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Die Deputaft hat Herrn Württemberz gesellschaft gejung der GeneWeltpolitih: lle in Bethel. erik. Maté Cayfee 80 Mk. per 1 Pd excl. Nachnahme. ehl& Sohn Hindenburgstraße se ist zum gl.Preise Opbür ecthülth. Heute, Donr in Nazareth. i 1, Vers 3 fl. Vereinsstunde s 8½ Uhr, in unde am Donder Vorstand. hewismus?“ en 31. Januar, im Jünglingsing des Christe nitglieder sind nirtuagse P seine Mitwiram Mittwoch. apheum eigen tigen zum Einlung, AnstaltsBezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis monatlich.25 und 036 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestellt.— Fürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgéld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67377. mit den Beilagen„Für Herz und und„Anser Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter 25 g je tausend 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Nr. 27. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld) Sonnabend, den 1. Februar 1930. 12. Jahrgang. Das Problem Elsaß=Lothringen. Nach der Wahrheit stolzen Burgen, Mag ein andrer dir die Pfade Dir durch Dorn und Felsen zeigen: Führen kann nur Gottes Gnade. Die Erkenntnis ist das Erbe Nicht der Weisen, nein, der Frommen: Nicht im Grübeln, nein, im Beten, Wird die Offenbarung kommen. Fr. W. Weber. Mungun Die evangelische Frau und der Christlich=soziale Volksdienst. Der Zusammenschluß des Christlichen Volksdienstes mit Anhängern der Christlich=sozialen Reichsvereinigung zum Christlich=sozialen Volksdienst hat viel freudige Zustimmung gefunden; aber vorherrschend sind es bisher Männer gewesen, die dem Ausdruck gegeben haben. Und doch, scheint es mir, sollte gerade die evangelische Frau ganz besonders froh und dankbar sein, daß nun endlich auch die politische Gruppenbildung Gestaltung gewinnt, innerhalb derer auch sie hoffen kann, in voller Freudigkeit des Dienstes ihrem Volke helfen zu dürfen.— Als Neuling im politischen Leben mußte die Frau sich ja naturgemäß noch mehr als der Mann von dem Gezänke der Parteien, dem rücksichtslos betonten Machtwillen, dem leidenschaftlichen Klassenhaß und der so oft an bewußte Unwahrhaftigkeit grenzenden Einseitigkeit der Parteipresse angewidert fühlen; als Christin mußte sie sich fragen: wie soll bei solch hemmungslosem Ausfechten des Meinungsstreites die Seele unseres Volkes gesund bleiben oder werden? Je mehr sie sich dieser Widersprüche zwischen Mittel und Ziel bewußt wurde, um so stärker mußte in ihr der Wunsch brennen, daß auch im öffentlichen Leben mehr zu spüren sein möchte von dem, was vor dem Gewissen des Christen bestehen kann.— Nun endlich ist der Augenblick gekommen, wo diese Gewissenspflicht ihr Recht behauptet, wo der Dienst am Volk eingeordnet werden soll in den Dienst Gottes. Da kann und darf die Frau nicht fehlen. Wie sie seit jeher den Dienst in der Familie, an den Kranken und Gefangenen, den Waisen und Armen als ihre ganz besondere Aufgabe erkannt hat, so muß sie sich nunmehr bewußt werden, daß solcher Dienst nicht erfolgreich sein kann, wenn die öffentliche Meinung immer mehr und mehr von einer entchristlichten Presse beherrscht und die Gese“, bung dem Einfluß der materialistischen Weltanschauung und der atheistischen oder religiös gleichgültigen Sittenlosigkeit preisgegeben werden, wenn anstelle einer in ernster Selbstzucht gehärteten Willensstärke eine aus allgemeiner Verweichlichung entstehende Willensunfähigkeit bei immer größeren Massen des Volkes zu finden ist. Wo es sich um die Seele handelt, isi kein Unterschied zwischen Mann und Weib und wo die Volksseele in den letzten Zügen liegt, darf die Frau ebensowenig wie der Mann zurückstehen, wenn es gilt, durch Teilnahme am öffentlichen Leben und durch Beeinflussung und Reinigung des politischen Parteilebens die Vorbedingungen zur Gesundung des Volkskörpers zu schaffen. In einer Front, in der man sich im Namen Christi die Hand reicht, um in sselbstloser, opferbereiter Arbeit, durch verständnisvolle Ueberbrückung der Gegensätze den Klassenhaß und den Parteihader zu bezwingen, können die Frauen nicht sehlen. Hier ist die rechte Stelle, an die die christliche Frau gehört, an der sie, ohne an ihrer weiblichen Eigenart Schaden zu leiden, die Gelegenheit findet, diese Eigenart auch für eine Neugestaltung des politischen Lebens voll einzusetzen. Man hat wiederholt das Wort gebraucht, daß in dem Christlich=sozialen Volksdienst vielen eine politische Heimat geschaffen worden sei. Nun, die Begriffe Frau— Heim— Heimat gehoren nahe zusammen, möge sich das auch hier bestatigen. Aus Süddeutschland hörten wir gelegentlich der Kommunalwahlen, daß die evangelischen Arbeiterinnen sich besonders eifrig für den Christlichen Volksdienst eingesetzt hätten; jetzt kommt die Nachricht, daß im preußischen Landtag auch eine Frau, die Vertreterin der Heimarbeiterinnen an der neuen Gruppenbildung beteiligt sei; aus Stöckers Lebensbild wissen wir, daß seine sozialpolitische Tätigkeit gerade auch bei Frauen der besitzenden Stände und höheren Gesellschaftsschichten viel Verstandnis und Anhängerschaft gefunden hat. Möchten wir bald auch von der Mitarbeit der Frauen aller Stände innerhalb des Christlich=sozialen Volksdienstes Gutes zu berichten haben. M. v. Hindersin, Köln. Im Locarno=Vertrag erkannte Deutschland die deutschfranzösische Grenze freiwillig an. Man hätte erwarten sollen, daß Frankreich von da an seinen„erlösten Brüdern, die nun ganz„erlöst“ waren, etwas entgegengekommen wäre. Aber das Gegenteil trat ein. Alles, was deutsch ist(90 Prozent der Bevölkerung spricht deutsch), versucht man auszurotten, das elsaß=lothringische Volk aber wehrt sich. Die deutsche Presse behandelt dieses Problem kaum, um nicht das„befreundete“ Frankreich zu reizen. Zweifellos sind die elsaß=lothringischen Verhältnisse sehr unklar. Man bedenke nur, welch ein Unterschied: über 200 Jahre war Elsaß=Lothringen französisch und nur 50 Jahre deutsch! Weit verbreitet ist in Deutschland der Glaube, die Elsässer und Lothringer seien mehr Franzosen als Deutsche. Die französischen Nationalisten denken allerdings anders über die„erlösten Brüder“. Man sagte von ihnen:,'est des boches ici;'est pire, que des boches.“(die Elfaßlothringer sind„boches“, schlimmer als „boches“.). Wenn wir uns ein richtiges Bild von den Verhältnissen in Elsaß=Lothringen machen wollen, dann müssen wir Elsaß=Lothringer hören. Im vorigen Jahre erschien ein Buch„Politik und Gewaltpolitik in Elsaß=Lothringen“, das der bekannte Autonomistenführer Dr. Roos herausgegeben hat.(Verlag Zürich, Kommissionsverlag Carl Fricke). Dr. Roos kann man wohl kaum als einen„phantastischen Alldeutschen“ bezeichnen, wie gewisse Zeitungen die Deutschen nennen, die von der elsaß=lothringischen Frage sprechen. Dr. Roos ist Urelsäßer und französischer Staatsangehöriger. Hören wir, wie das sozialistische Blatt„Volonté" über das Plebiszit von 1918 denkt:„Das Plebiszit von 1918 war ein Betrug. Es war regelrecht in Szene gesetzt wie ein Theaterstück“. Ueber die Ausweisungen von eingesessenen Elsaß=Lothringern schreibt Dr. Roos:„Separatistische Verbrecher, die ihr deutsches Vaterland wollten zertrümmern helfen, finden das Asylrecht in Elsaß=Lothringen. Elsässische Autonomisten aber,..., die für ihre Menschen= und Volksrechte kämpfen, werden unter dem Terror derselben Regierung gezwungen, ihre Heimat zu verlassen....“ Eine interessante Tatsache ist auch die, daß die elsässisch=sozialistische Partei, die zur deutschen Zeit schon frankophil war, jetzt in jeder Weise den französischen TerDie starke Abhängigkeit der kommunalen Selbstverwaltungsgebilde von der Gesetzgebung hat schon vor 30 Jahren zur Gründung kommunaler Spitzenverbände geführt. Vor dem Kriege bestand ihre Tätigkeit vorwiegend in der Vermittlung von Erfahrungen und in Erteilung von Ratschlägen an die Mitglieder. Die Entwicklung der Nachkriegszeit, vor allen Dingen aber die Häufung der Aufgaben in der kommunalen Selbstverwaltung, brachte für die kommunalen Spitzenverbände eine wesentliche Mitwirkung an der gesetzgeberischen Tätigkeit des Staates mit sich. Dementsprechend gewannen auch ihre Tagungen in der Oeffentlichkeit an Interesse und Bedeutung. Sehr häufig benutzen die Minister solche Gelegenheit, um ihre Ideen zu entwickeln bzw. gesetzgeberische Pläne anzukündigen. In der großen Oeffentlichkeit bestehen über die Tätigkeit und Wesensart der kommunalen Spitzenverbände vielfach noch recht unklare Vorstellungen. Es dürfte daher gut sein, einmal kurz die kommunalen Spitzenverbände hinsichtlich ihrer Organisation und ihrer Tätigkeit einer kurzen Darstellung zu unterziehen. Soweit die Selbstverwaltung sich nach großstädtischen Gesichtspunkten betätigt, ist sie organisiert im„Deutschen Städtetag“. Soweit sie sich ländlich organisiert hat, stoßen wir auf mehrere Organisationen. Die kleinen und mittleren Städte Deutschlands sind organisiert im„Reichsstädtebund“. Er umfaßt im wesentlichen die nicht kreisfreien Städte. Die Landgemeinden finden in Preußen ihre Vertretung in zwei Organisationen. Die westlichen Landgemeinden(Aemter) sind im„Landgemeindetag West“, die östlichen im„Verband der Preußischen Landgemeinden“ zusammengeschlossen. Die Politik beider Landgemeinden äußert sich sehr oft verschieden. Wenn sie auch über die großen Fragen der kommunalen Selbstverwaltung einig sind, gehen doch im einzelnen die Meinungen mitunter auseinander. Als Grund hierfür kann für die westlichen die mehr inonstrielle Struktur, für die ostlichen die mehr agrarische Struktur der betreffenden Gebiete angesehen werden. rormaßnahmen unterstützt und den Autonomismus bekämpft. Und wie stand es mit dem„Terror“ in deutscher Zeit? Dr. Roos schreibt:„Doch die Verwaltung und Organisation, schon rein technisch gesehen, klappten vorzüglich. Heute aber plagen wir uns herum mit einer alten, eingerosteten Maschine.“„Wann sind früher elsässische Zeitungen französischer Sprache verboten oder auf Grund eines Fremdsprachenparagraphen unterdrückt worden? Wann ist die Versammlungsfreiheit geknebelt worden?" Dr. Roos führt dann weitere Beispiele an, wie das monarchische Deutschland im Elsaß sogar alles mögliche zuließ. das tatsächlich staatsgefährlich war, aber die„freie Republik“ Frankreich alles terrorisiert und verbietet, was elsässisch ist. Nach 1918 aber sind die Elsaß=Lothringer„aus Franzosen zu entschlossenen Elsässern geworden". W ist nun das politische Ziel der Autonomisten(zu denen der größte Teil aller Elsaß=Lothringer gehört)? Man erstrebt zunächst eine Autonomie innerhalb Frankreichs, das Endziel ist ein freies Elsaß=Lothringen, ein Pufferstaat zwischen Deutschland und Frankreich. In ElsaßLothringen wurden Evangelische und Katholiken gezwungen, eine Einheitsfront gegen den Pariser Atheismus zu bilden, der mit allen Mitteln versucht, die christliche Kirche und Schule in den neueroberten Provinzen auszurotten. Ein Aufruf an das els.