Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und „Kindergabe“ und„Anser Ziel.“ Anzeigenpreis: Itige Reklame 30 Pfg, Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld), Donnerstag, den 21. August 1930. Nr. 195. 12. Jahrgang. Freiheit sei der Zweck des Zwanges, Wie man eine Rebe bindet, Daß sie, statt im Staub zu, kriechen, Froh sich in die Lüfte windet. Fr. W. Weber. Umschau. Die schwärende Ostgrenze.— Das unhaltbare Tributsystem.— Italienisch=russisches Handelsabkommen.— Der Kurdenaufstand. Die bekannte Rede des Reichsministers Treviranus über die notwendige Revision der unhaltbaren deutsch=polnischen Grenzverhältnisse hat weite Kreise gezogen. Und wenn wir den Sinn besagter Rede richtig verstanden haben, dann lag diese Folgewirkung auch ganz in der Absicht des Herrn Treviranus. Die Korridorfrage ist mit einem Male akut geworden! Nicht nur in Deutschland, nicht nur in Polen und Frankreich, sondern auch in den übrigen Staaten der Welt bildet zur Zeit die deutsche Ostfrage das Thema unzähliger Leitartikel und mancher politischen Auseinandersetzung. Daß die Treviranus=Rede den Polen, den Franzosen und gewissen deutschen Linkskreisen auf die Nerven gefallen ist, kann nicht verwundern. Aber sonst in der Welt— vorweg in Italien, in England, Amerika und Skandinavien— regen sich die Stimmen der Vernunft. So schreibt z. B. die englische„Daily News and Chronicle": „Es ist kein Unglück, daß wir gelegentlich daran erinnert werden, daß die Frage der deutschen Ostgrenze Möglichkeiten in sich birgt, die in der nächsten Generation vielleicht die europäische Politik maßgebend beeinflussen werden. Sie sind das Haupthindernis für Briands Paneuropa=Plan. Niemand, der auf der Landkarte sieht, wie der polnische Korridor Ostpreußen von dem übrigen Deutschland abschneidet, oder der sich der Begleitumstände der oberschlesischen Volksabstimmung erinnert, kann ernstlich glauben, daß diese Grenzen in sich selbst Stabilität besitzen!“ Und selbst ein Franzose— der mit den Ostfragen besonders vertraute Professor René Martel von der Pariser Sorbonne— schreibt in seinem Buche(„Die deutschen Ostgrenzen"), daß nicht nur aus Volkszugehörigkeitsund geschichtlichen Gründen, sondern auch aus wirtschaftlichen und kulturellen Erwägungen heraus das deutschpolnische Grenzproblem„zwingend zugunsten Deutschlands“ spräche. „Nicht nur der Korridor“, schreibt Professor Martel, „sondern auch Oberschlesien gehört Deutschland und nur Deutschland allein! Die heutigen Ostgrenzen sind unhaltbar für Deutschland ebenso wie für Polen. Heute kann Europa den Frieden noch retten, wenn es das begangene Unrecht wieder gutmacht. Morgen ist es vielleicht zu spät!“ Polen aber tut aufs äußerste empört, läßt amtlich erklären, daß„alle Ansprüche Deutschlands bezüglich der Grenzregulierung immer dem unwiderruflichen Widerspruch des gesamten polnischen Volkes begegnen würden, und daß alle Erwartungen auf die friedliche Revision der polnischen Grenze als Beweis des bösen Willens betrachtet werden müßten“, droht mit dem Boykott deutscher Waren und— was für die Mentalität Polens besonders kennzeichnend ist— schreckt nicht davor zurück, die schärfsten Terrormaßnahmen gegen die gequälte, wehrlose deutsche Minderheit in Polen anzukündigen. Ganz in demselben Sinne hetzt natürlich auch Poincaré gegen Deutschland, der mit den unhaltbarsten und wahrheitswidrigsten Argumenten die„Heiligkeit der Verkrage" zu verteidigen sucht, was aber nicht hindert, daß diese„Verträge“ auch im Auslande immer mehr als Erzeugnisse eines blind zerstörenden Hasses empfunden werden, die dringend einer Revision bedürfen, wenn Europa an ihnen nicht zugrunde gehen soll. Deutschland handelt nicht nur im nationalen, sondern auch im Interesse Europas, wenn es mit allen Mitteln dafür sorgt, daß die positive Kritik an den Friedensdiktaten draußen in der Welt immer weiteren Boden gewinnt, und daß— in Verbindung mit dem Kampf gegen die Kriegsschuldlüge — mit der Zeit eine internationale Rechtsatmosphäre geschaffen wird, in welcher Verhältnisse, wie die bestehenden, nicht mehr denkbar sind.. Higztastag und Wie bitter die Wirkungen des Versattter Viniales und der Nachverträge auch in wirtschaftlicher Beziehung, zumal von England, empfunden werden, geht mit ersteulicher Deutlichkeit aus dem bekannten Bericht der Vereinigung der britischen Elektroindustriellen“ hervor, die das System der maßlosen Kriegstribute ganz offen als „wirtschaftlichen Wahnsinn" bezeichnen. Unter dem Druck der gewaltigen Arbeitslosigkeit, die in England genau so beängstigend steigt wie in Deutschland, in Amerika und sonst in der Welt(mit Ausnahme des unterbevölkerten und übermilitarisierten Frankreich), ringt sich allmählich die Erkenntnis Bahn, daß die deutschen Tribute ohne eine entsprechende Steigerung der deutschen Ausfuhr, d. h. ohne eine Verschärfung der deutschen Konkurrenz auf dem Weltmarkt nicht geleistet werden können. Auch der inzwischen eingetretene Rückgang der deutschen Einfuhr, der nicht allein durch die sinkende deutsche Kaufkraft (Arbeitslosigkeit= Ausfall von Lohn und Gehältern), sondern vor allem auch durch die notwendige Devisenbeschaffung für die Tributzahlungen bedingt ist, bedeutet für die ausländischen Lieferfirmen einen schmerzlichen Geschäftsausfall, für den sie sich bei den Urhebern des Versailler Diktates und der Tributverträge bedanken können. Während man nun in England mit allen möglichen Palliativmitteln— u. a. Kürzung der Arbeitslosen=Unterstützungssätze— das würgende Gespenst der Arbeitslosigkeit zu bannen sucht, geht Italien mit anerkennenswerter Energie ans Werk, um mit einem großzügigen Arbeitsbeschaffungs=Programm der auch dort drohenden katastrophalen Verschärfung des Arbeitslosenproblemes rechtzeitig zu begegnen. Gleichzeitig hat Rom mit Rußland einen weitherzigen Handelsvertrag abgeschlossen, um einen erhöhten Absatz seiner Erzeugnisse sicherzustellen. Für den Abschluß dieses russisch=italienischen Handelsvertrages war die weltpolitische und die weltwirtschaftliche Konstellation durchaus günstig, da einerseits die russischenglischen Beziehungen noch immer sehr zu wünschen übrig lassen, und da anderseits der vorübergehende amerikanische Boykott gegen gewisse russische Ausfuhrwaren das Verhältnis zwischen Moskau und den Vereinigten Staaten erheblich getrübt hat. Der Abschluß des russisch=italienischen Handelsabkommens hat weithin in der Welt lebhaftes Aufsehen erregt, da man auch die politische Seite dieses Abkommens durchaus zu würdigen weiß. Die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien und der Türkei sind bekannt, wie anderseits auch das gute Einvernehmen zwischen Angora und Moskau kein Geheimnis ist. Mussolini, der die wachsende weltpolitische Bedeutung der Ostvölker voll und ganz begriffen zu haben scheint, weiß natürlich den Wert eines mit Italien sympathisierenden Ostblockes durchaus zu schätzen. Nun bestanden aber schon seit Jahren sehr positive Ansätze zu einem solchen Ostblock, der sich aus der Türkei, aus Persien und Afghanistan zusammensetzte. Die wirtschaftlichen und machtpolitischen Emanzipationsversuche Afghanistans hat England mit der— zweifellos auf englische Machenschaften zurückzuführenden— Verdrängung Amanullahs fürs erste im Keime erstickt. Um nun aber auch die Beziehungen zwischen der Türkei und Persien zu stören, kam den Engländern der Kurdenaufstand sehr gelegen, der ja— wenigstens schrieben die englischen Zeitungen so— den Ausbruch eines türkisch=persischen Krieges in bedrohliche Nähe rückte. Wie man hört, sind die Kurden mit englischen Gewehren, mit englischer