„Mehr als 3 Jenu gen dürfen auf Grund werden. Teilselbston. en Bedarf angerechnet. lstelle in Aussicht## die Durchführung# aist herausgekommen. esem Jahre wieder die semeindevorstehern der gestellt und zwar nur ung des die Kartoffeln tigte Kreisbevölkerung kreise selbst und in den inn, werden schon jetzt ärungen gedruckt. Kreises sind sie von gten können alsdann dem, sich zur Lieferung chreiben lassen. Jede Teilen, A und B, von also der Versorgungs1 B in der Hand des Teil A muß von den bei der Ausgabe der erden. Wann die Bewird später besonders fmerksam gemacht, daß ielefeld und auch VerStädten und anderen Landkreises Bielefeld da der Landkreis kein darfskreis ist. hten. ersten Rat. dem Obersten Rat die Lage der baltije Bevölkerung dieser ; d e u t s c h e n T r u p p e n den baltischen Pror eine deutsche bildeten. Die deutaltischen Barone und e die örtlichen Rejegen die Sozialisten. ) i n d i e s e n L ä n d e r n, berufen seien, nieh Agenten des deutgegenwärtige Lage e eine politische Gevenn es wolle, sich tischen Ländern volld die Leute des Ge1. arhafte Plleite Frauenchor. rI Duwe. fte 3,00 Mark und VerpackungsKII. ....—10. Tausend .—5.„ .—6.„ .—2„ and viellech warn ben einer Auswahl unsere schönsten Berkirchlichen Peste baren Bearbeitungen. Rotalt-Boiner Ausgabe B. □ je Uhr Zukunft tuhr, weil sie such Zeit beqquem erJede[Uhr kann in meiner Werkkntausstattung ger werds.— n Nw. Teletpo 71I. * = Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis: Bei der Post geholt vierteljährlich.40 Mk. Durch den Briesträger oder Boten .82 Mk. Theistlich kalir nales Eageriatt mit der Sonntagsbeilage„Für herz und Haus“. Hherausgeber 0. Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 25 Pfg., Reklamozeile.00 Mk. Beilagen nach vorheriger Vereinbarung. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Nr. Jahrgang 1. Wer fest will, fest und unverrückt dasselbe, Der sprengt vom festen Himmel das Gewölbe, Dem müssen alle Geister sich verneigen Und rufen: Komm und nimm! Du nimmst dein eigen. E. M. Arndt. K## 7#. 2 5 5 5 0 2#R 2## T 0S 5S 5 7 Kongreß für Innere Mission. Der eigentliche Kongreß für Innere Mission, welcher von Montag abend ab bis Donnerstag hier in Bielefeld tagt, ist umrahmt von einer ganzen Anzahl Sonderkonferenzen der verschiedensten Vereinigungen, die sich die sittliche Hebung unseres Volkslebens zur Aufgabe gestellt haben. Schon der Sonnabend brachte eine große Anzahl auswärtiger Gäste. Der Verband gläubiger Kaufleute kam am Sonnabend nachmittag in der Volkshalle am Papenmarkt zusammen. Die Tagung des Deutschen Diakonen=Verbandes, welcher seine zweite Hauptversammlung in Bethel abhält, begann am Sonnabend abend. Es dürften dazu allein schon mehr als 200 Vertreter eingetroffen sein. Nach der BegrüßungsVersammlung am Sonnabend abend begannen die Verhandlungen Sonntag nachmittag 5 Uhr, nachdem die Teilnehmer erst das Jahresfest der Bethelanstalten mitgefeiert hatten. Die Leitung der Konferenz lag in den Händen des Herrn Pastor D. Oehlkers vom Stephanstift in Hannover. Gegenstand der Verhandlungen waren: Wanderfürsorge, Pflegedienst, Jugenderziehung, Seemannsmission und Auslandsdienst, eingeleitet durch von Diakonen gehaltenen Referate, welche die Gefahren schilderten, die den einzelnen Arbeitsgebieten drohen durch die veränderten Verhältnisse. Erfteulich war es, daß sich in den Kreisen dieser erfahrenen Männer kein Kleinmut zeigte, sondern daß ein glaubensvolles„Dennoch“ hindurchklang und der Wille, um des Volkes willen auszuhalten im Kampf. In der zweiten Versammlung sprach der Geschäftsführer des Verbandes über „Die Lage der männlichen Diakonie“ und Pastor Bunke vom Evangel. Johannesstift in Spandau behandelte„Die Eingliederung der männlichen Diakonie in den kirchlichen Organismus.“ Durch einige Entschließungen bringt der Verband zum Ausdruck, daß er gewillt ist, mit aller Kraft weiter zu arbeiten im Dienst der Kirche und des Volkes und formuliert seine Wünsche, die er hat, in bezug auf die Gestaltung seiner äußeren Verhältnisse. Mit einer Vertreterversammlung, in der noch weitere Organisationssagen besprochen wurden, schloß die Tagung. Jugendevangelisation, unter diesem Gedanken tagte die Nationalvertreterversammlung der Evangelischen Jünglingsbündnisse Deutschlands. Sie fand am Montag, den 22. d.., vorm., in der Volkshalle am Papenmarkt statt. Nach einem Eröffnungs= und Begrüßungswort des Vorsitzenden Fabrikanten Rosenkranz aus Barmen ergriff Generalsuperintendent D. Zöllner aus Münster das Wort zu einem klaren, tiefgegründeten und für die Arbeit im Kleinen und Einzelnen erprobte Wege weisenden Vortrag über„Jugendevangelilation“. Ausgeschlossen sei von vornherein alle menschliche Mache. Evangelisation ist nichts Neues. Sie gründet sich auf das Evangelium vom großen Abendmahl. Wicherns Pläne sind auf diesem Gebiete noch lange nicht durchgeführt. Die Not ist heute übergroß, aber es ist für die Arbeit noch nicht zu spät. Gerade jetzt ist es Zeit, das Evangelium zu verkünden. Von anderer Seite hält man sich nicht zurück. Der Idealismus wirbt um die Jugend, und viele andere Stimmen locken sie— und von uns sollte die Jugend den Eindruck haben: Die werben nicht, setzen nichts ein und lassen uns gehen? Geworben muß werden von Person zu Person. Wenn man sich nicht als unfehlbar vor die Jugend hinstellt, sondern wenn es klar wird, daß man sich unter dieselbe sittliche Wahrheit beugt, daß man um dieselbe Kraft von oben ringt, dann kann man die Jugend mitreißen. Die heutige Jugend ist autoritätslos und pietätslos und lechzt doch im Innern nach Autoritäten, nach Führern. Was uns heute allein helfen kann, das ist das klare Zeugnis des Lebens von oben. Wir müssen den Mut haben, das Kreuz Christi ganz deutlich hinzusetzen.„ Die Arbeit von Person zu Person ist das wchtigste. Eltern dürfen sich im Verkehr mit ihren Kindern nicht scheuen, von dem Wichtigsten zu reden. In unsern Vereinen haben wir wohl überall einen Kern von solchen, die wirklich mit Bewußtsein Christen sein wollen, aber auch viele, die noch auf dem Wege dazu sind, und manche, die noch nicht einmal innerlich auf dem Wege sind. Wir müssen um ihre Seelen ringen, von Person zu Person, ohne künstliche Treiberei. Dazu kommt dann die Jugendevangelisation im besonderen Sinne. Es müssen„Jugendwochen“ veranstaltet ewrden. Am Sonntag morgen wird die ganze Gemeinde im Gottesdienste auf die Sache hingewiesen. Sonntag abend beginnen die Versammlungen, stets getrennt für junge Männer und für junge Mädchen. Weniger als eine Woche sollte man nicht nehmen. Es ist ein Irrtum, zu glauben, daß gleich alle kommen, die man eigentlich haben will. Sie kommen erst beim 3. oder 4. Male. Darum soll man die Themata nicht logisch aufbauen. Die ganze Evangelisation sollte von einem Mann bezw. einer Frau durchgeführt werden. Es muß sich ein persönliches Verhältnis zwischen dem Redenden und den Zuhörern anspinnen. Es muß sich auch Zeit und Gelegenheit zur Seelsorge finden.