* Bezugspreis: Erscheint wöchentlich sechsmal.— Preis: Bei der Post geholt oder durch Boten zugestellt vierteljährlich.40 Mk. Durch den Briefträger einschließlich Bestellgeld.82 Mk. Theistlich kalirnalrs Tagerkall mit der Sonntagsbeilage„Für herz und Haus“. Heranggcber 11. Anzeigenpreis: Die einspaltige Petttzeile oder deren Raum 30 Pfg., Reklamezeile.00 Mk. Beilagen nach vorheriger Vereinbarung. Schluß der Anzeigen=Annahme nachmittags 3 UhrNr. 56. Bielefeld=Bethel, Freitag, den 7. März 1919. Jahrgang Den Arbeitern wird zugemutet, auch weiterhin Hörige der Industriekönige zu bleiben und sich ihrem autokratischen Was gäb es doch auf Erden, Wer hielt den Jammer aus, Wer möcht' geboren werden, Hielt's du nicht droben Haus! Du bist's, der, was wir bauen, Mild über uns zerbricht, Daß wir den Himmel schauen— Darum, so klag ich nicht. Joseph v. Eichendorff. -. un 5# Der Ernst der Lage. Am 25. Februar erließ E. Barth im„Vorwärts“ einen dringenden Aufruf zur Einberufung eines Parteitages der Mehrheitssozialisten. Die Revolution habe der Partei eine solche Fülle von Macht gegeben und damit soviel Pflichten auferlegt, daß es nötig sei, die Arbeiterschaft wieder fester in die Organisation einzufügen, um sie auch dann fest in den neuen Pflichtenkreis einspannen zu können. Das Gefüge der Organisation sei während der ganzen Revolutionszeit durch nichts gefestigt worden und es bestände die Gefahr des Absterbens der zentralen organisatorischen Kräfte. In der Partei werde fortgewurstelt und dabei erlebe man eine bedrohliche Desorientierung der Parteiangehörigen in allen Teilen des Reiches. Die Einheitlichkeit der Parteihaltung zu sichern, sei nur möglich durch schleunigste Einberufung eines Parteitages. Wieweit Gewitterstimmung in den Parteikreisen vorhanden ist, geht auch aus folgender Zuschrift hervor, die der„Vorwärts“ veröffentlicht: Ein Gewitter ist im Anzuge. Die Sturmzeichen, die sich im Süden des Reiches zeigen, drohen auch auf andere Gebiete und von neuem nach Berlin überzuspringen. Gewitterschwüle lastet wieder über Berlin. Eine steigende Erbitterung ergreift die Massen, diese erzeugt eine Hochspannung, die in kurzer Zeit zur Entladung drängt. So ungefähr ist heute die politische Situation. Was sind nun die Ursachen dieser drohenden Entwicklung, die den weiteren Kräfteverfall und damit den unvermeidlichen Zusammenbruch des Wirtschaftslebens zur Folge haben müssen? Es ist das Recht und die Pflicht eines jeden Sozialdemokraten auszusprechen, daß der Arbeiter mit dem bisherigen Entwicklungsgang der Revolution und den gezeitigten Ergebnissen gerade in bezug auf Arbeiterfragen nicht zufrieden sein kann, selbst wenn man anerkennt, daß ungeheure Schwierigkeiten vorhanden sind, die einem Wiederaufbau des Wirtschaftslebens und eines neuen Reichsgebäudes sowie dem sozialen Ausbau hemmend entgegenwirken. Es ist ein tragisches Geschick, daß gerade die Sozialdemokratie es ist, die den jämmerlichen Bankerott der alldeutschen Schwerindustriellen und verwandter Kapitalkreise übernehmen mußte. Es ist ein tragisches Geschick, daß durch die Uneinigkeit des Proletariats dieselben Kreise nicht wieder zusammenschließen können, die jedem Fortschritt, auch dem kleinsten, kämpfend entgegentreten. Wer angenommen hat, daß die Kapitalisten, diese Könige und Autokraten im Arbeiterreich, auch nur einen Hauch der neuen Zeit verspürt haben, der befindet sich in einem verhängnisvollen Irrtum. Wir erleben es, daß durch passivld Resistenz, Stillegung der Betriebe und sonstige Maßnahmen dieser Kreise noch mehr Verwirrung in das Wirtschaftsleben getragen wird, in dem Moment, wo nicht die fetten Verdienste wie während des Krieges mühelos eingestrichen werden können. Wir erleben es, daß diese Kreise den Arbeitern das Mitbestimmungsrecht, das elementarste aller demostalischuf Forderungen, vorenthalten. Regiment zu fügen. Wer sieht, welch eine Summe von Erbitterung in allen Arbeitern, ob Hand= oder Kopfarbeiter, aufgespeichert wird, der kann es nicht verstehen, daß nicht durch ein Notgesetz oder eine Verordnung der berufenen Stellen schnellstens Abhilfe geschaffen wird. Ich behaupte, daß dadurch vielen Streiks, die sich dann in Lohnforderungen Luft machen, der Boden entzogen worden wäre, denn letzten Endes müssen diese Fragen, da es Machtfragen sind, wenn auf keine gesetzliche Regelung gerechnet werden kann, bis zur Entscheidung durchgekämpft werden. Es kann also nicht wunder nehmen, wenn die Frage des Mitbestimmungsrechtes als Grundforderung bei den in Kürze zu erwartenden neuen wirtschaftlichen Kämpfen erneut in den Vordergrund treten wird. Die Hoffnung der Arbeiter auf die Nationalversammlung ist rapide gesunken und nicht wieder gut zu machender Pessimismus hat Platz gegriffen. Es dürfte erwartet werden, daß Notgesetze über die Fragen des Wohnungswuchers, Lebenpmittelbewirtschaftung,Arbeitofragen, Siedelungsfragen, Verbesserung des Arbeiterrechts, Demokratisierung der Betriebe als das allernotwendigste beraten und zur Durchführung gebracht werden, damit hätte man sich die Popularität selbst bei denen gesichert, die abseits standen, und Beruhigung ins Volk getragen. Statt dessen hält man Reden über ganz andere Dinge und gibt detaillierte Fingerzeige über die Besteuerung, die in Angriff genommen werden sollen, die es rechtzeitig ermöglichen Vermögensverschiebungen nach dem Auslande zu bewerkstelligen. Es ist doch kein Geheimnis und in den weitesten Kreisen bekannt, daß selbst durch Motorboote Werttransporte nach dem Ausland vorgenommen wurden. Als am 6. Januar die Arbeiter schützend das Reichskanzlerhaus gegen die irregeleiteten Genossen umstanden, da haben sie freudig bewegt das Gelöbnis des Genossen Scheidemann entgegengenommen, daß durch die Nationalversammlung durch das demokratische Prinzip den gerechten Forderungen der Arbeiter zum Siege verholfen wird. Wenn unsere Genossen in der Regierung trotz der demokratischen Mehrheit nicht mal die demokratischen Forderungen