Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und 0.86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Küre Aussand unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. mit den Beilagen„Für Herz und Haus“, „Kindergabe“ und„Auser Ziel.“ Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzelle oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 gje tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 81. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld) Sonnabend, den 5. April 1930. 12. Jahrgang. Ein rechter Mann hat zwei Gesichter die er hält, Das eine auf sein Haus, das andre auf die Welt. Das freundliche Gesicht, das wendet er ins Haus. Das ernste aber kehrt er in die Welt hinaus. Rückert. Muinihiggi „Das Herz Europas“ Es ist eine große und schöne Sache, wenn sich eine Zeitung oder Zeitschrift in den Dienst einer großen Idee stellt und sie mit Ausdauer und Konsequenz vertritt. Dabei darf sie freilich nicht den Blick für die harte Wirklichkeit verlieren. Sie erreicht in solchem Falle nur das eine, daß sie von nüchtern und sachlich urteilenden Menschen nicht mehr ernst genommen wird. Die„Sozialistischen Monatshefte“, die im 36. Jahrgang erscheinen und gegenwärtig von Joseph Bloch herausgegeben werden, vertreten nicht nur die allgemeine Idee des Sozialismus. Sie machen sich auch zum Vorkämpfer für ganz bestimmte wirtschaftspolitische Gedanken. Sie vertreten mit einer geradezu bewundernswerten Konsequenz die Idee der Vereinigten Staaten von Kontinental=Europa. Mit derselben Konsequenz nehmen sie Stellung gegen die angloamerikanischen Völker. Es erscheint keine Nummer, ja, kaum ein Artikel, in denen nicht diese Grundgedanken von immer neuen Gesichtspunkten und in Anknüpfung an die politischen Tagesereignisse in immer neuer Weise immer wieder behandelt würden. Dabei erwarten die„Sozialistischen Monatshefte“ alles Heil von Frankreich. Für einen deutsch empfindenden Leser hat die Art und Weise, in der in den„Sozialistischen Monatsheften“ das Lob Frankreichs und seiner führenden Männer immer wieder gesungen wird, nicht nur etwas Peinliches, nein, oft geradezu etwas Widerliches. Bis zur Selbstentwürdigung ist die Schleppenträgerei Frankreichs getrieben. Selbst ein Poincaré wird von den„Sozialistischen Monatsheften“ vein gewaschen. Für den Geist dieser im Dienste Frankreichs arbeitenden Zeitschrift kennzeichnend ist ein in der Februarnummer erschienener Artikel, der mit den Worten„Das Herz Europas“ überschrieben ist. Nachdem im einleitenden Abschnitt der Gedanke ausgesprochen ist, daß sich„die deutsche Kunst, nicht bloß Musik und Dichtung, auch die bildenden Künste und neuerdings auch die Architektur neben der französischen und erst recht neben der aller andern Völker sehen lassen“ kann, wird von dem Verfasser Paul Fredinand Schmidt der Leitsatz aufgestellt:„Das Herz Europas und damit der Kulturwelt überhaupt ist und bleibt Frankreich, und wer Europa liebt und wünscht, daß das Menschliche erhalten bleibe, sa, erst zum vichtigen Menschentum werde, tut wohl daran, seine Sitze möglichst nahe an französischen Kaminen einzurichten.“— Nun, über den Geschmack läßt sich nicht streiten. Interessant aber ist es, zu sehen, was für Beipiele Herr Paul Ferdinand Schmidt zur Erhärtung seines Satzes anführt. Es sind u. a. zwei Kulturleistungen, die vor allen Dingen von den„Sozialistischen Monatsheften" dem Konto Frankreichs gutgeschrieben werden. Die eine ist die Entdeckung des Negermalers Kalifala Sidibé, „der bestimmt nicht von den Angelsachsen entdeckt worden ware und den wir in Deutschland nicht zu sehen bekommen hätten, wenn er nicht von Paris aus Europa vorgeführt worden wäre.“ Wir bekennen, daß wir zu unserem Bedauern keine Gelegenheit gehabt haben, die Werke dieses Negermalers in der Galevie Flechtheim in Berlin in Augenschein zu nehmen, wollen uns daher jedes Urleils darüber enthalten. Sollte aber die Kulturleistung der Entdeckung Sidibés an innerem Wert der andern, von den„Sozialistischen Monatsheften“ zum Erweise der autturellen Leistung Frankreichs geltend gemachten, Rleichkommen, dann wird es für uns jedenfalls keinen Verlust bedeuten, vor den Werken dieses Künstlers nicht bestanden zu haben. Der andere gewaltige Kulturwert. dessen Vermittlung an die Menschheit dem„Herzen Eucopas zuzuschreiben ist, ist nämlich— Jazzmusik und Nekerkanz! Allen Ernstes!„Jahrzehntelang hat das colouteo people(farbige Volk) seine Musik in den Slums von Neuyork getrieben, ohne daß man die geringste Notiz davon nahm. Entdeckt und zum Weltruhm gebracht haben dazzmusik und Negertanz die Franzosen.“ Wer beugt sich nicht bewundernd vor dieser überwältigenden Kulturleistung!— Zweifellos werden die Vereinigten Staaten von Europa den Gipfel aller Kultur in kurzem erstiegen eden, wenn sie sich vom„Herzen Europas“ diese und chnliche Höchsterzeugnisse zuführen lassen und sie willig aufnehmen.— Es sind tatsächlich ganz eigenartige Enthüllungen über den französischen Geist, den uns die„Sozialistischen Monatshefte“ machen. Da erfahren wir z. B. daß dieser Geist sich der Unterdrückten annimt und das Echte in jeder schöpferischen Gestalt anerkennt.“„Weil sie selbst immer die produktivsten Geister hervorbrachten und den Anstoß zur Neuerung auf allen Gebieten geben, darum dürfen die Franzosen sich aller verfolgten und gering geachteten Geister annehmen und das Fruchtbare in ihnen entdecken.“ In welcher Weise Frankreich sich der verfolgten und gering geachteten Geister annimmt, dafür haben wir Deutschen im Laufe der Geschichte allerlei Proben bekommen. Nicht die geringste davon ist die Art und Weise, wie dieses„Herz Euopas“ auf die Innehaltung des Vernichtungsdiktates von Versailles pocht. Eine Aeußerung Poincarés ist dafür bezeichnend:„Ich für meinen Teil ziehe die Besetzung und Eroberung dem Einstreichen von Kapitalien und den Wiedergutmachungen vor. Das einzige Mittel, den Frieden von Versailles zu retten, besteht darin, die Dinge so zu richten, daß unsere besiegten Gegner ihn nicht halten können.“— Den Gedanken Paneuropas und andere weitausschauende Ziele in allen Ehren! Durch Liebedienerei und Würdelosigkeit wird dieser Gedanke wahrhaftig nicht gefördert. Er kann nur wachsen auf dem Boden ernstester Gleichachtung und auf dem Boden einer Kulturauffassung, für welche Kulturleistungen nicht schon mit der Förderung von Jazzmusik und Negertanz beginnen. A. F. Unsere Stellung zur HindenburgRegierung. In der Reichstagssitzung am 2. April gab Abg. Hülser vom Christlich=sozialen Volksdienst folgende Erklärung ab: Im Namen der Reichstagsmitglieder der Volkskonservativen Vereinigung und des Christlich=sozialen Volksdienstes habe ich folgende Erklärung abzugeben: Die neue Reichsregterung ist nach ihrer eigenen Erklärung aus dem Wunsche des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg entstanden, um nach den schweren volitischen Kämpfen der letzten Monate dem Werke des inneren Ausgleichs und des wirtschaftlichen Aufbaues zu dienen. Wir begrüßen diese Erklärung der Reichsregierung. Sie stimmt mit den Auffassungen überein, die unsere Gruppen dem Herrn Reichspräsidenten alsbald nach seiner Botschaft vom 13. März als Ausdruck unserer Dankbarkeit, Treue und Ehrfurcht übermittelt haben. Wir haben bei diesem Anlaß dem Herrn Reichspräsidenten unsere Gefolgschaft in diesem Ringen um den inneren Ausgleich zugesichert, diese Haltung bestimmt auch unsere Einstellung zur neuen Reichsregierung. Wir begrüßen es weiter, daß der Herr Reichskanzler in den ersten Sätzen seiner gestrigen Erklärung eine koalttionsmäßige Gebundenheit der neuen Regierung ausdrücklich abgelehnt hat. Wir sehen darin deshalb einen Fortschritt, weil nach unserer Ueberzeugung der Weg zur inneren Einigung der Nation nur durch Ueberwindung des überwuchernden und dadurch schließlich zersetzend wirkenden Parteigeistes freigemacht werden kann. Die Regierungserklärung beschränkt sich auf die Festlegung dreier großer wirtschaftlicher Ziele: Sanierung der Finanz= und Kassenlage, Rettung der bedrohten Landwirtschaft und Hilfe für den schwer ringenden Osten. Wir erwarten, daß die Finanz= und Kassensanierung nicht in einseitig fiskalisch=bürokratischem Geiste durchgeführt wird. Gerade der Gesetzgeber auf finanziellem Gebiet muß sich gegenwärtig halten, daß unsere Volkswirtschaft in allen ihren Zweigen sich in schwerster Notlage befindet, und daß nur schonungsvolle Behandlung der Wirtschaft ernste Krisen von der Gesamtheit des deutschen Volkes fernhalten kann. Wir sehen es nicht als Aufgabe staatlicher Finanzpolitik an, sich in den Dienst der Interessen des einzelnen Kapitalbesitzers zu stellen. Kapital und Besitz enthalten eine ernste Verpflichtung gegenüber der Gesamtheit. Neubildung von Kapital und Heranziehung fvemden Betriebskapitals sind notwendig zur Schaffung von Arbeitsgelegenheiten. Diejenige Finanz= und Wirtschaftspolitik, die zugleich den Erfordernissen einer von nationalem Gemeinschaftsbewußtsein und christlicher Nächstenliebe getragenen Sozialpolitik am meisten gerecht wird! Wir anerkennen die Notwendigkeit, dem besonders bedrohten deutschen Nährstande schnelle und wirksame Hilfe zu leisten. Ein zufriedener und seßhafter deutscher Bauernstand wird immer die sicherste Grundlage organischer Staatsgestaltung und zielklarer Staatspolitik sein. Nur ein gesundes Landvolk als Gegengewicht gegen die deutsche Volkskraft verzehrenden Großstädte bietet Gewähr für eine gesunde sittliche und physische Weiterentwicklung unseres Volkes. Diese sicheren Lebensgrundlagen sind dem deutschen Bauernstande heute weithin verloren gegangen. Sie wiederherzustellen, gebietet uns nicht nur die Rücksicht auf diesen wichtigen Berufsstand, sondern die Erkenntnis der Lebensnotwendigkeiten des deutschen Volkes und seiner Zukunft. In dem Willen, den außergewöhnlichen Nöten des deutschen Landvolkes mit außergewöhnlichen Mitteln entgegenzutreten, erblicken wir ein Tatbekenntnis zur Schicksalsverbundenheit aller deutschen Berufsstände. Wir erwarten aber auch, daß die gleiche Hilfsbereitschaft anderen Berufsständen und ihren besonderen Nöten gegenüber nicht vorenthalten wird. Hieraus ergeben sich Verpflichtungen, insbesondere gegenüber dem besitzlosen Arbeitnehmerstande, die bei allen Reformbemühungen an dem großen Werk der deutschen Sozialgesetzgebung niemals außer Acht gelassen werden dürfen. So sehen wir auch in dem furchtbaren Ausmaß der Arbeitslosigkeit ein grausames Geschick, von dem ein Teil unserer Volksgenossen betroffen worden ist. Aufgabe des ganzen Volkes muß es sein, dieses Geschick seiner Glieder mitzutragen. Die Lasten der Arbeitslosenversorgung und der notwendigen außergewöhnlichen Anstrengungen zur Ueberwindung der Arbeitslosigkeit müssen besonders won den noch leistungsfähigen und in ihrer Existenz gesicherten Volkskreisen freudig mitgetragen werden. Denn der Gedanke der Volksgemeinschaft kann nur Wurzeln im Herzen unseres Volkes schlagen, wenn er sich im praktischen Leben bewährt:„und im Unglück nun erst recht!" Wir billigen es, daß die geplanten Notstandsmaßnahmen sich in erster Linie dem deutschen Osten zuwenden