Bezugspreis: Erscheint wöchentlich fechsmal.— Preis: vierteljährlich.40 wik. Außerdem Bestellgeld. Christlich-nationales Tageblatt mit der Sonntagsbeilage„Für herz und Haus“. herausgeber 0. Taeger. Anzeigenpreis: # einspaltige Petttzells oder deren Raum 25 Pso., zeile.00 Ml. Betlagen nach vorheriger Vereindarung. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Nr. 304 Bielefeld=Bethel, Mittwoch, den 31. Dezember 1919. Jahrgang 1. Arbeit. Wem einmal die Arbeit so ganz hat enthüllt Ihr Wesen, und wer es nun lernte verstehen, Daß sie dunkele Tage mit Sonne füllt, Daß sie Menschen durch Dornen zum Duft läßt gehen Und nur ein Heil'gen der Kräfte will sein; Wem sie Segen und immerdar Segen verhieß, Je tiefer ins Herz er ihr schaute hinein, Der weiß: Gott schuf sie im Paradies. M. Feesche #er.# u. 5. u. m m 5 5 m 2 5 S 5 5 5 0 56 56 Rückblick und Ausblick! Als wir vor einem Jahre den„Aufwärts" zum ersten Male ausgehen ließen, da wußten wir: ein schweres und ein entscheidungsvolles Jahr lag vor uns. Ein schweres Jahr, denn es brachte uns den Frieden, den die Sieger diktierten. Ein entscheidunsvolles Jahr, denn es sollte uns die neue Versassung geben. So ist es gekommen, über die Schwere des Friedens, der uns deutsches Land im Westen, im Norden, im Osten gekostet hat, der uns eine drückende Schuldenlast und eine noch peinlichere Kontrolle durch den Feind auferlegt— von schmerzlicheren Bedingungen zu schweigen— über diesen Frieden brauchen wir ja nicht mehr viele Worte zu machen. Das weiß ein jeder von uns(aber eins möchten wir hervorheben) eins ist uns geblieben: die Einheit des Reiches! Wer weiß, welche Anstrengungen namentlich Frankreich gemacht hat, die Einheit unseres Reiches zu zerreißen, der schätzt es hoch ein, daß es dem Grafen von Brockdorff=Rantzau gelungen ist, die Einheit des Reiches zu erhalten. Das Werk Bismarcks ist verstümmelt, aber nicht zerstört. Dazu kommt ein zweites. Dank den heldenhaften Opfern unsers Heeres und Volkes ist der Boden des Vaterlandes vor der Verwüstung des Krieges bewahrt geblieben. Wer Nordfrankreich gesehen hat, der weiß, was das zu bedeuten hat. Zehn Stunden lang fuhr unsere Friedenskommission auf der Fahrt nach Paris durch völlig verwüstete Gebiete. Damit ist uns aber die Grundlage für den Wiederaufbau unseres Volks= und Wirtschaftslebens erhalten geblieben uind dafür können wir Gott nicht genug danken, Endlich ein drittes. Das eine Reich ist durch die Verfassung noch bedeutend einheitlicher geworden— das ist ihr großes Verdienst. Die Heftigkeit, mit der sie gerade in Frankreich angefeindet wird, ist das größte Lob für sie. Wie Bismarck mit der viel unvollkommeneren Vereinigung im Jahre 1871 zufrieden sein mußte, um überhaupt die Vereinigung der deutschen Stämme zustande zu bringen, so müssen wir jetzt auch mit dem Erreichten zufrieden sein und dürfen nicht durch Überspannung des Bogens das bisher Erreichte wieder gefährden. Jetzt den völligen Einheitsstaat durchsetzen zu wollen, hieße Süd= und Westdeutschland von dem gesamten Reich absplittern. In dieses verkleinerte und umgebaute Reich strömten nun die Krieger zurück. Bewunderungswürdig ist es, mit welcher Ruhe und Ordnung diese Millionen heimkehrten und sich wieder in das bürgerliche Leben hineinfanden. Die Unruhen, die unser Vaterland erschüttert haben, erscheinen an der Größe dieser Aufgabe gemessen unbedeutend. Mit der Rückkehr unserer Männerwelt kehrte auch nach und nach Ordnung, Sachkenntnis und Arbeitskraft in unser Verkehrs= und Wirtschaftsleben zurück. Man braucht nur die Zustände in Post und Eisenbahn im Anfang des Jahres mit denen am Ende vergleichen, um die außerordentliche Besserung trotz aller Notstände festzustellen. Nach der übermäßigen, mehr als vierfährigen Anspannung trat natürlich eine gewaltige Erschlaffung ein, nach der Überarbeit eine Unlust zur Arbeit, nach der tiefen Unterernährung und Erschöpfung das Bedürfnis nach Erholung. Das hat viele sehr unerfreuliche Erscheinungen gezeitigt. Aber auch hier sehen wir langsame, aber stetige Besserung. In den Kohlenbergwerken Westfalens wird jetzt wieder außerordentlich fleißig gearbeitet. Die durch den Raubbau des Krieges gänzlich verwahrlosten Schachte sind wieder hergestellt, und die Förderung vollzieht sich jetzt wieder glatter. In der Eisenindustrie sind im Laufe dieses einzigen Jahres die gewaltigen Umstellungen von den Kriegs= auf den Friedensstand vollzogen. Eine Fabrik wie Krupp hat sich völlig neu eingerichtet und an Stelle ihrer ganzen Rüstungsindustrie Friedensindustrie geschaffen. Sie hat das fertiggebracht, ohne einen Pfennig Schulden zu machen, lediglich aus ihren Rücklagen. Und so geht es jetzt allenthalben in der Schwerindustrie wieder vorwärts. Vernichtet schien unsere Textilindustrie. Man sah keine Möglichkeit, bei dem niedrigen Stand unserer Valuta Rohstoffe hereinzubringen. Aber unsere Industriellen wußten Rat. Sie machten riesenhafte Einkäufe im Inlande von allerhand Ausfuhrwaren z. B. Porzellane, Lederwaren, Kunstwerke, führten dieselben aus und benutzten den Erlös im Ausland zum Ankauf der Baumwolle. So wurde es Deutschland möglich, den größten Baumwolleinkauf nächst England zu machen und zwar nur erstklassige Baumwolle. Über die Hälfte derselben ist auch schon auf amerikanischen und neutralen Schiffen herübergeschafft. Die Textilindustrie kommt wieder in Gang, und Zehntausende von weiblichen Arbeitskräften sind wieder in altgewohnter Weise beschäftigt. Kurz, wohin wir in unser Wirtschaftsleben hineinsehen, begegnes wir den„alton deutschen 1# geist, der alten Arbeitskraft, auch dem alten Fleiße wieder. Gewiß ist unendlich viel noch aufzubauen. Die ausgemergelten Böden schreien nach neuem Dünger, die zerstörten Viehstände müssen wieder aufgebaut werden, das landwirtschaftliche Gerät bedarf der Erneuerung. Aber in allen diesen Beziehungen ist gearbeitet worden, und wir dürfen einen stetigen Aufstieg auch in unserer Landwirtschaft mit Freuden feststellen. Unsere Schiffahrt freilich hat sich noch nicht wieder erholen können und wird sich sobald nicht erholen, aber unsere findigen Gesellschaften haben längst wieder in aller Welt angeknüpft, in England, in Amerika, selbst in Japan. Und aus dem fernen Osten laufen wieder Schisse in den Hamburger Hafen. Und wenn auch nicht unter eigener Flagge, so ist doch der deutsche Handel, auch Überseehandel wieder mächtig am Werke. Wer nur das oberflächliche Getriebe der Großstadt kennt, der glaubt, heute würde alles vergeudet. Dem ist keineswegs so. In diesem alten Jahre sind in den Sparkassen nicht weniger als 5 Milliarden Mark eingezahlt worden, ebensoviel wie in dem vorvergangenen. In unserer Arbeiterwelt werden immer mehr Stimmen laut, welche den sinnlosen Streik verurteilen und das Heil nur noch von Ordnung und Arbeit erwarten. Dem gegenüber wird man einwenden: Siehst du denn nicht die ungeheure Spannung, die über unserem Volke liegt, die Zunahme der Unabhängigen und der KommunistenTreiben wir nicht einer zweiten, furchtbaren Revolution entgegen? Gewiß, die Gefahr ist groß, aber der Grund ist auch deutlich. Es ist lediglich das Schieber= und Wuchertum. Die Aufgabe, die uns das neue Jahr stellt, ist die: das redliche Erwerbsleben in jeder Weise zu fördern, das unehrliche Gewinnstreben zu unterbinden. Aber nicht nur auf dem wirtschaftlichen Gebiete regt es sich bei uns, auch auf dem geistigen. Wir gehen einer Neugestaltung unseres ganzen Bildungs= und Erziehungswesens entgegen, und das ist dringend nötig. Hier liegen die gewaltigen Aufgaben, und hiervon hängt unsere Zukunft ab. Darüber wird im neuen Jahre noch viel zu sagen sein. Auch auf dem religiösen Gebiete gärt es. Die Zeit des alten Materialismus ist