fran erbe n. nzinmangels im Urwald ZwischenlanFliegern nischen Inig erhalten, Januar aufFlieger zersuche der in Verbinmerikanische ser, die im em Flieger Tanchern sen Taucher sitän Groszzeuges in ergab, daß sem Wasser ei Insassen Roskau. 56pu. in ; d e u t s c h e n einer Vererfahren. i an, noch er Sowjetnüber der * weiteren Lolfield in an einer interese jedoch von sische Ret, zu der wird bewjetregietrussischer ssens hat urch die sonntagsing. Der egründet; wohl beder Inhaben an s Wissen kecht des Lebensrus allen nntäglich inde. Er nen, ein gelischen aben da he Weltahrgang en viele hten. 80er. ine Ge8, und die noch eichtfteertte 2 bis egen. chten kkor. nen. 14. laufen. 14. Bezugspreis: sechsmal.— Preis monatlich.25 und D5 Bestellgebühr, beim eigenen Postamt bestelt.— Kürs Ausland unter Streifband.95(inkl. Postgeld). Preis der Einzelnummer 10 Pfg. Postscheckkonto Hannover 67877. mit den Beilagen„Für Herz und und„Aufen Ziel.“ Anzeigenpreis: konto Hannover G1 oder deren Raum 10 Pfennig. unter 25 g je tausend 15 Mt e. u#te 8 ühr. Postsched. In jeder neuen Lag' ist freilich etwas schlimmer Als in der alten, doch auch etwas besser immer. Soll dir die neue Lag' erträglich sein, so schlag Das Bess're richtig an, das Schlimm're still ertrag. Rückert. Mihgigihiggihgnn Der Jugend Echo zum C. S. V. I. Den großen Krieg erlebten wir in der Heimat. Er war zu Ende, ehe wir geholt wurden. Doch waren wir mit unseren Freunden, die draußen standen, kämpften, verwundet wurden und fielen, in brüderlicher Treue verbunden. Ueber der geöffneten Bibel hatten wir uns kennengelernt. Inzwischen sind wir ebenfalls herangewachsen. Wir gehören nicht zu den Modernen. Mit hellen Augen verfolgen wir um uns herum, wie schon seit einigen Jahrzehnten der lebendige Gott über junge Menschenherzen und Menschenleben von Sieg zu Sieg geschritten ist. In vielen kleinen Jungen= und Mädchenkreisen innerhalb der Kirche und oft zunächst auch unabhängig von ihr ist dieses neue Leben entstanden und keimt auch heute noch auf. Nachdem wir innerlich und äußerlich zufriedengemacht worden sind, warten wir darauf, in die Arbeit geführt zu werden. Wir sehnen uns nach der tragenden Gemeinde, welche den Einzelnen beauftragt. Unser liebes deutsches Volk liegt am Boden, von den Feinden getreten, durch Bruderzwist zerissen, von Gott gerichtet. Wir wollen dennoch nicht verzagen. Unser Leben soll unserem Volke gehören. Zahlreiche, uns befreundete, junge Pfarrer wirken schon auf ihrem Posten und Gott bekennt sich zu ihnen. Wir in anderen Berufen wissen uns ebenfalls berufen, gleich, was wir sind. Nicht zuletzt ringen wir alle darum, christliche Familien zu gründen. der Inneren Mission helfen Brüder und Schwestern mit. Auf die Missionsfelder nach Afrika und Asien werden immer neue Boten aus unseren Reihen gerufen. Die Jungen werden fernerhin gesammelt wie wir vor 15 Jahren. Ueber dem allen klingt es in unserm Innern an, was wir so gern gesungen haben: Auf, lasset uns in Werken zeigen, Im Glauben, der zur Tat bereit, Daß wir dem größten König eigen, Daß unser Leben ihm geweiht! Schließet die Reih'n! II. In politischer Hinsicht mußten wir bislang sehen, daß wir heimatlos waren. Bei dem Ringen der wirtschaftlich Schwachen in unserm Volk um ihres Leibes Notdurft trieb es uns manchmal fast in die Arme der Sozialisten. Doch wir gehören nicht zu ihnen, wenn wir nicht einen besonderen Auftrag dazu empfangen haben. Denn wirkich soziale Gesinnung verträgt sich nicht mit Klassenkampfgeist. Die Rechte hat uns gleichfalls enttäuscht. Aus nächster Nähe habe ich die verderbenbringende Alkohol=Schank=Wirtschaft beobachtet, wie sie oft betäubt richtat## erfrischt, wie sie Leben und Familie zugrund gulte gruchtern wollen wir sein! Wir lehnen es ab, das umdhomapital politisch zu unterstützen. Der Patriotismus des Trinkstudententums reicht in den Notzeiten unseres Volkes nicht aus. Die Bodenreformer begrüßen wir als unsre Bundesgenossen. Jetzt liegt der Aufruf an das deutsche evangelische Christenvolk des Christlich=sozialen Volksdienstes vor uns! So sachlich hat keine Partei zu uns gesprochen. Es überfällt uns beinahe der Gedanke: Sieht so ein politisches Manifest aus? So ganz anders klingt es. Dennoch oder vielmehr gerade darum können wir es auch bejahen. Wenn überhaupt unserm sinkenden, sterbenden Volke noch zu helfen ist, dann allein dadurch, aß wir unserm Volke zu dienen anfangen, indem wir seneg Wateg Pitischen Leben bewußt der Führung un## Hottes anvertrauen. Die Masse der Gebildeten wie Schlichten in unserm Volk wird darüber nur ein Tacheln haben. Wir freuen uns, wie in der Zeit der Erniedrigung Deutschlands und seines Abfalls vom teuren Erbe der Vergangenheit jetzt plötzlich aus dem Volk heraus eine von Gott gewirkte Wellenbewegung weiter und immer weiter dringt. Dienst der Gemeinde Jesu am Volk! Noch wurde nicht für den Reichstag gewählt, da finden die Männer des Christlich=sozialen volksdienstes dort schon ihren Eingang. Welche gnädige und Stärkung! Mit ganz besonderer Freude ## esgrüßen wir Jungen die christlichen Arbeiter wie lichen Gewerkschaftsführer in unsrer neuen potischen Bewegung. Wir wollen sie gern verstehen lernen. Wir wollen ihnen die Hand reichen. Erst wenn die christlichen Arbeiter zu uns gehören, sind wir reich und i, um unserem ganzen Volke dienen zu können. Die Wahlen des Christlichen Volksdienstes zeigten schon, daß sonderlich deutsche Frauen den evangelischen Liebesdienst in Stadthaus und Landtag zu würdigen wissen. Das ist wieder ein Grund zur Freude. Es soll uns nicht verdrießen, daß viele ernsthafte Evangelische noch nichts von uns wissen wollen. Aus der„Splitterpartei“ wird mit Gottes Hilfe eine ganz neue, für uns Deutsche jedenfalls ganz neuartige Vertretung evangelischen Oeffentlichkeitswillens zum Heil unseres Volkes werden. Die Sozialdemokraten haben auch einst klein angefangen. Wir Christenleute kennen die Kleinarbeit. Davon leben alle unsere Werke der Mission. Wenn wir auf dem neuen Wege vorankommen wollen, bedarf es nicht minder einer treuen Kleinarbeit: Gebet, Fürbitte, Werbung, Aufklärung, Studium. Ja, es gilt nun in besonderem Maße, sich in die neuen innerpolitischen Verhältnisse und Aufgaben einzuarbeiten und sich, je nach den verliehenen Gaben, zu schulen. Wir Evangelische brauchen politische Mündigkeit. Zum Aufbau benötigen wir tragfesten Grund. Es soll keine Stadt in den Wolken werden. Aufgaben für unser ganzes Leben liegen vor uns. Wir wollen zu Gott hoffen, daß uns begnadete, weise Führer und Sachkenner geschenkt werden. Der Sinn steht uns nicht so sehr nach Majorität. Auch im demokratischen Zeitalter wird die Möglichkeit bestehen, über die Zahl hinaus wirksam zu sein. Unsere evangelische Jugend wollen wir nicht politisieren; aber die Reiferen sollen es wissen, worum es uns geht. Unsre Kirche oder Gemeinschaft hat ihre Missionsaufgabe und kann sich mit dem Christlich=sozialen Volksdienst nicht identifizieren. Gleichwohl muß uns das Wort bei allem Tun und Lassen bestimmen. Von deutschen Müttern sind wir geboren. Drum lieben wir unser Volk. Unsve Liebe zum Vaterland aber wollen wir heiligen lassen von dem, der da sagt: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte vergehen nicht.“ Dr. med. H. Börngen, Halle. unter sich. Enthüllungen des Pazifisten Röttcher. Der„Reichsbote“ hatte am 1. Januar unter der überschrift„Deutsche Friedensgesellschaft von Frankreich bezahlt!“ eine Notiz gebracht, der zufolge die Deutsche Friedensgesellschaft und ihr Publikationsorgan„Das andere Deutschland“ auf Grund gewisser Enthüllungen des bekannten Pazifistenführers Röttcher von französischer, polnischer und tschecho=slowakischer Seite Geld zur Durchführung ihres politischen Kampfes erhalten haben soll. Hierzu bemerkt die Bundesleitung der Deutschen Friedensgesellschaft: „Der„Reichsbote“ vom 1. Januar bringt eine Notiz mit der Ueberschrift:„Deutsche Friedensgesellschaft von Frankreich bezahlt!“ Die Notiz stützt sich auf ähnliche unwahre Behauptungen, wegen deren Verbreitung der Herausgeber der„Menschheit“, Herr Röttcher=Wiesbaden aus der deutschen Friedensgesellschaft ausgeschlossen worden ist. Wir erklären hiermit, daß weder der Unterzeichnete für„Das andere Deutschland“ noch die Deutsche Friedensgesellschaft direkt oder indirekt aus französischen, polnischen oder tschechischen Regierungskassen, wie behauptet worden ist, irgendwelche Gelder erhalten haben. und werden gegen jeden, der diese Behauptung sich zu eigen macht oder in irgendwelcher juristisch greifbarer Form weiterverbreitet, gerichtlich vorgehen.“ Die vorstehende Mitteilung der Deutschen Friedensgesellschaft wird von der..3. wie folgt kommentiert: „Da die Bundesleitung der Deutschen Friedensgesellschaft selbst das Gerücht von Zuwendungen aus ausländischen Quellen an die Friedensgesellschaft durch das Wolffsche Telegraphenbüro weiterverbreitet, so ist es politische und journalistische Pflicht, die Oeffentlichkeit wenigstens näher mit den Hintergründen der obigen Verlautbarung der Friedensgesellschaft bekannt zu machen, damit der Leser wenigstens weiß, um was es sich handelt. Schon seit längerer Zeit war bekannt geworden, daß in der deutschen Friedensgesellschaft eine Krise ausgebrochen war, die die Führer dieser paztfistischen, auch vom Reichsbanner Schwarz=Rot=Gold beschickten Organisation in zwei Lager teilte. Der Herausgeber der „Menschheit“ Herr Röttcher(Wiesbaden), hatte behauptet, der sozialdemokratische Führer der Friedensgesellschaft, Küster, und sein Organ,„Das andere Deutschland“, hätten von ausländischen Geldgebern oder Regierungen Geld erhalten, besonders von der französischen Regierung. Die Präsidialmitglieder der Friedensgesellschaft, Herr Küster und Genossen, versuchten, die Angelegenheit in aller Stille beizulegen. Man ging deshalb zunächst nicht gegen Röttcher vor. Erst als Röttcher seine Behauptung,„daß Führer der Deutschen Friedensgesellschaft sich ihre Tätigkeit von Polen, Frankreich und der Tschechoslowakei bezahlen lassen“, erneut (z. B. in Privatbriefen) wiederholte, sah sich das Präsidium der Friedensgesellschaft, dessen Lage natürlich sehr prekär wurde, genötigt, den Ausschluß gegen Röttcher und seine Gesinnungsgenossen zu beantragen. Die Auffassung Röttchers wurde nämlich öffentlich geteilt und vertreten durch den Führer der Berliner Ortsgruppe revolutionärer Pazifisten, Herrn Dr. Curt Hillen, und durch den Führer der württembergischen Friedensgesellschaft, Schneider(Ulm). Wie ein Berliner demokratisches Blatt, in Uebereinstimmung mit der obigen Proklamation der Friedensgesellschaft, meldet, sind nun auf einer Tagung des Vorstandes und Reichsausschusses der Deutschen Friedensgesellschaft am 22. Dezember die zuständigen Landesverbände dieser Organisation ersucht worden, Hiller, Röttcher und Schneider wegen ihrer Behauptungen auszuschließen. Was Röttcher anbetrifft, so ist dies bereits geschehen. Daraufhin erläßt Röttcher im„Dortmunder Generalanzeiger“ jetzt eine Erklärung, in der es heißt: „Seit eineinhalb Jahren weiß ich, daß ein solcher Betrag(50000 Francs) von einer pazifistischen französischen Seite an eine Persönlichkeit der deutschen Friedensbewegung, zeitweilig Redakteur der„Menschheit", heutiger Mitarbeiter des A. D. gezahlt wurde... Im Jahre 1924/25 hat Professor Foerster von französischer Seite 50 000 Francs erbeten. Der Betrag wurde an Herrn... ausbezahlt und von