9 seutschen Schutzdie Südwestkönnen jederzeit Bielefeld. den in der Geans, für welche reffenden AbteiNr. 146. I. AbII Abteilung; 192, III. AbLermin angesetzt s., nachmittags ie mit dem Behnis der stimmden 12., d. Mts. tehers Meise zu Wählerliste sind n bei dem Herrn ullrich. Nr. 10, welcher zeilung als, Gerichshöhe, Kreis indkreises Bieleeine Ersatzwahl ie derselben ist auf Dienstag, ihr, zu welchem Bemerken hiernis, der stimmen 14. d. M., ab ers Niebuhr zu rüche gegen die Dauer der Ausdevorsteher an125797 ullrich. . llegossen Nr. 40. der ersten Abegossen gewählt 1 und der Kreish B e s c h l u ß v o m graf angeordnet. angesetzt in der November d. J., der genannten den werden, daß indeglieder, vom nung des Herrn offen liegen wird. Wählerliste sind n bei dem Herrg ullrich. morgen früh endungen: chen großer N A Bielefeld, Freitag, den 14. Oktober 1904 94. Jahrgang „ 1„ Die„Westfältsche Zeitung" erscheint täglich außer Sonntags und Feiertags und ist das Haupt=Insertionsblatt für Bielefeld und Umgegend. zugleich Anzeiger für die amtlichen Bekanntmachungen der Stadt und des Landkreises Bielefeld. Preis des Blattes: in Bielefeld u. bei den sämtl. Agenturen monatlich frei ins Haus gebracht 50 Pf. vierteljährl. 1.50 Mark bei Postbezug monatlich 50 Pfg. exkl. Bestellgeld. Im Post=Zeitungs=Katalog unter„Westfälische Zeitung". Tieleselder Dagedkatt Redaktion u. Expedition Niedernstr. 27. Fernspr. Nr. 61. Berliner Bureau: Berlin W. 30, Luitpoldstraße 6. Preis der Inserate: Für die einspaltige Kolonelzeile oder deren Raum 20 Pfg., für Inserenten in den Kreisen Bielefeld, Halle, Herford, Wiedenbrück 15 Pfg., die breite Reklamezeile 60 PfaKleine Anzeigen das Wort 2 Pfg., Ueberschrift 10 Pfg. Schluß der Inseraten=Annahme für die am andern Tage Mittags erscheinende Nummer abends 7½ Uhr. Verantwortlicher Redakteur: Nis Peter Rissen. Druck und Verlag von J. D. Küster Nachf, beide in Bielefeld. Die heutige Nummer umfaßt 12 Seiten einschließlich Tandwirtschaftlichen Geilage Der Streit um Lippe Ueber die gestrige Sitzung des lippischen Landtages erhalten wir folgenden Bedcht: Präsident Riekehof=Böhmer eröffnet die Sitzung und teilt im Anschluß daran mit, daß der Vizepräsident Hoffmann beurlaubt ist. Es fehlt der Abg. Becker 1. Abgeordneter Oberbracht übernimmt die Geschäfte des Vizepräsidenten. Abg. Schemmel erhält zunächst zu einer persönlichen Bemerkung das Wort. In der letzten Landtagssitzung sei der Abg. Bödeker unter Berufung auf die damaligen Landtagsverhandlungen gegen seine Aeußerung, wonach er das Gerücht, der frühere Minister Wolfgramm sei eines unnatürlichen Todes gestorben, als teuflische Lüge bezeichnete, aufgetreten, und habe erklärt, daß damals in den Landtagsverhandlungen der inzwischen verstorbene Abg. Asemissen wiederholt die Vorlegung der vom Fürsten Woldemar letztwillig hinterlassenen Verfügung gefordert habe. Da dies aber nicht geschehen sei, habe Asemissen den Erlaß als eine Fäldeker gesagt, am nächsten oder übernächsten Tage war der Minister tot und Abg. Asemissen gab auch dem Verdachte Ausdruck, daß er auf unnatürliche Weise aus dem Leben geschieden sei. Es sei eine infame Lüge, das zu bestreiten. Richtig sei nun, daß er auf diese Aeußerung nichts erwidert habe, weshalb er heute dieses nachholen wolle. An der Hand des Landtagsprotokolls versucht der Redner dann nachzuweisen, daß von einer Fälschung des letztwilligen Erlasses keine Rede sein könne, und daß auch der Minister Wolfgram eines natürlichen Todes gestorben sei. Er hofft, daß die schon oft erwähnte Fälschungsgeschichte endlich verstumme und an das Gerücht nicht mehr geglaubt werde, der Minister habe sich umgebracht. Der Abg. Sieg, der das Testament kurz vor dem Tode des Ministers ausgenommen habe, werde bezeugen können, daß der Minister schwer krank gewesen sei. Abgeordneter Sieg bestätigt dies. Staatsminister Gevekot bemerkt, daß in der letzten Sitzung des Landtags von verschiedenen Rednern die Bekanntgabe des Wortlauts des Telegramms an den Kaiser gewünscht sei, da ohne diese Kenntnis das Kaisertelegramm nicht zu beurteilen sei. Er sehe sich deshalb veranlaßt, den Wortlaut mitzuteilen. Dieser lautet: Se. Maj. Kaiser und König, Berlin. Ew. Maj. wollen meine ehrfurchtsvollste Anzeige von dem soeben erfolgten Ableben meines Vaters. des GrafNeaenen Erat, Aenonählasht mlossenuchmen. Gleichzeitig erlaube mir, in tiefster Ehrerbietung mitteilen zu dürfen, daß ich die Regentschaft übernommen habe. Leopold, Graf zur Lippe. Dies Telegramm widerlegt die Annahme, als ob die Form der Todesanzeige die Tonart der Kaiserdepesche ungünstig beeinflußt haben könnte. Der Berichterstatter der Kommission des Landtages, Abgeordneter Schemmel, erklärte sodann, die Kommission habe beschlossen, der Regierung einen Schritt weiter entgegenzukommen und die Frist für die Kegentschaftsdauer des Grafregenten Leopold auf zwei Jahre zu bemessen, falls bis dahin noch keine Sicherstellung des Gerichts geschehen sein sollte. Der Staatsminister Gevekot erwiderte darauf: Die Regierung halte an ihrem wohl überlegten Standpunkt fest, daß der Landtag entweder Ja oder Nein sagen müsse, ein drittes gebe es nicht Auf den Vorschlag der Kommission könne sich die Regierung nicht einlassen. Sie setze zwar keinen Zweifel in den guten Willen des Bundesrats, aber sie müsse daran zweifeln, ob die schaumburgische Regierung eine solche Frist von zwei Jahren nicht benutzen werde, um neue Verschleppungen herbeizuführen. Was man von schaumburgischer Seite zu erwarten habe, gehe aus einem Dokument hervor, das die lippische Staatsregierung heute zum ersten Male der Oeffentlichkeit unterbreite. Es handelt sich um einen Geheimvertrag zwischen dem Fürsten Woldemar von Lippe=Detmold und dem Füsten Georg von Schaumburg=Lippe: Diesem Geheimvertrag sind sämtliche Agnaten der Linie SchaumburgLippe beigetreten. Das betreffende Schriftstück hat folgenden Wortlaut: Seine Hochfürstliche Durchlaucht der regierende Fürst Günther Friedrich Woldemar zur Lippe, von dem Wunsche beseelt, die Thronfolgeangelegenheit im Fürstentum Lippe in einer die Interessen des Fürstlichen Hauses, wie das Wohl des Landes gleichmäßig wahrenden Weise noch bei Höchstihren Lebzeiten geordnet zu sehen, und Seine Hochfürstliche Durchlaucht der regierende Fürst Adolf Georg zu Schaumburg=Lippe, von diesen Absichten unterrichtet, dieselben billigend und von dem Bestreben geleitet, deren Ausführung durch verwandtschaftliches Entgegenkommen tunlichst zu fördern,— haben auf grund vorgängiger Verständigung über die Grumdzüge eines bezüglichen Uebereinkommens nachstehende Vereinbarung getroffen. Art. 1. Se. Hochfürstliche Durchlaucht der Fürst zur Lippe werden ein Thronfolgegesetz erlassen, in welchem für den Fall des Erlöschens des regierenden Fürstlich Lippischen Hauses im Mannesstamm das ausschließliche Successions= Recht des Fürstlichen Hauses SchaumburgLippe anerkannt wird. Art. 2. Da Se. Hochfürstliche Durchlaucht der Fürst zur Lippe mit Rücksicht auf die bestehende ReichsVerfassung das Fürstentum Lippe als souveränen Bundesstaat erhalten zu sehen wünschen, so wird in diesem Thronfolgegesetz bestimmt werden, daß für den Fall des Aussterbens der regierenden Linie des Fürstlich lippischen Hauses die Succession im Fürstentum Lippe auf einen nachgeborenen Prinzen des Fürstlich Schaumburg=Lippischen Hauses und zwar auf Se. Durchlaucht den Prinzen Adolf zu Schaumburg=Lippe übergehen soll. Art. 3. Selbstverständlich sollen der künftig im Fürstentum Lippe regierenden Linie aus dem SchaumburgLippischen Hause ihr eventuelles Successionsrecht im Fürstentum Schaumburg=Lippe unverändert erhalten bleiben; dasselbe gilt bezüglich der eventuellen Successions=Rechte im Fürstentum Lippe für die Nachkommen der älteren Brüder Sr. Durchlaucht des Prinzen Adolf zu Schaumburg=Lippe im Falle des Aussterbens der durch den letzteren begründeten Fürstlich=Lippischen Linie. Art. 4. Mit dem Aussterben der jetzt regierenden Linie des Fürstlichen Hauses zur Lippe soll die Eigenschaft als Chef des Fürstlich=Lippischen Gesamthauses, welche bisher dem regierenden Fürsten zur Lippe zukam, auf den regierenden Fürsten zu Schaumburg=Lippe übergehen. Art. 5. Die Bestimmungen dieses Vertrages sollen den Inhalt eines besonderen, von Sr. Hochfürstlichen Durchlaucht dem Fürsten zur Lippe der Landesvertretung im Fürstentum Lippe zur Beratung und Entschließung vorzulegenden Thronfolge=Gesetzes bilden. Art. 6. Seine Hochfürstliche Durchlaucht der Fürst zu Schaumburg=Lippe erklären Höchstihre Bereitwilligkeit, das in Art. 5 erwähnte, aus Grundlage und nach Inhalt dieses Vertrages zu erlassende Thronfolge=Gesetz im Fürstentum Lippe nach dessen Zustandekommen anzuerkennen. Art. 7. Dieser Vertrag wird mit beiderseitiger Uebereinstimmung bis zur Vollziehung der für das Fürstentum Lippe zu erlassenden Thronfolgegesetzes geheim gehalten. Detmold, 27. Jan. 1886. Bückeburg, 27. Febr. 1886. Woldemar". Adolf Georg Fürst zur Lippe. Fürst zu Schaumaurg=Lippe. (Siegel.)