Ausgabe B. it. Einführung der schsstüindigen Ar. Ansicht, daß, Land vor der önnen. de Ser nerstreits. ig von Streiks steht lautet, wird für die #re für die über das Sch'e reiks ausgearbeitet ausgebaut. der Let'e ahrtsverbot für die ig in Berlin angeAngriff auf nbeteiligt ist. Aber „Falschmeldungen, lungen zu stürzen. 1 ingfors vom 9. Oti Bermondt Rige erichtet vom Tage imacht von 20000 ont von 10 Meilen ). Es handelt sich Bermondt=Awaloff. Kämpfen nicht bechen Westarmee. n unsere Truppen as zurückgeworfen. ukkum ist von uns sten Awaloff halen en den Gegner in i und am 10. Oki genommen. Sieger. Die Esten d. Teile der feindRückzugslinie abget f o r d e r t n u n v o n 1 Durchmarsch zur sie zum gemeinsmus auf. Welthandel. is vom Welthandel den. Die Aufforteralen Staaten und den. Man ist einisesonders die skannd Holland sich zu Tec Verkehr des ehin de: Kontrolle e sich jetzt wieter en zeigt, nach Cezel.— Druck und Verlag 74, Amt Bielefeld. id zu richten nach Bielefeld st, alle Inserate und Geldetenbrok, Bethel=Bieleseld, er geUhren echt Silber 36.— Nickel. 25.— Weckuhren 10.— Alles Friedensware. Bernh. Dierse, Renteistr. 7. Dsesth, Hiawatha, Walzer u. alle inze lehrt lehrbuch igen M..50 Tanze 12.10 ine Sitte, GeDie Gabe der haltung.20. gemeinen Wisimpfung der 5. Die Kunst LiebesbriesWeg 3 ihre Friseusuch.65. Klaolinschule.50. .40. Privateller 6. Recht.15. Aussatz= mdwörterbuch isch 660 Mir sch 6 60 Franisch 6,60. Böhsch.60. Polch 660. Spaführung(.60. nz.60. Hantor praxis.60. ichtsformular rliches Gesey elehrbuch 6. eute 16. 6000 zepte zu alipfs preit " der Lanv' Zöttners ger 11. Gegen chwarz& Co., nnenstr. 24. We ss 4000: Auuin Erfolg. □ * Bezugspreis Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis: Bei der Post geholt .##c.40 Mk. Durch den Briesträger oder Boten .82 Mk. vierteisabriun Thristlich nnlisnalrs Eagsrblatt mit der Sonntagsbeilage„Für herz und serausgeber b. Juger. Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 25 Pfg., Reklamozeile.00 Mk. Beilagen nach vorheriger Vereinbarung. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Nr. 241. Bielefeld=Bethel, Mittwoch, den 15. Oktober 1919. Jahrgang 1. In dem rasenden Getümmel Schenk uns Glaubensheiterkeit; Öffn' im Sterben uns den Himmel, Zeig' uns Jesu Herrlichkeit! Die Wohnungsnot. Amtlicher Bericht über die Sitzung der Nationalversammlung am 3. Oktober 1919. D. Mumm, Abgeordneter: Meine Damen und Herren! Es war kein Triumphlied, sondern eine Elegie auf die neue Zeit, die hier die Vertreter der Mehrheitsparteien und der Herr Minister gesungen haben. Mein Herr Vorredner erinnerte an vergangene Tage. Gewiß, in solchem Augenblick schweift die Erinnerung zurück. Man könnte manches Jahrzehnt, noch weit über zwanzig Jahre zurückschauen, wo ein Friedrich von Bodelchwingh, ein Adolf Stöcker und so viele andere immer wieder auf die kommende große Not rechtzeitig hingewiesen haben, und wie wenig hat man auf ihre Worte gehört. Im früheren Reichstag sprachen wir gar manches Mal hier durchweg auf Grund eines interfraktionellen Antrags über die Wohnungsfrage. Unser unvergessener früherer Kollege Jäger war der Vorsitzende des Wohnungsausschusses, und ich bedaure es und halte es auch nicht für einen Vorzug der neuen Zeit, daß wir gegenwärtig einen solchen Wohnungsausschuß unter uns nicht mehr haben. Es würde, glaube ich, die Wohnungsfrage durchaus geeignet sein, ein sachliches Zusammenwirken der alletverschiedensten Richtungen möglich zu machen, uns auch in künftigen Fällen auf eine gemeinsame Interpellation s einigen., Wiartelighr 441 Die Not ist von Vierteijahr zu Vierkeljahr gestiegen. In den letzten Jahren vor dem Kriege wurden wenig Kleinwohnungen gebaut. Während des Krieges wurde es immer mehr unmöglich, Kleinwohnungen zu bauen. Heute behelfen sich die Städte in immer wachsendem Umfang damit, daß sie ihrerseits— es ist eine Notwehr, aber der Rechtsgrund ist angesichts unserer Verfassung doch mehr als zweifelhaft— eine Erklärung aushängen: „Zuzug verboten“, ein Mittel, das auch wieder viele Schäden in sich schließt. Nun fragt man sich natürlich: wie soll man weiterkommen? Der Herr Unterstaatssekretär Scheidt hat in Preußen in dankenswerter Weise eine Denkschrift ül die verschiedenen Bauweisen votgelegt. Es wäre zu erwägen, ob sie auch uns zugänglich gemacht werden könnte; denn sie bespricht mancherlei Bauweisen. Zwei Formen sind heute genannt worden: Lehmbau und Lehmdrahtbau. Man könnte insbesondere auch an den Stampfbau denken, der als natürliche Bauweise viel Freunde gefunden hat. Ich möchte dabei sonders auf die Denkschrift von Baurat Siebold„Viventi satis hinweisen. Siebold ist vielleicht unser erster Praktiker des Kleinwohnungsbaues und des Kleinhausbaues in der Gegenwart, schmöchte dringend wünschen, daß mun durch unverzügliches Zusammenarbeite solchen Praktikern schneller vorwärts Wir haben heute für das Bauwesen, das doch in normalen Zeiten jährlich viele Hunderte von erfordert, keinerlei Versuchsstation. man kann doch unmöglich das Materialprüfungsamt in Terlin, dessen Versuche immer nur an einzelnen Stei oder Steinkörpern gemacht werden, wodurch lisches Bild entsteht, als ein solches Versuchsamt bezeichnen. Es ist notwendig, die Versuche einwandfrei an eingemaueren Steinen und an wirklichen Bauten zu machen; dann ergeben sich wahrscheinlich ganz andere Schlüsse. nan da nicht schnell zugreifen und in der Weise, Siebold vorschlägt, durch eine Reichsgarantie von einer halben Million es möglich machen, eine gemeinnützige Gesellschaft als Prüfungs= und Beratungsstelle zur Förderung sparsamer Bauweisen zu bilden? Es handelt sich bei der Bauweise doch nicht nur, worauf bisher ausschließlich Bezug genommen worden ist, um die Verbilligung der Mauern, sondern es handelt sich auch sehr stark um den inneren Ausbau, wobei auch viel gespart werden könnte.(Sehr richtig! rechts.) Ich könnte mir sehr wohl vorstellen, daß man, was die Bauweise anbetrifft, zu einer erheblich höheren Wertschätzung der Schwemmsteine gelangt und, was den inneren Ausbau betrifft, daß man mit dem Typensystem weiterkommen würde. Wir müssen möglichst schnell etwas raktisches schaffen. Es ist auch heute noch so, daß der Herr Minister in den meisten Fällen nur von seiner guten Absicht reden kann, abgesehen von den fünfhundert Millionen, die nach den Vorschlägen des alten Reichstags gewährt werden sollen, mit dem, was von seien der Länder hinzukommt, dreihundert Millionen. Hier liegen bürokratische Schwierigkeiten vor, die schärfer bekämpft werden müßten, als es bisher geschehen ist. (Sehr richtig! rechts.) Ich denke da zum Beispiel an alle die unnötigen Schwierigkeiten der Bauordnung. Ich weiß sehr wohl, daß in den letzten Jahren manches gebessert worden ist, daß manche abgrundtiefe Schäden schon beseitigt worden sind. Aber trotzdem bestehen hinsichtlich der Bauordnung und hinsichtlich der Baupolizei noch so viele bürokratische Schwierigkeiten, daß man hier wirksamer durchgreifen müßte. Wenn man sich zum Beispiel Staaken ansieht,— ja warum ist denn da diese verteuernde breite Straße notwendig gewesen? Das ist ein Beispiel, das dem Reichsministerium naheliegt, und so könnte man Tausende Beispiele anführen. Es ist zum Beispiel unter Überwindung aller möglichen Schwierigkeiten, mit viel opfervollen Arbeiten in Weidenau an der Sieg möglich gewesen, den gemeinnützigen Kleinhausbau wieder in Fluß zu bringen. Da im letzten Augenblick ist es auf einmal nicht möglich, das erforderliche Benzol zu bekommen, die Benzolgesellschaft hindert wieder alles. In sehr vielen Fällen sind es an irgendeiner Stelle bürokratische Schwierigkeiten, die hemmend und hindernd wirken. Wenn man da doch ein wenig rücksichtsloser vorgehen würde, um zu helfen! Beim Bochumer Spar= und Bauverein— es liegt auch im dringendsten Interesse des Verbandes der deutschen Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer— könnte geholfen werden. Es sind auch da wieder bürokratische Schwierigkeiten, die der Hilfe entgegenstehen. Und wieviel auf diesem Gebiete durch das Widereinander und Gegeneinander der Instanzen versäumt worden ist, darüber sollte man sich nicht zweifelhaft sein.