Anzeigenpreis: Die einspaltige Millimeterzeile oder deren Raum 10 Pfennig. Reklame 30 Pfg. Beilagen unter W5gje tausend 15 Mk. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Postscheckkonto Hannover 67377. Bielefeld=Bethel(Verlagsort Bielefeld) Freitag, den 31. Januar 1930. 12. Jahrgang. Abrüstung oder Umrüstung? Zum Verständnis der Londoner Flottenkonferenz. Man soll von Nationen, die eine imperialistische Politik befolgen zu müssen glauben, nicht erwarten, daß sie bei ihrer Politik pazifistische Methoden sich zu eigen machen. Man darf das selbst von Regierungen nicht erwarlen, die sich aus Parteien rekrutieren, die gelegentlich bei ihren Sonntagsparaden mit wehenden Fahnen„Krieg dem Kriege“ proklamieren. In der Praxis ist das nämlich außerhalb der deutschen Grenzpfähle ganz anders. Bei der Londoner Flottenkonferenz handelt es sich denn auch letzten Endes weniger um eine Abrüstung oder auch nur eine Rüstungsbeschränkung an sich, als sozusagen um eine Umrüstung. Darüber sind sich bei den Vorbesprechungen, die MacDonald in Washington hatte, die beiden angelsächsischen Mächte klar und anscheinend auch einig geworden. Es dreht sich also bei dieser Londoner Konferenz nur um die Feststellung, inwieweit die anderen Partner des Flottenabkommens von 1922 in Washington bereit sind, die Umformung mitzumachen. Nicht allein die ständig steigenden Kosten für die großen Schiffsklassen sind es, die eine Aenderung in der Zusammensetzung der Seekampfinstrumente angebracht erscheinen lassen, sondern auch die Aenderung der künftigen Kampftaktik. Die Erfahrungen des letzten Krieges, namentlich der Schlacht am Skagerrak, haben erwiesen, daß die Lineartaktik, wie sie bisher geübt wurde, neben ihren Vorzügen doch auch große Schattenseiten hat. Die Schwerfälligkeit mehrerer Geschwader hintereinander in einer Linie hat namentlich den Engländern in der Schlacht dazu verholfen, daß sie mögliche Chancen nicht ausnutzen konnten. Sie gingen deshalb nach dem Kriege dazu über, ihre Geschwader von Großkampfschiffen nur noch aus sechs, statt bisher acht, ja, auch nur aus vier Einheiten bestehen zu lassen. Selbstverständlich spielt bei der Aenderung der zukünftigen Taktik auch die Entwicklung der Luftwaffe eine große Rolle mit. Bei allen Flottenmanövern der großen Seemächte spielt heutzutage die Zusammenarbeit von Schlachtschiffdivisionen als unentbehrlichen Rückhalt in jedem Seekampf, mit Kreuzern und Flugzeugen eine große Rolle. Deshalb haben die modernen Schlachtschiffe eine, gegen früher bedeutend vermehrte Schnelligkeit und vergrößerten Aktionsradius erhalten, die Kreuzer sind ein. bezüglich Armierung, verbesserter Typ geworden bei außerordentlich steigerungsfähiger Schnelligkeit und die Luftwaffe ist waffentechnisch auch so gut als irgend möglich, vervollkommnet worden. In einem künftigen Seekriege würde es sich vermutlich nicht mehr darum handeln, die Entscheidung durch den Kampf von zusammengefaßten Geschwadern von Kampfschiffen größten Ausmaßes herbeizuführen. Man wird, darauf deuten die Versuche mit der neuen Taktik hin, die Hauptarbeit durch kombinierte Schiffsdetachements in Verbindung mit Flugkampfzeugen besorgen lassen und dann erst den erschütterten Gegner durch, gegen früher an Kampfeinheiten geringere, Geschwader restlos vernichten lassen. Man hat eingesehen, daß es dazu der Riesenschiffe nicht bedarf und man sehr wohl mit Schiffen geringeren Deplacements und schwächerer Armierung(Höchstgrenze 30 bis 34 Zentimeter Kaliber) gepaart mit erhöhter Schnelligkeit, genügend große Leistungen erzielen kann. Der auf der Konferenz vorgebrachte Vorschlag Englands auf Begrenzung der Tonnage und Armierung der Linienschiffe trägt dieser Ueberlegung Rechnung. Es ist anzunehmen, daß die beiden angelsächsischen Länder in dieser Hinsicht vorher schon sich einig geworden sind. Es handelt sich bei der Konferenz hauptsächlich darum, auch Frankreich und Japan auf dieses Prinzip festzulegen, ferner aber auch in der Frage der Unterseeboote zu konkreteren Abmachungen zu gelangen. Das Washingkoner Abkommen schloß bekanntlich die Unterseebootwaffe nur vom sogenannten Handelskrieg aus. England und Amerika wollen nunmehr die Unterseewaffe überhaupt verboten wissen. Dabei war für diese beiden Mächte die Erwägung maßgebend, daß sowohl Japan wie Frankreich hinsichtlich der.=Bootwaffe anscheinend einen Vorsprung erreicht haben, der selbst durch die hervorragendsten Schutz= und Abwehrwaffen der modernen Ueberwasserschiffe und die Vervollkommnung der Kampfkraft der Luftwaffen nicht völlig ausgeglichen werden kann. Man muß sich bei dieser Ueberlegung vor Augen halten, daß für Amerika doch einmal Japan der Gegner sein wird, mit dem es um die Hegemonie wird kämpfen müssen und daß bei der aggressiven imperialistischen Politik Frankreichs für England ein Aufgeben der Entente cordiale eines Tages unbedingt nötig sein wird, und auch das wird Kampf bedeuten. Die Limitierung der sogenannten kleinen Kreuzer hinsichtlich der Anzahl schlägt in die gleiche Kerbe, die angelsächsischen Mächte wollen auch hierin einem eventuellen Vorsprung ihrer Rivalen vorbeugen— man kann nie wissen! Sehr interessant als Zeichen für die kluge Regie der Konferenz ist das Hineinwerfen des Zankapfels um den Limit der Kreuzer zwischen Italien und Frankreich. Es eröffnen sich dabei für den„ehrlichen Makler“ Aussichten auf nicht unwesentliche Vermittlungsgebühren, über die man sich sicher schon im Stillen ein Bild gemacht hat. Man sieht, wie die beiden angelsächsischen Mächte bestrebt sind, die für sie strategisch nicht ungünstige Lage durch taktische Verbesserungen so zu gestalten, daß für die Gegenspieler der letzte Ausweg aller Differenzen zu einer hoffnungslosen Angelegenheit wird. Die Leser werden wissen, daß auf dieser Konferenz ferner auch die Frage des„freien Meeres“, auch im Kriege und auch für Lebensmittelschiffe aufgerollt werden soll. Das ist eine Frage, die auch für uns von Interesse ist, an deren gerechter Lösung wir nicht uninteressiert sind. Ich möchte aber vor jeglichem Optimismus in dieser Sache warnen. Im Kriege liegt das verbriefte Seekriegsrecht sehr schön verwahrt in feuer= und diebessicheren Aktenschränken, während sich kaum ein angelsächsischer Seebefehlshaber darum kümmern wird, wenn er glaubt, daß das Gegenteil im Interesse seiner Flagge liegt. Es ist doch wohl noch nicht ganz vergessen, welche Antwort der britische Kommandant auf den Hinweis auf das internationale Seekriegsrecht gab, als er die unter neutraler Insel liegende„Nürnberg“ vernichten wollte. Er gab freundlicherweise zu verstehen, daß sich über Recht eder Unrecht die Staatsmänner später unterhalten könnten, er würde die„Nürnberg" unschädlich machen und— er tat es.