(Siegel.) Freiherr v. Richthofen;„ Spring Fürstl. Kabinetsminister. Präsident der Fürstlichen Landesregierung. Die unterzeichneten Agnaten des Hochfürstlichen Schaumburg=Lippischen Hauses bekennen durch Vollziehung Höchstihrer eigenhändigen Namensunterschrift hierunter, daß sie von den vorstehenden, zwischen Ihren Hochfürstlichen Durchlauchten, dem regierenden Fürsten Günther Friedrich Woldemar zur Lippe und dem regierenden Fürsten Adolf Georg zu Schaumburg=Lippe abgeschlossenen Successionsverträge d. d. Detmold, 27. Januar Januar 1886 und Bückeburg, 29. Januar 1886, Kenntnis genommen und dem Inhalte in allen Teilen Höchstihre Zustimmung erteilen, auch das auf Grundlage und nach Inhalt dieses Vertrages demnächst beim Landtage des Fürstentums Lippe zur Vorlage gelangenden Thronfolgegesetzes nach dessen Zustandekommen anerkennen wollen. Bückeburg, 28. März 1886. Georg, Erbprinz zu Schaumburg=Lippe. Hermann, Prinz zu Schaumburg=Lippe. Otto. Prinz zu Schaumburg=Lippe. Der Minister Gevekot erklärte dazu, die Regierung habe sich lange gefragt, ob sie diesen Geheimvertrag veröffentlichen solle, weil er geeignet sei, das Ansehen der Monarchie zu erschüttern; aber sie befinde sich in einer Notlage und müsse sich in dem ihr aufgedrungenen Kampfe wehren. Der Geheimvertrag beweise, wie zielbewußt und skrubellos das HausSchaumburg nach der Thronfolge strebe. Abagendadter Schenmet entate er tenge den Geheimvertrag. Er habe selbst einer Kommission angehört, die Fürst Woldemar aufgefordert habe, ihr Gutachten zu diesem Geheimvertrag abzugeben. Diese Kommission habe sich damals dahin ausgesprochen, daß die Thronfolgefrage in Detmold nicht durch Landesgesetzgebung, sondern durch ein richterliches Urteil geregelt werden müsse. Auf diesem Standpunkt stehe er noch heute, Fürst Woldemar habe in gutem Glauben gehandelt, er war nicht parteiisch. Die heutige lippesche Staatsregierung ist parteiisch und infolge dessen kann man es dem Hause nicht übelnehmen, wenn es gegen die jetzigen Schritte der Regierung protestiert. Von den übrigen Rednern sprachen besonders Professor Dr. Weerth und Abgeordneter Zeiß über die Regierungsvorlage. Nach weiteren Bemerkungen wurde zur Abstimmung über die Regierungsvorlage geschritten. Für die Vorlage stimmen die Abgg. Bödeker, Frevert, Heynemann, Müssemeier, Tielker, Wißmann, Zeiß, Sieg, Dr. Weerth, Windmeier. Gegen die Vorlage erklärten sich die Abgg. Meier Jobst. v. Lengerke, Oberbracht Petig. Schemmel, Wolff, RiekehofBöhmer Die Vorlage hat also die notwendige Zweidrittelmehrheit nicht gefunden, ist also abgelehnt worden Sofort erhob sich Staatsminister Gevekot und verlas eine Botschaft des Grafregenten: Der Grafregent erklärt darin, er müsse die Verantwortung dafür ablehnen, wenn jetzt infolge der Haltung des Landtages bei einem unvorhergesehenen Ableben des Fürsten Karl Alexander Schwierigkeiten entstehen sollten. Er werde auch dann konstitutionell regieren und sich auf sein gutes Recht verlassen, das ihm sein Vater hinterlassen habe und das er nicht aufgeben werde, so lange es nur angefochten und ihm nicht etwa durch ein Rechtsurteil aberkannt werde. Er vertraue auf Gott, sein Recht und auf den Schutz des Deutschen Reiches, wenn er für die Ordnung und Sicherheit im Londe zu sorgen bemüht sei. Diese Botschaft wurde dem Archiv des Landtags eingehändigt und darauf vertagte Staatsminister Gevekot den Landtag auf unbestimmte Zeit, wahrscheinlich bis zu den Neuwahlen im Dezember. Im Bundesrat soll der Wunsch bestehen, die Streitigkeiten so rasch wie möglich und mit entgiltiger Wirkung zur Erledigung zu bringen. In letzterer Beziehung steht also der Bundesrat ganz auf dem Standpunkt der Lippischen Staatsregierung, die gleichfalls von einer einstweiligen Regelung der Frage auf ein Jahr nichts wissen will, sondern eine definitive Entscheidung fordert. Wie die Münch. N. N. erfahren, würde der Bundesrat die Streitfrage am liebsten vor das Reichsgericht bringen. Diesem Wunsche steht jedoch das Bedenken entgegen, daß das Reichsgericht bei seiner starken Belastung mit Arbeiten außer Stande ist, die Entscheidung mit der erwünschten Schnelligkeit herbeizuführen. Es wird also wahrscheinlich wiederum ein Schiedsgericht unter dem Vorsitz eines Bundesfürsten angerufen werden, dessen Zusammensetzung natürlich nicht dieselbe zu sein braucht, wie das vorige Mal, wo unter dem Vorsitze des Könige von Sachsen Reichsgerichtsräte den Spruch fällten. Schließlich verzeichnen wir noch folgendes Telegramm: (1 Berlin, 13. Oktober. In Bundesratskreisen hegt man die Ansicht, die lippische Angelegenheit werde bereits in der nächsten Woche an das Plenum des Bundesrates aesechte, 22593# eemuscheln. 14.Oktbr. 1904 s 9 Uhr: nderwertigen isches 425932 kulosen Kuh. Horn in Lippe, nittag 10 Uhr angsverkaufes haber hiermit 125938.244 Feurrrrton Der Jugwerransch Aus London wird berichtet: Der übermäßige Genuß von Ingwer wird von Aerzten für eine stets mehr um sich greifende Form der Trunksucht in England und Amerika erklärt. Da sein Alkoholgehalt etwa doppelt so groß ist als der von Wisky oder Brandy, so kann man sich eine Vorstellung von seinen verderblichen Wirkungen machen. So wird von einem Fall berichtet, in dem ein dem Ingwer Hingegebener seine tägliche Dosis von zehn Tropfen bis auf eine Pinte(½ Liter) in einem Zeitraum von 3 Jahren steigerte. Obwohl der Gebrauch in den Vereinigten Staaten mehr verbreitet ist als in England, so gibt es doch auch in London viele Apotheker und Drogisten, die wöchentlich starke Mengen dieser scharfen Essenz konsumieren. Alle diese Leute wollen durch den Ingwer ihre müden Gehirne und schlaffen Nerven aufstacheln; nur wenige Tropfen dieses mächtigen Mittels genügen, in dem„Ingwertrinker" allmählich die Neigung wachsen zu lassen, immer größere Dosen zu nehmen, wobei der Ingwer als Linderungs= und Beruhiaungsmittel dienen soll. Es scheint, als ob sich Männer und Frauen gleichmäßig dem IIngwergenuß ergeben haben. Die Opfer sind schwer festzustellen, da Kinder oder Erwachsene in jeder Drogerie ohne jede Kontrolle Ingwer kaufen können.„Es gehört schon ein sehr verfälschter Geschmack dazu, daß man große Dosen Ingweressenz vertragen kann“, meinte ein Drogist;„aber das kann man natürlich auch von allen anderen derartigen Mitteln sagen. Sobald erst ein körperliches Bedürfnis für ein besonderes Reizmittel vorhanden ist, wird auf den Geschmack nicht mehr geachtet. Der unmittelbare Eindruck wird nicht berücksichtigt. man hofft nur auf die Wirkung. In dieser Beziehung ist der gewöhnliche Alkoholiker gesünder als der Morphinist oder Ingwertrinker. Er hat wenigstens einen physischen Genuß, den das Ingwertrinken ihm nicht einmal gewährt.“ Dabei wird durchaus nicht das erreicht, was erreicht werden soll. Wenn auch zwar zuerst eine Erleichterung durch Ingwer eintritt, so wird doch allmählich der Magen gänzlich verdorben, und die Nerven werden nicht im geringsten mehr dadurch beruhigt. X 29 Millionen Banknoten Die Anzahl der im Umlauf befindlichen Banknoten der Bank von Frankreich beträgt in runden Zahlen 29 Millionen. Unlängst hat ein findiger Kopf berechnet, einen wie hohen Stoß man erhalten könnte, wenn man die Banknoten aufeinander schichten würde. Ein Pack von tausend Banknoten ist 8 Ztm. hoch. Diese 29 Millionen Stück Papiergeld würden demnach in 1000 Fr.=Scheinen eine Höhe von 2320 Meter erreichen, also etwa achtmal so hoch wie der Eiffelturm kommen; in 500 Fr.= Scheinen würde die Höhe 4640 Meter, in 100 Fr.Scheinen 23200 Meter und in 50 Fr.=Scheinen 46400 Meter betragen. Die 20 Fr.= und 5 Fr.Scheine kommen nicht in Betracht, da jetzt keine mehr gemacht werden. Es gibt nun zweifellos Leute, die seltene Banknoten sammeln, nicht um ihres Geldeswertes willen, sondern weil sie eben Seltenheitswert haben. Die Bank von Frankreich weiß nämlich nicht, was aus den fünf Scheinen von 5000 Fr. geworden ist, die seit 1876 in ihrer Bilanz geführt werden. Im Jahre 1870 gab es sieben solcher 5000 Fr.=Scheine. Interessant wäre es, festzustellen, wer die übrigen fünf Banknoten besitzt. D Wieviel Geld ein Tanz bringen kann. darüber läßt sich ein englischer Tanzlehrer folgendermaßen vernehmen: Das große Publikum macht sich im allgemeinen keine rechte Vorstellung davon, wie viele Leute jahraus, jahrein ausschließlich nur damit beschäftigt sind, neue Gesellschaftstänze zu ersinnen, wobei die extra für das Theater ausgedachten Tänze garnicht berücksichtigt sind. Wenn ein Tanz beim Publikum Anklang findet, dann erntet der Erfinder Ruhm und Geld, obgleich die meisten„neuen Tänze“ in Wirklichkeit nur neue Kombinationen und Variationen der alten sind. Das ist aber nicht nur unvermeidlich, sondern auch ein tatsächlicher Vorteil; denn dadurch kann der Durchschnittstänzer, der die gewöhnlichen Pas gelernt hat, um so leichter den neuen Kombinationen folgen. Es ist natürlich, daß der Ansturm der Schüler groß wird, wenn der neue Tanz modern geworden ist, denn jeder will ihn möglichst schnell von dem Erfinder sebst lernen. Eine sgroße Einnahmequelle für den Erfinder des neuen Tanzes ist auch der Verkauf der besonders zu diesem Zweck komponierten Tanzmusik. Unter den Tanzlehrern finden jedes Jahr Wettbewerbe statt und es werden Preise für neue choreographische Erfindungen ausgesetzt, was für die Gewinner steis große Vorteile im Gefolge hat. Es ist nichts ungewöhnliches, daß die Erfindung eines neuen Tanzes und der Verkauf der begleitenden Musik 10.000 Mk. eingebracht haben. Kunst und Wissenschaft Der tote Löwe Oskar Blumenthals, von der Zensur verbotene Dnama„Der tote Löwe“ erntete, wie dem Hann. Cour. mitgeteilt wird, bei seiner Uraufführung im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg bis zum zweiten Akt starken Beifall, der dann aber abflaut. Das Stück ist künstlerisch sehr schwach. □ Frau Moran=Olden, die bekannte Sängerin, sollte nach einer von München und Berlin aus verbreiteten Mitteilung, die in hohem Grade unwahrscheinlich klang, vollständig mittellos und in einem Armenkrankenhause untergebracht sein. An dieser Nachricht, die zu irgend welchen Zwecken veröffentlicht wurde, ist kein wahres Wort, ebensowenig an der Angabe, es solle an deutschen Bühnen gesammelt werden, um der unglücklichen Frau wenigstens eine Einzelkrankenzelle zu ermöglichen. Von der Künstlerin nahestehender Seite wird dem B. T. mitgeteilt, daß Frau Moran=Olden, deren Gesundheit schon seit Jahren nicht mehr die beste war, sich seit längerer Zeit in der Maison de Sante in Schöneberg befindet und ihr gegenwärtiges Befinden nur geringe Hoffnung auf Besserung