=lothringische Volk schließt:„Es lebe ein selbstbewußtes, starkes und freies Elsaß=Lothrin= gen.“ Der Aufruf ist u. a. unterzeichnet von dem bekannten Metzer Konsistorialpräses A. Bloch. Zum Schluß möchte ich noch einen Artikel aus dem flämischen Blatt„de Vlag", Nr. 2 1930, zitieren(„Friedensapostel"). In diesem Artikel wird eine Zusammenkunft deutscher und französischer pazifistischer Katholiken in Berlin kritisiert, in der ein deutscher Graf seierlich auf Elsaß=Lothringen verzichtete. Deutschland könne jetzt keine Ansprüche auf Elsaß=Lothringen haben, so schreibt das Blatt, dazu sei es zu machtlos.„De Vlag“ fährt dann wörtlich fort:„Später, wenn Deutschland sich nicht uums Elsaß kümmert... dann wird Deutschland seine Pflicht versäumen, wenn es die Elsässer, die doch Deutsche sind— welches Lied man auch von den„erlösten Brüdern“ singen mag— im Stich läßt.“ So schreibt ein ausländisches Blatt. Jedenfalls die Ansicht, daß die Elsässer in Frankreich glücklicher seien als in Deutschland, ist ein Irrtum, dem man in Deutschland leider viel zu häufig begegnet. H. W. Röhrig. Anders liegen die Dinge beim„Preußischen Landkreistag". Er ist die Zentralstelle und Spitzenvertretung sämtlicher Land kreise Preußens. Die Verschiedenheit der Wirtschaftsgebiete spielt also bei der Interessenvertretung der Landkreise keine Rolle. Provinzielle Unterverbände sorgen für die Wahrnehmung lokaler Interessen. Die Gesamtpolitik der Landkreise mündet in den geschlossenen Spitzenverband Dieser hat, wie alle kommunalen Spitzenverbände die Aufgabe, die Belange seiner Mitglieder zu wahren und diese praktisch zu fördern. Während früher die Organe des„Preußischen Landkreistages“ nur von hauptamtlichen Delegierten beschickt waren, sind sie jetzt von zahlreichen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern durchsetzt. Für das gesamte Deutsche Reich werden die Landkreise und Bezirksämter durch den„Deutschen Landkreistag" vertreten, in dessen Vorstand die Vertreter der Landesverbände Sitz und Stimme haben. Wenn auch in einzelnen Fragen die Interessen der kommunalen Spitzenverbände auseinandergehen, so zeigt sich doch bei den großen Prinzipienfragen der kommunalen Selbstverwaltung weitgehende Einigkeit, die ihren Niederschlag in der Arbeitsgemeinschaft der kommunalen Spitzenverbände gefunden hat. In den Verwaltungsorganen auf den verschiedensten Gebieten, z. B. der Sozialpolitik, der Kreditpolitik, der Anleihepolitik, sind die kommunalen Spitzenverbände vertreten und nicht selten vertritt ein Verband in derartigen Körperschaften die Interessen der übrigen. Die Tätigkeit der Spitzenorganisationen der kommunalen Selbstverwaltungen hat ihren Höhepunkt noch nicht erreicht! Die auch in der Zukunft noch bevorstehenden gesetzgeberisch=organisatorischen Arbeiten können ohne die Mitwirkung der kommunalen Spitzenverbände nicht im Sinne des allgemeinen Volkswohls gelöst werden. Die Bedeutung der kommunalen Spitzenverbände für das Gesamtwohl wird daher für die Zukunft noch viel größer werden, und die Bevölkerung wird ihnen weit größere Beachtung schenken müssen als es bisher vielfach der Fall war. Um die Selbstverwaltung. Die Volkspartei lehnt ab. Die Fraktion fordert an Stelle des Handelsministeriums das Justiz= oder Kultusministerium. — Berlin, 31. Januar. Der preußische Ministerpräsident Braun empfing die volkspartetlichen Unterhändler Stendel, Schwarz= haupt und Heimann, um sich über die Haltung der Deutschen Volkspartei in der Frage der Erweiterung der preußischen Regierung zu unterrichten. Wie verlautet, betonten die Abgeordneten, ihre Fraktion könne den Vorschlag des Ministerpräsidenten auf Uebernahme des Handelsministeriums und Stellung eines Ministers ohne Portefeuille nicht als ausreichend ansehen. Auf die Anregung der Unterhändler, der Deutschen Volkspartei das Justiz= oder das Kultusministerium zu übertragen, erwiderte Ministerpräsident Braun, er müsse die Fraktion um eine klare Annahme oder Ablehnung seines alten Vorschlages bitten. Neue Vorschläge würden die Verhandlungen nur erschweren. Uebrigens würde ja auch das Zentrum das Justizministerium nicht aufgeben, und das Kultusministerium fordere die Sozialdemokratie. Nach der Besprechung beim preußischen Ministerpräsidenten trat die volksparteiliche Fraktion nochmals zu einer Sitzung zusammen. Nach kurzer Diskussion wurde beschlossen, das Angebot des Ministerpräsidenten auf Beteiligung an der Staatsregierung mit dem Handelsminister und einem Minister ohne Portefeuille andgültig als unzureichend abzulehnen. Große Koalition gescheitert. In parlamentarischen Kreisen betrachtet man die Verhandlungen über die Erweiterung der preußischen Regierung nach diesem Ausgang der Erörterungen abermals als gescheitert. Ministerpräsident Braun gab bekannt, daß seine Bemühungen um die Bildung der Großen Koalition beendet sind. Sitzung des Reichskabinetts. Fertigstellung des neuen Reichshaushalts in der nächsten Woche. — Berlin, 31. Januar. Das Reichskabinett hielt am Donnerstag eine neue Sitzung ab, um die Gesetze zur Ausführung des Youngplans formell zu verabschieden. Wie verlautet, benutzte der Reichskanzler diese Gelegenheit, um auch die von dem Zentrum vorgetragenen Wünsche im Kabinett zur Sprache zu bringen. In parlamentarischen Kreisen ist man der Ausicht, daß der Reichshaushaltsplan für das neue Finanzjahr bereits in der nächsten Woche vom Reichskabinett verabschiedet werden kann. Nach der Fertigstellung des Etats dürfte der Reichskanzler die Führer der Regierungsparteien zu sich rusen, um ihnen die Pläne des Reichsfinanzministers für 1930 darzulegen, verbunden mit der Aufforderung, die Fraktionen für die grundsätzliche Zustimmung zu diesen Plänen zu gewinnen. Die Gesetze zur Ausführung des Youngplans sollen am heutigen Freitag im Auswärtigen Ausschuß des Reichsrats beraten werden. Becker zurückgetreten. Schreiben an den preußischen Ministerpräsidenten. — Berlin, 31. Januar. Der Leiter des preußischen Kultusministeriums, Staatsminister Prof. Dr. Becker, ist zurückgetreten. Dem Ministerpräsidenten teilte Minister Dr. Becker seinen Entschluß mit folgendem Schreiben mit: Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Die politische Entwicklung der letzten Zeit hat mich zu der Ueberzeugung gebracht, daß die Auffassung führender Parteien von der Bedeutung der großen kulturellen Aufgaben dieses Ministeriums so stark von dem Geiste abweicht, den ich in langen Jahren mühevoller Arbeit im Dienste der geistigen und politischen Erstarkung der deutschen Republik zu verwirklichen bemüht war, daß für mich eine gedeihliche Wirksamkeit nicht mehr gegeben ist. Ich lege deshalb hiermit mein Amt nieder. Ihnen, Herr Ministerpräsident, danke ich bei diesem Anlaß für die starke und sachliche Unterstützung, die ich in den fünf Jahren meiner Ministertätigkeit unter ihrer Präsidentschaft gefunden habe. Grimme zum Nachfolger ernannt. Zum Nachfolger des zurückgetretenen Kulturminister Becker wurde der Vizepräsident des brandenburgischen Provinzialschulkollegiums Grimme ernannt. Adolf Grimme, der im 41. Lebensjahre steht und in Goslar a. Harz geboren ist, studierte Philosophie und begann seine pädagogische Laufbahn im Jahre 1919 als Oberlehrer in Hannover. Im Jahre 1923 wurde er an das Provinzialschulkollegium in Hannover versetzt und im Herbst 1923 zum Oberstudienrat ernannt. Im Jahre 1925 wurde er als Oberschulrat nach Magdeburg berufen und trat 1927 in das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung als Hilfsarbeiter ein. Er wurde dort 1926 zum Ministerialrat in der Abteilung U 2(höheres Schulwesen) ernannt und verwaltete längere Zeit auch das Pressereferat des Ministeriums. Seine Ernennung zum Vizepräsidenten des Provinzialschulkollegiums der Provinz Brandenburg, in dem er— entsprechend der besonderen Struktur dieses Schulkollegiums— das gesamte Volks=, Mittelschul=, Berufs=, Fachschul= und höhere Schulwesen der Provinz zu verwalten hatte, beendete 1929 seine Tätigkeit im Kultusministerium. Staatsminister Grimme ist publizistisch mit Schriften in der Schriftenreihe der entschiedenen Schulreformer hervorgetreten, um, entsprechend seiner Einstellung als religiöser Sozialist evangelischer Konfession den weltlichen Schulgedanken auch religtös zu untermauern. Dr. C. H. Becker. Der zurückgetretene preußische Kultusminister Dr. Carl Heinrich Becker wurde am 12. April 1876 in Amsterdam als Sohn des Konsuls Becker, Inhaber der dortigen Bankfirma Becker u. Fuld, geboren. Er besuchte das Gymnasium in Frankfurt a. M. und studierte in Lausanne, Heidelberg und Berlin Theologie und orientalische Sprachen. 1902 wurde er Privat= dozent in Heidelberg; von 1908 bis 1912 war er ordentlicher Professor und Direktor des Seminars für Geschichte und Kultur des Orients an dem inzwischen zur Universität umgewandelten Kolonialinstitut in Hamburg, 1913 wurde er Leiter des zu errichtenden orientalischen Seminars an der Universität Bonn. Dr Becker war außerdem Begründer und Herausgeber der Zeitschrift„Der Islam“ und Mitarbeiter verschiedener Fachwerke für Islamforschung. Im Jahre 1916 kam er als Vortragender Rat ins preußische Kultusministe, rium und erhielt gleichzeitig einen Lehrauftrag als ordentlicher Honorarprosessor an der Berliner Uni, versität. Nach dem Umsturz wurde er unter dem Kul. tusmit ister Haenisch Staatssekretär. Im April 1921 übernahm er als Fachminister im Kabinett Stegerwald das Kultusministerium, das er auch in den folgenden Kabinetten behielt. Beckers Abschiedsbesuch bei Braun. — Berlin, 31. Januar. Der preußische Ministerpräsident Dr. Braun empfing am Donnerstagabend den Kultusminister Dr. Becker. Dr. Becker überreichte sein Rücktrittsgesuch, das vom Ministerpräsidenten entgegengenommen wurde. Der Ministerpräsident sprach dem scheidenden Kultusminister seinen Dank für die dem Staate geleisteten Dienste aus Erfolge Frankreichs in London. Einigung über die Berechnungsformel.— Italien protestiert.