„Freies Meer“ ist eben immer zweierlei im Krieg und im Frieden gewesen, und daran werden auch erneute Erklärungen, und sseien sie noch so feierlich verbrieft, nichts zu ändern vermögen, solange in praxibus das Recht immer beim Sieger liegt. Nebenbei sei hierzu nur noch darauf hingewiesen, daß im Kriege die deutschen Seebefehlshaber sich stets an die Seerechtsbestimmungen gehalten haben. Ich will es dahingestellt sein lassen, ob wir mit der angelsächsischen Methode nicht weiter gekommen wären. Es handelt sich also, im Grunde genommen, bei dieser Konferenz keineswegs um eine wirkliche handgreifliche Abrüstung, sondern um eine gründlegende Aenderung der Seerüstungen, die den betreffenden Mächten aus verschiedenen Gründen als wünschenswert erscheint. Darüber darf man sich durch die unvermeidliche Begleitmusik der alliierten Presse, die natürlich auf eine andere Melodie abgestimmt sein wird, nicht hinwegtäuschen lassen. Es werden sicher auch sturmbewegte Sitzungen für die Galerie stattfinden, aber schließlich werden die Leute mit den besten Autos das Spiel gewinnen, wie es ja auch sonst im Leben ist. Der unbeteiligte Zuschauer wird sicherlich auf seine Kosten und zu seiner stillen Freude kommen, angesichts eines trefflichen diplomatisch=anmutigen Widerspiels, der Pazifist am Ende feststellen können, daß die Welt um keinen Deut vernünftiger geworden ist. Atlanticus. Bahn dem GesinnungsDer Fall Tempel in Sachsen. Der„Rheinisch=Westfälischen Zeitung" wird aus Dresden das folgende geschrieben: Die eigentümliche Berufsauffassung des Präsidenten der Landesversicherungsanstalt Sachsen, Tempel, der der Alten Sozialdemokratischen Partei angehört, hat bekanntlich schwerwiegende politische Folgen nach sich gegogen: Der Arbeitsminister Elsner, der ebenfalls der Alten Sozialdemokratie als Mitglied angehört, ist deswegen von seinem Amte zurückgetreten. Gegen den Präsidenten Tempel hatte infolge der nationalistischen Anschuldigung die Oberstaatsanwaltschaft Dresden ein Ermittelungsverfahren eingeleitet und am 16. Dezember folgenden Beschluß gefaßt: „Das gegen den Beschuldigten, Richard Tempel, wegen Vergehens nach§ 23 Abs. 2 der Reichsversicherungsordnung eingeleitete Ermittlungsverfahren hat folgendes ergeben: Es sind gegen den Beschuldigten, der seit 1923 Präsident der Landesversicherungsanstalt Sachsen ist, eine Reihe schwerwiegender Angriffe erhoben worden. 1. Unter Hinweis auf die überaus hohe Zahl der Dienstreisen, welche er auf Kosten der Anstalt unternommen hat, ist die Vermutung laut geworden, diese Reisen könnten nicht alle im Interesse der Anstalt erforderlich gewesen sein. Es ist richtig, daß der Beschuldigte sich in den Jahren 1927 und 1928 an außerordentlich vielen Tagen auf Dienstreisen befunden hat. Ausgeschlossen erscheint es aber, jetzt nachzuweisen, daß überflüssige Reisen gemacht worden seien. Es lassen sich keine sicheren Feststellungen mehr treffen. 2. Der Beschuldigte hat als Vorsitzender des Gesamtvorstandes beschließen lassen, daß den beamteten Mitgliedern des Vorstandes ab 1. Oktober 1927 Dienstaufwandentschädigungen gezahlt würden, und zwar ihm selbst monatlich 200 Mark, zwei Oberregierungsräten als seinen Stellvertretern je 75 Mark, den anderen Oberregierungsräten 50 Mark monatlich. Dieser Beschluß hatte keine Grundlage in den für die sächsischen Staatsbeamten geltenden Besoldungsvorschriften, so daß das Arbeitsministerium im Sommer 1929 die Weiterzahlung untersagt hat. Daß der Beschuldigte aber in Erkenntnis der Rechtswidrigkeit gehandelt hatte, ist nicht erweislich. 3. Der Beschuldigte hat bei der Landesversicherungsanstalt das Dezernat für Bausachen übernommen, besitzt aber in Bauangelegenheiten keine besondere Sachkunde. Es ist ihm daher zur Ausführung der Bauvorhaben der Anstalt ein mit erprobten und tüchtigen Fachleuten besetztes Baubüro zur Seite gestellt. Als im Jahre 1927 der Neubau des Verwaltungsgebäudes der Landesversicherungsanstalt in Angriff genommen wurde, hat der Beschuldigte die Tätigkeit des Baubüros fast ausgeschaltet und alle erforderlichen wichtigen Entschließungen im Einvernehmen mit einem Privatunternehmer, dem Architekten Gräbner, getroffen. Er hat den Bau begonnen auf eine Kostenschätzung hin, die der Architekt mit 720000 Mark abgab. Im Verlaufe der Bauausführung sind aber etwa 2900000 Mark verausgabt worden. Die Sachverständigen bezeichnen dieses Verhalten als ganz unverständlich. und auch der von dem Beschuldigten selbst als Sachverständiger angerufene Prof. Schneegans hat es nur als ein „Drauflosbauen“ bezeichnen können, wie es sich wohl ein Privatmann leisten könne, wenn er Geld und Lust dazu habe, nicht aber eine Behörde, die eine Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber zu tragen habe. Es darf angenommen werden, daß etwa eine Million Mark hätte eingespart werden können. 4. Im Frühjahr 1929 hat sich der Beschuldigte ein Dienstwohnung zur Verfügung stellen lassen. Die Umwandlung der bisherigen Mietwohnung in eine Dienstwohnung bedeutete an sich einen Verlust für die Anstalt, weil etwa 650 Mark Miete verloren gingen und der bisherige Mieter dafür, daß er auszog, eine Vergütung von 1500 Mark aus Anstaltsmitteln erhielt; sie war auch unzulässig. In der weiteren Entwicklung hat diese Umwandlung aber noch zu einer schweren Schädigung des Anstaltsvermögens geführt. Zum Zwecke der Beheizung seiner Dienstwohnung aus der Heizanlage des Venwaltungsgebäudes der LVA. ließ der Beschuldigte einen Heizkanal mit dem Luxus einer Warmwasserzuleitung auf eine Strecke von 150 m nach dem Hause Marschnerstraße 33 bauen, in dem nur diese einzige Wohnung angeschlossen wurde. Nur mit dem persönlichen Interesse des Beschuldigten war diese Anlage zu rechtfertigen. In die Wohnung selbst sind Einrichtungsgegenstände eingebaut worden, wie sie für eine Dienstwohnung weder überhaupt, noch mit Rücksicht auf ihre Kostspieligkeit von der Anstellungsbehörde hätten bewilligt werden können. Aus Anlaß der Dienstwohnungseinrichtung sind über 60000 Mark verausgabt worden. Die Einrichtung der sanitären Anlagen hat allein insgesamt über 15000 Mark verschlungen, wobei von dem Beschuldigten selbst die teuersten Modelle z. B. für die Schlafzimmer und Badezimmer ausgewählt worden sind. Selbst die Kosten für einen neu eingebauten Schuhschrank— etwa 500 Mark— und sogar diejenigen für einen elektrischen Kühlschrank(3000 Mark, zu denen noch kostspielige Installationsarbeiten kamen) hat er zu Lasten der Landesversicherungsanstalt einsetzen lassen. Zu allen diesen Vorrichtungen und Neuanlagen hat er die Genehmigung der Anstellungsbehörde nicht eingeholt. Daß er zur eigenmächtigen Verwendung solcher Summen, noch dazu für seine eigene Haushaltung kein Recht hat, liegt auf der Hand. Betrachtet man die Handlungsweise des Beschuldigten unter dem Gesichtspunkt ihrer Strafbarkeit und hält zu Vorstehendem hinzu, daß es sich um von Armen und Kranken und für sie aufgesammeltes Geld handelt, das der Beschuldigte wie ein treuer Vormund zu verwalten hatte, so will sich die Ueberzeugung aufdrängen, daß der Tatbestand des§ 25 Abs. 2 der RVO. erfüllt sei. Wenn die Staatsanwaltschaft trotzdem von Erhebung der kriminellen Klage Abstand genommen hat, so beruht dies auf solgender Erklärung: Mit dem Beschuldigten ist über alle in Betracht kommenden Rechtsverhältnisse wiederholt eingehend verhandelt worden. Dabei hat sich gezeigt, daß er von den Pflichten und Befugnissen seines Amtes eine falsche Vorstellung hat.