ihm an deutsche pazifistische Kreise verteilt. Die„Menschheit“ hat von diesem Betrage nichts erhalten. Austschechischen Kreisen sind ebenfalls an Herrn weit höhere Beträge geflossen. Auch die Beträge wurden an pazifistische Kreise verteilt. Die „Menschheit“ hat von diesen Beträgen nichts erhalten, dagegen„Das andere Deutschland“, Röttcher schließt seine Erklärung mit den Worten:„Es wird eine Zeit kommen, die wird zwischen mir und dem Präsidium der Deutschen Friedensgesellschaft richten— ich hoffe, daß sie nicht allzu fern ist. gez. Fritz Röttcher." Auch Hiller hat, der„Vossischen Zeitung" zufolge, seine Behauptung über die Finanzierung der Friedensgesellschaft„weitgehend bewiesen und glaubhaft gemacht. In einem Privatbriefe habe ihm der Präsident der Deutschen Friedensgesellschaft, Freiherr v. Schönaich, liebenstürdig beschwichtigend geschrieben und betont, es habe keine andere Möglichkeit gegeben“. Hiller bleibe dabei, daß die Friedensgesellschaft Geld von einer ausländischen Clique erhalten habe,„die im französisch=polnischen Interesse die Beziehungen des Deutschen Reiches zur Sowjetunion stören wolle". Ergänzend schreibt der Pazifist Dr. Curt Hiller: „Nicht alles ist strikt bewiesen, dazu fehlt mir der Apparat; aber vieles ist bewiesen— genug jedenfalls. um auch Zweiflern den zunächst unbewiesenen Teil der Behauptungen glaubhaft erscheinen zu lassen. Das zeigte sich am 18. Dezember, als ich mein Material in vertraulicher Sitzung einem Gremium vorlegte, dem nicht nur das vollzählige Präsidium des Deutschen Friedenskartells(Prof. Quidde, Gertrud Baer, v. Gerlach, Dr. Helene Stöcker), ein Vertreter der Deutschen Liga für Menschenrechte(Dr. Levinthal) und der Leiter des Bezirks Berlin der Gruppe Revolutionärer Pazifisten (Karsch) angehörten, sondern auch ein Vorstandsmitglied der Deutschen Friedensgesellschaft(Herr Oberst Lange). Die Besprechung, die meinen Darlegungen folgte endete mit einem komeradschaftlichen Abkommen: Ehrenrühriges über Pazifisten des Kartells fortan kartell=intern nicht öffentlich zu erledigen... Was ich weiß, ist: Hier soll ein Kämpfer(gemeint ist Röttcher) ausgestoßen werden, nicht weil er Unwahres verbreitet hat, sondern weil man eine peinliche Wahrheit nicht anders glaubt widerlegen zu können als durch seine Ausstoßung.“ * Es wird nun der deutschen Friedensgesellschaft nichts anderes übrig bleiben, als den Oberreichsanwalt mit der endgültigen Klärung der sehr dunklen Angelegenheit zu betrauen. Mit der oben abgedruckten Erklärung, die merkwürdigerweise nur von Regierungskassen spricht, ist die Sache jedenfalls nicht abgetan. Reparations= und Die Gestaltung der Reparationsfrage durch den Youngplan beschäftigt nun schon monatelang Völker und Regierungen. Wenn wir die Macht hätten, würde die Kriegskostenfrage schnell beantwortet sein. Jeder würde das Seine bezahlen müssen, und wenn die andern noch so sehr betonen würden, daß wir die Schuldigen am Weltkrieg wären. Heute glaubt man nachgerade an keiner einzigen Stelle mehr an die Alleinschuld Deutschlands am Weltkrieg; aber weil die andern die Macht haben, müssen wir eben noch die Schuldigen sein. Darum wird aber auch in den Verhandlungen im Haag kaum von unserer Seite auf die für uns so wichtige Angelegenheit hingewiesen werden können. Ein solches Vornehmen würde sofort die Gegner vereinigt auf den Plan rufen, und mit dem Brustton der Ueberzeugung würden sie uns im Chor antworten, daß die Frage längst entschieden ist, obwohl jeder einzelne Vertreter von der Unwahrheit des Behaupteten überzeugt sein würde. Um unserer Unschuld willen werden die andern Mächte uns nicht das Zahlen erlassen. Diese Frage steht also nicht zur Verhandlung. Die Schuldfrage ist eine Machtfrage, auch im Haag; sie würde sofort ganz anders lauten, wenn Deutschland auf eigene Kraft oder auf internationale Verwickelungen der anderen Mächte gestützt, sagen könnte: Der Versailler Vertrag ist für mich nur noch ein Fetzen Papier. Die Frage, die jetzt zur Verhandlung steht und für uns noch lange zur Verhandlung stehen wird, ist die: Kann Deutschland die Forderungen erfüllen, die man ihm auferlegt? Nach dem Urteil einer Reihe von Volkswirtschaftlern ist Deutschland nur dann imstande, die Zahlungen zu leisten, wenn es seinen Konsum einschränkt. So allgemein ausgedrückt, stellt eine solche Behauptung einen glatten Unsinn dar. Die Annahme, daß dann, wenn von den erzeugten Waren für einige Milliarden Mark nicht verbraucht werden, diese Summe zur Bezahlung frei wäre, ist naiv und nicht volkswirtschaftlich, sondern rein privatwirtschaftlich gedacht. Der Nichtverbrauch von Verbrauchsgütern erzeugt eine solche Einschränkung der Erzeugung, daß die erzielte Ersparnis in gar keinem Verhältnis steht zu den Wirtschaftsschäden, die aus der Verminderung der Kaufkraft der entlassenen Arbeiter hervorgehen. Muß diese Forderung also, wenn sie allgemein gestellt wird, zurückgewiesen werden, so gibt es doch auch Gebiete, auf denen sehr wohl eine Einschränkung des Verbrauchs erfolgen könnte, ohne daß die Wirtschaftsschäden so groß zu sein brauchten, daß sie von einem Versuch abhalten könnten. Eine solche Möglichkeit haben wir zweifellos auf dem Gebiete des Alkoholverbrauchs in Deutschland. Wir haben wirklich am wenigsten Ursache, auf diesem Gebiet den Rekord unter allen Völkern zu schlagen, und außerdem ist es eine zweiselhafte Ehre für ein Volk, wenn es in dieser Beziehung am meisten leistet. Es gibt doch auch schon Völker, die gerade im Gegenteil die Ehre sehen. Wir verwandeln in Deutschland alljährlich etwa 4½ Millionen Doppelzentner Malz, 20 000 Doppelzentner Zucker, 300 000 Doppelzentner Reis und Maisgries in 30 Millionen Hektoliter Bier. Diese Zahlen gewinnen erst ihren vollen Sinn, wenn wir erfahren, daß sie den Verbrauch darstellen in einem Jahr, in dem das deutsche Volk, abgesehen von den Kriegsjahren, wohl am meisten gelitten hat. Es war das Jahr 1923. Seitdem wird der Verbrauch gewiß nicht zurückgegangen sein. Nun klagen wir seit Jahr und Tag über eine hohe Passivität unserer Handelsbilanz. Sie ist zu einem sehr großen Teil mit dadurch verursacht, daß wir Lebens= und Nahrungsmittel aus dem Auslande einführen. Wenn uns aber ein so großer Teil der Nahrungsmittel fehlt, und die Passivität unserer Handelsbilanz schon so groß ist, so ragt man doch mit Recht, ob es denn einen Sinn hat, Rahrungsmittel, die zu menschlicher Ernährung geeignet find, für diese Zwecke zu verbrauchen. Daß durch die Ausfuhr deutscher Biere die Bilanz zwar etwas gehoben wird, soll zwar nicht bestritten werden, aber diese Wirkung ist gegenüber dem gewaltigen Verbrauch im eigenen Lande kaum nennenswert. In der Zeitschrift für soziale Hygiene wurde im Jahre 1923 berechnet, daß in der Zeit, als die Quäker uns hochherziger Weise halfen, unsere Kinder zu ernähren, in Deutschland 41 mal soviel zu menschlicher Ernährung geeignete Nährwerte in Trinkalkohol verwandelt worden sind, als die Quäker uns gegeben haben. Das ist sicher eine Tatsache, die sehr zu denken gibt. Es ist kaum jemand da, der bestreitet, daß auf diesem Wege in der Tat Ersparnisse durch eine Einschränkung des Verbrauchs erfolgen könnten; aber die Schauermärchen über die moralische Wirkung der Trockenlegung in Amerika, die durch eine unter sich einige Presse verbreitet werden, lassen das Unternehmen als volksverderbend erscheinen. Ich stelle dagegen das Urteil eines schlichten Bauern in Minnesota. Er schreibt:„Unsere Jungens lernen den Alkohol gar nicht erst kennen, und es ist gut so. Von all dem Schlimmen, was da kommen sollte, ist nichts eingetroffen. Das einzige, was von den Gründen der Gegner einigermaßen Eindruck zu machen imstande ist, ist die Frage: Ist es gerechtfertigt, auch den Volksgenossen den Alkohol zu entziehen, denen er, da sie ihn nur in kleinen Mengen nehmen, einen harmlosen Genuß bereitet? Ob man überhaupt von Harmlosigkeit sprechen kann? Hierzu noch eine kurze Stelle aus dem Bericht des Reichstages, als es sich um das Schankstättengesetz handelte. Frau Abg. Dr. Lüders:„Zu den direkten Kosten des Alkoholkonsums kommen außerdem auch noch die Kosten für die Heilung der Krankheiten aller Art und für die Versorgung der von den Versorgungspflichtigen verlassenen und ruinierten Familien. Das sind Kosten, die sich überhaupt gar nicht ermessen lassen. Wer aber einigermaßen einen Anhalt dafür haben will, der vertiefe sich nur einmal vierzehn Tage lang in die Akten eines Jugendgerichts; der gehe nur vierzehn Tage in eine Irrenanstalt, nur 14 Tage auf eine Beratungsstelle für Geschlechtskrankheiten, auf eine Trinkerfürsorgestelle und prüfe dort die Akten nach; er wird voller Entsetzen hierher zurückkommen und dann mit uns für den Antrag Müller stimmen.“ Ich weiß nicht, wie groß die Summe ist, die der Alkohol in Deutschland alljährlich verschlingt; ich vermag nicht nachzuprüfen, ob es richtig ist, wenn behauptet wird, daß es jährlich annähernd drei Milliarden Mark sein sollen. Ich weiß auch nicht, wieviel die Volkswirtschaft durch eine Trockenlegung würde einsparen können. Das weiß ich aber, daß die Lasten des Versailler Vertrages auch nach dem Youngplan so groß sind, daß sie von unserer Wirtschaft, wenn sie nicht auf ganz andere Grundlagen gestellt wird, niemals werden getragen werden können. Ich gebe zu, daß die persönliche Bewegungsfreiheit auf diesem Wege nicht voll gewahrt wird. Die große Frage heißt heute aber: Soll Deutschland leben? Kommt das Leben nicht erst und dann die Freiheit? Wo ist heute überhaupt Freiheit? Beamte zittern vor dem Abbau, Angestellte und Arbeiter vor der Entlassung. Die wirtschaftliche wie persönliche Freiheit liegen auf Wegen, die die Menschheit bis jetzt praktisch noch nicht betreten hat. Ich glaube, daß in Amerika ein nüchternes Geschlecht aufwachsen wird, und wünsche nur, daß die Bestrebungen, die in unserer Jugendbewegung Ansatz gewonnen. haben, unsere gesamte Jugend ergreifen möchten. Jazzund Shimmigeist haben lange genug zerstörend gewirkt. H. Vagts. Der falsche Spiegel. Zum zehnten Jahrestag der Inkraftsetzung des Versailler Vertrags. — Berlin, 10. Januar. Am heutigen Freitag jährt sich zum zehnten Male der Tag der Inkraftsetzung des Versailler„Friedens" vertrags, an dem die Bestimmungen, die von dem Willen zur Uebermacht diktiert worden waren, mechtskraft erlangten und zu Paragraphen eines internationalen Abkommens wurden, das durchgeführt und innegehalten werden mußte. Die Inkraftsetzun, des Versailler Vertrags war ein Schlußstrich unter dem fünfjährigen Kampf des deutschen Volkes gegen eine Welt von Feinden. 