ihnen nahestehen, am Reichstagsgebäude verhaftet worden sein und nicht in den Straßen, wo die Fenster eingeworfen wurden. Bei der Verrohung, in die der politische Kampf immer mehr ausartet, kann man es Stahltrossen von 550 Millimeter Schnittlinie an der Basis des Fahrgestelles an. Gestern begann nun tatsächlich das Schiff, sich zu bewegen. Der Minister der öffentlichen Arbeiten wollle selbst dem glückverheißenden Anfang dieser Schiffsbewegung beiwohnen. Kaum war er angelangt, da setzte man die elektrische Winde in Bewegung, die in etwa 80 Meter Entfernung aufgestellt war. Alsbald sah man, wie die Stahltaue sich strammten und wie die mächtige Holz= und Eisenmasse von 300 Tonnen sich sanft einige Zentimetel von der Stelle bewegte. Heute macht sich die Bewegung des Kaiserschiffes noch kaum bemerkbar; 40 Tage wer den etwa nötig sein, um es im Museum unterbringen“ können.“ W. Die Ostasienmission in Heidelberg. Mit den nun schon zur schönen Sitte gewordenen Gottesdiensten in= und außerhalb der Feststadt beganne“ die Ostasienmissionstage in Heidelberg am 28. Septen ber. In den Hauptkirchen der Stadt predigten die rr“ ter des Werkes, so in der Providenzkirche Professor b. Dr. Witte. Dort kam auch die Oberkirchenbehörde durch Oberkirchenrat D. Rapp grüßend zu Wort, die außerden noch durch Oberkirchenrat D. Schulz vertreten war. Einenicht minder guten Besuches erfreute sich dann die tägliche Abendfeier in dem großen Stadthallesaal. sprach unser Landsmann Dr. Seufert, Pfarrer und Vi sionar in Tsingtau, über Umsturz und Aufbau in Ch#n im Lichte christlicher Missionsarbeit. An packenden*“ lebnissen stellte er das alte vergangene und das neue China einander gegenüber. D. Witte zeigte enge Verflochtenheit des fernen Ostens mit uns. Meiste Dr. Poppen stellte die vereinigten Kirchenchöre Groß=Heidelberg mit ihrem schönen Können in Dienst der Sache. Eines anderen Künstlers Hände“ ten die Orgel. Kirchenrat Dekan Schlier grüßte name“ arum mußt du als Ich sagte, das sei Kopf und verstand schließlich so uneriten Operation entnes Krankseins aus s wurde ein ganzer lang konnte ich vor als redete Gott mit erfrischenden Schlaf zhafter Husten und sch bekam zweimal e mir:„Sie müssen e müssen Ihnen drei eiternde Lunge säuGott beraten hatte, eration. Die Operazenommen. Wochen's Grabes. Dennoch d hielt mich. i e n d l i c h w i e d e r a u f einherschlich, fragte llst du nun anfangen ht daran, daß ich jeichgehen könnte. Da mir weiter. Was ich h zwei Jahren wieeue Freunde hatten n Monaten erwerbssicke ich ein kleines ken), damit Du weiwerden wir dir treu h herzlich. loser. Und du?— während der Reichsebäude und in den auch die Verhandrichtes keine volle die Berichte in den mit welchem Geschick bestände kein Zweiereinwerfer nur igen aber dann ininem Rückzug, dann i, daß nur der aufNach den Berichten erhafteten und Veri Nationalsozialisten i R e i c h s t a g s g e b ä u d e den Straßen, wo die r Verrohung, in die sartet, kann man es mnittlinie an der Baas Schiff, sich zu besen Arbeiten wollte dieser Schiffsbeweelangt, da setzte man die in etwa 80 Meald sah man, wie die mächtige Holz= und ft einige Zentimeter st sich die Bewegung kbar; 40 Tage wertum unterbringen zu W. B. Heidelberg. Sitte gewordenen r Feststadt begannen 1rg am 28. Septemst predigten die Leizkirche Professor D. kirchenbehörde durch Wort, die außerdem vertreten war. Eines sich dann die sonnStadthallesaal. Es t, Pfarrer und Misid Aufbau in China An packenden ie und das werdende O. Witte zeigte die ns mit uns. Meister n Kirchenchöre von m Können in den instlers