“ Den ganzen Beschluß der Oberstaatsanwaltschaft Dresden veröffentlichen wir hier nicht, weil hier ein Mann mit geringer Vorbildung ein Amt innegehabt hat, dem er nicht gewachsen war, und der deshalb die Gelegenheit benutzte, auch seine persönlichen Interessen stärker zu wahren als ihm zustand(das kommt auch in intelligenteren Kreisen vor), sondern weil dieser Fall erneut zeigt, daß Parteibücher sozialer oder sozialistischer Parteien in der Hand Einzelner noch nicht die Gewähr bieten dafür, daß edle Parteiprogrammforderungen in die Praxis umgesetzt werden, wenn nicht die innerste Gesinnung für die sittliche Qualität bürgt. Das System mag mit Schild tragen an der zunehmenden Korruption. Soll es aber besser werden, muß ein anderer Geist über unser Volk kommen. Um die christliche Jugend. Die folgende Vereinbarung ist zwischen dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands und dem Reichsverband der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands und verwandter Bestrebungen zustande gekommen: 1. Das im Reichsverband der evangel. Jungmännerbünde Deutschlands und verwandter Bestrebungen zusammengeschlossene Werk deutscher Mannesjugend sieht auf Grund seiner Geschichte seine Aufgabe in der Gesamterziehung christlicher Mannespersönlichkeiten und betrachtet deshalb seit langem die Schulung seiner Mitgliedschaft für die künftige soziale und staatsbürgerliche Verantwortung des werdenden Mannes als eine seiner wesentlichsten Aufgaben. Es hat sich darüber hinaus im letzten Jahrzehnt in steigendem Maße die Vertretung der sozialen und wirtschaftlichen Belange der werktätigen Mannesjugend sowohl im Rahmen seiner Mitarbeit im Reichsausschuß der deutschen Jugendverbände und im Deutschen Reichsausschuß für Leibesübungen wie auch durch unmittelbare Eingaben an die gesetzgebenden Faktoren angelegen sein lassen. Es kann auf das einzelne Mitglied ein Zwang nicht ausüben und muß ihm die gewissensmäßige Entscheidung überlassen. Es kann aber seinen Mitgliedern den Beitritt nur zu einer gewerkschaftlichen Organisation empfehlen, die der christlichen Weltanschauung gegenüber keine feindselige Haltung einnimmt. Es begrüßt insbesondere das Vorhandensein der christlichen Gewerkschaften als die Vertretung der sozial= und wirtschaftspolitischen Belange der werktätigen Jugend im Sinne der christlichen Weltanschauung. 2. Die Jugendgruppen der christlichen Gewerkschaften sehen ihre Aufgabe in der gewerkschaftlichen und sozialwirtschaftlichen Schulung ihrer Mitglieder. In der Erkenntnis, daß soziale Erziehung im christlichen Sinne nur auf Grund einer Gesamterziehung der Persönlichkeit durchführbar ist, begrüßen sie das Arbeitsprogramm der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands und überlassen ihnen die religiöse und kulturelle Erziehung. Vier Tage durch den Nordwesten Asambaras. 1. Die Reise nach Mtai. (Fortsetzung.) Unser Auto führt uns weiter. In großen Windungen, wie sie in diesem Bergland ja überall nötig sind, ging es durch die Täler mit ihren Sümpfen, an den Abhängen der Berge hin, bald hinauf und bald hinunter. Manchen Stoß mußte unser guter Wagen auf dem holprigen und steinigen Wege ertragen. So kamen wir am Nachmittag nach Sunga. Hier ist der Endpunkt der„Autostraße". Hier besuchten wir den deutschen Pflanzer und wurden von ihm und seiner Familie freundlich aufgenommen. Er unterhält auch ein deutsche Schule. 13 Kinder einschließlich der 3 eigenen Kinder werden hier unterrichtet. Die Arbeit ist nicht leicht, denn diese Kinder bilden 7 verschiedene Klassen(3 Grundschulklassen und 4 verschiedene Klassen einer deutschen Oberrealschule). Wir freuten uns an der frischen und höflichen Art, mit der alle Kinder uns begrüßten und mit der sie dann an der gemeinsamen Kaffeetafel saßen. Es war schade, daß wir sie nicht auch einmal im Unterricht besuchen konnten. Aber dazu war unsere Zeit zu kurz, und außerdem waren gerade die Ferien angefangen. Am Abend desselben Tages wollten sie ihre Weihnachtsfeier halten, um dann die Berge hinabzusteigen und die Weihnachtsferien bei den Eltern zu verleben. Es ist ein wichtiger Dienst, der durch diese Schule getan wird. Denn sonst ist in Usambara nur noch eine katholische deutsche Schule vorhanden, abgesehen von der kleinen Schule, die soeben durch unsere Mission begonnen ist. Hier in Sunga standen nun auch schon unsere schwarzen Freunde aus Mtai, unserem Zielpunkt, bereit, um uns abzuholen. Sie nahmen unsere Lasten auf ihre Köpfe, um sie hinüberzutragen. Der schwarze Pastor Andrea(mlischi— Hirte ist sein Titel) aber begleitete uns auf unserer weiteren Wanderung. Denn nun ging es zu Fuß weiter. Wir waren dankbar, daß ein einsetzender 3. Der Reichsverband der evangelischen Jungmännerbünde Deutschlands bildet zusammen mit dem Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften Deutschlands einen Ausschuß, in den jede der beiden Organisationen die gleiche Zahl von Vertretern(je B) entsendet. Er hat seine Aufgabe darin: a) eine gemeinsame Stellungnahme zu bedeutsamen gemeinsamen Jugendfragen, insbesondere auf dem Gebiet der Gesetzgebung, vorzubereiten; d) über die beiderseitigen besonderen Fragen Fühlung zu nehmen; c) Schulungsmaßnahmen zur Heranbildung geeigneter Jungmannen in gewerkschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Fragen zu treffen; d) beim Auftreten örtlicher Reibungen von Fall zu Fall Schlichtungsausschüsse einzusetzen. 4. Es können bundesmäßig die gleichen Ausschüsse gebildet werden, denen auch die Erledigung örtlicher Fragen zufallen würde. Berlin, Kassel, den 20. Januar 1930. Der Amsturz in Spanien. Kundgebungen gegen die Diktatur und gegen den König.— Vor neuen Unruhen. — Madrid, 29. Januar. Spanien durchlebt gegenwärtig eine historische Stunde. Der Verzweiflungs=Appell des Diktators Primo de Rivera an die bewaffnete Macht hat die Stellung der Regierung nicht mehr zu befestigen vermocht, sondern noch zur Beschleunigung der Ereignisse beigetragen. Primo de Rivera hat die Macht aus der Hand geben müssen! Die Diktatur freilich bleibt auch nach dem Sturz des Diktators noch bestehen, zumindest für einige Monate. Den äußeren Anlaß zum Regierungswechsel bot die Aufforderung Primo de Riveras an den König, sofort die Amtsenthebung des Infanten Don Carlos in Andalusien, eines Schwagers des Königs, und die Absetzung des Generalobersten von Cadix zu verfügen. Beide sollen nach den Behauptungen Primo de Riveras einen bewaffneten Aufstand gegen die Regierung vorbereitet haben. Als der König ablehnte, trat der Diktator mit seinem gesamten Kabinett zurück. Nach dem Bekanntwerden des in nächtlicher Stunde erfolgten Rücktritts Primo de Riveras wurde es in den Straßen der spanischen Hauptstadt lebendig. Tausende und aber Tausende zogen über die Hauptplätze und demonstrierten gegen die Diktatur, für die heit und— die Republik! Studenten zertrümmerten mit Eisenstäben den Verkaufsstand einer klerikalen Zeitung. Als sie dann den Versuch machten, vor das Schloß zu kommen, versperrte ihnen die Polizei mit blankem Säbel den Weg. Diese Ereignisse im Augenblick des Rücktritts der Regierung zeigen, daß Spanien aus der Gefahr noch nicht heraus ist. König Alfons XIII. hat zwar im Augenblick die Partei der Gegner seines Ministerpräsidenten ergriffen, nur ist es zweifelhaft, ob er damtt auch die versöhnt hat, die ihren Kampf gegen die Diktatur gleichzeitig mit dem Kampf gegen den König verbunden hatten. Man wird daher abwarten mussen, ob der Umsturz in Spanien die Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände statt zu erleichtern, nicht noch erschweren wird. Eine weitere Gefahr droht Spanien daher, daß Primo de Rivera die Macht nicht in die Hände einer neutralen Persönlichkeit übergeben hat. Zum Nachsolger des Diktators wurde vielmehr dessen Todfeind bestellt, General Berenguer. General Berenguer, ein Intimus Alfons XIII., ist verantwortlich für die Offensive der spanischen Marokkotruppen bei Tetuan, die dem Lande 1923 nur Schmach gebracht und die vielleicht sogar den Sturz des Königstums ausgelöst hätte, wenn eben nicht Alfons XIII. damals den VolksRegen bald nachließ. Als wir auf die letzte Höhe hinaufgestiegen waren, stand dort ein Häuflein Christen, um uns mit Gesang zu begrüßen. Sie waren aus Mambo, einer nahe gelegenen Außenstation gekommen. Wir grüßten sie kurz, wollten wir doch in den nächsten Tagen sie selbst in ihrem Ort besuchen. Und nun ging es immer langsam am Westhang des Gebirges abwärts. Gerade ein Jahr war es her, daß Mtai die furchtbare Schreckensnacht erlebte. In den Morgenstunden ging damals ein entsetzlicher Wolkenbruch über die ganze Gegend nieder. Er riß von den schroffen Berghängen alles mit sich in die Tiefe, was er nur konnte. Es muß wie das Donnern des letzten Gerichts geklungen haben, als die mächtigen