Bezugspreis: erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis: vierteljährlich 2,40 Mk. Außerdem Bestellgeld. Nr. 299 Christlich-nationales Tageblatt mit der Sonntagsbeilage„Für Herz und Haus“. Herausgeber O. Taeger. Bielefeld=Bethel, Dienstag, den 23. Dezember 1919. Vor jedem steht ein Bild Des, das er werden soll; Solang' er das nicht ist, Ist nicht sein Friede voll. Kopenhagen und London. Die Verhandlungen in Kopenhagen, welche vom 25. November bis zur zeitweiligen Abberufung des englischen Vertreters O' Grady etwa am 10. Dezember gedauert haben, bilden einen wichtigen Markstein in der Geschichte SowjetRußlands. Sie sollten offiziell nur zur Regelung des Gesangenenaustausches dienen und über diese Frage soll nach der Rückkehr von O' Grady weiter verhandelt werden. Daß aber mehr geplant war, geht schon aus der Sendung Litwinows, eines der besten Köpfe aus Lenins Umgebung, hervor. Er hat keinen Zweifel darüber gelassen, daß Rußland mit Amerika und England in gute Beziehungen zu kommen wünsche, um das wirtschaftliche Leben durch fremdes Kapital wieder in Fluß zu bringen. Wirtschaftliche Gesichtspunkte sind für die Bolschewisten ausschlaggebend gewesen. In einer Reihe von Veröffentlichungen hat sich der Volkskommissar für auswärtige AngelegenTschitscherin sehr entgegenkommend gegen England ausgesprochen, den versöhnlichen Ton in Lloyd Georges Suildhall=Rede anerkannt und versucht, einen Keil zwischen England und Frankreich zu treiben, indem er die Engländer auffordert, sich nicht allzu sehr in das französische Schlepptau nehmen zu lassen. Um Deutschland hat man sich während der ganzen Verhandlungsperiode wenig gekümmert. Wenn man den englischen Sachverständigen für Sowjet=Rußland Glauben schenken darf, so bestand bei den Bolschewisten bisher auch keine Neigung, sich Deutschland zu nähern, wahrscheinlich weil es ihnen wirtschaftlich nicht stark genug ist. Oberst Malone gab die für englische Ohren beruhigende Erklärung ab:„Solange hervorragende Mitglieder der englischen Regierung den Frieden mit Sowjet=Rußland für wünschenswert hielten, solange noch keine endgültige Ablehnung von englischer Seite erfolgt sei, beabsichtigt die Gowjetregierung nicht, die Verbindung mit Deutschland aufzunehmen.“ Litwinow hat von Kopenhagen aus der englischen Regierung tatsächlich ein Friedensangebot übermittelt. Der 7. allrussische Sowjet=Kongreß hat erklärt, daß es sich um ein„reelles Friedensangebot“ handele. Die Bedingungen werden die gleichen gewesen sein, wie bisher immer. Rußland bekennt sich zu seinen auswärtigen Verpflichtungen, verzichtet auf bolschewistische Propaganda und Einmischung in fremde Angelegenheiten, erkennt alle auf russischem Gediet bestehenden Regierungen an, fordert von England ein gleiches und verlangt für alle Glieder der Sowjetrepublik keien Verkehr mit dem Ausland. Daß die Blockade aufgeheben und alle Truppen zurückgezogen werden müssen, ist selbstverständlich. Das Friedensangebot ist abgelehnt. Harmsworth, der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, erklärte dem Untechaus, man habe den Brief Litwinows ungeöffnet zurückgeschickt, da die englischen Vertreter nicht den Auftrag gehabt hätten, verartige Anträge Rußlands überhaupt entgegenzunehmen, und Llcyd George fügte hinzu, daß an einen Frieden mit Rußland nicht eher zu denken sei, als bis in Rußland selbst der Friede zwischen den feindlichen Parteien hergestellt käre. Trotzdem wird man in der Ablehnung keinen endgültigen Bruch Englands und Rußlands sehen dürfen. England kommt es in erster Linie darauf an, wirtschaftlich in Rußland Beden zu fassen und damit ist auch den zu großen Konzessionen bereiten Russen jetzt am meisten gedient. Eine * gelrechte diplomatische Verbindung ist ja nicht unerläßliche Vorbedingung für die Anknüpfung von HandelsKziehungen. Der englische Kaufmann wird sicher auch ohne den Abschluß des Friedens versuchen, in Rußland wirtschaftliche Err berungen zu machen und dadurch die politische Verständigung onbahnen. Die Ablehnung des Friedensangebotes, die übrigens von Litwinow nur als eine Formalität betrachtet wird, steht im engsten Zusammenhang mit dem Besuch Clemen ceaue in London. Die Behandlung der russischen Frage hat dort auch eine große Rolle gespielt In ihr bistand eine starke Spannung zwischen der englischen und französischen Regierung. Die französische Presse varnte die E gländer fortgesetzt vor den Frieden mit Rußland und vor„abenteuerlichen Verbindungen“. Von eire Lersöhnung mit den Bolschewisten will man in Pari= nichts wissen und am wenigsten Clemenceau, der ja seine Wahl unter dem Schlagwort„Gegen den Bolschewismus“ geronnen hat. Auch die russischen Hinweise, daß erst durch den Frieden die Aussicht auf die Begleichung der großen französischen Schuld zunehme, hat in Frankreich keinen Eindruck gemacht. Man traut dem bolschewistischen System die Kraft der wirtschaftlichen Erneuerung nicht zu. Mit einem schwachen Rußland ist aber den Franzosen nicht gedient, da sie einen Schutz gegen Deutschland im Osten für dringend nötig erachten. Der Gegensatz zwischen den englischen und französischen Interessen ist leicht zu erkennen, wenn man bedenkt, was man hüben und drüben des Kanals fürchtet und wovor man sich schützen will. Frankreich starrt wie vernairt auf den nunmehr geschlagenen Erzfeind und sucht nach Bundesgenossen für den Fall seiner Erstarkung. Darum will es ein mächtiges Rußland haben und sucht von der Notwendigkeit eines solchen auch die Engländer zu überzergen. Doch Llond George will sie nicht recht anerkennen. Er hat sich erst in seiner Rede vom 17. November wieder auf Lord Beaconsfield berufen; dieser hat aber„ein großes, gigantisches, kolossales Rußland, welches immer größer wird und sich gletscherartig auf die Grenzen von Persien, auf Afghanistan und Indien bewegt, als die größte Gefahr bezeichnet, welcher das britische Weltreich ausgesetzt werden könnte.“ Der französische Temps, dem diese Erinnerung großen Verdruß bereitet hat, sucht, aber wahrscheinlich vergeblich, die englischen Freunde davon zu überzeugen, daß sich auch ein Lord Beaconsfield irren könne. Die endgültige Regelung der russischen Frage, die den Ententepolitikern großes Kopfzerbrechen bereitet, ist auf das Frühjahr verschoben. Vorläufig hat man sich französischen Nachrichten zufolge auf einer mittleren Linie geeinigt. Weder die Bolschewisten noch die Gegenrevolution sollen in Zukunft unterstützt werden, man will sich vielmehr völlig neutrtl verhalten. Diese Regelung bedeutet ein Opfer des französischen Interventionismus, der auch in England noch einige Sympathien hat, ebenso aber auch einen Verzicht auf englisch=russische Verständigung. Politisch sah sich also England zum Nachgeben gezwungen, da es sonst allein gestanden hätte. Man muß die Londoner Verhandlungen mit den übrigen wichtigen Ereignissen der großen Politik zusammen betrachten. Sie fanden unmittelbar nach der Abreise der amerikanischen Friedensdeligation statt. Am selben Tage, wo Herr Polk mit seinem Stabe in Brest den Dampfer bestieg, fuhr Herr Clemenceau nach London, und kurz zuvor war O' Grady aus Kopenhagen zurück berufen. Mit der Abreise der Amerikaner sind die Pariser Verhandlungen in ein neues Siadium getreten. Amerika lockert seine Beziehungen zu Europa. Um eine ernstliche Spannung mit ihm zu vermeiden, muß es also mit doppelter Vorsicht behandelt werden. Einem Frieden mit Rußland ist man aber in man aber in Washington, wo die Angst vor dem Bolschewismus sehr groß ist, völlig abgeneigt. Auch Japan, das erst kürzlich mit Koltschak ein Abkommen getroffen hat, und nach Churchills Angaben im Unterhaus die stärkste Truppenmasse in Rußzland(Sibirien) besitzt, widersetzt sich einer Verständigung mit dem Bolschewismus, was bei seiner ausgesprochen aristokratischen Regierung nicht verwundern kann. An beiden Ländern hat also Clemenceau Bundesgenossen und England mußte unter ihrem Druck darauf verzichten, politische Vereinbarungen mit Litwinow zu treffen. Es ist