(Sehr Es ist kein Zweifel, daß unsere mittelalterliche Städtekultur, auch was das Künstlerische anbetrifft, mit Millionen mehr, als in den letzten Jahrzehnten mit der entsprechenden Aufwendung von Milliarden, geleistet hat.(Sehr richtig! Ich habe die Empfindung, wenn seinerzeit Bismarck hart auf die Bürokratie gescholten hat, heutzutage würde sein Urteil über die Revolutionsbürokratie kein milderes sein. Auf dem Lande haben wir durch das Siedlungsgesetz jetzt mancherlei Möglichkeiten erhalten. Aber es handelt sich, wenn wir unserem armen um Möglichkeiten; es genügt nicht, daß der Minister sagt: diskutiert ist viel, aber die Ausführung hat zu wünschen übrig gelassen, sondern es handelt sich darum, daß wirklich etwas Praktisches geschieht. Ich bin mit dem Herrn stellen muß. Ich habe es seit Jahrzehnten für richtiger hackt sidemn im Rugenblck, un ein Streikt Khoschtich de# Arbeitsverhältnisses entsteht, immer auch ein Streit hinsichtlich des Mietvertrages ausbricht und dadurch der soziale Frieden schwer gefährdet wird. Also wenn man aus durchaus sozialverständlichen Gründen die gemeinnützigen Gesellschaften in den Vordergrund stellt, dann sollte man auch diese Siedlungsgesellschaften in anderer Weise behandeln, als es bisher von unserer staatt lichen Bürokratie geschieht.(Schluß folgt.) Mittellandkanal und Bodenreform. Von Dr. Nagel, Anklam. Das preußische Ministerium will sich in allernächster Zeit über die Linienführung des längst geplanten Kanals zwischen Hannover und Magdeburg schlüssig werden. Das ist eine erfreuliche Nachricht, denn damit würde der große „Mittellandkanal“ vom Niederrhein bis zum Elb= und Odergebiet endgültig fertiggestellt werden, der ein neues, wirtschaftlich überaus bedeutsames Bindeglied zwischen dem Osten und dem Westen Norddeutschlands schaffen soll. Ein Kanalbau aber verursacht gewaltige Kosten, und bisher hat noch jedes derartige Unternehmen die bertreffenden Kreise, Provinzen und Staaten zur Aufnahme drückender Schulden gezwungen. So kostete der Teltowkanal im Süden Berlins 40 Millionen Mark, die im wesentlichen der Kreis Telkow aufzubringen hatte, was eine schwere steuerliche Belastung aller seiner Einwohner, auch derer, die keinerlei unmittelbaren Vorteil von dem neuen Verkehrsweg genossen, zur Folge hatte. Bei der neuen Wasserstraße aber werden die Ankosten naturgemäß noch sehr viel höher sein, weil sie 150 Kilometer statt 40 Kilometer lang sein wird und außerdem die gegenwärtige Überteuerung in Rechnung gebracht werden mut. 45ig 9, Ster. Ist es nun aber wirklich unvermeiblich, die Steuerkraft aller Staatsbürger für das große Werk in Anspruch zu nehmen, oder gibt es vielleicht doch noch eine andere Möglichkeit der Kostendeckung?— Jawohl, die gibt es, und gerade die beim Bau des Teltowkanals gewonnenen Erfahrungen können und sollten uns auf den neuen, bodenreformerischen Weg führen.—61611n Kurz vor der Veröffentlichung der Lintenguhlung kaufte nämlich eine Terraingesellschaft in Teltow ein Anwesen von 45 Morgen für 94000 Mark. Nach drei Jahren verkaufte sie es weiter für 550000 Mark an einen Spekulanten, der es seinerseits in einzelnen Stücken, natürlich auch wieder mit Gewinn, abgeben will. Also ein Gelände von 45 Morgen erfuhr dadurch, daß der Kanal hindurch geführt werden mußte, eine Wertsteigerung von 450000 Mark ohne jede Arbeits= und Kapitalsaufwendung des Besitzers! Und so war es überall: ein Streifen von 500 Metern zu beiden Seiten des Teltowkanals hatte vor der Bekanntgabe der Linienführung den Wert von etwa 100, nach der Vollendung des Kanals aber von 500 Mark. Wie spielend leicht hätten doch diese 400 Millionen unverdienten Wertzuwachses ausgereicht, um die Baukosten von 40 Millionen zu decken, ja welch gewaltiger Überschuß wäre der Volksgesamtheit verblieben— wenn die damalige Staatsregierung die Einsicht und den sittlichen Mut gehabt hätte, das Anrecht des Staates auf diese ron ihm allein geschaffenen neuen Bodenwerte durchzusetzen! Leider ist das damals nicht geschehen, weil einmal die Macht der Bodeninteressenten im alten Staat übergroß und gleichzeitig die öffentliche Meinung gerade über Bodenfragen und ihre überaus weitreichende Bedeutung noch viel zu wenig aufgeklärt war. Von der heutigen Volksregierung aber erwarten wir mit Bestimmtheit, daß sie bei dem jetzt in Frage stehenden, so sehr viel größeren Projekt des Mittellandkanals die Belange des Volkes höher stellt als die von kleinen, wenn auch kapitalkräftigen Spekulantengruppen. Auf welche Weise nun der steigende Bodenwert für die Gesamtheit nutzbar gemacht wird, ob durch eine gerechte Besteuerung des Bodens nach seinem gemeinen Wert, verbunden mit einer sehr hohen Zuwachssteuer oder durch Enteignung eines Geländestreifens von je 500 Metern auf beiden Ufern des neuen Kanals— natürlich zu dem Wert, den der Boden vor dem Bau hat— das alles sind nur Fragen der Zweckmäßigkeit. Die Forderung einer gesunden Volkswirtschaft, der sozialen Gerechtigkeit aber ist es, daß die Grundrente und die Zuwachsrente, die an neuen Verkehre * wegen, und besonders an Kanälen überall und immer entsteht, und zwar ausschließlich durch die Aufwendungen der Gesamtheit, grundsätzlich als öffentliches Eigentum in Anspruch genommen wird, denn kein Mensch hat ein Recht, arbeits= und risikolosen Gewinn aus der Arbeit seiner Volksgenessen zu ziehen. Wird diese alte Forderung der Bedenreformer nun endlich im deutschen Volkestaat erfüllt, dann sind alle geldlichen Bedenken, die jetzt immer wieder dem unbedingt notwendigen Ausbau unserer Binnenwässerstraßen entgegengehalten werden, gegenstandslos geworden, dann trägt jeder Kanalbau seine eigene Last. Soeben kommt die Nachricht, daß Adolf Damaschke, der langjährige, hochverdiente Führer der Bodenreform= und Heimstättenbewegung, bei der verfassungsmäßig in Aussicht stehenden Neuwahl des Reichspräsidenten als Kandidat aufgestellt werden soll.— Es wäre ein Segen für unser von Parteileidenschaft zerrissenes Volk, wenn es diesen Mann tatsächlich zu seinem Präsidenten erhöbe, der ihm, in unantastbarer Neutralität gegenüber allen Parteien, endlich die Versöhnung von Individualismus und Kommunismus eben in der Bodenreform bringen will und kann. Baltikum und Bolschewismus. Die Entente droht und bittet. Der deutschen Regierung sind von der Entente zwei Noten überreicht worden, deren Forderungen kaum miteinander in Einklang gebracht werden können. Einerseits droht uns die Entente wegen der Vorgänge im Baltikum mit der Hungerblockade, auf der anderen Seite bittet sie um unsere Mithilfe bei der Ausübung eines wirtschaftlichen Druckes auf Sowjetrußzland. Diese unsichere Haltung der Alliierten kann nur auf ihre unzweifelhafte Furcht vor einem künstigen Zusammengehen Deutschlands und Ruslands zurückgeführt werden, unter der die ganze Politik der Entente zurzeit zu betrachten ist. Die wirtschaftliche Durchdringung des Baltenlandes durch deutsche Ansiedler und Truppen erschien der Entente der Beginn dieser Entwicklung, die sie unter allen Bedingungen zu unterbinden sucht. Note auf Note folgt, um den Rückzug der deutschen Truppen aus dem Baltikum zu erzwingen und das Balten and für die wirtschaftliche Ausbeutung durch die Entente, insbesondere durch England freizumachen. Die letzte Note der Alliierten über die baltische Frage droht mit dem äußersten und auch grausamsten Druckmittel, der Blockade. In der Note wird zunächst die Zweckmäßigkeit der von der deutschen Regierung zur Durchführung des Abtransportes der deutschen Truppen aus dem Baltikum eingeleiteten MajnahTmen gebilligt, andererseits sprechen die Alliierten die deutsche Regierung von der Anschuldigung, ihre im Waffenstillstandsver######e übernommenen „Ehrenverpflichtungen“ vernachlä