Felsen in die Tiefe sausten. Wir konnten noch die Spuren der Verwüstung weithin sehen, trotzdem bei der üppigen afrikanischen Natur schon sehr vieles wieder verwachsen war. Der Weg nach Mtai war damals ganz ungangbar geworden. Erst lange Aufräumungsarbeiten machten ihn wieder brauchbar. An vielen Stellen ist er noch heute so schmal, daß nur ein einzelner Fußgänger zwischen dem Felsen und dem gähnenden Abgrund hindurch kommen kann. Gegenüber von Mtai war eine ganz große Bergwand in die Tiefe gesunken. Gerade unterhalb des Dorfes Mambo hatte sie sich gelöst. So hatte Gott mitten im Schrecken jener Nacht seine schützende Hand über die Einwohner dieses Dorfes gehalten. Tausend Meter hinunter schauten unsere Blicke in die Steppe. Dort sahen wir das kilometerbreite Bett des Flusses, der sich dort für kurze Stunden gebildet hatte. Jetzt lag er als ein breites, trokkenes, gelbes Band von Geröll und Steinen vor uns und mahnte uns an die alles zerschmetternde Gewalt unseres Gottes. Immer näher kamen wir so der Station Mtai(NeuBethel). Etwa ¼ Stunden mochten wir noch von ihr entfernt sein, als heller Glockenton uns entgegenklang. Die Christengemeinde sandte uns ihre Grüße entgegen. Und dieser Klang endete nun nicht eher, als bis wir auf der Station einzogen. Schon vorher aber sahen wir an einer Wegbiegung eine bunte Schar stehen. Ihre fröhlichen Lieder klangen uns entgegen. Doch als wir uns näherten, zorn durch sein Einverständnis mit der Errichtung der Diktatur besänftigt hätte. General Berenguer wird somit seinem Vorgänger kaum gut gesinnt sein, und das um so weniger, als er während der Diktatur wegen des Abenteuers in Maroklo zu sechs Jahren Gefängnis und wegen seiner Teilnahme an Verschwörungen zu einer Festungsstrafe verurteilt worden ist. Wird der neue Ministerpräsident trotz der Erinnerung an diese Dinge sich darauf beschränken, die Diktatur abzubauen— was ja dem Willen der Mehrheit des spanischen Volkes entspricht — und nicht in den Fehler verfallen, nun mit der Politik seines Amtsvorgängers„abzurechnen“? Die Verabschiedung Primo de Riveras ging bisher in höflichen Formen vonstatten. Man erzählt aber auch, daß Primo de Rivera nach seinem letzten Ministerrat seine Blicke längere Zeit auf die Bilder der ermordeten spanischen Ministerpräsidenten Dato und Canalejas gerichtet hat, in klarer Erkenntnis dessen, daß die Umgruppierung in Spanien erst im Gange ist und niemand wissen kann, was die nächsten Stunden bringen werden. Der Lebenslauf des gestürzten Diktators ist nicht uninteressant. Primo de Rivera wurde 1871 als Sohn des Marschalls de Rivera geboren, der 1876 durch die Einnahme von Estella den zweiten Karlistenaufstand niederschlug. Wie sein Vater, machte auch Primo rasch Karriere. Im Alter von 30 Jahren war er bereits General! Im September 1923 trat er an die Spitze der Militärrevolution, die die„parlamentarische“ Regierung verjagte und eine Militärregierung einsetzte, um dem durch die militärischen Mißbräuche mitgenommenen Lande aufwärts zu helfen. Infolge des Auftretens von Abd=el=Krim sah sich Primo de Rivera gezwungen, den Marokkokrieg entgegen seiner ursprünglichen Absicht zusammen mit den Franzosen kräftiger als je zu führen und dort im Sommer 1925 sogar selbst den Oberbefehl zu übernehmen. 1925 bildete Primo de Rivera das nur aus Generalen bestehende Direktorium in ein Kabinett um, in dem er selbst den Vorsitz führte. Das Parlament und die Verfassung blieben weiter ausgeschaltet. 1926 kam es zu einer Krise der Diktatur Primos, als das Offizierskorps der Artillerie offen in Gegensatz zu ihm trat. Primo blieb Herr der Lage, da die übrigen Teile der Armee ihm treu blieben. Im Frühjahr 1928 wurde zum erstenmal von einer Amtsmüdigkeit des Diktators gesprochen. Nachdem schon im September 1928 eine neue Militärverschwörung aufgedeckt worden war, kam es im Februar 1929 in mehreren spanischen Städten zu Aufständen gegen die Diktatur, die von der alten kon servativen Partei unter Führung des ehemaligen Ministerpräsidenten Sanchez Guerra ausgingen und die Auflösung der Artillerieverbände zur Folge hatten. Generalaussprache in London. Wiederzusammentritt der Vollversammlung.— Seeabrüstung und Handelsschiffe. Die Delegierten der fünf auf der Flottenkonferenz vertretenen Mächte treten am heitigen Tonnerstag im St. James=Palast zu einer neuen Vollversammlung zusammen, zu der diesmal auch die Presse wieder Zutritt haben dürfte. Verhandelt wird über die im Verlaufe der letzten Sonderbesprechungen gefaßten Beschlüsse hinsichtlich der Tagesordnung der Konferenz. Danach wird zunächst die Beratung der amerikanischen Vorschlüge in Angriff genommen. Ueber die Haltung der Vereinigten Staaten äußerte sich der Führer der amerikanischen Abordnung, Stimson, dahin, Amerika wolle auf der Flottenkonferenz drei Ziele durchsetzen: die Beendigung des Wettbewerbs im Bau von Kreuzern und Torpedobootszerstörern, die Abschaffung oder Einschränkung der Unterseeboote und die Verminderung der Washingtoner Höchstziffern für Schlachtschiffersatzbauten. liefen sie eilig weiter, um an der nächsten Wegbiegung sich von neuem aufzustellen und zu singen. So ging es fort. Ein Teil blieb stehen, um uns zu grüßen und dann neben und hinter uns mitzuziehen. Andere Häuflein eilten voran, stellten sich auf und sangen. Es war ein immerwährendes Singen und Klingen auf dem Wege: ein Zeichen der großen Freude, mit der wir hier erwartet wurden. Die Station selbst war mit Bananen und Palmen schön geschmückt. Mit Freude und Dank zogen wir ein. Nach gemeinsamem Gesang und kurzem Gebet entließen wir die fröhliche Schar, um uns zunächst einmal häuslich einzurichten. Mtai ist z. Zt. unbesetzt von uns. Vor dem Kriege war es eine der Hauptstationen. Da die eingeborene Gemeinde auch in der Zeit, da kein Missionar im Lande war, treu gesorgt hat, so stehen die Gebäude noch heute: die Kirche, die Schule, das Misssionarswohnhaus und etliche Nebengebäude. Es dauerte nicht lange, so hatten wir uns eingerichtet und fühlten uns daheim. Als wir uns zur Ruhe niederlegten, dankten wir Gott, daß er uns wieder etwas gezeigt hatte von der Freude der Gemeinschaft, die er auch zwischen Menschen verschiedener Rassen durch die Liebe zu seinem Wort schaffen kann. Wir baten ihn, daß er die Stunden, die wir hier verleben wollten, uns und der schwarzen Gemeinde segnen wolle. II. Zwei Tage bei der Gemeinde in Mtai. Ueberall, wo hier im Lande ein Häuflein Christen als eine Gemeinde Jesu beieinander wohnt, da sammeln sie sich jeden Morgen in ihrer Kapelle oder in einem ihrer Häuser um Gottes Wort zur Morgenandacht. So empfangen sie neue Stärkung für den Tag und stehen täglich unter dem lebendigen Eindruck der Gemeinschaft, die ihnen Gott geschenkt hat. Ich freute mich in der Morgenandacht des nächsten Tages zu der zahlreich versammelten Gemeinde ein Wort des Grußes sagen zu können. Die Erinnerung an die Schreckensnacht vor einem Jahre mahnte zur Beugung vor der Allmacht Gottes und zum Dank für seine bewahrende Gnade. Dies war es, was ich ihnen auf Grund von Hiob 5, 17 f. zu sagen versuchte. (Fortsetzung folgt.) #Als neuer Haudelsschiffe zur Diskussion in Washington rüstung von Ha schlossen. Bestimmungen fahrt veraltet. der Bewaffnung dungsmöglichkeit mutterschiffe in serenz aufzuneh Die Einigung über London, 29. versichert, daß über den französ gehenden Einigu Einigung verlau Tonnage einer legt wird, der i über hinaus, oo werden kann. 214 Weiteres Al Nach dem Arbeitsvermittl der schwere D Zeit vom 20. 