vorüber. Die Menschen suchen wieder nach etwas Höherem. Freilich begnügen sie sich vielfach mit einer unklaren mystischen Frömmigkeit, aber welche Aufgabe für die Christenheit, den andern das zu bringen, was sie hat. Gerade der Christ freut sich in der neuen, großen Zeit zu leben und zu wirken, denn er sieht in allen Weltumwälzungen das Kommen des Reiches Gottes, und er glaubt trotz aller Niederlagen— auch der Kirche— an den Sieg des Herrn. Darum lautet am Ende des Jahres nicht weniger als am Anfang unsere Losung: Aufwärts! D. Jaeger. Achtung! Die evangelische Schule ist in Gefahr! Schule und Haus! Wie oft ist im Lauf der letzten Jahrzehnte der Ruf nach einer harmonischen Verbindung dieser beiden Grundkräfte der Jugenderziehung ergangen! Eltern und Lehrer litten gleichermaßen unter wechselseitiger Entfremdung, der Häufung von Mißverständnissen aller Art. Gibt es keine Brücke über diese Kluft? Das neue preußische Kultusministerium kann es, vom rein pädagogischen Standpunkt aus betrachtet, sich als Verdienst anrechnen, dem Gedanken der Elternbeiräte Folge gegeben zu haben. Im November d. J. wurde eine Satzung und Wahlordnung herausgegeben mit der Verfügung an die in Betracht kommenden Instanzen, das Erforderliche alsbald zu veranlassen“. Auch dem Hauptgedanken der Satzung wird jeder Einsichtige zustimmen können:„An jeder Schule wird ein Elternbeirat gebildet. Er soll der Förderung und Vertiefung der Beziehungen zwischen Schule und Haus dienen und den Eltern wie der Schule die Arbeit miteinander und den Einfluß auf einander gewähren.“ Ebenso wird gegen die Zuständigkeiten des Elternbeirats der Hauptsache nach wenig zu sagen sein:„Die Tätigkeit des Elternbeirats ist beratender Natur. Sie erstreckt sich auf Wünsche und Anregungen des Elternbeirates, die sich auf den Schulbetrieb, die Schulzucht und die körperliche, geistige und sittliche Ausbildung der Kinder beziehen und die über den Einzelfall hinaus von allgemeiner Bedeutung sind.“ Auf je 50 Kinder einer Schule soll ein Beiratsmitglied(Mindestzahl 5) entfallen, die Wahl auf 2 Jahre erfolgen, der Beirat soll vom Vorsitzenden nach Bedarf, mindestens aber einmal im Halbjahr berufen werden; auch Gesamtelternversammlungen sind vorgesehen. Kann auch nicht erwartet werden, daß die neue Einrichtung vom ersten Tage an mit gutem Erfolg funktioniert, so ließe sich gutem Willen auf beiden Seiten doch mit der Zeit ein ersprießliches Zusammenarbeiten sehr wohl denken. Nun aber der Wahlmodus!„Der Elternbeirat wird in geheimer Verhältniswahl gewählt. Die Verbindung von Listen ist unzulässig". Für Ermittelung der Gewählten„findet§ 51 der Wahlordnung für die Wahlen zur deutschen National=, versammlung sinngemäß Anwendung.“ Für eine rein intime Schulangelegenheit also eine Wahlhandlung nach rein politischen Gesichtspunkten! Die neuen Elternbeiräte sollen schon im Februar n. J. zusammentreten, die Wahlen haben also im Januar stattzufinden. Damit ist zugleich der parteipolitischen Wahlmache Tür und Tor geöffnet! Und diese Wahlordnung ist von demselben Minister verfügt, der es selbst noch vor kurzem als einen „groben Unfug“ bezeichnete, wenn man die Parteipolitik ins innere Gebiet der Schule tragen wolle. Die Bedeutung der Sachlage hat die sozialdemokratische Partei in vollem Ausmaß erkannt. An der Spitze der Propaganda stehen der neubegründete Arbeiter=Elternbund und der Verband sozialistischer Lehrer und Lehrerinnen Deutschlands. Ziel der ganzen, bereits sorgfältig durchorganisierten Bewegung aber ist, die Elternbeiräte als Mittel zur Errichtung der sozialistischen Einheitsschule von der Spielschule an bis zur Universität zu benutzen, in Wahrheit also: überall die religionslose Schule durchzusetzen! Das Institut der Elternbeiräte soll zum Sprungbrett im Entscheidungskampf gegen die Religion selbst benutzt werden! Wenn irgend etwas, so haben die vor einigen Tagen in Groß=Berlin auf Veranlassung des sozialistischen Lehrerbundes einberufenen 20 Massenversammlungen offenbart, wohin die Reise recht eigentlich geht, und zugleich gezeigt, daß im Lehrerbund die extreme Richtung der U. S. P. D. das Kommando hat. Mit den Haenischschen Erlassen ist man, weil entfernt nicht weit genug gehend, äußerst unzufrieden! Die Elternbeiräte sollen beschließende Stimme haben, monatlich mindestens einmal zusammentreten, vor allem aber: den Eltern soll jederzeit der Zutritt zu den Unterrichtsräumen gestattet sein, vornehmlich auch, um den Gesinnungsunterricht des Lehrers genügen überwachen zu können. Der Lehrerbund hat es gar fertig bekommen, auf allen Versammlungen einen Vorspruch verlesen zu lassen mit der Überschrift:„Eltern, bewacht die Lehrer!“ Und in einer Versammlung erklärte ein Redner * ganz offen:„Laßt uns nur erst in den Elternbeiräten sitzen, dann werden wir den Karren schon schieben, wie es uns paßt!“ Dabei soll der Hauptstoß gegen die evangelische Kirche geführt werden! Warum wohl? Weil man mit der gerade in evangelischen Kreisen leider so stark verbreiteten Gleichgültigkeit und politischen Trägheit am ehesten rechnet? So steht denn, wenn die evangelischen Eltern sich nicht geschlossen wie ein Mann zusammentun, gerade durch die Elternbeitäte dieevangelische Schule in Gefahr, beim ersten Ansturm schon vernichtet zu werden. Treten jetzt allerorten, in jeder Gemeinde, die Eltern nicht ein für Erhaltung und Festigung der evangelischen Schule, so wird die Kluft zwischen Schule und Haus unüberbrückbar, unsere Kinder stürzen in die Tiefe und bleiben zeit ihres Lebens geistige und seelische Krüppel! Darum, ihr evangelischen Väter und Mütter, laßt es euch nicht verdrießen, wenn ihr in den nächsten Wochen von den Schullettern zur Elternversammlung eingeladen werdet! Sagt nicht:„Schon wieder eine Versammlung, eine Wahl, wir sind es leid!“ Die Stunde drängt! Halten die Evangelischen diesmal unerschütterlich zusammen, kann der evangelischen Schule kein Leid geschehen, aber nur dann!*) *) Umfassendes Aufklärungsmaterial, Flugblätter und einschlägige Richtlinien können jederzeit gegen Erstattung der Selbstkosten vom Evangel. Preßverband für Deutschland(Berlin=Steglitz) bezogen werden! Der Kampf gegen das Kino. „Der Worte sind genug gewechselt; nun laßt uns„Taten sehen!“ möchte man ausrufen im Blick auf laute und bittere Klagen über das sittenverderbende Kino, die uns von allen Seiten entgegenströmen. Aber es geht hier, wie so oft in diesen Tagen, nach dem Prophetenwort:„Das Kind ist gekommen zur Geburt, es ist keine Kraft da, zu gebären". Das ist ja das furchtbare Verhängnis, unter dem das deutsche Volk steht, daß es wohl die Schäden und Gefahren sieht, an denen es krankt, und die es bedrohen, daß es auch um Hilfe ruft, aber keine Kraft in sich findet, sich zu einem entschiedenen Handeln aufzuraffen. Endlich aber scheint es sich doch zum Kampf gegen einen seiner schlimmsten Feinde zu ermannen— eben gegen das Kino. Bezeichnenderweise ist es aber die Jugend, von welcher der Anstoß zu solchem Kampfe ausgeht. Und er soll, wie es scheint, auf der ganzen Linie aufgenommen werden. Auch Schwabenlands Jugend will nicht zurückbleiben. Das zeigte sich, als am Sonntag, den 7. September auf allen Straßen Stuttgarts durch Jünglinge und junge Männer Flugblätter ausgeteilt wurden, zumal in der Nähe des Kinos selbst, durch welche dem Kino in seiner jetzigen Gestalt der Kampf angesagt und das wohldenkende Publikum zur Mithilfe aufgerusen wird. Es fordert: Vertiefung der sittlichen und künstlerischen Erziehung in allen Unterrichts= und Erziehungsanstatten; Kinozenfur durch Künstler, Erzieher und urteilsfähige Vertreter der Jugendbewegung; Unterstützung aus Staatsmitteln für alle schaffenden Künstler, die an der Veredelung des Kinos arbeiten; Errichtung von Musterkinos, welche die Stätte guter Unterhaltung und Belehrung sind; Einschreiten gegen alle Filmgesellschaften, Filmdarsteller und Kinobesitzer, die Schund bieten. Wenige Tage darauf, am 10. Dezember, fand eine von dem Landesausschuß für Kinoreform einberufene Volksversammlung statt, überaus zahlreich besucht war und eine machtvolle Kundgebung gegen das Kino in seiner jetzigen Gestalt bildete„Alle politischen Parteien waren durch Redner vertreten, und selbst Frau Klara Zetkin trat mit einer flammenden Anklage gegen das sittenverderbende Kino Das Zentrum Von Frhr. von Landsberg. Was man nicht einzusehen vermochte, was man nicht wollte, war das, wofür der im politischen Leben in erster Reihe stehende Bischof Ketteler, dessen vaterländische Gesinnung und persönliche Ergebenheit gegenüber dem König von Preußen übrigens außer Frage steht, das Wort„Borussianismus“ geprägt hat. Darunter verstand er nach seinen eigenen Worten„eine fixe Idee über den Beruf Preußens, eine unklare Vorstellung einer Preußen gestellten Weltaufgabe, verbunden mit der überzeugung, daß dieser Beruf und diese Aufgabe eine absolut notwendige sei.“ Gegen dieses System zog man allenthalben in Wort und Schrift und vielfach mit großer Heftigkeit zu Feld. Daß es sich hier keineswegs um eine fixe Idee handelte, sondern zunächst um ein Recht der deutschen Stämme auf Einigung, sodann um eine Notwendigkeit, weil nur diese ein Weg gangbar war, das vermochte man nicht einzusehen, da es bekanntlich schwer ist, einzusehen, was man nicht wünscht. So erklärt es sich, daß im Jahre 1867 ein deutscher Bischof in der Öffentlichkeit sich bitter darüber beklagen konnte, daß allerorten Tankgottesdienste für die preußischen Siege gefeiert worden seien.„Wie muß Gott, so sagte er, in seiner ewigen Wahrheit und Gerechtigkeit den Versuch verabscheuen, ihn gewissermaßen zum Mitschuldigen solcher Menschentaten zu machen, die mit seinem ewigen Gesetze, mit seinem heiligen Gebote, mit seinem göttlichen Willen in Widerspruch stehen!“ Solche Worte werden durch die bereits gekennzeichnete Stimmung unter den deutschen Katholiken verständlich, sie waren aber schwer verletzend für diejenigen, für welche jene Taten die Erfüllung einer heiligen, vaterländischen Pflicht bedeutete, und denen der Gott dafür erstattete Dank aus aufrichtigem und frommem Herzen kam. Nun aber gilt es eine Frage zu beantworten, die von großer Bedeurung ist, und die, wenn man sie sich immer rechtzeitig vorgelegt und richtig beantwortet hätte, manches Mißauf. Ja, sie sprach geradezu von einer Kinopest und bezeichnete seinen Einfluß als verhängnisvoller denn den eines schlechten Fusels und der mit Recht verpönten Schundromane. Es ertönt der Ruf nach einem Kinogesetz mit Zensurbestimmungen, nach Sozialisierung und Kommunali= sierung des Kinos, vor allem aber nach seiner durchgreifenReformierung, Scharf ins Gericht ging man mit den gewissenlosen Filmfabrikanten und dem hinter ihm stehenden jüdischen und ausländischen Kapital, aber auch mit dem Kinopublikum, das sich den gemeinsten Schund und offenbaren Blödsinn Tag für Tag ohne Protest bieten läßt und dabei selber verflacht, verblödet und in Unmoral versinkt. Das Ergebnis der trotz verschiedener Störungsversuche von seiten der anwesenden Kinovertreter doch würdig und eindrucksvoll verlausene Versammlung war die nachstehende„Entschließung": Wir klagen das gegenwärtige Kino an, daß es unter dem Schein der Kunst und Aufklärung die zersetzenden Triebe unseres Volkes skrupellos aufreizt und ausbeutet, so daß es einen der gefährlichsten Seuchenherde unseres Kulturlebens bildet, und rufen daher alle, denen es um die Zukunft und Gesundheit unseres Volkes zu tun ist, auf, im Kampf um ein besseres Kino zusammenzustehen. Den sichersten Weg zur Veredelung des Kinos würden wir darin sehen, wenn Staat und Gemeinden selbst die Filmerzeugung und Filmvorführung in die Hand nehmen würden, um das Lichtspieltheater aus einem Geschäftsunternehmen zu einer Erholungs= und Bildungsstätte zu machen. Um aber die schreiendsten Mißstände sofort beseitigen zu können, schlagen wir für die Zwischenzeit folgende Maßnahmen vor: 1. Rücksichtslose Durchführung der Kinozensur im Sinne des Artikels 2 des württembergischen Lichtspielgesetzes, aber mit Ergänzung der bisherigen Zensurstelle durch eine verantwortliche Körperschaft, welche in völliger Unabhängigkeit von den Kinointeressenten aus Volkserziehern, Künstlern, Sachverständigen, sowie Vertretern des Elternhauses und der Jugendorganisationen zusammengesetzt sein müßte. Angesichts der bedenklichen Nachrichten über die geplante Reichsfilmzensur richten wir an das Ministerium des Innern die dringende Bitte, dieser Frage seine besondere Aufmerksamkeit zu widmen und auf unsere württembergische Landesgesetzgebung nicht zu verzichten, ehe uns das Reichsgesetz mindestens denselben Schutz gewährt. 2. Einführung der Bedürfnisfrage bei der Errichtung neuer Lichtspieltheater. 3. Errichtung von Musterkinos und Förderung aller schöpferischen Bestrebungen. Wir sind überzeugt, daß ein besseres Kino nur durch sen gemeinsamen Willen unseres Volkes geschaffen werden lann, und richten deshalb nicht nur an die Gesetzgeber und Zensoren, sondern vor allem auch an Künstler und Unterehmer, Zuschauer und Presse den Aufruf, mit aller Energie in der Gesundung unseres Lichtspielwesens mitzuarbeiten. K. Die Filmzensur. Bestkmmungen des Gesetzentourfer. Dem Reichsrat ist der„Deutschen Allgem. Ztg.“ zufolge jetzt vom Reichsministerium des Innern der „Entwurs eines Gesetzes, betreffend die Zensur von Bildstreisen für Lichtspiele(Filme)“, zugegangen. Nach§ 1 des Gesetzentwurses dürfen Bildstreisen(Filme) öffentlich nur vorgeführt werden, wenn sie von den amtlichen Prüfungsstellen zugelassen sind. Die Zulassung erfolgt auf Antrag und ist zu versagen„wenn befürchtet werden muß, daß durch die Vorführung des Bildstreifens die öffentliche Sicherheit gefährdet wird oder wenn der Bildstreifen geeignet ist, das religiöse Empfinden zu verletzen, oder durch Erregung niedriger Instinkte verrohend und entsittlichend zu wirken". Es können auch Teile der dargestellten Vorgänge zugelassen werden. Besonders aeregel; ist die Frage der Jugendvorstellungen. Von der Vorführung der Jugendlichen, d. J. Perfanen unter 17 Jahren, sind alle Bildstreisen ausgeschlossen, von denen eine schädliche Einwirkung auf die sittliche, geistige oder gesundheitliche Entwig, lung oder eine'eberreizung der Phantasie der IuDie Prüfung erstreckt sich auf die Bildstreisen selbst, den Titel und den verbindenden Text sowie die zur Vorführung gehörige Reklame an den Geschäftslokalen und. an den öffentlichen Anschlagstellen. Ausnahmsweise kann die Ortspolizeibehörde diVorführung verbieten, wenn auf Grund besonderer Verhältnisse die Annahme gerechtsertigt erscheint, das die Vorführung des Bildstreifens oder der Anschlag der Reklame in dieser Gemeinde durch ihre Wirkung auf die Zuschauer die öffentliche Sicherheit gefährden würde. Anderseits kann sie Bildstreifen über Tagesereignisse und so weit sie lediglich Landschaften darstellen, ohne weiteres zulassen. Die Genehmigung von Bildstreifen hat für das gesamte Deutsche Reich Zur Prüfung befugt sind Prüfungsstellen, die nach Bedarf an den Hauptsitzen der Filmindustrie errichtet werden und deren Zuständigkeit räumlich abgegrenzt werden soll. Als solche kommen nach der Begründung zurzeit nur Berlin und München in Frage Die Prüfungsstellen setzen sich aus Beamten und Sachverständigen zusammen; von letzteren soll je ein Drittel den Kreisen des Lichtspielgewerbes. den Kreisen in Kunst und Literatur bewanderter Personen sowie den Kreisen der aus dem Gebiete der Volkswohlfahrt, der Volksbildung und der Jugendpflege besonders erfahrenen Personen entnommen werden. Die Sachverständigen werden vom Reichsminister des Innern aus Grund von Vorschlagslisten der beteiligten Verbände auf die Dauer von drei Jahren ernannt. Die Prüfungsstelle entscheidet in der Besetzung von drei Mitgliedern, einem Beamten als Vorsitzenden und zwei Sachverständigen als Beisitzern: bei Prüsung der Bildstreifen für Jugendvorstellungen muß einer der Beisitzer den Kreisen der Jugendbildner entnommen werden. Gegen das Verbot eines Bildstreisens ist dem Antragsteller, dem Vorsitzenden sowie jedem bei der Entscheidung beteiligten Mitglied der Prüfungsstelle das Recht der Beschwerde innerhalb zwei Wochen gegeben. Die Oberprüfungsstelle die auf solche Beschwerden entscheidet, besteht aus fünf Mitgliedern, einem Beamten als Vorsitzenden und vier Sachverständigen als Beisitzern, von denen einer dem Lichtspielgewerbe, bei Jugendvorstellungsprüsungen zwei den Kreisen der Jugendbildner entnommen sein müssen. Die Entscheidung aus die Beschwerde ist endgültig. Ueber die Genehmigung eines Bildstreisens wird dem Antragsteller eine Zulassungskarte ausgestellt, bei Ablehnung ist ein schriftlicher Bescheid zu erteilen, der auf Antrag mit Gründen zu versehen ist. Die Prüsung der Bildstreifen und die Ausstellung der Karten sind gebührenpflichtig. Für Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des Gesetzes sind Gefängnisstrafen bis zu zwei Jahren und Geldstrafen bis zu 15000 Mk. oder eine dieser Strafen angedroht, im Falle der Fahrlässigkeit Geldstrafen bis zu 3000 Mark. Neben der Strafe kann auf Einziehung des Bildstreifens erkannt werden, ohne Unterschied, ob er dem Verurteilten gehört oder nicht. Bildstreisen, die vor Inkrafttreten des Gesetzes hergestellt und im Verkehr sind, sind innerhalb sechs Monaten nach Erlangug der Gesetzeskraft einer Prüfungsstelle vorzuführen, bis dahin unterliegt ihre Zulassung der Genehmigung der Ortspolizeibehörden. Neue Forderungen Beförderung russischer Soldaten an die Tenikinfront. Marschall Foch hat durch die Waffenstillstandskommission der deutschen Regierung mitteilen lassen, daß sich in Danzig 24 russische Offiziere und 157 Mann befänden, die nach Südrußland zu General verständnis und manche falsche Maßnahme verhindert haben würde, die Frage: was hat der Katholizismus als solcher, seine Lehren und Institutionen mit jener Haltung der deutschen Katholiken zu tun? Die Antwort muß schlechtweg lauten: nichts. Aus keiner Lehre der katholischen Kirche, aus keinem Erziehungsgrundsatz, keiner Erziehungspraxis läßt sich jenes Verhalten herleiten, aus keiner autoritativen Außerung kirchlicher Oberer, auch nicht— doch darauf werde ich später noch zurückkommen— aus der Abhängigkeit der deutschen Katholiken von Rom. Es ist nichts anderes als der einleitend von mir geschilderte alte deutsche Partikularismus, dem nur in diesem Falle der Unterschied der Konsessionen seine Wege gewiesen hatte. Nicht daß die Mehrheit evangelisch, die Minderheit katholisch, sondern daß sie überhaupt verschieden waren, war das Ausschlaggebende, und die Lage würde sich kaum ändern, wenn man die Rollen tauscht, und sich die führende Mehrheit katholisch, die Minderheit evangelisch denkt. Nicht einmal Gegensätze auf kirchenpolitischem Gebiete können als Grund angegeben werden, denn, abgesehen von vorübergehenden Reibungen in Bayern und am Rhein, war auf diesem Gebiet alles in Frieden geschlichtet, was wohl schon daraus hervorgeht, daß später nach der Reichsgründung die Forderungen des Zentrums darauf hinausliefen, daß die preußischen Einrichtungen, die sich seit 35 Jahren so trefflich bewährt hätten, schlechtweg auf das Reich übertragen werden sollten. Hätte man nur den Sitz der Gefahren immer richtig erkannt! Es mar ein verhängnisvoller Irrtum, und ist es wohl auch noch heute, wenn man glaubte, Katholizismus und Antinationalismus gleichsetzen zu können, weil viele Katholiken Gegner einer bestimmten nationalen Politik waren. Vom nationalen Standpunkt aus kann natürlich jene Gegenströmung durch ihre Herleitung aus einem Grundzuge des deutschen Charakters keineswegs als gerechtfertigt erscheinen; sie hatte schon manche Schwierigkeiten bereitet und barg auch für die Zukunft ernste Gefahren. Da kam der Krieg, der in Begeisterung alles einte, und mit ihm das Kaisertum, welches der äußere Ausdruck dieser innerlich bereits vollzogenen Einigung war und als solcher auch empfunden wurde; auch von den bislang Widerstrebenden. Alle konfessionell=partikularistischen Schranken waren gefallen. Man hätte hoffen können auf immer.— Aber in die Zeit der Reichsgründung fielen mehrere folgenschwere Ereignisse: Die Verkündung des Infallibilitätsdogmas(der Lehre von der Unfehlbarkeit) auf dem vatikanischen Konzil und die Gründung der Zentrumspartei, und daran schloß sich alsbald, teilweise schon als deren Folge, der Kulturkampf. über die Bedeutung der Infallibilität begegnet man noch heute, merkwürdigerweise auch in gebildeten, evangelischen Kreisen durchaus unzutreffenden Auffassungen. Daß dem Papst im Verein mit dem allgemeinen Konzil die Infallibilität zukam, ist eine alte katholische Lehre, die niemals strittig war. Das besagt, daß Papst und Konzil letztinstanzlich festzustellen haben, was zum Komplexe der Glaubens= und Sittenlehren gehört, die man annehmen muß, um zur katholischen Kirche zu gehören. Die Frage, die durch das Vatikanum entschieden wurde, war nur die, ob eine in diesen Dingen rom Papste allein unter Berufung auf seine höchste oberhirtliche Autorität getroffene Entscheidung auch als letztinstanzlich anzusehen, oder ob degegen noch eine Berufung an ein Konzil statthaft sei. Also eigentlich nur eine Kompetenzfrage der inneren kirchlichen Verfassung. Die Anti=Infallibilitätsbewegung in Deutschland entsprang daher auch weit weniger einer Gehorsamsverweigerung als ernsten wissenschaftlichen Bedenken auf dogmatischem, dogmengeschichtlichem und kirchenhistorischem Gebiet. Wir würden also hier, wo es um die Beziehungen des deutschen Katholizismus zu einer national gerichteten Politik zu tun ist, uns kaum mit dem Infallibilitätsstreu zu beschäftigen haben, wenn nicht Fürst Bismarck die Bestrebung der Antiinfallibilisten als einen Faktor in seine politischen Berechnungen eingestellt hätte, leider, wie zwir sehen werden, indem er ihn durchaus unrichtig bewertete. (Fortsetzung folgt.) Denikin transportiert werden sollten, und daran das Verlangen geknüpft, daß dieses Detachement auf dem nächsten Dampfer, der russische Kriegsgefangene von Hamburg nach Südrußland abbefördert, mitgenommen werden müßte. Die deutsche Regierung gerät durch diese Forderung der Entente in eine mißliche Lage; Rußland erwartet die Heimkehr seiner Gesangenen, und Deutschland ist durchaus bereit, diesem Wünsche zu entsprechen, zumal da ihm die Verpflegung und Unterbringung der Gefangenen selbst Schwierigkeiten bereitet. Für den Abtransport besteht gegenwärtig keine andere Möglichkeit als der Seeweg, und zwar auf Schiffen, die nur mit Genehmigung der Entente und nur unter deren Flagge fahren dürfen. Wenn die Entente, wie es jetzt geschieht, die Genehmigung zur Fahrt mit Leistungen verbindet, die im Grunde eine Verletzung der Neutralität bedeuten, so kann Deutschland sich trotz aller Bedenken dem nicht widersetzen, wenn es nicht auf den Abtransport der Gesangenen verzichten will Die deutsche Regierung kann bei dieser E blage gegenüber einem etwaigen Einspruch der rus sen Regierung nur ausdrücklich feststellen, daß sie#de Verantwortung für die ihr auserlegte Maßnahme voll der Entente überlassen wlsse. Gegenüber den Vorwürsen wegen angeblicher Zurückhaltung der russischen Kriegsgefangenen in Deutschland weist die deutsche Regierung darauf hin, daß sie nicht das geringste Interesse an dem Verbleib der russischen Kriegsgesangenen in Deutschland hat, schon aus dem einfachen Grunde, weil ihr hierdurch tägliche Unkosten von über ½ Million Mark entstehen. Die Transportschwierigkeiten für eine Heimschaffung sind nicht technischer, sondern politischer Art. Alle Verhandlungen deutscherseits sind bisher an dem Widerstande der Randstaaten gescheitert. Daß einzelne Schiffstransporte nach den Ländern am Schwarzen Meer abgehen, liegt einzig und allein daran, daß dieser Weg deswegen offen ist, weil die Londoner Admiralität hierzu, und zwar unter britischer Kontrolle jeden Transportes ihre Genehmigung erteilt. Ein drakonisches Arteil. Die Konfiskation der Röchlin schen Werke durch Frankreich. Auf Veranlassung der Reichsregierung wurden aus dem besetzten Gebiete Maschinen entnommen und den einzelnen deutschen Industriebetrieben, u. a. auch dem Betriebe der Firma Röchling, zugeteilt. Nach der Besetzung der Rheinlande durch die Franzosen wurde der eine der Gebrüder Röchling verhaftet und dann wieder auf freien Fuß gesetzt. Kurze Zeit darauf wurde er von neuem verhaftet und ist vor einigen Tägen durch ein französisches Gericht zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Millionen Fres. Geldstrafe verurteilt worden. Die gleiche Strafe wurde gegen seinen in Deutschland befindlichen Bruder ausgesprochen. Der„Vorwärts“ knüpst folgende Bemerkung an dieses ungeheuerliche Urteil: „Was die Gebrüder Roechling getan hätten, ist auf Veranlassung oder wenigstens unter aktiver Hilfe der damaligen Reichsregierung erfolgt, die für sie als oberste Instanz des Deutschen Reiches maßgebend sei. Wenn Frankreich eine sachliche Verfolgung der Angelegenheit am Herzen gelegen wäre, hätte es sich damit an die deutsche Regierung wenden müssen. So stelle sich das richterliche Vorgehen als ein ekelhafter Justizmord und als die Absicht dar, jeden deutschen Einfluß aus dem besetzten Gebiet hinaus zutreiben. Das Urteil ist in seiner Wirkung gleichbedeutend mit der Konfiskation der gesamten Rocchlingschen Werke durch Frankreich. Millionen Franken sollen die Gebrüder Rocchling zusammen bezahlen, das macht nach dem gegenwärtigen Stand der Währung fast 100 Millionen Mark aus. Da eine derartige Summe natürlich niemals bezahlt werden kann, nehmen die Franzosen die Roechlingschen Hüttenwerke in Beschlag und konfiszieren sie als Ersatz für die Geldstrafe. Das ist nackter Raub, ausgeführt von haßerfüllten Menschen. Auf ähnliche Weise kann Frankreich allerdings eine ganze Reihe von deutschen Fabriken unter Gewaltanwendung enteignen und sie französischen Kapitalisten in die Hand spielen. Rücksichtsloser ist wohl nie die Lüge von der Gerechtigkeit, die die Alliierten fortgesetzt im Munde geführt haben, entkleidet worden. Schamloser ist nie das Recht vergewaltigt worden.“ * Verhaftungen im Rheinland. Der französische Unterstaatssekretär für MilitärIgnace, der Spezialkommissar für die Auslieferungsgerichte, erklärte einem Vertreter des„Petit Journal“, die Schuldigen, wo und wer sie auch seien, würden rasch zur Verantwortung gezogen werden. Der Fall des Kaisers sei in London nicht berührt worden. Nach Inkrafttreten des Friedensvertrages werde die Auslieferungsliste unverzüglich an Deutschland abgesandt. In Frankreich amtiere seit 1916 ein Ausschuß, der die Fälle alle zusammenstelle: seine Hastbefehle hätten z. B. für die Rheinlande Gültigkeit. Dort seien schon eine Menge Verhastungen vorgenommen. Die Kriegsgerichte in Lille und Amiens hätten ihre Mitgliederzahl verdreifachen müssen. Der frühere Kronprinz auf der Auslieferungsliste. Aus London wird gemeldet, daß in den Verhandlungen der Alliierten bezüglich der Auslieferung der Kriegsschuldigen Fortschritte gemacht worden seien. Die Maßnahmen zur Sicherung der verlangten Personen seien beendet. Unter den von der französsischen Regierung verlangten Schuldigen befindet sich auch der frühere deutsche Kronprinz. Hochwassergefahr. Große Ueberschwemmungen am Ober= und MittekrheinDas Hochwasser hat in Süd= und Westdeutschland großen Schaden angerichtet. Die Kölner Pedie Bewohner von jedem Verkehr abgeschnikten und die Häuser durch die einflutenden Wassermengen gefährdet. Die in den Kellern aufgestapelten Wintervorräte sind verdorben oder weggeschwemmt worden. In den Userstraßen des Rheins muß der Verkehr durch Boote aufrechterhalten werden. Die Einwohner werden durch die Behörde zu den strengsten Sicherheitsmaßnahmen aufgefordert. Der im gesamten Rheingebiet und den Seitentälern angerichtete Schaden steigt ins Unermeßliche, besonders vom Oberrhein kommen Hiobsbotschaften. Das Hochwasser des Rheins bedroht die Stadt Kehl aufs schwerste. Die Notbrücke bei Kehl über den Rhein wurde von den Fluten fortgerissen. Am Rhein gelegene Teile von Straßburg und Kehl stehen kilometerweit unter Wasser. Die gefährdeten Stadtteile sind von französischen Truppen abgesperrt. Der Eisenbahnverkehr im Kehler Brückenkopf mußte eingestellt werden. Viele Ortschaften sind von der Hochflut betroffen und ganz überschwemmt. Alle Schwarzwaldbäche und Flüsse sind über ihre User getreten. Auch der Main und Neckar sind auf weite Strecken über ihre Ufer getreten und haben erhebliche Verkehrsstörungen hervorgerufen. Bei Frankfurt am Main richtete der Main unter den dort im Gange besindlichen Tiefbauarbeiten große Verwüstungen an. Strenge Kälte im Osten. In Nordostdeutschland sind wieder außerordentlich starker Schneesall, begleitet von starkem Frost, eingetreten. In Berlin sank das Thermometer in der Nacht auf Montag bis auf 14,2 Grad unter Null. Im Weichselgebiet erreichte die Kälte zur selben Zeit 20 Grad. Die Spree und die Havel führen ziemlich viel Eis. Auf der Oberspree haben mehrere beladene Kähne durch die Eisschollen Havarien erlitten und sind gesunten. Auch die Kohlenbeförderung auf dem Wasserwege wurde stark behindert. Im Gegensatz zu dieser strengen Kälte steht die auffallend warme Witterung, die in Süd= und Westdeutschland herrscht. Aachen hatte Montag morgen z. B. zehn Grad Wärme, so daß innerhalb der Grenzen Deutschlands ein Temperaturunterschied von über dreißig Graden beobachtet wird. Die Ursache dieser starken Temperaturunterschiede liegt in einem Tiefdruckgebiet, das von den britischen Inseln quer durch Mitteldeutschland gezogen ist. Nach seinem Abzuge hat sich der Himmel aufgeklärt, doch ist bereits ein neues Tiefdruckgebiet im Anzuge, das denselben Weg nehmen wird, so daß auf eine Aenderung dieser eigenartigen, für uns so unangenehmen Verhältnisse vorläufig nicht zu rechnen sein dürfte. Deutsches Reich — Der Oberkommandeur der britischen Rheinarmee teilt die sofort in Kraft tretenden Verfügungen mit, die erlassen wurden, um den legitimen Handel gegenüber dem Spekulanten= und Schiebertum zu schützen. — Der französische General Degoutte soll nach Inkrafttreten des Friedensvertrages zum Oberstkommandierenden der französischen, belgischen und britischen Besatzungsarmee in den Rheinlanden ernannt werden. — Die„Breslauer Zeitung", das führende Organ der deutsch=demokratischen Partei Schlesiens, kann am 1. Januar 1920 auf ein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. :: Der Verlust der Garnisonen. Das Reichsheer wird am 1. April 1920 gebildet werden. Nach dem Friedensvertrage darf es nur 96000 Unteroffiziere und Mannschaften stark sein. Ebenso wie seine Stärke ist durch den Friedensvertrag auch die Zahl der Verbände festgelegt.. Sie ist verschwindend gering gegen die des früheren Heeres. Daher werden am 1. April 1920 eine große Anzahl von Städten ihre Garnisonen verlieren. Diese Städte, besonders die, die