Evangelischen mgäste ihr In. eistlichen Vice. nrates, Herrn errn Oberkonmt. Herrn GeZerliner Stadtals Vertreter vom Evangeer Führer der erlin. nnes Weber. ht in Bielefeld. indenden Vor1 nur noch zu lung, Crüwelapfehlend hines Bibelbundes usgegeben von len, Stauteichden. Heute 8 Uhr 4 Uhr, Turnen schar in Gosen. Vereinsstunde 8½ Uhr, im unde am Doner Vorstand. ewismus?“ en 31. Januar, im Jünglingsng des Christiitglieder sind hel. ben Morija. schwarzwald), höchst d Europas. Christingsheim„Haus tlich eingerichteter ezielle Winterkuren, se. Zentralheizung i. Fließendes warWasser in allen ganze Südfront mit assen versehen. Gute Verpflegung bei 5 ättüche. Staubfreie Mäßige Preise. in), Heimvolshog, en u. 18 J. Einjahr. T arakterbildung auf entscher Grundlage. istlichem Unterricht iftlicher mit Praxis. m Solling b. Dassel, m über dem Meeresnze Jahr geöffnet. eraufenthalt, Gelekuren, Wintersport. nfragen an Sekretät R. 3. Herzog Christoph. 1. 60 Zimmer von tralheizung, Elektr. kgeld. Aufzug. 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Eine nach Tausenden und aber Tausenden zäh!de Volksmenge erwartete den zurückkehrenden Kanzler am Wiener Westbahnhof und bereitete ihm unter den Klängen der österreichischen Nationalhymne eine stürmische Huldigung. Auch die ungarische Delegation, die gestützt auf die Freundschaft Italiens— die Tributverpflichtungen bis auf 1 Prozent des gesamten ungarischen Haushaltes hinabzudrücken vermocht hatte, erfreute sich eines begeisterten Empfanges in Budapest. Aber auch in Berlin hatte man— und zwar auf dem Bahnhof Friedrichstraße— die nötigen Vorbereitungen getroffen und die ehemaligen Fürstenzimmer hergerichtet, um der heimkehrenden deutschen Delegation wenigstens ein paar offizielle Begrüßungsworte zu widmen. Aber die deutsche Delegation zog es vor, nicht erst am Bahnhof Friedrich= straße auszusteigen, sondern in aller Heimlichkeit den Zug bereits am Bahnhof Zoologischer Garten zu verlassen und sich unter starker Bewachung von Kriminalbeamten zu den Autos zu begeben, die sie in unauffälligster Weise ins Innere der Stadt brachten. Eine nicht gerade erhebende Heimkehr. Doch wen wunderts?— Es war ein zu trostloses Ergebnis, was diese Männer mit nach Hause brachten. Schon der ursprünglich in Paris vereinbarte Youngplan war unerträglich genug. Was man jedoch im Haag daraus hat machen lassen, ist ungeheuerlich. Zwar war man nach dem Haag gegangen mit der feierlichen Erklärung, eine Verschlechterung des ursprünglichen Youngplans unter keinen Umständen zuzulassen. Die Haager Verhandlungen begannen,— und die Verschlechterung des Youngplans wurde mit einer Geräuschlosigkeit in Kauf genommen, als ob man nie etwas dagegen einzuwenden gehabt hätte. Man gab ferner nicht nur in der Mobilisierungsfrage nach, sondern man erklärte sich auf Drängen Frankreichs auch mit der Tributzahlung jeweils in der Monatsmitte einverstanden, obwohl man auch in dieser Frage die Interessen des deutschen Volkes mit unbeugsamer Entschlossenheit zu verfechten ausdrücklich erklärt hatte. Man hatte ferner— übrigens ganz im Sinne Stresemanns— das deutsche„Ja“ von der restlosen Befreiung des Saargebietes abhängig gemacht,— das„Ja“ ist ausgesprochen; aber um die Befreiung des Saargebietes steht es genau so fragwürdig wie zur Zeit des Dawessystems. Die Möglichkeit neuer Sanktionen haben unsere Telegationsführer von Anfang an mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen,— heute liegt das Sanktionsprohlem für das deutsche Volk schlimmer als zur Zeit der unverblümtesten Versailler Gewaltpolitik. Der bekannte Außenpolitiker Professor Gerland=Jena schreibt:„Das Resultat der Haager Konferenz ist eine vollendete Niederlage Deutschlands. Ich glaube kaum, daß in Frankreich nach 1871 ein Ministerium auch nur 24 Stunden einen derartigen Tatbestand hätte überleben können.“ Aber um all diese Dinge— so verheerend sie für das fernere Schicksal des deutschen Volkes sein mögen— kummern sich die großen Machtstaaten der Welt schon heute nicht mehr. Die Londoner Flottenkonferenz mit ihren weltumspannenden imperialistischen Hintergründen beschäftigt wenige Tage nach der deutschen Tragödie im Haag das Interesse der offiziellen und nichtofftziellen Welt in einem ganz anderen Maße als etwa die Frage, mit welchen neuen Elendsziffern das deutsche Volk die Haager Frühstücksserie zu bezahlen haben wird. Das Schicksal eines ohnmächtigen und am Boden liegenden Einzelvolkes interessiert die großen und und freien Völker nicht. Am allerwenigsten in einem Augenblick, wo es wieder einmal um die zukünftige Sicherung des Wohlstands und der Freiheit dieser Völker geht. Denn die Londoner Flottenkonferenz ist alles andere als eine ehrliche Abrüstungskonferenz. Auch sie ist nichts anderes als eine reine Macht= und Finanzfrage. Die enormen Ausgaben der einzelnen Staaten für Rustungszwecke nämlich belasten die öffentlichen Finanden dieser Staaten in einer Weise, daß sie ein notgedrundenes Interesse daran haben, ihre Rüstungsausgaben so wen wie irgend möglich zu senken, ohne aber damit ihre Generatsuperintendent B. 70 Jahre alt. Am 30. Januar feiert der Generalsuperintendent der evangelischen Kirche Westfalens D. Zöllner in Münster i. W. unter Anteilnahme der weitesten Kreise seinen 70. Geburtstag. Der Jubilar ist ein Kind Minden=Ravensbergs. Im Jahre 1860 wurde er als Sohn eines Eisenbahn=Bremsers in Minden i. W. geboren. Sein Vater wurde bald nach Gütersloh versetzt, sodaß D. Zöllner seine ganze Kindheit und Jugend in Gütersloh verlebte. Nach Beendigung seiner Studien in Leipzig, Halle und Bonn und pfarramtlicher Tätigkeit in Gütersloh und Friedrichsdorf in der Senne, wurde er 1889 Pfarrer in Barmen=Wupperfeld. Im Jahre 1897 folgte er dem Ruf in das Amt eines Vorstehers am Kaiserswerther Diakonissenhaus. Seit dem Jahre 1905 steht er als Generalsuperintendent an der Spitze der evangelischen Kirche Westfalens. D. Zöllner ist durch seine zielbewußte Förderung der Liebes= und Wohlfahrtsarbeit der ev. Kirche in der westfälischen Inneren Mission bekannt geworden. Die große Organisation der westfälischen Frauenhilfe(160000 Mitglieder) mit ihren zahlreichen Wohlfahrtseinrichtungen ist im wesentlichen sein Werk. Die große, vorbildliche evangelische Arbeiterinnenkolonie bei Wengern verdankt ihre Entstehung seiner Initiative. Die energische Inangriffnahme sozialer Aufgaben durch die evangelischen Kirchengemeinden ist von ihm angeregt worden. Die heutige Bewegung in weiten Kreisen der evangelischen Männerund Frauenwelt mit dem Ziel einer aktiven Mitarbeit an den vielseitigen Aufgaben der Kirche wurde von ihm tatkräftig gefördert. Daß die Kirche die Mutter aller Leidenden, Unterdrückten, Elenden und Verirrten ist, wünschte er in tätigem Glauben bewährt zu sehen. So ist er einer der bekanntesten Führer der Inneren Mission der evangelischen Kirche geworden. Schon vor dem Kriege hat D. Zöllner auf die Unsicherheit der gesamten Lage hingewiesen, die sich für das deutsche Volk aus der innen= und außenpolitischen und kulturellen Konstellation und für die Kirche aus der Katastrophe des sich ankündigenden Umsturzes ergab. Er hat dann durch die Mitwirkung an der zeitgemäßen Gestaltung der kirchlichen Verfassung und durch die Klärung der inneren Position der Kirche viel zur Ueberwindung der Krise in den Nachkriegsjahren beigetragen. Sein Eintreten für die religiösen Minoritäten