— Wichtig ist die Vorarbeit und die Nacharbeit. Man muß sich hinterher um jeden einzelnen kümmern. Die Hauptsache ist das Zeugnis des Geistes an Herz und Gewissen. Apologetische Vorträge sind mit Recht in Verruf gekommen. Wir brauchen auf diesem Gebiete ernste Arbeit. Die Vorträge müssen in kleinen Kreisen durchgearbeitet werden. Wir müssen den Mut haben, die Gnadengaben zu suchen, zu pflegen und in den Dienst zu stellen. Summa: Es ist jetzt gute Zeit für die Evangelisation in unserem Volke, denn die Selbsthilfe erlebt ihr Gercht, da muß die Gotteshilfe her. In ihrem Dienst wollen wir stehen. Es schloß sich an diesen Vortrag eine lebhafte Besprechung an, in der mehrere Vereinssekretäre(Weber, Elsässer) Hofkammerrat Eismann, Pastor Michaelis, Oberlandmesser Töllner u. a. das Gehörte ergänzten. Der Verein zur Förderung der Sittlichkeit hielt zu gleicher Stunde im Hotel Vereinshaus seine Sitzung ab, in der D. Weher, Lic. Bohn und andere sprachen. Aufwärts die Herzen ! Wie oft ist in und nach dem Kriege eine religiöse und sittliche Wiedergeburt unseres Volkes gefordert worden! Die Flut der Begeisterung am Kriegsbeginn ließ die Hoffnung groß werden, seine solche Erneuerung des ganzen Volkes sei weder unmöglich noch fern. Und je größer die Selbsucht und Gewinnsucht im Volke während der Kriegsjahre wurde, desto nachdrücklicher verlangte man Einkehr und Umkehr. Erst recht nach dem Zusammenbruch wird beides gefordert. Letzten Endes, so hört man überall in ernsten Kreisen, hat das ganze Elend der Gegenwart seine Wurzel in dem verkehrten Geist, der das ganze Volk ergriffen hat. Er muß mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden, das Volk muß seine Sünde und Schuld erkennen, es muß sich in Demut vor dem heiligen Gott beugen, es muß sich erneuern lassen durch Gottes Gnade, sonst ist kein Ausweg aus dem Elend möglich. Gewiß wäre es sehr schön und gut, wenn Buße und Glaube das ganze Volk durchdrängen. Ist Wiedergeburt des ganzen Volkes möglich? Ist es nicht überall so, daß nur wenige, oft nur einzelne bewußte Christen sind? Stehen neben den Wenigen nicht die vielen Mitläufer, die Gleichgültigen und Gewohnheitsmenschen? Nur ein Teil der Gemeinde pflegt sich zum Gottesdienst zu sammeln, und nur ein Teil der Mitglieder pflegt zu den Vereinsversammlungen zu erscheinen, selbst bei den politischen Parteien gibt es neben bewußten, überzeugten Anhängern viele Mitläufer, Laue und Gleichgültige. Das ist nicht nur heute der Fall, so war es immer. Nur ein Teil stand zu den Befreiungskriegen auf in heiliger Begeisterung; neben ihnen fehlte es nicht an Angstlichen, Zurückhaltenden oder Franzosenfreunden. Nur ein Teil der vielen, die in der Reformationszeit mit der alten Kirche unzufrieden waren, traten zum neuen Glauben über, und unter ihnen taten es manche um des Vorteils willen oder vom Fürsten dazu genötigt, wenige aber aus voller Überzeugung. War es denn etwa in der alten Kirche anders? In der Zeit der Verfolgungen sielen nicht wenige ab und bewiesen damit, daß sie in ihrem Innersten nichts von der Kraft und Hoheit des Christenglaubens gespürt hatten. Auch Jesus und seine Jünger bildeten ein kleines Häuflein gegenüber der geschlossenen Mehrheit der Pharisäer, Sadduzäer und der Gleichgültigen. Und womit mußte Elia sich trösten lassen, als er Gott bat, daß seine Seele stürbe? Daß siebentausend in Israel übrigbleiben sollten, die ihre Knie nicht vor Baal gebeugt hatten. Zuletzt in dieser Reihe möge die ehrwürdige Gestalt Abrahams stehen, dem gesagt wurde: „Ich bin der allmächtige Gott, wandle vor mir und sei fromm!“. Aber er stand allein mit seiner höheren Gotteserkenntnis, alle Welt um ihn her glaubte nicht an den Gott Abrahams. So sehen wir überall die Wenigen den Vielen gegenüberstehen. Jene sind die Wissenden und Führenden, die anderen die Geführten. Auf die Treue und Reinheit, Begeisterung und Hingabe der Wenigen kommt es an, sie sollen die Masse mit sich fortreißen, aus Dunkel zum Licht führen, der Unvernunft und Leidenschaft wehren. Nur wenige sind es, welche die nötige Einsicht und Sachkenntnis haben, die mit Absicht und Überlegung handeln, auf ihr Wissen und können sind die Massen angewiesen. Selbst im demokratischen Staat, der alle Gewalt vom Volke ausgehen läßt, sind Führer und Fachleute notwendig, sollen nicht Staat, Recht und Wirschaft völlig zugrunde gerichtet werden. So sollen die Wenigen Salz und Licht sein für die Vielen. Diese Scheidung der Menschen in Bewußte, Überzeugte und in Mitläufer, Gewohnheitsmenschen, Gleichgültige, Masse hat eine eigentümliche Parallele im Seelenleben des Menschen. Die Tätigkeit der inneren Organe wie Herz, Nieren, Lunge, Magen vollzieht sich ohne bewußtes Zutun des Menschen, sie bleibt uns im allgemeinen unbewußt. Das Denken und Handeln der Menschen vollzieht sich oft nach Maßgabe von Gewohnheit, Sitte und Brauch, oder Triebe und Leidenschaften beherrschen es. Die besten Gedanken kommen uns oft überraschend,„von selbst", zufällig, ohne Zusammenhang mit dem übrigen Denken, sie fallen uns in den Schoß als das Geschenk einer unbekannten Macht, aus einer unbekannten Welt. Ohne lange zu überlegen, treffen wir vielfach instinktiv das Richtige, und oft lassen wir uns von Instinkt und Gefühl besser, richtiger leiten als von unserem Verstand. Kurz, das Unbewußte spielt in unserm Leben eine große Rolle, aber daneben und darüber steht das bewußte, absichtliche Denken, das Überlegen und Berechnen, das Abwägen des Für und Wider. So lassen sich auch die meisten Menschen von Gewohnheit und Sitte oder von allen möglichen Einflüssen leiten und nur wenige sind es, die von Absicht und Überzeugung geleitet werden, die mit ihrer ganzen Persönlichkeit hinter der Sache stehen, die sie vertreten. Wohl mögen Parteien, Religionen und Weltanschauungen immer wieder versuchen, die Zahl der bewußten, überzeugten Anhänger zu vermehren, sie können die Scheidung der Menschen in Führer und Geführte, in Überzeugte und Mitläufer nicht aufheben. Es wird dabei bleiben, daß lebendige Anteilnahme im Staat und Politik, Kunst und Wissenschaft, sozialen Weltanschauungsfragen nur bei wenigen zu finden ist, daß immer nur wenige ganz und gar von Religion und Sittlichkeit erfüllt und erfaßt sind, die große Masse bleibt hinter ihnen wei zurück. Nun haben wir die Anwort auf die Frage: Ist eine religiöse und sittliche Wiedergeburt des Volkes in allen seinen Gliedern und Teilen möglich? Wir müssen sie auf Grund vieler Tatsachen und Erfahrungen verneinen. Stets sind die Wege des Glaubens und des bewußt sittlichen Handelns, überhaupt die Wegen des Idealen dünn bevölkert gewesen, während sich die Massen zu Vergnügen Genuß drängen. Gewiß werden wir nicht aufhören, möglichst viele für das Ideale zu gewinnen, aber alle restlos zu erfassen, wird nicht gelingen. Es bleibt also für jede Partei, für jeden Verein, für jede Kirche die Aufgabe, überzeugte, hingebungsvolle, tätige, lebendige Mitglieder zu erziehen und sich zu erhalten. Müssen wir uns also einerseits bescheiden in unseren Hoffnungen auf eine religiös=sittliche Wiedergeburt unseres Volkes, so dürfen wir doch andererseits zuversichtlicher in die Zukunft sehen. Gerade die politische und soziale, religiöse * und sittliche Not liegt schwer und lähmend auf den besten Gemütern und läßt leicht an allem Aufstieg, an jeder Rettung verzweifeln. Wenn wir aber erkannt haben, daß zu allen Zeiten der Treuen, der Hingebungsvollen, der Gläubigen und Idealisten wenige waren, daß es darauf ankam, ob sie vorhanden waren und ihre Pflicht taten, dann werden wir allem Mißmut und aller Verzagtheit den Abschied geben. Denn daran ist kein Zweifel, daß auch heute solche Gläubigen und Treuen da sind, daß es nicht an Leuten fehlt, die Vernunft und Einsicht, sittlichen Ernst und lebendigen Glauben haben. Sie sollen und können Salz und Licht werden. Auf sie kommt es an, sie dürfen nicht versagen; sie müssen unermüdlich weiterkämpfen gegen Unvernunft und Unglauben, Unsittlichkeit und Unwesen aller Art. Darum wollen wir nicht die Hände sinken lassen in Hoffnungslosigkeit, wir wollen nicht zu den Vielen gehören, die sich treiben lassen vom Strom der Zeit, wir wollen treu stehen zu dem, was wir als gut und wertvoll, wahr und echt erkannt haben. Wir wollen Kraftquellen werden für unsere Familie, unsere Umgebung, für unser Volk. Nicht abwärts in die Abgründe der Bosheit und Unvernunft, des Zweifels und der Oberflächlichkeit