während der verflossenen Wochen klar präzisiert bekanntgeben konnten, dann ist es an der Zeit, offen auszusprechen, daß zur Freiwerdung der negativ wirkenden Kraft die Regierungsmitglieder unbedingt zurücktreten müssen in logischer Konsequenz nach parlamentarischen Regeln. Dann werden nur diejenigen wieder die Verantwortung tragen, die uns ins Unglück gestürzt haben. Die Abrechnung des gesamten Proletariats wird dann mit elementarer Gewalt über diejenigen hereinbrechen, die jetzt aus Hartnäckigkeit und ererbter Behäbigkeit glauben, dem Volk auch weiterhin alles bieten zu können. Noch ist es Zeit zur Umkehr, noch ist eine Frist gegeben, andere Wege einzuschlagen und dem Arbeiter das zu geben, worauf er auf Grund seines Lebens und Menschenrechtes zumindest— Anspruch hat. Tut man es nicht, so wird man auf der anderen Seite einst die verfluchen, die diese Warnung nicht beherzigt haben. Ausstandsneigungen in der Landwirtschaft? Die Ausstandsbewegung unter den Bergarbeitern kann viel schlimmere Folgen zeitigen, als man sich in den Städten klar macht. Denn noch weit gefährlicher als der Bergarbeiterstreik würde eine Einstellung der Lieferungen von seiten der Landwirtschaft sein, und mit dieser Gefahr muß jetzt ernstlich gerechnet werden. Die Erbitterung der Landwirte ist riesengroß, und die Einstellung aller Lieferungen an Korn, Fleisch, Milch, Butter, Eiern usw. wird selbst von den ruhigsten Landwirten ernstlich erörtert. Wenn man sie auf die Folgen hinweist, bekommt man die Antwort, daß nur auf diesem Wege Besserung zu erreich sei. Auch der Bauer müsse mal zeigen, daß er sich nicht ungestraft mißhandeln lasse. In zahlreichen Gemeinden haben die Gemeindevorsteher und die Viehablieferungs=Kommissionen bereits ihre Tätigkeit eingestellt, und die Landwirte haben beschlossen, Vieh nur noch bei Anwendung von Zwang herauszugeben. Wie die Stimmung ist, das geht zur Genüge aus dem nachstehenden Schreiben eines Gemeindevorstehers hervor. Es lautet: „Nach der letzten Verfügung soll die Gemeinde 12 Kopf Großvieh für die Monate Februar, März und April abliefern. Die Viehablieferungskommission ist nicht mehr in der Lage, das Vieh aufzubringen. Ich als Vorsitzender der Kommission lege hiermit den mir übertragenen Posten nieder, weil ich nicht will, daß sich die Empörung der Landwirte und Viehbesitzer gegen mich, der ich Vorsteher der Gemeinde bin, wendet. Die Landwirte, große und kleine, können kein Vieh, wenigstens vorläufig nicht, mehr abgeben, weil nur noch Kühe und Kälber vorhanden sind, mit Ausnahme weniger Bullen und Rinder, die jetzt abgeliefert werden; dazu kommt noch, daß das Gesamtvieh an Unterernährung leidet. Wenn man aber sieht und hört, daß in anderen Amtern und Kreisen noch Vieh in großer Anzahl vorhanden ist, Kreis., warum kann dann kein Ausgleich stattfinden? Warum muß ein Amt Y. gegenüber anderen mehr liefern? Wir hier sind so weit gekommen, daß größeren Landwirte auf 15 Morgen noch ein Stück Großvieh haben, eingerechnet Kälber, 2 Kälber ein Großvieh. Ich speziell habe, da ich Dienstag wieder ein tragendes Rind abgebe, noch auf 16 Morgen ein Stück Großvieh. Die kleineren Landwirte, die etwas besser wegkommen, auch mit Recht, können aber aus anderen Gründen auch nicht mehr liefern, der eine hat Zugkühe, der andere hochtragende Kühe und Kälber. Ich bin heute mit der Viehkommission von Stall zu Stall gegangen, und wir haben konstatieren müssen, daß jetzt kein Vieh mehr herauszuholen ist. Es sei denn Milchkühe. Mit Mühe und Not sind 12 Stück aufnotiert, ob die Viehbesitzer aber abliefern, ist eine große Frage, Auch die anderen Herren der Viehablieferungs=Kommission weigern sich, weiter zu arbeiten. Die Erbitterung wäre zu groß, und ich muß sagen mit Recht. Das Volk will und soll Fleisch haben, aber das Volk soll auch arbeiten. Arbeiten soll aber nur noch der Landwirt und abgeben, und jetzt noch in erhöhtem Maße. Die Aufzucht ist teuer, die Vergütung für das abgelieferte Vieh im Verhältnis zum Wert zu gering. Die Folge keiner Aufzucht. Resultat: noch weitere Zwangslieferungen, viehlose Wirtschaften, keine Ernten. Ich erkläre hiermit, daß ich als Gemeindevorsteher keine Verantwortung mehr übernehmen kann, wenn sich Landwirte weigern, Vieh abzuliefern. Das Milchvieh muß geschont werden, wenn dazu übergegriffen wird, dann sind wir ruiniert. Was die Folge? Hungersnot! Die Gründe für diese erbitterte Stimmung sind, abgesehen von der allgemeinen Verärgerung über die Zwangswirtschaft und das Treiben der.= u..=Räte, verschiedener Art. Zunächst ist es die verfassungswidrige Neuordnung der Gemeindevertretungen und der Kreistage, die den Bauern jeden Einfluß in wirtschaftlicher Beziehung nimmt. Fünf Jahre lang, so sagen sie, haben wir unser Möglichstes getan, und zum Dank dafür werden wir jetzt an die Luft gesetzt. Große Erregung hat auch die von sozialdemokratischer Seite verlangte Aufhebung der Selbstversorger hervorgerufen, eine Maßregel, die allerdings dem Faß den Boden ausschlagen würde. Die Hauptsache aber ist die erhöhte Viehablieferung infolge der Erhöhung der Fleischration. Diese Mehrlieferung ist nur möglich bei einem weiteren tiefen Eingriff in die Milchviehbestände, der wiederum die Mlchversorgung der Städte gefährden würde. Fleisch= und Milchlieferung aber werden wieder beeinträchtigt durch große Heulieferungen, die dem Lande aufgelegt sind, und dadurch wird den Bauern das letzte Futtermittel entzogen, ohne daß es weder Fleisch noch Milch gibt. Hier fehlt es an einem Zusammenarbeiten der Behörden. Die eine verteilt auf dem Papier Fleisch, die * zweite Milch und die dritte Heu, und keine kümmert sich um die andere. Die Stimmung unter den Landwirten ist so gereizt, daß es nur noch eines äußeren Anstoßes bedarf, und der Streik ist da. Und was dann? Wie soll die Landwirtschaft durch Ablieferung ihrer Produkte gezwungen werden? Wir stehen also, wenn die Landwirte ihre Drohungen wahr machen sollten, vor einer Riesenkatastrophe, vor der wir hiermit gewarnt haben möchten. Deutschlands Not und die Entente. Eine ernste Mahnung. Die„Deutsche Allg Ztg.