hat s. Zt. nicht weniger Aufsehen erregt als später sein entschlossener Kampf für die Sicherung der reformatorischen Bekenntnisgrundlage der evangelischen Kirche. In den heißen Kämpfen um ein zeitgemäßes Reichsschulgesetz wurde er als energischer Verfechter des Rechtes der Kirche auf Mitwirkung am Religionsunterricht der Kinder evangelisch kirchlicher Eltern und des Rechtes dieser Eltern auf Schulen ihres Bekenntnisses für ihre Kinder oft genannt. Er wünschte, im Rahmen der staatlichen Ordnung stets die Freiheit der persönlichen Ueberzeugung gewahrt zu sehen und forderte gegenüber jeglichem kulturellen Absolutismus den notwendigen Lebensraum zur Betätigung der freien Kräfte. Ueber Westfalen hinaus wirkte 0. Zöllner als Vorstandsmitglied großer evangelischer Reichsverbände, sowie des evangelisch kirchlichen Hilfsvereine und der„Lutherischen Konferenz“. Seit dem Beginn der internationalen Einigungsbewegung der protestantischen Kirchen hat er in ihr führend mitgearbeitet und aktiv an allen großen internationalen Kirchenkonferenzen teilgenommen. Am 1. Juli wird D. Zöllner nach fast 25=jähriger Tätigkeit als Generalsuperintendent von Westfalen nach der Vorschrift des kirchlichen Dienststellengesetzes in den Ruhestand treten. Die evangelische Kirche verliert damit einen bedeutenden und wirkungskräftigen Führer, dem sie viel verdankt.— * Wir Leute von Bethel haben besonderen Grund, unserm Generalsuperintendenten zu seinem Geburtstage Gottes Segen zu wünschen. Als Hilfsprediger in Friedrichsdorf hat er das damals noch so arme Sennegebiet Bethels, v. a. Wilhelmsdorf, als ein Gebiet angesehen dem er in der Freiheit der Liebe auch dienen dürfe. Unvergeßlich sind mir die Andachten, die der Hilfsprediger Zöllner in Wilhelmsdorf den Wanderern hielt. Es war wie ein Frühlingswehen aus dem vom Geist gewirkten Glauben und aus der Liebe heraus. Hier war Evangelisation im eigentlichen Sinne des Wortes, eine Verkündigung, die durch nichts anderes wirkte und wirken wollte, als durch die schlichte Darbietung des Evangeliums selbst. Sein tiefes Verständnis für die Diakonie führte später den Barmer Pastor nach Kaiserswerth. Die acht Jahre seiner Wirksamkeit dort waren durch die Freudigkeit eines ungewöhnlichen Arbeitseifers, dem gerade auf diesem Gebiet alles zu gelingen schien, besonders ausgezeichnet. In dem Amt des Oberhirten der evangel. Kirche Westfalens aber blieb sein Herz weiter der Diakonie zugewandt. Es wäre eine Aufgabe für sich, zu bestimmen, wie stark auch seine Gedanken über die Kirche diakonisch bestimmt sind. Seitdem er uns nun wieder in größere Nähe gerückt war, hat er auch an Bethels Freude und Leid tätig mitgetragen. An den unvergessenen Tagen der Trauer, als Vater Bodelschwingh und später sein Sohn Wilhelm begraben wurden, bot er uns den Trost des Wortes. Er freute sich andrerseits auch mit an mehr als einem Bethelfest.— So ist es ein Gruß der Liebe, mit dem wir ihm wünschen, daß eines seiner Lieblingsworte:„Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“, auch sseinen Lebensabend durchleuchten und durchwärmen möge. Wilm. nationale Schlagkraft irgendeinem gedachten Zukunftsgegner gegenüber auch nur im Geringsten zu schwächen. Ein einzelner Staat kann selbstverständlich aus finanzpolitischen Gründen seinen Rüstungsetat nicht senken, ohne sich nicht zugleich in verteidigungspolitischer Beziehung den anderen Machtstaaten gegenüber in einen höchst gefährlichen Nachteil zu versetzen. Wenn also gespart werden soll, dann müssen alle sparen,— dann müssen alle ihre Rüstungen einschränken, damit es der einen oder der anderen vertrauensseligen Nation nicht hinterher genau so wie dem gutgläubigen deutschen Michel ergeht. Man sieht ssich also gezwungen, auf einer internationalen Konferenz zusammenzukommen und eine für alle verbindliche Rüstungsbeschränkung zu beschließen. Das ist der finanzpolitische Sinn der Londoner Flottenkonferenz. Nun aber erhebt sich sofort die Frage, in welchem gegenseitigen Verhältnis die Rüstungsbeschränkungen der einzelnen Nationen erfolgen soll. Denn man wird dem weltumspannenden britischen Imperium ganz selbstverständlich eine stärkere Flotte zugestehen müssen als etwa den Japanern, die nicht so ausgedehnte Interessen zu verteidigen haben; und man wird den Italienern keine so starke Flotte zubilligen können, wie den Vereinigten Staaten von Nordamerika, die eine macht= und wirtschaftspolitische Ausweltung erfahren haben, die selbst hinter Englands Machtfülle in heiner Weise mehr zurücksteht. Man sucht also nach einem Schlüssel, der den jeweiligen Machtverhältnissen der einzelnen Seemächte gerecht werden soll. Und hier erhebt sich das machtpolitische Problem der Londoner sog. See„abrüstungs": konferenz. Denn jede einzelne der beteiligten Nationen möchte selbstverständlich eine möglichst starke Flotte haben. Es ist kein Geheimnis, daß sich England den Nachkriegsverhältnissen gebeugt und unter Verzicht auf seine traditionelle Vorherrschaft zur See dem großen nordamerikanischen Rivalen die maritime Gleichberechtigung eingeräumt hat. Nach der Fühlungnahme zwischen Mac. Donald und Hoover wird die Londoner Flottenkonferenz also von angelsächsischer Seite kaum in Frage gestellt werden. Das große a bildet vielmehr der französischitalienische Gegensatz im Mittelmeer. Italien besteht nach wie vor auf einer, den Franzosen vollkommen ebenbürtigen Flotte; aber Frankreich ist keineswegs geneigt, diesen Wünschen Italiens auch nur um Haaresbreite entgegenzukommen. Der französische Chauvinist Tardieu hat es inzwischen meisterhaft verstanden, in höchst eigener Person für den französischen Standpunkt einen gewaltigen Reklamefeldzug zu inszenieren. Er hat nicht nur gleich in der ersten Vollsitzung der Londoner Konferenz mit den üblichen französischen Verdrehungskünsten den Standpunkt Frankreichs vertreten, sondern er hat auch auf dem Festbankett im Londoner Rathaus in schmeichelhafter Weise den Engländern die„fried"fertigen Ziele Frankreichs schmackhaft zu machen sich gemüht und er hal vor allem in einer groß angelegten Rundfunkbotschaft an das amerikanische Volk auch die öfsentliche Meinung der Vereinigten Staaten von Nord amering für die franzosische These zu gewinnen versucht. Dabei muß man berücksichtigen, daß Tardieu schon in der Vorkriegszeit lange Jahre hindurch Dozent an der bekannten amerikanischen Havard=Universität war und als erster französischer Propagandabotschafter drüben in Amerika in den kritischen Jahren 1917 bis 1919 die öffentliche Meinung mit denkbar bestem Erfolg gegen Deutschland aufgehetzt hat. Ob den propagandistischen Bemühungen Tardieus auch diesmal ein Erfolg beschieden sein wird, läßt sich im Augenblick noch nicht sagen. Es gibt eine ganze Reihe englischer Zeitungen, die dem französischen Standpunkt durchaus ablehnend gegenüber stehen, ja, sogar— wie der„Daily Telegraph“— schreiben, daß„Tardien Vorbereitungen treffe, um die ganze Konferenz in Frage zu stellen“. Anderseits aber werden auch Befürchtungen laut, daß der, um einen positiven Erfolg der Konferenz übermäßig besorgte MacDonald vor dem entschiedenen Auftreten Tardieus zurückzuweichen begänne, um sich womöglich auf das französischenglische Flottenkompromiß von 1928 zurückdrängen zu lassen, das Frankreichs übersteigerten Machtwünschen derart entgegenkam, daß sich bekanntlich das verantwortliche Kabinett Baldwin=Chamberlain mit