ko. isidenten. einer Meldung au fünf Revolver, rtiz Rubio ab, al i R e g i e r u n g s p a l a s t ubbau. Bergmannsdorf. aues der französi. rgmannsdorf Al. zer Erdrutsch enteineinhalb Metern urde. Etwa 100 Senkungen durchzur Verhütung ck hatte seit Freiiche der Wasserleilbe Ortschaft ohne üche sind auf die Grubensenkungen h1. ankreich, das au Gefahr, von einen dorf überragenden in die Bewohner stwendigen Steine Laufe der Jahre h und nach immer ällen besteht nunenfelsen sich ganz Die am meisten den Felsen stücksprengen, um das irfes zu schützen. Frenzmark. icht. t am Stausee bei irdöstlich von Jo ebrochen, wodurch r Wasser in den brücke bei Straßdie Wassermassen urden. Die Wohvollständig unter velches die Stalt lahmgelegt. Die igen um Schneidetachrichten. nenbläser. Morgen in der Neustädter ierstunde“ geboten bläsern unter LeiPastor D. Kuhlo, en Betheler Hornder alten unüber nd Weltpoltih: 2. Bethel. Zuschriftn fach 28. Für Gel„Aufwärts“. Christ nruf 3911/3916, Am stalt Bethel. erstunde ds 8½ Uhr in ; 150 Bläser. zu. Begonien. äucher, Rosen. usw. handlung Bielefeld. Donnerstag.2 ig in der Kasse Der Vorstand. S Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und .86 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 33. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Vielefeld) Sonnabend, den 8. Februar 1930. 12. Jahrgang. Tageblatt mit den Beilagen„Für Herz und und Anzeigenpreis:= Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mi Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Wo man arbeitet, da ist genug; wo man aber mit Worten umgehet, da ist Mangel. Spr. 14, 23. in iiggiiiin Koalitionen? Das Schicksal der nationalen Offensive, ausgedrückt durch den Volksentscheid über das Freiheitsgesetz, hat bewiesen, daß der kürzere Weg zur Freiheit sich keiner besonderen Beliebtheit im deutschen Volk erfreut. Das mag an dem vorhandenen Mangel an Heroismus liegen, der nötig wäre, um unter ganz ungeheuren Opfern die Freiheit zu erringen. Damit müssen wir uns nun einmal abfinden. Es bleibt somit nur der andexe Weg über, der hart und schwer und lang über Generationen hinweg führt, bis endlich die Morgenröte eines neuen Tages in Sicht kommt. Wären wir nur mit zwei oder drei Parteien in Deutschland gesegnet, so könnte man den besten Weg mit den verschiedenen Methoden ausprobieren, die jede dieser zwei oder drei Parteien für richtig halten. Wir haben aber eine wahre Musterkarte von Parteien und Gruppen, die es sicherlich recht gut und ehrlich, von ihrem Blickwinkel aus gesehen, meinen, deren Rezepte man doch aber nicht gut auf ihre Güte hin durchprobieren kann. Es bleibt also weiter nichts übrig, als durch Koalitionen verschiedener Parteien das Staatsschiff führen zu lassen, damit es endlich wieder in das freie Fahrwasser gelangt. Wir haben erlebt, daß bislang weder eine Koalition unter Ausschluß der Marxisten noch eine Koalition mit den Marxisten die gefährlichen Untiefen im Kurs des Schiffes Germania zu umschiffen vermochte. Verheerender aber, wie sich diese heutige Koalition mit stärkstem sozialistischem Einschlag, unterstützt durch die Nebenregierung der Gewerkschaften, ausgewirkt hat, hat sich im neuen Deutschland noch kein Regiment erwiesen. Die deutsche Wirtschaft stellt ein ungeheures Leichenfeld dar, und fast jeder Tag bringt neue Verluste, erzählt uns von Selbstmorden Verzweifelter, die in ihrer Hoffnungslosigkeit nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Familien mitnehmen aus dieser Welt des Jammers und der Not. Ist es da ein Wunder, wenn da in vielen Köpfen die Lehren radikaler Umstürzler mehr und mehr an Boden gewinnen, wenn die Zahl derer mehr und mehr wächst, die gedankenlos nachbeten:„Es muß erst ganz schlimm werden, damit es besser werden kann"? Man redet von heillosen Zeiten, weil sich die deutschen Menschen daran gewöhnt haben, alle Geschehnisse nur unter dem Gesichtspunkt„vernunftgemäßer materialistischer Gesetze" zu betrachten, weil sie vergessen haben, daß es denn doch nicht das kleine menschliche Ich ist, das Schöpfer und Allerhalter ist. Ich sehe es nicht als Zufall an, daß sich gerade jetzt in zwölfter Stunde eine Bewegung durchgesetzt hat, die sich klar und unzweideutig als Weltanschauungspartei auf bewußt evangelisch=christlicher Grundlage erklärt, sondern als Fügung. Ich sehe weitere Fügung darin, daß gerade jetzt aus zwei rechtsstehenden Gruppen eine„Volkskons. Arbeitsgemeinschaft“, gebildet werden konnte, jetzt, wo fast alle Parteien von fast reiner Interessenbindung aus den Krisen nicht herauskommen. Die Arbeitsgemeinschaft konservativer Prägung und der Christlich=soziale Volksdienst werden sich über kurz oder lang auch zu gemeinsamer Arbeit in den Parlamenten finden müssen, um ihrem gemeinsamen Wollen stärkeren Nachdruck verleihen zu können. Ob daraus einmal so eine Art evangelischen Zentrums entstehen wird, halte ich für nebensächlich, eben0 das Fehlen eines scharf abgegrenzten Programms. Wichtig ist nur, daß diese ganze Bewegung vorwärts gekragen wird mit Begeisterung und dem festen Glauben an den Sieg, ohne den er nie errungen werden kann. Ich vin auch der Ueberzeugung, daß wir in dieser Bewegung den Antrieb zur inneren Erneuerung unseres Volkes zu sehen haben. Die haben wir vor allen Dingen nötig. Das empfinden zweifellos viele Menschen, wenn vielleicht auch erst im Unterbewußtsein. Jedenfalls beginnen immer mehr einzusehen, daß sie mit dem Bekenntnis zum Naterialismus in heutiger Zeit, der Zeit seines anscheinend höchsten Triumphes, aus Sorge, Angst und Unfrieden nicht herauskommen, ihnen im Gegenteil auch noch das letzte Bißchen an innerem Halt verloren geht. Wie anders dagegen die Menschen mit dem Bekenntnis:„Wir stellen uns rückhaltlos unter das Regiment Gottes, der alle Macht ist und hat, das uns den inneren Frieden und Sicherheit wiedergibt. Mit diesem Akttoposten hinter uns konnen wir ganz anders den Dingen zu Leibe gehen, als es die Zaghaften und Unsicheren vermögen.“ Wer es gewohnt ist, seine Umwelt scharf zu beobachken, sieht denn auch, daß diese Menschen nicht erfolglos arbeiten, wo andere vor Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit immer haltloser und zerriebener werden. Daran ist bei dem wirtschaftlichen Niedergang, der allenthalben zu beobachten ist, ist nicht zu deuteln. Man kann nicht gut dafür als Erklärung anführen:„Wenn die Tribute nicht wären und die sonstigen Belastungen, so usw.“, denn die sind nun einmal da und die Sünden einer falschen Steuerund Finanzpolitik von über einem Jahrzehnt lassen sich nicht von heute auf morgen und auch nicht in einigen wenigen Jahren beseitigen, um so weniger, wenn, wie man sieht, der Mut dazu fehlt, das Uebel an der Wurze! anzufassen. So muß dann die Wirtschaft bluten, immer mehr und schmerzlicher, je weiter mit fortschreitender Substanzvernichtung die Verengung der Steuerbasis zunimmt. Man sollte meinen, daß ruhige Ueberlegung jedem sagen müßte, Wirtschaft ist nicht nur der Unternehmer am Schreibtisch und im Sessel, sondern auch der letzte ungelernte Arbeiter und gerade diesen trifft jeder Schritt abwärts um soviel härter, weil er nie genügend finanzielle Widerstandskraft ansammeln kann. Leider aber haben die größten Schreihälse immer noch das Ohr der Massen, und wenn sie auch, wer weiß was für Unsinn verzapfen. Vergeblich wird der wahre Volksfreund versuchen, ihnen die Schicksalsverbundenheit von Arbeitgeber und Arbeitnehmer klar zu machen, die Wechselwirkung vom Erleben und Dasein von Stadt und Land darzulegen. Er predigt tauben Ohren, einzig und allein die Zwangsläufigkeit der Verhältnisse, plausibel gemacht durch eine starke Staatsgewalt, vermögen Ordnung in das Chaos zu bringen. Indessen können wir davon wohl kaum viel Aufhebens machen, weil diese Staatsgewalt fehlt. Es kommt aber noch anderes hinzu, um das Bild in seiner ganzen Trübseligkeit vollkommener zu machen. So wohl bei den sogenannten Gebildeten, wie bei den sogenannten Proletariern fehlt fast vollkommen das Ethos des„Ich diene“, auch das Gefühl für das„Sich=unterordnen=müssen". Jeder schreit nach seinen Rechten und schweigt sich über seine Pflichten, nicht einmal schamvoll, vollkommen aus. Das Schlimmste aber ist, daß man in vollkommener Verkennung der Mentalität der Deutschen, geglaubt hat, sie fühlten sich nur in fast völlig schrankenloser Freiheit froh und glücklich. Jeder Tag aber kann uns davon überzeugen, daß der Staatsbürger nur dann innerlich frei vom Albdruck ist, wenn er an jeder Straßenecke einen Schupo sieht, als Sinnbild der Ordnung und des Schutzes von Mutter Staat. Und nun hat man diesem Volke von politisch ewig Unmündigen auch noch die letzte innere Sicherheit genommen, indem man ihm beizubringen bemüht ist, daß Religiosität überlebt und eines freien Mannes unwürdig sei. Man nahm ihm das, was einesteils wohltuend wirkender Hemmschuh, andernteils die Quelle des Gefühls innerer Würde und Bedeutung ist. Den Erfolg dieses Beginnens sieht man auf Schritt und Tritt: Haltloser, auch rein äußerlich, gibt es wohl nichts, als diese jungen Menschen heutiger Zeit und beiderlei Geschlechts, deren Dasein zwischen Arbeitsstätte und Kintopp sich abspielt. Widerwärtiger wirkt nichts, als die Begeisterung, mit der Filmstars, Preisboxer, Dauerfahrer und ähnliche Leute begrüßt werden. Vernichtender für das geistige Niveau eines Volkes, das einen Luther, Goethe, Kant, Beethoven, Wagner und andere besessen hat, kann nichts sein, als die Riesenauflagen gewisser illustrierter Blätter, die für Millionen und aber Millionen die wertvollste, oft die einzige Lektüre darstellen. Wenn man sich das alles überlegt, so erscheint es doch höchste Zeit, daß wenigstens der Versuch gemacht wird, von der Politik her den Dingen mit Ernst und Nachdruck einen andern Dreh zu geben. Da genügt es aber keineswegs, nur die Firma vorzuzeigen, ohne daß aus allen ihren Lebensäußerungen die absolute Reinheit ersichtlich ist. Es ist ein Unding, im Anzeigenteil eines Parteimonitors z. B. Sachen anzuzeigen, die man vorne verdammen muß. Ich glaube und hoffe zuversichtlich, daß durch das Neugestaltete in dieser Hinsicht auch reine Bahn geschaffen werden wird. Nicht ohne ernsten Anlaß hört man so häufig heute von korrupten Zuständen im öffentlichen Leben— die Begleiterscheinung des Niedergangs eines Volkes. Sie ist nur zu beseitigen durch die innere Befreiung, die Wiedergeburt der deutschen Seele. Wir wissen aus unserer Geschichte, was zur Befreiung Preußens geführt hat. Wären die Preußen jener Zeit innerlich die gleichen gewesen wie die Besiegten von Jena, nie hätten sie ihre Freiheit wieder errungen. Wir wissen ferner, welch langer und harter Weg von 1815 bis 1870 zu gehen war. Zeiten lagen dazwischen, die nicht frei von Irrwegen waren und kleinlichem Tagesgezänk, und schließlich mußte der mächtige Wille eines großen Mannes, erfüllt von seiner gottgegebenen Mission, die Deutschen zu ihrem Glück zwingen. Das sind alles Lehren aus unserer Geschichte, die wir doch nicht vergessen wollen und die wir der heutigen Generation in die Herzen hämmern müssen. Das ist nötig, weil die Selbstbesinnung der erste Schritt zur Selbsterneuerung ist. Ist diese Aufgabe geschafft, so werden all die anderen Leiden, die sich aus den mateviellen Zwickmühlen ergeben, leichter zu überwinden sein, als es heute noch den Anschein hat. Die Aufgabe, die ich hier versuchte anzudeuten, erscheint so riesengroß, daß nicht eine Partei, nicht zwei oder mehr verbündete sie zu lösen vermöchten. Ich sehe täglich viele Menschen, die mit der Hoffnung abgeschlossen haben, daß es jemals wieder aufwärts gehen könnte, und ich sehe wiederum viele, deren einziger Gedanke der ist, solange wir noch Arbeitslosenrente bekommen können, kann uns alles kalt lassen: Ich, Ich, Ich— niemand von ihnen fragt nach dem„Du“, das vielleicht noch mehr, noch tiefer und bittrer leidet und duldet. Zwei Welten tun sich da auf, zwei Welten, die doch eines Volkes, eines Gottes Kinder sind. Ihnen zuhelfen ist heilige Pflicht. Nicht Hohn noch Spott der Irregeleiteten darf von der Pflicht die abhalten, die berufen und guten Willens sind. Verbündete? Zeigt den Hoffnungslosen, was ihr erfahren, und aus ihren Reihen werdet ihr die Koalition zusammenschweißen, die unüberwindlich ist. Atlantieus. Zehn Jahre Betriebsrätegesetz. Die Sozial=Wirtschaftliche Korrespondenz schreibt: Wandlungen, die auf geistigem oder wirtschaftlichem Gebiet eingetreten sind, finden in irgendeiner Form ihren Niederschlag in der Gesetzgebung, die natürlich zumeist eine Folgewirkung darstellt. Doch kommen auch Zeiten, in denen die Gesetzgebung eine Entwicklung anbahnt, der die Menschen dann erst zögernd folgen. Das dürfte der Fall sein bei jenem Gesetz, das den Arbeitnehmern die Möglichkeit zur verantwortlichen Mitwirkung im Betriebe gab, und das in diesen Tagen Zehn Jahre in Wirksamkeit ist. Das Betriebsrätegesetz, von der verfassunggebenden Nationalversammlung am 18. Januar 1920 in dritter Lesung mit 215 gegen 63 Stimmen angenommen und am 4. Februar 1920 in Kraft gesetzt, ist ein Kind der Revolution. Allerdings nur zeitlich gesehen. Sein Inhalt hat mit der Revolution nicht viel zu tun. Was hier als Betriebsräteidee in Paragraphen gegossen wurde, ist alte christliche Sozialauffassung. Der Arbeitnehmer im Betriebe soll in der Wertung nicht an die Seite der Maschinen und Werkzeuge gestellt werden. Er darf nicht als bloßes Produktionsmittel betrachtet und behandelt werden. Er muß im Betrieb als Mensch und Persönlichkeit zur Geltung kommen, muß die Möglichkeit haben, über sein eigenes Los im Betriebe mitzubestimmen. Man soll ihm Einblick in die Verhältnisse des Betriebes gewähren, damit er dadurch die Verbundenheit seiner Arbeit mit der ganzen Volkswirtschaft kennenlernt. Nur so wird er Freude an seiner Arbeit empfinden, die ihm in der Wirtschaft des neunzehnten Jahrhunderts verloren ging. Das Betriebsrätegesetz will diese Möglichkeit schaffen. Deshalb ist es bekämpft worden von jenen Kreisen in der Arbeiterschaft, die unter Schlagworten„Alle Macht den Räten" und„Diktatur des Proletariats“ die Revolution fortführen wollten. Ihnen erschien das Betriebsrätegesetz als eine Verankerung der verhaßten kapitalistischen Wirtschaft, die sie überwinden wollten. Sie erkannten nicht, daß in dieser Wirtschaft Form und Geist unterschieden werden müssen. Die Form ist zeitbedingt; sie war nicht zu überwinden wie die mißglückten Sozialisierungsversuche mit aller Deutlichkeit gezeigt hatten. Wichtiger noch als die Form der Wirtschaft ist aber der Geist, der sie beherrscht. Der Betriebsrätegedanke wies Wege, den kapitalistischen Geist zu überwinden. Das erkannten sehr klar jene Kreise, die bis dahin ziemlich unbeschränkt den Geist der Wirtschaft bestimmten. Deshalb wurden sie zu Bundesgenossen jener radikalen Rätefanatiker und liefen ebenfalls Sturm gegen das Neue, das durch das Betriebsrätegesetz Form erhalten sollte. Das Betriebsrätegesetz ist in der augenblicklichen Fassung eine Kompromißlösung. Es hat sicherlich mancherlei Schwächen. Trotzdem darf heute festgestellt werden daß die Lösung des Betriebsrätegedankens, wie sie im Gesetz vom 4. Februar 1920 gefunden wurde, ein entschiedener Fortschritt war. Alle die Befürchtungen, die damals ausgesprochen wurden, sind widerlegt worden. Die Betriebsräte haben die Wirtschaft nicht zugrunde gerichtet; sie haben im Gegenteil zur Ausgleichung der sozialen Span nungen wesentlich beigetragen und dadurch den Neuaufbau der deutschen Wirtschaft mitermöglicht. Andererseits erkennt die Arbeitnehmerschaft gerne an, daß überall dort, wo gewissenhafte Betriebsrätearbeit geleistet vurde, eine Besserung ihrer Stellung in den Betrieben erreicht worden ist. Die Betriebsgemeinschaft, die das Betriebsrätegesetz anstrebt, ist allerdings bisher nicht weit vorangekommen. Hier ist das Gesetz der Zeit vorausgeeilt. Aber, wie sich die bis dahin unbeschränkten Betriebsinhaber nach und nach daran gewöhnen mußten, in der Behandlung der mit dem Arbeitsvertrag zusammenhängenden Fragen demokratischere Formen anzuwenden, wie sie sich bei Entlassungen an das Einspruchsrecht der Betriebsvertretungen gewöhnt haben, so werden sie sich auch daran gewöhnen müssen, in den betriebswirtschaftlichen Dingen im Arbeitnehmer den verantwortungtragenden Mitarbeiter zu sehen. Das ist in der Hauptsache eine Angelegenheit der Erziehung und des guten Willens, die wir heute notwendiger brauchen als in der Vorkriegszeit. Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften haben hier eine große gemeinschaftliche Aufgabe zu erfüllen. Benjamin B. Lindsey, ein gerichteter Richter. In den Erörterungen über Jugendführung auf den Gebieten des Verhältnisses der Geschlechter zu einander ist der amerikanische Richter Lindsey viel genannt worden. Sein Buch„Die Kameradschaftsehe" hat zeitweise viel Verwirrung unter der Jugend und unter Erziehern angerichtet. Ein dankbarer Leser des„Aufwärts“ schickt uns jetzt eine Nummer des amerikanischen Blattes„Der Christliche Apologete“ mit der Bitte, für die Leser den nachfolgenden Artikel abzudrucken. Ueber den früheren Jugendrichter Lindsey von Denoer, Colo., fragte uns neulich ein Leser in Deutschland. Lindseys sittengefährliches Buch, in dem er die Kameradschaftsehe junger Leute empfiehlt und verteidigt, sei ins Deutsche übersetzt und stark verbreitet und richte um so mehr Schaden an, als der Autor sich als amerikanischer Richter ausgebe. Wir sind in der Lage, Auskunft zu geben, bedauern aber nur sehr, daß sie nicht erfreulicher ist. Benjamin Lindsey machte vor längeren Jahren einst als Jugendrichter viel und anerkennend von sich reden durch illerlei zu begrüßende Neuerungen im Jugendgerichtswesen. Er galt als beachtenswerte Autorität auf dem Gediete der Jugendverbrechen. Leider vollzog sich in ihm aber eine Schwenkung von den gesunden und bewährten christlichen Fundamenten unseres Rechtswesens. Als er aber mit seinen freien und moralisch revolutionären Ansichten immer mehr vor die Oeffentlichkeit trat, besonders als er immer energischer für die Kameradschaftsehe eintrat, die dem christlichen Eheideal direkt ins Gesicht schlägt, da hatte er zwar die Irreligiösen und die Libertiner auf seiner Seite, aber die gesund sittlich denkende Offentlichkeit wandte sich von ihm ab. Er konnte sich jedoch immer noch halten und setzte vor zwei Jahren seine Wahl zum Jugendrichter noch einmal durch, wurde aber dann auf Grund unlauterer Wahlumtriebe durch hohen Rechtsspruch abgesetzt, nachdem eine empörte Mehrheit seine Absetzung verlangt und die Beweise für die Notwendigkeit derselben erbracht hatte. Und am v. Dezember 1929 wurde er durch den Staats=Supremrichter Whitford von Colorado aus dem Advokatenstande ausgestoßen. Er war schuldig befunden worden, während er sein Richtamt innehatte, eine„Gabe“ von 37,500 Dollar von einer Klientin, Mrs. H. E. Stokes, angenommen zu haben für Hilfe zur Brechung des letzten Willens ihres verstorbenen Mannes, was sie in den Besitz großen Reichtums brachte. Das war nach den Gesetzen des Staates Denver ein Verbrechen, auf welches die Ausstoßung aus dem Advokatenstande und Verlust aller Rechte desselben als Strafe gesetzt ist. Bei der Verkündigung des Urteils sagte Supremrichter Whitford: „Es ist Pflicht dieses Gerichtes, einen Rechtsanwalt zu entfernen, wenn klare Beweise vorliegen, daß er nicht mehr den moralischen Charakter besitzt, der unentbehrlich ist für einen Advokaten, der seinen Namen nicht von der Liste gestrichen haben will. Und es ist die Pflicht der Genossenschaft der Rechtsanwälte, dem Obergericht Mitglieder zu melden, der sich der Verletzung des Gesetzes schuldig machten. Dadurch, daß Lindsey Gelder annahm, hat er seinen Eid als Gerichtsbeamter und als Advokat gebrochen.“ Das von fünf anderen Oberrichtern bestätigte Urteil lautete, wie schon bemerkt, auf Entziehung des staatlichen Advokatenpatentes von Lindsey. Hiermit ist der Charakter und Abfall des Mannes genügend gekennzeichnet; und mehr zu sagen ist nicht nötig. Wie sonderbar muß das sittliche Empfinden dieses doppelt gerichteten Jugendvichters geartet sein, der sich herausnimmt, öffentlich Anerkennung zu fordern für lockere Liebesverhältnisse junger Leute, die nichts anderes sind als legitimierte Konkubinate mit dem nächsten Zweck der schlauen Hintertreibung des eigentlichsten und heiligsten Zweckes der christlichen, moralischen Ehe, des Kindersegens. Solch ein Richter gehört vor den Richterstuhl, nicht auf denselben; der gehört nach Rußland, wo jetzt ein Mann eine Scheidung schon um 5 Cents haben kann, aber nicht nach Amerika, wo wir vor der Hand noch Gesetze haben, die auf den Fundamenten christlicher, nicht heidnischer, Moral ruhen. ** da wird gelebt“ Es ist merkwürdig, daß für nicht wenige Zeitgenossen der letzte Abend des Jahres vor allem eine Gelegenheit biete, gut zu essen und feudal zu trinken.„Heute ist Silvester— da wird gefeiert, da wird gelebt“, so beginnt im geschäftlichen Teil einer bekannten Berliner Zeitung die Aufzählung all der kulinarischen und bacchischen Genüsse, die für die häusliche Silvesterfeier im Verwandtenkreis unentbehrlich sind. Vom Wildpret über den Baumkuchen bis zu Wein, Sekt und Likör. Der gleichen Losung huldigen die Silvesterfeiern vieler Hotels und Gaststätten. Auch beim Uebertritt in das unheildrohende Jahr 1930 hat Berlin wieder das beschämende Schauspiel erlebt, daß in den großen Luxushotels den Jahresschlußgästen ein Silvestersouper zum Preis von 25 und 30 Mark serviert wurde, wozu dann noch die„spirituosen Zutaten“ in vermutlich gleicher Höhe kamen. Wir schweigen davon, daß bei einem solchen Silvesterfeiern, bei dem die Teilnehmer gewiß alle Mühe haben, mit dem Eßpensum rechtzeitig fertig zu werden, die stille Einkehr am Jahresabend natürlich keinen Raum hatte, und fragen nur: Wie muß ein solcher Silvesterluxus auf die Hunderttausende wirken die gerade in diesen Wochen immer tiefer im grauen Elendsmeer versinken? Man frage unsere Fürsorgerin. nen, die unter der Last immer neu hinzukommender „Fälle“ fast zusammenbrechen, ob es in den letzten 5 Jah. ren eine solch herzzerreißende Not, einen solch atemrau, benden Druck der Sorge in Stadt und Land gegeben hat wie am Jahresabend 1929! Und dann vergegenwärtigman sich auf dem Grunde dieses Elendsbildes die wohl, gepflegten Menschen, die sich in glänzenden Sälen durch Gänseleberpasteten, Trüffeln, Eis und unendliche Weinden Weg ins neue Jahr bahnen. Ist keinem von ihnen die den Wochenverdienst eines gelernten Arbeiters für ein opulentes Silvestermahl ausgegeben haben, der Bissen im Halse stecken geblieben? Steuererhohung in Sicht. — Berlin, 7. Februar. Am heutigen Freitag findet in Berlin eine neue Besprechung der Reichsregierung mit den Führern der Regierungsparteien statt, wobei insbesondere über die Gestaltung des neuen Reichshaushaltsplans für 1930 beraten werden wird. Wenn nicht alles täuscht, wird der neue Etat statt der verheißenen Steuersenkungen Steuererhöhungen bringen! Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer will einen ehrlichen Etat vorlegen, d. h. einen Haushaltsplan, bei dem Einnahmen und Ausgaben nicht durch Rechenkünste, sondern tatsächlich ins Gleichgewicht gebracht worden sind. Das aber erfordert die Bereitstellung neuer Mittel. Die Reichsregierung rechnet für 1930 trotz der Reparationseinsparungen mit einem Fehlbetrag von 700 Millionen Mark. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 105 Millionen Mark neuer Ausgaben aus dem Nachtragsetat. aus 130 Millionen Mark Steuerausfällen und ca. 450 Millionen Mark Mehraufwendungen für die Sozialversicherung. Gedeckt werden kann dieser Betrag durch Einsparungen oder durch Steuererhöhungen. Der beste Weg zum Etatsausgleich ist selbstverständlich der über die Einsparungen! In Regierungskreisen ist man jedoch der Ansicht, daß rund 95 Prozent aller Ausgaben zwangsläufiger Natur sind, Sparmöglichkeiten also nur in geringem Maße bestehen. Als Ausweg bleibt damit nach Ansicht des Finanzministeriums eben nur die Erhöhung der Steuern. Die Höhe der Gesamtsumme, die durch Steuetheraufsetzungen aufgebracht werden muß, ist abhängig von der Lösung der Finanzschwierigkeiten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Der Reichsfinanzminister vertritt die Auffassung, daß der Reichshaushaltsplan nicht mehr durch die Kredite für die Arbeitslosenversicherung belastet werden darf. Es ist deshalb die Bildung einer Gefahrengemeinschaft aller Sozialversicherungsinstitute angeregt worden, der Art, daß die Angestellten= und die Invalidenversicherung der Arbeitslosenversicherung Kredite zur Verfügung stellen, die von der Arbeitslosenversicherung in einigen Jahren zurückgezahlt werden sollen. Anklang hat dieser Vorschlag deshalb nicht gefunden, weil die Arbeitslosenversicherung bisher noch niemals Kredite zurückzuzahlen vermochte, die ihr vom Reich gewährt worden waren. Nun erhofft man zwar von den infolge des Geburtenausfalls während des Krieges für die nächsten Jahre zu erwartenden RückBildband und Volksmission. Jeder Vortrag in einer Frauenhilfe oder in einem sonstigen kirchlichen Verein kann ein Stück Volksmission werden. Jede Predigt, besonders vor einer größeren Zuhörerschar, wie sie z. B. der Heilige Abend oder der Volkstrauertag bringt, soll Volksmission sein. Oder wenn der Pfarrer Gelegenheit hat, in einem Kriegerverein oder Arbeiterverein oder Volksbildungsverein einen Vortrag zu halten, so kann das ein Stück Volksmission werden. Dazu kann einem der Lichtbilderapparat wertvolle Hilfe leisten. Es gibt Kreise, in denen ein Vortrag durch einen Pfarrer fast nie zustande kommen kann, weil die Leute verhetzt sind oder aus einem andern Grunde den Pfarrer nicht anhören wollen. Das habe ich oft erfahren auf der Männerkaserne der Saisonarbeiter in unserer Ziegelindustvie. Da gibt es nur vier Wege: 1. persönliche Besuche und Unterredungen bei den einzelnen Leuten, 2. Kolportage, 3. Truppbesuche, etwa mit einem Sängerchor, der auch die Stimmung für eine Ansprache schaffen kann; 4. der Lichtbildervortrag. Und über dieses letztere will ich hier etwas sagen. Wenn man müden Arbeitern am Abend eines Werktages einen Vortrag halten will, so hat man oft wenig Gehör. Man bekommt Zwischenrufe und Störung, oder die Leute kommen überhaupt nicht. Da ist es das Lichtbild, das Leute anlockt und fesselt. Das Auge erholt sich bei dem Anschauen schöner Bilder, und mittlerweile werden auch die Störenfriede interessiert und der Vortrag wird mit Spannung angehört. Die wohltätige Dunkelheit nimmt vielen, die sich sonst nicht herzutrauen, die Scheu, verhüllt auch schamhaft den Schmutz einer oft recht schmierigen Umgebung. Dazu sehen und stören die Leute sich gegenseitig nicht, und der weiße Fleck an der Leinwand zieht magisch die Augen auf sich. Und wenn dann gar noch ein paar bekannte Lieder kräftig mitgesungen werden, dann hat man als einzelner Mensch unter soviel oft feindselig gesinnten Menschen eine Macht über die Gemüter gewonnen. Ich rate jedem Diener am Worte Gottes, der solche Kreise weiß, an die er sonst schwer herankommen kann, es mal mit dem Lichtbildervortrag zu versuchen. Auch in der Kirche kan man mit der Lichtbilderandacht große Wirkungen erzielen. Es ist falsch, wenn manche meinen, der Lichtbildervortrag sei heute, wo das Kino die Menschen beschäftigt, veraltet. Kein Kino kann Gemälde so bringen wie das Lichtbild, das direkt Ruhe und Andacht ausströmt. Besonders stimmungsvoll wirkt es in dem feierlichen Kirchenraum. Dazu gehört ein pakkender Vortrag und feierliches Orgelspiel und Gesang. Auch in der kleinsten Dorfkirche kann man das machen. Und wenn man keinen elektrischen Strom in der Kirche hat, dann kann man durch ein Kabel, das nicht viel kostet, sich von einem Nachbarhause leicht den Strom in die Kirche leiten. In manchen Dorfkirchen, in denen der Kirchenbesuch sonst sehr kläglich ist, kann die Lichtbildandacht Aufsehen erregen, dann wird solche Andacht direkt zur Volksmission. Besonders geeignet für diese Zwecke ist der Bildbandapparat. Glasbilder sind schwer und teuer. Der Bildbandapparat ist leicht und auch bedeutend billiger. Die Bildbänder erwirbt man zum Preise von 3 bis 6 Mark käuflich und kann sie dann ohne Unkosten immer wieder, auch in den kleinsten Kreisen, zeigen. Das macht den Bildbandapparat so wichtig für die Volksmission. Mit diesem Apparat im Rucksack kann der Pfarrer an den Wochenabenden auch die Außenbauten seiner Gemeinde besuchen und dort den Leuten eine Freude machen. Volksmission ist auch das. Viele wollen nicht glauben, daß auf dem kleinen Filmband die Bilder so gut reproduziert werden können. Aber man braucht ja bloß an das Kino zu denken, dann weiß man, was möglich ist. Allerdings ist es leider wahr, daß die bisherigen Veröffentlichungen auf dem Gebiet des Filmstreifens viele abgeschreckt haben. Schnell, billig und lieblos, oft auch technisch miserabel, sind eine große Zahl der Filmstreifen hergestellt, die zum Verkauf angeboten werden. Es gibt allerdings auch einige ganz vorzügliche Serien, die allen Ansprüchen genügen und dazu geeignet sind, Volksmissionsdienste zu leisten, so z. B. die Filmostoserien: „Gehet hin in alle Welt!