Hände spielhlier grüßte namene auch für möglich halten, daß die Darstellung der Nationalsozialisten stimmt, nach der ihre Gegner die Sache s0 aufgezogen haben sollen, daß der Verdacht der Täterschaft auf Nationalsozialisten fallen sollte. Wenn ausschließlich die Fenster jüdischer Geschäfte eingeworfen murden, muß doch der Verdacht auf die nationalsozialistischen Antisemiten fallen. In den Kreisen, die zur Zeit die Macht haben, herrscht sehr starker Widerwille gegen die Nationalsozialisten. Das zeigt sich bei mancherlei Gelegenheiten. Es wäre schlimm, wenn sich die Gegensätze noch weiter verschärften. Das wird aber der Fall sein, wenn es nicht dazu kommt, daß die Nationalsozialisten zur Mitarbeit bereit sind oder wenn es den jetzigen Nachthabern nicht gelingt, eine Politik zu machen, die das Vertrauen des Volkes gewinnt und die zeigt, daß es tatsächlich geht ohne ein radikales Auftreten, wie es von seiten der nationalsozialistischen Kreise geschieht. Als am vorigen Freitag in Trier die Befreiungsfeierlichkeiten mit dem Besuch des Herrn Reichspräsidenten Hindenburg stattfanden, hörten wir durch den Rundfunk die bei der Feier gehaltenen Reden. Es war eine Freude, die volltönende, klare Stimme des Reichspräsidenten von der Hoffnung sprechen zu hören, daß es Deutschland doch wieder gelingen werde, sich aus den es einschlingenden Fesseln zu befreien. Als er aber dann davon sprach, daß wir dazu die volle Einigkeit des deutschen Volkes brauchten, da schien es, als sei der Reichspräsident so bewegt, daß er einen Augenblick nicht weiter sprechen konnte. Da liegt unsere größte Not, daß sich das deutsche Volk nicht einig ist in der Auffassung von den nationalen Notwendigkeiten, die die Voraussetzung sind für die Forderungen, die die Befreiung Deutschlands zum Ziel haben müssen. Und es klangen doch auch aus den Reden des Trierer Oberbürgermeisters Weitz und des Regierungspräsidenten, die doch wohl sicher keine Anhänger rechtsradikaler Gruppen sind, die gleichen Behauptungen von Versailler Unrecht und französischer Macht und Willkür, und die gleichen Forderungen nationaler Notwendigkeiten, wie sie von den nationalistischen deutschen Volksgruppen im öffentlichen politischen Kampf bisher nur erhoben wurden. Das kann ein Zeichen dafür sein, daß eine neue, starke, nationale Volksbewegung und Volksmeinung am Werden ist, die die Ursachen unserer Not da sieht, wo sie wirklich zu suchen sind, in dem inneren Zerfall des deutschen Volksgeistes, der erst den Feinden den Mut und die Möglichkeit gab, die Ketten um das deutsche Volk und um die deutsche Wirtschaft und Beoegungsfreiheit zu schmieden und schließlich alle Körperund Seelenkräfte lahm zu legen. „In Preußen sollen die klaren und ruhigen Verhältnisse bleiben, mit diesem Satz begründete die preußische Zentrumsfraktion ihren Beschluß, an der bisherigen Politik in Preußen festzuhalten und einer Auflösung des Landtages nicht zuzustimmen. Geheimrat Hugenberg, die Deutschnationalen, die Nationalsozialisten und auch viele Wähler anderer Parteien sind aber der Meinung, daß auch da ein Bruch mit der bisherigen Politik und mit der bestehenden Regierungskoalition notwendig sei, wenn im Reich eine einheitlichere, politisch wirksamere Front zustande kommen soll. Die Trierer und auch die Aachener Reden, die Reichstagswahl und die Wirkung, die die letztere auf die politische Stimmung im Auslande gehabt hat, deuten aber darauf hin, daß ziemlich allgemein die Meinung herrscht, daß die Politik, die ihre Grundlage in einer Parteienkoalition hatte, wie sie setzt noch in