diesem Kompromiß vor der öffentlichen Meinung Englands unmöglich machte. Wir stehen allerdings diesen letzten Stimmen vorerst sehr skeptisch gegenüber; denn wir können uns nicht denken, daß MacDonald nach Amerika gereist ist und mit Hoover das Zustandekommen der gegenwärtigen Londoner Konferenz mühselig vorbereitet hat, um schließlich auf ein Abkommen zurückzufallen, das gerade auch von den Amerikanern als eine unerträgliche Bedrohung der amerikanischen Interessen empfunden und in leidenschaftlichster Weise zurückgewiesen wurde. Der Gedanke liegt nahe, daß es sich bei diesen Verlautbarungen um reine Tendenzmeldungen handelt, die darauf abzielen, Italien zu zermürben und den Machtwünschen Frankreichs gefügiger zu machen. Die Stellung Frankreichs erfährt allerdings dadurch eine nicht unwesentliche Stütze, daß es das reichste Land des europäischen Kontinents ist und infolge seiner günstigen finanzpolitischen Situation(Deutschland zahlt ja!) eine etwaige Verschärfung des internationalen Wettrüstens mit am ehesten vertragen könnte. Jedenfalls handelt es sich auch in London wieder einmal um keine ehrliche Abrüstung, sondern bestenfalls um eine Rüstungsbeschränkung, die— wie gesagt— von den internationalen Mächten nicht zuletzt aus finanzpolitischen Gründen erwogen wird. Aber man redet eben wieder einmal vom Frieden, meint aber„Sicherung für alle eventuellen Fälle". Man redet wieder einmal von Versöhnung und Verständigung und in Serajewo findet am kommenden Sonntag(den 2. Februar) die feierliche Enthüllung eines Denkmals für Gabrilo Princip, den Mörder des Erzherzogs Franz Ferdinand, statt. Sämtliche„Kultur“vereine Serajewos haben für diese Denkmalsenthüllung große Vorbereitungen getroffen. Und im Prager Abgeordnetenhaus rief am letzten Freitag der Berichterstatter des Budgetausschusses aus:„Wir werden gerne abrüsten, wenn wir sehen, daß man auch auderswo abzurüsten beginnt. Solange aber nicht von Worten zu Taten geschritten wird, werden wir uns im Interesse der Erhaltung des Friedens um eine starke und moderne Armee bekümmern müssen!“ Ganz in diesem Sinne stehen ja denn auch die tschechoslowakischen Skodawerke dicht vor ihrem Zusammenschluß Tage durch den Nordwesten Asambaras. 1. Die Reise nach Mtai. Lwandai, 18. 12. 29. Die Freunde, welche meine Reise durch Afrika verfolgen, werden schon lange auf eine Darstellung meiner Eindrücke in Usambara gewartet haben. Es ist aber eine solche Fülle von Erlebnissen auf mich eingestürmt, daß es nicht leicht ist, etwas herauszugreifen. Wenn ich heute die Leser des„Aufwärts“ an einer Viertagereise teilnehmen lasse, so glaube ich, daß sie damit ein typisches Bild gewinnen können. Ich will versuchen, die Erlebnisse dieser Reise einfach zu schildern. Am Morgen eines Freitages bestieg ich mit dem Präses der Usambaramission das Missionsauto. Auch Schwester Luise vom Hospital Bumbuli, die zur Zeit einige Erholungstage verlebt, begleitete uns, um einen neuen Teil des Landes kennenzulernen. Außer uns wurde auf dem Auto auch noch unser Gepäck untergebracht. Man muß, um in einem sonst leerstehenden Hause wohnen zu können, Matratzen, Decken usw. mitnehmen. Auch mit Kleidung muß man sich gut versorgen, denn leicht kann man hier bei einer Wanderung bis auf die Haut durchnäßt werden. Weiter muß die Verpflegung für die Tage der Reise vorher wohl bedacht sein. Es war eine köstliche Fahrt im hellen afrikanischen Morgensonnenschein. Die„Autostraße", daheim würde man sagen„der Feldweg“, führt von Lwandai aus zunächst in mächtigen Windungen immer langsam bergauf. Man braucht etwa 1½ Stunden bis man die Paßhöhe von Malindi erreicht hat. Wir konnten es allerdings in dieser Zeit nicht schaffen. Denn als wir etwa ¾ Stunden Fahrt hinter uns hatten, gab es einen Knall. Der Reifen eines Vorderrades war geplatzt. So mußten denn unser schwarzer„Treiber“(Chauffeur) und sein Gehilfe sich daran machen, einen neuen Reifen aufzuziehen. Wir gingen unterdessen zu Fuß voraus. Die Straße ist durch ihre langsame Steigung sehr bequem zu gehen. Wir freuten uns an dem prächtigen Ausblick, den man von ihr aus hat. Zu unserer Rechten breitete sich die breite, reiche Schelemulde. Wie ein Garten Gottes lag sie vor uns. Wohin wir auch schauten, überall sahen wir die Felder der Eingeborenen, die jetzt in mit der Brünner Wafsenfabrik und den Metallwerken Kolben in Prag. Amtlich sucht man diese industrielle Konzentration mit harmlosen Fabrikationsabsichten in der Kraftwagenbranche zu begründen. Aber wer den überragenden Einfluß der französischen SchneiderCreuzol=Werke bei den Skoda=Werken und die rüstungspolitischen Beziehungen der Skoda zu den polnischen und rumänischen Generalstäben kennt, der weiß, daß auch bei dieser Transaktion eine stärkere Macht die Hand im Spiel hat, als die harmlose tschechoslowakische Kraftwagenindustrie— und diese Macht heißt: Frankreich! Frankreich, das nicht nur in London mit beneidenswerter Geschicklichkeit und Ausdauer um die Beherrschung des Mittelmeer=Raumes kämpft, sondern das auch seine kontinentaleuropäische Herrschaft immer mehr auszubauen bestrebt ist, wie nun auch wieder die Vorgänge in der tschechoslowakischen Rüstungsindustrie und die wesentlich erhöhten polnischen Heeresausgaben mit aller Deutlichkeit beweisen. Der„deutsche" Pazifist Prof. Fr. W. Foerster aber schreibt in seinem Blatt:„Wir deutschen Friedensfreunde haben, solange die internationalen Bürgschaften gegen den Krieg nicht zuverlässiger ausgebaut sind, gar kein Interesse daran, daß die militärische Verteidigungskraft Frankreichs sich desorganisiert— im Gegenteil!“ Ein seltsamer„Friedens"freund!... H. Und die Saar? Von der Saar wird uns geschrieben: Der Plan, nach dem die zukünftigen Reparationszahlungen zu leisten sind, scheint fertig zu sein. Buch= und planmäßig ist festgelegt, welche Summen Deutschland als Lösegeld im Laufe der Jahrzehnte zu zahlen hat. Wir haben dadurch auch den kommenden Generationen das Leben nicht leicht gemacht. Es ist anzunehmen, daß Reichsregierung und Parlament die von den Vertretern eingegangenen Verpflichtungen anerkennen. So werden Summen von dem deutschen Volke gefordert, von denen heute kaum ein Mensch noch weiß, wo dieselben hergenommen werden sollen. Das Volk macht gewaltige Anstrengungen, um seine staatsbürgerliche und politische Freiheit wiederzuerhalten. Nun sollte man annehmen, daß auch Frankreich mit dieser Lastenübernahme durch Deutschland sich zufrieden gibt. Die Saar müßte jetzt, ohne jede Gegenkonzession, mit dem Rheinland die Freiheit erhalten. Dies wäre um so notwendiger, als die Lastenaufbringung in der Zukunft von der gemeinsamen Zusammenarbeit des gesamten Volkes abhängt. Seit Wochen sind Verhandlungen über die Rückgliederung der Saar eingeleitet. Aus den allgemelnen Erwägungen scheint man bis jetzt noch nicht herausgekommen zu sein. Liest man jedoch in den letzten Wochen hier an der Saar die Proteste und angenommenen Entschließungen, so scheinen neue Lastenaufbürdungen durchaus nicht ausgeschlossen. Man scheint auf jener Seite an eine restlose Rückgliederung des Gebietes mit all seinen wirtschaftlichen Betrieben und seinen Bodenschätzen nicht zu denken. Im Gebiet hat sich deshalb ein Gefühl der Unruhe bemerkbar gemacht. Die gesamte Bevölkerung hat seit Jahren klar und deutlich zu erkennen gegeben, daß sie auch nach der Rückder Regenzeit alle grün sind. Dazwischen leuchtete