“„Vom christlichen Märtyrertum“. und„Zum Gedächtnis unserer Gefallenen“. An den meisten für die Zwecke der Kirche und Volkomission geeignet erscheinenden Serien ist jedoch sehr viel auszusetzen. Seit einiger Zeit habe ich es mir angelegen sein lassen, durch Anregungen und Kritik diesen Zustand zu bessern und auch selbst neue Serien zu schaffen, die jene Mißstände beseitigen und für die Volksmission eine wichtige Handreichung darbieten sollen. Im Verlag der„Deutschen Lichtbildgesellschaft“ in Berlin SW. 19, Krausenstraße 38/39 sind bis jetzt als Anfang zwei Sachen von mir herausgegeben worden, die, wenn die Nachfrage groß genug ist, vielleicht den Anfang einer ganzen Volksmissionsreihe werden können: 1. Von den ewigen Sternen, 60 Bilder, 4 Mark, Text 2 Mark. 2. Vom Sträfling zum Missionshelden: Lars Olsen Skrefsrud, 55 Bilder, 4 Mk., Text 1 Mark. Die Grundlage dieses Filmes ist das im Ev. Missionsverlag in Stuttgart erschienene hervorragende Buch: Lars Olsen Skrefsrud,— man kann wohl sagen, eins der sieben besten Missionsbücher. Wenn man solche Filme hat, lohnt es sich schon für einen Pfarrer, sich einen Bildbandapparat zur Belebung des Gemeindelebens und zum Zwecke der Volksmission zu beschaffen. Johannes Bolte, Pfarrer in Zabelsdorf in der Mark. Reminiscere. Gedenket auch derer, die ungenannt in Sammelgräbern ruhen. Am Volkstrauertag geht das Sehnen von Millionen Deutschen zu den fernen Gräbern in fremder Erde. Viele werden an diesem Tage wieder als Zeichen liebenden Gedenkens auf den. Ruhestätten ihrer Angehörigen Kränze und andere Gebinde durch Vermittlung des Volksbundes niederlegen lassen. So manche Mutter weiß aber nicht, wo sie das Grab ihres unvergeßlichen Sohnes suchen soll, weil er namenlos, gleich vielen Hunderttausenden, irgendwo in einem Sammelgrabe ruht. Mit ihr teilen viele, viele Familien das gleiche Los. Die Zahl derer, die unerkannt in fremder Erde schlafen, reicht fast an die Millionen. Sollten die Gräber, in denen oft Tausende von Kameraden zusammen gebettet sind, ohne Liebe, ohne Schmuck bleiben, weil kein Name auf dem Kreuz Kunde gibt, woher sie kamen, wer sie sind? Der Volksbund will, wie alljährlich, die Ausschmükkung der Sammelgräber übernehmen und auf möglicht vielen dieser Stätten Kränze mit Schleife und Inschrift: „Gruß aus der Heimat“ niederlegen lassen. Dazu bedarf er aber der Mithilfe, denn die Mittel, die er für diesen Zweck zur Verfügung stellen kann, reichen nicht aus. Er ruft daher dem ganzen deutschen Volke, jedem ein zelnen Deutschen, wer er auch immer sei, zu: Reminiscere — Gedenket! Helft uns, die Sammelgräber würdig auszuschmücken. Spenden nimmt die Geschäftsstelle Minden, Blumenstraße 10 entgegen. Der Bezirksvorstand Minden: Dr. Hagemeister, Re' gierungspräsident, Ehrenvorsitzender; Alexander Freihert von Blomberg, Oberstleutnant a..; Hatheysen, Lehret. gang an Erwerostatigen eine Entlastung des Arbeitsmarktes, doch sind die übrigen Sozialinstitute trotzdem einer Kreditgewährung an die Reichsanstalt abgeneigt, weil sie in Kürze selbst ihre Ueberschüsse in Anspruch nehmen müssen. Die Reichsregierung hat sich deshalb inzwischen auf die Ablehnung dieses Gedankens der Gefahrengemeinschaft eingestellt und erwägt nunmehr in erster Linie wohl die Aufnahme einer Anleihe für die Arbeitslosenversicherung. Ohne Mehraufwendungen für die Arbeitslosenversicherung würde der zu deckende Fehlbetrag etwa 450 Millionen Mark ausmachen. Um für diese Summe einen Ausgleich zu schaffen, denkt man an die Erhöhung der Umsatzsteuer und der Biersteuer ferner wird von einer Heraufsetzung der Zölle für Tee und Kaffee gesprochen. Alles das sind natürlich nur Anregungen“, über die das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Für den Fall, daß die Erhöhung der Umsatzsteuer um ein Viertel auf 1 Prozent abgelehnt wird, möchte man dafür die Biersteuer statt um 180 Millionen Mark um 360 Millionen Mark erhöhen. Das sind etwa die Themen, die am heutigen Freitag in der Besprechung der Reichsregierung mit den Parteiführern zur Debatte stehen. Daß die Aussicht auf Steuererhöhungen von den Fraktionen nicht beifällig ausgenommen werden wird, ist selbstverständlich. Für die Regierungsgemeinschaft bedeuten die neuen Finanzverhandlungen eine sehr ernste Belastungsprobe. Je länger die Verhandlungen dauern werden und je schärfer sie sich zuspitzen, desto mehr kann hierdurch der Zusammenhalt der Koalition gelockert werden. Letzten Endes geht es bei den neuen Besprechungen also nicht nur um finanzielle Dinge, sondern auch um das Schicksal der Reichsregierung und den Kurs der Reichspolitik. Politische Konflikte können sich nur noch daraus entwickeln, daß gleichzeitig mit den Finanzfragen auch über den Bau eines zweiten Panzerkreuzers verhandelt werden soll, wenngleich dieser neue Panzerkreuzer den Reichshaushalt 1930 nur mit einer geringfügigen„Anerkennungsgebühr" belasten dürfte. Als Trost verbleibt, daß die so dringend notwendige Steuersenkung nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben ist. Man hofft, 1931 den zweiten und angenehmeren Teil des Finanzprogramms, nämlich den der Lastenerleichterung, nachholen zu können. Doch das ist eben nur ein schwacher Trost. Fragen der Vi Von unserem Sonderberichterstatter auf der „Grünen Woche.“ — Berlin, 7. Februar. Wir waren in den letzten Jahren mit großem Eifer und vielen Worten belehrt worden, daß eine erfolgreiche Viehzucht bei den verschiedenen Tierarten nur betrieben werden könne, durch eine den„Höchstleistungen“ angepaßte Fütterung. Die Höchstleistungen sind natürlich sehr verschieden: Milch— Jungviehaufzucht— Viehmast. Jedes dieser Fütterungsziele müßte besonders behandelt werden. Aber wie man es auch anfaßte, trotz aller mehr oder weniger gelehrten, aber meistens reichlich phantastischen Belehrungen zeigte sich immer wieder, daß Höchstleistungen nicht rentabel waren. Die Schwierigkeit lag besonders— vor allem bei der Milch und der Jungviehzucht— daran, daß in unserem von der Natur so wenig begünstigtem Klima die fleischbildende Substanz für den Körperaufbau und ebenso die Aufbaustoffe für Milch nicht in der Menge produziert werden, wie nötig. Es handelt sich dabei um das Eiweiß, Protein. Für die Mast stehen uns Fettbildungsstoffe in Gestalt von Kohlehydraten in den Wurzelfrüchten besonders in den Kartoffeln, dann auch in den Rüben und in den Rückständen der Zuckerfabrikation mehr als übergenug zur Verfügung,— und das in einer Zeit, wo in den Städten kein Mensch mehr Fett haben will, von wegen der berühmten„schlanken Linie“! Die Einfuhr der Eiweißstoffe, die meist als Oelkuchen erfolgt, erfordert ungeheure Mittel. Und da würgen wir nun daran, wie wir Eiweiß bei uns im vermehrten Umfange heranschaffen können. Weil es doch mit dem Getreidebau so ganz und gar nicht gehen will, sollten wir es jetzt mit dem Anbau von Hülsenfrüchten und Klee versuchen. Angesichts der jetzigen hohen Heupreise und der niedrigen Getreidepreise könnte unter Umständen ein kleiner Vorteil darin stecken, sich im verstärkten Umfange auf die Gewinnung hochwertigen Kleeheus, Luzerneheus, einzustellen. Nur, wenn das viele tun, wohin dann mit dem Segen?! Womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß nicht jeder die Verpflichtung hätte, im Rahmen seines Eigenverbrauchs diese Umstellung mitzumachen. Mit der Höchstleistung ist es dann natürlich zu Ende, denn es gibt doch nur ganz wenige gesegnete Gefilde in unserem Vaterlande, wo ein qualitativ so hochstehendes Heu wachsen würde, das man damit allein 3. B. Milchkühe zu 30 Liter Milch hinaufpeitschen konnte. Ganz abgesehen davon, daß die Gewinnung dieser Heuarten nur in Trockenlagen einigermaßen sicher ist. Dieser Zweig der Umstellung auf Futterpflanzen und auf die Ernährung des Viehes mit sogenanntem„wirtschaftseigenen Futter“ hat noch den großen Vorteil, daß der Boden dabei mit Stickstoff angereichert wird, weil Klee und Hülsenfrüchte bekanntlich durch die Knöllchenbakterien an den Wurzeln, sich Stickstoff aus der Luft einfangen; des ferneren durch ein großes Wurzelwerk viel humusbildende, verwesende Bestandteile in den Boden bringt. Die Mechanisierung der Landwirtschaft in stark in den Hintergrund getreten. Man redet nicht mehr gern davon. Jeder hat in den letzten zahn Jahren durch die Maschinenanschaffung gefährliche Verluste erlitten. An die Stelle früherer begeisterter Lobreden über das„eiserne Pferd“ und dergleichen sind heute kritische Betrachtungen über dessen Nützlichkeit und das Gebiet unschädlicher Anschaffung getreten, die sogar von seiten der Technik recht zurückhaltend klingen, wie auf der diesjährigen landwirtschaftlichen Woche aus dem Vortrage des Zivil=Ingenteurs Zander, der einer der begeistertsten Vorkämpfer der„fabrikmäßigen Landwirtschaft“ war. Diese steigende Zurückhaltung war um so wichtiger und erfreulicher, als gerade jetzt die Traktoren dabei sind, den Weg in die Mittelbetriebe zu finden, weil es Mode geworden ist, seine fortschrittliche Einstellung durch so ein fauchendes Ungetüm den Dorfnachbarn zum Bewußtsein zu bringen. * So war die ganze Tagung wesentlich auf die Praxis eingestellt. Es wehte ein ganz anderer Wind, als auch die Wissenschaft noch einmal mit sehr tiefgründigen Forschungsergebnissen hervortrat. Es handelt sich da um einen Vortrag des rheinischen Forschers Prof. Dr. Remy der seit einem Menschenalter eine große Reihe von Versuchen über Kartoffelbau laufen hat. Die Abbauerscheinungen bei der Kartoffel, die in einzelnen Gegenden zu fortgesetztem Rückgang der Erträge führen, wenn nicht in ganz kurzen Zwischenräumen keuere neue Saat angeschafft wird, sind sein spezielles Forschungsgebiet. Er hat die Sache nunmehr soweit geklärt, daß sich abbauende Gegenden und erhaltende Gegenden unterscheiden lassen. Dort, wo der Abbau nicht eintritt, soll nach seiner Auffassung die Saat gebaut werden, die man in den abbauenden Bezirken zur Produktion von Konsum=Kartoffeln benutzen kann. Die Ursachen des Abbaus sind noch nicht vollkommen geklärt. Wohl aber weiß man, daß Niederungsgebiete in warmen Flußlagen den Abbau begünstigen, die höher gelegenen Gegenden mit viel Wind die Kartoffel gesund erhalten. Das wird uns in der Kartoffel=Produktion ein Stück weiter bringen. Wilhelm Arens. Ortiz Rubio verletzt. — Neuyork, 7. Febr. Wie zu unserer gestrigen Mitteilung über das Attentat auf den neuen mexikanischen Präsidenten Ortiz Rubio ergänzend gemeldet wird, wurde dem Präsidenten, dem der erste Schuß galt, der Kinnknochen zerschmettert. Der Attentäter wurde verhaftet. Kabinett sollte ermordet werden. Einer ergänzenden Meldung zufolge gab der Kraftwagenführer nach dem ersten Schuß Vollgas und raste dann mit dem Wagen dem nächsten Krankenhaus zu. Aerzte bemühten sich sofort um den Verletzten und entfernten auf operativem Wege die Kugel aus dem Kinn des Präsidenten. Bei der Operation wurde festgestellt, daß die Kugel um Haaresbreite an der Schlagader vorbei gegangen ist! Der Attentäter gab bei seinem Verhör drei verschiedene Namen an. Es scheint jedoch sicher zu sein, daß er aus San Luis stammt und 22 Jahre alt ist. Die Untersuchung ergab ferner, daß der Auschlag von langer Hand vorbereitet worden ist. Es war geplant, den Präsidenten und sämtliche Minister zu erschießen, um dann in den folgenden Wirren der Partei des bei den letzten Wahlen unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Vasconcelos die Macht zu verschaffen. Außer dem Attentäter wurden inzwischen sieben weitere Mitglieder der Verschwörung verhaftet. Nach dem Attentat übernahm der frühere Präsident Portes Gil provisorisch wieder die Leitung der Geschäfte. Er berief die Presse zu sich und erklärte, obwohl die Schüsse Kopfstreifschüsse seien, bestehe doch bei keinem der Verletzten Lebensgefahr. Die Aerzte hofften vielmehr, daß Präsident Rubio in vier oder fünf Wochen in das Amt zurückkehren könne. Uebrigens habe Frau Rubio bereits vor einigen Tagen einen Drohbrief erhalten, in dem ihr mitgeteilt worden sei, ihr Mann werde den Amtseid niemals leisten können; man werde ihn zuvor ermorden! Erregung in Mexiko. In Mexiko=Stadt herrschte in den dem Attentat folgenden Stunden große Erregung. Vor dem Nationalpalast war es nach dem Anschlag unter den Zuschauern zu einer Panik gekommen. Man befürchtete eine allgemeine Schießerei und suchte deshalb sein Heil schleunigst in der Flucht. Mehrere Personen wurden niedergetreten. Der Attentäter leistete bei der Verhaftung keinen Widerstand. Rom— Durch Mussolini und Bundeskanzler Schober unterzeichnet. — Rom, 7. Februar. Der österreichische Bundeskanzler Schober und der italienische Ministerpräsident Mussolini unterzeichneten gestern, wie vorgesehen, einen österreichisch=italienischen Freundschafts=, Versöhnungs= und Schiedsgerichtsvertrag. Der Vertrag wurde erst im Verlaufe der letzten Nacht gedruckt. Am Abend fand ein großes Essen in der österreichischen Gesandtschaft statt, zu dem sich auch Mussolini eingefunden hatte. Bundeskanzler Schober wird nunmehr die Heimreise antreten und sich Ende des Monats nach Berlin begeben. Die Unterzeichnung des österreichisch=italienischen Freundschaftsvertrags beendet ein Kapitel der österreichisch=italienischen Nachkriegspolitik. Das Schwergewicht der Verständigung ist auf wirtschaftlichem Gebiet zu suchen. Deutsch=Oesterreich hat allen Anlaß, den Wirtschaftsverkehr mit Italien zu fördern, ist doch Italien eins der wenigen Länder, die mehr von Oesterreich beziehen, als sie nach dort ausführen. Umgekehrt ist Italien aus politischen Gründen bestrebt, DeutschOesterreich zu stärken, damit es nicht in der Interessensphäre der Kleinen Entente untergeht. Natürlich kann es gute Beziehungen zwischen beiden Ländern auf die Dauer nur dann geben, wenn Italien nicht durch seine Politik in Südtirol neue Störungen hervorruft. Und so hoffen wir, daß das schwere Los der Deutschen in Südtirol, für dessen Tragik das Sterben des aufrechten Dr. Roldin kennzeichnend ist, unter den Auswirkungen der neuen Beziehungen zwischen Rom und Wien eine entscheidende Milderung erfährt. Italien kann nicht mit einem Teil des großen deutschen Volkes gute Beziehungen unterhalten wollen, während es gleichzeitig das Deutschtum in seinem Lande brutal unterdrückt und von der heimischen Scholle vertreibt. der Wurde über den Verkauf kommunistischen Grundbesitzes verhandelt? — Berlin, 7. Februar. Ein Düsseldorfer Mittagsblatt hatte behauptet, daß Vertreter der Kommunistischen Partei mit Unterhändlern der Sozialdemokratie über den Verkauf des gesamten unbeweglichen und eines Teiles des beweglichen Eigentums der K. P. D. in Verhandlungen stehen. Als Kaufpreis seien 15 Millionen Mark gefordert worden, die schließlich auf 8,5 Millionen Mark ermäßigt worden seien. Die Unrentabilität der kommunistischen Betriebe wurde als Grund der Verkaufsverhandlungen angegeben. Die„Rote Fahne", das Zentralorgan der Kommunistischen Partei, bemerkte dazu, es treffe weder zu, daß die kommunistischen Betriebe unrentabel seien, noch sei es richtig, daß auch nur Verhandlungen über einen Verkauf geschwebt hätten. Demgegenüber behauptet jetzt wieder der„Sozialdemokratische Pressedienst“, es stehe fest, daß die maßgebende Instanz der Kommunistischen Partei seit Oktober um eine rasche Veräußerung der Druckerei= und Verlagsgebäude bemüht ist und zu diesem Zweck mit dem Hugenberg=Konzern und dem Elbmühl=Konzern in Wien verhandelt habe. Eine Mitteilung des Zentralausschusses der..D. — Berlin, 7. Februar. Zu den Nachrichten und Gerüchten über eine geplante Veräußerung der Vermögenswerte der..D. teilt das Sekretariat des Zentralausschusses der..D. mit, daß es die..D. heute nicht mehr nötig habe, etwa festliegende Vermögenswerte der Partei, sei es in Druckereien oder Parteihäusern, flüssig zu machen, da derartige Werte schon lange abgestoßen seien. Um bei einem etwaigen Verbot der Partei die Vermögenswerte der Partei nicht in die Staatskassen fließen zu lassen, seien rechtzeitig die notwendigen Maßnahmen getroffen worden. Diese Maßnahmen seien entsprechend den Parteistatuten durch die höchste Körperschaft der Partei, den Weddinger Parteitag, in einer geschlossenen Sitzung am 15. Juni 1929 bestätigt worden, an der alle gewählten Delegierten mit beschließender Stimme aus dem ganzen Reich teilgenommen hätten. * Dieser kommunistischen Darstellung der Dinge gegenüber dürften einige Zweifel am Platze sein. Eine wesentlich andere Beleuchtung erfährt die Angelegenheit durch folgende Meldung: Sanierung der..D. durch zwei Berliner Banken? — Berlin, 6. Febr. Zu den Meldungen über die Veräußerung, bezw. Belastung, der Grundstücke und Druckereien der..D. berichtet eine Berliner Korrespondenz, daß die Parteizentrale mit einem Bankkonsortium verhandelt, das zunächst auf Grund hypothekarischer Sicherungen der..D. einen Barkredit von 500000 Mark zur Verfügung stellen soll. Die Druckereien sollen in die Verwaltung des Finanzkonsortiums übergehen, wobei die Höhe der Löhne der Arbeiter und Angestellten, von der Gesellschaft festgesetzt werden soll. Die..D. hat bei ihren Bemühungen, eine Umstellung der Betviebe durchzuführen, mit zwei Berliner Banken verhandelt. Es wird glaubhaft versichert, daß diese Verhandlungen vor einem Abschluß stehen. Eine Rede Dr. Schreibers. Der Ernst unserer Wirtschaftslage. Der Haushaltsausschuß des Preußischen Landtages begann am Donnerstag die Vorberatung des Haushalts der Handels= und Gewerbeverwaltung. Handelsminister Dr. Schreiber gab eine Uebersicht über die allgemeine Wirtschaftslage und die Arbeiten seines Ministeriums. Der Gesamtzuschußbedarf dieser Verwaltung habe sich auf rund 50¼ Millionen Mark erhöht. Ersparnisse lägen beim Flugwesen in Höhe von 400 000 Mark vor. Ueberhaupt bleibe die Unterstützung des Flugwesens aus öffentlichen Mitteln in Deutschland gegenüber anderen Ländern sehr gering. Die wirtschaftliche und soziale Lage des vergangenen Jahres werde durch die Zahl der Arbeitslosen charakterisiert. Die Arbeitslosenversicherung sei so notwendig, daß nichts unversucht bleiben dürfe, um die Reichsanstalt, deren Lage bei einer Verschuldung von voraussichtlich 600 Millionen Reichsmark Ende März dieses Jahres schwer erschüttert sein werde, zu sanieren. Die Leistungen der Lufthansa seien in der Personenbeförderung um 21,7 v. H. zurückgegangen, während sie bei der Fracht um 17,8 v. H. zugenommen hätten. Es seien 1929 15 Fluggäste verunglückt, davon 6 tödlich, was bei einem Dreijahres=Durchschnitt von 100000 Fluggästen eine Abnahme gegenüber dem Vorjahre bedeute. Denkschrift zur Sanktionsfrage. „Das Sanktionssystem des Versailler Vertrags und der Londoner Vereinbarungen von 1924 ist beseitigt.