wollen wir blicken, für uns muß es heißen: Die Herzen in die Höhe! Aufwärts den Blick auf das, was uns Kraft und Erhebung, Befreiung und Läuterung bringt, aufwärts zu dem, der durch Nacht zum Licht führt, das soll unser Dienst am Volke sein. Hamborn. Pastor Becker. Der rote Schrecken im fernen Osten. Mit großer Besorgnis schrieb vor einigen Tagen das „Echo de Paris“. Lenin habe aus der politischen Lage im Westen und besonders aus Albert Kohns(ungarisch: Bela Kuhns) Glück und Ende die Lehre gezogen, daß im Westen seine Gedanken ihre werbende Kraft verloren hätten. Er wende sich jetzt nach dem fernen Osten, um dort für seine Lehre neue Anhänger zu gewinnen, das allfranzösische (ultra=nationalistische) Blatt riet sogar eine Annäherung an Deutschland mit der Begründung, Germanismus sei doch immerhin noch ein kleines Übel gegenüber dem Bolschewismus. Auch italienische Blätter schrien ihren heißblütigen Lesern in handbreiten Überschriften die Warnung vor dem roten Schrecken entgegen, während die etwas besinnlicheren Welschschweizer mit katonischer Gelassenheit eine endlose Reihe von Aussätzen mit der versteinerten Überschrift erscheinen lassen: Der Bolschewismus, die internationale Gefahr. Es ist in der Tat etwas im Gange, das den Verbandsmachthabern große Sorge macht. Die„Prawda“ veröffentlichte eine Note Tschitscherins, die rundweg erklärt, die Räteregierung weigere sich, den letzten englisch=persischen Vertrag anzuerkennen, und legt nachdrücklich gegen die Abhängigkeit Persiens Verwahrung ein. In der Note heißt es weiter, Rußland hebe alle russisch=persischen Verträge völlig auf und bekenne sich feierlichst zur Unparteilichkeit, was die Häfen des Kaspischen Meeres angehe, und verspricht, alle Gerechtsame, die der Regierung des Zaren eingeräumt wurden, zurückzuerstatten. Firus Mirza, der persische Außenminister, der den Vertrag(56 Paragraphen) mit England abschloß, wird offen als Verräter gebrandmarkt, weil er Persien an England verraten habe; in dieselbe Tonart stimmen übrigens auch die wenigen englandfeindlichen persischen Zeitungen ein, die trotz strengster englischer Preßsperre nach Konstantinopel gelangt sind. Nach verläßlichen Nachrichten aus Kopenhagen hat der Leiter des„Departements für den Osten“ Vosnescensky in Unsere Kriegsgefangenen in Sibirien. Von Leutnant d. Res. Eduard Juhl, Mitglied der Gefangenen=Fürsorge=Kommission Tomsk. II. Noch immer sitzen 200000 bis 250000 Gefangene in Sibirien, darunter etwa 20000 Reichsdeutsche. Viele davon haben seit 5 Jahren die Heimat nicht gesehen, und jeder einzelne von ihnen hat seine kleine oder in den meisten Fällen recht große und tieftraurige aber immer ganz individuelle verschiedene Leidensgeschichte durchgemacht und macht sie immer noch durch. Die meisten sind immer noch interniert in großen, öden, vollgestopften Konzentrationslagern, meist unter sehr ungesunden Verhältnissen wie Petropalowsk, Omsk, Atschinsk, Barnaul, Nowo=Nikolajewsk, Tomsk, Krasnejarsk, Kansk, Irkutsk, Tschita, Nikolsk, Ussurisk, Krasnaja=Rjetschka,(Chabarowsk), Perwaja=Rjetschka, Wladiwostock. Nur verhältnismäßig wenige haben das Glück, zu den größeren oder kleineren Arbeitskommandos zu gehören, die überall an der Bahn stationiert sind oder sonstwo in Städten und Dörfern größere Freiheiten genießen, bessere Lebensbedingungen haben und sich ein paar Kopeken verdienen. Und noch geringer ist die Zahl der Glücklichen, die einzeln bei Bauern auf dem Lande Unterschlupf gefunden haben. Und auch dieses Glück ist oft sehr bedingt und sehr zweifelhaft. Der Zustand der einzelnen Lager, die Gesundheitsverhältnisse, die Verpflegung und Behandlung, in ihnen ist immer noch außerordentlich verschieden. Dieser Unterschied wird bedingt zunächst durch die Nationalität der Lagerbehörden und dann durch die Willkür oder das Wohlwollen des jeweiligen Lagerkommandanten. Und zwar sind die Lager, die unter der Kontrolle der Amerikaner stehen, wie z. B. das Lager in Wladiwostok, bei weitem die beste Unterbringung, Verpflegung und Behandlung sind geradezu hervorragend gut. Dem entsprechen auch die sanitären Verhältnisse. Aber leider sind die 500 Deutschen in Wladiwostok die einzigen, die der Kontrolle der Amerikaner unterstehen. Das Lager Krasnaja=Rjetschka enthält nur Österreicher und Ungarn. Jeder wird den Amerikanern stets von ganzem einer riesigen öffentlichen Versammlung in Moskau erklärt, die rote Regierung habe Hunderttausende von Aufrufen in chinesischer Sprache verbreiten lassen, in welcher dem chinesischen Volke die niederschmetternde Niederlage Koltschaks(sie hat sich jetzt bestätigt), die Aufhebung aller seiner Verfügungen und der siegreiche Vormarsch der Rätetruppen Sibiriens für die Befreiung des chinesischen Proletariats vom japanischen Joch bekanntgegeben wird. Feierlich verspreche die Räterepublik, die Kultur und Unabhängigkeit Chinas zu achten. Unter dem brausenden Jubel der Versammlung habe Vosnescensky ausgeführt, daß rote Banden, die bereits von chinesischen Tschungusen im Rücken der Koltschaktruppen verstärkt würden, am Werke seien, Koltschaks Bewegungen zu lähmen. Die Bolschewisten haben einen günstigen Zeitpunkt für ihre Werbetätigkeit gewählt; denn die japanfeindliche Stimmung ist in China auf dem Siedepunkt, weil die Schantungfrage immer noch nicht im Sinne Chinas gelöst worden ist. In besonderen Schulen werden bolschewistische Geheimboten ausgebildet, von denen laut italienischen Blättern schon viele in Korea und Afghanistan am Werke sind. Sollte damit eine Drahtung, die laut nordischen Blättern der japanische Generalkonsul im Haag erhielt, in Zusammenhang zu bringen sein? Die Nachricht besagt: daß bei einem Bombenanschlag auf den Generalgouverneur von Korea der Gouverneur selbst unverletzt blieb, während 29 andere führende Persönlichkeiten getötet wurden. Mit beweglichen Worten fordert„Echo de Paris“, diesen Ereignissen ernste Aufmerksamkeit zu schenken, da die Bolschewisten aus den den Truppen Koltschaks abgenommenen Gebieten einen ungeheuren Brandherd machten. Noch mehr als Frankreich, das Tongking, das Land der ungebärdigen Schwarzflaggen, besorgt sein mag, geht dieser Mahnruf England an, wo schon der durch die südafrikanischen Kriege bekanntgewordene Oberstleutnant Sheerwood=Kolly im „Daily=Expreß" unter Nichtachtung des Dienstvergehens, dessen er sich schuldig machte, in einem offenen Briefe, erklärte, daß die britischen Entsatzstreitkräfte nicht zu Räumungszwecken, sondern zu Angriffszwecken im großen Stile dienten. Diese Angriffsabsichten Englands verbitterten die rote Regierung derart, daß sie alles tut, um England aufs empfindlichste zu treffen. Auf Sheerwood=Kollys Anklage hin erschien pünktlich die übliche Ableugnung des britischen Kriegsamtes, das alle Angriffsabsichten ablehnte, die Sheerwood=Kolly ihm unterlege. Natürlich! Wann hätte das gute, selbstlose England je Angriffsabsichten gehabt? Bm. 