vorläufig noch viel zu tief mit den Angelegenheiten seiner Verbündeten verwickelt, als daß es ohne Rücksicht auf sie nach eigenem Ermessen handeln könnte. Daß man aber in England mit einer Erstarkung der künftigen Sowjetregierung rechnet und endgültig darauf verzichtet hat, sie zu bekämpfen, zeigt die Mitteilung an die baltischen Staaten, daß man ihre„Verhandlung“ mit Sowjet=Rußland keine Schwierigkeiten in den Weg legen würde. Diese in Dorpat gepflogenen Verhandlungen sind zwar noch nicht zu einem endgültigen Abschluß gekommen, vielmehr bis zum Ende des Monats vertagt worden. Gie wurden auf russisches Seite von Joffe, der auch in Brest=Litowfk verhandelte, dem deutscher Schutzhaft entlassenen Radek und Krassin geführs. Neuerdings wird der aufrichtige Friedenswille der Bolschewisten bezweifelt. Man behauptet, sie haben es nur an Zersplitterung der baltischen Staaten abgesehen. Viel ist bisher nicht erreicht worden. Finnland, Polen und die Ukraine haben sich überhaupt nicht beteiligt. Lettland und Litauen sind anscheinend wieder zurückgetreten und mit den Esten gab es Schwierigkeiten über die Grenzregulierung. Wenn aber die Entente wirklich darauf verzichtet, die Randstaaten gegen Sowjet=Rußland zu stützen, werden sie sich schließlich doch zu einer Verständigung bereit zeigen müssen. England hat sicher ein Interesse an der Beruhigung des Landes, damit es sich um so eher in den Ostseeprovinzen festsetzen kann, um von dort aus Rußland mit seinen Handelsunternehmungen zu überfluten. Schwache, aber doch mit Rußland in Frieden lebende Staatsgebilde an der Ostseeküste sind für England das Günstigste, und darum wird es dort einen politischen Schwebezustand aufrecht zu erhalten suchen. Indem es den Frieden mit den Randstaaten begünstigt, erweist es sich auch den Bolschewisten gefällig, ohne deshald mit seinen Verbündeten brechen zu müssen. Es kummt ihm eben alles darauf an, Rußland Entgegenkommen zu zeigen, um es nicht in die Arme Deutschlonds zu treiben und die Wiederholung der ihm so gefährlichen Bismarckschen Politik zu vermeiden. Das hat besonden Winston Churchill offen ausgesprochen. Aus diesem Grunde ist er aich für eine mildere Behandlung Deutschlands im Westen eingetreten. England will ein befreundetes, aben schwaches und von ihm wirtschaftlich und politisch abhängiges Rußland. Da ihm die Bolschewisten jetzt stark genug zu sein scheinen, die Ordnung im Lande aufrecht zu erhalten und einen wirtschaftlichen Aufschwung herbeizuführen, andererseits aber nicht für so mächtig gehalten werden, daß man d schon fürchten könnte, so sucht England ihre Notlage auszunutzen, indem es das an sich reiche Land unter die Botnüßigkeit seines Kapitals bringt und es dadurch auch vol#tisch von sich abhängig macht. Von dieser wohldurchdachten Politik wird es sich auch nicht durch seine Bundesgenossen albringen lassen. Sie kann nur durch eine england=seintliche, nationale Strömung in Rußland selbst zunichte gemacht werden, daß eine solche kommen kann und wird,# sehr wahrscheinlich, aber bisher noch nicht zu erkennen. Tritt sie ein, dann ist es für uns Zeit, sie zu unsern Gunsten auszunutzen. Darauf wird stets unser Augenmerk gerichtet sein müssen. H. 2. Werk von Die Keitik eines englischen Sachverständigen. Unter dem Titel„Die wirtschaftlichen Folgen des Friedens“ ist, wie die Frankfurter Zeitung" schreibt, bei Mac Millan in London ein Buch erschienen, in dem der Verfasser I. Maynard Keynes vom Standpunkt des Wirtschaftspolitikers aus darlegt, daß die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages unheilvoll für Europa und die Welt sein müßten. Keynes, Volkswirtschaftslehrer an der Universität zu Cambridge, ist berufen, sich über diesen Gegenstand zu äußern, denn er war der englischen Friedensdeleggtion als sachverständiger Vertreter des Schatzamtes zugeteilt, legte aber, wie auch einige amerikanische Delegationsmitglieder, sein Amt, nieder, als es offenbar wurde, daß keine Hoffnung mehr auf eine substantielle Anderung im Entwurf des Friedensvertrages bestand. Im ersten Teil des Buches schildert der Verfasser, wie in Wirklichkeit die Beratungen in dem Quartier des Präsidenten Wilson, wo der Viererrat gewöhnlich seine Sitzungen abhielt, vor sich gingen, wie nämlich„drei ältere Herren und ein sehr alter und zynischer Mann“ unter sich die Geschicke der Menschheit bestimmten. Keynes enthub den Friedensvertrag als ein Werk, das in Heuchelei und Unehrlichkeit wurzele.„Der Viererrat schenkte diesen Dingen(den Leiden Mitteleuropas) keine Aufmerksamkei, da er mit anderen Sachen beschäftigt war, nämlich Euwenceau mit der Vernichtung des Wirtschaftslebens d# Feindes, Lloyd George mit dem Gedanken, ein Gesetz zu machen und etwas mit nach Hause zu bringen, das wenigstens für die Dauer einen Woche sehen lassen und Präsident Wilson mit der Aufgabe, nichts zu tun, was nicht gerecht und richtig wäre. Es ist eine außerordentliche Tatsache, daß das fundamentale wirtschaftliche Problem eines vor ihren Augen verhungernden und auseinanderfallenden Europas, die eine Frage war, für die das Interesse der vier nicht geweckt werden konnte.“ Der Verfasser kennzeichnet ferner die Felgen des Friedensvertrages, wie sie heute, kaum sechs Monate nach Versailles, in die Erscheinung treten, richtig, wenn er sagt: „Der Vertrag enthält keine Bestimmungen, die die wirtaftliche Wiederherstellung Europas bezwecken; er enthält nichts, was die geschlagenen Mittelmächte zu guten Nachbarn machen, die neuen Staaten Europas pazifizieren und Rußland bekehren würde.“ Keynes nennt den Friedensvertrag in seiner gegennäitigen Form ein Todesurteil für Millionen von Menschen, eine Greueltat, vor der alle Kriegsgreuel verblassen. Er fordert eine Revision des Vetrages, eine internationale Lösung der europäischen Finanzfragen, die Aushebung aller Blockaden, Friedensschluß mit Rußland, Wiederbelebung der deutschen Industrie, von der die Wiederbelebung des größten Teils von Europa abhänge, und wirtschaftliche Reorganisation Rußlands durch Deutschland Wayfairer bezeichnet das Buch in der„Nation“ als einen Donnerschlag und den ersten scharfen Sruß, den die Intellektuellen in ihrem Kriege gegen die Staatsmänner abgegeben hätten. D. A. 3. Englische Verteidigung des Der frühere Erste Lord der britischen Admirali= tät, Fisher of Kilverstone, hat seinen überaus interessanten„Memoiren“ einen zweiten Band,„Records“ benannt, folgen lassen. Hierin zitiert er über den„=Boots=Handelskrieg“, den Wortlaut einer Denkschrift, die er erst drei Monate vor Ausbruch des Krieges dem Premierminister Asquith vorgelegt hat. Ihr Inhalt zeigt, wie die„V..“ mitteilt, daß die von englischer Seite so oft als„barbarisch“ bezeichneten deutschen Kriegsmethoden vom Ersten Lord der englischen Admiralität über Seekriegsfragen als richtig bezerchnet wurden, noch ehe sie in Anwendung gebracht worden sind. Aus dem Inhalt der Denkschrift sei hier wiedergegeben: „Ferner erhebt sich die Frage, was ein Unterseeboot gegen ein Handelsschiff, das es trifft, ausrichten kann. Es kann das Handelsschiff nicht kapern; denn es hat keine Leute übrig, die es als Prisenmannschaft an Bord schicken kann. Ein Unbrauchbarmachen der Maschinen oder Schrauben würde wenig oder nichts nützen. Es kann es nicht in einen Hafen geleiten, kurz, es ist für das Unterseeboot unmöglich mit dem Handelsschiff nach den Vorschriften des anerkannten Völkerrechts zu verfahren. Unter diesen Umständen ist anzunehmen, daß das feindliche Unterseeboot diese Vorschriften unbeachtet lassen und jedes Fahrzeug versenken wird, das nach einem englischen Handelshafen fährt, auf alle Fälle jedes, das bewaffnet ist oder Bannware befördert. Es bleibt dem Unterseeboot nichts anderes übrig, als seine Prise zu versenken, und deshalb muß man zugeben, daß(angenommen, es geschieht, so unmenschlich und barbarisch es erscheinen mag) diese Unterseebootdrohung wahrhaft fürchterlich ist für den englischen Handel wie für England. Das Wesen des Krieges ist Gewalt. Mäßigung im Kriege ist Blödsinn... Dazu kommt, daß das anscheinend harmlose Handelsschiff bewaffnet sein kann, und dan hätte das Unterseeboot sich selber geliefert, wenn es von der Versenkung Abstand nähme. In diesem Lichte gesehen, ist die neuerliche Bewaffnung der englischen Handelsschiffe unglücklich; denn sie gibt dem feindlichen Unterseeboote eine ausgezeichnete Entschuldigung(wenn es einer bedürfte), sie zu versenken, nämlich die der Notwehr gegen die Geschütze des Handelsschiffes. Die Antwort auf all das Vorstehende kann nur sein, daß(so barbarisch und unmenschlich es erscheint), wenn das Unterseeboot überhaupt gegen den Handel ringesetzt wird, es feine Prisen versenken muß.