“ — Berlin, 7. Februar. Die Reichsregierung hat den fünf Gesetzentwürfen zur Ausführung des Youngplans, die nach der Annahme durch den Reichsrat am Dienstag den Reichstag in erster Lesung beschäftigen werden, ausführliche Begründungen in Gestalt von Denkschriften beigefügt. Aus der Denkschrift zum„Gesetz über die Haager Konferenz 1929/30“ sind insbesondere die Ausführungen zur Sanktionsfrage bemerkenswert. Es war Aufgabe des Haager Abkommens, so heißt es darin, eine in Kraft befindliche frühere Regelung zu ändern, die positive Sanktionsbestimmungen enthält. Vor allem mußte an die Möglichkeit gedacht werden, daß etwaige ernste Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Zahlungen von der Gegenseite benutzt werden könnten, um Deutschland schon daraufhin einen gänzlichen Bruch des neuen Planes vorzuwerfen und ihm den Schutz durch die Verfahrensarten des Planes streitig zu machen. Sollte das Sanktionsproblem von Grund aus gelöst werden, so mußten auch gegenüber einer solchen Möglichkeit Sicherungen geschaffen werden. Die Denkschrift erörtert dann die bekannten Gesichtspunkte für den Fall einer Zerreißung des Youngplans durch Deutschland. ... Zu beachten sei, daß die Handbungsfreiheit der Gegenseite immer nur zur Sicherstellung der Ausführung des neuen Plaues, also nicht etwa zur Erzwingung der früheren vertraglichen Verpflichtung Teutschlinds ausgeübt werden dürfe. Es ergebe sich, daß das Sanktionssystem des Vertrages von Versailles und der Lonroner Vereinbarungen von 1924 beseitigt worden seien. Für den Fakl einer für Deutschland ungünstigen Entscheidung der genannten Instanz würden keineswegs Sanktionen, d. h. Strafmaßnahmen, festgelegt, die Deutschland nicht als einen feindlichen Akt betrachten dürfte, sondern es werde lediglich entsprechend dem gemeinen Völterrecht die Wiedergewinnung der Handlungsfreiheit konstatiert. Danach kann also keine Rede davon sein, daß Frankreich„im Falle einer vom Schiedsgerichtshof bestätigten böswilligen Einstellung der Zahlungen berechtigt ist, deutsche Häfen, Gruben oder das Rheinland wieder zu besetzen.“ Da diese Aeußerung nach dem „Echo de Paris“ von Tardieu gemacht sein soll, wird Tardieu, vorausgesetzt, daß er sich so oder ähnlich geäußert hat, sich zu einer Richtigstellung bequemen müssen. und die preußische Staatsregierung sowie an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, in der es heißt: Wir Wirtschaftsführer der Provinz Ostpreußen wenden uns an die gesetzgebenden Stellen mit der dringendsten Bitte, dem polnischen Liquidationsabkommen vom 31. Oktober 1929 die Genehmigung zu versagen. Das Liquidationsabkommen mit Polen bedeutet eine Schicksalsfrage für den deutschen Osten, und im Gefühl der Verantwortung für unsere Heimatprovinz und ihre deutsche Zukunft warnen wir Vertreter Ostpreußens vor diesem Abkommen und sordern die für die Entscheidung Maßgebenden zu seiner Ablehnung auf..... L. EFFehnung Tamit daß Ai Begründet wird die Ablehnung damit, daß die Aufgabe der Liquidationsansprüche eine Gefahr für die friedliche Lösung der Korridorfrage bilde. Uns scheint, die Sanktionsfrage wird weder durch Denkschriften noch durch Proteste söndern allein durch das Verhalten Frankreichs im praktischen Falle geklärt. Wenn im Fall der deutschen Leistungs unfähigkeit die internationale Machtkonstellation den Franzosen eine Wiederbesetzung des Rhein= oder Ruhrgebietes gestattet, wird auch die schönste„Denkschrift zur Sanktionsfrage“ leider nur noch historischen Wert besitzen. Ostpreußen gegen Polenvertrag. Eingabe an Reichsregierung und Reichstag. — Berlin, 7. Februar. Die Präsidenten der ostpreußischen Landwirtschaftskammer, der Handwerkskammer, der Handelskammer Königsberg, des Grenzmarkkammerverbandes und der Generallandschaftsdirektor haben an die ReichsRundschau im Auslande. Der amerikanische Diskontsatz auf 4 v. H. ermäßigt. Neuyork, 6. Februar. Nachdem die Bank von England am heutigen Donnerstag ihren Diskont von 5 auf 4,5 v. H. ermäßigt hat, hat nunmehr auch die Federal Reserve=Bank of Newyork, wie allgemein erwartet wurde, ihren Diskontsatz von 4,5 auf 4 v. H. ermäßigt. auch stofflich etwas zu schwer. Besonderes Interesse z. den die kleinen Stücke„Nordseebilder“, ebenfalls fungen Herrn Pfeiffers. Die einzelnen Bilder waren z. empfunden und gut gezeichnet. Man dachte oft an Go. und Schumann. Wir danken Herrn Pfeiffer herzlich ni wünschen uns für ein Wiederhören Schumann, Chopin.... Bereichert wurde das Programm durch.“ schön vorgetragene Lieder des Kleinen Frauenchorg — Bielefeld. Konzert der Heilsarmee. Am Sonnta, dem 9. Februar nachmittags 4 Uhr in der Volze## halle C...M. am Papenmarkt, findet, wie schon bekann ist, ein Konzert der Stabsmusik der Heilsarmee aus der Hauptquartier in Berlin statt. Wer sich des Konzert noch erinnert, das die Stabsmusik vor ungefähr 25 Jahre# in Brinkhoffs Tonhalle gab unter Teilnahme des Gen, rals Booth, wird gerne auch an dieser Veranstaltung teilnehmen und andere darauf aufmerksam machen. Generalamnestie in Spanien. — Madrid, 7. Februar. Anläßlich des vor einem Jahr erfolgten Todes der Königinmutter von Spanien beschloß der Ministerrat eine weitgehende Amnestie für sämtliche Militär= und Zivilpersonen zu erlassen, die in die während der Diktaturzeit versuchten Umsturzanschläge verwickelt waren.“ Lokal= und Provinzialnachrichten. Bethel. Konzert. Am Mittwoch abend erfreute uns Herr Hubert Pfeiffer aus Elberfeld mit einem Klavierkonzert. Er begann mit einer Sonate in=moll eigener Komposition. Die mit guter Fingertechnik und Ausdruck gespielte Sonate zeigte ganz die moderne Linie. Wir Betheler erfreuen uns mehr an älteren Meistern. Somit klang dieses Werk für uns ungewohnt und war vielleicht Bethel. — Christl. Verein j. Männer. Heute, Freitag, 8¼ Un Mitgliederversammlung in Gosen. Sonntag, 8½ Un morgens, gemeinsame Weißkreuzstunde der Bieleseld, Gruppen in„St. Paulus“, Markgrafenstraße 2. Ab Tel. fonhaus.10 Uhr. — Speisesaal Bethanien. Der Münchener Organi und Bachspieler Nowotny gibt eine Bachfeierstunde, der alle, die sich ernstlich für Bach interessieren, eingele## den sind. Insbesondere die Mitglieder des„Bachpfennig“ die den vorigen Jahresbeitrag(1 Mark) mitbringen möchten. Der Eintrittspreis am Sonntag nachm. 5 uh im Speisesaal zu Bethanien beträgt 20 Pfennig, dort an Eingang zu entrichten. — Hausfrauenverein. Montag, den 10. Febr., abend. 8 Uhr, ist wieder Zusammenkommen in unserem Hause Hausvater Ehmann wird mit uns den Gesetzentwurf fu Hausangestellte durchsprechen. J. v. Bodelschwingh. vom 7. Februar bis zum 15. Februar. Ganz besonders billiger Verkauf sämtlicher Weißwaren und Wäsche! 35. Rohnessel 78 cm breit...... Meter 55, 48, 40 Rohnessel 134 cm breit.......... Meter.0S 93.3 160 cm breit.......... Meter.10.00 Hemdentuche starkfädig..... Meter 82, 76, 65, 50 Hemdentuche feinfädig........ Meter 82, 72, 65 Bettkattune Meter 85, 75, 72, 65 58. Hemdenbarchende nur schwere Köper-Qualitäten, Meter 92, 82, 78 68. Linon 160 cm breit.. Meter.00, 1,60 Bett-Damast und Satin 160 cm breit.... Meter 3,15.85,.25 Gebleichter Barchent Meter.25,.—,.80 Haustuche 130 cm breit...... 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In Jugen Tanz= und V neue Sensatio und Haltlosigk Aber dann denen unerwa wehrte man si Es ist bemerke diesen Regung im Gefängnis det sich hier g Verfassers eine dischen Wort schreiben. Was vor d zialdemokrate keine vereinz junge Proleta „Wegweiser": derne Kultur auf den Mar! lockere Gered politische Lieb Wozu nützt a leben, macht besten und gl die einfachen Kultur leben, gallertartig. dann fährt di Zeiten las da es Kraft und es doch bedeu wie die Bibe worden ist. A renden Bücher uns zersplitte machen.“ Auf dem Nachkriegszeit schen Kirche gebiete und Arbeiter in d rigkeiten mit arbeit vielmel Ros Zu ihrem tauf Vi Nr. 33. Sonnabend, den 8. Februar 1930. 12. Jahrgang. Der Viens teer Tircht. Schwedens Kirche. Von Dr. Stöhr.! Aehnlich wie die Kirchen des europäischen Kontinents hatte auch die lutherische Kirche Schwedens in der Nachkriegszeit großen Schwierigkeiten zu begegnen. Seitens der politischen Sozialdemokratie gab es viel Feindschaft gegen das Christentum und die Kirche. Materialistische und freikirchliche Bewegungen setzen der Kirche hart zu. In Jugendkreisen industrieller Bezirke wuchs die Tanz= und Vergnügungssucht. Das Eingestelltsein auf neue Sensationen gab dem Leben eine seelische Unruhe und Haltlosigkeit. Aber dann regte sich jenseits der Kirche an verschiedenen unerwarteten Stellen religiöses Leben. Vor allem wehrte man sich gegen den verflachenden Materialismus. Es ist bemerkenswert, daß besonders die jüngeren Dichter diesen Regungen Ausdruck verliehen. So schreibt Oljelund im Gefängnis seinen Roman„Mit großem G“ und wendet sich hier gegen die Sitte, die sich in den Kreisen des Verfassers eingebürgert hatte, Gott wie die andern schwedischen Worte mit kleinen Anfangsbuchstaben zu schreiben. Was vor dem Kriege für einen fortgeschrittenen Sozialdemokraten unmöglich gewesen wäre, das ist jetzt keine vereinzelte Erscheinung mehr. So schreibt der junge Proletarierdichter Ragnar Jändel in seinem Buche „Wegweiser":„Nicht ohne Ekel kann man an die moderne Kultur denken. Die vielen Bücher, die unaufhörlich auf den Markt geworfen werden, all das dumme und lockere Gerede, von dem die Zeitungen voll sind, das politische Liebäugeln mit den Massen usw., das ist Kultur. Wozu nützt alles dies? Es hilft nicht den Menschen zu leben, macht sie nicht fröhlicher, stärker, besser. Die besten und glücklichsten Menschen sind im allgemeinen die einfachen Menschen. Diejenigen, die mitten in der Kultur leben, sind dagegen ohne Wurzel, ungesund, gallertartig. Vor allem sind sie sensationsbegierig.“ Und dann fährt dieser Proletarierdichter fort:„In früheren Zeiten las das Volk nur Erbauungsbücher. Darin fand es Kraft und Ruhe. Ich habe oft daran gedacht, wieviel es doch bedeutet hat, daß ein so weises und tiefes Buch wie die Bibel von Menschen in allen Klassen gelesen worden ist. Wir brauchen die großen, beruhigenden, klärenden Bücher, Bücher, die sammeln und bauen, nicht die uns zersplittern, die niederreißen und uns schmutzig machen.“ Auf dem Hintergrunde dieser Erschütterungen der Nachkriegszeit muß man die Entwickelung der schwedischen Kirche sehen. In den Gemeinden der Industriegebiete und auch anderswo gibt es sozialdemokratische Arbeiter in den Kirchenräten, ohne daß dies zu Schwierigkeiten mit den Geistlichen führt. Man weiß diese Mitarbeit vielmehr sehr zu würdigen. Und auch Sozialdemokraten werten den Geistlichen als einen wichtigen ideellen Faktor. Die lutherische Kirche Schwedens umfaßt praktisch die gesamte schwedische Nation. Ihre 2565 Gemeinden sind in 12 Stifte zusammengefaßt, an deren Spitze je ein Bischof steht. Daneben gibt es nur—4000 Katholiken und—7000 Menschen jüdischen Glaubens in dem schwedischen Volk, das 6 Millionen zählt. Methodisten rechnen Ein tapferes Wer jetzig' Zeiten leben will, Muß haben tapfers Herze, Er hat der argen Feind’ so viel, Bereiten ihm groß' Schmerze. Da heißt es stehn ganz unverzagt In seiner blanken Wehre, Daß sich der Feind nicht an uns wagt, Es geht um Gut und Ehre. Doch wie's auch kommt, das arge Spiel, Behalt' ein tapfers Herze, Und sind der Feind’ auch noch so viel, Verzage nicht im Schmerze. Steh'— gottgetreulich unverzagt— In deiner blanken Wehre, Wenn sich der Feind nun an uns wagt. Es geht um Gut und Ehre. (16. Jahrhundert.) nahezu 20000, Baptisten etwa 60000 zu den ihrigen. Doch sind nur etwa 23000 aus der Kirche ausgetreten. Daß auch aus sonstigen Gründen nicht mehr Menschen, z. B. solche, die sich praktisch nicht zur Kirche zurechnen, aus der Kirche ausgetreten sind, hatte seinen Grund darin, daß ein schwedisches Gesetz den Kirchenaustritt nur bei Eintritt in eine andere Religionsgesellschaft erlaubt hatte. Nunmehr wird dieses Gesetz jedoch beseitigt. Eine besondere Stellung zur schwedischen Kirche hat der Schwedische Missionsbund, der im Sommer 1928 auf ein 50jähriges Bestehen zurückblicken konnte. Diese nach ihrem Führer benannten Waldenströmare bilden bei ihren 115000 erwachsenen Mitgliedern mit etwa 2000 Predigern, 2910 Sonntagsschulen mit 123613 Kindern und Jugendvereinen mit 74000 Mitgliedern eine wohlorganisierte Kirche innerhalb der Staatskirche. Abgesehen von dem großen Missionswerk in Afrika, China und Turkestan hat der Missionsbund für die Weckung des geistlichen Lebens in Schweden Großes geleistet. Wenn es nun einerseits angesichts der oft gegenseitig verstimmenden Konkurrenz auch möglich ist, daß der Missionsbund als Freikirche sich ganz von der Kirche Schwedens absondert, so hofft man doch andererseits, daß sich in absehbarer Zeit ein harmonisches Zusammenarbeiten von Kirche und Missionsbund erreichen läßt. Den Bestrebungen, die auf eine Trennung von Staat und Kirche hinarbeiten, wird vorerst kein Erfolg beschieden sein. Der überwiegende Teil des schwedischen Volkes wäre dagegen. Auch der Staat nimmt kein Interesse daran, weil die Kirche die umfassende Arbeit der Zivilregistratur versieht, eine Arbeit, die anderswo bürgerlichen Behörden zufällt. Im ganzen kann man sagen, daß Schwedens Kirche während der letzten Jahre stark an Bedeutung für das Volksleben gewonnen hat. In der Presse und im öffentlichen Leben hat die Kirche eine starke Stellung. Kirchliche Ereignisse werden ausführlich besprochen. In den Stadtgemeinden wird intensiv gearbeitet. In Stockholm hat der Kirchenbesuch zugenommen. Die Persönlichkeit des Erzbischofs Söderblom war bei dieser Entwicklung von besonderer Bedeutung. Seine mutige Stellungnahme zu den Zeitströmungen und Erscheinungen des öffentlichen Lebens haben ihm ein steigendes Maß an Einfluß verschafft. Auch die sozialdemokratische Regierungszeit hat die Stellung der Kirche nicht geschmälert. Fest in der Seele des schwedischen Volkes eingewurzelt, konnte sie ihres Amtes walten. 