zuläßt. Dagegen wird für Frau Moran=Olden von ihrem Gatten, den Hofopernsänger Theodor Bertram, in Gemeinschaft mit Direktor Maximilian Burg so gut gesorgt, wie es nur möglich ist: Frau Moran=Olden ist in der Krankenabteilung erster Klasse untergebracht und genießt die sorgfältigste Pflege. langen und dort zur Beratung kommen Wonnes. Der russisch=japanische Krieg Auf dem Kriegsschauplatze bereiten sich große Ereignisse vor. Zwischen dem Taitsa= und dem Hunfluß muß die Entscheidung fallen. Für die feindlichen Heere gibt es keinen Rückzug. kein Entrinnen. Die Japaner können, wenn sie in die Flucht geschlagen werden sollten, ebenso wenig schnell über den Taitseho hinwegsetzen, wie die Russen im gegenteiligen Falle in der Lage wären, den HunNuß zu nehmen. Je sicherer es ist, daß aus dem engen Raume zwischen den beiden genannten Flüssen die große Entscheidungsschlacht ausgefochten werden wird, um so bedauerlicher ist der Mangel klarer und authentischer Nachrichten über den jeweiligen Stand der Dinge. So lange endgiltige Entscheidungen nicht vorliegen, sich vielmehr noch alles im Stadium der Entwickelung befindet, darf man allerdings schwerlich auf amtliche Nachrichten rechnen. Aus der Fülle der vorliegenden Nachrichten heben wir das folgende hervor: Wie aus Tokio gemeldet wird, ist der zweite Versuch Kuropatkins, die Japaner zu umgehen, endgültig vereitelt. Kuroki schnitt General Mistschenko ab und schlug die Kussen unter Rennenkampf. Eine russische Abteilung vor Ponsihu und Tsjanfian ist tatsächlich eingeschlossen. Die Generale Fuschimi und Oku warsen den linken russischen Flügel zurück, den Fuschimi erfolgreich umgeht. Die Russen weichen angeblich auf der ganzen Linie zurück. General Oku erbeutete noch 25 Geschütze. Die letzten Berichte melden fortgesetzt japanische Erfolge. Den Londoner Abendblättern wird aus Tokio telegraphiert: Okus Artillerie entschied den Sieg für die Japaner. Die Russen gingen mit schweren Verlusten und in Unordnung zurück. Da sie durch eine Umgehung bedroht wurden, ließen sie 30 Geschütze zurück. Die Lage Port Arthurs verschlimmert sich den neuesten japanischen Meldungen zufolge immer mehr. Telegramme aus Tokio lassen für die Russen die Uebergabe der Festung und des im Hafen liegenden Geschwaders befürchten. Die Drahtmeldungen lauten: Tokio, 13. Oktober. Wie aus Tschifu telegraphiert wird, sind mehrere russische Kriegsschiffe vor Port Arthur von japanischen Schiffen in den Grund gebohrt worden. Ferner soll es den neu aufgestellten japanischen Geschützen gelungen sein, den„Retwisan“ schwer zu beschädigen. Tokio, 13. Oktober. Nach einem drei Tage lang unaufhörlich andauernden Bombardement von der Landseite her steht jetzt der größere Teil von Port Arthur in Flammen. Zahlreiche Russen zeigten bereits die weiße Flagge und ergaben sich. Die Japaner sollen zwei weitere Verteidigungswerke erobert haben. Deutsch=Sudwestafrita Unsere Truppen in Südwestafrika sollen, Berliner Blättern zufolge, um weitere 3000 Mann verstärkt werden. In der Kolonialabteilung fand dieser Tage eine Sitzung statt unter der Leitung des Direktors Stübel statt, die sich mit den Vorgängen, besonders im Süden des Schutzgebietes beschäftigte. Die Gerüchte, Dr. Stübel werde gehen, werden als unbegründet bezeichnet mit dem Hinzufügen, er denke am allerwenigsten in der jetzigen schwierigen Zeit daran, seinen Abschied zu nehmen. Die Bezirkskommandos fordern die Mannschaften des Beurlaubtenstandes auf, sich möglichst zahlreich zur südwestafrikanischen Schutztruppe zu stellen. In Wiesbaden ist ein Genesungsheim für kranke Kriegsteilnehmer aus Südwestafrika errichtet worden. Die Patienten haben alles ke. Polltischer Tagesbericht Heeresvorlage. Man hält, wie der„Deutschen Tageszeitung“ mitgeteilt wird, in den leitenden Kreisen an der Absicht fest, die Heeresvorlage zugleich mit dem Etat dem Reichstage zu unterbreiten. Das erscheint deswegen geboten, weil der neue Etat schon auf der Grundlage der Heeresvorlage aufgebaut ist. Richtig ist, daß der Entwurf des preußischen Kriegsministeriums sich in durchaus mäßigen Grenzen hält. Die vorgeschlagene Erhöhung der Friedenspräsenzstärke soll geringer sein als die im letzten Heeresgesetze geforderte. * * Mehring und Gerlach. Der Reichstagsabgeordnete von Gerlach, Hospitant der freifinnigen Vereinigung und einer der eifrigsten Befürworter des Zusammengebens der „Liberalen“ mit den„Genossen“, hat eine neue schwere Enttäuschung erlebt. Er hat den Rücktritt Mehrings von der Leipz. Volksztg. ernst genommen und als einen Sieg des Revisionismus jubelnd begrüßt, wie Mehring sagt,„mit wahrem Indianer= geheul“. Jetzt hat aber die Mehring=Komödie, wie vorauszusehen war, mit Rücknahme der Kündigung geendet; mit dem Sieg des Revisionismus wur es also nichts. Mehring rächt sich nun an Gerlach. indem er in der„Leipziger Volkszeitung“ von diesem folgendes Bild entwirft:„Von keinem bürgerlichen Blatt ist der nunmehr beigelegte Konflikt in Leipzig so verlogen ausgebeutet worden, wie von der „Berliner Zeitung", deren Chefredakteur Herr Holmuth von Gerlach ist. Viele unserer Parteigenossen kennen den Mann. Unfähig zu reeller Geistesarbeit, sucht er sich eine politische Stellung zu machen, indem er sich der lächerlichen Einbildung hingibt, die sozialdemokratische Partei sprengen zu können. Er winselt vor Heine und Vollmar in hündischer Anbetung auf dem Bauche, während er auf Adolf Hoffmann und Zubeil seine Eselsfußtritte in unendlicher Fülle herabregnen läßt. Seinem Gewerbe gemäß sucht er sich an bekannte Parteigenossen heranzuschlängeln, um von ihnen womöglich etwas herauszuschnüffeln, was er zur Sprengung der Partei verwerten kann. Auch mir ist er nachgelausen, hat mich in der Wiener„Zeit" als einen Mann gefeiert, der die Gründlichkeit eines Taine mit dem Witze eines Rochefort vereine, und ist auch in meine Wohnung gekommen, wo er freundlich ausgenommen worden ist, aber freilich nichts erfahren hat, was seinen Zwecken dienlich sein konnte. Seitdem haßt er mich mit der ganzen Wut eines enttäuschten Schnorrers". Diese wutschnaubende Erklärung, die Abgeordneter von Gerlach einer„Kanonade mit Stinkbomben“ vergleicht. schließt mit der Behauptung, daß Abgeordneter von Gerlach„ein ehrloser Verleumder“ sei, weil er es abgelehnt hat, eine von Mehring mit Rücksicht auf ihren früheren Verkehr geforderte Richtigstellung wörtlich abzudrucken. „„„ Der Mittelstandskongreß Am kommenden Sonntag tritt in Berlin die Konferenz gewerblicher Vereine zusammen, die sich mit der Organisation einer Mittelstandspartei beschäftigen wird. Aus den bisherigen Anmeldungen, es waren gestern schon gegen 300 Delegierte aus allen Teilen des Reichs angemeldet, darf man auf eine sehr zahlreiche Beschickung des Kongresses und damit auf eine wesentliche Förderung der wichtigen Angelegenheit rechnen. * * In Sachen der Arbeiter=Witwenund Waisen=Versorgung ist eine Antwort auf die vom Staatssekretär Grafen Posadowsky überreichte Denkschrift erst von einigen kleineren Bundesstaaten eingetroffen. Die Mehrzahl der Regierungen ist noch mit der Prüfung der Denkschrift beschäftigt, so daß in der nächsten Reichstagssession der Angelegenheit noch nicht näher getreten werden kann. Die Frage der Kostendeckung der Versicherung durch das Reich kann jaauch so wie so nicht vor Ablauf des Jahres 1906 übersehen werden. Für den in Rede stehenden Versicherungszweig sollen bekanntlich die aus den neuen Handelsverträgen zu erwartenden Ueberschüsse verwendet werden. beutsches Reich = Berlin, 18. Oktober. Der Kaiser und die Kaiserin gedenken am Sonnabend von Hubertusstock nach Potsdam zurückzukehren. Das Jagdglück ist dem Kaiser sehr günstig gewesen; der Monarch erlegte mehrere Achtzehn= und Sechzehnender. In Dessau wurde der Besuch des Kaisers für den 25. Oktober früh angekündigt. Abends fährt der Kaiser von dort nach Wernigerode. Ueber König Georgs Befinden lauten die letzten Nachrichten höchst beunruhigend. Während der Zustand in den ersten Tagen der Woche im allgemeinen befriedigend war, traten dann wieder heftige Anfälle von Atemnot und Beklemmungen ein, die sich wiederholten und mit kurzen Unterbrechungen fortdauerten. Kräftezustand und Nahrungsaufnahme lassen viel zu wünschen übrig. Landwirtschaftsminister v Podbielsji bereist in diesen Tagen das südliche Westfalen, um landwirtschaftliche Winterschulen, verschiedene Genossenschaftsschlächtereien usw. zu besichtigen. Behufs gemeinsamer Regelung des Lotteriewesens schweben zwischen Preußen und Hessen Verhandlungen, die bereits in nächster Zeit ein Einvernehmen erwarten lassen. Parlamentärisches = Berlin, 18. Oktober. Ins Herrenhaus berufen. Herr James Simon, Inhaber des altangesehenen Handelshauses Gebrüder Simon in Berlin, ist aus Allerhöchstem Vertrauen ins Herrenhaus berufen worden. Partei= und Wahlnachrichten Im Reichstagswahlkreise Jerichow, in dem für den verstorbenen Fürsten Herbert Bismarck eine Ersatzwahl stattzufinden hat, herrscht unter den bürgerlichen Parteien bedauerliche Uneinigkeit. Besonders scharf sind sich Nationalliberale und Konservative gegenübergetreten. Hoffentlich beruhigen sich die Gemüter bis zur Stichwahl, da sonst schließlich noch der Sozialdemokrat Nachfolger des Fürsten Herbert würde. Ausland Holland □ Haag, 13. Oktober. Die Beisetzung des Präs. Krüger Wie der Magdb. Ztg. zufolge verlautet, hat England den Angehörigen Krügers ein Staatsbegräbnis für den ehemaligen Präsidenten der Transvaalrepublik angeboten. Die Familie soll dieses jedoch abgelehnt haben, da das Begräbnis ein nationales holländisches Gepräge erhalten soll. Frankreich Paris, 13. Oktober. Der parlamentartsche Ausschuß, welchem die zu der Frage der Trennung von Kirche und Staat eingegangenen Anträge zur Beratung überwiesen sind, wird am nächsten Sonntag zusammentreten. Während dieser Beratungen sollen der Kabinetschef sowie die Vertreter der katholischen, protestantischen und israelitischen Religion gehört werden. England. G. London, 13. Oktbr. Lord Milners Demission. Der Morning Post ist die Nachricht zugegangen, daß der Oberkommissar für Südafrika. Visconnt Milner. vor Weihnachten seinen Abschied nehmen werde. Der Monina Post zufolge kommen als Nachfolger Lord Milners in Betracht Lord Balfour of Burley, der gegenwärtige Generalgonverneur von Transvaal Sir Arthur Lawley und der Unterstaatssekretär des Kriegsamtes Sir Edward Ward. Lokales und Allgemeines Interessante Mitteilungen aus dem Leserkreise nehmen wir gern entgegen. Unsere Original=Artikel dürsen nur mit dentlicher Quellenangabe— Westsäl. Zta.