'Annunzios wachsende Das Heer geht zu ihm über. Die italienische Regierung hat den Kommandanten der 8. Armee Rositant seines Postens enthoben, weil er nicht rechtzeitig Maßregeln zur Abwehr des Handstreiches auf Fiume ergriffen hat. An seine Stelle tritt der Admiral Gagni. Immer neue Truppenteile treten zu 'Annunzio über. Sechs Kompagnien der Brigade Florenz, die nach Fiume gesandt worden waren, haben ihre Einheit verlassen und sind in die Stadt eingezogen. Ein Brigadegeneral aus einer Stadt, deren Name nicht genannt wird, hat'Annunzio mitgeteilt, daß seine Brigade bereit sei, auf denersten Ruf zu seiner Unterstützung nach Fiume zu marschieren. Trotz der Blockade wird Fiume von venezianischen Häfen aus mit allem Nötigen versorgt. Am Sonntag ist ein Eisenbahnzug mit Lebensmitteln dort angekommen. Heer und Marine in ihrer Mehrheit steben zu’Annunzio. der Herzen dankbar sein, daß sie die ersten waren, die unter den Gefangenen Sibiriens menschenwürdige Zustände einführten. Dann folgen in Abstufungen die Lager, die von den Japanern, Russen und Tschechen bewacht werden. Auch das unter japanischer Kontrolle stehende Lager in PerwajaRjetschka hat noch einigermaßen günstige Lebensbedingungen. Aber im übrigen sind die Zustände in den sämtlichen Gefangenenlagern Sibiriens immer noch menschenunwürdige und die Behandlung oft eine sehr schlechte, besonders von seiten der Tschechen. Am schlimmsten sah es wohl im verflossenen Winter aus in Omsk(Tschechen)! in Krasnejarsk, in Nikolsk=Ussurisk, in Kansk und in den Distrikten der südsibirischen Eisenbahn(Semipalatiwsk). Die Unterbringung in manchen Lagern, besonders in Omsk, ist die denkbar schlechteste: ein Bretterzaun mit Stacheldraht, dahinter ein öder staub= und schneebedeckter Hof, in Reih und Glied Baracke, im Sommer unerträglich dumpf und schwül, im Winter eisig kalt, im Herbst und Frühling feucht und naß, mit regentriefendem Dach und aufgeweichtem Lehmfußboden, stets schmutzig und übervoll von müden, hungrigen und halbentnervten Heimwehkranken oder schon fast stumpfsinnig gewordenen Menschen und— von Ungeziefer,— ein Treibhaus nur des Todes, ein Friedhof deutscher Kraft und deutschen Wesens. Sie alle, hinwelkend in der besten Kraft der Jähre, ihr Herz so öd und oft so hoffnungslos und leer, so trostlos arm an Liebe und doch von heißer Liebessehnsucht sterbend krank. Und ähnlich wie in Omsk, so war es auch in Kansk, wo jetzt noch 482 deutsche Offiziere und—300 deutsche Mannschaften interniert sind, die alle schon früher in Chabarowsk über das gewöhnliche Maß schwere Entbehrungen auszukosten gehabt hatten. Jetzt sollten sie noch in Kansk die schlimmste Zeit verleben. Ende Mai 1918 wurde das deutsche Lager nach Kansk in der Richtung: Heimat abtransportiert, ausgerüstet mit Verpflegung, Kleidung, Geld und offiziellen Begleitpapieren bis nach Deutschland. Welch' eine Freude in aller Herzen, welch neuer Hoffnungsstrahl in allen schwermütigen Augen, welch' neue Spannkraft in dem erschlafften Willen aller!— Kaum aber war man der so heiß ersehnten Heimat um ein der Bewegung eine immer größere Ausdehnung geben sucht.3 zu In einem Aufruf an die Venezianer, den„Cor, riere della Sera“ wiedergibt, bezeichnet'Annunzig sich als obersten Führer sämtlicher Truppen und in Fiume und fordert die Venezianer auf, sich anzuschließen und das Joch der italien; schen Regierung abzuschütteln. Eine ähnlich Aufforderung hat er auch an die Gesinnungsgenossen in der Lombardei gerichtet.„Corriere della Serat beschwört'Annunzio, von seinen Unternehmungen abzulassen, die zum Bürgerkriege führen müßten Die Sozialisten erhoben weiter schärfsten Pro, test gegen das Abenteuer von Fiume. Die Parteisei, tung des Gewerkschaftsbundes erklärt, die jetzigen Ereignisse seien eine Periode des großen Kampfes, den der italienische Militarismus und die italienischSchwerindustrie zur Behauptung ihrer Stellung führten Der Oberste Rat der Entente beschloß, in der Fiumer Angelegenheit nicht einzugreifen, es sei denn, daß die italienische Regierung sich zur Regelung der Lage als unfähig erweise. Weitere Einschräntung Offiziös wird gemeldet: Die drohende Kohlennot hat das Reichswirtschaftsministerium zu dem Beschlusse veranlaßt, auf weitere wesentliche Einschränkungen des Personenverkehrs hinzuwirken. In Oberschlesien wird für einige Zeit die nahezu völlige Einstellung des Personenverkehrs als notwendig angesehen. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten wurde ersucht, sofort in eine Prüfüng dieser Frage einzutreten und die erforderlichen Maßnahmen zu treffen Bei einer starken Einschränkung des Personenverkehrs hofft man, nicht nur mehr Eisenbahndienstkohle für den Güterzugbetrieb verfügbar zu machen, sondern auch durch Entlastung der Strecken, Bahnhöfe und Werkstätten, sowie durch Beförderung von Güterzügen mit Personenzuglokomotiven einen günstigen Einfluß auf den Abtransport der Kohle, inbesondere im oberschlesischen Revier, zu erreichen. Die Schwierigkeiten, die eine Durchführung der Einschränkungen des Personenverkehrs mit sich bringen, werden nicht verkannt. Die Kohlenkrise mit ihren vernichtenden Folgen für das deutsche Wirtschaftsleben macht jedoch außerordentliche Maßnahmen erforderlich. Betont muß werden, daß diese Verkehrsbeschränkungen nur für einen vorübergehenden Zeitraum in Aussicht genommen sind, bis es gelungen ist, die Bestände der lebenswichtigen Betriebe und der Eisenbahnen aufzufüllen. Braunschweig gegen die Anabhängigen. Bei den am Sonntag in den Stidten Braunschweig, Wolfenbüttel, Blankenburg, Helmstedt und Bad Harzburg vorgenommenen Magistratswahlen(Wahlen zum Rat der Stadt) haben die Unabhängigen eine glänzende Niederlage erlitten. In der Stadt Braunschweig wurde der bisherige Oberbürgermeister gegen den Kandidaten der Unabhängigen mit überwältigender Stimmenmehrheit wieder gewählt. Von den fünf besoldeten Magistratsmitgliedern werden die Unabhängigen mit einem in eine aussichtslose Stichwahl, von den sieben unbesoldeten mit einem in eine Stichwahl und mit einem vielleicht zu einem Sitze kommen. In Wolfenbüttel siegte die bürgerliche mit den Mehrheitssozialisten vereinigte Liste. In Bad Harzburg erhielt der ehemalige Unabhänaige braunpaar hundert Werst näher gekommen, da steht plötzlich der Bahnverkehr auf der ganzen Strecke. Die Tschecho=Slowaken haben sich der Bahn bemächtigt, die Gegenrevolution ist in vollem Gange. Der Transport wird gestoppt und wieder rückwärts dirigiert. Auf dem Bahnhof in Kansk angelangt, wird er sofort von den Tschechen umstellt, fast völlig ausgeraubt und hierbei 4 Offiziere und 1 Gefreiter wegen gänzlich belangloser Sachen vor den Augen der Kameraden standrechtlich erschossen, ohne Untersuchung, ohne jegliches Gericht, einfach auf das unerbittliche Machtwort eines rohen, unreifen tschechischen Bluthundes hin, des Stabskapitäns Smech, dessen kaltes, hartes Herz auch nicht die flehentlichsten Bitten der Kameraden rühren und erwecken konnten. Und dann mußte der ausgeraubte Transport mit gebrochenem Willen, mit geknickter Hoffnung und mit zerrütteten Nerven in jenes düstere, feucht=dunpfe Erdbarackenlager zurückwandern, aus dem er gekommen war, und niemand wußte, auf wie lange Zeit noch, und niemand weiß es auch noch heute noch.— Und ähnlich wie dem Kansker Lager ist es auch andren ergangen. Die täuschung haben alle erlebt—, sie frißt noch an ihrem Herzen und an ihren Nerven,— die Ausraubung mehr oder weniger auch andere. Und für die meisten sind die Unterbringungsverhältnisse noch genau dieselben?— Und nicht weniger mangelhaft ist die Bekleidung. Mit schrieb kurz vor meiner Abreise von Omsk ein Kamerad aus Kansk, dem ich etwas Geld geschickt hatte, voller Freude: jetzt könne er sich doch ein zweites Hemd kaufen! Das Wor spricht Bände. Und der Mann war Offizier. Es fehlt eben in erster Linie an den ausreichenden Mitteln Kleidung, vor allem Winterkleidung, zu beschaffen. Außerdem sind die Transportverhältnisse von Wladiwostok nach dem Weste außerordentlich schwierig, und selbst das an Ort und Stell vorhandene kommt nicht immer an die richtige Adresse. wurden in Omsk mehrere tausend Pelze, die von der schwedischen und dänischen Vertretung für die Gefangene angekauft waren, einfach für die alliierten Truppen schlagnahmt, und unsere Gefangenen konnten weiterfrieten. (Fortsetzung folgt.) Ausdehnung zu zianer, den„Corichnet'Annunzio ruppen und Schiffe ner auf, sich ihm der italieniIn. Eine ähnliche esinnungsgenossen Meriere della Sera“ Unternehmungen schärsten schürfsten Pro1e. Die Parteileit, die jetzigen Erßen Kampfes, den die italienische Stellung führten. beschloß, in der greifen, es sei sich zur Regelung n Reichswirtschaftsnlaßt, auf weitere sonenverkehrs hind für einige Zeit ng des Persongesehen. fentlichen Arbeiten füng dieser Frage Maßnahmen zu ung des Personenr Eisenbahndienstfügbar zu machen, Strecken, Bahnhöfe ferung von Güternen günstigen Einkohle, inbesondere eichen. Durchführung der irs mit sich brinhlenkrise mit ihren he Wirtschaftsleben znahmen erforderVerkehrsbeschräninden Zeitraum in gelungen ist, die be und der Eisendie AnabStidten BraunHelmstedt und Bad tswahlen(Wahlen nabhängigen eine n. In der Stadt erige Oberbürger= Unabhängigen mit ieder gewählt. Von liedern werden die aussichtslose Stichen mit einem in elleicht zu einem gte die bürgerliche igte Liste. 