sigt zu haben, nicht frei. Sie gehen sogar noch weiter und äußern den Verdacht, daß die Räumung des Va tikums absichtlich verzögert worden sei. Sie richten Fragen über das Verbleiben des Generals v. d. Goltz an die deutsche Regierung und wollen wissen, warum man den General so lange dort gelassen, wieder hingeschickt und, wenn er seinen Instruktionen entgegen gehandelt haben sollte, nicht bestraft oder verabschiedet hat. Die Note spricht auch von der„Offensive der Deutschen“, gegen Riga, indem sie die deutschlettische Zone verletzten, die lettische Stellung mit Panzerzügen, mit Flugzeugen und mit giftigen Gasen angegriffen haben, indem sie weiter Riga bedroht und in Kurland die Lildung einer deutsch=russischen Regierung hervorgerufen haben, die sich der Lokalregierung feindlich gegenübergestellt hat. Mit dem Vorschlag einer alliierten Militärmission, die mit der deutschen Regierung die Räumungsüberwachen soll, erklären sich die Alliierten einverstanden, halten jedoch andererseits an dem Grundsatz der vollen Verantwortung der deutschen Regierung in der Ausführung des Abtransportes fest und wünschen die in ihrem Telegramm vom 27. September angekündigten Maßregeln in vollem Umfang aufrecht erhalten zu wissen, wenn der Abtransport nicht endlich unternommen und mit aller wünschenswerten Eile durchgeführt wird. Diese Maßregeln bestehen beranntuich carin, vaß die Alliierten bis zur Erfüllung ihrer Forderung keinerlei Anträge der deutschen Regierung auf Lieferung von Lebensmitteln und Rohstoffen berücksichtigen sowie daß sie alle finanziellen Erleichterungen die die deutsche Regierung gegenwärtig bei den Alliierten genieße, oder zu erlangen suche, ablehnen werden. 11— Weltblockade gegen Sowjetrußland. In der zweiten Note fordert die Pariser Friedenskonferenz die Neutralen und Deutschland zur Teilnahme an Maßregeln auf, durch die sie das bolschewistische Rußland von der übrigen Welt abzusperren gedenkt. Die Friedenskonferenz erklärt, sie habe nach Aufhebung der Blockade gegen Deutschland den Staatsangehörigen der alliierten Mächte die Wiede aufnahme von Handelsbeziehungen mit dem bolschewistischen Rußland nicht erlaubt. Nunmehr werden, um die Abschnürung wirksam zu machen, Deutschland und die Neutraler um ihre Beteiligung ersucht. Deutschland braucht die meisten der Verbote, die zu diesem Zwecke angeregt werden, u. a. Ausfahrverbot für alle nach einem russischen Hafen zu den Bolschewiki fahrenden Schiffe, Unterbindung des Waren=, Bank= und Postverkehrs usw., eigentlich gar nicht erst ergehen zu lassen. Ein wirtschaftlicher Verkehr mit Sowjetrußland findet wohl kaum statt und der Postverkehr ist überhaupt unterbunden. Deutschlands Stellungnahme zu den EntenteNoten. Die Reichsregierung hat bis zu diesem Augenblick zu den beiden Noten der Entente noch nicht Stellung genommen. Das Kabinett kann erst beraten. bis Reichswehrminister Noske, der nach Oberschlesien gereist ist, nach Berlin zurückgekehrt sein wird. Da die Antworten und Entschließungen der Reichsregierung von einer ganzen Anzahl wichtiger Momente der inneren und außeren Politik abhängen, wird es voraussichtlich einige Zeit dauern, bis die Lage geklärt sein wird Wahrscheinlich wird die Regierung beide Noten beantworten, obwohl die Entente auf die zweite Note gar keine Antwort verlangt Keine Besetzung Rigas. Die Nachricht von der Besetzung Rigas durch die „Deutschen“ wird von berufener skandinavischer Seite nicht bestätigt Die russisch=deutsche Armee soll vielmehr, wie Clemenceau im französischen Senat ausführte, von den Letten geschlagen worden sein. Der Führer der russischen Westarmee Oberst Awaloff Bermondt behauptet bereits, daß sich sein Vorgehen nicht gegen die Letten richte, fordert diese vielmehr zu gemeinsamer Abwehr der Bolschewisten auf und ersucht, ihi den Durchmarsch zur Bolschewistenfront freizugeben. Unter der Armee Bermondts befinden sich zweifellos viele deutsche Ueberläufer, und, wie es scheint, ist auch die Eiserne Division unter Major Bischoff zu ihr übergetreten. General v. d. Goltz ist auf dem Wege nach Berlin: hier wird er der alliierten Kommission berichten können, daß es für die deutsche Regierung einfach unmöglich ist, die Befolgung des Rückzugsbefehls bei den über weite Strecken des Baltikums zerstreuten ehemals deutschen und jetzt in russischen Diensten stehenden Truppen mit Erfolg durchzusetzen. Rote Rosen. Erlebtes. Von Anna Lydia von Rennenkampff. (Schluß.) Mit väterlichem Stolz und Wohlgefallen betrachtete der alte Herr sein schönes Kind, das die neue, so kostspielige und doch so einfache Toilette ausgezeichnet kleidete. Sie hielt schon den Strauß langstieliger roter Rosen in den feinen Händen und um ihre Lippen spielte ein glückliches Lächeln, während in den dunklen, strahlenden Augen noch ein anderer, schwer zu bestimmender Ausdruck stand. War es etwas Wehmut? War es ein ahnendes Bangen——? Herr Kersten küßte sie auf die bleiche Wange, ganz vorsichtig, um Hut und Haar nicht zu gefährden.—„Mein Stolz, du— und mein Glück! Nach aller Entehrung und Knechtung nun endlich ein Tag der Freiheit und der Freude und Ehre. Wie lange werden wir daran zurückdenken... Aber weißt du auch deinen Spruch?“ Hertha Kersten gab ihm lächelnd das Blättchen und ließ sich noch einmal überhören. Dann reichte der Vater ihr ritterlich den Arm und führte sie nach dem Festplatze. Hier hatte sich unterdessen alles versammelt: Militär, Obrigkeiten und Publikum. Frau von Alten=Neuhof und Benita hatten vorzügliche Plätze, dicht neben Fräulein Kersten, und aus dem Fenster des dahinter befindlichen Militärlazaretts schauten Bärbchen und Trudel mit großen, erstaunten, fragenden Augen. Drunten stand auch Papa in einer Gruppe Herren— und da war ja Onkel Alten und Tante Ella und Benita.— Und die liebe Tante Ada war also auch„angekommen", aber von ihren vier Kindern hatte sie niemand mit... Warum nicht?— Und wie schön das Fräulein Kersten aussah im weißen Kleide mit dem roten Rosenstrauß.„Möchtest du jetzt statt ihrer unten stehen, Bärbchen, und die Rosen halten?“ fragte Tante Treu, die Erzieherin. Bärbchen machte noch größere Augen und schüttelte das Köpfchen. Ja, und da standen doch die lieben deutschen Soldaten, eine ganze Kompagnie, und davor— wahrhaftig, das war der Onkel Hauptmann Behrends, der abends zuvor von Alten, woher die Kinder kamen, fortgefahren, und wieder von dem lustigen kleinen dicken Onkel Hauptmann abgelöst worden war— dem Onkel Ersatz=Hauptmann, der so viel hin= und herpenndeln mußte. Leutnant Wehnert hatte ihm neulich einen wunderschön gemalten Orden überreicht zur Belohnung für seinen prompten Ersatzvisien, auf dem seine und seines Gaules geplagte Existenz wie auch unzählige beschwingte Hermesfesseln abgebildet waren. Das erzählte Tante Treu der Tante Ada, die zu den Kindern hinaufgestiegen war. Und nun begann's! Die Wagen mit dem hohen Herrn und seinem Gefolge waren angekommen— die Trommel wirhelte, die Musik spielte und die Ehrenkompagnie marschierte im strammsten Schritt an ihrem hohen Chef vorbei. Hauptmann Behrends kommandierte. O, weh— seine Stimme klang etwas übergesprungen— man konnte die Worte kaum verstehen. Er klagte später, dies sei ihm von einer Gasvergiftung nachgeblieben. Es war ihm sehr fatal. Dem lieben schlichten, vielleicht etwas einseitigen Manne war überhaupt Schicksal und Umgebung nicht hold.—— Wenige Monde später färbte sein— ach! so vergeblich geflossenes Blut— den Boden Serbiens!