seit langen Jahren, oft seit Jahrzehnten, dieselben Truppenteile in ihren Mauern beherbergt haben und deren Geschichte eng mit denen der Truppenteile verwachsen ist, werden hierdurch sehr empfindlich getroffen werden. Wir stehen aber hier vor unabänderlichen Tatsachen. Das frühere Heer ist aus Befehl der Reichsregierung aufgelöst. Der Friedensvertrag legt Deutschland auch militärische Fesseln an. Er muß durchgeführt werden. Für das verbleibende kleine Heer müssen die Garnisonen nach der Verwendungsmöglichkeit der Truppe und nach Ausbildungsgrundsätzen ausgesucht werden. Bei gleicher Bewerbung sprechen natürlich die alten Garnisonbeziehungen das erste Wort. Für die übrigen Garnisonorte besteht militärischerseits keine Möglichkeit, den Verlust der Garnison auszugleichen. :: Riesenkundgebung der Großberliner Staatsbeam= ten. Das Kartell Groß=Berlin des Deutschen Beamtenbundes hielt Sonntag vormittag mehrere von etwa 40 000 Beamten besuchte Protestversammlungen ab, in denen schärfste Verwahrung gegen die von Regierung und Nationalversammlung beschlossene Erhöhung der Teuerungszulagen um nur 50 Prozent(gegenüber den von der Organisation beantragten 150 Prozent) eingelegt wurde. Nach Beendigung der an allen Stellen sehr bewegt verlausenen Versammlungen bildeten die Tettnehmer einen großen Demonstrationszug, der sich über den Lustgarten, die Linden und Wilhelmstraße entlang zum Wilhelmplatz bewegte, wo er vor der Reichskanzlei und dem Reichsfinanzministerium geschlossen vorbeizog und sich dann auslöste. Eine Abordnung von vier Mitgliedern überreichte dann eine von den Versammlungen angenommene Entschließung in der Reichskanzlei und im Reichsfinanzministerium. :: R e i s e d e s M ü n c h e n e r R u n t i u s n a c h B e r l i n. Der päpstliche Nuntius Monsignore Pacelli hat sich nach Berlin begeben, um mit der Reichsregierung wegen der Neuerrichtung einer Nuntiatur in Berlin und wegen der Besetzung des Kölner erzbischöflichen Stuhles zu verhandeln. Der Nuntius fährt auch nach Köln, um dort über die Ernennung des Nachfolgers des Kardinals Hartmann Unterredungen zu pflegen. :: Die Hetze gegen Deutschland im besetzten Gebiet. Wie der„Frankfurter Zeitung“ gemeldet wird, wurde in der letzten Zeit im besetzten Gebiet das kleine Geschichtsbuch eines Majors Lepaut, Erzählungen für Jugend und Heer, sowie eine Schrift aus Saarbrückens Vergangenheit von Pros. Dr. D. E. Wiese, die ohne Angabe eines Verlages erscheinen, aber ganz hinten versteckt ihre Herkunst aus einer Pariser Druckerei verraten, vertrieben. Die Schriften haben gemein, daß sie sich anfangs den Anschein objektiver Darstellung geben, aber schließlich mit ihrem wahren Ziel herauskommen, das nichts anderes ist als die Verherrlichung Frankreichs und wüste Hetze gegen Deutschlands Vergangenheit und Gegenwart. :: Oberbürgermeisterwahl in Gotha. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Gotha erhielt Assessor Geyer in Köln, der Kandidat der Unabhängigen, 5953 Stimmen, der Erste Bürgermeister in Sagan, Scheffler, den die übrigen Parteien, einschließlich der Mehrheitssozialisten, als Kandidaten aufgestellt hatten, 11 168 Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 70 Prozent. — Der Antrag auf Uebernahme der Kohlengruben des Saargebietes durch den französischen Staat ist der französischen Kammer zugegangen. — Der bisherige ordentliche Professor an der Universität in Straßburg, Dr. Martin Spahn, der Sohn des Zentrumsführers Peter Spahn, ist zum ordentlichen Professor in der wirtschafts= und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität in Köln ernannt worden. — Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht die Ernennung des Oberbürgermeistrs Pohlmann in Kattowitz zum Präsidenten der Regierung in Magdeburg. — Der demokratische Abgeordnete Justizrat Moritz Bärwald, Mitglied der Nationalversammlung, ist in einem Berliner Sanatorium im 60. Lebensjahre gestorben. Bärwald, Sohn eines Kaufmanns, stammte aus Bromberg, wo er seit 1887 als Rechtsanwalt und später auch als Notar tätig war. — Unter dem Verdacht der Beteiligung an großen Lebensmittelschiebungen und Frachtbrieffälschungen wurde der kommunistische Rechtsanwalt Lamp in Elberfeld verhaftet. — Die Bewegung im Gastwirtsgewerbe gegen die neuen Wuchergerichte hat trotz vielfacher Beratungen der beteiligten Kreise mit den zuständigen Behörden noch kein Ergebnis erzielt, da alle Vorschläge sich vorläufig als undurchführbar erwiesen haben. :: L e u t s c h e G e i s t l i c h e a u f d e m W e g e n a c h F r a n k reich. Die Kommission der Geistlichen, die die Aufgabe hat, unsere kriegsgefangenen Brüder in Frankreich zu besuchen, um ihnen die treuen Grüße der Heimat zu überbringen, setzt sich aus sechs Mitgliedern zusammen, von denen drei der evangelischen und drei der katholischen Konfession angehören. Von evangelischer Seite nehmen Pfarrer Jaeckel, Groß=Lichterfelde, Pfarrer Le Seur und Pfarrer Dr. Schubert, Bexlin, an der Reise teil. Die katholischen Mitglieder der Kommission sind die Pfarrer Koch und Paffrath aus Paderborn sowie Pfarrer Schlüter aus Bigge an der Ruhr. Die evangelischen Geistlichen haben am Sonnabend abend Berlin verlassen, um sich über Köln vorerst nach Paris zu begeben; die katholischen Geistlichen werden ihne nvon Paderborn aus folgen. :: Amerikanische Hilfe für deutsche Kinder. Den schon bestehende großen amerikanischen Ausschüssen, die besonders in Boston, Chikago, Newyork, Milwaukes, Philadelphia, St. Louis und San Franzisko selbstständige Formen größten Stils angenommen haben, hat sich nun in Newyork ein neues Komitee hinzugesellt, das in enger Gemeinschaft mit dem Zentralhilfskomitee und dem Deutschen Roten Kreuz seine Aufmerksamkeit ganz der deutschen Kinderwelt widmen wird. Die führenden Namen der amerikanischen philantropischen und Geschäftswelt sind unter den Mitgliedern des Komitees zu finden. Es dürfte sich von allen Dingen darum handeln, die nach Angaben der Reichsgesundheitsamtes und des Reichsernährungsministeriums als wünsche iswert bezeichneten Zusatzrationen für Kleinkinder und Schulkinder regelmäßig nach dem Deutschen Reich zu liefern. Eine zweite Friedenskonferenz. Nach den Verhandlungen, die in den ersten Januortagen in Paris eröffnet werden, soll eine zweite Friedenskonferenz zusammentreten, deren Zweck die tatsächliche Erledigung einer Anzahl von Fragen ist, die von der ersten Konferenz hängen gelassen wurden, so der Friedensvertrag mit Ungarn und der Türkei, sowie die Adriafrage. :: Im Prozeß Erzberger=Helfferich ist der Beginn der Hauptverhandlung auf den 19. Januar angesetzt worden. Den Gegenstand der Anklage bilden die von Dr. Helfferich im Juli und August 1919 in der„Kreuzzeitung gegen Erzberger veröffentlichten Artikel, die von Dr. Helfferich danach zu einer Broschüre unter dem Titel:„Fort mit Erzberger!“ zusammengefaßt und mit einem Vorwort und Schlußwort versehen worden sind. Ferner ist ein Schreiben unter Anklage gestellt, das c. Helfferich am 10. August 1919 an Erzberger gerichtet hat und das auch in der„Kreuzzeitung" veröffentlicht wurde. Reichsfinanzminister Erzberger ist als Nebenkläger zugelassen worden. Die Zahl der zur Hauptverhandlung geladenen Zugen ist bisher eine verhältnismäßig geringe; es ist aber zu erwarten, daß die Beweismittel der Parteien zu weiteren Zeugenladungen Veranlassung geben werden. :: Der Arbeitsmarkt wird schlechter. Ueber die Lage des deutschen Arbeitsmarktes im November 1919 berichtet das vom Statistischen Reichsamt herausgegebene Reichsarbeitsblatt in seinem Dezemberheft wie folgt: Die Lage des Arbeitsmarktes hat sich weiter verschlechtert. Die Arbeitslosigkeit ist wiederum gestiegen. Nach den Feststellungen von 31 Fachverbänden, die für 4538°921 Mitglieder berichteten, waren im November d. J. 131 193 Milglieder oder 2,9 v. arbeitslos. Im November 1918 waren es 1,8 v. H. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen erhöhte sich am 1. Tezember auf 388 300 Personen, darunter 291 501 männliche und 96 799 weibliche Personen. Den größten Andrang der Arbeitsuchenden wies nach wie vor der Handel, das Nahrungsmittel= und Spinnstoffgewerbe auf. In der Landwirtschaft, die die Hackfruchternte infolge der starken Schneefälle zum Teil unterbrechen mußte, glich der Andrang männlicher Personen erstmalig der Zahl der angebotenen Stellen, währ end weibliche Arbeitskräfte nach wie vor stark gesucht werden. * Waggonweise Branntweinverschiebung. In Nürnberg sind 17 Waggons Heeresbranntwein, die nach Norddeutschland verschoben werden sollten, beschlagnahmt worden. Der Wert des Gutes beträgt etwa drei Millionen Mark. Rundschau im Auslande. * Die Abgeordneten von Elsaß und Lothringen haben sich zur Sicherstellung der wirtschaftlichen Interessen der beiden Provinzen zu einer Gruppe zusammengeschlossen. 2 Der französischen Kammer wird ein Gesetzentwurf zugehen, durch den vom 1. Januar ab die Mitteleuropätsche Zeit in Frankreich eingeführt wird. : Das Pariser Journal kündigt an, daß es vom 1. Januar an Privatbriefe, die Wilhelm lI. an Nikolaus II. in den Jahren 1894 bis 1914 gerichtet hat, veröffentlichen wende. : In der Gegend von Kamenetz=Podolsr(Ukraine) ist die Pest ausgebrochen. * Die Zivilbevölkerung von Odessa beginnt die Stadt wegen des schnellen Vordringens der Bolschewisten zu räumen. * Zwischen den Vereinigten Staaten und Japan wurde eine Einigung zu einem gemeinsamen Auftreten in Sibirien erzielt. : Die Verfügung Lansings, wonach die Waffen= und Munitionseinfuhr nach Mexiko verboten wird, bedeutet anscheinend die Einleitung einer scharfen Blockade gegen Mertko. : In Buenos=Aires(Argentinien) fanden Arbeiterunruhen statt. Auf den Staatsbahnen herrschen Teilstreiks; die Fabriken werden militärisch bewacht. * Belgien: Das Urteil gegen den Flamenführer Vorns. : Wie belgische Blätter melden, ist nunmehr an allen Straßenecken in Brüssel das Todesurteil gegen den Flamenführer August Borns angeschlagen worden. Das Todesurdeil wird aber nicht vollstreckt werden, und Borns ist bekanntlich schon nach dem Zuchthaus in Löwen übergeführt worden. Wenn also keine Begnadigung eintritt, wird er zeitlebens im Zuchthaus bleiben. Irland: Neuer Anschlag auf Lord French. : Aus Dublin wird ein neues Attentat auf Lord French gemeldet. Eine Bande von ungefähr 12 Mann drang in den Park des Vizekönigs ein. Ein Offizier der Wache und ein Mann der Angreifer wurden getötet. Vier Personen wurden beim Verlassen des Parkes fesegenommen.— Die Konserenz zur Erörterung der zwischen den Altierten zu regelnden Fragen wird vermutlich in London und nicht in Paris stattfinden. Wegen der irischen Frage ist es Lloyd George unmöglich, London zu verlassen. Es wird gemeldet, daß er deshalb die Verlegung der Konferenz nach London verlangt habe. Afrika: Der Aufstand im Suden. * Ueber die Vorgänge im Sudan meldet ein Telegramm des Marschalls Allenby, daß unter den Stämmen der südöstlichen Gegenden des Sudans eine gewisse Mißstimmung herrscht. In einer Provinz, deren Verwaltung Großbritannien obliegt, ereignete sich am 30. Oktober infolge eines Angriffs auf einen englischen Vorposten ein Zusammenstoß. Der Posten mußte sich zurückziehen. Später wurde eine starke Aufklärungsabteilung vorgeschickt. Diese Kolonne war Gegenstand eines überraschenden Angriffs. Zwei Maein sudanesischer Offizier und 23 Mann wurden getötet, verschiedene verletzt. Eine weitere Kolonne wird zur Bestrafung der Schuldigen entsandt werden, sobald die klimatischen Verhältnisse dies gestatten. Brasilien: 3000 deutsche Ackerbauer für Brasilien? ? Eine Nachrichtenagentur verbreitet die Mitteilung, daß die brasilianische Regierung 3000 deutschen Ackerbauern freie Ueberfahrt nach Brasilien versprochen habe, wenn sie bereit erklären wollten, in Brasilien als Kolonisten tätig zu sein. Sie sollten außerdem freie ärztliche Behandlung, die Zusicherung, daß sie wenigstens für ein Jahr Arbeit fänden, freie Erziehung ihrer Kinder erhalten und zu sehr günstigen Bedingungen Land ankaufen können. Die Kohlenförderung im Caargebiet unter französischer Leitung. Die Regierung hat der Kammer einen Gesetzentwurf unterbreitet zur Regelung der Kohlenförderung im Saargebiet. Die Ausbeutung der Bergwerke wird der staatlichen Regie unterstellt unter Verantwortlichkeit des zuständigen Ministers. Dem von diesem Minister zu ernennenden Direktorium wird ein Ausschuß von Groß=Industriellen und Arbeitern beigegeben. Das Monopol des französischen Staat tes soll sich auch auf die Verarbeitung der Kohle zu Koks und zu elektrischer Kraft erstrecken. I. Wochenbericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirtschafterats. Der Geschäftsverkehr war infolge der Feiertage unregelmäßig. Unverkaufte Ankünfte wurden wegen der Verkehrsunterbrechung im Hinblick auf die hohen Standgelder und die Beraubungsgefahr zu entgegenkommenden Forderungen abgegeben, ohne daß die Lage des bezüglichen Artikels sich schwächer gestellt hatte. Es bezog sich das besonders auf Hafer, der vor dem Weihnachtsfest in eingetroffenen Waggons mit 11 Mark für den Zentner, einzeln auch mit 115 Mark abgegeben wurde, während die Forderungen ab Station die gleichen und teilweise noch höhere waren. Die Kauflust der Kommunen und Nährmittelfabriken, wie West= und Süddeutschlands, hielt an. Für gute Speisehülsenfrüchte regt sich wieder die Kaufneigung. Wicken wie Peluschken werden zu Futterzwecken neuerdings wieder stärker gesucht. In ausländischen Erbsen, Bohnen und Linsen hatte sich zeitweise der Verkehr wieder mehr entwickelt zum Teil zu Preisen, die sich trotz der Valuta niedriger als die für Inlandsware stellen. Die Haltung für Stroh ist nach wie vor sehr fest. Auch für Heu hat sich die feste Situation erhalten. Für Möhren und gelbe Kohlrüben bekunden West= wie Süddeutschland gute Kauflust. Ihre Gebote bleiben indessen hinter den Forderungen des Ostens zurück. Neuerdings hat die Kälte naturgemäß das Geschäft in diesen und anderen frostempfindlichen Erzeugnissen wieder unterbrochen. Die neue Kleieverordnung läßt nun die Haferkleie, die bisher noch der alten Kleieordnung unterstand, für den Handel frei. Das bezieht sich allerdings nicht auf diejenige Haferkleie, die aus dem seitens der Reichsgetreidestelle behufs Verarbeitung gelieferten Hafermengen stammt. Daß Haferschalen verkehrsfrei sind, hat die Reichsfuttermittelstelle schon neulich anerkannt. Manche Mühlen verarbeiten die Schalen gleich in die Kleie hinein, so daß es sich erst zeigen muß, ob auch in Haferschalen ein nennenswertes Geschäft stattfindet. J Berlin, 29. Dezbr.(Börse.) Auch nach der fünftägigen Feiertagspause bekundete die Börse eine ausgesprochene Festigkeit, teilweise kam es am Kohlen= und Eisenmarkt, besonders bei Spezialwerten, zu erheblichen Preissteigerungen. Kriegsanleihe 77.50. Berlin, 29. Dezbr.(Warenmarkt.) Seradella 130—135, Lupinen 55—68, Hafer 114—118, Viktoriaerbsen 360—400, kleine Erbsen 300—360, Wicken 120—145, Peluschken 175—195, Pferdebohnen 180—200, Flegelstroh 15—16, Preßstroh 18—18.50 Maschinenstroh 15—15.50 für 50 Kilogramm ab Verladestation. Häcksel 21—22,50, Wiesenheu 32—35. Feldheu 36—39, Kleeheu 40—43 für 50 Kilogramm bahnfrei. Verschiedenes. * Französische„Treibjagd". Die„Neue Rhein. Korresp.