“ Ludendorff'sche Fürsorgetätigkeit als Generalquartiermeister. Wie wir schon kürzlich ausführten, halten wir Ludendorff für eine politisch neutrale Persönlichkeit. Wir glauben, diese Behauptung durch Außerungen des Generals genügend gestützt zu haben. Er lehnt es ausdrücklich ab, sich irgend einer politischen Partei zu verschreiben. Er will weder „Reaktionär“ noch„Demokrat“ sein und doch ist er als „Reaktionär“ verschrien worden. Aus welchen Gründen das geschah, haben wir in dem betreffenden Aufsatz bereits dargelegt. Heute möchten wir die Fürsorgetätigkeit des Generals schildern, aus der hervorgeht, daß Ludendorff, weit davon entfernt Reaktionär zu sein, vielmehr der erste soziale Feldherr genannt werden könnte. Wir folgen dabei den Ausführungen von Dr. Spickernagel, der in seinem lesenswerten Büchlein über Ludendorff(Staatspolitischer Verlag, Berlin) der Fürsorgetätigkeit des Generals ein besonderes Kapitel widmet. An erster Stelle wird da der vaterländische Unterricht erwähnt, den Ludendorff, da von der Reichsleitung nichts geschah, die Stimmung des Heeres zu heben, in letzter Stunde anordnete und der gewissermaßen als„strategische Arshilfe“ angesehen wurde. Zweck des vaterländischen Unterrichts war eine staatsbürgerliche Aufklärung über die Ursachen des Krieges und die militärische und wirtschaftliche Lage Deutschlands sowie über den Vernichtungswillen unserer Gegner. Die eigentliche Unterrichts= und Vortragstätigkeit wurde ergänzt durch Verteilung von gutem Lesekoff, wobei Schriften von sozialdemokratischen Verfassern bevorzugt wurden. So wude z. B. die Rede, die der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. David am 6. Juni 1917 in Höchstgrenze für Mietspreise. Gemeinden beschließen die Höchstgrenze für Mietzinssteigerungen. Das Preußische Ministerium für Volkowohlfahrt verössentlicht eine Verordnung, die eine Höchstgrei ze für Mietzinssteigerungen festsetzt. Die Verordnung tritt sofort mit ihrer Veröffentlichung in Kraft. Nac der Verordnung haben die Vorstände der Gemeinden über 200 Einwohner, im Einvernehmen mit den Vorsitzenden der zuständigen Mieteinigungsämter binnen vier Wochen eine Höchstgrenze für Mietzinssteigerungen festzusetzen. Die Festsetzung soll nach Anhörung eines von den Gemeindevertretungen gewählten zur Hälfte aus Hausbesitzern, zur Hälfte aus Mietern bestehenden Ausschusses von höchstens zehn Personen erfolgen. Für Neubauten, die nach dem 1. Januar 1917 fertiggestellt worden sind, gilt die Verordnung nicht. Die festzusetzende Höchstgrenze der Mietsteigerungen hat in einem prozentualen Zuschlag zu dem am 1. Juni 1914 vereinbarten Mietzins zu bestehen..... gistungigge Kest Gegen die neue gestsetzung des Mierpreises stehl der Kommunalaufsichtsbehörde binnen zwei Wochen nach Einreichung des Vorschlags ein Einspruch zu, auf Grund dessen die Gemeindevorstände aufs neue über die Höchstgrenze zu beschließen haben. Ergibt sich auch dann keine Einigung, so entscheidet ein Sachverständigenausschußz. Ueber die Form des Verfahrens enthält die Verordnung eingehende Bestimmungen. B 6 5 Wesentlich ist die wettere Bestimmung, daß nundigungen zum Zweck der Mietsteigerung von jetzt ab bis zur Veröffentlichung der Beschlüsse der einzelnen Kommunen unwirksam sind. Die laufenden Mietverträge bleiben insofern unberührt, als sie die zulässige Höchstgrenze nicht überschreiten. Im übrigen ermäßigen sich die Mieten vom nächsten Mietzahlungstermin nach Bekanntmachung der Beschlüsse der Kommunen auf die zulässige Höchstgrenze. Bei Neuvermietungen hat der Vermieter dem Mieter frühere Mietverträge vom 1. Juni 1914 vorzulegen oder sonst den damals erhaltenen Mietpreis nachzuweisen. Die Bestimmungen der Verordnung vom 22. Juni 1919 über Warmwasserversorgung und Zentralheizung bleiben in Gültigkeit. Die Verordnung trifft besondere Bestimmungen für den Fall eines Streites über die Kosten dieser Versorgungen. Die Kosten für Heizung und Warmwasserversorgung sind zu bestimmten Terminen auf die ein zelnen Wohnungen nach einem vom Gemeindevorstande bestimmten Maßstabe umzulegen. Bei Beschaffung und Verwendung des Heizmaterials wird einem Mieterausschuß ein Mitwirkungs= und Kontrollrecht eingeräumt. Alle Verträge, die unter Ueberschreitung der Höchstgrenze des Mietzinses abgeschlossen sind, sind unwirksam. Nur im einzelnen Falle kann dem Vermieter auf Antrag für einen festzubestimmenden Zeitraum durch das Einigungsamt ein über die Höchstgrenze hinausgehender Zuschlag zur Miete zugebilligt werden, wenn er nachweist, daß er sonst unverschuldete Zubußen leisten müsse oder daß ihm durch bauliche Instandsetzungsarbeiten oder durch Erhöhung der öffentlich rechtlichen Grundstücksabgaben sonst Schaden erwachsen würde. Auch die Untervermietung von Wohnungen oder Wohnungsteilen, sowie die Vermietung von möblierten Wohnungen unterliegen inbezug auf die Höhe des Mietpreises sowie die Vergütung für Rebenleistungen den Bestimmungen der neuen Anordnung. Den Gemeinden wird die Pflicht auferlegt, Mieteinigungsämter, soweit sie noch nicht bestehen, unverzüglich einzurichten. Der Zusammenschluß verschiedener Gemeinden zu diesem Zwecke ist zulässig. Die Beisitzer dieser Einigungsämter sind unver üglich zu wählen Ernannte Beisitzer scheiden aus dem Amte aus. Nähere Bestimmungen über die Wahlen hat der Kommunalverband zu treffen. Heimkehr der Kriegsgefangenen. Beginn der Heimbeförderung mit Intrafttreten des Friedens. Aus Paris kam die Nachricht, daß die Antwort note der Entente auf die letzte Note der deutschen Regierung vom 15. Dezember fertiggestellt sei und das diese Note die Zusicherung der Rückkehr der Kriegsgefangenen und ein Verzeichnis derjenigen Personen enthalte, die sich nach Ansicht der Alliierten während des Krieges Verbrechen zuschulden vommen beStockholm vor dem holländisch=skandinavischen Friedenskemitee gehalten hat, in Massenauflagen an der Front verbeeitet. Ferner wurden Schriften der Sozialdemokraten Crhen. Lensch, Fendrich, Winnig u. a. von den Leitern, des vaterländischen Unterrichts vorzugsweise vertrieben. Zu den Vorträgen wurden neben sozialdemokratischen Abegeordneten und Gewerkschaftsführern auch leitende Persönlichkeiten aus den Kreisen der Fortschritts=Partei, wir Frl. Gertrud Bäumer und Fr. Naumann herangezogen, und auch Zentrumsdemokraten wie Stegerwald und Giesberts waren in hervorragender Weise an der vaterländischen Aufklärungsarbeit beteiligt. Im Anschluß an den vaterländischen Unterricht wurden Mannschafts=Lesestuben eingerichtet und die Belehrung und Unterhaltung der Truppen auch durch regelmäßige Schauspiele und Filmvorführungen unterstützt. Ferner konnten die Mannschaften sich in eigens dazu geschaffenen Beratungsstellen Rat und Auskunft, insbesondere Rechtsauskunft holen. Der Umfang dieser mit dem vaterländischen Unterricht verbundenen Wohlfahrtspflege ist deutlich ersichtlich an einem kleinen Beispiel, das Dr. Cassel in der „Vossischen Zeitung“ aus seiner Tätigkeit mitgeteilt hat. Demnach wurden in einem einzigen Armeebereich durch den Leiter der Aufklärungstätigkeit unterhalten: 1 Armeezeitung, 3 Offiziersheime, 70 Soldatenheime, 40 Leseräume, 41 Feldbuchhandlungen, 30 Kinos, 83 Leihbüchereien, 15 Sportplätze, 51 Beratungsstellen für Rechts=, Wirtschaftsund Fürsorgefragen und schließlich 3 große ständige Theater. Dabei war es Ludendorffs ausdrücklicher Wunsch, wie er in seiner Verfügung vom 15. 