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Wie die„Braunschweigische Landeszeitung“ melget. ist der„Volksfreund", das Organ der Braunschweiger unabhängigen Sozialisten, in der vergangenen Nacht von den rechtmäßigen Eigentümern, den Graunschweiger Mehrheitssozialisten, unter dem Schutz von Reichswehrtruppen in Besitz genommen worden. Die unabhängigen Sozialisten hatten den„Volksfreund“ in der Revolutionsnacht im November vorigen Jahres besetzt, obgleich die Zeitung nach der Spaltung der alten Partei durch Gerichtserkenntnis den früheren Inhabern der Firma Rieke u. Co.(Mehrheitssozialisten) zugesprochen worden war. Deutsches Reich. — Am 19. d. M. vereidigte der Reichswehrminiger den Chef der Reichswehrbefehlsstelle Preußen, Oberst Keinhardt, und den Chef der Admiralität, v. Trotha, auf die Verfassung des Deutschen Reiches. Danach erfolgte die Vereidigung aller Offiziere und Beamten des zukünftigen Reichswehrministeriums. — Marschall Foch hat an Deutschland wegen der Armee des Generals v. d. Goltz noch kein Ulimatum überreichen laisen, weil einige Mitglieder des Fünferrats sich dagegen aussprachen. Die Amerikaner glauben nämlich, wirtschaftliche und finanzielle Repressalien gegen Deutschland würden dazu führen, daß die Deutschen Litauen verließen. — Unliebsame Vorkommnisse der letzten Zeit haben dem Reichswehrminister Veranlassung gegeben, den Truppenteilen das Vorantragen schwarz=weiß=roter Fahnen beim Marsche durch ihre Garnisonen usw. zu verbieten. — Ein Berliner Zentrumsparteitag forderte von der Parteileitung die Einberufung eines Reichsparteitags des Zentrums noch im Oktober. Gleichzeitig sprach die Versammlung den Parteiführern das Vertrauen aus, daß sie weiter im Geiste der Gründer der Partei alles einsetzen werden, um die christlichen Grundsätze im deutschen StaatsGesellschafts= und Wirtschaftsleben durchzusetzen. — Der ehemalige König von Bayern ist in Sigmaringen bei seinem Schwiegersohn, dem Fürsten von Hohenzollern, zum dauernden Aufenthalt eingetroffen. Die Nachricht, daß die Regierung Zöller in Birkenfeld wieder durch die alte Regierung ersetzt worden sei, entbehrt jeder Grundlage. Der bisherige kommissarische Regierungspräsident in Oppeln, Geheimrat Bitta, wurde endgültig zum Regierungspräsidenten ernannt. :: Genügend Lebensmittel für Deutschland.„Telegraaf“ meldet aus Brüssel: Der Interalliierte Oberste Wirtschaftsrat befaßte sich mit der Frage der Lebensmittelversorgung. Die Schwierigkeiten bei dem großen Bedarf Deutschlands an Lebensmitteln und Rohstoffen bestehen in der Bezahlung. Nach den Berichten, die dem Rat vorliegen, sind in der Welt genügend Lebensmittel vorhanden, um alle Länder zu versorgen. Schwierig ist die Transport= und die Schiffsräumfrage. Die Berichterstatter erklärten, daß die Wollvorräte ausreichend sind, die Baumwollvorräte sind geringer. Eine gerechte Verteilung läßt sich jedoch hier ermöglichen. Die Flachsvorräte sind vollkommen unzureichend. Um die Verteilung der Lebensmittel und Rohstoffe zu sichern, werden beratende Ausschüsse in allen alliierten Ländern errichtet. Deutschland wird versorgt werden. Es soll jedoch vermieden werden, daß Deutschland bald ein Konkurrent der Länder wird, die durch den Krieg gelitten haben. :: D e u t s c h e S a c h v e r s t ä n d i g e i m z e r s t ö r t e n G e b i e t. Am Dienstag beginnt die Bereisung der wiederaufzubauenden französischen Bergwerksbezirke. Sie erfolgt in zwei verschiedenen Gruppen mit je fünf deutschen Sachverständigen und dehnt sich über drei Tage aus. Am Donnerstag beginnt dann die Bereisung für die Aufräumung der zerstörten Gebiete Frankreichs, und zwar in vier Gruppen mit je vier deutschen Sachverständigen. Die Nationalversammlung wird nach ihrem Wieverzusammentritt(am 30. September) in Berlin eine Fülle von Aufgaben zu erledigen haben. In erster Linie gilt es, das neue Finanzprogramm des Reiches, vor allem die neue Einkommensteuer, zu Rberaten Voraussichtlich werden diese Arbeiten die Nationalversammlung bis zum Frühjahr 1920 beschäftigen. Es ist daher nicht daran zu denken, daß die Nationalversammlung vor diesem Zeitpunkt aufgelöst werden wird. Die Wahlen zum ersten Reichstag der deutschen Republik ebenso wie die Wahl des ersten Reichspräsidenten— Ebert ist nur provisorischer Präsident— werden daher nicht vor dem Frühjahr 1920 angesetzt werden. !: Die Unterbehörden des Reichsschatzamtes, die jetzt durch das ganze Reich errichtet werden, heißen Landesfinanzämter. Es sind 24. Von diesen erhält Preußen zwölf, Bayern drei, Sachsen zwei; die übrigen sieben werden auf Württemberg, Hessen, Baden, Bremen mit Oldenburg, beide Mecklenburg mit Lübeck, Hamburg und endlich die Thüringischen Staaten(mit Sitz in Erfurt) verteilt. An der Spitze eines LandesEinanzamtes wird ein Präsident stehen, dem drei Direktoren als Leiter der drei Abteilungen des Amkes unterstellt sind. Der Abteilung I sind sämtliche direkten Steuern, die Erbschaftssteuer und die ReichsStempelabgaben zugeteilt. Der Abteilung II fallen die 8olle und Verbrauchssteuern zu, der Abteilung III endlich untersteht die Verwaltung des reichseigenen Vermögens. Dieser Abteilung soll in Zukunft die Verwaltung des gesamten Heeresgutes zufallen. Es steht zu erwarten, daß die neue Organisation bereits am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft tritt. :: Wieder einmal Resorm des Nachrichtendienstes. Der Ministerialdirektor Rauscher, Pressechef bei der Reichkregierung, ist von seinem Erholungsurlaub aus der Schweiz zurückgekehrt. Er dürfte die Neuorganisation des Nachrichtendienstes alsbald in die Hand Das neue Nachrichtenamt wird sein Heim im Palais des Prinzen Friedrich Leopold aufschlagen. Die Regierungspresse und die demokratische werden voraussichtlich je einen ständigen Vertreter bei der Pressestelle haben. Meine Zeitung. Stimmen aus dem Leserkreise. Nachdem ich nun ¼ Jahr Leserin des„Aufwärts“ bin, möchte ich Ihrem Wunsche entsprechen, und Ihnen sagen, was das Blatt mir ist. Sie wollten mit seiner Begründung auch besonders den Frauen dienen, und ich glaube, das ist Ihnen sehr geglückt. Bei der häuslichen Überlastung, die wohl fast die ganze Frauenwelt betrifft, ist es eine Wohltat, eine Zeitung zu haben, die uns das Notwendige und Wissenswerte aus der inneren und äußeren Politik in bester Auswahl und knappster Form übermittelt. Dabei so übersichtlich angeordnet und der Stil so wundervoll klar und leicht zu lesen, daß es selbst bei großer Abspannung noch ein Vergnügen ist, die Zeitung zu lesen. Die belehrenden Artikel sind interessant und berühren die verschiedensten Gebiete, das kirchliche Leben wird genügend berücksichtigt und der christlich=nationale Standpunkt entspricht meiner Weltanschauung. Danken möchte ich Ihnen besonders, daß Sie bei allem bitterem Ernst, mit dem Sie die Lage unseres Vaterlandes beleuchten müssen, uns doch die erfreulichen Zeichen der Zeit gleichfalls mitteilen(Versöhnungswoche und anderes). Das geschieht in anderen Blättern kaum. Und bitten möchte ich, daß Sie es beibehalten, den Roman fehlen zu lassen, und uns dafür Besseres zu bieten. Und, wenn es sein kann, erhöhen Sie den Preis nicht zu sehr, es gibt wohl viele, die dann mit Schmerzen verzichten müßten. A.., Eberswalde. Die Presse kann diese ewigen„Reformen“ natürlich aushalten. Sie ist ja anpassungsfähig genug, und schließlich verträgt sie auch allerlei. :: Die Engländer im Rheinlande.