sollen. Staats=, volks= und wirtschaftspolitischbefindet sich unser Volk in seiner durch widernatürliche und unmögliche Grenzen zerrissenen Ostmark im schwersten Abwehrkampf. Die ins Auge gefaßten Notmaßnahmen sind nicht dazu bestimmt, den jetzigen Zustand der Ostmark zu verewigen, sondern das deutsche Schicksalsland im Osten und seine Menschen fähig zu machen, im großen Zukunftsvingen um die Lebensfragen des deutschen Volkes im Osten feste Basis und freudige Vorkämpfer zu werden. Wir erwarten deshalb, daß das von der Regierung geplante Ostprogramm sich nicht in gelegentliche Einzelhilfen zur Abstellung dieser oder jener gegenwärtigen Notlage verzettelt. Die Einheit des organischen Aufbaues und der organisatorischen Durchführung wird von uns unbedingt gefordert werden. Wir wollen unter diesem Gesichtspunkt nicht nur den heute im deutschen Osten wohnenden Menschen Lebens= und Verdienstmöglichkeiten wiedergeben, sondern die Voraussetzungen dafür schaffen, daß die große Zahl der heimatlos gewordenen Deutschen hier im Osten wieder Heimat und Arbeit finden kann. Darum muß einer planmäßigen Bauern= und Landarbeiter=Siedlungspolitik im Rahmen des Ostprogramms eine besondere Bedeutung zugemessen werden. Die künftige Arbeit am deutschen Osten darf sich unter diesen großen Gesichtspunkten nicht in wirtschaftlichen Maßnahmen erschöpfen, sie muß vielmehr im tiefsten und besten Sinn deutsche Kultur= und Heimatpolitik sein. Wir verstehen es, daß die Reichsregierung, die uns versprochen hat, nicht zu reden, sondern zu handeln, sich in diesem Augenblick in ihrer Erklärung auf ein kurzfvistiges Notprogramm beschränkt hat, das ja zudem Fragen von einschneidenster Bedeutung enthält. Wir erwarten aber auf das Bestimmteste, daß eine solche, aus der gegenwärtigen Zwangslage erklärliche Selbstbeschränkung nicht einen Verzicht auf die Arbeit an anderen großen Lebensfragen von Volk und Vaterland darstellt. Jede einseitige Wirtschaftspolitik ist auf die Dauer zur Erfolglosigkeit verurteilt, wenn sie nicht in Planung und Ausführung von jenen letzten religiösen und sittlichen Kräften erfüllt ist, die allein uns Aussicht auf Ersolg im Ringen um Deutschlands Zukunft geben. Ein Aufstieg aus der Tiefe wird sich nur dann einstellen, wenn es sich auf die unvergänglichen Lebensquellen des christlichen Glaubens besinnt, wenn es den Mut zum Bekenntnis findet und die göttlichen Sittengesetze wieder zum Maßstab seines Handelns macht. Wir hoffen, in dieser Einstellung mit der gegenwärtigen Reichsregierung übereinzustimmen. Mit tiefer Sorge sehen wir, daß großen Teilen unseres Volkes und leider auch der deutschen Jugend das Bewußtsein hierfür verloren gegangen ist. Wir erwarten, daß sie sich Maßnahmen zur Sicherung einer christlichen Jugenderziehung und zum sittlichen und sozialen Schutz des bedrohten deutschen Jungvolks nicht versagen wird. Die deutsche Familie und die deutsche Jugend sind kostbare Güter gerade in unserem arm gewordenen Volk. Sie im christlichen Geiste zu erhalten und zu fördern, sollte sich die Reichsregierung in jeder Hinsicht angelegen sein lassen. Der Ernst der Stunde gebietet uns, Kritik im Einzelnen und Sonderwünsche gegenwärtig zurückzustellen. Wir werden die Reichsregierung nach ihren Taten beurteilen. Sie wird dann Erfolg haben, wenn sie sich auch in der praktischen Arbeit freihält von koalitions= und parteipolitischen Verstrickungen, wenn sie sich immer als Trägerin der großen Gedanken des Herrn Reichspräsidenten fühlt und wenn sie vertraut auf die auch heute noch vorhandenen unverbrauchten Lebenskräfte unseres Volkes, die wir mit ihr im Schicksalskampf um unsere Zukunft wecken und einsetzen wollen.“ erkauft worden ist, Wenn auch die Einigungsverhang. ertaust worden in, Weny., abgeschlossen st lungen, dur Stunde, mng sch. gxlaupt daß Stunde noch richt aug.... ist doch kein Zweifer yr daran ertaurt. die Flottenmächte den franzosischen Sicherheitsforderungen Zugeständnisse machen werden. Wenn man die Verhandlungen über die neuen Sicherheitsformeln verstehen will, muß man sich daran erinnern, daß über den Artikel 16 des Völkerbundsbartes 9. B. ein beszezner“estiminungen entbrannt die Auslegung ferigrnsicht immungeine Pptscheit wvor. Nach fronzüsyözrates in der Frage des„Andung des Völkerbundsrates in der Frag. ers„AnZusammenschluß des Christlich=sozialen Volksdienstes im Rheinland. Der bei den letzten Kommunalwahlen in Preußen stark hervorgetretene Christliche Volksdienst und die Christlich=soziale Reichsvereinigung, welche Ende vorigen Jahres eine gemeinsame Reichsleitung gebildet hatten und mit einem Aufruf an das deutsche evangelische Christenvolk hervorgetreten waren, haben nunmehr ihren Zusammenschluß zum„Christlich=sozialen Volksdienst“ auch im Rheinland vollzogen. In den rheinischen Landesvorstand wurden gewählt die Herren: Verwaltungsobersekretär Waffenschmidt Düsseldorf (1. Vorsitzender), Gewerkschaftssekretär Dudey=Duisburg (2. Vorsitzender), Kaufmann P. Rudersdorf=Düsseldorf. Geschäftsführerin Grave=Essen, Lehrer Dietrich=Rheinhausen, Mittelschullehrer Rudolph=Essen, Prediger Bormann=Rheydt, Eisenbahnwagenmeister Drinhaus=Vohwinkel, Geschäftsführer Dr. Funke=Köln, Kaufmann Grünhagen=Köln, Pfarrer Kruse=Waldbröl, Rektor Ley=Mülheim=Speldorf, Pfarrer Schindelin=Duisburg=Wedau. Als Provinziallandtagsabgeordnete treten hinzu die Herren: Studiendirektor Dr. Avemarie=Neukirchen, Oberingenieur Hennes=Elberfeld, Arbeitersekretär Lohmeyer=Duisburg und Kaufmann A. Rudersdorf=Düsseldorf. Die Parole des Christlich=sozialen Volksdienstes lautet: Die Kräfte des Evangeliums im öffentlichen Leben wirksam werden zu lassen zum Dienst am deutschen Volke. Auromärische Kriegshirfe. Einigung in London? — London, 4. April. Die für den heutigen Freitag einberufene neue Vollversammlung der Flottenkonferenz, die eine Art Liquidation der Fünf=Mächte=Konferenz bringen sollte, ist vertagt worden. Eine neue Sitzung wurde für Ende nächster Woche in Aussicht genommen; in der Hoffnung, daß dann doch noch ein allgemeiner Vertrag abgeschlossen werden kann. Die Aussichten dafür sind nicht ungünstig.... hun: Eedmtent Sicher eine überraschende Wendung, bevenlei sie doch die Rettung der Konferenz! Im Brennpunkt des Interesses steht jetzt die Frage nach den Opfern, mit denen dieses Ergebnis dung des Völkerbundsrates in der#g. des.„ greifers“ England automatisch zum Eintritt in den Krieg, oder zur Teilnahme an Sanktionen, während nach englischer Ansicht die Entscheidung unter allen Umständen dem englischen Parlament vorbehalten bleiDie einzige Ausnahme, die England bisher Frankreich zugestand, betrifft die deutsch=französische Grenze, die Chamberlain für so wichtig hielt, daß er England bei ihrer Verletzung das Risiko eines automatischen Eintritts in den Krieg aufbürdete. Nach der neuen Sicherheitsformel, die gegenwärtig von den englischen und französischen Juristen noch ausgefeilt wird, gilt in Zukunft folgende Regelung: Wenn ein Land, das den Kriegsächtungspakt unterzeichnet hat, einen anderen Unterzeichner mit Krieg bedroht, treten die Unterzeichner des Kriegsächtungspakts und des neuen„Konsultativvertrags zu einer Beratung zusammen, um Maßnahmen zur Verhinderung des drohenden Krieges zu treffen. Gelingt es nicht, den Konflikt friedlich beizulegen, dann soll die Konsultativ=Konferenz entscheiden, welche Macht den Kriegsächtungspakt„verletzt“ hat. Ist der Verletzer in der amerikanischen Zone, so werden die Vereinigten Staaten sich auf Grund der Monroe=Doktrin das Recht vorbehalten, geeignete Maßnahmen wirtschaftlicher oder militärischer Natur zu ergreifen. Befindet sich das„aggressive“ Land in der europäischen oder asiatischen Zone, so werden die Vereinigten Staaten wahrscheinlich ihr Desinteressement an militärischen Sanktionen erklären und sich mit einer moralischen oder wirtschaftlichen Boykotterklärung begnügen Zugleich wird den anderen Teilnehmern der Konsultationskonferenz nahegelegt werden, im Völkerbundsrat Sanktionen gegen den„Uebeltäter“ zu beschließen. Bisher nahm nun England auch der Entscheidung des Völkerbundsrates gegenüber für sich in Anspruch, daß das letzte Wort über Englands Teilnahme oder Nichtteilnahme an Kriegen oder Sanktionen dem Parlament zusteht. Nach den neuen Vereinbarungen dagegen will England auf den Appell an das Unterhaus verzichten, wenn der Völkerbundsrat einstimmig — also mit Zustimmung des englischen Vertreters— sein„Urteil“ gefällt hat. In diesem Falle wäre also England automatisch zur Kriegshilfe verpflichtet, gleichgültig, wo der Konflikt spielt! Die Gründe, die Macdonald dazu veranlaßt haben, einer solchen Erweiterung zuzustimmen, liegen einmal darin, die Flottenkonferenz zu retten, zum andern scheinen Franzosen und Japaner England gewisse Gegenleistungen zugesagt zu haben, des Inhalts, daß im Falle eines„unprovozierten“ englischrussischen oder englisch=chinesischen Konflikts auch Japan und Frankreich zur automatischen Mitwirkung an Sanktionen bereit sind! Nun handelt es sich darum, ob Frankreich diese immerhin wertvollen Zugeständnisse für ausreichend hält, um danach zu der Herabsetzung seiner Tonnageforderung bereit zu sein. die notwendia ist, wenn ein allgemeiner Vertrag über die Begrenzung der rustungen unterzeichnet, werden solt. Tardien scheint ustungen unterzeichnet, werden. Tardien scheint unachst mit dem Erreichten noch nicht zufrieden z sein, sondern noch mehr herausholen zu wollen. Ferner kommt es nun auf die Haltung Italiens an. Bi. verlautet, sol! Italien dadurch gewonnen werden, das man ihm eine neue Konferenz über die Regelung der politischen und wirtschaftlichen Streitfragen, die das Verhältnis Frankreichs zu Italien immer wieder traß, „„ ten, in Aussicht stellt. Wenn somit ein endgültiges Urteil über die letzt, Entwicklung in London noch nicht gefällt werden kann so zeigen doch schon heute die in Aussicht genommenen „automatischen“ Regelungen, daß auf dem beschrittenen Beunrugigung in die Welt getragen Wege nur neue wir Einigung zwischen England, Amerika und Japan. London, 3. April. In den Donnerstagverhandlungen zwischen den Vertretern der drei Flottenhauptmächte England, Amerika und Japan ist eine völlige Einigung über den Abschluß eines Drei=Mächte=Vertrages auf der Grundlage der zwischen Amerika und Japan erfolgten Verständigung erzielt worden. Nach privaten Mitteilun, gen sollen Japan gewisse politische Zugeständnisse im fernen Osten, besonders bei der Abgrenzung der dortigen Interessengebiete der drei Mächte gemacht worden sein Kriegs=Enthüllungen. Veröffentlichung der Erinnerungen Lord Carnocks.