9672 e Mehr denn einmal ist das deutsche Staatsschißf unter den Auswirkungen des Friedensvertrags von Versailles in schwere Stürme und in große Not geraten: mehr denn einmal ballten sich angesichts der Zumutun, gen der Gegner unsere Hände zu Fäusten; mehr denn einmal bluteten die Herzen des deutschen Volkes. Gegenüber den ersten Jahren nach der Beendigung des Krieges hat die deutsche Politik heute wieder ein gewisses Maß von Bewegungsfreiheit zurück. gewonnen. Das unfreie Land am Rhein ist kleiner geworden, und in wenigen Monaten werden die letzten fremden Truppen die Flagge ihres Landes niederholen. der ausländische Kontrollapparat in Deutschland wird abgebaut; deutsche Staatsmänner gehen nicht mehr zur Entgegennahme von Diktaten in das Ausland, sondern sie sitzen mit den anderen am Verhandlungst auch hat die deutsche Wirtschaft ihre alte Kraft wiedergefunden, die deutsche Flagge weht wieder auf dem Weltmeer, von dem sie 1919 fast vollständig verschwunden war. Und doch ist Deutschlands Weg in die Freiheit noch unendlich lang und schwierig zu begehen. Da ist einmal die im Artikel 231 des Versailler Diktats enthaltene Lüge von der deutschen Schuld am Kriege, gegen die sich unser Ehrgefühl und unser Rechtssinn aufbäumen. Da sind weiter die Ungeheuerlichkeiten im Osten, die der Versailler Vertrag bestätigt da ist schließlich das trotz aller Reden vom Selbstbestimmungsrecht der Völker gewaltsam von Deutschland ferngehaltene Deutsch=Oesterreich. Die Wunden, die der Versailler Spruch Deutschland zugefügt hat, sind heute noch so frisch wie vor zehn Jahren, sie können nicht vernarben, weil die Grenze m Osten immer wieder flammend in unser Dasein leuchtet. Heute wie vor zehn Jahren ist die Grenze von Memel bis Kattowitz eine Zone des Sterbens und des Unfriedens! Auch wenn Polen nicht in so weitgehendem Maße der Krankheit junger Staatswesen erlegen wäre, sein Land zu mehren und die Macht zu steigern, hätte auch das Unrecht von Versailles allein schon die Herstellung normaler Beziehungen überaus erschweren müssen. Hat man es doch erstmals in Versailles fertiggebracht, um einem Lande einen Zugang zum Meere zu verschaffen, ein altes und großes Reich durch einen Korridor in zwei Stücke zu zerschneiden! Der schwedische Gelehrte Rudolf Kiellen, der den heute soviel angewandten Begriff der Geopolitik prägte, hat einmal geschrieben, die politische Karte sei ein Ausdruck für die innere Machtlage der Staaten in einem gegebenen Zeitpunkt. Und er hat hinzugefügt, wielenage dauere nicht ewig, die Entwicklung nehme ihren Fortgang, während die Karte stillestehe. So werde die Karte zu einem Gewand, das dem einen Staat zu eng, dem anderen zu groß sei, kurzum, werde zu einem falschen Spiegel, in dem sich die Staaten in anderen Proportionen als ihren wirklichen widerspiegeln. Der Versailler Vertrag ist sehr rasch zu einem solchen falschen Spiegel geworden. Das liegt daran, daß er dem Deutschen Reiche zu wenig belassen und den Nachbarstaaten zu viel gegeben hat. Die Spannungen müssen unter diesen Umständen von Jahr zu Jahr größer werden. Eine passive Friedenspolitik, wie sie indem es seine ganzen Bemühungen darauf beschränkt, das Bestehende zu erhalten, ist unter der Herrschaft des Versailler Systems zum Zusammenbruch verdammt. Helfen kann hier nur eine fortschrittlich gerichtete Politik. Das erste Jahrzehnt des Versailler Vertrags offenbarte den Siegeskoller der Westmächte, das zweite Jahrzehnt beginnen wir mit der nüchternen Erkenntnis, daß die Staatsmänner nur eine Wahl haben. Entweder erhalten sie durch Sicherheits=Vorrichtungen und Festungsbauten die gegenwärtigen Verhältnisse gewaltsam aufrecht, oder aber, sie bemühen sich um einen ehrlichen und gerechten Ausgleich, indem sie ven Versailler Vertrag, seinen Geist und seinen Buchstaben, systematisch überwinden! die bereits das erste Jahrzehnt des Versailler Vertrags nach dieser Richtung hin gebracht hat, waren erfreulich, aber sie genügen nicht, und dann ist auch das urbeitstempo zu langsam. Der Rikotintod geht um. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Karl Wilke in Nr. 285 der„Deutschen Zeitung“ vom 5. Dezember 1929 aus seinen Erlebnissen in französischer Kriegsgefangenschaft. Der Satz ist so erschütternd und zeigt die grauenhafte Wirkung des Tabaks in so anschaulicher Form, daß wir wünschen möchten, daß die Lektüre dieses Buches von Wilke„Prisonnier Halm!"(Verlag Köhler und Amelang, Leipzig), aus dem die„Deutsche Zeitung“ den Satz abdruckt, in möglichst viele Hände gelangen möge, damit unser Volk und insbesondere unsere Jugend auch durch diese Schrift darüber aufgeklärt werde, daß der Tabak kein Genußmittel, sondern ein furchtbares, lebenszertörendes Gift ist. Daß er dieses nicht nur unter den traurigen Verhältnissen einer französischen Gefangenschaft, sondern auch unter normalen bürgerlichen und friedlichen Verhältnissen ist, dafür möchte ich aus meinem eigenen Leben nur die Tatsache anführen, daß ich, 1859 geboren, bereits vor dem Kriege der älteste Arzt in unserem Landkreise war: Meine gleichaltrigen Herren Kollegen, einst in jüngeren Jahren meist hünenstarke Männer aus alten Schleswig=Holsteinischen Bauerngeschlechtern stammend, waren alle gestorben. Die meisten an frühzeitiger Arterienverkalkung. Sie waren fast alle eidenschaftliche Raucher. Jetzt, im Jahre 1929, bin ich 70 Jahre alt geworden und bin infolge meiner Alkoholund Tabakenthaltsamkeit noch so rüftig, daß ich auf einer zehntägigen Vortragsreise zehn Vorträge in zehn verschiedenen Städten halten konnte, und daß ich Tag für Tag von morgens bis abends in Amt und Beruf tätig sein kann. Von meinen Altersgenossen, die fast alle sehr gerne rauchten, leben nur noch ganz wenige; die meisten starben an frühzeitiger Arterienverkalkung: sie rauchten alle gern! Aber das Erschütterndste, was ich je über Nikotin=Tod las, sind die Ausführungen von Wilke. am Rhein. Klugkist=Hesse, Frühlicht am Rhein. Adolf Clarenbach, sein Leben und Sterben. Mit Bildern. Buchhandlung des Erziehungsvereins, Neukirchen. Geb. 5,— M. Ueber Märtyrergeschichte und Märtyrerdichtung haben wir bei früherer Gelegenheit(Eckart IV, 4) einiges Grundsätzliche angedeutet: daß man als innerlich Unbeteiligter, als„Schlachtenbummler“ nicht davon reden und schreiben sollte. Klugkist=Hesse ist innerlich beteiligt, und dem verdankt dies Buch die Möglichkeit. Es wird gleichzeitig eine streng wissenschaftliche Schrift aus Hesses Feder über den vor 400 Jahren zu Köln verbrannten Adolf Clarenbach, Rheinlands ersten reformatorischen Märtyrer, angekündigt. Er hat die Tatsachen erforscht, die Akten auf das Gründlichste studiert. Aber wenn ein Forscher dieser Art sein Material auf dem Schreibtisch zusammengetragen hat, nach langer Staubarbett sich nun bemüht, dem toten Stoff das lebendige Bild zu entreißen, dann mag es geschehen, daß die abgeschiedenen Geister lebendig werden, aus dem Dunkel reden und sich erheben und So ist dies Buch entstanden. Darum beginnt es mit einem heilig schmerzhaften Gebet, darum ist es ein Zwiegespräch mit dem frühvollendeten Sohn des bergischen Landes, der seinen Weg zum Feuer hin das ganze Leben hindurch so merkwürdig unbeirrt gegangen ist. Darum die immer wiederkehrende Frage: Ist es wahr, Adolf, was der oder jener von dir behauptet? Hast du dieses, hast du das wirklich getan? Und der Märtyrer gibt Antwort, die genügt. Es mag auch schon einmal sein, daß er sagt: Laßt mich!—, wenn an ihn die Frage kommt: Schiboleth oder Stboleth? Lutherisch oder reformiert? Dann weist er nicht auf Luther oder Zwingli, sondern auf seine Mutter, die ihm von zarter Jugend als einzige Regel und Richtschnur Gottes Wort eingeprägt hat. Altevangelische Bruderschaft am Niederrhein, sagt Hesse. Das Buch ist ein Jugendbuch; junge Menschen hängen am Munde des geliebten Lehrers, des Studienrats, des Privatdozenten, als der Adolf uns vorgeführt wird. Man spürt etwas vom Brausen des Jahrhunderts, von dem Hutten sagte. es sei Lust zu leben in ihm. Man spürt aber machtvoll auch den Zug der Nachfolge Christi, der um des göttlichen Wortes willen alle Zukunft und Ruhe dahin gibt. „Christus imperat!“ Das Buch ist auch Heimatbuch, Buch des Bergischen„ruhmreichen" Landes. Buch vom nebelumwehten Niederrhein, vom alten Münster und Osnabrück, und— ja, leider auch— vom„hilligen Köln“, das ewig die Schande der Dunkelmänner tragen wird, nicht weil sie im Wortkampf gegen Hutten und nossen unterlagen, sondern weil sie Adolf und Peter Fliesteden ohne Recht und Urteil verbrannten. Rheinisches Heimatbuch! Nicht für Rheinländer nur, die Glaube und Heimat kennen, sondern für die zahllosen Freunde und Brüder aus Weit=Deutschland, die vom Rhein nur wissen. daß man dort Wein, Weib und Gesang liebt. Es ist nich so, nicht ganz so. Wer den evangelischen Rheinländet kennen lernen will, der greife zu diesem Buch. Es ist nicht nur für junge Leute, das möchte ich nachdrücklich sagen. Aber für den jungen Menschen, sonderlich den de bildeten, der den Weg ins Leben hinaus sucht, wüßte sch kaum ein schöneres Geschenk. Dr. Wilh. Boudriot. Zehn Ja „Die Forschung daß 9 Aus Anla Inkraftsetzung fentlicht die 9 gefangener In der No den Parteigeist genossen als 1 achten, über de len. Zehn Jahl liegt die Zukun uns. Darum der Erkenntnis unsere Stimme Deutsche, nungen und A. alle Brüder ein um den Weg den Augen. W9 Wohl des einz Gesamtvolkes st unerschütterliche finden wir den ihn zu gehen. 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Immer noch liegt die Zukunft unseres Volkes trüb und dunkel vor uns. Darum halten wir es für unsere Pflicht, aus der Erkenntnis unserer Schicksalszeit heraus mahnend unsere Stimme zu erheben: Deutsche, vergeßt nicht über dem Streit der Meinungen und Auschauungen in Euren Reihen, daß Ihr alle Brüder eines Volkes seid. Verliert über dem Streit um den Weg aus unserem Elend nicht das Ziel aus den Augen. Werdet Euch bewußt, daß höher als das Wohl des einzelnen das Wohl und die Zukunft des Gesamtvolkes stehen. Nur in dem Bewußtsein unserer unerschütterlichen Volksverbundenheit und Volkseinheit finden wir den Weg zum Wiederaufstieg und die Kraft, ihn zu gehen. Der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände, der gleichfalls einen Aufruf erließ, betont darin: Der Kampf gegen die Kriegsschuldlüge muß, nachdem die historische Forschung die Waffen geschmiedet und geschärft hat, politisch fortgeführt werden, bis der deutschen Forderung auf Beseitigung des Artikels 231 Genüge geleistet ist. Dieser Kampf muß Sache des gesamten deutschen Volkes sein. Nur wenn es sich einmütig und entschlossen hinter jene Forverung steilt, wird ihr Ziel erreicht werden. „Sanktions"=Debatte im Unterhändler: Curtius und Wirth, Tardien und Briand. — Zwei Fragen. .