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Christen sammeln nem ihrer So emp. en täglich schaft, die c Morgenersammelu Können. em Jahre und zum r es, was versuchte. g folgt.) nis neuer Gesichtspunkt tauchte die Frage der handelsschisse auf, die von der japanischen Delegation zur Diskussion gestellt wurde. Die Japaner erklärten, in Washington habe man 1922 ein Verbot der Ausrüstung von Handelsschissen für kriegerische Zwecke beschlossen. Das sei gut und schön, nur seien diese Bestimmungen durch die Entwicklung der Militärluftfahrt veraltet. Es sei daher unumgänglich, die Frage der Bewaffnung der Handelsschiffe und die Verwendungsmöglichkeit von Handelsschiffen als Flugzeugmutterschifse in das Programm der Londoner Konserenz aufzunehmen. Die Pilgrim=Liga gibt ein Festessen. Im Viktoria=Hotel in London gab die bekannte Pilgrim=Liga zu Ehren der Flottenkonferenz ein Essen. Den Vorsitz führte Lord Grey. In seiner Rede erklärte Lord Grey, die Welt erhoffe, daß die Flottenkonferenz dazu führen werde, die Sicherheit und den Weltfrieden zu erhöhen. Glücklicherweise, so meinte Lord Grey, befinde sich die Welt„in ständigem Fortschritt im Sinne der Verständigung und der allgemeinen Sicherheit". Jedes Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien dürfe nicht eine Vereinbarung zwischen diesen beiden Staaten allein sein, sondern müsse im Rahmen einer allgemeinen Weltpolitik liegen. Er glaube, daß der Kelloggpakt ein größeres Bollwerk gegen den Krieg sei, als irgendein anderes Vertragsinstrument, das bisher bestehe. Lord Grey sprach zum Schluß die Hoffnung aus, daß die Londoner Konferenz mit günstigen und für die ganze Welt nützlichen Ergebnissen abschließen werde. Füc die Abordnungen antwortete der italienische Außenminister Grandi, der darauf hinwies, alle seien überzeugt,„daß der allgemeine Wille, die Konferenz zu einem Erfolg zu gestalten, schließlich auch zu dem erstrebten Ergebnis führen werde.“ Die Rüstungen müßten nicht nur begrenzt werden, es müsse auch, wenn irgendmöglich, das niedrigste überhaupt tragbar erscheinende Rüstungsniveau fortgesetzt werden. Davon ist man in London aber noch etwas sehr weit entfernt! Einigung über den französischen Kompromißvorschlag auf der Flottenkonferenz. London, 29. Januar. Am Mittwoch Spätabend wird versichert, daß die englisch=französischen Besprechungen über den französischen Kompromißvorschlag zu einer weitgehenden Einigung geführt haben. Ueber die Form der Einigung verlautet zuverlässig, daß von einer bestimmten Tonnage einer Schiffsklasse wiederum ein Anteil festgelegt wird, der innerhalb eines Jahres, jedoch nicht darüber hinaus, von einer Klasse in die andere übertragen werden kann. 2140000 Erwerbslose. Weiteres Anwachsen der Verschlechterung des Arbeitsmarktes. — Berkin, 30. Januar. Nach dem letzten Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung hat der schwere Druck der Arbeitslosigkeit auch in der Zeit vom 20. bis 25. Januar noch zugenommen! Als einzige erfreuliche Tatsache ist zu verzeichnen, daß die Zugänge an neuen Arbeitsuchenden nicht mehr so zahlreich wie in der vorausgegangenen Woche und wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren. Wenn unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Beschäftigungsgrad weniger scharf als im Vorjahr abglitt, so ist diese gewisse Widerstandskraft des Marktes lediglich auf den Einfluß der milden Witterung zurückzuführen. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der versicherungsmäßigen Arbeitslosenunterstützung betrug am 22. Januar rund 2140000 und ist damit um etwa 90000 höher als in der Vorwoche. Am stärksten war die Zunahme in Bayern und Schlesien, am schwächsten in Niedersachsen, Nordmark, Westfalen und im Rheinland. Die Krankheiten in Preußen. Zweite Beratung des Haushalts des Wohlfahrtsministeriums im Preußischen Landtag. — Berlin, den 29. Januar 1930. Nach den Ausführungen des Berichterstatters Dr. Steimler(Ztr.) ergriff sofort Wohlfahrtsminister Dr. Hirtsiefer das Wort, um u. a. auszuführen, daß der allgemeine Gesundheitszustand für 1929 nicht die in den letzten Jahren beobachtete günstige Entwickelung zeigt. Die Ursache hierfür liege zum Teil in der erheblichen Zunahme tödlicher Erkaltungskrankheiten. Die Sterbeziffer sei um 13,3 Prozent hegenüber dem Vorjahre gestiegen. Der Geburtenüberschuß sei erheblich zurückgegangen, in 20 Großstädten sei sogar ein Sterbeüberschuß vorhanden. Nach Ansicht des Minillers liege der Zeitpunkt nicht mehr allzufern, in dem sich die Bevölkerung nicht mehr vermehre, sondern abnehme. Furch den Ausbau der Fürsorgemaßnahmen sei es getungen, die Säuglingssterblichkeit in den letzten Jahrzehnten um 60 Prozent zu senken. Der Minister verbreitete sich dann eingehend über das Auftreten der einzelnen Krankheiten und betonte insbesondere, daß der Scharlach eine ständige Zunahme aufweise. Die Geschlechtskrankheiten seien anmählich auf ein geringeres Maß zurückgegangen. Zur Papageienkrankheit erklärte der Minister u.., daß der erste Fall einen ProLsor der Technischen Hochschule betroffen habe, der in # em wohnte. Dieser Professor war in Brasilien geeeesen und hatte von dort vier Sittiche mitgebracht, von denen zwei bald nach der Ankunft starben. Gleich darauf erkrankte der Professor. Er erlag einer schweren Lungenentzundung. Weitere Meldungen über Papageienkrankheit eigen noch aus Bernberg, Hamburg, Altona, Liegnitz, Münden, Bochum, Lübeck und Mohrungen vor. Bei einigen Kranken sind Streptococcen gesunden worden; doch lasse sich nicht sagen, ob diese die Erreger der Krankheit seien. Der Minister schilderte dann die von ihm gegen die Papabeienkrankheit ergriffenen Maßnahmen. Zu den Masernertrankungen im Lager Hammerstein schilderte der Minister gleichfalls die ministeriellen Maßnsch: Disher seien 57 Kinder gestorben, und zwar en??“ an Masern, sondern an einer schweren Lungenlkündung und Sepfis. die sich an die Masern anschloß. Die Krankheit sei eine Streptococcen=Infektion, die sich auf dem Boden hochgradiger Unterernährung entwickeln könne. Die Unterbringung der Leute im Lager sei durchaus einwandfrei und die Ernährung reichlich und gut. Im Lager Prenzlau sei scheinbar unmittelbar eine Typhus=Infektion durch eine unter den Flüchtlingen befindliche Dauerausscheiderin erfolgt. Auch dort sei die Verpflegung gut und reichlich. Die Flüchtlinge äußerten spontan ihre Dankbarkeit gegenüber den deutschen Behörden für die Aufnahme, die sie in Deutschland gefunden hätten. Die sozialgesundheitliche Fürsorge sei 1929 in allen Gebieten ausgebaut, die schulärztliche Fürsorge habe sich so entwickelt, daß von rund 4½ Millionen Schulkindern nur noch 480 000 schulärztlich nicht versorgt seien. Für den Verkehr mit Arzneimitteln und Giften sei eine umfangreiche Neuregelung in Angrift genommen. Die Weinkontrolle sei wieder im früheren Umfang ausgebaut. Weil ihm die Erhaltung eines hochstehenden Aerztestandes am Herzen liege, erscheine ihm die sprunghafte Zunahme der Medizinstudierenden z. B. von 9660 im Sommersemester 1927 auf 15076 im Sommersemester 1929 bedrohlich. Wie dieser junge Nachwuchs eine wirtschaftliche Existenzmöglichkeit finden solle, sei schwer zu sagen. Zum Schluß teilte der Minister mit, daß der Reichsinnenminister zur weiteren Lösung des Problems des Geburtenrückganges eine gemeinsame Sitzung von Sachverständigen des Reiches und der Länder einberufen habe. Der organisatorische Rahmen hierzu werde in einem„Reichsausschuß für Bevölkerungsfragen“ geschaffen.