9. 17 verordnete, daß diese für die Fürsorge der Mannschaften getroffenen Einrichtungen röglichst weit nach vorne gelegt werden sollten. Bezeichßen und deren Auslieferung von den Alliierten gefor, dert wird. Der„Volksbund zum Schutze der deutschen Kriegs= und Zivilgefangenen bemerkt zu dieser Nachricht, daß kein Grund dafür vorhanden ist. befürchten zu müssen, daß etwa die Frage der Rück, gabe unserer Gefangenen von der Auslieferungsfrage abhängig gemacht werden könnte. „Ebensowenig ist es,“ erklärt der Volksbund: weiter,„unseren Gegnern möglich, die Rückkehr unserer Gefangenen aus Frankreich von der Gestellung freier deutscher Arbeiter im Wiederaufbaugebiet abhängig zu machen. Der französische Ministerpräsident Clemenceau hat selbst noch in diesen Tagen erklären lassen, daß er an eine solche Verquickung der Gefangenenfrage mit irgend einer anderen Frage gar nicht denke. Mit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages muß und wird auch die Heimbeförderung der deutschen Kriegsgefangenen aus Frankreich beginnen. Die einzige Bedingung, von der die Rückgabe unserer Gefangenen durch unsere Feinde abhängig gemacht werden könnte, ist von der deutschen Regierung erfüllt: Alle in Deutschland kriegsgefangen gewesenen feindliche: Staatsangehörigen sind von uns zurückge. ben worden. Eine neue Verzögerung in der Herausgabe unserer Gefangenen wäre eine schwere Rechtscerletzung durch unsere Gegner, die nach deren eigenen Erklärungen nicht zu erwarten ist.“ In England zurückgehaltene Kriegsgefangene. Der sächsische Justizminister hat auf eine Anrage nach dem Schicksal seines Sohnes, der in englischer Gefangenschaft ist, von der Reichszentrale für Kriegs= und Zivilgefangene in Berlin die Antwort zrhalten daß sich zurzeit in englischen Gefangenenlagern noch 3857 deutsche. Gefangene befinden. Das Ende der Demobilmachung. Schtußfrist für Anmeldungen von Ansprüchen gegen das Eine geordnete Finanzwirtschaft ist für das Reich nur dann möglich, wenn es übersehen kann, welche Forderungen aus früherer Zeit, insbesondere aus der Kriegszeit, noch erhoben werden. Die Abwickelung wird nie zu Ende kommen, wenn immer wieder neue Forderungsberechtigte ihre Ansprüche erheben können. Nach Einsetzung des Reichsabwickelungsamtes hat sich die Reichsregierung daher entschlossen, unter Mitwirkung der gesetzgebenden Körperschaften eine „Verordnung über die Abgeltung von Ansprüchen gegen das Reich“ zu erlassen, wonach Forderungen aus Kriegsverträgen oder aus Verträgen, die vor dem Kriege oder während des Krieges für die alte Wehrmacht geschlossen sind, innerhalb einer Frist von drei Monaten nach Bekanntgabe der Verordnung anzumelden sind. Nach diesem Zeitpunkte ist die Geltendmachung der Ansprüche für die Gläubiger die ihren Wohnsitz im Inlande haben, ausgeschlossen. Für die im Auslande befindlichen Forderungsberechtigten beträgt die Frist zwei Jahre. Die Abgeltung erfolgt nach der Verordnung des Reichsamts für die wirtschaftliche Demobilmachung vom 21. November 1918, die durch die neue Verordnung ergänzt und erweitert ist. Dir gleichen Ausschlußfristen sind auch für solche Forderungen gegen das Reich festgesetzt worden, die sich aus öffentlich=rechtlichen oder privaten Dienstverhältnissen während des Krieges ergeben haben, sowie auf alle aus Anlaß des Krieges oder bei Durchführung der Uebergangswirtschaft infolge von Maßnahmen der Behörden usw. erwachsenen Ansprüche. Für diese Ansprüche ist zwar die Beschreitung des Rechtsweges zulässig. jedoch hat zuvor ein Ausgleichsverfahren vor dem Reichsschatzministerium bezw. den Ansprüchen aus Dienstverhältnissen vor der Obersten Reichsbehörde stattzufinden, mit deren nachgeordneten Stellen das Dienstverhältnis abgeschlossen war. Ansprüche, die sich auf die Versorgungsgesetze stützen, wie z. B. Pensionsansprüche, werden durch die Verordnung nicht betroffen. Um den Forderungsberechtigten die Geltendmachung ihrer Rechte nicht unnötig zu erschweren, genügt zur Wahrung der Frist die Anmeldung beim Vertragsgegner oder bei irgend einer amtlichen Steile. Um Verzögerungen zu vermeiden, ist es jedoch zweckmäßen si nicht an eine Zentralstelle(Ministarium) nend für Ludendorff ist feiner ein Wort, daß der Militarpfarrer Hoppe, der Gründer der fahrbaren Feldbüchereien, in seinem Kriegstagebuch mitteilt. Als er am 9. 4. 1917 die zum Ausbau der Feldbüchereien bestimmte Ludendorff=Geburtstagsspende in Höhe von 300000 M überreichte, drückte ihm Ludendorff seine herzliche Freude über die Gabe aus und sagte unter anderem:„Die Versorgung der Truppe mit geistiger Nahrung ist mir eine meiner liebsten Aufgaben“. Ebenso sehr lag ihm natürlich auch die geregelte und ausreichende leibliche Nahrung der Truppen am Herzen. Fur die Aufbesserung der Verpflegung hatte er sich mit Nachdruck eingesetzt und, soweit es die Ernährungsschwierigkeiten der Heimat zuließen, für die fechtende Truppe höhere, Verpflegungssätze erwirkt. Desgleichen hat er sich um eine Neugestaltung der Löhnungsverhältnisse nach bevölkerungspolitischen Grundsätzä d. h. durch Abstufung nach Leistung und Alter, sowie nach Maßgabe der Zahl der zu versorgenden Familienmitglieder bemüht. Nach seinem Dafürhalten war die Besoldungsvorschrift veraltet und trug den Verhältnissen eines in langjährigem Kampfe stehenden Volksheeres in keiner Weise Rechnung. Das Gehalt eines unverheirateten jungen Leutnants erschien viel zu hoch gegenüber den Bezügen eines älteren Familienvaters, gleichviet ob dieser Offizier oder Landsturmmann war. Diese Gegensätze haben ungemein erbitternd gewirkt und dazu beigetragen, den guten Geist des Heeres zu untergraben. Die wiederholten dringenden Vorstellungen Ludendorffs dieser Hinsicht sind von den zuständigen Heimatbehörden!n unverantwortlicher Kurzsichtigkeit nicht beachtet worden. (Schluß folgt.) zu wenden, sondern die Anmeldung tunlichst bei der Stelle zu bewirken, mit der die Verträge abgeschlossen sins, oder gegen die die Ansprüche sich richten. Der Reichsabwickelungskommissar ist dem Reichseinanzministerium unterstellt und erhält von diesem seine Anweisungen. Die Bearbeitung der Angelegenheiten erfolgt jedoch durch die früheren Dienststellen nach wie vor. Beim Reichsfinanzministerium eingehende Gesuche werden also zunächst von dort an die bisher zuständige Dienststelle weitergeleitet. Die Vorlage von Gesuchen unmittelbar an das Reichsfinanzministerium bedeutet daher, neben der Verzögerung der Angelegenheit für den Antragsteller selbst, eine unnörige Belastung der Post und eine Erschwerung des Geschäftsbetriebes des Reichsfinanzministeriums Gegen den Einheitsstaat. Süddeutschland gegen eine übermäßige Zentralisierung. Die Verhandlungen in der Preußischen Landesversammlung über die Schaffung eines deutschen Einheitsstaates haben in Sachsen und insbesondere in Bayern eine starke Beunruhigung ausgelöst, sodaß sich die bayerische Regierung veranlaßt sah, sich telegraphisch mit der dringenden Bitte an die Reichsregierung zu wenden sobald wie möglich die Regierungen der Länder zu einer Besprechung der Angelegenheit zusammenzurufen. Im bayerischen Landtag gaben sämtliche Parteien Erklärungen ab. Die bayerische Volkspartei, die Mittelparteien und der Bauernbund lehnten die Errichtung eines förmlichen und völligen Einheitsstaates entschieden ab. Die deutsche Demokratische Partei erklärte, sie erblicke in dem überstürzten Versuch auf Herstellung unbeschränkter Reichseinheit eine ernste Gefährdung der mühsam errungenen neuen Staatsgrundlagen und erwartet von der Regierung eine energische Vertrekung ihres Grundsatzes. Die Erklärung der Sozialdemokratischen Partei ist, daß die bayerische Regierung in Verhandlungen mit der Reichsregierung und den Regierungen der übrigen Länder eingeht, um eine Lösung zu finden, welche die Gewähr der Bildung eines einigen Staates Deutschland für sie bedeutet. Die U. S. P. D, sieht in der organischen Durchführung des Einheitsstaates ihr Hauptziel und fordert die Regierung auf, bei der Reichsregierung dahin zu wirken. Der sächsische Ministerpräsident Dr. Gradnauer(.