„Morning Post“ meldet: Es ist beschlossen worden, neben der im Rheinland als Garnison befindlichen Brigade noch eine britische Division daselbst zu belassen. :: Ueber die Kriegsgefangenen in Sibirien haben die Abgeordneten Neumann(Barenberg) und Matschkewitz folgende Anfrage eingebracht: Zeitungsnachrichten zufolge sollen an deutschen Kriegsgefangenen in Sibirien sich noch 1000 Offiziere und 18000 Mannschaften befinden— darunter viele preußische Staatsangehörige—, die seit mehr wie einem Jahre gänzlich von jedem schriftlichen Verkehr mit ihren Angehörigen abgeschlossen sind. Ist die Preußische Staatsregierung in der Lage, Aufschluß über das Los dieser Bedauernswerten zu geben, und in welcher Weise gedenkt die Preußische Staatsregierung bei der Reichsregierung einzuwirken, daß ein gesicherter schriftlicher Verkehr der in Sibirien sich noch befindenden Kriegsgefangenen mit der Heimat angebahnt wird, und welche Maßnahmen gedenkt die Preußische Staatsregierung durch die Reichsregierung herbeizuführen, um in Erfahrung zu bringen, wann und auf welchem Wege eine schnelle Heimkehr der Kriegsgefangenen aus Sibirien zu erwarten steht. :: Neue Grenzschutzmaßnahmen in Oberschlesien. Die Beunruhigung der Grenzbevölkerung in Oberschlesien durch Uebergriffe bewaffneter Banden hört noch immer nicht auf. Ueberfälle auf einzeln liegende Gehöfte in Verbindung mit Verschleppungen von Einwohnern und schweren Diebstählen, sowie Angrifsen auf unsere militärischen Sicherungen und Posten werden immer wieder gemeldet. Es sind daher bei den zuständigen Behörden Maßnahmen in Erwägung gezogen, um diesem Treiben zu begegnen. Diese würden in erster Linie in der Schaffung einer etwa 5 Kilometer breiten Kontroll= z one schon diesseits der Grenze bestehen. Ueberdies werden besondere Bestimmungen für eine schärfere Ueberwachung des Verkehrs und eine Einschränkung des Versammlungsrechtes unerläßlich sein, so sehr dies auch im Interesse der ruhigen Bevölkerung zu bedauern ist. Es müssen aber alle Mittel angewendet werden, um Eigentum und Leben unserer Grenzbewohner zu schützen. Danzig an den Obersten Rat. Der Wirtsstaftsausschuß für die freie Stadt Danzig sandte an den Obersten Rat der Alliierten in Paris folgendes Telegramm:„Die Artikel 100, 102 und 105 des Friedensvertrages bestimmen für das Gebiet der freien Stadt Danzig die Abtrennung vom Deutschen Reich und für seine Bewohner den Verlust der deutschen Staatsangehörigkeit ohne daß gleichzeitig die Konstituierung der freien Stadt Danzig erfolgt. Der gesetzlose Zustand m der Zwischenzeit kann nur den völligen Zusammendruch des Wirtschaftslebens herbeiführen. Der Aufbau der freien Stadt Danzig muß in Rücksicht auf ihren internationalen Charakter auf durchaus sicherer Grundlage erfolgen. Daher muß der von den alliierten Mächten eingesetzte Oberkommissar im Augenblicke des Inkrafttretens des Friedensvertrages in Danzig sein, um die schwierigen Bestimmungen der Artikel 103 und 104 einer schleunigen Erledigung entgegenzuführen und so einer grenzenlosen Verwirrung vorzubeugen. Wir bitten den Obersten Rat dringend, die Konstituierung der freien Stadt Danzig und die Entsendung des Oberkommissars unverzüglich in die Wege zu leiten und erwarten eine rasche Entscheidung, zumal Danzig unter den Schutz des Völkerbundes gestellt ist.“ :: Schneller Verbrauch unserer Lokomotiven in Frankreich. Seit Monaten ist in deutschen Fachkreisen bekannt, daß ein wesentlicher Teil der von uns ausgelieferten Lokomotiven bald nach ihrer Einstellung in den französischen Betrieb unbrauchbar geworden ist, weil das französische Betriebspersonal nicht fähig war, mit so komplizierten Maschinen, wie es die deutwschen sind, umzugehen. Ferner ist bekannt, daß unsere schweren Lokomotiven für den französischen Unterbau der weit weniger widerstandsfähig ist, als der deutsche, nicht geeignet sind, weil der französische Unterbau diese starke Belastung nicht trägt. Auf Auf deutscher Seite würde man auch keinen allzu großen Wert auf die Rückgabe der Maschinen legen, sie könnten in den deutschen Dienst doch nicht eingestellt werden, weil sie durchweg durch den Gebrauch in Frankreich so stark beschädigt sind, daß sie für uns verwendungsunfähig wurden. Rundschau im * Der ungarische Minister des Innern erklärte gegenüber der in Budapester Judenkreisen verbreiteten Alarmnachrichten von Judenverfolgungen seitens der weißen Armee, das Ziel der nationalen Armee sei nicht die Ausrottung der Juden, sondern die Wiederherstellung der bürgerlichen Ordnung im Lande. * Das Friedensabkommen und der kranzösisch=englischamerikanische Garantievertrag wurde durch Abstimmung von der australischen Volksvertretung genehmigt. Oesterreich: Exkaiser Karl geht nicht nach Sxanien. * Wiener Blätter haben folgende„offizielle Erklärung", erhalten:„Als Bevollmächtigter Seiner Majestät des früheren Kaisers und Königs Karl ersuche ich mit Beziehung auf die Mitteilungen vom 16. und 17. September 1919 um die Veröffentlichung, daß alle Behauptungen über eine angeblich beabsichtigte Uebersiedelung des früheren Kaisers und Königs nach Spanien der Wahrheit nicht entsprechen. Ein Aufenthaltswechsel könnte nur innerhalb der Schweiz in Frage kommen, und zwar auch nur für den Fall, als mit Rücksicht auf das Sinken des Kronenkurses in der Schweiz die zur Verfügung stehenden geringen Barmittel eine noch weitere Einschrankung des Haushalts notwendig machen sollten. Dr. Schager. Frankreich:„Nur“ 445 Milliarden zu Lasten Deutschlands. * Der französische Abgeordnete Louis Marin bezeichnete es in seiner Rede als eine Uebertreibung wenn die Gesamtsumme der Kriegskosten mit 1000 Milliarden angegeben würde, deren Vergütung man von Deutschland verlangen könne. Zunächst seien von dieser Summe abzuziehen 149½ Milliarden, die den Betrag der österreichischen. bulgarischen und türkischen Kriegskosten ausmachten, ferner 92 Milliarden, die Rußland verausgabt habe. Außerdem habe England nicht 166 Milliarden Kriegskosten gehabt, sondern nur 117. Die Ausgaben Frankreichs beliefen sich nicht auf 145 Milliarden, sondern auf 165, die Italiens auf 68 und nicht auf 58 Milliarden; dagegen seien die von Amerika mit 63 Milliarden anzugeben, anstatt sie mit 114 Milliarden, wie es bis jetzt geschehen sei, in Rechnung zu stellen. Man komme also im höchsten Falle auf 445 Milliarden, die die Alliierten von Deutschland reklamieren könnten. Engkand: Große Vermögenssteuer. ? Der Kriegs bringt auch den Engländern nach den furchtbaren Steuern der Kriegsjahre fortdauernde höchste Lasten: Es ist im englischen Ministerrat der Plan einer einmaligen Vermögensabgabe für die großen Vermögen in Vorbereitung. Die Abgabe soll bis 35 v. H. betragen, soweit die Vermögen nicht produktiven und gewerblichen Zwecken zugeführt werden.