Munition und mit englischen Maschinengewehren ausgerüstet. Aber es bedürfte dieses Umstandes nicht, um die Ziele, die England im Arrarat=Gebiet verfolgt, zu verdeutlichen. Denn England hat schon vor Jahren die Schaffung eines selbständigen Kurden=Staates gefordert, der im Sinne Albions als Pufferstaat zwischen der Türkei, Persien und Rußland gedacht ist. Hiermit will England nicht nur die ungeheure machtpolitische Bedeutung eines türkisch=persischrussischen Zusammenschlusses an einem äußerst wichtigen geopolitischen Punkte abschwächen, sondern es win sich zugleich auch eine ungestörte Herrschaft über das MossulOel und über die nordpersischen Petroleumfelder sichern. Dieses— typisch englische— Vorhaben ist seinerzeit auf der Konferenz von Séores gescheitert. Aber schon im Jahre 1925 machte England gelegentlich des damaligen Kurdenaufstandes einen neuen Vorstoß in gleicher Richtung— und zwar in Genf. Jedoch auch dieser Vorstoß war erfolglos, ohne daß aber England nun endgültig auf die Schaffung eines selbständigen Kurdenstaates verzichtet hätte. Wir glauben vielmehr nicht fehlzugehen, wenn wir in den englischen Waffen der aufständischen Kurden nicht nur eine britische Geschäftsangelegenheit, sondern auch einen eminent machtpolitischen Schachzug Albions wittern. Der Zeitpunkt, den sich England für diesen seinen abermaligen Vorstoß gegen den türkisch=persischrussischen Grenzkomplex ausgesucht hat, ist nicht ungeschickt gewählt; denn auch Frankreich käme angesichts der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Angora und Rom eine Schwächung der Türkei, auf deren Kosten die von England erstrebte Schaffung eines selbständigen Kurdenstaates wohl in erster Linie ginge, durchaus nicht ungelegen. Hätte daher Persien den Kampf der Türkei gegen die aufständischen Kurden, den die englische Presse zu einer rein türkisch=persischen Grenzangelegenheit umzudeuten suchte, vor den Völkerbund gebracht, dann wäre die Kurdenfrage von England ganz zweifellos abermals auf das alte Gleis geschoben worden und nunmehr— da sich die Interessen Englands und Frankreichs in diesem Falle unter den gegenwärtigen weltpolitischen Verhältnissen decken— sicherlich zugunsten Englands entschieden worden. Persien konnte also nichts besseres tun als das, was es getan hat: nämlich auch seinerseits gegen die aufständischen kurdischen Grenzstämme und nicht gegen die Türkei zu marschieren oder gar den Völkerbund anzurufen, der nicht Persiens, sondern Englands Sache zum Siege verholfen hätte. Jedenfalls ersehen wir auch aus diesen Vorgängen, daß die Zeit vorbei ist, wo Goethe in unbeschwerter Beschaulichkeit sagen konnte: „Nichts Besseres weiß ich mir an Sonn= und Feiertagen Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei Wenn hinten, weit, in der Türkei, Die Völker aufeinander schlagen.“ Auch der Kurdenaufstand, der weithin als ein völlig nebensächliches Ereignis behandelt und vielfach nur der Vollständigkeit halber in den politischen Betrachtungen registriert wird, führt uns mitten hinein in die großen weltpolitischen Auseinandersetzungen, wie sie seit dem Fiasko der Londoner Flottenkonferenz besonders lebhaft im Gange sind. Daß auch die deutsche Außenpolitik diesen Vorgängen nicht ganz untätig gegenüber steht, ist unser Wunsch,— daß ihre Entschlüsse und Entscheidungen dem deutschen Volke zum Segen gereichen, unsere Hoffnung! H. zur Verfassungsfeier. Bei der diesjährigen Verfassungsfeier der Reichsregierung bemerkte man auf einer der Tribünen im Reichstag etwa 25 Primaner und Primanerinnen, die von verschiedenen Reichsteilen nach Berlin gekommen und von der Reichsregierung zur Feier im Reichstag eingeladen worden waren. Ein Zeichen, wie sehr ihr daran gelegen ist, der deutschen Jugend und den politischen Köpfen in ihr freien Raum zu geben. In seiner für die Verfassung u gegen eine Diktatur eintretenden Rede beschwor darnm auch Reichsminister Dr. Wirth die anwesende deutsche Jugend, sich doch nicht abseits zu stellen, wenn sie etwa glaube, daß das politische Antlitz der deutschen Volksvertretung keine verwandten und liebwerten Züge aufzuweisen scheine. Es sei für ihn ein geradezu unnatürlicher Vorgang, daß die politische Jugend heute vielfach nach der Diktatur rufe. Durch eine Diktatur müsse sich der politische Mensch im Innersten bedroht fühlen. Das Gebäude der deutschen Demokratie sei doch für alle da, hätte Raum für alle, die eines guten Willens seien. Und wo die Eingangstore noch verschlossen scheinen oder allzu schwer beweglich, da könne nachgeholfen werden. Aber die deutsche Jugend müsse dabei sein, denn es sei höchste Zeit, daß wir endlich ein Volk, und politisches Volk werden. Dr. Wirth hat offenbar an der deutschen Jugend, die er zur Mitarbeit aufruft, einiges noch nicht begriffen: Die Jugend will nicht die Diktatur als solche, aber sie will lieber Diktatur als Unfähigkeit. Die Jugend ist auch nicht radikal, sie ist nur nicht unterwürfig. Die Jugend fühlt sich auch nicht von der politischen Arbeit im System zurückgewiesen. Sie dankt aber für das heutige praktische System. Kurz: die Jugend wünscht nicht, sich selber untreu zu werden, nicht um der Verfassungstreue um jeden Preis sich selber untreu zu werden. Wie sehr die deutsche Jugend das herrschende System perhorresziert, kann Dr. Wirth der„Vossischen Zeitung“ entnehmen, in der kürzlich eine Stimme aus der Jugend wie folgt sich hat vernehmen lassen:„Man wird von uns vielerlei nicht erwarten dürfen, vor allem keine Gutmütigkeit, vor allem nicht die bona fides eines biederen Untertanen, vor allem nicht, daß wir den abgeschmackten Rummel dieses sogenannten Regierens mitmachen... Dieser Staat gibt immer neue Parolen aus und wenn es dir gut gehen soll, so brauchst du nur das Gegenteil zu tun... Wo wir ihn kennen lernten, ist der Staat ein Unheilbringer gewesen..., der Staat als Straßenräuber, und seither wird uns ein politisches Harlekinstheater vorgespielt, von dem sich die deutsche Jugend mit Abscheu und Ekel abwendet... Dieser deutsche Staat, den wir als Vaterland empfinden und sogar lieben sollen, treibt nur die schädlichste Tagespolitik... Solche Art von Reichstag und seinen Regierungen hin pern den Staat, ein Vaterland zu werden, er ist alles andere, nur kein Vaterland.“ Das ist deutlich. Sehr deutlich sogar. Hat es denn Sinn, angesichts einer solchen Bilanz, unentwegt formalistisch auf den„Staat“ zu starren? Und um den Wirrwarr nur noch größer zu machen, gründet man ausgerechnet in dieser Zeitlage, um diesen Staat zu retten, noch eine„Staatspartei“! Der Reichsminister mag sich und uns in seiner Verfassungsrede noch so eindringlich vorreden, daß wir einen Staat haben, der sich vor 11 Jahren eine Verfassung gegeben hat. Aus dem Lande schallt es zurück, daß wir ein Volk geworden sind, das außer aller Verfassung ist. Nicht um die Frage handelt es sich jetzt, nachdem der Reichstag aufgelöst und Neuwahlen ausgeschrieben worden sind: Wie stehen wir zum Staat? Sondern: Wie stehen wir zu diesem Staat, in welchem die Futterkrippenpolitik eine so große Rolle gespielt hat und der Marxismus wie auch Rom durch die Besetzung der wichtigsten Verwaltungsstellen den Staat in die Hand bekommen haben. Es ist einfach nicht wahr, daß in diesem Staat Raum für alle da, alle, die guten Willens sind. Mit einer Politik der Möglichkeit soll uns gedient sein, wo doch alles auf dem Spiele steht? Die Parteien, die sich heute mit dem Möglichen begnügen, kurieren nur an Symptomen herum, ohne dem Uebel an die Wurzel zu greifen und erwerben sich dadurch lediglich die Teilhaberschaft an dem unvermeidlichen