=Soz.) äußerte sich zu dem von der Preußischen Landesversammlung angenommenen Antrag auf Herbeiführung des deutschen Einheitsstaates dahin, daß die gegenwärtige Zeit für einen Antrag nicht günstig sei, denn es sei eben erst die neue Reichsverfassung angenommen worden, und die großen Hauptfragen seien darin entschieden worden. Die Behauptung, daß durch die geplante Neuordnung eine Verbilligung der Verwaltung herbeigeführt werde, sei durchaus nicht erwiesen und sei wohl auch kaum beweisbar. Vor allen Dingen müsse er, der Ministerpräsident, sich wundern daß viele Parteiführer in Preußen von den Stimmungen in Süddeutschland gegen eine übermäßige Zentralisierung keine rechte Vorstellung hätten. Deutsches Reich. Zur Regelung der mit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages erforderlich werdenden technischen Uebergangsbestimmungen hat die deutsche Regierung bevollmächtigte Vertreter unter der Führung des Ministerialdirektors v. Simson nach Paris entsandt. — Die Kasseler Stadtverordnetenversammlung hat den früheren Ministerpräsidenten Scheidemann mit 48 von 86 abgegebenen Stimmen zum Oberbürgermeister von Kassel gewählt. — Die sächsische Regierung hat bei dem Reichspräsidenten die Aufhebung des Belagerungszustandes für Sachsen beantragt. — Der bayerische Landtag hat die Staatsregierung ermächtigt, 474 Millionen Mark zum Ankauf von Textilien aus den amerikanischen Heeresbeständen vorzustrecken. * :: Der Kampf um den Retigionsunterricht. In den katholischen Gemeinden des Eisenacher Oberlandes ist laut„Berliner Lokal=Anzeiger“ ein heftiger Kampf gegen die weimarische Regierung entbrannt, weil diese verfügt hat, daß in den Volksschulen der Religionsunterricht auf zwei Stunden wöchentlich beschränkt bleiben soll. In allen Dörsern finden Protestversammlungen statt; es wurden telegraphische scharfe Proteste nach Weimar gesandt, und schon hat ein Tei! der Lehrerschaft damit gedroht, den Unterricht ganz einstellen zu wollen, wenn jene Verfügung nicht zurückgezogen werde. Ein anderer Teil der katholischen Lehrer hat sich bereit erklärt, erweiterten Rebieionsunterricht als kostenlose Privatstunden zu erteilen. Für diesen Fall aber verbietet die Regierung die Benutzung der Schulräume und verweigert die Mittel für Heizung, Reinigung und Lehrmittel. Die ablehnende Haltung der weimarischen Regierung befestigt im Amte Geisa den Wunsch, von Sachsen=Weimar abgetrennt und Preußen(Fulda) zugeteilt zu werden. :: Ermächtigung zum Verbet der Warenausfuhr. Der Volkswirtschaftsausschuß der Nationalversammlung hat den Entwurf einer Verordnung über die Außenhandelskontrolle im wesentlichen nach den Beschlüssen des Reichsrates angenommen. Die Verordnung ermächtigt den Reichswirtschaftsminister zum Verbot der Ausuhr ron Waren jeder Art mit der Wirkung, daß die Ausfuhr nur mit Bewilligung des Reichskommissars für Ein= und Ausfuhr, oder der sonst zuständigen Stellen erfolgen darf. Der Reichskommissar kann seine Gefugnisse auf Außenhandelsstellen übertragen. Die bestechenden Zentralstellen werden in Außenhandelsstellen umgewandelt. Diese sind als paritätisch aus Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Verbrauchern zusammengesetzt gedacht. Zur Bestreitung ihrer Unkosten können sie für die Bearbeitung von Angelegenheiten Gebühren festsetzen. Bei der Ausfuhrbewilligung wird zugunsten der Reichskasse eine Abgabe erhoben, deren ertrag zur Förderung sozialer Aufgaben verwandt werden soll. Für Zuwiderhandlungen werden Geldund Gefängnisstrafen vorgesehen. Bevorsteyende Besetzung Oberschbesiens. In Katcowitz sint zahlreiche Ententeoffiziere eingetroffen, die mödlierte Zimmer suchen. Fast sämtliche Hotels in sattowitz sind bereits belegt worden. Man rechnet mit dem Eintressen der Besetzungskommission zu Anfang Januar. Aller Voraussicht nach wird Kattowitz zum Zentralsitz der Kommission ausersehen werden und nicht wie man anfangs annahm, Oppeln. Im Hotel„Monopol“ sind sämtliche 112 Zimmer für die eigentlichen Mitglieder der Kommission bereits jetzt mit Beschlag belegt. :: Admiral Reuter an Lloyd George. Die deutsche Regierung veröffentlicht ein ihr auf diplomatischem Wege übermitteltes Protestschreiben, das Admiral Reuter; der Befehlshaber der Scapa Flow=Flotte, im Oktober an Lloyd George gerichtet hat und aus dem klar hervorgeht, daß Reuter die Schiffe nur deshalb versenken ließ, weil er den Waffenstillstand für abgelaufen hielt. Im Anschluß an dies Schreiben weist die deutsche Regierung darauf hin, daß sie angesichts der unnachgiebigen Haltung der Entente nicht in der Lage gewesen sei, ihren Rechtsstandpunkt zur allgemeinen Richtschnur ihres Handelns zu machen. Die Stellungnahme der Alliierten, die Angelegenheit unte: als ein Kriegsereignis ihrem Machtspruch, hat uns gezwungen, den äußersten uns möglichen Ersatz anzubieten. Die Regierung erwartet aber, daß unser Entgegenkommen in der materiellen Frage die Wirkung auf die Beschleunigung der Rückkehr der zurückgehaltenen deutschen Kriegsgefangenen(gegen 4000 Manr, davon 1774 Scapa Flow=Leute) haben wird, welche die bereits seit Anfang September erfolgten meh fachen Anträge der deutschen Friedensdelegation nicht gehabt haben. :: Vor neuen Lohnerhöhungen. Auf Anregung des Reichsarbeitsministers hat der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes laut„Vorwärts“ veranlaßt, daß die Zentralarbeitsgemeinschaft der industriellen und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands am Dienstag, den 23. Dezember Stellung zu der vom 6. Ausschuß der Nationalversammlung beschlossenen Zustimmung zur Erhöhung der Brot= und Kartoffelpreise nimmt. Gegenstand der Beratung wird die Frage einer entsprechenden Lohnerhöhung sein. :: Helfferichs Beschwerde. Der zweite Unterausschuß des parlamentarischen Untersuchungsausschusses der Nationalversammlung hat auf die Beschwerde des Staatssekretärs a. D. Helfferich— in Erwägung, daß zur Entscheidung über die durch den Herrn Staatssekretär a. D. Helfferich erhobene Beschwerde der zweite Unterausschuß des parlamentarischen Untersuchungsausschusses ausschließlich zuständig ist, daß in beiden Fällen in denen eine Strafe wegen Zeugnisverweigerung festgesetzt ist, eine Zeugnisverweigerung vorliegt, daß jedoch in dem zweiten Falle nicht eine Geldstrafe, sondern nur die Zwangshaft zulässig gewesen wäre, eine solche nachträglich aber nicht festgesetzt werden kann—, den folgenden Beschluß gefaßt: „1. Die Beschwerde wird zurückgewiesen, soweit sie sich gegen die am 16. November 1919 festgesetzte Gell strafe richtet, da auch Gründe nicht vorliegen, die Strafe zu ermäßigen, 2. die am 17. November 1919 verhtängte Geldstrafe wird ausgehoben.“ Der Beschluß ist gefaßt mit 4 gegen 2 Stimmen bei einer Stimmenthaltung. :: Präsivent Dorten regt sich wieder. Aus fast allen Orten des französischen Besetzungsgebietes wird von einer lebhaften geheimen Tätigkeit der Leute um Dorten berichtet: So haben in den letzten Tagen in Köln, Koblenz, Wiesbaden, Trier und mehreren Orten des Rheingaues eine Reihe vertraulicher Besprechungen stattgefunden, von denen man nur erfahren kann, daß entweder Dorten selbst oder einer seiner Vertrauensleute daran teilgenommen habe. Die bisher durch unsichtbare Fäden zusammengehaltene Organiiatiov scheint nunmehr in die Oefsentlichkeit treten zu wollen. Außer in Wiesbaden und Köln ist dieser Tage auch in Koblenz ein Zweisbureau der Rheinischen Volksvereinigung, der neuesten Dortenschen Gründung, eröffnet worden. Die Zweigbureaus arbeiten nach dem Muster der Parteisekretariate, so daß man nicht mit Unrecht annehmen kann, daß sie zum Zwecke der Vorbereitung auf die Reichstagswahlen geschaffen worten sind, um bei dieser Gelegenheit unter der Parole„Für ein selbständiges Rheinland“ die Probe aufs Exempel zu machen. Wie schon früher triff diese Agitation zeitlich zusammen mit einer erhöhten pontischen Werbetätigkeit der