“ meldet aus Cronberg: Am Heiligen Abend kurz nach 7 Uhr trafen fünf anscheinend betrunkene Franzosen in unserem augenblicklich unbesetzten Städtchen ein, kehrten in der Wirtschaft„Neu=Bau“ ein, belästigten den Wirt und die Gäste, trieben diese schließlich aus dem Lokal und machten auf sie mit blanker Waffe Jagd durch die Straßen der Stadt. Zur Wirtschaft zurückgekehrt, fanden die Franzosen diese verschlossen. Sie stiegen über den Staketenzaun, erAllen Christlich-Sozialen und allen Bekannten einen herzlichen Neujahrsglückwunsch! Gütersloh, 27. Dezember 1919. Studienrat Dr. Waltemath. Allen Freunden, Bekannten und Gesinnungsgenossen zum neuen Jahre herzlichen Segenswunsch! N. Gropp, Sekretär. Bielefeld, Am Lothberg 29. Eaterl. Mautzen für altes Ehepaar zum 1. April gesucht. Frau F. W. Hönig, Blotho a. d.., Herforderstr. 26. Ich suche für meinen Haushalt zum 1. Hebr. 1920 ein ält., christlich gesinntes Eromkadchen. Frau Pastor Dietrich, Königssteele bei Steele(Ruhr). Verviellilhgungs-Apperste Farbbänder, Kohle= und Durchschlagspapier, Griefordner, Ablegemappen, Ra#elbefter, Locher, FormularBüronadei, Klebstoffe, Glei= und Kopierstifte, Federn, Tinte, Schreibzeuge, Löcher, Stempelkissen und=Farbe, Geldkasseten und sonstige Kontorbedarfbartikel liefert preiswer: Thosder Lack, Börsbedartsartikel, Ossen, Ruhr, Langendeckstraße 8. echt Silber 45, Nickel. 38 Weckuhren 15, Alles Friedens ware. Bernh. Dierse Renteistr. 7. Dr. Hey’s giftfreie Kräuterkuren in Verbindung mit Hemöopathie. 1. Wer seinen Körper reinigen und das Blut erfrischen will, mache eine solche Kräuterkur. (Genaue Angaben über den derzeitigen Gesundheitszustand notwendig.) 2.„Frauenwohl“ zur Erleich. terung der Geburt. 8. Kräutermischungen gegen Gallenstein u. Leberschwellungen. Dr. Hey, früher Basler Missionsarzt, Bückeburg,(Sch.=Lippe). Haaraustall, Schuppen usw. beseitigt sicher — Dankschreiben über Heilerfolge zur Einsicht.— Weiss Haarpflege Viktoriastr. 10 Bielefeld Viktoriastr. 10. Rirchliche Nachrichten. Altstädter Kercho. Mittwoch abends 6 Uhr Silvestergottesdienst und Feier des hl. Abendmahls, Superint. Lappe.— Neujahr 10 Uhr P. Trautermann. Neustädter Kirche. Mittwoch (Silvester) abends 6 Uhr Vikar Rva. Beichte u. hl. Abendmahl. Abends 11½ Uhr Liturgische Feier zum Jahresschluß, P. Kuhle.— Neujahr vorm. 10 Uhr P. Kuhlo. Paaluskirche. Mittwoch(Silvester) abends 6 Uhr P. Schneider, Beichte u. Abendmahlsfeier.— Neujahr vorm 10 Uhr P. Schneider. Beichte u. Abendmahlsseier. ½12 Uhr Kindergettesdienst. Ev.=Reform. Kirche. Mittwoch(Silvester) abends e Uhr Silvestergottesdienst. Abends 8° Uhr Silvesterfeier für Schwerhörige, P. Mund.— Donnerstag 10 Uhr Neujahrsseier, P Conrad. Johanniskirche. Sylvester 8 Uhr P. Hammersomidt, Beichte und Abendmadl.— Neujahr 10 Uhr P. Knolle. Petrikivche. Mittwoch abend 8 Uhr Silvestergottesdienst, P. Kortmann.— Neujahr 10 Uhr Gottesdienst. 2½ Uhr Taufen Iskobus=Kirchensaal. Mittwoch 8 Uhr Silvesterandacht, P. Waubke. Beichte und Abendmahl.— Neujahr 10 Uhr P. Hesselmann. 11½ Uhr Taufen. Zionsgemeinde Bethei. Stlvester abends 7 Uhr Zion: P W. v. Bodelschwingh.— Neujahr vorm. 9 Uhr: P. Meyer. 10 Uhr: P. Oestreiche. Abends 7 Uhr: P. Jsleib. brachen die Hintertür und drangen durch diese gewaltsam ein. Der Wirt rief um Hilfe, aber die Polizei. sechsmal gerufen, getraute sich nicht herbei. Als die Hilferufe immer flehender wurden, geriet die angesammelte Volksmenge in Empörung. Eine Anzahl beherzter Männer brachte die wie wild sich gebärdenden Franzosen auf die Straße hinaus, worauf sie abzogen. Am ersten Feiertage erschien eine Kommission franzöfischer Offiziere und ließ fünf angesehene Cronberger Bürger festnehmen und wie Schwerverbrecher nach Königstein abführen. Andere Cronberger Bürger, deren Namen zwei deutsche Denunzianten verraten hatten, entgingen der Verhaftung durch die Flucht. ** Minengefahr infolge Sturmflut. Turch die letzten schweren Stürme, die in den vergangenen Tagen auf der See geherrscht haben, sind besonders auch in der Nordsee große Mngen von Minen von ihren Verankerungen losgerissen worden, wodurch die Schiffahrt sehr gefährdet wird. Der Führer des früheren Hamburger Tampfers„Mannheim“ hat, von Rotterdam kommend, am zweiten Weihnachtstage in der Zeit von —12 Uhr vormittags nicht weniger als 16 treibende Minen angetroffen. Auch im Mittelmeer sind Minen aufgetrieben. Nachrichten. Drohende Stillegung der Berliner Brauereien. Brauereigewerbe und Gastwirtestand befinden sich in einer schweren Krise. Nachdem das Reichswirtschaftsministerium kürzlich neue Höchstpreise für Bier festgesetzt hat, die von den Brauereien nicht für ausreichend erachtet und von den Gastwirten als zu hoch abgelehnt werden, haben sich die Schwierigkeiten durch eine erneute Lohnbewegung unter den Brauereiarbeitern noch vermehrt. Die Brauereiarbeiter haben zu ihren Löhnen eine wöchentliche Teuerungszulage von 50 Mark gefordert. Die Arbeitgeber haben sich daraufhin bereit erklärt, eine Teuerungszulage von 25 Mark zu bewilligen, jedoch nur unter der Voraussetzung, daß die Erhöhung des Bierpreises auf 65 Mr. für das Hektoliter tatsächlich durchgeführt wird. Die Gastwirte vertreten jedoch den Standpunkt, daß eine derartige Preisheraufsetzung unter Beibehaltung der gegenwärtigen minderwertigen Qualität des Bieres dem Publikum gegenüber nicht zu verantworten ist und drohen mit Verweigerung der Abnahme des verteuerten Bieres. Da alle Anzeichen dafür sprechen, daß eine Einigung, die sowohl Brauereiunternehmer, als auch Gastwirte und Brauereiangestellte befriedigt, nicht zustande okmmen wird, ist mit der Möglichkeit einer Stilllegung der Brauereien in kürzester Zeit zu rechnen. Gottesdienst in der Kathedrale von Reims. Die im Kriege arg mitgenommene Kathedrale von Reims, von der vielfach behauptet wurde, sie sei vollständig zerstört, ist nunmehr teilweise soweit hergestellt, daß in einem ihrer Teile der Gottesdienst wieder verrichtet werden kann. Am hl. Abend wurde die Christ=Mette in der Kathedrale durch den Erzbischof von Reims, Kardinal Lucon, zelebriert. Für den Inhalt verantwortlich: W. Kraa Bethel.— Druck und Verlag: Druckerei Bethel bei Bielefeld. Fernruf 74, Amt Bielefeld. Alle für die Redaktion bestimmten Zuschriften sind zu richten nach Bielefeld, Schließfach 141. Alles, was die Expedition betrifft, alle Inserate und Geldsendungen an die Geschäftsstelle: Missionar Heienbrok, Bethel bei Bielefeld, Postscheckkonto 7382 Hannover. Die Uhr der Zukunft ist die Leuchtuhr, weil sie auch nachts die Zeit bequem erkennen lässt. jede Uhr kann nachträglich in meiner Werkstatt mit Leuchtausstattung versehen werden. Fritz Böckelmann Ww. Am Markt 5. Bielefeld. Telefon 711. 20. 20. 45. Der Chr'stich-nationale Vereis e. V. Sitz Bielefeld die Förderung der Volksbildung und Volkswohlfahrt auf nationalem Grunde. Er möchte gern eine Sammelstelle der auf diesem Geviete allerorte gemachten Erfahrungen sein, um dieselben weiteren aubeitswilligen Kreisen zugänglich machen zu können. Auskunft erteilt Emil Martwig, Dozent an der Go# geltsch=sozialen Schule in Beihel bei Bieleseld. dis Staligartel=Sasttaumsstoe mii Eraturungn Neu durchgesehzener Luthertext mit Paralellstellen, Landkarten usw., Lexicen=Oktavformat, wird demnächst erscheinen in folgenden Ausgaben: Ende Dezember: Nr. 691. Halbleinen, Goldtitel, Farbschnitt, Futteral Nr. 636. Das Neue Testament allein in derselben Ausstattung, aber ohne Futteral Im Laufe des Januar: Nr. 693. Halbleinen Goldtitel, Deckenvergoldung, Goldschnitt, Futteral Nr. 694. Halbleder, Goldkreuz, Goldschnitt, Futteral Zu diesen Preisen kommt noch der Teurungszuschlag von 10° Porto und Verpackung. Freundliche Bestellungen erbittet die Buchhandlung der Anstalt Bethe bei Bielefeld. Gertilge unter Galant Ratten, Mäuse, Wut und Hamstermäuse, Schwaben, Wanzen, Russen u. s. w. — Besuch kostenlos. Kammerjäger Waterbö Bielefeld, Mellerstr. 5