Zusammenbruch. Ein grelles Licht auf die„Futterkrippenpolitik“ des herrschenden Staales wirft das jüngst an den Parteivorstand der SPD in Berlin gerichtete Schreiben des langjährigen, sozialdemokratischen Landrates des Kreises Hannover=Linden, Dr. Robert Scholz, in welchem dieser der Partei seinen Austritt erklärt. Er hatte festgestellt, daß sein Amtsvorgänger, der frühere sozialdemokratische Minister Krüger, schuld an einer wenig erfreulichen Korruptionsaffaire im Kreise gewesen war. Dafür ist Dr. Scholz vom Staatsministerium, auf Grund eines Berichtes des Herrn Grzesinski(!) zur Disposition gestellt worden. Aus dem Schreiben hier nur einige Sätze: Als ich vor 11 Jahren in jugendlicher Begeisterung in die Partei eintrat, lockten mich die programmatischen Ideale der SPD, als der Partei der Armen und der Un terdrückten. Heute erkenne ich, daß nicht Ideale, sondern ein krasser Egoismus, Materialismus und Parteifanatismus, fremd jeder Sachlichkeit und Uneigennützigkeit den Parteikörper wie ein böser Geist beherrscht. Dieser große, aufgedunsene Körper mit seinen fetten Organen richtet, besessen von unerfüllbaren Wahnideen, Volk und Staat tyrannenhaft zugrunde.:. Zwischen Parteiprogramm und Parteileben, zwischen Parteitheorie und Parteipraxis klaffen ungeheure Risse. Die Parteiskandale jagen sich, die Partei der Armen und Unterdrückten schleppt wie ein unersättlicher Drache das Volksgut in seine Höhle. Nein, die Partei ist krank, sterbenskrank, trotz ihres Volumens und muß zugrunde gehen, damit das deutsche Volk neu leben kann.“ „Die Partei ist krank, sterbenskrank“, so ein ehrlicher und langjähriger Genosse der SPD. Und von dieser Partei, die, wie der Eislebener Prozeß gezeigt hat(Fall Winkler, der seinen Bildungsgang in der sozialdemokratischen Partei vor Gericht selber als den„Werdegang des Bonzen“ bezeichnet hat[!]) nachgewiesenermaßen ihren Parteimitgliedern einschärft, die Partei dürfe unter keinen Umständen Schaden leiden, von dieser Partei kann und will sich das herrschende System nicht strennen! Kann man es da einem Mann wie Hugenberg Sie fielen auf ihrem Posten. Den Missionaren Sven Skallsjö und Dr. Theodor Ohlén, von der schwedischen Mongolenmission, die im letzten Winter kurz nach einander an Paratyphus auf der Station Gultjagan in der chinesischen Provinz Chahas starben, hat Dr. Sven Hedin von Peking aus einen hübschen Nachruf in„Dagens=Nyheter“ gewidmet: Bei hartem nordwestlichem Wind und beißendem Frost fuhren wir am 14. November 8½ Uhr abends an der kleinen Treppe vor, die zur Wohnung der Gultjagan=Missionare führt. Wir wurden von einer ganzen kleinen schwedischen Kolonie herzlich empfangen, Herr und Frau Skallsjö und ihren drei kleinen Kindern, die gerade zu Bett sollten, Dr. Theodor Ohlen und Fräulein Dagny Hansson. Wir wurden in das Wohnzimmer gebeten, entledigten uns unserer eisbedeckten Pelze und ließen uns um den runden Tisch unter der Lampe nieder. Wir tauten in der behaglichen Wärme auf, die nicht nur vom Kamin ausströmte, sondern auch ganz besonders von der Atmosphäre der Freundschaft und Gastlichkeit, die uns umgab. Ich konnte nicht anders als um Entschuldigung bitten, daß wir zu so später Stunde ankamen; und ich machte den Vorschlag, daß wir selbst für unseren Abendimbiß sorgten. Aber davon wollten die Damen der Station nichts wissen. Frau Skallsjö war bereits in der Küche; und es dauerte nicht lange, da war der Tisch gedeckt, und ein paar einfache, kräftige und wohlschmeckende Gerichte wurden zu Kaffee und Tee gereicht. Wir hatten einen unvergeßlichen, traulichen und interessanten Abend. Die Missionare erzählten vom Hochland, von den Nomaden und deren Leben und von ihrer eigenen Tätigkeit unter ihnen. Sie sind wundervoll, diese Apostel, die für ihren Glauben gerne in den Tod gehen. Wie schwer, aufreibend und hoffnungslos scheint ihre Aufgebe nicht zu sein! Wie erfüllt von lichten Hoffnungen für die Zukunft und wie überzeugt von dem endlichen Siege sind sie nicht selbst! Sie werden von einer höheren Macht getrogen. Wir bewundern ihre Liebe, Geduld und Treue, wir freuen uns über ihren Erfolg und verstehen, daß wir in ihrem Hause auf heiligem Boden sind. Aber der Abend war vorbei, und es wurde Zeit, zur Ruhe zu gehen. Sechs kleine weiße Häuser befinden sich verdenken, wenn er von dieser Partei, die„zugrunde gehen muß, damit das deutsche Volk leben kann“, sich abwendet und sie aufs schärfste bekämpft? Sein und seiner Getreuen unbedingter Kampfeswille leistet allein uns Bürgschaft, daß unser verhetztes und betrogenes Volk nach 11 Jahren Unzulänglichkeit einmal wieder in bessere Verfassung kommen wird. J. G. (Zu Nr. 185.) Grundsätzlich ist der Forderung nach Ueberparteilichkeit der Kirche zuzustimmen. Die Kirche hat vor allen Dingen das„Amt des Wortes“. Dieses Amt verpflichtet gleicherweise nach allen Seiten hin. Solche allseitige Verpflichtung macht es unmöglich, daß die Kirche sich für eine „politische Richtung“ einsetzt. Wohl aber hat die Kirche eben um ihres Amtes willen die gegenteilige Verpflichtung, nach ganz bestimmten Seiten hin mit„ihrem“ Schwert überall da einzugreifen, wo dem Christentum feindliche Mächte auftreten. Darüber hinaus ist die Kirche, wiederum um ihres Amtes willen, zur Abwehr verpflichtet, wo der göttlichen Weltordnung zuwiderlaufende Mächte sich auf den übrigen Gebieten des Staatslebens offenbaren, etwa im Wirtschaftsleben. Aber auch diesen Kampf soll die Kirche nicht als politische Partei führen, sondern völlig ohne Bindung an eine Partei, nicht mit dem Mittel eines politischen Wahlkampfes, sondern auch hier nur mit dem ihr anvertrauten Schwert. Wären das die Gedanken des Artikels unter„Ueberparteilichkeit“ in Nr. 185 gewesen, so hätte ich dazu nicht Stellung genommen. Nun sind diese Gedanken aber so eng mit dem„Christl.=sozialen Volksdienst" verknüpft worden, daß sie teils der Ergänzung, teils der Berichtigung bedürfen, soweit sie den„Volksdienst" angehen. Bisher ist es doch wohl so gewesen, daß die evangelische Kirche in ihren Vertretern und weithin in ihren ernstesten Gliedern der DNBP. recht nahe stand. Das geschah vielleicht aus dem Grunde, weil in dieser Partei wirklich entschiedene Christen zu finden waren und die Partei als solche, sonderlich in Wahlperioden, betonte, daß sie die rein christlichen Belange vertrete. Meines Wissens ist damals nie auf die Gefahr für die Volkskirche hingewiesen. Diese Warnung ist erst recht laut geworden, seitdem der„Christl.