Hört es weit und breit ihr Seelen: Auch noch heute müßt ihr wählen Jesus oder Barrabas: Opfergeist, vom Himmel stammend, Oder Raubgier, düster flammend. Liebe oder blut'gen Haß! An die Der Landpfleger sprach zum Volk: Welchen wollt ihr unter diesen wählen, den ich euch losgeben soll? Sie sprachen: Barnabas. Matth. 27, 21. Man sagt im politischen Leben, daß die stärkste Partei, nämlich die der Nichtwähler, immer den Ausschlag gäbe. So war es jedenfalls bei dieser furchtbaren Wahl in Jerusalem. Wenn die Nichtwähler nicht versagt hätten, wenn also alle die Menschen, die ganz gut wußten, daß vor dem Hohen Rat und vor Pilatus falsches Zeugnis abgelegt wurde, daß Jesus nicht nur unschuldig war, sondern daß er nur Gutes getan hatte, in jenem entscheidenden Augenblick ihre Stimme für Jesus abgegeben hätten, dann war er gerettet. So ist es heute noch. Die christliche Kirche in aller Welt leidet am schwersten nicht unter dem Schmähwort ihrer Feinde, sondern unter der Lauheit so vieler Glieder, die nicht wagen, offensichtlich für Jesus Christus Partei zu ergreifen. In ihrem inneren Herzen zieht es sie wohl zu Jesus hin. Gottes Wort lockt sie. Sie spüren es wohl, daß hinter dem Wort und dem Herrn Jesus Christus der lebendige Gott selbst steht, und ihr Gewissen bezeugt ihnen, daß Gottes Wort die Wahrheit sagt. Aber sich öffentlich und vor aller Welt zu ihm zu bekennen, wird ihnen zu schwer. Nun ist es aber bei Jesus mit einer einmaligen Wahl nicht getan. Auch die, die sich einmal für ihn entschieden haben, werden immer wieder, am Tage oft mehr als einmal, vor die Frage gestellt, ob sie sich von Jesu Wort leiten lassen sollen, oder ob der Menschen Meinung ihr Herr sein soll. Wir werden immer wieder vor die Frage gestellt, ob er selbst, der heilige Gott, in unserem Leben, in unserem Haus und auch in unserem öffentlichen Leben das letzte Wort haben soll oder nicht. Der Herr selbst stellt uns immer wieder vor die freie Wahl, ob in jeder Lage unseres Lebens er unsere einzige Hoffnung, unsere einzige wirkliche Freude, der Angelpunkt aller unserer Gedanken sein soll oder nicht. So kommen wir Christen aus dem Wählen nicht heraus. Wehe uns, wenn wir meinen, wir könnten uns der Wahl entziehen! Das ist hier ebenso ein großer Irrtum wie im politischen Leben, wo viele Nichtwähler denken, auf eine Stimme kommt es doch nicht an, was liegt daran, ob ich mitwähle oder nicht? Haben nicht schon bei mancher öffentlichen Wahl die Nichtwähler die Entscheidung herbeigeführt? Im politischen Leben mag man diesen Zwang beklagen, daß jeder wählt, selbst, wenn er sich weigert, an die Wahlurne heranzutreten. Für unser inneres persönliches Leben ist es heilsam, daß Gott uns immer wieder vor die Frage stellt, ob wir ihn wählen wollen als Beistand und einzige Hilfe, als Herrn und Gebieter. Nur so bleiben wir in ihm, daß wir uns immer wieder von neuem für ihn entscheiden. Nur dann sind wir seine rechten Kinder, wenn wir uns immer wieder aus freien Stucken entschließen, seinen Willen zu tun. Er macht uns die Wahl oft recht schwer, zeigt uns oft absichtlich die Gebenseite im verlockenden Licht, verbirgt sich selbst für einen Augenblick(Jes. 54,). Jeder Christ weiß das. Aber berade durch dieses fortgesetzte Wählen=müssen, diese unaufhörliche Nötigung, sich entschlossen auf seine Seite zu stellen, erzieht uns Gottes Gnade zur„vollständigen christsichen Männlichkeit, zum Vollmaß des Wachsens in der Fülle Christi.“(Epheser 4, 13). Simon. Was vorgeht. Bei der Nationalversammlungswahl 1919 warben 19 Parteien mit 2360 Bewerbern um die Gunst der Wähler, bei der Reichstagswahl 1920 waren es 24 Parteien mit 3604 Bewerbern, Mai 1924: 27 Parteien mit 4947 Bewerbern, Dezember 1924: 24 Parteien mit 4716 Bewerbern, 1928: 35 Parteien mit 6209 Bewerbern, 1930: 24 Parteien mit 7115 Bewerbern. Während bei der Wahl zur Nationalversammlung 17,8 Prozent der Bewerber zum Zuge kamen, waren es 1928 nur 7,91 Prozent. Der Durchschnitt der Wahlbeteiligung der letzten drei Vorkriegswahlen betrug 82,1 Prozent gegenüber 77,7 Prozent im Durchschnitt der Wahlen 1920 bis 1928. Diese Zahlen beweisen, ein wie verlockendes Gebiet der Parlamentarismus und die Politik ist. Aber von der ehrfürchtigen Hochachtung, die früher jemandem entgegengebracht wurde, der einem Parlament, dem Reichstag oder dem Landtag angehörte, ist jetzt fast keine Spur mehr vorhanden. Abgesehen von einzelnen Bewerbern, die in ideeller Hinsicht tatsächlich mit der Annahme des Mandats noch ein Opfer bringen, kann doch wohl gesagt werden, daß für die große Mehrzahl der Mandatsbewerber der materielle Gesichtspunkt gerade nicht der letzte Beweggrund ist. Das wird manchem der Beteiligten hart klingen. Wer aber die Entwicklung der deutschen Verhältnisse ständig beobachtete, wird zugeben, daß die Diätenfrage dem Ansehen der Volksvertretungskörperschaften und dem einzelnen Beteiligten nicht gerade zu einem besseren Ruf verholfen hat. Und wenn jetzt noch 70 bis 80 Abgeordnete mehr in den Reichstag einziehen als früher, so sagt sich der schlichte Menschenverstand, daß das unter keinen Umständen ein Fortschritt oder Vorteil sein kann. Geroiß ist ein großes, modernes Staatswesen ein Gebilde, in dem es nach der kulturellen und der wirtschaftlichen Seite hin hunderterlei und tausenderlei Interessen zu beachten und zu vertreten gibt. Wenn man aber weiß, wie weitgehend die praktische Gestaltung und Durchführung einer Sache von dem Willen und dem Können eines Einzelnen abhängt, könnte man zu der Auffassung kommen, daß jeder zu große Vorstand eines Vereines, oder einer Gemeinde, Anstalt oder eines Staates, wenn er den Anspruch erhebt, alles mit bestimmen zu wollen, für die Sache nur vom Uebel ist. So wenig demokratisch das auch klingt, so oft zeugt die praktische Erfahrung von der Richtigkeit dieser Tatsache. Vielleicht ist es doch jetzt an der Zeit, ernstlich eine Wahlrechtsreform vorzunehmen und zwar eine solche, die eine Erweiterung des Reichstagsgebäudes überflüssig macht. Bei der Wahl am vergangenen Sonntag sind 11 Parteien weniger aufgetreten als bei der Wahl im Jahre 1928. Die 24 Parteien aber, welche um die Stimmen der deutschen Wähler warben, haben die Auswahl auch noch schwer genug gemacht. Es wird nicht viele Familien gegeben haben, wo alle wahlberechtigten Glieder den gleichen Stimmzettel in die Urne warfen. Die parteipolitische Meinungsverschiedenheit dringt hinein in die Häuser und Familien und es mag da, wo Veranlagung zum Fanatismus vorhanden ist, in den Familien manchen Streit gegeben