— nachgedruckt werden. Bieleseld, 14 Oktober. * Besichtigung des neuen Rathanses Die Einweihungsfeier hat am Mittwoch einen glänzenden Verlauf genommen. Die Festgäste, die mit Muße das Innere des Gebäudes in Augenschein nehmen konnten, sprachen sich allgemein lobend über die Ausstattung aus. Gestern waren nun die Pforten der gesamten Bürgerschaft zur Besichtigung geöffnet. In weitgehendstem Maße wurde diese Gelegenheit wahrgenommen. Groß und Klein. Herren und Damen aus allen Ständen strömten in Scharen herbei. Von mittags bis abends waren die Hallen dicht mit Besuchern gefüllt und besonders in den Abendstunden nahm der Verkehr einen gewaltigen Umfang an. In der Vorhalle, auf den Treppenaufgängen bis zur zweiten Etage hinauf und auf den Korridoren herrschte ein beängstigendes Gedränge. Der Einzelne war fast willenlos in der Menge. In langsamer aber ständiger Bewegung wurde man vorwärts geschoben und mancher Besucher wird wieder herausgekommen sein, ohne inolge des Andranges viel gesehen zu haben. □ Geschäftszunahme und Personalvermehrung beim Amtsgericht. Der Gerichtsassessor Wiegand von hier(zur Zeit in Duisburg kommissarisch beschäftigt) ist dem hiesigen Amtsgerichte infolge Zunahme der Geschäfte als weiterer Hilfsrichter überwiesen. Damit ist die Zahl der richterlichen Beamten auf 11 gestiegen von denen 9 etatsmäßige Richter und 2 Assessoren sind. Auch zwei weitere Bureaubeamte und ein neuer Hilfsgerichtsdiener find dem Amtsgerichte bewilligt. Die Geschäfte sind in den letzten Jahren rapide gestiegen; vor 10 Jahren hatte das Amtsgericht nur 6 Richter und an Bureaubeamten kaum die Hälfte der jetzigen Anzahl. 0D Postalisches Herr Oberpostdirektor Kempte aus Minden (Westf.) weilte gestern in unserer Stadt. um die neuen Diensträume des Postamts und des Telegraphenamts sowie der an der Kreuzstraße neu eingerichteten Zweigstelle 3 nach ihrer Inbetriebnahme einer eingehenden Besichtigung zu unterziehen. am Sinsonieabende des städtischen Orchesters Da, wie bekannt, die populären Sinfoniekonzerte des städtischen Orchesters fortgefallen sind und dafür die Zahl der sogenannten„Philharmonischen“ erhöht ist, hat sich eine Trennung der früher von den Herren Lamping und Ochs gemeinsam gegebenen philharmonischen Konzerte notwendig gemacht. Die von Herrn Lamping geleiteten werden in Zukunft als„Drei Sinfonieabende des städtischen Orchesters" im Theater stattfinden. Das Abonnement auf dieselben wird demnächst eröffnet werden. E. Städtische historische Bibliothek 3. Vierteljahr 1904. Geschenkt: 74. Dütschke, Beiträge zur Heimatkunde des Kreises Schwelm. H. 5. — Vom Verfasser.— 75. Ein Blatt mit Zeichnungen alter Landwehren bei Bünde.— Von Herrn Gymnasiallehrer Langewiesche. X Feuerwehr=Fahnenweihe Die 3. Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr begeht am Sonntag Nachmittag das Fest ihrer Fahnenweihe. Die übrigen Abteilungen treten hierzu um 2¼ Uhr an der Ravensberger Bleiche an. Die Weihe fiudet um 3 Uhr auf dem Spielplatz an der 8. Bürgerschule statt, hieran schließt sich ein Festmarsch durch die Straßen des Reviers. welcher am Festlokal. Konzerthaus, endigt. Konzert und Ball bilden den Schluß der Feier. Wd. Städtisches Museum Auszug aus dem Zugangskatalog. 3. Vierteljahr 1904. 68. Ein Buch, welches 1798 als Prämium an den Schüler des hiesigen Gymnasiums Friedrich Schnelle verliehen wurde. Gesch. von Herrn Georg Woortmann. 69. Stück eines Renntiergeweihes. gef. in der Westerhoffichen Lehmgrube in Schildesche in 5 Meter Tiefe. Gesch. von Gymnasiast Heinrich Westerhoff. 70. Reste von einem Totenkranz. ausgegraben auf dem bereits um 1800 geschlossenen Altstädter Kirchhof. Eingesandt von der Red. der„N. Westf. Volksztg. 71. Eine römische Bronzemünze. Von Primaner Ruben. 72. Altes Jagdgewehr mit Pulverhorn und Schrotbeutel. Von Herrn von Krogh. 73. Eine alte Hand=Nähmaschine. Von Herrn von Krogh. 74. Mehrere alte Bücher. Von Frau Lehrerwitwe Rodewald. 75. Ravensberger Körtling von 1635 und zwei Mattiere von 1661 und 1664. Angekauft. 76 Verschiedene Archivalien. Von Herrn Dr. Heinz Potthoff in Charlottenburg.— 77. Zwei Sandalen aus China. Von Frau Schildmann, Gütersloherstraße. 78. Eichene Sitztruhe von 1788. Angekauft. 79—83. Zwei Lampen, zwei bäuerliche Salz'ässer sowie eine bäuerliche Bettstelle. Angekauft. 84—88. Eine Anrichte, drei Truhen und ein bäuerliches Salzfaß. Sämtlich aus dem Ravensber= gischen. Angekauft für 450 Mark, welche ein Komitee von Gönnern dem Museum bei einer günstigen Kaufgelegenheit überwies. 89 Eine Truhe aus dem Ravensbergischen Angekauft. 90 Mehrere Siegel. Von Herrn Schiffsarzt Dr. Paul Esau. 91 bis 101. Zwei Kanoes aus Kamerun. Geflochtener Hut aus Deutsch=Togo. Mütze aus Lagos. Haarkämme aus Deutsch=Togo. Armspange und Armringe aus Franz. Dahome. Fächer aus Ziegenfell, Lagos. Geldbörse aus Französisch=Gutnea. Sechs silberne Fingerringe, Liberia. Beinspangen, Dahome. Sämtlich Geschenke des Herrn Schiffsarztes Dr. Paul Esou. 102. Alte geschnitzte Tür. Geschenk des Stadtbauamts. 103 Hölzerner Brotkorb von 1770. Angekauft. 104. Küchenlampe aus Zinn, Angekauft. 105. Ein desgl. aus Glas. Angekauft. 106. Vollständiger Schmuck, wie er zur alten Ravensberger Frauentracht gehörte, noch im ursprünglichen Karton. Angekauft. 107. Eine Münze von Münster. Geschenk von Realtertianer Kalkühler, 108. Zahlreiche Versteinerungen. Geschenkt von den Realquartanern Becker, Gaus, Hülsmann, Saupe, Schilling, Spilker. Gütige Zuwendungen werden entgegengenommen im Gymnasium(Prof. Dr. Wilbrand) und in der Realschule(Dr. Engels). Der Belehrung der Eisenbahnangestellten über Unfallgefahren soll in Zukunft größere Sorgfalt gewidmet werden. Zu diesem Zweck hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Königlichen Eisenbahndirektionen auf die Notwendigkeit hingewiesen, daß alle Angestellten der Eisenbahnverwaltung eingehend über die Gefahren, welche die einzelnen Zweige des Eisenbahndienstes mit sich bringen, belehrt und von Zeit zu Zeit immer wieder daran erinnert werden, wie diesen Gefahren sachgemäß begegnet werden kann. In angemessenen Zwischenräumen soll auf die in Plakatform ausgehängten Unfallverhütungsvorschriften öffentlich hingewiesen werden, auch sollen die Dienstvorsteher in den Unterrichtsstunden jene Vorschriften besprechen und an der Hand von Beispielen erläutern. Der Minister spricht die Erwartung aus, daß es sich die Königlichen Eisenbahndirektionen angelegen sein lassen werden, mit allen Mitten dahin zu wirken, daß die Angestellten sich jederzeit der Gefahren des Eisenbahnbetriebes bewußt und im eigenen Interesse darauf bedacht sind, sie durch genaue Befolgung der gegebenen Bestimmungen zu vermeiden. C. W. Die Haftpflicht des Prinzipals gegenüber dem Handlungsgehilfen Beim Anfang der Wintermonate dürfte die Frage von Interesse sein, ob der Prinzipal für den Schaden verantwortlich gemacht werden kann, welcher seinen Angestellten in folge schlechter Beschaffenheit, insbesondere mangelhafter Erwärmung der Arbeitsräume, zugefügt wird. Nach§ 62 Absatz 1 und 3 des Handelsgesetzbuches ist der Prinzipal verpflichtet,, die Geschäftsräume und die für den Geschäftsbetrieb bestimmten Vorrichtungen und Gerätschaften so einzurichten und zu unterhalten, auch den Geschäftsbetrieb und die Arbeitszeit so zu regeln, daß der Handlungsgehilfe gegen eine Gefährdung seiner Gesundheit, soweit die Natur des Betriebes es gestattet, geschützt und die Aufrechterhaltung der guten Sitten gesichert ist. Erfüllt der Prinzipal die ihm in Ansehung des Lebens und der Gesundheit des Handlungsgehilfen obliegenden Verpflichtungen nicht, so finden auf seine Verpflichtung zum Schadensersatz die für unerlaubte Handlungen geltenden Vorschriften der§§ 843 bis 846 des Bürgerlichen Gesetzbuches entsprechende Anwendung. Aus diesen Bestimmungen ergibt sich, daß derjenige Prinzipal, welcher durch Vernachlässigung der oben bezeichneten Verpflichtungen eine Erkrankung seines Angestellten herbeigeführt hat, für alle Nachteile aufkommen muß, die dem letzteren durch die Krankheit entstanden sind und entstehen werden. Ist ein Handlungsgehilfe also in der Lage, den Beweis dafür zu erbringen, daß er sich infolge mangelhafter Erwärmung der Geschäftsräume eine Erkrankung zugezogen hat, so muß der Prinzipal für alle Nachteile aufkommen, welche die Krankheit für den Erwerb und das Fortkommendes Betroffenen zur Folge hat. Allerdings ist ja ein Beweis dafür, daß ein schuldhaftes Verhalten des Prinzipals vorliegt, selten zu erbringen.(Nachdr. verboten.) e Im städtischen Krankenhause betrug der Bestand am 31. August 1904: 110 Kranke. Der Zugang im Monat September 96. Als geheilt wurden entlassen 70, als gebessert oder aus anderen Gründen 17, es starben 5. Die Todesursache der letzteren war: Zweimal Herzmuskelerkrankung, je einmal Lungenentzündung. Schlaganfall und Gehirnerweichung. Im Bestande verblieben am 30. September 1904: 114 Kcanke. Tagesdurchschnittsbestand 120. Sammlung„ Eine gelegentlich der Einweihungsfeier in vorgerückter Stunde im Ratskeller bei den Klängen einer Drehorgel veranstaltete Sammlung ergab den Betrag von 36 Mk. 69 Pfg., die unter hiesigen Witwen und Waisen verteilt werden sollen. + Militärisches„„ Der Militäroberpfarter Boa vom 7. urmeekorps in Münster ist zum 5. Armeekorps nach Posen versetzt worden. Militäroberpfarrer Runge wurde von Posen nach Münster versetzt. 