Preußen besteht, eine recht unfruchtbare Politik gewesen ist. Nun ist es sicher, daß das Zentrum von seinem Zentrumsstandpunkte aus mancherlei Gründe hat, so lange als möglich an einer Koalition festzuhalten, die ihm die Erfüllung so vieler Wünsche ermöglichte. Wir wollen jetzt nicht eingehen auf Dinge, die für alle die, welche mit preußischer Geschichte, Hohenzollernscher und Bismarckscher Politik verwachsen waren, so überaus schmerzlich sind. Aber wir sind der Meinung, daß der Gemeinde. Ebenfalls einer langgeübten Sitte entsprechend fanden an den beiden folgenden Tagen Missionslehrgänge in dem schönen Lutherhaus statt. Sie waren aber so stark besucht wie noch nie. Am ersten Tag mußte man im großen Saal bleiben, der völlig besetzt ward. Nach einer Andacht von Kirchenrat Schlier und dem Gruß der theol. Fakultät durch Prof. Odenwald hörten wir D. Witte über die heutigen Fragen und Aussichten der Weltmission sprechen, hernach Dr. Seufert über die geistigen Strömungen in China und zum Schluß unsern jungen Missionsarzt Dr, Hansel über seine Erlebnisse in der Chinesenstadt Tsiningschow. Am Abend war der große Lutherhaussaal wieder gefüllt u. zw. von der Heidelberger Jugend, der Pfarrer Marbach in Bern einen Lichtbilderabend über die ostasiatische Jugend hielt. Daneben tagte der Badische Landesverein zur Jahresbekatung unter Leitung von Stadtpfarrer John aus delberg=Rohrbach. Auch diese Beratung war besser besicht als seit langem. Der zweite Vortragstag brachte nach einer Andacht von Pfarrer John die Darstellung des Legenwärtigen Geisteskampfes in Japan durch Miss.=Inpektor Pfarrer Devaranne in Charlottenburg, eine einsehende Schilderung der Missionsarbeit in der Schule durch Pfarrer Dr. Seufert. Und zuletzt eine prächtige Schilderung unserer japanischen und chinesischen Mitardeiter durch Pfarrer Marbach. Den Rest der Tagung bildeten Beratungen des Zentralvorstandes und die geschaftliche Hauptversammlung. In ihr wurde u. a. Habicht, Pfarrer in Berlin, wieder zum Vorsitzenden der Ostasienmission gewählt, Dr. Hansel aus Tsiningschow nach Tsingtau versetzt, der frühere Ostasienmissionar Pfarrer Schröter zum Ehrenmitglied des Zentralvorstandes ernannt und schließlich unserm Landsmann dr. Seufert die Festgabe für die Schulerweiterung in Zuugtau in der Höhe von 8300 RM überreicht. Pfarrer Sebaranne und Prof. D. Witte besprachen zum Schluß die Missionsverhältnisse in China und Japan. die Erfahrungen der letzten zwölf Jahre und die augenblickliche Lage die Feinde deutschen Wesens und deutscher Zukunft in etwas anderer Richtung sehen lassen und es könnte angenommen werden, daß die Güter, die nun noch zu retten und zu verteidigen sind, nur gerettet und verteidigt werden müßten von einer Front derer, die meinten, innerhalb der Grenzen des gemeinsamen großen Vaterlandes in zwei verschiedenen konfessionellen Fronten stehen zu müssen. Daran mag unser greiser Reichspräsident gedacht haben, als ihm in Trier für einen Augenblick die Stimme vor innerster Bewegung versagte. Die Präsidentenwahl für den Reichstag hat nun das Ergebnis gehabt, daß als erster Präsident der Sozialdemokrat Löbe, als zweiter der Nationalsozialist Stöhr, als dritter der Zentrumsmann Esser, als vierter der Deutschnationale Graef gewählt wurde. Abgesehen davon, daß geschäftsordnungsmäßig ein Sozialdemokrat erster Präsident werden mußte, war Herr Löbe tatsächlich auch der, für den die Regierung Brüning eintrat, obgleich Löbe kurz vor der Wahl eine viel beachtete Rede gegen die Regierung Brüning hielt. Der Regierung Brüning aber muß an der