— Aber da verneigt sich Fräulein Kersten vor dem freundlich und klug dreinschauenden weißhaarigen Prinzen— und bringt ihren Willkommens= und Dankesgruß an. Eine zarte Röte hat ihre sonst bleichen Wangen überhaucht, und sie ist doch ein wenig erregt und schüchtern—— die Worte kommen etwas undeutlich von ihren Lippen. Doch dankt der alte Herr in verbindlicher Weise, als er die Rosen aus ihrer Hand entgegennimmt. So rote Rosen... es ist die Farbe der Zeit... Möge sie wieder zur Farbe der Freude werden, die keine blutigen Erinnerungen heraufbeschwört Der alte Herr sagt diese Worte nicht, aber sie lassen sich fast aus dem sinnenden Ausdruck ablesen, mit dem er einen Augenblick die erhaltene Gabe betrachtet. Wenigstens schien es Hertha Kersten später, als habe sie ihn so verstanden... Die deutsch=französischen Beziehungen. Die Ratisikation des Friedensvertrages durch den frag, zösischen Cenat. Der französische Senat stimmte dem VersainFriedensvertrag mit 217 Stimmen bei einer Stimn, enthaltung zu Die Militärabkommen mit Englan und den Vereinigten Staaten wurden einstimmig mi 218 Stimmen angenommen Der Abstimmung ging eine bedeutende Rede des Ministerpräsidenten Clemen, ceau über das zukünftige Verhältnis zwischen Deutc. land und Frankreich voraus Der Friedensvertrag könne, so führte Clemencean aus, auch ihn nicht vollkommen befriedigen Vertreter Frankreichs auf der Friedenskonferenz hätten keine Wunder wirken können Die ungeheure Kata, strophe, die über die Welt hereingekommen sei, haßMillioner von Menschenleben vernichtet Ganze der seien in das Unglück gestürzt worden DerartigEreignisse könnten nicht durch geschriebene Aktenba. gen, die man einfach unterzeichne, beendet werden Und man dürfe, nachdem man dies vollbracht habnicht einfac, schlafen gehen Das ganze Leben besteßaus Wachsamkeit Zu dieser Wachsamkeit sei aug Frankreich verurteilt Die Friedenskonferenzen von Haag hätten sich ausgedehnt und als Folge des Krie, ges zu einem Völkerbund ausgewachsen Der Bölkerbund sei aus dem Krieg heraus geboren worden der eine solche Unmenge von Leiden gezeugt habe daß sich die Notwendigkeit ergeben hätte, um icen Preis den Versuch zu machen, darüber hinwegzu, kimmen Den Krieg der Deutschen habe Frankreich seit einem halben Jahrhundert erwartet Die Franzosen seien einig in zwei Gedanken gewesen, einmal darin, diesen Krieg niemals zu provozieren, und andernteils hätten sie die Ueberzeugung gehabt, daß. wenn der Krieg käme, sie alle Lasten ertragen müß ten Aus diesem Gedanken heraus sei die Allianz mit Rußland entstanden. Die Aufgabe sei gewesen, den deutschen Militarismus niederzuschlagen. Was die deutsche Einheit betreffe, so sei er gewiß kein Anhänger davon Doch wie hätte er unter dem Vorwand, die deutsche Einheit zerstören zu wollen, die Menschenschlächterei fortserzen dürfen in dem Augenblick, in dem Deutschland den Waffenstillstand verlangte. Die Niederlage hätte die deutsche Einheit naturnotwendig stärken müssen Aber die Ereignisse marschierten. Unglücklicherweise hätten die Franzosen keine Geduld. Die durch den Vertrag geschaffene Lage würde sich in einer Weise entwickeln, die nicht nur von den Deutschen, sondern auch von den Franzosen abhänge. Frankreic wolle die Deutschen nicht beherrschen. Die Franzoser wollten frei sein, um zu befreien. Die Deutschen aber knechteten sich, um zu knechten. Die Einheit liege nicht in den Protokollen der Diplomatie, sondern in den Herzen der Menschen. Es liege nicht in der Absicht Frankreichs, in das Herz der Deutschen einzudringen. Was die Frage der Entwaffnung Deutschlands anbetreffe, so müsse er zugestehen, daß zwischen fünf Millionen Soldaten und hunderttausend ein Unterschied sei. Man habe die Militärpflicht gegen die Vorschläge der militärt schen Sachverständigen beseitigt. Man habe die ganze schwere Artillerie verboten und die leichte Artillerie herabgesetzt. Clemenceau fragte: Glauben Sie, das die Zukunft des deutschen Regimes ebenso sichergestellt ist wie das unfrige? Es vollzögen sich in der deutschen Armee Evolutionen, deren Tragweite man nicht voraussehen könne. Aber was er wisse, sei, daß dieser Staat in der jetzigen Weise nicht fort bestehen könne. Krisen seien unvermeidlich. Wenn man ihn frage, welches die Politik Frankreichs gegen über Deutschland sei, so antworte er: Zuerst muß der Friedenevertrag ausgeführt werden. Das ist der Prüfstein. Eine Kommission von 60 kranzösischen Okfizieren befinde sich bereits in BerBlutige Erinnerungen...O, mein Gott! mit wievielen dieser roten Rosen sind hier im Land die Gräber über schüttet worden...! Aber noch blaute ungetrübt der Maihimmel füllte jedes Herz Dank und Freude und frohe Hoffnung, Und nun werden die Herren vorgestellt, sogar Papa wurh einer längeren Unterhaltung vom Prinzen gewürdig. Trudel und Bärbchen hatten noch viel zu sehen— sie sollten später Mama alles erzählen... und dann kamen du Tanten sie begrüßen. Tante Ella und Benita holten zum Mittag ob. Von dem Platz aber waren plötzlich aut verschwunden: Die Soldaten, die Obrigkeiten— di Prinz— das Publikum. Einzelne nur sah man noch hm und herschlendern— manche Gesichter darunter, die kein Freude empfunden zu haben schienen— die finster drohend blickten—:„Unser Tag, wird wiederkommen... Und wie er kam—! Ein halbes Jahr darauf mußten Trudel und mit ihrer armen Mama von dem elterlichen Gute nachdem der arme Papa, dem die schweren Erlebnisse“ vorletzten Jahre das Nervensystem erschüttert hatten, scho vor Monaten in einer Nervenheilanstalt hatte untee gebracht werden müssen.— Als sie am Gartenzaun en fuhren, gab es plötzlich Aufenthalt: die ganze Straße mit Fahrzeugen bedeckt— graue Gestalten umstanden umgingen sie. Sie kamen aus der Richtung von., das ihnen preisgegeben worden und in das um dieselbe Stum die gefürchteten Bolschewisten einziehen sollten Mamas und Großmamas Wangen tropften Tränen... also nahm man Abschied... auch von seinem Hoffen,“ Glauben—? Auch von seiner Liebe—? Nein, Liebe“ stärker als der Tod! Sie trägt Enttäuschung, wenn blutenden Herzens— sie ringt sich wieder zum Glauben Hoffen hinauf... 6168 Jetzt mußte man eilen, der Aufenthalt kostere„n beinahe den letzten Zug, der noch die Möglichkeit Rettung bot.— Ob Bärbchen und Trudel ihr Heimal“ je wiedersehen—? zösischen en. ges durch den frauate dem Versailler bei einer Stimmnmen mit England den einstimmig mit Abstimmung ging präsidenten Clemen= is zwischen Deutsch. o führte Clemenceau i befriedigen Die denskonferenz hätten ie ungeheure Kataigekommen sei, habe nichtet Ganze Län worden Derartige eschriebene Aktenboie, beendet werden ies vollbracht habe, ganze Leben bestehe ichsamkeit sei auc enskonferenzen vom als Folge des Krieewachsen Der Bölus geboren worden, eiden gezeugt habe, en hätte, um jehen darüber hinwegzuen habe Frankreich rwartet Die Franken gewesen, einmal rrovozieren, und anugung gehabt, daß, asten ertragen müß us sei die Allianz n deutschen Mias die deutsche Einin Anhänger davon. orwand, die deutsche Menschenschlächterei ick, in dem Deutschzte. Die Niederlage twendig stärken müsirschierten. Unosen keine Geduld. : L a g e w ü r d e s i c h i n nur von den DeutFranzosen abhänge. cht beherrschen. Die zu befreien. Die um zu knechten. den Protokollen der rzen der Menschen. Frankreichs, in das Was die Frage der anbetreffe, so müsse Millionen Soldater ied sei. Man habe schläge der militärt Man habe die ganze die leichte Artillerie Glauben Sie, das mes ebenso sichergevollzögen sich in der eren Tragweite man was er wisse, sei, in Weise nicht fort invermeidlich. Wenn ik Frankreichs gegener: trag ausgeführt eine Kommission von e sich bereits in Verin Gott! mit wievielen and die Gräber überMaihimmel— und frohe Hoffnung, ellt, sogar Papa wurde Prinzen gewürdigt. zu sehen— sie sollten und dann kamen die und Benita holten sie ser waren plötzlich alle Obrigkeiten— di tur sah man noch hiner darunter, die keine in— die finster und ed wiederkommen... Trudel und Bärbchen terlichen Gute flüchten, chweren Erlebnisse der erschüttert hatten, schor anstalt hatte sianz m Gartenzaun eman, die ganze Straße stalten umstanden und htung von., das vol das um dieselbe Stu hen sollten...