“ veröffentlicht in Sperrdruck, also in der Form der Regierungsäußerungen, folgende Auslassung: Die deutsche Reichsregierung kennt den Ernst der gegenwärtigen Lage. Aber sie verkennt auch die Gründe nicht, die diese Lage herbeigeführt haben und sie fortdauernd verschärsen. Das deutsche Volk ist von Natur nicht zu wilden Streiks und Unruhen veranlagt. Aber ein Volk, das, Jahre hindurch kämpfend, Unendliches geduldet und geopfert hat, und trotz aller Leistungen sich geschlagen sieht, ein Volk, das den Frieden gesucht hat, und trotz des Waffenstillstandes sich mit den Waffen der Hungerblockade und immer neuer entehrender Bedingungen bekämpft sieht,— ein solches Volk wird im Innern krank. Die gegenwärtigen Unruhen, der Terror und die alltäglichen Verbrechen sind Krankheiten des sozialen Körpers, denen er nicht zu widerstehen vermochte, weil er durch Entbehrungen und Blutverlust geschwächt war. Das deutsche Volk wird nur genesen, wenn man ihm Rohstoffe gibt, damit es arbeiten kann, und Nahrungsmittel, damit es leben kann. Beides verweigern uns die Feinde. Der tiefste Grund der gegenwärtigen Krise und der verbrecherischen Handlungen, die hier geschehen, liegt in ihrem Verhalten Sie sollten angesichts dieser Ereignisse bedenken, daß es gegen Völkerrecht und Menschlichkeit ist, einen gefallenen Gegner hilflos am Boden liegen zu lassen. Sie sollten aber auch bedenken: je schwächer Deutschland wird, um so mehr wird seine Widerstandskraft gegen den Bolschewismus geschwächt. Je schärfer sie im Westen die Schraube anziehen, um so offener wird der Osten für das Eindringen bolschewistischer Ideen. Kommt aber der Bolschewismus, so macht er nicht an unseren Grenzen halt. Der Bolschewismus ist eine Krankheit, aber eine ansteckende Krankheit. Und es ist gefährlich, Nachbar eines Hauses zu sein, in dem die Pest ist. Dies geben wir unseren Feinden zu bedenken, bevor sie über den neuen Waffenstillstand beschließen. Aus der Wafsenstillstands. Kommission. Um den in steter Zunahme begriffenen alliierten und interalliierten Kommissionen in Berlin einen sicheAufgaben und Ziele der evangelischen Arbeiterinnenvereine. Von Maria Schirmer=Bethel bei Bielefeld. Darum will der Arbeiterinnenverein die junge Arbeiterin zur denkenden, geistig ebenbürtigen Lebensgefährtin des Arbeiters heranbilden helfen. Ihre Ausbildung und Aufklärung in diesem Sinne sichert ihr nicht nur den ihr gebührenden Einfluß auf ihren Mann und ihre Söhne, sondern lenkt ihn auch in die rechten Bahnen. Der Einfluß der ernst=christlich gesinnten, denkenden und verstehenden Arbeiterfrau auf die Arbeiterfamilie ist für unser gesamtes Volksleben von ungeheurer Bedeutung. Rechte, echte Mütter brauchen wir im Arbeiterstand, darum ist die Befähigung der Arbeiterin für ihre Aufgaben als Mutter in der Arbeiterfamilie von großer Bedeutung. Ziel der Vereinsarbeit in dieser Beziehung soll sein, die Kräfte der geistigen Mutterschaft, die in jeder Frau schlummern, oft aber durch das Erwerbsleben verkümmert sind, zu wecken und zu veredeln. Nicht nur Unterweisungen in der Pflege des Säuglings und körperlichen Pflege des Kindes überhaupt sind darum zu geben, wichtiger ist eine gründliche Belehrung über die Erziehungsaufgaben der Mutter. Ist volles Verständnis auch erst bei denen zu finden, die schon Mutter geworden sind, so wollen die Arbeiterinnenvereine auch schon bei der jungen Arbeiterin Interesse für die Welt des Kindes, Verständnis für die Kindesseele wecken. Die Arbeiterinnen sind der größte Teil der künftigen Mütter unseres Volkes. Ihnen zu helfen, daß sie rechte Mütter werden, ihnen die Kenntnisse für die Pflege und Erziehung des Kindes zu übermitteln, Muttersinn und Mutterart in ihnen zu wecken, betrachten die evangelischen Arbeiterinnenvereine als ernste und unabweisbare Pflicht, wichtige Aufgabe und hohes Ziel. Bei unseren Arbeiterinnen fehlt es leider oft noch sehr an dem Eintreten für ihren Stand, an rechtem Standesbewußtsein. Die evangelischen Arbeiterinnenvereine wollen die Arbeiterin schulen zum Eintreten für ihre Sache, zur Erfassung der Pflichten ihrer Mitarbeiterinnen, ihrem ganzen Stande gegenüber. Sie haben die Hebung des Arbeiterinnenstandes in ideeller und sozialer Beziehung auf ihre Fahne geschrieben, sie ziehen zur Lösung dieser Aufgaben die Arbeiterinnen selbst heran. Sie suchen sie zu schulen auf allen Gebieten der Standesfragen, sie zu befähigen, ihre Standesinteressen vertreten zu lernen in Versammlungen, in den Krankenkassen, an den Gewerbecen Fernsprech= und Telegraphenverkehr mit Frankreich zu gewährleisten, schlug Nudant der deutschen Kommission im Auftrage Fochs vor, verschiedene Telephon= und Telegraphenleitungen in Deutschland, sowie internationale Anschlüsse wiederherzustellen, die vor dem Kriege bestanden haben. Die Leitungen, welche unabhängig von den deutschen Verbindungen sein würden, sollen nur von einem Personal bedient werden, das den alliierten Regierungen untersteht. Der Vertreter der deutschen Regierung richtete an die Alliierten das schriftliche Ersuchen, die Einfuhr von Fischen aus den neutralen Ländern nach Deutschland freizugeben, die zurzeit nur in beschränktem Maße zugelassen ist. In dem Schriftstück wird insbesondere darauf hingewiesen, daß eine erhöhte Fischeinfuhr vor allem aus Holland den besetzten Gebieten Deutschlands zugute käme, und ouß Norwegen infolge guter Fänge Deutschland weit über das bisherige Maß hinaus mit Heringen beliefern könnte, die dort zum Teil nur dem Verderben ausgesetzt seien. Der amerikanische. Vertreter setzte die deutsche Kommission in Kenntnis, daß den in amerikanischen Händen befindlichen deutschen Kriegsgefangenen Erleichterungen im Postverkehr zugestanden worden sind. Die Zahl der Briefe und Karten, welche die Gesangenen absenden dürfen, sind nach seiner Mitteilung nicht mehr beschränkt. Die