— Grey erneut belastet. — London, 4. April. Der ehemalige britische Botschaftsrat in Berlin und jetzige diplomatische Mitarbeiter des„Evening Standard, Harald Nicolson, veröffentlicht jetzt die Erinnerungen seines Vaters, des Lord Carnocks, der unter dem Namen Sir Arthur Nicolson, als britischer Botschaftsrat in Petersburg und später als Unterstaatssekretär im englischen Auswärtigen Amt unter Grey eine bedeutsame Rolle spielte. Kennzeichnend für die sensationelle Natur des Buches ist, daß bisher nur das Blatt der Arbeiterpartei, der„Daily Herald“, Auszüge aus den Erinnerungen zu bringen wagt. Und in der Tat enthält das soeben erschienene Buch Dokumente, durch die die Vorkriegspolitik Greys erneut schwer belastet und die Verantwortung für die Ereignisse und Stimmungen, die zum Weltkrieg führten, sehr stark zu Ungunsten des damaligen englischen Kabinetts verschoben wird. Die von Nicolson veröffentlichten Schriftstücke machen endgültig der Legende von dem wegen der Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland erfolgten Eintritt Englands in den Krieg ein Ende und beweisen klar und bündig, daß England gemeinsam mit Frankreich noch im Jahre 1913 einen Plan aufgestellt hatte, selbst über die belgische Grenze zu marschieren, um der deutschen Armee in die Flanke zu fallen. Auf Grund der Veröffentlichungen Nicolsons kann jetzt gesagt werden, daß die erste eigentliche kriegerische Handlung im Juli 1914 darin bestand, daß lange vor der von Deutschland angekündigten Besetzung Belgiens, Grey die englische Flotte Frankreich zur Verfügung stellte! Auf Grund der Kenntnis, daß England für Belgien optierte, leisteten dann die Regierungen in Paris und Petersburg allen Vermittlungs= Die Weißkreuztagung unseres deutschen Frauen= und Mädchenbundes für sittliche Reinheit vom 13. bis 26. März 1930. Unsere diesjährige Tagung trug ein besonders ernstes Gepräge. Die Schwere der Zeit, das sich in unserem Volk immer gewaltiger regende Geheimnis der Bosheit, hielt auch unsere Herzen in tiefer Beugung vor Gott. Noch können wir arbeiten. Aber wie bald können die Türen verschlossen werden! An dem Bilde Nehemias lernten wir heilige Trauer, einste Tat, festeste Einigkeit, um das Werk Gottes fruchtbar in Gotteskraft treiben zu können. Die Begrüßungsansprache von unserer Vorsitzenden, Frau Pastor Urbschat, die Begrüßung der Leiterin der Geschäftsstelle, Frau v. Dobbeler mit anschließendem Arbeitsbericht, der ein feines Bild über die in Geschäftsstelle und Reisedienst geleistete Arbeit gab, und die Grüße unserer lieben, aus den verschiedenen Teilen des Reiches herbeigeeilten Gäste, bildeten den Auftakt unserer Tagung. Dann wurden wir durch die einzelnen Referate in unsre wichtigen Aufgaben im Weinberg des Herrn geführt. Herr Pastor Thieme gab uns in seinem Referat „Zerrissene Mauern“ einen Ueberblick über den immer mehr in Deutschland Eingang findenden Geist des Bolschewismus. Wir leben in einem neutralen Staat, der in einen antichristlichen Staat übergehen wird. Welche ernste Verantwortung trägt das Volk Gottes, es muß bereit sein zu heiligem Dienst in unserem deutschen Volksleben. „Kommt, laßt uns bauen!" Dieses Doppelreferat von Frau v. Gordon und Frl. Uszczek gehalten, führte in die Tiefe des Selbstgerichts vor Gott. Mauerbau ist nur möglich, wo das Heiligtum in Herz und Leben der Mägde Christi unversehrt und ungebrochen dasteht.„Schließt die Reih'“, ein Aufruf zu einiger, tatkräftiger Arbeit, den Frau Reinhardt uns gab, brachte die starke Anregung zur Bildung von Gebetsgruppen in Berlin und im Reich, denn nur betend vermögen wir unserem Volk wirklich fruchtbar zu dienen. Frau Hasselblatt zeigte uns das„göttliche Sittengesetz“ in seiner zu sittlicher Höhe führenden Kraft und die Not und Sünde des Sexuallebens, losgelöst von diesem Gesetz. Aussprachen und Gebetsvereinigungen vertieften den Segen der in den Referaten uns gegebenen wichtigen Gedanken. Auch die Arbeitsberichte aus der Mitternachtsmission, aus Jugendarbeit und Heimarbeit gaben wertvolle Einblicke und wertvolle Anregungen für den Dienst. Am Sonntag hatten wir eine schöne Feier zum Gedenken an das 10=jährige Erscheinen der Zeitschrift unseres Bundes, welches zugleich den Aufschwung unserer Bundesarbeit bedeutete(Gründung im Jahre 1911), das erste Jahresfest, das unser Bund öffentlich seiern durfte. Im Festgottesdienst erinnerte uns Herr Pfarrer Dannenbaum in seiner Predigt an den Ernst des Tages. Volkstrauertag, Passionszeit. Gott chat geredet, Ihm wollen wir die Ehre geben und in heiliger Trauer unseres Volkes Not und Sünde im Gebet vor Gott tragen und in treuem Dienst am Volk, soweit wir es als schwache Frauen können, helfen, daß es besser werde. Anschließend an den Gottesdienst hatten wir eine Abendmahlsfeier und Gebetsgemeinschaft, anläßlich unseres Jahresgebetstages, der auch tagte, in der wir alles, was uns für unseren Dienst bewegte, ans Herz Gottes legten. Nachmittags um 4 Uhr begann unser frohes Bundesfest— Familienfest im gr. Saal des Stadtmissionshauses. Gegen 700 Gäste hörten mit Freude und Interesse die Darbietungen in Gesang, Deklamationen und Wort Gottes. In lieblichen Gedichten wurde uns das Bundesleben der vergangenen 10 Jahre vorgeführt: Geschäftsstelle, Blätter, Reisedienst usw. Segen Gottes überall.— Herr Pastor Raeder zeigte uns an Hand von Lukas 5, 1 bis 12 die Wichtigkeit des stillen Umgangs mit Gott in der Morgenfrühe, des mutigen Arbeitens im Auftrag Gottes, der inneren Durchrichtung und göttlichen Ausrüstung. Mit tiefer dankbarer Freude blicken wir auf unser wohlgelungenes Fest. Im Anschluß an Kursus und Bundesfest fand dann unsere Sittlichkeitswoche statt, in der unsere Rednerinnen in den verschiedenen Teilen Berlins mit 16 Vorträgen in Aulen und Gemeinschaftssälen dienten, um Frauen und Mädchen zu helfen, durch die Erlösung Christi ein Leben der Reinheit und Freude zu führen, mutig sich zu stellen gegen den Strom der Sünde. Mutige Frauen, reine Frauen, an Christus gebunden, vermögen durch Wort und Wandel einen Segenseinfluß auszuüben, nicht nur in der Frauenwelt, sondern auch in der Männerwelt. Am Mittwoch, den 26. März, abends 8 Uhr, fand im Lehrervereinshaus Alexanderplatz eine große Kundgebung von Frauen für Frauen statt. Im großen Festsaal versammelten sich gegen 900 Frauen und Mädchen und lauschten in großer Aufmerksamkeit und Stille den Ausführungen der beiden Rederinnen, Frau D. o. Tiling und Frau Dora Hasselblatt, die über das Thema:„Alte Moral und neue Freiheit“ sprachen.— Wer sich für die wichtige Arbeit unseres Bundes interessiert, kann die Satzungen unentgeltlich erhalten von der Geschäftsstelle: Frau M. von Dobbeler, Potsdam, Dorotheenstraße 7 Wieviel verkommt tagein, tagaus? Ein guter Freund und Mitarbeiter des„Aufwärte" bat um Aufnahme des folgenden Aufrufs: Es gehört beinahe Mut dazu, heute jemand um etwas zu bitten. Die Evangelisch Frauenhilfe Ems=Ost tut es aber. Denn sie weiß, wozu sie bittet und um was sie bittet. Nicht um Geld. Aber um Dinge, die achtlos beiseite gelegt oder zum mindesten nicht groß geachtet werden. Sie hat im Rahmen der ihret Arbeit in unmittelbarem Dienst geltenden Brockensammlung eine Markenstelle geschaffen, eine Verwertungzentrale für Briefmarken aus aller Herren Länder. Dei volle Ertrag dieser Markenstelle soll ihr helfen, Bausteine zu schaffen für ihr evangelisches Werk. Auch aus vielen kleinen Steinen lassen sich Häuser bauen. Selbst aus Steinchen aus Papier. Verzettelt gelten sie nichts. einer Stelle gesammelt, ergänzen sie einander un werden zum Wert. In Frage kommen Briefmarken jeder Art, gestem pelt und ungestempelt von allen Ländern. Wünschenwert sind dabei namentlich die mit höherer Wertangabe, als für gewöhnliche Briese und Postkarten nötig sit0 ganz besonders aber alte Marken von früher(1900), sich auf alten Briefschaften unter aufgehobener spodenz befinden oder in einstigen Sammlungen, die“ mehr fortgeführt werden. Gelegenheit zum Sammeln bietet sich durch prüfung von alten Briefschaften oder von Papierkorbe“ in Geschäfts= und Bürobetrieben. Insbesondere durch Mithilfe von Verwandten im Ausland, die Arbeit zu interessieren sind, und durch Stiftung ein nicht mehr geachteter Markensammlungen. Zur Behandlung der Marken ist noch 3° bznzße daß sie nicht zerschnitten werden dürfen. Also entweder mit genügend breitem Rand(etwa 1 cw) kgh, herum auszuschneiden, oder aber in einem Wassero zulösen. Marken, die verletzt sind, haben keinen mehr. Sortiert brauchen sie nicht zu werden. Um die freundliche Uebersendung so gesammeller? ken bittet mit herzlichem Dank im voraue#., Emzchl Markenstelle der Evangelischen Frauenhilfe Eicherstift. vorschlägen der gischen Widerstat Wie sehr: den Franzosen: die Entscheidung haben, geht da Zugeständgig an auf den Tisch hasse doch den Uebrigens Auseinandersetzt gen sein, in der ob denn das W verschwunden se Beschlüsse des Präsidium deutschen Indust heimrats Dr. 2 und Handelspol Deutschland nu die Notwendigk den Schutz der rücksichtige. Die schaft müsse u. derung von tech gung zu verbill führung von Re Zu der gebei der Reichst die eine Erhöh nicht erträgliche Der Reichsw Der Arbei schaftsrats hat Reichsregierung schenk des Händ Zugabewesen 1 betrachtend, ist Verwilderung gesetzgeberische auf diesem Gel die mit der 8# erregung meist bei der Anscha wirtschaftsrat d wert ist dabei schaftsrat die das Mittel der kommen, als m unmöglich, an wickelten Richt! Verletzung der lauteren Wettb schaftsrat schlät von Zugaben, lich bezeichnet maßnahmen geg Der Arb Beginn der Oft Vor Begi Landtages bese Arbeitsplan de schluß des Gen Gesetze über di und Trier be 5. Mai einen sollen nach der nen, die Somn uh Ab Ab minister fast un Hälfte erford tusmi tanen Landv licher ren und die A falles. (Ztr.) ein. der 9 die 9 versit setzte Dut tagte ing der Seeirdien scheint zufrieden zu Ferner ns an. Wie werden, daß Regelung der gen, die das wieder trüblber die letzte werden kann, genommenen beschrittenen Velt getragen ind Japan. verhandlungen tenhauptmächte blige Einigung trages auf der apan erfolgten iten Mitteiluneständnisse im ig der dortigen t worden sein. illungen. Carnocs.— 4. April. rat in Berlin des„Evening tlicht jetzt die Carnocks, der son, als brind später als wärtigen Amt lte. le Natur des der Arbeiterlus den Eriner Tat enthält ite, durch die r belastet und Stimmungen, zu Ungunsten rschoben wird. schriftstücke masegen der Verch Deutschland rieg ein Ende igland gemein13 einen Plan che Grenze zu die Flanke zu Nicolsons kann itliche kriegeriand, daß lange Besetzung Belreich zur Vernis, daß Enginn die RegieVermittlungs= ndes interen von der sam, Dorotagaus? des„AAusmärte fs: verschlägen der letzten Tage vor Kriegsausbruch energischen Widerstand. Wie sehr sich Grey selbst bewußt war, mit der den Franzosen in Aussicht gestellten Flottenhilfe schon die Entscheidung über Krieg und Frieden gefällt zu haben, geht daraus hervor, daß Grey nach seinem Zugeständnis an Frankreich wiederholt mit der Faust auf den Tisch schlug und dabei äußerte:„Aber ich hasse doch den Krieg, aber ich hasse doch den Krieg!