1 Polizeibericht.„ 6chm Fahrraddtebstahr Gestern nuchniittag gegen 5 Uhr wurde in Melle ein Fahrrad(Marke Tempo) gestohlen. Die Nummer des Rades ist nicht bekannt.— Ein total zertrümmertes Fahrrad wurde gestern morgen auf dem Grundstücke Schildescherstraße 93, hierselbst, aufgefunden. Dasselbe trägt die Marke„Dürkopps Diana“ und die Nummer 105223 * Gesaßt Der aus dem hiesigen Gerichtsgefängnis am Mittwoch entsprungene Fahrraddieb Weißbach ist in Salzuflen wieder festgenommen worden. Vorher hatte er in Herford eine Baubude erbrochen und dort seine Gefangenenkleidung mit einem Arbeiter=Anzuge vertauscht. V Notiz In dem Aufgebot der Standesamtsnachrichten vom 21. September stand irrtämlich Arbeiter Heimendahl; es soll heißen Hinnendahl. Tageskalender Sonnabend, den 15. Oktober 1904 Stadttheater. Iphigenie auf Tauris. 7½ Uhr. Schülerkonzert, Ressource. 7 Uhr. Narineverein, Stiftungsfest, 8½ Uhr. Bielefelder Turngemeinde, Stiftungsfest, 8½ Uhr. f. Remke, Leipziger Sänger. 8½ Uhr. Zur Neustadt“.Damenorchester Hütter. 7 Uhr. Aus Provi el. Brackwede Sonntag, abends meyer im Saale d straße, einen öffer Thema:„Was w Welt?“ ∆ Heepen, 1 menden Sonntag Konzert des Gesa stattfinden. r. 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Oktbr.(Vortrag.) Am Sonntag, abends 8 Uhr, wird Herr Pastor Wischmeyer im Saale des Evanal. Vereinshauses, Niederstraße, einen öffentlichen Vortrag halten über das Thema:„Was wissen wir von der Entstehung der Welt?“ 5 Heepen, 14. Okt.(Konzert.) Am kommenden Sonntag wird im Lokale Wedding ein Konzert des Gesangvereins„Westfalia“(Bielefeld) stattfinden. r. Löhne, 13. Oktober.(Unglücksfälle.) Innerhalb 24 Stunden sind hier 2 tötliche Unglücksfälle zu verzeichnen gewesen. Gestern nachmittag geriet der 11jährige Schüler Paul Reitemeier auf dem Hofe des Kolons Rasche zu Hohfeld zwischen das Getriebe des Göpels. Der Verunglückte mußte die Pferde treiben und ist hierbei der Kurbel zu nahe gekommen. Obwohl die Pferde von selbst stehen blieben, war der Knabe infolge eines Schädelbruches sofort tot. Der andere Unglücksfall trug sich auf der Stodick'ichen Fabrik in Löhne heute vormittag zu. Der Arbeiter Schumacher war mit andern Arbeitern damit beschäftigt, einen Eisenbahnwagen auf dem Anschlußgeleise fortzubewegen. Hierbei ist er mit dem Kopfe gegen eine aus der Wand herausragende Eisenstange gestoßen. Der Tod trat infolge Schädelbruches sofort ein. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau und 4 unmündige Kinder. O Vlotho, 18. Oktober.(Feuer.) In der letzten Nacht brannte hier am Amthausberge auf dem sogen. Eselsplatze das Wohnhaus sowie das Nebenhaus des Ritter'schen Kolonats total nieder. Als gegen 1 Uhr das Feuer zum Ausbruch kam, lagen die Hausbewohner im tiefsten Schlaf; erst durch das infolge des Feuers unruhig gewordene Vieh wurden die Leute auf das Unglück aufmerksam. Die Entstehungsursache ist noch nicht ermittelt. Vor etwa 20 Jahren ist das Gehöft schon einmal niedergebrannt, * Minden, 13. Okt.(Ernannt) wurde der Regierungsrat v. Wehrs aus Frankfurt a. M., zur Zeit hier, zum Oberregierungsrat. Zugleich wurde er dem Regierungspräsidenten in Minden zugeteilt, und ihm die Leitung der Kirchen= und Schuiabteilung der hiesigen Regierung übertragen. Minden, 13. Okt.(Stadt= Steuersekretär.) Der bisherige Steuer=Supernumerar Geffers in Warburg ist vom hiesigen Magistrat zum Stadt=Steuersekretär gewählt worden. * Hamm, 13. Okt.(Schlägerei mit tötlichem Ausgang.) Unter vier Burschen, von denen zwei zum Militär ausgehoben worden sind. entstand eine blutige Schlägerei. Der eine Rekrut wurde durch Messerstiche derart mißhandelt, daß er an den Verletzungen starb. Die Täter wurden in Haft genommen. h. Dortmund, 13. Okt.(Unglücksfälle.) Auf der Zeche„Courl“ ereigneten sich mehrere Unglücksfälle. Der Bergmann Sakolowski geriet unter Gesteinmassen und erlitt derartig schwere Verletzungen, daß er kurz darauf starb.— Abends kam der Bergmann Hanke der elektrischen Leitung zu nahe und wurde sofort getötet. * Witten, 12. Okt.(Kein 8 Uhr=Ladenschluß.) Der„Verein der gewerbetreibenden Kaufleute“ unserer Stadt nahm in seiner gestern abend stattgehabten Sitzung Stellung zu dem 8 Uhr=Ladenschluß. Nach eingehender Debatte, bei der das Für und Wider allseitig erwogen wurde. faßte die Versammlung einstimmig den Beschluß, daß nach Lage der geschäftlichen und arbeitlichen Verhältnisse hierselbst die Einführung des 8 UhrLadenschlusses für unsere Stadt abzulehnen sei. K. Dulken(Kr. Kempen), 13. Okt.(Feuer.) Seit gestern abend 7 Uhr steht hier die Dülkener Baumwollspinnerei A. G. Dülken. in Flammen. Das ganze Etablissement ist ein Feuermeer. Etwa 350 Arbeiter werden brotlos. Vermischtes Der vermißte Passagierdampfer„Djurdia“. ist mit gebrochener Maschine in Ajaccio eingetroffen. Die Passagiere werden auf einem andern Dampfer nach Tunis befördert. = Uebergriff Russische Grenzsoldaten haben sich einen neuen Uebergriff zu schulden kommen lassen, der strengste Ahndung fordert. Sie erschossen nach einer Meldung aus Myslowitz in Oberschlesien den dortigen Bürger Scholz auf preußischem Gebiet. Die Untersuchung ist im Gange. W Eisenbahunnfall Zwei Eisenbahnzüge stießen am Donnerstag unweit Altdamm in Pommern an einer Weichenkreuzung zusammen. Der Rangiermeister wurde schwer, der Stationsassistent leicht verletzt. Massenvergistungen infolge Genusses von denaturiertem Spiritus veranlaßten in Newyork Straßentumulte. Die Volksmenge zerstörte die Schnapskneipe, deren Wirt wegen Mordverdachts verhaftet wurde. Die Regierung soll jährlich Millionen Mark an Getränkesteuern erheben, angeblich aber keine Aufsicht über die Herstellung geistiger Getränke ausüben. Ein Säualing der in seinen Kleidern 30 000 Rubel trug, wurde in einem Frauenabteil 1. Klasse des PetersburgMoskauer Personenzuges aufgefunden. In einem Briefe wird der Finder gebeten, sich des Kindes anzunehmen und es auf den Namen Sergius taufen zu lassen. Aus der Haft entlassen Der gegen den Fabrikdirektor Sünder in Rosenberg(Westpr.) erlassene Haftbefehl ist aufgehoben worden. Stimmen aus dem Leserkreise Ueberfüllte Schulklassen. Nach wie vor besteht in unserer Stadt der große Uebelstand, daß eine ganze Anzahl Klassen unserer Bürgerschulen die als anormal zu bezeichnende Schülerzahl von 60—.) haben. Jst es wohl möglich, daß ein Lehrer eine solche Kinderschar nach allen Seiten hin erziehlich und unterrichtlich fördern, daß er die Persönlichkeit der einzelnen Kinder genügend berücksichtigen, seine Lehrweise den besonderen Gaben und Eigentümlichkeiten der so verschieden veranlagten Schüler gerecht werden kann? Die Eltern haben das Recht, eine solche Berücksichtigung ihrer Kinder zu verlangen, was aber bei einer solchen Schülerzahl vollständig unausführbar ist. Sollte da nicht der Ruf nach Verkleinerung der Klassen auf die schon recht angemessene Zahl 40 immer lauter werden? Sollten nicht die Vertreter unserer Bürgerschaft in den Schulvorständen immer nachdrücklicher diesem Notstande abzuhelfen suchen, den unser Kaiser kürzlich so treffend als Menschenquälerei bezeichnet het? Möchte doch diese Mahnung im Interesse unserer Kinder ein geneigtes Ohr finden! Briefkasten B. 100. Wenn keine besonderen wichtigen Gründe vorliegen, welche eine frühere Kündigung rechtfertigen, kann das Dienstmädchen vor Ablauf eines Jahres, der Dauer der gegenseitig eingegangenen Verpflichtung, nicht entlassen werden.— Vor Ablauf der Dienstzeit. aber doch nach vorhergegangener Kündigung kann die Herrschaft einen Dienstboten entlassen, wenn dem Gefinde die nötige Geschicklichkeit zu den von ihm übernommenen Arbeiten fehlt, oder wenn die Vermögensumstände der Herrschaft dergestalt in Abnahme geraten, daß sie sich entweder ganz ohne Gesinde behelfen oder die Zahl desselben einschränken muß. Die Kündigung hat 6 Wochen vor Ablauf des Kalendervierteljahres zu erfolgen. Reueste Nachrichten Japanische Flüchtlinge Berlin, 14. Oktober. Ein zweiter Transport japanischer Flüchtlinge wird in den nächsten Tagen Berlin passieren. Es werden ca. 150 Personen aus dem sibirischen Gebiet von Perm kommen. Verfolgung eines Theaterbrandes G Breslau, 14. Oktober. Wegen des am 13. Januar 1902 im hiesigen Stadttheater vorgekommenen Brandunglücks, bei dem die Ballettänzerin Hübner ihr Lebenverlor, ist nunmehr gegen den. Direktor der vereinigten hiesigen Theater Dr. Löwe und den Beleuchtungsinspektor Wunder Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben worden. Der Bresl. MorgenZeitung zufolge hatte die Strafkammer die Eröffnung des Hauptverfahrens abgelehnt, das Oberlandesgericht sie aber angeordnet. Ueberfahren getötet Hannover, 14. Okt. Der Arbeiter Sewalski wurde gestern nachmittag bei dem Versuch, die Geleise auf dem Güterbahnhof Hainholz zu überschreiten, von einer Maschine ersaßt und sofort getötet. Gescheitert. II Stettin, 14. Oktober. Im Stettiner Haff scheiterte der schwedische Schooner„Anna". Die Besatzung ist vermutlich ertrunken. Im Schneesturm verunglückt * Brunek(Tirol), 14. Okt. Drei Wiener Touristen, die in den Bergen vom Schneesturm überrascht wurden, verirrten sich. Einer stürzte ab und erlitt Verletzungen. Auswandererbeschwerden = Lemberg, 14. Okt. Im Landtage wurde eine Interpellation eingebracht über die Mißbräuche, deren sich die Hamburg=Amerika=Linie gegenüber den polnischen und ruthenischen Auswanderern schuldig gemacht haben soll. Ein Automobikunfall des