Durchbringung ihres Notprogrammes liegen und so kann angenommen werden, daß durch den Ausgang der Präsidentenwahl die Aussichten für die Pläne der Regierung günstiger geworden sind. In der Donnerstagsitzung des Reichstages hat der Reichskanzler Dr. Brüning das Programm der Regierung bekannt gegeben. über Einzelheiten wird in nächster Zeit hier noch manches gesagt werden. Welche Wirkungen die Preissenkungsaktion hat, die nach der Regierungserklärung vorläufig das Hauptziel ist, muß sich bald zeigen. Der Lohnsenkungsaktion stehen jedenfalls die Arbeiterorganisationen noch sehr abweisend gegenüber. Von einer günstigen Entwicklung auf diesen Gebieten wird es abhängen, ob die Gewinnung der Sozialdemokratie für die Regierungsmaßnahmen Durchführung derselben ermöglicht. Höchstes Ziel der deutschen Innen= und Außenpolitik soll nach der Regierungserklärung die Erringung der nationalen Freiheit und der Weg zur Verfolgung dieses Ziels soll wie bisher der Weg des Friedens sein. Eine Politik, der Abenteuer lehnt die Regierung ab. Den Weg des Friedens wird jeder Deutsche gern mitgehen. Daß es aber ein Weg ohne Kampf sein wird, daran wird doch wohl auch in der Regierung niemand mehr glauben. Und wenn die Regierung dem Rechnung trägt, wird sie den Abenteurern am ersten den Wind aus den Segeln nehmen. Es muß sich nun zeigen, ob die Hinweise des Reichskanzlers auf die Nichtinnehaltung der von den Gegnern gegebenen Versprechen dort Eindruck genug macht, um eine gerechtere Lage herbeizuführen. Ob nicht doch das Wahlergebnis vom 14. September da wirksamer war? Kr. zunn Artengrsti). Die R. S. D. A. P. fordert Enteignung des Bank= und Börsenkapitals. Erste und zweite Lesung.— Beschleunigte Liquidations= entschädigung.— Nationalsozialistisch=kommunistische Rede=Kämpfe. — Berlin, den 17. Oktober 1930. Der erste Teil der heutigen Reichstagssitzung galt der Beratung des Schuldentilgungsgesetzes, nach dessen Verabschiedung das Reich den Ueberbrükkungskredit von rund 500 Millionen Mark in Anspruch nehmen kann. Unter Ablehnung der dazu vorliegenden nationalsozialistischen und deutschnationalen Aenderungsanträge wurde das Schuldentilgungsgesetz in erster und zweiter Lesung erledigt und danach dem Haushaltsausschuß zur Vorbereitung der dritten Lesung überwiesen. Auf Vorschlag des Abgeordneten von Lindeiner wurde ein von den Volkskonservativen eingebrachter Gesetzentwurf auf die Tagesordnung gesetzt, der die Entschädigungen auf Grund des deutsch=polnischen Liquidationsabkommen sofort durchführen will. Die Vorlage wurde in allen drei Lesungen einstimmig und damit endgültig angenommen. Die Schuldentilgungs=Debatte eröffnete Abg. Neubauer(Komm.). Als er den Nationalsozialisten Dr. Feder beschuldigte, 1923 vor den Unruhen in München Kapital in das Ausland gebracht zu haben, kam es zu außerordentlich heftigen Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten. Dr. Feder rief dem Kommunisten zu:„Das ist eine Unverschämtheit!“ Präsident Löbe konnte nur mit Mühe die Ruhe wiederherstellen. Abg. Feder(Nat.=Soz.), der dann das Wort nahm, wies nochmals den kommunistischen Vorwurf als unwahr zurück und wandte sich dann gegen das Schuldentilgungsgesetz, das er ein„Gesetz zur Erhöhung der Schulden“ nannte. Aehnlich wie bei der ersten Kreuger=Anleihe stehe auch hier sicherlich im Hintergrunde der Auslands=Anleihe die Ueberlassung eines deutschen Monopols an das Ausland. Die deutschen Finanzen würden durch die neue Anleihe auch nicht saniert. Es werde nur ein Loch mit dem andern zugestopft, das sei die ganze Regierungskunst. Die wirklich deutschen Parteien müßten diese Vorlage ablehnen und mit der Vorlage müsse auch die Regierung verschwinden, denn ihre Uhr sei abgelaufen.