— Haag, 10. Januar. Die Reichsminister Dr. Curtius und Dr. Wirth hatten gestern im„Hotel Central“, dem Sitz der deutDelegation, eine erste Unterredung mit dem französischen Ministerpräsidenten Tardien und dem Minister des Auswärtigen Briand über die französische Denkschrift zur Frage der Sanktionen. Die Besprechungen, denen auch die Rechtsberater beider Abordnungen beiwohnten, dauerten eineinhalb Stunden. Ueber den Inhalt der Verhandlungen wird von deutscher Seite folgendes mitgeteilt: Bei der Konferenz der Reichsminister Curtius und Wirth mit Tardien und Briand sind zwei Fragen zur Verhandlung gelangt. Erstens die Feststellung, daß im Rahmen des Youngplans keine Sanktionen möglich sind und infolgedessen die Beziehungen zwischen den Gläubigermächten und Deutschland während des Bestehens des Houngplaus sich ausschließlich nach dem Youngplan und nach dem Völkerrecht regeln. Zweitens stand die Frage zur Debatte: Was geschieht, wenn irgendeine deutsche Regierung den Youngplan„zerreißt“ und der Youngplan von den Gläubigern als nicht mehr bestehend angesehen wird? Von französischer Seite wurde zu diesem Punkt erklärt, eine Feststellung des Haager Schiedsgerichts, der Youngplan bestehe infolge der Haltung der deutschen Regierung als Ganzes nicht mehr, müsse zur Folge haben, daß die im Youngplan vorgesehenen Organe, die das Verschwinden der Reparationskommission herbeigeführt hätten, gleichfalls zu bestehen aufhörten. Im Zusammenhang damit müßten dann die Bestimmungen früherer Verträge, d. h. der Artikel 430 des Versailler Vertrags mit den darin vorgesehenen Sanktionen oder Strafbestimmungen wieder in Kraft treten. Deutscher Gegenvorschlag angekündigt. Eine endgültige Klärung dieser Angelegenheit wird nach den Mitteikungen der deutschen Abordnung auf dem Wege direkter Verhandlungen zwifchen der deutschen und französischen Delegation herbeigeführt werden. Die deutsche Abordnung hat sich vorbehalten, der französischen Abordnung einen Vorschlag einzureichen. Auf den scher Seite wird ferner bestritten, daß in der französischen Denkschrift wirtschaftliche oder haudelspolitische Teil=Sanktionen erwähnt werden. Auf jeden Fall ist die dentsche Deleeation der Ansicht, daß auch im Falle der Auft ebung des Poungplans das allgemeine Völkerrecht anzuwenden ist. Nach Abschluß der privaten deutsch=französischen Besprechungen traten die Vertreter Deutschlands und der Gläubigermächte zu einer neuen Sitzung zusammen; auf der Tagesordnung standen die noch offenen reparationspolitischen Fragen. Am Abend waren die Minister Gäste der Königin von Holland, die zu Ehren der Konferenz ein Essen gab. * Zoungplanschließt Wiederbesetzungen aus Im Hinblick auf die verschiedenen Gerüchte über ein Eingreisen des englischen Schatzkanzlers Snowden in die Sanktions=Diskussion wurde der Sonderberichterstatter des„Daily Herald“ zu der Feststellung ermächtigt, daß England nach wie vor an Sanktionen nicht interessiert ist. Der englische Schatzkanzler, heißt es weiter, sei der Ansicht, daß es besser gewesen wäre, wenn die Sanktionsfrage nicht aufgerollt worden wäre. Der Houneplan enthalte die stil schweigende Zusage der Alliierten, zu einer militärischen Besetzung Deutschlands keine Zuflucht mehr zu nehmen. Neue Besprechung Eimsons mit dem Saarausschuß.— Berichterstattung an das Kabinett. — Berlin, 10. Januar. deutschen Abordnung für die PaEsar„Saarverhandlungen, Staatssekretär z. D. von ###, hatte in Frankfurt am Main eine neue BeWrechung mit den Mitgliedern des Saarausschusses und unterrichtete sie über den bisherigen Verlauf der Pariser Konferenz. Herr von Simson wird nunmehr der Reichsregierung über seine Fühlungnahme mit dem Saarausschuß Bericht erstatten. Wie verlautet, setzt der Saarausschuß— und das mit Recht— dem französischen Vorschlag, die Saarbergwerke einer deutsch=französischen Gesellschaft zu übereignen, nach wie vor die Forderung entgegen, die Vorbesitzer, also den preußischen und den bayerischen Staat, wieder in ihre alten Rechte einzusetzen. Der Ausschuß empfahl der deutschen Delegation, jede andere Lösung der Grubenfrage als undiskutabel abzulehnen. Ebenso entschieden sprach er sich gegen die von der französischen Delegation gestellte Bedingung aus, das Saar=Gebiet, auch wenn es vor 1935 wieder an Deutschland angegliedert werde, bis zu diesem Termin als französisches Zollgebiet zu behandeln. Bedauert wurde, daß die deutsch=französischen Verhandlungen über die Rückgabe des Saargebietes trotz monatelanger Bemühungen nicht vom Fleck gekommen sind. Wie die Dinge jetzt liegen, will das französische Kabinett zunächst den Ausgang der Haager Konferenz abwarten, ehe es zu den deutschen Vorschlägen Stellung nimmt. Der Aufruf des Zum Raube der Ostmark. Das Präsidium des Deutschen Ostbundes hat zum 10. Januar einen Aufruf erlassen, in dem es u. a. heißt: Zum zehnten Male jähren sich die Unheilstage, in denen die auf Grund des unseligen Diktats von Versailles uns entrissenen Ostgebiete dem neugegründeten Polen übergeben werden mußten. Fast die ganze Provinz Posen und der größte Teil Westpreußens ward uns geraubt! Das unmögliche und unhaltbare Gebilde des Weichselkorridors wurde geschaffen, der Ostpreußen vom Vaterlande trennt und zu einer ständig bedrohten Insel im slawischen Meere macht! Auch Soldau und das Memelland sind feindlicher Ländergier ausgeliefert worden! In den Teilen Ost= und Westpreußens, denen man das Abstimmungsrecht zubilligte, hat das Deutschtum einen so vollständigen Sieg errungen, daß man nicht wagen konnte, auch sie uns zu entreißen. Wohl aber hat man Oberschlesien, obwohl auch dort die Abstimmung zugunsten Des Deutschtums ausfiel, zerstückelt und uns die wertvollsten Gebiete genommen, ungeachder Tatsache, daß ganz Oberschlesien ein einheitliches Wirtschaftsgebiet bildet, dessen tausendfache Wechselbeziehungen durch diese Teilung zum Schaden von Land und Leuten in brutalster Weise zerschnitten wurden. Ueber 51000 Geviertkilometer deutschen Landes sind auf diese Weise aus dem Staatskörper herausgeschnitten und Millionen deutscher Menschen gegen ihren Willen unter das Joch der Fremdherrschaft gebeugt worden. Ueber eine Million Deutscher sind seitdem aus den an Polen abgetretenen Ostgebieten vertrieben worden unter Umständen, die über die meisten von ihnen unsagbares seelisches Leid gebracht und viele zu Bettlern gemacht haben. Den drüben verbliebenen Deutschen aber wurden die elementarsten Rechte entzogen, wichtige Errungenschaften ihres Kusturlebens zerstört, ihre Interessenvertretungen unterdrückt, ihre Schulen ihnen genommen. Der Gebrauch der Muttersprache bei Verhandlungen vor Gericht und mit Behörden wird allen Deutschen in Polen unmöglich gemacht, die deutsche Erziehung der Kinder wird verhindert, der deutsche Grundbesitz durch Enteignung zerschlagen, die Presse geknebelt, die Kirche verfolgt. Seelisches Leid ohne Ende! Deutsche Volksgenossen im Reich! Verbindet euch mit den deutschen Ostmärkern zu einer Not= und Schicksalsgemeinschaft zur Rettung des Ostens und zur Rettung des ganzen Vaterlandes, das ohne seinen Often zugrundegehen müßte!“ Die stockenden Kirchenverhandlungen. Eine Kundgebung des Evangelischen Bundes. Der Zentralvorstand des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch=protestantischen Interessen veröffentlicht folgende Kundgebung: „Wir stellen fest, daß die Verträge zwischen Preußen und seinen evangelischen Landeskirchen, die bei dem Abschluß des sogenannten Konkordates mit der katholischen Kirche von der preußischen Staatsregierung und vom Preußischen Landtag im Juli 1929 feierlich zugesichert wurden, immer noch nicht zustande gekommen sind. Eine weitere Verzögerung gefährdet aufs schwerste den inneren Frieden unseres Landes. Wir fordern mit dem evangelischen Kirchenvolk Preußens und dem deutschen Gesamtprotestantismus eine baldige ehrliche Erfüllung der gegebenen Zusage.“ In einer zweiten Kundgebung protestiert der Evangelische Bund gegen eine vom Amtsblatt des Vatikans „Osservatore Romano“ wiedergegebene Aeußerung des Papstes. Kirche für ein Kleinrentnergesetz. Der Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses D. Dr. Kapler macht in einem Schreiben an die Reichsregierung von einem Beschluß des Kirchenausschusses Mitteilung, der es„aus rechtlichen, humanen und moralischen Gründen für dringend notwendig erachte, daß durch ein Kleinrentnerversorgungsgesetz die Kleinrentnerhilfe endlich aus der allgemeinen Fürsorge herausgenommen und den Geschädigten zum mindesten ein Rechtsanspruch auf Entschädigung gegeben werde.“ 300 Lohntarife laufen ab. Der Haupttermin ist der September 1930. Im laufenden Jahr verlieren rund 300 Lohntarife ihre Gültigkeit, von denen insgesamt 3,9 Millionen Arbeitnehmer erfaßt werden. Während in den ersten beiden Monaten noch verhältnismäßig wenige Tarifverträge ablaufen, werden zum März 71 Lohntarise kündbar. die 880000 Arbeitnehmer in sich einschließen. Der Haupttermin, der Zahl der Arbeitnehmer und auch der Wichtigkeit der Industriegruppen nach, ist der September 1930. Hier werden 49 Lohntarife mit 1275000 Arbeitnehmern kündbar. Rundschau. — Berlin, den 10. Januar 1930. — Auf der Reise nach Genf hatte der polnische Außenminister Zaleski in Berlin eine Unterredung mit dem polnischen Gesandten Knoll. — Die Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels stellte den Antrag, unter der Herrschaft des Zündholzmonopols Einzelhandel und Konsumvereine mit gleichwertigen Waren zu beliefern. :: Austritt Kastls aus der Mandatskommission des Völkerbundes. Geheimrat Kastl, der als ständiges deutsches Mitglied zur Mandatskommission des Völkerbundes gehört, hat beim Generalsekretär des Völkerbundes um seine Entlassung von diesem Amte nachgesucht. Dr. Kastl begründet das Gesuch mit seinen vielen Pflichten in Deutschland und deren wachsenden offiziellen Charakter. Zum Nachfolger Kastls dürfte wiederum ein Deutscher in Aussicht genommen werden. :: Der Strafrechtsausschuß des Reichstages nahm die Beratung des neuen Republikschutzgesetzes wieder auf. Zur Behandlung standen die Paragraphen vier und fünf. Noch keine Entscheidung über den neuen Panzerkreuzer. Zu der von einer Korrespondenz verbreiteten Meldung, wonach der erste Teilbetrag für den Bau eines neuen Panzerkreuzers— Ersatz Lothringen — bereits bei den Beratungen innerhalb der Ressorts gestrichen worden wäre, wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß diese Angelegenheit im Kabinett noch nicht behandelt worden ist, die Entscheidung über den Bau eines zweiten Panzerkreuzers stehe also noch aus. Unregelmäßigkeiten bei Postnenbauten in Frankfurt. Frankfurt a.., 10. Januar. Auf Grund einer Anzeige, die ein von einer hiesigen Baufirma entlassener Angestellter erstattet hat, hat die Staatsanwaltschaft im Einvernehmen mit dem Polizeipräsidenten und der Oberpostdi ektion ein Ermittlungsverfahren eingeleitet zwecks Aufklärung etwaiger Unregelmäßigkeiten, die nach der Behauptung des„Anzeigers" bei der Vergebung und Ausführung von Bauarbeiten für die Reichspostverwaltung in Frankfurt a. M. vorgekommen sein sollen. Welche weiteren Maßnahmen ergriffen werden, hängt von dem Ergebnis der noch im Gange befindlichen Vernehmungen ab. Parlament und Papageienkrankheit. Das letzte Mittel: Verbot der Papageien=Einfuhr. Bei der Beratung des Wohlfahrtshaushalts im Hauptausschuß des Preußischen Landtags hob ein Regierungsvertreter in seinem Bericht über den Gesundheitszustand hervor, daß im Jahre 1929 eine Verschlechterung zu verzeichnen sei! Beigetragen habe dazu die strenge Kälte im letzten Winter. Der Regierungsvertreter äußerte sich dann zu der sogenannten Papageienkrankheit. Man sei dieser Krankheit, die bereits früher in England und in Holland aufgetreten sei, bisher noch nicht beigekommen, hoffe aber, sie überwinden zu können. Als letztes Mittel müsse zur Verhinderung weiterer Fälle ein Einfuhrverbot für Papageien ergehen. ste •* Rundschau im Cannes sind weitere drei Italiener von der anzösischen Polizei verhaftet worden. Bei den Haussuchungen wurde umfangreiches Material für die Her##tlung von Bomben gefunden. ### Vertreter des polnischen Bergbaues haben in LonVerhandlungen mit englischen Kohlenproduzenten angeknüpft. * Der frühere russische Botschaftsrat in Paris, Bessedowski, der wegen seiner Weigerung, nach Rußland zurückzukehren, bereits in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde erhielt nun auch noch wegen Unterschlagung von 60 000 Mark eine Gefängnisstrafe von 10 Jahren. * Sachverständigen=Bericht über die Ueberwindung der Landwirtschaftskrise. * Die Sachverständigen der von 22 Ländern beschickten Landwirtschaftskonferenz in Genf haben ihre Arbeiten mit der Fertigstellung eines Berichts an den Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes abgeschlossen. Bestimmte Vorschläge irgend welcher Art werden nicht gemacht. Das aussichtereichste Mittel zur Ueberwindung der landwirtschaftlichen Krise überhaupt und derjenigen im Getveidevau im besonderen sei der weitere Ausbau der landwirtschaftlichen Organisationen auf nationalem und internationalem Gebiet und der Ausbau ihrer Beziehungen zu den Verbranchern und den Organisationen des Konsums. Einem litanischen reichsdeutschen Pastor die geistliche Würde aberkannt. — Kowno, 10. Januar. Wie erst jetzt bekannt wird, ist dem seit 1922 in Litauen amtierenden reichsdeutschen evangelisch=lutherischen Pastor Eckart die geistliche Würde aberkannt worden. Das Urteil stützt sich u. a. auf die Behauptung, Pastor Eckart amt ere ohne Zulassung. * Ruhe in Albanien. — Tirana, den 10. Januar. Das albanische Pressebüro teilt mit, daß alle im Ausland verbreiteten Gerüchte über Unruhen und Aufstände in Albanien nicht den Tatsachen entsprechen. Aus keinem Teile des Landes sei irgend ein Zwischenfall gemeldet worden. Drei Millionen Arbeitslose in Amerika. — London, den 9. Januar. Wie aus Newyork gemeldet wird, beträgt nach Ausführungen des Präsidenten der Vereinigung der amerikanischen Arbeitsämter, die Zahl der Arbeitolosen in Amerika zur Zeit drei Millionen Personen. Die Wirtschaftslage habe sich nach dem Börsenkrach in der Wallstreet außerordentlich zugespitzt. Rückkehr Macdonalds nach London. Hoffnungsfreudige Beurteilung der Flottenkonferenz.