1926 beging die schwedische Diakonissenanstalt auf Ersta bei Stockholm ihr 75jähriges Bestehen bei insgesamt 700 Diakonissen und Probeschwestern, die in der Gemeindepflege, in Altersheimen, Kinderheimen, in der Krankenpflege und anderer christlich=sozialer Arbeit tätig sind.— Eine ähnliche Anstalt zur Ausbildung von männlichen Mithelfern, Diakonen, befindet sich gleichfalls in der Nähe von Stockholm mit über 100 Diakonen.— Die freiwillige Arbeit wird durch den„Diakonievorstand“ der schwedischen Kirche gefördert. Er veranstaltet Vortragsreihen, Versammlungsabende und kürzere Ausbil: dungskurse für Jugendleiter und gibt Bücher und Zeitschriften heraus, um dem Mangel an Arbeitskräften abzuhelfen. Allgemein hat man die Notwendigkeit erkannt, für eine gründliche Ausbildung solcher Laien zu sorgen, die an der sozial und religiös erzieherischen Tätigkeit der Kirche teilnehmen. Dies geschieht vor allem durch die Laienschule in Sigtuna. Die schwedische Seemannsmission beging am 6. Mai 1926 ihr 50jähriges Bestehen. Die Arbeit ist in weiterem Ausbau begriffen. Roswitha von Gandersheim. Zu ihrem tausendjährigen Gedächtnis am 9. Februar 1930. Von Dr. Ernst Schmidt=Lübbecke. Noch bevor die erste Blütezeit unserer deutschen Literatur um 1100 als höfische oder ritterliche Dichtung (Minnesänger), oder als Volksdichtung(der varenden), oder der geistlichen Dichtung(Annolied) einsetzt, blüht im Zeitalter der Ottonen und Salier die lateinische Hofdichtung an weltlichen und geistlichen Kulturstätten. Außer dem Walthariliede(Walter von Aquitanien), dem Ruodlieb(Ritterdichtung des Mönches Ruodlieb vom Kloster Tegernsee in Bayern), der Tiersage im Niederdeutschen(Van den Vos Reynard) sind hier die Bearbeitungen geistlicher Stoffe zu erwähnen. Im Braunschweiger Lande liegt das Benediktinerkloster Gandersheim. Unter den Nonnen des Klosters ist eine Nonne aus vornehmem sächsischem Geschlecht, die Komodien, Legenden und eine Geschichte ihres Klosters geschrieben hat. Ihr Name ist Roswitha, oder richtiger Hrouitha, oder Hrötsvith, d. h.„starker Klang“. Und wirklich ist ihr Dichten ausgezeichnet durch einen herzhaften und starken Klang. Von den drei Büchern ihrer Dichlungen enthält das erste 8 geistliche Gedichte oder Legenden, das zweite 6 Dramen, die die schlüpfrigen Dichtungen der Terenz verdrängen sollten, und die man fälschlicherweise Komödien genannt hat. Das dritte Buch enthält zwei historische Gedichte: De gestis Imperatoris Ottonis I. und De primordiis coenobii Gandersheimensis(Klosterbeschichte des Benediktinerinnenordens zu Gandersheim). Hrotswitha Gesamtwerke wurden zuerst von Conrad Leltes übersetzt und herausgegeben(Nürnberg, 1501). Die Klostergeschichte nennt die Dichterin ein„Carmen“. Das Lobgedicht auf den Kaiser ist in freien Distichen gedichtet. Besonders bemerkenswert und noch erwähnt ist die Legende vom Mönch Theophilus. Er hat ehrgeizige Plane im Kopf und will ein Abt seines Klosters werden. zu dem Zwecke verschreibt er sich dem Teufel, um mit seiner Hilfe die höchste Stufe seines Mönchseins zu erreichen. In der nächsten Legende hat Hrotswitha denselben Gedanken ausgeführt. Statt des Mönchs haben wir hier den Sklaven Proterius vor uns, der sich ebenfalls mit dem Teufel verbündet, um durch ihn die von ihm heiß ersehnte Liebe der Tochter seines Herrn zu gewinnen. Das später so oft wiederkehrende und von Goethe im Faust so genial durchgeführte Motiv vom Teufelsbündnis tritt hier zum ersten Male in deutscher Dichtung auf. Hrotswitha hat ausnahmslos lateinisch gedichtet. Das zu verstehen, muß man sich die Zeit der Ottonen(936— 1024) recht vorstellen. Diese Zeit bedeutet einen Wandel in Herrschern und Verhältnissen. Otto l. ist ein Mehrer und Schirmherr des Reiches durch sein kräftiges Schwert. Otto II. ist ein idealer Träumer von phantastischen Plänen einer nahen Verschmelzung antiker und germanischer Kultur. Otto III. ist schon mehr Mönch, der über seinen Grübeleien und mönchischen Anwandlungen fast seiner Herrscherpflichten vergißt. Alle drei sind in den Wissenschaften des Südens, dem sie auch von den Müttern her verwandt sind, wohl unterwiesen. Erneuerung lateinischer Herrlichkeit auf dem deutschen Boden und durch deutsches Volk schien ihnen möglich. So verschüttet die ottonische Zeit fast die Blütezeit unter den Franken. Alle Wissenschaft ist lateinisch, auch ihre Form, die Sprache. Zwar nimmt die lateinische Dichtung der Zeit auch weltliche Stoffe, aber man studiert und schreibt nieder in lateinischer Diktion. Neben christlichen Dichtern(Juvencus, Prudentius u..) werden klassische Dichter wie Horaz, Ovid, Virgil, Terenz, Juvenal gelesen. Die Frömmigkeit ist im praktischen Leben, das verfeinert ist durch ottonische, südländische, und damit dem Volke wesensfremde Kultur, so gut wie nicht mehr gelebt; sie scheint nur noch in Chroniken zu finden zu sein. Hrotswitha scheint eine einzige Ausnahme zu machen. Ihre literarische Arbeit beginnt um 960 und zeigt im Gegensatz zu Notker dem Deutschen künstlerische Begabung, Empfindung und künstlerische Gestaltung; aber auch sie beherrscht doch die Muttersprache nicht oder nicht so, daß sie darin dichtete. Mit ihren gereimten Hexametern will sie religiös=sittlich wirken. Daß Frauen im ottonischen Zeitalter über eine tüchtige und gelehrte Bildung verfügten, war gar nicht so selten. Vorbilder für Hrotswitha waren die lateinischen Klassiker Virgil und Terenz. Die Legenden der Dichterin behandeln durchaus die Geschichten der Zeit(Vitae patrum): Märtyrertod eines jungen Christen, Rettung einer Gläubigen aus dem Lupanar, die Marter des heiligen Dionysius, die oben genannten, an das Faustproblem erinnernden, und ein schönes Marienleben. Hrotswitha erzählt diese Geschichten in einem frischen flotten Tone, leicht gereimt und mit erquickender Naivität und feinem Humor. Auch die Handlung der lebendigen Dramen ist stets recht interessant. Da ist die Rede von tugendsamen Jungfrauen und abgefeimten Verführern, von zum Christentum bekehrten heidnischen Kaisern, von der Bekehrung verlorener Sünderinnen und dergleichen mehr. Alles in allem merkt man der Dichtung dieser gelehrten Frau an, daß sie an einem Wendepunkt der Geschichte der religiösen Dichtung überhaupt steht. Ist sie doch geschrieben von einer Nonne, die die Herrlichkeit irdischer Genüsse und Freuden sehr wohl kennt und beachtet, die aber doch wiederum als Nonne nur das Heil der Seele in der Kirche als großer christlicher Heilsanstalt sieht, und in ihr als Magd des Herrn das einzig Große und Wertvolle erlebt hat. Bald nach Hrotswitha erfolgt der Kampf zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt; jene Zeit, die auch einen Kampf der Geister und eine Zwiespältigkeit im Fühlen und Denken heraufbeschwört, die schließlich auch vor der kirchlichen Ueberlieferung nicht halt machen will. Der lateinischen Dichtung dieser folgenden Zeit fehlt es an eigentlich großen Talenten. Keine Frau aber steht so hoch und rühmenswert in der Zeit ums Jahr 1000 als Hrotswitha, die gelehrte Nonne und große Dichterin des Benediktinerinnenklosters zu Gandersheim, die vor tausend Jahren dort starb, und deren Gedächtnis um ihrer dichterischen Arbeiten willen noch heute unter uns lebendig erhalten ist. Der Bund für christliches Gemeinschaftsleben übt mit seinem Leiter, Dr. Natanael Beskow, eine wertvolle Arbeit zur Versöhnung der Volksklassen aus. In religiöser wie sozialer Hinsicht sucht dieser Bund an der Hebung des Volkslebens zu arbeiten. Gleichzeitig ist er bestrebt, der Versöhnung der Völker zu dienen. In Zusammenhang mit dieser Einstellung wird die allgemeine Wehrpflicht, wie sie aus Deutschland nach Schweden gekommen ist, von vielen verurteilt. Am 21. Mai 1921 gelangte daher ein Gesetz zur Annahme, das für Dienstverweigerer aus religiös begründeten Gewissensbedenken einen entsprechenden Zivildienst vorsieht. Die Tätigkeit der Kirche Schwedens zur Unterstützung der Glaubensbrüder kann in diesem Zusammenhange nicht übergangen werden. In erster Reihe kommen hier die Gustav=Adolf=Vereine in Betracht. Ferner die„Allgemeine Schwedische Pastorenvereinigung“, die fast alle schwedischen Geistlichen umfaßt. Die für die deutsche evangelische Christenheit gesammelte Samariterspende wurde März 1923 auf mehr als 500000 Kronen beziffert. 1926 suchte man in erster Linie den bedrückten evangel. Christen Rußlands zu helfen. Im November 1924 beging die Mission der schwedischen Kirche den Jahrestag ihres 50jährigen Bestehens. Der Kirchentag des Jahres 1921 beschäftigte sich besonders mit der Mission, die in den letzten Jahren besonders erfreuliche Erfolge zu verzeichnen hatte. Die Missionsarbeit der schwedischen Kirche wird in Indien, Südafrika und in China getan. Die Opferwilligkeit der Gemeinden konnte für diese Arbeit wesentlich gesteigert werden. Der Kursusplan des Religionsunterrichts der Volksschule sieht nunmehr die Missionskunde im Anschluß an die Kirchengeschichte ausdrücklich vor. Die Mission hat auch in Schweden die Augen für die Internationalität des Christentums geöffnet. Insofern ist der ungewöhnliche Schritt der schwedischen Bischöfe zu verstehen, die sich 1923 anläßlich des Ruhreinmarsches an die Mitchristen aller Länder und die verantwortlichen Staatsmänner wandten, damit die Frage des Friedens und der Reparationen aus dem gegenwärtigen Sumpf der Vergeltung und Kriegsdrohung zu dem höheren Standpunkt des gegenseitigen Vertrauens und guten Willens erhoben würde. Von einem Verantwortungsbewußtsein der schwedischen Kirche den andern Ländern gegenüber zeugte auch ihr„Zwölfter Allgemeiner Kirchenkongreß“, der im März 1923 in Stockholm unter Beteiligung von 1000 Vertretern aus allen Teilen Schwedens stattfand. In ernsten Worten sprach der Erzbischof Söderblom hier über die „Zeichen der Zeit“, über die durch den Weltkrieg entstandene Lage und die Not und das Elend des„Friedens", demgegenüber sich kein Christenmensch gleichgültig verhalten dürfe.„Wir brauchen eine evangelische Lebensund Arbeitsgemeinschaft, einen ökumenischen Kirchenrat, der... über die Grenzen der Nationen und Konfessionen die gemeinsamen Lebensinteressen der evangelischen Christenheit wahrnimmt und in den brennenden Fragen der Menschlichkeit die Liebe Jesu Christi rein und klar wirken läßt.“ Auf seinen verschiedenen Reisen ins Ausland warb der schwedische Erzbischof für eine Verwirklichung dieses Zieles auf einer Weltkirchenkonferenz für praktisches Christentum,„unter Verzicht auf Kirchen=Union die Vereinigung der Kirchen in Liebe und Arbeit Wirklichkeit werden zu lassen. So führte er im Mai 1923 auch an der Münchener Universität aus:„Einen Weg können und sollen alle Kirchen sofort betreten: den Weg der Liebe, der praktischen Zusammenarbeit, um die Ideale des Christentums in den internationalen Verhältnissen und in sozialen und wirtschaftlichen Fragen zu verwirklichen.“ Dieses Ringen um die Gemeinschaft aller Jünger Christi gab der Jahresbotschaft des Erzbischofs, die am 12. Dezember 1924 an die schwedischen Kirchen erging, seinen besonderen Inhalt. So heißt es hierin:„Wir preisen und loben Gott, weil Christus unser Friede ist und wir in ihm die Einheit besitzen. Er hat durch sein Kreuz in seiner Person die Feindschaft getötet. Durch ihn haben wir, die einen sowohl wie die anderen, in einem Geiste den Zutritt zum Vater. Aus der Uneinigkeit unserer Zeit ist unter Schmerzen ein neuer Eifer geboren worden. Noch bevor die Christenheit als Ganzes den evangelischen Grundsatz der Einheit anerkannt hat, ist es unsere Pflicht als Christen, miteinander eines Sinnes zu sein in der Nachfolge Jesu Christi, den Brüdern dienend, so wie er diente. Die Not unserer Zeit schreit nach der Gerechtigkeit und Liebe Christi und nach der Zusammenarbeit der Christen. Selig sind die Friedfertigen. Und dann fährt der schwedische Erzbischof in seiner Kundgebung fort:„Innerhalb der nordischen Christenheit wird seit mehreren Jahren zusammengearbeitet. In der ganzen Welt schließen sich die Evangelisch=Lutherischen zusammen. Aehnliche Bestrebungen sind andernorts im Gange. Mit dem Ziele, daß der Geist Christi vollkommener in den Herzen der Menschen und dem Leben der Völker regiere, werden gewählte Vertreter des größeren Teiles der Christenheit nach mehrjährigen gründlichen Vorbereitungen, so Gott will, im August 1925 zu der Allgemeinen Konferenz der Kirche Christi für Praktisches Christentum in Stockholm zusammenkommen. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dieser Versammlung, auf daß der Weg sich lichte und der Wille gestärkt werde, gemeinsam den Weg der Liebe zu gehen. Möge die Kirche und Gemeinde Christi in unserem Lande mit treuem Gebet das Unternehmen unterstützen.“ Auf die Stockholmer Weltkirchenkonferenz, deren Leitung beim schwedischen Erzbischof lag und um deren Durchführung er sich ein so großes Verdienst erwarb, kann hier nicht näher eingegangen werden. Aus den vorstehenden Darlegungen wird etwas vom Geist und Leben der schwedischen Kirche deutlich. Was ihre Kleinarbeit während der auf die Weltkirchenkonferenz folgenden Jahre anbetrifft, das mögen einzelne Worte der Kundgebung, die der Erzbischof für das Jahr 1928 an seine schwedische Kirche ergehen ließ, kennzeichnen:„Wir haben in unserm geliebten Vaterlande Gott für unendlich viel zu danken. Zu allererst für Sein Evangelium und Seine Kirche.... In unserem Gemeinwesen ist in unserer Zeit das Verantwortungsgefühl gewachsen und damit die Fürsorge für die, welche Hilfe bedürfen. Bei der Jugend wie bei den Erwachsenen findet sich weniger Roheit als früher, mehr Anstand und Nüchternheit, mehr Aufgeschlossenheit und Wissen. Aber unter dem kultivierten äußeren Auftreten verbirgt sich in Stadt und Land in weiten Kreisen eine Sittenlosigkeit, die keine Scham kennt und das Leben der Jugend beschmutzt und verödet. Und die Gewinnsucht nutzt ungehindert die Vergnügungssucht der Jugend aus. Die Arbeitslosigkeit verursacht Knappheit, Entbehrung und Not. Sie beraubt auch Jung und Alt der unentbehrlichen sittlichen Erziehung und Hilfe, die nur die geregelte Arbeit geben kann. Das ist der schwerste Fluch der Arbeitslosigkeit..... Die Lebensbedingungen der Familie müssen erleichtert, die Heiligkeit des heimatlichen Herdes muß gerettet und geschützt werden. Veränderte Methoden haben die Bedeutung des Hauses als Arbeitgeber und Arbeitsstätte vermindert. Aber nichts in der Welt kann die einigende und erziehende Macht des Hauses ersetzen. Mancher scheut die Verantwortung, die die Bildung einer Familie und eines eigenen Heimes in sich schließt. Aber wer an den Schöpfer glaubt, muß auch daran glauben, daß die tiefen Kräfte des Lebens zu ihrem Recht kommen sollen. Die Auflösung der Ehe hat ihren tiefsten Grund darin, daß Mann und Frau weder das eigene Wohl noch das Recht der Kinder bedenken. Während der Jagd nach dem Glück vergessen sie, daß kein dauerndes Zusammenleben auferbaut werden kann ohne Pflichtgefühl, Selbstbeherrschung und Treue. Das Leben in der Familie wird preisgegeben. Draußen sucht man vergebens nach einer Befriedigung, die allein im Zusammenhalt der Familie zu finden ist.... Das christliche Haus will mit seiner warmen und sittigen Atmosphäre Alt und Jung umschließen. Es steht wie ein Leuchtturm für den, der draußen in der weiten Welt wandert. Laßt die Kirchenlieder erklingen in den schwedischen Häusern! Geizt nicht mit dem Gebet und dem Buch der Bücher, bis Krankheit und Tod als ungeladene Gäste kommen. Heiligt das Haus durch Gottesfurcht und Gottes Wort!