— Vorläufig keine neue Vollsitzung. — London, 31. Januar. Die französische Delegation hat in der zweiten Vollsitzung einen etrgel ormen für die Feststellung der Schiffsstärken geeinigt, wobei dem französischen Standpunkt weitgehend nung getragen wurde. Frankreich hat darauf verzichtet, lediglich die Festsetzung einer Gesamttonnage zu fordern, die anderen Mächte aber haben die strikte Abrüstung nach Schiffsklassen fallen gelassen und Frankreich das Zugeständnis gemacht, daß ein Teil der für jede Schiffsgattung festzusetzenden Höchsttonnage auf andere Klassen übertragen werden kann. Wenn man in dieser Einigung über die Berechnungsformel auch keinen hundertprozentigen Sieg Frankreichs erblicken kann, so unterliegt es doch gar keinem Zweifel, daß Frankreich sein Programm zu einem erheblichen Teil durchgesetzt hat! Jedenfalls erhalten die Franzosen die gewünschte Bewegungsfreiheit, indem sie statt eines großen Linienschiffes mehr Torpedoboote oder kleine Kreuzer auf Stapel legen können. Gegen diese Berechnungsformel meldete bisher lediglich Italien Protest an. Die Vertreter der übrigen Mächte— Macdonald, Stimson, der Japaner und selbstverständlich Tardieu— gaben zu verstehen, daß sie dem Kompromiß zustimmen werden. Auf Antrag des Amerikaners Stimson beschloß die Konferenz noch die Einsetzung eines Ausschusses zur Fortführung der Verhandlungen. Nebenher sollen private Besprechungen der Delegationsführer gehen. Neue Vollsitzungen werden vorerst nicht stattfinden. Nach der Vollsitzung empfing Macdonald die Presse. Während der Verhandlungen im St. JamesPalast war ein Teil der Presse in einem Nebenzimmer untergebracht worden. Vier Tage durch den Nordwesten Asambaras. (Schluß.) Dieser Tag sollte nun dem Kennenlernen der Gemeinde selbst und ihrer nächsten Umgebung dienen. Und so gingen wir denn zuerst zu den Kindern in die Schule. In Ostafrika gibt es ja noch keinen staatlichen Schulzwang, wenn auch die Regierung großen Wert auf den Besuch der Schulen legt. Die Christengemeinden aber haben die Uebung, daß Christenkinder die Schule zu beuchen haben. Es ist Sache der Gemeinde für Innehaltung dieser Regel zu sorgen. So waren denn hier, wo es sich um die zweitgrößte Gemeinde von Usambara handelt, eine ganze Menge Kinder vorhanden. Immer sitzen auch einzelne Heiden= oder Mohammedanerkinder darunter. Soweit der Vormittag dann noch Zeit gab, gingen wir ein wenig durch die Christendörfer, die sich über Hänge und Täler zerstreut an die Station anschließen. Manches nette und saubere Haus trafen wir da an. Mehr und mehr gehen auch hier die Christen zum Bau von viereckigen Häusern mit großen Fenstern über, die Licht und Luft hineinlassen, oder sie bauen wenigstens höhere Rundhütten, in denen eher Ordnung und Sauberkeit herrschen kann als in den niedrigen, dunklen und rauchigen alten Hütten. Die Station Mtai ist auf einem Gebirgsvorsprung aufgebaut, der sich nach Nordwesten in die Steppe hinausschiebt. Er fällt zu beiden Seiten steil und tief hinab. Während die Station selbst 1600 Meter hoch liegt, hat die Steppe eine durchschnittliche Höhe von 600 Metern. Wunderbar schön breitet sie sich da drunten vor dem Auge des Beschauers aus. Die grünen Bänder der Wasserläufe durchschneiden die gelben Flächen des Steppengrases und die roten Stellen der Erde. Die Schatten der Wolken, die darüber hingehen, liegen wie schwarze dunkle Flecken mitten in dem sonnendurchglühten Land. Darüber aber im Westen türmen sich die hohen Berge des Parelandes auf. Der Wasserfall bei der Leipziger Station Gonja grüßt als ein helles glitzerndes Band herüber, als wollte er sagen: Auch hier sind Menschen, die mit euch dem Lichte Jesu folgen wollen. Stellenweise ist der obere Rand des Gebirgsvorsprungs kaum breiter als eine deutsche Landstraße. Das lernte ich kennen, als ich am Nachmittag mit dem schwarzen Pastor Andrea hinauswanderte, um die vorderste Stelle des Vorsprungs zu erreichen. Dort vorn liegt das Dörflein Mti hoch auf dem Felfen. Nach drei Seiten fällt dieser hier hinad in die Diese, nur auf der vierten ist er mit dem übrigen Gebirge verbunden. Als wir da oben saßzen, dachten wir der vergangenen Zeiten. Jetzt sind nur noch wenige Hütten aus dem Felsen; aber mein Begleiter zeigte mir die in Stufenform angebrachten Terrassen, auf denen einst Hütte an Hütte sich gedrängt hatte. Jahr für Jahr kamen ja die räuberischen Stämme der Steppe heraufgestiegen, um den friedlichen Schambala ihr Vieh und ihre Feldfrüchte abzujagen. Damals drängten sich die Dörfer dicht auf dem höchsten, vorspringenden Punkt zusammen und waren durch mehrere Palisadenzäune gegen Angriffe geschützt. In jener Zeit war der Mtifelsen eine ideale Verteidigungsstätte. Jetzt sind die Menschen mehr und mehr von ihm hinweg hinunter auf die Hänge der Berge gezogen. Dort wohnen sie jetzt inmitten ihrer Felder und näher dem Wasser im Tale, das früher die Frauen 1½ Stunden weit im Grunde holen mußten. Jetzt ist Frieden im Lande. Wenn die weißen Leute auch viel Not über Afrika gebracht haben sollen, dieses eine Verdienst haben sie auf jeden Fall. Wo sie herrschen, ist Frieden, auch da, wo früher Streit und Krieg herrschte. Für unsere Missionsleute hat der Mtiselsen noch eine andere köstlichere Erinnerung. Bei ihm fanden unsere ersten Missionare die beiden Aussätzigen Kiase und Kassidi, die dort, ausgestoßen von der menschlichen Gemeinschaft, ihr kümmerliches Leben miteinander führten. Sie waren die ersten, die sich im harten Mtailande der Botschaft von Jesus öffneten. Ihre Augen leuchteten, als sie hörten, daß auch für sie Erlösung, Heilung, Reinheit vorhanden sei... Sie konnten durch die Taufe in den Gnadenbund Gottes aufgenommen werden. Sie waren es, die durch ihren kindlichen Glauben Vater Bodelschwinghs Herz zu heller Freude bewegten. Die von den Menschen Ausgestoßenen fanden durch den Glauben eine Kraft, die über Land und Meere reichte und viele zum Glauben und zum Dienst bewegte. Darum wird der Felsen von Mti für unsere Mission immer eine heilige Stätte des Dankes gegen Gott sein. Wer den Blick von ihm aus in die Ferne schweifen läßt, sieht etwas von der Schöpferherrlichkeit Gottes; wer auf die Missionsgeschichte Mtais lauscht, die hier ihren Anfang genommen hat, merkt etwas von der herabneigenden Güte des Barmherzigen. Diesem ewigen, mächtigen und allbarmherzigen Gott galt nun der Sonntag, der diesem Tage folgte. Für den Vormittagsgottesdienst waren diesmal alle Außengemeinden eingeladen. Mit Freuden waren sie der Einladung gefolgt, wenn auch manche bis zu drei oder vier Stunden Weg über die Berge hinweg hatten. Es war etwas Außergewöhnliches, daß im Gottesdienst die Zahl der Frauen größer war als die der Männer. Im allgemeinen ist es hier eher umgekehrt. Jetzt aber sind viele Männer nicht in ihren Dörfern. Unten in der Steppe sind imendliche Schwärme von Heuschrecken an ihrem Vernichtungswerk. Da hat die Regierung alle arbeitsfähigen Männer, die nicht irgendwo im Dienst stehen, aufgeboten, um diese entsetzliche Landplage zu bekämpfen. Der Gottesdienst in der geschmückten Kapelle begann mit dem Gesang eines Chors. Unsere Schambala überraschen ja immer wieder durch ihre musikalische Begabung. Mit Leichtigkeit singen sie mehrstimmige Lieder. Auch die kleinsten Gemeinden haben einen mehrstimmigen Chor. Dann vereinigte sich die Gemeinde mit uns in Anbetung und Danksagung vor Gott. Pastor Wohlrab predigte der Gemeinde: er erinnerte sie an den seligen Heimgang ihres alten Missionars P. Döring. Der Dienst, den er getan hat, ist nun auf die Gemeinde selbst gelegt. Sie hat das Evangelium weiterzutragen unter die Heiden. Ich durfte dann auch ein kurzes Wort zu der Gemeinde sprechen, indem ich den Empfang, den sie uns bei unserem Einzug bereitet hatten, als Beispiel und Gleichnis nahm für das rechte Warten eines Christen auf den kommenden Herrn. Solch ein tesdienst hat immer etwas besonders Herzbewegliches Da sitzen die schwarzen Menschen. Ihre Blicke halten si fest auf den Prediger gerichtet. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgen sie jedem Wort. Fröhlich geben sie Antwort, wenn sie, wie hier üblich, vom Prediger etwas fragt werden. Dazwischen versorgen die Mütter ihre kleinen Kinder, die sie auf dem Rücken tragen. Sie nehmen sie an ihre Brust und bringen so den kleinen Störenfried zur Ruhe. So ist Groß und Klein vor Gottes Angesich versammelt. Wir wvollten den Versammelten auch etwas von Deutschland und besonders von den Freunden in Bethel erzählen. Darum kamen alle wieder am Nachmittag in der Kirche zusammen. Schon um 1 Uhr versammelten wir uns, denn viele mußten ja noch weit wandern und wollten doch nicht in die Nacht geraten. Da war es nun meine Aufgabe, so wie ich sonst daheim von den schwarzen Christen erzähle, so hier vor ihnen etwas zu sagen vonl den weißen Chvisten. Ich brachte ihnen die Grüße, di mir aufgetragen waren. Ich erzählte ihnen von der Liebe vieler weißer Christen zu der Arbeit in Afrika. Ich ga# ihnen Beispiele für wirklichen Opfersinn im Helfen an Missionswerke. Ich versuchte, ihnen deutlich zu machen, wie auch ein Armer reichlich geben kann, wenn nur in sel nem Herzen der Reichtum Gottes vorhanden ist. Daß 10 gerade dieses erzählte, hatte seinen besonderen Grund Die Gemeinde hier gehört zu denen, die sich recht schlech an die Kirchensteuer und die sonstigen Abgaben gewöy nen können. Ihnen scheint es noch zu oft selbstverständ lich, daß die ja natürlich unendlich reichen Weißen allebezahlen und der arme Schambala es als Gabe annimm!. Ein Stück Erziehung zum Geben und Opfern sollte“ Die preußische Wohlfahrtspflege. Neue Rede des Staatsministers Hirtsiefer. — Berlin, den 80. Januar 1930. Der Preußische Landtag setzte heute die Aussprache zum Wohlfahrtsetat beim Abschnitt„Volksgesundheit“ fort. Abg. Schmiljan(Dem.) betonte die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der privaten Wohlfahrtspflege mit der bisentlichen. Die Höhe der Sterblichkeit beruhe auf der großen Notlage. Oeffentliche Körperschaften und leistungsjähige Privatpersonen sollten sich in den Notjahren eine sesteuerung für die Jugendwohlfahrt auferlegen. Aba. Leonhardt(Wirtschp.) behandelte die Koalitions= dichaftaeße der vandele, sich hier um eine Se - p. verhandlu kußerte„ac.—— meine Volkswohlfahr. gen zum Ausbau der feuille mitgebracht werde". Zum Schluß erklärte der Redner, die Sozialpolitik dürfe nicht überspannt werden, notwendig aber seien höhere Mittel für die Kleinrentner. Ministerialdirektor Schopahl äußerte sich auf die in der Aussprache gegebenen Anregungen. Abg. Schmitt=Limburg(Christl.=Nat. Bauernp.) betonte, die Wirtschaft werde nicht mehr lange in der Lage sein, dauernd steigende Wohlfahrtsausgaben aufzubringen. Der Redner verlangte die Einführung eines obligatorischen Arbeitsdienstjahres für die Jugend. Abg. Haake(Nat.=Soz.) forderte Erleichterungen für die kinderreichen Familien und bezweifelte, daß man mit den in dem Haushalt eingesetzten Mitteln für Wohlfahrtszwecke der Not wirksam steuern könne. Woylfahrksminister Dr. Hirtsiefer dann ausführlich über den Abschnitt„Allget“ Er erklärte, daß die Bestrebunder Mütterberatung, Müttererholung und Eheveratung auch in Zukunft mit allen Mitteln unterstützt werden. Im Interesse der Fürsorge für die Kinder habe er sich um die Förderung des Kindergartenwesens namentlich in den östlichen und westlichen Grenzgebieten bemüht. Bei der Verteilung der Mittel für die Kinderspeisung sei die durch Arbeitslosigkeit besonders stark heimgesuchte Provinz Niederschlesien bevorzugt worden. Der Minister bemängelte das Fernbleiben sozialistischer Organisationen von den durch ihn geschaffenen Bezirksjugendwettkämpfen anläßlich des Verfassungstages. Die Mittel für die werteschaffende Arbeitslosenfürsorge seien leider sehr gering gewesen. Immerhin hätten im ersten Vierteljahr 1929 täglich durchschnittlich 53.000, im zweiten Vierteljahr rund 37000 Arbeitslose bei Notstandsarbeiten beschäftigt werden können. Die Zahl der durch zinslose Tilgungsdarlehen geförderten Landarbeiterwohnungsbauten sei bis 1. Oktober 1929 auf 43.065 gestiegen, unter denen sich rund 21000 Landarbeitereigenyeime befänden. Der Minister bezeichnete es als unrichtig, daß auf Arbeiter in den westlichen Grenzgebieten ein Zwang zur Annahme von Arbeitsstellen in Frankreich ausgeübt oder Sperrfristen gegen Arbeiter verhängt worden seien, die Arbeitsstellen in Frankreich aufgegeben hätten. Bei der Errichtung von Innungskrankenkassen würden die gesetzlichen Vorschriften streng beachtet. Er werde sie lediguich für das Handwerk und Kleingewerbe zulassen. Die Klagen über Mißwirtschaft bei den Ortskrankenkassen hätten sich im wesentlichen als unbegründet erwiesen. Abg. Frau Raumann(Komm.) bedauerte die Einsparung von Mitteln für die Volksgesundheitspflege. Abg. Dr. Graf v. Posadowsky=Wehner(Aufw.