das dunkle Rot der Wege. Usambara ist wirklich„das Land der roten Erde“. Hin und her zwischen den Feldern liegen kleine Dörfer oder einzelne Hütten. Der Schambala wohnt gern für sich allein oder wenigstens nur mit wenig anderen zusammen. Schon beim Aufsteigen sahen wir viele Menschen der Höhe zustreben. Auf den schmalen und steilen Pfaden zogen ganze Scharen bunt gekleideter Menschen den Berg hinauf. Sie gingen, wie hier überall, alle hintereinander. Jeder von ihnen trug eine Last auf dem Kopfe. Oben auf der Höhe fanden wir sie schließlich alle versammelt, denn dort wurde großer Markt gehalten. Dorthin kommen die Schambala und bringen ihre Feldfrüchte zum Verkauf. Dorthin kommen auch die Leute vom Bugustamm, die Häute und Fett, die Erzeugnisse ihrer Viehzucht, zum Verkauf anbieten. Dazu waren dann noch Händler da mit Stoffen, Perlen, Arm= und Fußringen, Körben, Löffeln usw. Es war ein buntes, malerisches Bild. Die Männer tragen hierzulande entweder den langen Kansu, ein hemdartiges Gewand, oder sie kleiden sich halb europätsch. Es ist nicht gerade ein schönes Bild, wenn der Mann eine Hose trägt und darüber ein Hemd gezogen hat. Die Frauen sind in bunte Tücher gehüllt. Eins haben sie um den Leib geschlungen und über der Brust zusammengeknotet; eins haben sie über die Schulter gezogen. Uns fielen vor allem die Bugufrauen auf. Sie tragen zu beiden Seiten des Kopfes etwa 10 bis 12 große Ringe aus Glasperlen, die an einem Riemen über dem Scheitel hängen. Eine Weile hielten wir uns dort auf, um die Leute zu beobachten, mit ihnen zu reden oder auch das eine oder andere zu kaufen. Jetzt endlich— es mochten 1½ Stunden vergangen sein— holte uns unser Auto wieder ein. Von Malindi aus, so heißt die Paßhöhe, die 1800 Meter hoch llegt, vogen wir nun von der großen Straße ab und nahmen unsere Richtung nach Nordwesten. Nachdem wir einen dichten Wald von Geberakazien auf schmalem Wege durchkreuzt hatten, kamen wir ins Buguland. Hier wohnen zumeist Leute, die Bugu oder Pare sprechen. Aber auch einzelne Schambala sind unter ihnen. Besonders die Bugu mit ihren hohen Gestalten und schmalen Gesichtern kann man gar leicht von den kleineren und zierlicheren Schambala unterscheiden. Unterwegs wurde 2 mal gehalten. Zuerst geschah das bei dem Dörflein Mtindill. Dort befindet sich eine kleine gliederung gewillt ist, Frankreich die notwendigen Kohlen zu liefern. Es erscheint dies in Anbetracht der gegenwärtigen Weltkohlenlage sogar wünschenswert. Die Produktion dieses Gebietes kann nicht in vollem Umsange in der deutschen Wirtschaft ohne Schädigung der anderen Kohlengebiete untergebracht werden. Eine Kohlenah. nahme durch Frankreich ist daher notwendig. In absehbarer Zeit wird man sich auch dort von fremder Kohle unabhängig machen. Lothringen zieht neben einer gewaltigen Eisenindustrie auch eine starke Kohlenproduytion groß. Im Jahre 1913 wurden in den lothringer Gruben nur 3,7 Millionen Tonnen gefördert. Diese Produktion wird wohl im Laufe des letzten Jahres annähernd 6 Millionen Tonnen erreichen. Ein großer Teil dieser Förderung wird wahrscheinlich schon jetzt auf deutschem Gebiet, von den Kohlenschätzen des Warndtgebietes. gewonnen. Bekanntlich hat Frankreich hart an der Grenze zwischen Saar und Lothringen Kohlenschächte abgeteuft, um von hier aus durch unteridische Querschläge und Grundstrecken an diese reichen Kohlenlager des gesamten Gebietes heranzukommen. Gegen dieses Vorgehen wurde deutscherseits Protest erhoben. Ein Erfolg ist bis heute ausgeblieben. Schon jetzt beschäftigt der Bergbau in Lothringen über 28000 Menschen. An der weiteren Entwickelung der Betriebe ist nicht zu zweifeln. Es ist deshalb schon jetzt die Zeit vorauszusehen, in der die Kohlenförderung des Lothringer Gebietes an diejenige der Saar herankommt. Es entsteht der Saarkohle dadurch eine nicht zu unterschätzende Konkurrenz. Im Interesse der heimischen Bevölkerung ist es unbedingt erforderlich, so zu handeln, wie dies in den Protesten und Entschließungen zum Ausdruck gekommen. Eine andere Handlungsweise ist nicht geeignet, ein friedliches Nebeneinanderleben der beiden Völker zu gewährleisten. Zollpolitisch gesehen können die Schwierigkeiten kaum so groß sein, daß dieselben eine frühzeitige Rück. gliederung nicht ermöglichten. Man wird nach dieser Zeit nicht verhindern können, daß die Grenzgebiete ihre Wa ren austauschen. Die landwirtschaftliche Produktion des Lothringer Gebietes kommt seit Jahren auf die Märkte der Saar. In der Textilbranche sind die gleichen Erscheinungen. Was die Saarbevölkerung aber verlangt, ist, daß in Zukunft die Zufuhr von Waren sich in erträglichen Grenzen hält. Die Landwirtschaft des Gebietes befindet sich in der größten Notlage. An der Saarbrücker Produktenbörse ist der Preis des Doppelzentner französischen Roggens von 135 Franken Mitte Januar 1929 auf 93 Franken zu Anfang dieses Jahres gesunken. Erfreulicherweise ist seit längerer Zeit die Zufuhr deutscher Waren in ständigem Steigen. Selbst wenn die Rückgliederung der Saar noch einige Jahre auf sich warten läßt, dürfte der Höhepunkt des Absatzes französischer Waren überschritten sein. Eine Verschleppung der Verhandlung kann auch hier nicht im Interesse Frankreichs liegen. Ob seine Geschäftsreisenden beim Abwarten der Vertragsdauer noch im Gebiet den Absatz finden, den sie heite haben und der auch in erträglichen Formen weiter garantiert werden soll, ist sehr fraglich. Bei einer vernünftigen Abwägung der Verhältnisse kann eine baldige Rückgabe der Saar nur den Interessen Frankreichs dienen. Die Zeit arbeitet in diesem Falle für Deutschland. Je länger man die Angelegenheit hinauszieht, um so weniger wird Frankreich erhalten. Darüber ist sich der französische Außenminister längst klar gewo den. Je höher die Forderungen gestellt werden, um so Christengemeinde. Als wir auf dem Wege, den siefer uns frisch gesäubert hatten, hinunterstiegen, sahen wir die Glieder dieses Gemeindleins schon vor ihrer Schule, die zugleich als Kapelle dient, stehen. Mit Gesang begrüßten sie uns. Ihre Augen leuchteten. Nur selten können sie ja in ihrer Abgelegenheit besucht werden. Zutraulis) streckten Männer und Frauen und selbst die große Schar der niedlichen schwarzen Kinder ihre Hände zum Gruß uns entgegen. Wir gingen mit ihnen allen in das kleine Kapellengebäude. Es ist ein viereckiges Bauwerk. Die Wände sind aus Stangengerüst aufgeführt und mit Lehm verklebt. Das Dach ist mit den Blattscheiden der Bananen, mit sogen. lamba, gedeckt. Dort drinnen konnte ich ihnen die Grüße der Christen in Deutschland überbringen und ihnen ein kurzeo Wort der Ermunterung sagen. Es wurde mit großer Aufmerksamkeit und viel Dank entgegengenommen. Zum Schluß mußte mein Name mit Kreide an die Wandtafel geschrieben werden, damit jeder ihn behalten könne. Es ist ja für die schoarzen Leute nicht leicht, ihn auszusprechen. Wir konnten nur kurz verweilen, wenn wir unser Ziel erreichen wollten. Die ganze Gemeinde begleitete uns den Berg hinauf bis an den Platz, wo unser Auto stand. Nach alter Schambalasitte wurde uns als Gastgeschenk ein Huhn und ein paar Eier mitgegeben. Noch eine zweite Gemeinde besuchten wir unterwegs. Auch hier galt es erst in ein Tal hinabzusteigen und dann auf der anderen Seite wieder in die Höhe zu klimmen, bis wir in Langwi waren. Hier waren die Schulkinder in der Schule versammelt. Das war eine gute Gelegenheit, um ihre Kenntnisse und die Fähigkeit des Lehrers und Gemeindeletters im Unterrichten zu prüfen. In sen kleinen„Buschschulen“ werden die elementaren Kenntnisse in Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Hiet werden die biblischen Geschichten in die Kinderherzen und auf diese Weise unter das Volk gebracht. Wir freuten uns an dem frischen Eiser, mit dem sie alle bei der Sache waren. Als ich ihnen von den weißen Kindern Europas erzählte, hörten sie gespannt zu. Daß solche Kinder 8 und mehr Jahre in die Schule gehen müssen, erregte großeErstaunen. Nach dieser Schulprüfung sammelten wir die wenigen anwesenden Männer und Frauen, um kurz mi ihnen zu singen und zu beten. Solch ein Besuch ist immer eine besondere Stärkung dieser zerstreuten lein in ihrem Kampfe. Fortsetzung folgt.) nehr Widerstand finden. 