Gefangenen sollen alles verfügbare Briefpapier unterschiedslos gebrauchen können. Es soll ihnen ferner gestattet sein, der Heimat ihren Aufenthaltsort und die Art ihrer Beschäftigung mitzuteilen. Deutsche Waffenstillstandskommission. Nationalversammlung. Die Nationalversammlung brachte am Dienstag die erste Lesung der Verfassungsvorlage zu Ende. (U. Soz.): Die neue Verfassung spiegelt wieder, daß der Kapitalismus weiter in Deutschland herrscht. Im blinden Haß gegen die revolutionären Kräfte wird eine neue Militärmacht geschaffen zur Unterdrückung der Arbeiterklasse. In ihrem Kampf gegen die Arbeiterschaft benutzt die provisorische Regierung das Mittel des alten Regimes, den Belagerungszustand. Die Arbeitermassen sind unzufrieden, weil sie sehen, daß dieser angeblich neue Staat der Fesseln der kapitalistischen Herrschaft noch nicht ledig ist. Wir nähern uns einer Entwicklungsstufe, in der der Kapitalismus ein Hindernis der Produktion wird. Die jetzige so viel gepriesene Demokratie ist eine Demokratie der Reichen. In der Nationalversammlnug wird zu viel geredet, aber die Vollzugsgewalt fehlt ihr. Die Arbeiterschaft weiß ein besseres Mittel, ihre Interessen wahrzunehmen, das sind die Arbeiter= und Soldatenräte. Abg. Dr. Strejemann(D. Pp.): Wenn Herr Henke die Konsequenz aus seiner Rede zöge, dann müßte er mit seinen Freunden sein Mandat zur Nationalversammulng niederlegen. Wer der Auffassung ist, das nicht die Nationalversammlung das Recht hat, im Namen des deutschen Volkes zu sprechen, wer einer ganz anderen Institution nicht nur die gesetzgeberische sondern auch die vollziehende Gewalt geben will, der befindet sich in einem Widerspruch mit sich selbst, wenn er überhaupt an diesen Arbeiten teilnimmt. Eins zieht sich durch alle unsere Verhandlungen als der Kernpunkt: das Problem Preußen=Deutschland. Da hört man immer und immer wieder die heftigen Angriffe gegen Preußen. Früher wurden diese Angriffe erhoben unter Hinweis auf das preußische Wahlrecht, auf die konservative Bürokratie Preußens. Aber das alles besteht doch nicht mehr, und Preußen ist heute ebenso eine demokratische Republik, wie irgend ein anderer Staat in Deutschland. Die Berliner Vorherrschaft mit ihrer Mechanisierung wird nicht nur im Süden, sondern auch im Westen unliebsam empfunden. Aber Köln und Düsseldorf konnten sich auch unter der preußischen Monarchie zu besonderen Mittelpunkten der rheinischen Kultur entwickeln. Dazu bedarf es nicht erst einer rheinischen Republik. Was für die Rheinrepublik gilt, gilt erst recht für Niedersachsen. Die Begründung, die der Forderung nach einer solchen Republik gegeben wurde, ist aber auch sachlich falsch. Man hat so getan, als ob es sich bei Hannover um eine Bevölkerung handele, die von einem fremden Volke mit Gewalt unterjocht wurde. (Zuruf b. d. Welsen: So ist es!— Große Unruhe.) Das ist unrichtig. Das hannoversche Volk ist nicht von Haß gegen Preußen erfüllt. Hannover hat durch den Anschluß an das lebensstarke Preußen auch sehr viel gewonnen. Man sollte dem Himmel danken, daß noch so viel alte Beamte seit dem 9. November geblieben sind, welches Chaos wäre sonst entstanden. (Sehr richtig! rechts.) Reichsminister Dr. David: Ich habe aus der Debatte den Eindruck gewonnen, als ob man über der Kritik das Große, Gute und Wertvolle vergißt, das uns diese neue Verfassung bringt. Die republikanische Staatsform, die darin festgelegt wird, ist doch keine Kleinigkeit. Die 22 Kronträger, die die Monarchie in Deutschland so stark verankerten, machen es jetzt gerade den Monarchisten außerordentlich schwer, die Monarchie wiederherzustellen, denn man müßte sie ja alle 22 wieder herbeiholen. Die Hohenzollern hatten vielleicht im Osten Preußens eine starke Anhängerschaft, im Westen schon weniger, und im übrigen Deutschland möchte ich den sehen, der die Volksabstimmung für die Wiedereinsetzung der Hohenzollern gewinnt.(Ruf rechts: Abwarten! Lachen bei der Mehrheit.) In Zukunft wird die Reichstagswahl auch eine Regierungswahl sein. Auch die Minister müßten jetzt ihre Politik in Volksversammlungen vor den Wählern rechtfertigen. Jetzt erst haben wir eine wirkliche Reichsregierung. So wenig das Christentum etwas taugt, das aus Kanonenschlünden gepredigt wird. so wenig taugt der Sozialismus, der den Menschen mit Maschinengewehren aufgezwungen werden soll. (Sehr richtig! und lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Damit schließt die erste Besprechung der Verfassungsvorlage. Die Verfassungsvorlage wird an einen Ausschuß von 28 Mitgliedern überwiesen. (Sitzung am Mittwoch, den 5. März, nachmittags 3 Uhr.) Am Regierungstisch: Scheidemann, Erzberger, Landsberg. Eingegangen ist der Entwurf eines Sozialisierungsgesetzes und ein Gesetzentwurf betrefsend Regelung der Kohlenwirtschaft. Die Interpellation Arnstadt betreffend Wiederaufbau der wähKrieges stillgelegten oder geschwächten Betriebe wird abgesetzt, nachdem Ministerpräsident Scheihat, daß die Regierung die Interpellation später beantworten wird. Es folgt die Interpellation Arnstadt betreffend die Zustände in der Provinz Posen. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Frau Abg. Dr. Schirmacher(Dtnatl. Vp.):„Die der Interpellation liegt in der Not und der Ostmark, diese Not der Ostmarken ist sogar Ostmarken in de Ddie der Westmarken, denn in den ## eu#;## heute noch Krieg, die Polen haben trotz des Waffenstillstandes die Feindseligkeiten nicht eingerichten, in den Arbeiterausschüssen usw. Sie fördern die Interessen des Arbeiterinnenstandes durch Eingaben und Gesuche an Behörden und gesetzgebende Körperschaften, durch Beteiligung der Mitglieder bei den Wahlen zu den Krankenkassen, zu den Arbeiterausschüssen, durch Mitarbeit auf dem Gebiete der Volksernährung und der Wohnungsfrage. In Vorträgen, Lehrgängen und Besprechungen machen sie die Arbeiterinnen vertraut mit den Arbeiterschutzgesetzen, bekannt mit den wichtigsten Bestimmungen der Reichsversicherungsordnung, klären sie auf über die Aufgaben der Gewerbeaufsicht u. a. m. Eine besondere Aufgabe erwächst den Arbeiterinnenvereinen durch die Stellungnahme zu den Gewerkschaften. Sie suchen den Mitgliedern klar zu machen, daß die Gewerkschaftsbewegung eine Bewegung zur Hebung ihres Standes ist, und die Mitarbeit der weiblichen Angehörigen dieses Standes fordert im Interesse der Arbeiterinnen selbst, wie im Interesse ihrer Familie und ihrer Kinder. Es ergibt sich von selbst, daß die evangelischen Arbeiterinnenvereine ihren Mitgliedern raten, sich bei den christlichen Gewerkschaften zu organisieren. Sie geben Vertretern und Vertreterinnen derselben Gelegenheit, in den Versammlungen über Aufgaben und Ziele der christlichen Gewerkschaften aufzuklären, und betonen unermüdlich die Wichtigkeit der gewerkschaftlichen Organisation. Auch das Streben nach beruflicher Tüchtigkeit suchen sie zu wecken und zu fördern, wollen helfen, daß der Arbeiterin das Bewußtsein von der volkswirtschaftlichen Bedeutung ihrer Arbeit aufgeht, daß das Verantwortungsgefühl in ihr gestärkt, der Wille zu bestmöglicher Leistung und gewissenhafter Erfüllung, auch der unscheinbarsten Arbeit, wachgerufen und damit dem unheilvollen Einfluß der gleichförmigen, mechanischen Tätigkeit ein Damm entgegengesetzt werde. Der Bekämpfung der Gefahr der geistigen Verflachung und Abstumpfung durch die mechanische Tätigkeit in der Fabrik und der dadurch bedingten Sucht, ein Gegengewicht durch Teilnahme an rauschenden Vergnügungen aller Art zu schaffen, dient auch die geistige Förderung der Mitglieder im evangelischen Arbeiterinnenverein. In Versammlungen, Vorträgen und Besprechungen soll für die Entfaltung der geistigen Persönlichkeit Sorge getragen werden. Was unser deutsches Volk an Geistesschätzen erworben hat auf dem Gebiete der Literatur, der Wissenschaft und Kunst, das will der evangelische Arbeiterinnenverein den Arbeiterinnen, ihrem Verständnis und ihrem Fassungsvermögen angepaßt, zugänglich machen, auf daß sie geistig emporwachsen und fähig werden, an den geistigen Fortschritten ihres Standes teilzunchmen. Wie jeder Mensch, so hat auch die Arbeiterin ein Bedürfnis und ein Anrecht auf Freude, und jede Arbeiterin sucht und findet eine Unterhaltung. Darum, daß sie sie nicht sucht im dunsterfüllten Bierlokal, auf lockerem Tanzboden, in anstößigen Theater oder Kino, daß sie sie nicht genießt bei schlechter Lektüre, was jeden Sinn für höhere reine Freuden in ihr ertötet, ihre Gesundheit schädigt, sie in ihrer ohnehin geringen wirtschaftlichen Widerstandsfähigkeit schwächt, soll im evangelischen Arbeiterinnenverein reine, echte Freude auf sie einwirken, dem berechtigten Streben ihres Standes nach den Kulturgütern der Menschheit, dem Sehnen nach Schönheit, nach Freude, nach Kunst Rechnung getragen werden. Durch praktische Einrichtungen verschiedener Art wollen die Vereine die wirtschaftlich schwache Arbeiterin zu stützen suchen. Sorgen sie durch hauswirtschaftliche Kurse für eine gute Aus= und Fortbildung ihrer Mitglieder in allen Zweigen der Hauswirtschaft, leiten sie an zu sparsamer Wirtschaftsführung und richtiger Einteilung des Wirtschaftsgeldes, so bieten sie damit der Arbeiterfrau und dem jungen Mädchen, das einmal einen Arbeiterhaushalt versorgen soll, eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Hilfe. Gemeinsamer Einkauf von Lebensmitteln, Bekleidungsstoffen und Kohlen kommt in erster Linie für die verheiratete Arbeiterin in Betracht, während die Einrichtung von Sparkassen und die Volksversicherung der evangelischen Arbeiterinnenvereine von Bedeutung für alle Mitglieder ist. Manche Vereine richten Mittagstische, Wohnheime und Abendheime für alleinstehende Arbeiterinnen ein und verschaffen ihnen billige Erholungsgelegenheiten. Die Erfüllung der Aufgaben und die Errichtung der Ziele der evangelischen Arbeiterinnenvereine erfordert das Einsetzen der ganzen Kraft, ernsten Willens und ttreuester Hingabe aller derer, die mitarbeiten wollen. Sie verlangt eine gründliche Kenntnis des Volkslebens und des Volkscharakters, verlangt ein nüchternes, klares Anfassen oer Arbeit in echter Volkstümlichkeit und das verständnisvolle Eindringen in die Arbeiterinnenseele. Nur wo tiefes Verständnis ist für die Bedürfnisse der Arbeiterinnen und die Bedeutung der Arbeiterfrau für Familie und Volksleben klar erkannt wird, können die Aufgaben erfüllt, die Ziele erreicht werden. Es ist dringend zu wünschen, daß das Interesse und Verständnis für die Arbeiterinnensache wächs. und die Arbeit tatkräftig gefördert wird. gestellt,„Dieses Waffenstillstandsabkommen zog eine Demartationslinie auf deutschem Boden, die wir als eine Schmach empfinden. ationslinie ist schlecht gezogen, denn sie hat deütsche, in deutscher Hand befindliche Ortschaften mit einbezogen. Außerdem aber wird sie von den Polen nicht einmal beachtet. Nach dem Wortlaut sind die deutschen Truppen verpflichtet, ihre Offensivbewegungen gegen die Polen einzustellen, #####len besteht eine solche Bindung nicht. Die sind durch das Abkommen auf die Abwehr beschränkt, den Polen aber ist der Angriff erlaubt. verteidigt sein von unserer Regierung. (Zeisall rechts.), Zehntausende sind aus dem Kampfgevier geflüchlet, chre ganze Habe haben sie zurückbieten besteht heine den von den Polen besetzten Ge. deutsche Verwaltung mehr. Die deutschen Hoheitszeichen sind entfernt, deutsche Straßennamen und Wegweiser werden polnisch gemacht. Und dann beginnt jetzt eine Rückwanderung der im Westen befindlichen polnischen Bevölkerung, die man vor dem Kriege auf ungefähr 200000 schätzte. Diese Leute kehren jetzt in die Ostmark zurück, um das polnische Element zu verstärken und bei einer Abstimmung beweisen zu können, wie stark polnisch Posen ist. Hunderte von Leyrkräften werden zum 1. April gekündigt. Dadei(puli die Angeberei in den Gebieten, die jenseits der Demarkationslinie liegen. „Die. Gerichte sind einseitig mit Polen besetzt und partenisch, vuraus ergibt sich eine völlige Rechtlosigkeit der Deutschen. Die Aushebung zum polnischen Heer erstreckt sich auch auf Deutsche, man zwingt unsere Volksgenossen so zum Landesverrat. Die Deutschen werden zur Flucht getrieben und den Geflohenen wird alles geraubt, der Acker der deutschen Ansiedler enteignet. „. Die deutschen Geiseln sino noch nicht zurückgegeben. Alle Deutschen sollen von ihrem Einkommen 50 Prozent Steuern für die Ausrüstung des polnischen Heeres zahlen. Die Lebensmittel werden den Deutschen genommen und nach Kongreßpolen ausgeführt. Soll, dieses Posener Trauerhaben" Tärt: wir kettr übergreifen? Die erktart: wir halten Achtung vor dem alten Deutschland mit seiner starken Militärmacht, seit wir aber gesehen haben, daß tausend Matrosen imstande waren, die alte Regierung über den Haufen zu werfen, haben wir keine Achtung mehr.