“e opften Tränen... seinem Hoffen, seinem —2 Nein, Liebe,. euschu ganhen b ieder zum Glauben un fenthalt kostete einen die Möglichkeit eine lin. Er befürchte heute die wirtschaftliche Herrschaft mehr als die militärische. Wenn man für die aukunft einen nützlichen Ausgleich haben wolle, dann müsse man die französische Oberherrschaft sicherstellen. Aber damit Deutschland bezahlen könne, müsse es arbeiten Man müsse niemals vergessen, daß es sich um ein intelligentes, ordnungsliebendes und methodisches Volk handele. Auch die Frage der Verantwortlichkeik müsse gelöst werden. Das werde in Heutschland Tatsachen zeitigen, die man nicht kenne. Die Deutschen seien von den Franzosen nur durch die Grenze getrennt. Sie hätten Akte der Gewalt begangen, die die gesamte Menschheit nur einmütig tadeln könne. Deshalb würden mehrere Fragen aufgeworfen, so namentlich die Frage der Wiederaurmachung und der Garantien. Was die Wiedergutmachung betreffe, so hätte man einen festen Preis festlegen wollen. Der sei aber so niedrig gewesen, daß ihn die französischen Parlamente nicht angenemmen hätten. Was die militärische Sicherheit Frankreichs betreffe, so sei der Rhein auf seinem finken Ufer neutralisiert und auch auf 50 Kilometer seines rechten Ufers. Was die stetige Besetzung der uheinlande mit den Brückenköpfen anbetreffe, so hätte er sich dazu nur verstehen können, wenn er nichts anderes hätte erreichen können. Er habe darauf verzichtet, als er die englische und amerikanische Allianz gehabt habe Die französische wirtschaftliche Lage werde heute und morgen von dem Mangel an Arheitskräften beherrscht. Hätte man unter diesen Umständen an eine ständige Besetzung des linken Rheinufers denken können? Die Wahrheit sei, daß sich Frankreich bei der linksrheinischen Bevölkerung Freunde schaffen müsse, indem man sie gut behandle und sie gegen den preußischen Despotismus schütze.(!) Was den Völkerbund anbetreffe, so sehe er Mitglieder des Völkerbundes, die sich gegenseitig mit der Pistole in der Hand betrachteten. Zum Schluß forderte Clemenceau die Franzosen auf, einig zu bleiben. Frankreich müsse viele Kinder haben. Ohne diese, da könne man in einen Vertrag hineinschreiben, was man wolle, sei Frankreich verloren. Es sei ein gikt der Feigheit, ein Verzicht auf eine notwendige Last, wenn man erkläre, man wolle keine Kinder haben, Clemenceau erhielt starken Beifall, und es wurde beschlossen, seine Rede im ganzen Lande anschlagen zu lassen. Die Nationalversammlung. 97. Sitzung. Montag, den 13. Oktober 1919. Ein Gesetzentwurf zur Aenderung des Gesetzes über das Branntweinmonopol wird einem Ausschuß überwiesen Auf der Tagesordnung steht dann eine sozialdemokratische Interpellation über die Preissteigerung im Lederhandel; verbunden wird damit ein Bericht des Ausschusses für Volkswirtschaft über die Notstandsversorgung für Ober= und Unterkleidung, sowie Schuhwerk und Abbau der Zwangswirtschaft auf dem Gebiete der Textilindustrie. Der Ausschuß ersucht um vorzugsweise Belieferung der während des Krieges stillgelegten Webereien mit Rohstoffen. Er fordert Notstandsversorgung der heimkehrenden Gefangenen, Zivilinternierten, der Minderbemittelten usw. Der Abbau der Zwangswirtschaft soll unverzüglich in die Wege geleitet werden. Ein parlamentarischer Ueberwachungsausschuß soll die Liquidation der Reichstextil=Aktiengesellschaft übernehmen. Aba Becker=Oppeln(Soz.) beg. ündet die Interpellation Au, Kosten der breiten Massen wird mit Leder ein unerhörter Wucher getrieben. Wenn es so weitergeht, muß es zu einer Katastrophe kommen. Die Regierung sollte die Zwangswirtschaft schleunigst wieder einführen Ungeheure Mengen an Leder und Ledergegenständen sind an Polen geliefert worden. Die Regierung sollte zur Zentralisation der Ausfuhrgenehmigung schreiten. Für Ueberschreitung von Höchstpreisen müßte der tausendfache Betrag als Strafe angeserzt werden.(Zurufe rechts: Aufhängen!) Nur auf solche Weise kann dem Uebel abgeholfen werden. Wir müssen aus dem Sumpf heraus! Die Schwarzschlachtungen, die die hohen Lebensmittelpreise verschulden. müssen aufhören. ——— Benita Alten führte auch ein allerletzter Zug hinweg— ganz hinweg aus Gegend und Land, in die nun das blutigste Grauen seinen Eingang hielt. Aber sie fuhr an der Seite ihres Geliebten, der es möglich gemacht man weiß kaum wie? Denn er kam aus eigener Gefahr, fast Gefangenschaft— seine Braut vor den auflodernden Flammen zu retten und heimzuholen. Die Eltern und Brüder hatte sie zurücklassen müssen.— Und wenige Wochen pater trieb die Leiche des bestialisch auf dem Eise erschossenen Vaters den Fluß hinunter, in den man worfen— und bis zur Stunde ist sie nicht aufgefunden. —.—— Rote Rosen... Wem hatte Hertha Kersten was Böses angetan? Der Vater besaß nicht einmal ein Gut, sie gehörten also nicht zu den sogenannten„geborenen“ Feinden des armen, aufgehetzten Volkes, das nur sein„Recht“, wie es hieß, zu stehmen kam— und seine Rache. Herrn Kerstens Reichkum konnte auch nicht die Raublust locken, denn er besaß keinen. Genügte aber nicht, daß er sich überhaupt an seinen eigenen Tisch setzen durfte— und eben—„Burshiy“ war—? Dennoch verschonte man ihn diesmal und griff nach seinem einzigen Glück— ergriff Hertha Kersten und warf sie ins befangnis... Hatte sie nicht Rosen— rote Rosen— dem deutschen Prinzen zu übergeben gewagt?— Es gibt keine Prinzen mehr! und hier— haben weder Prinzen noch Deutsche mehr was zu sagen... Hertha, Hertha! was mußt du durchgemacht haben Und dein unglücklicher, verzweifelnder Vater... Als sich die Retter nahten, die eigenen Volks= und Helmatsgenossen und die neuen menschlichen Brüder von über dem Meer— da lag Hertha Kerstens blutige Gestalt mit vielen, vielen anderen in einem roh aufgeworfenen Massengrabe außerhalb des schwer heimgesuchten Slädtchens... Blutrot war der Schnee ringsum gefärbt... Rote Rosen... Schreit das Brüder= und Schwesternblut nicht mehr zum Himmel—?! Ein Notschrei der Deutschen in Polen. Wenn nicht schnell Hilfe kommt, sind in den an Polen abgetretenen Provinzen Posen und Westpreußen die deutschen Schulen dem Untergang geweiht. Im besetzten Posener Gebiet gibt es schon meilenweit keine deutschen Schulen mehr. Die deutschen Schulkinder sind entweder ohne Schule oder sie besuchen die polnische. Diese Zustände drohen auch über die Deutschen des noch unbesetzten Abtretungsgebietes zu kommen Wird das deutsche Schulwesen hier nicht gesichert, so kann sich deutsche Sprache und Kultur in Polen nicht lange halten. Die Heimat hat so oft versprochen, sie wolle „die deutschen Brüder im Osten nicht vergessen“. Heute kann sie zeigen, ob es ihr mit dem Gelöbnis ernst war. Zur Erhaltung der deutschen Schulen sind reichliche Geldmittel nötig. Der Deutsche Schulverein in Polen, Sitz Bromberg, hat sich der deutschen Schulinteressen angenommen. Er ruft die Heimat um rasche Hilfe an, um selbst noch rechtzeitig helfen zu können. Er bit Geldspenden an die Diskontogesellschaft in Danzig für„Deutschen Schulverein in Polen“ zu richten. Deutsche, heift euren verlassenen Volksgenossen im Osten! 5— Reichswirtschaftsminister Schmidt: Wir haben bei Aufhebung der Zwangswirtschaft natürlich mit höheren Preisen gerechnet, aber allerdings nicht mit so ungeheueren Steigerungen. Trotzdem sprechen schwerwiegende Gründe für die freie Lederwirtschaft. Ohne die Zufuhr aus dem Auslande kommen wir nicht aus. Ist die Zufuhr aber frei, dann kann im Inlande unmöglich die alte Zwengswirtschaft mit Höchstvreisen aufrecht erhalten werden, die niedriger sind als die Weltnarktpreise. Eine Kontrolle, ob in= oder ausländisches Leder verwendet worden ist, ist undurchführbar Die Forderungen der Landwirte, daß der Konjunkturgewinn in Leder ihnen vollkommen zugeführt wird. ist ungerecht, niemand darf jetzt übermäßige Gewinne machen Daher wird der Gewinn verteilt auf den Landwirt, die Gemeinden und das Reich Damit könnten die Landwirte zufrieden sein Die Schuhindustrie, das hat eine Umfrage ergeben, steht ausschließlich auf dem Standpunkt der freien Bewirtschaftung.