=Part.) trat für eine gerechte Aufwertung der Forderungen der Kleinrentner ein und wies auf die fundamentalen Unterschied hin, mit denen die deutsche Regierung die Forderungen von Ausländern und ihrer eigenen Staatsangehörigen behandele. Nach weiterer Aussprache, in der Einzelwünsche vorgebracht wurden, vertagte sich das Haus auf morgen 12 Uhr. Gegen den Rauscher=Vertrag. Preußen muß im Reichsrat gegen das Liquidationsabkommen stimmen. — Berlin, 80. Jan. Bei den Abstimmungen zum Domänenhaushalt im preußischen Landtag war von besonderer Bedeutung der Antrag der deutschnationalen Landtagsfraktion, daß die preußische Staatsregierung im Reichsrat gegen das Liquidationsabkommen mit Polen stimmen solle. In diesem Abkommen wird Polen die Entschädigungspflicht für das abgetretene Staatseigentum erlassen(2 bis 2,5 Milliarden Goldmark!). Der Landtag hat diesen Antrag mit den Stimmen der rechten und des Zentrums angenommen und damit die Vertreter der preußischen Regierung verpflichtet, die Bestimmung des Liquidationsabkommens abzulehnen. Tagung der Generalsynode. Eröffnung am 22. Februar.— Stellungnahme zu den Kirchenverhandlungen mit Preußen. Die neugewählte Generalsynode, die Gesamtvertretung der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, die am 22. Februar zu längeren VerhandlunEommenPrier Ptsrats zuummentritt, wird den Haushaltsplan festsetzen und eine Reihe kirchlicher Gesetzentwürfe beraten. U. a. wird über die kirchliche Ordnung und Sitte, die sozialen Aufgaben der Kirche und über die Versetzung von Geistlichen verhandelt werden. Der Kirchensenat und der evangelische Oberkirchenrat werden der Generalsynode einen Tätigkeitsbericht über die kirchliche Gesamtentwicklung in den letzten drei Jahren erstatten, der der Synode Anlaß zu einer großen kirchenpolitischen Aussprache geben dürfte. Im Verlauf der Tagung werden die Synodalmitglieder des Kirchensenats, der obersten Kirchenleitung, neu gewählt werden. Ein besonderes Kapitel der Beratungen werden die immer noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit der preußischen Staatsregierung bilden. * :: Wann kommt das evangelische Konkordat? Die deutschnationale Fraktion in Preußen hat im Landtag eine Anfrage eingebracht, in der es heißt: Am 9. hat der Landtag das Staatsministerium ersucht, unverzüglich mit den evangelischen Kirchen in Verhandlungen über Verträge einzutreten. Wie uns bekannt geworden ist, haben bisher nur unverbindliche Besprechungen stattgefunden. Wir fragen: Wann gedenkt das Staatsministerium dem Beschluß des Landtages entsprechend die eigentlichen Verhandlungen aufzunehmen? Kommunistenkrawall in Hamburg. Heftige Zusammenstöße mit Erwerbslosen.— Die Polizei macht von der Schußwasse Gebrauch. — Hamburg, 31. Januar. In Hamburg kam es zu neuen Krawallen. Aus der Hafengegend hatte sich unter Führung kommunistischer elgitatoren ein Zug von Erwerbslösen gebildet, die einen Demonstrationsmarsch nach der Innenstadt erzwingen wollten. Als ihnen die Polizei den Weg verlegte, stürmten die Trupps, namentlich jüngere Arbeitslose, aus die Baustelle des neuen Hochhauses des Deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verbandes am Holstenwall und bewaffneten sich mit Baumaterialien. Die Polizei, die mit Manersteinen und eisernen Trägern angegriffen wurde, geriet in arge Bedrängnis. Die Beamten machten darauf wiederholt von der Schußwasse Gebrauch. Die Teilnehmer des aufgelösten Zuges sammelten sich kurz danach erneut und unternahmen neue Vorstöße. Elf Polizeibeamte erlitten Verletzungen. * Erneute Zusammenstöße in — Hamburg, 81. Januar. Nachdem am Donnerstag nachmittag die Ruhe in Hamburg vorläufig wiederhergestellt war, kam es abends zwischen zehn und elf Uhr zu erneuten Zusammenstößen. Als die Polizei eingriff, wurde sie beschossen und war auch gezwungen, auch ihrerseits von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Ob Verletzte dabei zu verzeichnen sind, war bisher nicht festzustellen. Bei den Zusammenstößen wurden etwa zwanzig Personen verhaftet. als Zeuge. Der Tscherwonzen=Prozeß auf dem Höhepunkt.— Notenfälschungen durch Sowjetrußland? — Berlin, 31. Januar. Die Beweisaufnahme in dem Prozeß gegen die Fälscher russischer Banknoten erreichte inzwischen seinen Höhepunkt. Als Zeuge war der bekannte Kapitän Ehrhardt geladen, der darüber aussagen sollte, ob er mit den Tscherwonzenfälschungen einverstanden gewesen sei und ob er überhaupt mit den Angeklagten über die Bekämpfung des Bolschewismus verhandelt habe. Im Zuhörerraum herrschte stärkster Andrang; an den Türen hatte Polizei Aufstellung genommen, die jeden Eintretenden auf Waffen untersuchte. Ueber seine Beziehungen zu den Angeklagten befragt, erklärte Kapitän Ehrhardt, Karumidze habe ihm im Frühjahr 1927 bei einer Besprechung Pläne zur Befreiung Georgiens unterbreitet. In die Pläne der Notensälschungen sei er jedoch nicht eingeweiht worden. Karumidze habe vielmehr daran gedacht, in Südrußland Aufstände zu organisieren und Maßnahmen zu treffen, um der russischen Regierung das„flüssige Gold“ — Oel— zu entreißen. Vorsitzender: Sie sind nun als Zeuge dafür benannt, daß bei den Angeklagten politische Beweggründe auch insofern maßgebend gewesen sein sollen, als sie mit den Fälschungen nicht nur die Sowjetregierung schwächen, sondern auch den Kommunismus in Deutschland bekämpfen wollten. Ehrhardt: Ich entsinne mich, daß Karumidze mir seine Ideen dadurch schmackhaft zu machen suchte, daß er betonte, durch einen Kampf gegen Sowjetrußland werde auch die Hauptkraft des deutschen Kommunismus gelähmt. Ich selbst habe mich nicht weiter dazu geäußert, weil zu viele Leute zu mir gekommen sind und Pläne entworfen haben. Sehr häufig handelte es sich dabei um Hochstapler. jenen Nachmittagsstunden getan werden. Während nun die ferner Wohnenden wieder heimzogen, hatte die eigentliche Mtaigemeinde für den späten Nachmittag noch einen besonderen Dienst vor. Wir gingen mit ihnen. Männer, Frauen und Kinder zogen singend des Weges dahin auf den Hügel, wo das alte Heidendorf Mtai steht. Jetzt ist freilich schon ein Teil seiner Bewohner christlich. Die übrigen sind zum guten Teil Mohammedaner. Gleich am Dorfeingang steht die Moschee, wo sich die Jünger des falschen Propheten zu ihren Gebeten sammeln. Welch ein Unterschied ist doch schon rein äußerlich zwischen einem solchen Heidendorf und den Siedlungen unserer Christen. Hier bei den Heiden sind die Hütten niedrig. Das runde Dach geht bis zum Boden herab. Eine kleine niedrige Tür führt in das stockfinstere Innere, wo des Nachts Menschen und Tiere miteinander schlafen, und wo Tag und Nacht das Feuer brennt. Ganz eng aneinandergedrängt stehen diese Hütten, als wollten sie sich gegenseitig wärmen, wenn der Sturm über die Höhe dahinfegt. Keine Blume, wie man sie bei den Christen so oft findet, schmückt den Platz vor dem Haus. Alles ist schmutzig und grau. Hennen mit ihren Küken, Ziegen und Schafe, halb nackte, niedliche, schmutzige schwarze Kinder laufen umher. Durch den Gesang der Christen und durch Einladung in den Häusern gelang es nach einer ganzen Weile, eine kleine Schar von Menschen zusammenzubringen. Es waren freilich nur sehr wenige. Die Männer waren fast alle zum Kampf gegen die Heuschrecken aufgeboten. Viele Frauen waren auf einem in der Nähe stattfindenden Markt. Aber auch unter den wenigen, die hörten, kann ja der eine oder andere vom Wort gepackt worden sein. Und dann war dieses Zeugnis der Gemeinde nicht vergebens, sondern trägt Frucht in die Ewigkeit. So wurde denn dieser Tag, wie er mit der Feier der Gemeinschaft in Christo begonnen, mit dem Dienst des Zeugnisses geendet, uns ein Betspiel, wie aus der vor Gottes Angesicht gesammelten Kraft der Gemeinde immer neue Freudigkeit zum Zeugnis erwächst. III. Der Rückweg. Der folgende Montagmorgen brachte uns noch ein besonderes Gottesgeschenk. Es war kurz vor Sonnenaufgang. Wir standen auf einer Höhe vor der Station. Ganz in weiter, weiter Ferne schaute über den Wolhen, die die Steppe bedeckten, ein Berg in breiter, wuchtiger Masse hervor. Weiß schimmerte seine breite Spitze. Es war der Kilimandscharo mit dem ewigen Schnee auf seiner Höhe. Wie die Sonne langsam in unserm Rüchen emporstieg, um über die Berge zu schauen, schien sich der große Berg in der Ferne immer höher und höher über die Steppe zu erheben. Da trafen die Strahlen der Sonne den Schnee auf seinem Haupte und färbten ihn rosarot. Immer heller schimmerte die breite Kuppe des Kibogipfels zu uns herüber. Dann aber stiegen die weißen Wolken aus der Steppe höher und höher. Wie ein schimmerndes schützendes Kleid lagerten sie sich um den ganzen Berg und verhüllten ihn vor den Blicken der neugierigen Menschen. Nur wenige Minuten hatte dieses wunderbare Schauspiel gewährt. Aber es wird mit seiner Schönheit und Pracht unvergeßlich sein. Für die Rückreise, die ich heute mit P. Wohlrab unternahm, hatten wir uns sein Pferd mitgenommen, um bald der eine, bald der andere darauf zu reiten und so eine angenehme und erfrischende kraftsparende Abwechslung zu haben. So ritt ich denn in der Morgenfrühe los, zunächst eine ganze Weile immer am Hang des Gebirges hin, wo der Blick hinunter in die Steppe und hinüber zum Paregebirge ging. Dann bog der Weg ein Stück ins Innere hinein. Auf einer Anhöhe, wo etliche Häuser standen, war eine Schar Menschen versammelt. Sie sangen, als ich näher kam. So wußte ich: ich bin in Mambo mit seiner Christenschar. Das Pferd wurde zurückgesandt, Pastor Wohlrab entgegen, damit er auf ihm folgen könne. Ich dankte unterdessen der Gemeinde für den Gruß, den sie mir gebracht. Dann rief ich die Kinder zur Schule, um sie zu prüfen. Das Lesen der größeren Kinder ging ganz schön flott, so daß man seine Freude daran haben konnte. Dafür stand es mit dem Schreiben der Kleinen um so schwieriger. Auch hier fand ich wieder, was ich in Usambara schon so oft gesehen habe, daß die Kinder das, was der Lehrer an der Tafel vorgeschrieben hat, in Spiegelschrift auf ihrer Tafel nachschreiben. Heute war es so bei dem„“. So setzte ich mich denn neben ein kleines schwarzes Mädchen. Sie blieb recht ruhig und tapfer, trotzdem der weiße Mann ihr so nahe kam. Drei=, viermal