“ Aus dieser zum Herzen seines Volkes sprechenden Erklärung Söderbloms erhellt die Art und Weise, in der Schwedens Kirche weiterarbeitet.— Jedes Volk hat seinen besonderen Beruf in Gottes Weltplan. Diese Aufgabe fordert Anstrengung, Wachen und Beten. So nahm der schwedische Erzbischof bei dem 400jährigen Jubiläum der schwedischen Reformation, 21. Juni 1927, das Losungswort auf, das viele junge Schweden mit Begeisterung erfüllt:„Schwedens Volk— ein Volk Gottes.“ Und dann fuhr er fort:„Sich selbst findet ein Volk, wenn es seinen Beruf in der großen Gemeinschaft der Völker und der Menschheit erkennt und erfüllt.“ kirchentages in Berlin mitfeiern durfte. Es waren An. betungsgottesdienste, in denen die Seele dem Kampfe der Welt entrückt, dem Vaterherzen Gottes ganz nahe gebracht war und wo man spürte, daß durch solche Gottesdienste die Kirche als die wahre Gemeinschaft in Christo allen ihren Gliedern wieder lieb und wert gemacht werden könnte Aber leider werden der hochkirchlichen Bewegung von seiten der kirchlichen Behörden große Schwierigkeiten ge, macht. Man verschließt ihr für ihre Anbetungsgottes, dienste, die von ordentlichen evangelischen Pfarrern geleitet werden, die Kirchen, und wenn ich schon zugeben will, daß diese Gottesdienste nicht nach dem Geschmach eines jeden evangelischen Christen sein mögen, wir sind ja leider kirchlich so einseitig erzogen, daß man schon die leiseste Abweichung des Gottesdienstes für katholisch hält. so kann ich als überzeugter evangelischer Christ, ich bin gerade durch die hochkirchliche Bewegung der evangelischen Kirche wiedergegeben worden, nicht verstehen, daß man einer Bewegung Schwierigkeiten bereitet, die das Wohl und das Wehe unserer Kirche auf betendem Herzen trägt. Warum bietet man dieser Bewegung kein Heimatrecht in der Kirche und duldet sie genau so, wie die liberale Richtung in der Kirche? Denn wenn man diese in der evangelischen Kirche tragen kann, warum sollte man der hochkirchlichen Richtung, die, auf dem Boden der heiligen Schrift stehend, sich fest zu dem Sohn des lebendigen Gottes bekennt, nicht dasselbe Recht einräumen? Vielleicht regen meine Zeilen zum Nachdenken an, denn die Auffassung des Artikelschreibers„Evangelischer Gottesdienst ohne Predigt“ nähert sich betreffs Stellung des heiligen Abendmahls in den Mittelpunkt des Gottesdienstes sehr der hochkirchlichen Auffassung, und stellen eine Verbindung zwischen den Gemeinden und der hochkirchlichen Bewegung dadurch her, daß man ihr Gerechtigkeit widerfahren läßt und ihrer Arbeit Verständnis ent gegenbringt. Bruno Wutzdorff. Evangelischer Gottesdienst. Mit vielem Interesse habe ich in der Beilage des „Aufwärts“. Nr. 21 den Artikel„Evangelischer Gottesdienst ohne Predigt“ gelesen, und ich freue mich, daß man sich in den Kreisen der evangelischen Bevölkerung immer intensiver mit der Frage beschäftigt:„Wie können wir durch Neugestaltung unserer Gottesdienste dazu beitragen, den evangelischen Christen den Besuch derselben wieder lieb und wert zu machen?“ Ich bin ein Laie, der sich in den letzten Jahren viel mit dieser Frage beschäftigt hat, und ich bin zu der festen Ueberzeugung gekommen, daß auf diesem Gebiet irgend etwas durchgreifendes geschehen muß, wenn unsere Kirche nicht ganz verwaisen soll. Unsere Predigtgottesdienste sind zu sehr von den Gaben des amtierenden Pastors abhängig. Wo der Pastor ein Redner ist, da geht es meistens mit dem Kirchenbesuch noch an. Wo aber dem Pastor die Predigtgabe fehlt, da kann man von einem Kirchenbesuch überhaupt nicht mehr reden. Die Gemeinden, die Jahr für Jahr von einem solchen Hirten betreut werden, sind zu bedauern, aber ebenso bedauernswert sind die Pastoren, die ihre mangelnde Predigtgabe kennen und jahraus jahrein gezwungen sind, von ihnen selbst als mangelhaft empfundene Predigten zu halten. Ich freue mich, daß der Schreiber des angezogenen Artikels die Predigt nicht ganz missen möchte und vorschlägt, neben Kurzpredigten die Gottesdienste in der Darreichung des heiligen Abendmahls ausklingen zu lassen. Erst kürzlich hatte ich in der kirchlichen Arbeitsgemeinschaft meiner Heimat die Gelegenheit, darauf aufmerksam zu machen, ob es nicht möglich sei, durch Schaffung besonderer Abendmahlsgottesdienste, die Gemeinden wieder mehr für den Kirchgang und so auch für die Feier des heiligen Altarsakraments zu gewinnen. Daß unsere Gemeinden dem Abendmahl entwöhnt worden sind, liegt m. A. nach daran, daß man der Feier des heiligen Abendmahls nicht mehr die Stellung in unserer Kirche eingeräumt hat, die ihr zukommt. Wer will nach einem langen Predigtgottesdienst den Gemeinden noch zumuten, das Abendmahl innerlich so mitzufeiern, wie das dem Sinn dieser Feiern entsprechen müßte. Gerade das Abendmahl aber müßte wieder Herz= und Kernstück unserer Gottesdienste werden, denn die erste Christenheit nahm aus ihm die Kraft zum Leben und zum Sterben. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf die hochkirchliche Bewegung hinweisen, deren Gottesdienste ich im Oktober 1928 in der St. Georgenkirche anläßlich des 10. HochMehr Andachten! Eine Antwort auf: Evangelischer Gottesdienst ohne Predigt. Welches Interesse die Gemeindeglieder an den zeitgemäßen Aufgaben der Kirche nehmen, zeigt der Artikel: Evangelischer Gottesdienst ohne Predigt. Wie einsichtig und richtig die Probleme erkannt werden, geht ebenfalls aus diesem Artikel hervor. Man kann tatsächlich von einer Predigtnot der Kirche reden. Wir Prediger des Wortes Gottes können nur dankbar sein für das Urteil, daß nur selten eine Predigt ein„Körnchen Gold“ vermissen läßt. Der Verfasser des Artikels gibt wirklich praktische Vorschläge, die noch einiger Ergänzung bedürfen. Von vornherein steht fest: die Predigt ist das Herzstück evangelischen Gottesdienstes, das Bedürfnis nach der„schweigenden“, Andacht ist wohl mehr bei den intellektuellen Volksschichten vorhanden, aber nicht bei Gemeinden mit unterschiedlicher Zusammensetzung, ja, ich behaupte, wer in die Kirche geht, sucht zunächst das Wort der Verkündigung, innerlich vom Prediger erfaßt und positive Glaubenswerte gebend. Auch die zeitgemäße Predigt kann diesem inneren Bedürfnis des Kirchengängers entsprechen. Die Predigtnot unserer Gegenwart liegt tatsächlich oft in der zu langen Predigt. Wenn in der Großstadt der Pfarrer eine halbe Stunde predigen muß, so kommt es vor— der Laie wird es kaum bemerkt haben— daß der Prediger mit andern Worten dasselbe sagt. Auch auf dem Lande entleeren sich die Kirchen, wenn die Predigt kein Ende findet. Die Forderung der Kurzpredigt ist durchaus berechtigt. Durchaus berechtigt ist die andere Forderung, daß der Gottesdienst ein gedankliches Ganzes bildet. Auch eine Landgemeinde erkennt es als inneren Gewinn des Kirchenbesuches an, wenn Lied, Gebet und Wortverkündtgung eine geschlossene Einheit bilden und die neuzeitlichen Agenden sind auf diese Einheit des Gottesdienstes eingestellt. Die jüngeren Theologen haben sich fast aus nahmslos auf den Gedanken eines gedanklichen Ganzen im Gottesdienst eingestellt. Die Kurzpredigt hat ihre Berechtigung allein in der Andacht. Die Andacht kann aber nur neben dem Gottes dienst stehen, und zwar in der Woche. Meine fruchtbarsten Andachten waren die, die ich Mitte 1923 bis Anfang 1921 als Abendandachten in einer kleinen Landgemeinde als Notbetstunden gehalten habe. Alle drei Wochen— ein Mehr wäre in der ländlichen Gemeinde nicht angebracht gewesen— kamen wir in der Abenddämmerung im Gotteshause zusammen, die Teilnehmer im Arbeitskleide. die ganze Feier dauerte etwa eine halbe Stunde, war abel von einer tiefen Wirkung. Die Ansprachen in diesen Notbetstunden habe ich in meiner Predigtsammlung „Aus der Arbeit an der Volksseele“ veröffentlicht, und fast alle Kenner dieser Schrift halten die Notbetan sprachen für den wertvollsten Beitrag. Gelegenheit zu Andachten bietet jede Gemeinde. Seil Jahren halte ich ebenfalls in einer Landgemeinde neben dem Jahresschlußgottesdienst noch eine Mitternachtandacht, die ausnehmend gut besucht ist und als Wirkung den üblichen Sylvesterlärm auf der Straße völlig unter bindet. Am Totensonntag ist eine Andacht auf dem Fried hof am Platze. Wochenandachten sollten nicht nur in den Städten gehalten. werden, sondern in der kleinsten Ge meinde. Ueberall natürlich den Verhältnissen angepaßt. d. h. nach Schluß der Arbeitszeit. Aus der Wirkung dieser stillen Andachten wird sich von alleine das Bedürfnis ergeben, Abendmahl an die schlichte Feier anzuschließen, wie es nach den Notbetstun den der Fall war. Das sind Höhepunkte, die für immet das innere Leben einer Gemeinde befruchten und daJahrhundert der Kirche schaffen helfen. Pastor Schneider, Zedlitz, Krs. Steinau a. D. 0. Michel,„Pe christlicher The Monographien. 1929, geh..— ist immer Zeit neu rege g Bibel? Daher u geschrieben ist, b Untersuchung de das Alte Lestan beschäftigt sich i steht. Paulus h weithin gleicht d lebendiges Buchstabe und E Alles was Christ so legt auch Pa Geiste Gottes al und Nehmens. Freiheit des Gei die in Christus kommen. Er w zu werten und ihm in Mittelp Die Hauptka 1. Was versteht 2. Wie hängt d legung ihrer 3. Was bedeutet 4. Welche Beder die Geschicht 5. Welche Beden Religionsurkr Arzt und Seelso erziehung Künkel: Der kunde. Ver 1,50 M. 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Ea ist immer eine wichtige Frage gewesen und in unserer rege geworden: Welche Bedeutung hat für mich die Fibel? Daher wird sonderlich der Theologe, für den dies Buch geschrieben ist, begrüßen, hier eine tiefschürfende wissenschaftliche sintersuchung der Frage zu finden, welche religiöse Bedeutung das Alte Testament für das Unchristeutum hat. Der Verfasser beschäftigt sich insonderheit damit, wie Paulus zu seiner Bibel steht. Paulus hat seine Bibel nicht gesetzlich benutzt, sondern weithin gleicht die Haltung des Paulus der unseres Luther. Ihr sehendiges Verhältnis zur Schrift hat ihnen geholfen, über Buchstabe und Gesetz zu siegen. Wie Luther nach dem Schlüsse!: was Christentum treibt ist Gottes Wort, die Bibel auslegt, sg legt auch Paulus das Alte Testament als Christ nach dem Geiste Gottes aus und steht zu ihm im Verhältnis des Gebens und Nehmens. So treibt er auch am Alten Testament in der Freiheit des Geistes Kritik. Er sieht neben einer Gesetzesreligion, die in Christus aufgehoben ist. eine Glaubensreligion zu Worte kommen. Er weiß das Alte Testament als eine innere Einheit zu werten und es heilsgeschichtlich zu verstehen— eben, weil ihm in Mittelpunkt der Auslegung Christus steht. Die Hauptkapitel des Buches sind: 1. Was versteht Paulus unter Heilige Schrift? 2. Wie hängt die Schriftauslegung des Paulus mit der Auslegung igrer Zeit zusammen: 3. Was bedeutet für Paulus das Alte Testament? 4. Welche Bedeutung hat die Schriftauslegung des Paulus für die Geschichte der urchristlichen Religion? 5. Welche Bedeutung hat die Herübernahme einer vorchristlichen Religionsurkunde für die christliche Religion selbst? J. Arzt und Seelsorger. Heft 18. Eduard Le Seur: Charaktererziehung als heilseelsorgerliche Aufgabe. Fritz Künkel: Der kritische Punkt in der Charakterkunde. Verlag Friedr. Bahn, Schwerin i. Meckl.— Geh. 1,50 M. Es ist sehr dankenswert, daß in der Schriftenreihe„Arzt und Seelsorger" die weitgehende und recht schwierige Frage„Charakter und Religion“ mit immer größerer Energie aufgegriffen und behandelt wird. Nachdem auch die Psychologie sich immer mehr charakterologischen Fragen zugewandt hat, wird von der Klärung bezw. Lösung dieses Problems wesentliches für alle christliche Erziehungsarbeit abhängen. Unter diesem Gesichtspunkt begrüßen wir die in dem Heft vereinigten Beiträge eines Theologen und eines Arztes zur Frage der Charaktererziehung ganz besonders. Sie bieten vor allem in ihren gegenseitigen Beziehungen wertvolle Anregung, sowohl für die praktische Erziehungsarbeit wie auch für das Studium charakterologischer Fragen. Kl. F. Herbst, Mose hat von Mir geschrieben! Teil I: Der Anfang der Wege Gottes; Betrachtungen über die Urgeschichte nach 1. Mose—11. 196 Seiten, 3. Aufl. Buchhandlung des Erziehungsvereins Neukirchen, Krs. Mörs. 1929. Ganzleinen .50 M. Inspektor H. Dannert schreibt über das Buch:„Das Alte Testament war die Bibel Jesu und der Apostel. Die haben sie geliebt, und darin haben sie gelebt. Nachdem uns das Neue Testament geschenkt ist, stehen wir in Gefahr, das Alte zu vernachlässigen, vor allem das wunderbarste Buch in demselben, das 1. Buch Mose. Es ist aber als göttliche Offenbarung einst den Juden anvertraut worden, und wir haben es von ihnen überkommen. Trotz aller Anfeindung ist es bis auf den heutigen Tag die unerschöpfliche Quelle für die Gemeinde Christi geblieben. Einer der wenigen Ausleger, die es verstanden haben, dieses Buch nicht nur wissenschaftlich, sondern auch erbaulich auszulegen, ist Pastor Herbst in München. Fast ist es einem, als ob man einen der verlorenen Ströme, die einst aus dem Garten Eden flossen, wiederfinde. Wo immer man eine Seite dieses Buches aufschlägt, da findet man Gold(1. Mose 2, 11). Es ist geradezu frappierend, wie es Herbst versteht, die schwierigsten Stellen in der einfachsten Weise zu lösen. Das Buch sei darum allen, welche das Wort auszulegen haben, empfohlen— vom Sonntagsschulhelfer und Stundenhalter an bis zum Professor der Theologie. Mancher wird beim Lesen Mut bekommen, diesen so sehr vernachlässigten Teil der Heiligen Schrift der Gemeinde Christi nicht länger vorzuenthalten. Dem Verlag aber gebührt Dank, daß er dieses längst vergriffene Buch uns wieder zugänglich macht. Möge er durch fleißigen Kauf dieses ersten Bandes Mut gewinnen, auch die beiden andern Bände bald folgen zu lassen.“ Der Verlag M. Heinsius Nachf. Eger& Sievers, Leipzig, schenkt uns in fortlaufender Schriftenreihe die Veröffentlichungen des Vereins für Reformationsgeschichte. Vor uns liegen die drei Schriften: D. Georg Buchwald, Luther=Kalendarium, 0. Gustav Kawerau, Verzeichnis von Luthers Schriften. Brosch..40 JM. Dieses Luther=Kalendarium bietet dem Lutherforscher die erwünschte Uebersicht, um Lutherzitate schnell nachprüfen und verfolgen zu können. Die Arbeit Kaweraus liegt bereits in der 2. Auflage vor. Valter Köhler Das Marburger Religionsgespräch 1529. Versuch einer Rekonstruktion. Brosch. 8,80 Ml. Professor Köhler bietet uns hier eine verkürzte Wiedergabe des Gesprächs zwischen Luther, Oecolampad und Zwingli, sowie auch mit Martin Bucer. Wir werden Zeugen jenes folgenschweren Ereignisses der Reformationszeit. Die Schrift ist in der Hand eines jeden Theologen zu wünschen. auis hashgalshenich, Haostenirie, Behorheloe Beasch e e Diese Monographie zur Reformationsgeschichte gibt uns willkommenen Einblick in das geistige Ringen der damaligen Zeit. Hutten ist mehr Humanist als Anhänger der Reformation. Er ist geleitet vom völkischen Willen, der ihn zum Kampfe gegen Rom führte, an dieser Stelle liegt auch der Berührungspunkt mit der Reformation Luthers.—5. v. Adolf Keller, Soziale Programme der Kirchen und freier keliglöser Organisationen. Wanderer=Verlag, Zürich. Kart. —.50 M. Adolf Keller, der Generalsekretär des Internationalen sozialwissenschaftlichen Instituts der Stockholmer Weltkirchenkonferenz in Genf, schenkt uns mit diesem Buche eine Zusammenstellung der sozialen Programme der Kirchen verschiedenster Länder. Diese Veröffentlichung stellt einen wertvollen Beitrag zum inneVerständnis der sozialen und kirchlichen Lage dar. Die Kirche erscheint heute in ihrem Willen zur sozialen Gerechtigkelt. Programme bedeuten zwar nicht zugleich ihre praktische Durchführung und den Beweis wirklichen Willens, doch aber verpflichten sie innerlich.—6 Zur Predigtarbeit: Im Dienst des Heiligen. Sammlung geistl. Amtsreden, in Verbindung mit zahlreichen Mitarbeitern herausgegeben von D. Bernh. Goesch, Oberkirchenrat in Schwerin. Band 4 und 5 Liturgische Ansprachen, Festbetrachtungen u. Gelegenheitsreden. Band 4 für die festliche Hälfte, Band 5 für die festlose Hälfte des Kirchenjahres. Verlag Friedr. Bahn in Schwerin i. Meckl Kaschiert.40 und.20 M. Eine reiche Gabe. Nicht nur multa— Weihnachts=, Silvester=, Passions= u. Osterbetrachtungen, Ansprachen für Elternversammlungen, Kinderfeste usw., und die verschiedensten Verfasser, die der Liturgischen Konferenz Niedersachsens nahestehen—, sondern auch multum, da die Verfasser in die Tiefe dringen.—— Um in der Schwierigkeit, über die Briefe der Apostel zu predigen, zu helfen, hat der bekannte Leipziger Prediger,I., Dr. Rüling Die Episteln des Kirchenjahres: Praktisch=homiletische Auslegung der epistolischen Perikopen für das ganze Kirchenjahr herausgegeben. 2 Bände je kart. 4,75 4, zus. geb. in Lwd. 11 M, bei M. Heinisius Nachfolger Eger& Sievers in Leipzig. R. fordert gründliche Ausschöpfung des Textes, Anschaulichkeit, Klarheit des Gedankenganges und praktische Anwendung, und hat sich ernstlich bemüht, diesen Regeln treu zu bleiben. Besonders fein versteht der Verfasser die Wortbilder des Textes zu verwerten. Mancher wird für diese Gabe dankbar sein. An Predigtbänden gingen ein zur Besprechung aus dem Kranzverlag in Berlin: Aus ewigen Brunnen, von Sup. Günther. Direktor des Christl. Zeitschriftenvereins. 52 evangelische Zeugnisse. Gebd. in Leinen 4,50M.— Aus diesen, schlichten, tiefen Predigten spricht ein erfahrener Seelsorger. Eichstädt, Pfarrer an der Kaiser Friedrich=Gedächtniskirche in Berlin: Das große, stille Leuchten. 21 Predigten. Kart..—M Lebendige, Herz und Gewissen aufrüttelnde Zeugnisse, aus der Sorge um die Not unseres Volkes herausgeboren. Fr. Mission. Afrika. Dritte, gänzlich neu bearbeitete Auflage von Prof. Fritz Jaeger. Mit 24 Tafeln in Aetzung, 3 Tafeln in Farbendruck, 5 Kartenbeilagen und 40 Abbildungen, Karten, Profilen und Diagrammen im Text. XI und 446 Seiten, GroßOktav. In Leinen gebunden 20.— M.(Allgemeine Länderkunde, begründet von Prof. Dr. Wilhelm Sievers, neu herausgegeben von Prof. Dr. Hans Meyer.) Verlag Bibliographisches Institut.=G. in Leipzig. Jaeger bietet in diesem Buche eine vorzügliche, kurzgefaßte, allgemeinverständliche Erdteilkunde Afrikas. In jeder Weise gibt das Buch eine gute, sichere Orientierung. Vor allem wird der Leser dankbar das Bemühen des Verfassers anerkennen, daß er größere geographische Zusammenhänge klar herausarbeitet.— Afrika ist heute der„koloniale Erdteil“ Europas. Damit ist die Wichtigkeit Afrikas für das Wirtschaftsleben Europas umschrieben und zugleich auch auf Afrikas Not hingewiesen. Denn mit der Kolonisation entsteht die Frage, ob der afrikanische Mensch nur ein Ausbeutungsobjekt des weißen Mannes bleibt, oder aber ob der Afrikaner einst als vollwertiges Glied neben dem Europäer dastehen darf. Das Buch gibt daher auch einen guten Einblick in die kolonialen Fragen. Der am Schluß gebotene Rückblick und Ausblick auf die Zukunftsmöglichkett Afrikas ist besonders lesenswert. Wertvolle Tabellen und Register und ein ausführliches Literaturverzeichnis, das zum Weiterforschen anleiten kann, erhöhen den Wert des Buches. Darum sei jedem das Buch empfohlen, dessen Blick sich nach Afrika richtet.— Die missionarischen Fragen, die uns im Blick auf Afrika kommen, treten natürlich in diesem Buche zurück, aber der Verfasser nimmt der christlichen Mission gegenüber eine sehr freundliche Stellung ein. So gibt er auch in seinem Schlußwort ein sehr sachlich gehaltenes Urteil über die Möglichkeit einer Christianisierung Afrikas. Die Christianisierung der Mohammedaner hält er nach den bisherigen Erfahrungen für praktisch unfruchtbar, die Christianisierung der Heidenwelt bejaht er und hält sie für notwendig. Denn allein die Gegenwart des Europäers zersetze den Glauben des primitiven Menschen. Ein Nichts und moralischer Verfall trete an die Stelle ihres religiösen Lebens. Daher müßten die Christen den Schwarzen religiösen Halt bieten, den nur das Christentum geben könne, nicht irgendwie ein anderes Kulturgut Europas. Die wesentliche Schwierigkeit aber liege, wie Jaeger hervorhebt,— an der Haltung der Kolonialvölker. Jasper. Nicht so langsam! Missionserinnerungen an Vater Bodelschwingh von Missionsinspektor W. Trittelvitz..—5. Tausend. Verlagshandlung der Anstalt Bethel, 167 Seiten. Preis.— M. Das ist ein prächtiges Geschenk, das Bodelschwinghs lieber „Missionspastor“ und„Erzählinspektor“ der über alle Erdteile zerstreuten Gemeinde des alten Pioniers der Bruderliebe unter Christen und Heiden auf den Tisch legt. Bis auf die ersten Jahre der Deutschostafrika=Mission, für die Trittelvitz auf Quellen angewiesen war, hat er für die Schilderung des Bodelschwingh= Missionswerkes aus dem Schatz seines eigenen guten Gedächtnisses und seiner eigenen Liebe zu der Arbeit schöpfen dürfen. Der„Alte vom Berge“ ist an diesem Beispiel seiner weitverzweigten Wirksamkeit trefflich gezeichnet. Und dieses Beispiel aus andern herauszugreifen, hat sich gelohnt. Wäre doch die Gestalt des Mannes, sein innerstes Wesen, seine Liebe zu den Verlorengehenden in seiner Tiefe gar nicht verständlich, wenn wir ihn nicht im hellen Licht seiner Missionsbegeisterung sehen würden. Die unzähligen Verehrer Vater Bodelschwinghs und Freunde seiner Werke werden seinem langjährigen Mitarbeiter ganz besonders dankbar sein, daß er ihn uns nicht in der Glorie des Vollendeten, sondern in seinem Kämpfen zeigt, auch die Fehler, die seinem Lebenswerk anhafteten, ruhig aufdeckt. Wahrlich, ein Bodelschwingh ist eines Bessern wert als kurzsichtiger Heldenverehrung, und sein Charakterbild kann neben den lichten Seiten die paar Flecken ertragen. Das ist das Größte an diesem Menschen, daß er seine Kleinheit der Welt offenbarte und es den andern überließ, seine wahre Größe zu entdecken. Bodelschwingh war der Mann, der seine jungen Helfer, wenn er einmal nicht zufrieden mit ihnen war, tüchtig schelten, sogar etwa körperlich schütteln konnte, um dann wieder neu zu lernen und in rührender Demut vermeintliches oder wirkliches Unrecht durch Beweise seiner Liebe gutzumachen. Trittelvitz weiß solche Szenen mit einer Plastik darzustellen, daß man meint, dabeigewesen zu sein. Der Weg der Bethelmission war in mancher Beziehung ein Leidensweg, den sie mehr noch als andre Missionen zu gehen hatte. Was sie Gutes geschafft hot, verdankte sie wahrlich nicht den Kolonialleuten unter ihren Gründern, sondern dem Manne, von dem unser Buch spricht. Hier sollte es wohl heißen: nächst Gott. Aber diese Einschränkung zu machen, tut in diesem Fall nicht not, weil Bodelschwingh so ganz nur als Werkzeug Gottes gelten wollte, und sein— des Mannes mit den großen Herrschergaben— einziger Ruhm war, dienen zu dürfen. Wenn jemand einen Strom in seinem starken Laufe schildern will, muß er natürlich auch von seinen Ufern reden. Aber wir empfinden es an diesem Erinnerungsbuch durchaus nicht als störend, wenn wir ein so großes Stück Trittelvitzschen Ufers zu sehen bekommen. Und auch das Gedächtnis andrer wertvoller Mitstreiter daheim und draußen wird liebevoll aufgefrischt. Lebte doch Bodelschwingh so recht nicht nur mit, sondern auch in seinen Freunden und— Gegnern, alle mit dem Licht seiner Menschenfreundlichkeit erhellend. Das Büchlein ist sein illustriert und darum als Geschenkwerk noch besonders geeignet. Sein Titel rührt von einem authentischen Wort Bodelschwinghs her, das ihn wie durch ein Schlaglicht kennzeichnet:„Nicht so langsam, sie sterben drüber!", nämlich die armen Heiden. Aus diesem Wort klang sein ganzes Erbarmen mit Afrika heraus. R. B. Lutherisches Missionsjahrbuch für das Jahr 1930, herausgegeben im Auftrage der Missionskonfererz in Sachsen durch W. Gerber. 43. Jahrgang. Verlag H. G. Wallmann, Leipzig. Wiederum ist das wertvolle Lutherische Missionsjahrbuch erschienen. Aus der Zahl der wertvollen Aufsätze seien nur genannt: D. Ihmels:„Ich weiß, an wen ich glaube“; Steck:„Paulus als Missionsprediger": Lilje:„Der junge indische Akademiker"; Gäbler:„Der Islam in Indien als Missionsproblem der Gegenwart“; D. Gutmann:„Die Begegnung des Islam mit dem Volkstume der Ostafrikaner“. Ihnen schließen sich als wich tige Arbeitsübersichten an: die Rundschau der Deutsch=Evangel. Mission, der lutherischen Missionen Skandinaviens und der lutherischen Judenmission. Das nötige Anschriftenmaterial, Statistiken usw. machen das Jahrbuch zu einer unentbehrlichen Handreichung für den Missionsfreund.—r. Dr. Karl Heilmann: Mission und Schule. Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin SW. 19. Halbleinen 3,90 M. Bedürfte es noch eines Beweises für den hohen erzieherischen Wert der Mission, dann würde ihn dieses Buch erbringen. Es hat sich zur Aufgabe gestellt, darzulegen, welch wertvollen Dienst Mission und Schule in der Heimat sich gegenseitig zu leisten vermögen. Man vergleiche dazu die anregenden Abschnitte „Mission und Jugendseele",„Mission und Unterricht",„Mission und Erziehung". Jeder Erzieher wird fruchtbare Anregungen für seinen Unterricht aus dem Buche entnehmen. Von allgemeinem Interesse sind die Darlegungen über alles, was jed## Christ oder Missionsfreund von dem größten Liebeswerke der Welt wissen möchte(Lage in und nach dem Weltkrieg, Entwicklung in neuerer Zeit, gegenwärtiger Stand, Missionsleitung und gesellschaften, Ausbildung und Dienst des Missionars u. a) Angaben von Schriften für die einzelnen Altersstufen der Jugend und zur Fortbildung in der Missionswissenschaft sowie 14 Abbildungen erhöhen den Wert des in der Missionsliteratur eine Lücke ausfüllenden Buches.—r. Prof. D. Dr. Witte:„Die katholische Weltmission als Lebensäußerung der Kirche, als Faktor für die Christianisierung der Menschheit.“ Protestantische Studien. Heft 14. Verlag des Evangelischen Bundes E.., Berlin W. 10. Dieses Heft erschien in der Reihe der Protestantischen Studien des Verlags des Evangelischen Bundes. Auf kürzestem Raum wird uns eine geschichtliche Uebersicht und Wertung der katholischen Weltmission gegeben, unter besonderer Berücksichtigung der deutschen katholischen Mission. Sehr wertvoll sind die reichen, guten statistischen Uebersichten und Vergleiche mit der evangelischen Mission. Jedem sei das Büchlein daher warm empfohlen. Verschiedenes. Dr. Hans F. K. Günther, Rassenkunde des jüdischen Volkes. J. F. Lehmanns Verlaa, München. Geh. 11,— Jl. geb. 13.— M. Nachdem vor kurzem der gleiche Verlag das Buch von Passarge„Das Judentum als landschaftskundlich=ethnologisches Problem“, herausgegeben hat, schenkt er uns mit diesem Buche, das wiederum vorzüglich und mit reichem Anschauungsmaterial ausgestattet ist, einen weiteren wertvollen Beitrag zur Judenfrage. Während Passarge vor allem aus der Umwelt das Wesen des Judentums zu klären und zu erklären suchte, geht Günther von der Rassenfrage aus, indem er gegenüber der Umwelt die rassischen Erbanlagen für das Wesen des Judentums als von enrscheidender Wichtigkeit erachtet. Entgegen der volkstümlichen Anschauung, die im Judentum eine Rasse sieht, zeigt Günther, daß die Juden ein Rassengemisch darstellen, das vor allem auf außereuropäische Rassen zurückgeht. So ist das Judentum nach dem Verfasser weder als Rasse, auch nicht primär als Glaubensgemeinschaft oder Kulturgemeinschaft, sondern als Volkstum aufzufassen. Als Volk werden die Juden Gegenstand der Rassenund Vererbungswissenschaft. Günther verfolgt Schritt für Schritt den rassischen Aufbau des jüdischen Volkes von den Anfängen der Geschichte bis zur Gegenwart, um alsdann im Abschnitt „Die Juden der Gegenwart“ die verschiedenen leiblichen und seelischen Züge der heutigen Juden nach den Ergebnissen rassekundlicher Untersuchungen eingehend zu erörtern. Die strenge Bindung an das Thema des Buches und die sachliche Behandlung aller Fragen berührt den Leser angenehm. Wie beim Passargeschen Buche, das die Determination des jüdischen Menschen durch die Umwelt aufweisen wollte, wird auch an diesem Buche der Theologie die Aufgave erwachsen, wie auf Grund der Rasseverhältnisse des jüdischen Menschen hier die religiöse Frage, die mit dem Judentum gegeben ist, sich ausnimmt, inwiefern also wiederum Grenzpunkte für die Rassenkunde sich zeigen, die die Notwendigkeit in sich schließen, einen weiteren Beitrag für die Lösung der Judenfrage unter der Hervorkehrung des religiösen Gesichtspunktes zu suchen. Der religiöse Standpunkt wird bei aller Bestimmtheit des Menschen durch die Rasse, die anzuerkennen ist, dennoch zugleich das Wirken einer transzendenten Macht sehen und ein Bewußtsein der Verantwortung des Menschen ihr gegenüber behaupten. Die Rasse allbestimmend für den Charakter sein zu lassen, heißt schließlich den Menschen an die Materie versklavt sein lassen. Mit diesem Satz berühren wir bereits weltanschauliche Gegensätze in der Betrachtungsweise, die wir hier im Rahmen einer Besprechung nicht weiter verfolgen können. J. Von Küste zu Küste.(Bei deutschen Auswanderern in Kanada.) Von Dr. H. Wagner, Auswandererpfarrer in Hamburg. Verlag: Ev.=luth. Auswanderermission, Hamburg. Schon im ersten Teil des trefflich ausgestatteten Buches wird bei der Behandlung von Geschichte und Landschaft immer wieder die Existenzfrage des Kanadiers angerührt. Das ist ja die Kernfrage des ganzen Buches und ist die Ursache zu der Reise des Verfassers durch Kanada gewesen. Und trotzdem die Schilderung der Reiseeindrücke immer wieder in dem Werk ihren Platz findet, ist das Buch weit davon entfernt, eine Reisebeschreibung zu sein, sondern es ist wirklich das, was es sein will: Ein Hand: buch für den Einwanderungslustigen, den es leicht und rasch über alle Fragen des dortigen Lebens unterrichtet, besonders auch dank des guten Namen= und Sachregisters. 83 Prozent aller Erwerbstätigen zuzuzählen sind; ihre Arbeits## k# ine einzalne des Tagesverlaufes geschildert. methoden werden bis ins einzelne Tagesverläufes geschident. Die Bedeutung der Waldwirtschaft, die heute schon 75 Prozent des vereinsstaatlichen Zeitungspapieres liefert, wird recht gewürdigt. Im Abschnitt über Industrie, Handel und Gewerbe, die infolge vereinsstaatlicher Kapitalsanlage weit entwickelt sind, wird die geringe Beschäftigungsmöglichkeit von europäischen Einwanderern aufgezeigt, es sei denn, daß es sich um Holzarbeiter, Autoschlosser und vielleicht noch Bäcker und Metzger handele. Im weiteren werden die innerpolitischen Fragen und die Stellung der einzelnen Parteien behandelt, vor allem die Einwanderungsfrage, bei deren Behandlung drei Faktoren entscheidend sind: Konfession, Rasse, soziale Stellung. Nachdem die Bildungsmöglichkeiten aufgezeigt sind, folgt eine eingehende Analyse kirchlichen Lebens. Für die Einwanderer am wichtigsten ist dann die genaue Angabe des Weges des Einwanderers von der Ueberfahrt bis zum Lehrjahr und weiter zum Erwerb der eigenen Scholle. Das Heimstättengesetz ist in seinen Grundzügen wiedergegeben, alle Methoden des Landkaufes angegeben und kritisch besprochen. Die Schlußkapitel berichten über das Deutschtum in Kanada und die lutherische Kirche und die konfessionelle Einwandererfürsorge. Alles in allem: Der Verfasser weiß aus seinen Erfahrungen, was alles den Einwanderer interessiert. So ist ein handfestes Buch entstanden aus der Praxis für die Praxis. Dr. Schmidt. „Der Kranken Trost.