“ uebrigens soll dieser Entscheidung eine erregte Auseinandersetzung Greys mit Cambon voraufgegangen sein, in der Cambon die Frage an Grey richtete, ab denn das Wort Ehre aus dem englischen Lexikon verschwunden sei. Tagung der Industrie. Beschlüsse des Vorstandes des Reichsverbandes der Industrie, Präsidium und Vorstand des Reichsverbandes der deutschen Industrie verhandelten unter Vorsitz des Geheimrats Dr. Duisberg über Fragen der Wirtschaftsund Handelspolitik wobei zum Ausdruck kam, daß für Deutschland nur eine Handelspolitik möglich sei, die die Notwendigkeit der Erweiterung der Ausfuhr und den Schutz der inländischen Erzeugung gleichmäßig berücksichtige. Die katastrophale Notlage der Landwirtschaft müsse u. a. bekämpft werden durch die Förderung von technischen Verbesserungen, um die Eczeugung zu verbilligen und zu verbessern, und die Durchführung von Reformen in der Absatzorganisation. Zu der geplanten Neuordnung der Stückguttarife bei der Reichsbahn wurde eine Entschließung gefaßt, die eine Erhöhung der Wagenladungstarife als eine nicht erträgliche Neubelastung der Wirtschaft bezeichnet. Das„Geschenk des Händlers“ Der Reichswirtschaftsrat gegen das Zugabewesen. Der Arbeitsausschuß des Vorläufigen Reichswirtschaftsrats hat seine Beratungen über das von der Reichsregierung angeforderte Gutachten über das„Geschenk des Händlers“— die Zugaben— beendet. Das Zugabewesen vom volkswirtschaftlichen Gesichtspunkt betrachtend, ist er zu der Feststellung gelangt, daß eine Verwilderung im Wettbewerbskampf eingetreten und gesetzgeberische Maßnahmen notwendig sind, um den auf diesem Gebiet zu beobachtenden Mißständen entgegenzutreten. An Hand der Tatsache, daß vor allem die mit der Zugabereklame herbeigeführte Irrtumserregung meist sehr viel schwerer nachweisbar sei als bei der Anschauungsreklame, befürwortet der Reichswirtschaftsrat den Erlaß eines Verbots. Bemerkenswert ist dabei die Feststellung, daß der Reichswirtschaftsrat die Bemühungen des Reichsgerichts, durch das Mittel der Gesetzesauslegung dem Unwesen beizukommen, als mißlungen ansieht. Es sei in der Regel unmöglich, an Hand der von dem Reichsgericht entwickelten Richtlinien den schlüssigen Beweis für die Verletzung der Vorschriften des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb zu erbringen. Der Reichswirtschaftsrat schlägt daher ein Verbot der Ankündigung von Zugaben, In denen die„Geschenke“ als unentgeltlich bezeichnet werden, vor, und verlangt Restriktivmaßnahmen gegen die Prämiengeschäfte. Der Arbeitsplan des Landtags. Geginn der Osterferien nach Beendigung der Beratung des Kultusetats. — Berlin, den 3. April 1930. Vor Beginn der heutigen Sitzung des Preußischen Landtages beschäftigte sich der Aeltestenrat mit dem Arbeitsplan des Parlaments. Gebilligt wurde der Beschluß des Gemeindeausschusses, zur Vorbereitung der Gesetze über die Erweiterung der Stadtkreise Bielefeld und Trier beiden Städten in der Zeit vom 2. bis 5. Mai einen Besuch abzustatten. Die Osterferien sollen nach der zweiten Lesung des Kultusetats beginnen, die Sommerferien am 5. Mai. * In Fortsetzung der Aussprache zum Kultusetat setzte 10 Abg. Kerft(Komm.) für die weltlichen Schulen ein. Abg. Beuermann(D. Vp.) meinte, der neue Kultusminister habe die Probleme der Volksschulentwickelung fast unberührt vorgefunden. Noch immer gehöre fast die gründ erfordern. Abg. Hoff(Dem.) wandte sich gegen die Auswüchse des Berechtigungswesens. Der Name des früheren Kul(usministers Becker werde immer mit der Neugestaltung der Lehrerbildung verknüpft sein, die einen Schritt vom Untertanenstaat zum Volksstaat bedeute. „ Abg. Müller=Isernhagen(Christl.=Nat. Bauern= u. Landv.=Part.) wandte sich gegen die Benachteiligung ländsicher Volksschulen gegenüber den städtischen. In der sich anschließenden Aussprache über die höheken Lehranstalten erstatteten die Abgg. Oelze #nd Dr. Wegscheider(Soz.) Bericht über die Ausschußeerhandlungen. Abg. Dr. Schuster(D. Vp.) berichtete über die Ausschußberatungen wegen des Goslarer Schulzwischensalles. Abg. Dr. Weisemann(Dutl.) sah in der Republianisierung der Schulen eine Gefahr. Abg. Frau Wronka Hir.) setzte sich für die Herabsetzung der Klassenfrequenz Ein. Abg. Frau Thöne(D. Vp.) lehnte die Abschaffung der Reifeprüfungen ab. Abg. Dr. Bohner(Dem.) betonte die Rowendigkett einer engeren Fühlung zwischen, Unt, versität und höherer Schule. Abg. Prelle(Dt. seiste sich für das humanistische Gymnasium ein. Nach weiterer Debatte, in der Abg. Dr. Hoffmann noch das Kapitel„Universitäten“ behandelte, verlegte der Landtag die Weiterberatung auf Freitag. Neichsbankpräsidentenwechsel vollzogen. siz. Der vom Generalrat neugewählte Reichsbankpräund“ Luther hat nunmehr sein Amt angetreten die Führung der Reichsbank übernommen. Die Dr.;###s erfolgte durch den bisherigen Präsidenten gachr. Von dem ursprünglich in Aussicht genommenen feierlichen Akt wurde abgesehen. „„• argerchnt. Das Hindenburg=Kabinett an der Arbeit. Mit 253 gegen 187 Stimmen.— Deutschnationale Stimmabgabe für die Regierung.— Agrargesetze noch vor Ostern. — Berlin, den 3. April 1930. Der Reichstag führte heute die Aussprache über die Kanzler=Erklärung zum Abschluß und stimmte dann über die von den Sozialdemokraten und Kommunisten eingebrachten Mißtrauensanträge ab. Die Auszählung ergab die Ablehnung der Mißtrauensanträge mit 253 Stimmen der Regierungsparteien und der Deutschnationalen Volkspartei gegen 187 Stimmen der Cozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten. Die Sensation war aber nicht die Abstimmung selbst, sondern der zu Beginn der Sitzung bekanntgewordene Beschluß der deutschnationalen Fraktion, geschlossen gegen die Mißtrauensanträge zu stimmen. Auf Grund des Verlaufs der gestrigen Fraktionssitzung erwartete man heute allgemein die Unterstützung der Mißtrauensanträge durch die Deutschnationalen und dementsprechend die Auflösung des Reichstags. Der entscheidenden Wendung war eine Unterredung des Reichsernährungsministers Schiele mit dem deutschnationalen Fraktionsführer Dr. Oberfohren voraufgegangen, in der Minister Schiele die Verabschiedung der Landwirtschaftsgesetze noch bis zum 12. April zugesagt hatte. Dr. Oberfohren erwiderte darauf, damit sei eine neue Lage für die Fraktion geschaffen. In der sich anschließenden Fraktionssitzung wurde dann auch die Ablehnung der Mißtrauensanträge beschlossen. Wie in politischen Kreisen verlautet, sollen sich auch die Stahlhelmführer Seldte und Düsterberg auf Anfrage Hugenbergs für die Unterstützung der Regierung Brüning ausgesprochen haben. Die Stimmung in der deutschnationalen Fraktion wurde gekennzeichnet durch eine Probeabstimmung, bei der sich 27 Abgeordnete für und 19 gegen die Regierung ausgesprochen hatten; sechs Abgeordnete hatten sich der Stimme enthalten, 12 fehlten. Nach der Plenarsitzung trat das Reichskabinett unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zu einer Besprechung zusammen, in der u. a. über die Reihenfolge der dem Reichstag vorzulegenden Gesetze und die Bedeutung des Abstimmungsergebnisses beraten wurde. Da Hugenberg in seiner Erklärung dem Kabinett ausdrücklich das Mißtrauen ausgesprochen, sich also nur den Zeitpunkt der Verwirklichung vorbehalten hat, ist die Spannung im Reichstag auch jetzt noch groß. Man hat vielleicht noch nie so deutlich wie heute die Anzeichen für das wahrscheinlich vorzeitige Ende dieses Reichstags gefühlt. * Als erster Redner nahm Graf Reventlow(Nat.=Soz.) das Wort, der ausführte, er sehe im neuen Kabinett„die alten Bekannten wieder, zu denen seine Partei kein Vertrauen habe". Die Kanzler=Erklärung sei sehr gewunden. Eine nationale Einigung könne nur auf der Grundlage einer Gesinnung erfolgen, die alle internationalen Tendenzen ablehne. Die Nationalsozialisten würden die Verteidiger des Youngplans auch in Zukunft aufs schärfste bekämpfen. Zum Schluß forderte Redner die Rückgängigmachung der von Severing gegen Thüringen eingeleiteten Maßnahmen. Nach längeren Ausführungen des Kommunisten Rädel erhob sich Reichskanzler Brüning zur Beantwortung der im Verlaufe der Debatte gestellten Fragen. Auf die Außenpolitik werde die Rerung bei dem in Kürze zu beratenden Etat des Auswärtigen Amtes ausgiebig eingehen. An die Beratung der agrarpolitischen Hilfsmaßnahmen sei die Reichsregierung sofort aus eigener Initiative und auf besonderen Auftrag des Reichspräsidenten herangegangen. Sie habe dabei das Programm des Ministers Schiele in den Kreis ihrer Beratungen hineingezogen. Die Reichsregierung werde noch im Laufe der nächsten Woche ihre gesetzgeberischen Vorschläge dem Reichstag unterbreiten.(Beifall bei den Regierungsparteien.) Das Programm der außerordentlichen Hilfe für die östlichen Gebiete werde gleichfalls in kürzester Frist dem Reichstag unterbreitet werden. Bezüglich der Fragen wegen der Haudelspolitik beziehe er sich auf die Erklärung der Reichsregierung und stelle fest, daß die notwendige Kontinnität der Haudelsvertragspolitik auch von der neuen Reichsregierung durchgeführt werden wird. Der Abgeordnete Dr. Breitscheid habe Besorgnisse wegen der Anwendung des Artikels 48 ausgesprochen. Die Reichsregierung, so erklärte der Kanzler, wird nach sorgfältigster Prüfung, wenn es überhaupt notwendig sein sollte, in jedem Einzelfall entscheiden, ob die verfassungsmäßigen und rechtlichen Voraussetzungen des Artikels 48 gegeben sind.(Gelächter bei den Kommunisten.) Ich habe meinen Standpunkt zu dieser Frage bereits in Köln ausgesprochen und festgestellt, daß von dem letzten Mittel der Versassung, dem Artikel 48, nur dann Gebrauch gemacht werden soll, wenn keine Hoffnung mehr besteht, daß das Parlament und die Parteien ihre Mission selbst erfüllen.(Erneutes Gelächter bei den Kommunisten.) Ob überhaupt die Anwendung des Artikels 48 notwendig ist, ist eine Entscheidung, die dieses hohe Haus in kurzer Zeit selbst zu fällen hat. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Als letzter Redner sprach Geheimrat Hugenberg, um die Haltung der Deutschnationalen zu begründen. Er erklärte, daß die deutschnationale Fraktion die Mißtrauensanträge gegen das Reichskabinett ablehnen werde. Dies geschehe im Hinblick auf die von der neuen Regierung mit starken Worten angekündigten Maßnahmen zum Schutz der schwer notleidenden Landwirtschaft der in ihrem Lasein als deutsche Gebiete gess“ Ostprovinzen. Für große Teile der jetzigen Regierungskoalition nicht in erster Linie die Rettung der Ostprovinzen und der Landwirtschaft Zweck und Ausgangspunkt der neuen Koalition gewesen, sondern die Zerschlagung der Deutschnationalen Volkspartei. Diese Hoffnungen seien enttäuscht worden. Die deutschnationale Fraktion sei sich einig, daß sie für diese Regierung und ihr Handeln nicht die mindeste Verantwortung trage. Sie sehe aber keine Veranlassung, dem Reichslandbund in den Arm zu fallen, wenn er die Verantwortung übernehmen wolle. Hucenberg übte dann im einzelnen an der Regierungserklärung Kritik und stellte fest, daß nach wie vor gegenüber den Absichten und der Zusammensetzung des neuen Kabinetts weitestgehendes Mißtrauen bestehe, das sich in erster Linie auf die Aufrechterhaltung der Koalition in Preußen gründe. Die Partei werde in dem ihr richtig erscheinenden Zeitpunkt die Folgerungen aus diesem Mißtrauen ziehen. Es folgten dann die oben wiedergegebenen Abstimmungen über die Mißtrauensanträge. Damit war die Sitzung zu Ende. Der Reichstag vertagte sich auf Freitag; auf der Tagesordnung steht die Beratung des Gaststättengesetzes. Reichsregierung und Agrargesetze. Berlin, 3. April. Wie wir soeben erfahren, wird die Reichsregierung bereits Freitag vormittag zur Beratung der geplanten Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft zusammentreten. Rundschau. — Nach einer soeben veröffentlichten amtlichen Statistik gab es am letzten Stichtag im Deutschen Reich 1039 853 Beamte und Angestellte. * :: General von der Goltz 7. In seiner Wohnung in Berlin=Steglitz starb General Conrad Freiherr von bei Tannenberg als Kommandeur der Landwehrdivision rühmlichst bekanntgeworden.