französischen Besetzungsbehörde. :: Das neue Umsarzstonergesotz tritt am 1. Januar in Kraf' Für die allgemeine, jetzt 1½ Prozent betragende Umsatzsteuer kommt eine Veranlagung einstweilen noch nicht in Frage; im Januar 1920 beginnt vielmehr zunächst die letzte Veranlagung der bisherigen Umsatzsteuer. Die Geschäftswelt wird sich jedoch bereits jetzt bei der Preisgestaltung auf den neuen Satz einzurichten haben. Unmittelbar bedeutungsvoll ist, daß die auf 15 Prozent bemessene Luxussteuer mit wenigen Ausnahmen nicht mehr im Kleinhandel, sondern beim Hersteller zu entrichten ist. Fabrikanten und sonstige Hersteller werden sich daher so schnell als möglich mit der neuen Luxussteuerliste § 15 des Gesetzes und der für sie entstehenden Verpflichtung zur Führung eines Lagers— und eines Steuerbuches zu beschäftigen haben. Für die Ladenbesitzer der jetzt beim Hersteller luxuspflichtiger Gegenstände verbleibt es übrigens wegen der Bestände, die sie am 1. Januar 1920 an Luxusgegen##äinden noch haben, auch im neuen Kalenderjahr bei der bisherigen Luxussteuerpflicht von 10 Prozent. Im Gesetz ist eine vorläufige Ausführungsanweisung erlassen worden. Die Nummer 13 der vom Reichs#mnanzministerium herausgegebenen„Amtlichen Mitteilungen für die Zuwachssteuer, die Reichsbesitz= und Verkehrssteuern".(Vertrieb durch Karl Heymanns Verlag, Berlin W. 8) enthält den Text des Gesetzes und die Ausführungsanweisung. Das Heft erscheint noch bis Ende des Jahres. :: Die Polen für Angültisleitderttörung der Dauziger Stadtverordnetenwahlen. Die Polen versuchen nach ihrer kläglichen Nieverlage bei den Danziger Stadtverordnetenwahlen den ungünstigen Wahlausgang auf unlautere deutsche Machenschaften zurückzuführen und die Entente zur Ungültigkeitserklärung der Stadtverordnetenwahler aufzuhetzen. Das polnische Wahlkomitee beruft sich u. a. darauf, daß mehr als 2000 polnische Wähler ihres Stimmrechts beraubt gewesen seien. Insbesondere wird der Bürgermeister Dr. Sahin angegerissen, dem die Polen die Hauptschuld an dem Für see ungünstigen Wahlausfall in die Schube schieben möchten und den sie daher mit allen Mitteln der Verleumdung und der Hetze in Paris zu verdächtigen suchen. Eine in der gesamten französischen Presse die Runde machende polnische Auslassung erkläct, die Freiheit und Unparteilichkeit der Stadtverordnetenwahlen in Danzig könne nur dann gewährleistet sein wenn das Freistaatsgebiet von den preußischen Behörden geräumt sei. Es bleibt abzuwarten, ob die Entente diesem Wink mit dem Zaunpfohl genügendes Verständnis entgegenbringen wird. :: Grenzschutztruppen für Ostpreußen. Zur Ablösung der Eisernen Division ist eine gemischte Abteilung der Reichswehr unter Befehl des Generals von Dassel bereits im Anrollen. Das Kommando dieser Abteilung kommt nach Tilsit. Die übrigen Kräfte kommen erst nach Weihnachten nach Ostpreußen. Im Abtransport der heimgekehrten Baltikumtruppen nach dem Innern des Reiches findet vom 22. bis zum 26. de. Mts. eine Pause statt. :: H a u p t m a n n v. K e s s e l a u s d e r U n t e r s u c h u n g s h a f t entlassen. Der aus dem Marloh=Prozeß bekannte Hauptmann v. Kessel ist aus der Untersuchungshaft entlassen worden, da das zuständige Militärgericht die Voraussetzungen für den Erlaß eines Haftbefehls nicht als gegeben ansieht. :: D a s S c h i c k s a l d e s H u l t s c h i n e r L ä n d c h e u s. D e r Vorsitzende des Kreisausschusses zu Ratibor hat an das Auswärtige Amt gedrahtet:„Der Kreisausschuß hat am 12. November beim Auswärtigen Amt unter Hinweis auf die Unstimmigkeit in den Artikeln 83 und 88 des Friedensvertrages beantragt, bei der Entente dahin zu wirken, daß die Abtretung des Hultschiner Ländchens an die Tschechoslowakei solange ausgesetzt bleibt, bis das Schicksal Oberschlesiens entschieden ist, und daß es bis dahin mit dem übrigen Oberschlesien dem Internationalen Ausschuß unterstellt und von den alliierten Truppen besetzt wird. Der Kreistag des Kreises Ratibor schließt sich dem Antrage des Kreisausschusses an und bittet mit Rücksicht barauf, daß die Tschechoslowakei die Besetzung des Hultschiner Ländchens sofort mit Inkrafttreten des Friedensvertrages beabsichtigt, nochmals dringend in letzter Stunde durch energische Vorstellungen bei der Entente die sofortige Besetzung zu verhindern und die einstweilige Verwaltung des Hultschiner Ländchens gemäß dem Antrage des Kreisausschusses zu regeln. :: B e i t r i t t S a c h s e n= M e i n i n g e n s z u r t h ü r i n g i s c h e n Stuatengemeinschaft. In der letzten Sitzung des Volksrates für Thüringen wurden die in der Denkschrift betreffend den Eintritt von Sachsen in die thüringische Staatengemeinschaft von Sachsen=Meiningen niedergelegten Bedingungen von allen Parteien als bindend anerkannt und damit der Beitritt Meiningens in den thüringischen Staatenverband unter großem Beifall des gesamten Hauses endgültig vollzogen. Der Volksrat wählte außerdem eine Kommission, bestehend aus drei Staatsrats= und vier Volksratsmitgliedern, welche die Beziehungen zum Reich regeln und erneut Verhandlungen mit Preußen in die Wege leiten soll zum Zwecke der Abtretung preußischer Gebietsteile an die thüringische Staatengemeinschaft. Rundschau im * In Wien umlaufende Gerüchte über ein zwischen Oesterreich und Frankreich gegen Deutschland geschlossenes Bündnis werden von christlich=sozialer Seite dementiert. * Die obdachlosen französischen Abgeordneten sollen in den beschlagnahmten Pariser Wohnungen von Deutschen untergebracht werden. * Bei einem Zusammenstoß zwischen Sozialisten und Karabinieres in Sartiano(Toskana) schossen Karabinieres scharf. Zwei Sozialisten blieben tot, 15 schwer verletzt, 5 Karabinieres wurden durch Messerstiche und Schüsse verwundet. England: Neue Deutschenhetze. * Die britische Presse unternimmt zurzeit einen neuen gehässigen Vorstoß gegen Deutschland, der nur den Zweck ben kann, die sachlichen Verhandlungen in Paris zu stören und die öffentliche Meinung gegen Deutschland aufzuhetzen. Im Zusammenhang mit dem Brand an Bord ehemaliger deutscher Kriegsschiffe meldet die„Morningpost“. man sei der Ansicht, daß diese Brände durch Deutsche angelegt worden seien und eine gewisse Aehnlichkeit mit der Versenkung der Flotte von Scapa Flow zeigten. Das Blatt behauptet, in Berlin werde von einem Bureau, das über sehr viel Geld verfüge, eine eifrige Propaganda entfaltet; es weist ferner auf die Tatsache hin, daß viele Tausende von Deutschen, die während des Krieges interniert waren, jetzt freigelassen seien. Im Londoner Hafen zum Beispiel seien vier Personen, darunter drei Ausländer, verhaftet worden, und zwar unter dem Verdacht, mit dem Brand im Zusammenhang zu stehen. Es seien jetzt aber Maßnahmen getroffen, um sämtliche ehemaligen deutschen Schiffe, die nierten Häfen einträfen, unter strenger Beobachtung zu halten und besonders die ausfahrenden Schiffe scharf zu kontrollieren, da man an eine weitverbreitete Verschwörung glaube. Irland: Attentat auf den britischen Vizekönig. * In Dublin wurden auf den Vizekönig von Irland, Lord French, Schüsse abgegeben, die diesen aber nicht trafen. Die Angreifer Lord Frenchs waren 15—20 Mann. Um seinem Automobil den Weg zu versperren, hatten sie einen Wagen in die Mitte der Straße gestellt. Als das Automobil ankam, wurde eine wahre Salve abgegeben. Der Chauffeur konnte sehr geschickt den Wagen umfahren und davon kommen. Der Wagen, der dem Automobil des Marschalls folgte, wurde durch eine Bombe fast völlig zerstört. Immerhin blieb der Chauffeur, der allein auf dem Wagen war, heil. Im dritten Wagen befanden sich Soldaten, die das Feuer der Angreifer erwiderten. Im Unterhause erklärte der Staatskanzler für Irland über den Anschlag gegen Lord French, daß hinter einer Hecke hervor vier Bomben geworfen wurden. Einer der Angreifer schoß auf der Straße, die Lord French passierte. Er wurde von der Militäreskorte auf der Stelle erschossen. Er führte zwei Revolver bei sich. Die Angreifer hinter der Hecke konnten flüchten. Spanien: Antimonarchische Unruhen in Madrid. e Agentur Havas meldet: Ueber Madrid und Barcelr wurde der Belagerungszustand verhängt. Die gesamte Garnison liegt in Alarmbereitschaft, da die Streikenden Umzüge veranstalten und Unruhen verursachen. Vor dem königlichen Schloß wurden Ansammlungen der Streikenden zerstreut. Eine Anzahl radikaler Elemente wurde verhaftet, welche ausgerufen hatten:„Hoch die Revolution! Hoch die Republik Spanien!