haben. Die„Rheinisch=Westfälische Zeitung" brachte eine kleine Statistik aus Köln, wo die Frauen und die Männer getrennt wählten. Diese Zahlen sind sehr interessant. Die Beteiligung der Männer und der Frauen ist wie folgt festgestellt: Sozialdemokraten 41 599 Männer, 35686 Frauen Deutschnationale 3142 Männer, 3472 Frauen Zentrum 36 170 Männer, 63 266 Frauen Kommunisten 41 436 Männer, 26348 Frauen Deutsche Volkspartei 12348 Männer, 14 422 Frauen Deutsche Staatspartei 9057 Männer, 8530 Frauen Wirtschaftspartei 11 177 Männer, 10 636 Frauen Nationalsozialisten 39522 Männer, 30 648 Frauen Die Zahl der wahlberechtigten Frauen soll aber in Köln um 33000 größer gewesen sein als die der Männer. Diese Ueberzahl wird man auch in der gleichen Weise auf die einzelnen Parteien verteilen können. Für die Kommunisten und Nationalsozialisten wurden bedeutend weniger Frauenstimmen als Männerstimmen abgegeben, während für das Zentrum fast nochmal so viel Frauen als Männer stimmten. Vielleicht ist es gut, daß dieses Verhältnis nicht für das ganze Reich festgestellt werden kann. Das Urteil über die Zentrumsmacht und über die politische Einstellung der katholischen Männer würde sich sicher hier und da ändern. Wenn auch für die Deutschnationale Partei und die Deutsche Volkspartei mehr Frauen als Männer stimmten, so liegen dafür sicher dieselben Gründe vor wie bei einem Teil der katholischen Frauen, nämlich die Sorge um die höchsten Güter für Staat und Volk und Familie. Daß in Berlin 798986 Stimmen für die Kommunisten und 737·821 Stimmen für die Sozialisten, also fast 1½ Millionen Stimmen für die Parteien fielen, die das Heil der deutschen Zukunft nicht mehr in einem starken Nationalstaat, sondern in einer neuen, internationalen, sozialistischen Wirtschaftsordnung sehen, daran sei hier auch erinnert. Wie sich nach dem durch die Wahl am Sonntag erzielten Gesamtresultat die politischen Verhältnisse in Deutschland gestalten werden, darüber läßt sich noch nichts bestimmtes sagen. Wenn hier und da von führenden oder auch manchmal von anderen Stellen aus Mitteilungen über beabsichtigte Parteikompromisse oder Regierungsumbildungen gemacht werden, so sind das meistens erst Fühler, die ausgestreckt werden, um entweder die eigenen Wünsche bekannt zu machen oder andere Richtungen dazu zu verlocken, Stellung zu solchen Vorschlägen zu nehmen. Nach dem Ausfall der Wahlen ist die Spannung im allgemeinen groß und die Leute vom Fach wissen gewöhnlich die Situationen für die Verwirklichung ihrer Pläne und Ziele auszunutzen. Am meisten Interesse dürfte der Frage begegnen, ob es schon jetzt zu einer Rechtsregierung kommt, oder ob der Reichskanzler Dr. Brüning es noch einmal versucht mit einer Regierungskoalition, in der der Sozialdemokratie wieder viel Einfluß eingeräumt wird. Von sozialdemokratischer Seite wurde es schon vor einigen Tagen als eine feststehende Tatsache dargestellt, daß die Nationalsozialisten und die Deutschnationalen eine Fraktionsgemeinschaft bilden und dann als die stärkste Partei im Reichstage das Präsidium des Reichstages beanspruchen und die Regierungsbildung in die Hand nehmen würden. Zu einer sicheren Mehrheit brauchte eine Rechtsregierung aber auch das Zentrum oder die Staatspartei. An diese ist nicht zu denken und so wird alles davon abhängen wie sich das Zentrum zu einer solchen Sache stellt. Nun ist es ja bekannt, daß Geheimrat Hugenberg nicht die Absicht hat, in der Reichspolitik aktiv zu werden, so lange er nicht die Sicherheit hat, daß auch in Preußen die jetzt bestehende Regierung, die ja ganz von der Sozialdemokratie beherrscht wird, beseitigt werden kann. In der innerpolitischen und wirtschaftspolitischen Lage, in der Deutschland sich zur Zeit befindet, ist die Uebernahme der Regierung für keine Partei sehr verlockend. Wenn aber Dr. Hugenberg in seinen Wahlreden den deutschen Verhältnissen einen weiteren Absturz in politisches und wirtschaftliches Unglück für den Fall prophezeite, daß nicht eine entschlossene Wendung in der deutschen Politik gemacht würde, sollte man annehmen, daß er von sich aus nicht die Gelegenheit ausschlagen würde, die sich ihm bietet, die Zügel der Regierung in die Hand zu nehmen. Wenn die Börse das Wetterthermometer in der Politik ist, dann hat dieses Thermometer auf das Wahlresultat hin kein gutes Wetter angezeigt. Wir glauben aber, daß daran die Agitationsmethoden der Nationalsozialisten und die Psychologie gewisser Herren der Börse mehr schuld sind als die Angst vor Hugenberg. Denn es läßt sich doch schon jetzt feststellen, daß auch Wirtschaftskenner und Politiker des Auslandes immer mehr zu der Ansicht kommen, daß eine Fortführung der Deutschland durch die bisherigen Verträge aufgezwungenen Politik den wirtschaftlichen und geistigen Ruin Deutschlands bedeute. Man mag von demokratischer oder auch von pazifistischer Seite aus den Weltfriedenstheoretikern und Sozialethikern Hugenberg auch noch so sehr als das Schreckgespenst hinstellen, so kann man aber doch wohl das eine annehmen, daß, wenn es sich um eine Vertrauensfrage handelt, die durch das nun einmal bestehende Wirtschaftssystem fundamentiert sein müßte, es wohl auch heute noch kaum eine Persönlichkeit geben wird, die in der Welt der produktiven Wirtschaft größeres Vertrauen genießt als Alfred Hugenberg. Wir könnten uns daher ganz gut denken, daß, wenn eines Tages wirklich die Regierungsgewalt in die Hand des Herrn Geheimrat Hugenberg fiele, die Kurse der Wirtschaft nicht fallen, sondern steigen würden. Das braucht gar nichts damit zu tun zu haben, wie man im übrigen zu Hugenberg als sozialer Persönlichkeit oder als Arbeitgeber oder Menschenfreund steht. Die bisherige Entwicklung unserer Nachkriegsverhältnisse zeigt auf jeden Fall, wieviel für die Durchführung einer wirksamen Sozialpolitik darauf ankommt, welche Politik überhaupt von einem Staate gemacht wird. Es deutet doch nun alles darauf hin, daß eine Weiterführung der bisherigen Politik jeder Wirtschaft und Sozialpolitik die Grundlagen entzieht. Niemand hat mehr Veranlassung, die ganze deutsche Politik in andere Bahnen gelenkt zu sehen als die deutsche Arbeiterschaft. Der Genfer Berichterstatter der„Vossischen Zeitung“ glaubt seinen Bericht über die Rede des deutschen Außenministers Curtius, die diesen vor dem jetzt tagenden Völkerbund gehalten hat, mit folgenden Worten einleiten zu müssen:„Der deutsche Außenminister hat heute vor dem Plenum des Völkerbundes gesprochen. In seiner Rede war der Widerhall der Wahlen kaum wahrzunehmen. Das sollte heißen: Diese Wahlen berühren die auswärtige Politik, die Stellung Deutschlands im und zum Völkerbund nicht.