— Um Verwechslungen vorzubeugen, sei darauf hingewiesen, daß es sich bei dem verstorbenen General von der Goltz nicht um den Baltikumführer und Vorsitzenden der Vaterländischen Verbände Generalmajor Graf von der Goltz handelt. Rundschau im Auslande. Flamisierung der Universität Gent. * Nach der Zustimmung der Kammer hat nunmehr auch der belgische Senat die Vorlage über die Flamisierung der Universität endgültig gebilligt, und zwar mit 111 gegen 14 Stimmen. 17 Senatoren enthielten sich stow. Die Chrißtenverfolgung in Rußland. der * Im englischen Oberhaus protestierte der von Canterburh gegen die Christenverso gungen in, Fzland. Er erklärte, ihm lägen Berichte vor, wonac, 1929., 395 Kirchen, 78 Klöster, 30 Synagogen und 38 Moscheen in Rußland geschlossen worden sind. Aus religiösen Gründen seien 71 Personen erschossen und 112 zu Gefängnis verurteilt worden. Lie„Revolution“ der Kinder. Zusammenbruch dos Berliner Schulstreiks. Die Kinder=Revolution in Berlin=Neukölln ist zusammengebrochen. Die Absicht der Kommunisten, die „Streikbewegung“ auf weitere Schulen auszudehnen, Sie haten die Gewegung nicht einmal Für die 31. und 32. Volksschule aufrechterhalten können, denn dort konnte am Tonnerstag wieder der normale Schulbetrieb ausgenommen werden. Die Polizei hatte am Morgen die bestreikten Schulen mit Mannschaften umstellt und sorgte durch besondere Streifen dafür, daß in den Nebenstraßen Eltern, die mit ihren Kindern zur Schule wollten, nicht belästigt wurden. Von der Polizei und der Schulverwaltung sind, um den Streik gänzlich zu erledigen, die schärfsten Maßnahmen beschlossen worden. Schon heute, sollen die Eltern, die die Kinder fernhalten, mit den höchsten Schulstrafen belegt werden, d. h. 25 Mark oder 14 Tage Haft. fliegt wieder. Die erste Werkstättenfahrt. Am Donnerstag hat das Luftschiff„Graf Zeppelin" nach einer Pause von 20 Wochen eine Werkstättenfahrt unternommen, die in allen Teilen vollauf befriedigte. * Zeppelinfahrt nach Afrika. Friedrichshafen, 4. April. Wie man von zuverlässiger Seite erfährt, beabsichtigt die Werftleitung des Luftschiffbaues mit„Graf Zeppelin" nach der Spanien= fahrt, also etwa um den 19. April, eine zweieinhalbtägige Fahrt nach Afrika auszuführen. Nähere Einzelheiten sind bis jetzt noch nicht bekannt. Schweres Explosionsunglück in einer amerikanischen Feuerwerksfabrik. — New York, 4. April. In der Fabrik für Feuerwerkskörper in Devon(Pennsylvania) ereignete sich aus unbekannter Ursache ein furchtbares Explosionsunglück. Fünfzehn Personen wurden getötet, 30 schwer verletzt. Die Explosion war in einem Umkreis von 150 Kilometern hörbar. Zahlreiche Billen in der Nachbarschaft der Fabrik sind schwer beschädigt worden. — Beim Absturz zweier französischer Flugzeuge wurden drei Personen getötet und eine schwer verletzt. Lokal= und Provinzialnachrichten. Bielefeld. Das Doppelquartett der Heilsarmee aus Hannover, das sich auf einer Konzerttour durch Mitteldeutschland befindet, wird auch Bietefeld besuchen. Das Doppelquartett und Männerquintett besteht aus zehn Mitgliedern, die für ihre musikalischen Leistungen keinerlei Bezahlung erhalten. Bei dem Konzert werden u. a. klassische Stücke von Haydn, Bach, Mozart usw. zum Vortrag gebracht. Das Konzert findet am Sonntag, den 6. April, um 16 Uhr in der Kapelle Herforder Straße 31 statt. Programme im Vorverkauf Herforder Straße 31 II und im Pförtnerhaus der Anstalt Bethel. Hausvater Hüttemann. Am Freitag, den 4. April, feiert der Hausvater der Herberge zur Heimat, Leiter der.=.=St. Herford, Herr Hüttemann, seinen 70. Geburtstag. Ueber 40 Jahre steht Hausvater Hüttemann im Dienste der Wandererfürsorge. Wieviel obdachlose, arbeitslose Wanderer sind in diesen 40 Jahren durch die Herberge hindurchgegangen und von ihm betreut worden! Wieviel Arbeitskraft und stille Treue ist in diesen vergangenen Jahrzehnten von diesem Hausvater der Herberge zur Heimat ausgegangen! Die Herforder Herberge zur Heimat ist dadurch weithin bekannt geworden, daß in ihr die Wiege des Arbeitsnachweises gestanden hat. Hausvater Hüttemann ist es gewesen, der mit großer Sachkunde lange vor Bestehen öffentlicher Arbeitsnachweise einen gut durchgearbeiteten Arbeitsnachweis gehabt hat. Der Arbeitsnachweis der Herberge zur Heimat in Herford ist oft von den Vertretern höchster Behörden besucht und als vorbildlich anerkannt worden. Neben den zahllosen Wanderern, denen die Herberge zur Heimat zum Segen geworden ist, gedenken der Vorstand des westfälischen Herbergsverbandes, der Herbergsvorstand von Herford und die Mitarbelter des Geburtstagskindes mit herzlichen Segenswünschen für seinen Feierabend. Wir wünschen dem Hausvater Hüttemann nach den Jahren rastlosen Wirkens einen gesegneten Feierabend. Frühling im Schwarzwald. Nicht wir laden ein, die wir im lieblichen Dreisamtal unsere Heimat haben, nein, wir fühlen uns selbst wie eingeladen von dem herrlichen erwachenden Frühling, tun ihm nur weit, weit die Fenster auf und den winterbleichen Stadtmenschen die Türen. Denn es will uns schier wie ein Unrecht vorkommen, soviel Schönheit, Erquickung u. Belebung allein zu genießen, ohne daß wir auch denen, die zwischen den Straßenmauern eingeengt leben müssen, Anteil an diesem Naturglück geben können. Denn erst wenn wir sehen, wie sie in der köstlichen Schwarzwaldluft aufatmen und in der Stille und Ungezwungenheit des Urlaubaufenthaltes aufleben, wird auch uns wohl zumut, und wir tun gern das unsere dazu als die Handlanger der großen Gottesnatur, daß auch die Kost den Gästen zusagt und ihr Aufenthalt nach ihrem Geschmack sich recht gemütlich, wie im Familienkreis gestaltet. Wer so mit uns den anbrechenden Frühling im sonnigen Schwarzwaldtal miterleben will, der sei uns herzlich auf dem„Markenhof“ willkommen. Unser Erholungsheim liegt still und geschützt nur 20 Minuten von Station Kirchzarten(Höllentalbahn) entfernt. Die Preise sind niedrig gehalten, um auch solchen Erholungsuchenden., Aufenthalt zu ermöglichen, die mit bescheidenem a# kommen rechnen müssen.— Alle Anfragen sind zu n4 ten an den Leiter des Heims, Pfarrer M. Jaeger. kenhof bei Kirchzarten, Bez. Freiburg i. B. Hinweis! Schön ist die Pracht, die da lockt im Garten warRosen blühen, da lacht die Welt! Die Herzen der Menschen lgn auf, wenn der Frühling kammt, jedoch besonders mehr Blumen im eigenen Garten blühen. Diese Freude können Sie haben, wenn Sie sich Rosen oder andere Gartenpfsan, von der Firma Horstmann u. Co., Baumschulen, Langelobe## horn 289 kommen lassen. Näheres siehe heutiges Inserat Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 6. April. Judika. Samstag, abends.10 Uhr Beichte und Abendmahl in Zia Pastor Jungblut. Sonntag, vorm. 8½ Uhr: Passionsgottesdlent Pastor Legtmeyer; 9 Uhr: Pastor Vischer; 10 Uhr: Pastor Noial, 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Jostor Passionsgottesdienste. Dienstag, abends 7½ Uhr: Tegtmeyer; Donnerstag, abends 7½ Uhr: Pastor TegtmenKirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 6. April 1930. 10 Uhr vorm. Konfirmation, Pastor Dahlmann; 1½ m, nachm. Kindergottesdienst; 5 Uhr nachm. Abendmahlsfeier die Konfirmierten und deren Angehörigen, Pastor Dahlmann Freitag, den 11. April 1930. 8 Uhr abends Passionsgottesdienst mit Abendmahlefeier Pastor Hopmann. Bethel. — Hühner einsperren! Es wird darauf aufmerksan gemacht, daß von jetzt an, nachdem mit der Bestellung der Gärten wieder begonnen ist, die Hühner eingespen gehalten werden müssen. Der Anstaltsvorstand. Erfinder einer außerordentlich wichtigen Neuerung des Eisenwarenh. D. R. P. a. sucht Verbindung mit entsch. christl. Persönlichkeit, welche entw. in der Lage ist, die Erfindung anzukaufen oder die fabrikationstechn. Herstellung des Massenartikels(aus Aluminium) sowie die Verwertung der Erfindung im In- und Auslande gegen 50%ige Beteiligung zu finanzieren. Angebote unt. A 6408 a. d. Geschäftsstelle d.„Aufwärts“ erbeten. Bäckerei Gütersloherstr. 393 Otto üreiner Konditorei Fernrut 5400 Rethoferte empfiehlt: fl. Butter-, Rodon- u. Sand-Kuchen, Div. Kleingebäck, Torten, Bunte Schüsseln, Kontitüren zu den billigsten Tagespreisen! feinste Schokoladen-Ostersachen. Eigene Herstellung. Ktlltllllllllltttll. de. Wedter Bielefeld, Gütersloherstraße 14 Fernsprecher 1012 Spezialabteilung für moderne Augenoptik haufte er noch heute eine Original Miele Waschmaschine K Mielewerke:G. GüterslohlWestfalen Grösste Woschmaschinenfabrik Deutschlands. Gährungslose und Traubenlätte alkoholfrei, naturrein, ohne jede Konservierung. Probekiste mit 12 Flaschen 4 Strauchheimer(Apfelsüßmost Auslese) 2 Trauben(rot) 2 Trauben(weiß) 2 Heidelbeer 2 Typ Burgunder einschließlich Flasche, Kiste und Verpackung 19.20 RM gegen Nachnahme oder Voreinsendung auf Postscheckkonto: Hannover 21365. Internationale alkoholtreie Industrie G. m. b.., Bückeburg. Bieleielder Musikinstrumenten-Fabrik ERNSTBA“D gegründet 1885 prämtiert mit Ehrendiplom und goldner Medaille liefert als Spezialität die von den = Posaunen-Chören= bevorzugten Hlügelhörner(System Kuhlo) sowie in bester Qualität auch alle anderen Blechinstrumente, empfohlen durch Pastor Kuhlo in seinen„Posaunentragen“.— Seite 20—26 — Katalos und Preisliste gratis. Zum 1. Mai suche ich ein zuverlässiges ji jüngeres Mädchen für Küche und Hausarbeit. Frau Dr. Wilmanns, Bethel=Bielefeld, Kantensiek 13 Der Vorsitzende eines Jünglingsvereins des Siegerlandes ht für einen Untersekundaner bestempfohlene Lehrstelle in einem christlichen Haus, Manufakturwaren oder gemischtem Geschäft. Angebote unter A 6407 an die Geschäftsstelle d. Bl. Die Anschaffung eine: Harmoniums jedem Musikfreund guter Hauzmusik möglich. Prospekt verlange man bei Erich Otto, Herford Instrumente der größten Harmoniumfabriken 544 S BIELEFELD Christl. Erholungshaus Elim in Oberndort b. Feudingen empfichlt sich zu den Osterferten zur Aufnahme von Gästen, die eine Ausspannung brauchen in der reinen, stärkenden Luft. Gelegenheit zum Wandern in den groben Wäldern. Mitglieder von christlichen Vereinen h ben in den Osterterten einc Ermäßigung. Beste Verpße. gung. Tägl. Andacht. Gut eingerichtete Zimmer. Anmeldungen an die Leitung erbeten. Wadlich epraste Schwester 54., beste Zeugn. über Pflege und Haushalt, möchte alleinst. älteren evang. christl. Herrn od. Dame mit Liebe und Sorgfalt pflegen. Off. erb. unter A 6406 an die Geschäftsstelle d. Blattes. 10 Rosen 3,50 I. d. schönst. Sorten sortiert u. pflenzfert m. Namen u. Farbbez. Nur kräft. Pflanzen. jetzt beste Pflanzzelt. 1929 über 1000 Nachbest. zufried. Kunden. Unsere Rosen blühen noch in diesem Johre unermüdl, bis tief in d. Herbst. Garantie f. tadellose Ankunft. erien zur Zeit der herrlichen Alpenblumenblüte im Hasllberghaus zu Goldern im Berner Oberland an schönster sonniger, windgeschützter Hochgebirgslage, 1060 m. Gute Verpflegung bei traulichem Familienieben. Illustrierter Prosp. vom Hausvater: Dr. Rud. Burckhardt, Pfarrer. Flüssige Trauben Garantiert naturreinen Traubensaft mit allen Vitaminen und Duftstoffen der frischen Frucht. ¾ Ltr.