(Lebh. Beifall b. d. Nat.) Abg. Dr. Quaatz(Dntl.) stimmte dem Vorredner in der Verurteilung der Vorlage zu. Der Finanzminister hat von deutschen Banken nicht das Geld bekommen, das er brauchte, das ist ein Sturmsignal erster Ordnung. Die deutschen Banken waren dazu nicht in der Lage. Die Regierung kann doch selbst nicht glauben, daß durch die vorliegende Anleihe die Finanzen in Ordnung gebracht werden. Es geht eben nicht, den deutschen Lebensstandard aufrecht zu erhalten und gleichzeitig aus den Mitteln des verarmten deutschen Volkes den riesigsten Militarismus zu finanzieren, den die Welt je gesehen hat, den französischen. Der französische Kriegsminister kann sich einen Sonderfonds von —7 Milliarden anlegen aus den Mitteln, die in Deutschland den Beamten und Arbeitnehmern vom Gehalt und Lohn abgezogen werden.(Lebh. Zustimmung rechts.) 1 Die Parteien zur Kanzlerrede. Die Debatte über die Regierungserklärung, die den Reichstag nach der Erledigung des Schuldentilgungsgesetzes in Anspruch nahm, eröffnete der frühere Reichskanzler Hermann Müller, der Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion. Da fast alle Redner ihre Redezeit von zwei Stunden voll ausnutzten, ist kaum damit zu rechnen, daß die Abstimmungen noch am Sonnabend durchgeführt werden können. Zu Beginn der Rede Hermann Müllers verließen die Nationalsozialisten größtenteils demonstrativ den Saal. Trotzdem kreuzten beide Parteien die Klingen. Insbesondere, als der erste Vizepräsident, der nationalsozialistische Abgeordnete Stöhr, erstmals die Verhandlungsleitung übernahm und seinem Parteifreund Strasser das Wort erteilte. Auf die Bemerkung des Abgeordneten Müller, die Nationalsozialisten hätten ihre Wirtschaftstheorie„dem 3. Buch Mosis, Kapitel 25“ entnommen, erklärte Abg. Strasser unter Heiterkeit des Hauses, Moses sei ein großer Gesetzgeber gewesen, und wenn er strenge Maßnahmen gegen den Wucher getroffen habe, ergebe sich daraus, daß die Juden schon damals so gewesen seien als heute. Abg. Müller=Franken erklärte im V erlauf seiner Rede, die vorliegenden Mißtrauensanträge seien eigentlich überflüssig, denn dieder nunmehr die Rednertribüne bestieg, wies die Vorwürfe der Vorredner zurück und gab dann eine Uebersicht über die auf 1,213 Milliarden Mark angelaufene schwebende Schuld. Während der Ausführungen dis Ministers machten die Nationalsozialisten fortwährend Zwischenrufe, die immer heftiger wurden und zum Schluß den Minister fast unverständlich machten. Im einzelnen führte der Minister noch aus: Die große Belastung durch die gesteigerte Arbeitslosigkeit habe eine Verminderung dieser Schulden verhindert. Mit den für die Arbeitslosenunterstützung vorgesehenen Mitteln komme man nicht aus. Es seien 300 Millionen mehr erforderlich. Die finanzielle Lage werde unter diesen Umständen am 1. April 1931 die gleiche sein wie am 1. April 1930. Mit der in dem vorliegenden Gesetz enthaltenen Anleihe werde es gelingen, den Etat zu balanzieren und die schwebende Schuld abzudecken. Reichsfinanzminister Dietrich erklärte dann mit erhobener Stimme, bei den Verhandlungen über die Auslandsanleihe habe er mit keinem Wort die Verpfändung irgendeines deutschen Monopols zugesagt oder versprochen, daß Deutschland auf eine Anwendung der ihm günstigen Bestimmungen des Youngvertrages verzichten werde. (Abg. Dr. Quaatz:„Sprechen Sie für Ihr Ressort oder für die ganze Reichsregierung?