“ Genau kennen wir die Gründe nicht, welche die Verfechter der Politik, die von der„Vossischen Zeitung“ vertreten wird, veranlaßt, mit so viel Eifer darüber zu wachen, daß von Deutschland aus alles vermieden wird, was den Anschein erwecken könnte, als habe Deutschland auch das Recht, Forderungen an die Weltpolitik zu stellen. Wir sind jedenfalls der Meinung, daß Wahlen in Deutschland, die die auswärtige Politik nicht berühren, tatsächlich zwecklose Wahlen sind. Aber wenn nun die„Vossische“ sich so ängstlich glaubt bemühen zu müssen, auch den Völkerbundsleuten in Genf plausibel zu machen, daß die vollzogene Neuwahl die Außenpolitik nicht berühre, dann ist gerade das vielleicht der beste Beweis dafür, welche Beachtung das Ergebnis der Wahl in aller Welt findet. Das Gesicht Deutschlands, das sich der Welt in dem Ergebnis der Wahlen vom letzten Sonntag zeigt, ist sicher ein ehrlicheres und offeneres als das, was man sich in den letzten Jahren zu zeigen bemühte. Wenn Bismarck einst sagte:„Ich habe es auch im politischen Leben stets für nützlich gehalten, wahr zu bleiben, um den Mut zu behalten“, so ist in der neuzeitlichen Politik dieser Grundsatz leider ziemlich ganz aus der Mode gekommen. Es ist schon etwas Wahres an der Erklärung, die der neulich aus Frankreich ausgewiesene amerikanische Zeitungskönig Hearst bei seiner Landung in Neuyork abgegeben haben soll. Als er etwas über seine Ausweisung aus Frankreich berichten sollte, sagte er:„Wenn man in England die Wahrheit sagt, so bekommt man sofort einen Beleidigungsprozeß auf den Hals, sagt man in Rußland die Wahrheit, dann ist es nicht leicht, wieder aus dem Lande herauszukommen, aber wenn man in Frankreich die Wahrheit sagt, dann wird man einfach herausgeschmissen.“ Ob der Zeitungskönig Hearst nun ein rücksichtsloser Verkünder reiner Wahrheiten ist, können wir nicht beurteilen. Unsere Meinung über die deutschen Wahlen aber ist die, daß noch kein politisches Ereignis der Nachkriegszeit die wirkliche Lage Deutschlands so offen und deutlich gezeigt hat, wie sie durch den Ausfall der Wahlen offenbar geworden ist. Wenn in Paris Bestürzung und in der übrigen Welt Erstaunen darüber herrscht, so mag man sich fragen, wo das schlechte Gewissen ist. Es wurde höchste Zeit, daß ein solches Erwachen anhebt. Töricht aber ist es, als Folgen des Wahlsonntages allenthalben Katastrophen zu sehen. Wer vom Standpunkte des Allgemeininteresses aus die Dinge ansieht, muß in der jetzigen Entwickelung einen Schritt begrüßen, der unbedingt zu einer besseren Bereinigung der Gesamtlage führt. Wenn der Minister Stegerwald in einer Rede sagte:„Wenn es nicht gelingt, aus dem Versailler Vertrag die größten Stacheln zu entfernen und die deutschen Reparationsverpflichtungen erträglicher zu gestalten sowie die Arbeitslosenfrage zurückzudrängen... ist eine endgültige deutsche und europäische Beruhigung nicht zu erzielen, so ist auch diese Kundgebung Stegerwalds ein kleiner Schritt auf dem Wege, den Hugenberg und die Nationalsozialisten begangen haben wollen und der auch nach unserer Meinung der einzige Weg in die Freiheit ist. Kr. e Kurven der Parteien. Von Sachsen aus gesehen. Dresden, den 16. September 1930. Als im Juni dieses Jahres die Wahlen zum sächsischen Landtag stattfanden, zogen die übrigen Länder des Reiches daraus ihre Schlüsse für den Stand der Parteien im eigenen Lande. Man täuschte sich nicht, je schärfer mit K Oberflächlichkeit, eine ernste Gefahr für unsere Seele. In meinem Bücherschatz habe ich ein kleines Büchlein, das mir um seines feinen Titels willen von Anfang an lieb war. Es trägt die Aufschrift:„Von der tiefen Wirklichkeit.“ Alle Dinge im Leben haben eine Oberfläche und eine tiefe Wirklichkeit. Und es ist entscheidend für unsern inneren Wert, ob wir uns von der Oberfläche gefangen nehmen lassen oder bis zu ihrer tiefen Wirklichkeit vordringen. Die Oberfläche der Dinge ist jedem ohne weiteres zugänglich, die tiefe Wirklichkeit will errungen sein. Es muß zugegeben werden, daß das Leben der Gegenwart, wie es den Menschen von heute besonders in den Städten umbrandet, förmlich zur Oberflächlichkeit erzieht. Denn die tausenderlei Eindrücke, die uns jeder Tag in den Schoß wirft, sind zu mannigfaltig, um sofort gesichtet und verarbeitet werden zu können. Man stelle sich nur einmal das Leben in einer Großstadtstraße vor! Schon das rasende Tempo der modernen Verkehrswerkzeuge, der elektrischen Bahnen, Autos und Motorräder nimmt einem förmlich Atem und Ruhe, das Vielerlei der Schaufensterauslagen verwirrt die Sinne, die blendende Lichtreklame des Abends bohrt sich schmerzhaft in unsere Augen. Auch die unzähligen Menschen, die an uns vorübereilen, können wir unmöglich anders als flüchtig betrachten. Die überfülle der Eindrücke ist es auch noch in anderer Weise, die uns Ruhe und Zeit zur Vertiefung raubt. Ich erinnere nur an die heutigen, bogenlangen Zeitungen, die wir nur flüchtig durchblättern können, um täglich einigermaßen durchzukommen, an die modernen Zeitschriften mit ihrem Bilderreichtum und ihren kleinen, oberflächlichen Aufsätzen und Witzchen, über die unser der Zeit in Sachsen die politischen Gegensätze geworden waren, um so schneller eilte auch die Gesamtentwicklung der sächsischen Parteien der Entwicklung im übrigen Reiche voraus. Das sächsische Barometer gab guten Aufschluß. Es deutete nicht nur die kommende Hochflut der radikalen Parteien an und die Unfähigkeit des Nationalsozialismus, seine Wählermassen in ausschlaggebender Weise aus dem Lager der Linksparteien zu holen, sondern es zeigte selbst in diesem vom Liberalismus überwucherten Lande die Tendenzen eines gesunden christlichen Volkskernes an, der mit eiserner Konsequenz die starke Weltanschauungspartei der Mitte erstrebte, also den Sieg des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei und des Christlichen Volksdienstes schon im Voraus ahnen ließ. Seit diesen Landtagswahlen hat Sachsen seine Entwicklung sehr konsequent fortgesetzt. Dieses letzte Vierteljahr mit seinem jetzigen Abschluß durch die Reichstagswahlen verdient die weiteste Beachtung. Von neuem tritt in Sachsen vieles zu Tage, was das ganze Reich angeht, und selbst für den Fall, daß der jetzt gewählte Reichstag schon bald wieder aufgelöst würde, kann man wertvolle Urteile darüber gewinnen, wie die Weiterverschiebung in den deutschen Parteien vor sich gehen werde. Sachsen ist in der Lage, die jetzigen Wahlresultate nicht