-Fl. zu nur(rot RM.50(weil) RM.20 direkt vom Erzeuger. Versand v. 10 Pl. ab. Besiellung von RM 20.— ab frachtfrei, bei Bestellung bitte Bahnstation angeben. G. Nägele, Weingärtner, Hessigheim(Witbg.), Besigheimerstraße 65. Hiien Edelbuschrosen Mk. S Stck..10".30 23".23 30" 16.— Polyantha(Zwergrosen) S Stck.73 10 Kletterrosen Gruppenrosen Friedhofsrosen Belkonrosen Monetsrosen Parkrosen Moosrosen Rosenneuheiten Rosen-Helbst. .— .63 .43 .43 .33 .33 .63 075 .73 .73 Rosen-Hochst. Sick,.— Trauerrosen" 3.— Edeldahllen in reizenden Farben Sick..38 10".73 Püngstrosen".65 9".— Glücksklee 10".33 Ranunkein 10".35 Montbretien 10".33 Anemonen 10".73 Gladiolen 10".90 29".— Gemischte Blumenzwiebeln 10".83 50".30 Wunderblume".73 Freundl., ländl. Privathaus in schon. waldreicher Gegend(Westerwald) bietet ruhigen, gemütlichen Erhblungsaufenthalt Gute Verpflegung. Tagespreis .60 RM. Anfragen unt. A6214 an die Geschäftsstelle d. Aufwärts. Haus Friedrich Christliches Erholungsheim nur für Erwachsene. Ruhiges, alkoholfreies Haus mit herrlicher Rheinaussicht. Besitzer Aug. Friedrich 2 Frau Telelon 34.— Prowpelte kre. Der werteiner Anzeige erihen Erscheiens Einfechbidh. Begonlen in schön. Farben 10" 0,20 Gefranstblöh. Begonlen„" 10".— Gefülltbidh. Begonien„„„ 10".10 Wanderblume ist eine Zwiebel, die im wermen Zimmer ohne Wasser und Erde prechtvoll büht. Wir versenden portofrel eb.— RM. unter Nachnahme. Illustr. Katalos über alle Gertenpflenzen mit Kulturanweisung kostenlos. Garantiert reine Masssaltel Horstmann&C., Baumsch. Langelohe 289 b. Eimshora i. A. Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel, Anzeigen: K. Diekmann, alle in Bethel. Zuschriften für die Schriftleitung: Bielefeld. Schließfach 28. Für Geldsendungen Postscheckkonto: Hannover 67377,„Aufwärto“, Christliches Tageblatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3916, Amt Bielefeld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. Steppdecken Neuanfertigung und Aufarbeitung Reformunterbetten Reformsteppdecken für Sanstorien, Heime, Krankenhäuser usu. Spezialltät: Reine Schafwollfüllung. Nur Qualitätsarbeil. Hugust Berkenkamp, wollwatien-Fabrik, Lemngo I. I. (veg. Margarine) leicht bekömmlich, gesund mit ordentlich hohem Nährwert lieten zu Fabrikpreisen direkt ab Werk in Postpaketen von—10 Pfd. oder Bahnkisten zu 30 Pfd. portofrei bez frachtfrei, Eilgut, Bahnstation Pflanzenbutter Vertriebsgesellschaft „Niederrhein“ m. b.., Düsseldort 72 Schließfach Nr. 81. Sein Die letzte Ke ten Male hattei rer gesessen, die ger mühevoller Tag ihrer Einst die aus der Gre Kinder aus de Kinder aus gevon wohlerzoge untersten Schic rierfamilien, d Pflege ansah, d Es war nich einheitlich zusa hatte der Geist ja, mit Trotz Aber allmählich doch gelungen, sie vorwärtszul Fünfzig Paer die letzte E Tage, liebe Ki samen Tage, a des Herrn kom Abendmahl tei selbst! Und we auf dem Herze scheidet von de vor zu mir un für jeden von mit Gott! Er## firmation!“ Die Kinder vor dem Verla Lehrer vorübe Handschlag un terricht, Herr aufmerksam a der seinen, um über einen ge ten, daß ihm ihnen kämpfte verabschiedete tiges Bürschche senen, geflickt Bank gesessen aber kein ver wortlos in eir Der Pfarrh nach, wie sie d ins Pfarrhaus Kindergestalt Renner mit 9 sicht vor sich, auf sich gericht waren, und hi die der Knabe junge Seele n Abendmahlsti Der Pfarr Schreibtisch, 1 „Herr, ich wei Namen der ih weißt es. Laf die Schwachen Gerade al manden einge leise, daß der öffnete sich la stand auf der Er war und drehte se zweifelt hin u „Komm ni ternd,„und si Langsam 5 und setzte sich den ihm der wußte noch i Lehrer ratlos „Hast du „quält dich ir den Eltern n Mit dieser getroffen. Gi schluß auf die terte er verle „So, so, er denn?“ „Zwanzig „Und was „Er geht „Nun, wa Da öffnet und stockend, quollen:„Ac böse!—— nicht wahr!“ ungsuchenden den escheidenem Emnr, sind zu rch, sager, Amn st im Garten, der Menschen leben sreude können aus ere, Gartenpflanten n, Langelohe-Elme. ge Inserat. on. sika. lbendmahl in Zion. Passionsgottesdienst Uhr: Pastor Voigt, 7½ Uhr: Pastor Pastor Tegtneter. desche. ) ahlmann; 1½ Uhr hendmahlsseler für Pastor Dahlmann. Abendmahlsetr, Wottutgo Tor=Sicherucer Nr. 81. rauf aufmerksam it der Bestellung ühner eingesperrt nstaltsvorstand. fung eines moniums freund guter Haussch. Prospekt verbei* Otto, Herford Narmoniumfabriken 7 ELEFELD rholungshaus Elim ort b. Feudingen zu den Osterferten # von Gästen, die eine brauchen in de mnden Luft., Gelegenndern in den grotn slieder von christlichen en in den Osterterten zung. Beste Verpße. Andacht. Gut einge. mer. Anmeldungen Leitung erbeten. se Trauben irreinen Traubensalt mit in„und Dufistoffen de . ¾/ Lir.-Pl. zu nur(roh RRN.20 direkt vom Erund v. 10 Pl. ad. Baus20.— ab frachttrei, de ie Bahmstation ungeben. le, Weingärtner, seim(Witbg.), veimertrate 6 Friedrich es Erholungsheim wachsene. Ruhiger, es Haus mit herrnaussicht. Besitzer riedrich 2 Frau — Prospekte bei. ge wächst mit d Dauer ihre: Erscheinenz. 12. Jahrgang. Sein kleinster Konfirmand. Die letzte Konfirmandenstunde ging zu Ende. Zum letzzen Male hatten sie im Konfirmandensaal vor dem Pfarrer gesessen, die Knaben und die Mädchen, die er in langer mühevoller Arbeit vorbereitet hatte auf den großen rag ihrer Einsegnung. Es waren ihrer eine große Zahl, die aus der Großstadtgemeinde zu ihm gekommen waren: ginder aus den verschiedensten Umgebungen; behütete Kinder aus gepflegter Umwelt, sorgfältig gekleidet und von wohlerzogenem Benehmen; andere Kinder aus den untersten Schichten, aus Arbeitervierteln und Proletarierfamilien, deren Aeußerem man sofort die geringe Pflege ansah, die sie daheim genossen. Es war nicht leicht gewesen, diese buntgemischte Schar einheitlich zusammenzufassen und zu fördern; anfänglich hatte der Geistliche mit viel Unruhe, Unaufmerksamkeit, ja, mit Trotz und Widersetzlichkeit zu kämpfen gehabt. Aber allmählich war es seiner gütigen, väterlichen Art doch gelungen, die Aufmerksamkeit aller zu fesseln und sie vorwärtszubringen auf dem Pfade der Unterweisung. Fünfzig Paar junger Augen schauten ihn jetzt an, als er die letzte Stunde mit den Worten schloß:„Wenige Tage, liebe Kinder, trennen euch noch von dem bedeutsamen Tage, an welchem ihr zum ersten Male zum Tisch des Herrn kommen und an der Beichte und dem heiligen Abendmahl teilnehmen werdet. Aber zuvor prüfet euch selbst! Und wenn eins unter euch sein sollte, das etwas auf dem Herzen und Gewissen hat, das ihn hindert oder scheidet von der Gegenwart des Herrn, so komme er zuvor zu mir und erleichtere sein Herz. Ihr wißt, daß ich für jeden von euch jederzeit zu haben bin! Und nun geht mit Gott! Er segne jedem unter euch den Tag seiner Konfirmation!“ Die Kinderschar strömte aus den Bänken; jeder ging vor dem Verlassen des Saales noch einmal an dem treuen Lehrer vorüber und verabschiedete sich von ihm mit Handschlag und einem„Ich dank' auch schön für den Unterricht, Herr Pfarrer!" Der Geistliche schaute jedes Kind aufmerksam an, hielt hier eine kleine Hand länger in der seinen, um Grüße für daheim mitzugeben, strich dort über einen gesenkten Mädchenscheitel. Die Kinder fühlten, daß ihm der Abschied schwer wurde, und auch unter ihnen kämpften verschiedene mit den Tränen. Als letzter verabschiedete sich der kleinste Konfirmand, ein schmächtiges Bürschchen von vierzehn Jahren in einer ausgewachsenen, geflickten Jacke, das immer vorn auf der ersten Bank gesessen hatte. Er wollte etwas sagen, brachte aber kein verständliches Wort heraus und klappte nur wortlos in einem tiefen Diener zusammen. Der Pfarrherr soh einen Augenblick lang den Kindern nach, wie sie den Saal verließen, und ging dann langsam ins Pfarrhaus hinüber. Vor seinen Augen stand noch die Kindergestalt seines kleinsten Konfirmanden, Gustav Renner mit Namen. Er sah das treuherzige Kindergesicht vor sich, sah die runden schwarzen Augen so ernst auf sich gerichtet, wie sie es stets in den Stunden gewefen waren, und hörte im Geist die unbehilflichen Antworten, die der Knabe selten und zögernd gegeben hatte. Ob diese junge Seele wirklich reif war für den ersten Gang zum Abendmahlstische? Der Pfarrer seufzte leicht und setzte sich an seinen Schreibtisch, um die Konfirmationsscheine auszustellen. „Herr, ich weiß es nicht,“ betete er leise, während er die Namen der ihm anvertrauten Kinder eintrug,„aber Du weißt es. Laß sie alle Dir befohlen sein, besonders auch die Schwachen am Geist!“ Gerade als er den Namen seines kleinsten Konfirmanden eingetragen hatte, klopfte es an die Tür. So leise, daß der Pfarrer es kaum hörte. Auf sein Herein offnete sich langsam die Tür, und—— Gustav Renner stand auf der Schwelle. Er war augenscheinlich in peinlichster Verlegenheit und drehte seine Mütze in den schmutzigen Händen verzweifelt hin und her. „Komm nur näher, Gustav!“ rief der Pfarrer ermunkernd,„und sage mir, was du für ein Anliegen hast!“ Langsam kam der Knabe bis an den Schreibtisch heran und setzte sich schüchtern auf die eine Kante des Stuhles, den ihm der Pfarrherr freundlich hingeschoben hatte. Er wußte noch immer nicht, wie beginnen, und sah seinen kehrer ratlos, aber doch vertrauensvoll an. „Hast du etwas auf dem Herzen?“ fragte dieser gütig, =quält dich irgend was?— oder klappt es daheim mit den Eltern nicht?“ Mit dieser Frage hatte der Pfarrer es augenscheinlich bekroffen. Gustav holte tief Atem und gewann den Anschluß auf die letzte Frage:„Die Eltern sind's nicht,“ stotkerte er verlegen,„'s ist mein großer Bruder, der Karl.“ So, so, der Karl!“ meinte der Pfarrer,„wie alt ist er denn?" „Zwanzig Jahre alt!“ „Und was treibt er?“ „Er geht in die Fabrs!“ „Nun, was klappt dena mit dem Karl nicht?“ da öffneten sich die Schleusen des jungen Herzens, und stockend, aber doch unaufhaltsam kam es hervor gemollen:„Ach, Herr Pfarrer—— sind Sie bloß nicht ###—.—aber mein großer Bruder sagt, das ist alles nicht wahr!" Der Pfarrer begann zu verstehen und forschte weiter: „Sag's ruhig, Gustav! Sag mir alles, was dich beunruhigt! Was ist nicht wahr?“ „Ach, alles, was in der Bibel steht!— Der Karl sagt, er weiß es für gewiß, daß wir vom Affen abstammen,— — und den lieben Gott gibt es gar nicht, der ist bloß eine Erfindung der Pastoren, sagt der Karl,—— und die Wunder sind alles Märchen,—— und daß der Elias in den Himmel gefahren ist, das ist nicht wahr, und auch nicht, daß die Eselin gered't hatte—— und der Herr Jesus ist auch nicht in den Himmel gefahren, denn da oben ist nichts, wo man neinfahren kann, sagt der Karl,—— bloß Luft ist da und dann weiter nichts——kein Himmel —— kein lieber Gott—— und die ganze Bibel ist ein Märchenbuch!“ Jetzt war's heraus, was die Kinderseele so namenlos gequält hatte und Gustav legte auf einmal den Kopf auf die harte Schreibtischplatte und schluchzte herzbrechend heraus. Er konnte sich einfach nicht mehr halten; es stieß ihn nur so. Es war ganz still im Zimmer. Der Pfarrer schwieg und legte nur seine Hand auf den niedergebeugten Kopf des Jungen; leise, fast zärtlich bewegte er ein wenig die Finger hin und her in dem zerzausten Haarschopf. 