schrieb ich ihr auf der Tafel ein„s“ vor. Nun sollte sie es nachschreiben, und siehe da, es erschien wieder in Spiegelschrift. So führte ich denn ihre Hand, fünf=, sechs=, siebenmal brachten wir so miteinander ein richttges„s“ zustande. Ich ließ die Hand los, und richtig, jetzt ging das„]“ auch so. Wie froh war ich über den Erziehungserfolg. Ich wandte mich zu dem zweiten Schüler und einem dritten. Dann schaute ich meine kleine Freundin vom Anfang an und entdeckte, daß sie nach zwei richtigen„s“ sich doch wieder für die Spiegelschrift entschieden hatte. So konnte denn die Erziehung von neuem beginnen. Rätselhaft bleibt mir dabei nur, was diese Kinder für Augen haben mögen, daß sie den Unterschied nicht merken, und was die Lehrer für Augen haben, daß sie diesen Fehler so oft gar nicht entdecken. Als dann Pastor Wohlrad kam, hatten wir auch mit diesem Gemeindlein eine kleine kurze Feier. Mt vielen Grüßen an ihre alten Missionare, von denen sie keinen vergessen, beladen, zogen wir weiter. Unser Ziel war Mbalu am Westrande des Gebirges. Dort hat die Mission von alter Zeit her eine Waldbesitzung, die ich kennenlernen wollte. Hier stehen prächtige Zedern, die geschlagen und in unserem Sägewerk in Bumbuli oder in der Industrieschule in Lwandai verarbeitet werden. Hier ist auch eine Zedernanpflanzung in die Wege geleitet. Es wird freilich 60 Jahre dauern, bis man den Ertrag davon haben wird. Aber wir müssen den Männern dankbar sein, die so auch für das kommende Geschlecht der Mission tätig sind. Von einzigartiger Schönheit ist das Land, durch das wir an diesem Tage wanderten und ritten. Hier gibt es große, weite grüne Wiesen, die sich auf der Talsohle und die Abhänge hinauf hinziehen. Hier rauschen im Grunde muntere Bächlein über Felsen dahin. Hier breiten sich an den Berglehnen die Kartoffel= und Bohnenfelder, denn sie haben schnell diese beiden vor 30 Jahren eingeführten Pflanzen für sich nutzbar gemacht. Hier grüßen von den Höhen der Berge die Zedernwälder, die wie die heimatlichen Tannenwälder aussehen. Wenn der Blick durch ein solches grünes Tal schweift, dann mag sich der Deutsche nach dem Erzgebirge oder Thüringen versetzt vorkommen. Nur die braunen Rundhütten an den Bergen und die heiße stechende Sonne erinnert ihn, daß er im fremden Land ist. Die Leute sind hier fast alle Viehzüch. ter. Ackerbau wird nur verhältnismäßig wenig getrieben. Aber auf allen grünen Matten weiden die Tiere: Kühe, Ziegen, Schafe. Ein kleiner schwarzer Junge, der uns neugierig nachschaut, ist der Hirte. Was für Gedanken mag er sich über die weißen Leute machen, die so an ihm vorüberziehen. So ging es über Berg und Tal. Wenn es auswärts ging, fiel bald der Schweiß, der unter dem Tropenhut herunterfloß, reichlich zur Erde. Wenn es abwärts ging, dann mußte man oft scharf aufpassen, daß man auf dem trockenen, glatten Gras nicht ausglitt. Aber wenn wir auch milde wurden von der Wanderung, unser Herz war froh, denn wir sahen Gottes Herrlichkeit. So kamen wir wieder nach Sunga, wo unser Auto auf uns wartete. In guter, rascher Fahrt brachte es uns wieder nach Lwandai zurück. Dort aber konnten wir nicht genug rühmen von der Pracht, die wir gesehen, von der Freude, die unser Herz empfunden. Darum möchte ich, daß auch die Freunde unseres„Aufwärts“ und die Freunde unserer Mission ein wenig an dieser unserer Freude durch meine Schilderung teilnehmen. Curt Roniche. Nach weiteren Bekundungen des Zeugen war der Hauptträger des Gedankens, den Kommunismus in Deutschland durch die Vernichtung der Sowjetunion zu bekämpfen, der verstorbene General Hoffmann. Kapitän Ehrhardt schloß daraus, daß General Hoffmann den Gedankengängen Karumidzes freundlich gegenübergestanden haben dürfte. Auf die Frage eines Anwalts, was im Herbst 1926 bei den Unterredungen mit General Hoffmann besprochen worden sei und ob man damals die Zusammenarbeit mit einer englischen Wirtschaftsgruppe in Aussicht genommen habe, erwiderte Kapitän Ehrhardt, über seine Unterhaltung mit General Hoffmann gebe er keine Auskunft. Was die Persönlichkeit der Angeklagten betreffe, habe er, Ehrhardt, die politische Tätigkeit der beiden Georgier als einwandfrei angesehen. Zum Schluß seiner Vernehmung wurde Kapitän Ehrhardt vereidigt. Bolschewisten als Falschmünzer? In weiteren Verlauf der Verhandlung beantragte die Verteidigung, den Kommissar Liebermann von der Falschgeldabteilung des Polizeipräsidiums als Zeugen zu laden. Dieser Zeuge werde bekunden, daß die Bolschewisten 1927 und 1928 große Mengen falscher 20Markscheine in Deutschland eingeführt hätten. Einer der Angeklagten beantragt ferner, einen Sachverständigen der Sowjetbotschaft darüber zu hören, daß die Sowjetregierung amerikanisches, englisches, französisches und anderes Auslandsgeld herstellte, denn die Geldfälschung sei heutzutage ein allgemein anerkanntes politisches Kampfmittel. Nach der Beratung über diese Anträge verkündete das Gericht folgenden Beschluß:„Das Gericht unterstellt als wahr, daß Banknotenfälschungen als politisches Kampfmittel des einen Staates gegen den anderen angewendet werden. Im übrigen werden die Beweisanträge abgelehnt, da sie für diesen Prozeß unwesentlich sind.“ Der Schluß der Beweisaufnahme ist für Montag in Aussicht genommen; die Urteilsverkündung für Sonnabend nächster Woche. daraufhin in enger Zusammenarbett mit dem Kieler Polizeipräsidium angestellten Beobachtungen ergaben, daß die KPD. eifrige Bemühungen aufwendet, um mit Marineangehörigen in Verkehr zu kommen. So haben auf einer konmuntstischen Silvesterfeier im Dezember 1928 verschiedene Marineangehörige teilgenommen. In verschiedenen als kommunistisch bekannten Kreisen wurden häufig Marineangehörige im Gespräch mit Kommunisten beobachtet. Aus Aeußerungen eines kommunistischen Führers konnte ferner angenommen werden, daß die KPD. infolge ihrer eifrigen Zersetzungsarbeit bereits mehrere Vertrauensleute habe. Im Frühjahr 1929 fanden auf dem russischen Dampfer„Krasni Profintern“, der vor Holtenau im Eise festlag, fast täglich Versammlungen statt, an denen auch zahlreiche Zivilseeleute von anderen vor Holtenau festliegenden Schiffen teilnahmen. Da Angehörige des Heeres und der Marine bei den zuständigen Ortsgruppen nicht als aktive Mitglieder der KPD. und des Roten Frontkämpferbundes geführt werden, wird es sehr schwer fallen, den Beweis für eine Zugehörigkeit eines Wehrmachtangehörigen zur KPD. zu führen. gelegen habe. Die Klagerin muß nach dem Gerichtsspruch wieder eingestellt werden, oder es ist ihr eine Entschädt. gung von 1000 Mark zu zahlen. portu g— Rundschau im Auslande. * In Lissabon starb General Cordes, der früherrtugiesische Kriegsminister und Befehlshaber der portu, sischen Truppenabteilung an der Westfront. Politische Rundschau. — Berlin, den 31. Januar 1930. — Reichstagsabgeordneter Professor Hoetzsch ist nunmehr auch aus der Deutschnationalen Partei ausgetreten und hat sich der Volkskonservativen Vereinigung angeschlossen. — Auf Schloß Syrgenstein in Bayern starb die Enkelin des Kaisers Franz Josef, Gräfin Elisabeth Franziska von Waldburg=Zeik, im Alter von 38 Jahren. Notenfälschungen als Kampfmittel. Aus der Geschichte der politischen Falschmünzerei. Notenfälschungen aus politischen Gründen, von denen jetzt die breite Oeffentlichkeit erstmals im Tscherwonzenprozeß erfährt, sind in der europäischen Geschichte durchaus nicht ohne Beispiel. So sind z. B. schon während der französischen Revolutionskriege von englischer Seite in großem Umfange Fälschungen des französischen Papiergeldes vorgenommen worden. 1809 zahlte Napoleon seinen Gegnern mit gleicher Münze heim, indem er während des Krieges mit Oesterreich Befehl zur Hersteilung gefälschter österreichischer Banknoten erteilte. Kurz vor Ausbruch des Krieges gegen Rußland verlegte dann die in Paris bei dem Brude: des Privatsekretärs des Korsen errichtete Falschmün zerwerkstatt ihre Tätigkeit auf die Fälschung russischen Papiergeldes. Der Transport des Falschgeldes nach Rußland erfolgte in 34 Packwagen. PD. und Marine. Ein Bericht des Kieler Stationskommandanten. Ueber die kommunistische Wühlarbeit in der Reichsmarine gibt ein Bericht des Kieler Stationskommandos Aufklärung, in dem es über die in Kiel ermittelten Vorgänge u. a. heißt: Im Oktober 1929 wurde dem Stationskommando bekannt, daß es angeblich Kommunisten in einem Fall gelungen sei. in der Reichsmarine Fuß zu fassen. Die Die Zentrumsfraktion des Preußischen Landtags wählte die Abgeordneten Heß, Steger und Zuwadski zu Vorsitzenden. Durch die Wahl des letzteren wurde dem Osten im Vorstand eine besondere Vertretung zuteil. Zu Ehrenvorsitzenden wurden die bisherigen Vorsitzenden Dr. Porsch und Dr. Herold gewählt. Die Sitzung des Reichskabinetts. — Berlin, 31. Januar. Das Reichskabinett trat Donnerstag zusammen, um zu dem Schritt der Zentrumsfraktion Stellung zu nehmen. Es wurde beschlossen, im Laufe der nächsten Tage, spätestens bis zum Montag, eine Parteiführerbesprechung einzuberufen, in der die zuständigen Referenten den Fraktionen über den Stand der Saarverhandlungen und der Kohlenverhandlungen Mitteilung machen sollen. U. a. wurden in der Kabinettssitzung auch die mit der Fertigstellung des Haushalts zusammenhängenden Fragen besprochen. Schwere Erkrankung der schwedischen Königin. * Im Befinden der schwedischen Königin, die in Rom krank darniederliegt, ist eine Verschlechterung eingetreten, Nach dem letzten Bericht der Aerzte haben die Kräfte sowei nachgelassen, daß Anlaß zur Beunruhigung besteht. Am Krankenbett weilt auch der König. Ein Kommunist auf offener Straße ermordet. * In dem georgischen Dorf Lowazkury wurde ein kommunistischer Führer namens Saratireli von unbekannt gebliebenen Personen auf der Straße überfallen und erchossen. Endgältige Zusammensetzung des spanischen Kabinetts. — Madrid, 31. Januar. Die endgültige Zusammensetzung des neuen spanischen Kabinetts sieht folgender. maßen aus: Ministerpräsident und Kriegsminister neral Berenguer, Innenminister General Marzo, Unterrichtsminister Herzog von Alba, Justizminister Estrada, Marineminister Admiral Carvia, Minister für öffentliche Arbeiten Matos, Arbeitsminister Sangro, Finanzminister und vorläufiger Wirtschaftsminister Arguelles. Die Orientierung des neuen Kabinetts ist konservativ. Die Zwangsversteigerungen in Preußen. — Berlin, 31. Januar. In der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1929 ist gegen 2905 ländliche Grundstücke mit einer Gesamtfläche von 49 035 Hektar das Zwangsversteigerungsverfahren eröffnet worden. In derselben Zeit sind 440 Liegenschaften im Gesamtumfang von 26 483 Hektar zur Zwangsversteigerung gelangt. „Wuppertal“. — Berlin, 31. Januar. Durch Erlaß des preußischen Staatsministeriums ist, wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, der Name der Stadtgemeinde Barmen=Elberfeld im Reg.