(Sehr rich— Unruhe links.) Die Polen haben in Westpreußen polnische Arbeiter= und Soldatenräte gegründet, die, mit den Spartakisten in Verbindung lehen. Ich frage die Regierung: was ist sie gewillt zu tun und fähig?(Beifall.) Reichsminister Erzberger: Es ist mit General Dupont verabredet, daß nicht allein die Feindseligaufhören sollen, sondern daß Offiziere beider Parteien, für die deutsche Heeresverwaltung deutsche Offiziere, abgesandt werden, um Verletzungen der Demarkationslinie zu verhindern. Die Durchführung des der deutschen Bewohner innerhalb der Demarkationslinie ist Gegenstand der besonderen Beachtung der Waffenstillstandskommission. General Dupont hat sich verpflichtet, bei den Alliierten dafür seinzutreten, und Verhandlungen über die Einzelheisten dieser Frage finden heute in Bromberg statt. Die Berliner Streikbewegung hat sich in der Richtung einer Besserung entwickelt. Immerhin ist aber noch keine Ursache vorhanden, schon mit einem baldigen Erliegen des Streiks zu rechnen. Es ist wohl möglich, daß die Zahl der Streikenden noch zunehmen wird. Eine wesentliche Besserung ist jedoch in den Streikzielen zu sehen. In dem Mitteilungsblatt der Streikleitung war schon nicht mehr von einer Beseitigung der Regierung und der Stellung des Kaisers usw. vor ein Gericht die Rede. Es wurde nur noch davon gesprochen, von Regierung Zugeständnisse zu verlangen, die nach Möglichkeit gemacht werden könnten inbezug auf die sachlichen Forderungen. Die genaue Zahl der streikenden Arbeiter ist bis jetzt nicht festzustellen gewesen. Ganz allgemein kann festgestellt werden, daß in den Großbetrieben nur teilweise gestreikt wird, während die weitaus meisten mittleren Betriebe arbeiten. Ein Eisenbahn= und Post= „ist noch nicht beschlossen. Eine Anzahl von Gewerben, wie z. B. das Buchdruckgewerbe, haben sich dem Streik bisher nicht angeschlossen. Die Zusagen der Regierung. .. Eine Kommission der Mehrheitssozialisten, die an zu Verhandlungen über den Berliner Streik nach ### a r b e g e b e n h a t t e, i s t z u r ü c k g e k e h r t u n d h a t vus Ergebnis ihrer Beratungen in einem Kommunique vormittag 10 Uhr der Mehrheitsfraktion der Arbeiterräte vorgelegt. An der Beratung mit der Reichsregierung in Weimar haben teilgenommen von der Sozialdemokratie: Scheidemann, Landsberg, und teilweise auch Bauer und Wissell, vom Zentrum: Erzberger und Giesberts, von den Demokraten: Preuß und Gothein. Die, Uehereinstimmung ist einheitlich gefaßt worden. Cigung des Kabinetts hat sich mit den Beschlüssen einheitlich einverstanden erklärt. Die Beschlüsse enthalten u. a. folgende Bedingungen: . Die Arbeiterräte werden als wirtschaftliche Luteressenvertretung grundsätzlich anerkannt und in der Verfassung verankert. Ein Gesetz über ein einheitliches demokratisches Arbeiterrecht mit dem Ziele der Schaffung demokratisch=konstitutioneller Verhältnisse in den Betrieden ist sofort der Nationalversammlung vorzulegen. Alle nach dem allgemeinen Strafgesetz strafbaren Handlungen werden auch bei Militärpersonen dem bürgerlichen Gericht zugewiesen. Die Regierung hat bereits angeordnet, daß die Lebensmittel unter Ausschaltung jedes unnötiven Zwischenhandels durch Vermittelung der Gemeinden an die Konsumenten verteilt werden. An der geschsierung der Lebensmittelerfassung wird dauernd Der Bericht über die Fr, der Fraktion der Mehrheitssozialtsten mit Be.ügung zur Kenntnis genommen worden. Ein denninver Entschluß aber soll erst gefagt werden, wenn ie gemischte Kommission der Berliner Arbeiterräte, der außer den Mehrheitssozialisten auch Vertreter der Unabhängigen angehören, und die sich Dienstag ebenfalls nach Weimar begeben hat, von dort zurückgekehrt sein wird was spätestens Donnerstag früh der Fall sein wird. *„ Besetzung der inneren Stadt. Mittwoch morgen sind weitere zahlreiche Truppen eingetroffen und haben den ganzen inneren Stadtteil besetzt. Eine Anzahl schwerer Tanks fuhr durch die Alexanderstraße nach der Münzstraße, um die dortige Gegend von dem zahlreichen Gesindel zu befreien. Trotz aller Warnungen der Kommandantur sammeln sich immer wieder große Mengen von verbrecherischen Elementen auf dem Alexanderplatz an und versuchen durch Ueberredung die Militärpersonen, die in kleinen Streiftrupps den Platz abgehen, von ihrer Pflicht abzubringen und nach erprobter Methode zu umzingeln und zu entwaffnen. Als bis 11 Uhr vormittags die Ansammlungen und Zusammenrottungen trotz des Belagerungszustandes noch eine Zunahme erfuhren, mußte der Platz mit Waffengewalt geräumt werden. Als am Vormittag zehn Mann der republikanischen Soldatenwehr auf einem Kraftwagen durch die Kleine Frankfurter Straße fuhren, wurden sie von Matrosen und Zivilpersonen angegriffen. Als die Soldaten Feuer gaben, zog sich die Menge zurück. Zwei der Angreifer sind schwer verletzt worden. ** Neue Plünderungen. Im Laufe der letzten zwei Tage sind durch Plünderer und Räuber überall schwere Ausschreitungen begangen worden, die sich vor allen Dingen gegen die Gold= und Schmuckwarengeschäfte richteten. Aus der großen Fülle von Anzeigen, die bei dem Polizeipräsidium eingelaufen