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Ein Ort reiht sich an den anderen„Die Bevölkerung hat durch Fleiß und Sparsamkeit sich im Laufe der Jahrzehnte eine Heimat geschaffen, an der sie hängt. Deutsche Kultur hat sich trotz aller Vernichtungsversuche gehalten. Der nationale Gedanke feierte seine Siege. So bildeten die Menschen der Saar einen unerschütterlichen Wall gegen alles Fremde. Die Menschen in diesen Gebieten zu halten, ihnen einen wirtschaftlichen Boden zu bereiten, auf dem eine weitere Vermehrung der Volksglieder möglich, ist Grenzlandpolitik. Die Saarbevölkerung hofft, daß die Reichsregierung den Ernst dieser Situation erkennt und die Handlungsweise entsprechend einrichtet. G. Die Zoungplan=Gesetze. Schacht bleibt Reichsbankpräsident. — Berlin, 29. Januar. In den letzten Besprechungen der Reichsregierung mit den Führern der Fraktionen ist es zu einer Verständigung über die Verabschiedung der Gesetze zur Ausführung des„Neuen Planes“ gekommen. Danach werden die Ausschüsse des Reichsrats, der Vertreterversammlung der deutschen Länder, unter Verkürzung der Fristen die Beratung des Young=Gesetzes noch in dieser Woche beenden, so daß die Verabschiedung der Vorlage bereits am Sonnabend in einer Plenarsitzung des Reichsrats erfolgen kann. Der Reichstag soll sich, vorbehaltlich der Zustimmung des Aeltestenrats, am 5. und 6. Februar in erster Lesung mit den Gesetzen befassen, nachdem am Tage zuvor die Fraktionen sich über ihre Haltung schlüssig geworden sind. Nach der ersten Lesung wird sich der Reichstag cuf einige Tage vertagen, um zunächst dem Haushaitsausschuß und dem Ausschuß für Auswärtige Angelegenheiten Gelegenheit zur Prüsung der Einzelheiten der Young=Gesetze zu geden. Für die zweite und dritte Lesung des Haager Vertragswerks ist vorläufig der 14. und 15. Februar in Aussicht genommen. Möglich ist die Ausführung dieses Eilprogramms natürlich nur dann, wenn die Fraktionen der Regierungsparteien sich ohne größere Schwierigkeiten über den Inhalt der Young=Gesitze verständigen. Meinungsverschiedenheiten und Krisen würden natürlich alles über den Hausen rennen. Offen ist augenblicklich auch noch die sogenannte Reichsbankfrage, doch hat es den Anschein, als rungen des Reichsbankgesetzes hinausgehende Maßnahmen zur Verstärkung des Reichseinflusses auf die Reichsbank zu treffen, haben im Kabinett und bei den übrigen Fraktionen keinen Anklang gefunden. Zwar ist auch in den auf dem linken Flügel stehenden bürgerlichen Fraktionen Kritik an dem Vorgehen des Reichsbankpräsidenten geübt worden, doch lag diesen Parteien mehr daran, Wiedrholungn auszuschalten, als Schacht zum Rücktritt zu zwingen. Bestimmend dafür war die Ueberlegung, jede Beunruhigung zu vermeiden. Praktisch liegen die Dinge jetzt so, daß jede Fraktion grundsätzlich auf ihrem Standpunkt verharrt, wobei es den Sozialdemokraten freisteht, im Reichstag einen Antrag auf weitere Abänderungen des Reichsbankgesetzes einzubringen. Ueber die Formulierung eines solchen Gesetzentwurfes dessen materieller Inhalt der ist, daß mit der Verpflichtung der Reichsbank auf den „Neuen Plan“ eine neue Amtsperivde des Reichsbankpräsidenten beginnt wurde am Dienstag in der sozialdemokratischen Fraktion verhandelt. Erfolg wird einem solchen Antrag aber angesichts der Parteikonstellation im Reichstag nicht beschieden sein. Begnügen sich die Sozialdemokraten nach der Ablehnung ihres Antrags damit,„rechtzeitig gewarnt" zu haben, dann ist die Reichsbankfrage damit erledigt. Im Reichstag steht man unter diesen Umständen das weitere Verbleiben des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht als gesichert an. Die Abänderungen des Reichsbankgesetzes, die durch das Haager Abkommen bedingt sind, berühren die Unabhängigl it der Währungs=, Diskont= und Kreditpolitik der Reichsbank nicht. Sie beseitigen vielmehr den einer großen Nation unwürdigen Zustand, daß in den maßgebenden Instanzen ihrer Zentralbank Ausländer Sitz und Stimme haben und gewähren darüber hinaus dem Ri he für die Zukunft bedeutsame Rechte bei der Wahl eines neuen Reichsbankpräsidenten. Wer gehofft hat, im Zusammenhang mit der Ersetzung des Dawes= durch den Youngplan großer Steuersenkungen teilhaftig zu werden, sieht sich setzt darin enttäuscht. Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer hat in seiner letzten Rede vor dem Reichstag zwar noch betont, daß die Reichsregierung nach wie vor für die Tilgung der Schulden und für die Senkung der Steuern Sorge tragen will, aber er erklärte auch, daß die Schuldentilgung, soweit sie für die Bereinigung der Kassenlage erforderlich ist, das Primäre sI. Das bedeutet, daß für das laufende Jahr mit den von der Wirtschaft so dringlich geforderten und sanz gewiß dringend notwendigen Steuersenkungen kaum noch zu rechnen ist. auf Steuersenkungen nur ein vorübergehender sein kann. Für die Zukunft müssen gerade die Momente die Steuersenkung erleichtern, die sie jetzt erschweren: die Ordnung der Kassenverhältnisse. Das Plenum des Reichstags hat sich am Dienstag nach Verabschiedung des Zündholzgesetzes bis zum 5. Februar dertagt. Go verbleidt damit bei den geroffenen Dispositionen, nach denen vor der Verabschiedung der Young=Gesetze andere Vorlagen nicht Bearbettung genommen werden sollen. Seine Begründung findet dieser Entschluß darin, daß angesichts der Wichtigkeit der Young=Gesetze eine Ueberlastung des Parlaments durch die gleichzeitige Behandlung anderer Vorlagen untunlich ist. Mit 240 gegen 145 Stimmen, bei sieben Enthaltungen. Vertagung des Pleuums bis 5. Februar. — Berlin, den 28. Januar 1930. Der Reichstag beschäftigte sich heute in dritter Lesung mit dem Gesetzentwurf über die Einführung eines Zündholzmonopols. Die Aufmerksamkeit des Parlaments war während der letzten Debatten nur noch gering, weil an der Annahme des Gesetzes nicht mehr zu zweifeln war. In der Schlußabstimmung wurde das Zündholzmonopolgesetz mit 240 gegen 145 Stimmen, bei 7 Enthaltungen der Demokraten, augenommen. Der Reichstag überwies dann noch einige kleinere Vorlagen an die Ausschüsse und vertagte sich dann aus Mittwoch, den 5. Februar. * In der albgemeinen Aussprache beschäftigte sich Abg. Hergt(Dntl.) mit der Kassenlage und erklärte, die Wirtschaft sehe mit großer Sorge in die Zukunft. Zu begrüßen sei die Erklärung des Ministers, daß in den Reichsfinanzen nun endlich Ordnung geschaffen werden müsse. Bei den Verhandlungen über den Youngplan habe man die Lage der deutschen Finanzen nicht genügend betont. Abg. Schlack(Ztr.) verteidigte die in der Vorlage enthaltenen