— Die Japaner verhandeln mit der edmiralitht. Der englische Ministerpräsident Macdonald ist von seinem schottischen Heimatstädtchen Lossiemouth, wo er die Weihnachtszeit verbrachte, wieder nach London zurückgekehrt, um die letzten Vorbereitungen für die Flottenkonferenz zu treffen. Ueber die Aussichten der Konferenz äußerte sich Macdonald günstig. Er machte jedoch die Einschränkung, in der Abwicklung könne kein Land über das Maß hinausgehen, das man verständigerweise als den Zustand des internationalen Gleichgewichts ansehen könne. Man wird sich diese Worte Macdoualds in Deutschland merken müssen, da die Deutschland ausgezwungene Abrüstung sicherlich weit über das mit dem internationalen Gleichgewicht vereinbarte Maß hinausgeht. Der Führer der japanischen Flottenabordnung, Wakatsuki, stattete in Begleitung des Admirals Takarabe und des japanischen Botschafters dem Ersten Lord der Admiralität, Alexander, einen Besuch ab. Aralzew vor dem Ausschuß. Er spielt sich als verfolgte Unschuld auf.— Ein heiterer Tag im Untersuchungsausschuß. Der„— Berlin, 10. Januar. en=Untersuchungsausschuß des Preußischen Landlugs hatte bei der Vernehmung des Kaufmanns Uralzew, dessen Geschäfte der Raiffeisen=Bank erhebliche Summen gekostet haben, einen heiteren Tag. Uralzew, der heute 48 Jahre alt ist, hatte sich offenbar das Auftreten der Sklareks als Beispiel genommen. er gab nämlich die Erklärung ab, nicht er habe die Raisfeisen=Bank geschädigt, sondern umgekehrt seien ihm Verluste aus der Geschäftsverbindung mit Raiffeisen erwachsen. Als sich die Heiterkeit, die diese Erklärung im Ausschuß erregen miißte, gelegt hatte, entwarf Uralzew eine „Schilderung seiner Vermögenslage. Mit 200 000 Golomari in ver Tasche will er von Rußland nach Deutschland gekommen sein und hier seinen Reichtum rasch vermehrt haben. 1924 will Uralzew bereits im Besitz einer Fabrik gewesen sein, die einen täglichen Reingewinn von 6000 Mark abwarf, ferner soll ihm eine Villa in Lichterfelde im Werte von 1¼ Million Mark, ausgestattet mit 110 echten Perserteppichen, gehört haben. grub zwei Bergleute unter sich. Beide konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Dazu ist zu bemerken, daß die Vermögenswerte uralzews sämtlich nur einen Bruchteil bessen wert waren, was Uralzew angab. So hat z. B. eine Zuwelenkette, die Uralzew mit 750000 Mark bewertete, Brand unter der Erde. Feuerherd im Vergwerk. In einem der bedeutendsten kurhessischen Bergwerke, das die Kohle unter Tage fördert, der Braunkohlenzeche„Roter Stollen“ bei Kassel, wütet seit der Neujahrsnacht ein gewaltiges Feuer. Der Brandherd befindet sich 60 Meter unter der Erde in einer Bausohle. Von hier verbreitete sich der Brand auf die Zimmerung, die mit Donnergepolter in sich zusammenstürzte und die mit Löscharbeiten betrauten Vergleute in ernste Gefahr brachte. Das Feuer hat bisher noch allen Löschversuchen widerstanden. Die gesamten Stollengänge füllten sich mit Gaswolken, so daß die Löschmannschaften nur mit dem Schutz von Rauchhelmen und Gasmasken vordringen konnten. Da jedoch mit einer Schlagwetter=Explosion gerechnet werden mußte, wurde das Bergwerk schließlich von dem gesamten Personal geräumt und von der Außenluft hermetisch abgeschlossen. Man hofft, daß innerhalb der nächsten Tage durch diese Maßnahmen das Feuer erstickt werden kann. Bei Corrent am Golf von Neapet wurden mehrere Häuser von einem Erdrutsch niedergerissen. Zufälii, gerweise befand sich nur eine einzige Frau während des Unglücks auf dem betreffenden Grundstück. Sie wurals Leiche geborgen. Aus den Tälern der ProvinPiemont wurde heftiger Schneefall gemeldet. ganze 15000 Mark gebracht! Der Sache ist unter diesen dient worden. Vernehmung uralzens nicht geBochum, den 10. Januar. Auf der Zeche Bruchße wurden am Mittwoch abend zwei Hauer von herabfallenden Kohlenmassen verschüttet. In der Nacht zum Donnerstag gelang es der Rettungskolonne, einen Verschütteten als Leiche zu bergen. Trotz eifrigster Arbeit ist es noch nicht gelungen, den zweiten Bergmann aufzufinden. 40 Verlorene Schiffe. Der Untergang des Schoners„Martin Nisson" bestätigt. ## An letzten Tage des alten Jahres ging bei den Shelland=Inseln ein Schoner unter, von dem man annahm, daß es sich um den Schoner„Martin Nisson“. von der Insel Thurö handelt, der sich von Sundsvall nach Sutherland unterwegs befand. Wie nunmehr aus London gemeldet wird, wurde das Namensschild des genannten Schoners an Land gespült, so daß an dem Untergang des Fahrzeuges kein Zweifel mehr bestehen kann. Von der siebenköpfigen Besatzung des Schoners ist bisher nichts verlautet. Man muß daher damit rechnen, daß sie ums Leben gekommen ist. Der französische Schulkrenzer„Edgar Quinet“ verloren. Schicksal des auf Strand gelaufenen französischen Schulkreuzers„Edgar Quinet“ verlautet aus Oran, daß die Widerstandsfähigkeit des Fahrzeuges.von Augenblick zu Augenblick geringer wird. um Mitlwochnachmittag standen bereits die beiden Kanonen, die sich auf dem Hinterdeck des Kreuzers befinden, im Wasser. Admiral Bouis stattete dem Fahrzeug einen letzten Besuch ab und telegraphierte darauf dem Kriegsminister, daß das Schiff als verloren angesehen werden müsse. Eine Untersuchungskommission aus Toulon unter Leitung eines Konteradmirals wird in Oran erwartet. Verschiedenes. Arbeitsplan der Heimvolkshochschule Hohensolme (Kreis Wetzlar). Der bereits früher angekündigte Lehr, gang für junge Mädchen(27. Januar bis 14. April 1930 umfaßt in seinem Arbeitsplan nunmehr folgende Unter. richtsgebiete:: ner 1. Evangelische Lebenskunde.— 2. Erziehungskunde — 3. Deutschkunde.— 4. Kunstbetrachtung.— 5. Geschichte.— 6. Bürgerkunde.— 7. Gesundheitslehre. 8. Hauswirtschaftsunterricht.— 9. Handarbeitsunterricht. Einige Anmeldungen zu diesem Lehrgang werdeg noch angenommen. Sie sind umgehend zu richten an die Heimvolkshochschule Hohensolms(Post Wetzlar=Land). Bad Oeynhausen. Am letzten Sonntagabend wurden in der hiesigen evangelischen Kirche seitens des„Evangelischen Südamerika=Missionsbundes“ folgende neuen Mitarbeiter für Südamerika feierlich verabschiedet: Lehrer Heinrich Meier, Lehrer August Oelschig, Diakon Otto Neumann. Die Liturgie hielt Pastor Cyrus, die Predigt über Jesaia 40, 9 Pastor Lindemann. Kirchenchor und Solovortrag verschönten die Feier. Außer den oben Genannten gehen noch nach Südamerika: Lehrer Robert Weidt und ein weiterer Diakon. Sämtliche treten in den Schul= resp. Gemeindedienst in Brasilien ein und wurden von dort erbeten. Lehrer Oelschig macht zunächst eine Studienreise. Die Arbeit des Südamerika=Missionsbundes hat sich ständig erweitert. der Gelegenheit sei auch darauf hingewiesen, daß sich beim Südamerika=Missionsbund in Bad Oeynhausen eine Auswandererfürsorgestelle„Auswandererhilfe" befindet, die jedem Auswanderer Rat und Hilfe zuteil werden läßt. Wassersnot in Sardinien. Noch ein Grubenunglück im Ruhrgebiet. Duisburg=Hamborn, den 10. Januar. Donnerstag vermittag, hrach im unterirdischen Betrieb der Zechenanlage###vm der Bergbaugruppe Hamborn(Vereinigte Stahlwerke) in einem Flöz das Hangende herein und beErdrutsch bei Sorrent. Ueber Sardinien hat sich ein heftiges Unwetter entlaben, das schweren Schaden verursachte. Besonders betroffen ist die Umgebung von Uta, wo wette Strecken überschwemmt sind. Zwei Dörfer sind von der Umwelt völlig abgeschnitten. Von einem Wasserdeich wurden 70 Meter abgeschwemmt. So viel bisher. bekannt ist, sind jedoch keine Menschenopfer zu beIn Serramanna und Uta sind infolge der Ueberschwemmungen mehrere Häuser eingestürzt. Die Spitzen der Provinz haben sich sofort an den Ort der Ueberschwemmung begeben, um die Hilfeleistungen zu leiten. Kirchennachrichten für Zion. Sonntag, den 12. Januar. 1. S. n. Epiph. 9 Uhr: Pastor Jungblut. 10 Uhr: Pastor Bischoff. 14½ Uhr: Kindergottesdienst. Montag, 197 Uhr: Postor Voigs. onnerstag, Kirchennachrichten für Schildesche. g. den 12. Januar 1930. 10 Uhr vorm. Gottesdienst: Pastor Hopmann. 1½ Uhr nachm. Kindergottesdienst. in untertbheesen. Januar 1930. 8 Uhr abends Bibelsunde Bethel. Christlicher Verein junger Männer. Heute, Freitag, 8¼ Uhr, Bibelbesprechstunde über Amos 8. Sonntag nachmittag, 3½ Uhr findet im Paulusgemeindehause die Bezirkskonferenz der C....'er statt. Das große Thema„Die religiöse Kulturkrisis der Gegenwart“, auf Grund des Buches von Alfr. Wien„Die Stadt in den Wolken“ behandelt P. Niemann, „St. Johannis“. Wir treffen uns um 3 Uhr am Telefonhaus. Abends 8 Uhr in Gosen: Zwangloses Zusammensein bei Schallplattenmusik, Geige und Harmonium. — Postamt Bethel. Gefunden im Schalterraum zwei Damenschirme. Bethelschule. Oelfentl. höhere Mäüchenschule in Bethel. Lehrplan des Lyzeums. Förderstunden und Beaufsichtigung der Schularbeiten durch Lehrkräfte. Anmeldungen vorm. i. d. Schule. Sesbihl ehbhheng E. Münch Brackwede Houptstraße 81 ZentRa-Uhren Ruf 2426 Seit 1886 Die Garantie-Uhr deufecher Uöbrmecher W MF Bestecke Schmuck Uhren aller Art Moderne Augenoptik Anerkannter Lieferant sümtl. Krankenkassen Gährungslose Goltund Traubenlätte alkoholfrei, naturrein, ohne jede Konservierung. Probekiste mit 12 Flaschen 4 Strauchheimer(Apfelsüßmost Auslese) 2 Trauben(rot) 2 Trauben(weiß) Flasche, Kiste und Verpackung 19.20 RM gegen Nachnahme oder Voreinsendung Villa Charlottenruhe in Herrenalb(württ. Schu.) auf Postscheckkonto: Hannover 21365. 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Kaufleute will seinen Mitgliedern durch Schriften, Konferenzen und Ortsgruppenzusammenkünfte Gelegenheit geben, die Berufsfragen im Lichte des Wortes Gottes zu bespreGen Anmeldungen sind zu richten an die W. Brinck, Essen=Bredenen Einigkeitstraße 25. Tilsiter vollfeitkäse .20.