von Connaught □ London, 14. Okt. Der Automobilunfall des Herzogs von Connaught erfolgte durch einen Zusammenstoß. Amtlich wird bekannt gegeben, daß der Herzog eine Wunde am Kopfe und eine Verletzung am linken Ohr davongetragen hat. Ein antiklerikaler Beschluß O Dijon, 14. Oktbr. Der Gemeinderat, der zum größten Teil aus Sozialistenbesteht, beschloß, die Namen der Straßen, die nach Heiligen benannt sind, abzuändern und ihnen die Namen von gelehrten und bekannten politischen Persönlichkeiten zu geben. Von der Absicht, die Statue des heiligen Bernhard, der in Dijon geboren ist, und die auf einem öffentlichen Platze steht, abzureißen, wurde Abstand genommen. Reorganisation der indischen Armee a London, 14. Oktober. Daily preß berichtet, der Kriegsminister beabsichtigte im Auftrage Lord Kitcheners die indische Armee zu reorganisieren. Die Armee soll auf den Effektivbestand von 100000 Mann gebracht werden. Die Kosten der Reorganisation soll das indische Budget tragen. Zusammenstoß mit der Polizei a London, 14. Oktober In Cork (Irland) kam es gestern infolge einer gerichtlichen Pfändung zu Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und der Polizei; letztere machte von ihren Schußwaffen Gebrauch und verletzte mehrere der Demonstranten schwer. Erfolgreicher Auschlag New=York, 14. Okl. Ein erfolgreiches Attentat wurde in Dakota auf einen Transport japanischer Unterseeboote ausgeführt, vermutlich von russischen Agenten. Ari J2r, fen Russische Befürchtungen □ Petersburg, 14. Oktober. Bevor noch die Entscheidungsschlacht geschlagen worden ist, gibt man hier doch schon die Hoffnung auf, den Widerstand der Japaner zu brechen und Liaujang zurückzuerobern. Alle drei russischen Heersäulen, die in einer breiten Front vorgehen, haben bisher wenig Glück gegen die Japaner gehabt. Auch ist der mit einer sehr starken Macht, man spricht von sechs Divisionen, ausgeführte Angriff gegen den japanischen rechten Flügel bereits zurückgeschlagen. Mischeschenkos Division soll alle ihre Seschütze verloren haben, ja man spricht sogar von einer Katastrophe der ganzen Division. X Paris, 14. Oktober. Der Petersburger Korrespondent des Petit Journal teilt mit, daß am Zarenhofe ein sehr ungünstiger Bericht eingetroffen sei. Man betrachtet die von Kuropatkin unternommene Aktion bereits als gescheitert. Der linke russische Flügel hat besonders stark gelitten. Ueberhaupt sollen die Verluste sehr groß sein. Man spricht von 30 000 Kampfunfähigen. Kriegsglück der A Tokio, 14. Okt. Ein Bericht aus dem japanischen Hauptquartier der Mandschurei=Armee besagt: Die Japaner hatten im gestrigen Kampfe andauernden Erfolg. Alle drei Armeen haben bedeutende Vorteile errungen. Die zur Umzingelung der Russen bei Pentsihn vorgenommenen Operationen nahmen einen günstigen gang. Die Zahl der im Kampfe stehenden Truppen übertrifft diejenige in der Schlacht bei Liaujang und an mehreren Punkten war der Kampf so verzweifelt, wie nie bisher im gegenmärtigen Kriege. Die Verluste sind sehr groß. Die Angrisse des Feindes in der Umgegend von Pensihn wurden auf allen Punkten zurückgewiesen. Die Verfolgung des Feindes, die von den Hauptstreitkräften des japanischen rechten Flügels und des Zentrums unternommen wird, geht erfolgreich vor sich. = Wien, 14. Okt. Auf der hiesigen japanischen Gesandtschaft wird bestätigt, daß die Japaner Herren des Schlachtfeldes sind. Die Russen wurden von der japanischen Artillerie stark dezimiert. Viele Geschütze und große Mengen Munition sollen den Japanern in die Hände gefallen sein. Ein russischer Erfolg * Petersburg, 14. Okt. Der bekannte russische Publizist Danschenko drahtet, daß Rennenkampf und Raschpalinsky die Japaner unter Kuroki umgangen, die große Straße Fomchuantschin besetzt halten und den Japanern die Verbindungslinie abgeschnitten haben. Die jüngsten Kämpfe. ∆. Petersburg, 14. Oktober. Nach einer Depesche aus Mukden wütete vorgestern der Kampf auf der ganzen Linie. Beide Armeen schlugen sich heftig. Der Hauptkampf wird auf der Ostfrout ausgesochten. Kohlen für Port Arthur. D Kiantschau, 14. Oktober. Hier traf gestern mit einer Ladung Kohlen an Bord der deutsche Dampfer„Emma“ ein; der angeblich die Blockade bei Port Arthur zu durchbrechen versuchen will. Aus diesem Grunde ist die europäische Mannschaft bereits von ihrem Posten gegangen und durch Chinesen ersetzt worden. Die Ausfahrt des baltischen Geschwaders. A Petersburg, 14. Okt. Heute nacht trat das baltische Geschwader die Ausfahrt nach dem fernen Osten aus dem Hafen von Liban an. Witterungs=Uebersicht. Bielefeld, 14. Oktober. Niedrigster Thermometerstand in der Nacht— 1 C. Thermometerstand um 10 Uhr vormittags+ 1½ C. Barometer: 760 mm Wind: N. Himmel: teilweise bedeckt. ist nur dann vollkommen, wenn Gesicht und Hände ein schönes, zartes Aussehen haben. Es sollte daher niemand versäumen, sich die Wohlthat täglicher Waschungen mit Ray-Seife, welche bekanntlich nach Deutschem Reichspatent aus Hühnerel bereitet wird, zu erweisen. Dass der Ei-Inhalt auf die Haut einen vorzüglichen Einfluss ausübt, ist eine altbekannte Erfahrung. Beim Waschen mit Ray-Seife wirken deren kostbare Bestandteile Eiweiss und Dotter auf die Haut in derselben Weise ein, als wenr eine Waschung mit frischem Hühnerei vorgenommen würde. Man bedenke die enorme Wichtigkelt dieser Thatsachel Keine andere Seife ist so angenehm und keine nützt der Haut s0 sehr wie Ray-Seife. Säumen Sie daher nicht, einen Versuch zu machen, Sie werden von der wohlthätigen Wirkung überrascht sein. Preis per Stück 50 Pfg.— Ueberall käuflich. Sonnabend Sonntag Aachamme FagT TischHängeKüchenFlurGelegenheit! 1800 Stück zu aussergewöhnlich billigen Preisen. Billigstes und grösstes Spezial-Geschäft am Platze für Herren- und Knaben-Bekleidung. Vielereid, Niedernsirasse 6—10. Der gute Ruf meiner Firma, den ieh mir in den 6 Jahren meines Bestehens durch strenge Reellität und weitgehendste Kulanz erworben habe und die dadurch erfolgte stete Ausdehnung meines Geschäftes sichern meiner Kundschaft: I. Eine solche enorme Auswahl, wie sie von anderer Seite am Platze absolut nicht geboten wird und werden kann, sodass jede Figur, jeder Geschmack Passendes findet. 2. Verartige Vorteile in Bezug auf Billigkeit unbedingt guter Waren, dass sie jedem Käufer direkt auffallen müssen, weil minderwertige Waren, die nur den Schein der Billigkeit erwecken, in meinem Geschäft niemals Aufnahme gefunden haben, noch Aufnahme finden werden. licht durch übertriebene marktschreierische Reklame, wie sie schon seit einiger Zeit von anderer Seite hier am Platze angewandt wird, sondern nur durch strengste Reellität werde ich nach wie vor bemüht sein, das gute Renommé, welches sich meine Firma in den 6 Jahren ihres Bestehens erworben hat, weiterhin zu befestigen und zu vergrössern. Niedernstrasse 8—10. BIELEFELD Niedernstrasse 8—10. Billigstes und grösstes Spezial-Seschäft am Slatze. — Einen Blick demo läßt eine römise schen Zeitung u „Die Stadt sich seit geraum tischen Stadtreg lich gibt es sich nannten Volksp aldemokraten in andern einfach Bürgermeister di mand, man lief seinen Namen. bürgermeister un aller Munde. ein Strohmann; lich Bürgermeist netenmandat ist Amte des Bürg so hat man de Agitator und Aufstandes, der herrlicher Neigu schen Kammerfr ist, den Posten sindaco) auf d dings nimmt i spruch, daß er Gast geworden Zuge, in Cata schen Zukunftsst das ist, wie au ist, keine kleine übrigens bisher Gesetz über die triebe angenom: schluß, damit z staates in Cate Anfang zu ma Bäckergesellen n Da die letzterer steren nicht beu Herr Vizebürge ordnung, die d stube gemacht h die Meister die wurde aus den sterstreik. 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Einen Blick in den sozialdemokratischen Jukunftsstaat läßt eine römische Korrespondenz der Kölnischen Zeitung uns tun: „Die Stadt Catania in Sizilien erfreut sich seit geraumer Zeit eines sozialdemokratischen Stadtregiments. Vor der Welt freilich gibt es sich als ein Regiment der sogenannten Volksparteien. Aber, da die Sozialdemokraten in der Mehrheit sind, haben die andern einfach Order zu parieren. Von dem Bürgermeister dieses Gemeinwesens spricht niemand, man liest in den Zeitungen niemals seinen Namen. Dagegen ist der Herr Vizebürgermeister und Abgeordnete De Felice in aller Munde. Der Bürgermeister ist nämlich ein Strohmann; Herr De Felice soll eigentlich Bürgermeister sein. Aber sein Abgeordnetenmandat ist nach dem Gesetze mit dem Amte des Bürgermeisters nicht vereinbar, und so hat man denn diesem sozialdemokratischen Agitator und Leiter des letzten sizilianischen Aufstandes, der übrigens wegen allzu selbstherrlicher Neigungen aus der sozialdemokratischen Kammerfraktion ausgeschlossen worden ist, den Posten eines Vizebürgermeisters(prosindaco) auf den Leib geschnitten. Neuerdings nimmt ihn diese Tätigkeit so in Anspruch, daß er in der Kammer ein seltener Gast geworden ist. Denn er ist in vollem Zuge, in Catania das Ideal des sozialisti= schen Zukunftsstaates zu verwirklichen, und das ist, wie aus Bellamys Rückblick ersichtlich ist, keine kleine Arbeit. Noch bevor das— übrigens bisher toter Buchstabe gebliebene— Gesetz über die Verstadtlichung öffentlicher Betriebe angenommen war, faßte er den Entschluß, damit zur Vorbereitung des Zukunftsstaates in Catania auf eigene Faust einen Anfang zu machen. Damals lagen dort die Bäckergesellen mit den Bäckermeistern in Streit. Da die letzteren sich den Forderungen der ersteren nicht beugen wollten, dekretierte der Herr Vizebürgermeister einfach eine Bäckereiordnung, die die Gesellen zu Herren der Backstube gemacht hätte. Natürlich widersetzten sich die Meister dieser Vergewaltigung, und so wurde aus dem Bäckergesellen= ein Bäckermeisterstreik. Aber ein anderes Ding ist nach sozialdemokratischer Anschauung ein Arbeiter=, ein anderes ein Arbeitgeberstreik. Ein Ausstandsrecht gibt es selbstverständlich nur für die Arbeiter. Und so wurde weiter verfügt, daß die Bäckermeister das Recht zur Ausübung ihres Gewerbes verwirkt hätten. Die Barstuben mußten geschlossen werden, da die Meister keine Arbeiter mehr erhielten. An ihrer Stelle wurde eine städtische Bäckerei eröffnet, die von nun an die glückliche Bevölkerung Catanias mit unverfälschtem sozialdemokratischen Brote versorgte. Das war ein Genuß für den waschechten Sozialdemokraten! Sich bei jedem Bissen sagen zu können, daß da ein Stückchen sozialdemokratische Lehre verkörpert sei: der achtstündige Arbeitstag, regelmäßiger dreimaliger Schichtwechsel innerhalb 24 Stunden, der Ausschluß jeder Bevorzugung der guten vor den schlechten, der fleißigen vor den faulen Arbeitern, die Ausschaltung des proftwitigen Unternehmertums! Bei Svante Gylsen Roman von Franz Rosen. 