sind, geht hervor, daß das geraubte Gut sich auf viele Millionen beläuft. Besonders im Norden und Osten der Stadt bis zum Zentrum herunter sind zahlreiche Geschäfte ausgeplündert worden. Der Kampf gegen das Gesindel. Bei dem Einzuge der Truppen zum Schutz des Polizeipräsidiums, die Dienstag mittag anrückten, versuchte eine tausendköpfige Menge auf dem Alexanderplatz die Truppen zurückzuhalten. Die letzte Gruppe wurde umzingelt, ihrer Gewehre beraubt und sieben Mann sind spurlos verschwunden. Die Truppen mußten schließlich von ihrer Schußwafse Gebrauch machen und haben dabei einen Wachtmeister, einen Soldaten und einen Zivilisten getötet. Mehrere Personen haben Verletzungen erlitten. Das Polizeipräsidium erhielt in der späten Abendstunde weiteren Schutz durch Regierungstruppen und eine Feldartillerieabteilung mit 6 Geschützen, da die Zustände sich immer gefahrdrohender gestalteten. Es wurde Dienstag abend versucht, in die Füsilierkaserne des Alexanderregiments einzudringen, doch konnte der Angriff unter schweren Verlusten des Gesindels abgeschlagen werden. Als man mit Gewalt nichts ausrichten konnte, versuchte man es mit Verhandlungen, aber auch dabei fanden die Massen keine Gegenliebe bei den Soldaten, zumal bekannt geworden war, daß die Besatzung eines Kraftwagens entwaffnet und mißhandelt worden war. Inzwischen waren Barrikaden im Zuge der Kaiser=Wilhelm= und Münzstraße, sowie am Bülowplatz unter Zuhilfenahme des dortlagernden Materials für den Bau der Untergrundbahn errichtet worden. In der König= und Panoramastraße, die in völliges Dunkel gehüllt waren, hielten sich größere Trupps, vor allem Matrosen mit Handgranaten auf, um die einziehenden Truppen zu überfallen, doch kam durch rechtzeitige Benachrichtigung der höheren Kommandostellen dieser Plan zum Scheitern. Spartakisten versuchten unter allen erdenklichen Verkleidungen in das Polizeipräsidium einzudringen. Auch von der Straße aus setzten sie sich mit der Besatzung in Verbindung, um sie zur Uebergabe des Gebäudes zu veranlassen. Die Verhandlungen verliefen natürlich ergebnislos. Die Streikbewegung im Reich. Die Situation in Leipzig ist überaus ernst und die Spannung nimmt stündlich zu. Einmal ist die Frage der Lebensmittelversorgung für die nächsten Tage sehr zweiselhaft geworden, denn die regierungstreuen Eisenbahnbeamten und Eisenbahnarbeiter weigern sich, Lebensmittel nach Leipzig zu befördern. Der Streikleitung kommt es hauptsächlich darauf an, Geld zu erhalten. Sie hat deswegen mit den Banken verhandelt, zu einem Ergebnis zu kommen. Diese Tatsache Anlaß zu glauben, daß Leipzig am Vorabend ernster Ereignisse steht, da ein Putsch auf die Banken und das Rathaus erwartet wird, wo die Unterstützungsgelder für die Arbeitslosenunterstützung deponiert sind. Halle völlig von Regierungstruppen besetzt. Nach den in Weimar eingetroffenen Nachrichten ist die gesamte Stadt Halle von Regierungstruppen besetzt worden. Der Generalstreik im mitteldeutschen Braunkohlengebiet ist stark im Abflauen. In der Nacht vom Sonntag zum Montag war noch geplündert worden, besonders in der Ulrich= und Leipziger Straße, wo die großen Konfektionsgeschäfte und Kaufhäuser gebrandschatzt wurden. Generalmajor Maercker ließ bekanntmachen, daß nach 7 Uhr niemand mehr die Straßen betreten darf. Wer beim Plündern angetroffen wird, wird erschossen. Eine größere Anzahl von Plünderern ist bereits erschossen worden. Der Aktionsausschuß des Halleschen Bürgerstreiks hat durch Anschlag die Bürger aufgefordert, die Arbeit wieder aufzunehmen. Die sächsische Regierung will mit den Streitenden verhandeln. Bei dem Dresdener Arbeiter= und Soldatenrat traf ein Telegramm der Dresdener Regierung ein. in welchem mitgeteilt wird, daß der Volksbeauftragte Schwarz mit dem Arbeiter= und Soldatenrat Leipzig Verhandlungen bereit sei über die Wiederaufnahme des wirtschaftlichen Lebens in Leipzig. Er steht zu diesem Zweck am Donnerstag zur Verfügung. Der Arbeiter= und Soldatenrat wird um dringende Antwort ersucht. Unterzeichnet war das Telegramm vom Gesamtministerium Gradnauer. Die Lage in Leipzig ist nach wie vor unverändert; es herrscht Ruhe. Kleine Streiks im Ruhrgebiet. Auf den Schachtanlagen von„Deutscher Kaiser“. in Hamborn befindet sich der größte Teil der Belegschaft wieder im Ausstand. Bei der Frühschicht sind von der 6000 Mann starken Belegschaft 5525 nicht angefahren. Grund: Forderung der Zurückziehung der Regierungstruppen, Einführung der 7½stündigen Arbeitszeit und sofortige Entlassung der bei den letzten Unruhen festgenommenen Spartakisten. Auf den Zechen Hamburg(Annen) und Franziska(Witten) sind die Belegschaften erneut in den Ausstand getreten. Die Gesamtzahl der Ausständigen beläuft sich auf 5438 Mann. Die Lage in Westthüringen hat keine Abschwächung erfahren. Die Züge können Erfurt nicht erreichen, da die Strecke Neu=Dietendorf—Vieselbach verkehrsunfähig gemacht ist. Trotz des in Eisenach bestehenden Streiks können die Züge über Eisenach in Richtung Frankfurt a. M. und Kassel fahren. Der Drahtverkehr mit den mittelthüringischen Städten ist unterbrochen. In Südthüringen sind Streiks größerer Ausdehnung nicht zu befürchten. *** Keine Einmischung in bayerische Angelegenheiten. Das Presseamt des Münchener Zentralrats meldet aus Weimar, daß, wie aus zuverlässiger Quelle werde, die Reichsregierung in keiner Weise beabsichtigt, in die Gestaltung der bayerischen Verhältnisse einzugreifen, um die partikularistischen Neigungen nicht unnötig zu verstärken. Der„Mephisto der Revolution“ Der meistgehaßte Mann in der Regierung war für die Spartakisten und Unabhängigen bisher der Reichswehrminister Noske. Er hat diese seine Stelle aber jetzt anscheinend abtreten müssen, und zwar an den Minister Landsberg, den Magdeburger Rechtsanwalt. Von diesem gab das frühere Mitglied der Reichsregierung Barth auf dem Parteitage der Unabhängigen folgende schöne Schilderung: „Man redet immer von Ebert und Scheidemann. Diese sind aber nur Werkzeuge in der Hand des Landsberg, dieses Mephistos der Revolution. Dieser Landsberg besteht vom Scheitel bis zur Sohle aus Chauvinismus und Hakatismus. Er ist fanatisch und roh und von einem großen Haß gegen das Proletariat erfüllt. Auch dieser Noske ist nur ein Hanswurst in der Hand des Landsberg. Dieser Noske hat nicht einen Schimmer von Sozialismus. Alles war Lug und Trug: mit Hindenburg haben sie hinter unserem Rücken einen Vertrag geschlossen; sie haben uns und das ganze deutsche Volk belogen. Aber fassen Sie einmal diese Burschen! Sie sind zusammengesetzt aus Bosheit und Dummheit, Gemeinheit und Niederträchtigkeit. Nur damit halten sie sich so lange. Deutsches Die Tariferhöhung der Eisenbahn. .