(Beifall.) In der allgemeinen Aussprache begrüßte Abg. Dr. Chajes(Soz.) die Vermehrung der Ausgaben für die Volksgesundheit, wenn auch die Gesamtumme tacherlich gering sei. Die katastrophale Wirtschaftstage habe zu weiterer Verschlechterung der Volksgesundheit geführt. Hierauf wurde die Aussprache zwecks Vornahme der Abstimmungen zum Domänen=Etat und zu den Haushalten der Oberrechnungskammer und der Staatsschuld unterbrochen. Zum Lomänenhaushalt wurde eine Reihe von Anträgen des Hauptausschusses angenommen, worin Hilfsmaßnahmen für die Domänenbetriebe in den besonders notleidenden Gebieten Ostpreußens, Pommerns, der Grenzmark und Schlesiens in Form einer Revision der Pachtrückstände und die bevorzugte Berücksichtigung der kleinen und mittleren Interessenten bei der Verpachtung von Streuparzellen verlangt werden. Ferner wurde die umgehende Vorlegung eines Gesetzentwurfs gefordert, in dem fünf Millionen Reichsmark für den Bau von Arbeiterwohnungen auf den Staatsdomänen bereitgestellt werden. Die gleiche Summe soll für Meliorationen auf den Staatsdomänen zur Verfügung gestellt werden. Die in Ostpreußen untergebrachten deutsch=russischen Auswanderer sollen bei der Vergebung von Bauerndomänen berücksichtigt werden. In der fortgesetzten Aussprache zum Wohlfahrtshaushalt, Abschnitt„Gesundheitswesen", betonte Abg. Dr. Bundt (Dntl.), daß die Basis für das deutsche Volk nach dem Versailler Vertrage so schmal geworden sei, daß schon durch das enge Zusammenleben der Volksgesundheitszustand leiden müßte. Abg. Dr. Faßbender(Ztr.) verlangte energische Bekämpfung jener Auswüchse in der erotischen Literatur usw., die geradezu eine Propaganda für den Geburtenrückgang darstellten. Abg. Frau Neumann(Komm.) glaubte. daß der Gesundheitszustand durch die außenpolitische Belastung noch schlechter werden würde. Abg. Dr. Heidenreich(D. Vp.) forderte Ausdehnung der schulärztlichen Betreuung auf die Berufs= und die höheren Schulen, Herstellung gesunder Wasserleitungen in den Landbezirken. Darauf wurde die Wetterberatung auf Donnerstag 12 Uhr vertagt. Die 2BP=Fraktionssitzung.— Stillschweigen über das Ergebnis. — Berlin, 29. Januar. Die Sitzung der Landtagsfraktion der deutschen Volkspartei, die am Mittwoch abend um 8 Uhr im preußischen Landtag begann, dauerte bis in die späten Abendstunden. Ueber das Ergebnis der Beratungen wird stvengstes Stillschweigen gewahrt. Am Donnerstag werden die Abgeordneten Stendel, Schwarzhaupt und Heimann sich zum Ministerpräsidenten Dr. Braun begeben, um ihn über die Stellung der deutsch=volksparteilichen Landtagsfraktion zur Frage der Bildung der Großen Koalition in Preußen zu unterrichten und weitere Verhandlungen anzubahnen. Kommunismus und Wehrmacht. Die kommunistischen Zersetzungsversuche in der Reichswehr. — Berlin, 30. Januar. Von seiten des Reichswehrministeriums wird nunmehr eine bis ins einzelne gehende Uebersicht über die in letzter Zeit verstärkte kommunistische Zersetzungsarbeit in der Reichswehr und in der Reichsmarine gegeben. Die Propagandaarbeit der Kommunisten ist danach folgende: Dur besonders geschulte Funktionäre der KPD. werden mit größter Vorsicht Zersetzungsschriften den Soldaten in einzelnen Exemplaren im Gedränge der Straße oder in Gaststätten harmlos in die Hand gedrückt oder in die Mäntel gesteckt, an unbeobachteten Stellen in den Kasernen niedergelegt oder über die Kasernenmauer geworfen, neuerdings auch durch die Post zugestellt. Auf den verschiedensten Wegen wird versucht, kommunistische Zellen in der Wehrmacht zu bilden. Mündliche Propaganda wird auf der Straße, in der Eisenbahn, in Gaststätten und Tanzsälen getrieben. Man versucht außerdem, geschulte Mitglieder der KPD. in die Reichswehr einzuschmuggeln, die das Waffenhandwerk gründlich zu erlernen haben. bereits rechtskräftig verurteilt worden, ferner wurden einige Reichswehrangehörige fristlos entlassen. Ein Saat= und Pflanzengntgesetz. Der Entwurf dem Reichsrat zugegangen. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat dem Reichsrat den Entwurf eines Saatund Pflanzgutgesetzes zugehen lassen, das demnächst den Reichsrat beschäftigen wird. Nach der im letzten Jahre erfolgten organisatorischen Neuordnung der „Sortenprüfung", d. h. der laufenden Feststellung des Anbauwertes neugezüchteter Pflanzensorten, sollen nunmehr durch Reichsgesetz die zum Teil Jahrzehnte alten gesetzgeberischen Forderungen der Landwirtschaft und der Wissenschaft auf dem Saatgutgebiet erfüllt werden. Der Gesetzentwurf sieht für die Züchtungen der Originalsaatzüchter einen dem Patentrecht ähnlichen Schutz vor, und bringt daneben zugunsten der saatgutkaufenden Landwirte Vorschriften für den Saatgutverkehr. Zentrum und Die Bedingungen für die Zustimmung der Fraktion. Die Zentrumsabgeordneten Brüning und Esser haben im Auftrage des Fraktionsvorstandes dem Reichskanzler die Stellungnahme des Zentrums zur politischen Behandlung des Haager Abkommens zur Kenntnis gebracht. Das Zentrum verlangt, daß vor der endgültigen Entscheidung über den Youngplan eine Klärung der Finanzlage erfolgen müsse; diese Klärung hat zur Voraussetzung die Verabschiedung der zur dauernden Gesundung der Kassenlage notwendigen Gesetze und stärkere Bindung der Regierungsparteien in bezug auf die Durchführung der Finanz= und Steuerreform. Ferner wünscht die Zentrumsfraktion vor ihrer entscheidenden Sitzung eine ausreichende Tarlegung der Reichsregierung über Stand und Fortgang der Saarverhandlungen und die Behandlung des polnischen Liquidationsabkommens. * Die Sozialdemokratie zur Reichsbankfrage. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat nach fünfstündiger Aussprache folgenden Beschluß gefaßt: „Die sozialdemokratische graktion hält an der währungspolitischen Unabhängigkeit der Reichsbank und den entsprechenden Schutzbestimmungen im Reichsbankgesetz unbedingt fest. Sie verwahrt sich jedoch aufs schärfste gegen die Eingriffe des Reichsbankpräsidenten in die deutsche Politik. Sie ist deshalb der Auffassung, daß die Staatsgewalt in der Demokratie einen maßgeblichen Einfluß auf die Ernennung und Abberufung des Reichsbankpräsidenten und die Zusammensetzung des Generalrates haben muß. Da nach der Annahme des Youngplan=Gesetzes die Möglichkeit zur Abänderung des Reichsbankgesetzes und zur Neuwahl des Reichsbankpräsidenten gegeben ist, hält die sozialdemokratische Fraktion ein Initiativgesetz für notwendig, durch das das Reichsbankgesetz entsprechende Sicherungen enthält. Sie beauftragt den Vorstand der Fraktion, die nötigen Vorbereitungen zu treffen. . H u ß a n D e u t s c h l a n d. Eine Entschließung des österreichisch=deutschen Volksbundes. — Wien, 30. Januar. Eine Vertreter=Versammlung des österreichisch= deutschen Volksbundes nahm in Wien folgende bemerkenswerte Entschließung an: Wir fordern von Nationalrat und Regierung Oesterreichs die Einleitung entscheidender Schritte auf dem Wege zum wirtschaftlichen Zusammenschluß mit dem Deutschen Reich. Zu diesem Zweck erwarten wir von der Regierung die Aufnahme unmittelbarer Verhandlungen mit der Reichsregierung, welche die Herbeiführung einer Zoll= und Wirtschaftseinheit jenseits der auf dem Boden der allgemeinen Meistbegünstigung möglichen handelspolitischen Methoden zum Gegenstand haben. Die Leitung des österreichisch=deutschen Volksbundes wurde aufgefordert, wie bisher, alle Versuche, dem deutschen Volk in Oesterreich andere Zukunftslösungen als den Zusammenschluß mit dem deutschen Volke vorzuschlagen, entschlossen abzulehnen und dafür zu sorgen, daß die wahre Volksmeinung gegen alle falschen Behauptungen zur Geltung gebracht wird. Politische Kunoschau. — Berlin, den 30. Januar 1930. — Die Oderkommission hat auf ihrer Tagung in Breslau für Mai eine Bereinigung der Oder in Aussicht genommen. :: Der Entwurf des Kleiurentnergesetzes fertiggestellt. Wie aus dem Reichsarbeitsministerium verlautet, wird dem Reichskabinett in der nächsten Zeit ein Kleinrentnergesetz vorgelegt werden. Der Entwurf des Gesetzes ist im