=soziale Volksdienst“ den christlichen Oeffentlichkeitswillen betont und in erfrischendem Tempo seinen Weg findet. Warum das? Ist das überall Befürchtung um den Bestand der Volkskirche, oder ist es auch denkbar, daß sich miteinschleicht eine Befürchtung um den Bestand bisheriger politischer Parteien? Herr Dr. Wagner scheint zu seiner Befürchtung aus einer falschen Blickrichtung zu kommen. In seinem Artikel erweckt er durchaus den Eindruck, als ob er den Volksdienst als den„Oeffentlichkeitswillen der Kirche" erblickte. Das ist allerdings ein verhängnisvoller Irrtum! Er ist der Oeffentlichkeitswille der Christen, nicht der Kirche. Darum fragt er auch nicht: kirchlich oder freikirchlich. In dieser politischen Bewegung stehen Schulter an Schulter die Kirchlichen und Freikirchlichen. Hier reichen sich die, die sich in dem Bekenntnis zu dem Gekreuzigten und Auferstandenen einig sind, als Brüder die Hand. Ihr christliches Gewissen ließ ihnen keine Ruhe mehr. Nur allzu lange hat die evangelische Christenheit so getan, als ob sie von Gott keinen Auftrag für das öffentliche Leben hätte! Nur allzu lange hat sie sich auf der Station Gultjagan. In dem einen von diesen wohnte Dr. Ohlén. Es war ein warmes und freundliches Kämmerlein, das Feuer knisterte im Kamin, und der Mond schien durchs Fenster. Wir schliefen, ohne zu ahnen, daß die Trauer auf unseren Spuren dieses Haus besuchen würde, das so anspruchslos und so ganz von Menschenliebe und Treue geheiligt war. Am nächsten Morgen besichtigten wir die Krankenabteilung, die Apotheke, das Empfangszimmer mit seinem Operationstisch, nicht völlig modern, aber gut genug für grobhäutige Mongolen und für seinen Zweck ausgezeichnet geeignet, obwohl es weit entfernt von den Brennpunkten der Zivilisation angefertigt ist. Wir guckten in die photographische Dunkelkammer des Dr. Ohlén hinein, sahen das Krankenzimmer mit seinen sechs Betten sowie die Schule, die auch als Kirche dient. Mit unbedeutenden Mitteln haben die fleißigen, tatkräftigen und glaubensgewissen Missionare bewundernswürdige Erfolge erzielt. Man merkt, mit welcher Liebe und Umsicht sie ihre Arbeit anlegen, ausgestalten und verbessern und mit welcher Tatkraft sie den Kampf führen gegen verheerende Krankheiten, gegen Armut und die Forderungen, welche in einem strengen und barschen Klima an ihre eigene Ausdauer gestellt werden. Es sind jetzt drei Monate vergangen, seit wir dort waren. Damals herrschte ein lebendiges Treiben in Gultjagan; die christliche und medizinische Liebestätigkeit war in vollem Gange. Herr Skallsjö sollte gerade nach Dolonor reiten, um Wintervorrat zu beschaffen. Reiter kamen und banden ihre Pferde an und ritten wieder davon. Kranke wurden zur Behandlung gebracht. Ein jeder hatte seine Arbeitslast zu tragen; und wir sahen die Station in hellen, winterweißen Tagen. Jetzt kann ich nicht an Gultjagan denken, ohne es auf dem dunklen Hintergrunde finsterer, heulender Schneestürme zu sehen. Ich sehe zwei Frauen, die mit eiligen Schritten von dem einen Krankenbett zum anderen hasten. Sie sind vom Nachtwachen erschöpft; ihre Züge sind ausgezehrt und von Angst und Unruhe gekennzeichnet. Eines Tages wird es still. Ein mongolischer Zimmermann erscheint mit einigen Brettern, während zwei andere Männer in der hartgefrorenen Erde mühsam ein Grab schaufeln. Wieder ein Tag, und der einfache ungestrichene mit den Versprechungen der politischen Parteien abge, funden. Hunderttausende gingen ihren Weg mit ver, letztem Gewissen. So ist der„Christlich=soz. Volksdienste durchaus keine kirchlich=politische Partei, er ist vielmehr das für den Dienst in der Oeffentlichkeit erwachende Ge, wissen der evangelischen Christenheit und als solches der Wille zur Tat. Wenn Herr Dr. Wagner meint, der Volksdienst könnte sich deswegen noch nicht überparteilich nennen, wei en für„aufrichtige und anständige Gesinnung auch dem Gegner gegenüber“ eintritt, so hat er damit völlig recht. Dag aber braucht gar nicht betont zu werden. Das ist für die Volksdienstleute etwas ganz Selbstverständliches. Ihr ganzes Auftreten soll schon Zeugnis sein. Der Volksdienst ist dankbar, wenn er in diesem Stück etwas leisten durfte. Wer aber das„Wesen des Volksdienstes“ in solcher „symbolischer Bedeutung“ erkennen, darin seine Sendung sehen wollte, der hat das Wesen dieser Bewegung überhaupt noch nicht erkannt. Er ist tatsächlich etwas„Radikal=Neues". Bisher war es so, daß Wähler und politische Parteien von rein wirtschaftlichen Fragen aus aktiv geworden sind. Parteien und Wähler spielten sich von hier aus immer völliger aufeinander ein. Die Bindungen durch wirtschaftliche Gesichtspunkte wurden immer stärker. Die Bindung an Gott und seine Ordnung bei der Ordnung dieser äußeren wirtschaftlichen, diesseitigen Dinge wurde immer lokkerer, hörte meistens ganz auf. Durch diese Entwicklung wurde in diesen Dingen auch der Weg bis zu Ende gegangen, der in dem Wort liegt:„Der Mensch wollte sein wie Gott.“ In dieser Verselbständigung des Menschen war nun gegeben, daß sie auch tatsächlich selber dann die Dinge ordnen sollten und— siehe da— sie konnten es nicht. Aus ihrem Vornehmen kam nicht Entwirrung, sondern Verwirrung, nicht Beglückung der Menschen, sondern Verelendung. Auf das„Lasset uns einen Turm bauen“ auf seiten der Menschen ist wieder einmal erfolgt das göttliche:„Wohlan, wir wollen zunichte machen!“ Hier liegt die Botschaft des„Christl.=sozialen Volksdienstes", zugleich der Dienst, den er unserem Volk zu leisten hat, von diesen Antriebskräften aus sich mitten zwischen alle Parteien zu stellen und nach allen Seiten hin, in allen wirtschaftlichen Fragen den Willen Gottes zu offenbaren. Das ist keine weltfremde und unnüchterne Art, sondern das ist„die“ Nüchternheit, frei von dem Rausch der Menschenvergötterung jeglicher Art, der Ueberschätzung menschlichen Könnens. In treuester und fleißigster Arbeit an den brutalen Fragen der Gegenwart können wir nur helfen, wenn wir uns am göttlichen Willen orientieren und ihm gehorsamen. Deshalb muß der Volksdienst auch nach allen Seiten hin völlig frei und ungebunden bleiben. Irgendwelche Bindung würde ihn in seinem Sonderdienst lahm legen. Herr Dr. Wagner, woher haben Sie die Kenntnis, daß Sie schreiben können, wohlmeinende Schichten des Kleinbürgertums und der mittleren Schichten stehen im wesentlichen hinter dem„Christl.=sozialen Volksdienst"? Zunächst lehnt der Volksdienst es ganz entschieden ab, diese Bezeichnungen aus einer überwundenen Zeit noch weiter zu gebrauchen. Gerade weil er es mit der Bezeichnung „Christlich“ so ernst meint, sucht er von solchen Bezeichnungen frei zu werden, darum zu kämpfen, daß wir zu einer neuen Volksgemeinschaft kommen, in welcher es solche Gegensätze, die ja doch letzten Endes sich hinter solchen Bezeichnungen verbergen, nicht mehr gibt. Wir kämpfen darum, daß vornehm und gering, gebildet und ungebildet, akademisch und nicht=akademisch verschwindet Sarg wird von Mongolen hinausgetragen, um in die fremde Erde gesenkt zu werden. Eine Frau liest die schwedischen Sterbegebete und Lieder und übergibt den treuen Arbeiter in die Hände des Meisters. Es folgen arbeitsreiche Tage. Die eine Frau ist verweint. Sie hat ihren Mann und die Stütze ihrer Kinder verloren. Als die Stille wieder eintritt, ist sie tiefer als früher. Am Tage darauf ist der Zimmermann wieder in Tätigkeit. Ein neuer Sarg wird gezimmert, und ein Grab öffnet sich ir der mongolischen Erde. Und wiederum klingen die Begräbnislieder durch die Winterkälte. Und mit Ergebung in den Willen des Herrn liest eine tapfere Frau ohne Erzittern der Stimme:„Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt!“ Als die Kollegen von den Nachbarstationen abgereist waren, waren die beiden Frauen allein mit den Kindern, deren jetzt vier waren; eins war vor einem Monat zur Welt gekommen.— Und vergebens stellt man die alle Frage: Warum mußten gerade diese, die selbstlosesten und aufopferndsten Menschen auf Erden, von einem so fürchterlichen Schlage getroffen werden, während wir, die wir lediglich an uns selbst denken, frei herausgehen! Während das Leben in der ehemaligen Hauptstadt (Peking) seinen gewohnten Lauf nahm wie der Widerschein eines Vulkans und der Widerhall einer entschwundenen Größe, hüllte der Schneesturm, begleitet vom Geheul der Wölfe, seine weißen Schleier um eine kleine schwedische Missionsstation droben auf der mongolischen Hochebene. Da drinnen sitzen zwei Frauen um die Lampe herum, die letzten der tapfer kämpfenden Besetzung der schwedischen Mongolenmission; sie halten die Schanze Gultjagan. Sie fühlen sich gleichsam versunken in ein Meer von unergründlichen, tiefen Rätseln. Aber vergessen sind sie nicht von ihren Landsleuten: eines Tages wild Hilfe aus Schweden kommen. In kalten, klaren Winternächten schimmern die Sterne in unvergleichlichem Glanz über den einsamen Grabhu geln, welche den Staub zweier schwedischer Märtyrer, die auf ihrem Posten fielen und für ihren Glauben starben, decken. Gesegnet und geehrt wird ihr Andenken in späte Je“ ten fortleben! P. H. W und bei allen tat christlicher Grundlag perde.„ Und noch ein. gaber steht hinter Volksdienst zu för Brund, das mindest pfürchten— daß hei gtische Blocks unter wpunkten zu gründe Dazu hat der V nacht. Wohl aber ##vor Gott verpflicht nicht täuschen! 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W And bei allen tatsächlichen Unterschieden auf wahrhaft #r Grundlage der Bruderstand der Menschen uns esung noch ein. In dem Artikel heißt es:„Vielleicht ver steht hinter dem Willen, den„Christl.=sozialen walksdienst zu fördern, die Meinung und wir haben Larund, das mindestens für einzelne Persönlichkeiten zu Birchten— daß heute schon die Zeit gekommen sei, poliische Blocks unter ausgesprochen kulturellen Gesichtsspunkten zu gründen... in Staat und Gesellschaft.“ gazu hat der Volksdienst noch gar keinen Ansatz gemacht. Wohl aber fühlt er sich von Gott beauftragt und Gott verpflichtet, ins Volk hineinzurufen: Laßt euch nicht täuschen! Gewiß geht es um harte Wirklichkeiten im Iwirtschaftlichen und politischen Leben, gewiß geht es um soösung des Klassengegensatzes. Aber keine Täuschung— ## geht um viel mehr! Treitschke schrieb schon 1882:„Wer ein wenig über den Tag hinausdenkt, wird sich der Ahzung kaum erwehren können, daß vielleicht schon im Bezinn des kommenden Jahrhunderts ein ungeheurer Kampf um das Christentum selber, um alle Grundlagen der christlichen Sitte ausbrechen mag. Gewaltige Kräfte der Zersetzung und Verneinung sind überall in Europa am Werk. Der Tag kann kommen, wo alles, was„noch cristlich“ ist, sich unter einem Banner zusammenscharen muß.“ Wir fragen, ist dieser Tag noch so unendlich ferne? Volksdienst=Ruf in diesem Wahlkampf lautet: Wahl it Volksentscheid, letzten Endes darüber, wer in Deutschlund herrschen soll, der da sagt„Ich bin der Herr, dein sott“, oder der freie, selbständige, ungebundene, deutsche schmensch“? Wahl kst Volksentscheid darüber, ob unseres Zolkes Verhältnisse geordnet werden sollen nach den Ordnungen Gottes oder nach den Ordnungen des Ichmenschen.„Volksdienst“ ruft: Wählt so, daß man mit unbeschwertem Gewissen beten kann: Dein Wille geschehe auch es erden“ 85 Eckernförde H. Malchlesen. Koiln=slerrzlel. üritel. Marsch der Aufständischen an die Oder.— Die Wojewoden hetzen gegen Deutschland. — Kattowitz, 20. August. Der diesjährige Marsch der polnischen Aufständischen an die Oder, der— wie es auch in den Vorjahren schon üblich war— mit öffentlichen Geldern finanziert worden ist, gestaltete sich zu einer schlimmen Provokation und zu einer Kundgebung für die Angliederung deutscher Landesteile an Polen. In Olsa, am Endpunkt des Marsches, begrüßte der Protektor der ehemaligen Aufständischen, der Wojewode Graczinski, der höchste Beamte Ostoberschlesiens, die Verbände. Graczinski führte aus,„weit über die Grenzen des polnischen Staates hinaus schlage ein polnisches Herz.“ Das Gesicht der Aufständischen müsse nach Westen gerichtet sein(), nach Oppeln, in dessen Nähe sich ein Grabhügel an den anderen reihe, den Sarg eines Aufständischen deckend". Erneut strecke sich„„Feindeshand aus nach dem heiligen Vaterland“, das von den Aufständischen unter Einsatz des Lebens wiederholt geschirmt worden sei. Er wiederhole das Wort des Generals Rydz=Radom, nach dem hinter jedem Fußbreit polnischen Bodens die Armee und die ganze Nation stehe. Das ist eine derart herausfordernde Rede, daß Graczinski, auch wenn man von ihm allerhand gewohnt ist, damit als Leiter der Verwaltung in Ostoberschlesien unmöglich geworden ist! Graczinski ist ein wilder Fanatiker und ein Deutschenfeind, den der Haß blind gemacht hat für klare Tatsachen. Das„polnische Herz“ schlägt nicht weit über die polnischen Grenzen hinaus, vielmehr sind die polnischen Grenzen so weit in deutsche, russische und litanische Gebiete vorgetrieben worden, daß dieser Raub Europa wird niemals zur Ruhe kommen lassen. Niemand will Warschau polnisches Land entreißen, umgekehrt ist aber auch kein Volk bereit, auf Gebiete zu verzichten, auf die Polen keinen Anspruch hat. Wenn die Aufständischen angesichts dieser Situation aufgefordert werden, das„Gesicht nach Westen zu richten", dann ist das eine Ermunterung zu neuen Gewalttaten. Nicht minder wüst verlief eine polnische Kundgebung in Johannisdorf, zu der die Demonstranten von weit her unter Gewährung freier Fahrt und freier Verpflegung herangeholt waren. In den Aufrufen für diese Kundgebung war davon die Rede, daß man„den Deutschen eine Lektion erteilen müsse“. Die Schilder, die die Demonstranten mit sich führten, forderten den Anschluß Masurens, Ermlands und des Marienburger Landes an das„Mutterland". Der Wojewode von Pommerellen, Lamot, der als Festredner fungierte, verstieg sich sogar dazu, von einem„zähnefletschenden Nachbarn“ zu sprechen. * Der Ton, auf den die Hetzreden der Wojewoden abgestimmt sind, ist im großen und ganzen der gleiche, der auch die innerpolitischen Auseinandersetzungen in Polen kennzeichnet. Wie bisher, mögen die Polen ihre innerpolitischen Gegner auch in Zukunft als ausgemachte Schurken behandeln, denn anscheinend erfreut sich der Gassenton in Polen einer ständig wachsenden Beliebtheit. Wenn sich polnische Regierungsbeamte aber auf außenpolitisches Gebiet begeben und wenn sie hierbei zu Gewalttaten aushetzen, dann ist das ein Vorgang, der nicht geduldet werden kann. Kriegedrohungen sind Polen nicht gestattet; denn Warschau hat nichts zu fordern, sondern es hat etwaß herauszugeben! Friede im Ararat? Kemal Pascha prüft die Lage.— Presseempfang beim türkischen Botschafter. — Konstantinopel, 20. August. Der türkische Staatspräsid ut Kemal Pascha hatte in Bad Jalowa eine Konferenz mit dem Außenminister Zsmet Pascha. Verhandelt wurde über den Kurdenaufstand und den türkischen Einmarsch in Persien. Insbesondere handelte es sich um die weitere Gestaltung der Beziehungen zu Persien, nachdem der neue türkische Botschafter sein Amt in Teherau angetreten hat. Die Wiederherstellung der alten freundschaftlichen Beziehungen zwischen der Türkei und Persien hingt von dem Ausmaß der Forderungen ab, die die türkische Regierung stellen wird. Für die Abtretung der Ostabhänge des Ararat=Gebirges dürfte Persien zu gewinnen sein, sofern die Türkei dafür einen gleichwertigen Bezirk türkischen Landes an Persien abgibt. Wenn die Türkei darüber hinaus aber den ganzen Bezirk um die persische Stadt Maku verlangen sollte, wie es der türkische Generalstab möchte, dann dürfte eine gütliche Einigung kaum möglich sein. * Mit den Kämpfen am Ararat beschäftigte sich auch der türkische Botschafter in Berlin, Kemaleddin Pascha, der einen Kreis von Pressevertretern zu sich geladen hatte. Kemaleddin Pascha führte aus, die Scheichs und Beys der Kurden seien während der Zeit des Sultanats nahezu selbständig gewesen; die Staatsgesetze hätten vor ihnen haltgemacht. Dem Sultan seien sie nur insoweit verpflichtet gewesen, als sie ihn als Oberhaupt anerkannt hätten. Im übrigen aber hätten sich die Kurden nicht als türkische Staatsbürger, sondern als Sklaven ihrer Standesgroßen gefühlt. Der neue türkische Staat habe den Fortbestand dieser Verhältnisse nicht dulden können. Er habe versucht, die Kurden daran zu gewöhnen, daß sie türtische Staatsbürger seien, und nun sei es notwendig, ein für allemal dem Guerillakrieg im Grenzgebiet ein Ende zu machen. Eroberungspläne gegenüber Persien bestünden nicht; auch sei nicht anzunehmen, daß Persien die Kurden aktiv unterstütze. Jetzt seien die Rebellen von türkischen Truppen umzingelt. Wenn sich die Kurden vorerst auch noch in ihren Schlupfwinkeln im Gebirge verborgen hielten, so werde 23ch der in den nächsten Monaten einsetzende Schneeanl sie nötigen, aus ihrem Versteck hervorzukommen und die Rassen zu strecken. Indien=Kompromiß gescheitert? Mindestforderungen Gandhis.— London winkt ab. Die englisch=indischen Friedenskonferenzen im Gesangnis von Poona scheinen vergeblich gewesen zu sein. Die Führer der indischen Unabhängigkeitsbewedung, Gandhi und Nehru, erkennen zwar in einem brief an den englischen Vizekönig von Indien an, „daß die konservative und liberale Opposition es der englischen Arbeiterregierung unmöglich machen könnte, Indien als Ergebnis der geplanten englisch=indischen nonferenz Unabhängigkeit und den Rang eines Domimon zu gewähren“; sie verlangen aber, daß der Vizetonig und die britische Regierung sich wenigstens verPflichten, diese Politik am Konferenztisch brigen zu machen. Wenn eine solche Verpisihtuug vvernommen und durch die Freilassung aller ponismen er angenen bekräftigt werden würde, dann würden die mndischen Führer bereit sein, die jetzt im Gang beindliche Gewegung des Boykotts britischer Waren und Richtzusammenarbeit mit England einzustellen. „ Der Londoner„Daily Telegraph“ weist dieses ungebot der indischen Führer schroff zurück. Das Blatt spricht von einem„Ultimatum Gandhis" und von einer„Wiederholung unsinniger Forderungen“, die darauf hinausliefen, der englischen Regierung ihre Politik zu diktieren. * Trotzki, der auf der türktschen Insel Printip in §'rbannung lebt, will dort auch fernerhin verbleiben. Die derüchte über Einigungsverhandlungen Trotzkis Nachthabern in Moskau sollen unzutreffend sein. Dei Kounun. Neue Einigungsverhandlungen. Zusammenarbeit der Konservativen, der Volks= und der Wirtschaftspartei. Reichsminister Treviranus, einer der führenden Männer der Konservativen Volkspartei, der Vorsitzende der Deutschen Volkspartei Dr. Scholz und Abg. Sachsenberg von der Wirtschaftspartei haben sich grundsätzlich auf einen Burgfrieden ihrer Parteien im Wahlkampf und im neuen Reichstag geeinigt. In einem gemeinsamen Wahlaufruf soll der Bereitschaft zur Zusammenarbeit in der Außen= und Innenpolitik Ausdruck gegeben werden. Ueber die Form dieser Zusammenarbeit sind Beschlüsse noch nicht gefaßt worden. Die Bildung einer gemeinsamen Fraktion ist dem Vernehmen nach nicht beabsichtigt, wohl aber will man einen gemeinsamen interfraktionellen Ausschuß einsetzen, um sich über das Vorgehen der drei Fraktionen zu verständigen. Ueber die Formulierung des Wahlaufrufs wird noch verhandelt. Wie verlautet, soll auch mit der Deutschen Staatspartei erneut Fühlung genommen werden. Der Zentralvorstand der Deutschen Volkspartei ist für kommenden Sonntag zu einer neuen Sitzung nach Berlin einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Entgegennahme eines Berichts des Parteivorsitzenden. Verkleinerung des Reichstags? Prüfung der Wahlrechtsvorlage durch das Reichskabinett. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers befaßte sich das Reichskabinett am Dienstag in eingehender erster Beratung mit den Vorarbeiten für die Wahlrechtsreform und den Finanzausgleich. Ministerg berichtete über die Vorbereitung des Finanzausgieich. Die Kabinettssitzung zog sich bis in die späten Abendstunden hin; in den nächsten Tagen werden die Verbekannt. Im wesentlichen handelt es sich um die Verkleinerung der Wahlkreise und die Einfügung einer Bestimmung, nach der in Zukunft außer den Parteien sich auch Einzelpersönlichkeiten um Reichstagsmandate bewerben können. Statt bisher 35 gggg omunft 162 Wahlkreise mit durchschnittlich 25°agpoerhänpe rechtigten— zusammengefaßt in 32 Wahlverbanek.. und 12 Ländergruppen— geben. Reststimmen der Wahlkreise sollen statt auf der Reichsliste, die wegfallen soll, in den Wahlkreisverbänden und Ländergruppen ersechne zmandat erserverlich ist, sol von S0000 gu Reichstagsmanoat„4, soll von 60 000 auf erhöht werden, so daß als Folge Reichstag um 50 bis 60 Abgeordnete verkleinert werden würde. Die Geltungsdauer des neuen Wahlgesetzes soll auf 12 Jahre beschränkt werden. Ueber die Aussichten dieser Reform ist 3u, sagen, daß das neue Wahlrechtsgesetz zunächst vom##get verabschiedet werden mup. A.=, gpeiches terg gätige Gevöllig ungewiß. Branntweinverbot am Wahltag. Von Preußen erlassen.— Außeidem darf die Polizeistunde vorverlegt werden. — Berlin, 20. August. wein trifft auch den Fall, daß dieser in verschlossenen oder versiegelten Flaschen abgegeben wird. Der Minister hat alle Polizeibehörden ersucht, die Innehaltung dieser Vorschriften auf das strengste zu überwachen. Sofern an einzelnen Orten Tatsachen die Annahme rechtfertigen, daß durch den Ausschank von sonstigen geistigen Getränken am Sonntag, den 14. September 1930 in den Abendstunden eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung eintritt, ist es den Ortspolizeibehörden freigelassen, einen früheren Beginn der Polizeistunde festzusetzen. Kandidatenlisten und Wahlaufruse. br. Die ersten abgeschlossenen Kandidatenlisten für die Me#chstagswahl legen nunmehr von der Deutschnationalen Volkspartei und von den Sozialdemokraten vor. Bei den Deutschnationalen ist der Parteiführer Geheimrat Dr. Hugenberg viermal Spitzenkandtoat. M8me, Im übrigen kandidieren in Ostpreußen Oldenburg= Januschau. in Liegnitz Reichsminister a. D. Hergt, in Berlin Laverrenz und Dr. Berndt, in Potsdam 1 Gutsbesitzer Stubbendorf, in Potsdam II Lanotagsabgeordneter Steinhoff, in Breslau Freytagh=Loringhoven, in Thüringen Landgerichtsdirektor Gräf, in Schleswig=Holstein Dr. Overfohren, in Hannover=Ost Hauptmann a ,D. Schmidt, in Koblenz=Trier Dr. Spahn, in Mecklenburg Dr. Everling, in Hamburg Direktor Gok, in Dresden=Bautzen Dr. Bang. Als neue Männer sind u. a. aufgestellt: Hofprediger Toehring(Chemnitz=Zwickau), Schiele=Raumourg (Merseburg) und Steuer(Hessen=Nassau). Auf der sozialdemokratischen Liste kandidieren in Ostpreußen der preußische Ministerpräsident Braun, in Berlin Crispien, in Potsdam 1 Wissel und Breitscheid, in Frankfurt a. d. O. der Parteivorsitzende Wels, in Magdeburg Beims, in Westfalen=Nord der frühere Reichsinnenminister Severing und in Franken Reichskanzler a. D. Hermann Mütter.... tu m e min Die Reichsliste oes Zeurrums wird geführt von Reichstanzler Dr. Brüning und dem Parteiführer Kaas. Die nächsten Stellen nehmen ein: Reichskanzler a. D. Marx, Reichsinnenminister Dr. Wirth, Bürgers=Köln, Oberlehrer Hoffmann=Ludwigshafen, Wagmann, der Großindustrielle Klöckner, Fräulein Peerenboom=Düsseldorf und der Vorsitzende des Reichsausschusses der Zentrumsjugend Winkler=Köln. Von der Konservativen Volkspartei liegt ein Wahlaufruf vor, in dem es heißt:„Wir dringen auf eine Revision der Trivutlasten; auf die Wiedergutmachung der ungerechten Grenzziehung im Osten, Abstimmungsfreiheit für Eupen=Malm dy und auf die Rückgabe des deutschen Saargebietes unter deutsche Reichshoheit. Wir fordern Abrüstung der Siegerstaaten zur Herstellung der Rüstungsgleichheit, Gleichberechtigung des Deutschen Reiches im Kreise der Völker, Befreiung von jedem moralischen Makel, Pflege der wirtschaftlichen und kulturellen Verbundenheit mit den deutschen Volksgruppen außerhalb der Reichsgrenzen.“ Aus der Wahlbewegung. An alle! Evangelische Wähler und Wählerinnen! Im letzten Reichstage saßen unter 494 Abgeordneten 177 Evangelische, 114 Katholiken und ein Mennonit. 202° Ab geordnete waren Richtchristen. Noch aber gehören 90 v. H. aller Deutschen zum Christentum. Wer hat die 202 gewählt? Ihr! Oder habt Ihr gar nicht gewählt? Dann seid Ihr ebenso mitschuldig! Im letzten Reichstag war keine Mehrheit für ein Reichsschulgesetz, das endlich— nach 12 Jahren— evangelischen Kindern auch die evangelische Schule gesichert hätte.„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“, aber diese Fragen des Geistes und der Seele sind im Reichstag stets in den Hintergrund gedrängt worden.„Was aber hülfe es dem Menschen———“ Rußlands Christenverfolgungen und die gottlose Jugend, die zu Zehntausenden unter uns aufwächst— sie mahnen uns, daß ie Gleichgültigen und die Schlafenden ein furchtbares Erwachen erleben können. Erkennst Du den Ernst der Stunde? Nur die Kämpfer haben die Verheißung des Herrn! Dein Wahlrecht am 14. September gehört zu Deiner Verantwortung vor Deinen Kindern, Deinem Volk, Deiner— Ewigkeit! Wählt nur kirchentreue Männer und Frauen! Wählt nur solche Parteien, die auch mit der Tat dafür eintreten, daß Deutschland christlich bleibt! Für Glauben und Vaterland Dein Stimmzettel! Volkskirchlicher Laienbund für Sachsen. Gesundung durch Tributsenkung. Vortrag Pros. Serings in Amerika.— Eine Herabsetzung der deutschen Reparationen unbedingt erforderlich. Im Rahmen der internationalen Konferenz landwirtschaftlicher Sachverständiger, die gegenwärtig in der Cornell=Universität tagt, sprach der bekannte Berliner Nationalökonom Prof. Sering über die Wiedergesundung der Weltwirtschaft. Prof. Sering erblickte in der Krise der Landwirtschaft einen Teil der Krise der gesamten Weltwirtschaft. Wie diese, könne auch die Krise der Landwirtschaft nur durch Zusammenarbeit behoben werden. Zu dieser Zusammenarbeit gehöre aber auch die Herabsetzung der Deutschland auferlegten Reparationen und die Streichung der alliierten Schulden an Amerika. Nur durch Löschung aller aus dem Weltkrieg zurückgebliebenen Finanzlasten und der durch diese Löschung möglich werdenden Herabsetzungen der ungeheuren Steuerlasten lönne die Kaufkraft der Völker wieder gehoben werden. Und nur dadurch könne der Produktionsprozeß in allen Ländern wieder in voller Stärke einsetzen, die Arbeitslosigkeit beseitigt und das wirtschaftliche Gleichgewicht in der Welt wiederhergestellt werden. Auch die Vereinigten Staaten lebten nicht für sich, sondern sie seien angesichts ihrer reichen Bodenschätze, deren Verwertung große ausländische Absatzmärkte bedinge, vom internationalen Wohlergehen abhängig. Prof. Sering gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Bestimmungen des Youngplans, wonach eine Herabsetzung der Leistung beantragt werden kann, venn der Goldwert steigt, sehr bald angewendet werdeu müßte. Angesichts der Wirtschaftslage Deutschlands ei eine Herabsetzung der Leistungen unvermeidbar. die Forderung auf eine Herabsetzung könne aber nur choben werden, wenn Amerika bereit sei, die alliierten Schulden zu ermäßigen oder zu aunullieren. Zum Schluß behandelte Prof. Sering politische Fragen. Er verwies dabei darauf, daß der PanFuropaplan des französischen Außenministers Briand niemals Erfolg haben könne, wenn Frankreich, anstatt die Hindernisse für die Fortentwicklung Euroas zu beseitigen, die gegenwärtige Situation versteinern wolle. Zinsverbilligung für Saatgutkredite. Um den Absatz von anerkanntem Originalsaatgut für Wintergetreide(Winterweizen, Winterroggen, Wintergerste) für die Herbstbestellung zu heben, hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Mittel zur Verfügung gestellt, die dazu bestimmt sind, den Zinssatz für Kredite zu senken, die für den Bezug von anerkanntem Original=Wintersaatgetreide gewährt werden. Die Zinsverbilligung besteht in einer Senkung des Zinssatzes für Wechselkredite für die Dauer von zweimal—6 Monaten. Nähe Auskünfte erteilen die Reichskreditgesellschaft und— für Genossenschaften— die Preußische Zentralgenossenschaftskasse. Handwerk und Steuern. Deutsche Tischler in Rostock. In Rostock fand die diesjährige Tagung des Reichsverbandes des Deutschen Tischlerhandwerks e. V. statt. Nach Erledigung der internen Angelegenheiten durch den Gesamtvorstand wurden die dringendsten Fragen zur Förderung des Tischlerhandwerkes in einer Reihe von Vorträgen über Steuerung der Arbeitslosigkeit, Löhne und Tarif, Vergebungs= und Lehelingswesen behandelt und entsprechende Resolutionen angenommen. U. a. sprach Staatsminister a. D. Weber=Dresden, der ausführte, daß das Handwerk als staatserhaltender Berufsstand Berücksichtigung in allen steuer= und wirtschaftspolitischen Maßnahmen finden und dem Wirtschaftsleben erhalten bleiben müsse. Obermeister Heintze=Hannover machte in der Schlußrede neue Vorschläge zur Steigerung der Absatz= und Arbeitsmöglichkeit. Ergebnislose Verhandlungen in der Metallindustrie. — Berlin, 20. August. Wie verlautet, sind die im Reichsarbeitsministerium mit Arbeitgebern und Vertretern der Angestellten geführten Verhandlungen über die Abbauaktion in der Berliner Metallindustrie gescheitert. Es ist nun ganz unbestimmt, wie die Abbauaktion weitergehen wird. C Die Haushaltungsschulen. Fortbildungsmöglichkeiten für die weibliche Landjugend. Man hört heute viel von Mädchenfortbildungsschulen und Aehnlichem, doch weiß selten jemand, was es für eine genaue Bewandtnis damit hat. Zur Aufklärung sei deshalb in kurzer Weise das Wichtigste über Fortbildungsmöglichkeiten für die weibliche Landjugend gesagt. Die ersten Anfänge des hauswirtschaftlichen Schulwesens auf dem Lande liegen nur 30 bis 40 Jahre zurück und stehen heute noch in ihrer Entwicklung sehr hinter dem landwirtschaftlichen Schulwesen zurück. Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Bedeutung der Frauenbildungsfragen im allgemeinen und der hauswirtschaftlichen im besonderen hauptsächlich erst durch den Krieg erkannt wurde, weil uns erst durch ihn die Zusammenhänge der Hauswirtschaft mit dem Wirtschafts= und Kulturleben unseres Volkes klar vor Augen geführt wurden. Die Mädchenfortbildungsschule auf dem Lande ist im Osten noch selten zu finden, während sie im Westen schon weiter durchgedrungen ist; früher oder später wird sie für das ganze Reich eingeführt werden. Diese Schule ist besonders für die Töchter der kleinen Besitzer, Hausgehilfinnen, Mägde und Arbeiterinnen bestimmt und dient denjenigen Mädchen, die noch andere hauswirtschaftliche Schulen besuchen wollen, als Grundlage. Der praktische hauswirtschaftliche Unterricht steht im Mittelpunkt des Unterrichts. Ueber die Art der Durchführung dieser Schule liegt noch nichts Einheitliches vor, da noch Ergebnisse über verschiedene Durchführungsarten abgewartet und verwertet werden sollen, doch scheint sich die 3jährige Ausbildungszeit mit mindestens 6 Wochenstunden während des Winterhalbjahres durchzusetzen. . Als Ersatz für die Mädchenfortbildungsschule gilt die Wanderhaushaltungsschule. Ihre Aufgabe ist, die Töchter der kleineren Landwirte, der Arbeiter und Handwerker auf ihre zukünftigen Berufsaufgaben vorzubereiten. Die Kurse dauern 8 bis 12 Wochen. Der Unterricht erstreckt sich auf alle Gebiete der ländlichen Hauswirtschaft, doch bleibt für den allgemeinbildenden Unterricht wegen der kurzen Kursdauer nur wenig Zeit übrig. Für viele Landwirtstöchter reicht jedoch diese Ausbildung nicht aus, da die Führung des Haushaltes eines größeren Landwirtschaftsbetriebes Fachkenntnisse verlangt, die nur durch weitergehende Fachbildung erworben werden können. Die Schularten, die für die hauswirtschaftliche Fachschulung in Frage kommen, sind die Landwirtschaftlichen Haushaltungsschulen, die Mädchenklassen an landwirtschaftlichen Schulen und die wirtschaftlichen Frauenschulen auf dem Lande. 