32)—(Nachdruck verboten.) 16. Kapitel. Das Schiff, das Svante Ohlsen und seine Leute ausgenommen hatte, war ein Däne, der auf der Heimreise begriffen war. Er nahm die Schiffbrüchigen bis in den heimischen Hafen mit, wo sie eine Gelegenheit zur Rückkehr in die Heimat suchen und abwarten konnten. Da es nicht möglich war, Svante einen besonderen Raum zur Verfügung zu stellen, teilte er die Kajüte des Kapitäns, der ihm auch mit den notwendigsten Kleidungsstücken aushals. Er hatte keinen Ort, wo er sich mit seinem grimmen Schmerz, den niemand ahnte noch verstanden haben würde, einschließen konnte. Ihm aber war es das schrecklichste,in dieser Stimmung den neugierigen Augen und teilnehmenden Fragen fremder Menschen ausgesetzt zu sein. Stundenlang am Tage saß er oben auf der Kommandobrücke und blickte düster hinaus in die eintönig rauschenden Wasser. Hier war es erträglich; denn hier strömte nicht alles neugierig oder gleichgiltig an ihm vorüber. Als sie in das Binnenmeer einliefen, und die Fahrt sich dem Ende zuneigte, ließ er den Steuermann rufen und kündigte dem Erschrokkenen an, daß er forthin die Mannschaft allein weiter und nach Hause zu führen haben werde. „Ich habe nicht die Absicht, gleich heimzukehren. Wenn ihr in Trondiem eingelaufen so lohnt die Leute ab— das Notwendige dazu trage ich bei mir und werde es Euch einhändigen. Ihr selbst aber geht sosort ins Nidthal, um Knut Ohlsen, Bericht zu erstatten.“ Der Steuermann aber bat inständig, ihn nicht zu verlassen. Er fühle sich der Aufgabe se so dollowmener Duchschrung der dostealdenokratischen Forderungen mußten ja nun auch die Ergebnisse paradiesisch werden: der Preis des Brotes um den Profit des verschmitzten Unternehmers geringer, die Güte der Ware unübertrefflich. Aber, der Kuckuck, das Brot wollte nicht billiger werden. Und was seine Güte anbetraf, so wurde zwar anfangs jede Kritik als übelwollende Mißgunst der entthronten Kapitalisten heruntergeputzt. Schließlich aber wird auch ein sozialdemokratischer Gaumen rebellisch, wenn er Tag für Tag bald halb verkohltes, bald halb rohes, immer aber unschmackhaftes Brot von schlechtem Mehl herunterwürgen muß. So dauerte es denn nich, allzulange, bis der schöne Wahn entzwei riß und die traurige Wahrheit auch dem verblendetsten Auge klar ward, daß die sozialdemokratische Stadtbäckerei, um dem Luxus ihrer Arbeiterbeglückung fröhnen zu können, die Mehrkosten an Arbeitslohn durch Verbakken minderwertigen Mehles decken mußte, also qualitativ geringere Ware lieferte, außerdem aber diese geringere Ware nicht billiger, wohl aber schlechter herstellte als vordem die selbständigen Bäckermeister ihre bessere. So lange die Stadtbäckerei allein auf dem Plane war, hatte sie von dem Mißmut nichts zu fürchten, wohl oder übel mußte man ihr schlechtes, aber rein sozialdemokratisches Brot essen. Die Lage wurde aber kritisch, als sich, teils um die rote Tyrannei zu brechen, teils um besseres Brot zu erhalten, unabhängige Männer zu einer Genossenschaft zusammentaten, die alsbald nach vernünftigen Grundsätzen in zwei Backstuben gutes und billiges Brot herstellte. Jetzt war guter Rat teuer, denn nur die Genossen, die ihre Prinzipientreue auch im Magen haben, blieben jetzt der sozialdemokratischen Bäckerei treu. Wie sollte man dem Wettbewerb der Genossenschaft beikommen? Der Herr Vizebürgermeister wußte Rat, aber höchst unsozialdemokratischen. Er lautete: Einschränkung der Kosten; entweder, so sagte er, den Arbeitern, allgemeine Lohnverminderung oder Entlassung der überflüssigen Arbeiter, d. h. der dritten Arbeiterschicht, die das Herz jedes Sozialdemokraten als höchste soziale Errungenschaft mit Stolz erfüllt hatte. Natürlich fand der Diktator heftigen Widerstand; er kümmerte sich jedoch mit der ihm eigenen Selbstherrlichkeit nicht darum, sondern setzte einfach 100 Arbeiter vor die Tür. Ironie des Schicksals: sozialdemokratische Arbeiter von einer sozialdemokratischen Verwaltung, dem Rechte auf Arbeit zum Trotz, auf die Straße geworfen! Aber sozialdemokratische Arbeiter haben ja gelernt, wie sie ihren Willen durchsetzen können. Und so zaudern sie nicht einen Augenblick, ihrer sozialdemokratischen Verwaltung wie einem profitwütigen Bourgeois den Krieg zu erklären und in geschlossener Masse in den Ausstand zu treten! Es folgt natürlich eine Protestversammlung in der Arbeitskammer. Dort erhitzen sich die Gemüter an mancher flammenden Rede. Schließlich wird festgestellt, daß das eigentliche Karnickel die Genossen schaftsbäckerei mit ihrer verderblichen Konkurrenz sei. Das ist der befreiende Gedanke. Alsbald ist der Zug der Ausständigen, vermehrt um den nie mangelnden Straßenmob, auf dem Wegen zu den Backstuben der GenosVenschast, und dine Shmde(püder liegen beide Backstuben in Trümmern; die Ware und das Mehl sind vernichtet, die Einrichtungen zerschlagen, die Bäckergesellen verprügelt. Wahrscheinlich wird nun der sozialdemokratische Schlendrian seinen Fortgang nehmen und weitere Blicke in den Zukunftsstaat eröffnen, aber wir werden ja sehen.“ Gerichtssaal § Bieleseld, 12. Oktober.(Strafkammer.) Vorsitzender: Herr Landgerichtsdirektor Greiff. Vertreter der Staatsanwaltschaft: Herr Staatsanwalt Dr. Dommes. Untreue Der Fahrradhändler Gustav Köster von hier, schon zweimal wegen Diebstahl, je einmal wegen Untreue und Hehlerei vorbestraft, verbüßt zurzeit eine sechsmonatige Gefängnisstrafe in Herford. Heute hatte er sich wiederum wegen Untreue vor dem Strafrichter zu verantworten. Zu seinen unlauteren Manipulationen hatte er sich diesmal den Klempner Gustav Kramme von hier ausgesucht. Dieser hatte ihm zwei Wechsel über 100 Mk. und 50 Mk. hingegeben mit dem Auftrage, dieselben zu versilbern und ihm das Geld einzuhändigen. Der Angeklagte hat dies aber nicht getan und als Kr. die Wechsel zurückverlangte. hat der Angeklagte zwei Wechselformulare zerrissen und sich so gestellt. als habe er die auf Kramme gezogenen Wechsel vernichtet. Es stellte sich jedoch später heraus, daß Köster die Wechsel in Zahlung gegeben und das Geld eingesteckt hat. Kramme hat die Wechsel später einlösen müssen und war der Geprellte. Der Gerichtshof verurteilte den Köster wegen Untreue zu 5 Monaten Gefängnis. Hausfriedensbruch und Beleidigungen Der Tapezierer Heinrich Siebke und dessen Ehefrau von hier lebten mit ihrem Hauswirte, den Eheleuten Klawitter von hier, in bitterer Feindschaft, welche zu verschiedenen recht groben Ausfällen von Seiten der Siebte gegen die Familie Kl. ausartete und dahin führte, daß sich die Eheleute Siebke schließlich vor dem Strafrichter zu verantworten hatten. Das Schöffengericht zu Bieleseld hatte die Eheleute Siebke wegen gemeinschaftlichen Hausfriedenbruchs und grober Beleidigung in mehreren Fällen zu je 2 Monaten Gefängnis verurteilt, wogegen die Verurteilten Berufung eingelegt hatten. Der Hausfriedensbruch wurde durch die heutige Beweisaufnahme wiederum festgestellt. Bezüglich der Beleidigungen trat eine Aenderung ein. In einem Falle konnte die Rechtzeitigkeit des Strafantrags nicht festgestellt werden und erfolgte dieserhalb Freisprechung. In einem anderen Falle trat Kompensation ein. Wegen der übrig bleibenden Beleidigungen und des Hausfriedenbruchs erhielten die Eheleute Siebke je 4 Wochen Gefängnis. Freigesprochen. Der Brunnenmacher Karl Wellerdiek von Gadderbaum hatte, von einer Hochzeit in Bielefeld heimkehrend, sich auf ein vor der Freudenau'schen Wirtschaft stehendes Fahrrad gesetzt und war davongefahren. Als ihn am andern Morgen der Kriminalkommissar Heitmann von hier ziemlich unsanst im Schlafe störte, hat er zu einem Drahtstocke gegriffen und damit den Beamten bedroht. Der Angeklagte wurde von der Anklage des Diebstahls und des Widerstandes freigesprochen. weil die Möglichkeit nicht ausgeschlossen zu sein scheint, daß er das Rad im Rausche als das seinige angesehen und den Beamten in seiner Schlaftrunkenheit nicht erkannt hat. Diebstahl. Die Korbflechter Heinrich Mohme zu Rehme und August Knappmeyer zu Eidinghausen sind in der Nacht zum 28. August d. J. durch ein Fenster bei dem Karnssellbesitzer Hase in Rehme eingestiegen nicht gewachsen; er fürchtete sich— nicht vor der Reise oder gar den Leuten, aber vor Knut Ohlsen. Eine schlimme Botschaft bringen, sei immer ein böses Geschäft, und wenn es schon eine schlimme Botschaft sein mußte, so war es doch besser, es brachte sie der Sohn als der Diener. Svante schüttelte unwillig das Haupt. „Seid ein Mann, Nielsen. Ihr könnt nichts für das, was geschehen ist, und es wird niemand einfallen, Euch Vorwürfe zu machen oder es Euch irgendwie entgelten zu lassen. Ich gebe Euch einen Brief mit; Ihr habt weiter nichts zu tun, als den abzugeben und zu beantworten, was Knut Ohlsen Euch danach etwa noch fragen sollte.