B- G = Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .36 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Füre Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 211. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Dienstag, den 9. September 1930. 12. Jahrgang. Lern' dich selbst erkennen an anderer Fehler und eignen, Doch noch mehr an dem, wie du anderer Fehler beurteilst. Lavater. Die Aufgabe. Von August Winnig. Selten war der Zweck des Wahlkampfes so deutlich, wie bei dieser Neuwahl des Reichstages. Aber leider ist der Wahlkampf mit so vielem Beiwerk belastet, daß die Gefahr besteht, der Zweck könne in den Hintergrund gedrängt und verdunkelt werden. In der Mitte der Parteienfront sind die Sammlungsbestrebungen gescheitert. In der Staatspartei ist ein neues Parteigebilde entstanden. Die Rechte zerfleischt sich im Bruderkampf. Alle diese Vorgänge nehmen den Wähler in Anspruch. Sie sind ungemein interessant, zumal wenn sie bis zu den Personalien zerfasert werden und die Lichter der Anekdote darüber spielen. Da ist es dann kein Wunder, wenn der millionenfache Wähler, der ja auch noch andere Dinge zu besorgen hat, den eigentlichen Zweck dieser Wahlen aus den Blicken verliert und sich von den Tageseindrücken schaukeln läßt,— so wie Treibholz auf bewegtem Wasser schaukelt. Irgendwo wird er am 14. September landen. Es gibt viel Treibholz bei dieser Wahl, darüber täusche man sich nicht. Es schwimmt und schaukelt überall: zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten, zwischen der Sozialdemokratie und der Staatspartei, zwischen der Staatspartei und der Volkspartei, und vor allem schwimmt und schaukelt es auf der Rechten. Die ehrlichste Art, ihm Kurs zu geben, ist die Erinnerung an den allgemein bekannten Tatbestand. Wir haben im Mai 1928 einen Reichstag gewählt, in dem nur die große Koalition als Regierungsmehrheit möglich schien. Dann hat diese Mehrheit 1½ Jahre regiert. Die großen Aufgaben der deutschen Politik waren schon früh sichtbar geworden. Die Schwierigkeiten der Wirtschaft mehrten sich. Die Zustände in der Landwirtschaft waren in schnellem Abgleiten. Die Arbeitslosigkeit wuchs. Die Neuregelung der Tribute sollte helfen. Man hoffte auf Herabsetzung der Jahreszahlungen und auf ein Freiwerden erheblicher Summen, die zur Gesundung der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes verwandt werden sollten. Die Jahrestributbeträge wurden in der Tat herabgesetzt. Aber die damit verbundenen Hoffnungen erfüllten sich nicht. Die große Koalition zeigte sich außerstande, dem Wirtschaftsverfall Einhalt zu tun. Die gewissenlose Ausgabenwirtschaft wurde fortgesetzt. In der Sozialpolitik blieb man bei den primitiven Methoden, beim Ausschöpfen des Eimers, ohne darauf Bedacht zu nehmen, daß er auch wieder gefüllt werden müsse. Die Regierung der großen Koalition erwies sich zu jeder wirklich heilenden Maßnahme unfähig. Sie war durch die Gegensätze, die sie umschloß, gelähmt nach allen Seiten. Die Einsicht der ihr angehörenden Minister der Mitkelparteien konnte sich gegen den Widerstand der übermächtigen Sozialdemokratie nicht durchsetzen. Fast ein ganzes Jahr dauerte dieser Kampf der mittelparteilichen Minister gegen die sozialdemokratische Uebermacht. So lange wehrten sie sich gegen die Einsicht, daß in dieser Notzeit nicht mit der Sozialdemokratie regiert werden könne. Erst als Reichsfinanzen und Volkswirtschaft in der gefährlichsten Lage waren, gaben sie die nutzlosen Bemuhungen auf und machten der Großen Koalition ein Gns Siche Die danach gebildete Regierung hatte keine verl### liche Mehrheit. Sie konnte sie nur finden, wenn sich die Rechte entschloß, für das Gesundungsprogramm einzutre. ken. Als die Frage an die Rechte gestellt wurde, brach sie auseinander. Das ist der unbestrittene Tatbestand. Der Zweck des Wahlkampfes ist ganz klar. Er soll die Möglichkeit einer Regierung schaffen, die bereit ist, Gesundungsprogramm durchzuführen. Eine solche Regiekung ist nur ohne die Sozialdemokratie denkbar. Wer sich gegen diese Einsicht sträubt, verkennt ganz und gar die Lage der Sozialdemokratie. Sie ist, selbst, wenn ihre Füyker es wollten, gar nicht imstande, an der Einanzen und der Wirtschaft helfend mitzuarbeiten. Burde sie daran beteiligt, so würde sie nur hemmen, stören und verderben. Die sozialdemokratischen Führer können das, was getan werden muß, nicht verantworten. Siselber wissen das sehr gut. Sie wissen, was sie aus ihrem Parteianhang gemacht haben. Sie haben nicht die geistige Position für eine Politik der Gesundung. Sie haben keine Waffen für den Kampf gegen den Radikalismus in ihren eigenen Reihen. Eine Partei, die nur von der Exhebung stetig gesteigerter Ansprüche lebt, kann ihrem Anyang nicht Verzichte zumuten. Eine Partei, die immer hemmungsloser der Demagogie verfällt, kann ernsthaften, sachlichen Aufgaben nicht gerecht werden. So ist die Lage der Sozialdemokratie, wenn man sie frei von Illusionen betrachtet. Man kann in Deutschland jetzt nicht mit der Sozialdemokratie regieren, wenn man nicht unersetzliche Güter aufs Spiel setzen will. Ohne die Sozialdemokratie regieren heißt nicht, gegen die Arbeiter regieren. Man sehe sich die Sozialdemokratie genau an, dann wird man finden, daß ihr Anspruch,„die Arbeiterpartei“ zu sein, auf sehr schwachen Füßen steht. Sind die Millionen von Arbeitern, die hinter den Parteien der Mitte und der Rechten stehen, nicht auch vollberechtigte Staatsbürger? Hören sie darum auf, Arbeiter zu sein, weil sie nicht Sozialdemokraten sind? Wer ihre Vertreter kennt, weiß, daß sie in der Wahrnehmung ihrer Standesinteressen weder dümmer noch ungeschickter sind als andere. Eins aber haben sie vor der Sozialdemokratie voraus, sie haben Gemeinsinn, den die Sozialdemokratie in ihrem Anhang mit Erfolg erstickt hat, und dieser Gemeinsinn öffnet ihnen Einsichten, zu denen der sozialdemokratische Arbeiter nur selten und schwer gelangen kann. Wenn wir heute den Zweck des Wahlkampfes darin sehen, eine nicht sozialdemokratisch geführte Regierung möglich zu machen, so ist das kein Vorstoß gegen die Arbeiterschaft, sondern die Folge der staatspolitischen Unfähigkeit der Sozialdemokratie. Damit wächst die Verantwortung der nicht sozialdemokratischen Arbeiter; sie müssen jetzt die politische und moralische Führung ihres Standes übernehmen— ohne Scheu vor den verstärkten Angriffen, die zweifellos kommen werden. Man darf sich von diesem klaren Zweck des Wahlkampfes nicht abdrängen lassen. Wir müssen dafür sorgen, daß die Führung der deutschen Politik durch fähige Hände gesichert wird. Das ist auch die Aufgabe, die der Rechten gestellt ist. Man frage sich nur: Was soll werden, wenn dieser Zweck des Wahlkampfes nicht erreicht wird? Wenn die Rechte zu schwach ist oder sich der Mehrheitsbildung versagt, so rückt die Mehrheitsbildung mit der Sozialdemokratie von selbst in den Bereich des Möglichen. Die Rechte muß sich jetzt klar machen, was auf dem Spiel steht. Die ganzen angebahnten wirtschaftspolitischen Reformen hängen in der Schwebe. Ueber deren Bedeutung bedarf es keiner Worte. Aber die nächsten Jahre werden neue wirtschaftspolitische Nöte und Aufgaben bringen. Wir werden wirtschaftlich nicht zur Ruhe kommen. Die deutsche Wirtschaft wird unter den gegebenen Umständen immer eine kämpfende Wirtschaft sein und sich nur im Kampf behaupten können. Sollen diese Aufgaben der Sozialdemokratie überantwortet werden? Diese Frage muß man stellen. Aber blicken wir über die Grenzen. Unsere Lage in der Welt erhält allmählich ein anderes Gesicht. Die Frage der deutsch=polnischen Grenzen ist jetzt ein außenpolitisches Thema geworden, der Korridor wird diskutiert und die Diskussion nimmt einen für uns nicht ungünstigen Verlauf. Die Frage ist in Bewegung gekommen. Wie lange es noch dauert, ehe sie zur Lösung reif ist, bleibt ungewiß. Sicher ist nur, daß der deutschen Politih, hier bedeutsame Aufgaben erwachsen. Sollen diese Möglichkeiten von der Sozialdemokratie verdorben werden? Anderes, nicht Geringeres, steht bevor. Es fühlen allmählich auch andere Völker, daß der Youngplan keine endgültige Lösung sein kann. Sie fühlen noch mehr. Sie fühlen, daß die deutsche Tributpflichtigkeit auch für sie eine Quelle wirtschaftlicher Störungen ist. Schon sind es nicht nur deutsche Stimmen, die zwischen der Weltwirtschaftskrisis und der deutschen Tributpflichtigkeit einen Zusammenhang behaupten. Bisher waren die Tribute nur ein Problem für uns— jetzt werden sie es auch für nicht belanglose Kräfte in der Außenwelt. Wir wollen keinen Hoffnungen das Wort reden und nur sagen, daß die deutsche Politik an diesen neuen Möglichkeiten nicht vorübergehen darf. Soll diese Aufgabe der Sozialdemokratie überlassen werden— jener Partei, die in ihrem Wahlaufrufe wiederum behauptet, die not der deutschen Wirtschaft habe mit den Tributen nichts zu tun? Diesen Fragen muß man ins Gesicht sehen, und man muß ihnen den Ernst und die Bedeutung lassen, die sie haben. Um diese Dinge führen wir den Wahlkampf. Die Rechte, die von allen Parteien als Nächste zur Lösung der vor uns stehenden Aufgaben berufen ist, zieht aufgelöst in diesen Kampf. Das läßt sich jetzt nicht mehr ändern. Aber es darf sich auch nicht wiederholen. Für jetzt bleibt nur der Rat möglich: Auf der Rechten darf es nur Nachbarn, keine Feinde geben! Stimmen aus Württemberg. Ein Wort an evangelische Christen im politischen Kampf der Gegenwart. (Zu den Reichstagswahlen am 14. September.) Wer nicht wählt, stärkt immer die Front der Gegner! Darum wählen wir. Wahlrecht ist für den Christen Wahl. in ia Was wählen wir? Wir Christen können nicht Parteien wählen, die das, was uns heilig und teuer ist, offen oder geheim im Staat und im Volksleben bekämpfen und untergraben. Der Marxismus leugnet das Dasein Gottes und jede Gottesoffenbarung und ist darum auch der geschworene Feind des Staates auf religiöser Grundlage. Dabei erweist sich der marxistische Sozialismus nicht als Damm gegen den marxistischen Bolschewismus, sondern als sein Wegbereiter. Was es heißt, vom Bolschewismus beherrscht zu sein, wird gerade jetzt an dem erschütternden Todesgang der deutsch=russischen Bauern deutlich, die um des Gewissens willen den terroristischen Maßnahmen der Sowjet=Regierung sich nicht fügen konnten. Man täusche sich nicht! Unser Weg würde derselbe sein, wenn der Bolschewismus in Deutschland zur Herrschaft käme: Entweder müßten wir Glauben und Gewissen verleugnen oder Not und Verderben wählen. Darum rufen wir zur gesammelten Rechtsfront gegenüber der sich unheimlich zusammenballenden Linksfront. Wir tun das nicht, weil wir rechts die sündlosen, tadellosen Parteien wissen. Solche Parteien gibt es nicht und wird es nicht geben. Auch der Christlich=soziale Volksdienst=Korntal hat hier durchaus keine neue Linie heraufgeführt. Das ist uns gerade in Württemberg immer wieder schmerzlich deutlich geworden, seit er den ursprünglichen Weg, Gesinnungsgruppe zu sein, verlassen hat und Wahlpartei geworden ist. Darum vermögen wir auch nicht in einer einzelnen Wahlpartei— auch nicht in einer christlichen— die Rettung zu sehen von dem drohenden Untergang, d. h. vor dem Sturz in eine bolschewistische, Staat und Volk verschlingende Revolution. Keine der Parteien der Rechtsfront, ob deutschnational, Bauernbund, Volkskonservativ, christlich=sozial oder national=sozialistisch, hat für sich allein die ganze politische Wahrheit, die ganze politische Gestaltungskraft, die jetzt der deutsche Staat und die deutsche Nation zu ihrer Rettung aus der Tiefe der Not bedürfen Wir glauben aber, daß diese Wahrheit, Gerechtigkeit und Gestaltungskraft da sind in dem Augenblick, da die Parteien der Rechtsfront den zwar leider echt deutschen, aber doch unseligen, verwirrenden, verderblichen Zwist und Hader begraben und jede ihr Bestes bringt und auch die andern ihr Bestes bringen läßt. Dann könnte durch Gottes Gnade und Erbarmen alles sich zusammenfügen zum Gesamtwerk des neuen deutschen Staates und der neuen deutschen Nation, die erst wieder aus notvollem Werden erstehen müssen. Die internationalsozialistische Linksfront, die vor 12 Jahren nach der Revolution versprach, die deutsche Nation zur wahren Freiheit, Schönheit und Würde emporzuführen, hat vor allem diesen Bankerott gebracht in seltsamem Bündnis mit einer gottlosen und herzlosen internationalen Hochfinanz. Und nun meldet sich stürmisch die radikale Linke und kündet als letztes Allheilmittel im Bunde mit Moskau die weltbolschewistische Revolution an. Schon zucken die Blitze, schon grollen die Donner. Wehe uns und unsern Kindern, wenn dieses Gewitter hereinbricht! Jetzt ist die Rechtsfront aufgerufen, aber nicht ein Teil und ein Splitter dieser Rechtsfront, sondern die gesamte durch Not und Gefahr zusammengeschweißte Rechtsfront. Die unentschlossen zwischen links und rechts schwankenden Mittelparteien werden es nicht schaffen. Die nationalsozialistische Arbeiterpartei nennen wir ausdrücklich mit in dieser Rechtsfron:, nicht, weil wir an ihr alles billigen könnten, wohl aber beshalb, weil, menschlich gesprochen, keine Partei sonst einen so starken Damm bildet gegen den drohenden bolschewistischen Umsturz wie gerade diese Partei. Das weiß auch Moskau. Darum haßt es diese Partei und hat ihren Anhängern den Tod geschworen. Und weil diese Partei allerdings unzweideutig scharf und unermüdlich sich wendet gegen die unerhörte Korruption der bisherigen neudeutschen Republik, die uns heute dem Hohn und der Verachtung des anständigen Auslandes preisgibt, darum fürchtet das sozialistische Preußen=Berlin die nationalsozialistische Bewegung und unterdrückt sie mit allen Mitteln„staatlichen“ Terrors. Wir sehen die Möglichkeit, wie die deutsch=katholische Christenheit Schulter an Schulter stehen könnte mit der deutsch=evangelischen Christenheit in gemeinsamer Abwehr= und Angriffsfront gegen die Mächte der Fäulnis, der Korruption und der Zersetzung im Staat und im Volksleben. Aber wir Evangelischen müssen in Preußen, in allen Gliedstaaten und im Reich endlich die klare Frontstellung gegen den Marxismus und Bolschewismus fordern. Es darf auch keine geheime vatikanische Politik Raum gewinnen gegen den Willen des reichstreuen, katholischen Volkes und die Einheit und Erstarkung des Reiches gefährden oder hintanhalten. Wir rufen zur Rechtsfront und sordern damit zugleich im Namen des lebendigen Gottes, der Wahrheit und der Gerechtigkeit den Widerruf der entehrenden Kriegsschuldlüge und die Revision der Versklavungsverträge mit ihren für unser Volk ganz unmöglichen Tributlasten! Daß diese Rechtsfront sich gestalte, scheint uns mit eines der Ziele der unermüdlichen Arbeit Hugenbergs. Wir halten es für sittlich nicht einwandfrei und für politisch völlig verfehlt, wenn dieser von links her viel geschmähte und gehaßte Mann auch von„christlicher“ Seite immer wieder mit Schmutz beworfen wird. Es geht nun einmal im Staat nicht um den Bau der Gemeinde Jesu Christi, sondern um den Bau des völkischen Gemeinwesens auf Grund des bürgerlichen und nationalen Rechts, gewiß mit dem Hintergrund und Untergrund ewiger, göttlicher Bindung. Das wird Hugenberg nie leugnen, sondern unbedingt fordern. Hierin ist er gewiß eines Sinnes mit den Männern, die heute im volkskonservativen Lager stehen. Wir hoffen und wünschen dringend vom Schwabenland aus, daß die Wege, die jetzt um der Taktik willen auseinanderführen, recht bald sich wieder vereinigen. Jetzt müßten Fragen zweiten und dritten Ranges schweigen, wenn Fragen allerersten Ranges der Lösung harren: nämlich die Befreiung der deutschen Nation nach innen und außen! Fort mit aller Trennung zur Einigkeit! Vorwärts zur gesammelten Rechtsfront! Niemand stehe zurück am Wahltag, kein Mann, keine Frau, kein Jungmann, kein Jungmädchen. Wähle die Partei der Rechtsfront, die dir am nächsten steht. Einen besseren Weg sehen wir jetzt nicht! Gehst du aber diesen Weg, dann hat niemand ein Recht, dich darob in deinem Gewissen anzufechten. Sorge dafür, soviel an dir ist, daß es in der Partei, der du deine Stimme gibst, immer besser erkannt werde, daß es am 14. September und darüber hinaus wahrlich nicht geht um die Rettung der Partei, sondern um die Rettung des deutschen Volkes und der deutschen Nation, der wir nach Gottes Schöpferwillen angehören, daß es geht um Wohl und Wehe unserer Kinder und Kindeskinder! Gott selbst aber schenke uns in der Buße und Beugung vor Ihm die Kraft zur rechten Einigkeit und Bruderliebe, ja, selbst zur Feindesliebe, die Kraft aber auch zum tapferen, entschlossenen Kämpfen und Handeln! Dann vermögen wir Ihm auch gläubig Gegenwart und Zukunft anzuvertrauen. Dann bleibt uns die Zuversicht: Der Fürst dieser Welt, wie saur er sich stellt, Tut er uns doch nichts; das macht, er ist gericht't, Ein Wörtlein kann ihn fällen. Einige für viele. „Tabakverkauf Von Fritz Bergmann, Herford, Bezirksleiter des„Zentralverbandes christlicher Tabakarbeiter Deutschlands“, Bezirk Westfalen. In der Nr. 201 des„Aufwärts“ vom 28. August bringt Herr Sanitätsrat Dr. Bonne einen Artikel, überschrieben„Tabakwarenverkauf in Gastwirtschaften“. Ohne auf den Inhalt des Artikels, über den viel zu sagen wäre, einzugehen, möchte ich nur einiges richtig stellen, damit die Oeffentlichkeit doch nicht über die Einfuhr von Tabakwaren irregeführt wird. Es ist amtlich festgestellt, daß in Deutschland, im letzten Jahre, nicht, wie Herr Sanitätsrat Dr. Bonne schreibt, für 2,8 Milliarden Reichsmark eingeführt ist, sondern nur für rund 250 Millionen RM. Zu dieser Tabakeinfuhr von 250 Mill. RM im letzten Jahre kommt eine deutsche Eigenerzeugung von Tabakblättern für rund 22 Millionen RM. Somit beträgt für das deutsche Reich die Gesamt=Tabakeinfuhr nebst dem Wert der Eigenpflanzung von Tabak 272 bis 275 Millionen RM. Die von Herrn Sanitätsrat Dr. Bonne angeführte Ziffer von 2,8 Milliarden RM ist der für Tabakwaren ausgegebene Kleinhandelspreis. Die Differenz zwischen 275 Millionen RM und 2,8 Milliarden RM, also 2,5 Milliarden RM, sind ausgegeben für deutsche Arbeit. Die 2,5 Milliarden RM setzen sich zusammen aus Löhnen für die Arbeiter, für Kontorpersonal, für Papier, für Holz, Handelsnutzen, Fabrikationsnutzen. In der deutschen Tabakindustrie sind über 200 000 Arbeiter beschäftigt, die zumeist auf dem Lande leben, wo sie sonst keine andere Beschäftigung finden könnten. Dazu kommen Hunderttausende von Personen, die die Ware absetzen und die sonstigen Bedürfnisse für die Industrie herstellen und erzeugen. Mit ihren Angehörigen leben somit Millionen deutscher Menschen von dieser Industrie. Außer der Rohtabakeinfuhr von 250 Millionen RM ist die Ausgabe von 2800 Millionen RM nur eine Ausgabe für deutsche Arbeit und Erzeugnisse. Außerdem möchte ich feststellen, daß mit den in der Notverordnung vom 1. August 1930 festgesetzen 48 Millionen einmaliger Einnahmen aus der Verkürzung der Zahlungsfrist für entnommene Steuerzeichen im Etat 1115 Millionen(?) RM aus der Tabaksteuer für das Reich in Einnahme gestellt sind. Woher sollte das Reich die Deckung dieser ungeheuren Summen nehmen, wenn es diese Einnahmequelle nicht hätte? Ich halte es für richtig, der oft gehörten Meinung in der Oeffentlichkeit entgegenzutreten, daß unsere Valuta dadurch sinken könne, daß Deutschland Milliarden für Tabakeinfuhr an das Ausland pro Jahr zahlen müsse. Gewiß bin ich nur Laie und kann daher die gesundheitlichen Schädigungen, verursacht durch das Rauchen einer Zigarre oder einer Pfeife nicht genau ermessen. Aber das glaube ich feststellen zu dürfen, daß ich noch nie erlebt habe, daß eine Familie dadurch unglücklich geworden ist, daß der Vater eine Zigarre oder eine Pfeife raucht, wiewohl das beim Mißbrauch von Alkohol sehr oft vorkommt. *** Der Irrtum in der Angabe der Summe für Tabakeinfuhr konnte richtig gestellt werden. Die Schäden und Nachteile des Tabakkonsums mit der wirtschaftlichen Bedeutung desselben zu entschuldigen und zu begründen, dazu würde uns der Mut fehlen. Die Zeit, die diesen Konsum durch etwas Besseres überflüssig macht, wird sicher die schönere Zeit sein. Die Schriftleitung. Geschäfte mit der Religion. Dem Preßverband wird geschrieben: Wir haben leider Veranlassung, auf eine höchst bedauerliche Entgleisung der Deutschen Reichsbahnreklame die Aufmerksamkeit zu lenken. In den Abteilen der deutschen =Züge wurde in letzter Zeit massenhaft ein bebilderter Prospekt verbreitet, der auf den Salonwagenzug der Deutschen Reichsbahn nach Oberammergau, die„schönste, rascheste und bequemste Fahrgelegenheit zum Besuche der Passionsspiele“, empfehlend hinweist. Die Abbildung eines Kreuzes im Hochgebirge, darunter die Aufforderung zur Benutzung des Zuges schmücken das Titelblatt. Besonderer Beachtung wird aber die Innenseite empfohlen. Hier präsentiert sich zur Linken das Wageninnere mit seinen bequemen Polstersesseln, rechts erblickt man die Abnahme des Leichnams Christi vom Kreuz(eine Szene aus dem Oberammergauer Passionsspiel); darunter Hinweise auf Fahrpläne, Erfrischungen und Dolmetscher, die im Zuge zu haben sind.— Wie uns bekannt, hat dieser Prospekt, insbesondere jene Bilderpaarung auf der Innenseite, im Reisepublikum geradezu Empörung hervorgeBrief aus den Bergen.*) Was den Bewohnern in der Tiefe der See, das ist den Menschen in den Bergen der Berg: Wiege und Grab. Unter seinem Schatten schauten sie erstmals die Sonne; unter seinem Schutze suchen sie die ewige Ruhe. In seinen Klüften und Schroffen lauert auch für sie nur zu oft der Tod. Der Berg!— Der Berg, der mein Urlaubsgefilde beherrschte, war die Scesaplana. Als höchste Erhebung des Rhätikon schließt sie das auch an den übrigen Seiten von hohen Bergen eingefaßte liebliche Brandner Tal nach Süden gegen die Schweiz hin ab. Auf sie fällt der Blick von tausend Augen jeden Tag und zu jeder Stunde. Um ihretwillen geht ein Strömen durch das Tal und ein Wandern, das helle Freude weckt. Stets zeigt der Berg ein ander Gesicht. Schimmert er morgens in frühster Frühe silbern aus einem leichten Wolkenschleier, steht er dann bald in seiner ganzen dreigipfligen Wucht unter dem klarblauen wolkenlosen Himmel, wohl gar in der jungfräulichen Pracht des Neuschnees, dann vergißt sich das Bild nimmermehr. Mitunter aber auch ist er teilweise oder ganz hinter den Wolkennebeln verschwunden. Wie wenn mit dieser grauen Wand die Welt zu Ende ginge in ein ewiges Nichts. Und das geht oft sehr schnell. Wehe denen, die auf dem Berge selbst oder in seinen vielen Schluchten und Windungen von diesem Nebel überrascht werden! Sie finden sich, zumal ohne Führer und bei der dann einsetzenden Schneekälte, nicht mehr herunter. Wenige Wochen vor meinem Eintreffen ist dort droben ein junger Handwerker aus Tirol erfroren und bald nach unserer Ankunft in der zu Füßen des Berges liegenden Ortschaft Brand hörten wir jene andere Geschichte, die beinahe ebenso schlimm geendet hätte. Ein älteres Ehepaar hatte es gleichfalls gewagt, ohne Führer die *) Vgl.„Aufwärts" Nr. 202. Scesaplana zu besteigen. Bei gutem Wetter auch wirklich nichts Unmögliches. Dann aber kam der Nebel. Und auf dem großen Schneefeld, dem„Brandner Ferner“, verlor es die Richtung. Was wohl geworden wäre, wäre nicht „zufällig“— in den Bergen verlernt sich dieses Wort noch weit mehr als anderweitig!— ein Bergführer in die Nähe gekommen? Allein auch ihm machte es der Nebel nur allzuschwer, die Herkunft der Hilferufe und Signalschüsse zu erkennen. Er hat die Unglücklichen dann in erbarmungswürdigem Zustand dennoch gefunden und aus ihrer hilflosen Lage gerettet. Ja, der Berg ist nicht so harmlos, wie er bei schönem Wetter zu sein scheint. Und was von unten als„wunderschöner“ Neuschnee aussieht— und es gab ihn im August nur allzu reichlich!— das ist oben und in Wirklichkeit dann über einen Meter hoch. Da kann selbst einem geübten Bergsteiger und Bergführer der Mut sinken, steckt er mit einem Male so tief im Schnee, daß er weder vorwärts noch rückwärts weiß! Schon die„Kalenderwidrigkeit“, gleichzeitig im Sommer und im Winter zu leben, findet der Bergbewohner wenig schön. Sein Auge gibt sich nicht einfach dem Schauen hin. Er denkt zuviel an den Alltag und an die Arbeit und geht nicht auf in der Schönheit des Bildes der Natur. Aber auch der Ortsfremde, der nach der Einweihung der neuerweiterten Straßburger Hütte zu lang oben blieb und dann eingeschneit und von der Mitwelt abgeschnitten, dennoch den Abstieg wagte, trug, sofern es ihm je gelang, keinen frohen Jubel zu Tal. Nach wenigen Tagen Aufklärung ist es schon wieder anders. Gleichwohl wird man guttun, bei aller eigenen Sicherheit dort, wo die Reisebücher einen Führer nahelegen, auch einen solchen zu nehmen. Eben weil es von Minute zu Minute geradezu anders werden kann, sowohl mit dem Wetter als mit tausend anderen Dingen. Mit dem eigenen Ich nicht zuletzt. Nicht jeder, der unten so sicher ist oder auch nur so tut, weiß, wie weit nach oben seine rufen. Mit Recht bemerkt eine im politischen und öffent lichen Leben bekannte Persönlichkeit, die uns eine Proßdieser Oberammergauer Reklame einsendet, daß diefg, wohl das Unwürdigste von Zumutung an jedes religisi. Empfinden darstelle, was seit langem aus geschäftlichen Gründen geleistet worden ist. Man kann sich diesem u. teil nur anschließen und die bestimmteste Erwartung aug. sprechen, daß diese grobe Entgleisung sofort aus dem Reiseverkehr verschwindet. Ein öffentliches Institut vor der Bedeutung der deutschen Reichsbahngesellschaft sollte sich vor solchen Taktlosigkeiten gegenüber den heiligsten Empfindungen weiter Volkskreise zu hüten wissen. Dazu wird noch ein anderes mitgeteilt: Eine Bielefelder jüdische Firma hat seit einigen Tagen in jedem ihrer zahlreichen Schaufenster einen dichen schwarzen Band in der Form einer Bibel aufgeschlagen liegen. Auch die Reklamesprüche haben eine Auf. machung, daß das Publikum unbedingt an die aufgeschla, gene Bibel erinnert wird. Daß jüdische Geschäfte an chrißt, lichen Festtagen mit christlichen Symbolen eine aus, gedehnte Reklame treiben, fällt schon gar nicht mehr auf Vielleicht genügen aber solche Hinweise in der Presse, um den Stellen, die es angeht, klar zu machen, daß sich doch nicht alles schickt. Wozu ev. Rechtsauskunftstellen? Lange vor dem Ausbruch des Weltkrieges bestanden im deutschen Vaterlande Arbeitersekretariate, Volksbüros oder, wie man heute zu sagen pflegt, Rechtsauskunftsstellen. Die moderne soziale Gesetzgebung und besonders in unseren Tagen das umfangreiche deutsche Steuersystem machten die Einrichtung solcher öffentlichen Wohlfahrtseinrichtungen besonders für die Arbeiterwelt unbedingt nötig. Besonders auf katholischer Seite und auf Seiten der Sozialdemokratie hatte man die Bedeutung derartiger Institute rechtzeitig erkannt und solche Volksbüros an zahlreichen Orten eingerichtet. Auch auf evangelischer Seite hatte sich frühzeitig die Erkenntnis von der Notwendigkeit solcher gemeinnützigen Rechtsauskunftsstellen immer mehr Bahn gebrochen. So war auch im Minden=Ravensberger Lande an vielen Stellen Gelegenheit geboten, daß sich evangelische Gemeindeglieder zweckmäßige Rechtsauskünfte beschaffen konnten. Leider sind diese dankenswerten Einrichtungen in unserem Bezirk während des Krieges und auch infolge der Inflationszeit vollständig eingegangen. Da ist es den evangelischen Arbeitervereinen mit freundlicher Unterstützung des Vereins für Innere Mission in Minden=Ravensberg gelungen, an einer ganzen Reihe von Orten solche Rechtsauskunftsstellen wieder einzurichten und sie unseren er. Gemeindemitgliedern zur fleißigen Inanspruchnahme zur Verfügung zu stellen. Besonders erfreulich war es, einen auf diesem Gebiet außerordentlich erfahrenen und bewährten Mann, den Diakon und Geschäftsführer der ev. Arbeitervereine, Sager, für diesen Dienst zu gewinnen.— Was wollen nun diese Rechtsauskunftsstellen? — Sie wollen zunächst in allen Fragen der Arbeiterschutzund Arbeiterversicherungsgesetzgebung, in den Fragen des vielgestaltigen Steuerwesens, in allen Angelegenheiten des Krankenkassenwesens und neuerdings auch in den Angelegenheiten der Arbeitsgerichte und der öffentlichen Wohlfahrt unentgeltlich oder gegen ganz geringe Vergütung Auskunft erteilen. Sie sind keine Konkurrenz für die Tätigkeit der Rechtsanwälte, sie haben nichts mit Prozessen und Gerichtsverfahren zu tun, aber sie wollen auf den vorgenannten Gebieten, die besonders die Arbeiter angehen, Rat und Unterstützung gewähren. Sie wollen auch bei den Schiedsgerichten und Arbeitsgerichten tätig sein. Bei Abfassung von Eingaben, von Beschwerden, von Anfragen bei Behörden, sowie überhaupt bei der Anfertigung von Schriftsätzen wollen sie den Ratsuchenden Hilfe erweisen. Es ist klar, daß mit der Erfüllung dieser Selbstsicherheit reicht, weiß, wie weit und wie sehr er sich mitten in den Schauern der Felsen und Klüfte, der Hohen und Tiefen in der Hand hat. Es muß durchaus nicht, was freilich oft genug der Fall sein kann, ein Versagen der Nerven, oder sonst eine körperliche Unpäßlichkeit oder Ungeschicklichkeit vorliegen! Es gibt ein„Außersichsein infolge der einstürmenden Wucht des Erlebens! Dieses „Außersichsein“ ist schwer zu beschreiben. Es ist eigentlich überhaupt nicht mit Worten wiederzugeben. Vielleicht läßt es sich vergleichen mit den Erlebnissen der Mystiker. Diese waren ja zumeist auch Berg= und Einsamkeile“ menschen. Oder mit Paulus, als er— nach 2. Kor 12,2·— in den dritten Himmel entrückt ward! Man wird eben in der Tat dort droben bis zu einem gewissen Grad entkörperlicht! Wer will sagen, wie weit er da Herr über seinen Körper bleiben kann! Man lernt aber den Bergführer bewundern. Ich lernie mehrere kennen. Meist liegt tiefer Ernst auf ihrer Stirn. Begreiflich genug! Tag um Tag setzen sie für andere! Leben aufs Spiel. Fühlen sich nicht nur verantwortlich sondern sind es auch vor dem Gesetz. Geht alles gut, de kommen sie ihren Lohn. Und der Lohn ist wahrlich 9“ ring genug. Niemand will dann mehr etwas von ihnen Geht es nicht gut, dann mögen sie sehen, wie sie mit Gult oder mit ernstem Zuspruch oder, geht es nicht anders, aug mit Gewalt, die Geführten wieder herunter bringen. Um's aber gleich zu sagen: Meist geht es gut! Mieischenkenntnis, Wegkenntnis, Gefahrenkenntnis, Geister gegenwart, Geschicklichkeit und manch anderes mehr,?“ ben in diesen Bergführern einen sehr wohltuenden Vu gebildet und sich zu einem haltbaren Ring zusammeg schlossen. Kommt wirklich eine gefährliche Lage, so sch sich mit einer heilsamen Ruhe eine Hand von hinten be“: setzt sich ein Eispickel am Rande der Felskante sest, man fühlt sich angefaßt mit einem Griff, der einen etwaigem Gleiten mehr zur Höhe, denn zu Boden“ men läßt. Aufgaben eine wird, ganz besor den Brüder. Wie zeitige Einsprück den einzelnen wirkt worden. 2 zweckmäßige Eir Waisenrente zu sonders auch au rechtzeitige Rek lungnahme mit Gewerkschaften diesen Gebieten Es leuchtet Rechtsauskunfts fentlichen Volks dahin, daß doc meindeglieder d spruch genomme getragen werde Stunde für die? Zeitungen oder gegeben werder meinden durch Unterhaltung d schen Wohlfahr auch durch dies wußtseins und terbewegung ei * Der Wal die Stimmen, Zahl derer, di wäre. In wel daraus, daß nur etwa 4 M Partei sind. tigten sind or Ganz so ist der Kreis d bürger erfreu den Parteien nen Wahlbere Parteien. 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Es leuchtet ein, daß eine von Tausemden besuchte Rechtsauskunftsstelle ein gewaltiger Machtffaktor im öffentlichen Volksleben werden kann. Unserre Bitte geht dahin, daß doch von seiten unserer evanigelischen Gemeindeglieder die Rechtsauskunftsstellen mösglichst in Anspruch genommen werden möchten. Es wird dafür Sorge getragen werden, daß an den einzelnen Orrten Zeit und Stunde für die Abhaltung der Rechtsauskunfftsstellen durch Zeitungen oder auf andere Art öffenttlich bekanntgegeben werden. Möchten aber auch unseere Kirchengemeinden durch Darreichung eines Beitragess die geldliche Unterhaltung dieser so wichtigen öffentlicchen evangelischen Wohlfahrtssache nach Kräften förderen und möchte auch durch diese Arbeit eine Stärkung des evangel. Bewußtseins und eine Förderung der chrisstlichen Arbeiterbewegung eintreten. kosten die Stimmen? Der Wahlkampf, das Werben der Parteien um die Stimmen, wäre weniger intensiv, wienn nicht die Zahl derer, die gewonnen werden kömnen, so groß wäre. In welchem Maße das der Fall iist, ergibt sich daraus, daß bei rund 42 Millionen Waahlberechtigten nur etwa 4 Millionen eingeschriebene Miitglieder einer Partei sind. D..: nur 10 Prozent derr Wahlberechtigten sind organisatorisch gebunden! Ganz so klein, wie diese Zahlen verrmuten lassen, ist der Kreis der politisch eingestellten deutschen Staatsbürger erfreulicherweise aber doch nicht. Außer den in den Parteien organisierten 4 bilden weiteere 15 Millionen Wahlberechtigte eine feste Gefolgschaftt der einzelnen Parteien. Von ihnen kann man sagen, sile sind organisatorisch frei, der politischen Weltanschamung nach dagegen gebunden. Und solche Bindungen ssind sicher von sehr fester Natur. Insofern sind diese„freeien Politiker“ für die Parteien also von erheblicher Beideutung, andererseits aber beschwören sie für die Orgainisationen die Gefahr finanzieller Abhängigkeit herauff. Die Aufwendungen für den Wahlkcampf stehen in einem gewissen Verhältnis zu der Bedeuttung der Wahl und zu der gegebenen Wirkungsmöglichkeitt. Im jetzigen Wahlkampf ist die Wirkungsmöglichkeitt nicht gering zu veranschlagen, einmal, weil eine Reichtstagsauflösung voraufgegangen ist, zum andern, weil mit der Gärung im deutschen Parteiwesen vieles im Fluß geraten ist. Die Herausbildung der neusen Fronten ist noch nicht abgeschlossen, vielmehr istt der Ausgang der Umgruppierungen mit bedingt gereade durch Ergebnis der jetzigen Wahl. Daher die Leidenschaftlichkeit, mit der der Wahlkampf an allen Orten ausgefochten wird), und nach der Wahl wird man aus den Abrechnungen süber die Wahlkosten die gleiche Lehre ziehen können. Die größte Stabilität weisen noch die behördlichen für Wahlzwecke, also für die Herstellunig der Wählerlisten und der Stimmzettel sowie für Beschaffung von Wahllokalen und ähnliche Dinge auf. Im Dezember 1929 sind 1079419 Mark von den Behörden für die Reichstagswahl ausgegeben worden;; für die Präsidentenwahlen im März und April 19225 betrugen die Aufwendungen insgesamt 3330667(Mark, für die Reichstagswahl im Mai 1928 1 556 789 Mark. Weit höher waren die mit den Wahlen für die Parteien verbundenen Aufwendungem. Ein genauer Ueberblick laßt sich hier allerdings nur schwer gewinnen, weil nicht alle Parteien über ihre Wahlkosten öffentlich Rechnung legen. Eine vollständige Aufstellung über ihre Wahlkosten öffentlich Rechnung legen. Eine vollständige Aufstellung über die Kosten der einzelnen Wahlen liegt lediglich von sozialdemokratischer Seite vor, und aus der ergibt sich eine stark ansteigende Linie. Während die Sozialdemokratie für die beiden Reichstagswahlen des Jahres 1924 insgesamt 2,4 Millionen Mark verausgabt hat, stellten sich die Aufwendungen beim Volksentscheid gegen die Fürstenabfindung auf 1,8 und bei der Reichstagswahl von 1928 auf rund 2,6 Millionen Mark. Rechnet man diese Ausgaben auf den Kopf des Wählers um, dann ergibt sich, daß der Sozialdemokratie die einzelne Stimme 1928 noch nicht einmal 30 Pfennig, jeder Sitz im Reichstag aber 16 500 Mark gekostet hat. Wesentlich höher sind noch die Wahlkosten der bürgerlichen Parteien, gibt es hier doch Organisationen, denen die Stimme des einzelnen Wählers mehr als eine Mark gekostet hat. Man sieht also, daß häufige Wahlen für den Staat und erst recht für die Parteien ein recht kostspieliges Experiment sind. Die Unkosten sind sicher, aber die Aussichten sind ungewiß, und der Erfolg hängt nicht allein von der Güte der Politik ab, die gemacht worden ist, sondern auch von den Strömungen in der Wählerschaft. Wenn auch etwa 19 Millionen der Wahlberechtigten mit einer festgefaßten Meinung in den Wahlkampf gehen und sich von Reden und Plakaten wenig beeinflussen lassen, so schwimmen doch 13 Millionen mit dem Strom, und 10 Millionen wählen überhaupt nicht. Damit sind die Nichtwähler die größte Partei. Eines aber sind sie nicht: eine Gruppe von Neutralen. Denn auch die Stimmenthaltung trägt wesentlich zur Beeinflussung der Reichstagszusammensetzung bei, allerdings nur insoweit, als Stimmenthaltung die Arbeitsfähigkeit des Reichstags beeinträchtigt und die wahre Situation fälscht. Aus dem Der Reichsfinanzminister antwortet Hugenberg. Reichsfinanzminister Dr. Dietrich, der in Stuttgart in zwei Wahlversammlungen der Deutschen Staatspartei und der Deutschen Volkspartei sprach, ging im Verlaufe seiner Ausführungen auf die in der deutschnationalen Wahlversammlung in Stuttgart von C heimrat Dr. Hugenberg erhobene Frage ein, ob es richtig sei, daß die Franzosen uns 2½ Milliarden M. borgen wollten. Der Minister erklärte, daß der Reichsregierung nichts davon bekannt sei. Es sei auch nicht versucht worden, die Franzosen anzuborgen. Bei den Franzosen bestehe dazu sicher keine Neigung. Aber wenn die Franzosen uns gern 2½ Milliarden Mark zu 3 Prozent leihen möchten, dann werde er sie morgen annehmen trotz Hugenberg. Dr. Wirth vor der Breslauer Jugend. In einer Wahlversammlung der Breslauer katholischen Jugend setzte sich Reichsinnenminister Dr. Wirth mit den Verkündern des Dritten Reiches, den Nationalsozialisten, auseinander, deren Katastrophenpolitik er aufs schärfste kritisierte. Die deutsche Jugend im allgemeinen und die christliche Jugend im besonderen warne er, sich mitverantwortlich zu machen an dem großen Unheil, das diese Partei über das deutsche Volk heraufbeschwören könne. Er bringe der irregeführten Jugend in den Reihen der Nationalsozialisten das größte Mitleid entgegen. Die Rede schloß mit den Worten:„Vor die Front, Jugend, vorwärts und aufwärts zu Gott für uns und unser Vaterland!" Die Ausführungen des Ministers wurden mit stürmischem Beifall ausgenommen. Dr. Scholz über die Sammlungspolitik. In der ersten Wahlkundgebung der Deutschen Volkspartei in München beleuchtete Reichsminister a. D. Scholz die staatsbürgerliche Sammlungspolitik. Er betonte, daß der Sozialdemokratie nur eine einige bürgerliche Partei auf staatsbürgerlicher Grundlage entgegentreten könne. Die Deutsche Volkspartei werde nach dem 14. September an diesem Sammlungsgedanken des deutschen Staatsbürgertums festhalten. die aus allen Teilen des Reiches gut besucht war. In einer öffentlichen Kundgebung wurde in folgender Entschließung zu der gegenwärtigen Lage im Osten Stellung genommen. „Die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier, versammelt aus allen Teilen des Reichs in der Hauptstadt der mittleren Ostmark, erklären die unlösbare Verbundenheit aller deutschen Ostgebiete auf Gedeih und Verderb. Wir betonen die unveräußerlichen Rechte Deutschlands auf ganz Oberschlesien. Wir fordern die Beseitigung der Versailler und Genfer Fehlentscheidung über Overschlesien, und wir begrüßen die Erklärung der Reichsregierung, die die Forderung auf Revision der Ostgrenze angemeldet hat. Wir bedauern den Rücktritt Calonders, der blitzartig die Bedrückung der deutschen Minderheit in Ostoberschlesien beleuchtet. Wir rufen dem ganzen deutschen Volke und der Welt zu: Ganz Oberschlesien ist deutsch!“ Memels Notruf an Genf. Beschwerde über die litauische Gewaltherrschaft. — Memel, 7. Septbr. Die Memelfrage wird einen wichtigen Punkt den Genser Völkerbundstagung bilden. Die Memeler Mehrheitsparteien haben nämlich eine eingehend begründete Beschwerde über die Zerschlagung der memelländischen Autonomie durch die litauische Regierung nach Genf gesandt. Die Beschwerde soll dort den einzelneu zur Völkerbundstagung versammelten Abordnungen der Ratsmächte zugestellt werden. Die Beschwerde schildert in eindringlicher Form die Entrechtung des Memelgerichts und fordert unter Hinweis auf den Ernst der Lage die Abstellung der litanischen Rechtsbrüche durch den Völkerbundsrat. In Memel erwartet man, daß die deutsche Völkerbundsabordnung die Beschwerde entsprechend der Zusicherung der zuständigen Berliner Stellen vor dem Völkerbundsrat zur Sprache bringen und energisch vertreten wird. Da weitere Verhandlungen zwischen Litauen und Deutschland über die Memelfrage infolge des herausfordernden Verhaltens der Kownoer Regierung völlig zwecklos erschienen, erblickt man in der Aufrollung der Memelfrage in Genf die einzige Möglichkeit, der Willkürherrschaft Litauens im Memelgebiet ein Ende zu bereiten. Viel anders denn die Bergführer sind die Bergbewohner selber auch nicht. Aus ihrer Mitte sstammen ja nicht nur die Führer, sondern in der führungsftreien Zeit haben die Bergführer in keiner Weise ein andeer Leben wie die andern innerhalb und außerhalb des Hauses auch. Es mutet seltsam an, im immerhin tausendd bis elfhundert Neter hohen Tale keine Felder noch Feldfrüchte zu sehen. Früher sei das anders gewesen. Heute sieht man allenalls noch Kartoffelbau, ganz wenig Gemüse oder Salat und wenn's viel ist, einige Quadratmetere Hafer, der aber mit dem, was wir uns von daheim her drunter denken, keinen Vergleich aushalten kann. Auch ldas Heu auf den vielen, oft bis an die Felsengrenze reichemden Matten und Wiesen— Alpen genannt— wird andeers behandelt als bei uns. Stalldünger kennt man nicht, küinstlichen dagegen wohl. Anders vertragen es die Wiesem nicht. Maschisenmahen verbietet sich selbstverständlich ebenfalls in diesem Gelände. Um so mehr geht nach ganzz bestimmten Gesetzen die Freiweide vor sich. Nach Jahhreszeiten sich die Höhen von der„Maisäß" bis zur Hochalp. Stark betrieben wird auch die Holzwirtschaft. Weniger der Versauf, als die Verwertung für den eigenen Gebrauch. Bei diesem Reichtum an Tannen wird in Holz gebaut. Häuser sind meist mit selbstgeschnitzten Schsindeln verblendet und gedeckt. Man könnte von dem Wirrtschaftsleben dieer Nenschen noch viel reden. Von ihren Armugzund von ihrem Reichtum, von ihrem Heim und ihrer Cundenheit, von ihren Sitten und Bräuchen. Nicht zu: ebt von ihrer Geradheit, Aufrichtigkeit, und Ehrlichkei.. Wie wird das alles weiter werden, entwichelt sichder Fremdenverkehr gerade in diesem Talf weiters. dus geplante Großkraftwerk dort zustande: Llich. die dene Zeit noch mehr herein, als sie auf der nunmehr fer7gestellten Zufahrtsstraße im ganzen nur Pereingekommen ist? Man spricht dort von einer großen Jukunft. Wird es auch eine gute Zukuunft sein? Dr. Brüning in Münster. Kanzlerrede auf dem Katholikentag. Reichskanzler Dr. Brüning erschien am Sonnabend langem Beifall begrüßt, eine kurze Ansprache an die in so bitterer Not befindet, wie es zur Zeit bei, dem wollen, die von Dauer st und die im Pitelbunk. dauernde Ordnung, um in dem Mühen dieser Tage nicht zu eranen. Die Stimme Oberschlesiens. Unser Rechtauf ganz Oberschlesien. Die Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier hielten in Krankfurt a. O. eine Tagung ab, Masaryk im Zipser Land. Empfang durch die deutschen Bauern. Der Präsident der tschechoslowakischen Republik, Masaryk, der im ostslowakischen Manövergelände weilte, stattete nach Abschluß der Manöver in Begleitung des Ministerpräsidenten Udrzal, des Ministers für nationale Verteidigung und des Vizepräsidenten für die Slowakei der Stadt Kesmark einen Besuch ab. wurde der Präsident vor dem Rathaus von Vertretern der Behörden und der Bevölkerung empfangen. In Groß=Lomnitz, wo Präsident Masaryk von dem Abgeordneten der Zipser Deutschen Andor Nitsch und etwa viertausend deutschen Bauern aus der ganzen Zips begrüßt wurde, erwiderte der Präsident auf die Begrüßungsansprache des Abgeordneten Nitsch: „Meine Auffassung ist, daß jeder als freier Bürger zum Wohle seines Volkes und damit des Staates arbeiten und wirken möge. Dies ist meine unentwegte Auffassung, und ich hoffe, daß alle Völker unserer Republik in diesem Sinne wirken werden.“ Hoffentlich beherzigen die tschechischen Behörden dieses Präsidentenwort. Bisher hat nämlich die tschechische Regierung ihre Hauptaufgabe gerade darin gesucht, die Rechte der deutschen Bevölkerung zu unterdrücken und den Deutschen jede Möglichkeit, sich als freie Bürger zu betätigen, zu nehmen. Truppenparade in Wien. Abschluß der Herbstmanöver. Zum ersten Male seit dem Bestehen des österreichischen Bundesheeres fand als Abschluß der Herbstmanöver eine Parade der gesamten österreichischen Heeresmacht in der Bundeshauptstadt Wien vor dem Oberbefehlshaber, Bundespräsident Miklas, in Anwesenheit der Mitglieder der Bundesregierung, des diplomatischen Korps, der fremden Militärattachés und eines vieltausendköpfigen Publikums auf dem Heldenplatz vor der Burg statt. Nach der Feldmesse hielt Heeresminister Vaugoin an die Truppen eine Ansprache, in der er der heroischen Taten der Soldaten Altösterreichs und auch der Helden aller Staaten gedachte, deren Vertreter heute zugegen waren, und die ebenso wie die österreichischen Soldaten ihre Soldatenpflicht treu und restlos erfüllt haben. Den Abschluß der Parade bildete der Vorbeimarsch der Truppen vor dem Bundespräsidenten und den übrigen Ehrengästen. Die Truppen wurden vom Publikum stürmisch bejubelt und mit Rlumen beworfen. Armee und Marine gegen den Präsiventen.— Weiße Flagge auf dem Regierungspakast. In der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires ist es jetzt zur offenen Rebellion gekommen. Die Uebergabe der tatsächlichen Gewalt durch den Präsidenten Irigoyen an den Vizepräsidenten Martinez war von der Armee sofort als ein Manöver erkannt worden, das ihm nach der argentinischen Verfassung die Rückkehr iun sein Umt ernbhlichte. General Kriburn, der ein viesse Prüsidenten in und als chemaliger Spergashttten 18 im haten lagernden Krieasschiffe und ihre aus 7000 Mann bestehende Besatzung sich der Bewegung anschlosson und der Admiral Storni der Regierung mitteilte, daß die Marine nicht auf die Armee schießen werde, gab der Prästvent endlich seine Sache verloren und h auf dem Regierungsgebäude die weiße Flagge Vorher war es noch in Buenos Aires sowie in der Provinz an verschiedenen Stellen zu Unruhen gekommen. In dem Vorort El Palomar ist der Oberstleutnant der Fliegertruppe Francisco Torres, der sich den Revolutionären nicht anschließen wollte, mit anderen Offizieren seiner Truppe erschossen worden. Als auf dem Regierungsgebäude, wie gemeldet, die weiße Fahne gehißt wurde, befanden sich die angreifenden Truppenabteilungen bereits von zwei Seiten in Anmarsch. Vor dem Gebäude der Irigoyen ergebenen Zeitung„La Epoca“ kam es zu einer Schießerei zwischen regierungstreuer berittener Polizei und den angreifenden Truppen, die das Feuer der Polizei mit Maschinengewehrfeuer erwiderten. Nachdem sich auch die Polizei den Aufständischen ergeben hatte, stürmte die Menge den Rezierungspalast, riß die Bilder Irigoyens von den Wänden und verbrannte sie auf dem Plaza de Mayo. Auch die Büroräume des Innenministeriums wurden von der Menge gestürmt. Das Haus der„Epoca“ wurde in Brand gesteckt. Die Feuerwehr weigerte sich zu löschen. Vizepräsident Martinez hat die Regierungsgeschäfte dem General Uriburn und dem Admiral Storni übergeben. Nach der Entwaffnung der Polizei übernahmen Truppenabteilungen den Ordnungsdienst. * General Ariburn Präsident Irigoyen auf der Flucht.— Der Kongreß aufgelöst. Wie Havas aus Buenos Aires berichtet, hat General Uriburu das provisorische Kabinett folgendermaßen gebildet: Präsident General Uriburn, Vizepräsident Enrique Santa Marina, Innenminister Matias Sanchez Sorondo, Außenminister Ernesto Bosch, Kriegsminister General Francesco Medina. Präsident Irigoyen soll sich an Bord des Kreuzers „Garibaldi" begeben haben, von anderer Seite wird berichtet, er habe sich in eine ausländische Gesandtschaft gefläichtet. General Uriburn hat eine Botschaft an das Volk veröffentlicht, in der er erklärt, daß er den Wünschen des Volkes gemäß mit Unterstützung von Heer und Marine die Regierung übernommen habe, um den endgültigen Zusammenbruch im Lande zu verhindern. Die provisorische Regierung hat den Kongreß aufgelöst. Im Verlauf der revolutionären Bewegung soll es auch zu Plünderungen gekommen sein. * Washington ist zufrieden. — Washington, 8. Septbr. Die Nachricht vom Rücktritt des argentinischen Präsidenten ist in Washington mit größtem Interesse ausgenommen worden. Irigoyen hatte in den letzten zwei Jahren eine stark ablehnende Haltung gegen die Regierung der Vereinigten Staaten angenommen. Er hatte nicht nur den Posten des argentinischen Botschafters hier über 18 Monate lang unbesetzt gelassen, sondern es auch abgelehnt, dem Kellogg=Pakt beizutreten, und Brasilien dadurch vom Beitritt abgehalten. Außerdem hatten auf sein Geheiß die Vertreter Argentiniens auf allen panamerikanischen Veranstaltungen der letzten zwei Jahre entweder gegen die Vereinigten Staaten polemisiert oder eine Beteiligung an panamerikanischen Verträgen abgelehnt. Man nimmt daher die Meldung von seinem Rücktritt mit einem Gefühl der Erleichterung auf. Gandhis Forderungen.— Geringfügige Zugeständnisse des Vizekönigs.— Der Kampf geht weiter. Die britisch=indische Regierung macht jetzt nähere Mitteilungen über die gescheiterten Friedensverhandlungen mit Gandhi und den übrigen im Gefängnis sitzenden Nationalistenführern. Danach verlangte Gandhi erstens das Recht auf Loslösung Indiens aus dem britischen Reich, zweitens Einsetz.ng einer nationalen Regierung, die nur dem indischen Volke verantwortlich ist, sowie die Kontrolle über die Landesverteidigung und sämtliche Finanzen besitzt. Drittens forderte er, daß ein gemischtes Gericht mit den britischen Ansprüchen und Konzessionen, darunter auch mit der Staatsschuld Indiens befaßt werde. Viertens sollen alle politischen Gefangenen, die keine Verbrechen begangen haben, unverzüglich in Freiheit gesetzt und ihnen sämtliches konfisziertes Eigentum und die Geldstrafen, die sie erlegen mußten, zurückerstattet werden. Wenn diese Forderungen angenommen würden, würden die Nationalisten die Bewegung des zivilen Ungehorsams einstellen, dagegen nicht das Postenstehen vor den Lokalen, in denen Branntwein ausgeschenkt wird, und vor den Läden, in denen ausländische Stoffe verkauft werden, außerdem auch nicht die verbotene Calzgewinnung. Gesucht eine liebevolle u. erfahrene Krankenpfiegerin für eine seit 2 Jahren ganz gelähmte Dame in m. Gemeinde, sofort! Ködding Pfr., Eberstadt, Kreis Gießen, Post Münzenberg Friedlichen, freundlichen Lebensabend in gesunder Landgegend bietet älteren, christlichen Leuten zu mäßigem Preis Haus Wennerhold Zell, Kr. Alsfeld, Oberhessen Strecke Gießen=Fulda. Die indischen Nationalisten haben also von vornherein so unmögliche Bedingungen sie gar nicht mit dem Zustandekommen einer Einigung rechnen konnten. Wie vorauszusehen war, hat der Vizekönig Lord Irvin es in seinem Antwortschreiben als zwecklos bezeichnet, den Vorschlag der Nationalisten im einzelnen zu erörtern, hat sich aber zu einigen Zugestän nissen bereiterklärt. Er bot seinerseits die Aufhebung der Sonderverfügungen unter der Bedingung des sofortigen Abbruchs des passiven Widerstandes an, sagte auch eine angemessene Vertretung des Kongresses auf der allindischen Konferenz in London zu, während er eine Erörterung der übrigen Bedingungen für unmöglich erklärte. Auf dieses Schreiben des Vizekönigs hin haben Gaudhi und die übrigen gefangenen Führer des allindischen Kongresses beschlossen, den nationalen Freiheitskampf fortzusetzen. Sie sehen keinerlei Möglichkeit einer Annäherung zwischen Regierung und Kongreß, da der Vizekönig die Bedingungen ihres Briefes als nicht der Ueberlegung wert verächtlich abgelehnt hätte. Die Weitere Forschungen. Nach der Mitteilung einer Stockholmer Zeitung enthält das Logbuch der Andree=Expedition Aufzeinungen bis zum 5. September. Bis dahin kann man also das Schicksal der drei Männer verfolgen. Der Text ist bis zu diesem Datum deutlich und klar, wird dann aber undeutlich. Dr. Horn, der jetzt versucht, das Schicksal Fränkels zu rekonstruieren, schlägt vor, daß Schweden eine neue Expedition zur Weißen Insel entsendet, die weitersuchen soll. Das Logbuch enthält, wie Dr. Horn sagt, nichts über die Frage, ob zwei oder drei Männer über das Eis marschierten. Die Mannschaft der„Bratvaag“ fand beide Leichen einen halben Meter tief im Eise. Es wäre möglich, daß die Leiche Fränkels noch tiefer liegt. Man hält es für wahrscheinlich, daß Fränkel sich von Andree und Strindberg getrennt hat, um ans andere Ufer zu gelangen. Da alle Gewehre der Expedition auf der Weißen Insel gefunden worden sind und ein Mensch ohne Gewehr sich in jenen Gegenden in einer hoffnungslosen Lage befunden hätte, muß Fränkels Tragödie jedensalls vor dem Tode Andrees und Strindbergs angesetzt werden. Die Untersuchung des Expeditionsbootes und die vorbereitende Konservierung der Kleider wurde von den schwedischen Wissenschaftlern beendet. Die Belohnung für die Mannschaft der„Bratvaag“. Adolf Hoel, der Direktor des norwegischen Amtes für arktische Angelegenheiten gibt bekannt, daß das Amt den Ertrag aus dem Kontrakt mit der Preßorganisation in Höhe von über 40 000 Kronen zur Verfügung des Besitzers der„Bratvaag“ gestellt hat, damit er entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen unter die Mannschaft der„Bratvaag“ und die Mitglieder der an Bord befindlichen wissenschaftlichen Expedition verteilt werde. Der Betrag ist auf einer Bank deponiert worden. Eine Spur vom Wrack der In Tromsö ist ein arktischer Jäger eingetroffen, der den Winter auf einer Insel östlich von Spitzbergen zugebracht hat. Er hatte ein kleines wissenschaftliches Instrument in einem Mahagonikasten bei sich, eine Röhre von—9 Zentimetern mit einem Spiegel daran. Die Sachverständigen nehmen an, daß dies ein OriginalApparat von dem Wrack der„Italia“ ist. Unter den Vermißten der„Italia“ ist das Bedienungspersonal der Motoren und ein Wissenschaftler. Demnach ist immerhin die Möglichkeit vorhanden, daß das gefundene Instrument von der Italia stammt. Neue Reste der Andree=Expedition. Das Lager auf der Weißen Insel. — Stockholm, 8. Septbr. Die von der Zeitung „Dagens Nyheter“ mit dem Schiff„Isbjörn“ ausgesandte Expedition fand bei der Durchsuchung der Insel das Lager der Andree=Expedition unter einem Gletscher, dessen Eis so weit geschmolzen ist, daß sich das Lager über dem Eise befindet. Unter den Trümmern eines primitiven Hauses fand man das auseinandergefallene Skelett eines Menschen, außerdem viele Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Teile der Ballongondel, ein Brief an Strindberg und die Aufzeichnungen Fraen= kels. Alles desutet darauf hin, daß die Andree=Expedition von einer plötzlichen Katastrophe, vielleicht einem Schneesturm, heimgesucht worden ist. Die Isbjörn wird in 7 bis 8 Tagen in Tromsö zurückerwartet. Die Berliner Staatsanwaltschaft hat gegen Max Hölz ein Ermittelungsverfahren eingeleitet, weil er bei der kommunistischen Kundgebung im Sportpalast zur Erschießung andersdenkender Volksgenossen aufgefordert haben soll. Bad Wildungen Kurort Elim wieder Zimmer frei. Wildunger Kuren gegen Nieren- und BlasenLeiden. Naturkuren gegen allerlei Krankheiten. Herbstkuren für Erholungsbedürftige. Vegetarischerund Fleischtisch. Pensionspreis 4 bis 5 Mk. 4 Pensionshäuser am Waldgebirge. Andachten. Prospekt und Ansicht sendet gerne Prediger C. Ufer. 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Pr., Pillau, Kolberg, Stettin, Swinemünde, Altona; Flensburg, Kiel, Emden, Weser, münde, Wilhelmshaven, Hamburg, Cuxhaven, Nordenham, Bremen, Bremerhaven und Lübeck. Die nach dem 14. September einfahrenden Seeleute können in diesen Hafenstädten noch bis 19. September wählen, Der Seemann muß einen Stimmschein besitzen und sich durch sein Seefahrbuch ausweisen. Abreise nach Gens. Die deutsche Delegation für Genf ist am Sonnabend aus Berlin abgereist. Sie wird vom Reichsaußenminister Dr. Curtius geführt, dessen Vertreter der frühere Botschafter Graf Bernstoff i. Vom Auswärtigen Amt kommen noch die Ministe, rialdirektoren Dr. Gaus und Dr. Ritter mit, außerdem höhere Beamte vom Reichswirtschafts= und Reichs, ernährungsministerium. Die parlamentarischen Dele, gierten werden erst nach den Wahlen, am 15. oder 16. September, nach Genf abreisen. Für Revision! Rede des Reichsministers Treviranus in Köln. — Köln, 7. September. In der Wahlversammlung der Konservativen Volkspartei im Gürzenich sprach am heut, gen Sonntag Reichsminister Treviranus. Mehrere hundert Personen hatten sich eingefunden, die dem Redner häufig Beifall spendeten, aber auch Zwischenrufe ertönen ließen. Es sei eine Binsenwahrheit, so führte Trevirgnus u. a. aus, daß die jeweiligen Regierungen an der völkerrechtlich festgelegten Außen= und Erfüllungspolitik nichts zu ändern vermöchten. Auch eine Regierung Hitler und Hugenberg könne hieran nichts ändern. Er müsse sich jedoch eine Zensur, die unbewußt im Sinne der Diktaturmächte von Versailles handle, wenn es um selbstverständ. liche Lebensäußerungen und Feststellungen weltbekannter Tatsachen geht, verbitten. Letzte Meldungen. Der Reichskanzler für das Berufsbeamtentum. — Münster, 8. Septbr. In einer Versammlung der katholischen Beamtenschaft betonte der Reichskanzler Dr. Brüning, daß die Reichsregierung mit dem Ziele der Beamtenvereine, soweit es die Aufrechterhaltung der Berufsbeamtentums betrifft, restlos einig ist. Ein Staat wie das Deutsche Reich und ebenso die Länder und bemeinden könnten nicht die Aufgaben der öffentlichen Körperschaften erfüllen, wenn es nicht ein starkes und gefestigtes Berufsbeamtentum gibt. Die Reichsregie rung konnte in dieser Notzeit nicht daran vorbeikommen, auch den Beamten ein Notopfer aufzuerlegen. Sie habe das nach sorgfältiger Ueberlegung getan, wie sie allen Ständen und allen Berufen Opfer auferlegen mußte, weil darin die einzige Möglichkeit bestehe, die Finanzen der öffentlichen Hand und des Staates überhaupt wieder zu konsolidieren. An der Konsolidierung habe aber kein Stand so großes Interesse wie das Berufsbeamtentum. Munitionsexplosion in Ostfrankreich. — Paris, 8. Septbr. Dem„Echo de Paris“ wird aus Nancy gemeldet, daß in der sechs Kilometer von Briey gelegenen Pulverfabrik eine schwere Explosion erfolgt sei. Bisher sollen zehn Tote und zahlreiche Verletzte zu verzeichnen sein. Der Kampf gegen das französisch=britische Monopol im Völkerbundssekretariat. — London, 7. September. Es gilt jetzt in London als so gut wie sicher, daß die italienische Abordnung in Gen erneut einen Vorstoß gegen das französisch=britische Monovol im Völkerbundssekretariat unternehmen wird. Eine im„Observer“ veröffentlichte Zuschrift des Italieners Villari, der jahrelang Mitglied des Völkerbundssekretariats war, bestätigt diese Annahme. Er weist erneut nach, daß die britischen Beamten beim Völkerbund alles in allem mehr Geld bezögen, als England zu den Ausgaben ber trage. Großbritannien und Frankreich seien, was die Beamtenzahl angehe, zu stark vertreten, während die ande ren Länder nicht hinreichend berücksichtigt seien, woran sich zum Schaden des Völkerbundes selbst Unzufrieden heit ergeben habe. Der Völkerbund habe an einer gerech ten und gleichmäßigen Verteilung der Beamtenstellen deu größte Interesse, denn die bei ihm arbeitenden seien am besten geeignet zur Verbreitung des Völke“ bundsgedankens im eigenen Lande. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Mittwoch, den 10. September, nachmittags 4 Uhr allgemeine Ktn#i stunde mit Lichtbildern(15 Pfg. zur Deckung der Für die Realanstalt am Donnersberg bei in der Pfalz(Realschulstiftung mit Schülerheim) wird für spätestens 1. November ein Illustrierter Prospekt kostenfrei d. d. Besitzer: Gemeindevorsteher Paulsen, Norddorf Insel Amrum Anglst wdert. 4600.— Meldungen mit Zeugnisaheschrfeglungen an die stalt KorErholungsheim Ebert vegetartech und Rohkost Benneckenstein-Hochhars unwelt Braunlage Pastor feikekuren. Prosp. treil Reifezeugnis, Lichtbild und Angabe von Anstaltsleitung Prof. Dr. Göbel. Anzeigen aus Bethel. — Trockenes Anmacheholz hat abzugeben Morts“ Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Piztt gethel Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in