Sonderbestimmungen zu Gunsten der Konsumgenossenschaften. Abg. Schröter=Merseburg(Komm.) bekämpfte das Gesetz. Damit war die Aussprache beendet. Es folgte die oben bereits wiedergegebene Abstimmung. An die zuständigen Ausschüsse überwiesen wurden das Beamtenvertretungsgesetz, Anträge gegen Erhöhung der Berliner Stadtbahntarise und der volksparteiliche Antrag, der um Maßnahmen zur Hebung der Roggenpreise ersucht. * Vor der Vertagung des Reichstags versammelten sich noch einmal die Fraktionen. Die Erörterungen erstreckten sich in der Hauptsache auf die politische Lage und die interfraktionellen Besprechungen über die Reichsbankfrage. In der Fraktion der Deutschen Volkspartei erstattete Reichsaußenminister Dr. Curtius einen Bericht über die im Haag getroffenen Vereinbarungen in der Sanktionsfrage. Arbeitsprogramm der Ausschüsse. Der Strafrechtsausschuß des Reichstags beschloß auf Antrag seines Vorsitzenden, Dr. Kahl, die zweite Lesung des Gesetzes zum Schutze der Republik und zur Befriedung des politischen Lebens am 4. Februar vorzunehmen. Der Sozialpolitische Ausschuß, der sich gleichfalls mit der Beratung seines Arbeitsprogramms befaßte, wurde sich dahin schlüssig, zunächst über das Berufsausbildungsgesetz zu verhandeln. Weiter wurde der Wunsch geäußert, daß das Rentnergesetz beschleunigt dem Reichstag vorgelegt werden möge. * Das Zündholzmonopol vom Reichdrat angenommen. — Berlin, 29. Januar. Der Reichsrat genehmigte in seiner letzten Vollsitzung endgültig den Gesetzentwurf über das Zündholzmonopol. Am Freitag wird sich der Reichsratsausschuß mit dem Youngplan befassen. Am Sonnabend wird dann der Reichsrat in seiner Vollsitzung darüber beschließen. teilen, daß sie erst frühestens am heutigen Mittwoch abschließend Stellung nehmen könne. Ueber den Verlauf der Verhandlungen war ihres vertraulichen Charakters wegen nichts in Erfahrung zu bringen. Wie verlautet, besteht jedoch in der volksparteilichen Fraktion starke Abneigung gegen die Stellung lediglich eines Ressortministers und eines Ministers„ohne Portefeuille und Portemonnaie“. In der soztaidemokratischen Fraktionssitzung sold eine starke Mißstimmung über die Haltung der demokratischen Fraktion zum Ausdruck gekommen sein. Aber auch hier sprach man sich für die Fortsührung der Verhandlungen aus. In parlamentarischen Kreisen umlausende Gerüchte schreiben dem Ministerpräsidenten die Absicht zu, eine rasche Entscheidung herbeiführen zu wollen und zwar derart, daß er die Erweiterung des Kabinetts von sich aus vornimmt und es dann den Fraktionen überläßt, die Ernennungen zu billigen oder ihre Zustimmung zu weigern. der Gewerkschaften. Zur Lohn= und Steuerpolitik.— Für Kapitalnenbildung von unten. — Berlin, 29. Januar. Der Reichsausschuß des Gewerkschaftsringes deutscher Arbeiter= Angestellten und Beamtenverbände genehmigle eine ihm vorgelegte Denkschrift zur Lohn= und Steuerpolitik. Darin heißt es, die notwendige Umstellung der Wirtschafts= und Finanzpolitik, insbesondere die endgültig Verteilung der Reparationslasten, müsse unter Berücksichtigung der Interessen aller Volksschichten erfolgen. Die Notwendigkeit verstärkter Förderung der Kapitalneubildung erkenne der Gewerkschaftsring an, Kapitalmangel ziehe Mangel an Beschäftigungsmöglichkeiten nach sich. Zu fördern sei insbesondere aber auch die Kapitalneubildung von unten. Zwischen dem notwendigen Kapitalbedarf zum Ausbau der Produktion und dem Verbrauchseinkommen zur Aufnahme der sich ständig ausdehnenden Gütererzeugung sei ein gerechter Ausgleich notwendig. Für die Formulierung eines neuen Finanzpro= gramms werden folgende Forderungen aufgestellt: Beseitigung der Benachteiligung der Arbeitnehmer bei den direkten Steuern; Differenzierung der Höhe des einkommensteuerfreien Betrags nach den örtlichen Verhältnissen: Genkung der Umsatzsteuer auf einhalb Prozent; Erhöhung der Erbschaftssteuer; Hinausschiebung der Ermäßigung der Aufbringungslast der Industrie um ein Jahr; Einführung einer Verbrauchseinkommensteuer. Im übrigen spricht sich die Denkschrift noch für den Einbau eines beweglichen Faktors in das Grmeindesteuersystem aus. Die in letzter Zeit eingetretene Verteuerung der Lebenshaltungskosten müsse durch Gehalts= und Lohnverbesserungen ausgeglichen werden. Trotz aller konjunkturellen Lähmungen, unter deren Druck sich die deutsche Wirtschaft heute, im Gegensatz zur Hochkonjunktur von 1927, befinde, dürfe die Tatsache festgestellt werden, daß die deutsche Wirtschaft im ganzen sich weiter aufwärts entwickelt habe. Noch keine Klärung in Preußen. Vor der Entscheidung der Volkspartei.— Erweiterung der Rezierung ohne Bejragung der Fraktionen? — Berlin, 29. Januar. Die Verhandlungen über die Erweiterung der preußischen Rezierung wurden weitergeführt, ohne daß die Beratungen zum Abschluß gebracht werden konnten. Die Praktion der Deutschen Volkspartei, vie der Ministerpräsident Braun aufgeforvert hatte, ihm bis Dienstag abend ihre Entscheidung bekanntzugeben, beem Miniz= schränkte sich varauf, dem stervräsidenten mitzuHandel mit Rußland. Presseempfang in der russischen Handelsvertretung. — Berlin, 29. Januar. Der neue Leiter der russischen Handelsvertretung in Berlin, I. E. Ljubimow, der zugleich stellvertretender Volkskommissar für den russischen Außen= und Innenhandel ist, stellte sich in Berlin der deutschen Presse vor. Ljubimow gab zunächst einen Ueberblick über die Aufgaben der Handelsvertretung und die Wirtschaftspläne Rußlands. Der neue russische Fünfjahresplan, so erklärte er, sehe zugleich mit einer umfassenden Industrialisierung eine Erwetterung der Einfuhr aus dem Auslande vor. Dabei stehe Deutschland an erster Stelle; der Handelsvertrag und die bisherigen Wirtschaftsbeziehungen hätten sich als erfolgreiche Grundlage weiteren Warenaustausches herausgestellt, deutsche Technik fände ein Arbeitsfeld in Rußland und werde trotz des anderen ausländischen Wettbewerbs und mancher noch bestehenden Schwierigkeiten ihren Wert erweisen. * Rußland braucht dentsche Sachverständige — Moskau, 29. Januar. Die russische Gesellschaft für„Kultur und Technik“ eröfsnete in Moskau besondere wirtschaftspolitische Kurse für die in der Sowjetunion beschäftigten deutschen Spezialisten. Die Vorlesungen werden von russischen Fachleuten in deutscher Sprache über das sowjetrussische Zivil= Kriminal= und Industrierecht, ferner über die Wirtschaftspolitik und über den fünfjährigen Aufbauplan gehalten. Zur Eröffnung der Kurse war auch der deutsche Botschafter von Dircksen erschienen. Die auf diesen Kursen gehaltenen Vorlesungen werden stenographisch aufgenommen und nach Beendigung allen deutschen Spezialisten in der Sowjetunion zugestellt werden. In seiner Eröffnungsansprache erklärte der Vorsitzende der Gesellschaft, Stomonjakow, die Sowjetunion werde im Zusammenhang mit der fortschreitenden Industrialisierung immer mehr ausländische Spezialisten, insbefonvere deutsche, benötigen, da der Nachwuchs rufsischer Spezialisten den Bevarf nicht vecken könne. Abstimmungen im Zum Forsthaushalt und zum Etat der Vergverwaltung.