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K ö h n e. V o r m. ?. Knolle. Vorm. Kindergottesdienst. Uhr Gemeinsamer nst in der Reform. ittwochabend 8½ U. rechung, P. Köhne. be. Vorm. 10 Uhr ottesdienst, MissioR. emeinde. 10 Uhr kann, 2% Uhr Kindienst, Ausflug.— □ Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis: Bei der Post geholt vierteljährlich.40 Mk. Durch den Briefträger oder Boten .82 Mk. Sheistlich unnenales Eag mit der Sonntagsbeilage„Für herz und Haus“. cherausgeber O. Taeger. Anzeigenpreis: Die einspaltige Petitzeile oder deren Raum 25 Pfg., Reklamezeile.00 Mk. Beilagen nach vorheriger Vereinbarung. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 Uhr. Kr. 215 =Bethel, Sonntäg, den 14. September 1919. Er wird heucheln und gute Worte geben den Gottlosen, so den Bund übertreten. Aber das Volk, so ihren Gott kennen, werden sich ermannen und werden es ausrichten. Dan. 11, 32. ∆ 76 J 7 ein d=A eid## eit ud ud 6e 05#.# 0 Hat Deutschland noch einen Aufstieg zu erhoffen? Sprüche Salomonis 14, 34. Ob Deutschland noch einmal wieder in die Höhe kommen wird, das ist die Frage, die jetzt tausend und abertausend Herzen immer wieder von neuem bewegt. Ob wir gleich nichts als Niedergang auf allen Gebieten unseres öffentlichen und privaten Lebens sehen, so können wir es doch nicht lassen, diese Frage immer wieder zu stellen. Manche Leute glauben dieselbe unbedingt verneinen zu müssen, weil sie keinen Schimmer von Hoffnung sehen, der einen künftigen Aufstieg verheißen könnte. Es wäre überaus traurig, wenn wir so denken, wenn wir das deutsche Volk für immer verloren geben müßten. Aber,.... Gott sei Dank, das ist nicht nötig; es gibt noch immer eine Anzahl von Menschen, die an der Zukunft Deutschlands nicht verzweifeln. Und das sind nicht bloß deutsche Reichsangehörige, sondern auch manche Ausländer sind der festen Überzeugung, daß dem deutschen Volke noch eine Aufgabe zu erfüllen von Gott vorbehalten ist. Der berühmte schwedische Forschungsreisende Sven Hedin, der namentlich durch seine kühnen und gefahrvollen Reisen in Tibet sich große Verdienste um die Wissenschaft erworben hat und der als einer der besten Kenner Deutschlands im Auslande gilt, hat in einem Briefe an einen deutschen Freund es kürzlich ausgesprochen, daß er weit davon entfernt sei, die Lage Deutschlands als verzweifelt anzusehen. Die Tragik seines Schicksals sei es, daß es nicht in ehrlichem Kampfe durch die Waffen der Feinde, sondern von seinem eigenen Volke besiegt worden sei. Das Volk könne aber wieder genesen und einsehen, daß es betrogen sei und dann werde die Reaktion kommen. Mit zusammengebissenen Zähnen werde Deutschland dereinst Großes leisten, ja es werde zur größten Kontinentalmacht der Welt werden. Wenn wir auch die überschwengliche Hoffnung, die in den letzten Worten liegt, nicht zu teilen vermögen, so liegt doch darin schon ein großer Trost, daß ein so bedeutender Mann wie dieser schwedische Gelehrte ein so großes Vertrauen auf das deutsche Volk setzen kann. Aber freilich müssen wir uns darüber klar werden, worauf wir die Hoffnung auf einen Aufstieg gründen konnen. Das hat uns dieser Krieg freilich ganz unzweideutig gelehrt, daß Kanonen und Kriegsschiffe, Flugzeuge und Unterseeboote, große Feldherren und tapfere Armeen allein uns nicht retten können. Wenn nach so viel glänzenden Siegen gegen achtundzwanzig Feinde, denen Deutschland vier Jahre lang kraftvoll widerstanden hatte, seine Kraft schließlich doch in wenigen Wochen völlig zusammenbrach, müssen wir darin nicht Gottes Hand erkennen, der uns einmal klar und deutlich zeigen wollte, daß wir, wenn er sein Angesicht von uns wendet, ohne ihn gar nichts vermogen? Man hatte in den Jahren unsrer großen Erfolge ihn nicht erkannt als den, der unseren Arm gestählt hatte zum Sieg über unserer Feinde. Man hatte zwar oft in unsern Gottesdiensten gesungen:„Er läßt voneden Schlechten die Guten nicht knechten,“ aber man hatte sich nicht bemüht, zu denen zu gehören, die er von den Fesseln der Schlechten bewahren will. Es mehrten sich vielmehr die Gottlosen im deutschen Volke. Betrügereien, Räubereien, Wucherei, irdischer Sinn und Materialismus nahmen überhand. Da kamen dann plötzlich Gottes Gerichte und also handgreiftich, daß uns das innerste Herz erbebte. Wir haben es nun erfahren müssen, daß die Sünde wirklich der Leute Ververben ist, wie uns das schon durch den weisen König Salomo in unserm Texte gelehret wird. über derselbe König bezeugt es uns auch aufs entshiedenste, daß Gerechtigkeit ein Volk erhöhet. Darauf wird also alles ankommen, daß es uns nicht sehlt an dieser Gekechtigkeit, durch welche ein gesallenes Volk wieder in die Döhe steigen kann. Das ahm in die Gerechtigkeit, in Jahrgang 1. welcher wir nach Gottes Rechten und Geboten leben, in welcher wir also handeln, daß uns Gott als solche erkennen kann, die sein Wort halten und seinen Willen tun. Ob das deutsche Volk nach dieser Gerechtigkeit mit vollem Ernste trachten wird, das wird über seine Zukunft entscheiden. So urteilt einer der weisesten Männer aus alter Zeit und so hat es sich schließlich immer im Leben der Völker bewährt. Diese Erkenntnis dürfen wir uns freilich dadurch nicht verdunkeln lassen, daß es manchmal Jahrhunderte gedauert hat, ehe das tötliche Gift der Sünde sich ausgewirkt hat im Völkerleben. Das römische Reich, das schon zu Christi Zeit ganz zerfressen war von dem Wurm der Sünde, der an dem Marke seiner Kraft zehrte, hat noch Jahrhunderte bestanden, ehe es unterging, aber endlich brach es doch trotz seiner die ganze Welt umspannenden Macht in sich zusammen, ohne daß es sich wieder erheben konnte. Es darf und darum nicht befremden, daß die Völker der Entente, obwohl stt nicht besser sind als das deutsche, jetzt triumphieren und mit großem Gepränge ihre Siegesfeste seiern. Gott hat sie nur als Zuchtrute benutzt, wie einst Nebukadnezar das Werkzeug in Gottes Hand war, um Israel für seine Sünden zu strafen, aber wenn sie sich nicht bekehren, wird auch für sie früher oder später die Zeit kommen, wo ihre Freude sich in Weinen und Heulen verkehren wird. Für Deutschland aber gilt es vor allem, nach der Gerechtigkeit zu trachten, welche nach Salomos Ausspruch ein Volk erhöhet. Dazu gehört aber vor allen Dingen, daß man wieder Gott die Ehre gibt, die ihm gebührt, daß nicht bloß die Frauen, sondern auch die Männer es wieder lernen, in den Gotteshäusern vor Gott ihre Knie zu beugen, daß die Kinder wieder aufwachsen in der Zucht und Vermahnung zum Herrn, daß die Jugend sich wieder christlicher Sitte und Ehrbarkeit befleißige, daß die Seuche der Habsucht und Gewinnsucht, die jetzt in vielen Kreisen förmlich grassiert, endlich einmal aufhöre und dafür Redlichkeit und Ehrlichkeit, Gemeinsinn und Vaterlandsliebe wieder herrschen im deutschen Volke, daß wir des Wortes des Apostels stets eingedenk bleiben:„Seid niemand nichts schuldig, denn daß ihr euch untereinander liebet,“ daß wir sowohl in unserm Amt und Beruf, als auch in unserm Privatleben stets darauf bedacht sind, als Haushalter Gottes die Treue erzeigen, welche die Verheißung hat, daß ihr die Krone des Lebens nicht fehlen wird. Das ist der Aufstieg für unser Volk. Nun, wohlan denn, gehen wir ihn und werden wir nicht müde und der Herr unser Gott sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände bei uns! Ja, das Werk unserer Hände wolle Er fördern! Amen. A. S. Schulpotitische Aufgaben der Gegenwart. Zahlreich waren am Mittwoch nachmittag Lehrer und Lehrerinnen einer Einladung des Lehrerausschusses der Deutschnationalen Volkspartei nach Herford gefolgt, um einen Vortrag des Abgeordneten Rektor Lukassowitz über„Schulpolitische Aufgaben der Gegenwart“ zu hören. Herr Lehrer Lepper=Herford begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten. Die Revolution des 9. 11. hat auch auf dem Gebiete der Schule und der Erziehung, so begann der Hauptredner, tiefgreifende Veränderungen hervorgerufen. Gar viele unseres Berufsstandes haben von dieser Revolution eine völlig neue Zeit, eine Zeit der Freiheit und des materiellen Glückes erwartet. Politische Gegenwartsnotwendigkeiten zerschlugen die erhoffte große Linie der Aufwärtsentwicklung der Schule; auf das sichere Erwarten witschaftlicher Besserstellung unseres Standes fiel der Reif finanzieller Bedenken und Erwägungen.. Wir wollen über dem sich breitmachenden Materialismus stehen, in der Zeit des religiös=sittlichen und nationalen Niedergangs unsere Mitarbeit nicht versagen. Es gilt, unser krankes Volk einer baldigen Wiedergenesung zuzuführen. Redner besprach dann zunächst die ideellen und kulturellen, dann die materiellen Fragen der Schule und Lehrerschaft, ausgehend vom Weimarer Schulkompromiß. Gewährleistet sind uns eine bessere Vorbildung, außerdem haben wir Gelegenheit zum besseren Aufstieg. Mit den Teuerungszulagen sind wir den Staatsbeamten rechtlich gleichgestellt. Dann haben wir die Fachaussicht, die Fortbildungsschulpflicht von Knaben und Mädchen bis zum 18. Jahre und Unentgeltlichkeit der Lernmittel. Im Brennpunkt des Interesses steht der§ 143, der besagt, daß drei Arten von Schulen zulässig sind, die Simultanschule, konfessionelle oder die religionslose Schule. Von den Erziehungsberechtigten sind entsprechende Anträge zu stellen. Die Sozialdemokraten sprechen viel von einem neuen Bildungsideal, das der neugeschaffene Staat braucht; sie behaupten, daß die Wissenschaft, der Fortschritt und die Welterkenntnis es erfordern, daß die Religion in der Staatsschule kein Unterrichtsfach sein kann. Wir wollen, daß der Religionsunterricht ordentlicher und verbindlicher Unterrichtsgegenstand bleibt, mit der Einschränkung, daß Kinder auf Antrag der Erziehungsberechtigten von der Teilnahme am Religionsunterricht entbunden werden können. Elternrecht ist Volksrecht. Die Eltern mögen bestimmen über die Erziehung der Kinder, der Staat muß den Wünschen der Erziehungsberechtigten folgen. Religion ist für uns Volkssache. Die persönliche Freiheit des einzelnen Lehrers soll unangetastet bleiben. Die mir politisch nahestehenden Berufsgenossen werden, treu den Überlieferungen, den Religionsunterricht gern und freudig erteilen. Der Kampf um die Gestaltung der Schule wird jetzt in die kleinste Dorfgemeinde hineingetragen, andererseits aber hat die Linke ihre verderblichen Ziele nicht verwirklichen können. Das Interesse der Eltern für die Schule wird geweckt und das ist gut. Abgeordneter Rektor Lukassowitz beschäftigte sich dann eingehend mit den Fragen der Schulaussicht, Lehrerräte, Lehrerbildung und schließlich mit den materiellen Forderungen. Da ist zu err ähnen die Gleichstellung mit den Sekretären der allgemeinen Staatsverwaltung, die Gleichstellung von Stadt= und Landlehrern, die einheitliche Regelung der Teuerungszulagen, die Fürsorge für die Altpensionäre, die Kriegsverletzten usw. Mit einem Aufruf zur Mitarbeit auf nationaler Grundlage schloß der Redner unter lebhaftem Beifall der Versammlung. In der Aussprache lehnte Herr Lindemann=Blasheim die Simultanschule ab, der Religionsunterricht in dieser sei ohne dogmatische Färbung und zu verwerfen. Fräulein Pape=Bielefeld bemerkt, daß die eigentlichen Staatsschulen religionslos seien. Auch die simultanen Lehrerbildungsanstalten seien sehr bedenklich. Wir dürften uns die Simultanschulen nicht aufzwingen lassen, die Elternschaft müsse gründlich aufgeklärt werden. Abgeordneter Pastor Koch betont, daß die Regelung der Schulfragen doch noch besser geworden sei, als man anfangs befürchtet hätte. Die konfessionelle Schule muß in unseren Gemeinden erkämpft werden. Redner empfiehlt lebhaft eine gründliche Aufklärungsarbeit in den Gemeinden. Herr Lehrer Lepper schließt darauf die Tagung mit herzlichen Dankesworten an den Hauptredner. Die Tariferhöhung bei den Staatsbahnen. Ein Entwurf über Erhebung von Zuschlägen im Güterund Tierverkehr der preußisch=hessischen Staatseisenbahnen wird der Landesversammlung demnächst zugehen, während es für die Erhöhung der Personen= und Gepäcktarife einer gesetzlichen Regelung nicht bedarf. Der Entwurf geht von den folgenden Gesichtspunkten aus: Die Gepäcktarife und die Personentarife können bis zu 50 Prozent erhöht werden. Die Erhöhung erfolgt in der Form eines allgemeinen prozentualen Zuschlages, da es nicht möglich ist, in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit eine organische Anderung der Klassen und des Tarifsystems durchzuführen. Eine solche muß späterer Zeit vorbehalten bleiben, bis sich die neuen wirtschaftlichen Verhältnisse gefestigt haben. Die Tariferhöhung wird trotz ihrer Höhe getragen werden müssen, zumal die Lebensmittelpreise viel mehr gestiegen sind, als die Frachtsätze der Eisenbahnen; selbst beim Sinken der Preise wird die neue Tariferhöhung immer noch in durchaus angemessenem Verhältnisse zur Preislage der beförderten Güter sstehen. Im Güter= und Tierverkehr wird die Tariferhöhung durch Zuschläge von 50 Prozent auf alle Frachtsätze durchgeführt. So wird z. B. der Streckensatz für das Tonnenkilometer bei Eilgut bei 400 Kilometer Entfernung sich von 33,12 J auf 49,68§ erhöhen. In gleichem Maße steigen die Abfertigungsgebühren. Die finanzielle Bedeutung der Erhöhung für die Staatskasse läßt sich nicht schätzen, da die zukünftige Verkehrsentwicklung von der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung abhängt. Die Erhöhung ist zunächst als vorläufige gedacht, später soll eine endgültige organische Neuordnung der Tarife erfolgen. Notwendig ist die Erhöhung durch die starken bisherigen Defizite. Im Voranschlag für 1919 sollten die Einnahmen aus dem Personen= und Güterverkehr 4627 Millionen Mark bringen, werden aber nur 3570 Millionen Mark bringen. Die Ausgaben, die auf 4864 Millionen Mark geschätzt sind, sind auf 6476 Millionen Mark gestiegen. Die Ursachen für diese Entwicklung sind bekannt. Eigentlich hätte eine Erhöhung der Tarife um 100 Prozent erfolgen müssen, um die Staatsbahn lebensfähig zu erhalten. Im Personenverkehr erfolgt ebenfalls eine Tariferhöhung um 50 Prozent, die sich auf Zeitkarten und Stadtverkehr in Berlin und Altona erstreckt. Die Erhöhung umfaßt Fahrpreise, Schnellzugszuschläge und Schnellzugsmindestfahrpreise, Hundekarten, Gepäck= und Expreßgutfrachten und die Preise für die Gestellung von Sonderwagen. Für später ist beabsichtigt, ein Zweiklassensystem durchzuführen, dessen Ausführung eine besondere Studienkommission zurzeit vorbereitet. Die Einführung dieser Maßnahme kann aber erst erfolgen, wenn die Reparaturwerkstätten weniger überlastet sind. Die organische Durchberechnung der Personentarife unter Abänderung der Einheitssätze ist ebenfalls geplant. Vom 1. Oktober ab wird der neue Preis durch Überstempelung der Karten ersichtlich sein, ein Neudruck kann erst allmählich erfolgen. Die Kilometersätze im Personenverkehr erhöhen sich in der 1. Klasse von 18 auf 27, in der 2. Klasse von 7,98+ auf 11,97§, in der 3. Klasse von 4,81§ auf 7,215§, in der 4. Klasse von 3 J auf 4,5 J. Militärfahrpreise werden nicht erhöht. Offener Brief an den Herrn Reichs=Finanzminister. Klein=Flottbek. Sehr geehrter Herr Reichs=Finanzminister! Gestatten Sie mir die höfliche Anfrage, ob Sie gern starken Tabak rauchen oder wenigstens echte Havanna. Ich habe Sie nämlich stark in Verdacht, daß sie leidenschaftlicher Nikotinverehrer sind, und zwar so leidenschaftlicher, daß Sie aus Angst, der überseeische Tabak könnte verderben, wie ich höre, sich kürzlich sehr stark für die sofortige Hereinlassung desselben ins Zeug gelegt haben mit der Begründung,„daß für die riesigen Vorräte, die in der Welt lagern, die Gefahr des Verderbens bestehe, wenn Deutschland nicht als Kaufmann aufträte". Außerdem erwarten Sie angeblich„starke Beruhigung der Gemüter durch den Tabak“. Als Sie diesen Antrag einbrachten, waren Sie wohl offenbar mehr „Raucher" als„Reichs=Finanzminister". Da aber unsere Valuta heute nur auf 24,7 steht, und wir für dieses miserable Geld so dringend für unser Volk Getreide, Butter, Speck und sonstige dringend notwendige Nahrungsmittel vom Auslande beziehen müssen, so dürfte es für einen Finanzminister des Deutschen Reiches wohl sicher zweckmäßiger sein, zu mahnen, alle Luxusausgaben zu unterlassen und erst einmal für das Notwendigste zu sorgen.— Die Verfassung des Deutschen Vom 11. August 1919. Fortsetzung. Artikel 111. Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Reiche. Jeder hat das Recht, sich an beliebigem Orte des Reichs aufzuhalten und niederzulassen, Grundstücke zu erwerben und jeden Nahrungszweig zu betreiben. Einschränkungen bedürfen eines Reichsgesetzes. Artikel 112. Jeder Deutsche ist berechtigt, nach außerdeutschen Ländern auszuwandern. Die Auswanderung kann nur durch Reichsgesetz beschränkt werden. Dem Ausland gegenüber haben alle Reichsangehörigen inner= und außerhalb des Reichsgebiets Anspruch auf den Schutz des Reichs. Kein Deutscher darf einer ausländischen Regierung zur Verfolgung oder Bestrafung überliefert werden. Artikel 113. Die fremdsprachlichen Volksteile dürfen durch die Gesetzgebung und Verwaltung nicht in ihrer freien, volkstümlichen Entwicklung, besonders nicht im Gebrauch ihrer Muttersprache beim Unterricht, sowie bei der inneren Verwaltung und der Rechtspflege beeinträchtigt werden. Artikel 114. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Eine Beeinträchtigung oder Entziehung der persönlichen Freiheit durch die öffentliche Gewalt ist nur auf Grund von Gesetzen zulässig. Personen, denen die Freiheit entzogen wird, sind spätestens am darauffolgenden Tage in Kenntnis zu setzen, von welcher Behörde und aus welchen Gründen die Entziehung der Freiheit angeordnet worden ist: unverzüglich soll ihnen Gelegenheit gegeben werden, Einwendungen gegen ihre Freiheitsentziehung vorzubringen. Artikel 115. Die Wohnung jedes Deutschen ist für ihn eine Freistätte und unverletzlich. Ausnahmen sind nur auf Grund von Gesetzen zulässig. Es ist wahrlich während des Krieges von unserem Heer und von den Menschen daheim genug geraucht worden. Und trotz dieser„Beruhigung“ ist die Revolution gekommen. Ich habe als Offizier bei meiner Truppe immer nur gefunden, daß das viele Rauchen die Leute stumpf, denkfaul und träge macht, daß besonders aber, wenn der Rausch hinzukam, sie ebenso zu Gewalttätigkeiten neigten, wie ohne Tabak. So dürfte Ihre Hoffnung auf Beruhigung der politisch erhitzten Gemüter durch den Tabak wohl sehr trügerisch sein. Ich glaube, daß ein Stückchen Speck unseren Leuten mehr Freude macht, als eine Zigarre.— Mir will scheinen, daß ein Mann auf Ihrem Posten bei so zerfahrenen Finanzzuständen, wie sie zur Zeit in unserem Volke herrschen, gar nicht vorsichtig und gewissenhaft genug die Luxusausgaben zum Besten der dringend notwendigen Ausgaben unterdrücken kann. Auch der Vorwand, daß Sie durch eine derartige Tabakeinfuhr unseren Arbeitern Verdienst geben wollen, kann nicht stichhaltig sein. Die meisten von diesen Leuten haben während dieses Feldzuges gelernt, mit Schaufel und Spaten umzugehen,— und sind dabei gesunder geworden als sie je als Zigarrenarbeiter gewesen waren. Wir brauchen aber auf dem Lande viele tausende von Landarbeitern und tun gut, unser armes zermartertes Volk möglichst wenig mit den beiden Kulturgiften Alkohol und Tabak noch weiter aus kopitalistischem Interesse zu vergiften. Sie sehen also, sehr geehrter Herr Reichs=Finanzminister, daß man gut tut, alle solche Fragen von zwei Seiten zu betrachten und nüchtern, gründlich und selbstlos zu überlegen, damit unser Volk nicht noch weiter ins Unglück gestürzt wird, als es jetzt schon geschehen ist. Hochachtungsvoll Sanitätsrat Dr. Bonn. Die beanstandete Verfassung. Die Cutsendunn von Bevolkmächtigten nach Paris gefordert. Das Reutersche Bureau meldet aus Paris vom 10. September, daß der Oberste Rat über die Antwort auf die deutsche Note szit Bezug auf die Forderung der Entfernung des Artikels 61 der deutschen Verfassung beraten hat. Er kam zu der Ansicht, daß die deutschen Bürgschaften unzulänglich sind, und daß die deutsche Regierung bevollmächtigte Vertreter nach Paris entsenden muß, die ein Protokoll unterzeichnen in dem alle Artikel der deutschen Verfassung, die mit dem Vertrag von Versailles unvereinbar sind, für null und nichtig erklärt werden. Dieses Protokoll muß ebenso wie Vertrag von der Nationalversammlung ratifiziert werden. Die Reutermeldung ist in der vorstehenden Fassung mit äußerste. Vorsicht aufzunehmen. Im übrigen bestimmt die deutsche Verfassung schon, daß solche Bestimmungen in ihr, die mit dem Versailler Vertrag etwa in Widerspruch stehen sollten, nicht in Kraft treten. Was der Oberste Rat erreichen will, ist also längst Tatsache. Die neue Entscheidung des Obersten Rates läßt vermuten, daß man trotz des französischen Drängens die schroffe Form des Ultimatums hat fallen lassen Verschiedene Meldungen aus Paris weisen darauf hin, daß Frankreich sich dem Willen der übrigen Mächte hat beugen und auf die neue Demütigung Deutschlands verzichten müssen. Wie bereits erwähnt, kann man ein Reutersche Meldung selbst in so scheinbar halbamtlicher Form noch nicht als authentischen Bericht hinnehmen. Reuter hat ja erst kürzlich ebenso halbamtlich behauptet. General Dupont fordere sofortige Besetzung Oberschlesiens, während die Berliner Artikel 116. Eine Handlung kann nur dann mit einer Strafe belegt werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Handlung begangen wurde. Artikel 117. Das Briefgeheimnis sowie das Post=, Telegraphen= und Fernsprechgeheimnis sind unverletzlich. Ausnahmen können nur durch Reichsgesetz zugelassen werden. Artikel 118. Jeder Deutsche hat das Recht, innerhalb der Schranken der allgemeinen Gesetze seine Meinung durch Wort, Schrift, Druck, Bild oder in sonstiger Weise frei zu äußern. An diesem Rechte darf ihn kein Arbeits= oder Anstellungsverhältnis hindern, und niemand darf ihn benachteiligen, wenn er von diesem Rechte Gebrauch macht. Eine Zensur findet nicht statt, doch können für Lichtspiele durch Gesetz abweichende Bestimmungen getroffen werden. Auch sind zur Bekämpfung der Schund= und Schmutzliteratur sowie zum Schutze der Jugend bei öffentlichen Schaustellungen und Darbietungen gesetzliche Maßnahmen zulässig. Zweiter Abschnitt. Das Gemeinschaftsleben. Artikel 119. Die Ehe steht als Grundlage des Familienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation unter dem besonderen Schutz der Verfassung. Sie beruht auf der Gleichberechtigung der beiden Geschlechter. Die Reinerhaltung, Gesundung und soziale Förderung der Familie ist Aufgabe des Staats und der Gemeinden. Kinderreiche Familien haben Anspruch auf ausgleichende Fürsorge. Die Mutterschaft hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge des Staats. Artikel 120. Die Erziehung des Nachwuchses zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit ist oberste Pflicht und naAmtsstellen davon nichts wissen wollen und eine ober. schlesische Note der Entente erhalten haben, die sehr objektiv sein soll. Man muß sich also hüten, aus der Reutermeldung allzuviel in der einen oder andern Richtung herauslesen zu wollen. Die Veröffentlichung des Wortlauts der bevorstehenden Note wird übrigenz in kürzester Frist zu erwarten sein. Scheidemann über die Lage. „eine Regierung ohne Sozialdemokratie. Vor einer gewaltigen Volksmenge hielt der fro. here Ministerpräsident Philipp Scheidemann, der seit seinen Rücktritt wegen der Unterzeichnung des Gewaltfriedens öffentlich nicht mehr aufgetreten in und erst vor wenigen Tagen aus der Schweiz zurüg. kehrte, in seiner Vaterstadt Kassel eine große Redin der er nach Zurückweisung persönlicher Vorwürfu. a. ausführte: In wenigen Wochen wird sich ein Jahr vollenden, seit die Sozialdemokratte in die Regierung eingetreten ist. EinRegierung, in der die Sozialdemokratie fehlt, können sich heute nur die rücksichtslosesten Katastrophenpolitiker denken. Eine Regierung von rechts bedeutet die Monarchie eine Regierung von links bedeutet die sogenannte Räte, diktatur. Beide sind ohne schwere innere Kämpfe nicht denkbar, beide Experimente müßten mit dem Zusammenbruch enden, beide bedeuten die Gefahr schwerster äußerer Konflikte. Die Novemberrevolution ist mit den Trägern und Vertretern des alten Regimes so großmütig verfahren wie nie eine Revolution zuvor. Man hüte sich diesen Großmut noch einmal auf eine Probe zu stellen Die deutschnationale Parrei hat sich offen zur manarchischen Staatsform bekannt. Wenn das nur eine Art von religiösem Glaubensbekenntnis sein soll— Gedanken sind zollfrei! Aber eine politische Partei, die sich ernstlich die Wiederaufrichtung der Monarchie zum Ziel setzt, bekundet damit, daß sie die bestehende Verfassung und die bestehenden Gesetze nicht zu respektieren gewillt ist, sondern auf die nächste Gelegenheit lauert, sie mit Gewalt über sie hinwegzusetzen! Kein Staat kann darauf verzichten, den Rechtsbruch zu ahnden, die Regierung aber, die ihn begünstigen würde, würde sich an ihm mitschuldig machen. Der Oberst Reinhard(der Führer der Berliner Reichswehrbrigade. D. Red.), der vielfach leider mit dem loyalen Kriegsminister Oberst Reinhardt verwechselt wird. hat die Regierung als Gesindel, Erzberger als Lump bezeichnet und weiter gesagt, im Augenblick habe er nur für Ordnung zu sorgen; im Augenblick sei an die Wiedererrichtung der Monarchie nicht zu denken. Daß ein solcher Mann bis zum heutigen Tage sein Kommando führt, beleuchtet blitzartig die Situation die unerträglich ist. Hat die Regierung nicht die Macht, diesen Mann von seinem Posten zu entfernen? Dann wäre tatsächlich Herr Reinhard der Noske, der über die militärische Macht verfügt, Noske aber nur der Inhaber einer papierenen Vollmacht! Die Gefahr, die von rechts droht, ist groß:„ihr Name ist Reinhard!“ Die Regierung von links bedeutet die sogenannte Rätediktatur und damit abermals den Bürgerkrieg! Es mag sein, daß die Unabhängigen einmal dazu kommen werden, etwas Positives zu leisten, und niemand würde das mehr begrüßen als ich, dazu müssen sie aber erst aus der Gärung und aus der Unklarheit, in der sie sich jetzt befinden, heraus. Was die Einigung unmöglich macht, das ist auf der einen Seite die Notwendigkeit des Handelns. in die sich jede Regierung versetzt sieht, und auf der andern Seite das Unvermögen, diese Notwendigkeit zu begreifen, oder der böse Wille, der sich absichtlich ihr gegenüber blind stellt. Auch der Sozialismus kann nur allmählich helfen und muß schrittweise vorgehen. Zum Schluß seiner Rede ging Scheidemann auf die gegenwärtige Zusammensetzung der Reichsregierung ein, die er weder für glücklich, noch für dauerhaft hält. Went. die Sozialdemokraten schon nicht allein regieren können, sondern auf die Mitwirkung bürgerlicher Parteien angewiesen seien, so halte er es für gut, wenn zwei bürgerliche Parteien vorhanden sind, die in gewissen Fragen sich gegenseitig die türliches Recht der Eltern, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft wacht. Artikel 121. Den unehelichen Kindern sind durch die Gesetzgebung die gleichen Bedingungen für ihre leibliche, seelische und gesellschaftliche Entwicklung zu schaffen wie den ehelichen Kindern. Artikel 122. Die Jugend ist gegen Ausbeutung sowie gegen sittliche, geistige oder körperliche Verwahrlosung zu schützen. Staat und Gemeinde haben die erforderlichen Einrichtungen zu treffen. Fürsorgemaßregeln im Wege des Zwanges können nur auf Grund des Gesetzes angeordnet werden. Artikel 123. Alle Deutschen haben das Recht, sich ohne Anmeldung oder besondere Erlaubnis friedlich und unbewaffnet zu versammeln. Versammlungen unter freiem Himmel können durch Reichsgesetz anmeldepflichtig gemacht und bei unmittelbaret Gefahr für die öffentliche Sicherheit verboten werden. Artikel 124. Alle Deutschen haben das Recht, zu Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, Vereine oder Gesellschaften zu bilden. Dies Recht kann nicht durch Vorbeugungsmaßregeln beschränkt werden. Für religiöse Vereine und Gesellschaften gelten dieselben Bestimmungen. Der Erwerb der Rechtsfähigkeit steht jedem Verein gemäß den Vorschriften des bürgerlichen Rechts frei. Er darf einem Vereine nicht aus dem Grunde versagt werden, daß er einen politischen, sozialpolitischen oder religiösen Zweck verfolgt. Artikel 125. Wahlfreiheit und Wahlgeheimnis sind gewährleisten. Das Nähere bestimmen die Wahlgesetze. Artikel 126. Jeder Deutsche hat das Recht, sich schriftlich mit Bitten oder Beschwerden an die zuständige Behörde oder an die Volksvertretung zu wenden. Dieses Recht kann sowohl von einzelnen als auch von mehreren gemeinsam ausgeubt werden. (Fortsetzung folgt.) Mage halten, so daß die Mehrheitssozialdemokratie wenigstens nicht einem einseitigen Drucke ausgesetzt sei Der Austritt der Demokratie aus der Regierung zei unter den gegebenen Umständen weder ein Glück zür die Sozialdemokratie noch ein Glück für die Demckraten, deren rechter, kavitalistischer Flügel desto mehr Einfluß gewinnen müsse, je weiter die Partei als Ganzes sich von uns entferne. Friede und Sozialdemokratie. In der Diskussion fand die Rede Scheidemanns eine wichtige Ergänzung. Auf den Vorwurf von seiten der Unabhängigen, daß die Sozialdemokratie nichts getan habe, um alsbald nach Kriegsausbruch für die Beendigung des Völkermordens einzutreten, wiewohl zie hierzu durch die Beschlüsse der deutschen Parteitage und der sozialistischen Internationale verpflichzet gewesen sei, antwortete Scheidemann: „Im November 1914, also im vierten Monat des Krieges, waren Haase und ich beim Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, um ihm eine Friedenskundgebung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion für die Dezemhertagung des Reichstages anzukündigen. Vor aller Welt will ich hier zum erstenmal und mit vollem Bewußtsein der ungeheuren Verantwortung sagen, was Bethmann Hollweg dem Abg. Haase und mir damals geantwortet hat. Er sagte nach unserer Mitteilung über den beabsichtigten Schritt der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion folgendes: „Meine Herren! Ich bitte Sie dringend, tun Sie das jetzt nicht in der Oeffentlichkeit. Sie können sich darauf verlassen, daß eine solche Kundgebung jetzt nur den Kriegswillen unserer Gegner steigern wird, denn nach zuverlässigen Meldungen aus dem Auslande ist man dort heute schon allgemein der Auffassung, daß Deutschland am Ende seiner Kraft sei. Wenn es Ihnen gelingen sollte, mit den Sozialisten Englands und Frankreichs für den Frieden zu wirken, so tun Sie das.“ Der sozialdemokratische Parteivorstand hat sich unablässig bemüht, fährt Scheidemann fort, mit den Sozialisten der feindlichen Länder in Fühlung zu treten und erklärte, daß alle Versuche an der ablehnenden Haltung der Engländer und Franzosen gescheitert sind.“ Zur Kohlenversorgung Der Preußische Landwirtschaftsminister hat in einem an den Herrn Reichspräsidenten, verschiedene Reichs= und preußische Ministerien gerichteten Schreiben ausgeführt, daß allein eine Steigerung der landwirtschaftlichen Erzeugung zu einer durchgreifenden Verbesserung der Volksernährung und damit zu einer Hebung der gesamten Wirtschaftslage führen könne, duß dieses aber auch ohne weiteres und sofort möglich sei, wenr die zur Erreichung des Zieles erforderlichen Maßregeln ergriffen und zielbewußt durchgeführt würde: Als dringendste und wirksamste Maßregel bezeichnet der Minister die vermehrte Kunstdüngerzufuhr; er hält es für möglich, die der Landwirtschaft im Frieden zugeführten Stickstoff= und Kalimengen zu verdoppeln und an phosphorsäurehaltigem Dünger wenigstens soviel zu beschaffen, daß die Wirksamkeit der beiden erstgenannten Pflanzennährstoffe gewährleistet wird. Nach sachverständigem Urteil könne durch die vorgeschlagene Steigerung der Kunstdüngerzufuhr mit Bestimmtheit auf eine derartige Erhöhung der Ernteerträge gerechnet werden, daß über den Bedarf an Getreid= und sonstigen Erzeugnissen des Ackerbaues für die unmittelbar menschliche Ernährung hinaus noch die zum raschen Wiederaufbau des Viehstandes, insonderheit der Schweinehaltung, erforderlichen Kraftfuttermengen aus der eigenen Ernte bestritten würden. Die Frage der Kunstdüngerversorgung sei aber in erster Linie eine Kohlenfrage. Da eine hinreichende Versorgung der Düngerindustrie mit Kohlen angeblich trotz der gebundenen Kohlenwirtschaft möglich sein soll hat der Landwirtschaftsminister beim Reichswirtschaftsministerium die Erteilung eines entsprechenden Auftrages an den Reichskohlenkommissar in Anregung gebracht. Die augenblickliche monatliche Förderung von Steinkohlen beträgt rund 7000000 Tonnen (ohne Saarrevier), die Koks=Erzeugung rund 1 400 000 Tonnen, der monatliche Gesamtbedarf der Stickstoff=, Phosphat= und Kali=Industrie berechnet sich auf 140 Tausend Tonnen Steinkohlen und 71000 Tonnen Koks, das sind 2 Prozent bezw. 5 Prozent der gegenwärtigen Steinkohlen= und Koks=Erzeugung. Nicht berücksichtigt ist d bei der Braunkohlenbedarf. Die ungeheure: Schwierigkeiten der gegenwärtigen wirtsch lichen Lage erfordern gebieterisch, die geringen verfügbaren Mittel in erster Linie für den Zweck zu verwenden, dessen Erfüllung allein eine Besserung herbeiführen kann. Es darf angenommen werden, da zur Befriedigung der Düngerindustrie mit Kohlen trotz der verzweifelten Lage der Kohlenwirtschaft die erforderliche Menge frei gemacht werden kann. Deutsches Reich. — Berlin, den 12. September 1919. Das Mitglied der preußischen Landesversammlung Lorrens(dtsch=nat. Vp.) hat wegen Arbeitsüberhäufung babn=oberee dergelegt. An seine Stelle tritt der Eisendahn=Vversetretär Rechnungsrat Haseloff=Zehlendorf. "— In Danzig ist ein Verband der polnischen Militärbeamten für Westpreußen, Ermland und Masuren gegründet 931.— Reuter und Havas melden aus Brüssel, da 1a g und Koblenz große Waffen= und Muniti entdeckt wurden. Die nötigen Maßregeln getroffen sein, um„alle Pläne zu vereiteln“. .. Die französische Militärverwaltung im Saat „ vermerkt auf den Pässen die Staatszugehör eeche mehr als preußisch, sondern als„Saarländer“ missas Die polnische Regierung ernannte zum ei." IT.„Danzig den Grafen Oswald Potocki, unt rinem Steitvertreter Dr. Machlewsky. Brattern. der Gesangenen aus England. Den zufolge haben die niederländische Regierung Hahn####-##tracht kommenden niederländischen Eisenvonnesellschaften dem Plane zugestimmt, die noch in Meine Zeitung. Stimmen aus dem Leserkreise. Meiner Geldsendung Anfang dieser Woche möchte ich einige Worte folgen lassen. Ich freue mich sehr am „Aufwärts“, gebe das Blatt nach Kräften weiter und hörte auch manche Anerkennung schhn. Schön wäre es, wenn Sie es auch weiter zu dem geringen Preis herausgäben, bis es seine Leser in ganz Deutschland hätte. Zuerst sehe ich immer nach den Aufsätzen, die wohl gerade der Frauenwelt gute Dienste leisten können und unser Verständnis für unsere neuen Aufgaben fördern. Zur Verbreitung des Blattes gehört aber Zeit, die Leute sind noch zu sehr an ihre alten Zeitungen gewöhnt und dann kann man auf ein örtliches Blatt heute auch nicht verzichten. Wieviel Zeit braucht man zum Zeitunglesen! Oft genug zuviel, das ist auch ein Grund, um auf ein neues Blatt zu verzichten. Aber ich glaube, wer den„Aufwärts“ ein Vierteljahr gehalten hat, bleibt ihm treu, so lange er nur eben kann. Sehr freut's mich auch, daß er keinen Zeitungsroman bringt. Möchte die Zahl seiner Leser ständig wachsen mit der Zahl aller Deutschgesinnten, und möchte es im Segen mitarbeiten an der Gesundung unseres Volkes! Mit deutschem Gruß Caroline Berninghaus, Lehrerin a.., Barmen, Werlestraße 75. England befindlichen deutschen Kriegsgefangenen in Transporten von je 3000 Mann über die Niederlande nach Deutschland zurückzubefördern.— Die Reichszentralstelle für Kriegs= und Zivilgefangene teilt mit, daß mit Genehmigung der englischen Regierung die in Malta befindlichen deutschen Gefangenen jetzt in die Heimat zurückgeführt werden. Der Dampfer „Guldjemal“, der russische Kriegsgefangene nach dem Schwarzen Meer gebracht hat, und der Dampfer„Aldenis“, der gleichfalls mit russischen Kriegsgefangenen unterwegs ist, werden auf der Rückreise Malta anlaufen, um alle dort befindlichen Deutschen aufzunehmen.— Major Draudt, Vorsitzender der deutschen Hauptkommission für Kriegsgefangene bei der Friedensdelegation in Versailles, hat in Begleitung des englischen Hauptmanns W. E. Hinchley Cooke von der verbündeten Militärkommission in Versailles den Kriegsgefangenenlagern von Boulogne=sur=Mer erstmalig einen Besuch abgestattet. Major Draudt fand unsere Kriegsgefangenen in guter Verfassung, gut aussehend und zufriedenstellend gekleidet. :: Die Verhandlungon über den Wiederaufbau von Nordfrankreich, die in Versailles zwischen Silberschmidt für Deutschland und Loucheur für Frankreich stattfinden, haben Pariser Meldungen zufolge zu einem Uebereinkommen über zwei wichtige Punkte geführt. 1. Es kommen die deutschen Arbeiter nicht als Arbeitsbataillone nach Frankreich, sondern als freie Arbeiter mit einem Vertrage und nach deutschen Sitten. 2. Die Wiederaufbauarbeiten werden der deutschen Regierung anvertraut, und diese darf, wenn sie es für gut befindet, mit Unternehmern verhandeln. Loucheur hat dabei bemerkt, daß das französische Recht berücksichtigt werden muß. Der Wiederaufbau der Bergwerie soll einer Kommission übertragen werden. Eine Unterkommission soll in Versailles die Mittel zur Beschleunigung des Beginnes der Arbeit prüfen. :: Der deutsch=russische Rückversicherungsvertrag. Die Regierung veröffentlicht aus dem Archiv des Auswärtigen Amtes den bisher von deutscher Seite geheimgehaltenen Wortlaut des deutsch=russischen Rückversicherungsvertrages vom 18. Juni 1887. Das erstemal ha. die Oeffentlichkeit von dem Vertrage im Jahre 1896 erfahren, Fürst Bismarck, der den Vertrag mit dem russischen Botschafter Grafen Schuwalow abgeschlossen hatte, enthüllte das Geheimnis in den „Hamburger Nachrichten". Seither hat der Vertrag und seine Nichterneuerung durch Cavrivi in der politischen Erörterung eine außerordentliche Rolle gespielt, auch in den letzten Jahren ist auf ihn in der Aussprache über die Vorgeschichte der deutsch=russischen Svannung wiederholt hingewiesen worden. Nach Artikel 1 des Vertrages sollte für den Fall, daß einer der hohen vertragschließenden Teile sich mit einer dritten Großmacht im Kriege befindet, der andere eine wohlwollende Neutralität bewahren und seine Sorge darauf richten, den Streit zu lokalisieren. Diese Bestimmung sollte auf einen Krieg gegen Frankreich oder Oesterreich keine Anwendung finden, falls dieser Krieg durch einen Angriff eines der hohen vertragschließenden Teile gegen eine dieser beiden Mächte hervorgerufen worden wäre. Die übrigen Artikel beschäftigen sich mit dem Rechte Rußlands auf der Balkanhalbinsel" und der Schließung der Zugänge zum Schwarzen Meere. Der Vertrag sollte für eine Dauer von drei Jahren in Geltung bleiben. :: Die Reichstreue der Pfälzer. In der von den Franzosen so sehr umworbenen Stadt Landau haben über 2000 Bürger und Bürgerinnen der Stadt und des Bezirks Landau, Pfälzer und Pfälzerinnen aller Parteien, aller Berufe und aller Bekenntnisse in öffentlicher Versammlung dem deutschen Volke für immerdar unentwegte Treue gelobt. Sie weisen mit Empörung die Schmach ab, mit der die berüchtigt Heuter Fieter-21cgrenn eine Landauer, ihre bits seul siets mit Ehren genannte Stadt der deutschen Pfalz besudel haben. sie bitten ihre deutschen Brüder, die Reichstreue der Landauer Pfälzer nicht nach einem kleinen Häuflein selbstsüchtiger Verführter und Abtrünniger zu bemessen. Wie gemeldet wird, fand keiner der Anhänger des Dr. Haas den Mut, in der Versammlur als Redner aufzutreten. :: Die Wünsche der preußischen Beamten. Der Haushaltsausschuß der Preußischen Landesversammlung setzte am Donnerstag seine Beratung über die Beibilfen" für Staatsbeamte usw. fort. Beschlossen wurde, die Regierung zu ersuchen, den Beamten eine einmalige Beschaffungsbeihilfe in Höhe von 600 Mark für Ledige, 1000 Mark für kinderlos Verheiratete und für jedes Kind 200 Mark zu gewähren. Gleichzeitig wurde die Regierung ersucht, mit der Vorlage eine solche für die Staatsarbeiter zu verbinden, die den augenblicklichen Teuerungsverhältnissen Rechnung tragen muß. Des weiteren beschäftigte sich der Ausschuß mit der Rechtslage der Beamten. Beschlossen wurde, die Regierung zu ersuchen, in die Verfassungsurkunde Bestimmungen aufzunehmen, durch welche die Rechte der Beamten auf Gehalt, Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung gewährleistet werden. Mit möglichster Beschleunigung soll der Landesversammlung der Entwurf eines Beamtengesetzes vorgelegt werden, das die Beamten gegen die Entziehung von Amt und Einkommen schützt und die Anstellung der Staatsbeamten auf Lebenszeit sowie ihren Anspruch auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenversorgung sichert. Bei jeder Behörde und Dienststelle, die wenigstens 10 Beamte umfaßt, soll ein Beamtenausschuß und für jede Provinzialbehörde eine Beamtenkammer vorgesehen werden. Dem Beamten soll der Eintritt in eine öffentliche Körperschaft gestattet werden, ohne daß er eines Urlaubs bedarf, und Stellvertretungskosten zu tragen hat. Ferner soll das Gesetz den Beamten das freie Koalitions= und Versammlungsrecht, Pressefreiheit und Freiheit der politischen Betätigung gewährleisten. Weiter fordert der Antrag eine zeitgemäße Aenderung der bestehenden Gesetze betr. die Disziplinarvergehen der Beamten. Im übrigen sollen die Kriegsbeschädigten, die früher bei Staat und Gemeinden und anderen Selbstverwaltungsorganen angestellt waren, wieder eingestellt werden so weit die Verhältnisse es zulassen. Zum Schluß wird die Neuordnung der Rechtsverhältnisse der Beamten der Selbstverwaltungskörverschaften und der Lehrer nach den vorstehenden Grundsätzen gefordert. Tarifvertrag der Landarbeiter. Der Deutsche Landarbeiterverband, Gau Westfalen, in Bielefeld, hat beantragt, den zwischen ihm, dem Zentralverband der Forst=, Land= und Weinbergsarbeiter Deutschlands und dem Land= und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverband in den Kreisen Bielefeld Land und Stadt abgeschlossenen, am 1. Juni 1919 in Kraft getretenen Tarifvertrag zur Regelung der Lohn= und Arbeitsbedingungen für die landwirtschaftlichen Arbeiter gemäß§ 2 der Verordnung vom 23. Dezember 1918(Reichs=Gesetzblatt Seite 1456) für das Gebiet des Stadt= und Landkreises Bielefeld für allgemein verbindlich zu erklären. Rundschau im Auslande. * Die Entente hat die Donau für den Handelsverkehr wieder freigegeben. * Eine Konferenz der Staatsmänner der baltischen Staaten hat sich für einen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Zusammenschluß der baltischen Staaten entschieden. * Die serbische Delegation in Paris hat die Mitteilung von der Demission des serbischen Kabinetts erhalten. Böhmen: Abberufung der tschechischen Telegation. * Durch die Zuweisung des Teschener Kohlenreviers. an die Polen ist es zu einem offenen Konflikt zwischen der Entente und der tschecho=slowakischen Regierung gekommen. Auf die Mitteilung des tschechischen Ministers des Aeuferen, Banasch, in Paris, daß die Teschener Frage zuungunsten der Tschechen entschieden sei, hat die tschechische Delegation die Weisung erhalten, den Vertrag, der Teschen an die Polen ausliefert, nicht zu unterschreiben, sondern sofort heim zu reisen. Aus dem Teschener Gebiet laufen Alarmnachrichten ein, wonach die tschechischen Bergarbeiter auf eigene Faust Widerstand leisten wollen. Man spricht davon, daß sie die Karwiner Gruben mit Ecrasit sprengen wollen.— Wie aus bester Quelle verlautet, wird den Polen die Pflicht auferlegt werden, unter der Kontrolle der Entente der Tschecho=Slowakei so viel Kohle aus dem Karwiner und oberschlesischen Gebiet zu verkaufen, daß die ganze tschecho=slowakische Industrie, sowohl die bestehende als zu errichtende, beliefert wird. Ungarn: 100000 Personen von den Rumänen verschleppt. * Der Londoner„Daily Herald“ erfährt aus Paris, daß laut dort eingetroffenen Nachrichten über 100000 Personen, hauptsächlich Juden, von den Rumänen aus den Gebieten, über deren Staatszugehörigleit mit Ungarn eine Einigkeit nicht zu erzielen war, vertrieben wurden. Die Rumänen sind der Ansicht, daß diese Juden im Falle einer Volksabstimmung jede andere Regierunge iner rumänischen Herrschaft vorziehen würden. Rußland: Trohende Friedensangebote der Volschewiki. * Das Stockholmer Bureau„Rosta" erhält aus Petersburg die Nachricht, daß der Sowjet der Stadt in einer Entschließung das Friedensangebot des Volkskommissariats an die estnische Regierung gutheißt und die Ueberzeugung ausspricht, das Volkskommissariat werde die Einleitung von Friedensverhandlungen auch mit der jetzigen finnischen Regierung nicht verweigern. Die Entschließung endet jedoch mit einer drohenden Wendung; sie erklärt, daß der Sowjet zur Verteidigung des roten Petersburgs entschlossen sei und jeden Angriff durch einen Gegenangriff auf Reval und Helsingfors beantworten werde. Ein solcher Gegenangriff würde die völlige Ausrottung aller finnischen und estnischen Bürger zum Ziele haben.— Estlands diplomatischer Vertreter in Finnland, Hanko, gewährte einem Mitarbeiter des Blattes„Unsi Suomi“ eine Unterredung, worin er sagte, daß zwar eine endgültige Entscheidung über das bolschewistische Friedensangebot noch nicht gefallen sei, jedoch Estlands Kriegsmüdigkeit ihren Höhepunkt erreicht habe. Kanada: Heftiger Widerstand gegen den Völkerbund. * Auch in Kanada macht sich ein heftiger Widerstand gegen den von der Entente vorgesehenen Völkerbund bemerkbar. Nach einem Bericht der Londoner„Times“ aus Ottowa wird die Opposition im kanadischen Parlament sich höchstwahrscheinlich weigern, den Völkerbund in seiner setzigen Gestalt anzunehmen. Im Verlauf der Debatte wiesen Die Oppositionsredner darauf hin, daß die Macht des kanadischen Parlaments nicht angetastet werden dürfe, daß aber, wie der Vertrag jetzt laute, Kanada auch ohne seinen Willen in einen Krieg verwickelt werden könnte. Außerdem frage man sich, was denn Kanada tun würde, wenn bei einer Meinungsverschiedenheit zwischen Großbritannien und Amerika der Völkerbund sich gegen England entK di scheiden würde. Verschiedenes. 2 Einjährigen=Prüsung. Zur Vermeidung von Härten für solche jungen Leute, die sich bis zum 15. April ds. Is. noch nicht zur Ablegung der sogenannten Kommissionsprüfung behufs Nachweisung der wissenschaftlichen Befähigung für den einjährig=freiwilligen Dienst gemeldet, aber sich bereits längere Zeit dafür vorbereitet hatten, hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung angeordnet, daß im August oder September noch ein Termin an höheren Lehranstalten anberaumt wird für solche Bewerber, die sich nachweislich mindestens seit dem ersten Februar ds. Is. in Vorbereitung auf eine derartige Prüfung befinden. ∆ Verdoppelung der Fernsprechgebühren! Zum 1. Oktober dieses Jahres werden die Gebühren für die Fernsprechanschlüsse unter Wegfall der bisherigen Reichsabgabe um 100 Prozent erhöht. Die Teilnehmer haben das Recht, ihre Anschlüsse bis 15. September zum 1. Oktober zu kündigen. ∆ Der Schleichhandel mit Bettkarten nimmt immer größeren Umfang an. Daher sieht sich die Eisenbahnverwaltung zu einer Verschärfung der Bestimmungen über die Bettkarten genötigt. Seit einiger Zeit ist bestimmt worden, daß die Bettkarten nur noch aus den Namen des Bestellers ausgefertigt werden und nicht übertragbar sind, d. h. also für andere Personen als der Besteller nicht gelten. Diese Bestimmung wird oft von den Reisenden, besonders beim Erwerb durch Mittelspersonen, nicht beachtet. Die Reisenden haben durch die Nichtbeachtung erhebliche Unannehmlichkeiten und Nachteile zu gewärtigen. Auf fremde Namen lautende Bettkarten sind ungültig. A Freier Fischhandel mit den Niederlanden. Leider sind die Verhandlungen mit den holländischen Fischereidampferreedern gescheitert, da infolge des Kohlenmangels sich kein Weg gefunden hat, diese zu veranlassen, mit Frischfischladungen auf deutsche Häfen zu fahren. Aus diesem Grunde ist man jetzt dazu übergegangen, den freien Handel mit frischen Fischen gegenüber Holland unter gewissen Bedingungen zu gestatten. Jeder deutsche Fischhändler darf mit den holländischen Exporteuren in Verbindung treten, um dort frische Fische zu beziehen. Der holländische Exporteur dagegen ist verpflichtet, die Rechnung für diese Fische deren Preise durch die Reichsfischversorgung G. m. b. H festgesetzt werden, bei der hollündischen Vertretung dieser Gesellschaft in Ymuiden einzureichen. Die Bezahlung erfolgt unter Kontrolle der Reichsfischversorgu G. m. b. H. Differenzen zwischen dem holländischen Ablader und dem deutschen Empfänger sind zwischen diesen beiden auszutragen. Es stellt dieser neue Weg, um die holländische Fischzufuhr für den deutschen Markt möglich zu machen, einen Versuch dar, der wieder eingestellt werden muß, wenn sich Unzuträglichkeiten herausstellen sollten. Es muß abgewartet werden, ob die durch den schlechten Valutastand bedingten hohen Preise es auf die Dauer möglich machen werden, den so eingeführten freien Handel aufrecht zu erhalten. * In dem bekannten Erdbebengebiet der schwäbischen Alp in Elbingen wurde am Mittwoch eine starke Erderschütterung verspürt. Die Erschütterung war so stark, daß Gebäude, besonders in dem niedriger gelegenen Stadtteil, erzitterten. Bücherschau. Ein schönes Büchlein hat das Landes=Jäger=Korps, früher Sennelager=Paderborn, jetzt in Ohrdruf bei Gotha, herausgegeben. Am 24. u. 25. April hatte das Landes=Jäger=Korps eine Anzahl Pressevertreter aus ganz Westfalen zu sich in das Sennelager geladen, um der öffentlichkeit zu zeigen, in welcher Weise im neuen Deutschland die bewaffnete Macht ausgebildet werden soll. Diese Pressevertreter haben dann im Sennelager in Gemeinschaft mit den Offizieren und Soldaten ein paar schöne Tage verlebt. Man hat ihnen alles gezeigt und erklärt, was nötig war, um einen Einblick zu gewinnen in die neuen Verhältnisse. In dem genannten Büchlein, das zum Preise von K.— von dem Landes=Jäger=Korps in Ohrdruf zu beziehen ist, schildern nun die einzelnen Pressevertreter in sehr anschaulicher und anregender, zum Teil begeisterter Weise das Leben dort im Lager. Sie alle haben den Eindruck bekommen, daß es auf die neue freiheitliche Weise wohl möglich ist, eine tüchtige, leistungsfähige Truppe heranzubilden. Obgleich die Zeit eine sehr kurze gewesen ist, die zur Verfügung stand für die Ausbildung der neuen Mannschaften, haben doch die Vertreter alle den bestimmten Eindruck gewonnen, daß außerordentliches gegeleistet war, und daß sowohl Offiziere wie Mannschaften sich ganz wohl und glücklich fühlten. Wer sich näher über das dort Erlebte unterrichten will, lasse sich das Heftchen kommen, er wird seine Freude daran haben. Es gibt in der neueren Zeit manche kleine Schriften, die es dem Einzelnen ermöglichen sollen, sich darauf vorzubilden, seinen Gedanken in der öffentlichkeit durch freie Reden Ausdruck geben zu können. Eine von diesen, welche vielleicht zu den besseren gerechnet werden kann, ist die in der Verlagsbuchhandlung Wilhelm Möller, Oranienburg b. Berlin, erschienene Schrift: „Die Macht der freien Rede“. Wer in Stadtverordnetenversammlungen, Gemeindevertretungen, vor einer oder der anderen Interessengemeinschaft zu reden hat, dem wird das Buch gute Dienste tun. Auf„Ein ernstes Wort an unsere Leser“ in Nr. 191 gingen weiter ein: von G.., München, 10 A; Schwester A. v.., Rudolstadt, 3 A; M.., Weinsberg, 2 A; O.., Halle(Saale) 22 M; P.., z. Zt. Rachelshof, 11 M; Frau A.., Doberan, 3 A; Frau Lehrer., Rowe, 5 A; Frau L.., Curhaven, 3 A; Lehrer., Holzminden, 20 A; O.., Bad Nenndorf, 3 A; W.., Rheda, 17 cl; B.., Anklam, 5 A; Frl. v.., Bad Blankenburg, 3 A; Frau Amtsrat., z. Zt. Bad Landeck, 5 A; Frau Pastor., Goldberg, 5 A; Fabrikbesitzer K.., Großolbersdorf, 3 A; ., Roskow, 3 A; W.., Buchschlag, 10 ksl; Frau Pastor ., Gehlsdorf, 5 A: K. Pf., Hamborn, 3 A: F.., Becke, 5 A; Pfarrer., Wymer, 3 M; Schwester F.., Ludwigslust, 5 M; Pastor St., Kunzendorf, 3 A; Schwester H. Lichtenrade b. Berlin, 3 M;., Kirchenlamitz, 5 A; Pfarrer D.., Rehme, 2 cl; Vikar H.., Schwelm, 1 A; Frl. I. Sch., Herford, 1 A; Frau L.., Wernigerode, 1 M. Herzlichen Dank! Wer hilft weiter? Letzte 100 Prozent Ergänzungssteuerzuschlag. Von anderer Seite war die Mitteilung gebracht norden, daß Finanzminister Dr. Südekum in einer Sitzung des Haushaltsausschusses der preußischen Landesversammlung den Vorschlag gemacht habe, den bereits erhobenen Zuschlag zur Vermögenssteuer noch einmal zu erheben. Diese Nachricht trifft in dieser Form nicht zu. Es handelt sich nicht um einen Zuschlag zur Vermögenssteuer, sondern um einen Zuschlag zur preußischen Ergänzungssteuer um 100 Prozent, wie sie in einer Denkschrift der preußischen Nationalversammlung vom 6. September 1919 vorgesehen ist. Der Zuschlag zur Ergänzungssteuer betrug laut Gesetz vom 8. Juli 1916 50 Prozent. Minister Oeser für die Betriebsräte. Ueber eine schnelle Einführung der Betriebsräte, bei der Staatseisenbahnverwaltung hat der Minister der öffentlichen Arbeiten, Oeser, eine besondere Verfügung an die Eisenbahndirektion in Magdeburg erlassen. Sie ist auch allen anderen Direktionen und dem Eisenbahn=Zentralamt mitgeteilt worden. Der Minister erklärt darin u..: Stets habe er mit allem Nachdruck betont, daß er den größten Wert auf eine möglichst schnelle Einführung lege. Er habe bereits den Reichsarbeitsminister ersucht, schon jetzt die Ausführungsbestimmungen und die Vorschriften für die Wahlordnur.; zu erlassen, damit unverzüglich nach der Annahme des Gesetzes zu den Wahlen geschritten werden kann. Aufrechtes Deutschbewußtsele. Der dänische Dampfer„St. Thomas“ kraf in Nyborg mit 129 deutschen Kriegsgefangenen nordschles, wigscher Herkunft aus Ententelagern ein. Die Gefan, genen werden einige Tage Gäste des Bürgermeisters von Nyborg sein. Unter den Gefangenen befanden sich auch 36 deutsche Offiziere, die es ablehnten, die Gast, freiheit der Bevölkerung von Nyborg in Anspruch zu nehmen. Auf ihr Ersuchen wurde ihnen an Bord des Schiffes das Reisegeld bis zur Grenze ausgehändigt. worauf sie Nyborg mit dem ersten Zug verließen.““ Belgien verlangt 20 Milliarden. Der belgische Ministerpräsident de la Croir er, öffnete in der belgischen Kammer die Verhandlung über das Budget für 1919. Er erklärte, daß die belgische Schuld 18½ Milliarden Francs betrage. Die Vorkriegsanleihen, die 4132000000 betragen, würden zu Lasten der Regie der Eisenbahnen genommen, die deren Zinsendienst und Amortisation übernehmen müßten. Die neue Schuld von 1300 Millionen werde von Deutschland bezahlt. In den 12½ Milliarden Kriegsschulden seien namentlich die 7½ Milliarden deutsche Mark enthalten. die die Regierung nach Aufhebung der Besetzung habe zurückkaufen müssen. Von Deutschland könne man den Ersatz für eine derart hohe Summe in Gold nicht verlangen, da seine flüssige Goldmark zur Verfügung der Wiedergutmachungskommistion stünde. Der Ministerpräsident glaubt, daß eine Lösung, die die Alliierten gutheißen müßten, dadurch gefunden werden könne, daß man ein börsenfähiges Wertpapier schaffe, und daß die Reichsbank Belgien 7½ Milliarden Mark Bons kreditiere, die Zinsen tragen sollen. Der Ministerpräsident erklärte ferner, daß es notwendig sei. baldigst die Kriegsentschädigungen, die sich auf zwanzig Milliarden beliefen, zu bezahlen, weil man sonst auch noch fünf Prozent Zinsen vergüten müsse, was eine schwere Belastung des Staates bedeute. Wilsons Stellung erschüttert? Zuverlässige Newyorker Meldungen besagen, daß der Senat den Friedensvertrag von Versailles nicht ratifizieren wird. Die Aussichten des Vertrages werden schlechter, je länger die Verhandlungen sich hinziehen. Augesblicklich liegt der Schwerpunkt bei einigen Senatoren auf deren Stimme es ankommt. Die betreffenden Senatoren werden von gewissen internationalen Bankgruppen bearbeitet, damit sie für den Vertrag stimmen. Wilsons Stellung gilt als erschüttert. Einer seiner erbittertsten Feinde ist William Randolf Hearst, der seinen ganzen großen Zeitungsapparat gegen Wilson spielen läßt. Die in Bildung begriffene dritte Partei will dazu beitragen, daß in den kommenden Wahlkämpfen die Wilsonschen Demokraten gründlich geschlagen werden. Die Republikaner rechnen darauf, ihren Präsidentschaftskandidaten für 1920 mit Leichtigkeit durchzubringen. Europa braucht Kredit. Senator Oven wendet sich, wie die„Chicago Tribune“ aus Washington meldet, dagegen, daß die Waalstreet aus dem tiefen europäischen Wechselkurse Gewinne zieht die in die Millionen von Dollars gehen, während die amerikanischen Exporteure und Fabrikanten dadurch auf das schwerste geschädigt werden. Oven fordert Wilson vor dem Senat auf, von Gesetzes megen eine Untersuchung gegen diese von einigen Banken und Trusts verursachte Baisse einzuleiten. Oven sagt weiter, Amerika hat Vorräte im Ueberfluß. Enropa braucht Kredite, um diese zu kaufen. Falls nicht sofort Schritte unternommen werden, um diese Kredite in Europa gesetzlich zu organisieren, würde in den Vereinigten Staaten eine schwere katastrophale Reaktion eintreten. Amerika würde einen großen Teil seines Exportes verlieren und durch die eingetretene Ueberproduktion würde der eigene Markt derart überschweumr werden, daß durch das Fallen aller Preise eine schwere Krise eintreten würde. Für den Inhalt verantwortlich: W. Kraa, Bethel.— Druck und Verler Druckerei Gethel bei Bieleseld. Fernruf 74, Amt Bielefeld. bestimmten Zuschrifsten sind zu richten nach Gielec. 141. Alles, was die Expedition betrift, alle Inserete und an die Geschäftsstelle Missionar Heieubrok, Bothel; Tacd Samnaner Seine Ernte und Verarbeitung zum Hausgebrauch. „“ In dem Buche: Der Tabakbau in der Heimat. Eine kurze Anleitung über Anbau und Verarbeitung de Tabakes im Hause. Von Oekonomierst Hoffmann, Landestabakbausachverstätdiger sind genaue Angaben entbalte über Boden, Fruchtfolge, Düngung, Bodenbearbeitung, Auspflanzungen, Ausbessern, Hacken, Häufeln, Schädling bekämpfung, Entgipseln oder Köpfen, Ausgeizen, Reise Ernte. Verarbeitung, sowie 2 Abbildungen geschnitten SISDWEEHWEHAEG, gegen Voxeinsendung von Mr..—, Nachn. Mr..35. Jol. C. hüber'“ Verlag. Diessen##“ vor München. Postscheck München 5566 ist vorüber! Tausende junger Leute stehen müßig am Markte. Tausende von armen Kranken brauchen Kartung und Pflege. Besonders groß ist die Not unserer armen und Geisteskranken. Für sie ist das Brüderhaus auf dem Tannenhof gegründet. Wer hilft mit um Jesu willen? Gläubige evangelische Jünglinge fordern wir auf, sich bei uns zu melden. Unser Haus bedarf Brüder und bildet sie neben der Irrenpflege auch für andere Zweige der Inneren Mission aus. Wer seine: Heilande aus Dankbarkeit an den Armsten dienen will, ist uns herzlich willkommen. 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