866chhhhh Seine Du lenkst, o Herr, der Menschen Herzen Der Erde Wasserbächen gleich. Du gibst die Freuden, zählst die Schmerzen Machst uns an stillem Segen reich. Du schaust das Wechselspiel der Wellen, Die hin zum Strom, zum Meere ziehn. Du läßt sie machtvoll überquellen, Dann wieder leis und sparsam ziehn. So steht mein Sein in deinen Händen, Du weißt von fern, was mich berührt. Und alles muß zum Heil sich wenden. Sofern mich deine Rechte führt. Drum will ich mich darunter stellen. Wie auch mein Weg im Leben geht, Da über meines Schicksals Wellen Die Sonne deiner Liebe steht. Martin Ulbrich. Im Geiste sah er den Versucher seines kleinen Konfirmanden deutlich vor sich, sah den selbstbewußten jungen Arbeiter, der mit den Brocken materialistischer Weltanschauung, die er in der Fabrik oder im Wirtshaus aufgelesen hatte, prahlte, und fühlte deutlich, wie es dem angehenden Verstandesmenschen Freude machte, den Kinderglauben des kleinen Bruders zu bedrängen und zu zerstören. Als Gustav sich ein wenig beruhigt hatte, fragte der Pfarrer vorsichtig weiter:„Und was sagt denn dein Bater dazu?“ „Der Vater sagt:„Laßt mich in Ruhe mit eurem Geschwätz. Ich hab kein Interesse für den Himmel. Es fällt mir schwer genug, auf der Erde mein Brot zu verdienen.“ „Geht der Vater auch in die Fabrik?“ „Der Vater geht in den Steinbruch.“ „Und die Mutter?“ „Die Mutter hat geweint und zum Karl gesagt:„Willst du dem Kinde auch noch den Glauben nehmen, wie du mir den meinen genommen hast?“ Und zu mir hat sie heimlich gesagt:„Geh zum Herrn Pfarrer, der wird dir schon sagen, ob's wahr ist!“ Der Pfarrer sah seinem Konfirmanden voll ins Gesicht:„Und du, Gustao? Was hast du dem Karl gesagt?“ Der Junge viß sich gewaltsam zusammen und preßte die Antwort förmlich aus sich heraus:„Ich hab gesagt: „Und es ist doch wahr!“ „Du hast recht, Gustav!“ Der Pfarrer holte tief Atem. „es ist wahr, aber in einem viel tieferen und feineren Sinne, als es der Karl verstehen kann. Höre mich einmal an! Ich sehe, mein Junge, daß du nachdenkst und hoffe, du wirst mich verstehen! Es gibt zweierlei Menschen, Menschen des Wissens und Menschen des Glaubens. Die Menschen des Wissens halten nur das für wahr, was sie mit ihren fünf Sinnen erreichen können; das zerlegen und zergliedern sie, und sie denken, daß sie damit alles begreifen und verstehen. Ein Beispiel: Der Mensch des Wissens will eine Blume kennen lernen; er zerlegt sie und weiß dann ganz genau, aus wieviel Staubfäden und Bütenblättern sie besteht. Aber er merkt dabei gar nicht, daß er der Blume eigentlichstes Leben und ihren Duft zerstört. Sie ist getötet und kann höchstens noch ins Herbarium geklebt werden.“ Gustav nickte eifrig:„So haben wir's immer in der Schaile gemachtt! Der Pfarrer fuhr fort:„Es ist auch richtig so für Menschen des Wissens. Aber man soll nicht denken, daß man damit dem Geheimnis, das hinter dem Leben der Blume steht, näher kommt. Das erfaßt der Mensch des Glaubens viel tiefer. Er zerlegt die Blume nicht; er nimmt ihre Gestalt, ihre Anmut, ihren Duft wahr und spürt dahinter das Geheimnis ihres Blumenlebens und chinter dem Geheimnis den verborgenen Gott. Denn ohne ihn gäbe es überhaupt kein Leben. Kannst du das wohl verstehen?" „Ja, Herr Pfarrer!“ „Nun nimm einmal statt der Blume die Bibe!! Der Mensch des Wissens wird ein Buch wie die Bibel nie begreifen können; er wird sie zerlegen und widerlegen und damit ihr eigentlichstes Leben zerstören. Die Bibel ist für Menschen des Glaubens von Glaubenshelden der alten Zeit geschrieben. Sie gibt uns in großen Bildern die Geschichte Gottes mit den Menschen und zeugt auf jeder Seite von dem verborgenen Gott. Wir können und dürfen sie nicht im Einzelnen zerlegen; sonst töten wir ihre Seele, sondern wir haben sie zu nehmen aus dem Geist und dem Glauben der Menschen, die sie uns gegeben haben. Kannst du mir folgen, mein Junge?“ unterbrach er sich, denn er hatte auf dem Gesicht Gustavs den angestrengten Ausdruck gesehen, und die scharfe Falte zwischen den Augenbrauen, die der Junge immer hatte, wenn er sich mühte, etwas Schwieriges zu verstehen. „Ich glaube, ich werde es schon verstehen lernen!“ sagte der Knabe langsam und etwas mühselig:„wenn ich im Unterricht etwas nicht verstanden habe, hab ich immer zu Hause so lange drüber nachgedacht, bis ich es verstand. Aber wie ist das mit dem Himmel, Herr Pfarrer? Gibt es den wirklich nicht?“ „Einen Himmel, wie ihn sich die Kinder vorstellen, als goldnen Saal, über den Wolken, in dem der liebe Gott thront, den gibt es nicht, Gustav. Aber solch einen Himmel meint die Bibel auch nicht. Mit dem Himmel ist die unsichtbare Welt gemeint, die hinter der sichtbaren Welt steht, und von der wir überall umgeben sind wie von einem feinen, geistigen Luftmeer. Aus dieser unsichtbaren Welt sehen uns Gottes Augen an; in diese Welt ist Christus eingegangen, und in diese Welt geht jede Seele ein, welche die Erde verläßt. In diesem Sinne ist jedes wahren Christen Tod eine„Himmelfahrt“, nämlich ein Hingang zum Vater. Kannst du das verstehen,(Gustav?“ „Ja, Herr Pfarrer, das kann ich ganz gut verstehen!“ „Du brauchst mir das alles nicht einfach zu glauben, du kannst es selbst nachprüfen. Gustav! Es gibt in jeder Menschenseele ein Organ, durch welches die unsichtbare Welt uns vernehmlich wird, das ist das Gewissen. Hast du das nicht schon einmal erlebt, daß in dir eine leise Stimme ganz vernehmlich sprach:„Tu's nicht!“ wenn du etwas Verbotenes tun wolltest?“ Gustav Renner hob den Kopf und strahlte seinen Lehrer förmlich an:„Ja, Herr Pfarrer, das hab ich schon oft erlebt und es geht immer gut aus, wenn man der Stimme folgt. Und heute habe ich die leise Stimme auch gehört, nämlich, als der Karl so frech wurde und sagte, das wäre alles nicht wahr, was wir im Unterricht gelernt hätten, da sagte die Stimme in mir:„Und es ist doch wahr!" Der Pfarrer war aufgestanden und legte seinem kleinsten Konfirmanden beide Hände aufs Haupt:„Hab Dank. daß du zu mir gekommen bist, Gustav, und mir das alles gesagt chaft! Gott segne Dich und erhalte dir deinen Glauben und lasse dich zu einem Glaubenshelden heranreifen, wie es die Männer der Bibel waren! Unsere Zeit braucht nichts notwendiger als Helden des Glaubens! Behüt dich Gott und grüß mir deine Mutter!" Der Knabe hatte längst das Zimmer verlassen. Der Geistliche stand noch immer in tiefem Nachdenken am Fenster:„Gott, ich danke dir für diese Stunde! O, daß sie doch alle, alle zu uns kämen, die sich draußen im Land und Volk mit Zweifeln quälen und nicht damit fertig werden und am Ende verzweifeln! Daß sie doch alle kämen und ssich ins Land des Glaubens führen ließen, das der Menschenseele wahre Heimat ist!“ Vally Nagel. deutsche Märchen in der Kinderkomödie. Von Martha Klostermann. Ein junger Dichter stand an der Pforte des Theaters in einer großen Stadt. Er laß den ausgehängten Theaterzettel:„Heute. Sonntag, den... Unser Weihnachtsmärchen.“—„Das liest man nun schon wochenlang“, dachte er,„und immer wäre es ausverkauft, sagt man— ich müßte einmal hineingehen— es muß demnach doch etwas ganz vorzügliches sein.— Der Sonntagnachmittag wird mir ohnehin so lang— die Kenntnis eines solchen Stückes fehlt mir zu meinen Studten....“ Damit war der junge Poet schon im Innern des Theaters verschwunden. Er ließ sich von der Menge schieben, las auf den ausgehängten Platztafeln verschiedentlich das Wort„ausverkauft", er wischte aber noch einen guten Platz, den er im Gefühl einer eigenartigen Spannung einnahm, und die Vorstellung begann. Nach dem ersten Akt trat er ins Foyer, er suchte, ihm selbst unbewußt, Ruhe, um die Eindrücke, die er soeben empfangen hatte, zu verarbeiten.— Das Publikum schwirrte um ihn her, drängte, schob, lachte— es wirkte alles unbestimmt auf ihn— da war nichts als Unruhe. Vorbeigehen hörte er ein kleines Mädchen sagen:„Es ist nicht richtig, ich will'raus!“ Es läutete zum Wiederbeginn, der Vorraum leerte sich, alles strömte auf die Plätze zurück.— Der Jüngling blieb stehen und ging, in Gedanken verloren, auf dem roten Teppich bis in einen entfernten Winkel.— Da sah er eine Gruppe feiner, junger Gestalten mit traurigen Gebärden und Mienen um eine liebliche Mädchenerscheinung gedrängt. Sie weinte. Des Jünglings Herz klopfte: Sollte er nach dem Kummer fragen? Durfte er seine Hilfe anbieten?— Da sah das liebliche Wesen zu ihm auf:„Die Menschen wollen uns verderben“, sagte sie.„Welche?“ fragte der Jüngling. „Die da drinnen“, jammerte sie,„mich und meine Freunde: mein Dornröschen, mein Schneewittchen, mein Hänsel und Gretel.“. Und während das Mägdlein so sprach, griff und umarmte es die umstehenden Gestalten.„Habt ihr niemanden, der euch beschützt?“ fragte der Jüngling. „Nein“, klagte die Holde,„man hat unsere Hüterinnen verjagt.“„Und wer sind diese?"— Die Schöne wurde plötzlich still, es war, als wenn sie ihr Leid vergäße, sie lächelte und sagte leise aber klar:„Die Wahrheit, die Ehrfurcht, die Poesie und— das deutsche Gemüt.“— Aus dem Theater drang starker Lärm:„O weh“, klagte die Feine, „hörst du wie sie lärmen?!“ Sie streckte bittend die Hände aus:„Kannst du uns helfen, Lieber?! Rette uns! Führe uns!“—„Wohin?“„Zu den deutschen Kindern, sie haben uns lieb!“„Wer bist du denn?“ fragte der Poet. Sie antwortete:„Ich bin das deutsche Märchen, hilf mir— rette meine schöne Seele“—„Ich weiß nicht, ob ich deiner wert bin“, sprach der Jüngling, und sank vor der Hohen in die Knie.— Jetzt wurden die Türen des Zuschauerraumes aufgerissen, groß und klein stürzte heraus, man hatte das Gefühl einer großen Verwirrung.— Der Jüngling war allein, die holden Gestalten waren verschwunden. — Seine Ohren waren erfüllt von Lärm, aber in seinem Innern rief ein Echo:„Ich bin das deutsche Märchen, rette meine schöne Seele!"— Ist es möglich? Immer noch der gleiche Zustand, der gleiche Stand der Kinderkomödie, wie vor 30 Jahren?! Und das lassen sich Eltern und Erzieher gefallen?! Nein, man läßt es sich nicht nur gefallen, man kommt dem Unfug noch entgegen, dadurch, daß man hinströmt, sogar schulenweise und von außerhalb!— Vier Wochen vor und vier Wochen nach dem Fest bringt jedes Theater, das sich noch der Existenz freut, solch ein„Weihnachtsmärchen".— Warum sind die Grimmschen Märchen Weihnachtsmärchen? Hat diese Aufmachung irgend etwas von der Stille und Ungestörtheit der Winterabende, die ihre Stimmung auf das Fest einstellen, an denen man die Kinder beisammenhält, um sie das Lauschen zu lehren auf deutsche Sitte, deutsche Dichtung und deutsches Lied?— Was ist denn solch ein Weihnachtsmärchen? Ein im Tiegel der Gewissenlosigkeit gemengter Brei, den man unsern, nach dem Besten hungernden Kindern vorsetzt, unbekümmert darum, ob es ihnen bekommt.