— pro Pfd. versendet geg, Nlechn. in Postholl krente Friedrich Siotzka Demptmollerei jedwiiletten. Post Metzwethen. Tileiter Niederung Schriftleitung: W. Kraa, Wirtschafts= und Weltpolitik: Dr. §. huttel, Anzeigen: K. Diehmann, alle in Bethel. Zuschriften enbegeis hristleitung: Bielefeld, Schließsach 28. Für Geld# Potscheckkonto: Hannover 67877,„Aufwärto“, Christnicher Zugeotatt, Bethel b. Bielefeld. Fernruf 3911/3916, Am Bieleseld. Druck und Verlag: Anstalt Bethel. Nr. 9. St Ein ernster Ma „Laßt Zahlen Presse. Tatsächlich nüchternen Zahlen innerst erschüttert. nicht an sich drehe verlangen gebiete wird? Vielleicht Leier! Das weiß worten kann, der aber nicht verantn auf Gedeih und A lerne! Vor mir liegt ich mir zusammen büchern für das Di hier ganz vorführ Aber die verehrlic heben. So möchte berichten. Uebersc Länder 1925—1927 die Zahl der Ehes fälle und schließlischuß an Geburter fragen sind für jel alles schön verglei lichen Zahlen— Verhältniszahlen folgende Fragen schließungen, Lebe 1000 Einwohner? sonen— der Uebe benen? Unser Blick übe schließungen. Wir kommen auf 1000 Not bemerkt man steigen dieser Ziffei selben drei Jahrer ununterbrochenes diese unheimliche: Antwort hierauf se ein Mediziner ode ein Volkspsycholog nicht den Vorwurf und uns deswegen Daß in der niedri schaftliche Not sicht es wäre ein große wollen. Ein weite in Rechnung geste Zahl bzw. 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Auch folgende Zahlen verlangen gebieterisch Beachtung. Ob sie ihnen zuteil wird? Vielleicht denkt mancher:„Immer die alte Leier! Das weiß ich längst!“. Nun gut! Wer es verantworten kann, der sage:„Nach mir die Sintflut!“ Wer es aber nicht verantworten kann, sondern sich seinem Volk auf Gedeih und Verderb verbunden fühlt, der höre und lerne! Vor mir liegt eine lange Liste mit vielen Zahlen, die #ich mir zusammengesucht habe aus den statistischen Jahrbüchern für das Deutsche Reich. Am liebsten würde ich sie hier ganz vorführen; solch gewaltige Sprache reden sie. Aber die verehrliche Schriftleitung würde Einspruch erheben. So möchte ich wenigstens von diesen Zahlen etwas berichten. Ueberschrift der Liste: Deutschland und seine Länder 1925—1927. Die Liste enthält für diese drei Jahre die Zahl der Eheschließungen, der Geburten, der Todesfälle und schließlich den sich daraus ergebenden Ueberschuß an Geburten. Zahlen, die letzten Endes Existenzfragen sind für jedes Land, für jede Stadt. Damit man alles schön vergleichen könne, habe ich nicht die tatsächlichen Zahlen— jedenfalls nur selten—, sondern die Verhältniszahlen aufgeschrieben, d. h. Zahlen, die auf folgende Fragen Antwort geben: 1. Wieviele Eheschließungen, Lebendgeborene, Gestorbene kommen auf 1000 Einwohner? Wie groß ist demnach— auf 1000 Personen— der Ueberschuß der Geborenen über die Gestorbenen? Unser Blick überfliegt die 1. Spalte, die Zahl der Eheschließungen. Wir sehen: Etwa—9 Eheschließungen kommen auf 1000 Personen, und trotz der wirtschaftlichen Not bemerkt man erfreulicherweise ausnahmslos ein Ansteigen dieser Ziffer. Aber diesem Ansteigen steht in denselben drei Jahren gegenüber ebenso ausnahmslos ein ununterbrochenes Absteigen der Geburtenziffer. Woher diese unheimliche Tatsache? Ich bin überzeugt, daß die Antwort hierauf sehr verschieden lauten wird, je nachdem ein Mediziner oder Theologe, ein Nationalökonom oder ein Volkspsychologe sie erteilen wird. Wir wollen uns nicht den Vorwurf laienhafter Unbescheidenheit zuziehen und uns deswegen mit ein paar Hinweisen begnügen: Daß in der niedrigen Geburtenzahl— auch die wirtschaftliche Not sich offenbart, wer wollte es leugnen? Aber es wäre ein großer Fehler, sie nur daraus erklären zu wollen. Ein weiterer Grund, der heutzutage leider sehr in Rechnung gestellt werden muß, ist die erschreckende Zahl bzw. Zunahme der Ehescheidungen. Wenn deren Zahl nachgerade so groß ist, daß in unseren Großstädten auf 5 Eheschließungen 1 Ehescheidung kommt, so ist es ganz klar, daß dadurch auch die Geburtenziffer erheblich und durchaus merklich herabgesetzt wird. Ein dritter Grund weist uns hin auf eins der dunkelsten Kapitel des modernen deutschen Volkslebens. Hinter der niedrigen Geburtenzahl steht eine andere furchtbare Zahl von— unbekannter, aber sicher erschreckender Größe: die Zahl der künstlich verhinderten Geburten. Aber trotz allem dürfen wir den vierten Grund nicht übersehen: Es kann nicht laut und oft genug gesagt werden, daß auch eine gründliche Portion von Bequemlichkeit und nacktem Egoismus den„Willen zum Kinde“ verhindert, und zwar bei hoch und niedrig. Man will eben vielfach nicht das Opfer der Einschränkung im Lebensgenuß bringen— trotz des verlorenen Krieges. Nebenbei: Jeder Pädagoge weiß, daß ein einzelnes Kind gewiß nicht besser, sondern schlechter erzogen wird, als eine Schar von 3 oder 4 oder 5 Kindern. Nicht alle deutschen Länder haben an dieser traurigen Statistik gleichen Anteil. Wie hoch ist denn nun die Geburtenzahl auf 1000 Personen? Für den deutschen Durchgibt die neueste Statistik die Zahl 18,4 an. Um gleich einen gewissen Maßstab zum Vergleich zu bieten, sei vemerkt, daß dieselbe Zahl eben vor dem Kriege 30 lautete und im Jahre 1875 sogar 40, desgleichen im heutigen Rußland rund 50! Und die einzelnen deutschen Länder? Eine erfreuliche und noch velativ hohe Gefinden wir in Oberschlesien(25,7), Westfalen [21,0), Oldenburg(22.), während die Ziffer immer mehr inkt, je mehr ein Vorherrschen großstädtischer Verhältnisse eintritt, was bei den drei Stadtstaaten Lübeck(15,5), und besonders Hamburg(13.3) in betrüblichster Weise zum Ausdruck kommt. Von Berlin wollen gi# hier noch schweigen. Oberschlesien hat bei niedrigster Juyl der Eheschließungen doch die höchste Zahl der Geburten. Dies würde im Endresultat, dem Geburtenüberschuß, noch viel mehr zur Geltung kommen, wenn nicht daneben leider noch eine sehr hohe Sterblichkeit stände.— Ich wiederhole aber: Auch bei den erfreulichsten Ländern — überall unaufhaltbarer Abstieg! Wir kommen zur Sterblichkett, dem anderen Koefficienten„für den Geburtenüberschußz. Von vornherein burtenzister dd dlar sein, daß, während die Gedoch weithin durch den Willen des Volkes beist, dies bei der Sterblichkeit nur in ganz verschwindendem Maße der Fall ist. Für die Statistik, d. b. in diesem Falle für die Erhaltung unseres Volksbestandes, ist die Sterblichkeitsziffer bisher unsere Rettung gewesen. Die erfreuliche Verminderung der Sterblichkeit durch fortschreitende hygienische Maßnahmen hat bis jetzt bewirkt, daß der schlimme Geburtenrückgang nicht in noch viel verhängnisvollerer Weise auf den Geburtenüberschuß drückte. Von 1875 bis heute ist die Sterblichkeit auf etwa ½ bis ½ herabgegangen. Heute schwankt die Zahl der Todesfälle in Deutschland zwischen 10 und 14 auf 1000 Personen; der deutsche Durchschnitt beträgt etwa 12. Aber man meine ja nicht, daß dies auf die Dauer unsere Rettung sei. Es ist klar, daß die Sterblichkeitsminderung durchaus beschränkt ist und über ein bestimmtes Mindestmaß hinaus nicht fortgesetzt werden kann. Mir will scheinen, als ob wir an diesem Punkt schon angekommen seien; denn die Zahlen dieser Reihe zeigen an mehreren Stellen schon wieder ein Ansteigen. Zudem: Was heißt denn Sterblichkeitsminderung? Doch nicht ein Ausfallen von Todesfällen,— wir Menschen werden nach wie vor alle sterben—, sondern doch nur ein Aufsparen der Todesfälle auf später. Und dies„später“ wird kommen. Also mit der Rettung durch die Sterblichkeitsziffer ist's bald vorbei! Und nun schauen wir zum Schluß die nackten, ungeschminkten Zahlen des Geburtenüberschuß, unsere Bilanz! Obenan Oberschlesien trotz geringer Eheziffer und hoher Sterblichkeit mit 12,5; untenan der Staat Hamburg mit 1,7. Kommentar überflüssig! Von den finst'ren Höllenmächten Könnten wir euch vieles sagen, Wie in fiebertollen Nächten Sie die arme Menschheit schlagen. Wie ein Zug, ein endlos langer, Müder Pilger grabwärts wallt, Und der Sturm heult unheilschwanger, Und die Nacht ist schwarz und kalt! Aber nein! Ach doch und dennoch Blüht die Freude still verborgen! Fürchtet denn ein Kind sich, wenn noch Treue Vaterhände sorgen? Nein, kein Trauern und kein Zagen, Mag auch los die Hölle sein— Nur bis an den Himmel schlagen Ihre Flammen— nicht hinein! Boersing. Weit, weit schlimmer noch sieht es in den deutschen Großstädten aus, deren Liste jetzt vor mir liegt. Ihre Geburtlichkeit liegt tief unter der eben geschilderten der Länder.„Geburtlichkeit“ ist ein Ausdruck der neueren Statistik und ersetzt den früheren Ausdruck„Geburtenhäufigkeit“, weil das Wort„Häufigkeit" doch allmählich zu wenig den Tatsachen entsprach. Man bedenke folgendes: Zur bloßen Erhaltung des Volksbestandes— von Volksvermehrung also ganz zu schweigen!— gehört nach den Berechnungen der Statistiker eine Geburtenziffer von 17,4. Oder, was dasselbe bedeutet: Jede Ehe muß durchschnittlich 3,2 Kinder hervorbringen. Und nun lese man hier die Spalte der Geburten. Der Durchschnitt der deutschen Großstädte hat eine Geburtlichkeit von 13,41 Berlin hat— trotz höchster Zahl der Eheschließungen— nur 9,8! Zum Vergleich sei gesagt: daß das vielgeschmähte Paris noch 16,1 hat und London 17,1. Also nicht nur Berlin, sondern fast alle deutschen Großstädte stehen erheblich schlechter da als Paris. Nehmen wir gleich hinzu die Sterbefälle und den sog. Ueberschuß. Welch erschütterndes Bild! Berlin hat mehr Todesfälle als Geburten, mehr Eheschließungen als eheliche Geburten. Berlin hat keinen Ueberschuß mehr, sondern einen Unterschuß. Es seien ausnahmsweise einmal die tatsächlichen Zahlen gegeben: Berlin wies 1928 auf: 46030 Eheschließungen, 41584 Lebendgeborene, 48088 Gestorbene, also 6504 Gestorbene mehr als Geborene. Natürlich macht sich auch hier die erschreckend große Zahl der Ehescheidungen bemerkbar; im allgemeinen ist zu sagen, daß man von dem so beliebten Zwei=Kinder=System zum Ein=KinderSystem und Kein=Kinder=System übergegangen ist. Danach müßte eine Stadt wie Berlin eigentlich allmählich aussterben. Warum geschieht das nicht? Der Zuzug von außen, besonders vom Lande, ist seine„Rettung". Seine Rettung und des deutschen Volkes Verderb! Das ist ja die furchtbare Tragik, daß Berlin wie ein rasender Strudel seine Umgebung, nicht die schlechtesten Elemente, aufsaugt und dann mit sich und in sich ins Verderben reißt. In Berlin ist es zwar am schlimmsten, aber in den anderen Großstädten nicht viel besser. Einige Zahlen mögen dies zeigen. Hinter jedem Städtenamen stehen die Geburtenziffer und der Geburtenüberschuß, beide Zahlen aus dem Jahre 1928. Deutscher Reichsdurchschnitt(zum Vergleich) 18,6; 7,0. Berlin.8;—1,5(also Unterschuß!). Dresden 11,4; 0,7. München 12,4; 1,0. Magdeburg 13.3; 1,5. Leipzig 12,9; 2,0. Hamburg 12,7; 2,1 ufw. Erschütternde Zahlen! Aber am Schlusse habe ich noch drei erfreuliche Ausnahmen: Hamborn 24,1; 14,1. Oberhausen 21,3; 12,2. Gelsenkirchen=Buer 21,2; 11,2. Woher bloß diese Großstädte, die weit über dem deutschen Durchschnitt stehen? Aus den parallel laufenden Erscheinungen der Abwanderung vom Lande einerseits und der Zuwanderung in die Industriegegenden andrerseits ergibt sich eine ebenfalls parallele doppelte Wirkung. Die Altersschichtung in Industriegegenden— man vergleiche zu diesen Gedankengängen Schneiders kirchliches Jahrbuch 1928— ist eine ganz andere als auf dem platten Lande. Da in die Industriegegenden durchweg jüngere Leute einwandern, überwiegen dort die jüngeren Altersklassen. Die Folge davon ist, daß dort im allgemeinen die Geburtenziffer höher, dagegen die Sterblichkeit geringer ist. Diesen doppelten Vorzug zeigen deutlich die drei am Schluß genannten jüngeren Industriestädte. Das Resultat ist ein hocherfreulicher Geburtenüberschuß. Bei den älteren Großstädten ist, wie wir