— Wahrlich, Erzberger ist da gegenüber seinen englischen Kollegen nur ein Waisenknabe. Schweden: Scharfes Urteil gegen den Gewaltfrieden. * Professor Rudolf Kiellen urteilt über die Friedensverträge wie folgt: Die beiden Friedensschlüsse mit dem deutschen.Volk in Deutschland und Oesterreich sind mit raffinierter Kunst ausgedacht. Aber es muß betont werden, daß das französische Volk, dessen Wille hier sicherlich bestimmend gewesen ist, ein hohes Spiel spielt. Es rechnet darauf, seinem Gegner das Rückgrat brechen zu können, so daß er sich niemals wieder in überlegener oder auch nur gleicher Kraft erheben soll. Das kann ja gelingen, und dann ist nur erreicht, daß die Menschheit ihres begabtesten, kulturkräftigsten Mitgliedes beraubt ist. Gelingt es nicht, dann hat das französische Volk die Deutschen etwas gelehrt, was nicht in ihrer Veranlagung liegt, nämlich zu hassen. Rußland: Die Kämpfe gegen die Bolschewisten. * Zu vielen Treffen mit den Bolschewisten ist es in der Mitte und auf dem rechten Flügel der Armee Denekins gekommen. Die Kosaken haben mehrere Städte genommen und über 4300 Gefangene gemacht. Das Kriegsamt teilt ferner die Einnahme zweier Ortschaften an der Murmanbahn mit. Bei diesem Unternehmen sind 500 Gefangene gemacht und eine bolschewistische Flottille auf dem Onega=See ist durch die britischen Luftstreitkräfte zerstreut worden. Vereinigte Staaten: Wilson gegen jede Wiederherstellung des Kaiserreichs. : In einer Rede in Oakland sagte Wilson, daß, wenn Deutschland die Autokratie wiederherstelle und die Hohenzollern wieder auf den Thron setze, Deutschland für immer aus dem Völkerbunde und der Gesellschaft entfernt werden müsse.— Aus Lugano wird gemeldet, Wilson beabsichtige, noch einmal nach Europa zu kommen. Lokal= und Provinzialnachrichten. Bielefeld, 24. September 1919. — Wichtig für Empfänger von Heeresbezügen. Es wird daran erinnert, daß die Zahlung der Heeresbezüge(Militärpensionen, Renten, Hinterbliebenenbezüge) für den Monat Oktober bereits am 29. September bei den zuständigen Postanstalten stattfindet. Die pünktliche Abhebung der Bezüge an diesem Tage ist durchaus erforderlich. — Kartoffelversorgung. Nach Bestimmung der Reichskartoffelstelle sollen vom 14. September bis 1. November 1919 und vom 15. Februar 1920 bis 17. Juli 1920 wöchentlich 7 Pfund und vom 2. November 1919 bis 14. Februar 1920 wöchentlich 9 Pfund an alle Verbraucher verteilt werden. Dies ergibt für die Versorgungsperiode von 44 Wochen eine zuständige Menge von 338 Pfund. Zur Deckung dieses Bedarfs sind den Gemeinden entsprechende Mengen aus den Überschußkreisen zugewiesen worden. Außerdem erhalten sie weitere 66 Pfd. zur Deckung der unvermeidlichen Verlustte. Der Stadt Bielefeld sind folgende Lieferkreise zugewiesen: Aus der Provinz Westfalen der Kreis Büren mit 51 469 Ztr.; aus der Prvinz Hannover der Kreis Melle und Isenhagen mit je 20000 Ztr.; aus der Provinz Brandenburg der Kreis Lebus mit 40000 Ztr.; der Kreis Oststernberg 20000 Ztr.; der Kreis Züllichau=Schwiebus mit 19 500 Ztr., der Kreis Guben=Land mit 20 500 Ztr., tus der Provinz Sachsen der Kreis Jerichow I mit 80000 Zentnern; aus dem Freistaat Lippe=Detmold mit 60000 Zentnern. Das sind zusammen 331 469 Zentner. Zur Erleichterung der Winterversorgung und Entlastung der Eisenbahn soll nach den Bestimmungen der Reichskartoffelstelle das Bezugsscheinverfahren von allen Behörden gefördert werden. Die Bestimmungen der Reichskartoffelstelle besagen dazu folgendes: Für Bielefeld kommen demnach Bezugsscheine namentlich auf die Nachbarkreise Halle, Lübbecke, Wiedenbrück, Paderborn, Melle und den Freistaat Lippe in Betracht. Man beachte hierzu die erlassene Bekanntmachung. Da die Verkehrsverhältnisse bei der Eisenbahn sich dauernd verschlechtern und deshalb mit ungenügender Anfuhr gerechnet werden muß, so kann den Verbrauchern nur dringend empfohlen werden, in möglichst großem Umfange von dem Bezugsscheinverfahren Gebrauch zu machen. Soweit die Kartoffeln aus den Nachbarbezirken kommen, ist wahrscheinlich auch mit einer besseren Qualität zu rechnen, als bei einem Bezug aus Brandenburg oder Sachsen bei großen Entfernungen. Die Stadt wird sich bemühen, die Ausführungsanweisung der Provinzialkartoffelstelle schnellstens zu bekommen, damit die Bezugsscheine gedruckt und ausgegeben werden können, weil sie nur bis 15. November von den Landräten der Lieferkreise angenommen werden. Die Preise für die von der Stadt Bielefeld an die Verbraucher vom Ostbahnhof zu liefernden Kartoffeln lassen sich zurzeit noch nicht berechnen, weil das Verhältnis der Bezugsscheinkartoffeln und der sonstigen Ausfuhr erst durch die Ausgabe der Bezugsscheine klargestellt werden muß. Um keine Stockungen in der Versorgung eintreten zu lassen, werden die der Stadt benannten Lieferkreise um schleunigen Beginn des Versandes ersucht und die darauf eingehenden Kartoffeln auf Einzelabschnitte der jetzt herausgegebenen neuen Kartoffelkarte wöchentlich durch die Kleinhändler verkauft. — Bethel. Das 52. Jahresfest der Anstalt Bethel begann mit einem Gottesdienst, in dem P. O. Oehlkers, der Leiter des Stephansstifts in Hannover, die Festpredigt hielt. Zum Text nahm er 2. Kor. 4, das Kapitel, in dem zu Anfang der Grabspruch des alten Bodelschwingh steht. „Nicht müde werden“,— das war der eine Hauptton der Predigt, und„uns ist Barmherzigkeit widerfahren“ der andere; die Barmherzigkeit Gottes bewahrt uns auch in dieser mühe= und kummervollen Zeit vor dem Müdewerden, wenn wir uns fleißigen, ihm wohlzugefallen und ein reines Gewissen zu behalten. Wir werden nicht müde, ob unser äußerlicher Mensch verdirbt, so wird doch der innerliche von Tage zu Tage erneuert, und die gegenwärtige Trübsal wirkt, wenn wir auf das Unsichtbare schauen, eine ewige Herrlichkeit. Trotz des kühlen Wetters wagte man es, am Nachmittag den 2. Festgottesdienst in der Waldkirche zu halten. Keiner von den überaus zahlreichen Festteilnehmern wird es bereut haben. Hier hielt P. D. Philipps, der Leiter der Berliner Stadtmission, die Festpredigt.„Gott legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch“, Psalm 68, V. 20 legte er seiner Predigt zu Grunde, in der er ausführte, daß die schweren Wege, die Gott die Völker, die einzelnen Menschen und auch die Anstalten der inneren Mission jetzt gehen lasse doch ausmünden in dem dankbaren Bekenntnis:„Du Herr, hilfst die Lasten tragen, lässest nicht versinken und endest unsere Wege in Heil und Segen. Nach ihm betrat P. F. v. Bodelschwingh die Waldkanzel und gab den Jahresbericht, den er an Psalm 18, v. 28—30 anknüpfte. Der erste Dank galt der Demütigung durch Gottes gewaltige Hand, die auch den Anstalts=Hochmut in den Staub beugt. Das große Sterben, die Staatsumwälzung und all die Nöte des verflossenen Jahres— alles sind Führungen des treuen göttlichen Erziehers, der zugleich den Seinen nichts mangeln läßt. Davon zeugten wieder zahlreiche Briefe von kleinen und alten Leuten, von früher hier verpflegten Soldaten, deren Aufenthalt in Bethel für ihr inneres Leben nicht vergeblich gewesen war, und manche andere Liebesbeweise. Der Schriftenverkauf ergab über 60 Mark. Es sei hier darauf hingewiesen, daß jetzt ein neuaufgelegtes Schriftchen über„Die Anstalten in Bethel“(48S., mit zahlreichen Bildern) zum Preise von 50 Pfg. in Dankort zu haben ist. Ebendort kann man außer dem eben herausgekommenen neuen„Boten von Bethel“ auch den Plan der demnächst ins Leben tretenden„Christlichen Volkshechschule“ erhalten. Zahlreiche Gäste beherbergen jetzt unsere Anstaltshäuser, die den Kongreß der Inneren Mission und seine Sondertagungen mitfeiern. Möchten von dieseen Tagen durch diese Gäste reiche Segensströme in alle Teile unseres Vaterlandes geleitet werden! — Bethel.(Aufwärtsbund). Die auf Mittwoch abend in Aussicht genommene Versammlung kann erst Freitag abend 8 Uhr in Gosen stattfinden. * Schildesche, 25. Sept.(Jahresfest).