— Da sind sie alle: die süßen Dreijährigen, die neugierigen Vier= und Fünfjährigen, die klugen Sechs= und Siebenjährigen, die gelangweilten Neun= und Zehnjährigen, die erwachenden Elf=, Zwölfund Dreizehnjährigen, die Backfische, die großen Schwestern— Brüder sind zu stolz bei Märchensachen— die Hercedes-Benz Ummlbas 18 bis 20 Personen für Ausflüge aller Art empiehlen Friedhofl& Hoch, Bieleleid Telcion 5550. Zum Wüirksent Sonderausgabe unseres Wochenblattes „Für Herz und Haus“. Ein vierseitiges schön illustriert, geeignet zum Verteilen an den Kirchtüren und Friedhöfen. Eine schöne Gelegenheit, um mit dem Evangelium von der Osterbotschaft an breiteste Massen unseres Dolkes heranzukommen. Preise: 100 Stck. RM 2,50(von 100 Stck. ab portofrei) 500 Stck. RN 10,—: 1000 Stck. RM. 15.— Probenummer auf Wunsch. Bestellungen erbeten an Blätterverlag der Anstalt Bethel Abteilung„Für Herz und Haus“. Postscheckkonto Hannover 7382 Mütter, die Tanten, die Großmütter— alle!— Zu gibt es Tränen, wenn man nicht hindarf, es bettelt, drängt, es schmeichelt und es fleht und— siegt. Nun sind sie alle da: die Kleinen, weil sie klein sind, die weil sie klein gewesen sind, manchmal auch, weil sie klein sein möchten. Ach, es soll ja so schön, mmzicheg werden gewiß alle etwas erleben, etwas Hin.. etwas traumhaft Schönes, etwas Zauberisches, etwas Unmögliches und deshalb Herrliches, etwas von dem, das die reine, unverdorbene Phantasie nahm aus Märchen achen, seinen, schlichten Volksgut der deutschen die Jakob und Wilhelm Grimm von der alte.### in Niederzwehren erlauscht und aufgeschrieben haben, damit dieser Schatz dem Volke nicht verloren gehe. Hier, ein Programm, wie für das große Schauspiel: „Baron von Montekontekoculorum, Aschenputtels Vater. Im Märchen steht von ihm:„Es war ein Mann.“— Tausend und mehr Augenpaare schauen auf den Vorhang. Ruhig, Kinder, gleich werdet ihr Aschenputtel sehen, ja, wie in euerm schönen Bilderbuch.— Kling!— Was ist das? Der Vorhang hebt sich.— Eine riesig große offene Halle, Blick auf eine südliche Landschaft, in der Mitte ein Tisch, links ein Kamin. Eine kreischende Stimme ertönt: „Aschenbrödel!“— Aschenbrödel im grauen Kittel mit unnatürlich frisierten Kopf rennt mit affektierten Schritten hin und her:„Ja, gnädige Frau. Bald darauf erscheinen Stiefschwestern, Mutter und Vater von Aschenbrödel, letzterer besonders als Karrikatur aufgeputzt. Es kommen Personen, von denen das Märchen nichts weiß, und es beginnt ein Spiel, dessen Sprache ein niedriges Geschwätz in rasendem Tempo darstellt. Das Märchen sinkt zur Posse herab. Dann und wann lachen die Zuschauer, man möchte sagen aus Verzweiflung. Jetzt fällt der Vater, der den Albernen zu spielen hat, hin und strampelt mit den Beinen. Ein kleiner Fünfjähriger im Publikum wendet sich zu seiner Mutter und fragt verwirrt:„Was ist das? Was tut der?" Die Mutter wendet sich an ihre Nachbarin und sagt:„Er denkt, sowas tut doch kein Vater!“„Ach ja“, fährt sie fort,„ich bin ganz enttäuscht, ich hatte mir das anders vorgestellt, es ist nichts für den Jungen. „Mutter“, fragt der Kleine,„wann geht Aschenputtel unter den Baum und bekommt ein schönes Kleid an?“— Man kennt die Treue, mit der Kinder einmal Gehörtes festhalten.— Bübchens Wangen fangen an zu glühen, die Augen irren umher.„Gleich“, beruhigt die Mutter,„gleich kommt der Baum.“ Sie ahnt nicht, daß statt dessen plötzlich eine Zauberin auftritt, in einer von modernem Pinsel angestrichenen Höhle. Hinter ihr im Felsen sitzt eine Eule mit rotglühenden Augen.„Was ist das?“ fragt der Bubi. Die Zauberin hat einen Diener, der sich meist auf der Erde wälzt. Die Zeit muß ausgefüllt werden, das Stück muß 2½ Stunden dauern. Was zerrt man jetzt hinein? Ein Ballet. Eins? Nein sieben im Ganzen. Wer und was tanzt da alles? Zwerge, Soldaten, Schornsteinfeger, Köchinnen, Harlekins, Struwelpeter, Brummkreisel, Tiroler, Engel und Teufel. O, ihr armen Kinder auf und unter der Bühne! Wer wagt es, Erwachsenen solch ein Potpourri zu bieten! Das Orchester drischt das Seinige dazu.— Hübsch ist der Wagen, der Aschenputtel zum Balle holt, der kleine Diener, der aus der Versenkung kommt, die Pferdchen, die Fackeln, auch Aschenputtel selbst im goldgelben gestickten Kleid. Aber alle Schönheit ist vorbei, wenn sie mit ihrer Schleppe herumspringt und wenn ihr eine alberne Figur einen Knoten hineinschlägt und sie— tritt— ihn wieder heraus. Denkt sich ein Kind eine Prinzessin so? Irre werden die Kinder an allem Guten, Wahren, Schönen. Wird ihnen die Reinheit des Mädchens deutlich, wenn es dann, quasi allegorisiert, im Bilde erscheint, in sentimentaler Geste betend unter dem Baum auf der Mutter Grab, oder wenn es mit gezierten Worten und Gesten aus dem gewaltigen Bogenfenster den Tauben ruft, die dann in sechs ausgestopften Exemplaren an einen Draht hintereinander in den Salonkamin rutschen um dort tatenlos zu verschwinden. Wie entbehrt man hier di. schönen Kern= und Kennworte des Märchens:„Ihr zag, men Täubchen, ihr Turteltäubchen, all ihr Vöglein unter dem Himmel, kommt und helft mir lesen! Die Guten ing Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.“ und wag sollen die Kinder denken von dem gehaltlosen Liebesgeflüster des Aschenputtelpaares. Wo ist die Schönheit und Schlicht, heit der Märchensprache, wenn das Geschwätz in Prose dann und wann endigt in elenden Reimen.— König „Kakadu“ trägt zum Zeichen seines Namens einen Kalodu auf dem Kopf, der sich auf einem Draht schaukelt. Wa jz da Sinn bei solchem Unsinn? Was endlich soll man sagen wenn Dinge vorkommen, bei denen man die Auger niederschlagen muß.— Ist das noch nicht aus? fragt in, zwischen das Unterbewußtsein. Nein, es kommt noch ein Knalleffekt: Als Aschenputtel vom Balle verschwindet eilt ihr der Prinz nach, die Szene verwandelt sich, man sieht einen See, der das erleuchtete Schloß umgibt, eine Brücke im Vordergrunde. Aschenbrödel läuft über die Brücke, die mit Donnergetöse hinter ihr zusammenbricht Alles, was Beine hat, folgt der fliehenden Prinzessin. Auf der Brücke rutscht einer nach dem andern, sitzend, ins Was. ser, oder sonstwo hin, es wird nicht deutlich. Auf dem Pragramm aber liest man als Ueberschrift für diese Szene: Wasserrutschbahn.“Man hat inzwischen vergessen, daß diese Aufführung sich„Aschenbrödel“ nennt. Mühsam kehrt man dahin zurück. Als Aschenbrödel die Schuhprobe bestanden hat, und man hofft, daß man nach Ruhe ausschauen darf, schließt sich auch wirklich der Vorhang. Abera Schrecken! Es spricht einer von den Herren im spanischen Mantel einen Epilog, er sagt etwas von Weihnachten Man staunt, man fragt, was das soll. Der Vorhang öffnet sich, man erkennt mit Mühe im Hintergrund stilisierte Weihnachtsbäume. Die Menge der Mitspielenden steht in sinnlosen Gruppen herum und singt—„Stille Nacht“ Im Publikum bleibt alles still, traurig still.—„Es ist nicht richtig, ich will'raus! Wer ist das? Was tut der? Wer zaubert das? Wann kommt das? Was machen die?“ Alle die sehnsüchtigen, angstvollen, verwirrten Fragen haben keine Antwort gefunden, keine Beruhigung, keine Befriedigung. Man meint wohl gar, die Kinder wären kritiklos. Welch trauriger Irrtum! Aber sie können ihre bittere Enttäuschung nur in Fragen kundtun. Man wendet ein: „Sie wollen aber doch immer wieder hin. Kein Wunder. Der Firlefanz, das sinnbetörende Spiel von Ton und Licht und Farbe, von Spuk und Tändelei lockt und reizt, und wenn ihm willfahren wird, gewinnt es immer die Oberhand, verschüttet das Gute, verbildet, vernichtet, trügt und greift an die Gesundheit Leibes und der Seele. Man belausche die Kinder und plaudere mit ihnen und hell wird die Ueberzeugung zutage treten, daß hier eine große Lücke gähnt in den Bildungs= und Erbauungsmöglichkeiten für die Jugend.—„Wir geben die Sachen nur, um den Theatersäckel zu füllen“, sagte ein Oberregisseur von diesen Märchenaufführungen. Gut, aber aus solchen Vorführungen wächst dem Theater kein Segen, kein Publikum, das später wertvollen Stücken den Vorzug gibt, das „nur“ muß fehlen.— Müssen die Grimmschen Texte in einer solchen Verzerrrung lebendig werden? Gibt es keine Fassung, die sich der Wahrheit und Reinheit, der Poesie und dem Genuß ihres Gehaltes anpaßt und unterstellt? Und gibt es kein Theater, welches den Stil des Bühnenbildes mit dem des Spiels, der Sprache, der Musik, der Geste rhythmisch und harmonisch gestaltet und einsieht, daß nur Laien oder allererste Schauspieler die Kinder befriedigen können? So fragt das deutsche Märchen. Rettet seine schöne Seele! EENEH SECERERES NUR ERSTE FABRIKATE. BEOUEME ZAHLUNGEN. KATALOGE GRANS. Der Verband gläubig. Kaufleute will seinen Mitgliedern Schriften, Konferenzen und Ortsgruppenzusammenkünfte Gelegenheit geben, die Berufsfragen im Lichte des Wortes Gottes zu besprechen Anmeldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle: W. Brinck, Essen=Bredenen Einigkeitstraße 25. Erst prüfen, dann kaufen! Locarno-Monti Südschweiz. Christl. Erholungsheim Tabor. An der neuen Straße LocarnoMonte Bré. idyllisch, ruhiges, sonniges Heim in klimatisch vorzüglicher Höhenlage, bietet ihnen Erholung an Leib und Seele und zugleich beste Gelegenheit, die Schönheiten des Südens kennen zulernen. Hausandachten. Auf Wunsch Diätküche. Eig. Auto; Prospekt: bescheidene Preise; das ganze jahr offen. W. Keller, Prediger. Großer Preissturz! Mein echter Tllsiter Volllettkäse mit 48/32% Fett 1. T. kostet ab heute nur RM .— pro Pid. Versand erfolgt nur in Postkollis unt. Nachn., Porto u. Verpeckung trei. Friedrich Stotzka Dempfrnolkerei Jedwilleiten. Post Motzwethen. Thletter Niederung Villa Charlottenruhe in Hetrenalb(württ. Schw.) Eigentum des Bad. Landesvereins für Innere Mission, unmittelbar am Walde gelegen, bietet im Herbst und Winter erholungsbedürftigen Gösten freundliche Aufnahme Gute Verpflegung, Zentralheizg. Tegespreis bei vier Mahlzeiten mit Bedienung und Heizung Mk..— bis Mk.— Anfragen sind an die Leitung des Hauses zu richten. Architekten Bauunternehmer Industrielleu. Prisde Gebrauchen Sie„„ Steinholz-Fußbodenbelag so wenden'e sich nur an eine Spezialfirma. Gute und sollde Arbeit, mäßige Preise. Steinholz- Fußboden„Festament“ seit 20 Jahren ausgezeichnet bewährt aus nur besten Rohmaterigten hergestellt, schwemm- und feuersicher, Jugenlos, fußwarm,###,#u# durchlössig und schalldämpfend, kann auf Beion, Steinploge#### geleufenen Holztubboden verlegt werden. Festancnt Linoleum- und Parkettunterlage, für Wohn- und Büroräume usw. Feslament-Stampfholz-Fabrikfußboden für Leicht- u d Schwerbetriet e. Festament Treppenbeig metrn ausseiht. spez. für ausgelaufene Treppen. Teusende von Quearenieis aud la Reierenzen. Festament-Steinholzwerk Heinrich Schubert, Halle I. W. Teleion Nummer 266 Harmoniums erstklassige und sollde Pabrikate. Mäßige Preise! Bequeme Tellzahlung Blelsfelder Plans- u. Karmonlam-Nüg. Otto Stierstadt Bieleield, Arndistraße 11. Gegr. 1905. Tel. 3787 ! Nordsee! Kinderheim Paulsen Illustrierter Prospekt kostentrei d. d. Besitzer: Gemeindevorstcher Paulsen, Norddorf Insel Amrum Blumensamen Knollengewächse: Dahlien, Gladiolen, Baumschulartikel: Obstbäume. Ziersträucher, Nadelhölzer.— Blütenstauden usw. Gärtnerei und Samenhandlung der Anstalt Bethel b. Bielefeld. Ausführliche Preislisten senden wir gern anf Wansd#r Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diehmann; alle in