“ Rußland: Die russischen Baltikumsoldaten. 2 Die in Deutschland befindlichen ca. 8000 Russen der Armee Awaloff haben gebeten, an die ehemallge Judenitschfront entsandt zu werden, dis noch besteht, obwohl Judenitsch selbst beseitigt worden ist. Der Transport der Russen an diese Front ist möglich, kann aber erst dann stattfinden, wenn die Entente dazu die Erlaubnis gibt. Das Berliner Auswärtige Amt ist mit den Vertretern der Entenne bereits in Verbindung getreten. Von dem Eogebnis dieser Verhandlungen wird es abhängen, welche Madnahmen die Militärverwaltung treffen wird. Verschiedenes. ** Ein schweres Sturmwerter in der Nordsee hat zahlreiche Schiffsunfälle verursacht. Bei Steilsand strandete der Fischkutter„Senator von Melle". Die Mannschaft wurde durch ein Rettungsboot gerettet. Vor Ymuiden(Holland) ging der holländische Schleppdampfer„Herkules“ mit der ganzen Besatzung unter, und vor Scheveningen scheiterte das frühere deutsche Kriegsschiff„Hildebrand“, 4100 Tonns, 1892 gebaut, das unter holländischer Flagge nach Holland geführt war, um abgebrochen zu werden. Die Besatzung von sechs Mann wurde gerettet. Das Schifs zerbrach an der Küste. Die deutschen Schleppschiffe„Carca" und „Lucia“ mit Schiffsgütern von Rotterdam nach Hamburg unterwegs, sind bei Egmont gestrandet. Der Schleppdampfer„Südamerika Nr.“, der die beiden Schaffe geschleppt hatte, hat noch keine Nachricht von sich gegeben. Es herrscht ein großer Weststurm. Der amerikanische Dampfer„Darkandaro", von Bremen nach Hamburg bestimmt, hat nachts, al er den Lotsen absetzen wollte, mit Osthoeft kollidiert. Der Molenkopf wurde stark beschädigt, da der Dampfer etwa 12 Meter ties in das Holzwerk hineingefahren ist. Der angerichtete Schaden wird auf über eine Million geschätzt; auch der Dampfer scheint nicht unerheblich beschsdigt zu sein. * Kohlenmangel und Arbeitseinstelkung. Der Verband württembergischer Industrieller hat in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ernsten Protest gegen die durchaus unzureichende Belieferung der württembergischen Industrie mit Kohlen erhoben; er erklärt daß der Zustand des Landes unerträglich sei, insbesondere die Kontingentierung Württembergs in Verhältnis zu den anderen Ländern zu unrecht so niedrig gegriffen sei. Die Erklärung macht die Regierung darauf aufmerksam, daß, falls nicht in kürzester Zeit eine grundlegende Verbesserung der Verhältnisse eintrete die württembergische Industrie zum Erliegen kommen wird.— Die Versorgung der Städte Westdeutschlands mit Gas und Elektrizität steht vor dem völligen Zusammenbruch. Eine Reihe von städtischen Gas= und Elektrizitätswerken kündigt an, daß nach Weihnachten die Licht= und Krastabgabe eingestellt werden müßte, da eine Besserung in der Kohlenbelisterung infolge der Abgabe an die Entente nicht zu erwarten sei.— Das westsälische Verbands=Elektrizueätswerk in Kruckel ist infolge Kohlenmangels gezwungen die Lieferung elektrischen Stromes bis auf den für reine Beleuchtungszwecke erforderlichen Strom gänzbe einzustellen. Die Verwaltung sagt, daß durch diese Maßnahme Hunderttausende von Arbeitskräften zum Jeiern gezwungen sind. * Streitbewegung in Oberschtesion. Die Belegschaft des Oberamtes in Bismarchütte ist in den Ausstand getreten. Der Grund ist die Verhaftung der Rüdelbführer bei den Ausschreitungen gegen den Generaldirektor zwecks Erpressung einer Weihnachtsgabe. Die Bismarckhütte in Oberschlesien ist außerstande, die von: den Arbeitern geforderte und erzwungene Weihnachtsgabe zu bezahlen. Sie ist an die Abmachungen mit dem Arbeitgeberverbande Oberschlesiens gebunden und müßte bei Bewilligung der Arbeiterforderung eine Konventionalstrafe zahlen, welche in vorliegendem Falle 50 Millionen betragen würde. Um ähnliche Vorkommnisse vermeiden zu können, ist militerische Schutz angefordert worden. Das Werk ist bereits von der Reichswehr besetzt. 2 Keine weitere Verkärzung der Brotration. Zu der Meldung, daß die Regierung beabsichtige, die deutsche Brotration auf weitere vier Wochen zugunsten Wiens zu verkürzen, wird im Reichswirtschaftsmintsterium erkkärt, daß es ausenblicklich unmöglich und auch nicht vorgesehen ist, irgendeine Fortsetzung der bieherigen Hilfsaktion für Wien erneut vorzunehmen. ∆ postsendungen nach dom besopten Sebiet. Aus dem unbesetzten Deutschland und dem Ausland über das unbesetzte Deutschland können von jetzt an nach der ganzen französischen Zone der besetzten deutschen Rheingebiete, demnach auch nach der Rheinpfalz und den in Betracht kommenden Gedietsteilen von Hessen, Hessen=Rassau und der Rheinprovinz, verschlossene Briefe in Privatangelegenheiten allgemein, also nicht mehr bloß in wichtigen Privatengelegenheiten, abgesandt werden. Auf den geschäftlichen Sendungen braucht Altem Gebisse MRRRRRMMM MNRRRNMRRRMRRRRRARRERRERGER EEEEERSTEMERLUMMAMRMMR Platinbrennstifte, Münzen(alte od. ausländ.) Gold- und Silbersachen zum Einschmelzen kauft zu höchsten Preisen Röpcke, Bielefeld, Oberntorwall 9 1. Aßensensensensensen fensensensen eafenlentt Deutscher Verein Arbeiterheim zu Bethel bei Bielefeld. Gegründet: 1885 durch Paster 0 Friedrich von Zweck: Dem deutschen Familienvater bei der Ansiedlung im Einfamilienhause behilflich zu sein. Kat in allen Augelegenheiten des Kleinstedlungswesens erteilt los die Geschäftastelle des Vereins en Bethel bei Bie. Daselbst in auch eine Saristenzusammenstelung, die ersasosen? darüber unterrictet, gegen Voreinsendung von Mt..78 zu bezieten. Vergessen Sie nicht Ihre Zeitung diesmal Trahgeilig gaörstelten. Der 25. Dezember sollte der letzte Termin sein. der bisher erforderliche Vermerk„Handelskorrespondenz“ oder„Correspondence commerciale“ nicht mehr angebracht zu werden.— Die Postsendungen nach den in der neutralen Zone liegenden Orten Caub, Lorchhausen(Rheingau) und Lorch(Rhein) werden nicht mehr über Limburg(Layn), sondern über Frankfurt(Main) befördert. Dem Absender solcher Sendungen wird in deren Aufschrift die Anbringung des Leitvermerks„über Frankfurt(Main)“ empfohlen.— Zur Verhütung von Weiterungen wird darauf hingewiesen, daß auf keten— wie auch auf allen übrigen Sendungen— nach der belgischen Besatzungszone auf Anordnung der Besatzungsbehörde Nachnahme bis höchstens 100 M. zulässig ist. A Einreise nach Ehas=Lothringen. Einreiseantröge von in Deutschland wohnenden Personen, die sich nach Elsaß=Lothringen begeben wollen, haben nur dann Aussicht auf glatte Erledigung durch die französischen Stellen, wenn die Antragsteller darin einen Gewährsmann oder mehrere, in den verschiedenen zu besuchenden Orten, und außerdem die eigene Adresse daselbst, genau nach Straße, Nummer usw. angegeben haben. Die Anträge, die dieser Vorschrift nicht entsprechen, werden von den französischen Behörden als für ihre Erhebungen ungenügend zur Vervollständigung zurückgegeben. — Gegen den General Baratow ist in Kiew ein Bombenattentat verübt worden. Er wurde an beiden Beinen sehr schwer verletzt und liegt im Sterben. — Eine neue Petroleumquelle im Elsaß wurde im Revier von Pechelbronie erbohrt. Das tägliche Erträgnis beträgt 30 Tonnen. Sie liegt verhältnismäßig günstig, nur 435 Meter unter der Erde. — Der„Temps“ meldet, daß das englisch=französische Abkommen über Calais bis Ende 1920 verlängert worden ist. Damit bleibt Calais weiter von den Engnländern besetzt, die jedoch nicht die Zivilverwaltung übernehmen. * Bei einem Uebungsschießen in Kreckow, das von Soldaten des pommerschen Reichswehrinfanterie=Regiments Nr. 3 abgehalten wurde, explodierte der Blindgänger einer Mine, wobei drei Soldaten getötet und fünf schwer verletzt wurden. Bücherschau. 