“ „Herr, warum kommt Ihr nicht selber mit?" „Das ist meine Sache,“ entgegnete Svante barsch. Der Steuermann war an stramme Disziplin gewöhnt und fügte sich schweigend. Svante setzte sich hin und schrieb den Brief an seinen Vater. Er teilte ihm in kurzen Worten das Unglück mit, wie es geschah und verlief, ohne entschuldigende, beschönigende oder tröstende Redewendungen;— nur einfache, kahle Tatsachen. Er bat daß man ihn rufen möchte, wenn die Regelung der Geschäfte seine persönliche Anwesenheitnotwendig machen würde. Einstweilen habe er nicht die Absicht, nach Hause zu kommen— sondern vielmehr vorläufig im Auslande zu bleiben. Er gab noch an, wohin#ngende Nachrichten ihm nachgeschickt werden sollten— und schloß den Brief mit einem Gruß für seine Mutter und für das fremde Mädchenvon Trondiem. Als er dann den Brief überlas und bis ans Ende kam, faltete sich seine gefurchte Stirn noch tiefer. Er riß das Blatt mitten auseinander und schrieb den ganzen Brief noch einmal, ohne des fremden Mädchens grüßend zu gedenken. Als sie in den Hafen eingelauten waren, händigte Svante seinem Steuermann Brief und Geld ein, nahm einen kurzen Abschied von seinen Leuten, wandt: sich um und verließ sie, ohne noch einmal den Kopf nach ihnen zurückzuwenden. Er selbst begab sich in die dänische Hauptstadt und überließ sich dort in selbstquälerischer Lust dem bedrückenden Gefühl, unter Menschen allein, mitten in der Arbeit des Lebens müßig zu sein. Am ersten Abend machte er eine lange, einsame Wanderung weit hinaus in das unabsehbares Wald= und Weideland, das sich hinter der Stadt auf den Höhen am Meere dahinzieht. Der letzte gelbrote Herbsthauch lag über den Bäumen, und vom Wasser her wehte es kühl. Der Himmel war fahlblau, im Westen vom wässerigen Gelb überhaucht. Hie und da schimmerte ein helles Segel auf der farblosen, silberhellen, leise bewegten Flut. Der Schrei der Wasservögel klang herüber; in der Ferne, auf einem saftig grünen Hang äste friedlich ein Rudel Damwild. Kein Mensch war zu sehen und zu hören weit und breit. Svante setzte sich auf einen Stein unter einen uralten, bemoosten Eichenbaum. Sein Blick durchmaß die einsame, trübselige, endlose abendliche Oede und sie tat seinem durchstürmten Gemüte wohl. Er überließ sich ganz schrankenlos dem überwältigenden Gefühl dieser Einsamkeit ringsum. Formlos, wie die Wasser weit draußen. öde und ler, wie der Abend ringsum, sah das Leben vor ihm aus. So war es ja schon lange gewesen und so würde es nun wieder sein. Was war es nun gewesen, das ihn aus seiner Ruhe gerissen, das ihm die graue Zukunft mit dem trügerischen Rosenzauber jugendlicher Hoffnungen belebt hatte? Er dachte an den Tag seiner Abreise,— wie er da in Gedanken noch einmal das Schicksal zum Kampf herausgefordert hatte, das Schicksal, dem er sich schon längst ergeben hatte; wie er von Gelingen und Sieg geträumt und von Ruhe und Glück. Warum nur? Warum hatte er noch einmal eine Frage an dies unerbittliche Schicksal gerichtet? WaBielefeld, Freitag, 14. Oktober 1904 und haben aus einem Schranke 200 Mt., die sie sich nachher geteilt haben. gestohlen. Die Strafkammer verurteilte den Mohme wegen schweren Diebstahls zu 3 und den Knappmeyer zu 4 Monaten Gefängnis. Dem Mohme wurde 1 Monat von der erlitteuen Untersuchungshaft in Anrech= nung gebracht. Körperverletzung., Der Handelsmann Josef Morgenthal zu Herford hat am 9. April d. J. in Bünde den Handelsmann Heinrich Bode von Herford, mit dem er in bitterer Feindschaft lebte, mit einem Feuerhaken mißhandelt. Das Schöffengericht zu Hersord hatte nun am 28. Juni den Morgenthal mit Rücksicht auf seine Vorstrafen wegen Körperverletzung zu 6 Wochen Gefängnis und zur Zahlung einer Buße von 25 Mk. verurteilt. Hiergegen hatte M., der Notwehr vorschützte. Berufung eingelegt. Das Berufungsgericht sah die Sache milder an, weil die herangezogenen Vorstrafen weit zurücklagen. Es wurde deshalb das erste Urteil aufgehoben und der Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Geldstrase von 90 Mk. ev. 30 Tagen Gefängnis verurteilt. Die zu zahlende Buße vlieb beieben. 47. H.ite. e chen Versuchtes Sittlichreiisverbrechen. Der aus der Untersuchungshaft vorgeführte Maurer Heinrich Nolting von Blotho, hat am 10. August d. Is. ein sechsjähriges maochen auf den Friedhof zu Vlotho gelockt, um dasselbe zu vergewaltigen. Zum Glück wurde er durch den Totengräber bemerkt und vertrieben. Der Gerichtshof verurteilte ihn nach§ 176 Absatz 3 des Strafgesetzbuches zu.1 Jahre Gefängnis und rechnete ihm darauf von der erlittenen Untersuchungshaft 1 Monat an. Seine bisherige Unbeschollenheit rettete ihn vor Zuchthausstrafe. Die wundervollen Maiennächte d. Is. hat der Schlosser Harry Heinrichs von Minden seinen diebischen Exkursionen gewidmet. Die ersten Einbrüche haben dem Althändler Werberg in Minden gegolten. Das erste Mal hat er durch ein offenstehendes Oberlicht aus dem Schaufenster 5 Taschenuhren und ein paar Stiefeln gestohlen. Im zweiten Falle ist er auf demselben Wege tiefer eingedrungen und sind ihm hier 13 Uhren und eine ganze Anzahl Schmucksachen, Ketten und Ringe in die#unde gefallen. Dem Händler Bock hat er einen Karton mit Seife gestohlen. Bares Geld hat er dem Friseur Fistelmann entwendet. Er kannte die Hausgelegenheit dort, ist mittels Nachschlüssels in dessen Filiale eingedrungen und hat in zwei verschiedenen Nächten die Kasse geplündert. Es lagen im ganzen zwei einfache und drei schwere Diebstähle Urteil lautete auf 1 Jahr und 6 Monate Gesängnis unter Anrechnung von 2 Monaten Untersuchungshaft. In der Berufungsinstanz wurde der Maurer Christian Horstmann zu Stemmern, der zu 3 Wochen Gejängnis verurteilt worden war, freigesprochen. Es ist eine alte Geschichte, das Katarrhe, die im Anfang vernachlässigt werden, oft schwere Folgen haben. Darum ist die Regel: jeden Husten, jeden Bronchialkatarrh, alle Affektionen der Atmungswege gleich im Anfang bekämpfen. Dahei sind„Fays ächte Sodener Mineralpastillen" altbewährt; ihre Anwendung ist leicht, bequem u. angenehm, sie wirken ausgezeichnet auf die Schleimhäute des Halses und des Magens ein, u. die Schachtel kostet dabei nur 85 Pfg. Alle Apotheken, Drogerien und Mineralwasserhandlungen haben Niederlagen. 25951 Bei Arm u Pgioh in Palast u. Hütte, überall Arin u. Roien, wo Wert auf rationelle Hautpflege gelegt wird, gebraucht Murrholinseife uon nur die gasthertrosftene rum hatte er dieser Frage die Gestalt der„Lowisa“ gegeben? Die„Lowisa“ war untergegangen und hatte ihn nicht hinüber getragen in das Land der Erlösung, in den Schoß des Glückes. Es war ein für alle Mal aus und vorbei— mit ihr und mit ihm. Sie konnte nie zurückkehren— er auch nicht. Er empfand etwas wie Furcht vor dem Leben, dem er so lange finster getrotzt, dem er noch einmal leichtsinnig vertraut hatte. Wenn er es nicht getan hätte so wäre ihm diese neue Enttäuschung erspart geblieben. Warum hatte er sich das alles bereitet— warum? Seinen bisherigen Beruf— wenn dieser Name ihm überhaupt zukam— hatte er aufgegeben und spürte keine Lust, zu ihm zurückzukehren. (Fortsetzung folgt.) Heitere Ecke Vier und vier. Ein Vater von vier Kindern wird von seinem kleinen Töchterchen gefragt, was er sich zum Geburtstag wünsche. „Ich habe nur einen Wunsch“, antwortete der Vater,„und zwar vier recht artige und folgsame Kinder!,.zmartet Li. Mür:. „Ach wie nett,“ antwortet die Kleine nach kurzem Nachdenken,„da wären wir ja acht!“ (Lach. Jahrh.) Auch noch ein Beruf: In einem Gasthausgarten geht das Weib eines Drehorgelmannes sammelnd von Tisch zu Tisch. Sie trifft dabei auf einen Herrn, der sie kennt, und wird von diesem mit den Worten angesprochen:„Nun, Schmidten, wie geht's Euch denn?“ „No mei, halt so langsam, wenn mei' Mann net das bißle Musik verständ'. wär's rein zum Bettelngehn!“(Megg.) Matjes=Hering.„Was willst Du denn, Kleiner?“ „Einen... Hering ich vergessen!“ den Vornamen hab' (Fl. Bl.) K F Se." WA aus unserer grossen Spezial-Abteilung für Rinder-Keinennen! Jacken u. Paletots für das Alter von 4—14 Jahren vernehmer Geschmack,— tadellose Verarbeitung,— guter Sitz. Fagon— *.. aus gutem biauen AE, Lötte eeit jede Grösse FacOT Srude aus neuen melierten Stoffen jede Grösse Facor Si Nur aus guten Covercoatstoffen jede Grösse Faccn GertoU aus feinen Covercoatstoffen jede Grösse Grösste Auswahl in Mädchen Kleidern Garmalttl Niedernstrasse 13. BIELEFELD. An der Altst. Kirche. Feinstes Spezial-Haus für Handschuhe und Schlipse gegenüber dem Ratsteller. Lumkhehlung gegenüber dem Ratskeller. Handschuhe sind die besten. Schlipse und Cravatten Hosenträger Orösete Auswahl. Billigste Preise. Heute erhielt große Sendungen: prima fleischige Ganse blendend weiß à Pfd. 65 Pfg. schwere Enten, franz. Kapaunen, jg. 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M., nachmittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Kaiserstrasse 4, aus statt. 124997 Vorfeier daselbst um 4½ Uhr. Gesuu Gestern nachmittag 4 Uhr starb nach schwerem Leiden meine liebe Frau Anna Knake g.„ geb. Froböse im aiter von 34 Jahren. Dieses zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme an Adolf Knake nehst Kinder. Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittag 2½ Uhr vom städtischen Krankenhause aus statt.*26039 Fraderkate empfiehlt billigst F. Kleinemeyer, 9 Gehrenberg 9. Statt jeder besonderen Anzeige! Gestern morgen ½4 Uhr entschlief sanft nach kurzem, schweren Leiden, meine innigstgeliebte, unvergessliche Frau, meines Kindes treusorgende Mutter, unsere liebe gute Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante 126030 Frieda Oberschelp, geb. Vogel im fast vollendeten 25. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten: der trauernde Gatte nebst Kind. Familie Vogel. Bielefeld, den 13. Oktober 1904. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. 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