— Wir müssen jetzt den Markt eine Zeitlang ruhig unter dieser Konjunktur lassen, um die Möglichkeit zu schaffen, daß ein vermehrtes Angebot eine Preissenkung herbeiführt. Tritt wirklich keine Besserung des unerträglichen Zustandes ein, dann müssen wir irgendein Abhilfsmittel zu finden suchen Auf Vorschlag des Präsidenten wird mit der nunmehr eröffneten Besprechung ein deutsch=nationaler Antrag Arnstadt verbunden, der einen Abbau der Zwangswirtschaft, besonders auf landwirtschaftlichem Gebiete verlangt. Ebenfalls verbunden wird ein ähnlicher Antrag Dr. Ablaß(Dem.). Abg Bergmann(Ztr.)- bespricht die Lederfrage vom Standpunkte des Schuhwarensabrikanten Hätten wir die Häute= und Lederwirtschaft nicht freigegeben, so würden wir heute weniger Schuhe und Leder und noch höhere Preise haben. Wir haben jetzt eine jährliche Produktion von 30 bis 35 Millionen Paar Stiefein Eine Reduzierung der Preise muß herbeigeführt werden, für eine neue Zwangswirtschaft sind wir aber nicht zu haben Abg Herrmann=Württemberg(Dem.): Wer jetzt Nahrungsmittel oder notwendige Kleidungsstücke ins Ausland verschiebt, um des Eigennutzes willen, ist ein Verbrecher Man muß es sich aber sehr überlegen, ob man auf allen Gebieten ohne Ausnahme die freie Wirtschaft einführen soll Durch eine planmäßige Beseitigung der Zwangswirtschaft wird eine allmähliche Anpassung der Inlandspreise an die Weltmarktspreize erzielt werden Mit Ausbruch der Revolution sind etwa 50 Prozent des Gefälles im Wege des Schleichhandels vertrieben. Wenn das Handwerk auf die Zuteilung der Behörden angewiesen wäre, hätte es aussterben müssen. Welche Gründe hat die Regierung gehabt, die Vorschläge auf Einführung von Uebergangsrichtpreisen für Leder= und Schuhwaren abzulehnen. Die Vorschläge hätten die wilde Preistreiberei verhütet. Der Schwerpunkt der Versorgung mit Schuhwerk ist am besten in die Gemeinde zu verlegen. Bei der Verteilung des Konsunkturgewinnes am Leder müßte die Landwirtschaft in erster Linie berücksichtigt werden. Mit allen Mitteln muß für eine schnelle Verteilung der vorhandenen großen Bestände an Kleidung und Textilien gesorgt werden. Abg. Wetzlich(Dnatl.): Auch ein großer Schuhmacherinnungsverband mit 8000 Mitgliedern tritt für Freigabe des Lederhandels ein. Die kleinen Betriebe haben das Wirtschaftsleben aufrecht erhalten. Dafür wollte man ihnen das Arbeitsmaterial wegnehmen. An den hohen Preisen ist zum großen Teil der Niedergang der Valuta schuld, nicht die Aufhebung der Zwangswirtschaft, denn die Preissteigerung ist in der Gesamtindustrie eingetreten. Nur die freie Wirtschaft wird das deutsche Volk hochbringen. Abg. Hugo(D. Vp.): Daß unsere Schuhversorgung so schlecht bestellt ist, ist nicht nur auf den Mangel an Schuhen zurückzuführen, sondern auf die Verwöhnung in der Geschmacksrichtung. Für Luxusschuhe wird jeder Preis bezahlt. Rindleder können wir aber nicht mehr verarbeiten, weil das Publikum diese Stiefes ablehnt. Die Lederindustrie ist gezwungen, die Produktion in derben Ledern vollständig einzustellen. lbg Simon(U. Soz.) warnt vor Aufhebung der Zwangswirtschaft. Eine Preissenkung wird erst mit der Besserung der Valuta kommen. Das Haus verlagt sich auf Dienstag 1 Uhr. Tagesordnung: Anfragen, Weiterbeialung. Schluß 6¼ Uhr. Deutsches — Generalseldmarschail v. Hindenburg hat den Ehrenvorsitz über den Ehrenrat des Deutschen Heimatbundes Posener Flüchtlinge übernommen. — Die praktische Vorbereitungszeit der Referendare soll in Kürze gesetzlich von vier auf drei Jahre verkürzt werden. — Auf der De'egiertenversammlung des Reichsverbandes der deutschen Presse in Aschafsenburg kam der einmütige, feste Wille zum Ausdruck, die wichtigsten Bürgschaften für die wir schaftlichen Interessen der deutschen Journalisten gegen alle Widerstände auf gewerkschaftliche durchzusetzen. — In dem Befinden des Abg. Haase ist infolge Blutvergiftung eine nicht unbedenkliche Verschlimmerung eingetreten. :: Die Beilegung der bayerischen Regierungstrise. In einer Entschließung der Bundeskonferenz der sozialdemokratischen Partei wird darauf hingewiesen, daß die bayerische Volkspartei und die demokratische Partei auf ihren Bundeskonferenzen den Wunsch zum Ausdruck gebracht haben, daß die jetzige Regierung unter dem Ministerpräsidenten Hoffmann in ihrer bisherigen Zusammensetzung weiter bestehe. Damit sei die gemeinsame Verantwortung für alle bisherigen und weiteren Regierungsmaßnahmen festgelegt und die Grundlosigkeit der maßlosen Angriffe gegen die sozialdemokratischen Regierungsmitglieder in aller Form anerkannt Die sozialdemokratische Landeskonferenz habe angesichts dieser Tatsache und der für den Winter zu erwartenden großen Schwierigkeiten nicht die Verantwortung dafür übernehmen können, daß das Land durch den Austritt der sozialdemokratischen Mitglieder aus der Regierung aufs Neue den schwersten Erschütterungen ausgesetzt werde und die politischen, kulturellen und sozialen Errungenschaften der Revolution gefährdet würden.— Damit ist die baherische Regierungskrise beigelegt. :: Die Golomillion im Fall Manheim. Der deutschnationale Abgeordnete von Graefe hatte an die Regierung die Anfrage gestellt, ob das Reich direkt oder indirekt an der Hergabe der einen Million Mark in Gold beteiligt sei, die angeblich von privater Seite der Regierung zur Befriedigung der französischen Ansprüche im Fall des französischen Sergeanten Manheim, der seinerzeit in Berlin niedergestochen worden ist, zur Verfügung gestellt worden ist. Auf diese Anfrage hat jetzt der Reichsminister des Auswärtigen schriftlich erwidert, daß er die Anfrage mündlich in der Sitzung des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten vom 7. Oktober dieses Jahres beantwortet habe, da die Erörterung der Angelegenheit vor der Oeffentlichkeit zurzeit aus Gründen der äußeren Politik unerwünscht sei. :: Die Errichtung der deutschen Zollgrenze im Westen aufgeschoben. In einer Konferenz von Vertretern der Handelskammer Caarbrücken und der Oberzolldirektion Köln wurde, wie verlautet, beschlossen, die Errichtung der deutschen Zollgrenze vorläufig aufzuschieben. Bestimmungsgemäß hätte die neue Zollgrenze schon am 1. Oktober errichtet werden müssen. Der Grund für den Aufschub liegt in den technischen Schwierigkeiten, die einer sofortigen Ducchführung des Zollwesens an der neuen Grenze entgegenstehen. :: Die Abstimmung in Schleswig. Der Minister für Schleswig, Hanssen, teilte einem Vertreter der Kopenhagener„Politiken“ mit, daß der Friedensvertrag in der Mitte dieser Woche in Kraft treten werde, und daß zehn Tage nachher Deutschland das gesamte Abstimmungsgebiet in Schleswig, also erste und zweite Zone, geräumt haben müsse. Man rechne damit, daß die internationale Kommission Ende nächster Woche in Flensburg eintreffen und daß die Abstimmung in der ersten Zone Mitte November stattfinden werde. Sobald die Abstimmung stattgefunden habe, habe Dänemark das Recht, das Land sofort zu besetzen, obwohl es noch nicht dem dänischen Staate übertragen sei. Selbstverständlich werde Dänemark von diesem Rechte Gebrauch machen. Auch die Abstimmung in der zweiten Zone werde beschleunigt werden. Nach dem Friedensvertrag soll sie spätestens fünf Wochen nach der Abstimmung in der ersten Zone stattgefunden haben, aber er, der Minister, könne sagen, daß sie weit früher abgehalten werde, d. h. also, daß beide Abstimmungen vor Weihnachten vorgenommen werden würden. :: Umwandlung des deutschen Flottenvereins. Die Mitgliederflucht, welche die Novemberereignisse beim Deutschen Flottenverein nach sich gezogen haben, hat den Gesamtvorstand veranlaßt, einer Namensänderung näher zu treten. Am letzten Sonntag trat der Verein zu seiner 16. ordentlichen Hauptversammlung zusammen, die durch Delegierte aus allen Teilen des Reiches, auch aus den besetzten Gebieten, beschickt war. Nach einer kurzen Besprechung wurde gegen zwei Stimmen beschlossen, den Verein künftig„Deutscher Seeverein“ zu nennen. Seine Zwecke werden in der Satzung wie folgt festgelegt:„Der Deutsche Seeverein will— über den Parteien stehend— das gesamte deutsche Seewesen fördern, insbesondere zu dem iederaufbau der deutschen Hadelsflotte, der Wiederaufrichtung des deutschen Seehandels und der deutschen Seefischerei, sowie der überseeischen Tätigkeit der Deutschen beitragen. Der Deutsche Seeverein will sich ferner der Angehörigen des Seemannsstandes annehmen.