=Bez. Düsseldorf in„Wuppertal" umgeändert. — Oppeln, den 15. Januar. Vor dem hiesigen Arbeitsgericht wurde in einer gestrigen Verhandlung über die Volksbegehr=Eintragung als Entlassungsgrund verhandelt. Als Klägerin trat eine hiesige Stenotypistin auf, die vom Polizeipräsidenten Ossowski entlassen worden war, als von ihr bekannt wurde, daß sie sich damals für das Volksbegehren eingetragen hatte. Das Gericht gab seiner Meinung dahin Ausdruck, daß ein stichhaltiger Grund für die Entlassung nicht vorMacdonald für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. — Stockholm, 31. Januar. Der Vorsitzende der schwedischen sozialdemokratischen Partei hat den Ministerpräsidenten Macdonald beim Nobelkomitee des norwegischen Storthing für den diesjährigen Friedenspreis vorgeschlagen. Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 2. Februar, 4. S. n. Epiph. 8½ Uhr: Pasta. Kirschsieper. 9 Uhr: Pastor Brandt, anschließend Beichte und Abendmahl. 10 Uhr: Pastor Schlatter. 11½ Uhr: Kindergottesdienst. Montag, 20¼ Uhr: Gosen, Gemeindebibelstunde(Missions. abend). Donnerstag, 19½ Uhr: Pastor Wörmann. Kirchennachrichten für Schildesche. Sonntag, den 2. Februar 1930. 10 Uhr vorm. Pastor Hopmann; 1½ Uhr nachm. Kindergottesdienst. Mittwoch, den 5. Februar 1930. 8 Uhr abends Missionsstunde im Gemeindehause. Christliche Gemeinschaft Schildesche, am Krug. Versammlungen: Sonntag ½2 Uhr Kinderstunde. 5 Uhr Evangelisation. Donnerstag 8 Uhr Bibelstunde. Versammlungen werden jetzt von Prediger Heistermann gehalten. Bethel. Christlicher Verein junger Männer. Heute, Freitag, 8¼ Uhr, Bibelstunde; 1. Petri 1, 3ff. (P. Schlatter). Samstag Arbeitsdienst im Senneheim, 2¼ Uhr ab Ophir. Sonntag, 8 Uhr in Gosen: Familienkreis. Fortsetzung der„Schweizerreise im Lichtbild“.(Kl. Chor). Die nächste Märchenstunde ist Mittwoch, 4 Uhr in Gosen(15 Pfg.) Einheitskurzschrift. Der Fortbildungskursus beginnt am kommenden Dienstag, 8¼ Uhr in Gosen. Kosten: 4,50 Reichsmark einschließlich Lehrmittel. Meldung unter Zahlung des Betrages bei Bruder Sprinz=Gosen, am besten am Dienstag um 8 Uhr. Leitung hat Herr Diekmann freundl. übernommen. — Ein Schäferhund zugelaufen. Nachzufragen i. Nebo. — Wer schenkt Nebo alte Bethel=Gesangbücher? de. 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Grundft Erst sehr spät gogischen Theorie lischen Erziehung schon im Mittelal Eigentlich erst in wendigkeit einer einmal zusamme politischen Lage, lichen zusammen Geistes. Die Ere bruch, katastroph den einen deutlich unter der Maske gesamte Kultur Nähe Gottes, al gerüttelt zur Besi ken gelehrt. Wir wo wir in unseri können, wo wir Tuns, die En spüren und auf einer harten, un Arbeit, als gebe Tun sinnlos wär will Anbetung hören wir: alles So stehen wir doppelten Blick: Laß Gott allein n er will; er kann vernichten nach um nichts zu kün wird er an der vollenden will, 1 die Forderung in Menschen zu Gott eine evangelisch= fen, die Grundlag Diese Forderr wenn wir einmal gogischen Theorie zierung war. aus, denn es geh man auch ein we Leben vereinen li eigentlich gar niLeben irgendwie nehmen habe. W musikalisch war. wußte man mit da war der harm Mensch, der ein vorzeigen konnte. verwandelte sich der Begriff des maß, der Harmon deres verstand alt aller Kräfte zum keit. Der prakt man sprach in an bildung und mein! Das religiöse Leb Nur ganz selten w Menschen das Zie der alle Sinne Gottes in der W punkt der Bildt Menschen“, so wie vom„katholischer gelische Pädagog vielleicht an mai rührt sich. Es gilt da ni leisten, um in a der Gegenwart di evangelische Päda einem neuen Expt gebnisse der bishe Niemals soll die zu vergangenen 3 Orientierung, von kann. Der Neuba gebaut werden, d gogik ist nicht de Kopie, auch nicht Sinn ist der Men sie ist, der ihr nie der sich nun mit zu sorgen, daß G vas Gesicht Gottes versteht, der nich gegenübersteht, so beschehen mitvera nüchterne Erkennt keit für das Gesch lagen der evange wortlich fühlt, den Sonnabend, den 1. Februar 1930. IE. Bahrgang. Grundfragen christlich evang. Erst sehr spät begann man in der Geschichte der pädagogischen Theorie zu reden von einer christlich evangelischen Erziehung. Von religiöser Erziehung sprach man schon im Mittelalter, ebenso wie von kirchlicher Erziehung. Eigentlich erst in den letzten Jahren fühlen wir die Notwendigkeit einer evangelischen Erziehung. Das mag einmal zusammenhängen mit der gegenwärtigen schulpolitischen Lage, es hängt aber auch nicht zum unwesentlichen zusammen mit dem Neuerwachen lutherischen Geistes. Die Ereignisse der letzten Jahrzehnte, der Einbruch, katastrophale Einbruch Gottes in die Geschichte, den einen deutlich sichtbar als Gottes Werk, den anderen unter der Maske irgendeines anderen Vorganges, für die gesamte Kultur verwirrend, für uns das Zeichen der Nähe Gottes, all diese Ereignisse haben uns doch wachgerüttelt zur Besinnung, haben uns wieder lutherisch denken gelehrt. Wir alle sind wieder auf den Punkt gebracht, wo wir in unserm Innenleben wieder schwindlig werden können, wo wir auf der einen Seite die Nichtigkeit alles Tuns, die Entwertung aller menschlichen Tat neu spüren und auf der anderen Seite die Notwendigkeit einer harten, unermüdlichen, verantwortungsbewußten Arbeit, als gebe es da keinen Gott, vor dem all unser Tun sinnlos wäre. Auf der einen Seite sehen wir: Gott will Anbetung und Ehrfurcht, und auf der anderen hören wir: alles Leben verpflichtet zur Arbeit. So stehen wir auch in der Pädagogik da mit diesem doppelten Blick: Auf der einen Seite steht die Forderung: Laß Gott allein wirken, er kommt wann er will und wie er will; er kann die Kirche und ihr Werk bauen oder vernichten nach seinem Gutdünken; wir brauchen uns um nichts zu kümmern; trotz aller weltlichen Pädagogik wird er an der Jugend das Werk vollenden, welches er vollenden will, und auf der anderen Seite fühlen wir die Forderung in der praktischen Arbeit durch die Kirche Menschen zu Gott zu führen, fühlen wir die Verpflichtung, eine evangelisch=christliche pädagogische Theorie zu schaffen, die Grundlage wird für alle pädagogische Praxis. Diese Forderung wird vor allem dann zur Pflicht, wenn wir einmal erkennen, wie in den bisherigen pädagogischen Theorien das religiöse Leben nur eine Verzierung war. Man ließ die religiöse Bildung nicht aus, denn es gehörte schon immer zur Bildung, daß man auch ein wenig religiös war. Wie sich das mit dem Leben vereinen ließ, das war eine Nebensache. Man kam eigentlich gar nicht auf den Gedanken, daß das ganze Leben irgendwie zu der religiösen Frage Stellung zu nehmen habe. Man war religiös, wie man auch wohl musikalisch war. In der Vollendung des Bildungszieles wußte man mit dem Religiösen nicht viel anzufangen, da war der harmonische Mensch eben das wichtigste, der Mensch, der ein normales Ebenmaß seiner Ausbildung vorzeigen konnte. Mit der Abwendung vom Idealismus verwandelte sich nicht das innere Denken, sondern nur der Begriff des Ebenmaßes, bis man unter dem Ebenmaß, der Harmonie der auszubildenden Kräfte, nichts anderes verstand als eine möglichst harmonische Ausbildung aller Kräfte zum Zweck einer vielseitigen Arbeitsmöglichkeit. Der praktisch begabte Mensch war das Ziel, oder man sprach in anderer Wendung vom Ziel der Menschenbildung und meinte damit den vollkommenen Staatsbürger. Das religiöse Leben war immer eine Privatangelegenheit. Nur ganz selten wagte es ein Mensch etwa in dem frommen Menschen das Ziel der Bildung zu sehen, in dem Menschen, der alle Sinne offenhält für das Wirken und Werden Gottes in der Welt. Nur selten stand etwa im Mittelpunkt der Bildung das Bild eines„protestantischen Menschen“, so wie die katholische Kirche schon lange redet vom„katholischen Menschen". Jetzt erst wird die evangelische Pädagogik allmählich lebendig, noch vorsichtig, vielleicht an mancher Stelle reichlich zaghaft, aber sie rührt sich. Es gilt da nun für uns eine ungeheure Arbeit zu leisten, um in all dem pädagogischen Experimentieren der Gegenwart die Grundlage zu finden, auf der sich die evangelische Pädagogik aufbauen kann, ohne wieder zu einem neuen Experiment zu werden und doch all die Ergebnisse der bisherigen pädagogischen Arbeit auszunutzen. Niemals soll die evangelische Pädagogik eine Rückkehr zu vergangenen Zeiten sein, das ist nur die Vorstufe, die Orientierung, von der her die Wegweisung gesehen werden kann. Der Neubau aber muß nach oben und nach vorn gebaut werden, denn das Ziel der evangelischen Pädasogik ist nicht der Mensch des Mittelalters, nicht eine Kopie, auch nicht der Mensch der deutschen Klassik, der sinn ist der Mensch, der heute die Zeit so erfaßt, wie sie ist, der ihr nicht gedankenlos gegenübersteht, sondern der sich nun mit aller Kraft ans Werk begibt, um dafür zu sorgen, daß Gott heute sichtbar werden kann, der das Gesicht Gottes über seiner Zeit sieht und zu deuten versteht, der nicht als höhnischer Zuschauer seiner Zeit begenübersteht, sondern als ein Mensch, der sich für alles Geschehen mitverantwortlich fühlt. Die Erkenntnis, ganz nüchterne Erkenntnis der Zeit und die Mitverantwortlichkeit für das Geschehen in dieser Zeit, ist eine der Grundtigen der evangelischen Pädagogik. Wer sich verantwortlich fühlt, dem ist das Verdienen nicht das wichtigste, Romm, Romm, Zerr Christ, zu meinem Volke, Sei uns Grund und Feuerwolke, Sei uns nah und göttlich fern! Fülle uns're nicht'ge Leere, Zebe uns aus uns'rer Schwere, Sei uns Anker, sei uns Stern! Sei an unserm Schiff das Ruder, Steure, unser Zerr und Bruder Und regiere du allein! Schau ins Aug' dem trotz'gen Kinde, Schneid' in uns're harte Rinde Deinen Namen tief hinein. Menschen, die nach blöden Schätzen Taumelnd in den Abgrund hetzen, Blind vor Gier und Leidenschaft, Wogen, die im unruhvollen Wüten immer höher rollen, Biete halt! Dein ist die Kraft. Zerr, ob unserm Zaupte lodert Unser Zaus, zu Füßen modert Unser Reich in deiner Acht! Recke deinen Arm, den starken, Blas' in uns're toten Marken Leben, leuchte uns'rer Tacht! Die wir zieh'n durch irre Zeiten, Führerlos, in stetem Gleiten, Rett' uns aus des Argen List: Zeiner kann wie du uns führen, Sieh' wir knieen, laß dich küren, Unser Rönig, du, Zerr Christ: R. von Doering. sondern der Dienst an der eigenen Zeit steht im Mittelpunkt. Zu welchem Beruf auch der Zögling erzogen und vorbereitet werden soll, immer muß der Gedanke des Dienstes im Vordergrund stehen, ein Gedanke, der nicht nur göttliche Kraft fordert, sondern auch Selbstdisziplin. Wir sind uns da durchaus mit Luther einig, der von der Erziehung zum höchstmöglichen Verdienst sagt:„Sie steckt die Jugend allein in den Dienst des Bauches und des Besitzes; sie läßt die Jugend nichts weiter lernen, denn Nahrung suchen, gleichwie eine Sau.