“ Ein Wochenblatt für Kranke und Sieche, Herausgeber Superintendent Theodor Korth, Wustermark, Bez. Potsdam. Jährlich 57 Nummern(einschließlich der Festtage). Preis pro Nummer 1½ Pfg., Porto extra. Gustav Schloeßmanns Verlagsbuchhandlung(Gustav Fick), Leipzig C1, Seeburgstraße 100. Im 33. Jahrgang darf nun„Der Kranken Trost“ hin und her in Stadt und Land Alten, Kranken und Siechen eine Sonntagsandacht bringen, die nicht in der Lage sind, dem Gottesdienste der Gemeinde beiwohnen zu können. Allen, die der Krankenseelsorge dienen, namentlich den Geistlichen mit ihren oft reich bevölkerten Bezirken in der Stadt und dem weit ausgedehnten auf dem Lande möchte„Der Kranken Trost“ Hilfsdienste leisten. Die Verlagsbuchhandlung ist jederzeit bereit, Probenummern zur Verfügung zu stellen, damit ein jeder, der das Blatt verbreiten möchte, dies vorher kennenlernt. Paul Brandt, Sehen und Erkennen.(Eine Anleitung zu vergleichender Kunstbetrachtung, 484 Seiten, 838 Abbildungen, 19 Farbtafeln— Leipzig— Kröner 1929.) In der Kunstliteratur steht Brandts Werk, das im Herbst 1929 in 7. Auflage, wiederum in Text und Abbildungen stark vermehrt erschien, gänzlich vereinzelt da. Der Verfasser ist nicht nur ein ausgezeichneter Kenner der Kunstgeschichte, sondern dazu ein begeisterter Kunstfreund und ein Pädagoge von seltener Begabung. So stellt sein Buch nicht etwa eine gelehrte Arbeit im Rahmen der kunstwissenschaftlichen Forschung, oder ein Handbuch für den Unterricht dar, sondern ist als Gabe eines Führers anzusehen, der die Ergebnisse seiner Beschäftigung mit Werken der Baukunst, Plastik und Malerei weitesten Kreisen zur Verfügung stellt, als Hilfsmittel zum Verständnis(auch der neuesten Kunst) und nicht zuletzt als Anregung zum Nachdenken über die Entwicklung und den Fortschritt künstlerischer Gestaltungskraft im Laufe der Jahrhunderte. Zufolge seiner umfassenden Denkmälerkenntnis und seines pädagogischen Talents kann Brandt seine Absicht in einer genialen Methode durchführen, wie sie nur wenigen Kunstgelehrten, worunter Lichtwark, Voll, Wölfflin und Waetzoldt zu nennen wären, zu eigen ist. Beginnend mit der ägyptischen Baukunst wird der ganze Umfang der Kunstgeschichte bis zu den Schöpfungen der heutigen Zeit(Hochhaus) in den wirklich bedeutenden Werken erfaßt, stofflich zusammengruppiert und die Entwicklungsgedanken durch den Wandel der Jahrhunderte mit Bildern belegt. Ein sehr praktischer Gesichtspunkt— Text und Bild— ist gegenübergestellt. Die Bilder sind scharf, die Technik der Wiedergabe für die heutigen Verhältnisse einwandfrei. Der Textist allerdings in Fassung und Ausdruck sehr unmodern, weil er in wenigen und deutschen Worten vieles und klar zur Sprache bringt und nebenbei diejenigen fremdsprachlichen Fachausdrücke erklärt, welche sich in der Kunstwissenschaft wirklich eingebürgert haben. Im Laufe seiner Führungen, Vorträge und Unterhaltungen mit Kunstfreunden und=feinden hat Brandt erfahren, worauf es ankommt, und konnte so sein Buch seit der ersten Auflage(1910) stark erweitern und vertiefen. Dem ihm vorschwebenden Ideal würde es allerdings erst in durchweg farbiger Ausstattung entsprechen können, was heute aus technischen Gründen noch unmöglich ist und den Preis(geb. 18.— M) stark verteuern würde, der jetzt im Verhältnis zu dem Gebotenen niedrig gehalten ist. Man darf Brandt dankbar sein, daß er für die wenigen Stunden der Sammlung einen Kunstschatz geschaffen hat, der einerseits eine sehr erwünschte Ablenkung und Entspannung vermittelt, andererseits auf den Genuß der einzigartigen Kunstschätze in unseren Museen und den mittelalterlichen Städten hinweist, um die uns das Ausland mit Recht beneidet. Dr. Bernhardt=Leipzig. Rudolf Proschky f:„Es zog ein Bursch hinaus“ Verlag von Friedr. Gutsch in Karlsruhe, schön in Lwd. geb. mit Bild des Verfassers,.60 M. Eine hehre Dankespflicht drückt mir die Feder in die Hand. Mein verewigter junger Landsmann, der zwar aus Ostpreußen gebürtige, aber schon als Bub nach Karlsruhe verschlagene, nachmalige Journalist und Schriftsteller hinterließ dies Buch bei seinem Tod in jungen Jahren. Liebevolle Hände gaben es heraus und kleideten es in ein schönes Gewand. Nun soll es Zeugnis geben und künden von einem Dichter und tiefangelegten lieben Menschen, der mit reinen Augen durchs Leben schritt, viel sah und erlebte und doch sich treu geblieben war. Ich könnte aber auch„pädagogisch“ werden und sagen, das Buch ist ein Stück Jugendkunde, ein Ausschnitt aus der Gegenwart und dem heutigen Jugendleben. Allein ich möchte dies Büchlein nicht mit dem Odium und dem Verdacht irgendwelcher beabsichtigten Für ruhigen Schlaf und pünktliches Erwachen sorgt eine gute WECKUHR H. Breder, Bielefeld Gütersloherstr. 14/ Fernspr. 1012 Hertedes-Benz Ummibal 18 bis 20 Personen für Austlüge aller Art empiehlen Friedhofl& Koch, Bieleleld Teleion 5550. „Deklamationen“ oder„Theorien“ belasten. Dazu ist es viel zu lebendig, viel zu warm und wahr! Liebe in allerlei Auswirkungen, echte Liebe und sogenannte„Liebe“ spielt eine große stark realistisch gezeichnete Rolle. Hat aber einer auch, einen Burschen hinausziehen sehen, auch einen, dem er mit liebevollen Augen nachschaut und im Geiste begleitet gen Heidelberg oder sonst„auf Deutschlands hohe Schulen“, oder zieht ein Leser in seiner Erinnerung selber noch einmal als junger Bursch hinaus, der soll dem Proschkyschen Buch den Dienst tun, wozu es geschrieben ward: Reichtum zu bringen ins Leben der Kunst und Kunst in den Reichtum des Lebens. Bruno Goldschmit, Ricklingen. Tina Truog=Saluz: Die vom Turm. Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. Leinenband.— J4(6,25 Fr.). Die Verfasserin kennt dieses eigenartige verschlossene Volk mit seinen sinnvollen Sitten und altertümlichen Bräuchen, da sie selbst aus einem alten Engadinergeschlecht stammt. Sie versteht es, diese wortkargen Bergbewohner lebendig vor uns hinzustellen. Ihre Erzählung„Die vom Turm“ spielt in der Hauptsache in Schuls und Fetan. Sie schildert die Entwicklung einer charakteristischen, herben und stolzen Engadinerfamilie durch drei Generationen hindurch, die sich nicht vom Lebenskampf unterdrücken läßt und Schweres tapfer überwindet. Ein schönes Buch, das wir gern empfehlen. Hg. Die Rote Erde. Ein Heimatbuch für Westfalen von Wilhelm Uhlmann=Bixterheide. Mit 15 Kunstbeilagen und Buchschmuck von Frida Teubler. Verl. Fr. Brandstetter, Leipzig C. 1. Sechste, neubearbeitete Auflage 1929. 421 Seiten Oktav in Künstlerband gebunden.— M. Das Land der roten Erde. Es gibt keine Zeit in der deutschen und preußischen Geschichte, wo nicht Westfalen, das Land der roten Erde, in besonderer Weise von sich reden machte. Sage und Wirklichkeit haben um das Land einen bunten Kranz lebhaften und geheimnisvollen Geschehens gewoben. Mit Hermann dem Cherusker, dem Herzog Witukind sind es die verschiedensten Gestalten aus dem kulturellen und dem wirtschaftlichen Leben gewesen, die weit über die Grenzen des Landes hinaus Objekte wurden, von deren Werden und Wirken sich Jugend und Ulter ein reiches Maß von Heimat= und Vaterlandsliebe, von Schaffensmut und Opferfreude ins Herz hineinsenken ließ. Das vorliegende Buch, schon in einer Reihe von Auflagen erschienen, bietet in vielen Abhandlungen und Bildern, von Meisterhänden geschrieben und gezeichnet, eine Charakteristik von Land und Leuten, die Belehrung und Freude bringt. Annette v. DrosteHülshoff, Friedr. W. Grimme, Karl Immermann, Ferdinand Freiligrath, F. W. Weber, Hermann Löns, Karl Wagenfeld und viele andere haben ihre Beiträge geliefert. Liebe zur heimatlichen Scholle ließ das Buch entstehen. Möge auch diese neue Auflage liebevolle Aufnahme finden. D. A. L. Beyer: Pribislav. Historischer Roman aus der Zeit der letzten Freiheitskämpfe der mecklenburgischen Wenden. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin i. Meckl., Preis 5,—M. L. Beyer: Um Pflicht und Recht, Roman aus der Zeit z. Vitalienbrüder. Verlag Friedrich Bahn, Schwerin j. Preis.—M. Euthymius Haas: Der vergnügte Theologe. Eine Samn. lung von Anekdoten aus Kirchengeschichte und kirchliche, Gegenwart. 2. Sammlung. Verlag Alfred Tölpelmann, Geße, Preis modern geheftet 1,50 M; huosch gebunden 2,50#. F. A. Brockhaus, Leipzig: Aus der Werkstatt eines große Lexikons. Einige lehrreiche und reizvolle Einblicke in d. Werden des großen Brockhaus. Das kleine 50 Seiten stantBändchen wird in größeren Buchhandlungen kostenla, abgegeben. Furche=Almanach auf das Jahr 1930— Ein Lesebuch. Furche, Verlag, G. m. b. H. Berlin. In Kaschurband 1,80 M. Der Furche=Almanach erscheint wieder in der bekannten Au. machung. Als Sonderdruck ist ihm diesmal auf 130 Seiten ein wertvolle Auswahl aus den Predigten von Claus Harms bei. gegeben. Karl Vötterle: Das Bärenreiter=Jahrbuch 1930. Sechse Folge. Bärenreiter=Verlag zu Kassel. Preis 0,90 M. Das Bärenreiter=Jahrbuch von 1930 bringt neben Bilden und faksimilierten alten Noten=Handschriften Beiträge aus den Mitarbeiterkreis des Verlages über künstlerische, kulturelle und religiöse Fragen. Eine neue Schrift zur Alkoholfrage. Eine Schrift von Geh. Med.=Rat Dr. Max Fischer, früher Leiter der badischen Irrenanstalt in Wiesloch, jetzt am Kaiser, Wilhelm=Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik, über den„Alkoholmißbrauch“, mit welcher der Verlag „Auf der Wacht“ eine neue Reihe„wissenschaftlicher Veröffentlichungen zur Alkoholfrage“ eröffnet, stellt eine wertvolle Bereicherung der Literatur zur Alkoholfrage dar. Berlin 1920 72 Seiten. Kart. 3,—MA; 10 Stck. 25.— M. Durch die Schilderung der mannigfachen schädlichen Wirkungen des Alkohols auf den menschlichen Organismus und des besorgniserregenden Anwachsens der alkoholischen Volksschäden in den letzten Jahren will der Verfasser die Leichtfertigkeit, die Gleichgültigkeit und Entschlußlosigkeit aufrütteln, mit der die deutsche Oeffentlichkeit, unsere politischen Körperschaften und Organe immer noch diesem Uebel gegenüberstehen, um weiterhin die Wege zu besprechen, die für seine Eindämmung in Frage kommen. Dabei verdienen im gegenwärtigen Augenblick die Ausführungen über eine kräftige Besteuerung der alkoholischen Getränke als bestes Mittel zur Herabsetzung des Konsums und über die Bestrebungen, welche sich auf Beschränkung der Zahl der Gaststätten richten, besondere Beachtung. Der Appell des Verfassers, endlich die bisherige Gleichgültigkeit und Trägheit abzuschütteln, ist um so eindrucksvoller, als er sich von jeglichem Fanatismus und allen Uebertreibungen(wie etwa der Forderung der Trockenlegung Deutschlands) freihält. D. Strathmann. Vergessener. „Was, Sie lesen Stifter? Kann man denn das noch lesen? Das ist doch alles viel zu altmodisch und langweilig!“— Wie oft habe ich dies Urteil gehört, oder gar das noch schlimmere:„Darüber sind wir doch hinaus!“ Haben wir„Modernen“ es denn wirklich so„herrlich weit“ gebracht, daß wir mit Recht uns erhaben dünken könnten über solche Dichtungen, wie sie Stifter uns geschenkt hat? Gewiß gibt es Dichter, die mit mehr Leidenschaft zu uns reden, die unsre Neugier, unsren Hunger nach Aufregungen aller Art besser zu befriedigen wissen. Aber Stifter hat gerade das, was uns in der Last und Unruhe des heutigen Lebens so not tut, wonach wir uns, oft halb unbewußt, sehnen: die tiefe, verklärte Ruhe der ewig gleichen, von Menschenhast und Menschenleid unberührten Natur. Adalbert Stifter, 1805 als Sohn eines österreichischen Leinewebers geboren, lebte in einer Zeit starker politischer wie kultureller Umwälzungen. Die Epoche der Romantik war endgültig vorbei, das Zeitalter der Technik brach an und mit ihm begann die wilde Steigerung eines Lebenstempos, das uns heute erbarmungslos vorwärts hetzt und uns kaum Zeit läßt zum Besinnen. Stifter, dieser kindlich zarte, tief empfindende Mensch, konnte dem hastigen Treiben nicht folgen, er flüchtete sich in die Stille und Erhabenheit der Natur. Nicht die Menschen und ihre Leidenschaften sind die Hauptsache in seinen Werken, sondern die Natur, die Landschaft ist das eigentlich Wesentliche. Sie bildet nicht den Hintergrund, sondern ist recht eigentlich die Substanz, aus der sich alles andere erst bildet, und nicht die Begebenheiten oder Charakterschilderungen bilden den hohen Reiz seiner Erzählungen, sondern die wundervollen, beseelten Schilderungen der Natur, die unlösbar mit den Menschen und ihren Schicksalen verknüpft ist. Wohl schildert Stifter auch schweres, tragisches Geschick, wie z. B. im„Hochwald", einer seiner vollendetsten Erzählungen, aber alles menschliche Leid wird klein und unwichtig vor der Größe und Erhabenheit der Natur. Die Schilderung des ewig gleichmäßig rauschenden Waldes ist von einer unerhörten Eindringlichkeit, so daß man das Erlebnis des Waldefast physisch zu spüren meint. Ich möchte hier nicht auf die einzelnen Werke eingehen; man kann den Zauber der Stifterschen Schilderung und Sprache doch nicht wiedergeben, jeder muß ihn beim Lesen selbst empfinden. Nur kurz will ich einige Titel nennen. Die vollendetsten seiner Erzählungen finden sich in der Sammlung„Studien“ und in dem etwas später erschienenen Band„Bunte Steine“. Seine gesammelten Werke, zu denen auch der Roman„Nachsommer“ gehört, sind in einer sehr guten Ausgabe im Insel-Verlag erschienen. Einen Auswahlband bringt dieser Verlag unter dem Titel„Erzählungen", und in der„Inselbücherei gibt es einzelne Novellen, wie z. B.„Der Waldsteig" oder „Brigitta". Auch in Reclams Universalbibliothek sind mehrere seiner Erzählungen erschienen. Es ist traurig zu denken, daß Dichter wie Adalbert Stifter zu den Vergessenen gehören sollen. Gewiß, die Schönheit seiner Werke erschließt sich nicht jedem. Wer im Buch nur leichte Unterhaltung sucht, wird nicht au seine Kosten kommen. Aber jeder, der mit ein wenig innerer Ruhe und Sammlung an diese Erzählungen herantritt, wird dort nie ersiegende Quellen tiefer Freude und Erhebung finden. Stifter selbst hat einmal geäußert, welche Wirkung er seinen Büchern wünschte: „Wenn ich so die freundlichsten, geweihtesten Stunden darauf verwenden würde, so würde es sich zusammenfinden, einfach, klar, durchsichtig und ein Labsal wie die Luft. Die Leser würden in dem Buche fortgehen zwischen allbekannten und geliebten Dingen und sachte gebann und eingezirkelt werden, so wie man im Frühling in warmer Luft, in allseitigem Keimen, glänzendet Sonne geht und glückselig wird, ohne sagen zu Können, wodurch man es geworden. Einfach, klar, durchsichtig und ein Labsal wie die Lust, — das ist's, was uns heutigen Menschen not tut, und bei Stifter können wir's finden! Helga Riese, Eisleben=Lutherstadt. Der Verband gläubig. Kaufleute will seinen Mitgliedern durch Schriften, Konferenzen und Ortsgruppenzusammenkünfte Gelegenheit geben, die Berufsfragen im Tichte des Wortes Gottes zu bespreGen Anmeldungen sind zu richten an die Geschäftsstelle: W. Brinck. Essen=Bredenen Einigkeitstraße 25. 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