“ Diese Ziele fanden einstimmig Annahme. Es wurde beschlossen, im Reiche ein Flugblatt zu verbreiten. das über die Ziele des Deutschen Seevereins aufklären soll. :: Die Spaltung der Radisalen. Der Zersetzungsprozeß innerhalb der sozialistischen Parteien ist noch nicht zu Ende. Aus der alten Sozialdemokratie sind bereits drei Parteien, Mehrheitssozialisten, Unabhängige und Kommunisten hervorgegangen. Jetzt haben sich letztere abermals gespalten. Wie die Zentralleitung der Kommunistischen Partei in dem Erfurter Blatt„Der Kommunist“ mitteilt, hat sich die ebenfalls kommunistische„Rote Fahne“ in Berlin auf den Boden der revolutionären Betriebsorganisation gestellt. Damit sei im syndikalistischen Sinne Wesen und Zweck der politischen Partei überhaupt und der kommunistischen im besonderen verneint. Das Berliner Parteibsatt der Kommunisten wird daher von deren Leitung als nicht mehr zur Partei gehörig betrachtet.— Die revolutionären Betriebsorganisationen haben sich die Zertrümmerung der Gewerkschaften, des Rückgrates der sozialistischen Parteien, zum Ziel gesetzt. Rundschau im Auslande. : In Rußland, Sibirien und Turkastan befinden sich zurzeit noch 200000 deutsch=österreichische Kriegsgesangene. : Der Rektor der Wiener Universität hat im Namen aller österreichischen Hochschulen bei der Regierung einen scharfen Protest gegen die beabsichtigte Veräußerung von Kunstschätzen zum Zwecke der Beschaffung von Lebensmittelkrediten überreicht. : Die belgische Regierung hat für standrechtliche Erschießungen von Belgiern durch die deutschen Besatzungstruppen 960 Millionen Franken Schadenersatz angemeldet. * Nach südslavischen Meldungen befindet sich ganz Albanien im Aufstand gegen die Italiener. * Oesterreich: Berchtolds Rechtfertigungsversuche. * Die Auslassungen des Wiener Rotbuches lassen den Grafen Berchtold nicht ruhen. Wie die„Times“ aus Newyork melden, hat er in einem Telegramm nach Newyork an den amerikanischen Journalisten Karl von Wiegand zum österreichischen Ultimatum an Sexbien unter anderem mitgeteilt, daß zahlreiche Unterredungen, die er mit dem deutschen Botschafter in Wien geführt hatte, auf ihn keinen anderen Eindruck hätten machen können, als den, daß die deutsche Regierung erwarte, Oesterreich solle an Serbien den Krieg erklären. Die mit dem deutschen Gesandten zu Beginn des Monats Juli 1914 geführten Gespräche hätten ihn davon überzeugt, daß Deutschland, wenn Oesterreich in dieser Angelegenheit nicht energisch genug auftrete, es (Oesterreich) bei der nächsten Gelegenheit nicht mehr unterstützen würde und sich nach einer anderen Richtung hin orientieren würde. Berchtold teilt außerdem an Wiegand mit, daß der deutsche Botschafter in Wien, v. Tschirschky, über die Hauptpunkte des Ultimatums an Serbien noch vor der endgültigen Redaktion unterrichtet und ihm der Text zwei Tage vor der Absendung ausgehändigt worden sei. Ungarn: Der Abzug der Rumänen aus Ungarn. * Die Rumänen haben jetzt begonnen, die westlichen Teile Ungarns, zum Beispiel Raab und Stuhlweißenburg. zu räumen, wobei sie in unerhörter Weise Requisitionen vornehmen, Fabriken abmontieren und Maschinen und Wohnungseinrichtungen wegschleppen. Ganze Züge mit geraubtem Gut wurden von den rechtsmäßigen Besitzern um Hunderttausende wieder zurückgekauft. Die Rumänen schonen auch ungarisches Staatseigentum keineswegs. Als sie im Ministerium des Aeußeren Telephongerät rauben wollten, rief man die englische Militärmission zu Hilfe. Ein britischer General verjagte eigenhändig die Plünderer mit der Peitsche. Die alliierten Missionen, die zu den Rumänen in sehr unfreundlichem Verkehr stehen, lassen von der Bevölkerung alles genau notieren, was requiriert wird, und gedenken. diese Liste auf der Pariser Konferenz den Rumänen zwecks Aufrechnung vorzulegen. Die von den Rumänen geräumten Ortschaften wurden von der Weißen Garde besetzt. Ernste Unruhen drohen in der Slowakei, wo große Waffenlager durch Grenzschmuggel gesammelt wurden und wo die gegen die Tschechen erbit erte Bevölkerung einen Aufstand vorbereitet, um die Selbständigkeit zu erklären. Rußland: Ein Fluchtversuch Leuius. * Nach Meldungen bolschewistischer Blätter hat die russische Sowjetregierung beschlossen, angesichts der vielen Gefahren, die sie bedrohen, einen siebenten Rätekongreß einzuberufen. Die Gerüchte über die Ermordung Lenins finden durch die russischen Blätter keine Bestätigung. Indessen spricht manches für die Auffassung, daß Lenin versucht hat, Rußland heimlich zu verlassen. Sein Fluchtversuch soll jedoch bemerkt worden sein, worauf man ihn festnahm und in einer kleinen Stadt in der Nähe Moskaus internierte. zieht immer weitere Kreise. In Stadt und Land werden Volkshochschulkurse eingerichtet; in Zeitungen und Zeitschriften wird darüber geschrieben. Trotzdem begegnet man häufig der Frage:„Volkshochschule, was ist das eigentlich?“ Schon der Name gibt Antwort: es ist eine Bildungsanstalt für das Volk. Die Universität oder die technische Hochschule können nur von solchen benutzt werden, welche die Zeit und das Geld haben, eine höhere Schule durchzumachen. Die Volkshochschule aber verlangt keine Zeugnisse, sondern ist jedermann zugänglich. Sie setzt nur die Ausbildung voraus, welche sich jeder Deutsche in der Volksschule erworben hat. Ist er hernach durch die Fortbildungsschule gegangen, nun, so ist das um so besser; gefordert wird auch das nicht. Was aber bedeutet es, daß man von Volks hochschule spricht? Das klingt so hochtrabend, als wollte diese Schule mit den hohen Schulen, mit den Universtäten, in Wettbewerb treten. Das ist nicht die die Absicht. Die Universität will Gelehrte schulen und die Ausbildungsstätte für solche sein, die später einen akademischen Beruf ergreifen wollen. Dies Ziel kann und will sich die Volkshochschule nicht stecken. Sie wäre ein Unglück für unser Volk, wenn sie die Menschen ihrem schlichten Beruf, etwa der Landwirtschaft und Handarbeit, entfremdete und dem akademischen Berufe zuführte.„Hochschule“ nennt sie sich. aus einem anderen Grunde. Sie hat es nur mit Erwachsenen zu tun. Personen unter 18 Jahren passen nicht in sie hinein. Sie rechnet also mit Menschen, die nicht geschulmeistert, auch nicht bevormundet werden, sondern sich ein selbständiges Urteil bilden wollen. Der Unterricht wird also nicht ein Pauken, ein Eintrichtern von Wissen sein dürfen, er wird auch nicht die Sachen in bestimmtem Zuschnitt an die Zuhörer heranbringen dürfen, sondern er soll sie an die Dinge, an die Erscheinungen der Natur und Geschichte heranführen und sie anleiten, ohne irgendwelche Voreingenommenheit die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind. Innerhalb der Volkshochschulbewegung kann man zwei Richtungen unterscheiden: die eine hat das Ziel, ihre Besucher in viele Gebiete des Wissens einzuführen. Ein jeder wählt sich die Vorlesungen aus, die seinen Neigungen und Bildungsbedürfnissen entsprechen. Die andere stellt ihre ganze Arbeit unter dem Gesichtspunkt der Heranbildung deutsch=christlicher Persönlichkeiten. Darum unterrichtet sie nur in solchen Fächern, die der Persönlichkeitsbildung am meisten dienen. Lebenskunde, Deutsch, Geschichte, Naturkunde und Leibesübungen sind die Hauptfächer. Eine Volkshochschule dieser zweiten Art soll amd1. November in Bethel bei Bielefeld eröffnet werden. In einem alten Bauernhause wird sie für 22 Besucher eingerichter werden. Mit ihnen zusammen wohnt die Familie des Leiters, so daß das Haus mehr einer Familie als einer Schulanstalt gleichen wird. Ihren besonderen Charakter erhält die Schule dadurch, daß sie von christlichem Geist beherrscht und getragen sein soll. So fehlt in ihrem Lehrplan auch Bibelkunde nicht. Da sie in erster Linie auf Besucher aus den Kreisen der Landbevölkerung rechnet, werden 6 Stunden wöchentlich der Weiterbildung in Landwirtschaftslehre, Obst= und Gartenbaukunde gewidmet sein. Der 1. Lehrgang soll 4 Monate dauern. Die Kosten betragen 400 cA. Alles Nähere über Lehrplan und Aufnahmebedingungen ist durch den Leiter, Pastor Burckhardt, Vethel bei Bielefeld zu erfahren. Kirche, Schule und Mistion. 