Reichsarbeitsministerium bereits fertiggestellt. :: Eingabe des Mietervereins an die preußische Staatsregierung. Der preußische Landesverband des Deutschen Mietervereins übermittelte der Staatsregierung eine Denkschrift, in der er die Senkung der Neubaumieten bis auf die Höhe der Altmieten befürwortet. Zu erreichen sei dieses Ziel durch Erhöhung der Hauszinssteuerhypotheken, Zinsbefreiung dieser Hypotheken und Freistellung der Neubauten von Grundvermögenssteuern. Pros. Hoetzsch aus der dentschnationalen Partei ausgetreten. — Berlin, 30. Januar. Der Reichstagsabgeordnete Prof. Dr. Hoetzsch ist im Zusammenhang mit der Gründung der Volkskonservativen Vereinigung aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten. Rundschau im Auslande. : Der akademische Senat der Wiener Universität hat dem Bundeskanzler Deutsch=Oesterreichs, Schober, das Ehrendoktorat der Rechte verliehen. : Die Sowjetbehörden verordneten die Aussiedlung aller im Bereiche der russischen Staatsgüter wohnenden früheren Großbauern und Geistlichen an. : Die südafrikanische Regierung will den europäischen Frauen das Wahlrecht zum Parlament gewähren. * Deutsche Erklärung zur polnischen Verfassungsreform. : Der deutsche Abgeordnete im polnischen Landtag, Spitzer, erklärte anläßlich einer Aussprache über die geplante Verfassungsreform, der deutschen Minderheit in Poren komme es weniger auf eine Aenderung der Verfassung als auf die Einhaltung ihrer Bestimmungen an. Die zehnjährige Erfahrung kehre, daß auch die beste Versassung die deutsche Bevölkerung wertlos sei. wenn die Negierung und die ausführenden Organe sich nicht an die Gesetze hielten, sondern sie willkürlich auslegten. Er schlage daher vor, weniger die schriftliche Satzung als die praktische Anwendung der Verfassung zu verbessern. Vortrag Dr. Eckeners in Genf. Resormationssaal.— Empfang beim deutschen Generalkonsul. Auf Einladung der Genfer Gesellschaft für deutsche Kunst und Literatur hielt Dr. Eckener vor einer 2000köpfige. Menge einen Vortrag in deutscher Sprache über die letzte Weltreise des„Graf Zeppelin". Der Reformationssaal, in dem der Vortrag stattfand, war bereits seit Tagen ausverkauft. Die lebhaften und anschaulichen, durch viele Filmvorführungen illustrierten Ausführungen Dr. Eckeners fanden den stürmischen Beifall des Publikums, das ihm zum Schluß eine begeisterte Kundgebung darbrachte. Im Anschluß an den Vortrag fand ein Empfang bei dem deutschen Generalkonsul statt, an dem die Spitzen der Genfer Behörden, zahlreiche Mitglieder des Völkerbundsekretariats, des Internationalen Arbeitsamtes sowie der deutschen Gesellschaft und Presse teilnahmen. „Monte Sarmiento" in Ashaia. Uebernahme der Passagiere der„Monte Cervantes“. Beileidstelegramm des Kanzlers. Wie die Hamburg=Südamerikanische Dampfschifffahrtsgesellschaft mitteilt, ist der Dampfer„Monte Sarmiento“ nunmehr in Ushata eingetroffen und hat die Passagiere der gekenterten„Monte Cervantes“ an Bord genommen. Reichskanzler Müller sprach der Schifffahrtsgesellschaft in einem Telegramm das Beileid der Regierung zum Tode des Kapitäns und zum Untergang des Schiffes aus. Die mit dem Verlust der„Monte Cervantes“ entstandene Lücke im Schiffsbestand der Gesellschaft wird durch ein neues Schiff vom Typ des gekenterten Dampfers ausgefüllt, dessen Bau von der Generalversammlung beschlossen worden ist. Inzwischen ist einer bekannten Werft der Auftrag für den Bau eines zweiten Motorschiffes erteilt worden. * „Monte Sarmiento“ auf der Fahrt nach Buenos Aires. — Hamburg, 30. Januar. Nach einem bei der Hamburg=Südamerisanischen Dam fschiffahr sgesellschaft eingegangenen Telegramm hat die„Monte Sarmiento“ mit den Passagieren und Mannschaften der untergegangenen„Monte Cervantes“ an Bord Ushuaya am Montag wieder verlassen. Mit dem Eintreffen der„Monte Sarmiento“ in Buenos Aires dürfte am Freitagabend bezw. Sonnabendmorgen zu rechnen sein. Der verschwundene General. Ein Opfer der G. P..? Die französische Oeffentlichkeit beschäftigt sich lebhaft mit dem aufsehenerregenden Verschwinden des Emigranten=Generals Kutepow. Die Presse verossenllicht weitere Einzelheiten über den Aufenthalt des Generals in Paris und besonders über die letzten Augenblicke, die seinem Verschwinden vorangingen. General Kutepow, der gewöhnlich Automobile zu benutzen pflegte, die von Mitgliedern des von ihm geführten Kriegsteilnehmer=Verbandes gesteuert wurden, hatte sich am Tage seines Verschwindens ausnahmsweise zu Fuß in die russische Kirche begeben Er muß jedoch nur einige hundert Schritte von seiner Wohnung zurückgelegt haben, und von diesem Augenblick an, d. h. schon fünf bis sieben Minuten nach dem Verlassen der Wohnung fehlte jede Spur von ihm. Die Mutmaßung, daß Angehörige der G. P. U. ihre Hand mit im Spiele haben, sei um so wahrscheinlicher, als General Kutepow vom verstorbenen Großfürsten Nikolaus selbst auf dem Totenbett als Nachfolger in der Führung der zaristischen Militärangehörigen eingesetzt worden war. Die Sowjetanhänger haßten ihn bis aufs Blut, und täglich seien dem General zahlreiche Drohbriefe zugegangen. * Die Verhandlungen über die Gewährung einer 25Millionen=Anleihe durch die Elektrowerke an die Stadt Berlin sind nunmehr zum Abschluß gekommen. Die Sühne für Dinkelscherben. Das Urteil im Dinkelscherbeuer Eisenbahnunglücksprozeß. In Augsburg wurde im Dinkelscherbener Eisenbahnunglücks=Prozeß folgendes Urteil gefällt: Die Angeklagten Amler, Wiedenbauer, Karner werden freigesprochen, die Angeklagten Hübler und Müller werden als schuldig befunden, für 18 Vergehen der fahrlässigen Tötung, 157 Vergehen der fahrlässigen Körperverletzung und eines Vergehens der fahrlässigen Transportgefährdung. Hübler wird zu drei Monaten Gefängnis, Müller zu fünf Monaten Gefängnis und beide zur Tragung der Kosten verurteilt. Den Verurteilten wird bedingter Straferlaß mit Fristsetzung bis 31. Dezember 1933 zugebilligt. Verschiedenes. Ein Posaunen=Lehrgang, ein zweiter dieser Art, fand vom 13. bis 19. Januar dieses Jahres im Monbachtal bei Bad Liebenzell statt, wiederum unter der vortrefflichen Leitung des bekannten und ehrwürdigen Posaunengenerals Pastor D. Joh. Kuhlo=Bethel. Annähernd 70 Teilnehmer aus Württemberg, Baden und der Pfalz hatten sich zu eifrigster Arbeit, zu musikalischer und innerer Schulung auf den in unserm evangelischen Gemeindeleben so wertvollen und geschätzten Posaunendienst zusammengefunden. Rege Aussprache, sowie ein wertvoller Vortrag von Generalleutnant a. D. NiethammerCalw über die belebende Wirkung der Musik im Soldatenstand und in den schwersten Lagen des Weltkrieges machte den Teilnehmern ihren auf völliger Freiwilligkeit beruhenden Posaunendienst von neuem lieb und wert, wirkt doch auch gute Posaunenmusik weit über den Rahmen des kirchlichen Lebens hinaus. Einen schönen Abschluß fand der Lehrgang im mehrfachen öffentlichen Blasen von Chorälen und Volksliedern in Hirsau und Calw, in mehreren Gemeindegottesdiensten am Sonntagvormittag sowie zuletzt in einer musikalisch=liturgischen Feier in der Christuskirche zu Pforzheim vor zahlreich versammelter Gemeinde. Bauernlehrgang in der Wislade. Vom 1. bis 15. März soll im Volkshochschulheim Wislade bei Lüdenscheid der erste Volkshochschulkurs für junge Bauern stattfinden. Themen: Die geistigen Strömungen der Gegenwart im Spiegelbild der Presse.(Volkshochschulleiter L. Rese=Wislade.) Die geistige Agrarkrise.(Volkshochschullehrer Dr. O. Schmidt=Hermannsburg.) Außerdem haben ihre Mitarbeit zugesagt: Dr. Rein=Düsseldorf, P. Arning=Altroggenrahmede, P. Thomä=Attendorn und andere. Die Gesamtkosten des Kursus einschließlich Verpflegung usw. betragen 40.