“) Solange ich in der Reichsregierung sitze, kann ich für sie reden und solange werde ich auch nicht zulassen, daß ein anderes Regierungsmitglied so etwas verspricht.(Beifall.) Seinen Abschluß fand der erste Teil der Sitzung mir einem Rededuell des Sozialdemokraten Keil mit dem Nationalsozialisten Feder. Während dieser Auseinandersetzungen ging es wieder sehr unruhig zu; Abg. Koch=Ostpreußen wurde zum Verlassen des Plenarsaals aufgefordert. * Antrag auf„Enteignung der Bank= und Börsenfürsten“. — Berlin, 18. Oktober. Der von den Nationalsozialisten angekündigte Antrag auf Enteignung der Bank= und Börsenfürsten ist nunmehr dem Reichstag zugegangen und hat folgenden Wortlaut:„Der Reichstag wolle beschließen, das gesamte Vermögen der Bankund Börsenfürsten, der seit 1. August 1914 zugezoge nen Ostjuden und sonstigen Fremdstämmigen, ihrer Familien und Familienangehörigen, ferner der seit diesem Tage durch Krieg, Revolution, Inflation= oder Deflationsgewinne erworbenen Vermögenszuwachses, wird zum Wohle der Allgemeinheit des deutschen Volkes entschädigungslos enteignet. Alle Großbanken einschließlich der sogenannten Reichsbank sind ungesäumt in staatlichen Besitz zu überführen.“ Entscheidung über Vertrauen oder Mißtrauen zur Regierung werde bei der dritten Beratung des Schuldentilgungsgesetzes fallen. Die Stellung der Sozialdemokratie zu dieser Regierung werde dadurch beeinflußt, daß gegenwärtig Deutschland eine der schwersten Wirtschaftskrisen durchmacht. Wäre es anders, so würden die Sozialdemokraten sehr deutlich ihr Mißtrauen gegen Minister wie Schiele und Treviranus bekunden. Wir werden uns aber von keiner Partei den Zeitpunkt vorschreiben lassen, an dem wir zum Angriff gegen dieses Kabinett vorgehen. Wir werden die Vorlage des von der Regierung angekündigten Reformprogramms abwarten und behalten uns unsere Stellungnahme dazu vor. Wir müssen aber verlangen, daß diese Vorlage parlamentarisch verabschiedet wird. Von der Notverordnung betrachten wir einige Teile als unvertretbar, beispielsweise die Bürgerabgabe. Wir werden im Ausschuß unsere Aenderungsanträge stellen. Die vollständige Aufhebung dieser Notverordnung wäre aber nicht zu verantworten, wenn nicht vorher ein Ersatz geschaffen ist, weil sonst auch die Arbeitslosenversicherung verloren wäre. In der Außenvolitik stimmen wir der Erklärung des Reichskanzlers zu. Wir erwarten von der Regierung ein energisches Vorgehen gegen die Kapitalverschiebung. Wir beantragen zu diesem Zweck die verschärfte Anwendung der schon im Einkommensteuergesetz gegen die Kapitalflucht enthaltenen Bestimmungen. Wir erwarten mit der Regierung, daß die Reparationslasten der deutschen Wirtschaftsnot entsprechend herabgesetzt werden. Abg. Strasser(Natsoz.) begann seine Ausführungen mit der Verlesung eines Aktionsprogramm der Nationalsozialisten. Danach will der Nationalsozialismus an die Stelle des seit 12 Jahren bestehenden Systems der Schamlosigkeit, der Korruption und des Verbrechens die sittliche Staatsidee des Bismarck=Reiches wieder setzen.„Wir wollen,“ so heißt es dann,„eine deutsche Führung ohne jüdischen Geist, ohne jüdische Hintermänner und ohne jüdischen Presse=Einfluß. Wir wollen keinen neuen Krieg, denn wir wissen, daß Europa und die Welt nur gesunden können, wenn die führenden alten Kulturvölker wieder in sich gesunden. Wir scheuen aber den Krieg nicht, wenn er das letzte Mittel sein sollte, um die deutsche Selbständigkeit und soziale Freiheit wieder herzustellen. Wir müssen verlangen, daß auch die übrigen Staaten, die feierlich beschworene Verpflichtung zur Abrüstung