1. Jahresversammlung der Luther=Gesellschaft. Die im September v. J. in Wittenberg gegründete Luther=Gesellschaft hielt am 7. d. M. daselbst ihre reich besuchte 1. Jahresversammlung unter Leitung des Vorsitzenden Geheimrat D. Dr. Eucken=Jena ab, der in seiner Begrüßungsansprache die Bedeutung Luthers für die Gegenwart hervorhob. Der Mann, der einst zum ganzen deutschen Volke, ja zur Menschheit gesprochen, habe heute noch und heute besonders als Reformator der Kirche und der ganzen Welt unendlich viel zu sagen, und sein unversiegbares Erbe müsse zur geistig=sittlichen Erneuerung unseres armen zertretenen Volkes nach den verschiedenen Richtungen Bleibendes beitragen. Nach dem von Pfarrer KnolleWittenberg erstatteten Geschäftsbericht beträgt die gegenwärige Zahl der Mitglieder 920(gegen 400 bei der Begründung). Durch Flugblätter und einschlägige Schriften, die eine bedeutende Bereicherung erfahren werden, durch Veranstaltung von„Lutherabenden“, Ausbau der Ortsgruppen usw. wird die Gesellschaft in breitester. öffentlichkeit für ein volkstümliches Verständnis der Lutherschen Gedankenwelt zu wirken suchen. Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen zwei tiefgreifende und tiefwirkende Vorträge von D. Eucken über„Luther und die geistige anstaltung 1920 eine Einladung nach Berlin vorliegt. und ein Luther=Bach=Abend in der Schloßkirche bildeten den Abschluß der eindrucksvollen Tagung, für deren nächste VerErneuerung des deutschen Volkes" und Geheimrat D. Dr. v. Berger=Darmstadt über„Luther und der deutsche Staatsgedanke.“ Eine Besichtigung der Lutherstätten und ein Luther=Bach=Abend in der Schloßkirche bildeten den Abschluß der eindrucksvollen Tagung, für deren nächste Veranstaltung 1920 eine Einladung nach Berlin vorliegt. Eine christliche Weltkonferenz. Anfang dieses Monats trat in Oud Wasseder(Holland) der Internationale Ausschuß des„Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirchen“ zu seiner 1. Tagung nach dem Kriege zusammen, um über die Fragen des seelischen Wiederaufbaues der christlichen Welt zu beraten. Vierzehn Staaten, darunter Deutschland, Frankreic Großbritannien, Belgien, Italien, Nordamerika hatten Vertreter entsandt. Von allen Seiten betätigte sich z. geradezu erhebender Wille zur christlichen Verständigung Einstimmig angenommen wurde unter anderem nach einen tiefwirkenden Vortrag von Prof. D. Richter=Bersig eine Entschließung zugunsten der schwer geschädig. ten deutschen Heidenmission. Die Besprechung., Frage nach dem Schicksal der unierten evangesi, schen Gemeinden in den an Polen abzutreten, den Gebieten, für die sich Geheimrat Professa, D. Deißmann=Berlin eindrucksvoll verwendetmündete in einem einstimmig angenommenen Antrag deDean von Worcester, das Komitee des Weltbundes zu be. auftragen, alle Schritte bei den in Betracht kommenden Instanzen zu tun, um die Freiheit der evangesi, schen Kirchen(unter ausdrücklichem Hinweis auf die polnischen Gemeinden) zu sichern. Ebenso wurde einstimmie eine an die erste Tagung des Völkerbundes zu richtendResolution beschlossen, die unter anderem die für Deutschland wichtigen Forderungen enthält: Aufnahme jeden Staates in den Völkerbund, der einzutreten wünscht und die Satzungen anerkennt, und Schutz der kulturellen und religiösen Rechte der Minoritäten in den politisch umgeordneten Gebieten. Der amerikanische Delegierte Dr. Frederie Lynch verwahrte sich in seiner Schlußrede u. a. dagegen daß man von Deutschland, nicht aber von Amerika die Abrüstung verlangt habe. Der„Weltbund“ habe eine Atmosphäre des rückhaltlosen Vertrauens zu dem neuen Deutschland zu schaffen. Deutschland war in der Konferenz außer den Genannten durch Präsident D. Spiecker=Berlin als Führer der Abordnung, Direktor Lic. theol. Siegmund=Schultze und Dr. Schairer vertreten. ** Berlin ohne Fleisch. Nach monatelangen, erfolglosen Bemühungen, die äußerst mangelhafte Belieferung Groß=Berlins mit Fleisch aufzubessern, hat der Magistrat neben telegraphischen Vorstellungen beim Ministerpräsidenten, beim Staatskommissar für Volksernährung und beim Landesfleischamt erneut eine Eingabe an den Reichswirtschaftsminister gerichtet, in der darauf hingewiesen wird, daß für die vergangene Woche immer noch 900000 Pfund Fleisch ausstehen und für diese Woche überhaupt noch kein Fleisch geliefert worden ist. Der Magistrat spricht die Erwartung aus, daß die Regierung die nötigen Mittel anwenden wird, um endlich diese unerträglichen Zustände zu beseitigen. * Auf dem Glasberge bei Graslitz(Böhmen) wurde das hölzerne Feuerwehrübungshaus„entwendet". * Die ausständigen Fishdampfermannschaften in Hamburg beschlossen, die Fischoampfer wieder zu besetzen. * Vor dem Münchener Volksgericht begann am Montag der zweite Prozeß wegen der Ermordung der Geiseln unter der Räteherrschaft. Nachrichten. Ein Ultimatum des Obersten Vermondt an Lettland. Der nach Clemenceaus Worten angeblich besiegte Führer der westrussischen Armee Oberst Bermondt sandte der lettischen Regierung ein Ultimatum, in dem er eine vollständige Neuorientierung ihrer Politik verlangt. Die lettische Regierung übersiedelte nahme von Panzerzügen und Flugzeugen Englische und französische Kriegsschiffe liegen vor Riga gefechtsbereit Die lettische Regierung richtete ein Hilfsgesuch an die Alliierten, die Polen und Estland, Letzteres hat bereits Truppen und Kriegsschiffe entsandt Unter den Offizieren und Mannschaften der gegen Pleskau vorrückenden estnischen Nordwestarmee scheinen starke Strömungen für Vermondt vorhanden zu sein, so daß die estnische Regierung bereits unruhig ist und eine besondere Ueberwachung der russischen Militärs angeordnet hat. Für den Inhalt verantwortlich: W. Kraa, Bethel.— Druck und Verint Druckerei Beihel bei Bielefeld. Fernruf 74, Amt Bie“esig, geleies Alle für die Redaktion bestimmten Zuschristen sind zu, Tuzerggg une Geld Schließsach 141. Alles, was die Expedition betrifst, alle Insera### un sendungen an die Geschättestelle Missionar Heienbroi, Beihel Postscheckkonto 7332 Hannover. Wir engichlen folgende#### Dn bejeben durch seie 9 zu Geschenken##.:3 gute Buchhandlung besonders geeignete scheinungen von 1919: von Hans Helmolt. 2 Auflage im Erscheinen. Mit etwa 1000 bildern, 300 farbigen und schwarzen Cafein, 60 Karten. 9 gebunden 225 Mark Geschichte der Deutschen Literatur us Gref. Br. Roz 4. Aufl. 180 Certbilder, 32 Taseln, 38 Beiiagen. 3 Bunde, geb. bit 117. Geographischer Bilderatlas von Europa. von Dr W. Gerbing. 551 Bilder mit erläuterndem Cext. Geb. 16 Mark Hierzu der Ceuerungszuschlag. oder unmittelbar von der Verlagshandlung:„ Runstgeschichte aller Zeiten und Völker von Orof. Dr. Aarl Woermann. 2. Auflage im Erscheinen. 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Er bekämpft den schädlichen Einfluß geistiger Getränke und beteiligt sich an allen Bestrebungen zur Hebung unseres Volkes. Jede gewünschte Auskunft erteilt: Missionar I. Ostermeyer, Bethel bei Bislefeld. Aroubarsasi Was ist das „* Dozent von Palter 3. Jucger. an der Theologischen zu Bethel. Eleg. kartoniert, zurückgesetzt Statt.20 nur— Es ist in unserer Ert.; Zeutet haften Zeit ein wirttigen Bori dem Ideenfaden ein= Henstrazi u# soigen, der mit der Sorgfalt eines orschers die Warme eines Chrinen verbinden.“(Posttive Bestellungen richte man freundlichst an das Inügnariel der Anstal —— Bethel bei Bieleseld. Zerrissene Sirusgch Vollne, Baumwollne, Flachs werden schnellstens reie ciert bei M. Altstädter=Kirchstr. stetu Wer guten Verdien. sucht, sende seine Adresse N. S. an die Exp. d. Ztg. P