— Das Ministerium soll bäuerliche Domänen schaffen. — Berlin, den 28. Januar 1930. Der Preußische Landtag beendete heute die zweite Lesung des Haushalts der Domänenverwaltung und nahm die Abstimmungen zum Etat der Forst= und der Bergverwaltung vor. Erledigt wurde ferner die Beratung des Haushalts der Oberrechnungskammer, der Haushalt der Staatsschuld, der Etat der Münzverwaltung und der Haushalt des Reichs= und Preußischen Staatsanzeigers. Die Abstimmungen wurden zurückgestellt. Abg. Wachhorst de Wente(Dem.) wünschte weitgehendstes Entgegenkommen gegenüber den Domänenpächtern. Bei den Liquidationsverhandlungen müsse darauf gesehen werden, daß Polen sich seiner Verpflichtung zur Entschädigung des lignidierten Eigentums nicht entziehe. Das Staatsministerium solle endlich wieder mehr Bauerndomänen schaffen. Abg. Biester(Dt. Frakt.) setzte sich insbesondere für die kleinen Domänenpächter ein. Es sei bedauerlich, daß notwendige Arbeiten auf den Domänen wie Meliorationen usw. aus Mangek an Mitteln nicht ausgeführt werden könnten 90 Pl. Landwirtschaftominister Dr. Greiter wies die in der Aussprache ausgesprochene Auffassung, daß Preußen sich beim Reich nicht so stark für seine besetzten Gebiete eingesetzt habe wie Bayern und Hessen, als unzutreffend zurück. An Hand umfangreichen Zahlenmaterials wies er im einzelnen nach, welche Beträge den preußischen Bädern im besetzten Gebiet zugeflossen seien. Im Landwirtschaftsministerium habe er schon im stillen eine Art Verwaltungsreform durchgeführt. Dahin gehöre 1.., daß den nachgeordneten Stellen erlaubt sei, Tauschoder Kaufgeschäfte dis 5000 Mark selbständig zu führen. Augenblicklich schwebten Verhandlungen über die Einrich= tung weiterer Beispielswirtschaften im Osten. Abg. Dr. Rhode(Wirtschp.) forderte Hilfe für die mittelständlerische Industrie der Krugdäcker und für das Bad Homburg v. d. H. 6 M6r 4#. Minister Dr. Steiger äußerte sich üver dir arbeiten für den Ausbau der Kuranlagen in Bad Homburg. Abg. Baccker(Dntl.) wandte sich gegen die Bestimmung des deutsch=polnischen Liquldationsabkommens, wonach Poen die Entschädigungspflicht für das abgetretene Staatseigentum erlassen werde. Es handele sich dabei um Werte von 2½ Milliarden. Hierauf wurde die Weiterberatung zwecks Vornahme der Abstimmung zu den Haushalten der Forst= und Vergverwaltung unterbrochen.„ Beim Forstetat wurden zahrreiche Antruge angenommen, die u. a. Mittel für die Wiederaufforstung der Eulenfraßgebiete verlangen, sowie eine schärfere Handhabung der Forst= und Feldpoltzeigesetze und einen verstärkten Zollschutz für Schnittholz und Erzeugnisse der holzverarbeitenden Industrie. Hhausehal.“ daun vorgenommenen Abstimmungen zum .=hräutun angenommenen Anträge verlangen u..: schräntung des polnischen Einfuhrkontingents für Kohlen auf ein Maß, das den schwer leidenden schlesischen Kohlenrevieren die Lebensmöglichkeiten sichert. Bei den Verhandlungen über die Rückgliederung des Saargediets soll mit allem Nachdruck dahin gewirkt werden, daß die Saargruben und die dortigen Kohlenseldee ungeschmäbert in den alleinigen Besitz Preusens und Bayernt zurückgelangen. Zahlreiche andere angenommene Ausschußanträge fordern Maßnahmen zur erhöhten Sicherheit der Bergarbeiter. Im niederschlesischen Steinkohlenbezirk soll eine schärfere Ueberwachung der Wetterführung vorgenommen werden. Weiter sollen die dem Erzbergbau im Sieg=, Dill= und Lahngebiet gewähkten Subventionen für längere Zeit erhalten bleiben. Der volksparteiliche Antrag, die für Schleswig=Holstein vorgesehene Akademie statt in Altona in Fleusburg zu errichten, wurde mit 169 Stimmen gegen 140 Stimmen abgelehnt. In der fortgesetzten Aussprache zum Tomänenhaushalt trat Abg. Ponsick(Christl.=Nat. Bauernp.) für die Errichtung von Bauerndomänen ein. Landwirtschaftsminister Dr. Steiger erklärte, die Forderung nach Errichtung weiterer bäuerlicher Domänen sei berechtigt. Den aus Rußland abgewanderten Deutschen solle größtes Entgegenkommen gezeigt werden, allerdings nicht ohne Gegenleistung: notfalls müßten sie als Pächter angesetzt werden. Der Landtag erledigte dann noch die zweite Lesung der oben wiedergegebenen Haushaltsgesetze und vertagte sich danach auf Mittwoch. Auf der Tagesordnung stehen Abstimmungen und die zweite Lesung des Wohlfahrtshaushalts. Politische Rundschau. Allgemeines Kirchengebet für die russischen Christen. Der Präsident des deutschen evangelischen Kirchenausschusses, D. Kapler, hat den Landeskirchen zur Erwägung anheimgegeben, ihre Gemeinden zur Fürbitte für die Glaubensgenossen und für die anderen Kirchen in Rußland aufzurufen und insbesondere die Einstellung einer entsprechenden Fürbitte in das sonntägliche Kirchengebet zu veranlassen. :: Aufruf Mahrauns für die„Volksnationale Reichsvereinigung.“ Der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, Artur Mahraun, wendet sich in einem Aufruf an die„deutschen Volksgenossen aller Stände“. und fordert auf zum Beitritt zur„Volksnationalen Reichsvereinigung. Als deren Ziele werden angegeben: Bildung einer großen Partei der nationalen Erneuerung, Lockerung des Fraktionszwanges, so daß ehrlich und offen im Parlament zu der jeweiligen Vorlage Stellung genommen werden kann; Kampf gegen Marrismus, Plutokratie und antisoziale Gesinnung; durchgreifende Reichs= und Wahlrechtsreform. Der Aufruf enthält eine große Anzahl von Namensunterschriften, deren Träger jedoch bisher in der Oefsentlichkeit nicht hervorgetreten sit d. :: L a n d r a t G o t t h e i n e r= J o h a n n i s b u r g z u r D i s p o sition gestellt. Das preußische Staatsministerium hat den Landrat des Kreises Johannisburg, Gottheiner, in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Der Grund für diese Maßnahme soll darin zu erblicken sein, daß Landrat Gottheiner, obwohl er als politischer Beamter die Politik der“ zierung zu vertreten hat, sich führend für das Vorksbegehren eingesetzt habe. :: Die Veröffentlichung des deutsch=polnischen Liquidationsabkommens durch die Presse betraf, wie amtlich festgestellt wird, nur den Teil des Vertragswerks, der im Haag niedergelegt wurde. Die Veröffentlichung des Gesamtwerks erfolgt erst nach Abschluß der gegenwärtig noch schwebenden Verhandlungen. Die Berliner Finanzkatastrophe. — Berlin, 29. Januar. Der Haushaltsausschuß des Berliner Stadtparlaments hat sämtliche Steuervorlagen des Magistrats abgelehnt, also die Erhöhungen der Gewerbesteuer, der Lohnsummensteuer und der Grundvermögenssteuer. Aber auch die Vorlagen auf Streichungen und Vordatierungen auf den kommenden Haushaltsplan wurden abgelehnt. Angenommen wurde Jngegen der Vorschlag, eine Wohnungsluxussteuer einzuführen. Hierüber soll der Magistrat Vorschläge ausarbeiten. Der Vorschlag einer Hausangestelltensteuer wurde dagegen abgelehnt.— Der Magistrat muß nun versuchen, wenn er ein Einschreiten der Aufsichtsbehörde vermeiden will, neue Vorschläge zu machen, um die städtische Finanzkatastrophe nicht noch weiter zu führen. Aufwärtsleser in Mecklenburg, die Interesse für die Arbeit des Christlich=sozialen Volksdienstes haben, werden gebeten, ihre Anschrift an Lic. Dr. A. Jepsen, Rostock, Patriotischer Weg 101, mitzuteilen. Die Lage bei der Reichsbahn. — Berlin, 29. Januar. In der laufenden Tagung des Verwaltungsrates der Deutschen Reichsbahngesellschaft wurde mitgeteilt, daß nur ein kleiner Teil des ungedeckten Bedarfs der Betriebsrechnung, jährlich etwa 17 Millionen Reichsmark, durch die am 1. Februar eintretende Erhöhung der Berliner Stadtund Vororttarife voraussichtlich gedeckt werden. Die Vereinbarungen im Haag gäben aber Aussicht auf eine Erleichterung der Lage. Die oberschlesische Montanindustrie gegen die Vollendung des Mittellandkanals. — Gleiwitz, 29. Januar. Die oberschlesische Kohlen= und Eisenindustrie fordert in einer Eingabe an den Reichskanzler die Einstellung der— von den westlichen Gebieten begrüßten— Bauarbeiten am Mittellandkanal. Durch die Fertigstellung des Mittellandkanals, so heißt es in der Eingabe, würden die Wettbewerbsverhältnisse der Industrie des Ostens beeinträchtigt. Der oberschlesische Bergbau würde die wichtigsten Teile seines Absatzgebietes verlieren und damit in seiner Existensgrundlage ernstlich bedroht werden. Eine Beschäftigung von etwa 84000 Arbeitnehmern stehe auf dem Spiel. Vereinigung. Gründungsversammlung im ehemaligen Herrenhaus.