“ Der Grundgedanke der evangelischen Pädagogik ist die Erziehung zum Dienst. In dem Dienstgedanken steckt aber auch zugleich eine Abwehr, denn der ärgste Feind des Dienstgedankens ist der Macht gedanke! Wo jemand herrschen will durch die Fähigkeiten, die ihm geschenkt sind, ist der Dienstgedanke restlos verschlungen. Wer seine Fähigkeiten zur Erweiterung seiner Macht anwenden will, der wird jede Gemeinschaft zerstören und jedes Zusammenarbeiten mit ihm unmöglich machen. Jeder Machtgedanke tötet den Dienstgedanken. Wenn nun also die Religion im Mittelpunkt steht, so wird von ihr niemals die Rede sein als von einer Verzierung des Lebens, sondern es wird immer betont werden müssen, daß das religiöse Leben die allerrealste Wirklichkeit ist und sich nur in ihr offenbart, das heißt: die evangelische Pädagogik wird niemals zum Mönchtum oder zum Nonnentum erziehen, niemals Menschen zu Säulenheiligen ausbilden, die am Leben, und zwar allem wirklichen Leben fern und fremd gegenüberstehen, sondern sie wird Menschen erziehen müssen, die mit beiden Füßen mitten in der Welt stehen, die mit Mut und Vertrauen die ganze Welt in ihrer Wirklichkeit sehen und sie erkennen als eine von Gott gesetzte, von Gott bestimmte und von Gott geleitete Welt. Der Sinn aller evangelischen Erziehung liegt nicht darin, daß sie den Menschen Scheuklappen anlegt, mit denen man an der Wirklichkeit vorbeigeht, sondern ihr Sinn besteht darin, daß sie der Welt die Scheuklappen herunterreißt. Von Gott her sieht sie die Welt. Der evangelische Mensch erkennt die ganze Tragik der Welt, auch die Tragik des Menschseins überhaupt, aber nicht um sich dann ängstlich zurückzuziehen, denn diese Erkenntnis ist nur die eine Seite; wäre nur sie vorhanden, dann müßten wir eben Mönche und Nonnen werden. Aber die zweite Seite ist die, daß der evangelische Mensch diese Tragik bejaht als eine gottverordnete. Er bejaht sie nicht mit Kopfschütteln, sondern mit dem Willen, in dieser, ja trotz dieser Welt nun zu ihrem Dienst zu leisten, was er zu leisten vermag. Der bewußte Dienst in dieser Welt, über die der evangelische Mensch nicht klagt und jammert, die er noch einmal bejaht, das ist das Grundmotiv der evangelischen Pädagogik. Darum wird es niemals der Sinn dieser Pädagogik sein, etwa die Zahl der Religionsstunden bedeutend zu vermehren, der Religionsunterricht muß zwar das Zentrum bilden, oder besser: der Geist, der in ihr herrschen soll, muß die Kraftquelle bilden, aber es wird deutlich sein, daß der Religionsunterricht dieses Ziel des evangelischen Menschen nur erreichen kann, wenn in allen Unterrichtsfächern der gleiche Dienst geleistet wird, wenn hinter und mitten in jedem anderen. auch scheinbar noch so nebensächlichen Fach die Verpflich tung zum Dienst durch das gelernte Wissen steht. Ueberall muß diese Verpflichtung deutlich werden, auch wenn in den betreffenden Fächern nicht davon gesprochen wird. Die Gestaltung einer derartigen Pädagogik ist nur dort möglich, wo eine Gemeinde hinter der Schule steht. Nur dort, wo die engste Gemeinschaft geschlossen ist zwischen der Gemeinde, dem Pfarrer und dem Lehrer, ist diese Pädagogik möglich. Jede derartige Gemeinde verlangt Vertrauen, Vertrauen der Lehrer zur Gemeinschaft, aber auch der Gemeinschaft zum Lehrer. Es muß sich so als tragende Gemeinschaft eine Schulgemeinde bilden, in der nicht der Geist der ständigen Kontrolle herrscht, denn diese wird immer aus dem Mißtrauen geboren, sondern der Geist des Vertrauens. Nur so ist eine praktische Durchführung wirklich echter evangelischer Pädagogik möglich, wo die Gewissen frei von Menschenbindung sind, weil Gott sie gebunden hat. Das Tropengenesungsheim in Tübingen. Von Prof. Dr. Olpp=Tübingen. Mitten im Weltkrieg, am 15. November 1916— wurde in Tübingen eine gemeinnützige Krankenanstalt eigener Art eröffnet: das Tropengenesungsheim, das außer dem Hamburger Institut für Schiffs= und Tropenkrankheiten und der Tropenabteilung am Rudolf Virchow=Krankenhaus in Berlin die einzige Stätte in Deutschland ist, in der Tropenkranke aufgenommen und sachgemäß behandelt werden können. Es ist aus der Not deutscher Missionskreise heraus entstanden und von dem„Deutschen Institut für ärztliche Mission e..“ für kranke Missionsangehörige und alle anderen Tropenkranken oder Auslandsdeutsche errichtet. Ausgeschlossen von der Aufnahme sind nur Patienten mit offener Tuberkulose und Geisteskranke, für die ja genügend andere Heilanstalten zur Verfügung stehen. Das Klima ist für Rekonvaleszenten aus Uebersee in Tübingen äußerst günstig. Das Tropengenesungsheim liegt am Nordabhang der Eberhardshöhe, 400 Meter über dem Meer, in sonniger Lage, rings umgeben von grünen Wäldern und Wiesen. Am Fuße des Abhanges breitet sich die ehrwürdige Stadt mit der 453 Jahre alten, berühmten Universität, mit dem Klinikenviertel im Vordergrund, aus. Im Westen sieht man die von Uhland besungene Wurmlinger Kapelle und den wuchtigen Bismarckturm, zu dem die Studenten am Sonnwend ihre Fackelzüge machen. Gradaus über der ehrwürdigen Stiftskirche, in der Eberhard im Bart, der Gründer der Universität, begraben liegt, erheben sich die trutzigen Türme der Kaiserburg Hohenzollern. Nach Osten hin ragt auf stolzer Höhe der Roßbergturm, ein Wahrzeichen des Schwäbischen Albvereines in die Luft. Der von Wilhelm Hauff so romantisch geschilderte Lichtenstein ist nicht fern, und im Osten grüßen die größte Völkerruine Württembergs, der Hohenneuffen, und die Achalm und die Teck herüber. Kurzum, es ist eine Augenweide seltener Art vom heimischen deutschen Land, die uns im Tropengenesungsheim entgegenlacht. Die Erfahrung lehrt, daß auf seelisch heruntergewirtschaftete, für alle Reize überempfindliche und zugleich blutarme Menschen, wie sie sich häufig unter den Tropenkranken finden, ein reizmildes Klima zuträglicher wirkt, wie das reizstarke des Hochgebirges oder das feuchte Küstenklima, und die Wissenschaft bietet keinen Anhalt, an der Richtigkeit dieser Tatsache zu zweifeln. Aehnlich wie mit dem Klima verhält es sich mit der geophysischen Einwirkung des Tübinger Landschaftscharakters auf den gesunden und kranken Menschen. Mit der welligen Hügellandschaft, dem Gegensatz von Gebirge und Ebene, dem weiten Fernblick, der Abwechslung von Waldesgrün, Wiesenanger, Hain und Stadt, mit der abgeschiedenen Lage, mit der staubfreien, vom Autoverkehrsstaub weit entfernten, reinen Luft, bietet die Lage des Hauses gleichsam eine von der Natur dargebotene Ausschaltung alles Störenden und eine Zusammenfassung alles Angenehmen, das man wahrnehmen kann. Solch heitere Landschaft spricht am unmittelbarsten zu dem Leidenden, dem das Leben als solches noch einen Wert bedeutet. Tübingen hat nur 22000 Einwohner und ist von Genua und den anderen Mittelmeerhäfen, die den Verkehr von Ostasien und Ostafrika vermitteln, leicht zu erreichen. Wenn man in Zürich(im Glockenhof oder im Augustiner= hof) übernachtet hat und am anderen Morgen um.40 Uhr abreist, erreicht man nach einmaligem Umsteigen in Horb mittags um 12.23 Uhr, also in 4½ Stunden, Tübingen. Weltberühmte Bäder sind in der Nähe, so BadenBaden, Wildbad und Mergentheim. Das Tropengenesungsheim ist aufs modernste eingerichtet und enthält 34 sonnige Einzel= und 8 Doppelzimmer für 50 Erwachsene und im 100 Meter entfernten Tropenkinderheim 24 Betten für Kinder. Das Haus enthält Zentralheizung, fließendes kaltes und warmes Wasser in allen Zimmern, die durch Doppeltüren und eingebaute Wandschränke von den Gängen abgesondert sind, behagliche Gesellschaftsräume und Lesezimmer, 2 Liegehallen und ein Luft= und Sonnenbad im Freien. Ein eigenes Gewächshaus und eigene Milchwirtschaft, in dem 6 Hektar umfassenden Gartengelände erleichtern den Betrieb der ausgezeichneten Küche. Ein großes protozoologisches Laboratorium mit den nötigen Nebenlaboratorien, Einrichtungen für Heilgymnastik, Hydro= und Elektro=Therapie, für Medizinalbäder aller Art, dann vor allem das vom Tropengenesungsheim aus in Deutschland eingeführte Su=Da=Bad(subaquales Darmbad), mit dem man in 4 Stunden 25 Liter warmer Flüssigkeit luftdicht und geruchdicht in den Menschen ein= und ausfließen lassen kann. Röntgenzimmer, Massage= und Behandlungsraum sowie Hausapotheke erleichtern den Ablauf des gut durchgedachten ärztlichen Betriebes, der von zwei Aerzten, drei Krankenschwestern und einer Laboratoriumsschwester ausgeführt wird. Der Direktor des Tropengenesungsheims, Univ.=Prof. Dr. Olpp, war 9 Jahre in Ostasien, der leitende Oberarzt, Dr. Huppenbauer, 4 Jahre in Westafrika tätig. Die Verwaltung untersteht dem früheren Indienmissionar Großmann, dem 18 Hilfskräfte beigegeben sind. Zur Teilnahme an regelmäßigen Abendandachten und sonntäglichen Hausgottesdiensten ist zwanglose Gelegenheit gegeben. Für spezialistische Untersuchungen sind die berühmten Kliniken Tübingens jederzeit bereit. Bisher sind bereits über 7000 Personen aus 78 überseeischen Ländern in das Tropensanatorium aufgenommen und in 182000 Verpflegungstagen untersucht und behandelt worden. Auf Tropentauglichkeit ließen sich im Jahre 1929 allein 151 Personen untersuchen. Durch die Vertretung der Tropenheilkunde an der Universität und durch zwei medizinische sowie zwei theologische Ordinarien und den Universitätsrat ist die Anstalt mit der Universität verbunden und wird dadurch zu einem halboffiziellen Institut gestempelt. Im übrigen ist sie verwaltungstechnisch auf gemeinnütziger Grundlage aufgebaut und nimmt Kurgäste zu einem Tagespreis von 10.— bis 15.— RM. einschließlich fortlaufender ärztlicher Behandlung auf, bei Leistungen, für welche die auf Erwerb eingestellten Sanatorien das Doppelte berechnen würden Das Tropengenesungsheim ist im Januar 1930 modernisiert und neu eröffnet worden. Deutsche und englische Prospekte können von der Verwaltung kostenlos bezogen werden. den Als ich kürzlich durch Frankfurt kam, las ich an der Litfaßsäule von der öffentlichen Kundgebung im großen Saale des Volksbildungsheimes am Dienstag, 21. Januar 1930, veranstaltet durch die Vereinigung freikirchlicher Gemeinden zu Frankfurt a. M. Es stand bei mir fest, da mußt du dabei sein. Ich bereue es nicht, dort gewesen zu sein. Im Nachfolgenden will ich kurz berichten, was ich da gehört und empfunden. Der große Saal war dicht gefüllt. Eine andächtig lauschende Menge, innerlich bei der Sache, der es galt. Kämpfernaturen für Wahrheit und Freiheit im tiefsten Sinne!