25 Jahre Lutherkirchenchor zu Frankfurt a. M. Blätter der Erinnerung an 25 jährige Wirksamkeit eines großssädtischen evangelischen Gemeindekirchenchores von dessen derzeitigem Leiter, Lehrer Kreß. Mit einem Geleitwort von Pfr. Trommershausen. 1919. Preis 1 M. Als Motto trägt dieses lesenswerte Schriftchen den bekannten Luthervers„Wer sich die Musik eckiest, hat ein himmlisch Werk gewonnen“ und den Wahlspruch des Chors „Lutherfroh und lutherstark, deutsch bis in das tiefste Mark, Gott zu Lob, ins Herz hinein, soll unseres Liedes Losung sein!“— In der Lutherkirche hat der Kirchenchor seit ihrem Bestehen zur Erbauung der Gemeinde an Sonn= und Festtagen gewirkt und somit geholfen, die Herzen aufwärts zu zieben. Außerdem hat er manches gute Konzert veranstaltet, novon Proben gegeben werden. Listen der Mitglieder beschließen die Gedenkschrift, die alle Beteiligten mit Dank und Freude lesen werden. Lokal= und Provinzialnachrichten. Bielefeld, den 23. Dezember 1919. — Milchversorgung im Landkreise Bielefeld. Die Milchzufuhren lassen seit Eintritt des Frostwetters täglich nach. Die bisherigen Sätze konnten nur noch mit Kürzungen von 25 bis 50 Prozent ausgegeben werden. Da für das erste Vierteljahr 1920 mit neuen weiteren Kürzungen zu rechnen ist, sind wir gezwungen, neue Nationssätze festzusetzen: Es sind bezugsberechtigt: Kinder bis zum vollendeten 2. Lebensjahr für 3/4 Liter, Kinder vom 2. bis vollendeten 3. Lebensjahr für ½ Liter, Kinder vom 3. bis vollendeten 6. Lebensjahr können nur nach Maßgabe der täglichen Anlieferung versorgt werden, feste Sätze lassen sich bei der geringen Biblisches enthaltend ca. 3000 Versansange, Bibelstellen und Glichworte(nac Luthers Überstza). Zur leichten Auffindung von Bibelstellen al. phabeth'sch geordnet von Pastor S. Edelhoff, .—5. Tausend. Brosch. 1 Mk., in Leinwand geb. 1,50 Mk. Verlag der Buchhandlung des Evang. Gemeinschafts= Brüderhauses, Pr. Bahnau, Post Heiligenbeil, Ostpreußen. BilligeUhren echt Silber 45, Nickel. 32. Weckuhren 15,— Alles Frieden= BaE. Uhren-Kial B Bernh. Dierse, Renteistr. 7. Einschwergepr. Familienvu. dem in der Zeit des Umsturzes ierwartet die Pacht gekündig konnte trotz größter Mühe kein andere erhalten u. wird dadurch l. 1. 20 brot= und wohnungslos Welcher Christenmensch würd. einem Bruder zur Gründung einer Existenz helfen, indem er hm z Ankauf eines Grund stück 10—15000 Mark leiht? Näy. unter Fr. Kl. 9 an die Geschäftsstelle d. Bl. I. Herford Musikan. Besuppagalle slmt! Instrumente an etr. 85 12 3 und schwankenden Anfuhr nicht mehr aufstellen. Hoffende Frauen erhalten in den letzten 3 Monaten 3/4 Liter, Kranzerhalten auf Attestkarte ein Achtelliter, Schwerkranke er. halten Milch nach kreisärztlicher Verordnung. Alte Leute scheiden bis auf weiteres ganz aus. Die richtige Verteilung wird durch unsere Kontrolorgane überwacht. Vorstehende Nationen treten mit heutin Kraft. Letzte Belagerungszustand über Solingen angedroht. Die britische Behörde kündigt die Verhängung Belagerungszustandes über den Solinger Bezirk an. falls die streikenden Straßenbahner, mit denen sich die ganze Arbeiterschaft solidarisch erklärte, bis Sonntag die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben. Um die Friedendratisikation. „Poktiken“ meldet aus Washington, daß der demokratische Senator Underwood unabhängig von Wilson Schritte unternommen hat, um die Ratifikation durchzuführen. Die Ursache hierzu ist die wachsende Forderung im Lande, die jetzige unhaltbare Situgtion aus der Welt zu schaffen, da das Geschäftsleben zu stark darunter leidet. Underwood hat Konferenzen mit Republikanern abgehalten, und man sucht eine Basis für ein Kompromiß durch neue Zugeständnisse von beiden Seiten zu finden. Diese Verhandlungen haben einen günstigen Verlauf genommen und man erwartet die Ratifikation eventuell noch vor Weihnochten. Underwood hat erklärt, daß die unversöhnliche Haltung des Präsidenten ihn zu diesem Kompromiß gezwungen habe. :: A u f h e d u n g d e s B e l a g e r u n g s z u s t a n d e s i n S a c h t e n? Zu den Nachrichten über eine bevorstehende Aufhebung des Belagerungszustandes in Sachsen hört die„Teutsche Allgem. Ztg., daß in der sächsischen Regierung tatsächlich Beratungen darüber schweben, ob der Belagerungszustand aufgehoben werden kann. :: Einreiseanträge für Elsaß=Lothringen. Einreiseanträge von in Deutschland wohnenden Personen, die sich nach Elsaß=Lothringen begeben wollen, haben nur dann Aussicht auf glatte Erledigung durch die französischen Stellen, wenn die Antragsteller darin einen Gewährsmann oder mehrere in den verschiedenen besuchenden Orten, und außerdem die eigene Adresse daselbst, genau nach Straße, Nummer usw. angegeben haben. Die Anträge, die dieser Vorschrift nicht entsprechen, werden von den französischen Behörden als für ihre Erhebungen ungenügend zur Vervollständigung zurückgegeben. :: Dus Pflichtbewußtsein der bayerischen Bergarbeiter. In der Sitzung des bayerischen Landtages wurde bei Besprechung von Bergarbeiterfragen festgestellt, daß in oberbayerischen und nordbayerischen Bezirken die Förderungsziffer die des Friedens überstiegen hat. Die bayerischen Bergwerke hätten damit bewiesen, daß sie ihre ganze Kraft in den Dienst der Allgemeinheit stellten. Ein pfälzischer Abgeordneter teilte mit, daß die Bergarbeiter des Saarstaates, der nach Ratifikation des Friedensvertrages auf 15 Jahre unter Frankreichs Oberhoheit stehe, in einem feierlichen Gelöbnis erklärt hätten, daß sie gut bayerisch und gut deutsch bleiben und nach Ablauf der fünfzehnjährigen Gefangenschaft geschlossen zum Vaterland zurückkehren wollten. Erfolg der Roten Armee. Laut„Telegraaf“ melden die englischen Blätter, daß einem drahtlosen Telegramm aus Moskau zufolge das rote Heer die Verfolgung der Truppen Koltschaks fortsetzt und Nikolajew besetzt hat. Die Bolschewisten nähern sich Omsk. Siehaben Gefangene gemacht, darunter einige Generale, und 54 Geschütze erbeutet. Riita soll wieder auf seinen Thron. Agramer Blätter melden, daß sich der frühere Landeshauptmann von Krain, Schustercic, in Italien aufhalte, um dort unter den Kriegsgefangenen slowentscher Nationalität eine Expedition anzuwerben, die die Wiedereinsetzung des Königs Nikita und die Selbständigkeit Montenegros zum Ziele haben. Der Kaiserprozeß. „Daich Telegraph“ erfährt von parlamentarischer Seite die Regierung halte es trotz des seinerzeitigen Beschlusses nicht mehr für gut, den Kaiserprozeß und die Prozesse gegen die anderen am Kriege Schuldigen in London zu ühren. Die Deutschen, die gegen### Kriegsgesetze verstoßen haben, werden jedoch gleich in England vor den Gerichtahof gest. werdh Für den Inhalt verantwortlich: W. Kraa, Bethel.— Druck und Verlag: Druckerei Bethel bei Bielefeld. Fernruf 74, Amt Bielefeld. Alle für die Redaktion bestimmten Zuschriften sind zu richten na# Bielefeld, Schließfach 141. Alles, was die Expedition detrifft, alle Inserate und Geldsendungen an die Geschäftsstelle: Missionar Heienbrok, Bethel bei Bielefeld, Postscheckkonto 7382 Hannover. Die Evangelisch-Soziale Schule in Bethel b. Bielefeld bildet Sekretäre für die christlichen Gewerkschaften aus. Sie übermittelt auch Anträge auf Anstellung in der Gewerkschaftsarbeit. Der Bedarf an Sekretären wächst täglich, Anmeldungen geeigneter Persönlichkeiten sind deshalb willkommen. Geeignet sind nur solche, welche wirklich Arbeiter gewesen sind und dinn sich ausgebildet haben, sei es als Diakon, Gemeindehelfer, Jugendpfleger, Missionszögling oder was es sei. Der Leiter der Evangelisch=sozialen D. Jaeger. Der Chrstlich-natienale Vereis a. V. Sitz Die bezweckt die Förderung der Volksbildung und Volkswohlfahrt auf christich. nationalem Grunde. Er möchte gern eine Sammelstelle der auf diesen Gediete allerorte gemachten Erfahrungen sein, um dieselben westeren ar. beitswilligen Kreisen zugänglich machen zu können. Nähers Auskunst erteilt Emil Hartwig, Dozent an der Gocz: Helsa=sozielen Schule in Beihel bei Bteleseld.