— Das Programm der neuen Vereinigung. Im ehemaligen Herrenhaus in Berlin fand die Gründungsversammlung einer Volkskonservativen Vereinigung statt. Die Vereinigung wird gebildet aus den aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgeschiedenen Abgeordneten, aus den Mitgliedern des Christlich=sozialen Volksdienstes und aus Angehörigen der Christlich=nationalen Bauern= und Landvolkpartei. Gleichzeitig tritt die neue Vereinigung mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit, der die christlich=konservativen Gesichtspunkte und den Wehrgedanken, sowie die Arbeit „auf der Grundlage der geltenden Verfassung" betont und den Satz enthält:„Wir werden die Notwendigkeit sichtbar machen, daß Parteien einander nicht nur zu bekämpfen, sondern mit dem Blick auf das Ganze auch zu ergänzen haben.“ Zum Vorsitzenden der Volkskonservativen Vereinigung ist der Reichstagsabgeordnete Treviranus, zum Vorsitzenden des mit ihr eng verbundenen Christlichsozialen Volksdienstes der Reichstagsabgeordnete von Keudell bestimmt. Die Weizenvermahlungsquote. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß stimmt dem erhöhten Vermahlungssatz zu. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags äußerte sich zustimmend zu der ihm zur gutachtlichen Aeußerung vorgelegten dritten Verordnung über die Erhöhung der Sätze für die Vermahlung von inländischem Weizen, wonach jede im deutschen Zollgebiet liegende Mühle, die ausländischen Weizen vermahlt, im Februar 1930 von der Weizenmenge, die sie in diesem Monat vermahlt, mindestens 50 Prozent Inlandsweizen zu vermahlen hat. Dagegen stimmten die Sozialdemokraten und Kommunisten. Rundschau im Verurteilung deutscher Kolonisten in der Ukraine. * Der Oberste Gerichtshof der Sowjetunion in der Ukraine hat die deutschen Kolonisten Wolker und Merk wegen„bolschewistenfeindlicher Propaganda“ zu vierjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Ein führendes Mitglied der russischen Emigranten in Paris verschwunden. * Unter den russischen Emigranten in Paris herrscht große Aufregung. Ein führendes Mitglied der russischen Kolonie, General Kutipow, ist unter geheimnisvollen Umplötzlich verschwunden. Am Sonntag wollte er seiner Wohnung aus in das Bureau der Kriegsvereinigung begeben, ooch kehrte er von diesem Gang nich wieder zurück. Primo de Rivera zurückgetreten? — Paris, 29. Januar. Der„Temps“ veröffentlich eine telephonische Meldung aus Spanien, wonach Prima de Rivera bereits seinen Rücktritt angeboten habe; das Gesuch sei vom König schon angenommen. Primo dRivera hätte damit dem Ausgang der von ihm selbs in die Wege geleiteten Aktion vorgegriffen. Diese Mut, teilung wird vom„Temps“ allerdings unter allen Vorbehalt wiedergegeben. Die Soldaten=Verhaftungen. Ausdehnung der Untersuchung über die kommunistischWerbung im französischen Heer. Die Aufdeckung der kommunistischen Werbung in französischen Heeresabteilungen nimmt an Umfang immer mehr zu. Die Militärbehörden, die in der vorigen Woche fünf Soldaten des 12. Artillerieregi= ments in Hagenau wegen Aufforderung zum Ungehorsam verhafteten, sehen zunächst ihre Tätigkeit darin, die Herkunft der bei den Verhafteten aufgefundenen Verbeschriften festzustellen. In einem Dorfe in der Gegend von Straßburg wurde vor einigen Tagen ein Klempner verhaftet, der als Mittelsmann zwischen den kommunistischen Jugendverbänden, denen die verhafteten Soldaten angehörten, und den Militärorganidiente. Er war es, der die kommunistischen Broschüren verteilte. Die Ermittlungen der Polizei führten zunächt nach Nancy, wo bei Kommunisten verschiedene Haussuchungen vorgenommen wurden. Bei einem gewissen Lothe fand man umfangreiches Material, das über die ganze Ausdehnung der kommunistischen Propaganda Aufklärung gibt. Neben einer Handtasche voll Schriften, die in scharfen Worten zum Ungehorsam auffordern, fand man Photographien, die eine Gruppe des 171. Infanterieregiments von Besancon darstellt, wie sie, den Gewehrlauf nach unten, auf dem Kasernenhof steht und schreit:„Es lebe die Republik der Sowjets! Nieder mit der Armee!“ Außerdem wurde eine vollständige Liste derjenigen Soldaten gefunden, die den kommunistischen Jugendverbänden angehören. Die größte Aufmerksamkeit widmet die Polizei einem Schriftstück, das geAufklärung über die kommunistischen und militärfeindlichen Organisationen gibt und den Hinweis liefert, daß im Augenblick in mehr als 40 Regimentern im Osten, Norden und Südosten Frankreichs kommunistische Zellen am Werke sind, um ihr Zerstörungswerk durchzuführen. ständen sich von Die Elemente hassen... 40 Todesopfer der Stürme in Spanien. Wie aus Vigo gemeldet wird, sind in den heftigen Stürmen der letzten Tage an der nordwestlichen Küste Spaniens drei Fischerboote gesunken, wobei 40 Mann ertrunken sind. Ueberschwemmungen in Portugal. Ganz Portugal ist von schweren Ueberschwemmungen und heftigen Stürmen, die eine Geschwindigkeit bis zu 145 Stundenkilometer erreichten, heimgesucht worden. Die Stürme haben sowohl im Lande wie an den Küsten großen Schaden angerichtet. Hauseinstürze in Italien. In Italien gehen seit einigen Tagen heftige Regengüsse nieder. Wie üblich, beginnen sich daher wieder die Meldungen von Hauseinstürzen zu häufen. In der Provinz Genua stürzte ein fünfstöckiger Neubau aus Eisenbeton wie ein Kartenhaus zusammen, nachdem er von einer Seite vom Regen völlig verwaschen war. Glücklicherweise konnten sich alle Arbeiter gerade noch rechtzeitig retten, da das Haus zunächst einen großen Riß erhielt. In Sampiadarena, ebenfalls in der Provinz Genua, stürzte am späten Abend ein hoher Erdwall in einer Länge von zwölf Metern ein und beschädigte die Kaserne der Karabiniert. Während die Feuerwehr noch mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt war, stürzte ein weiterer Teil des Erdwalles ein und zerstörte die Kaserne fast völlig. Schriftleitung: W. Kraa; Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. H. Huttel; Anzeigen: K. Diekmann; alle in Bethel. Wie ist die Luft draußen? Was muß ich anziehen? Diese Fragen beantwortet Ihnen ein Fensterthermometer Niedriger Anschaffungspreis. Unbegrenzte Haltbarkeit. H. Breder, Optiker, Bielefeld Gütersloherstr. 14 Fernruf 1012 Wir suchen für unseren veg. kinderr. Haushalt nicht zu junge, gesunde, durchaus erfahrene, Stutze Voller Fam.=Anschl. Gutes Gehalt. Antritt sofort. Lichtbild, Lebensl. und Zeugn. an Bürgermeister Schenck, Bethel=Bielefeld. Kaufmann 20 J. alt, gestützt auf gute Zeugnisse, sucht passend. Wirkungskreis in der Motorenbranche. Seither tätig als selbständ. Lohnbuchh., Lagerist, Expedient, jetzt in ungekünd. Stellg. als Einkäufer in Automobilfabrik. Freundl. Zuschriften an Karl Becker Nieder. Ramstadt bei Darmstadt. 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