nur mit den Resultaten der Reichstagswahl 1928, sondern zugleich auch mit den Ergebnissen der Landtagswahl vom Juni dieses Jahres zu vergleichen. Das bietet überaus große Vorteile. Dadurch wird die Kurve, die die Parteien seit 1928 beschrieben, überhaupt erst richtig erkennbar. Man kann feststellen, ob eine stetige Aufwärts= oder Abwärtsbewegung oder nur eine vorübergehende stattgefunden hat, und ob nicht trotz der gewaltigen Verluste oder Gewinne einiger Parteien ihre Kurve längst schon den wirklichen Höhepunkt oder Tiefstand überschritten hat und nun bereits wieder ganz andere Tendenzen zeigt, als der Vergleich mit 1928 auf den ersten Blick vermuten läßt. Wenn die Sozialdemokratie im Reich ihren Bestand nicht verbessern konnte, sondern sogar in etwa verminderte, so entspricht das ganz und gar der sächsischen Kurve für die Sozialdemokratie. Hier verzeichnete die SPD. 1928 ein plötzliches Anwachsen, sie näherte sich einer vollen Million Wähler, und ihre Hoffnungen stiegen damals gewaltig. Aber im Juni d. J. kam der Rückschlag, man verlor im Vergleich zu 1928 weit über 100000 Stimmen. Bei der jetzigen Reichstagswahl ist dieser Verlust ziemlich wieder ausgeglichen, aber trotzdem die Höhe von 1928 nicht mehr erreicht. In einem bestimmten Umfang schwankt also die Kurve der Sozialdemokraten einmal nach unten und einmal nach oben, ohne jemals ihre einstige Blütezeit wieder zu erreichen. Allerdings für das Land Sachsen selbst können auch geringe Schwankungen von recht großer Bedeutung werden, vor allem dann, wenn die Kommunisten, wie es jetzt geschehen ist, größere Gewinne aufzeigen und somit der alte Gedanke einer Diktatur der vereinigten Linken neue Nahrung findet. Auch für die Kommunisten stand im Juni d. J. die Kurve etwas niedriger als bei den Wahlen 1928, aber ganz allgemein genommen, verzeichneten sie die bekannte ständig wachsende Linie. Man gibt sich bereits zur Stunde in sächsischen Linkskreisen der„angenehmen Hoffnung“ hin, daß die ersten praktischen Folgen aus der jetzigen Reichstagswahl das Land Sachsen zu spüren bekommen werde, ja man geht soweit, daß man eine rote Linksmehrheit schon für die nächste Zeit für möglich hält. Die Optimisten auf der linken Seite glauben nunmehr wirklich, daß sie bei einer eotl. Neuwahl(ein Auflösungsantrag für den alten Landtag liegt ja schon bereit) mehr Wähler aufbringen werden, als die gesamten bürgerlichen Parteien und die Nationalsozialisten zusammen. Die 75000 Stimmen, die zu diesem Zweck bei der jetzigen Reichstagswahl noch fehlen, gedenken sie beim nächsten Ansturm mit Leichtigkeit zu gewinnen. Das sind große Hoffnungen, denen man sich hingibt und die, wenn sie Wirklichkeit würden, dem Lande Sachsen allerdings schwerste Erschütterungen Auge gleitet, und deren Inhalt wir in wenigen Tagen vergessen haben. Den Höhepunkt oberflächlicher Masseneindrücke vermittelt uns heute das Kino; es hetzt uns im Verlaufe weniger Stunden in rasender Eile durch die verschiedensten Situationen, durch Verbrecherjagden, Liebesdramen, Sportkämpfe und Gott weiß was noch und richtet einer geradezu hoffnungslose Verwirrung und Ueberreizung in unserem Vorstellungsleben an. In früheren Zeiten hatten die Menschen ein Ruheasyl in Haus und Familie; hier fanden sie sich zusammen und entspannten in trauter Gemeinsamkeit Leib und Geist. Heute ist auch dieses Ruheasyl zu einem Orte der Unruhe geworden; jedes Familienglied hat seinen eigenen Tagesplan, sein eigenes Leben, und selbst die Mahlzeiten, die vordem wie unverrückbare Ruhepunkte im Tageslaufe standen und alle vereinten, nimmt womöglich jedes für sich und zu anderer Zeit ein. Und das Ergebnis dieser Zersplitterung des Familienlebens ist nur allzuoft auch eine innere Entfremdung und Vereinzelung. Und was wird aus dem heutigen Menschen unter dem Ansturm dieser systematischen Zersplitterung auf allen Gebieten? Ein nevvöses, zerfahrenes Geschöpf, das unruhig und unbefriedigt von einem Eindruck zum andern schweift, das gar nicht mehr imstande ist, seine Aufmerksamkeit anhaltend und gründlich auf ein Gebiet zu sammeln, ein Wesen, das sich schließlich nur noch wohl fühlt im Wirbeltanz der Oberflächlichkeiten, das Zerstreuung sucht wie Arzenei, das— es ist schrecklich, dies zu sagen! — seine eigne Tiefe verloren hat. Fast möchte ich glauben, es seien bewußt satanische Kräfte am Werke, denen es Freude macht, den Menschen durch diesen Ansturm loszureißen von seinem Urgrunde und ihn wie ein loses Blatt durch diese Zeitlichkeit vor sich her zu treiben, seinem ewigen Verderben entgegen. bringen müßten. Jedoch man vergißt: eine Reichstags, wahl ist keine Landtagswahl, wenn es um interne säch, sische Belange geht, so hat das Volk viel mehr all dag vor Augen, was ihm schon einmal vor Jahren von einer roten Diktatur sehr handgreiflich beschert wurde. Ein besonderes Interesse verdient die Frage, ob die neue deutsche Staatspartei mehr oder weniger Stimmen hat, als die bei der sächsischen Landtagswahl noch getrennt marschierenden Parteien der Demokraten und der Volksnationalen(Jungdeutschen). Die sächsische Landtagswahl vom Juni 1930 ist ja die einzige Wahl bei der der Jungdeutsche Orden unter dem Parteinamen Volksnationale selbständig in den Wahlkampf eingriff. In ganz Sachsen sind für die Staatspartei nur 7000 Stimmen mehr abgegeben worden, als im Juni die De, mokraten und Volksnationalen zusammen aufbrachten Dieser geringe Ueberschuß erklärt sich aus der höheren Wahlbeteiligung. In Wirklichkeit liegen sämtliche Stimmen, die die Staatspartei in ganz Sachsen jetzt auf sich vereinigt, noch mit 12000 Stimmen unter den demokratischen Stimmen von 1928. Dem gegenüber zeigen die beiden anderen Parteien der Mitte: das Zentrum und der Christliche Volksdienst selbst in einem so schwierigen Gebiet wie Sachsen sehr bemerkenswerte Fortschritte. Beim Zentrum wirkte vor allem der Name des Reichskanzlers Brüning, der die Spitzenkandidatur für Sachsen übernommen hatte und die Wähler anzog. Die Wahlzahl des Zentrums war seit 1918 noch niemals so hoch wie heute. Das Bewußtsein und das Bestreben, eine Persönlichkeit zu wählen, trat sehr deutlich in Erscheinung. Außerdem bildeten natürlich die kulturrellen und religiösen Belange die Hauptanziehungskraft, und trotz der großen wirtschaftlichen Krisen mußte man immer wieder erfahren, daß eine denkfähige Wählerschaft gerade die Rettung aus dieser Wirtschaftsnot von christlich und religiös orientierten Persönlichkeiten erwartet. Dem konfessionellen Charakter des Landes gemäß, d. h. dem überwiegenden protestantischen Volksteil entsprechend, kam dieses Sympthom in der breiten Oeffentlichkeit am allerdeutlichsten bei den Zahlen für den Christlichen Volksdienst zum Ausdruck. Obgleich diese Partei ebenso wie das Zentrum bei der Wahlagitation den allergrößten Schwierigkeiten begegnete und immerfort als Splitterpartei bezeichnet wurde, so hat sie doch seit Juni d. J. ihren Bestand bereits soweit vermehren können, daß sie einen eigenen sächsischen Kandidaten in den Reichstag entsendet. Die Stärkung der beiden Weltanschauungsparteien der Mitte eröffnet auch für die sächsische Landespolitik neue Perspektiven. Hier liegt vielleicht die größte Bedeutung der jetzigen Vorgänge innerhalb der politischen Mitte in Sachsen. Die neue Konservative Volkspartei hatte sehr große Erfolge für sich erhofft, und fast alle früheren deutschnationalen sächsischen Abgeordneten waren zu ihr übergegangen. Aber vergebens. Ihre Stimmen würden gerade für die Erlangung eines Mandates zum sächsischen Landtag ausreichen, aber nicht für ein Reichstagsmandat. Dagegen tritt etwas anderes Bemerkenswertes in Erscheinung. Die seit 1928 abwärts gehende Bewegung der sächsischen Deutschnationalen Partei ist zum Stillstand gekommen. Das erkennt man nicht ohne weiteres aus dem Vergleich der jetzigen Resultate mit denen von 1928, denn hier bleibt ein Minus bestehen. Man muß erst die letzten Landtagswahlen vom Juni heranziehen. Im Juni, als die Konservativen noch mit den Deutschnationalen zusammengingen, brachte die Deutschnationale Partei rund 125000 Stimmen auf, jetzt, nach dem Ausscheiden der Konservativen, haben die Deutschnationalen jedoch 12000 mehr als im Juni. Ihre Kurve sinkt also seit einem Vierteljahr nicht mehr. Woran liegt das? Es wirken hier besondere sächsische Verhältnisse mit, die in ihrer Art den starken Oppositionellen im Reichstag sehr gute Fingerzeige geben könnten. Die Deutschnationalen in Sachsen haben nämlich in den letzten Jahren immerhin eine gewisse Wandlung durchgemacht. Die Not des Landes hat sie schließlich gezwungen, ihre starke OppoUnd doch sind auch wir Menschen des 20. Jahrhunderts von Gott nicht als Oberflächenwesen gewollt, sondern als Geschöpfe der Ewigkeit. Und doch schauen uns auch heute durch die bunte, schillernde Außenseite Gottes forschende Augen an: Du Menschenkind, findest du die tiefe Wirklichkeit deines Lebens? Suchst und findest du hinter allem Geschehen mich? Wie entgehen wir nun der uns drohenden Gefahr der Verflachung und Veräußerlichung? Wie retten wir unsere Seele vor der Oberflächlichkeit? Wir müssen uns gleichsam in uns selbst eine feste Burg schaffen, ein innerstes Heiligtum, in das kein Geräusch der Außenwelt bricht, in das wir uns jederzeit zurückziehen können, um allein zu sein mit uns und unserem Gott. Dieses innere Heiligtum ist die Einsamkeit unserer Seele im Gebet. Beginnen wir keinen Tag ohne Morgengebet! Stellt euch ans offene Fenster eures Schlafgemaches, saugt in tiefen, gleichmäßigen Atemzügen die frische Morgenluft in euch ein und sprecht bei jedem Atem zuge ein Gebetswort:„Ich danke dir, Gott, für die quickung dieser Nacht!— Laß die Kraft mich heute gele“ ten!— Sei du der Führer auf meinem Wege, mein fer, wenn ich strauchle,— mein Halt, wenn ich schwach werde,— laß kein Unrecht über mich herrschen—“ führe mich durch diese unruhige Zeit in die tiefe Rühe deiner Ewigkeit!“ Vollendet dann langsam, besonnen euren Anzug und achtet sorgfältig darauf, daß keine ruhigen, unreinen oder gehässigen Gedanken den Friede“ dieser Morgenstunde stören. Es kommt ungeheuer diet auf den Anfang eines Tages an, wenn der Tag als Gal““ zes gelingen soll. Denkt daran, daß jeder Tag uns n einmal gegeben wird und nie wiederkehrt in unseren Leben. Denkt daran, daß das Menschenleben als Garzz aus Tausenden einzelner Tagesläufe zusammengesetzt“ sition aufzugeben und aktiv in die Regierung einzutreten. So kam es, daß ihre jetzigen Wähler sie gar nicht mehr für so oppositionell hielten und das, was die Konsernativen wollten, durch die alte Deutschnationale Fraktion im sächsischen Landtag schon im gewissen Sinne für verkörpert hielten. Diese Volkspsyche spricht also— zum mindesten bei einem großen Teil der deutschnationalen Wähler— ganz instinktmäßig die Notwendigkeit einer an den Staatsgeschicken aktiv anteilnehmenden und gemäßigteren Politik aus.— Die Entwicklung des Nationalsozialismus in Sachsen zeigt dieselbe Kurve wie in den übrigen Ländern des Reiches. 1928 erhielt der sächsische Nationalsozialismus 74000 Stimmen. Bei den letzten Juniwahlen 375000 und jetzt 560000. Damit aber steht für Sachsen eines fest: Die Kurve dieser Partei wird von nun an nicht mehr in der alten Weise aufwärts steigen. Wenn es auf der einen Seite den Nationalsozialisten nicht möglich war, bei den Linksparteien Boden zu fassen, und auf der anderen Seite die Deutschnationale Partei keine Wähler mehr abgibt, und schließsich drittens die Deutsche Volkspartei bereits soviel abgegeben hat, daß ihr nur noch ein kleiner Rest bleibt, so sind die Reserven nunmehr fast erschöpft. Die loseren Elemente sind aufgesogen, jetzt trotzt dem sächsischen Nationalsozialismus der festere politische Bestand gewisser Parteien. Auch in dieser Beziehung eilt die Entwicklung in Sachsen der Entwicklung im Reiche voraus. — Dr. A. Die Minderheitenfrage. Koch=Weser über den deutschen Standpunkt. Der politische Ausschuß der Völkerbundsversammlung begann mit der Beratung über die Minverheitenfrage, die durch einen Antrag der deutschen Delegation vor die diesjährige Völkerbundsversammlung gebracht worden ist. Gegenüber gewissen Bestrebungen, die Minderheitenfrage vor einer regelmäßigen, alljährlichen Behandlung durch die Völkerbundsversammlung auszuschalten, verfolgt der deutsche Antrag den Zweck, das Interesse des Völkerbundes an diesen Fragen ständig wachzuhalten und insbesondere für die Anwendung und den Ausbau der Madrider Beschlüsse, durch die das Minderheitenverfahren eine gewisse Verbesserung erfahren hat, zu sorgen. In der heutigen Vormittagssitzung des Ausschusses legte im Auftrag der deutschen Delegation Reichsminister a. D. Koch=Weser den Standpunkt der deutschen Regierung dar. Er führte unter anderem aus: Die deutsche Delegation halte es für erforderlich, die verschiedenen Seiten des Minderheitenproblems regelmäßig in einem Völkerbundsausschuß zu erörtern. Immer mehr gewinne die Erkenntnis Raum, daß die Minderheitenfrage eine befriedigende Lösung finden muß, wenn eine politische Entspannung in Europa erreicht werden soll. In Kreisen des Völkerbundes ist, so führte Koch=Weser weiter aus, mehrfach die Einsetzung einer Minderheitenkommission angeregt worden, eine Anregung, die wir nicht aus den Augen verlieren werden. Niemand verkennt, daß der Völkerbund in Erfüllung seiner Aufgabe praktische Teilergebnisse erzielt hat. Und doch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, als könne der Völkerbund angesichts der zunehmenden Bedeutung des Minverheitenproblems und im Hinblick auf die gesteigerte Aufmerksamkeit der öffentlichen Meinung in bezug auf diese Frage in die Gefahr geraten, hinter der Entwicklung zurückzuoleiden. Zu der Handhabung des Beschwerdeverfahrens, soweit es durch die Madrider Beschlüsse verbessert worden ist, bemerkte der deutsche daß sie im Interesse des Schutzes der Minderheiten noch wesentlich vervollkommnet werden könrgz der Statistik seien von 57 Petitionsfällen 25, aiso beinahe die Hälfte, als nicht empfangsfähig erklärt vden. Man begeht einen schweren gey#erz Koch=Weser, wenn man Minderbeitenperkker nen grundsätzlich als relativ belanglose Sachen ansehen will. Da das Minderheitenbeschwerdeverfahren bisher der einzige Weg ist, auf dem der Völkerbund seine Garantiepflicht erfüllt, muß besonderer Wert darauf gelegt werden, daß die Dreierkomitees die an sie gelangenden Beschwerden möglichst eingehend prüfen. Es wäre dringend zu wünschen, daß die Dreierkomitees möglichst weitgehenden Gebrauch von der Veröffentlichung ihrer Untersuchungen machen. Die Briefe der Dreierkomitees an die Ratsmitglieder müssen eine erschöpfende Uebersicht über den Gegenstand der Streitfrage enthalten. Jedes Ratsmitglied muß in der Lage sein, sich fortlaufend über den Stand eines Beschwerverfahrens zu unterrichten. Die Minderheitenfrage, so erklärte der deutsche Delegierte zum Schluß, ist ein allgemeines europäisches Problem. Der Kern dieses Problems ist nicht mehr und nicht weniger, als den Minderheiten den Schutz ihrer Menschenrechte auf Wahrung ihres Volkstums, ihrer Muttersprache, ihrer Kultur und Religion im Rahmen des Staates, in dem sie leben, nicht nur rechtlich zu verbriefen, sondern auch praktisch zu verwirklichen. Die gegebenen Mittler zwischen zwei Kulturen und damit die Vorkämpfer des geeinten Europa sind die Minderheiten, die ihre Kultur frei entwickeln können. Die Befriedung und Annäherung Europas geht nicht nur über gefallene Zollgrenzen, sondern in erster Linie über befriedigte Minderheiten. Ein Gegenstoß Briands. Frankreich gegen die Minderheitenkommission. Deutschlands Forderung nach einem ständigen Minderheitenausschuß beim Völkerbund hatte den französischen Außenminister Briand auf den Plan gerufen. Völlig unerwartet ergriff er das Wort zu einer großen Rede, in der er den deutschen Standpunkt in der Minderheitenfrage in allen Punkten zu widerlegen versuchte und den heutigen Minderheitenschutz durch den Völkerbund als völlig ausreichend und zufriedenstellend bezeichnete. Das Minderheitenrecht sei eine heilige Sache, der Völkerbund habe mit dem Schutz der Minderheiten eine ungeheuere Verantwortung und große Pflichten übernommen. Aber es sei auch eine delikate Frage. Eine ständige Minderheitenkommission sei abzulehnen. Sie könne nicht mehr leisten als der Völkerbundsrat und das Dreierkomitee. Man müsse auch die Souveränitätsrechte der Staaten achten, die Minderheiten beherDer tschechoslowakische Außenminister Benesch unterstützte diesen Standpunkt, der Vertreter Oesterreichs setzte sich für den Deutschen ein. So verging die Debatte und wurde immer oberflächlicher. Von dem traurigen Schicksal der Minderheiten, von ihrem Rechtskampf und darüber, wie ihnen der Völkerbund wirklich hilft, hat man nichts vernommen. gegen Max Hölz spurlos verschwunden. Gegen den kommunistischen Führer Max Hölz ist vom Amtsgericht Berlin=Schöneberg Haftbefehl erlassen worden wegen eines Vergehens gegen§ 5 des Republikschutzgesetzes und§ 110.9es gesetzbuches. Hölz augenblicklicher Aufenthalt ist unbekannt. Er wollte angeblich von Falkenstein aus, wo er sich von seinen Anhängern am Sonntag verabschiedet hatte, nach Berlin übersiedeln. Die Anklage wird damit begründet, daß Max Hölz, der gerade aus Moskau eingetroffen war, in einer kommunistischen Wahlkundgebung im Berliner Sportpalast seine Anhänger aufgefordert hatte, dafür zu sorgen, daß auch in Deutschland eine G. P. U.(russische Staatspolizei) bald ihre Arbeit aufnehmen könne und die Severing, Zörgiebel and Genossen erschossen würden. Mit einer Handbewegung auf die anwesenden Beamten der politischen Polizei hatte er hinzugefügt:„Sorgen wir auch dafür, daß die Banditen, die dort sitzen, mit erschossen werden.“ Dank an die Wahlorgane. Reichsinnenminister Dr. Wirth sprach allen an der Vorbereitung und Durchführung der Wahl sowie an der Ermittlung des Wahlergebnisses beteiligten Behörden und den zahlreichen ehrenamtlich tätig gewesenen Mitgliedern der Abstimmungsvorstände und der Wahlausschüsse Dank und Anerkennung aus. Der preußische Innenminister hat den Beamten der Polizei und der Landjägerei seinen Dank ausgesprochen und den staatlichen Beamten ohne Anrech= nung auf den zuständigen Urlaub je drei dienstfreie Tage nach ihrer Wahl im Rahmen der dienstlichen Möglichkeiten bewilligt. Senkung der Baukosten. Das zusätzliche Wohnungsbauprogramm.— Der Reichsarbeitsminister hat in einem Rundschreiben den Wohnungsressorts der Länder und den Beschaffungsressorts die bisherigen Ergebnisse der Preissenkungsmaßnahmen für das zusätzliche Wohnungsbauprogramm der Reichsregierung mitgeteilt. Es wird darauf hingewiesen, daß durch die Verschlechterung des Baumarktes bereits eine gewisse Senkung der Baukosten eingetreten ist und daß die bei dem zusätzlichen Wohnungsbauprogramm vorgesehenen Vereinfachungen der Bauausführung eine weitere Einsparung an den Baukosten von 7 bis 8 v. H. bringen werden. Preissenkungen sind erzielt worden bei den Honorarsätzen der Architekten, bei den Zementpreisen(einschließlich des hochwertigen Portlandzements) und bei den Fabrikpreisen für Linoleum. der Luftakrobatik? Reichsrechtliche Maßnahmen gegen lebensgefährliche Flugveranstaltungen. Das schwere Unglück im Flughafen Böblingen bei Stuttgart, hat die maßgebenden Behörden veranlaßt, mit noch stärkerem Nachdruck als bisher die Notwendigkeit einer reichsrechtlichen Regelung des Schauflugwesens zu betonen. Der Reichsverkehrsminister hat im Mai d.., nachdem mehrere schwere Akrobatikunfälle vorgekommen waren, bei den Länderregierungen eine Prüfung angeregt, ob derartige Veranstaltungen nicht besser ganz zu verbieten seien. Die Anregung hat zu dem Ergebnis geführt, daß allgemeine Veranstaltungen besonders gefährlichen Charakters, wie z. B. Umsteigen aus einem Flugzeug in ein anderes oder aus einem Kraftwagen in ein Flugzeug nicht mehr genehmigt werden sollten. In Böblingen hat es sich nicht um eine öffentliche Veranstaltung, sondern um die Vorführung eines Interessenten vor der hierzu geladenen Presse gehandelt, die eine Milderung der behördlichen Auffassung bezweckte. Der Reichsverkehrsminister steht auf dem Standpunkt, daß durch Unfälle, die bei Ausübung des Artistengewerbes naturgemäß häufiger als in der normalen Fliegerei auftreten, die legitime Luftfahrt in unerträglicher Weise geschädigt wird. Er wird sich daher erneut mit den Länderregierungen in Verbindung setzen und auch den deutschen LuftfahrtVerband, zu welchem das Böblinger Schulunternehmen#### hört, ersuchen, von einer Unterstützung derartiger Vorführungen in der Luft Abstand zu nehmen. * Hauptmann Engwer der das eine der verunglückten Flugzeuge führte, war der älteste deutsche Flugzeugführer. Seit zwei Jahren war er Leiter der Fliegerschule Böblingen. Politische Rundschau. — Vertreter des deutsch=französischen Studententreffens in Mannheim legten einen Kranz am Grabe des Reichspräsidenten Ebert auf dem Bergfriedhof in Heidelberg nieder. — Der Gewerkschaftsbund der Angestellten(GDA.) veranstaltet in München seinen 5. Bundestag, verbunden mit dem 5. Deutschen Angestelltentag. Der dabei zugleich die Feier seines zehnjährigen über die wir einst werden Rechenschaft zu geben haben. So werdet ihr die tiefe Wirklichkeit und Verantwortlichkeit jedes einzelnen Lebenstages deutlich spüren. Und aus diesem Verantwortlichkeitsgefühl heraus geht an eure Tagesleistung. Einerlei, wer und wo ihr seid, jeder Tag führt euch mit mancherlei Menschen zusammen, fordert mancherlei Aufgaben von euch. Laßt die Menschen euch nicht ohne weiteres mit ihrem Einfluß überfallen; steht ihnen nicht als zaunloser Garten gegenüber, in den jeder Eintritt hat, sondern als geschlossene Burg, deren Zugbrücke bei drohender Gefahr sofort hochgezogen werden kann. Gerade ihr jungen Menschen seid so sehr beeinflußbar für die Strömungen, die von anderen, besonders stärkeren Geistern ausgehen. Wie findet ihr den Maßstab, zu erkennen, wer eures Umganges würdig is und wer nicht? Nehmt die Menschen, die euch nähertreken und euren Verkehr suchen, mit in euer Gebet hinein. Vor dem Angesichte Gottes wird jede Seele gleichst durchsichtig, und ihr fühlt dann mit fast unfehlbarer Genauigkeit, welcher Umgang von wirklichem euch ist, und welcher nur Seele und Sinne umschmeichelt. Man wird ganz außerordentlich klarsichtig in bezug auf die uns Begegnenden, wenn man sich gewöhnt, den keitsmaßstab anzulegen; man fühlt auch viel tiefer eigne Verantwortung ihnen gegenüber. Was dich auf Erden lieb anspricht, nimm nur sein Maß am Himmelslicht; Löscht es dabei nur irgend aus, so tu's alsbald aus deinem Haus. Doch wenn's bei dem Licht sich bewährt, wohl gar noch schöner sich verklärt, dann heg' es treu, dann halt es wert! Wir sprachen am Anfang dieses Aussatzes von der unseheuren Ueberslutung unserer Seele durch die Eindriche der Außenwelt, durch Zeitungen, Zeitschriften, und Bilder. Wir müssen uns gegen diese Ueberflutung dadurch schützen, indem wir feste Dämme aufrichten und nur das an uns heranlassen, was wirklich von Wert für uns ist. Jedes deutsche Haus sollte sorgfältig darüber wachen, daß nur gediegener Lesestoff den Weg zu ihm findet. Eine wirklich gute Zeitung, wenig, aber wertvolle Lektüre, mit Ruhe und Aufmerksamkeit genossen, sei unser Wahlspruch. Daß man ein Buch nur lesen soll. das sich lohnt, auch zum zweiten Male gelesen zu werden, ist sehr wahr und beherzigenswert. Viel fördernder als Romane sind Lebensbeschreibungen bedeutender Männer und Frauen, die uns wirklich gelebtes Leben vorführen und unsere Kräfte anspannen, es ihnen gleich zu tun. Hier möchte ich drei Bücher nennen, von denen auf mich geradezu ein seelischer Kraftstrom ausgegangen ist; das erste ist das schlichtschöne Lebensbild„Friedrich von Bodelschwingh", von seinem Sohne G. von Bodelschwingh gezeichnet, das uns die große Menschlichkeit und Güte des Gründers der Bielefelder Anstalten ergreifend nahe bringt. Dus zweite ist„Mathildo Wreppe, gani ege bgag Maria Sick, das uns die hochgemute Persön., Ees Engels der Gefangenen" lebensvoll schildert. Das dritte ist anderer Art; es heißt„Das Pediskript“ von Hermann Unthan und führt uns in herzerfrischender Weise den unsäglich mühsamen Aufstieg eines armlos Geborenen vor Augen, der dieses sein Lebensbild selbst mit Fußschrift aufzeichnete, allen denen zum Ansporn, die mit schweren. lebenslänglichen Hemmungen zu kämpfen haben. schienen im Verlage der Gesellschaft für Vomsvildung, Berlin, Lüneburgerstraße 21.) Auch zum Vorlesen im Familienkreise oder Verein sind diese Bücher warm zu empfehlen. Sie wirken sammelnd, nicht zeestreuend. Die beste Schulung zur Sammlung und Kräftigung kann jedem Menschen seine Arbeit werden, gleichviel, welcher Art sie ist. Der Ernst und die Pflichttreue, die unbedingte Verläßlichkeit und Pünktlichkeit, mit der sie verrichtet wird, adelt jede, auch die unscheinbarste Arbeit. Tut eure Arbeit an jedem Tag als „dem Herrn und nicht den Menschen", und seid gewiß, daß der Herr sein Augenmerk auf euch gerichtet hat, und daß nichts vergeblich getan ist, was ihm getan wird. Arbeitet konzentriert und schweigend. Hütet euch vor dem kraftzerstreuenden Schwatzen. Schweigen ist Kraftsammeln. Schwatzen ist Kraftvergeuden. Die schweigenden Menschen sind wie Kraftbehälter, in denen die Gotteskraft, welche das Weltall durchflutet, sich sammelt, um dann aus ihren Mienen, Worten und Gebärden auszustrahlen, ihnen selbst unbewußt, als geheimnisvolle Leuchtkraft. Die Seele der schwatzenden Menschen dagegen ist unruhig und unfähig, diese göttliche Kraft aufzufangen und in sich zu halten. Hast du inwendig in dir Kraft empfangen, so hüte dich, darüber zu reden. Schweige! O schweige, so tief du kannst, auf daß du mehr erfahrest. Hast du Gott in deiner Seele empfangen, so schweige. Laß dein Schweigen über ihn zusammenschlagen, wie die Meereswellen über der kostbaren Perle in ihrer Tiefe zusammenschlagen. Laß Gott Zeit, in dir lebendig zu werden und aus dir heraus zu leuchten, wie das geheimnisvolle Feuer aus dem Depant Vesches. S 84 Schließe jeden Tag mit dem abenogevei. Wie er wie die letzte Stunde jeden Tages sei Gott geweiht. Die erste ein Kraft=Sammeln vor seinem Angesicht; die letzte ein Selbstgericht unter seinen Augen. So werdet ihr an jedem Lebenstage die Verbindung mit eurer eigenen Tiefe aufrecht erhalten und mit dem, der eures Lebens Ausgangs= wie Zielpunkt ist. Und das ist der einzige Weg, um die uns allen dro hende furchtbare Gefahr der Oberflächlichkeit zu vermei Vally Nagel. :: Wirtschaftspartei für Landtagsauflösung. Abg. Ladendorff hat namens der Fraktion der Wirtschaftspartei im Preußischen Landtag einen Antrag eingebracht, wonach der Landtag mit sofortiger Wirkung aufgelöst werden soll. :: K e i n e V e r h a n d l u n g e n d e r p r e u ß i s c h e n R e g i e rung mit Sinelair. Zu der Meldung eines Berliner Blattes, daß zwischen der preußischen Regierung und dem amerikanischen Oelindustriellen Harry F. Sinclair Verhandlungen über ein Erdölabkommen oder über Hergabe von Land zwecks Ausbeutung auf Erdöl schwebten, teilt der Amtliche Preußische Pressedienst mit, daß diese Nachricht jener Begründung entbehrt. :: Aufruf der Deutschen Volkspartei. Der Parteivorstand der D. V. P. erließ einen Aufruf, in dem u. a. ausgeführt wird:„Ein schwerer Wahlkampf liegt hinter uns. Leider hat auch die Deutsche Volkspartei gleich den anderen Parteien der Mitte einen Rückschlag erfahren. Nicht weil ihre Politik falsch war— die Zukunft wird zeigen, daß ein Aufstieg nur auf den von von uns gewiesenen Wegen möglich ist. Der Wahlausfall vom 14. September darf und kann uns nicht entmutigen. Wir sind der festen Zuversicht, daß der Radikalismus seine Anhänger bald aufs schwerste enttäuschen wird.“ Rundschau im Ein weiterer Schritt zur Einverleibung Deutsch=Ostafrikas in das englische Weltreich? London, 19. September. Wie der„Evening Standard“ meldet, soll gelegentlich der Weltreichskonferenz auf die Regierung ein Druck ausgeübt werden, um sie zur Kündigung der sogenannten Kongo=Akte zu veranlassen. Eine solche Kündigung würde der britischen Regierung in Ostafrika und im Mandatsgebiet Tanganyika, dem früheren Deutsch=Ostafrika, gestatten, auch für diese Gebiete die Vorzugszollbehandlung für englische Waren einzuführen. Die Kongo=Akte sahen bekanntlich für das Kongogebiet und die östlichen angrenzenden Gebiete Handelsfreiheit und völlige Zollfreiheit für jegliche Einfuhr vor; sie wurden auf der Konferenz in St. Germain 1919 bei der Verteilung der ehemaligen deutschen Kolonien unter die Alliierten ausdrücklich bestatigt. Es wurde jedoch eine Klausel eingeschaltet, die eine Kündigung der Kongo=Akte nach Ablauf von 10 Jahren vorsieht. Offenbar wünscht man nunmehr in England von dieser Kündigungsmöglichkeit Gebrauch zu machen, um auf diese Weise die Einverleibung DeutschOstafrikas in das britische Weltreich weiter zu fördern. * * Der argentinische Botschafter in Paris, Alvarez de Toledo, ist zurückgetreten. * Der Vorsitzende der vor kurzem eingesetzten nordchinesischen Regierung, General Jenhsischan, will wegen der militärischen Mißerfolge seiner Truppen zurücktreten. Rücktritt des Generalkommissars der peruanischen Armee. * Nach Pariser Zeitungsmeldungen hat die neue peruanische Regierung dem ehemaligen deutschen General Wilhelm Faupel, der zwei Jahre hindurch den Posten des Generalkommissars der peruanischen Armee bekleidet hat, mitgeteilt, daß seine Mission vom Dezember ab beendet sei. Bücher und Die hier angezeigten Bücher sind zu beziehen durch die Buchhandlung der Anstalt Bethel. „Ursula Redel.“ Roman von L. Haarbeck. Preis geb. RM..—. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. Ein Stück Reformationszeit abseits des Weltgeschehens umschließt diese fesselnde Erzählung. Wie ein Sturm braust Luthers neue Lehre durchs Land und ergreift alt und jung. All die Menschen dieser Geschichte ringen in Haß oder Liebe um den alten und neuen Glauben, in den Städten, auf dem Lande und— in den Klosterzellen. Dies Buch führt uns so recht den Fanatismus der Reformationszeit vor Augen. Hg. „Duettbuch für Kirche, Schule und Haus“(284 Duette!), von D. Joh. Kuhlo. Verlag Bertelsmann, Gütersloh. Preis RM..50. Im rechten Bethelgeist sucht Pastor Kuhlo durch Herausgabe dieser Duette zunächst einmal die Freude an der Musik auch da zu wecken und zu beleben, wo nur kleine ausführende Kräfte zur Verfügung stehen, denn fast in jeder Familie wird die Möglichkeit da sein, diese Duette zu singen oder zu blasen. In dem Vorworz gibt er aber selbst die Wege an, wie seine dankenswerte Gabauch in Elternabenden, Vereinsfeiern und dergl. ver, wendet werden kann. Wilm Bethel. Theologische Woche.— Die Woche beginnt am Sonn, tag mit dem Festgottesdienst um 10 Uhr, in dem der so, eben aus Afrika zurückgekehrte Pastor Ronicke pre, digen wird. Anschließend Abordnung des für Ostafrikza bestimmten Mittelschullehrers Buchholz und seiner Frau.— Am Abend um 8½ Uhr findet im Sarepta=Sag eine Begrüßungsversammlung statt, zu der außer den Teilnehmern der Woche auch ihre Quartier, geber eingeladen sind.— Der Zutritt zu den Andach, ten, die Montag um 9½ Uhr, von Dienstag bis Freitag um 8½ Uhr im großen Saal des Assapheums stattfinden. ist frei. Wer an den Vorträgen teilzunehmen wünscht, wird gebeten, eine Teilnehmerkarte zu lösen. Von den Anstaltsbewohnern wird dafür ein ermäßigter Satz von.— Mk. für die ganze Woche, von 50 Pfg. für den einzelnen Tag erbeten.— Die Besprechungen, die sich an die Vorträge anschließen, werden im engeren Kreis der Theologen und Religionslehrer gehalten. Ein genauer Stundenplan ist in der Hauptkanzlei zu haben. Am Mittwoch der Theologischen Woche, abends 7½ Uhr, findet im großen Saal des Assapheums in geschlossener Versammlung die Uraufführung des neuen Bethelfilms„In den Spuren Vater Bodelschwinghs. Durch Dienst zur Freude" statt. Die ganze Veranstaltung wird wiederholt am Mittwoch, den 1. Oktober, und zwar nachm. um 2 Uhr für die Insassen der Frauenhäuser, nachm. um ½5 Uhr für die Insassen der Männerhäuser, abends um ½8 Uhr für jedermann. P. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Aufwärts“, Christliches Tageblatt. Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3916. Amt Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel ur Lequem., Hülig, und i Erhalten Sie sich Ihre schönen Sachen und bleiben Sie bei der bewährten kalten Persilmethode. Sie erfordert keine umständlichen Vorbereitungen. Etwas kaltes Wasser und 1 Eßlöffel Persil auf je 2 Liter Wasser— so bequem geht es! Durch leichtes Drücken und Bewegen werden Kunstseide, Wolle, Seide und alle zarten, bunten Sachen wieder farbenfrisch. 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