— Reichsmark. Unter Umständen kann ein Teil des Betrages durch Lebensmittel beglichen werden. Willkommen sind uns aufgeschlossene Menschen des Landvolkes, etwa im Alter von 18 bis 25 Jahren, ohne an diesen Grenzen auf jeden Fall festzuhalten, die die Not des Landes fühlen und bereit sind, sich für den Aufbau neuen, echten Landlebens zu rüsten und zu bilden. Anmeldungen und Anfragen sind an die Leitung des Heimes, Post Oberrahmede i. W. zu richten. Das„Jugendheim aus Silberpapier". Wie man „Wertvolles aus Wertlosem“ durch Treue im Kleinen erzielen kann, hat die Jugend von Reichenbach im Eulengebirge gezeigt, die auf ihrem Wege, ein Jugendheim aus Silberpapier zu bauen, bereits im ersten Jahre um einen beachtenswerten Schritt vorangekommen ist. 3000 RMk. konnte sie erlösen aus den von ihr gesammelten 13 Zentnern Silberpapier, 4½ Zentnern Flaschenhülsen und 550 Mark verfallenem Silbergeld— freilich nicht nur durch Verkauf, sondern vor allen Dingen durch bastelndes Verarbeiten des Gesammelten. Allen, die der dortigen Jugend helfen wollen, das„Geld, das auf der Straße liegt", aufzuheben, oder die für ihre eigenen Zwecke Aehnliches beginnen wollen, seien auf das Büchlein hingewiesen, in welchem der Organisator der Sammlung, Pastor BunzelReichenbach seine Erfahrungen im Sammeln und Verarbeiten dieses Verachteten niedergelegt hat. Es ist gegen Einsendung von 80 Pfennig(in Briefmarken oder au Postscheckkonto Breslau 20110) portofrei vom Versos., zu erhalten. Sein Titel lautet:„Anweisung zu umfassen. der Sammlung und ertragreicher Verwertung von Silbe papier und Stanniolkapseln“. Der Ertrag aus dem kauf dieses Heftchens, dessen Drucklegung von vielen teressenten erbeten wurde, kommt dem Fonds für besag, tes„Jugendheim aus Silberpapier“ zugute. Wandern als Erziehungsmittel. Die Mitteilungen deEv.=kirchl. Erziehungsvereins der Provinz Westfalen Sitz Schweicheln, berichten von einem erfolgreichen Ver, such, das Wandern auch in diesen Anstalten als Enzie, hungsmittel zu benutzen. 1929 wurden zum ersten Ma mit schulentlassenen Zöglingen, die der Fürsorge des Ver. eins anvertraut sind, mehrtägige Wanderfahrten in der Harz, in den Teutoburger Wald und an den Rhein ge macht. In Wanderkluft, den Rucksack auf dem Rücken zogen die jungen Leute mit ihrem Führerkameraden au den Anstaltsmauern fröhlich in die Welt, überall wegen ihrer Ordnung und Disziplin gern gesehen und aufge. nommen. Der Bericht eines Zöglings beweist, daß die im gen Leute diese Ausflüge mit großer Freude erleben und daß sie stark die ganze Haltung der Jugendlichen bestin, men. Der Erziehungsverein hat die Wanderungen de seiner Obhut übergebenen jungen Menschen zu einer r# gelmäßigen Einrichtung gemacht. Die Auffassung, als o# die Erziehungsheime Gefängnissen glichen, wie sie sich kraß in dem bekannten Lampelschen Stück„Revolte in Erziehungshaus“ findet, ist doch wohl recht überholt. 4. Mütterschule vom 19. März bis 16. April 1930 für alse Stände im Neulandhaus, Eisenach. Bei der wachsenden inneren Not des Volkes wird inmer mehr die deutsche Frau und Mutter die einzige Mög lichkeit der Rettung. Wenn die Familie nicht gesundet kann unser ganzes Volk nicht wieder hochkommen. Zu allen Berufen erhalten Frauen Ausbildung, aber zu dem verantwortungsvollsten nur wenig: dem der Frau und Mutter. De Wichtigkeit des Familienlebens als Gesundbrunnen du Nation verlangt aber, daß dieser Beruf in seinem großen Wert und seiner hohen Aufgabe viel mehr erkannt wir), daß eine Vorbereitung dazu erfolgt. Das Neulandhau lädt daher junge Mädchen, Bräute, junge Frauen und Mütter aller Stände zum 4. Mütterschul=Lehrgang herz lich ein. Die Säuglingspflege wird an Kindern praktisch gelehrt. Alle Volksfreunde werden gebeten, unter Aufbringung kommunaler oder kirchlicher Mittel ihre Pflegebefohlenen herzusenden. Mitarbeiter: Frau Oberin Guida Diehl, Frau Prof. Helene Meyer, Seminarleiterin, Lina Lejeune, Jugendleiterin, eine Aerztin, eine Säuglingsschwester u. a. Gesamtpreis des Monats für Wohnung, Verpflegung usw. und Unterricht 110 Mark. Lehrgegenstände(der Unterricht findet in Form der Arbeitsgemeinschaft in Lehre und Besprechung statt): 1. Der Beruf der Gattin: 1. Ehe und Eherecht; 2. Die Verwaltung des Haushaltes; 3. Das Haus als Heim; 4. Haus und Volk. II. Der Beruf der Mutter: 1. Die Mutterschaft; 2. Die Säuglingspflege; 3. Kleinkind=Pflege; 4. Häusliche Gesundheitspflege; 5. Häusliche Krankenpflege. III. Das Kind: 1. Seelenkunde; 2. Erziehungskunde; 3. Beschäftigung und Spiel; 4. Die Schule. Außerdem: Gymnastik. praktische Säuglingspflege, Hausarbeit, Anfertigung von Spielzeug, Erstlingskleidung, Märchenerzählen, Kinderlieder, Festefeiern. Anmeldungen an das Neulandhaus, Eisenach, Hain weg 33. Kirche, Schule, Mission. Neuer Direktor der Rheinischen Mission. Die Deputation der Rheinischen Missionsgesellschaft hat Herr Stadtpfarrer Keppler aus Heidenheim in Württemberz zum Direktor der Rheinischen Missionsgesellschaft gewählt. Die Wahl bedarf noch der Bestätigung der Generalversammlung der Missionsgesellschaft. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. Hade waschählagen für Hotels. Restaurents. Krankenhäuser. Senatorien, Villen usw. Ialen 2000 Beamte und Arbeiter Für ein geistig etwas zurückgebliebenes, körperlich starkes, arbeitswilliges Mädchen von 16 Jahren wird in landwirtschaftlichem Betrieb Stelle gesucht. Ev. Wohlfahrtsdienst Pirna Scriba, Pfr.(Stadt Wehlen Sächs.=Schweiz) Südamerik. Maté Paraguayfee Preis: 2,80 Mk. per 1 Pd franko, excl. Nachnahme. Gustav Giehl& Sohn Sangerhausen, Hindenburgstrabe Unser Tee ist zum gl. Preise auch in Ophir erhältlich. Bethel. — Christlicher Verein junger Männer. Heute, Donnerstag 8¼ Uhr, Brüder= und Männerchor in Nazareth. Freitag 8¼ Uhr Bibelstunde über 1. Petri 1, Vers 3 fl. (Herr P. Schlatter.) — Blaukreuz=Verein Bethel. Unsere Vereinsstundt findet jetzt an jedem Donnerstag, abends 8½ Uhr, in kleinen Saale in Gosen statt. Nächste Stunde am Dostnerstag, den 30. dieses Monats. Der Vorstand. „Was ist und was bedeutet der Bolschewismus?“ Ueber dieses Thema spricht am Freitag, den 31. Januak, abends 8 Uhr, Direktor Dr. G. Müller im Jünglings saal des Assapheums in einer Versammlung des Christ lich=sozialen Volksdienstes. Auch Nichtmitglieder sin freundlichst willkommen. — Der blinde Komponist und Klaviervirtuose Hubert Pfeisser aus Barmen, hier bereits bekannt durch seine Mitwil kung bei der Elberfelder Kurrende, spielt am Mittwoch dem 5. Februar, abends 8 Uhr im Assapheum eigen Werke. Programme zu 50 Pfennig berechtigen zum Em tvitt. Vovverkauf: Telesonamt, Buchhandlung, Anstall“ post. Nr. 27. Nach Mag Dir d Führ Die( Nicht Nicht Wtrd W Die eve Der Zusam mit Anhängeri zum Christlichstimmung gefu Männer gewes doch, scheint es ganz besonder: auch die polit innerhalb dere keit des Diens Neuling im p naturgemäßne der Parteien, dem leidenschaf Unwahrhaftigk presse angewid gen: wie soll Meinungsstreit ben oder werk zwischen Mitte mußte in ihr lichen Leben n vor dem Gew endlich ist der pflicht ihr Red geordnet werd darf die Frau in der Famili Waisen und A kannt hat, so solcher Dienst i liche Meinung lichten Presse fluß der mater stischen oderr gegeben werde zucht gehärtete weichlichung e größeren Mass die Seele hand Weib und wo darf die Frau wenn es gilt, und durch BeParteilebens Volkskörpers im Namen Chi ferbereiter Arl der Gegensätze bezwingen, kö rechte Stelle, a ohne an ihrer Gelegenheit fil staltung des p. wiederholt das zialen Volksdiworden sei. N gehören nahe stätigen. Aus Kommunalwak sich besonders gesetzt hätten; schen Landtag arbeiterinnen aus Stöckers litische Tätigk den Stände u ständnis und bald auch von nerhalb des berichten habei