85„#e Landwirtschaftliche Haushaltungsdie älteste Schulart auf hauswirtschaftlichem Gebiete. Ihr Ziel ist, den Schülerinnen eine hauswirtschaftliche=landwirtschaftliche Schulung zu vermitteln, die befähigt, die Hauswirtschaft eines mittleren oder größeren Landwirtschaftsbetriebes zu leiten. Erforderliches Alter: 16 Jahre. Als Vorbildung wird mindestens der abgeschlossene Besuch einer Volksschule verlangt. Die Lehrgänge dauern 1 Jahr, doch werden Schülerinnen auch für ein halbes Jahr ausgenommen. Alle Schulen sind mit Internat verbunden und verfügen über die wichtigsten landwirtschaftlichen Betriebszweige, wie Garten, Geflügelzucht, Molkereieinrichtung bzw. auch Viehhaltung. Die den landwirtschaftlichen Schulen angegliederten Mädchenklassen sind erst neueren Datums; seit 1924 sind sie im raschen Aufsteigen begriffen. Ihre Aufgabe ist annähernd dieselbe wie die der Landwirtschaftlichen Haushaltungsschule. Sie will den Landwirtstöchtern eine fachliche Ausbildung für ihren späals Landfrau vermitteln. Die Mädchensind in den meisten Fällen nicht mit Internat verbunden, doch wird für Mädchen, die nicht täglich können, eine Unterkunft gewährt. Da der Besuch der Mädchenklassen billiger kommt als der der Haushaltungsschule, so wird solchen Eltern, denen weniger Mittel zur Verfügung stehen, die Mädgegklasss eine willkommene Ausbildungsmöglichkeit für bieten. Schon deshalb sollte nach Mögheutlatan jede landwirtschaftliche Schule eine MädMädchenklais“iedert werden. Der Lehrgang an der des Winterhalbjahres. 5 Vonate, meistens liche, landwirtschaftf erstreckt sich auf hauswirtschaftBesonderer Wert“ und allgemeinbildende Fächer. allgemeink: dier auf das Ineinandergreifen in„bildenden Unterrichtes mit dem Fachgelegt. Kochen, Hauswirtschaft und NadelFöftfichen aa#eoretisch und praktisch, die landwirtchaftrichen Facher im Gegensatz zur Landwirtschaftlichen. Haushaltungsschule größtenteils nur thioretisch Auch für den Besuch der Mädchenklasse ist ein Aufnahmeatter von 16 Jahren erforderlich. Der Unterricht wird durch Wirtschaftsberatung ergänzt. Durch diese sollen aber nicht nur ehemalige Schülenen, sondern auch möglichst viele Landfrauen erfaßt werden. Die Lehrerin der landwirtschaftlichen Haushaltungskunde an dieser Schule ist die gegebene Beraterin für ihren Schulbezirk. M. mreichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons, der gegentattig in den Vereinigten Staaten weilt, behandelte eiteren Vortrag in Williamstovn das Thema: „Hastballett souberdner Staaten und Intervention. Elisabeth Siebold Gerhard Bethate Dfarrer geben ihre Verlobung bekannt Meschede in Westfalen Stift Quernheim(Kreis Herford) Rhunern, im August 1930 Honig Durch Kontrolle des vereidigten Chemiters Dr. Bodinus, Bielefeld, ist die Echtheit meines DienenBlüten garant. 10.65 RM, vorwiegend Klee=Lindenbläte 12.80 RM halbe Dose.10 R v und.10 RM, 1½ Pfd. Dose.00 RM und.20 RM frei Haus. Nachn. 30 Pfg. mehr. Gar. Rücknahme. W. Krieger, Vorgeln 2, Kr. Soest. Dieser Honig ist auch in Ophir, vereinigte Verkaufstellen der Anstalt Beidel, zu baben. Stellengesuche u. Angebote haben im„Auswärts“ großen Erfolg. von Verschiedenes. Verlegung des Diakonentages. Der für die 8. b. 12. September d. Is. für Hannover in Aussicht nommene 8. Deutsche Diakonentag ist mit Rücksicht die bevorstehende Reichstagswahl verlegt worden 3. welchem späteren Zeitpunkt die Tagung einberufen steht zur Zeit noch nicht fest.““ wich, * Erfolgreiche Fernseh=Versuche. — Berlin, 20. August. Die Telefunken=Gesellschat führte erfolgreiche drahtlose Fernsehversuche 40 Kilometer langen Strecke Nauen—Geltow durch konnten sich zwei Damen, die sich miteinander unte hielten, erkennen. Angesichts der Kosten wird es abnoch geraume Zeit dauern, bis das Fernsehen im funk eingeführt werden kann. * Abrechnung mit Pilsudski. Präsident des Polnischen Landtages, Dasynst. führte in einer Rede aus, von Pilsudski, der 1926 die Regierungsmacht mit dem Schwert gewonnen habe, hängviel ab. In Pilsudskis Hand liege es, ob Polen aus den jetzigen Chaos einen friedlichen Ausweg finden Der Kaufmann bankerottiere, die Fabriken würden ge schlossen, die Staatsbeamten hungerten. Ueberall im heutigen Polen finde man Verbrechen, Rechtlosigkeit und Narr, heiten. Er appelliere an das Gewissen Pilsudstis, Grundsatze zu verzichten, auf Grund derer das polnische worden feit, werde, gals ob es im Kriege unterworg Kirche, Schule, Mission. Der Statistiker der Evangelischen Kirche gestorben Am 12. 8. starb völlig unerwartet während des Ur laubs in seiner Vaterstadt Höxter der als langjähriger Herausgeber des Kirchlichen Jahrbuches und Leiter des kirchenstatistischen Amtes weiten Kreisen bekannte fessor D. Schneider=Berlin im 73. Lebensjahre. D. Schneider ist Westfale. Er besuchte das Gymnasium in Höxter und die Universitäten Greifswald, Leipzig und Bonn. Als Pfarrer war er in Lippstadt, Warburg und Lichtenau und von 1891 bis 1917 in Elberfeld tätig. Dann wurde er als Referent in den evangelischen Oberkirchenrat und 1922 zum Mitglied des neugegründeten deutsch=evangelischen Kirchenbundesamtes und Oberkonsistorialrat berufen. Die Universität Berlin ernannte ihn zum Professor in der theologischen Fakultät. Durch die Herausgabe des kirchl. Jahrbuches seit 1893 hat D. Schneider viele Jahre hinducch wertvollste Uebersichten über die innere und äußere Lage der Kirche gegeben, die besonders seit 1918 von besonderer Bedeutung wurden. Zum Thema„Trennung von Kirche und Staat“ hat der Verstorbene in einer Reihe von Schriften das Wort ergriffen. Mit ihm verliert die evangelische Kirche einen ihrer hervorragendsten Spe# zialisten für Kirchenkunde der Gegenwart und Kenner kirchlicher Verfassungsfragen. Bethel. — Filmvorführung. Am Mittwoch, den 20.., kommen im großen Saal des Assapheums zwei schöne Filme zur Vorführung. 1. Der Märchenfilm:„Tischlein deck' dich!“ 2. Der Kultur= und Lehrfilm:„Pori“. Bilder aus dem afrikanischen Busch. Man schreibt dazu:„In Bildern von höchster dramatischer Wucht, die ausschließlich in Afrika ausgenommen wurden, zeigt der Film den Kampf einer Farmer=Familie mit Urwald, wilden Tieren und kriegerischen Negern. Er zeigt die afrikanische Landschaft in ihrer Wildheit, ihrer exotischen Schönheit und ihrem zauberhaften Reiz. Er zeigt den Lebenskampf der wilden Tiere unter sich. Der Film ist auch für Kinder sehr zu empfehlen, denn hier werden Jugendträume Erfüllung.“ Die Vorführungen finden statt: um 2 Uhr für die Insassen der Frauenhäuser, um ½5 Uhr für die Insassen der Männerhäuser, um ½8 Uhr für jedermann. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 60 Pfg., an der Kasse 75 Pfg.; für Jugendliche die Hälfte. — Donnerstag abend 8½ Uhr in Gosen Blaukreuzstunde. Jeder ist herzlich eingeladen. Herr Dr. Welk wird die Stunde leiten. Anzeigen aus Bethel. — Eine Bettstelle, Eiche, mit Matratze, einschläfig, 4 Einmachtopf 1 Ztr., 1 Einmachtopf 75 Pfd., zu kaufen. Pilgrim, Friedhofsweg 14. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Betbel. Kur-Austelt Erholungsheim Ebert vegefarlech und Rohkost Benneckenstein-Hochharz unweit Braunlage Pastor Felkekuren. Prosp. freil Solides, gesundes, zuverla siges, in besserem Haushalt er fahrenes zu älterem Ehepaar zum 10 Sept. oder 1..t. gesucht. Frau Konsistorialrat Noac, Darmstadt, Wittmannstr 2 Robküber-Polegraphen decken ihren Bedarf in der Hoto-Handlung König, Bielefeld, Rathausstr. 3. 1.900