— Unter den segensreichen Arbeitszweigen der evangelischen Kirche nimmt die Arbeit des Jugendbundes für entschiedenes Christentum eine hervorragende Stellung ein. Fünfundzwanzig Jahre ist dieser Bund unter unserem Volke tätig. Vom 11. bis zum 16. Oktober findet die Jubiläumstagung im Herrenhause in Berlin statt. Die Eröffnung dieser Jubelfeier beginnt mit Festgottesdiensten in den verschiedensten Kirchen Berlins und mit einer großen Kundgebung im Berliner Dom, in der Herr Superintendent Brockes über die Geschichte des Jugendbundes reden wird. Ein Glied dieses gewaltigen Bundes ist auch der Jugenbund für entschiedenes Christentum in unserer Gemeinde, der über hundert Mitglieder zählt und am kommenden Sonntag sein Jahresfest feiert. Für diese Feier hat der Jugendbund Herrn Superintendent Brockes aus Oschersleben gewonnen. Ohne Zweifel wird die Beteiligung an dieser Feier eine starke sein. Alles Nähere ist aus dem Anzeigenteil zu ersehen. Letzte Nachrichten. Politische Mitarbeit der Teutschnationalen. In einer Wählerversammlung in Köln gab die deutschnationale Volkspartei durch den ersten Redner Rechtsanwalt Dr. Hummelbein folgende Erklärung ab:„Wir sehen die Monarchie als die für Deutschland am besten geeignete Regierungsform an; aber wenn sie zurückkommen sollte, darf sie nicht gestützt sein auf Bajonette, sondern getragen von Millionen von deutschen Bürgern. Die Wiedereinführung der Monarchie im Wege der Gegenrevolution lehnen wir entschieden ab. Wir stellen uns auf den Boden der von der Nationalversammlung geschaffenen Verfassung und sind bereit, solange sie nicht auf verfassungsmäßige Weise beseitigt ist, auf diesem Boden für das deutsche Volkswohl mitzuarbeiten.“ :: Sozialistische Einigung? Am Sonnabend und Sonntag haben in Leipzig Verhandlungen stattgefunden zwischen Unabhängigen und Mehrheitssozialisten über die Regierungsneubildung. Das Ergebnis dieser Verhandlungen wird noch geheim gehalten, jedoch scheint man zu einer Einigung gekommen zu sein. Im Laufe dieser Woche sollen die Parteiinstanzen über Annahme oder Ablehnung entscheiden. :: Gegen die Zuwanderung der Ostjuden. Die Deutschnationale Volkspartei hat in der preußischen Landesversammlung folgende Anfrage gestellt: Nach Ausbruch der Revolution sind täglich Hunderte, ja Tausende galizischer und polnischer Juden aus ihrer Heimat aeflüchtet, um der zwanasweisen Terzriche Eintarung zum des Ingendbundes für entschiedenes Christentun in am Sonntag, den 28. September (Gemeinschaftshaus, Moltkestraße 14). Festordnung: Morgens ½9 Uhr: Morgenandacht, geleitet von Herrn Superintendent Brockes aus Oschersleben. Beginn pünktlich ½4 Uhr: Festpredigt: Herr Superintendent Brockes. Chorgesänge, Deklamationen, Grüße auswärtiger Vereine. Schlußwort: Prediger Heinrich Dallmeyer. abends 8 Uhr: 1. Vortrag:„Wie werde ich meines Heils gewiß?“ Redner: Herr Superintendent Bruckes. 2. Vortrag:„Wie mache ich im inneren Leben Fortschritte?“ Redner: Prediger Heinrich Dallmeyer. Dazwischen Chor= und Sologesänge. Jedermann ist herzlich willkommen, insonderheit die erwachsene Jugend. — Eintritt frei.— heicbrede Meiefeid, Grabenstraße 22. Sprechstunden: Vorm.—1, nachm.—7 Uhr. SS Einstellung in die polnische Armee zu entgehen, und nach Deutschland eingewandert. Sie nehmen den d. schen Volksgenossen Brot und Wohnungsmöglichkeit Zahlreiche Familien deutscher Krieger können keine un, terkunft finden, aber täglich werden Tausende judz, scher Einwanderer aus Polen und Galizien— auch aus Rußland— nach Deutschland hereingelassen und vermehren das Elend der deutschen Bevölkerung, näm. lich Nahrungsmittel= und Wohnungsnot. Dazu in eine Auswanderung von Millionen meist gerade aus Arbeiterkreisen stammender deutscher Volksgenossen zu erwarten, die uns zu schade sind als Kulturdünger für fremde Völker. Ein großer Teil der zumeist mit, zellosen Juden verfällt in kurzer Zeit dem Verbre, hertum, wie die Verhandlungen vor den BerlinFerienstrafkammern in den Fällen Raphael Gelbblum Moische Wasserschleim und Josua Mandelblüh erweisen Was gedenkt die Staatsregierung zu tun, um eine weitere Zuwanderung der Ostjuden zu verhindernz :: Neue Regierungspräsidenten. Die preußische Staatsregierung hat den vortragenden Rat im Mini, sterium des Innern Frhrn. v. Braun zum Präsidenten der Regierung in Gumbinnen, den Schriftsteller Ludwig Bartels aus Frankfurt a. O. zum Präsidenten der Regierung in Frankfurt a.., den Stadtrat Dr. Hausmann aus Stettin zum Präsidenten der Regie, rung in Stralsund ernannt. :: Eine gesetzwidrige Verordnung. Die Mitglieder der deutschnationalen Volkspartei haben in der preußischen Landesversammlung einen dringenden Antrag eingebracht: Die Staatsregierung zu ersuchen, die am 2. September 1919 von dem preußischen Landwirtschaftsminister erlassene Verordnung„über die stellung landwirtschaftlicher Arbeiten“ als ungesetzlich schleunigst aufzuheben. :: S p a r t a k i s t i s c h e W ü h l e r e i e n. D i e S p a r t a k i s t e n entfalten eine überaus lebhafte Wühlarbeit in Bayern. Berliner Flugblätter sind massenhaft beschlagnahmt worden. Daß in den ersten Dezembertagen ein neuer Umsturz geplant war„bestätigt der„Bayerische Courier". In der Sitzung des Aktionsausschusses der unabhängigen sozialdemokratischen Partei am 10. September erklärte der Vorsitzende Schelle, daß ein Führer der kommunistischen Partei iu ihn hera getreten sei, um zu erfahren, wie die un hängige Soz ldemokratie sich zu einem unverzügliche Umsturz ste 2, für den alle Vorkehrungen bis ins kleinste getr. in worden Vorsitzende der Kommunisten von Halle, Buchdrucker Steinbrecher, und mehrere Parteimitglieder wurden festgenommen. Sie haben im Verein mit den beiden von München nach Halle gesandten Kommunisten Graf und Franta geplant, durch Meuchelmord den früheren Kommunistenführer und jetzigen Spitzel Hartung zu beseitigen. Einer der Münchener, die beide verhaftet sind, hatte bereits auf einen Schlosser einen Pordversuch verübt, bei dem er den Ueberfallenen durch verletzte. Erfolge gegen die Volschewisten. Aus zuverlässiger Quelle wird berichtet, daß die russischen Freiwilligen=Truppen an der Nordwe“ front gegen die Bolschewisten gute Fortschritte erzielten. Im„Düna=Abschnitt ist fast die Hälfte aller bolschewistischen Truppen von den vereinigten russischen Freiund den Alliierten aufgerieben. Die Bolschewisten sahen sich gezwungen, von der finniichen Rote: Garde Verstärkungen heranzuziehen. Das Ecgebnis der Operationen seit Ende August ist folzendes: 4000 Gefangene, 53 Geschütze, 100 Maschinerzewehre und eine große Menge Material. Für den Inhalt voranswortlich: W. Kraa, Bethel.— Druck und Verlag: Druckere Geidel bei Bieleseld. Fernruf 74, Amt Bielefeld. Redaktion bestimmten Zuschriften sind zu richten nach Bieleseld 141. Ales, was die Expedition betrifft, alle Inserate und Geldan die Geschäftsstelle Misstonar Heienbrok, Bethel=Bieleseld. 7382 Hannover. 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Karten zu den einzelnen Vorträgen zu 1 Mark für eine Person. Der Zutritt zu den öffentlichen Volksversammlungen ist frei. Denen, die im engeren Kreise Erbauung suchen, wird hierzu vor den Morgenversammlungen um 8½ Uhr in einem besonderen Zimmer des Johannisgemeindehause: Gelegenheit geboten. Eine noch gute sucht zu kausen Missionar Döriug, Bethel. Reseistckustr, Ibringen. Töchterheim. Hauswirtschaftsschule. Gartenbau. Wissenschaftliche Fächer. Ziele des Frauenleurjahrs. Staatl geprüfte Lehrkräfte. Prosp. durch die Vorst. B. Richter. Brelngeis hauptsächlich Hartholz, auf Ofenlärge abgekünzt, zur Lieferung an städtische Behörden gegen Kasse gesucht. Aufkäufer gesucht..,„ Mateslen Holzhandlg. Wilmting, Guterei I. Westf. Tel. 106.— Herrnhut Sa Töchterschulheim der evangel. Brüdergemeine, Christl. Erziehung, sorgfältige Verpflegzung, schöne, waldreiche Umgebung. M. Hottmann,