Nr. 307. 27. Jahrgang. Dienstag, den 9. Dezember 1913. Volkszeitung für das Paderborner Land Grichemnt niächentich imd. Bezugspreis monatlich bei der Post abgebolt 40 Pfg., durch Boten ins Haus gebracht 54 Pfg., durch die Post zugestellt 54 Pfg. Redaktion u. Geschäftsstelle: Paderborn, Königstraße 11 Fernsprech=Anschluß 61. Adresse für Telegramme: Anzeiger Paderborn Abdruck der Gewinnlisten der preußisch=süddeutschen Klassen=Lotterie Poderborner Angeigr wrden die amtlichen Bekanntmachungen des Paderborner Magistrats veröffentlicht. Beilagen:„Familienfreund“,„Die Zeit in Wort und Bild“„Kinderwelt“ und„Landwirtschaftliches Wochen= und Boretnobtart“. Inzeigenpreis die 7 spaltene Kolonelzeile oder deren Raum für Paderborn 10 Pfg., answärts 15 Pfg. Reklamezeile 40 Pfo. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Paderborn= Oraan des landwirtschaftlichen Kreisvereins Kurze Uebersicht. Im Kreise Rybnik hat sich eine schwere Grubenkatastrophe ereignet. Das Luftschiff Sachsen machte in der Nähe Hamburgs eine Notlandung. Das französische Kabinett hat sich gebildet. 900 Neueste Nachrichten. Ein entsprungener Löwe. * Berlin, 9. Dezember.(Tel.) Bei einer Kinoaufnahme auf dem Tempelhofer Felde, die eine Szene im Löwenkäfig darstellte, verließ eine Schauspielerin, der die unmittelbare Nähe des Löwen zu unbehaglich wurde, den Käfig und ließ in der Eile die Tür offen stehen. Der Löwe benutzte die Gelegenheit und entfloh. Seine Flucht wurde jedoch bald bemerkt. Man ging ihm mit Feuerspritzen zu Leibe, und er zog sich schleunigst in den Käfig zurück. Die neue Dresdener Galerie. * Dresden, 9. Dezember. Der Rat der Stadt Dresden bewilligte gestern 450.000 MK als Beitrag zu dem geplanten Galerieneubau, der die modernen Gemälde der Dresdener Galerie aufnehmen soll. Bereits früher hatte die Stadt 50.000 fA bewilligt. Die Regierung hat eine Million für denselben Zweck im Etat gefordert. Messerstecherei. * Mittellazisk(Regbz. Oppeln), 9. Dez.(Tel.) Beim Barbarafest entstand unter den Bergarbeitern eine Messerstecherei. Von 6 Schwerverletzten sind 8 bereits verstorben. Friedensphantasien. * Washington, 9. Dez.(Tel.) Das Repräsentantenhaus hat mit großer Mehrheit eine Resolution angenommen, in der Präsident Wilson ersucht wird, Churchills Anregung, betr. die internationale Rüstungspause im Bau von Scklachtschiffen zu unterstützen. soweit dieses mit den Interessen der Vereinigten Staaten vereinbar sei. Die Kammerwahlen in Bulgarien. * Sofia, 9. Dez.(Tel.) Nach dem bisher bekannten Wahlresultate dürfte die liberale Regierungspartei 180—150 Mandate erhalten. Die Russophilen Geschows und Danews haben schlecht abgeschnitten, sie können vielleicht 5 Mandate erhalten. Zum türkisch=serbischen Frieden. * Konstantinopel, 9. Dez.(Tel.) Der Ministerrat hat in seinen beiden letzten Sitzungen über den türkisch=serbischen Friedensvertrag beraten. Einige Punkte darin sind noch unentschieden. Die Beschlüsse wurden heute nachmittag dem serbischen Delegierten Pawlowitsch mitgeteilt. Dammbruch. * Newyork, 6. Dez. Nach einem Telegramm aus Dallas in Texas barst gegenüber von Bryan der Schutzdamm des Flusses Brazos. der ein Gebiet von 55000 acres beschützt. Hunderte von schwarzen Farmern wurden überrascht und flüchteten auf die Bäume und die Dächer der Häuser. Der Vizepräsident der International Great Northern Railway ertrank. Im ganzen sind bei der Ueberschwemmung 20 bis 80 Personen umgekommen. * Newyork, 6. Dezember. Eine Depesche aus Bryan im Staate Texas meldet, daß bei der Ueberschwemmung des Flusses Brazos 50 Personen umgekommen sind; zwei Drittel davon sind Neger. Viele andere befinden sich noch in großer Gefahr. In der Umgegend sind tausende Personen durch das Wasser vom Verkehr abgeschnitten. Auf eine Entfernung von 50 Meilen treibt der Fluß in einer Breite von 8 bis 5 Meilen reißend dahin. Der Sachschaden wird auf 4 bis 5 Millionen Dollar geschäpt. Zur Entscheidung über Zabern * Berlin, 6. Dez. In verschiedenen Blättern sind dem Unterstaatssekretär Wahnschaffe Aeußerungen in Gesprächen mit Parlamentariern in den Mund gelegt worden, wie die, daß der Oberst von Reuter und der Leutnant von Forstner aus dem 99. Infanterie=Regiment entfernt werden sollten, und daß der Kriegsminister im Reichstage nicht so gesprochen habe, wie er wollte und sollte. Aus der Reichskanzlei erfahren wir, daß der Unterstaatssekretär über die Entfernung der Offiziere überhaupt nichts mitteilen konnte und nichts mitgeteilt hat und daß er bezüglich der Rede des Kriegsminiflers nus bedauert hat, daß sie nicht vichtig verstanden worden sei. Ebenso falsch ist die Behauptung, der Unterstaarssekretär habe von einem rednerischen Mißgeschick des Reichskanzlers gesprochen, weil er vergessen habe, die Anordnungen Seiner Majestät an den Kommandierenden General in Straßburg und der Entsendung des Generals Kühne nach Zabern zu erwähnen. Der Unterstaatssekretär kennte dies schon deswegen nicht gesagt haben, weil ja beide Tatsachen von dem Kanzler in seiner Rede erwähnt worden sind. Reichskanzler Dr ven Bethmann Hollweg ist heute vormittag 9.05 Uhr hier wieder eingetroffen. * Straßburg, 6. Dez. In verschiedenen Blättern war berichtet worden, daß den Reserveoffiziersaspiranten elsässischer Herkunft des Trainbataillons Nr. 15 vom Bezirkskommando mitgeteilt worden sei. daß sie aus nichtdienstlichen Gründen von der Liste der Offiziersaspiranten gestrichen worden seien. Diese Nachricht ist unwahr. Bei den Bezirkskommandos des Armeekorps haben 1913 nur Streichungen von drei Offiziersaspiranten auf eigenen Antrag der Aspiranten oder wegen Nichterfüllung der Uebung V. stattgefunden. Der Eindruck, den der kaiserliche Erlaß, betreffend die Verlegung des 99. fanterieregiments in Zabern hier in den weitesten Kreisen machte, ist bei den Altelsässern und Altdeutschen ein ganz bedeutender. Der Erlaß wird als die beste Lösung der vorhanden gewesenen Schwierigkeiten empfunden, umsomehr, als man in der amtlichen Verlautbarung von dem Rücktritt des Statthalters den dieser übrigens auch nicht ungevoren hat, nicht die geringste Andeutung findet.— Die „Straßburger Post“ betont, der allgemein im Lande mit herzlicher Freude empfundene Eindruck sei, daß Graf=Wedel auf seinen Posten bleibe. Das Blatr legt dies dahin aus, daß nunmehr alle Garantien geschaffen seien, um die Mögligkeit von#remden Eingriffen in die Regierungsphäre und von Kompetenzkonflikten auszuschalten. * Straßburg, 8. Detz. Mit Bezug auf die Meldung, Leutnant von Forstner sei nach Gleiwitz versetzt worden, wird von Seiten des Generakommandos mitgeteilt, daß von einer solchen Versetzung nichts bekan nt sei. Nach einer Blätternildung aus Hagenau tut Leutnant von Forstner in der 4. Kompagnie Dienst. Morgen findet die Verhandlung gegen die 6 Rekruten statt, die die Mitteilung in die Oeffentlichkeit gebracht haben. Die Straßburger Neuesten Nachrichten melden aus Metz: Gestern nachmtttag versammelte sich die Lothringische Akademie in Nancy zu einer feierlichen Sitzung, um die Preisverteilung vorzunehmen. Es sind zwei Preise ausgesetzt als Prix de Devouement, als ein Preie für hingebende Aufopferung. Die Preisträger sind der Präsident der beiden Souvenirs, Herr Jean, der für seine Tätigkeit in Lothringen einen Preis von 300 Mark erhalten soll, und Bourson, Redakteur der Nouvelltste, der bekannte Matinkorrespondent, der 200 Mark erhält. Der Kaiser in Württemberg. * Ludwigsburg, 6. Dez. Vormittags 10 Uhr hatten sich der Kaiser und der König im Automobil bei trübem Wetter von Stuttgart zur Jahrhundertfeier des Stiftungstages des Dragonerregiments Königin Olga hierher begeben. Am Stuttgarter Tor wurde der Kaiser vom Bürgermeister Dr. Hartenstein an der Spitze der städtischen Kollegien begrüßt. Dann ging die Fahrt durch die reichgeschmückte Stadt und das Spalier der Truppen. Schulen usw. nach dem Schlosse weiter, wo die Ankunft um 10.45 Uhr erfolgte. In einem Teil des Schloß= hofes hatte das Regiment mit Vormarsch zahlreicher ehemaliger Offiziere und Gäste, darunter Graf Zeppelin Aufstellung genommen. Der Kaiser und der König, die die Dragoneruniform des Regiments angelegt hatten, schritten die Front ab, wobei der Kaiser den Grafen Zeppelin herzlich begrüße. Der König hielt eine Ansprache, die mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser, der Kaiser eine Ansprache, die mit einem dreifachen Hurra auf den König ausklang. Der Kaiser und der König stifteten je ein Säkularstandartenband. Beide Bänder hißte der Kaiser selbst an die Standarte. Der Regimentskommandeur frrach den Dank des Regiments aus und schloß mit einem Hurra auf den Kaiser und König. Sodann begann der Feldgottesdienst für beide Konfessionen. Die bei der heutigen Jahrhundertfeier des Dragonerregiments Königin Olga,(1. Württembergisches Nr. 26), verlesene Kabinettsorder des Kaifeue, burch bie dem Regiment ein Stenberteubend verliehen wird, hat folgenden Wortlaut: Ich will hiermit dem Regiment zur Erinnerung an die heutige Feier seines hundertjährigen Bestehens das beifolgende Standartenband verleihen. Möge dieses Band ein bleibendes Zeichen meiner besonderen Zuneigung und meiner hohen Freude sein, mich als Chef des Regiments zu wissen, das seinen wohlbegründeten Ruf der Tapferkeit und Treue auch mit der neugeschmückten Standarte zu erhalten und zu mehren wissen wird. * Wildpark, 7. Dez. Der Kaiser ist heute früh 8 Uhr 5, von Stuttgart kommend, auf der Fürstenstation Wildpark eingetroffen. Er begab sich ins neue Palais. Die Lösung der französischen Ministertrise. * Paris, 6. Dezember. Gleich Ribot scheint auch Senator Dupuy bei seinen Bemühungen, ein linksrepublikanisches Ministerium zu bilden, ernsten Schwierigkeiten zu begegnen. Wie verlautet, weigern sich die vereinigten Radikalen, dem der demokratischen Vereinigung angehörenden Dupuy ihren Beistand zu gewähren, weil sie der Ansicht sind, daß der künftige Ministerpräsident ihrer Partei entnommen werden müsse. In der gemäßigten republikanischen und konservativen Kreisen wird diese Haltung der geeinigern Radikalen in scharfer Weise kritisiert und es wird behauptet, daß Cailleaux und Clemenceau, denen in dieser Frage auch Jaures Gesellschaft leistrt, im Hinblick auf die Kammertvahlen im Mai nächsten Jahrro unnschränkte Herren des Ministeriums seien und sich gleichzeitig eine Revanche für die Schlappe holen möchten, die sie bei der Versailler Präsidentenwahl erlitten haben. Das „Echo de Paris“ meint, daß die Führer der Radikalen den Präsidenten Poinaare zwingen wollen, zur Blockpolitik zurückzukhren und sich dadurch in den Augen der Bevölkerung bloß zu stellen. * Paris 7. Dezember. Doumerque hatte heute morgen eine kange Besprechung mit Cailleaux, der sich ihm für das Finanzportefeuille zur Verfügung stellte, falls Doumergue das Kabinett bildet. Doumergue besuchte darauf Bourgeois, Clemenceaus, Combes, und Jean Dupuy. Im Augenblick hat Daumergue nur Cailleaux und Viviani bestimmte Porteseuilles ang boten. Deumergue wird heute nachmittag oder morgen vormittag seine Bemühungen sortsetzen und besonders Deschanel und Brkand aussuchen. Doumergue soll seine endgültige Entscheidung morgen vormittag 11 Uhr dem Präsidenten der Republik mitteilen. Wie verlautet, berechtigt die Aufnahme, die Doumergue bei den Persönlichkeiten, die er aussuchte, gefunden hat, zu der Annahme, daß seine Bemühungen wahrschein. lich von Erfolg gekrönt sein werden, obwohl Doumergue noch nicht offiziell mit der Bildung des Kabinetts beauftragt und bis jetzt nur die Zuerteilung zur ier Portefeuilles bestimmt, sind doch Gerüchte im Umlauf, wonach sich das neue Kabinet: folgendermaßen zusammensetzt: Ministerprüs dent und Inneres Doumergue, Auswärtiges Ribot oder Delcasse, Justiz Jean Dupuy, Krieg General Dubail mit General Sernail als Generalstabschef, Marine Noulens, Unterricht Viviani, Finanzen Cailleaux, Handel Ferdinand David, Ackerbau Malvy oder Raynaud, Kolonien Lebiun, öffentliche Arbeiten L’Hepiteau, Arbeit und soztale Fürsorge Renould 9 Paris, 8. Dez. Nach einer heute morgen veröffentlichten Liste wird das neue Kabinett ungefähr folgendermaßen zusammengesetzt sein: Präsidium und Aeußeres Senator Doumergue. Inneres Jean Bienvenu=Martin. Finanzen: Deputierter Caillaux, Unterricht Deputierter Rene, Viviani, ein entschiedener Antiklerikaler, Oeffentliche Arbeiten Deputierter Fernande David, Krieg General Dubail, Marinedeputierter Noul= lens, Berichterstatter des Budgetausschusses der Kammer, Kolonien: Deputierter Le Brun, der schon während der deutsch=französischen Marokkound Kongoverhandlungen an der Spitze dieses Ministeriums stand, Handel: Deputierter Rene Renault Arbeit und soziale Fürsorge: Deputierter Malvi, Ackerbau: Deputierter Reynaud, das Justizportefeuille dürfte einem der Union Republicaine angehörigen Republikaner übertragen werden. Das neue Kabinett wird einen überwiegend radikal=sozialistischen Charakter haben. Drei Mitglieder desselben, Le Brun, David und Magilot gehören der Kammergruppoe der Entente democratiqus et foeials en, die mährend der Verbanblungen über die dreijährige Dienstzeit zur Unterstützung des Ministeriums Barthou gegründet wurde. ° Paris, 8. Dez. Doumerque hat dem Präsidenten Poincare mitgeteilt, daß er die Aufgabe, das Kabinett zu bilden, nunmehr amtlich übernehme. Die Devutiertenkammer hat sich bis Donnerstag vertagt. ° Paris, 9. Dez.(Tel.) Das Ministerium Doumergue ist endgültig nominiert worden. Es setzt sich zusammen wie folgt: Vorsitz und Auswärtiges Doumergue, Instiz Bienvenu, Inneres Renault, Finanzen Caillaux, Krieg Noulens, Marine Monis, Unterricht Rene Viviani, Post und Telegraph Malvi, Oeffentliche Arbeiten David, Ackerbau Reynand, Kolonien Lebrun, Arbeit und soziale Fürsorge Letin. Deutscher Am Bundesratstische Dr. Delbrück. Präsident Dr. Kaempf eröffnete die Sitzung um 10.15 Uhr. Die Besprechung der sozialdemokratischen Interpellation betr. die Arbeitslosigkeit wird fortgesetzt. Abg. Sosinski(Pole) bespricht unter großer Unruhe im Hause zunächst die Maßnahmen, die bisher die Kommunen selbst oder im Zusammenhang mit den Arbeiterorganisationen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit getroffen haben. Durch die Polengesetzgebung werden häufig Arbeiter von ihrer Arbeitsstelle vertrieben und dadurch arbeitslos. Hier muß zunächst durch Beseitigung der Ausnahmegesetze Wandel geschaffen werden. Abg. Dr. Haegy(Elsässer): Eine geordnetere und gesetzmäßige Fürsorge für Arbeitslose ist notwendig. Wir erklären uns bereit, mit dem Reichstag an dem Entwurf einer solchen Fürsorge mitzuarbeiten. Die Einzelheiten müssen hier mit dem Reiche Land in Hand arbeiten. Abg. Mumm(Wirtschaftliche Vgg.): Die Beschäftigung ausländischer Arbeiter müßte nur zugelassen werden bei Arbeiten, für die deutsche Arbeiter nicht zu haben sind. Vor allem sollten die preußischen Bauverwaltungen nur deutsche Arbeiter beschäftigen. Auch die Grubenherren würden wirklich, national handeln, wenn sie die ausländischen Arbeiter entlassen würden. Unterstaatssekretär Dr. Richter: Bei der vollständigen Sympathie für den Verein der inneren Kolonisation ist es jedoch nur möglich, diese Fonds soweit für diese Zwecke zur Verfügung zu stellen, als es die Bestimmungen des Kaligesetzes zulassen. Abg Brandes=Halberstadt(S.): Darüber, daß sich die Regierung unserer Interpellation gegenüber ablehnend verhält, wird eine tiefe Empörung durch das Volk geben. Abg. Brandes(S.): England hat die Arbeitslosenversicherung; bei uns geht es nicht, weil man es nicht will. Die Konservativen wünschen die Arbeitslosenversicherung, und der Verreter der Regierung verhält sich ablehnend. Die ausländischen Arbeiter werden als Lohndrücker berutzt und sögar bevorzugt. Wir verlangen die Versicherung für unverschuldete Arbeitslosigkeit, nicht für Streikende. Die Arbeitgeber, insbesondere die Industrie, können ganz gut noch weitere Lasten tragen.(Bravo bei den Sozialdemokraten). Damit schließt die Besprechung. Es folgt die Interpellation der Konservativen wegen der Dienstboten=Krankenversicherung. Staatssekretär Dr. Delbrück erklärt sich zur Beantwortung der Interpellation bereit. Abg. Graf Westarp(k.) führt zur Begründung aus: Die am 1. Januar in Kraft tretende Versicherung stößt auf große Schwierigkeiten. In weiten Landbezirken ist es nicht möglich, Verträge mit Aerzten zustande zu bringen. Auch bei der Gründung neuer Crtskrankenkassen zeigen sich erhebliche Schwierigkeiten. Die großen Güter in den östlichen Provinzen haben mit den Aerzten feste Verträge zur Behandlung der Arbeiter und ihrer Familien. Während die Jamilien jetzt Anspruch auf freie ärztliche Behandlung haben, würden sie vom 1. Januar ab dieser Hilfe verlustig gehen. Als meine Partei für die Schaffung von Landkrankenkassen auch für Dienstboten eingetreten ist, wurde sie scharf kritisiert. Jetzt haden auch einige Vororte von Berlin Landkrankenkassen für Dienstboten eingerichtet, mit dem Erfolge, daß die Beiträge halb so hoch sind, als in Berlin. Staatssekretär Dr. Delbrück: Die Ausführung der Reichsversicherungsordnung in Sache der Landeszentralbehörden. Mit diesen hat der Reichskanzler vereinbart, daß der Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes, der 1. Januar 1914 sein soll. Von keiner Seite ist mitgeteilt worden, daß das nicht möglich wäre. Man sollte meinen, daß die Zeit von zweieinhalb Jahren ausreichend gewesen wäre.(Zustimmung links). Die Gemeinden hätten schon früher von der Befugnis, Ortskrankenkassen mit besonderen Lohnklassen einzurichten, Gebrauch machen sollen. Einen Anlaß, das Inkrafttreten des Gesetzes hinauszuschieben, habe ich nicht. Dazu können uns auch die Zwistigkeiten zwischen den Aerzten und den Krankoulossen nicht bestimmen. Sch hoffe iume und. daß es rechtzeitig zu einer Einigung zwischen beiden Parteien kommt. Eine Erörterung dieser Frage würde nur Oel ins Feuer gießen. Auf Antrag des Grafen Westarp wird in die Besprechung der Interpellation eingetreten. Abg. Giebel(S.): Der Bundesrat war gar nicht berechtigt, den Termin hinauszuschieben. Wie es mit der Krankenpflege auf dem Lande aussieht, wissen wir zur Genuge. Die Versorgung der Landkrankenkassen mit Aerzten mag schwierig sein. Das kann uns aber nicht veranlassen, die Hinausschiebung des Inkcafttretens der Versicherung zu befürworten. Abg Becker=Arnsberg(Z.): Die Landtrankenkassen werden keine größeren Schtoferigkeiten in der Aerztebeschaffung haben als die Ortskrankenkassen. Ein Hinausschieben des Gesetzes künnen wir nicht empfehlen. Darauf wird ein Vertagungsantrag angenommen. Nächste Sitzung Dienstag 2 Uhr. Tagesordnung: Kurze Anfragen, Reichshaushaltsetat. Schluß nach 8 Uhr. Veränderungen in Marokko? * Madrid, 5. Dez. Der„Imparcial" veröffentlicht einen Interventionsentwurf der Gebrüder Mannesmann obgleich der Wortlaut selbst aks un. wahrscheinlich bezeichnet wird. Dadurch werden folgende Veränderungen der spanischen Zone in Marokko vorgeschlagen: Spanien soll unverzüglich Raisuli Güter und Geiseln zurückstellen, eine Kommission aus einem Vertreter des spanischen Ministeriums, einem der Gebrüder Mannesmann und einem Marokkaner solle die Gerichte der Eingeborenen organisieren. Spanien solle sich verpflichten, seine Besatzungstruppen bis auf je ein Regiment in Larrasch, Elksar, Tetuan, Melilla und Ceuta zurückzuziehen, eine Eingeborenentruppe unter dem Kommando Raisulis zu schaffen und die Verwaltungsfragen dem General zu überweisen. In dem Interventionsentwurf der Gebrüder Mannesmann heißt es weiter: Eine aus drei Mitgliedern bestehende Kommission, darunter ein spanischer Nationalökonom und einer der Brüder Mannesmann, solle für die Bedürfnisse der Eingeborenen alle administrativen und militärischen Maßregeln treffen, die ihr gut erscheinen. Die spanische Regierung solle sich bereits jetzt dazu verpflichten, den Entwurf anzunehmen, den die Kommission in dieser Angelegenheit ausarbeiten werde. Die Eingeborenen sollen die Waffen behalten. Die Firma Mannesmann solle sich direkt mit den Kabylen ohne Vermittelung der spanischen Behörden in Verbindung setzen. Sie solle eine Gesellschaft gründen mit der Berechtigung für die ganze Zone und mit einem für hundert Johre ausgestellten Charter, die alle öffentlichen Arbeiten ausführen solle und berechtigt sei, Verträge und Bündnisse jeglicher Art mit den Eingeborenen abzuschließen. Spanien solle von jeder Einmischung in die bürgerlichen Angelegenheiten der spanischen Zone ausgeschlossen werden, da die Gesellschaft die Verwaltung der Polizeigewalt durch in allen Bezirken einzusetzende Polizeikorps sichern werde. Diese Polizeikorps sollen mit den spanischen Behörden durch Vermittelung der Gesellschaft verkehren. Die Eingeborenen sollten nur den Gerichten der Gesellschaft unterworfen sein. Schließlich solle die spanische Regierung sich verpflichten, alle von der Gesellschaft angeregten politischen und militärischen Reformen durchzuführen. Schweres Grubenunglück. * Emmagrube(Kreis Rybnik), 7. Dez. Heute nacht 3 Uhr brach in einem Gesenk der 200-Meter=Sohle der Emmagrube ein Brand aus, dessen Ursache noch nicht aufgeklärt ist. Durch die nach der 400-MFeter=Sohle ziehenden Brandgase wurden 13 Bergleute getötet. Die Zahl der Vermißten ist noch nicht festzustellen, dürfte aber voraussichtlich drei nicht übersteigen. * Rybnik, 7. Dez. Im Laufe des Vormittags wurden die drei vermißten Bergleute der Emmagrube als Leichen geborgen. Die Zahl der Toten beträgt somit 16. Der Brand ist völlig gelöscht. * Rybnik, 8. Dez. Bei dem Brande in der Emmagrube sind, wie jetzt berichtigend gemeldet wird, gleich bei Beginn der Rettungsarbeiten 16 Tote geborgen worden. Bei einer zweiten Suche hat man noch drei Mann lebend zutage gesördert, wovon einer auf dem Wege zum Knappschaftslazarett gestorben ist, während die beiden anderen noch schwer krank darniederliegen. Eine Irrfahrt der Sachsen. Quickborn, 7Der Die„Sachsen" ist heute nachmittag nach 4 Uhr über Quickborn erschienen. Sie fuhr sehr niedrig, sodaß die Telephon= und Starkstromleitungen zerriß, wodurch der telephonische Verkehr gräßtenteils lahm gelegt wurde. Das Lust# landete unbeschädigt auf der Quickborner Heide. Das Hamburger Luftschifferkommand: ist im Automobil nach dem Landungsplatz unterwegs. * Hamburg, 7. Dez. Heute nachmittag 3 Uhr traf das Luftschiff„Sachsen", das um 5.45 Uhr heute früh von Dresden abgefahren war, über Hamburg ein. Es konnte aber, obwohl man Raketen steigen ließ und Hornsignale abgab, wegen des dichten 100 Meter über der Stadt lagernden Nebels den Landungsplatz nicht finden. Die„Sachsen“ kreuzt jetzt über der Stadt. * Hamburg, 8. Dezember. Das Luftschiff Sachsen ist heute vormittag gegen 11 Uhr 80 Minuten auf der Quickborner Heide aufgestiegen und um 11,50 Uhr auf dem Flugplatz Fuhlsbüttel gelandet. Deutsches Reich. * Arbeiterbewegung und Arbeiterfrauen. Mehr wir irgend eine andere politische oder wirtschaftliche Bewegung wird die Arbeiterbewegung von der jeweiligen Stellungnahme der Frauenwelt beeinflußt. Daher haben die Arbeitervereinigungen seit jeher der Frauenfrage im Rahmen ihrer Standesbewegung große Beachtung geschenkt. Neuerdings ist das um so notwendiger geworden, da sich die verschiedensten Kreise darum heutithen, Einfluß uuf die Arbeiterfrauenwelt zu gewinnen. Die Atbeiterorganisationen können ihre Arbeit nicht auf die erwerbstätigen Arbeiterinnen beschranken, sondern müssen auf die Organisations- und Bildungsbestrebungen der nicht erwerbstätigen Frauen, in ihrer Eigenschaft als Gattinnen und Mütter, Einfluß zu gewinnen suchen. In einem Artikel unter vorstehender Ueberschrift behandelt das„Arbeiter=Taschenbuch“ füe 1914, herausgegeben vom Kartellverband katholischer Arbeitervereine West=, Ost= und Süddeutschlands(Verlag„Germania“ Berlin, Preis 50 Pfg.) diese Frage und teitt dafür ein, daß die Arbeiterfrauen in das Organisationsleben der Gegenwart eingeführt werden müßten. Auch die Frauen gehörten in die Standesvereine und in die Gewerkschaft, um dort über die neuzeitlichen Organisationsbestrebungen aufgeklärt und als Mitarbeiterinnen herangebildet zu werden. Kenner unserer Arbeiterbewegung seien davon überzeugt,„daß der glückliche Verlauf der Arbeiterbeweung wesentlich von der Mitwirkung der rbeiterfrau abhängt.“ Mit dem Irrtum, daß die jungen Mädchen an ihrem Hochzeitstage aus der Standesbewegung ausscheiden, müsse aufgeräumt werden. Auch die Arbeitergattin und Hausfrau müsse als Herz der Arbeiterfamilie mit der Standesbewegung fühlen und in ihr mitwieken: „Die Hebung des Arbeiterstandes ist unmöglich ohne Hebung der Arbeiterfamilien. Diese ist nur erreichbar durch eine hauswirtschaftliche, gründliche geschulte Arbeiterfrauenschaft. Was nützt alle Lohnerhöhung des Mannes, wenn die Frau nicht damit zu wirtschaften versteht? Was nützt alles poetische Gerede vom trauten Arbeiterheim, wenn die Frau es nicht verwirklicht? Was nützt alles Organisieren, wenn kein Organismus entsteht in dem Leben und Wachstum ist, wenn nicht die Arbeiterkinder den Standesgedanken erben und weiterpflegen, sondern dereinst eberso standesuntauglich, unwissend und unbeholfen dastehen wie ihre Väter im ersten Anfange der Bewegung? Wer soll sie aber anders für den Standesgedanken erziehen, als ihre Mutter? Wer einen andern Weg kennt, auf dem sich eine Bewegung, die das Werk von Generationen ist, entwickeln soll, möge ihn austeigen.— Aus diesem Zusammenhange ergibt sich die eminente Bedeutung der weiblichen Standesvereine und der Mädchenjugendvereine als Vorstufe für unsere Arbeiterfamilien. Hier muß das Mädchen geschult werden in allem, was es mit in die Arbeiterfamilie bringen soll, hier muß es in den Gedanken der Standesbewegung eingeführt werden, damit es später als Arbeitergattin die Standespflichten und Standesopfer seines Mannes versteht und fördert und seine Kinder in diesem Geiste erzieht.“ * Der Aerztetagsbeschluß wird nicht befolgt. Der„Deutschen Journalpost“ wird geschrieben: In dem Beschluß des letzten Aerztetages wird es jedem Arzt zur„heiligen Pflicht“ gemacht, von jetzt ab mit keiner Krankenkasse einen Vertrag abzuschließen und die kassenärztliche Versorgung aller Versicherten abzulehnen. Die Organisation werde dies nicht eher wieder gestatten, bis sich die kassenärztlichen Verhältnisse ausnahmsweise zur vollen Zufriedenheit der organisierten Aerzte ordnen lassen. Von diesem Beschluß sind von vornherein Württemberg, Berlin, Hamburg, Dresden ausgenommen worden. Im Stadt= und Landkreis Hagen(Westfalen) hatten die Krankenkassen mit der zuständigen Aerzteorganisation neue Verträge aufgestellt. Das dringende Verlangen der Aerzteorganisation Hagen, die Unterzeichnung der Verträge zuzulassen, wurde unter Hinweis auf den Aerztetagsbeschluß vom Leipziger Aerzteverband abgelehnt. Daraufhin hat die Aerzteorganisation Hagen, wie schon kurz berichtet, im Widerspruch mit dem Aerztetagsbeschluß die Verträge durch Unterschrift vollzogen. Die Führer der Aerzteorganisation Hagen haben noch einen besonderen Revers unterzeichnet, wonach sich die Aerzte auch ohne Genehmigung des Leipziger Aerzteverbandes auf fünf Jahre an den Vertrag gebunden hätten. Dieser Vorgang ist umso bemerkenswerter, als die organisierten ten Aerzte im Bezirk Hagen bisher in nachdrücklichster Weise den Standpunkt des Leipziger Aerzteverbands vertreten haben. Da vielfach in der Aerzteschaft, namentlich in den Aerztekreisen, die bisher Kassenpraxis in größerem Umfang ausgeübt haben, eine Beunruhigung eingetreten ist über die künftige Gestaltung des Verhältnisses zu den Kassen, so kann damit gerechnet werden, daß das Beispiel der Hagener Aerzteorganisation bald Nachfolge findet. * Maßnahmen gegen die Nachahmung von Wein. Die„Neue politische Korrespondenz" berichtet: Die Frage, wie der Nachahmung von Wein gesteuert werden kann, die sich unter dem Namen der Herstellung von Malzwein zu verbergen sucht und mit Recht die deutschen Winzer lebhaft beunruhigt, ist auf Veranlassung des Staatssekretärs des Innern in einer Versammlung der Verwaltungsreferenten und technischen Sachverständigen der nächstbeteiligten Bundesregierungen erörtert worden. Die Gesetzwidrigkeit der Nachahmung hat das Reichsgesetz anerkannt. Polizei= und Strafverfolgungsbehörden sind daher schon jetzt in der Lage, einzuschreiten. Im einzelnen Falle wird es aber nicht immer leicht sein, zu entscheiden, ob erlaubte Malzweinbereitung oder strafbare Nachahmung von Wein vorliegt. Das Weingesetz gibt dem Bundesrat die Möglichkeit, Klarheit über die Grenzen des Zulässigen zu schaffen und Vorschriften zu erlassen, die dem Zuwiderhandelnden unmöglich machen, hinter den Bestimmungen des Gesetzes Deckung zu suchen. Eine entsprechende Vorlage soll dem Bundesrat in nächster Zeit zugehen Ausland. Japan. * Die Krönung des Kaisers von Japan ist vorläufig auf den 8. Nevember 1914 festgesetzt worden. Die Wirren in * Tokio, 5. Dez. Vier Mitglieder der mexikanischen Spezialgesellschaft, die beauftragt ist, der japanischen Regierung ihren Dank für die Teilnahme an der mexikanischen Jahrhundertfeier auszusprechen, sind am 1. 12. von San Franzisko kommend, in Tikio eingetroffen. Seit ihrer Ankunft sind sie unausgesetzt mit Verhandlungen wegen Ankaufs von Waffen und Munition von dem, unter dem Namen Taiho Schokai bekannten japanischen Syndikat beschäftigt. * Mexiko, 6. Dez. Hier ist heute seit Monaten der erste Zug aus Monterey mit hunderten von Flüchtlingen eingetroffen. Wie sie berichten, sind die Zustände in Monterey seit Montag verzweifelt. Die Lebensmittel sind knapp. Die Rebellen drohen täglich die Stadt anzugreifen. * Veracruz, 6. Dez. Der kleine Kreuzer „Bremen“ ist am Freitag abend mit der Bestimmung nach Tampico ausgelaufen. * Mexiko, 8. Dez. Ein Tagesbefehl an die Armee untersagt jede Beleidigung der Ausländer und erklärt, daß das Leben und das Eigentum der Ausländer geachtet werden müssen. Weder Geld noch Nahrungsmittel dürften von ihnen verlangt werden. Es soll den Ausländern freistehen, die Kampfzone zu verlassen, sobald sie es wünschen. Welt und Leben. Ein interessanter Prozeß in Sicht. * Berlin, 5. Dez. Die Gewerblich=Genossenschaftliche Versicherungsgesellschaft für Volksfürsorge in Hamburg strengte gegen die Deutsche Volksversicherungs= Aktien=Gesellschaft beim Landgericht Berlin 2 Klage an, die sich darauf begründet, daß die Volksversicherungs=Aktiengesellschaft in verschiedenen Rundschreiben die Behauptung aufstellte, bei der Volksfürsorge würden die Gelder der Versicherten letzten Endes dazu dienen müssen, für die Umsturzpartei einen neuen starken Kriegsschatz im Kampfe gegen den gegenwärtigen Staat zu schaffen. Die Klägerin verlangt nach§ 14 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb die Untersagung dieser Behauptung und der weiteren Verbreitung der betreffenden Flugblätter. Wie wir erfahren, wird die Volksversicherungs=Aktiengesellschaft den Beweis für die Richtigkeit ihrer Behauptung in vollem Umfange antreten und dementsprechend Abweisung der Klage beantragen. Der Verhandlungstermin ist auf den 22. Dezember angesetzt worden. Schwere Fälschungen. * Berlin, 6. Dez. Bei der Saerfelder Filiale der Schwarzburgischen Landesbank zu Sondershausen sind durch Fälschungen der Buchungen und Belege Unterschlagungen des Prokuristen Walter Kramann aufgedeckt worden, die zu seiner Verhaftung und zur sofortigen Entlassung des ersten Prokuristen und des Leiters dieser Filiale geführt haben. Kramann hat die veruntreuten Gelder zum größten Teil zur Hergabe von Darlehen im eigenen Namen benutzt, so daß für einen erheblichen Betrag Deckung aus seinen Außenständen gefunden werden dürfte. Sofern der verbleibende Fehlbetrag nicht von der Familie des Defraudanten aufgebracht werden wird, wird die Bank in der Lage sein, dies sie selbst treffenden Ausfälle durch teilweise Inanspruchnahme der vorhandenen Reserven soweit auszugleichen, daß den Aktionären außer dem einmaligen Fortfall der Superdividende kein weiterer Schaden erwachsen wird. * Halle(Saale), 8. Dezember. Die Unterschlagungen bei der Filiale Saalfeld der Schwarzburgischen Landesbank, Aktiengesellschaft, sollen den Betrag von etwa 50 0000 A erreichen. Mit der Affäre soll auch eine Erpresserangelegenheit zusammenhängen, deren Opfer der verhaftete Beamte Krahmann der Saalfelder Filiale geworden ist. Weitere Verhaftungen stehen bevor. Wechselfälschung. * Berlin, 6. Dez. Heute erschien in der Hauptkasse der Dresdener Bank ein junger Mann, der einen Wechsel über 20000 M. mit den Unterschriften der beiden Bürgermeister und des Stadtbaurates von Köpenick präsentierte. Auf eine telephonische Anfrage in Köpeick stellte sich heraus, daß eine Fälschung vorlag. Der junge Mann wurde verhaftet und als der 19jährige Schreiber Ernst Wegener festgestellt. Als sein Helfershelfer wurde der frühere Angestellte beim Köpenicker Magistrat, der 18jährige Herbert Haak verhaftet und ebenfalls der Kriminalpolizei übergeben. Verrat militärischer Geheimnisse. * Königsberg, 6. Dez. Wegen Verrats militärischer Geheimnisse an eine fremde Macht wurde der Kaufmann Helis aus Prostken in Ostpreußen verhaftet und in das Königsberger Gerichtsgefängnis eingeliefert. Helis steht im Verdacht mit dem gleichfalls wegen Landesverrats verhafteten Kaufmann Richter in Verbindung gestanden zu haben. Rätselhafter Mord. * Mülhausen, 6. Dez. Ein rätselhafter Mord wurde in Brumbach bei Mülhausen verübt. Der 21 Jahre alte Arbeiter Karl Decker wollte sich zur Arbeit nach Mülhausen begeben, als er plötzlich von zwei Schüssen durchbohrt zur Erde fiel. Eine Kugel war ihm in die Schläfe gedrungen und hatte den sofortigen Tod herbeigeführt. Ueber den Täter und die Ursache zu der Tat hat man noch keine Anhaltspunkte. Die Unterschlagungen des Direktors. * Gießen, 6. Dezember. Die Gewerbebank in Lollau, die durch den inzwischen verhafteten Direitor Nieß um 600 000# geschädigt worden ist, hat heute vormittag den Konkurs angemeldet. Zwei Gläudiger, die nur mit 5000 M beteiligt waren, haben die geplante Sanierung zum Scheitern gebracht. Durch den Konkurs wird eine große Anzahl von Jamilien sehr hart betroffen. Funde vom L. 1. * Hamburg, 7. Dez. Wie die Virma Johannes Thode und N. Ebeling mitteilt, fand der Fischdampfer Lauenburg, als er bei Helgoland fischte, das Wrack des Marineluftschiffes L. 1. Zwei große Benzintanks und Teile des Gerippes wurden geborgen. Nachdem der Fundort genau festgelegt worden war, kehrte der Dampfer nach Hamburg zurück. Die Firma setzte das Reichsmarineamt in Kenntnis. Es verlautet, daß morgen Torpedoboote sich mit dem Fischdampfer an die Fundstelle begeben werden. Revolverschießerei in der Sparkasse. * Graz, 6. Dez. Ein Beamter edr Sparkasse des Bezirks und Umgebung von Graz, Adolf Kraus, der nervenleidend ist und wegen Renitenz vom Amte suspendiert wurde, feuerte heute mittag im Direktionszimmer aus zwei Revolvern Schüsse gegen den Direkor Kelz, das Direktionsmitglied Krautforst und den Vorstand Niemann ab und verletzte sie ziemlich schwer. Er tötete sich sodann durch Schüsse in Kopf und Herz. Einbruch im Marinearsenal. * Paris, 6. Dez. Nach einer Blättermeldung aus Toulon wurde gestern nacht im Arsenal ein Einbruch verübt und aus einer eisernen Kasse der Marineartillerie die Summe von mehreren tausend Francs geraubt. Verhaftete Anarchisten. * Paris, 6. Dez. Die Polizei hat zweispanische Anarchisten namens Pasquan und Eres verhaftet die seit mehreren Monaten die in den Bahnhöfen der Untergrundbahn aufgestellten Automaten geplündert hatten. Es wurde festgestellt, daß die beiden für die anarchistische Propaganda seit längerer Zeit jeden Monat etwa 1000 Franks nach Spanien geschickt haben und daß diese Summen durchweg aus den von ihnen verübten Diebstählen herrührten. Ueberschwemmungungen. * Paris, 8. Dez. In der Gegend von Lyon und Chambrey sind durch anhaltende Regengüsse große Ueberschwemmungen verursacht worden. Räuber im Hotel. * London, 8. Dez. Fünf bewaffnete Männer betraten gestern ein Restaurant am unteren Broadway in Newyork und besetzten die Ausgänge. Zwei von ihnen befahlen den anwesenden Gästen sich in einer Reihe aufzustellen. Sodann wurde den Gästen und auch dem Hotelbesitzer sämtliches Geld und auch die Schmucksachen weggenommen. Die Räuber entkamen unerkannt. Vom brennenden Schiff gerettet. * Gibraltar, 6. Dez. Der Dampfer Pannonia der Cunardlinie ist gestern mit 101 geretteten Passagieren von dem spanischen Dampfer Balmes, der im atlantischen Ozean verbrannte, hier eingetroffen. Messerstecherei auf einem Kreuzer. * Moskau, 6. Dez. Hiesige Blätter berichten aus Odessa, daß es auf dem dort liegenden Kreuzer„Großfürst Pawlowna“ zu einer schweren Messerstecherei zwischen sechs Matrosen kam. Als die Offiziere einschritten. wurden sie von mehreren der Kämpfenden mit Messern bedroht. Zwei der Matrosen sind ihren Verletzungen erlegen. Die übrigen sind alle leicht verletzt, wurden aber trotz der Verletzungen in Ketten gelegt. Geplantes Bombenattentat? 9 Petersburg, 7. Dez. In einem Eisenbahnzuge von Petersburg nach Warschau explodierte in der Nähe der Station Ostrow eine Bombe, durch die ein Marineunteroffizier vom Minenboot Nikolajew in Stücke zerissen wurde. Andere Personen erlitten keinen Schaden. Die Untersuchung ergab, daß der Marineunteroffizier in einem Korbe eine Bombe mitgenommen hatte. Ueber den Zweck der Reise des Verunglückten wurde eine energische Untersuchung eingeleitet. Schwerer Kampf mit Räubern. * Inkaterinodar, 6. Dez. Zwanzig beriktene Räuber haben die Besitzung des Statthalters im Kaukasus bei Kawkaskaja geplündert. Es kam dabei zu einem Kampfe, in dessen Verlaufe 11 Personen getötet und 1 verwundet wurden. Großer Unterschlagungsprozeß. * Wilna, 5. Dezbr. Vor dem hiesigen Apellationsgericht begann der Prozeß gegen den ehemaligen Chef der Güterabteilung der RigaRomnyer=Bahn, A. A. Wleskow, der die Bahn durch mehrjährige systematische Unterschlagungen um ½ Million Rubel geschädigt hat. Die Voruntersuchung hat 10 Jahre gedauert, und die gedruckten Anklageakten umfassen gegen 300 Seiten. Es sind 100 Zeugen geladen. * Buenos,(Aires, 6. Dez. Roosevelt ist nach Paraguay abgereist, um seine Reise durch die unerforschten Gebiete südlich des Amazonenstromes fortzusetzen. * München, 8. Dez. Gestern ist der 75jährige Ministerresident z. D. Ernst Goering gestorben. Er war 1885 als Erster Reichskommissar in Deutsch=Ostafrika tätig. * Sigmaringen, 8. Dez. König Manuel nebst Gemahlin sind wegen der Krankheit der Fürstin=Mutter von München hierher zurückgekehrt. Rotationsdruck und Verlag der Domdruckerei und Verlag, G. m. b. H., Paderborn. Geschäftsleitung: Karl Meyer. Verantwortlich: Für den redaktionellen Teil Karl Stephan; für den Anzeigen= und Reklameteil Karl Meyer, Paderborn. Antiquitäten und Münzen in großer Auswahl, billigst Ernst Weber, Neuhäuserstr. 34 6 Uhren u. Goldwaren große Auswahl, billige Preise Reparatur-Werkstatt Ernst Weber, Neuhäuserstr. 34 Fur den Weihnachtstisch Feinste Herren-Wälche Oberhemden, Kragen, Manschetten und Serviteur Handschuh-Schmidt Paderborn 7 Marienplatz 7 Betten, Bettiedern und Daunen Bett-Inlets hauten Sis am vortellhattesten bei Carl Rakomann, Paderborn, Am Markt 4. Theatermalerei Lielerung spiellertiger Bühnen und einzelner Telle Ant. Unterhalt, Paderborn Fernruf 560. Fernruf 560. Musikal. 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Die Einsendung schriftlicher Erklärungen durch die Post ist zulässig, geschieht aber auf Gefahr des Abund deshalb zweckmäßig mittels Einschreibemündliche Erklärungen werden von dem Unterzeichneten innerhalb der vorbezeichneten Frist an den Wochentagen vormittags von 10—12 Uhr auf diesseitigen Bureau im Königlichen Landratsamte, Busdorfwall 42, zu Protokoll entgegengenomWer die Frist zur Abgabe der ihm obliegenden Steuererklärung versäumt, hat gemäß§ 31 Absatz 1 des Einkommensteuergesetzes neben der im VeranlaRechtsmittelverfahren endgiltig festgeselben zu entrichten. 3 h108 von 5 Prozent zu derWissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben oder wissentliche Verschweigung von Einkommen in der Steuererklärung sind im§ 72 des Einkommensteuergesetzes mit Strafe bedroht. Gemäß§ 71 des Einkommensteuergesetzes wird von Mitgliedern einer in Preußen steuerpflichtigen sellschaft mit beschränkter Haftung derjenige Teil der auf sie veranlagten Einkommensteuer nicht erhober welcher auf Gewinnanteile der Gesellschaft mit bschränkter Haftung entfällt. Diese Vorschriften finden aber nur auf solche Steuerpflichtige Anwendung welche eine Steuererklärung abgegeben und in dieser den von ihnen empfangenen Geschäftsgewinn besonders bezeichnet haben. Daher müssen alle Steuerpflichtigen, welche eine Berücksichtigung gemäß§ 71 a. a. O. erwarten, mögen sie bereits im Vorjahre nach einem Einkommen von mehr als 8000 A veranlagt gewesen sein oder nicht, binnen der oben bezeichneten Frist, eine, die nähere Bezeichnung des empfangenen Geschaftsgewinns der Gesellscheft mit beschrankten Haftung enthaltende Steuererklarung einreichen. Steuerpflichtige, welche gemäß§ 26 des Ergänzungssteuergesetzes von dem Rechte den Vermögensanzeige Gebrauch machen wollen, haben dieselbe ebenfalls innerhalb der oben angegebenen Frist nach dem vorgeschriebenen Formular bei dem Unterzeichneten schriftlich oder zu Protokoll abzugeben. Auf die Berücksichtigung später eingehender Verbei der Veranlagung zur Ergänzungssteuer kann nicht gerechnet werden. „Wissentlich unrichtige oder unvollständige tatsächliche ungaden über das Vermögen in der Vermögensmit Sraße bedrast. Ergänzungsteuergesetzes Die vorgeschriebenen Formulare zu Steuererklärungen und zu Vermögensanzeigen werden von heute dem Unterzeichneten und den Gemeindevorstehern auf Verlangen kostenlos verabfolgt. Paderborn, den 2. Dezember 1913. Der Vorsitzende der Einkommensteuer=VeranlagungsKommission für den Kreis Paderborn. v. Sger. Dezember Beistatt zum Unzeiger. 1913. Die Finunzen der westfalischen Städte. Das preußische landesstatistische Amt veröffentlicht vergleichbare Angaben über die Finanzverhältnisse der westfalischen Städte mit über 10000 Einwohnern und zwar erstrecken sich diese Angaben hinsichtlich der Zuschläge zu den staatlich veranlagten direkten Steuern auf das Rechnungsjahr 1912, während die Betrage der indirekten Gemeindesteuern das berichtigte Soll für das Rechnungsjahr 1911 nach dem Stande vom 31. März 1912 betreffen. Hinsichtlich der Gemeindeschulden beziehen sich die Ziffern auf langfristige Anleihen, Hypotheken und Grundschulden sowie Restkaufgelder. Was die Zuschläge zu den staatlich veranlagten direkten Steuern anlangt, so erheben die Städte durchweg für alle Steuerquellen Zuschläge. Der geringste Satz an Einkommensteuern war 157 Prozent und wurde in Arnsberg erhoben. Die niedrigsten Zuschläge erheben ferner: Münster 165 Proz., Gronau 170 Proz., Gütersloh 175 Proz., Hohenlimburg 180 Proz., Altena, Soest 185 Proz., Minden 188 Prozent, Lippstadt 190 Proz, Bielefeld 195 Proz., Ludenscheid, Hörde, Paderborn, Unna und Ahlen je 200 Proz. Die höchsten Zuschläge finden wir in Haspe, Lünen mit 250 und Hagen mit 275 Prozent. Das Ergebnis der direkten Gemeindesteuern war in den einzelnen Orten sowohl absolut, wie auch verhältnismäßig ein sehr unterschiedliches. Im allgemeinen zeigt sich, daß, je größer eine Kommune ist, desto leistungsfähiger ihr Steuerwesen. Diese Belastung beEs ergibt sich also, daß in Gronau die Steuern vergleichsweise am ergiebigsten sind. Sie sind ferner z. B. in Bielefeld etwas ergiebiger als in Dortmund, in Bochum ergiebiger als in Hamm, in Münster ergiebiger als in Soest usw. An indirekten Steuern kommen inbetracht, die Umsatzsteuer, die Wertzuwachssteuer, die Schankkonzessionssteuer, die Brausteuer, die Lustbarkeitssteuer und Hundesteuer. Das Gesamterträgnis war pro Kopf in: Westfalen und Nachbarländer. Padervorn. Kreistag und ländliche Fortbildungsschule. Erst nachträglich erfahren wir, daß der Kreistag in seiner Sitzung vom 4. Dez. erfreulicherweise in klarer und bestimmter Form zu dem Gesetz betr. die ländlichen Fortbildungsschulen Stellung genommen hat, indem er nahezu einstimmig beschloß:„Der Kreistag hält die Einführung des obligato rischen Religionsunterrichts in den Lehrplan der ländlichen Fort. bildung schule für durchaus erforderlich. Der Kreistag ist daher zunächst nicht in der Lage, den Gemeinden des diesseitigen Kreises Beihilfen zur Errichtung von ländlichen Fortbildungschulen zu bewilligen, solange nicht die in Kurzem zu erwartende Klarstellung bezüglich des Religionsunterrichte erfolgt ist“. Wir zweifeln nicht, daß der Kreistag mit die. sem Beschluß der ganz überwiegenden Mehrheit der Kreiseingesessenen aus der Seele gesprochen hat, indem diese den Religionsunterricht gerade für die 14—18jährigen Jünglinge als das wesentlichste Erziehungsmittel betrachtet, ohne welches das bloße Wissen nicht zu einer gedeih. lichen Entwickelung führen kann. De Zur letzten Ruhe bestattet wurden am vergangenen Sonntag nachmiltag unter reger Beteiligung der ihnen im Leben nahe gestandenen Kreise zwei beliebte und achtbare Mitbürger: Musikdirektor Kaspar Dietz und Werkmeister Johann Rhode. Beide sind auf der Höhe ihres Schaffens stehend im kräftigsten Mannesalter vom unerbittlichen Tod hinweg genommen worden. Beide standen in ihrem Berufe als achtbare und erprobte Meister da, beide haben sich. jeder auf seine Weise, um die Kunst und das Vereinsleben unserer Stadt besondere Verdienste erworben! Der erfolgreichen Tätigkeit des verstorbenen Musikdirektors Dietz haben wir schon bei der Nachricht von seinem Ableben gedacht. Diesem Nachrufe noch weiteres hinzufügen, hieße seine Wirkung abschwächen.— Was Kaspar Dietz für das Musikleben unserer Stadt, das war Johann Rhode für die einheimische Turnsache. Mit hingebender Freude und Aufopferung hat er ihr Jahrzehnte lang gedient und nicht unwesentlich dazu beigetragen, daß sie sich heute einer hohen Blüte erfreut. Die Turngenossen wußten seine Tätigkeit auch wohl zu würdigen und betrauten ihn mit den ersten Ehrenstellen im Ostwestfälischen Gau der Deutschen Turnerschaft. Welcher Wertschätzung sich der Heimgegangene im ganzen Turngau erfreute, das bewies der stattliche Leichenzug, an dem sich außer der Freiwilligen Feuerwehr, deren tätiges Mitglied der Verstorbene ebenfalls viele Jahre war, die Turnvereine von Soest, Lippstadt, Geseke, Salzkotten, Paderborn, Steinheim, Driburg u. a. m. mit ihren Fahnen beteiligten. Noch niemals ist hier ein Jünger Vater Jahns mit größeren Turner=Ehrungen zu Grabe bestattet worden!— Das Andenken aber an die beiden Verstorbenen wird über ihren Bekannten= und Freundeskreis hinaus in unserer Bürgerschaft weiter leben! Sie ruhen in Frieden! Aus Anlaß des Festes Maria Empfängnis war gestern der Marienplatz in sinniger Weise mit Flaggenmasten geschmückt, an deren Spitzen blau=weiße und gelb=weiße Banner flatterten. Ge Eine Brieftauben=Ausstellung veranstaltete am 7. und 8. d. M. in den Gartenzimmern der Centralhalle der hiesige Brieftauben=Züchter=Verein. Die Ausstellung war von unsern bekannten Züchtern u. a.: Heinrich Ernst, Franz Greve, Wilh. Kleine, Ch. Schlamann und Aloys Schwarze mit insgesamt 120 Exemplaren beschickt worden, die je nach Alter und Leistungen in 8 Klassen gruppiert waren. Unter den Tauben befanden sich viele, die schon recht nennenswerte Flüge zurückgelegt hatten, und die an den Wänden aus. gehängten Diplome bewiesen, daß unsere einheimischen Züchter auf manche bemerkenswerte Erfolge zurückblicken können. Die Brieftaubenzucht untersteht bekanntlich der Förderung und Unterstützung des Kriegsministeriums, welechm die Tiere im Mobilmachungsfalle sofort zur Verfügung gestellt werden müssen. Der Besuch der Ausstellung zeigte, daß auch das größere Publikum für die Bestrebungen des Vereins Verständnis besitzt; möge dies dem rührigen Verein ein Ansporn sein, in seiner dem Vaterlande dienenden, mitunter recht mühseligen Arbeit, wie sie die Aufzucht und die Dressur der Tauben mit sich bring, unentwegt und freudig fortzufahren. 0 Das Museum des Altertums=Vereins ist jetzt, nachdem die der Ausstellungs=Leitung für die der Kunsthalle überlass. Gegenstände unter den übrigen Musealien wieder ihren Platz erhalten haben, wieder zu besichtigen. Der Eröffnungsbesuch am vergangenen Sonntag zeigte, welch' reges Interesse unsere Bürgerschaft den im Museum zusammengetragenen Erinnerungsstücken aus der Vergangenheit unserer Vaterstadt entgegenbringt. Das Museum befindet sich jetzt in den nördlichen Erdgeschoßräumen des Rathauses. Die Räume machen mit ihrem neuen hellen Anstrich einen überaus freundlichen Eindruck;; sie sind mit Heizkörpern ausgestattet die eine behagliche Wärme ausstrahlen. Soweit erforderlich, sorgt die elektrische Lichtanlage für eine ausreichende Beleuchtung. Schon der oberflächliche Blick belehrt den Beschauer, daß sich die beiden Kuratoren des Museums, Reg.= und Forst=Rat Hüffer und Prof. Dr. Fuchs, es verstanden haben, die Musealien unter zweckmäßiger Ausnutzung des Raumes nicht nur übersichtlich und augenfällig, sondern auch künstlerisch wirkungsvoll anzuordnen. Wer die mühselige Arbeit kennt, die die Aufstellung der vielen zerbrechlichen u. empfindlichen Gegenstände erfordert, wird die Tätigkeit der beiden genannten Herren zu würdigen wissen.— So kann denn der Besuch des Museums, das an jedem Sonntage von 11 bis 12 Uhr vormittags kostenlos zu besichtigen ist, nicht nur unserer Bürgerschaft, sondern auch unsern ländlichen Nachbarn angelegentlichst empfohlen werden. (*) Das Promenaden=Konzert, welches gestern unser, um das Musikleben der Paderstadt verdienter Mitbürger, Obermusikmeister Richter, mit der Kapelle unserer 158er in den Anlagen an der Friedrich= straße veranstaltete, wies im Gegensatz zu der gleichartigen Aufführung vom 80. v. M., die bedauerlicherweise unter der Ungunst der Witterung zu leiden hatte, einen regen Besuch des Publikums auf. Die Konzerte erfreuen sich offensichtlich allgemeiner Beliebtheit; wir möchten daher den schon früher vorgebrachten Wunsch wiederholen, dann und wann mit dem Konzertplatze zu wechseln, um die freundlichen und empfehlenswerten Darbietungen der Kapelle auch einmal den Bewohnern anderer Stadtteile näher zu bringen. * Doktor=Promotion. An der Christian=Albrechts-Universität zu Kiel promovierte zum Dr. phil. der Student Theophil Büse aus Paderborn mit gutem Erfolge. * Stadttheater— Volkshalle.(Detmolder Hoftheater=Ensemble.) Heute abend 8 Uhr geht als 2. Sondervorstellung des Theatervereins, Heinrich von Kleists herrliches Schauspiel„Prinz Friedrich von Homburg“ einmalig in Szene. In der Rolle des Großen Kurfürsten wird der Königl. Preuß. Hofschauspieler, Herr Hilmar Geisler, vom Hoftheater in Hannover als Gast austreten. Gerade in dieser Rolle soll der Künstler ganz hervorragendes leisten. In weiteren Hauptrollen sind die Damen Sell, Weiser und die Herren Paetzold, Dr. Pündter, Dittmann, Reinhard, Falgis, Heimburg, Schmidt und sorreggio beschäftigt. Die Spielleitung führt Herr Dr. Pundter.— Als vorletzte Vorstellung der Hauptpielzeit wird am Donnerstag Hermann Sudermanns edeutsames Schauspiel„Heimat“ gegeben. Nochnals sei darauf hingewiesen, daß Dutzendkarten nur is 14. Dezember Gultigkeit haben. )° Der Verband christlicher Schneider und Schneiderinnen veranstaltete gestern morgen im Piushause einen sehr gut besuchten Vorrag der Frl. Dr. Käthe Gaebel=Berlin von der Zentralstelle des Kath. Frauenbundes. Die Reserintin bewies unter reichem Beifall die Stwendigkeit des Zusammenschlusses der im Schneider= und Putzmachergewerbe beschäftigen weiblichen Arbeiter. Diese wird bedingt zurch die manchmal geradezu lächerlich gerinzen Löhne, die in diesen Gewerben gzahlt erden. Wenn der Zusammenschluß mit k.einen Opfern verbunden ist, so werden diese doch urch die großen Vorteile, die die Koalition ur rank ngeld, Arb itel sinunterst#üung „N. bi t.t, vollkommen aufgew gn. In E. and, dem für die Sozialpolitik vorbildl. Lande, haben die Arbeiterorganisationen es durchgeitzt, daß staat iche Lohnämter eingerichtet worden sind, denen die Regelung der Lohnverhältnisse obliegt. Soweit sind wir in Deutschland noch nicht, aber wir werden dahin kommen, wenn es gelingt, alle Arbeiter unter einer Fahne, der christlich=nationalen, zu sammeln. In der kurzen Diskussion traten mehrere Redner den Ausführungen der Referentin in allem bei. Der Vortrag hatte den schönen G.folg, daß der Verband zahlreiche Beitrittserklärungen verzeichnen konnte.— Gestern abend hat Dr. Gaebel nochmals in einer Versammlung des kath. Frauenbundes im Kaiserhof einen Vortrag g#halten, auf den wir noch zurückkommen weiden. * Cleopatra, die Herrin des Nils“. Für den mit klassischer Kultur und Geschichte Vertrauten war es ein Genuß und für den Laien ein lehrreich Stück, das von der italienischen Filmfabrik „Cines“ hervorgebrachte Drama„Cleopatra die Herrin des Nils", das von Samstag bis Freitag im Lichtspielhause„Weiße Wand“, Rosenstraße, zu sehen ist. Es bot ein vorzügliches Bild des römischen und ägyptischen Lebens in der Zeit kurz vor Christi Geburt. Die stilgerecht nachgeahmten Kostüme und Dekorationen harmonierten vollkommen mit der spannungsreichen Handlung, und die Färbung des Films war nach den einzelnen Szenen in ansprechender Weise abgestimmt. * Vogelschutz= und Geflügelzuchtverein. Am nächsten Mittwoch abend 8½ Uhr hält der Vogelschutz= und Geflügelzuchtverein im Hotel Lohmann die Monatsversammlung ab. In derselben wird ein Vorstandsmitglied eine Besprechung über die in Delbrück zur Verbands=Ausstellung gewesenen Tiere geben, die gewiß für jedermann, namentlich für die Aussteller, von großem Interesse sein dürfte. Alsdann wird ein Bericht über die in Delbrück stattgefundene Vorstandssitzung des Kreisverbandes erfolgen, der wichtige Miteilungen enthält. In letzter Zeit haben sich hocherfreulicher Weise verschieden neue Mitglieder angemeldet, deren Aufnahme erfolgen soll. Weiter werden unter„Verschiedenes" einige Punkte von allgemeinem Interesse zur Verhandlung gelangen. * Jäger=Freiwillige. Für diejenigen jungen Leute, welche sich als Freiwillige bei einen. Jäger=Bataillon melden wollen, werden nachstebende Gestellungstermine von Interesse sein: Königliches Garde=Schützen=Bataillon, Berlin=Lichterfelde. Junge Leute, die die Absicht haben, im Herst 1914 freiwillig beim Bataillon einzutreten können sich am 16. Dezember 1913 und 16. Januar 1914 mit Meldeschein zum freiwilligen Eintritt versehen, vormittags 8 Uhr auf dem BataillonsGeschäftszimmer zu Berlin=Lichterfelde zur ärzt. lichen Untersuchung einfinden. Erforderlich ist eine Mindestgröße von 1,70 Meter, gutes Sehvermögen auf beiden Augen und gute Schulbildung. Westfälisches Jäger=Bataillon Nr. 7. Bückeburg. Die ärztliche Untersuchung der Freiwilligen findet am Montag, den 8. Dezember 1913, 12. Januar, 2. Februar und 9. März 1914, 8 Uhr vorm. in der Kaserne Aus der Praxis des Alltags. Schreiben Sie sich das auf! Plauderstudie von Joh. Bartels. Nachdruck verboten. Schreiben Sie sich das auf! Hunderte Male am Tage kommt es vor, daß ich diese Worte jemandem zurufen möchte. Im Hause, im Berufsleben, auf der Straße— überall finden sich Gelegenheiten, Dinge aufzuschreiben. Alt und Jung, Mann und Weib sollen die Mahnung beherzigen: Schreiben Sie sich das auf! Wir besitzen aus früheren Zeiten dicke Tagebücher von Menschen, die viel beschäftigt waren, Tagebücher, die über jeden Besuch berichten, die die betreffenden Leute gehabt, über jeden Brief. den sie geschrieben. Jetzt können die Leute keine Tagebücher mehr schreiben, sie finden keine Zeit mehr dazu, weil das Leben zu kompliziert geworden ist. Umgekehrt ist es richtig: unser Leben ist so kompliziert geworden, daß wir ohne etwas dergleichen, wie ein Tagebuch, nicht mehr fertig werden. Vor fünfzig Jahren war es möglich, alles wichtige, das einem im Lause von Wochen und Monaten begegnet war, im Gedächtnis zu behalten. Heute können wir ohne Zuhilfenahme der schriftlichen Fixierung des Geschehenen, Gehörten, Erlebten nicht mehr auskommen, wenn wir alles das behalten wollen, was wir behalten sollen. Wir sind durch Beruf und manche andere, staatsbüngerliche wie prinate Pflichten, gezwungen, mancherlei aufzuschreiben. Aber bei tausenderlei Dinge versaumen wir es, lediglich des. halb, weil wir es ehedem, als das Leben noch nicht so kompliziert war, nicht nötig hatten. Heute ist es notwendig geworden, ein Kopierbuch unserer tausenderlei kleinen Erlebnisse und Begebnisse anzulegen. Der vorsichtige Kaufmann läßt jeden Brief, jede Rechnung, die er hinaussendet, kopieren, um noch nach Jahren zu wissen, was er geschrieben hat. Das ist eine selbstverständliche Einrichtung in jedem Geschäftsbetriebe. Aber ist nicht seine mündliche Verabredung oft ebenso wichtig! Sie verpflichtet ihn genau so vor dem Gesetz. Trotzdem verläßt er sich bei ihr auf das Gedächtnis. Und doch verweht das gesprochene Wort in den Wind, wenn man nicht dem Gedächtnis durch irgendeine Art Fixierung zu Hilfe kommt. Es ereignen sich im Laufe des Tages im Geschäft, zu Hause, in der Wirtschaft und überall hunderterlei kleine Dinge, die alle unter Umständen von Werk und Bedeutung werden können und von denen man später sehnlichst wünscht, zu wissen, wann sie sich begeben haben, wie sie sich ereigneten, wer anwesend dabei war und mehr dergleichen. Und man muß oft Stunden lang suchen, sein Hirn zermarkern nach Daten, deren Notierung täglich nur wenige Minuten dauern würde. Man hat mit einem Menschen eine wichtige Sache zu besprechen; man besucht ihn, hört von der Frau, dem Dienstmädchen, er sei verreist, erst in drei Wochen kehre er zurück. Dann und dann sei co bestimmt schen da. Schreiben Sie sich das auf! Wenn Sie wissen, wann Sie bei dem Menschen waren, können Sie leicht berechnen, wann die drei Wochen bis zu seiner Rückkehr verstrichen sind. Oder notieren Sie das Datum, wann er wieder da sein sollte. Hat man's nicht notiert berechnet man und sinnt nach:„War's nicht ein Dienstag, als ich bei ihm war? War es nicht an dem Tag, als ich abends ins Theater ging?“ So beschäftigt man sich oft Stunden und Tage lang mit einer Frage, auf die ein Tagebuch im Nu Antwort geben würde. Ein Hauswirt vermietet eine Wohnung. Er verspricht dem Mieter dabei, dies oder jenes in der genieteten Wohnung machen zu lassen. Lieber Hauswirt, schreiben Sie sich auf, was Sie versprochen haben! Es wird Ihnen leid tun, wenn Sie das versäumen, denn morgen haben Sie vielleicht vergessen, ob Sie versprochen, beide Hinterzimmer kapezieren und st chen zu lassen oder das eine tapezieren und streichen und das zweite nur streichen zu lassen. Sie können natürlich den Mann nicht deshalb telephonisch anfragen. Denn dann wird er selbstverständlich soviel wie möglich von Ihnen gemacht haben wollen und, wenn's geht, noch mehr als Sie versprochen. Lassen Sie aber weniger machen, als Sie zugesagt, so kommt es nicht nur sofort zum Streit mit dem neuen Mieter, sondern, Sie können dann nachträglich noch einmal die Handwerker ins Haus holen lassen und Sie haben doppelte Arbeit und doppelte Unkosten. Schreiben Sie sich das künftig sofort auf, was Gie vetgrachen! Vor den Gerichten spielen sich täglich hunderte Fälle ab, in denen es von Bedeutung gewesen wäre, wenn die Leute wichtiges aufgeschrieben haben würden. Ich sehe natürlich, dabei ab von jenen Kriminalprozessen, in denen Menschen, die eines Kapitalsverbrechens unschuldiger Weise beschuldigt werden, leicht ihr Alidi nachweisen könnten, wenn sie mehr bemerkenswerte Begebnisse aus ihrem alltäglichen Leben durch kurze Notizen fixier: hätten; sehe ab von Fällen, wo Zeugen ihren Bekundungen erst Wert verleihen würden, wenn sie sich nicht nur auf das sehr leicht irreführende Gedächtnis allein stützen brauchten. Sondern ich meine allein jene zahlreichen Zivilprozesse, die Zeit und Geld, Kosten und Aufregungen verursachen und verloren werden, weil man sich nicht gewöhnt, auch das gesprochene Wort schnell durch eine kurze Notiz zu fixieren. Was zahlreiche Male dem vorsichtigen Geschäftsmann, dem tüchtigsten, zuverlässigsten Menschen passiert, ist, daß er es selbst versäumt, über wichtige schriftliche Bekundungen Notizen zu machen. Man ist unterwegs und es fällt einem ein, daß man ein wichtiges Velegramm abzusenden hat, oder man begibt sich auch direkt zu diesem Zweck auf's Telegraphenamt. Dort stellt man sich an's Schreibpult und martert sich ab, die wichtige Meldung in die kürzeste Form, womöglich in die üblichen zehn Worte der Grundtaxe zu bannen. Dann gide man das Telegramm ab und verläßt eilig das Telegraphenamt. Keinem wienschen fällt es ein, von dem Tole. gramm eins Abschrift 5:1 zu nohmer, in Bückeburg stakt. Ein Meldeschein zum freiwilligen Eintritt ist mitzubringen. Größe nicht unter 1,60 Meter. Alter am 1. 10. 1914 nicht unter 18 Jahre. Reisekosten werden nicht vergütet. Hannoversches Jäger= Balaillon Nr. 10, Goslar. Untersuchungen für Zweijährig-Freiwillige werden jeden Dienstag und Freitag vom November d. J. ab vorgenommen. Meldung derselben unter Vorlage eines Meldescheines und selbstgeschriebenen Lebenslaufes 9 Uhr vorm. auf dem Geschäftszimmer des Bataillons. Kurhessisches Jäger=Bataillon Nr. 11, Marburg. Die Meldungen zum freiwilligen Eintritt im Herbste 1914, können ab 1. November er., Mittwochs und Samstags 10 Uhr vorm. in Marburg, Frankfurterstraße 6 erfolgen. Dabei ist ein Meldeschein zum freiwilligen Eintritt, der bis zum 31. März 1914 Gültigkeit haben muß, vorzulegen. Aus Stadt und Amt Lippspringe (!) Die Vieh= und Obstbaumzählung in der Gemeinde Lippspringe hatte folgendes Ergebnis: Es wurden gezählt: 228 Pferde, 605 Stück Rindvieh, 798 Schafe, 1826 Schweine, 506 Ziegen und 10 786 Obstbäume. Die Viehzählung erstreckte sich auf 512 Gehöfte, die der Obstbäume auf 411 Gehöfte. (1) Jegdunfall. Der Forstassessor Sch. von der Oberförsterei Altenbeken wurde gelegentlich der am Samstag abgehaltenen Treibjagd im Altenbekener Forst von einem vorzeitig losgehenden Schuß eines benachbarten Schützen in die Schulter getroffen und schwer verletzt. * Altenbeken, 6. Dez. Gestern nachmittag 4 Uhr wurde auf dem Bahnhof der bei der Bahnmeisterei Altenbeken beschäftigte Bahnhofsunterhaltungsarbeiter Anton Niggemann durch die Explosion einer Karbidlampe getötet. Staatsanwaltschaft und Polizei wurden in üblicher Weise von dem traurigen Vorfall benachrichtigt. Stadt und Amt Neuhaus. (*) Eingefangener Flüchtling. Der Fürsorgezögling Pausehart, der kürzlich entlaufen war, wurde von der Polizei in Lichtenau wieder festgenommen, und dort durch den Polizeisergeanten Hesse von hier abgeholt und der Fürsorge in Apelhülsen zugeführt. (*) In der Generalversammlung des hiesigen Kriegervereins, die von zirka 100 Mitgliedern besucht war, wurde beschlossen, eine Festhalle zu errichten. Eine große Anzahl der Mitglieder stellten hierfür Geldbeträge und auch Material zur Verfügung. An den Ehrenvorsitzenden, Amtmann Eckardt=Hannover, wurde ein Telegramm gesandt, welches ihm von diesem Beschlusse Mitteilung machte. * Vom Konsumverein. Am letzten Sonntag wurde im hiesigen Konsumverein die Rückvergütung ausbezahlt, die je nach der Kaufsumme ; z w i s c h e n 2 0 b i s 5 0 M. s c h w a n k t. D a s s t e l l t g e wiß ein annehmbares Weihnachtsgeschenk dar und wird manchen bisher Fernstehenden zum Beitritt ermuntern. Vom Hintfelde. * Aus dem Diemeltale, 8. Dezember. In Niedermarsberg wurde die Familie des pensionierten Postbeamten Willeke in plötzliche Trauer versetzt. Der sechszehnjährige Sohn, der die Rektoratschule in Niedermarsberg besuchte, kehrte des Nachmittags nicht wieder vom Schulbesuche heim. Die außerhalb der Stadt wohnenden Eltern for'chten noch des Abends nach dem Verbleib ihres Sohnes, ohne irgend ein Resultat zu erlangen. Erst am Nachmittage des folgenden Tages fand man den Sohn tot in einem Wäldchen. Ein Schlag hatte ihn auf dem Spaziergange dahingerafft. Aus dem Kreise Warburg. II Stadtverordnetenversammlung. Die Tagesordnung der am Donnerstag, den 11. Dezember, nachmittags 5 Uhr stattfindenden Stadtverordnetensitzung umfaßt folgende Punkte: 1. Bürgersteiganlage vor dem Draweschen Hause. 2. Antrag auf Beseitigung des Altstädter Marktbrunnens. 8. Etat der städtischen Sparkasse pro 1914 und Vorlage der Rechnung pro 1912. 4. Ergänzung des Sparkassenvorstandes. 5. Schlachthoftierarzt=Angelegenheit. 6. Baumpflanzungsplan pro 1914. 7. Beleuchtung des Göringscher Grabens. 8. Ankauf eines Grundstückes(Göring). 9. Schularzt=Angelegenheit. 10. Beschaffung eines Gegengiftskastens für das Krankenhaus. 11. Beschaffung eines Röntgenapparates für das Krankenhaus. 12. Warburger=Waldverkaufs=Angelegenheit. 18. Gesuch um Anbringung eines Lichtschachtes vor dem Wigandschen Hause. 14. Wahl der Kommissionen für die Jahre 1914 und 1915. 15. Beschlußfassung über die Giltigkeit der diesjährigen Stadtverordnetenwahlen. I Omnibusverbindung. Von heute ab wird zur Personenbeförderung zwischen Bühne und Warburg, ebenso zwischen Oberlistingen und Warburg täglich je 2 mal ein Kraft=Omnibus verkehren. II Meisterverein. In der gestern abend im Vereinslokal stattgefundenen Versammlung wurde beschlossen, das diesjährige Wintervergnügen am 11. Januar nächsten Jahres zu feiern. Mit den Vorbereitungen hierfür wurde ein siebengliedriges Komitee betraut. 1! Treibjagd. 145 Hasen war das Resultat der am Samstag stattgehabten Treibjagd in dem dem Landrat Frhr. von Schorlemer gehörenden Feldjagd zwischen Warburg=Dössel=Hohenwepel. (*) Natzungen, 8. Dez. Der hiesige Gesangverein veranstaltete am heutigen Tage eine theatralische Vorstellung im Saale Beller. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Vorstellung nahm einen glücklichen Verlauf und fand lebhaften Beifall. * Bielefeld, 5. Dez. Der städtische Hauptarbeitsnachweis(Lützowstraße 18) veröffentlicht folgende Angaben: Männliche Abteilung. Es werden gesucht; 1 Modelltischler, 1 jg. Bäcker, 2 jg. Barbiere, 1 se zum Milchwagenfahren, 2 Arbeitsburschen von 14—16 Jahren, 1 Presser, 2 Klempner, 1 Schneider, 4 Schuhmacher, 1 Buchbinder, 2 Eisenformer, 1 Glaser, 1 Mechaniker, 6 Zimmerer. Lehrlinge: 1 Wagenlackierer, 1 Maler, 1 Sattler, 1 Barbier, 2 Schlachter, 1 Schlosser, 1 Steindrucker, 1 Schriftsetzer, 1 Schreiber, 2 Gelbgießer.— Es suchen Arbeit: Fabrikarbeiter, Kutscher, Lageristen, Portier, Einkassierer, Heizer, Maschinisten, Kaufleute, Schreiber, Bauarbeiter, Gartenarbeiter, Gelegenheitsarbeiter, Packer, Metallschleifer, Hausdiener, Kaufmannslehrling, Wagenlackierer, Dreher, Maschinenschlosser, Hobler, Maler, Polsterer und Dekorateur.— Weibliche Abteilung: Offene Stellen: 10 Haus= und Küchenmädchen 4 Hausmädchen, 8 Dienstmädchen, 3 Landmädchen, 1 Buntnäherin, 1 Köchin, 2 Weißnäherinnen.— Es suchen Stellung: 1 Kinderfräulein, 6 Stützen, 80 Arbeits= und Stundenfrauen, 8 Waschfrauen, 1 Pflegerin, 2 Haushaltslehrlinge, 2 Hausdamen.— Fachabteilung für Hotel= und Restaurationspersonal. Es suchen Stellung: Spülmädchen, Zimmermädchen, Küchenmädchen, Hausdiener, Kellner. * Dortmund, 6. Dez. Bei den heute zu Ende gehenden Stadtverordnetenwahlen der zweiten Abteilung wurden in beiden Bezirken die aufgestellten Zentrumskandidaten gewählt. Bei der vorletzten Wahl siegten die Sozialdemokraten. * Langendreer, 8. Dez. Auf Zeche Bruchstraße entstand heute morgen auf der fünften Sohle ein Wasser durchbruch, wodurch ein Steiger und drei Bergleute abgeschnitten wurden. Sie konnten nur als Leichen geborgen werden. * Hamborn, 7. Dez. Hier gerieten zwei Bergleute miteinander in Streit, in dessen Verlauf der eine durch einen Messerstich getötet und der andere lebensgefährlich verletzt wurde. * H a g e n, 6. D e z. V i e r M ä n n e r d r a n g e n g e stern früh in der Nähe von Hagen in ein einsam liegendes Gehöft und verlangten Kaffee Als man ihnen das Getränk brachte, faßten sie die Frau des Besitzers ihre alte Mutter und ein Mädchen und knebelten und mißhandelten alle drei. Zwei der Räuber suchten nach dem Gelde, dessen Aufbewahrungsort sie zu wissen schienen. Die drei Frauen sind lebensgefährlich verletzt. Die Täter sind entkommen. * Elberfeld, 8. Dez. Die im hiesigen Gerichtsgefängnis internierte Hochstaplerin Frieda Valler aus Barmen überfiel gestern abend die ihre Zelle betretende Aufseherin, würgte sie, entriß ihr die Schlüssel und entfloh. * Köln, 6. Dez. Durch Schneesturm sind heute zahlreiche Fernsprech= und Telegraphenleitungen nach allen Richtungen hin, zerstört, der Verkehr gestört wird. * Köln, 6. Dezember. Den Krminalbeamten gelang es heute morgen, zwei Leute auf frischer Tat zu verhaften, die in dem Verdacht stehen, seit langer Zeit in der Umgebung von Köln Leitungsdraht gestohlen zu haben. Bei der Festnahme riefen die Diebe Passanten zu Hilfe, indem sie vorgaben, von Straßenraubern überfallen zu sein. Erst nach heftigem Karpfe wurden sie verhaftet. Die Oberpostdirektion hatte eine Belohnung von 500 A auf die Ergreifung der Diebe ausgesetzt. *Oldenburg, 8. Dezember. Der Oldenburger Kriegerbund hat gestern beschlossen, mit seinen 205 Vereinen, die 20000 Mitglieder umfassen, aus dem Allgemeinen deutschen Kriegerbund auszutreten als Protest gegen die Breslauer Beschlüsse, die Beiträge der Mitglieder zu erhöhen. Der Oldenburger Kriegerbund will eine eigene Unterstützungskasse bilden, die ein Grundkapital von 18000 J hat. Luftfahrt und Sport. Libau, 6. Dez. Leutnant Wachsmuth ist mit einem Hydroplan ins Meer gestürzt und ertrunken. * Sofia, 5. Dez. Der französische Aviatiker Vedrines ist heute vormittag 11 Uhr nach Konstantinopel aufgestiegen. Die Königin und der Kronprinz wohnten dem Abfluge bei. * Konstantinopel, 8. Dezember. Der Orientflieger Daucourt hat die Fernfahrt Pacis=Kairo endgiltigaufgegeben und ist nach Marseille abgereist. Eingesanot. Für diese Rubrik nimmt die Redaktion nur die Pretzgesetzliche Verantwortung. Das Eingesandt der hiesigen Tischler=Innung zur Frage der Stromversorgung Lippspringes gibt uns Veranlassung zu folgender Erklärung. Alle Städte und Dörfer der Umgebung unseres Badeortes sind in den letzten Jahren mit elektrischer Energie für Licht und Kraffzwecke zu normalen Preisen versorgt worde: Der höchste Lichtpreis in den kleineren Dörsern be. trägt 45 Pfg, der höchste Kraftpreis 20 Pg. Am 1. Juli 191 wird der Lichtpreis auf den kleineren Törfern auf 40 Pfg. herabgesetzt. In Neuhaus und Horn beträgt der höchste Kraftpreis 18 Pfg., der höchste Lichtpreis 40 Pfg., welcher Preis am 1. Juli 1914 auf 36 Pfg. herabgesetzt wird. Wirte und Ladenbesitzer in Neuhaus und Horn können das Licht zu 30 Pfa. beziehen. Nur in Lippspringe werden noch die hohen Preise gezahlt, welche vor langen Jahren üblich waren, ehe die großen Fortschritte der Elektrotechnik die Kosten der Stromerzeugung wesentlich heruntersetzen. Sogar für Zwecke der Straßenbeleuchrung zahlt Lippspringe noch einen Preis von 40 Pfg., während dieser Preis in den übrigen Gemeinden des Kreises Paderborn zwischen 13½ und 25 Pfg. schwankt. Die Gemeinde Lippspringe leidet unter den Folgen eines vor langen Jahren abgeschlossenen für die Konsumenten ungünstigen Vertrages, der die Preise bis zum Ende des Jahres 1915 festlegt. Es liegt im Interesse jedes einzelnen Bürgers und der ganzen Gemeinde, vor allem auch im Interesse der Verbesserung der Straßenbeleuchtung, daß auch in Lippspringe die dem heutigen Standpunkt der Elektrotechnik entsprechenden billigen Preise eingeführt werden. Es ist doch kein normaler Zustand, daß in Marienloh und Schlangen das Licht billiger abgegeben wird und daß sogar die Motore billiger lausen, als in dem verkehrsreichen Badeort Lippspringe. Seit einigen Jahren bemüht sich die Gemeinde die Lichtfrage zu lösen, um den Bürgern billigeres Licht und billigere Kraft zu verschafsen. Ihre Bemühungen waren bisher erfolglos, und es ist die Besorgnis nicht zu unterdrücken, daß bis zum Ende des Jahres 1915 alles beim Alten bleibt und die gegenwärtigen hohen Prei se gezahlt werden musen. Dieser Zustand ist auch für die unterzeichnete Brunnen=Administration nachteilig, nicht allein wegen der Klagen über die nicht ausgiebige Straßenbeleuchtung, sondern hauptsäch ich wegen der Schädigung der zahlreichen Pensioneinhaber und Hoteliers, welche die Gäse des Bades beherbergen. Bei dieser Sachlagt haben wir uns entschlossen, von unserer Seite auf eine Lösung der Licht= und Kraftpreisfrage hinzuwirken. Wir haben ein Abkommen mit der Pesag getroffen, welches uns in den Stand setzt, die elertrische Energie für Kraftzwecke zum Preise von 18 Pfg. abwärts, für Lichtzwecke zu Preisen von 36, 33 und 30 Pfg. abzuglben. Die Privaten erhalten das Licht zu 36 Pfg., die Wirte und Ladenbesitzer zu 30 Pfg., letztere Bedingung, daß sie die Schaufenster bis 10 Uhr beleuchten. Es sind dieses die Preise, die in Paderborn, Neuhaus und Horn vom 1. Juli 1914 ab gelten. Im Interesse der Pensionshalter, welche doch halbe Wirte sind, auch wenn sie die Konzession nicht besitzen, haben wir einen Sonderpreis von 83 Pfg. bei monatlicher Abnahme von 50 Kilowattstunden erreicht und ermöglicht, um auf diese Weise den Kurgäste haltenden Pensionsinhabern entgegenzukommen. Die Besorgniee Tischlerinnung, daß ihre Mowre bei Gin h#ung von Drehstrom wertlos würden, sind unbegründet, weil bei Anschluß von Kraftverbrauchern für kostenlose Umwechslung der Motore gesorgt wird. Wenn die Lippspringer Tischlerinnung sich bei der Paderborner Tischlerinnung erkundigt, wird sie erfahren, daß die Drehstrommotore auch unter Last anlaufen, und daß ihr Gang zu Klagen keine Veranlassung gibt. Wir glauben durch unser Vorgehen die Interessen der Gemeinde nicht geschadigt, sondern gefördert zu haben, und hoffen, da ßdie Bürger Lippspringes die durch unsere Vermittelung gebotenen Vorteile ausnutzen werden. Die Brunnen=Administration d. Arminiusquelle Bad Lippspringe. M Sehenswerte WeihnachtsAusstellung! Geschenke in jeder Preislage Beachten sie unsern Ausstellungsraum gegenüber Korig Rag& Comp. Vaderborn, Rathausplatz 7531 * denkt daran, zu notieren, wann man es abgeschickt hat, um noch nach Monaten das Datum angeben zu können. Und doch möchte ich wetten, daß, wenn es sich nicht gerade um die „herzlichsten Glückwünsche“ handelt oder um ein kurzes Ja oder Nein oder einen schematischen Inhalt, die wenigsten Menschen imstande sind, eine Stunde nach Absendung eines Telegramms den Worklaut genau so zu formen, wie sie ihn abgeschickt haben. Schreiben Sie auf, wenn Sie einen Boten absenden mit einer Bestellung an jemanden, womit Sie ihn beauftragten, und sorgen Sie dafür, daß der Bote Sie nicht verläßt, bevor er sich Ihren Auftrag genau aufnotiert hat! Hunderte Eindrücke auf dem Wege verwirren den Boten und bringen seine Erinnerungsbilder in Unordnung. Eine mündliche Bestellung wird in den seltensten Fällen richtig aus. geführt, zahlreiche Wege werden unnütz gemacht, viele Mißverständnisse entstehen, weil Boten sich auf ihr Gedächtnis verlassen. Schreiben Sie sich genau die Verordnung auf, die der Arzt Ihnen gibt bei der Krankheit Ihrer Angehörigen. In Ihrer begreiflichen Aufregung können Sie ihn leicht mißverstehen, können Sie in wenigen Minuten vergessen haben, was Sie tun, was Sie anwenden sollten: manche telephonische Anfrage, die Sie deshalb noch machen müssen, wäre vermeidbar, wenn Sie schnell die Verordnung notiert hätten. Aber gerade die Notwendigkeit, diese ärztliche Verordnung zu notieren zeigt uns, daß das Aufschreiben zahlreicher Dinge des Alltagslebens noch einen anderen sehr praktischen Nut. zen haben lann. Unser tägliches Leben wickelt sich in Formen ab, die sich in vieler Beziehung wiederholen. Was ich heute habe tun müssen, kann mir wohl in bestimmten Zwischenräumen wieder zu tun obliegen. Und daß ich es nicht vergesse, dazu hilft mir das Aufschreiben. Zahlreiche kleine Krankheiten wiederholen sich oft im Laufe der Jahre in der Familie. Manche Hausfrau weiß wohl auch, ohne es aufschreiben zu müssen, wie sie sich bei den kleinen Leiden der Angehörigen zu verhalten hat und läßt nicht gleich den Arzt holen. Sie schreibt wohl auch auf die benutzte Medizinflasche, bei welchem Leiden sie in Anwendung kam. Und wenn es auch nicht geraten ist, die ein Jahr alte Medizin zu benutzen, so kann man doch ohne neue Befragung des Arztes, ohne neues Rezeptschreiben nach jener aufbewahrten Flasche die Medizin schnell erneuern lassen, die dem Kinde einst so gut beim Husten geholfen oder die in anderen Fällen nützlich war. Es ist nicht nur, daß man den Arzt erspart, nein, das Aufschreiben hilft auch zu rascherer Heilung. Und wenn man notiert hat, wann man seine Versicherungsprämie bezahlte oder eine andere in bestimmten Zwischenräumen zu leistende Zahlung gemacht, wird man durch sein Aufschreiben rechtzeitig wieder daran erinnert, ehe die Mahnung zur neuen Zahlung kommt. Der Jahreslauf wiederholt sich bei zahkreichen Anlässen und als Notizbuch, in welchem man unter dem genau täglich ersichtlichen Datum aufschrieb, was geschah, erinnert zugleich im nächsten Jahre an zahlreiche Daten, die man ungern vergessen möchte, nicht nur an Geburtsund Todastage, sondenn auch an das Beitellen von wirtschaftlichen Bedürfnissen, Heizmaterial usw. usw. Solch Aufschreiben wird uns davor schützen, daß man über die Rechnung des Arztes und andere Jahresrechnungen erstaunt ist, denn es verrät genau, wie oft der Arzt im Laufe des Jahres im Hause war, worüber man sich zumeist täuscht. Das Aufschreiben täglicher Vorkommnisse kann mancherlei wirtschaftlichen Nutzen bringen, denn man kann an der Hand solcher Notizen berechnen, ob der Bezug des Heizmaterials im vorigen Jahre von X u. Co. vorteilhafter war oder der diesjährige von 0 u. Sohn, und ob die angekauften Wintervorräte der Kartoffeln nicht allzu schnell in diesem Jahre zu Ende waren. Ein Aufschreiben wird steis Aufklärung geben, wenn man sich wieder einmal, wie das so oft geschieht, den Kopf darüber zerbricht, daß die Kasse nicht stimmt, denn von dem Hundertmarkschein, den man gestern gewechselt, ist nichts mehr da, obwohl man eigentlich keine größere Ausgabe hatte. Stundenlang beschäftigt einen oft solche Frage, man zermarkert sich das Girn, weil man befürchtet, man hat Geld verloren. Aber in dem Notiebuch mit Daten steht's kurz unterm gestrigen Tage: „Schulgeld bez. Die Notiz bauert kaum eine Minute, der Einblick eine Gekunde, das Hirnzermarkern dauert oft Stunden. Die Vorteile solchen Aufschreibens im Wirk. schaftsbetriebe sind Legion. Wie viele Aergernisse über die Bestellung der Waschküche, über das zu schnelle Verbrauchen von bestimmten in großen Mengen bezogener Bedarfbartibel, übes hundestenlet anbene Dinge würden unterbleiben, wenn man an der Hand eines solchen Aufschreibebuchs den Nachweis führen könnte, was man gesagt, was man gekauft, was man gebraucht habe; das heißt: wenn man sich selbst diesen Nachweis führen könnte. Denn in den meisten Fällen entstehen die Aergernisse nur, weil man sich über sein eigenes Tun und Lassen, über sein Sagen und Wollen, das man durch keine Notiz schriftlich fixiert hat, getäuscht hat. Wie viel besser würde man bei solchem Aufschreiben mit den Dienstboten stehen, denn zweifellos würden die Notizen im. mer davor bewahren, jenen in Gedanken und Worten Unrecht zu tun. Und noch eine wichtige, große, immer wieberkehrende Frage, die tagaus tagein in allen Hausständen aufgestellt zu werden pflegt, würde dies Notizbuch ein für allemal lösen, die ernste und lästige Hausfrauenfrage:„Was soll ich morgen kochen!“ Denn ein einziges Jahr lang das Tagesmend aufgeschrieben, gibt für alle späteren Jahre Ratschläge für dieselben Tage, selbst wenn man sich nicht sklavisch an das vorjährige Tagesmenü hält, sondern es mit Abweichung benutzt. Also: Schreiben Sie sich das auf! Schreiben Sie sich alles das auf, was ich erwähnte und noch viel mehr in kurzen Worten, aber deutlich, leicht verständlich! Schreiben Sie sich das auf, was Sie alles besorgen wollen und jetzt in der Wethnachtszeit ganz besonders, damit Sie nicht bei Ihren Einkäufen die Hälfte der beabsichtigten Besorgungen vergessen. Also schreiben Sie sich das auf! gii 13 Wieic n#e un u epippe Sug un d 1n uudg:um W M Tut Mt n 13 hc clig Envig M i Wii 1 utng M W hu un uuc i#####og uoj ou pi Wch M untiuee uohnuun uu ie hc###phl ne go Lloai(pi gun“ Mt 1 uuii####d itl sh“., Mcn Su M Wil 13 dgpb so gun swpiu S W Mlun uun#i gbb 1 ui nt zizug Sduog e Mute ict soc M Mnii Nud zic uar u Mn M fan uogobob zioc M m u chun M## 13 aun hulgnnc ino i u ug“. 1m Me hu u oc M#nng bung W M M 1 fuei M tt S# u ur et ic hog#ub zuhou Mi ur 10 ihn gusgusct u i i gu WM ic c tte M ..9s89 W t uh umaub iuc c Me h swpiu u gun i uughpung uihe Wie ie pige zuiom M u i Mh iim Muhenntahbat Pe uhunc moh bie u e Wn tsb zoqhusbs u M u u n Zuiom bimic u t M Weie Sicin W iu u iuhbigug unc uo e M Mimtng i Wiun zanohisgn bunp W M uengun i e ii i wute u e Me M U Mi iun Mg htin hlung au Mi M t uet u icchun ise Mi un oc uocpe M un U uut hpit cg Wg Mn Wt nn ii h uhe izgub i M Mtetag woppfec M Wieg Wuen W ui bo!]: U Mt i i M ui hiis sic u Mt e Nu liic dohn biudcl u Mun WM“ M Mc W t uo pii i n ##g gun 1i cc uut Miioe Pri ut g zug u n Mu#piu gnhibun zum tei sic huugg“ Wo unt W u cchpl uneee Suuc u c Wepogong bunn M M i uht h#c Wutee Min t gu M i M M iiug 12c M W tt 1 suir Mn uon i i uh Mel##n u sun M inn i uc ue u i WM hnVurhuiin uac.. hh 12 3##ol„obunzz M cbun 1dc Wiu ing 119 M bic M ui 1 sns 1f btuun ude gouholg jo W i M h umoe us Mu euisnch M i Sc is it Wie ue un#il gun uhuute M uuht une 13 g ppii 13#,#ol ue W Wt uc u M iihug W uce uu“ ru uiin d unne cunne unc Wpiie S W un Wo w gun iundg uob uu Wiit gettag Mc M Su 1n Wi i ug Wig suie wou nou t u u Wnchiag u i Nt M Mi M Winu umd W ut uhuc Moo#g####l###i zihn M id i sgan u Mu iiic sin u d u un n i Meut Weim tung#i 13 t Mi i iansnn Fauhee eing#i# go uudat gun u un u scpe# Wee un2#in W i zi i ih un i ln## m wurf al un i e utn tuht d cicp 1 Meeen imi ppg# inn 13 u W t nog W M ui W M Mi##i uuog Miiie icklug miug — Nuut oh thofuvizg uopig svat gun ut u he hc Sua uu M en 1 Juuct nt uien 1 qun tplla u u Mnug uhog n u pc ug zuid ui spmi N uin zict m#g usburbob Bunn ung uomate e i M Wu i u uu i uc Weiicen „Lalüßen it zim ziput 120#pil vom uug gun W t 1 10# gasah Nuhen M u W uene u uniug as uuni 1 ppisboln ut uizn 1#so 1|13 gun un i t i in Mmcune Su u W Wunn Mu int Mc fut c e zinde#utln wa uogunatp ue fin Eiiii ne Mpiu bilg ung — z m ic— um Butb gum uspjung Pri ut WMunte uoh#pil 13 M u ahlb uhl in bungudc ct#i ne 130 uni uu Miihiug. ih geuhote uu uu em i i M un U i n i uuht gum hno U ii Mogt a uc##### og hit ti hoh i uhla un um i ig gut ii 1 ue ut n h hum utgg# „Juu Me iuechpeg u### pisbom Me W u r M un i hog spun e Mi r in i uuh un e M hud ic W Wan M t ln uhtin unnc u n Mt i ie suunog“ u cue u Sug l g uung gun Juuct um znd M M ut gbb unic „ uhanit Mmuhg i 11c 130 go M Mt cl zim ut— W i nia gun h 1 ing ne 1111 bunmnm tu e i u MM ct uc“ 1 Uhut un quatp Me M uu pig gun unic W u unc bosliohn boscplum M u ue uoppi W M ut Mi fglnc ich c n nn Pi ud zuni Me u M M ii Moinun t W M i c c ucg uße uzute 1 s i oc Min 130 n###c i nuhag“ Ot hn Mc M m unn M ace Mt usgussot t un in Mn ut#gn W ce ns Wu D Wn uchl izug“ un gubiig agunz mullo um wou Wbung gu W Wg#us iim Hor unn gun“ Me Mim o gun u u ur prn it Mug ud n mhon i oie Juudc A u mtnng wo dbuni 1 uhng W un uinb scln ut uu utii iim Miet M ut n e qun Minghpnag uwg e„c th mniet gun cnn wa Juwcpng bgNoi Mn W Mutii n u M e. 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Beilagen:„Familienfreund“,„Die Zeit in Wort und Bild“,„Kinderwelt“ und„Landwirtschaftliches Wochen= und Vereinsblatt“. Engeigenpreis die 7 spaltene Kolonelzeile oder deren Raum für Paderborn 10 Pfg., answärts 15 Pfg. Reklamezeile 40 Pfa. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Paderborn; Oraan des landwirtschaftlichen Kreisvereins Kurze Uebersicht. Im deutschen Reichstag hielt der Reichskanzler zum Etat seine Rede über die auswärtige Politik. Der Termin für die Landtagseinberufung ist bekannt gegeben worden. Das neue französische Kabinett wird zum großen Teil sehr ungünstig aufgenommen. In den ungarischen Delegationen kam erneut die österreichische Balkanpolitik zur Erörterung. 900 Neueste Nachrichten. Verlängerung der russischen Fleischeinfuhr in Berlin. * Berlin, 9. Dez.(Tel.) Auf einen Antrag des Magistrats hat der Minister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten die der Stadt Berlin erteilte Einfuhrerlaubnis für russisches Rind= und Schweinefleisch in dem bisherigen Umfange und unter den bisherigen Bedingungen bis zum 31. März 1914 verlängert. Der Minister setzte dabei aber voraus, daß die Einfuhr vom Magistrat werde eingestellt werden, sobald sich ergebe, daß nach dem Preisstand des einheimischen Fleisches der Verkauf des russischen Fleisches zu einem merklich billigeren Preise nicht möglich mehr sei. Verhafteter Brillantdieb. * Düsseldorf, 9. Dez.(Tel.) Die Polizei verhaftete hier den aus der Fürsorgeanstalt Eisberg entwichenen und von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden wegen schweren Einbruchsdiebstahls steckbrieflich verfolgten Heiwitz aus Ebersbrunn, als dieser einen der gestohlenen Brillantringe im Werte von 3000 M. verkaufen wollte. Auf dem Transport riß sich der Gefangene los und gab mehrere Schüsse auf seine Verfolger ab, ohne jedoch jemanden zu verletzen. Einen Schutzmann, der ihn festhalten wollte, bedrohte er mit der Browningpistole, jedoch versagte die Waffe. Schließlich wurde der Verbrecher überwältigt und in das Gefängnis eingeliefert. Verschüttete Bergleute. * Leibach, 9. Dez.(Tel.) Auf dem Kohlenberg= werk Britof im Bezirk Abelsberg wurden infolge eines Wassereinbruchs 11 Bergleute verschü ttet. Die Rettungsarbeiten sind im Gange. Schirmflicker als Raubmörder. * Bromberg, 9. Dez.(Tel.) Drei umherziebende Schirmflicker ermordeten in GroßKlonia eine dort im gleichen Gasthause nächtigende Frau und beraubten die Leiche. Die Täter wurden verhaftet. Eine deutsche Schiffsdivision für Südamerika. * Wilhelmsshafen, 9. Dez.(Tel.) Die Linienschiffsdivision für Südamerika hat heute abend ihre Ausreise angetreten. Belästigung der albanesischen Grenzkommission. * Rom, 9. Dez.(Tel.) Nach einer Meldung der Agenzia Stefani aus Argyrocastro ist die internationale Abgrenzungskommission am 7. d. M. dort eingetroffen. Die griechischen Behörden hatten, um auf die Kommission einen Druck auszuüben, Kundgebungen in die Wege geleitet. Während die Kommission die Dörfer passierte, hielten bewaffnete Männer und Frauen die Automobile an und verlangten, daß Epirus nicht zu Albanien geschlagen werde. Als eine Frau die Flinte gegen ein Automobil richtete, gab der englische Delegierte einen Schuß ab, der aber sein Ziel verfehlte. Bei ihrer Ankunft in Argyrocastro wurde die Kommission von einem „heiligen Bataillon“ sowie von der Bevölkerung der benachbarten Dörfer und den Mitgliedern des evirotischen Komitees empfangen, welche alle Waffen trugen und Kundgebungen zugunsten der Angliederung an Griechenland veranstalteten. Rumänien und der Friedensvertrag. * Bukarest, 9. Dez.(Tle.) Der Ministerpräsident brachte in der Kammer einen Gesetzentwurf betr. die Billigung des Bukarester Friedensvertrages sowie die Festsetzung der Grenzen Rumäniens und Bulgariens ein.— Der Ministerrat beschloß, einen dringlichen Gesetzentwurf einzubringen betr die Schaffung einer Gesandtschaft und eines Generalkonsulats in Balona. Einigung wird der Hafen von Dublin morgen wieder eröffnet und der normale Verkehr wieder hergestellt. * Paris, 9. Dez.(Tel.) Der König und die Königin von Spanien sind heute abend aus London hier eingetroffen. Nochmals die österreichische Balkaupolitik. * Wien, 9. Dez.(Tel.) Die ungarische Delegation hielt heute eine Plenarsitzung ab, zu der auch die Opposition erschienen war. Auf eine Anfrage von Interessenten erwiderte der Minister des Aeußeren, Graf Berchtold, Oesterreich=Ungarn sei im Verein mit anderen Großmächten tatsächlich bestrebt gewesen, den ersten Balkankrieg zu verhindern. Er verweise wieder darauf, daß er im Interesse der Erhaltung des Friedens im August 1912 bei den Großmächten eine Aktion eingeleitet habe, um die Pforte zu nunmehrigen reorganisatorischen Maßnahmen im Interesse der eigenen Nationalität zu veranlassen. Die Aktion fuhrte nicht zu dem Ereignis, daß sie dem Krieg vorgebeugt hätte, hatie jedoch den Zweck erreicht, daß die Kabinette in einem gewissen Ideenaustausch miteinander standen. Auf dieser Grundtage setzte dann später das Vorgehen der Großmächte ein, das die Regelung im allgemeinen Einverständnis hinsichtlich verschie. dener Fragen zur Wiederherstellung des Friedens bezweckte. Was die durch den Matin bekanntgewordenen Verträge anlange, so bemerkte der Minister, daß er der Natur der Sache nach keine offizielle Kenntnis davon erlangen konnte. Er sei darauf angewiesen gewesen, sobald die einzelnen Details zur Kenntnis der Regierung gelangten, sich ein Bild der Situation zu schaffen. Berichterstatter Nagy führte aus: Dem Minister des Aeußeren gebührt alle Anerkennung für die Wahrung des Friedens angesichts des Abgrundes, an dessen Rand die Monarchie während des Balkankrieges gestanden hat. Es sei belanglos, daß Deutschland den Bukarester Frieden früher anerkannt hat, als die Monarchie. Der Dreibund bliebe trotzdem der stärkste Hort für den europäischen Frieden. Der Oppositionelle Graf Carolyi erklärte sich mit der Leitung der auswärtigen Politik unbefriedigt, weil sie im Dreibund nicht die ihr gebührende Rolle gespielt habe. Der Delegierte Berzeviczy beionte, es gäbe für die Monarchie keine günstigere Kräftegruppierung als das Festhalten am Dreibund. Das Ergebnis des Balkankrieges zeige, daß die panslavistische Idee Bankerott erlitten habe, ebenso wie das europäische Konzert. K Ueberzeugung aussprechen: Dieses Ministerium kann nicht lange dauern, es verletzt die Gesinnungen und die Interessen des Landes. Die radikalen Blätter sprechen ihre Befriedigung darüber aus, daß es gelungen sei, ein Ministerium von so entschiedene unksrepublikanischer Richtung zu bilden, verhehlen sich jedoch nicht, daß demselben noch Schwierigkeiten bevorstehen. Die Lanterne sagt: Das neue Kabinett wird die Finanzfragen regeln, das Verhältniswahlsystem auf anständige Weise begraben, die Rückkehr zur zweijährigen Dienstzeit vorbereiten, den republikanischen Offizieren das Vertrauen wiedergeben und die Hoffnungen der Lehrerschaft verwirklichen müssen, das alles ist gewiß keine leichte Aufgabe. Der Radikal schreibt: Trotz mancher Vorbehalte müssen wir den neuen Ministerpräsidenten dazu beglückwünschen, daß er die Krise in erfreulicherweise gelöst hat. Jaures schreibt in der Humanite: Das neue Ministerium möge ohne Umschweife ankündigen, daß es die Steuerreform dem Finanzgesetz für 1914 einverleiben wird, daß das Dreijahresgesetz für Frankreich nur eine ganz vorübergehende Schutzmaßnahme bildet und daß es das Programm des Kongresses in Pau in keiner Hinsicht verleugnen wolle, dann wird es leben und den Wutausbrüchen der Rückschrittlichen Trotz bieten können. Clemenceau meint im Homme liberal: Der gewaltige Zorn der gemäßigten Republikaner muß als ein Zeichen dafür angesehen werden, daß die Reoublikaner einen guten Weg eingeschlagen haben. * London, 9. Dez.(Tel.) Auf Grund der heute zwischen Reedern und Arbeitern erzielten Die Lösung der französischen Ministertrise. ° Paris, 9. Dez. Noch selten ist ein neues Ministerium von der gegnerischen Presse in so heftiger Weise angegriffen worden, als das neue Kabinett Doumergue. So schreibt der Figaro: Wir können an dieses Ministerium, dessen bloße Verkündigung alle Welt beunruhigt hat, gar nicht glauben. Solange wir die Ernennungen nicht im Amtsblatt gelesen haben, müssen wir denn auch erklären, daß ein solches Kabinett unmöglich, durchaus nicht lebensfähig und gar nicht vorhanden ist. Wenn dieses Ministerium eine Fabel ist, so bildet es jedenfalls eine Herausforderung. Bewahren wir deshalb einen schwachen Hoffnungsschimmer. Echode Paris sagt: Das Ministerium Doumerque=Caillaux ist das genaue Abbild der geeinigten radikalen Partei, es ist lächerlich und zugleich beunruhigend. Wenn gewisse Namen das neue Kabinett grotesk erscheinen lassen, so verleihen diesem die Verwegenheit eines Caillaux als Finanzminister und die Unfähigkeit eines Doumerque als Minister des Aeußeren wohl den Charaktereiner Drobung und Herausforderung. Sollie Frankreich sich angesichte der ihm zugefügten Schmach nicht aufbäumen! Sollte dieses Volk nicht begreifen, daß es so weit gekommen ist, wo es, wenn es nicht elend zu Grunde gehen will, sich endlich entschließen muß, sich selbst zu verteidigen. Gaulois erklärt: Das Ministerium bedeutei eine Herausforderung des gesunden Menschenverstandes und der öffentlichen Meinung. * Paris, 9. Dez. Die neuen Minister sind gestern zu einer Beratung zusammengetreten, in das das zukünftige Programm der Regierung erörtert wurde. Das Kabinett wird dem Parlament erklären, daß es das Werk der Versöhnung der republikanischen Parteien durchführen, debei aber sich ausschließlich auf die Elemente der Linken stützen wolle. In der Regierungserklärung sollen insbesondere 4 Punkte berücksichtigt werden. Laienschulen, Wehrreform, Finanzfragen und das Dreijahresgesetz. Das Kabinett werde nachdrücklich seinen Willen kundgeben, daß es die Laienschulen verteidigen wolle. Es werde mit einer Senatskommission an der Wahlreform arbeiten, um einen Ausgleich zwischen den beiden Häusern des Parlaments herbeizuführen. Dabei dürfe aber nicht verhehlt werden, daß es schwierig erscheine, in der kurzen Zeit bis zu den Wahlen zum Ziele zu kommen. Das Land selbst also werde Gelegenheit haben, sich zu der Angelegenheit zu äußern. Die Lösung der finanziellen Frage soll Caillaux überlassen werden. Es heißt, Caillaux halte es nicht für nötig, eine Anleihe sofort aufzunehmen. Er wolle dem Erbschaftssteuerentwurf noch einen Vorschlag über die Besteuerung des Kapitals hinzufügen, um die Ausgaben für das Heer decken zu können. Die Regierung wolle die Hauptpunkte des von der Kammer angenommenen Einkommensteuergesetz im Senat verteidigen. Sie sei entschlossen, das Dreijahresgesetz zum Besten der nationalen Verteidigung anzuwenden werde es aber nicht als unabänderlich ansehen, und die Hoffnung ausdrücken, daß es der Gang der Ereignisse schließlich gestatte, dem Gesetze die notwendige Milderung erfahren zu lassen. Der neue Finanzminister Caillaux wird im morgigen Ministerrat eine ausführliche Darlegung der Finanzlage geben. Es verlautet in parlamentarischen Kreisen schon heute daß die Möglichkeit einer Vertagung der Anleihe und deren Ersetzung durch eine andere Maßnahme ins Auge gefaßt werde. Auch die von dem scheidenden Kabinett geplante Erbschaftssteuer werde vielleicht durch eine große Kapitalssteuerersetzt werden. Den Wandelgängen der Kammer war das Herücht verbreitet, daß das neue Ministerium die Absicht habe, den republikanisch=sozialistischen Deputierten und ehemaligen Minister und Generalgouverneur von Madagaskar, Augagneur, zum Zivilgouverneur von Marokko zu ernennen. Dieses Gerücht wird als unrichtig bezeichnet, denn man könne gegenwärtig, wo die militärischen Maßnahmen noch nicht vollendet seien, nicht raran denken, in Marokko eine Zivilregierung zu errichten. Deutscher Reichstag. * Berlin, 9. Dezember. Der Reichskanzler über die politische Lage. Am Bundesratstische: Reichskanzler Dr. von Bethmann=Hollweg, Staatssekretär von Jagow, Krätke, von Tirpitz und Kriegsminister von Falkenhayn. Präsident Dr. Kämpf eröffnet die Sitzung um 2.05 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst kurze Anfragen. Auf die Frage des Abg. Bassermann(Natl.) wegen Erwerbung von Petroleumkonze sionen in Arabien, Syrien und Mesopotamien durch englische Unternehmen erwidert Staatssekretär von Jagow: Die in der Presse verbreiteten Meldungen sind unzutreffend. Ein mit der Türkei abzuschließendes Abkommen würde die deutschen Interessen vollständig sichern. Dann gibt der Staatssekretär Auskunft über das Rangoleiabkommen zwischen Rußland und Auf die Frage des Abg. Glunder(Fortschr. Vpt.) wegen Aenderung des§ 33 der Reichsgewerbeordnung, der das Gastwirtsgewerbe betrifft, ermidert—wirisgewerbe betrifft, Direktor Caspar: Eine Vorlage ist ausgearbeitet und liegt dem Bundesrat vor. Die Interessen der beteiligten Gewerbetreibenden werden dabei berücksichtigt werden. Auf die Frage des Abg. Dr. Blankenhorn(Natl.) und Genossen wegen der Fabrizierung von Malzweinen erwidert Direktor von Jonquiers: Eine Novelle zum Weingesetz ist in Vorbereitung. Schon jetzt sind die Polizeiorgane zur strengsten Ueberwachung angewiesen. die Frage des Abg. Wurm(Soz.) wegen eines Gesetzentwurfes, durch den das Gesetz über die Zollsrleichterungen bei der Fleischeinfuhr über den 31. März 1914 hinaus verlängert wird, erwidert Direktor Müller: Ein Anlaß hierzu liegt nicht vor. Darauf wird die erste Beratung des Reichshaushaltbetats für 1914 fortgesetzt. Reichskanzler Dr. von Bethmann=Hollweg: Zwischen meinen letzten Auslassungen über die auswärtige Politik hier im Hause und den heutigen liegt der zweite Balkankrieg, der Vertrag vor. Bukarest und der Friedensschluß der Türkei mit ihren Gegnern im ersten Feldzuge. Damit sind die Ereignisse aus dem Zustand der akuten Konflikte herausgekommen, wenngleich die Folgen der Umwälzung noch nicht abgeschlossen sind. Die Festsetzung der albaGrenze im Norden und Süden scheint ihrem Abschlusse entgegenzugehen. Unsere spezeillen Interessen erfordern die Frage der Neuregelung der türkischen Staatsschuld. Die Konferenz, die zu diesem Zweck in Paris zusammengetreten war, hat sich vertagt. Wir sind bemüht, bis zum Wiederzusammentritt der Konferenz Grundlagen für die Lösung der Fragen vorzubereiten. Das Schicksal der Inseln ist noch nicht entschieden. Ich erwarte aber, daß sich ein befriedigender Ausweg finden läßt. Die Großmächte haben immer zusammengehalten während der Balkankrise, daß sie auch über diese Frage hinwegkommen werden. Das Verdienst gebührt allen Großmächten gleichmäßig. Die Zukunft wird ihnen Dank wissen, daß die solidarischen Interessen Europas gewahrt wurder. Die Interessen Oesterreichs und Italiens haben wir stets gewahrt und gemeinsam mit England und Rußland unsere Rolle im europäischen Konzert dank der korrekten Haltung Frankreichs spielen können. Der Umstand, daß Oesterreich=Ungarn vielleicht anfangs Erwägungen darüber anstellte, ob die Revision des Vertrages von Bukarest zweckmäßig sei, hat vielfach in der Oeffentlichkeit die Ansicht antstehen lassen, daß die Meinungsverschiedenheit das Bünduisverhältnis zu Oesterreich ungünstig beeinflussen würde. Ich kann diese Annahme mit Entschiedenheit zurückweisen. (Bravo.). Ich nehm: Bezug auf die Erklärungen des Grafen Berchtold in den Delegationen. Unser Bündnisverhältnis ist in den großen Lebensinteressen berder Reiche so unerschütterlich begründet, als daß es durch Meinungsverschiedenheiten dem Balkanprogramm, an dem Oesterreich=Ungarn viel mehr interessiert ist, als wir, getrübt werden könnte.(Bravo rechts). Das Zusammenhalten der im Dreibund vereinigten Völker hat sich im ganzen Verlauf des Balkankrieges so stark bewährt wie nie, ohne dabei die gemeinsame Arbeit der Mächte in Frage zu stellen. In der Frage, wie sich Europa der künftigen Entwicklung der Türkei gegenüber verhalten selle, glaube ich eine erfreuliche Uebereinstimmung unter den Großmächten feststellen zu können. In der Rede Sir Edward Greys im Sommer d. Is. kam Gleichartigkeit der Grundgedanken der englischen und deutschen Politik zum Ausdruck: Aufrechterhaltung und Sicherung des türkischen Gebietes in Kleinasien und des europäischen Besitzes. Auch aus meinen Unterredungen mit dem russischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen, Kokowzew konnte ich entnehmen, daß Rußland keine territorialen Erwerbungen in Kleinasien beabsichtigt. Sein Bestreben richtet sich in Uebereinstimmung mit dem unseren auf eine im eignen Interesse der Türkei liegende Besserung der Verhältnisse in Armenien. Von den gleichen Bestrebungen und den gleichen Ansichten ist die französische Regierung beseelt. Bei der allseitig beobachteten Zurückhaltung können wir hoffen, daß politische Konflikte wegen der Zukunft der Türkei zwischen den europäischen Großmächten für absehbare Zeit nicht bevorstehen werden. ae bleibt der insbesondere in Kletnasten lephafte wirtschaftliche Wettbewerb der einzelnen Völker. Die großen wirtschaftlichen Interessen, die wir in Kleinasien, namentlich hinsichtlich der Bagdadbahn haben, beanspruchen unsere ganze Aufmerksamkeit. Wir haben im Reichstag im Anschluß an die Erklärungen der englischen Regierung davon Mitteilung gemacht, daß wir mit der englischen Regierung Verhandlungen eingeleitet haben, die den Zweck haben, mögichst wirtschaftlichen Reibungen vorzubeugen und das Unternehmen der Bagdadbahn finanziell und polizischein für alle Mal „Ju pelley, luchz, mu ier frangöst: chen begterung haoen wir in der letzten Zeit auf ##ren Munsch oin Beserechungen gedflogen, die den gegenseitigen wirkschaftiichen Wettvewerb beider Länder in jenen Gegenden betrifft. Ich will noch das bemerken, daß die Verhandlungen mit England möglichst weit fortgeschritten sind, während die mit Frankreich sich noch in den Anfangsstadien befinden. Die fortschreitende Besserung des deutsch=englischen Verhältnisses hat es uns ermöglicht, an die Lösung der Bagdadfrage heranzutreten und die Beziehungen der beiden Länder in ruhigere Bahnen zurückzuführen. Die wirtschaftlichen Gegensätze in Afrika sind ausgeglichen worden. Von einseitiger Verzichtleistung Deutschlands ist keine Rede, auch von keinen Kompensationen in Vorderasien. Ich bin der Ansicht, daß das Ergebnis der Verhandlungen in Deutschland und England als annehmbare Lösung von Gegensätzen angesehen werden kann. Das Vertrauen wird dann auch auf die Kreise übergehen, die unserem Verhaltnis skeptisch gegenüberstehen. Lassen Sie uns das Vergangene vergessen und auf der Grundlage der Gegenwart weiter bauen. Auf diese Andeutungen möchte ich mich beschränken; ich kann nicht so mitteilsam sein über Dinge, die noch nicht geklärt find. Unser Weg war uns klar vorgezeichnet mit Rücksicht auf unsere Bundesgenossen. Diese Politik steht in Einklang mit den größten Gesichtspunkten, von denen nach meiner Ueberzeugung die auswärtige Politik überhaupt geleitet sein muß. Unser Land im Herzen des Kontinents Europa wird uns immer darauf hinweisen, alle unsere phyfischen und moralischen Kräfte für die Nation einzusetzen. Dieselben Kräfte erfordern gebieterisch ihre Weiterentwickelung in dem Betriebe der Weltwirtschaft und Weltkultur. Nur ein unberechtigter Mißmut im letzten Jahrzehnt kann verkennen, daß Deutschland an diesen großen Aufgaben mit Erfolg gearbeitet hat. Diese Aufgabe ist groß und sie bedeutet ein bestimmtes und festes Ziel, auch wenn es nur in stetiger und geduldiger Ausdauer erreicht werden kann.(Bravo rechts; Rufe bei den Sozialdemokraten: Ist das alles! Donaueschingen!). Abg. Scheidemann(Soz.): Der Reichskanzler hat soeben über die auswärtige Politik gesprochen. Hält er sich noch immer für den geeigneten Mann, das deutsche Volk gegenüber dem Auslande zu vertreten. Ich bin anderer Ansicht. Persönliche Gehässigkeit dem Reichskanzler gegenüber liegt mir fern. Die Wegnahme des Militärs von Zabern ist eine zweideutige Maßnahme. Zu seinem Recht ist niemand gekommen. Die sechs Rekruten sind noch immer in Haft, Forstner, Reutter und Deimling laufen noch immer frei herum. Die Soldaten und Bürger werden bestraft, wenn die Offiziere sündigen. Die heutige Situation, wo der Reichskanzler zum ersten Male wieder nach jenem Tage den Saal betritt, ist für ihn wie für das Haus keine besonders würdige. Ich frage den Reichskanzler, ob er glaubt, noch die Autorität zu besitzen, das deutsche Volk nach außen hinzuvertreten, nachdem fünf Sechstel der Vertreter des Volkes ihm ihr Mißtrauen ausgesprochen haben. Aus dieser Sitration führt kein Kompromiß heraus. Es handelt sich hier nicht um Ministerstürzerei, sondern um die Einschränkung der absoluten monarchischen Gewalt. Der Kaiser kann zwar den Kanzler ernennen, kann aber den Reichstag nicht zwingen, mit ihm zu arbeiten. Der Reichstag möchte zeigen, daß sein Beschluß vom 4. Dezember kein Strohfeuer war.(Beifall bei den Sozialdemokraten). Präsident Dr. Kämpf ruft den Redner nachträglich zur Ordnung, da er die erste Rede des Reichsunzlers einen sauberen diplomatischen Stil genannt habe.(Lärm bei den Sozialdemokraten). Reichskanzler v. Bethmann=Hollweg: Die Wahrung meiner Würde mag Herr Scheidemann mir überlassen; ebenso mag er es meiner eigenen Beurteilung überlassen, ob ich noch der Mann bin, die deutsche Politik zu vertreten. Das Ausland wird darüber anders denken als Herr Scheidemann.(Sehr gut.). Verwahrung muß ich aber dagegen einlegen, daß der Vorredner unsere verfassungsrechtlichen Zustände zu verdunkeln beginnt. Er meint, das sogenannte Mißtrauensvotum des Reichstages lege den Mehrheitsparteien die Pflicht auf, entweder hier nicht mit zu arbeiten oder Mittel zu ergreifen, um mich zu zwingen, abzudanken. Das setzt verfassungsrechtliche Zustände voraus, die wir nicht haben. Die Interpellationsanträge hatten eine ganz andere Bedeutung. Das haben die damaligen Redner anerkannt, selbst Herr Ledebour, und das will viel heißen.(Heiterkeit.). Auch Dr. David hat bestätigt, daß es eine reine Zweckmäßigkeitsfrage sei. ganze Haus ist damols der Ansicht gewesen, es litik ist äußerst günstig. Im Innern bietet der Stat kein sicheres Bild. Redner bespricht dann nochmals die Zaberner Angelegenheit und erklärt, wenn man jetzt das Regiment versetzt, so ist das keine Strafe für die Soldaten, sondern für die Bürger. Gefehlt haben in erster Linie die Cffiziere. Das Verbot gegen den Vortrag Amundsens erklärt Redner für unverständlich. Dann bespricht er die Balkanpolitik des Dreibundes und erklärt, Oesterreich habe durch den Dreibund erreicht, daß ein selbständiges Albanien errichtet wurde. An der Großmachtstellung Oesterreich=Ungorns hat Deutschland ein großes Interesse. Des weiteren kommt er auf die wirtsch. Verbältnisse, und besonders auf die Zollpoli ik Deutschlands zu sprechen und auf die Thronfragen in Braunchweig und Bayern. In Bayern sei einem unhaltbaren Zustande ein Ende gemacht worden. Die deutsche Landwirtschaft habe sich als leistungsfähig erwiesen. Nun müsse dafür gesorgt werden, daß auch der Mittelstand gegenüber den großen Unernehmungen konkurrenzfähig bleibt. An dem Koalitionsrecht darf nicht gerüttelt werden.(Beifall im Zentrum.). Abg. Bassermann(Natl.): Wir erkennen mit dem Reichskanzler an, daß während des Balkankrieges der Dreibund seine Probe bestanden hat. Oesterreich und Italien insbesondere haben sich einander wesentlich genähert durch das gemeinsam erreichte Ziel des selbständigen Albanien. Die österreichischen Interessen stehen im Vordergrund, die Deutschlands erst in zweiter Linie. Wir freuen uns, daß die Mißstimmung infolge d. Bukarester Friedensvertrages behoben worden ist und erkennen gern an, daß seit der Potsdamer Zusammenkunft unser Verhältnis zu Rußland sich wesentlich gebessert im Werte von 740000 Dollar Gold von den Parrolgruben die Grenze bei Ojinaya erreicht. Man glaubt, daß das Silber sicher auf amerikanischen Boden gebracht werden wird. * Douglas(Arizona), 9. Dez. Nach hier eingegangenen Meldungen haben die merikanischen Rebellen Jrcustleas und Tepico eingenommen. Das ganze Haus Fr damts der unsicht gewesen, es sei ein Internum des Reichstags. Heute soll mit einemmale dadurch ein Druck ausgeübt werden auf die Entscheidungen des Kaisers und des Reichskanzlers. Das ist die Aufrichtung des parlamentarischen Regiments. Die verfassungsrechtlichen Verhältnisse in Frankreich und Eng bei den lland sind andere als bei uns.(Zurufe sind ganz.„„crufe Sozialdemokraten). Sie(zu den Sozialbemokraten) möchten alle gern dahin; aber ichwerde Fichmitallen Kräften degegen wehren. (Hravo rechts). Nach der Verfassung steht dem Kaiser die Ernennung und Entlassung des Reichskanzlers zu, und es ist verfassungswidrig, darauf einen Druck ausüben zu wollen. Wegen des Beschlusses des Reichstages vom vorigen Donnerstag habe ich meine Entlassung nicht eingereicht und werde es auch nicht tun. (Bravo rechts). Ich will die Bedeutung des Interpellationsantrages nicht einschränken, aber es wird dabei doch nur festgestell, daß die Behandlung des Gegenstandes der Interpellation durch den Reichskanzler mit den Anschauungen des Reichstages nicht übereinstimmt. Derartige Meinungsverschiedenheiten sind doch ein selbstverständlicher Bestandteil unseres politischen Lebens. Das tritt am deutlichsten hervor, wenn ein Gesetzentwurf abgelehnt wird. Herr Scheidemann hat das Haus aufacrufen, durch Verweigerung des Etats Ihrem Beschlusse Geltung zu verschaffen. Aber ichwerde jedem Versuch, die in der Verfassung garantierten Rechte des Kaisers einzuschränken, den entschiedensten Widerstand entgegenset#en.„(Zutuf bei den Sozialdemokraten: Das ist seyr huvsch von Ihnen!) Jawohl, auf einen ganz unbeugsamen Widerstand weren Siestoßen.(Zuruf bei den Sozialdemokraten). Das deutsche Volk in seiner Mehrheit wird nicht wollen, daß die kaiserliche Gewaltunter sozialdemokratischen Zwang gestellt wird. (Lebh. Beifall rechts und Unruhe links.). Abg. Dr. Spahn(Zentr.): Den Reichskanzler zu derufen ist das Recht des Kaisers. Daran halten wir fest. Den Etal bewilligen wir nicht dem ReichsLanzler, sondern dem Reiche. Die Stellung des weurschen Reiches in der interuationalen Posat. Mit Rücksicht auf Rußlands Balkanpoliik müssen wir allerdings recht vorsichtig sein. Bezüglich des Rüstungsabkommen mit Englano muß man der französischen Presse zustimmen, die der Ansicht ist, daß die Propagierung des Rüstungsfeierjahres nicht dem Frieden dienlich ist. Die Tonart der englischen Presse unserem Flottenausbau gegenüber ist freundlicher geworden. Wir haben das Vertrauess zu unseren Staatsmännern, daß sie den festen Willen haben, die Periode energischerer Reformen in der Türkei einzuleiten. Auch hinsichtlich der asiatischen Türkei müssen wir verlangen, daß unsere Politik fest bleibe. Von Imperialismus ist bei uns wenig zu merken. Wir wollen nichts als die Sicherheit unserer Volkswirtschaft genau wie die anderen Vösker. Zur Beteiligung des Reichs an der Weltausstellung in San Franzisko beantragen wir die Einstellung von 2 Mill. Mark in den Etat. Eine Nichtbeteiligung an der Ausstellung wurde uns England gegenuber in das Hintertreffen bringen. In der Sache der Jesutten wünschen wir keine Verchleppung. Am liebsten wäre uns ein chnelles Nein.(Heiterkeit). Wir freuen uns, daß die braunschweigische Frage gelöst ist. Die Garantien, die durch den persönlichen Verzicht gegeben sein sollen, genügenuns nicht. Wenn ein weiterer Ausbau des Arbeitswilligenschutzes gewünscht wird, sind wir zu Verhandlungen bereit. Wir wollen aber keine Einschränkung der Koalitionsfreiheit und keine Ausnahmegesetze. Betreffend die Zaberner Angelegenheit schließe ich mich der Theorie des Abgeordneten Scheidemann über den Charakter des Mißtrauensvotums nicht an.(Hört, hört, bei den Sozialdemokraten, Bravo bei der Mehrheit.). Wir bedauern nur, daß die Einzelheiten der Bestrafungen und der Remedur nicht in schärferer und präziserer Form hier vorgetragen worden sind. Der Schaden, der in Elsaß=Lothringen angerichtet worden ist, ist zweifellos groß. Jetzt ist aber die Hoffnung berechtigt, daß wieder Friede in den Grenzlanden einzieht.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Darauf wird die Weiterberatung auf Mittwoch 12 Uhr vertagt. Außerdem kleinere Vorlagen und Antrag Bassermann betreffend die Weltausstellung in San Franzisko. Schluß nach 6,80 Uhr. Die Finanzen der Westfältsigen Stadte. (Fortsetzung.) Endlich die Schuldenlast, der natürlich in den städtischen Betriebswerken produktive Vermögensstärke gegenüberstehen. Im allgemeinen erfordert die moderne Städteentwicklung außerordentliche Mittel, die nicht von der Gegenwart allein getragen werden können, sondern auch der Zukunft, die an den erstehenden Werten patiziert, mit überbürdet werden müssen. So wird die städtische Verwaltung komplizierter, je größer der Apparat ist, und der Geldbedarf steigt nicht proportionell zur Bevölkerungszahl, sondern weit stärker, wie ja auch die Aufgaben vielseitiger mit der Größe und Leistungsfähigkeit der Kommunen werden. Im besonderen spielen dann auch noch indirekte Momente hinein, die sich namentlich bei kleineren Städten bemerklich machen, wenn sie über überkommene(größere) Besitztümer verfügen. Unterschiede ergaben sich ferner, unter sonst gleichen Voraussetzungen auch dadurch, daß in einzelnen Städten Einrichtungen bereits geschaffen wurden, die in anderen Städten noch erst zu schaffen sind usw. An der Spitze steht nach der Belastung pro Kopf Unna, dann erst folgt Dortmund. Besonders günstig stehen Bochum und Gelsenkirchen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Schuldenbelastung der westfälischen Städte: Schulden Deutsches Reich. * Die Ersatzwahl im 4. Wahlkreis des Regierungsbezirks Minden(bisher Albers=Godelheim) ist für den 22. bezw. 29. Dezember angesetzt worden. Zum Wahlkommissar ist Landrat Körfer in Höxter ernannt worden. Wahlort ist Brakel. * Die beiden Häuser des preußischen Landtags werden am 8. Januar 1914 einberufen werden. Unna Dortmund Minden Siegen Bielefeld Witten Münster Hamm Iserlohn Haspe Hagen Recklinghausen Herford Gütersloh urnsberg Schwelm Bochum Gelsenkirchen Hattingen Rheinen Gronau Soest be benscheid Lippstadt Herne Gevelsberg altena Menden Lünen Buer Hohenlimburg Ahlen Neheim Paderborn Schwerte Kamen Castrop Bocholt Wattenscheid 8,1 Mill. 22.2 8,6 8,2 22,6 9.7 22,0 10,8 7,5 5,6 20,2 11,2 6,8 8,7 2,1 4,2 25,1 80.5 2,1 2,4 1,6 2,8 4,8 4,7 2,8 8,1 2,7 2,0 1,6 1,6 8,.2 1,7 1,8 1,2 2,9 1,8 0,9 1,4 2.0 2,0 pro Kopt 466,60 K 414,55„ 814,27„ 287,62„ 285,68„ 256,77„ 242,02„ 240,45„ 289,47„ 234,75„ 224,01" 208,09„ 205,87" 198,98„ 198,70„ 198,56„ 188,28„ 177,75" 158,40„ 157,66„ 150,91" 147,54„ 144,10„ 143,86„ 140,46„ 187,61„ 137,84„ 136,09„ 186,00„ 126,46„ 124,86„ 120,84„ 112,81" 111,27„" 95,55„ 94,69„ 84,85„ 74,67" 72,85 70,15 Bulgarien. Die Wahlen. In den Kreisen Widdin und Vratza sind fast nur Agrarier und Sozialisten gewählt worden; in Vratza ist Danew gewählt. Die Regierung dürfte kaum die ab solute Mehrheit erhalten und Anschluß an die Agrarier oder an eine andere stärkere Gruppe suchen müssen. San Domingo. * Die Wahlen. Am kommenden Montag werden die Wahlen in San Domingo stattfinden. Vier amerikanische Kriegsschiffe werden sich in den dortigen Gewässern befinden. Marokko. Die Harka von Tarudant, die am 8. 12. gegen die aufständischen Stämme auszog, zerstreute die feindlichen Ansammlungen und nahm 4 Dörfer. Die Verluste der Aufständischen an Waffen und Pferden sind bedeutend. Die Wirren in Mexiko. * Newyork, 9. Dez. Nach einem Telegramm aus Juarez sind die Rebellen unter General Chao Herren der Stadt Chibuahua. General Villar ist bis heute mittag noch nicht in die Stadt eingerückt. Der Gouverneur ist bereit, sich General Villar zu unterwerfen. * Newyork, 9. Dez. Nach einer Depesche aus Juarez zog General Villar gestern in vorgerückter Stunde in Chihuahua ein und wurde von den Einwohnern, die lange Mangel an Lebensmitteln gelitten haben, freudig begrüßt. Man nimmt an, daß Villar jetzt in der Lage ist, den Frieden im Norden Mexikos wieder herzustellen. * Newyork, 9. Dez. Nach einem Telegramm aus Presidion in Texas hat ein Eisenbahnzug mit ungemünztem Silber Wir haben diese Uebersicht nach der Belastung pro Kopf geordnet. Die Gesamtschuldenlast aller westf lischen Städte unter Einschluß der hier nicht aufgefhrten Städte mit unter 10 000 Einwohnern berechnet sich nach den Angaben des landesstatistischen Amtes auf nahezu 887,4 Millionen Mark oder auf 204,62 Mark pro Kopf der Bevölkerung. Bestfalen und Nachbarländer. Paderborn. 1I Adolf Kolping zum 100. Geburtstage. Vor dem Josephsaltar der Minorttenkirche zu Köln deckt eine schlichte schwarze Marmorplatte ein Grab, auf der die folgenden Worte eingemeißelt sind:„Hier ruht Adolf Kolping, geb. am 8. Tezember 1813, zu Kerpen, gest. am 4. Dez. 1865 zu Köln, er bittet um das Almosen des Gebetes.“ Er, der so vielen im Leben so Vieles gab, er bitte sie alle um„das Almosen des Gehetes“, und er hat tausendsach Anspruch auf diesen kleinen Tank, der ihm so leicht jeder geben kann. Ueber den Tod hinaus hat er weiter geschenkt in reichster Fülle, sein Werk blieb lebendig, es gedeiht und wächst, über der großen Liebe, die der Grundstein war, aus dem sein Schöpfer es erbaute. 100 Jahre sind vergangen, sett zu Kerpen, einem kleinen Städtchen in der Nähe von Köln, Adolf Kolping als Sohn eines in ärmlichsten Verhältnissen lebend. Landmannes geboren wurde. Zu schwächlich, um seinen altern und Geschwistern Hülfe bei der schweren Landarbeit leisten zu können, wurde er nach beendetem Schulbesuch zu einem Schuhmather in die Lehre gegeben. Die ersten Jahre nach seiner Lehrzeit arbeitete er bei verschiedenen Meistern auf dem Lande, seine freie Zeit, die L'bende, ja die Nachtstunden zu seiner weiteren Llusbildung benutzend. Dann führte ihn sein Weg nach Köln, und hier zum ersten Mal in einer großen Stadt, auf großen Werkstuben, tat sich das physische und moralische Glend der Handwerksgesellen seiner Zeit vor ihm auf. Durchdrungen von dem brennenden Verlangen, dem von ihm so innig geliebten Handwerksgesellenstand aufzuhelfen, annehmbare soziale Zustände in ihm zu schaffen, widmete er sich dem Studium, vollendete es unter ständigen Sorgen und harten Entbehrungen und hatte am 13. April 1845 das hohe Glück, in der Minoritenkirche zu Völn die hl. Priesterweihe zu empfangen. Er war am Ziel, ihn zierte das Gewand eines Standes, als dessen Zugehöriger er, wie er stets erhofft hatte, für die Sache seiner Gesellen, mit Aussicht auf Erfolg arbeiten konnte. Am 15. Mai 1849 gründete er mit 7 braven Handwerksgesellen in Köln den ersten Geellenverein. Und der Alllmächttos segnetze soin Work. Das Programm, das er dem Wirken seines ersten Gesellenvereins zu Grunde gelegt hatte, machte es diesem zur Aufgabe, die jugendlichen Handwerker für Religion und Vaterland zu erziehen, sie für ihre geschäftliche Stellung u. ihr materielles Fortkommen auszubilden, sowie endlich ihnen eine angemessene Erholung zu bieten. Mit Begeisterung wurde an anderen Plätzen dieses Programm aufgenommen, und bald entstanden an vielen Orten nach Anweisung und mit Unterstützung Kolpings neue Vereine. Den Rest seines Lebens widmete der „Gesellenvater“,(den Threntttel führte er schen zu Lebzeiten, und unter ihm wird er auch in der Geschichte weiterlehen) der Sache der kathol. Gesellenvereine. Am Abend seines arbeitsvollen Lebens, dessen aufreibender Tätigkeit sein schwächlich. Körper schließlich unterlag, hatte er die große Freude und Genugtuung, daß an 400 Gesellenvereine in Deutschland und Oesterreich bestanden. Er starb am 4. Dezember 1865. Fast 50 Jahre sind nun schon seit seinem Tode vergangen; aus dem Reislein aber, das er pflanzte, ward ein gar mächtiger Baum. Am 1. Januar 1907 gehörten dem Verbande kathol. Gesellenvereine Deutschlands, Oesterreich= Ungarns, und der Schweiz 74424 Mitglieder in 1161 Vereinen an, Dazu kommen 117829 außerordentliche Mitglieder, darunter 38393 Handwerksmeister, ehem, aktive Vereinsmitglieder, sodaß die Gesamtmitgliederzahl sich auf 192 253 beläuft. Eine würdige Feier des 100jährigen Geburtstages seines Stifters veranstaltete der hiesige Gesellenverein am Montag äbend. Der Präses, Domvikar Beinert, begrüßte die außerordentlich gut besuchte Festversammlung, die den großen Saal vollkommen ausfüllte. Er brachte am Schluß seiner Ansprache ein Hoch auf den Landesfürsten aus, das allseitigen Anklang fand. Musik= und Gesangsstücke wechselten sich ab bis zur Festrede, die Seminarlehrer Dr. Trampe übernommen hatte. Dieser entwarf ein scharfes Bild der Zeit vor 100 Jahren mit ihren sozialen Nöten und ihren großen Männern die diese Nöte beheben sollten. Einer von ihnen war Kolping, der zuerst praktische Sozialpolitik trieb. Im Anschluß an die Festrede zeigten mehrere lebende Bilder Szenen aus dem Leben Kolpings. Zum Schluß wurden von den Mitgliedern unter ungeheurem Lacherfolg einige lustige Stücke in flotter Weise zum Vortrag gebracht Dem Andenken eines edlen und großen Menschen sind unsere Zeilen gewidmet, sie sollen beitragen, sein Lebenswerk all denen lieb zu machen, für die er es schuf, damit mehr und mehr sich sein heißer Wunsch erfülle: „Gott segne das ehrbare Handwerk!“ ( Eine öffentliche Frauenversammlung, die vom hiesigen Zweigverein des Kath. Frauenbundes einberufen war, fand am Montag abend im Hotel„Kaiserhof" statt. Die Frauen gewinnen immer mehr Interesse am öffentlichen Leben, und bei dem Zweck der Versammlung— man beabsichtigte, ein Lohnamt für Werkstättenarbeiterinnen zu gründen— war eine ausgezeichnete Beteiligung seitens der Frauenwelt Paderborns vorauszusehen. Und der Besuch wird die Erwartungen wohl übertroffen haben. Die Vorsitzende des Frauenbundes, Freifrau von Fürstenberg, begrüßte mit freudigen Worten die erschienenen Damen und sprach sich über die Forderung eines Lohnamtes aus. Frl. Dr. Käthe Gäbel(Berlin), die bereits am Morgen im Piushause zu dieser Frage gesprochen hatte, ergriff zuerst das Wort, um in klaren, überzeugenden Worten die Not ihrer im Schneider=, Putzmacher= und ähnlichen Gewerben tätigen Mitschwestern darzulegen. Hier in Paderborn wird noch oft ein Mindestlohn von 75 4 gezahlt, dieser muß zum wenigsten auf 1,25 A erhoht werden. Bei einem Wochenlohn von 4,50 A muß ein junges Mädchen, falls es nicht von seinen Eltern unterstutzt wird, körperlich und seelisch zu Grunde gehen. Der Staat sorgt für die Arbeiter durch Arbeiterschutz, Arbeiterversicherung u. dergl., aber in der Lohnfrage versagt er. Andere Länder, besonders Australien und England sind uns darin bei weitem voraus. Dort sind die sogenannten Lohnämter staatlich eingesetzt, welche zu gleichen Teilen aus Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehend, die Löhne in gerechter Weise festsetzen. Auch Frankreich hat vor einigen Wochen eine ähnliche Einrichtung beschlossen. In Amerika haben die Konsumenten sog. Wohlfahrtskommissionen ins Leben gerufen, um anständige Löhne in der Konfektionsbranche zu erzielen. In Deutschland haben wir leider noch nicht erreicht, daß sich der Staat der Lohnfrage annimmt, obwohl von zahlreichen Sozialpolitikern darauf hingearbeitet wird. Unter lebhaftem Beifall bat die Referentin um Unterstützung der guten Sache. Professor Rosenberg unterstrich noch einmal die Notwendigkeit einer Besserung der Lohnverhältnisse, und machte Mitteilung von den Erfolgen der Kommission, welche sich die Gründung eines Lohnamtes in Paderborn zum Ziele gesetzt hat. Diese hatte eine Besprechung der Arbeitgeber zusammengerufen, die gut besucht war. Vier Geschafte haben bereits den festgesetzten Mindestlohn von 1,25 A eingeführt, einige andere haben sich ihnen angeschlossen, doch hat die Kommission nichts über die Höhe der Aufbesserung erfahren. Bei einem Lohn von 75§ kann niemand sein Leben fristen, und jede Arbeit hat Anspruch auf entsprechenden Lohn. Ein Dienstmädchen ist gegenüber in der Konfektionsbranche Beschäftigten mit Löhnen, wie sie jetzt noch gezahlt werden, zu beneiden. Da muß der Arbeitgeber zunächst höhere Löhne zahlen, besonders wichtig ist aber der gewerbliche Zusammenschluß. Leider fehlt meistens den jungen Mädchen das Verstandnis für den Wert einer solchen Koalition. Auch der Staat müßte eingreifen, doch scheint bei der Regierung der gute Wille zu fehlen. Ein Zentrumsantrag nach dieser Richtung, der sich der Zustimmung der größeren Hälfte des Reichstages zu erfreuen hat, liegt vor. Wir müssen aber vorläufig auf privatem Wege Abhilfe der augenblicklichen Mißstände zu erreichen suchen, und zu diesem Zwecke trägt man sich mit der Absicht, ein freiwilliges Lohnamt einzurichten, das von einem Unparteiischen an der Spitze und je drei Beisitzern aus Arbeitgeber= und Arbeitnehmertande gebildet wird. Dieses Lohnamt soll neben seiner eigentlichen Bestimmung auch als Einigungsamt bei Differenzen tätig sein. Um segensreich in diesem Sinne wirken zu können, muß es vor allem der Unterstützung der Konsumenten sicher sein. Deshalb ist es notwendig, daß die Paderborner Damen nur in solchen Geschäften kaufen, die dem Lohnamte beigetreten sind. Durch die Lohnaufbesserung ist keine Erhöhung des Warenpreises bedingt, wie es das Beispiel von Bielefeld zeigt, wo bei erheblich höheren Löhnen die Waren um nichts teurer sind.Daß der Redner den Zuhörern aus dem Herzen gesprochen hatte, zeigte der anhaltende Beifall, als er am Schluß seiner Ausführungen zu tatkräftiger Mitarbeit aufforderte. Nach einem kurzen Worte des Domkapitulars, Dompfarrer Bertels, der die Mütter davor warnte, ihre * Kinder solchen Berufen zuzuführen, in denen sie großen sittlichen Gefahren ausgesetzt seien, nahm die Versammlung einstimmig eine Resolution folgenden Wortlautes an: „Die Versammlung erklärt ihr Einverständnis mit den Bestrebungen des Lohnam= tes und empfiehlt allen Frauen nurindenjenigen Geschaften zu käufen, welche sich dem Lohnamt anschließen und die festgesetzten Mindestlöhne zahlen. * Populär=wissenschaftlicher Vortrag. Für den heute abend 8¼ Uhr im großen Saale des Bürgervereins stattfindenden 8. Populär=wissenschaftlichen Vortrag:„Vom Mittelmeer zum Persischen Golf, auf den Spuren der Bagdadbahn“ ist als Referent gewonnen Dr. et phil. Hugo Grothe, Privatdozent zu Leipzig. Der genannte Herr ist Vorsitzender des Arbeitsausschusses für Deutsche Geisteskultur und Deutschtum im Auslande und hat speziell den Orient in mehreren längeren Reisen genau studiert. Somit kann der genannte Referent als Sachverständiger für das wichtige zeitgemäße Thema über die Bagdadbahn angesprochen werden. Der Vortrag wird durch eine Reihe von künstleischen Lichtbildern illustriert und der Besuch kann nur dringend empfohlen werden. * Familiennachrichten. Gestorben: Johannes Ruppert, 1½ Jahr, Martinstr. 23. Witwe Karoline Götte 70 Jahre, Wigbertstr. 10. Metzgermeister Heinrich Westhoff 81 Jahre Königstr. 41. Haushälterin MariaKirchhoff aus Daseburg, 44 Jahre. Werkmeister Johann Rhode, 51 Jahre, Bachstr. 33. Ehefrau Ida Benndorf 41 Jahre, Personstr. 43. Schülerin Anna Schafmeister, 6 Jahre, Querweg 20. Anna Maria Krawinkel, 9 Mon., Karlstr. 33. Witwe Gertrud Ahle, 67 Jahre, Weberstr. 8. Brauereiarbeiter Martin Heunemeier, 80 Jahre. Querweg 18 * Stadttheater=Volkshalle!(Detmolder Hoftheater=Ensemble.) Am Donnerstag wird Hermann Sudermanns fesselndes Schauspiel „Heimat“ einmalig aufgeführt; ein Werk von durchschlagender Wirkung.— Die umfangreiche Rolle der„Magda" wird Fräulein Glaßner spielen; ferner sind die Damen Decker=Segisser, Kareen, Weiser, Hübner und die Herren Dr. Pündter, Dittmann, Reinhardt und Paetzold in Hauptrollen beschäftigt.— Für diese Vorstellung sind die Preise bedeutend ermäßigt. Wir verweisen auf das heutige Inserat. Für Sonntag(letzte Vorstellung der Hauptspielzeit) wird die famose Operetten=Neuheit„Der lachende Ehemann“ vorbereitet. * Zum stenographischen Einheitssystem. Dem Unterausschuß, der aus einem Vertreter des Stolze=Schreyschen Systems, der Nationalstenographie, des Stolze-Stenotachygraphischen Blocks und der anderen vokalschreibenden Systeme bestand, werden zur Beachtung überwiesen: a) ein Entwurf der Schule Gabelsberger, b) Entwurf von Dr. Mantzel=Schrey, c) ein Entwurf des stenotachygraphischen Blocks und d) die Nationalstenographie, sowie drei andere vokalschreibende Entwürfe. Die Fahrbahn der östlichen Rampenbrücke am Liboriberge(Spiringsbrücke) ist mit pflaster belegt. Bei anhaltender feuchter Witterung dehnt sich das Holzpflaster aus und bildet dann in der Mitte eine Wölbung, weil es sich nach den Seiten hin, wo es von der Betonschicht der beiden Fußwege begienzt wird, nicht ausdehnen kann. In den vergangenen Wintern zeigte sich diese Erscheinung, wenn auch im geringen Umsange reg lmäßig; in den letzten Tagen ist sie wiederum, und zwar diesmal in einer für den Verkehr gefahrdrohenden Weise aufgetreten, sodaß das Polzpflaster stellenweise umgelegt werden mußte. * Die Aufnahmeprüfung am Lehrerinnenseminar Paderborn erfolgt lt. Amtsblatt am 16. und 17. März 1914. Die Entlassungsprüfung am 12. bezw. 20. Januar ff. Der bekannte Restaurator Leisten aus Erfurt ist gegenwärtig im Knaben-Konvikt (Kapuzinerkloster) mit der Wiederberstellung alter Gemälde beschäftigt. * Brockensammlung. Zur hl. Weihnachtszeit strebt jede Mutter danach, ihren Familienangehörigen eine Freude zu bereiten. Der mit Glücksgütern gesegneten Hausfrau ist dies ein Leichtes. Die als bedürftig bekannte Familie findet darin durch die Weihnachtsbescheerung mancher caricativen Vereine, sowie durch Privatunterstützung eine oft reichliche Hilfe. Anders steht es mit denen, deren Verdienst bei weiser Einteilung, besonders in der Winterzeit, nur einen kleinen Sparpfennig abwirft zur Bereitung einer bescheidenen Wethnachtsfreude, in der das Notwendige mit dem Schönen verbunden wird. Gerade diese aber sind unseres Wohlwollens besonders wert und für diese pocht der Brockenverein an das Herz der wohlhabenden Famtlienmutter und anderer Damen und bittet um abgelegte Kleidung aller Art, um Bett= und Leibwäsche, Schuhe, Spielsachen usw. Vielleicht finden sich in den Schränken noch mancherlei derartige Sachen, die zum Teil gar leicht im nächsten Sommer der Motte zum Opfer fallen würden. Ist es nicht ein her erhebendes Bewußtsein, daß diese gespendeten in der Brockensammlung ausgebessert resp. passend gemacht so manche Not lindern, die Unbill der Witterung erträglich machen und so viele Freude bereiten helfen? Geben ist seliger, denn Nehmen. Gaben oder gefällige nachrichtigung zur Abholung derselben, werden jederzeit dankend entgegen genommen Bachstraße 14, hier. Aus Stadt und Amt Lippspringe * Das Arminiusbad kündet im Inseratenteil den Verkauf billigen elektrischen Stromes an. Die Preise entsprechen den in Paderborn ab 1. Juli 1914 gültigen und werden, wie wir von zuständiger Seite erfahren, diesen in Zukunft immerg leichgestellt bleiben. ? Eine Volksvereinsversammlung fand am Montag im Hotel Peters statt, die einen sehr guten Besuch aufwies. Pfarrer Hücker eröffnete die Versammlung und begrüßte die Erschienenen, besonders den Redner des Tages, Sekretär Brand=Münster. Dieser gab darauf in einem ausführlichen Referat einen interessanten Ueberblick über die politische Lage im Inland und Ausland. Seine Ausführungen fanden den lebhaftesten Beifall. * Fußballwettspiel. Am letzten Montag fand auf dem Sportplatz des Ballspiel=Vereins Lippspringe, ein Wettspiel zwischen der 1. Mannschaft des Ballspiel=Vereins„Preußen" Paderborn und der gleichen Mannschaft des B.=V. Lipxspringe statt. Die Mannschaft des Lippspringer Vereins zeigte sich von vornherein stark überlegen und trat mit dem Resultate von 2:0 für Lippspringe in die Halbzeit. Nach Torwechsel gelang es der, trotz ihres kurzen Bestehens gut kombinierenden Stürmerreihe des B.=V. Lippspringe, noch 3 Tore erzielen. Das Spiel endete mit dem Stege von o:0 für den Lippspringer Verein. Vom Sintfelde. ? H a a r e n, 7. D e z. V o n e i n e m h e r b e n M i ß geschick wurde am Sonntag, den 7. Dez. der Waldarbeiter Schallenkamp betroffen. Mit einem alten Jagdgewehr versuchte er Ratten zu schießen. Die geladene Flinte wollte er bis zum Gebrauch an die Wand lehnen. Dabei entlud sich die Waffe und die ganze Ladung drang dem Bedauernswerten über dem Ellenbogen in den Oberarm, der sich direkt vor der Mündung befand, zersplitterte den Knochen und drang an der Schulter wieder heraus. Dr. Heinrich aus Fürstenberg legte dem Schwerverletzten einen Notverband an und verordnete Ueberweisung in ein Paderborner Krankenhaus. * Essentho, 9. Dezbr. Zu der durch den Gemeindevorstand zu Essentho zu bewirkenden Ernennung des Hauptlehrers Meyerhans zum Standesbeamten für den Bezirk Essentho hat der Regierungspräsident seine Genehmigung erteilt. =: Steinhausen, 9. Dez. Der landwirtschältliche Bezirksverein für Stadt u Tulen hielt am vergangenen Sonntag im Sitzungszimmer in Steinhausen eine gut be suchte Mitgliederversammlung ab. Es war dies die erste Versammlung nach der sommerlichen Pause.— Der Direktor der landwirtschaftlichen Winterschule Salzkotten, Althoff, hielt in der Versammlung einen eingehenden und wohldurchdachten Vortrag über die Bedeutung der Weide für die Viehzucht, die Anlage derselben, sowie darüber, wie die Weide am besten zu pflegen und zu düngn ist. Die Weide ist gerade für die Gemeinde Steinhausen und die Nachbarschaft von großer Bedeutung, da die Viehzucht hier auf der Höhe ist und im Sommer Weidebetrieb stark eingeführt ist.— Es wurde dann serner die Frage der Beschikkung der Hengststationen im Kreise durch das Landgestüt in Warendorf besprochen. Von dei Entsendung einer Kommission durch den Bezirksverein soll in diesem Jahre Abstund genommen werden, vielmehr der Direktor delandw. Kreisvereins gebeten werden, seinerseits in Warendorf Schritte nach Ueberweisung guter Hengste in die Kreisstationen zu tun. Falls eine persönliche Besprechung in Warendorf vom Vereinsdirektor für notwendig gehalten wird, hält die Versammlung dieses für am richtigsten; unter Umständen kann dann der eine oder andere Vertreter hinzugezogen werden.— Die nächste Versammlung ist für Büren in Aussicht genommen und zwar Anfangs Januar. * Dortmund, 9. Tez.(Tel.) Das Schwurgericht verurteilte heute nachmittag nach mehr tägiger Verhandlung die Oberpostassistenten Spiekermann und Meter aus Unna wezen Fälschung von Renntelegrammen zu ie Jahr 8 Monaten Zuchthaus und 5 Jayren Ehrverlust. Außerdem wurde ihnen die Fähigkeit zur Bekleidung eines öffentlichen Amtes auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Der Schneidermeister Baupel erhielt als Anstifter 2 Jahre Zuchthaus. Alle drei Verurteilte wurden sofort verhaftet. * Dortmund, 9. Dez. Ein neues Bleiwalzwerk soll sich angeblich hier gebildet haben. Das Kapital beträgt 300000 M. Die Anlage, die im städtischen Hafengelände errichtet wird, soll, dem Vernehmen nach, Frühjahr 1914 in Betrieb gesetzt werden. * Düsseldorf, 9. Dez. Auf dem Güterbahnhofe Düsseldorf=Reisholz wurden in letzter Zeit nächtlicherweile größere Posten Eisenmaterial gestohlen. Die Spitzbuben konnten in der Person eines Althändlers und zweier Gelegenheitsarbeiter ermittelt und festgenommen werden. Als Hehler wurde ein Düsseldorfer Altbändler ermittelt. * Quisburg, 9. Dez. Das rätselhafte Verschwinden eines 14jährigen Mädchens erregt hier Aufsehen. Die in diesem Alter stehende Friederike Hübsch wird seit dem 1. Dezember vermißt. Man vermutet, daß das Mädchen in schlechte Hände, vielleicht gar einem Mädchenhändler zum Opfer gefallen ist. Die Hübsch wurde nämlich mit einem fremden Manne am hiesigen Hauptbahnhof gesehen. Alle Nachforschungen nach dem Verbleib des Kindes waren bisher erfolglos. * H e e r e n= W r e v e, 9. D e z. A u f d e m h i e s i g e n Schacht der Zeche Königsborn ereignete sich am vorigen Sonntag ein schwerer Unglücksfall, indem vor Ort in Flöz 4 aus noch nicht ermittelter Ursache der Dynamitkasten explodierte. Hierbei wurde der Schießmeister Konrad Rösing auf der Stelle getötet, während einem anderen Bergmann ein Arm abgerissen wurde. * Köln, 9. Dez. Unter dem niederrheinischen Viehbestande ist außer der Schweinepest die Rindviehseuche ausgebrochen. * Finnentrop, 9. Dez. In dem Ringofen der Karlshütte b. Langenei fand man die Leiche eines Ziegelmeisters. Durch ausströmende Gase explodierte die Lampe und die Kleider des Mannes gerieten in Brand, wobei er den Tod fand. * Borken, 9. Dez. Ein Ueberfall wurde auf das Kraftfahrzeug des Arztes Dr. Borghorst=Velen verübt. Zwei Strolche stellten sich dem Wagen in den Weg. Einer schlug mit einem Knüppel nach Dr. B., traf aber die Wagenlaterne. Es gelang dem Ueberfallenen, unverletzt zu entkommen. Die Wegelagerer sind verhaftet worden. Welt und Leben. Vermißter Dampfer. * Hamburg, 9. Dez.(Tel.) Der Dampfer „Prinz Wilhelm“, der hiesigen Reederei H. Feindt, der am 2. Dezember von Hull nach Hamburg abgegangen war, ist bisher nicht an seinem Bestimmungsort eingetroffen, so daß man befürchtet daß er mit seiner Besatzung von 17 Mann bei den letzten Stürmen in der Nordsee untergegangen ist. Unglück auf dem Jahrmarkt. * Hamburg, 9. Dez. Auf dem Hamburger „Dom“ ist am Sonntag vormittag von einer Gebirgsbahn ein Wagen herabgestürzt. Dabei sind zwei Personen schwer verletzt worden; eine hat leichtere Verletzungen davongetragen. Schiffskollision. * Kiel, 9. Dez. In der vergangenen Nacht kollidierten auf der Höhe von Holtenau das Linienschiff Lothringen und der Dampfer Hilda aus Glasgow. Der englische Dampfer, der mit Holz von der Ostsee kam und durch den Kanal fahren wollte, erlitt ein Leck und ging hier in Reparatur. Das Linienschiff erlitt keinen Schaden. Verhängnisvolle Hufschläge. Plescher, 9. Dez. In Sobotka wurde der Gendarmeriewachtmeister Bartelt beim Revidieren eines Stalles von dem Hufschlag eines Pferdes vor den Leib getroffen, so daß er schwer verletzt liegen blieb. Seine Frau, die ihm zu Hülfe eilen woskte, erhielt einen Hufschlag vor den Kopf. Der Todtrat bei ihr auf der Stelle ein. Feuer an Bord. * Newyork, 9. Dez. Nach drahtlosen Meldungen, die in Norfolk(Virginia) eingegangen sind, erreichten den britischen Dampfer Quernmore funkentelegraphische Hilferuf des amerikanischen Küstenfahrers Ringrade(nach einer anderen Meldung Rio Grande). Auf dem Ringrade war am Sonntag früh 50 Meilen östlich von den Diamon Shoals an der Küste von Hatteras Feuer ausgebrochen. Der Quernmore fand das amerikanische Schiff und nahm dessen 195 Passagiere an Bord. Es gelang. das Feuer zu löschen. Die Passagiere wurden auf den Dampfer zurückgebracht, der die Fahrt unter eigenem Dampf fortsetzte. Wieder ein Schiff verloren? Ottawa(Kanadien), 9. Dez.(Reutermeldung.) Der Leiter der wissenschaftlichen Expedition durch das äußerste Nordwestamerika sendet aus Point Barrow (Alaska) eine Nachricht und sagt darin, das Schiff sei 15 Meilen vom Strand dort eingefroren. Da er gelaubt habe, er werde dort den Winter über ans Land gegangen, um zu jagen. Am 20. September sei plötzlich ein Syneesturm losgebrochen. Als er und seine Begleiter wieder an die betreffende Stelle gekommen seien, sei das Eis und mit ihm das Schiff weggtrieben gewesen. Das Schicksal des Schiffes mit seiner aus 25 Mann bestehenden Besatzung ist unbekannt. Automobilunglück. Madrid, 9. Dez. Gestern stieß eine Autodroschke, in welcher sich der Minister und der Unterstaatssekretär des Innern befanden, mit einem Straßenbahnwagen zusammen. Das Auto wurde zertrümmert. Verletzt wurde niemand. Arbeiterbewegung * Wien, 9. Dez. Ueber die Bewegung im Buchdruckergewerbe meldet die Arbeiterzeitung, daß in dem Kampf um die Erneuerung des am 3. Dezember d. J. abgelaufenen Lohntarifs für die Buchdruckergehilfen Oesterreichs rund die Hälfte Gehilfen und Hilfsarbeiter in ganz Oesterreich ausgesperrt werden sollen. Die Wiener Setzer sind nicht unmittelbar beteiligt, da deren Lohntarif erst Ende 1914 abläuft. * Wien, 9. Dez. Wie aus Wiener=Neustadt Zeit einiger# gemeldet wird, verliefen die wegen Lohndifferenzen zwischen den Buchdruckern und Setzern Niederösterreichs geführten Verhandlungen ergebnislos, da die Unternehmer die Forderungen der Setzer nur teilweise anerkennen wollen. Es sei daher in der Provinzstädten ein Ausstand der Setzer zu erwarten. Marktberichte. * Paderborn, 6. Dezember. Marktpreise. Erbsen pro 100 Kilo 30—86 J, Bohnen 82—38 J, Linsen 30—86 M, Kartoffeln 5—6 A, Heu 4,80—5,60 M, Stroh 8,60—4,10=. Rindfleisch 0,85—0,90 A, Schweinefleisch 0,85—0,95 J, Kalbfleisch 0,90—1.00 Mark, Hammelfleisch 0,85—0,95 J. Brot 4 Kilo 1,00 bis 1,10 M, Eier 60 Stück 7,20—7,80 M, Butter 1 Pfd. 1,20—1,45 J, Speck 0,90—1,00 Rotationsdruck und Verlag der Domdruckerei und Verlag, G. m. b. H., Paderborn. Geschäftsleitung: Karl Meyer. Verantwortlich: Für den redaktionellen Teil Karl Stephan; für den Anzeigen= und Reklameteil Karl Meyer, Paderborn. Kirchenkalender für Paderborn. Donnerstag, den 11. Dez., nachmittags 5 Uhr Adventsandacht in der Josephs=Kirche. Vereinskalender für Padervorn. Männer=Sodalität. Heute(Mittwoch), nachm. 3 Uhr Beerdigung der Mitschwester, Witwe Gertrud Ahle, vom Landeshospital aus. Seelenamt Donnerstag morgen 8,30 Uhr in der Jesuitenkirche. Vogelschutz= und Geflügelzuchtverein. Heute abend 8.30 Uhrim Hotel Lohmann wichtige Versammlung. Beachten sie unsern Ausstellungsraum Fgegenüber Korih Kag)& Comp. Laderborn.FRathausplatz In geschlossenen Täheten von der Münie zur Kuche Das erklärt, weshalb Quaker Oats frei ist von Staub und Unreinlichkeiten, es erklärt auch den wundervollen Geschmack. Lose ausgewogene Ware ier dem Scaub und Schmurz der Strasse ausgeserzt. Quaker Oats isr vollkommen rein und scaubfrei, das ist von grösster Bedeurung für die Gesundheit. Gratis-Löffel für Quaker Oats Konsumenten Qusker Oats Pakete enchalten Gutscheine, für welche werrvolle, schwer versilberte Löffel ginzlich kostenlos erhalelich sind. 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Theodor Beckers beeid. 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Wenn er sich mit dem Bewußtsein zufrieden gab, das Opfer eines unglücklichen Zufalls zu sein so könnte des ein anderer auch. „Wenn ich meine Gründe, jedes Aufsehen zu vermeiden, zur Sprach bringen könnte, so würde ich vor allen Din en Sie zu meiner Vertrauten machen, Miß Holt,“ schloß er.„So muß ich mich denn mit der Versicherung begnügen, daß ein Bekanntwerden meines Unfalls die traurigsten Folgen nach sich ziehen, und jene Hoffnungen zerstören würde, von denen ich bereits mit Ihnen sprach.“ „In Bezug auf Ihre Braut?“ fragte Judith in der Meinung, daß die anderen Hoffnungen durch die Entdeckung des versiegelten Umschlages ohnehin bereits zerstört seien. Leonard nickte und sein mattes Lächeln schnitt Judith ins Herz. „Vielleicht täuschen Sie sich in dieser Beziehung. Herr Wynter,“ sagte sie sanft, um dann festen Tones hinzuzufügen:„Erlauben Sie indessen, daß ich offen mit Ihnen spreche. Sie sollten sich rückhaltlos über den Umschlag äußern, den Sie in jener Kabine dort drüben gefunden haben. Nicht wahr, Reynell hat ihn Ihnen wieder abgenommen?" „Was sicht Sie das an?“ fragte Leonard müde. Es ärgerte Judith, daß man in ihren Worten nur die Kundgebung gewöhnlicher weiblicher Neugierde erblicken wollte, und scharf kam die Erwiderung über ihre roten Lippen:„Es sicht mich ganz bedeutend an, denn Reynell ist boshaft und tückisch wie eine Viper, und wird gewiß hierher zurückkehren.“ „Schwerlich,“ meinte der Patient mit einem bitteren Auflachen.„Angenommen, aber auch nur angenommen, daß er sich im Besitze des vielgesuchten Dokuments befindet, weshalb sollte er vierher zurückkehren." „Machen Sie sich darüber keine Gedanken,“ lagte Judith mit jener Ueberlegenheit, die eine sorgsame Wärterin einem widerspenstigen Patienten gegenüber bekundet.„Doch, wenn er Ihnen das Papier abgenommen hat, so wird er auch hierher zurückkehren, und dann wird er wirklich zu fürchten sein, das sage ich Ihnen. Wäre mein Vater an Bord, wenn er kommt, so hätten wir vielleicht nichts zu befürchten; aber er ist leider gerade heute den ganzen Tag abwesend. Und ich bin schließlich nur ein schwaches Mädchen, das keinen Widerstand leisten kann.“ „Aber er hat ja gar keinen Grund, um zurückzukehren," suchte Leonard ihre Befürchtungen zu zerstreuen.„Gegenwärtig dürfte er sich bereits auf dem Wege nach Indien befinden, und mit Ihnen wird er wohl in keinem Falle einen Streit herbeiführen wollen.“ „Das kann ich besser beurteilen, wie Sie," erklärte Judith fest.„Wollen Sie mir sagen, ob er das Pavier, das Sie einfältigerweise nicht lesen wollten, an sich genommen hat oder nicht? Ist es der Fall, so will ich mich nach Kräften auf seinen Empfang vorbereiten. Ich bin nicht verrückt Herr Wynter, und auch nicht feige. Aber von Nutzen kann ich nur sein, wenn ich klar sehe, und nicht im Finstern herumtasten muß.“ Die Schroffheit ihrer Worte wurde einigermaßen durch den sanften Druck ihrer festen, verläßlichen Hand gemildert, die die seinige erfaßte. Leonard blickte sie an und lächelte, indem er sagte: „Ja. Reynell ist im Besitze des versiegelten Umschlages, dessen Inhalt ihn hoffentlich an das andere Ende der Welt senden wird.“ Judith schüttelte den Kopf.„Das wird schwerlich der Fall sein,“ lautete ihre rätselhafte Erwiderung.„Im übrigen bin ich Ihnen für Ihre Mitteilung dankbar, und ich werde trachten, auf meiner Hut zu sein.“ Nachdem sie ein Glas Wasser neben sein Lager gestellt hatte das er bequem erreichen konnte, kehrte sie auf das Deck zurück, wo sie sich hinter dem zertrümmerten Radkasten niederließ, um von da den Strand mit den nächstgelegenen Dünen zu überwachen. Ihr Blick glitt von Zeit zu Zeit auch in die entgegengesetzte Richtung, denn es war nicht ausgeschlossen, daß man sich von der Seeseite her dem Schiff zu nähern suchte. „Vielleicht kommt er nicht eher wieder, als bis er einen Gesinnungsgenossen, der gleich ihm nach Blut dürstet, mit sich bringen kann,“ sagte sie sich, als nach etwa einstündiger Wacht die Einsamkeit der melancholischen Landschaft nicht gestört wurde.„Nach der Behandlung, die ihm mein Vater angedeihen ließ, wird er sich wohl nicht allein hierher wagen, und um sich einen Kameraden aus London zu verschreiben, hatte er noch keine Zeit.“ Sie ließ indessen in ihrer Wachsamkeit nicht nach, die auch alsbald belohnt wurde. Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, als mit einemmale ein langer schwarzer Schatten auf dem Dünenpfad erschien, das sicherste Zeichen dafür, daß jemand um die Ecke biegen wolle, die der Weg hier beschrieb. Mit fest zusammengepreßten Lippen trat Judith an das Deckgeländer, mußte ber unwillkürlich auflachen, als sie die elegante Gestalt eines Mädchens ungefähr in ihrem Alter auftauchen sah. „Ich bin doch recht nervös,“ sagte sie sich. „Ich wette, dies ist die junge Dame, mit der sich Herr Wynter verlobt hat, und sie will sich nach seinem Befinden erkundigen.“ Hastig kletterte sie die Strickleite hinab, die vom Schiff aufs Land führte, und etwa 50 Meter weiter trafen die beiden jungen Mädchen zusammen, die sich prüfenden Blickes musterten. Die Musterung fiel offenbar zur gegenseitigen Befriedigung aus, Lesbia konnte nicht annehmen, daß dieses stattliche Mädchen mit dem kühnen doch rechtschaffenen Blick irgend jemanden schädigen wollte, und Judith wurde von der Schönheit der jungen Dame sofort derart überwältigt, daß sie sich gelobte, ihr beizustehen, so gut und so lang sie nur konnte. „Sie kommen wohl wegen Herrn Wynter, Miß?“ fragte das Marschmädchen eifrig.„Es geht ihm ganz gut, seine Verletzung ist nicht von Belang, nur gehen kann er nicht. Ich kam Ihnen tgegen, weil es ihn vielleicht aufregen könnte, wenn er mit einemmale Ihre Stimme hört. auch sollen Sie über gewisse Dinge aufgeklärt werden, bevor Sie ihn sehen. Es war nicht meines Vaters Schuld, sondern.. „##ch. hin überzeugt davon,“ fiel ihr Lesbia ins Wort, denn sie hatte bereits erkannt, daß sie keine Gegnerin vor sich habe.„Doch was hat sich ein gewisser Reynell hier zu schulden kommen lassen? Ich habe ganz besondere Gründe, um hierüber Klarheit zu erlangen.“ Ind ich um Ihnen Aufklärung zu geben,“ gestand Judichz,„Reynell wollte ihn töten, um sich auf diese Weise in den Besitz eines Papieres zu. setzen, das Wynter in dem alten Kasten da gefunden hatte, und das vollbrachte der schlechte Mann in einer Weise, daß man die Schuld meinem Vater zuschreiben könnte. Reynell bemächtigte sich des Papiers und wird hierher zurückkehren. Wir wollen hier ein wenig aufund abgehen während ich Ihnen alles erzähle; denn bevor Sie Herrn Wynter sehen, sollen Sie alles erfahren, was sich auf ihn bezieht.“ „Ja, ja,“ stimmte Lesbia bei,„und ich bitte Sie, mir nichts zu verheimlichen.“ Zunächst sagen Sie mir, weshalb Reynell hierher zurückkehren soll, wenn das Papier, das er zu erlangen suchte, tatsächlich in seine Hände geriet.“ „Was bedeutet ein Blatt Papier für Leute seines Schlages. Das Papier allein wars nicht, was er erlangen wollte,“ gab die Gefragte ausweichend zur Antwort.„Ich weiß, er kommt zurück, mehr kann ich Ihnen nicht sagen.“ Und Judith berichtete— mit Umgehung dieses einzigen Punktes— ihrer neuen Freundin alles, was dem Leser bereits bekannt ist, und als sie geendet hatte, fragte Lesbia, in deren klaren Augen ein Ausdruck des Entsetzens zu sehen war: „Es war also Herrn Wynters ausdrücklicher Wunsch, daß alles geheim gehalten werde? Weiß er, daß ihm Reynell das Papier raubte, nach dem er so eifrig gesucht hat?“ „Das ist ja gerade der Grund seines seltsamen Verhaltens, Miß,“ erwiderte Judith ungestüm. 5 E 8 2##E S 9.E 89— E 5 SASESS 5• 5 S.5S5AEE 8 F 8. 5 8 G 87. Gad an Behörde erstattet, wenn wir nicht auf Herrn Wynter Rücksicht genommen hätten. Er kann sich seines zerschossenen Beines wegen nicht rühren und bat mich dringend, ja kein Aufsehen zu machen, wie er es nennt. Auch ich fragte mich, wie Sie jetzt, ob er Kenntnis davon hatte, daß ihm Reynell den rotgesiegelten Umschlag geraubt habe, und ich mußte mich überzeugen, daß er es ganau wußte. Ich glaube aber, daß sein Stillschweigen der Rücksicht auf Sie entspringt, — den Grund davon weiß ich freilich nicht.“ „Ich aber kann ihn mir umso lebhafter vorstellen," rief Lesbia aus.„Ich habe die Hoffnungen meines Verlobten vernichtet, als ich ihm und den Seinigen beistehen wollte; doch werde ich meinen Fehler gutmachen, indem ich nach Lowestoft gehe und bei der Behörde die Anzeige erstatte, daß ich meinen Vetter Inman Daubeny getötet habe. Dann wird dieser Bösewicht, der von meiner Tat Kenntnis hat, auf Leonard keinen Druck mehr ausüben können, so daß mein Verlobter ungehindert seine Interessen wahrnehmen kann!" „Das werden Sie nicht tun,“ erklärte Judith und legte die Hand fest auf den Arm der andern. „Sie werden vielmehr jetzt an Bord des Schiffes kommen und sich mit Ihrem Verlobten aussprechen. Wenn Sie Inman Daubeny wirklich getötet haben, so werden Sie wohl Ihre guten Gründe dazu gehabt haben“ Lesbia fügte sich den wohlgemeinten Worken und stieg selbst die Strickleiter zu dem alten verwitterten Wrack empor, das auf so seltsame Art eine Rolle in ihrem Leben zu spielen berufen war! Judith aber bezog von neuem ihren Beobachtungsposten, während sich Miß Blythe in die Kabine ihres Verlobten begab, der mit zerschossenem Knie auf seinem Schmerzenslager ruhte. 25 Zwei Stunden später kam Lesbia wieder zum Vorschein und winkte Judith zu sich heran. Die Unterredung zwischen den zwei Liebenden war anfänglich eine recht stürmische gewesen. Lesbig wollte darauf bestehen, sich selbst den Behörden zu stellen, weil sie den Tod ihres Vetters verursacht hatte, denn auf diese Weise wurde Reynell der Boden unter den Füßen entzogen und die beiden Wynter konnten wieder rücksichtslos gegen ihren geschworenen Feind auftreten. Doch mit Tränen in den Augen hatte Leonard sie beschworen, sich nicht dieser Schande auszusetzen, denn das Unglück war, insoweit der verborgene Schatz in Frage kam, bereits geschehen, Reynell aber befand sich aller Wahrscheinlichkeit zur Stunde bereits auf der Suche nach den gebeimnisrollen Reichtümern, deren Lage ihm des geraubte Popier jedenfalls enthüllt hatte, und somit würde Lesbia ein ganz überflüssiges Opfer bringen, wenn sie die Anzeige gegen sich erstotten wollte. Im Hinblick auf seine traurige Lage wollte Lesbia den Geliebten nicht auch noch damit aufregen, daß sie ihm die anderen Gründe, darlegte die sie zu ihrem verzweifelten Schritt viranlaßten. Hätte sie von dem schändlichen Vorschlage Reynells, seine Frau werden zu sollen, Mitteilung gemacht so hätte die Aufregung seinen Zustand möglicherweise noch verschlimnerk, und das mußte jedenfalls vermieden werden. Unter dem stillschweigenden Vorbehalt, ihren Entschluß später zu ändern, gab sie seinen Bitten nach und versprach ihm, sich der Behörde nicht früher zu stellen, als bis sie hierüber von neuem Rücksprache mit ihm gepflogen. „Nun?“ fragte Judith, ihrem Winke folgend. „Ich hoffe, Ihr Verlobter hat Ihnen etwas Klugheit beigebracht und es ist keine Rede mehr davon, gegen sich selbst die Anzeige zu erstatten. Inman Daubeny war ein rechter Hallunke, und wenn Sie den Standpunkt klar gemacht haben, so wird Ihnen die Welt für diesen Dienst nur dankbar sein.“ „Ich habe Herrn Wynter versprechen müssen, gegenwärtig nichts zu unternehmen" erwiderte Lesbia. Und schüchtern fügte sie hinzu:„Ich möchte am liebsten hier bleiben und Ihnen bei der Pflege des Kranken behilflich sein, zumal ich das Haus meines Onkels endgültig verlassen habe, und für den Moment nicht weiß, wohin ich mich wenden soll.“ Ermuntert durch den freundschaftlichen Druck, mit dem Judith ihre Hand erfaßte, berichtete Lesbia ihrer neuen Freundin auch, was sie veranlaßt hatte, ohne Abschied aus dem Hause zu gehen, in dem ihr eine so unwürdige Behandlung zuteil geworden, und daß sie nach London zu gehen beabsichtigt hatte, um dort ihren LebensErzherzog Franz Ferdinand. Thronfolger in Oesterreich=Ungarn. Zur Feier seines 50. Geburtstages. Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich begeht am 18. d. M. seinen 50 Geburtstag. Er ist in Graz geboren. Seine Muttter Erzberzogin Maria Annunciata starb, als er 8 Jahre alt war, im Jahre 1871, und die dritte Gemahlin seines Vaters, die Erzherzogtin Marie Therese, wurde ihm und sienen Geschnistern eine gutige Mutter. Die Erziehung des Erzberz#gs war eine äußerst sorgfältige, er absolvierte umfassende Rechts= und dann Militärstudien. 1876 wurde der Erzherzog Leutnant im Infanterieregiment Nr. 32, 1882 wurde er zum Dragonerregimeni Nr 4 als Oberleutnant versetzt. In den militärischen Kreisen der habsburgischen Monarchie genießt der Erzherzog schon seit Jahren ein hohes Ansehen und Vertrauen. Sichere Ruhe und kühle Ueberlegung sind die Führereigenschaften, die ihm in erster nachgeruhmt werden. Der Erzherzog ist mit der Furstin Sephie von Hohenberg, früheren Gräfin Chotek vermählt. Er ist der Erbe der Krone als ältester Neffe Kaiser Franz Iusephs, da seit dem Tode des Kronprinzen Rudolf eine direkte männliche Nachkommenschaft nicht vorbanden ist. unterhalt zu erwerben. Allein der Gedanke. Leonard krank und elend hier zurückzulassen— raube ihr jede Ruhe. „Ich kann in einem Winkel schlasen und mein Essen kommt auch nicht in Betracht,“ schloß sie einfach.„Im Uebrigen habe ich ein poar Pfund im Vermögen, und kann mich eine Zeit lang verköstigen.“ Judiths hübsches Gesicht drückte während dieser Darlegung unverkennbare Sympathie aus: jetzt aber schloß sie die schlanke Gestalt in ihre kräftigen Arme und küßte sie berzlichst auf beide Wangen, worauf sie sagte:„Bleiben Sie ruhig hier, so lange es Ihnen beliebt. Ihre Gesellschaft wir mir umso willkommener sein, als jener Bösewicht viel früher wieder hier sein wird, als Sie denken.“ In der Aufregung ihrer Unterredung mit Deonard hatte Lesbia die so häufig wiederbolten Worte er wird zurückkommen,“ ganz vergessen. Jetzt aber tauchte, als sie wieder an ihr Ohr schlugen, ein Gedanke in ihr auf, der möglicherweise die Lösung dieses seltsamen Problems bedeutete. „Hat Ihnen Janes Reynell vielleicht gesagt in welch' schändlicher Weise er sich die Kenntnis meines Vergehens— wenn es ein solches ist— zu nutze machen will?" fragte sie.„Daß er mich der Behörde auszuliefern drohte, wenn ich mich weigern sollte, seine Frau zu werden?" Wäre Lesbia von ihren Gedanken weniger in Anspruch genommen gewesen, so würde sie den Ausdruck des Staunens bemerkt haben, der sich über Indiths Gesicht breitete; allerdings nur für einen Moment, denn schon gab die Gefragte ausweichend zur Antwort: „Er brauchte mir nichts zu sagen, und trotzbem vermutete ich schon längst, daß er Sie bewundert. Jetzt da ich Sie sehe, erscheint mir das vollkommen begreiflich. Er wird zurückkommen, weil er Sie hier anzutreffen hofft, oder um möglicherweise von mir zu erfahren, wohin Sie sich gewendet haben.“ „Die Antwort werde ich ihm selbst erteilen.“ sagte Lesbia.„Ich bin Ihnen doppelt dankbar. daß Sie mir die Möglichkeit bieten, für mich selbst einzustehen, ganz abgesehen davon, daß es nicht gut wäre, wenn Sie, beste Judith, dem Feind allein gegenübertreten müßten.“ Judith lächelte bei diesen Worten, und wie auf stillschweigende Uebereinkunft ließen die beiden Mädchen den Gegenstand fallen, um auf minder düstere Themen überzugehen. So einfach Lesbia auch gekleidet war wollte Judith über Preis und Material ihrer schmucklosen Toilette aufgeklärt werden. Und dann brachte sie den blumengeschmückten Hut und die scharlachrote Bluse zum Vorschein, in der sich die hübsche Schiffseigen