— und betanteur. Dachter eröffnete die Versammlung daß anläßlich der Zusammenkunft des Geschäftsführenden Ausschusses der Vereinigung freikirchGemeinden diese Kundgebung in Frankfurt a. M. stattfinde. Nach einem guten Männerchor, Gebet und gemeinsamen Gesang des Liedes:„Herz und Herz vereint zusammen sucht in Gottes Herzen Ruh", sprach Herr Richter aus Stuttgart über: Die deutschen evangelischen Freikirchen: Wer sie sind und was sie wollen. Der Wunsch, aufzuklären und der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, gab die Veranlassung. Spottreden und unwahre Aussagen läßt man nicht unwidersprochen, sonst macht man sich mitschuldig. Nicht mit Sekten hat man es z. un sondern mit biblisch begründeten KirchengemeinZum Bund gehören der Bund deutscher Baptisten, die schaft“ und die„Freien evangelischen Gemeinden". Diese gon 500 ggg 11000 Pitchlieder mit einem Freundeskreis Seh Geb cor. 750 rloinierte Prediger verkünden das Evangelium, 2000 freikirchliche Diakonissen dienen dem Herrn an Kranken und Armen. In vier Predigersemigaren in Hamburg, Frankfurt a.., Reutlingen und Vohwinkel bereiten sich 190 junge Männer, unterrichtet von 18 theologischen Lehrern, aufs Predigtamt vor. Eine Weiterentwicklung von Luthers Lehre erblickt man in dieser Bewegung, die seit 100 Jahren in Deutschland Fuß gefaßt hat. Man will ernst machen mit den Forderungen in Gottes Wort. Prediger, die selbst das Heil Wohlfahrtsdienst, Waisenfürsorge, Altersheime, Sspaptengl.De: Heidenmision und imnere Biß, sion, Beluum,, der Trunksucht und Unzucht wird durch„efahrt, um jo einen Damm zu bilden gegen die VerSschenslont dssd e Volk geht. 300 Gemeinden, 2800 Previgtpullge, 1060 Prediger, 40000 Jugendbundmitglieder und 110000 Sonntagsschüler bezeugen den erwünschten Dienst dieser Gemeinden. dem verlesenen Lied:„Die Sach ist Dein, Herr Jesu Christ, die Sach, an der wir stehen“, sprach brihant, pan. den Kerkhoff=Velbert in sehr fesselnder Wise über die Dienstpflicht, die aus einem an Gottes Wort gebundenen Gewissen entspringt. Was wir wollen und was wir wollen müssen. Kirche ist kein Wort und Begriff, es gehört der geschichtlichen Entwicklung, aber nicht der Bibel an. Durch Glaube und Wiedergeburt bilden Menschen eine Gemeinde, die mehr als eine Organisation ist, sie ist Organ= Leib Christi. 1. Kor. 26—29. Mit dem offiziellen Kirchentum hat die Reichsverfassung aufgeräumt. Art. 137 besagt:„Es besteht keine Staatskirche. Die Freiheit der Vereinigung zu Religionsgemeinschaften wird gewährleistet“. 10 Jahre später merkt man noch nichts von dieser gewährleisteten Freiheit! Das mit Kirche bezeichnete offizielle Christentum unterstützt der Staat. Christ ist man aber doch erst dadurch, daß man in persönliche Verbindung mit Christus kommt. Nicht die Geschichte ist entscheidend, sondern Gottes Wort. Unser Volk soll„Christianisiert“ sein. Was ist aber der Erfolg trotz der jahrhundertelangen Arbeit im sogenannten christlichen Staat?....„Nichts Heiliges ist mehr.. alle Laster walten frei!“ Mit Recht wies man darauf hin, daß nur die Prediger legitimiert sind, die von Gott gewirktes Leben offenbaren, seine Kraft nicht verleugnen. Das biblische Gemeindeideal ist das erstrebenswerte Ziel. Die Not unseres Volkes treibt zur Tat. Die Botschaft:„Lasset euch versöhnen mit Gott!“ soll klar erklingen. Alle, die mit Ernst Christen sein wollen, sind willkommen, persönlich und freiwillig soll sich jeder entscheiden. Die Schule ohne Bibel, die herrschende Not in unserem Volke treibt zur zielstrebigen und zielgewissen Arbeit. Herr Professor Theophil Mann hatte das Schlußwort. Er schnitt die Frage kurz an, weshalb sind die vier Kirchen nicht eine Kirche? Zersplitterung ist eine Folge unserer Sünde. Im Notwendigen Einigkeit, im Zweifelhaften Freiheit, in Allem die Liebe!.. das sei Ursache und Ziel des Zusammenarbeitens und des Zusammenschlusses. Die machtvolle Kundgebung schloß mit den drei Strophen des Lutherliedes, das begeistert stehend gesungen wurde. Es war die Antwort der Teilnehmer zu dem Gehörten. Von der Sendung der Freikirchen hat man eine tiefe, von Gott gewirkte Ueberzeugung; diese gründet sich auf göttliche Berufung, auf die Schrift, auf das Gewissen und die Geschichte. Nicht auf ein äußeres Recht. Die Idee einer wirklich freien Kirche wird hineingetragen in unser Volk, nicht die Schlechtesten unseres Volkes gehören ihr bereits an. Die sogenannten Landeskirchen besitzen keine Freiheit im Sinne der urchristlichen Gemeinden. Eine vom Staate unabhängige, von ihm weder regierte noch unterstützte Kirche hat es leichter, die richtige Einstellung zur neuen Staatsform zu finden. Die Gefahr, ins Schlepptau der Parteipolitik zu kommen, ist nicht so groß. Nur wirklich steie Kirchen werden imstande sein, die Kluft, die unser Volk zerreißt, zu überbrücken. Das Prinzip der Freiwilligkeit wird sich durchsetzen. Die freien Gemeinden sind Kampftruppen, das haben sie erwiesen in den hundert Jahren ihrer Geschichte in Deutschland. Unser schwergeprüftes deutsches Volk braucht den Dienst der Freikirchen. Keine Kirche hat eine Monopolstellung. Wenn das Licht verlöschen wird, wird der Leuchter hinweggestoßen von seiner Stätte. Nur in der Lebensgemeinschaft mit Jedurchgreifende Erweckung des geistlichen Lebens, eine neue Ausrüstung mit göttlichem Geist tut allen Kreisen not, die bewußt aufbauend arbeiten wollen. Um Kräfte, die unseren Aufgaben entsprechen, wollen wir bitten. Was aus der deutschen Gemeinschaftsbewegung wird, liegt noch nicht offenbar, mir scheint, als ob die Freikirchen auch hier einen Dienst geleistet haben und noch zu leisten haben. Die Folgezeit wird es uns künden. Architekt Max Rabe, Bad Homburg. schriften der einzelnen Abschnitte: Vorbereitung Einführung, Organisation der Reforma, tion im Bistum Minden und in Ravensberg die Er, gebnisse in religiöser, sozialer, geistige, und sittlicher Hinsicht an zahlreichen Einzelgemeinden in anschaulichen Bildern gezeichnet. Die ebenfalls ungemein lebendige Zeit des Vie. tismus in Minden=Ravensberg wird im Zweiten Te# in den Kapiteln: Aufbau, Wesen und Bedeutung Wege und Ziele, Liebestätigkeit und Beur, teilung des Pietismus dargestellt. Der Dritte Band umsaßt die Zeit der Auf, klärung. Er behandelt in vier Kapiteln die Anfängund Ziele der Aufklärung, den Niedergang des Pfarrerstandes, den religiös=sittlichen Ertrag der Aufklärung und ihre Lichtseiten. Ein ausführliches Quellen= und Literatur=Ver, zeichnis ist beigegeben. Die Minden=Ravensbergische Kirchengeschichte. Von Dr. Ernst Schmidt=Lübbecke. Unser Minden=Ravensberg hat in dem Münsterschen et Dr. phil. H. Rothert seinen Kirchengeschichtsschreiber gefunden. Der verdienstvolle Foresieg wallenge Der Erste Band stellt in knapper, doch anschaulicher und gut lesbarer Weise die alte und mittelalterliche KirGang Pichtzed Auf 127 Seiten wird in einer geschicht. Mittebin tun über die Zeit des Arminius und ... ad die Christianisierung unserer Heimat ducch Franken vornehmlich behandelt. Daran schließt sich die weitere politische Entwicklung des Bistums Minden und die Entstehung und Frühzeit der Grafschaft Ravensberg. In einem weiteren Teil wird über die kirchliche Einrichtung von Minden=Ravensberg die ung der Stifter und Klöster darum sooann mit ihrem Verfall durch Verwelt. Erfolg der Arbeit zu veranschaulichen. Den Schlug bilden Ausführungen über kirchliche Baukunst und Liebestätigkeit(in Orden, Hospitäll Beginenhäusern, Melatenhäusern usw.). Eine gute Auswahl von Quellen und älterem Schrifttum ist beigegeben. Der Zweite Band behandelt Reformation und Pietismus. Auf 169 Seiten werden unter den UeberRotherts Minden=Ravensbergische Kirchengeschichte s# für den kirchlichen und evangelischen Religionsunterrich der Schulen sowie für jeden Volks= und Heimatfreun unentbehrlich. Was gefangen nimmt, ist die anschauliche. beispielreiche Darstellung, die die rechte Mitte häl zwischen streng wissenschaftlicher Abhandlung und weit ausholender Erzählung. Die einzelnen Bilder sind mit liebevoller Hingabe und tiefem Verständnis gezeichnet Immer ist im Rahmen der großen Kirchengeschichte und gestaltung auf flüssige und allgemeinverständliche Ausführung weitgehende Rücksicht genommen worden. Ein Vierter Band steht noch aus. Er wird das 19. Jahrhundert behandeln und Ausblicke auf unsere Zeit und ihre kirchlichen Sorgen und Bemühungen als Volkskirche aufzeigen. An kleinen Ausstellungen wären für die drei vorliegenden Bände zu erwähnen: S. 1: statt Ton— Lichtstrahl(des Bildes wegen). S. 4: Dümmer enthält schon Meer; Dun—meer, Düneumeer, Sandmeer. „S. 6; Hlidbeki— Abhangsbach, v. hlid= Abhang, ahb.) Bavilonie ist richtiger als mit——. Baben lohln)e— über den Lohhecken, waldbewachsenen Schluchten als Zugang zum befestigten Berge. Ronceval— falsch, heißt Ronceva; in Endung erkenne ich— va— aqua= Wasser. Mit Roncesvalles in Spanien nichts zu tun. S. 21: Priester Wandrad(us) statt Nandradus. S. 22: statt 16(!) Burgmannshöfen— es sind nur 14 gewesen— ist nur noch ein einziger als solcher zu er kennen(beim Rathaus). S. 52: Weser, v. lat. Wisera= visera. Kontraktion zu werra, abgeschwächt zu werre. Weser entspringt nicht aus zwei Quellflüßen. Der obere Weserlauf heißt Werre = Weser(im Mittel= und Unterlauf). Die Werre(bei Seia gnündend) ist die kleine Weser. Sie bildet mit Hase—hunie das Urstromtal der Weser. Zu vergleichen esoniene“ im Velgischen Hohen Vem schieben S. ga, are Ainter Homisse— Hochmesse einze S. 42 wäre der Ausdruck: In Westfalia.... zu erklären, wie das bei den fremdsprachlichen Zitaten und 63 Dielingen stat Di. „S. 116 in der Liederstrophe muß es heißen: Das 65 —, uisbann schier vergehn.... S. 117 bei Schauenäre„Schaumburg=Lippe zu ergänzen. Zu 127 werde bubden,„Die Quäker in Deutschland“ erwähn I. Im, dritten Bande muß S. 3 Cant statt Kant stehen. Auterstesn stock nicht sein geistliches Lietbichern 2, vergessen? Es steht auch in unseren Gesang Aber das sind nur kleine Dinge gegenüber dem Wertvollen und Lehrreichen, was uns Rotherts Werk, das hoffentlich bald der Vollendung entgegenschreitet, so kostbar macht. Das maßvolle Urteil, nach allen Seiten gerecht zu bleiben sich redlich mühend, spricht außerordentlich an. Dabei ist bei aller Anerkennung von anderen konfessio nellen Standpunkten die warme und klare Stellung zur Ssohnmen sehr gut zur Geltug Wenn noch ein Vorschlag für das Gesamtwerk gemacht werden dürfte, so wäre es der, synchronistische Tabellen zum Ganzen anzufertigen und mit wenigstens einet Karte zur Kirchengeschichte(etwa im Mittelalter zur Zeit der Standesherrschaften bzw. Reformation) am Schluß des Werkes zu bringen. Das wäre zum Verständnis fur bei häuslicher Lektüre und für außerhalb Minden=Ravensbergs Wohnende doch zum besseren Verständnis außerordentlich nützlich. Sollte die Möglichkeit bestehen, durch Mitwirkung von kirchlichen Körperschaften usw. einen ausgewählten Bilderanhang der großen Persönlichkeiten zu bringen, so wäre das ein res, nicht zu unterschätzendes Mittel, das Wers Rotherts weitesten Kreisen dienlich und beachtlich zu machen. Die drei Bände sind erschienen beim Verein für WestKirchengeschichte und zu beziehen von der Ge mäinster der Inneren Rission für Westsalen Tiisiter Vollfetikäse .20.— pro Pid. versendet geg. Nechn. in Postkolll kenko Friedrich Stotzka Deuchnolberei ledufäekten Post Motzwethen. Tllatter Niederung 133 BIELEFELD In Zack Sakzu###en sind die erfolgreichen Winterkuren in vollem Gange. Feine Wohnung undgute Verpfleg.— von 6 Mk. an für d. Tag— finden Kurgäste in dem neuzeitlich eingerichteten Fremdenheim „Haus in der Sonne“, Blöcherstr.1 ninummnimumminmmmmmm Ganenstein-Tee Eine„Monatskur Nachnahme .10 Mk. Hervorragendes Vorbeugungsmittel bei chronischen Gallensteinerkrankungen. Bretbebe, Chntellensiodt an Bcher. 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Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttei: Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel.