Westfalen. Für der Sesbeeen Herbergsverbandes. sener Steinhagen dls rrer Spelmeyer ste re Jahre Auslands8. Notopfer. vom Deutschen e einsin en, in der es u. a. sen Beamtenbundes, ammelt und untere aus allen Teilen ntlich Protest gegen „Slszsgabensenkungsngsprogramm gegen nahmen. Sie sehen und wirtschaftliche Schluß erklärt sich i mit allen anderen Münsterland. uftschiff„Graf Leyinen kurzen Besuch landete das Lustig und später beim Luftschiff begeistert nachrichten. ldung. Der Bedeu technik entsprechend samt, Bielefeld, in uren der Ortsgruppe is der Technik“, der ik behandeln soll. eine Zeit von 5 WoFür jeden Vortragsag und Freitag) sind zuer vorgesehen. Für äßigung der Gebühberechtigt, sich diejeihr Interessengebiet ische und praktische von Werken, Vorrn vorgesehen. Der erhältlich. Für die enieuren des Werkes en der Praxis(Dipl.= newald, Horst, Wieihr Feuerwehrübung. Der Brandmeister. 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Was stehst du still? Der Fluß wird nie verinnen. Wer durch die Flut nicht schwimmen will, Der wird kein Land gewinnen. Hoffmann von Fallersleben. Politische Es hat sich so eingebürgert, daß zu Pfingsten die verschiedensten politischen Gruppen tagen. Nicht nur die Jahreszeit ist hierfür maßgebend, sondern auch die Aufeinanderfolge von zwei Festtagen, die den Transport von Massen auf weitere Entfernungen per Lastkraftwagen erlaubt. Pfingsten 1930 trafen sich in Mitteldeutschland drei weltanschaulich ganz verschiedene Richtungen. In Erfurt hatten die Rotsportler eine Zusammenkunft, die etwa 30.000 bis 35000 Menschen aus allen Gauen auf die Beine brachte. Schon das Anrollen von Hunderten von Lastwagen bedeutete eine Propaganda in Arbeiterkreisen. Wer etwa den einen oder anderen Lastzug auf längere Strecken begleitete, mußte feststellen, daß die rote Fahne und der Sowjetstern in den Arbeitervierteln Sympathien fanden. An Brennpunkten, wie in der Nähe des Leunawerkes in Halle, Ammendorf, Merseburg und Weißenfels umsäumten die Straßen Gesinnungsfreunde, die jeden Lastzug mit„Hoch“ und„Nieder" begrüßten und der Ruf des auf dem Papier verbotenen Rotfrontkämpferbundes„Rot Front“ hallte durch die Straßen. Es nutzt nichts, wenn die SPD und die bürgerliche Presse diese Sympathiekundgebungen totschweigen und vom sterbenden Bolschewismus reden. Der Zuwachs verstärkt sich mit dem Zunehmen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, mit dem Wachsen des Arbeitslosenheeres. Die in Erfurt gehaltenen Reden zeigten deutlich, daß es sich hier weniger um Sport handelte, sondern um parteipolitische Willenskundgebungen, die in der alten Kampfansage an alles Bürgerliche in Sport, Kultur, Politik und Wirtschaft gipfelten. Die Bürgerlichen überließen die Straßen bereitwilligst der roten Propaganda und überließen es den Staatsorganen, sich mit den oftmals provozierenden Rotsportlern auseinanderzusetzen, die es natürlich als Triumpf werteten, daß die Parole:„Straße frei für das Proletariat“ seine Wirkung getan hat. Die rote Front ist fest überzeugt, daß bei einem beginnenden Aufstand es, wie 1918 nur des Rufes bedarf,„Straße frei“, um das Bürgertum niederzuhalten. In Kösen und Naumburg tagte der national=revolutionäre„Wehrwolf". Auch da zeigten sich anrollende Lastkraftwagen mit schwarzen Fahnen und marschierende Gruppen. Straffe Ordnung und soldatische Haltung zeichneten die Demonstranten aus. Aus den Ansprachen dieser als„staatsfeindlich" behandelten Organisation entnimmt man jedoch alles andere als„Staatsfeindlichkeit". wenn man nicht Partei gleich Staat und Parteipolitik als Staatspolitik setzen will. „Der Wehrwolf führt keinen Kampf gegen den Staat, sondern um den Inhalt. Formen und Symbole sind Aeuverlichkeiten, auf die geistige Haltung, die hinter ihnen steht, kommt es an. Das wohlverstandene Staatsinteresse verlangt Verantwortlichkeitsgefühl von der herrschenden Schicht gegenüber dem Volke als lebendige Gesamtheit, Verantwortlichkeitsgefühl auch für die kommenden Genekationen. Das bedeutet Schaffung neuen und ausreichenden Lebensraumes, der sich heute erschöpfe im Kampf der Stande und Klassen um den besten Futterplatz an der Staatskrippe. Blut und Boden ist das Schicksal der Volker, darauf muß auch das deutsche Volk sich wieder besinnen. Es gibt auch im heutigen demokratischen Staat Staatsbürger zweiter Klasse, gegen die sich Ausnahmege„be und Sonderverordnungen wenden. Die Wohltat des nechtes werde nach dem formalen Gesetz angewandt, und duch da bemühe sich die Parteipolitik, ein wohlverstandedes Recht zu beugen. Der Wehrwolf fordere innere und außere Kolonisation und sei Gegner einer Politik, die inbifa g toes Denken vor Sicherung und Erhaltung völnischer Eigenheit stelle, die die Eingliederung Deutschaunds in den Ring des westlerischen Kapitalismus treibe, welchem Ringe Deutschland als Staat ohne Macht und pecht immer nur als Wirtschaftsprovinz gelten werde. Erst wenn der Marschtritt der Bataillone fremder deere über deutschen Boden dröhne, werde das deutsche sich bewußt werden, welche Rolle ihm im Ringen *s Ostens gegen den Westen zugewiesen sei. Anstatt Drücke zu bilden, werde es das Aufmarschgebiet werden. Behrwolf setze Blutdenken gegen das Gelddenken euerer Zeit. Er wolle eine Volksgemeinschaft, die sich aus der Frontgemeinschaft und dem Fronterleben aufbaue. und ihrem innersten Wesen nach nur national zugleich aber auch sozial sein könne. Wenn das Streben nach einer solchen Volksgemeinschaft„staatsfeindlich“ sei, so wolle man den Namen„Staatsfeind“ als Ehrennamen tragen. Masse ist nicht Volk, Partei nicht Staat. Staatspolitisches Denken könne sich nur auf den Grundsatz von Blut und Boden stützen.“ Man pflegt von„Oben“ allzu leichtfertig linksradikal und rechtsradikal in einen Topf zu werfen, vergißt aber dabei, daß die Linksradikalen einem ausländischen, souveränen Staat hörig sind und lediglich im Interesse einer Klasse arbeiten, während die Rechtsradikalen doch immerhin um eine deutsche Idee, um deutsche Kultur, um deutsches Volkstum und um deutschen Lebensraum kämpfen. In Magdeburg tagte das Reichsbanner. Dort sprach der preußische Kultusminister Dr. Grimme, und man muß ihm zugestehen, daß er der erste namhafte Führer von links ist, der nicht die alte Walze von„Reaktion“ abspielen ließ, wie es seit dem Bestehen des Reichsbanners immer geschah. Bisher las man nur Flachheiten, die an der Oberfläche dahinglitten und ohne innere Beziehung zu den Dingen waren. Man erschöpfte sich in Kampfansagen gegen die Staatsfeinde, als welche alle jene galten, die nicht das Lippenbekenntnis zur Republik ablegten. Manche Reden, auch Ministerreden, waren so gehalten, daß sie jedem anders Denkenden als Provokation erscheinen mußten. Man hatte das Gefühl, daß die Redner sich als Parteiagitatoren zu Reden verpflichtet fühlten, die den politischen Gegner um jeden Preis heruntersetzten, ohne auf Wesen und Inhalt einzugehen. Mit dieser Tendenz hat Dr. Grimme aufgeräumt, und es ist nur zu bedauern, daß ausgerechnet die liberal=demokratische Großstadtpresse nur jenen Teil der Rede brachte, der als Kampfansage gewertet werden könnte. Man wird das Gefühl nicht los, daß gerade jene demokratisch=liberale Presse ihren Nutzen darin zu finden hofft, daß sie Spaltung und Zersplitterung im Volke aufrecht erhält, anstatt Brücke zu bilden. So wird manches wertvolle Wort von rechts und links totgeschwiegen, das auch beim Gegner verstanden wird. Dr. Grimme führte aus: „Wer die Republik erhalten wolle Der sollte sich vor dem verhängnisvollsten aller Fehler hüten, im Gegner als treibendes Motiv nichts als Verbohrtheit und Radausucht anzunehmen und ihm geschwächte Moral und halb geminderte Geisteskräfte zu unterstellen. Die ungeheure Gefahr, die von der wachsenden Bewegung der Nationalsozialisten und von den Jungkommunisten ausgehe, erfasse man nur, wenn man anerkenne, daß auch diese Bewegungen ideale seien, daß auch in ihnen der Glaube an eine bessere Zukunft lebe.“ Das klingt freilich anders als was man sonst aus dem Munde des„eckigen Ostpreußen“ Ministerpräsident Braun(so nennt ihn das demokratische Hamburger Fremdenblatt) hörte, oder was Herr Severing, Grezsinsky und Professor Waentig vorbringen. In diesen wenigen Sätzen Dr. Grimmes liegt die Möglichkeit der Ueberbrückung, und es wäre nur zu wünschen, daß diese Gedankengänge Gemeingut der republikanischen Organisationen würden. Denn Tatsache ist, das die sogenannt. Rechtsradikalen viel gerechter über die Wesensfragen ihrer politischen Gegner denken, weil sie sich bemüht haben, in die Materie einzudringen. Ein ernstliches Bemühen der republikanischen Organisationen, auch in die Fragen der Rechtsradikalen einzudringen, die sie für sich als Wesensfragen erklären, würde aus einer sich prügelnden Jugend eine kämpferische gestalten, die auch dem politischen Gegner die Achtung nicht versagt, so fern er es in seinem Auftreten zu wahren Reden, wie sie bisher von Führern der Linken gehalen wurden, hoben einseitig das Gegensätzliche heraus, instatt das Verbindende, und schufen damit jene stimnungsmäßige Gegnerschaft, die die politischen Anhänger bei erster Gelegenheit aufeinanderplatzen ließ. Wenn die republikanischen Organffationen sich künfig daran gewöhnen, auf die Partei=Agitation zu verzichen und den Wesensfragen auch bei den Gegnern auf den Brund zu gegen, so ist schon viel gebessert. Leider ist der Eindruck der Rede Dr. Grimmes durch in neues Ausnahmegesetz verwischt worden, das der DAP das Tragen der Bundeskleidung verbietet und chärfstes Eingreifen der Polizei fordert. An den Pfingstagen konnte man Dutzende von Lastkraftwagen der Anjänger der KPD sehen, die einheitliche Bundeskleidung Flgen. Daraus ergibt sich eine Rechtsungleichheit, die neue Verbitterung schafft, da die Nationalsozialisten ganz selbstverständlich ein einseitig schroffes Vorgehen allein gegen sie erwarten, während ihre Gegenspieler, die KPD, zum Hohn in verbotener Rotfrontkämpfer=Bundeskleidung, in der Uniform der„roten Matrosen“ aufmarschiert. Im übrigen dürfte schließlich auch einem Professor Waentig aus der Geschichte seiner Partei klar werden, daß Druck Gegendruck erzeugt, der sich nicht immer mit Polizeiverordnungen abwehren läßt. Schon die nächsten Wahlen in Sachsen werden Herrn Waentig davon überzeugen müssen, denn es gibt keine bessere Propaganda, als eine Partei oder Organisation unter Ausnahmerecht zu stellen und sie im Empfinden der anderen als„Staatsbürger zweiter Klasse“ hinzustellen, die mit Recht gegen solche Ausnahmegesetze zu kämpfen scheinen. Als ob das Verbot des Tragens von Uniformen irgendwie überbrückend oder Zwischenfälle verhindernd wirken könnte. Es gibt noch andere Symbole der politischen Ueberzeugung, die nicht verboten werden können und genau so aufreizend auf den politisch anders Denkenden wirken. Der Provokationen und Ueberfälle werden es kaum weniger werden. Die Arbeit wird für die Polizei erschwert, denn Uniformierte sind leichter zu überwachen und festzustellen als Zivilisten. Man merkt der neuen Verordnung des Minister an, daß er noch niemals als einfacher Mann in der Kleidung seines Bundes mitmarschiert ist. Was am Schreibtisch ausgeklügelt wird, verkehrt sich unter Umständen in das Gegenteil des Gewollten. Mit dem Ausziehen der Uniform ändert man nicht die Gesinnung und ihre zulässige oder unzulässige Betätigung. Die Befriedung, die dem deutschen Volke fehlt, wird nicht mit Ausnahmegesetzen und Polizeiverordnungen geschaffen...A. und Von Justus Ehrhardt. Nach der statistischen Beilage zum Reichsarbeitsblatt Heft Nr. 7, Jahrgang 1930, waren am 15. Januar 1930 unter den Hauptunterstützungsempfängern in der Arbeitslosenversicherung 297·085 Jugendliche bis zu 21 Jahren. Berücksichtigt man, daß Arbeitslose unter 21 Jahren nach dem Erlaß des Reichsarbeitsministers von der Krisenunterstützung ausgeschlossen sind, daß ferner viele Jugendliche aus verschiedenen Gründen überhaupt keine Unterstützung erhalten, so ist die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen mit 400000 sicher nicht zu hoch angegeben. Es bleibt heute kein Beruf von der Arbeitslosigkeit verschont. Sie trifft den Lehrling und den ungelernten Arbeiter, den Kaufmann, Techniker, Bauarbeiter, Handwerker und den jungen Akademiker. Es werden vom Reich, Staat, von den Kommunen, von den Berufsverbänden umfassende Hilfsmaßnahmen getroffen, aber sie können unter gar keinen Umständen mehr als nur eine geringe Erleichterung sein. Es macht sich heute, insbesondere in der Arbeiterschaft, einesteils dumpfe Resignation breit, auf der anderen Seite aber— und hier gerade unter den jungen Arbeitern— kommt mehr und mehr eine außerordentlich radikale Kampfstimmung auf. Bekanntlich gedeiht die Frucht der politischen und wirtschaftlichen „Umstürzler“ nie besser, als gerade in Krisenzeiten, wie wir sie jetzt erleben. Bei einem Verzweiflungsausbruch der radikaleren Arbeiterschaft würden ohne Zweifel auch große Teile der dumpferen, ruhigen und scheinbar resignierenden Gruppen mit fortgerissen. Und nach mancherlei Beobachtungen erscheint es sehr zweifelhaft, ob die bewunderungswürdige Erziehungsarbeit der Gewerkschaften auf die Dauer einen ausreichenden Damm errichten kann. Trostlos ist der Anblick der in und um die Arbeitsnachweise herum sich sammelnden Massen arbeitsloser Jugend. Niederdrückend ist auch das Bild vor den Geschäftsstellen der Tageszeitungen, wenn die Blätter mit den Stellenanzeigen erscheinen und in wenigen Minuten eine wilde Jagd nach der Arbeitsstelle anhebt. Nur im Tempo unterscheidet sich dieser Kampf um die Arbeit in der Großstadt, Mittel= und Kleinstadt. Einer kann immer nur die angebotene Stelle erhalten. Ein Dutzend, oder fünfzig oder hundert Menschen sind vergeblich gelaufen oder gefahren. Wenn der junge Mensch dann dieses „Besetzt" und„Zu spät!“ jede Woche einige Maie hören muß, beginnt bei ihm leicht eine gewisse Interesselosigkeit, eine seelische Ermüdung. Er gibt das Rennen noch nicht auf, aber es dräng, ihn dann nicht mehr so, und es beginnt jetzt häufig die Zeit des Bummelns, die oft genug zu einer leichteren oder schwereren Verwahrlosung * führt. Die geringe Arbeitslosenunterstützung reicht kaum nus, die notwendigen Voraussetzungen zur Erhaltung der Existenz zu schaffen. In der Familie erfährt der junge Mensch in den Zeiten der Arbeitslosigkeit meist Minderoder betonte Mißachtung. Er ist nun doppelt reizbar und reagiert oft spontan auf alle Begegnungen. In dieser Zeit ist er auch leichter verführbar, zum Umhertreiben, zu Dummheiten und, wenn die Stimmung, die Gelegenheit und der richtige„Freund“ sich einfinden, auch zu kriminellen Handlungen. In den Großstädten, in denen der Einzelne und alle Laster anonym leben können, ist besonders in den letzten Jahren eine ungeheure Gefahrenquelle für die arbeitslosen Jugendlichen in der männlichen Prostitution entstanden. Die Zahl der gelegentlich oder ständig in Berlin von der Prostitution lebenden jungen Menschen wird von berufener Seite auf etwa 85000 geschätzt. Der junge Mensch will leben. Weder die Familie noch die Schule haben ihm vielfach in Wirklichkeit geiehrt, was leben heißt und der weitaus größere Prozentsatz aller Jugendlichen hat nie den Weg zu einer Gruppe der Jugendbewegung gefunden, wo man ihm vielleicht die Möglichkeit eines sinnvollen, gesunden Lebens gezeigt hätte. Junge Menschen, die einmal von der Jugendbewegung, einerlei, ob freier, konfessioneller oder politischer Richtung erfaßt sind, fallen aus den Gefahrenzonen heraus, die zwangsläufig im Gefolge der Arbeitslosigkeit sind. Diese Feststellung wird mir in der praktischen sozialen Arbeit jeden Tag bestätigt.— So aber sehen die Jugendlichen das Kino, den Tanzpalast, die Kneipe und die Befriedigung des Sexualtriebes als das einzig erstrebenswerte und wahrhaft vollkommene Leben an. Ungeheuer groß ist auch die kriminelle Gefahr, die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufen wird. Es kann nicht unsere Aufgabe sein, hier ein Programm gegen die Arbeitslosigkeit aufzustellen. Auf eines nur muß hingewiesen werden: es lassen sich außerordentlich große Aufgaben in den Bereich eines Ausbaues der Notstandsarbeiten zugunsten der jungen Arbeitslosen einbeziehen. Und alle Einwendungen dagegen können mit dem Hinweis entkräftet werden, daß ein wesentlicher Teil der zur Untätigkeit verurteilten jungen Menschen seine Spannkraft verliert, daß er vorzeitig resigniert, daß viele wertvolle junge Menschen verwahrlosen und zu Rechtsbrechern werden, daß sie den Staat und diese Gesellschaftsordnung oder=unordnung zu hassen beginnen, daß sie so oder so dem deutschen Volke verloren gehen! Wir stehen auch hier erst am Anfang einer Entwicklung, die leicht zu einer Katastrophe unseres gesamten Volks= und Wirtschaftslebens führen kann. Man soll sich diese Gejahr verdeutlichen und rechtzeitig geeignete Abwehr= und Hilfsmaßnahmen durchführen. früher von Männern ausgeführt wurde, weiblichen Arbeitskräften übertragen worden, sondern sind auch in weitgehendem Maße aus dem offensichtlichen Grund der Lohnersparnis Frauen in die Arbeit von Männern, die „wegen Arbeitsmangels“ entlassen wurden, eingestellt worden. Familienväter werden arbeitslos und müssen Arbeitslosenunterstützung beziehen, ihre Frauen werden veranlaßt, sich nach Verdienst umzusehen. Die Folgen davon sind: 1. Frauen, zum Teil verheiratete Frauen, werden an Stelle von Männern zu einer an sich schweren Beschäftigung in den Betrieben herangezogen, ihre Nerven= und Körperkräfte werden unverhältnismäßig schnell aufgerieben, sie werden unfähiger zu ihren generativen Aufgaben.„„ 2. Dem ganzen voln erwachst aus diesen wirtschaftlichen Zuständen ein tiefer Schade für seine Familien. Durch die Arbeitslosigkeit der Familienväter und die damit oft notwendig werdende Erwerbsarbeit der Ehefrauen werden die Familien wirtschaftlich und ideell zerrüttet. 3. Die Ersparnisse, die für die einzelnen industriellen Betrieb bei Ersetzung der Männer= durch Frauenarbeit möglich sind, sind vom Gesamtvolke zu tragen in der höheren Arbeitslosenunterstützung der Männer und in den gesteigerten Krankenkassenleistungen für die Frauen. Der Gesamtverband ev. Arbeiterinnenvereine Deutschlands e. V. bittet das Reichsarbeitsministerium, die geschilderten Verhältnisse eingehend zu prüfen. Er ist bereit, Material zur Verfügung zu stellen und bittet, Vorschläge für die in Aussicht zu nehmenden Maßnahmen unterbreiten zu dürfen. Der Gesamtverband ist davon überzeugt, daß der Herr Minister nach Erkenntnis der vorhandenen Schädigungen der Frauen und dadurch mittelbar des Familien= und Volkslebens baldigst die erforderlichen Maßnahmen ergreifen wird.“ Dieser Antrag, der außer an den Reichsarbeitsminister auch an die weiblichen Mitglieder des Reichstages sowie an die Fraktionsvorsitzenden gerichtet wurde, lenkt die Aufmerksamkeit der Regierung und Gesetzgebung auf eine sehr erste Not. Möchten die evangelischen Arbeiterinnen, deren Antrag auf bitterster persönlicher Erfahrung beruht, mit ihrem Hilferuf nicht ungehört bleiben. Hier ist ein Gebiet, auf dem alle sozialwilligen christlichen Kreise Hilfe leisten müssen. H. Die Not arbeitsloser Familienväter. Der Gesamtverband evangelischer Arbeiterinnenvereine Deutschlands e. V. hat im Auftrag seiner in Breslau zur 9. ordentlichen Mitgliederversammlung am 25. Mai 1930 versammelten 357 Vertreterinnen seiner 145 Vereine mit 10 400 Mitgliedern an den Reichsarbeitsminister folgenden Antrag gerichtet: „Das Reichsarbeitsministerium wolle Maßnahmen ergreifen, um zu verhindern, daß, wie es heute vielerorts geschieht, in industriellen Betrieben um des geringen Lohnes willen Frauen an Stelle von Männern, besonders verheirateten Männern, beschäftigt werden.“ Zur Begründung führt der Verband aus: „Nach Beobachtungen in verschiedenen deutschen Gebieten, Schlesien, Württemberg, Berlin usw. ist nicht nur die durch die Rationalisierung vereinfachte Arbeit, die Schlesische Reichstagung des Gesamtverbandes evangelischer Arbeiterinnenvereine Deutschlands vom 23. bis 29. Mai 1930. Der Gesamtverband evangelischer Arbeiterinnenvereine Deutschlands hielt im Zusammenhang mit seiner 9. Mitgliederversammlung in der letzten Maiwoche in Schlesien seine Reichstagung ab. Sie begann am 23. Mai in Breslau. Diese Stadt im deutschen Grenzland, das Zentrum schwer ringender moderner Industrie, in der altes gewaltiges Bauwerk von zähem deutschem Kulturkampf spricht, war der rechte Ort, an dem die evangelische Arbeiterin fragen sollte nach ihrer Bildung, nach„Bildungsmöglichkeiten und Bildungswegen der evangelischen Arbeiterin“, wie die Ueberschrift der Tagung lautete.— Der Rüstgottesdienst am Freitag abend in der kleinen Christopherikirche, die in ihrer Schlichtheit und ihrem Ernst an die Zeit erinnerte, wo das tapfere, frohe evangelische Leben Schlesiens durch österreichische Politik und österreichischen Katholizismus ausgerottet wurde, er gab mit seinem Leitwort:„Herr, sende mich"(Jesaias 6, 8) der ganzen Tagung und jeder Teilnehmerin, dem gesamten Verband die Verantwortung, sich von Gott Auftrag in der Welt geben zu lassen. Davon sprach in dieser Abendstunde Pastor Bessert, Vorsitzender des Schlesischen Verbandes evangelischer Arbeiterinnenvereine, davon sangen die über 300 Arbeiterinnen aller deutschen Gebiete, die zusammengekommen waren. Sonnabend war großer Arbeitstag. Am Vor= und Nachmittag gaben Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen in kurzen Referaten die erste Antwort auf die 6 Fragen, in welche die ganze Frage nach der evangelischen Arbeiterin und ihrer Bildung zerlegt war, und trugen alle Teilnehmerinnen in den Aussprachen ihre Meinungen, ihre Erjahrungen von Bildung hinzu. Zunächst sprach Fräulein Förster=Eilenburg zu der Frage:„Was bedeutet mir Bildung?“ Ihre Ausführunbund für Gewässerschutz. Von Sanitätsrat Dr. Bonne. Seit über vierzig Jahren habe ich mit meinen Gesinnungsgenossen für die Reinhaltung der deutschen Gewässer gekämpft— gegen Unverstand, unangebrachte Sparsamkeit und Unkultur. Wie tief unsere Kultur gegenüber der unserer sogenannten„barbarischen“ Vorfahren gesunken ist, kann jeder Laie daraus erkennen, daß unseren alten, heidnischen Vorfahren jede Quelle und jeder Fluß heilig war. Ja, die damals noch rein arischen ser und Inder hatten ein Gesetz, daß ihnen bei Todesstrafe verbot,„in einen Fluß zu harnen oder zu spucken“! — Und wir Deutschen des zwanzigsten Jahrhunderts sind in bezug auf wahrhafte Kultur derart entartet, daß wir mit den Jauchen unserer Städte, mit denen wir bei dem Hochstand unserer Technik unsere Oedländereien in fruchtbare Gefilde umwandeln könnten, unsere Flüsse derart verpesten, daß wir nicht nur ihren ursprünglichen überreichen Fischreichtum in ihnen völlig zerstört haben, sondern daß in sehr vielen Flüssen überhaupt kein Fisch mehr leben kann, so daß diese früheren„Flüsse“ heutzutage nur noch als„offene Kloaken“ bezeichnet werden können. gen brachten in großer Anschaulichkeit unter ständiger Beziehung auf eigenes Erleben zum Ausdruck, daß Bildung nicht in der Aneignung bestimmter gleichartiger Kenntnisse für alle Menschen besteht, sondern daß sie Zusammenhang haben muß mit dem Wesen des einzelnen Menschen und dem Platz, an den er im Leben gestellt ist. Damit wurde sachlich und nüchtern die Bildung der evangelischen Arbeiterin in das rechte Verhältnis zu ihrem Stand und Wesen gesetzt. Zugleich aber wurde im Dasein des einzelnen Menschen das Wirken des lebendigen Gottes gesehen und in der Bindung an ihn, in wirklicher Erfüllung der Nächstenliebe Weg und Ziel für Bildung im evangelischen Arbeiterinnenleben gefunden. Wie dieser Weg von der evangelischen Arbeiterin gegangen werden kann und muß, das zeigte Fräulein Reichle=Cannstatt in ihrer Antwort auf die zweite Frage„Was bedeutet in meinem Leben das Evangelium?“ Die Frage nach dem Evangelium fand ihre Beziehung zum Leben der Arbeiterin von heute in der Antwort auf die Frage„Was bedeutet in meinem Leben der andere Mensch und die Sitte?“ (Referat Fräulein Hagemann, Hannover). Es wurde auf die Gefahr des Uebergreifens bolschewistischen Denkens hingewiesen, es wurde gezeigt, wie die industrielle Entwicklung der letzten 150 Jahre unter dem Einfluß des individualistischen Denkens dieser Zeit auf die Gemeinschaft der Familie, des Berufes und des Volkes zersetzend gewirkt habe, wie damit Raum geschaffen sei für eine dem Kollektivismus angenäherte Lebensform. Im Gegensatz dazu wurde in den Gemeinschaften der Familie, des Standes, des Volkes eine in der äußeren Form sich wohl geschichtlich wandelnde Ordnung gesehen, die aber in sich den ewigen Sinn des göttlichen Schöpfungswillens trägt und unter dem Gesetz der Nächstenliebe steht. Sitte, sofern sie ein Ausdruck solcher innerster Verantwortung gegenüber dem Nächsten ist, wurde bejahrt. Erhaltung und innerster Wiederaufbau jener Gemeinschaft in solch christlicher Verantwortung wurde gefordert als Schutzwehr gegen lebenzerstörenden Kollektivismus, gegen das Meine Mitkämpfer für die Reinhaltung der Gewösfer mit denen ich zusammen seit der von mir schon 1891 ura. phezeiten Cholerakatastrophe von 1892 in Hamburg im „Internationalen Verein zur Reinhaltung der Flüsse, des Bodens und der Luft“ zusammen kämpfte, sind inzwischen fast alle gestorben. Ich selbst habe inzwischen das biblische Alter überschritten. Da aber auch in der heutigen Renn, blik die Reichs= und Landesgesetze zum Schutz der Ga, wässer ebensowenig geachtet werden, wie unter der gl. ten Regierung, so begrüße ich von Herzen als deutscher Mann, als Arzt, als Freund unseres Volkes und unserer deutschen Heimat, die von jüngeren Kräften ins Leben a, rufene Gründung eines„Reichskampfbundes für Gewäs. serschutz". Dieser Aufruf, den ich von ganzem Herzen ebenfalls mit meinem Namen unterzeichne, lautet: „Seit Jahren schreitet durch die Gewässer aller deut, schen Gaue die Pest der Verschmutzung infolge eingeleste, ter Abwässer. Ungeheuer sind die Schäden, die der gi, scherei und damit der deutschen Volkswirtschaft zugefügt werden. Auch die Belange des öffentlichen Wohls haben vielerorts eine gefährliche Bedrohung erfahren. Wasser, versorgung, Badebetrieb, Gebrauchswasserentnahme wur, den nicht nur gefährdet, sondern mußten sogar im Interesse der öffentlichen Gesundheit eingestellt werden. UnserFlüsse sind nur noch stinkende Abwässerkanäle, die das Landschaftsbild in unerhörter Weise verschandeln. Die Behörden haben erwiesenermaßen in dieser Frage wiederholt versagt, das Wassergebiet ist ein noli me tangere geworden! Es gehört in seiner jetzigen Fassung in den staubigsten Winkel der Vergangenheit. Aus der Not dieser ungeheuerlichen Zustände heraue ist in Sprottau(Schlesien) der Reichskampfbund für Gewässerschutz gegründet worden, der sich die Bekämpfung dieser Zustände mit allen Mitteln zur Aufgabe gemacht hat. Das Programm des Reichskampfbundes für Gewässerschutz umfaßt zunächst folgende drei Punkte: 1. Die Errichtung von Flußwasseruntersuchungsämtern in ausreichendem Maße soll bei den Länderregierungen angestrebt werden. 2 Stellung der Flüsse in bezug auf Reinheit und Erhaltung landschaftlicher Uferschönheit unter Naturschutz. Kampf den Begradigungsfanatikern! 3. Umgestaltung der„Einleitungsparagraphen“ im Wassergesetz auf einer Grundlage, die den veränderten Zeitanschauungen und=Verhältnissen Rechnung trägt. An alle Vertreter der nassen Gilde, an alle Anhänger von Bade=, Schwimm= und Wassersport, von Natur= und Tierschutz, an die deutsche Jägerwelt, an alle Naturfreunde richten wir deshalb die dringende Bitte zum Eintritt in unsere Reihen. Nur einem geschlossenen Ganzen kann Erfolg beschieden sein! Die Mitgliedschaft kann sowohl einzeln als auch korporativ— Angabe der Teilnehmerzahl— erworben werden. Eintrittsgelder und Mitgliederbeiträge werden nicht erhoben. Die gesamte Arbeit wird ehrenamtlich geleistet. Freiwillige Spenden, die zur Deckung der Unkosten bestimmt sind, können auf Konto„Reichskampfbund" bei der Girokasse in Sprottau eingezahlt werden. Der Reichskampfbund soll ins Vereinsregister eingetragen werden. Sitz der Organisation ist Sprottau. Der Zeitpunkt ersten Tagung wird rechtzeitig bekannt gegeben. Zeigt noch heute euren kostenlosen Beitritt an! Werbt für den Gedanken des Reichskampfbundes! Der vorbereitende Arbeitsausschuß des Reichskampfbundes für Gewässerschutz. Appenrodt, 1. Vorsitzender der Interessengemeinschaft Sagan=Sprottau zur Bekämpfung der Bodenverschmutzung e.., Sitz Sprottau; und 1. Vorsitzender des Fischereivereins Sprottau e. V. Dr. med. Jüngling, Stadtarzt und medizinischer Sachverständiger, Sagan. Ich selbst bin als Arzt im Jahre 1911 auf Grund melner zahlreichen Arbeiten über die Gewässerverunreine alle Gemeinschaft nivellierende und auflösende Massenmenschentum. In Antwort auf die Frage:„Was bedeutet in meinem Leben das Wissen um wissenschaftliche und soziale Fragen?“ sprach Fräulein Waldtmann=Berlin von der Not des Arbeiterkindes, wissenschaftliche Bildung zu bekommen. Sie rief die Arbeiterin auf, die zu früh abgebrochene, darum unvollständige, Schulbildung durch tapferes eigenes Weiterlernen zu ergänzen. Soziales Wissen um Dinge des staatlichen und wirtschaftlichen Lebens, um die„soziale Not“ von heute, wurde insonderhen deshalb für wichtig im Leben der Arbeiterin bezeichnel. damit eine Möglichkeit gegeben werde an die Stelle sozialen Kampfes— vor allem im Industrieleben Zusammenstehen in sozialer Verantwortung zu seten. Auch dieses Referat und seine Besprechungen baute sich) in die erste Antwort auf die Frage nach Arbeiterinnen dung ein. Das vierte Referat von Frau Piepe;, „Was bedeutet in meinem Leben die Kunst? spenh feiner, echt standesbezogener Weise von dem grob Reichtum„schöner“ Bildung, wie sie dank der billig Mittel heutiger Technik für die Arbeiterfamtlie erreicht und bei evangel. sittlichem Wollen fördernd für sie" Die rechte Ergänzung zu diesen Besprechungen be geistige Arbeit eingestellten Bildungsfragen brach lebendig fröhliche Referat von Fräulein Kühnel=Brieß Frage:„Was bedeutet in meinem Leben Warhagt„ie Sport?“ Gerade hier wurde zum Ausdruck geo. er es evangelisch ist, dankbar, freudig und ehrfürch# Gottes Schöpfung zu stehen.— So war der gand tum an Bildungsmöglichkeit und Bildungsw=giefn gro, ben der evangelischen Arbeiterin von heute in zen Arbeitstage ausgearbeitet worden. Und dies schehen nicht in erklügeltem fremdem Denken, aus dem Leben der Arbeiterin heraus und in Worten. vfentlichen Dankbar wurde empfunden, daß in der 9/s“ Schian Versammlung des Abend Generalsuperintenden ung der Gewässer, nir schon 1891 pro2 in Hamburg un9 der Klüisse, des sle, sund inzwischen vischen das biblische der heutigen Repuim Schutz der Gewie unter der alerzen als deutscher Volkes und unserer äften ins Leben gebundes für Gewäsin ganzem Herzen ichne, lautet: ewässer aller deutinfolge eingeleitechäden, die der Fizwirtschaft zugefügt lichen Wohls haben erfahren. Wasserisserentnahme wuren sogar im Interellt werden. Unsere sserkanäle, die das erschandeln. ßen in dieser Frage ist ein noli me tanjetzigen Fassung in theit. en Zustände heraus kampfbund für Gech die Bekämpfung r Aufgabe gemacht indes für Gewässerkunkte: ntersuchungsämtern Länderregierungen if Reinheit und Erunter Naturschutz. gsparagraphen" im ie den veränderten Rechnung trägt. e, an alle Anhänger irt, von Natur= und #lt, an alle Naturende Bitte zum Eineschlossenen Ganzen inzeln als auch kor11— erworben wereiträge werden nicht zrenamtlich geleistet. g der Unkosten beichskampfbund" bei werden. Der Reichseingetragen werden. Der Zeitpunkt der nnt gegeben. Zeigt an! Werbt für den ß des Reichskampfodt, 1. Vorsitzender rottau zur BekämpSitz Sprottau; und sprottau e. 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Der Krieg und die Revolution scheinen aber auch auf diesem Gebiete alles andere als„kulturfördernd“ gewirkt zu haben. So unterstütze ich nicht nur den obioon Aufruf des neu gegründeten„Reichskampfbundes für Gewässerschutz“ auf das wärmste, sondern rufe alle wirksichen Heimat= und Vaterlandsfreunde, ganz besonders aber auch alle deutschen Aerzte auf, dieses unser Bestrehen nach allen Kräften durch ihren Beitritt zu unterstützen. Es ist eine uralte Warheit:„mens sana in corpore jano“,—„nur in einem gesunden Körper wohnt ein gezunder Geist!“— Nun wohl: wollen wir eine gesunde Folksseele haben, so möge ein jeder mithelfen, daß die Körver unseres Volkes nicht nur gesunde Heimstätten haben, dondern unsere gesamte Heimat, die gleichsam den Körper des Gesamtvolkes darstellt, rein und gesund ist! Denn ein Volk, das gewohnt ist, an verjauchten Flüssen zu wohnen, wird— wie unsere Zeit nur allzu erschütternd zeigt!— auch nicht viel Sinn dafür haben, seine Geelen rein und gesund zu erhalten! Helfe ein jeder nach seinen Kräften mit, daß es endlich besser werde im Vaterlande!— Heimatschutz ist Volksschutz!— Kraft und Geist. Hindenburg=Botschaft an die Weltkraftkonferenz. — Berlin, 17. Juni. Aus Anlaß der Weltkraftkonferenz, die am Montag in Berlin eröffnet wurde, sandte Reichspräsident von Hindenburg, der Ehrenprotektor der Tagung, folgende Botschaft, die durch den Reichskanzler verlesen wurde: „Aus allen Teilen der Welt, von allen Staaten des Erdballs sind Sie herbeigekommen, von einem großen Gedanken beseelt: Durch gemeinsame Arbeit die Kräfte der Natur immer mehr zu beherrschen und zum Segen und Fortschritt der Menschheit nutzbar zu machen. Als ein„Völkerbund der Technik“ ist die Weltkraftkonferenz bei ihrer Gründung bezeichnet worden. Nichts ist in der Tat geeigneter, die Völker zu verbinden, als gemeinsames Bemühen dieser Art um das allgemeine Wohl. Die Zusammenarbeit der Geister fördert das gegenseitige Verständnis. Darüber hinaus wird gerade durch praktische Fortschritte auf dem Gebiete, deren Erforschung Ihre Tagung gewidmet ist, eine immer engere Verbindung der Völker untereinander herbeigeführt. Die Technik steht im Begriff, durch den Ausbau der Kraftübertragung über die politischen Grenzen hinweg das Wirtschaftsleben der Völker stärker denn je zu beeinflussen und miteinander in Zusammenhang zu bringen. Durch Ihre Tagung fördern Sie ein verständnisvolles Zusammenwirken der Regierungen und aller anderen Faktoren des öffentlichen Lebens mit Ihnen, den Meistern der Technik, der Wissenschaft und der Wirtschaft! Die Versorgung mit Kraft, Licht und Wärme in immer neuen und verbesserten Formen wird sich als ein wirksames Mittel erweisen, die Wirtschaftstätigkeit der Völker zu beleben, die Arbeitslosigkeit zu mildern und so den Störungen entgegenzuwirken, unter denen heute das Wirtschaftsleben fast aller Länder leidet. Es ist mir daher eine besondere Freude, als Ehrenprotektor dieser Zweiten Vollkonferenz Sie hier zu begrüßen. Deutschland heißt Sie an den Stätten seiner harten Wiederaufbauarbeit herzlch willkommen und will Ihnen Eindrücke vermitteln von und Kunst ihm an Schönheit geIhrer Arbeit aber wünsche ich von Herseta##n. Erfolg, welchen die Welt von dieser Konferenz Geheimrat Oscar von Miller, der neue PräsiIfnungsansprache dien Alderte in seiner Ergewaltigen Fortschritte auf techschem Gebiet, die die letzten Jahrzehnte gebracht haben. Als er zum ersten Male nach Amerika gekommen sei, habe er am Niagara=Wasserfall eine Wasserkraftanlage von ein paar hundert Pferdekräften gesehen, heute aber seien dort ungeheure Werke, in denen eine einzige Turbine 100000 Pferdekräfte leiste. Und deutschen Elektrizitätswerke errichtet habe, hätten diese den Strom höchstens bis zu 500 ganze Länder von.önnen. Heute dagegen würden 5g:„ne., ven iner einzigen Zentrale aus versorgt. Vor kurzem habe er im Auftrage der Reichsregierung Richtlinien aufgestellt, wie man den elekim ganzen Reichsgebiet am zweckFortschritte aben zronn“: Das seien gewiß gewaltige chrille, über lotzdem habe man auch noch gewaltige Aufgaben für die Zukunft. Wenn die Inaus allen Erdteilen nicht nur gemeinsam ndern auch gemeinsam schafften, dann werde es möglich sein, Energiequellen zu bekommen von den hochsten Spitzen der Berge bis zu den tiefsten Schächten. Und dann werde man auch die Kraft übertragen können nach den chemischen Fabriken, die Düngemittel machten, die unsere Ernte vervielfachen könnten. Sache der Finanzleute, der Politiker und der Behörden werde es sein, das, was der Ingenieur schaffe, so zu verteilen, daß es allen Menschen zugute komme! Anknüpfend an diesen Appell zur sozialen Tat erklärte Reichskanzler Dr. Brüning, je mehr die Technik die Nachfrage nach menschlicher Muskelarbeit verringere, desto dringender werde die Aufgabe, den freigewordenen Arbeitskräften neue Wirkungsmöglichkeiten zu erschließen. Gingen von der Weltkraftkonferenz gerade in dieser Hinsicht wichtige Anregungen aus, dann werde sie des Dankes der von Entlassung bedrohten Erwerbstätigen und auch des Dankes der Führer sicher sein, die mit der Verantwortung für das allgemeine Wohl belastet sind. Namens der Reichshauptstadt entbot Bürgermeister Dr. Scholz den Teilnehmern der Weltkraftkonferenz den Willkommensgruß. Ferner sprachen Vertreter Englands, Frankreichs, Rußlands, Polens, der nordischen Länder, Südamerikas, Afrikas, Asiens, Japans und Australiens. Mit einer Ansprache des Generaldirektors der Siemens=Schuckert=Werke Dr. Karl Köttgen fand dann die Eröffnungssitzung ihren Abschluß. An den Reichspräsidenten von Hindenburg wurde ein Danktelegramm geschickt, in dem es heißt, die Weltkraftkonferenz erblicke in der Botschaft Hindenburgs auch einen Appell und einen erneuten Ansporn, alle ihre Kraft zum Wohle der Menschheit einzusetzen. * Die Weltkraftkonferenz an der Arbeit. — Berlin, 17. Juni. Im Anschluß an die feierliche Eröffnung der zweiten Weltkraftkonferenz im großen Festsaal von Kroll wurde sofort die wissenschaftliche Arbeit der Konferenz mit drei Generalberichten eingeleitet, die eine lebhafte Aussprache unter den Fachleuten verschiedener Nationen auslösten. Die Berichte behandelten u. a. die Verwendung der Elektrizität im Haus und Landwirtschaft, das Gebiet„Feste Brennstoffe“ und wasserwirtschaftliche Fragen. Auf die Aussprache folgte der erste Hauptvortrag über„Das physikalische Raum= und Aetherproblem". Vortragender war der bekannte Schöpfer der Relativitätstheorie Professor Einstein. Außer den wissenschaftlichen Veranstaltungen nahmen die Besichtigungen von Industrieanlagen in Berlin und Umgegend ihren Anfang. Am heutigen Dienstag begann in Leipzig unter Teilnahme von Vertretern der Regierungen und der Behörden die Tagung des Vorstandes und des Hauptausschusses des Reichsstädtebundes, der Spitzenorganisation der mittleren und kleineren Städte. Im Verlaufe der Eröffnungssitzung nahm auch der preußische Staatsminister Pros. Dr. Waentig das Wort. Redner führte u. a. aus: Sie sind hier zusammengekommen, um die Sorgen der Mittel= und Kleinstädte zu erörtern und ihre Forderungen zu vertreten. Die wirtschaftliche Lage Deutschlands ist außerordentlich ernst, und mit der bedrohlichen Lage unserer Wirtschaft steht im engen Zusammenhang auch die Notlage unserer Selbstverwaltung. Man spricht heute viel von einer Krisis der Selbstverwaltung. Mancherlei Vorwürfe werden gegen die Selbstverwaltung erhoven. Ich have jedoch den Eindruck, daß dabei allzuleicht vergessen wird, wie auch die großen Schwierigkeiten der kommunalen Verwaltungsgebilde letzten Endes auf die Reich, Staat und Gemeinden gleichmäßig bedrückende Last zurückzuführen sind, die als Folge des Kriegsausganges zu betrachten ist. Jedenfalls haben wir alle gemeinsam darüber zu wachen, daß in dieser Zeit der Krisis nicht Dinge geschehen, die ein kommunales Eigenleben gefährden könnten. Im Mittelpunkt der Tagung stehen Finanzfragen. Seien Sie versichert, daß ich alles tun werde, um Ihre berechtigten Forderungen beim kommenden Finanzausausgleich zu erfüllen. Die Schwere der Zeit zwingt zur Sparsamkeit. Aber im Nahmen dieser Sparsamkeit muß das Ziel des Finanzausgleichs sein, den mittleren und kleineren Städten genau so wie den größeren Körperschaften der kommunalen Gemeinschaft ein Eigenleben zu sichern, daß die Selbstbestimmung und Selbstverantwortung der in ihnen lebenden Bevölkerung gewährleistet. Schlußbericht Parker Heftige Kritik der deutschen Finanzpolitik.— Das Reich soll mehr sparen. Der bisherige Verwalter der deutschen Tribute, Parker Gilbert, veröffentlicht seinen Schlußbericht und bemüht sich darin, darzulegen, wie trefflich der Reparations=Mechanismus funktioniert hat. Die deutsche Finanzpolitik wird heftig kritisiert. Im einzelnen führt Parker Gilbert aus, die Regierung habe sich nicht nach der Decke gestreckt und viel zu wenig danach gestrebt, die Einnahmen mit den Ausgaben in Einklang zu bringen. Notwendige Reformen wie z. B. der Finanzausgleich, die Vereinfachung der Verwaltung und die Nachprüfung der Arbeitslosenversicherung seien zu sehr verzögert worden. Wesentlich zur Vernehmung der Ausgaben hätte auch die Erhöhung der Beamtengehälter vom Oktober 1927 beigetragen. Die Soziallasten hätten sich seit 1924 verfünffacht. Der Etat sei zu undurchsichtig. Anzuerkennen dagegen sei die Tatkraft und der Fleiß des deutschen Volkes. * Parker Gilbert hat sich bemüht, Fehlerquellen der deutschen Finanzpolitik aufzuzeigen; eine Ursache der deutschen Finanznot hat er leider übersehen: die Schädigung des deutschen Wirtschaftslebens durch die gewaltigen Tributleistungen! 266 Mill. Ausfuhrüberschuß. Günstige Außenhandelsbilanz für Mai. Nach den jetzt vorliegenden Ziffern für Mai ist die deutsche Ausfuhr in diesem Monat um rund 120 Mill. M. auf 1099 Mill. M. gestiegen und die Einfuhr um 57 Mill. auf 863 Mill. M. zurückgegangen, so daß sich ein Ausfuhrüberschuß von 266 Millionen M. ergibt. Die Reparationssachlieferungen, die im Ausfuhrüberschuß enthalten sind, betragen 79 Millionen Mark. Der Rückgang der Einfuhr ist im wesentlichen auf die internationale Preisbaisse zurückzuführen; mengenmäßig ist die Einfuhr etwa gleichgeblieben. Der Zollabrechnungsverkehr erforderte im Mai nur unwesentliche Korrekturen. Im einzelnen ging die Einr0. in der össentlichen erintendent D. Sch in seinem Begrüßungswort als Vertreter der Kirche getade seiner Freude darüber Ausdruck gab, daß die evangelische Arbeiterin in dem Wirrwarr der Meinungen und Veltanschauungen von heute einen sicheren Weg sucht. Ebenso trafen die begrüßenden Worte des Herrn Landeshauptmann von Thaer die Herzen der Arbeiterinnen. Er wies hin auf die große wirtschaftliche und kulturelle Not des schlesischen Grenzlandes und bat die deutschen evangelischen Arbeiterinnnen diese Not ihrer Schwestern in den schlesischen Fabriken nicht zu vergessen. Daß auch ein Vertreter der Breslauer Universität teilsahm an der Tagung, wurde als eine ehrende Anerkensung des Bildungsstrebens der evangelischen Arbeiterin empfunden.— Der Vortrag dieses Abends von Professor Rosenstock=Hüssy„Wirtschaftsleben und Bildungsfordekungen“ baute sich aus dem auf, was die Arbeiterinnen n der Arbeitsgemeinschaft gesagt hatten. Dies wurde inter den großen Gedanken gestellt, wie die in ihrer broße und Fernwirkung auf den Menschen Überwältigend wirkende Wirtschaft überwunden werden könne, wie die würde des Einzelnen und der Gemeinschaft wiederhergesellt werden könne, wie die sittlich geistigen Bildungssowverungen des evangelischen Menschen der Wirtschaft #re Maßstäbe aufzwingen könnten. Der Sinn des Anfungsliedes„Rüstet euch, ihr Christenleute“, das zu vun gesprochene Gedicht„Sehnsucht“(von Fritz Woike), Gedichtes vom Segen der evangelischen Arbeiterineendereine im Volke, des Schlußliedes:„Wachek auf, ruft ns die Stimme“, hatten tiese Beziehung zu dem ganzen Loßen Arbeitstage, dem Gott seinen Segen zusprechen üde im Werktags= und Festtagsleben des deutschen evangelischen Arbeiterstandes. der Festsonntag begann mit dem feierlichen Gottesnennst in der Maria=Magdalenenkirche. 400 evangelische beiterinnen waren es, zu denen Herr Generealsup. D. testans dieser schönen, schon seit dem Jahre 1580 prochnnschen Kirche sprach. Anschließend an diese Feierstunde fand eine Autorundfahrt durch das schöne große Breslau, diesen Mittelpunkt umfangreicher Industrie, die Hauptstadt der in schwerem Kampf für ihr Deutschtum stehenden Provinz statt. Breslau so kennen zu lernen, war den Arbeiterinnen aus ganz Deutschland eine große Freude und Erweiterung ihrer Kenntnisse. Nachmittags 2½ Uhr fand die geschlossene Mitgliederversammlung statt. Sehr zahlreiche Grüße der kirchlichen Behörden, vieler evangelischer und sozialer Organisationen, aus Frauen= und Jugendverbänden wurden verlesen. Aus dem Geschäftsbericht, von der Generalsekretärin Fräulein Lohmeyer=Berlin erstattet, ergab sich neues Wachstum des Gesamtverbandes. Dem entsprach die vielseitige Arbeit, von der aus allen Teilen des Verbandes wie auch aus der Hauptgeschäftestelle berichtet werden konnte. Das wichtigste Stück Arbeit dieses Nachmittages, vielleicht der ganzen Tagung, war die Verhandlung folgenden Antrags:„Der Landesverband evangel. Arbeiterinnenvereine Württembergs bittet die 9. Vertreterversammlung des Gesamtverbandes evangelischer Arbeiterinnenvereine Deutschlands e. V. um eine öffentliche Stellungnahme zu der Familiennot, die aus der Ersetzung männlicher Arbeitskräfte durch die billige Frauenarbeit entsteht. Dieser Antrag wurde von der Vorsitzenden des Württemberger Verbandes, Frau Krockenberger=Stuttgart, folgendermaßen begründet: Es ist in Württemberg und vielen anderen Gebieten Deutschlands beobachtet worden, daß in vielen Industriezweigen Männer aus den Betrieben entlassen und durch Frauen und Mädchen ersetzt werden. Diese Maßnahmen erfolgen, teils, well durch Rationalisierung die Arbeit sich verändert und vereinfacht hat, teils aber ohne solche Veranlassung zum Zweck der Lohnersparnis. Diese Maßnahmen werden oft dadurch verschleiert, daß die Männer vor der Entlassung in andere Abteilungen verschoben werden, wo sie bald überflüssig werden, wie auch dadurch, daß Frauen aus anderen Wohngegenden als der dieherigen Arbeiter herangezogen werden. Sie sind aber trotzdem Tatsache. Die Folge hiervon ist, daß Familienväter arbeitslos werden. daß die Mütter aus dem Hausstand herausgeholt und in vielfach gesundheitsschädliche Arbeit geführt werden.— Die ganze Versammlung stimmte dem zu, daß der evangelische Arbeiterinnenverband die Aufgabe habe, auf diese Not aufmerksam zu machen und Möglichkeiten ihrer Behebung zu suchen. Es wurde beschlossen, auf Grund umfangreichen Materials, das schon durch Mitglieder in ihren heimrischen Industriegebieten gesammelt worden war, das aber noch zu erweitern sei, eine Eingabe an den Herrn Reichsarbeitsminister zu machen.— Die Besprechung dieser schwerwiegenden Frage zeigte, daß der evangelische Arbeiterinnenverband zielbewußt für die Gesund. haltung der Berufs= und Familienverhältnisse im Arbeiterstand kämpft. Am Festabend gab der zum ersten Male laufende Film des Gesamtverbandes evangelischer Arbeiterinnenvereine mit seinen Bildern aus dem Leben der industriellen Arbeiterin und aus dem Leben des Verbandes— aus Erholungsheimen, von Freizeiten, aus Geschäftsstellen und Vereinsabenden— ein anschauliches Bild von Alltag und Festtag der Arbeiterin und von der Art des Verbandes Die jetzige Generalsekretärin des Verbandes, Fräulein Klara Lohmeyer=Berlin, wußte durch ihre erläuternden Worte die Bilder zu beleben und zu einem Ganzen zu verbinden. Das Bild der 1922 heimgegangenen ersten Generalsekretärin Maria Schirmer stellte allen Mitgliedern und Mitarbeiterinnen des Verbandes vor Augen, daß sie dieser großen Führerin das heutige Blühen des Verbandes zu danken haben. Sie säete, was heute reift.— Jugendlicher Frohsinn verschönte durch Gedichte, Lieder und Märchenspiel diesen rechten Festabend evangelischer Arbeiterinnen. Damit schloß die große Reichstagung der evangelischen Arbeiterinnen Deutschlands feinsinnig und freudig ab. Theodore Hagemann. fuhr von Lebensmitteln und Getranken von 292 auf 209 Millionen und die Einfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren von 480 auf 454 Millionen zurück, während die Fertigwaren=Einfuhr mit 159 Millionen unverändert blieb. Die Ausfuhr von Lebensmitteln und Getränken stieg von 37 auf 40 Millionen., die Ausfuhr von Rohstoffen und halbfertigen Waren von 200 auf 236 Millionen und die Ausfuhr von Fertigwaren von 734 auf 813 Millionen M. Die Fertigwarenausfuhr hat also den bei weitem erheblichsten Anteil an der Steigerung. Kurze Landtagssitzung. Beratung der Notverordnung und des Gesetzes über die Schulgelderhöhung. — Berlin, den 16. Juni 1930. Mit dem Reichstag nahm auch der Preußische Landtag seine Plenararbeiten nach der Pfingstpause wieder auf. Der jetzige Tagungsabschnitt wurde allerdings schon heute durch eine achttägige Plenarpause wieder unterbrochen. Vor der Sommerpause, die bereits am 27. oder 28. Juni beginnt, soll noch das Gesetz über die Schulgelderhöhung verabschiedet und die vor Pfingsten mißglückte Schlußabstimmung über den Staatshaushalt für 1930 und das Gesetz über die bereits durch eine Notverordnung in Kraft gesetzte Verdoppelung der Grundsteuersätze wiederholt werden. Nach Eröffnung der Sitzung widmete Präsident Bartels dem verstorbenen sozialdemokratischen Abg. Faber einen Nachruf, den die Abgeordneten stehend anhörten. In erster Lesung erledigt wurde der Gesetzentwurt über den preußischen Finanzausgleich. Zur Weiterberatung wurde die Vorlage dem Haushaltsausschuß überwiesen. Unter großer Spannung wandte sich das Haus dann der Beratung der Notverordnung über die Verdoppelung der Grundvermögenssteuer zu. Wortmeldungen zu der Notverordnung lagen nicht vor. Der Landtag nahm danach davon Kenntnis, daß die Abstimmungen am 27. Juni stattfinden werden und überwies dann zum Schluß noch den Gesetzentwurf über die Erhöhung des Schulgeldes in Preußen an den Ausschuß. Nächste Sitzung Dienstag, den 24. Juni. Beratung des Innenetats. Minister=Erklärung zum Säuglingssterben in Lübeck. — Um Wahlreform und Thüringen=Konflikt. — Berlin, den 16. Juni 1930. Die erste Sitzung des Reichstags nach den Pfingstferien galt der Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums. In der Debatte behandelten die Redner u. a. die Frage der Wahlrechtsreform sowie den Konflikt zwischen Reich und Thüringen und die Teil=Uniformverbote der letzten Tage. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab Reichsinnenminister Dr. Wirth eine längere Erklärung über die Lübecker Todesfälle unter den nach dem Calmette=Verfahren behandelten Säuglingen ab.„Die Zahl der Todesopfer betrage bereits 39. Es sei alles getan worden, um den wirklichen Sachverhalt zu ergründen, nämlich ob sich eine Verwechselung oder Verunreinigung der Bakterienkultur ereignet habe, oder ob die Veränderung dieser Kultur sich ganz unerwartet als biologische Umwandlung vollzogen habe. Es würden aber noch Wochen vergehen, bis die Untersuchungen des Reichsgesundheitsamtes soweit gediehen sind, daß man klar sehen könne. Abg. Sollmann(Soz.) beglückwünschte den Verein für das Deutschtum im Auslande zu dem 50 jährigen Jubiläum deutscher Schutzarbeit und wandte sich dann der Frage der Wahlrechtsreform zu, wobei er das Zustandekommen einer Mehrheit für die Abschaffung der großen Wahlkreise bezweifelte. Der letzte Reichstag der Vorkriegszeit habe übrigens auch schon sechs Fraktionen und 11 Splittergruppen gezählt. Eine Verringerung der Abgeordnetenzahl lehnte Redner ab. Zum Schluß begrüßte Abg. Sollmann noch das Vorgehen gegen Thüringen und die Uniformverbote. Abg. Dr. Spahn(Dutl.) kritisierte das Vorgehen des Innenministers gegen die thüringische Regierung und gegen den westdeutschen Stahlhelm. Das sei Schikanepolitik. Die notwendige Lösung der Verfassungsfrage werde nicht richtig angepackt. Die jetzige Regierung rühre an die Grundlagen des reichspräsidialen Amtes durch die Art, wie sie den Reichspräsidenten in den Vordergrund schiebe, um Augenblickserfolge zu erzielen. Es seien Versuche im Gange, die Regierung in die Hand einer Arbeitsgemeinschaft von Kapital und Wasse zu le Reichsinnenminister Dr. Wirth erwiderte, ihm liege nichts ferner, als mit schikanösen Maßnahmen der Opposition entgegenzutreten. Das gelte auch für das Stahlhelmverbot im Westen. Er habe dabei nur die Besprechungen fortgeführt, die schon vom früheren Reichskanzler Müller und dem preußischen Ministerpräsidenten eingeleitet worden waren. Der preußische Ministerpräsident habe sich zum Empfang der Führer des„Stahlhelms“ bereit erklärt, die Herren seien aber noch nicht zu ihm gekommen. Die Vorlegung eines neuen Reichsschulgesetzes wäre sehr erwünscht, aber ein praktischer Erfolg sei damit nicht zu erreichen, solange keine Aussicht auf ein Kompromiß der Parteien in der Simultanschulfrage vorhanden sei. Die Behandlung der Schulgebetsfrage durch die thüringische Regierung habe auch in Kreisen der evangelischen Theoidgen viel Widerspruch gefunden. Der verstorbene Gelehrte von Harnack habe sich auch dagegen gewandt. Auch im Zentrum gebe es nur eine einstimmige Verurteilung der thüringischen Schulgebete. Abg. Dr. Schreiber(Ztr.) bezeichnete es als unerträglich, daß man von Reich und Ländern in den letzten Jahren in zunehmendem Maße zum Staatsgerichtshof laufe. Dem Unfug des politischen Straßenkampfes müsse rücksichtslos ein Ende gemacht werden. Das Zentrum lehne es ab, wenn Schulgebete als Schrittmacher bestimmter Parteien mißbraucht werden. Eine Krisis der Parteien und des Parlamentarismus sei nicht zu verkennen. Dem Kabinett müsse ein größeres Maß von Exekutive ermöglicht werden. Nach längeren Ausführungen des Abg. Maslowsti (Komm.) vertagte sich das Haus auf Dienstag. Demokraten lehnen Notopfer ab. Nach der demokratischen Fraktionssitzung wurde eine Entschließung veröffentlicht, in der es u. a. heißt: „Die Demokratische Reichstagsfraktion erblickt in der vom Reichsfinanzminister getroffenen Feststellung eines abermaligen Fehlbetrages von etwa drei Viertel Milliarden Mark einen schweren Mißerfolg der bisherigen Finanzpolitik. Um das Grundübel der Arbeitslosigkeit nicht weiter zu verschlimmern und die Bemühungen zur Genkung des Preisniveaus nicht zu vernichten, sind neue Steuern überhaupt von der Hand zu weisen. Dabei darf mit der Reichs= und Verwaltungsreform nicht länger gezögert werden. Sollte sich der Haushalt hierdurch allein nicht ordnen lassen, so sind die Steuern auf entbehrliche Genußmittel soweit wie möglich auszunützen. Der willkürlichen Auferlegung von Sonderlasten zur Deckung des Fehlbetrages auf einzelne Schichten des Volkes, wie sie durch die sogenannte Reichshilfe der Festbesoldeten und die Ledigensteuer beabsichtigt ist, wird die Fraktion nicht zustimmen.“ Die westdeutsche Wirtschaft zur Krise. Die Handelskammern gegen die Finanzpolitik der Regierung. — Essen, 17. Juni. Der Vorstand des Zweckverbandes der Industrie= und Handelskammern zu Bochum, Dortmund, Essen und Münster hat an die Reichsregierung eine Entschließung gerichtet, in der das neue Steuer= und Deckungsprogramm als völlig ungeeignet bezeichnet wird, der herrschenden Notlage gerecht zu werden. Zur Ueberwindung der Krise verbleibe nur die Möglichkeit, die Wirtschaft durch scharfe Einschränkung der öffentlichen Ausgaben und durch Verminderung der Produktionskosten, auch durch Senkung der Löhne und Gehälter wieder in den Stand zu setzen, ihre Konkurrenzfähigkeit herzustellen, neuen Absatz zu gewinnen und damit die Arbeitslosen von der Rente herunter wieder in den Arbeitsverdienst zu bringen. Dabei dürfe es nicht bei einer Teilaktion wie der der Nordwestdeutschen Eisenindustrie sein Bewenden haben, sondern die Bereitschaft der ganzen Nation zur Mitwirkung sei erforderlich, weil sonst die Wirkung der Neubelebung der Gesamtwirtschaft zur Wiederaufnahme der Arbeitslosen nicht erzielt werden kann. Letzte Meldungen. Die Wirtschaftspartei gegen Braun. — Berlin, 17. Juni. Die Fraktion der Wirtschaftspartei hat im Preußischen Landtag den Beschluß beantragt, gegen den preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun wegen der kürzlich am Staatsgerichtshof geübten Kritik die Ministerklage zu erheben. In der Begründung wird ausgeführt, daß die von höchster preußischer Regierungsstelle geübte Kritik an dem Urteil des Staatsgerichtshofs, die den deutlichen Willen zeige, sich dem Spruche in der Verwaltungspraxis nicht zu fügen, geeignet sei, das Vertrauen in die Rechtspflege und damit die Staatsautorität zu gefährden. Vor einer Reichsbankdiskontsenkung. — Berlin, 17. Juni. Wie verlautet, erscheint es ziemlich gewiß, daß der Zentralausschuß der Reichsbank sich noch in dieser Woche mit einem Beschluß der Bankleitung in Richtung auf eine Senkung des Diskonts von zurzeit 4½ v. H. zu befassen haben wird. Das Deckungsprogramm vor dem Reichsrat. — Berlin, 17. Juni. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer hat die Finanzvorlagen dem Reichsrat zugeleitet mit der Bitte, sie möglichst schon in der Sitzung am 18. Juni zu beraten, da die Gesetzentwürfe noch vor der Sommerpause des Reichstags verabschiedet werden müßten. Disziplinarverfahren gegen Landrat Kleine. — Berlin, 17. Juni. Der Minister des Innern hat gegen den kürzlich in den einstweiligen Ruhestand versetzten Landrat des Kreises Leer, Kleine, das förmliche Disziplinarverfahren mit dem Ziele der enthebung aus dem Amte eingeleitet. Senatorenvermehrung in Hannover abgelehnt. — Hannover, 17. Juni. Der Bezirksausschus entschied dem Antrag des Magistrats entsprechend in ablehnendem Sinne. Die Wahl von drei Senatoren und einem zweiten Bürgermeister ist damit hinfällig geworden. Das Bürgervorsteherkollegium kann gegen diese Entscheidung beim Provinzialamt Berufung ein, Der österreichische Handelsminister zurückgetreten. — Wien, 17. Juni. Der frühere Bundespräsident und bisherige Handelsminister Hainisch ist wegen der Annahme des Zusatzabkommens zum österreichisch, ungarischen Handelsvertrag zurückgetreten. Verschiedenes. In Köln=Mülheim begeht das Reform=Realgymnasium (früher Gymnasium, Realgymnasium und Realschule) vom 26. bis 29. Juli 1930 die Feier seines 100=jährigen Bestehens. Alle„Ehemaligen“, die noch keine Einladung erhielten, werden gebeten, ihre Adresse, Schulabgangsjahr und letzte besuchte Klasse dem Arbeitsausschuß (Köln=Mülheim, Adamsstraße 46/48) umgehend mitzu, teilen. Bücher und Zeitschriften. Die hier angezeigten Bücher sind zu beziehen durch die Buchhandlung der Anstalt Bethel. Müller,„Glaube und Politik“ broschiert—.50 Christliche Gemeinschaftsbuchhandlung, Hamburg 3, Holstenwall 21. Es gibt viele, die sich quälen mit der Frage, welchStellung der Christ zur Politik und zum Staate einzunehmen hat. Das vorliegende Heft sucht Antwort darauf zu geben. Marie Diers„Die große Versuchung“, Kranzverlag. Berlin SW 68. 208 Seiten, gebunden 2,85 Von der Verfasserin, die so lebenswahr zu erzählen versteht, liegt nun dieses Buch vor, das das Leben einer deutschen Landfrau als Schwiegermutter schildert. Die junge, früh zur Witwe gewordene Gutsfrau bringt das durch die Schwäche des Mannes verschuldete Gut wieder in Ordnung, erzieht ihre vier Kinder zu tüchtigen Menschen und es gelingt ihr, dadurch, daß sie der Versuchung widersteht, die überlegene und herrschende Schwiegermutter zu sein, im Leben und in den Familien ihrer Kinder manches auszugleichen und zu beseitigen, was das Glück der Kinder zerstören wollte. Die Lektüre des Buches kann neben der ernsten Ergriffenheit, die diese Lebensschicksale bewirken, den Weg zeigen zu einem Glück, das immer in der Ueberwindung eigener Schwächen liegt. D. A. Bethel. Mittwoch, den 18. Juni. 1½ Uhr Feuerwehrübung. Pünktlich antreten. Der Brandmeister. — Kirchenchor— Zionskirche. Chorprobe für das Bethel=Jahresfest Donnerstag, den 19.., ½9 Uhr in Zion. Reformations=Kantate und Bach=Choralist I mitbringen, Da viele verreist sind, ist das Erscheinen aller anwesenden Mitglieder doppelt notwendig. — Blaukreuz=Verein Bethel. Donnerstag abd. 8½ Uhr Blaukreuzstunde in Gosen. Jeder ist herzlich eingeladen. Anzeigen aus Bethel.„ — Eine neue Kochkiste mit zwei Töpfen billig zu verkaufen. Frau Wibbing, Pella. Bekanntmachung. Die Liste derjenigen Personen der Amtsgemeinde Gadderbaum, welche für das Jahr 1931 als Schöffen und Geschworene berufen werden können, liegt vom 17. Juni 1930 bis 26. Juni 1930 auf dem Amte aus. Gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Urlisten kann innerhalb der einwöchigen Frist schriftlich oder Protokoll Einspruch erhoben werden. Gadderbaum, den 14. Juni 1930. Der Bürgermeister: In Vertretung: Höke, Amtsbeigeordnetet. Bläubiger, geb. Landwirt in ungekündigter Stellung sucht zum 1. 10. oder später neue Stelle als landw. Beamter. Bin 27 J. alt, 9 Jahre im Beruf, gestützt auf sehr gute Zeugnisse, landw. 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