sehen, dieser Vorzug der besseren Altersschichtung leider längst und gründlich wieder aufgehoben und ins Gegenteil verkehrt worden. Bei den drei Industriestädten dürfte nach unserer Meinung allerdings noch ein anderer Gesichtspunkt mitsprechen. Der Prozentsatz der im Laufe der Jahrzehnte dort eingewanderten Polen ist nicht gering, und die slavische Rasse ist recht fruchtbar. Die Frage, ob dabei vielleicht das katholische Bekenntnis eine Rolle spielen könnte, wollen wir nur angedeutet haben. Das platte Land andrerseits gibt die jüngeren Lebensalter an die Stadt ab und behält die älteren. Eine geringere Geburtlichkeit und größere Sterblichkeit ist die natürliche Folge. Selbstredend lassen sich solche Erscheinungen nicht auf eine immer gültige mathematische Formel bringen, und so tritt nicht immer beides gleichzeitig ein. Hinsichtlich geringerer Geburtlichkeit ist besonders auffällig Schleswig=Holstein. Hinsichtlich größerer Sterblichkeit die beiden Mecklenburg. Auf einer weiteren Tafel mit denselben Rubriken und Maßstäben habe ich mir zusammengestellt die Entwicklung Deutschlands von 1875 bis 1928. In der Mitte prägt sich die Kriegszeit scharf ab mit wenigen Eheschließungen (1916 hinuntergehend bis auf 4,1), geringer Geburtlichkeit (1917 bis auf 13,9), hoher Sterblichkeit(1918 bis auf 24,7 angestiegen) und mit grauenvollem Todesüberschuß, der sich 1918 bis auf— 10,5 steigert. Dagegen haben wir in den Jahren unmittelbar nach dem Kriege ein vorübergehendes starkes Anschwellen der Eheschließungen und der Geburten. Lassen wir aber den Krieg beiseite und überschauen das Ganze, so haben wir bei fast gleicher Zahl der Eheschließungen einen Rückgang der Geburtenziffer von 40,6 im Jahre 1875 auf 18,6 im Jahre 1928; das ist eine Abnahme von 54 Prozent in 54 Jahren. Und gegenüber der Zeit unmittelbar vor dem Kriege beträgt die Abnahme der Geburten etwa 40 Prozent. Zwar zeigt das Jahr 1928 ein winziges Ansteigen der Geburtenziffer; was aber bisher über das 1. Halbjahr 1929 bekannt geworden ist, zeigt erneut rückfälligen Kurs. Deutschland als Gesamtheit steht also mit seiner Geburtenziffer noch ganz knapp über der Zahl, die, wie oben gesagt, zur reinen Bestandserhaltung nötig ist. Auf eine hierher gehörende Nachwirkung des Krieges sei noch aufmerksam gemacht. Wir stehen jetzt seit 1929 in den Jahren, in denen die zahlenmäßig sehr schwachen Kriegsjahrgänge zur Schulentlassung kommen. In den nächsten Jahren werden es immer weniger sein, bis im Jahre 1933 die geringste Zahl erreicht sein wird. Mit dieser Zahl wird der Bedarf an jungen Arbeitskräften nicht gedeckt werden können. Dieser Zustand könnte ja hinsichtlich der Arbeitsmöglichkeit sehr günstig und erfreulich erscheinen; er hat aber eine andere böse Begleiterscheinung. Das geringe Angebot an Arbeitskräften bringt möglicherweise höhere Löhne. Höhere Löhne aber, besonders in der Industrie, werden zweifellos die jetzt schon mehr als bedenkliche Landflucht noch vergrößern. So ist leider zu erwarten, daß der jetzt schon katastrophale Mangel an Arbeitskräften auf dem Lande in den nächsten Jahren sich noch steigern wird. Ein besonders trauriges Kapitel aus der jüngsten Zeit ist die starke Zunahme der Ehescheidungen. Oft muß sogar fingierte Schuld, die der eine Teil gleichmütig bzw. zynisch auf sich nimmt, herhalten, um eine Ehe zu scheiden. Das Deutsche Reich hatte 1927 538463 Eheschließungen und 36449 Ehescheidungen. Also kamen auf 100 Eheschließungen 6,8 Ehescheidungen. Für Berlin lauteten die gleichen Zahlen 40937 und 7592; also 100:18,6. Hamburg: 11 332 und 2282; also 100:20,2! Jedes weitere Wort dazu ist überflüssig. Ein grausames Dokument von Not und Entartung ist auch Deutschlands furchtbare Selbstmordstatistik. Auch da haben die Großstädte den traurigen Ruhm, an der Spitze zu marschieren. Im Deutschen Reich machten die Selbstmorde im Jahre 1927 2,1 Prozent aller Todesfälle aus, in Berlin 3,8 Prozent, in Hamburg 4,1 Prozent! Zum Schluß stellte ich mir noch Deutschland in einen größeren Kreis von europäischen Ländern, um vergleichen zu können. Da sind eine ganze Reihe von Völkern, die Deutschland bei weitem übertreffen durch Geburtenzahl bzw. Geburtenüberschuß. Die Zahlen sind wieder die gewohnten Verhältniszahlen für Geburten, Todesfälle und Ueberschuß. Obenan steht Rußland mit 49,9; 23,6; 26,2. Wie viel größer wäre noch der Ueberschuß, wenn die Sterblichkeit nicht noch so entsetzlich hoch wäre! Bulgarien hat 33,2; 20,4; 12.8. Portugal 30.0; 18,2; 11,8. Rumänien 29,9; 18,6; 11,3. Desgleichen übertreffen Deutschland noch z. B. die Niederlande, Spanien und Italien. Frankreich steht etwa mit Deutschland auf derselben Stufe, was die Geburten betrifft. Daß wir im Ueberschuß besser als Frankreich abschneiden(wir 7,0, Frankreich 1,7), liegt nur an der bei uns erheblich geringeren Sterblichkeit. England, Schweden, Belgien, Schweiz stehen noch ziemlich unter uns. Auf zwei charakteristische Züge muß hingewiesen werden: Einmal auf die auffallende Fruchtbarkeit der slavischen Rasse, dann auf die betrübende Tatsache, daß gerade die zivilisiertesten Länder den größten Geburtenrückgang haben. Rückgang überall. Soll uns etwa diese Schicksalsgemeinschaft ein Trost sein? Hier seien Schneiders Worte aus dem bekannten Kirchlichen Jahrbuch für die evangelischen Landeskirchen Deutschlands, Jahrgang 1928, angeführt:„Der Geburtenrückgang geht unaufhaltsam durch die ganze Kulturwelt. Daß er mancherorts den deutschen noch übertrifft, tröstet wenig. Er ist für Deutschland viel gefährlicher als für jedes andere Kulturland. Frankreich hat doch immerhin eine kulturell und rassenhygienisch hochstehende Einwanderung als Lückenbüßer zur Verfügung: Im Süden die stammverwandten Spanier und Italiener, letztere schon mit Millionen in Frankreich seßhaft, im Norden und Osten Belgier und Schweizer, die sich um so leichter französieren, als sie zumeist in Städten sich niederlassen. Deutschland kann seinen Volksersatz im wesentlichen nur aus dem Osten rekrutieren, der stets kulturell minderwertige Elemente ins Land bringt. Solche Elemente ersetzen den Deutschen nicht, sie verdrängen ihn. Ein dauernder und gesteigerter Geburtenausfall muß für Deutschland viel verhängnisvoller sein als für jedes andere Land. Abstieg in kultureller, wirtschaftlicher und politischer Beziehung würde die unausbleibliche Folge sein.“ Wohl das Schlimmste ist, daß von dem Geburtenrückgang ganz besonders die Intelligenz betroffen ist. Eine Beamtenzeitschrift berichtete für das Jahr 1925, daß in den Ehen des mittleren Beamtenstandes die durchschnittliche Kinderzahl 1,5 betrage, im höheren Beamtenstand sogar nur 1,0! Es ist etwas hocherfreuliches, wenn sich Intelligenzen aus niedrigeren Schichten emporarbeiten und so auch sich und ihren Nachkommen eine bessere Lebenshaltung schaffen. Aber— man schaue sich um— wie oft ist mit solchem Aufstieg verbunden der Abstieg in die Kinderarmut oder gar Kinderlosigkeit! Diese Erscheinung ist nach unserem Dafürhalten schlimmer als der rein zahlenmäßige Rückgang. Was ist zu tun? Die ungeheure Gefahr sehen nachgerade alle Länder ein. Wie soll der Kampf gegen diese Kulturkrankheit geführt werden? Mit Gesetzesmaßnahmen, Belohnungen, Strafen? Sicherlich sind Gesetze nötig, die z. B. den Kinderreichen mehr Schutz und Rückhalt gewähren. Aber sie allein machen es gewiß nicht. Belohnungen und Strafen hat man längst gekannt und sogar schon im Altertum angewandt. Haben sie den Untergang Roms aufhalten können? Wir müssen geistige Mächte zum Kampf aufrufen.„Der Geist ist's, der lebendig macht!“ Und da stehen wir schon bei den ethischen und religiösen Werten. Aller„Wiederaufbau" von außen schafft nichts, die schönsten Gesetze nichts, alle Fortschritte auf soziologischem Gebiet nichts, solange von einem Wiederaufbau von innen nichts zu spüren ist. w. b. Gegen den religiösen Individualismus. Unter den trefflichen Neuerscheinungen des rühmlichst bekannten Chr. Kaiser=Verlag, München, möchte ich das neue Buch von Hermann Kutter„Mein Volk— die Botschaft Jeremias und unsere Zeit"“ besonders hervorheben. Kutter ist ja als der Vertreter eines echten, eines herzlichen Sozialismus, als Vorkämpfer gegen allen Individualismus uns wohl vertraut. Wenn er sich nun mit seiner Botschaft auf den Propheten Jeremias stützt und diesen Gewaltigen unserem kleinen Geschlecht nahebringt, so tut er damit dem sorgenden und um neue Hoffnung ringenden Volksfreund einen großen Dienst. Es ist ein rechtes Gegenwartsbuch. Zwei Proben werden genügen, es zu charakterisieren und auf eigenes Lesen neugierig zu machen. „Gott ist ein Gott. Berufen sich die Christen auf seinen in ihnen waltenden Geist, dann sollen sie mit demselben lebendigen Interesse auch dafür sich einsetzen, daß die äußere Ordnung ihres Lebens, der ganze Kosmos, den sie aus Gottes Hand entgegennehmen, auch zur ursprünglichen Gottesordnung zurückkehre. Dann ist die Umgestaltung der Welt gerade so gut ihre Aufgabe wie die Umgestaltung ihres Herzens. Nun ist es eine Hauptaufgabe der Christen, von Gott aus alle Verhältnisse zu betrachten, in seinem Geiste zu ordnen, seinen Willen und seine Herrschaft in der ganzen Welt auszurufen, Staat, Volk, Gesellschaft, Wirtschaft, Familie, kurz alle die Kreise, in denen sich die Menschen bewegen, mit göttlichem Leben zu durchdringen. Der Jünger Jesu ist aufgeschlossen für die Welt, nicht ab geschlossen. Christ sein heißt die Welt als Werkzeug Gottes bejahen und nicht als„Jammertal“ verneinen. Subjektivismus und Individualismus sind nur ein Teil des Christentums, der verkümmert und zur Torheit wird, wenn ihm nicht der andere Teil ergänzend an die Seite gestellt wird: der Universalismus und Realismus.“(S. 20.) Das war aus dem Anfang des Buches. Und von den Schlußsätzen sei ebenfalls ein gewichtiges Wort mitgeteilt: „Eben, weil wir das Volk fast nur als„massa perditionis“(dem Verderben geweihte Masse) zu betrachten uns gewöhnt haben, weil wir vergessen haben, daß Gott auch mit dem ganzen Volk, nicht nur mit Einzelnen in Verbindung steht, daß um das Heilige herum ein Vorhof sich lagert, der auch zum Tempel gehört, darum vermögen wir * Hermann Kutter, Mein Volh— die Botschaft Jeremiae und unsere Zeit. 1929. Chr. Kaiser=Verlag(München). 274 S. geb..20 M. es, so summarisch, mit einer Grausamkeit, die nur durch unsere Unwissenheit und Unbesinnlichkeit eine Entschuldigung findet, über die„viel zu Vielen“ abzuurteilen, ganz uneingedenk dessen, daß, wenn es eine menschliche Liebe zur ganzen Menschheit gibt— wie sie uns oft in ergreifender Weise entgegenkommt— es auch eine göttliche Liebe geben muß für alle Menschen, für die Masse wie für die Einzelnen. Denn was bedeutet in Gottes Augen dieser Unterschied?“(270.) Weiter nenne ich aus dem gleichen Verlag die wundervollen drei ersten Luther=Hefte der„Klassischen Erbauungsschriften des Protestantismus". 1. Martin Luther, Das Magnisikat(„Meine Seele erhebe den Herrn", Lobgesang der Maria), verdeutscht und ausgelegt. 90 S. 1,80 M. 2. Martin Luther, Auslegung deutsch des Vaterunser. 82 S. 1,80 J. 3. Martin Luther, Sermone vom heil. Abendmahl. 54 S. 1,50 M. Außerdem, ebenfalls aus Chr. Kaiser=Verlag: Paul Schempp, Luthers Stellung zur heiligen Schrift. Fortsetzungen zur Geschichte und Lehre des Protestantismus, herausg. von Althaus, Barth und Heim; 85 S. 3,50 A. Eine tiefgrabende vortreffliche Studie. Gerade in unserer Zeit, wo die Frage nach dem Worte Gottes und seine Bedeutung für Glauben und Leben wieder lebendig geworden ist, muß man auf Luther zurückgreifen und sich über die innere Zusammengehörigkeit von Schriftverständnis und reformatorischer Umwälzung, von tötendem Buchstaben und auferweckendem Geist grundsätzlich klar werden. Dazu gibt Schempp eine vorzügliche Anleitung. Zweierlei macht er insbesondere einleuchtend: inwiefern für den Reformator Christus Inhalt der Schrift und zugleich Herr über die Schrift ist, und wie es sich mit der reformatorischen Hauptfrage nach dem Gegensatz und der Einheit von Gesetz und Evangelium verhält. Die Schwierigkeiten von äußerer und innerer Autorität der Schrift, von ihrer äußeren und inneren, dem Sünder verborgenen, aber dem gläubigen Sünder offenen Klarheit werden gut analysiert. Luther war von vornherein der heil. Schrift gehorsam und fand in diesem Glaubensgehorsam Gottes Wort in der Schrift. Halle. Gustav von Rohden. Erlebnisse aus der jüngsten Schreckenszeit. Es war im Jahr 1918. Schwüle Gewitterwolken lagerten am politischen Horizont. Nach mehrjährigen, ruhmreichen Kämpfen waren die deutschen Krieger in der umstrittenen Stadt Riga, am breiten Dünastrande, eingezogen. Man hatte der Stadt den Namen„weiße Rose“. beigelegt, denn schön ist sie, besonders der neuere Stadtteil mit seinen Gebäuden und Gärten— ein Produkt deutscher Schaffenskraft und Kunst.— Als wir, d. h. außer mir meine Freundin und deren Pflegeschwester aus Westpreußen in Riga eintrafen, viet uns ein deutscher Soldat, eiligst unser Gepäck abzuholen, denn schon nahten die wilden Bolschewisten. Zu unserem Gepäck gehörte auch ein großer Käfig, in dem eine langhaarige Ziege die weite Reise glücklich überstanden hatte, ja zuletzt gar mit dem Schnellzug befördert wurde. Bald war die Stadt in den Händen der Bolschewisten, die sich aus allerlei Völkern, und unter ihnen auch aus entlassenen Sträflingen rekrutierten. Auf den Einwohnern lag ein schwerer Druck, denn die Einziehenden herrschten mit Raub und Mord, und was nicht geraubt wurde, fiel der Zerstörung anheim. Gewöhnlich statteten sie ihre Hausbesuche nachts ab, denn sie rechneten damit, daß die Familien dann vollzählig beieinander waren. Das Schlagwort„Freiheit“ war ein Deckmantel für ungezügelte und unbestrafte Raub= und Mordlust. Schiller hat recht mit dem Wort:„Da werden Weiber zu Hyänen und treiben mit Entsetzen Scherz“, denn wenn Männer beim Schießen versagten, griffen Weiber zum Gewehr; ja, eine rühmte sich, 100 weniger eins ihrer Opfer niedergemacht zu haben, und pro Kopf 100 Rubel erhalten zu haben.— Schon hatte ich einen meiner Neffen nicht weit von Riga auf grausame Weise verloren, da drangen nachts die Schergen in die Wohnung des zweiten Neffen, auch eines jungen Pastors und befahlen ihm, sofort aufzustehen und ihnen ins Gefängnis zu folgen. Dahinter blieben die junge Frau und die kleinen Kinder. Diese dunklen Zulassungswege Gottes, da Scharen, und darunter Prediger des Evangeliums, ihr Leben lassen mußten, da weder das hohe Alter noch die zarte Jugend berücksichtigt wurden, sind wohl manchem Gemüt unbegreiflich gewesen. Aber die Weltgeschichte ist das Weltgerichte, und im Lichte des Wortes Gottes kann manches Licht in solch Dunkel fallen. Letzten Endes wirds immer klarer, daß dieses Erdenleben nicht das Endziel der Wege Gottes mit den Menschen ist. Alles zielt bei Ihm auf Umgestaltung in Sein Bild, und dazu führen oft schwere Kreuzeswege. Wie ist in den Gefängnissen manche innere Frucht erwachsen oder gereift, die in ruhigen Zeiten und Zeiten des Wohllebens nie erwachsen wäre. Wie reifte da in düsteren Zellen bei gemeinsamem Leid die Teilnahme, Liede, Tragkraft auch bei dem schwächeren Geschlecht. Einer trug des andern Last, und Heldenhaftes kam ans Licht. Andererseits trieb solche Zeit der Angst, Not und Ungewißheit ins dringende Gebet und ließ Gottes Macht, Errettung und Bewahrung wunderbar erleben. Von 12 rekognoszierenden Männern, die unsere Hauswirtin nachts aufsuchten und von ihr, der klug berechnenden Frau an langer Tafel gut bewirtet wurden, kamen nur 8 früh morgens zu uns herauf, und sie nahmen bei uns nichts mit. Der eine öffnete die Tür zur Stube, wo unsere liebe Blinde sterbend lag. Als ich die Männer mahnte, stiller zu sein, sagte er:„Wann wird sie krepieren?“„Niemals,“ erwiderte ich,„sie geht heim.“ Nach ihrem Tode mußte der betreffenden Friedhofsbehörde Meldung darüber erstattet werden. Traurig hatte mir die liebe, dekannte Kirchhofsfrau gemeldet, daß nun nicht sie, sondern die Boschewisten über alles zu bestimmen hätten. Diese erlaubten keine Rede am Grabe. Doch im kleinen Stübchen, wo sie aufgebahrt war, bekam ich den Auftrag, da ich sie im Leben gekannt, eine kleine Gedächtnisrede zu halten. Den Sara hatten wir mit großer Mühe erhalten, und war er auch roh gezimmert, so waren wir dankbar, überhaupt einen zu haben, und schmückten ihn so gut wir konnten. Eine andere Schwierigkeit war der Transport zum Friedhof. Ein Tischler, der ihn übernommen hatte, trat, aus Furcht vor den Boschewisten, plötzlich zurück und überließ es einem kleinen Jungen mit einem Karren und Pferdchen, die Fahrt auszuführen. Solche Zustände herrschten damals. Dabei kam im Gefolge des Krieges und der Unruhen das Gespenst des Hungers. Wie genügsam mußten verwöhnte Lebemänner und Frauen werden und wie dankbar mußte man das tägliche Brot aus Gottes Hand nehmen. Ueberfälle und Morde waren an der Tagesordnung und die armen, im Gefängnis schmachtenden Opfer konnten weder durch Fürsprachen noch Kautionen herausgerettet werden. Früher oder später war gewöhnlich ihr Los der Tod; ja, mancher mußte vorher sein Grab selbst graben. Wie viele Alte und Junge, Vornehme und Geringe mußten, getrieben wie eine Herde, in der Kälte, dürftig bekleidet, den Weg von Mitau nach Riga zu Fuß machen. Brach mancher erschöpft am Wege zusammen, so ließ man ihn daselbst umkommen oder eine Kugel machte seinem Leben ein Ende. Fast war solch plötzliches Ende der langdauernden Qual und Ungewißheit hinter den Gefängnismauern vorzuziehen. Es war ein Glück, daß die Schreckensherrschaft nur zirka 5 Monate dauerte und daß die deutsche„Eiserne Division“ im Bunde mit Balten und Russen alles dransetzte, die Stadt einzunehmen. Mit Gottes Hülfe gelang das. Der Jubel der Bevölkerung war groß. Sie liefen den deutschen Kriegern entgegen. Nach heißem Ringen wurde die Stadt erobert. Als die Nachricht vom Einzug der Befreier ins Zentralgesängnis drang, suchten die Bolschewisten die Gefangenen der Reihe nach, ehe sie flohen, umzubringen. Schon hörte mein Neffe durchs Telephon sein Todesurteil, da kamen in Eilmärschen die Deutschen vors Gefängnis und übten ein strenges Strafgericht an Männern und Flinienweibern. Mein Neffe wurde im letzten Augenblick gerettet. Bald landeten englische Schiffe im Hasen von Riga und schossen in die offene Stadt. Gefahr von allen Seiten, und doch erlebte man Gottes wunderbaren Schutz. Die Kugeln, die auch über unser Vereinshaus flogen, schlugen nicht ein. Ich war damals Hausmutter im Blauen Kreuz. Mancher Flüchtling kam zu uns. Durch die Bolschewisten hatte ich Kapital und Sachen verloren. Die kleinen Einnahmen wollten den Ausgaben gegenüber nicht die Wagschale halten. Da riet mir meine Freundin, das Kontobuch beiseite zu legen und sagte mir das tröstliche Gedicht: „Der Unglaub spricht:„Es wird bald nachten“; Der Glaube:„Sonne, stehe still!“ Der Unglaub:„Wir werden ja verschmachten!“ Der Glaube:„Starrer Felsen, quill!“ Wenn Sarah ihre Tage zählet, Horcht Abraham auf Gottes Wort, Wenn Saul den schweren Harnisch wählet, Zieht David mit der Schleuder fort. Der Unglaub hat noch nicht gedroschen, So iß der Glaube schon sein Brot. Der Unglaub zählet seine Groschen. Der Glaube kennet keine Not!“ Wir kamen wunderbar und ohne Schulden durch. Der Glaube ist wie eine Hand, die von Gott das Nötige empfängt.— Wie atmeten alle auf, als die wilden Bolschewisten die Stadt verlassen hatten und Ordnung in die zerrütteten Verhältnisse kam; auch Arbeitslose bekamen Stellen.— Doch nicht lange erfreute man sich der Ruhe. Neue Kämpfe zwischen Letten, Esthen einerseits und Deutschen andererseits entspannen sich. Um die Zeit besuchte ich eine Schwester in der Umgebung Rigas, nicht ahnend, daß der Kampf auch auf dem Pastorat meines Schwagers tobte. Eilig wurde eine Lagerstatt im tiefen Keller eingerichtet, während ich unter erbetenem Schutz eines deutschen Kriegers— es war ein Rheinländer— flüchten mußte. Er nahm mich auf seinen Munitions wagen; als wir ins Kriegslager kamen, hieß es:„Frauen dürfen nicht durchs Lager!" Doch mein Beschützer setzte es durch. Wir fuhren dann längs einer Landstraße. Links auf der Höhe blitzte was auf. Auf meine Frage, was es sei, hieß es, wir seien jetzt die Zielscheibe der Esthen auf der Höhe und sie hätten schon einen Wagen zusammengeschossen. Schnell riet mir mein Begleiter, den Kopf unterzustecken. Er tat es auch. Dann ging es über eine unter minierte Brücke. Darauf steckte er mich in einen Wagen mitten unter Soldaten. Ich stieg in einsamer Försterei ab, wo ein deutscher Bekannter meiner Schwester wohnte. Der war aber geflohen. Ein Gefühl der Unsicherheit beschlich mich während der Nacht unter Letten, die zur Zeit seindlich den Deutschen gegenüberstanden. Lettisch konnte ich auch nicht reden. Der Herr hielt die Hand über mir. Früh morgens wanderte ich zu Fuß nach Riga. Ich war gerettet. Wieviel hat man doch aus dieser Zeit lernen können! Das Wort„Freiheit“ hatte nach allem Erlebten keinen guten Klang. Wo keine innere Freiheit von seiner alten, bösen Natur ist, da arten die Triebe aus. Der Mensch wird grausamer als ein Tier. Mordlust, Zerstörungswut gewinnen Raum im Herzen. Die Selbstsucht herrscht und gönnt dem Nächsten nichts. Die Liebe erkaltet, der Glaube an einen allwissenden, gerechten Gott erlischt. Aber, gottlob, dieser Krieg ließ nicht nur Böses ausreifen, nein, unter bitterm Leid reifte, wie schon erwähnt, manche köstliche Frucht. Gemeinsames Leid verband und verwischte Standesunterschiede und trieb in die Arme dessen, der selbst gelitten und ein Opfer für alle gewesen ist, der das beste Mitgefühl und Trost für Leidende hat, der die Furcht vor dem Tode nahm und getrosten Mut schenkte. Es erfüllt sich in solchen Zeiten der Verfolgung und Drangsal: Zur Stunde gibt der Herr Mut und Kraft, auch im Angesicht des Todeo. E. W wabch D8 Bestellgeb Ausland unte Einzelnumm Nr. 10. Mnzmmn Ich bin nicht wande des Lebens Beim alten senhöhle. Schon Steingewölbe u: Rollen eines D einem abgeleger durch die Wett hundecte. „Ich albein u heigene Licht.“ ment, für viele aufgehellt. Ein Himmel alle We Erdendunkel. Außer Jesus wagen in einer rungenschaften, nichts träumen sichts der Tatsa Chinesen und I Gott und Welt das Feuer heili reinigung behüt Lichtkraft Gott Haben die Moh med vergleichen vom Thron G kamen vor hhun Völker der Erdwiderwillig muf menen Menschei der heilige Eiger les, ja, fest glau willen von Got Himmel auf sie Opfer hin Erba lassen. Ist das wenn der indist licher sei, zu v dann nicht an Gewiß, aber Wolke von bös auf den lebendi die Geister der von Gott, wer Geistern schenkt kluge und fein es für unbeding wird im heilige So bleibt Reine unter### heidnischer Chil schuldigen Herr davon seinen seinem Herzen das Licht der# Alle Welt: Gott, nach dem schen ein unerr heiligt sind, in da, was sie erst