durchführen. Vor allem fordern wir die Wiederherstellung der deutschen Ehre. Tarum verlangen wir eine Revision der Verträge von Young bis Versailles. Die Sanierung der deutschen Finanzen kann nicht als Voraussetzung der Revision betrachtet werden. Als Grundcecht der deutschen Verfassung verlangen wir die Proklamation der allgemeinen Wehr= und Arbeitspflicht. Wir wollen die Fortführung und Verbesserung der deutschen Sozialpolitik. Wir bekämpfen deshalb die Regierungsverordnung. wonach der ärmste Arbeiter 50 Pfennig für den Krankenschein zahlen muß. Kapitalflucht ist bei der heutigen Rot soviel wie Landesverrat. Wir beantragen, daß Kapitalflucht auch ebenso bestraft wird bis zur letzten Konsequenz des Stranges. Wir haben das tiefste Mißtrauen gegen dieses Kadinett und werden darum für jeden Migtrauene. antrag stimmen, weil wir die Politik dieses Kabinetts bekämpfen. Zum Schluß wandte sich Abg. Strasser in längeren Darlegungen noch gegen die Minister Wirth, Groener und Dr. Curtius, zu deren Persönlichkeit seine Partei kein Vertrauen habe. Redner schloß seine Ausführungen mit der Erklärung:„Sie mögen den Reichstag auflösen so oft sie wollen. Wir begrüßen das, denn das Volk ist mit uns. Das deutsche Volk ist erwacht, und den Preis bezahlen Sie.“ Die Nationalsozialisten erhoben darauf unter dem Ruf:„Deutschland erwache!“ dreimal ihre Hände. Vizepräsident Stöhr rief seinen Parteifreund wegen der Aeußerungen gegen Minister Groener zur Ordnung und erteilte dann, während sich der Plenarsaal rapide leerte, dem Kommunisten Pieck das Wort. Abg. Pieck(Komm.) forderte die Aufhebung des Verbots des Rotfrontkämpferbundes, der übrigens trotz aller Verbote bestehe. Landtags=Abstimmung vertagt. Entscheidung über die Auflösungsanträge erst Diens2ag. Im Preußischen Landtag kam es in der heutigen Sitzung zu einem Zwischenfall, indem der nationalsozialistische Abg. Haake die sämtlichen fraktionslosen Gruppen bewilligte Redezeit allein ausnutzte. Die Christlich=sozialen protestierten dagegen, konnten jedoch eine besondere Redezeit für ihren Sprecher nicht mehr erlangen. Abg. Haake(Nat.=Soz.) hatte in seiner ausgeführt, wenn man bedenke, daß die zweitstärft, Partei Deutschlands im Preußischen Landtag nur durc sechs Abgeordnete vertreten sei, dann bedürfe es keine Rechtfertigung für die Auslösungsanträge mehr. Abg Baecker=Berlin(Christl.=Natl. Bauernp.) betonte o# Notwendigkeit eines Zahlungsaufschubs für die###. bute. die Tri, Damit war die Aussprache beendet. Die mung über die Auflösungsanträge wurde auf Dienz. tag vertagt. Krach im Während nun die Antragsteller ihre Schlußwort, sprachen, forderten die Kommunisten plötzlich die ratung eines Antrags, den Berliner Polizeipräsidenten anzuweisen, die„Ueberfälle der Polizei auf die strei. kenden Metallarbeiter“ einzustellen. Als von sozial. demokratischer Seite Widerspruch erhoben wurde,## mächtigte sich der Kommunisten eine große Erregung. Es drohte zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten zu Tätlichkeiten zu kommen. Vizepräsident von Kries schwang ununterbrochen die Glocke und mußte schließ, lich die Sitzung unterbrechen.%0 Anzeigen aus Bethel. — Wer ferigt Seiden=Lampenschirme ans Ungeha, an die Geschäftsstelle dieses Blattes unter C 273. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel Philipper 1, 21 und 23 Heute früh 3½ Uhr entschlief sanft nach langem, mit großer Geduld getragenem Teiden unser lieber Dater, Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Dietrich im Alter von 62 Jahren. 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