## bereits vor einiger Zeit mitgeteilt, ist auf ven beulschen Eisenbahnen durch die allgemeine Verteuerung der Löhne und der Materialien eine erhöhung auf allen deutschen Eisenbahnen zum 1. April d. J. in Aussicht genommen worden. deren Einführung für Preußen und Hessen jedoch nur von der Zustimmung der preußischen Landesversammlung abhangig gemacht worden ist. Wegen der ungünstigen Verkehrsverhältnisse ist der Zusammentritt der preußischen Landesversammlung, der für den 4. März sicht genommen war, auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Von gut unterrichteter Seite verlautet jedoch, daß die Erhöhung der Tarife unter allen Umständen zum 1. April vorgenommen werden wird. Für das Rätesystem in Braunschweig. heiterschaf Urabstimmung der organisierten Arder Stadt Braunschweig in der Frage des Rätesystems wurden 3841 für sofortige und 3013 Stimmen für spätere Einführung des Rätesystems in Braunschweig abgegeben. 116 Stimmen waren ungültig. Nruchteil Stmmzitfern beweisen, daß nur ein kleiner simmt bar.ger Arbeiterschaft abgeder Regierungsgewalt in Bayern. Die Regierungsgewalt liegt einstweilen noch beim Zentralrat und ist zusammengesetzt aus Vertretern der drei sozialistischen Parteien, der freien Gewerkschaften sowie des Landesarbeiter=, Soldaten= und Buuernrates. Von den früheren Ministern führen 4, nicht genannt werden, die Geschäfte Presse warnt andauernd vor sensationellen Tatarennachrichten der zahlreichen in München weilenden Berichterstatter. Lebensmittelmangel in Mainz. ee„Ernährungszustand ist in Mainz auf einen sbichen Punkt angekommen, daß das Minimum beinahe erreicht ist. Vor allem geht die Versorgung mit Milch und Fett einem katastrophalen Zustand entgegen. Im Hinblick darauf hat General Mangin das Eingreifen der französischen Behörden angekündigt, wenn die Pflichtablieferungen sich nicht heben, ##den Kommunalverband zur Anwendung aller Mitlel aufgefordert. Die Rheinlande bis 1920 besetzt. werden müsse. Die Okkupationsarmee am Rhein dürfte bis Ende 1920 aufrechtzuerhalten sein. In naber Zu kunft werde der Rat der Verbündeten auf beschleunigte Ersüllung der Bedingungen seitens Deutschlands dringen. Leutschland hungere und sei dem sozialen und nationalen Zusammenbruche gefährlich nahe. Dies sei die Zeit für die Friedensbedingungen, die Deutschland annehmen und durchführen müsse. Falls es versäumt würde, hätte man niemanden mehr, mit dem Frieden abzuschließen wäre. Nach Unterzeichnung des Friedens durch Deutschland könnten Nahrungsmittel und Rohprodukte sofort eingeführt werden. Es müsse jedem widerstreben, die Waffe des Hungers auch nur einen Augenblick länger auszunützen, als nötig sei, um die Bedingungen zu erreichen, für welche die Alliierten kämpften. Keine Bedenken für Danzig. Auf die immer wieder auftauchenden Meldungen, General Haller werde demnächst mit seiner polnischen Armee in Danzig landen, hatte sich der Magistrat drahtlich an die Regierung mit der Bitte um Aufklärung gewandt. Darauf ist nun folgende Drahtantwort eingelaufen: „Von Landung polnischer Truppen hier nichts bekannt. Hege wegen Danzigs Zukunft keine ernsten Bedenken. Noske.“ Die amerikanische Lebensmittelkommission, mit der günstig vorwärtslaufende Verhandlungen über Lieferung von Speck und Fett an die Bevölkerung von Danzig schweben, machte eine Rundfahrt durch die Volksküchen der Stadt. Der außerordentlich kappe und schlechte Stand der Ernährungsverhältnisse, insbesondere die immer mehr zunehmende Kartoffelnot, machte sichtlich einen tiefen Eindruck auf die Amerikaner. Es steht zu hoffen, daß Danzig etwa 10000 Zentner Fett, 5 Pfund auf den Kopf, erhält. Daneben hofft man einen größeren Posten holländischen gesalzenes Gemüse, das soeben auf dem Wasserwege trotz der Blockade im Hafen eingetroffen ist, für Danzig sicherstellen zu können. Der deutsche Volksrat für Westpreußen in Danzig hat auf seiner Tagung in Marienburg an die Nationalversammlung, die Waffenstillstandskommission und die Reichsregierung einen Protest gerichtet gegen jede Absicht, in der rein deutschen Stadt Danzig polnische Truppen zu landen. Die Ankunft polnischer Truppen würde für Westpreußen dieselbe furchtbare Gefahr darstellen, der die arme Schwesterprovinz Posen zum Opfer gefallen sei. Gegen die Abtretung Nordschleswigs. Der an den Präsidenten Wilson gerichtete deutsche Einspruch gegen die Abtretung Nordschleswigs an Dänemark hat im Herzogtum Schleswig 113664 Unterschriften, gesunden; drun# nichen Kreisen 52521. Zusammenstöße in Deutsch=Böhmen. Bei den Kundgebungen in verschiedenen Städten Deutsch=Böhmens ist es zu blutigen Zusammenstößen zwischen den Deutschen und Tschechen gekommen. Die tschechischen Truppen schossen in die deutschen hinein. In Karlsbad wurden drei Deutsche getötet, 18 schwer verletzt. Das Schnellfeuer der Tschechen dauerte zehn Minuten. In Eger gab es ebenfalls mehrere Verwundete. Auch in Mähren kam es zu Zusammenstößen, bei denen in Sternberg zehn Deutsche getötet wurden. Wilsons Schwierigkeiten. Der amerikanische Kongreß hat sich vertagt, nachdem die Obstruktion der Republikaner im Senat die Annahme einer Reihe wichtiger Maßnahmen noch vor Schluß der Tagung verhindert hatte. Lodge brachte im Namen von 38 Senatoren den Antrag ein, daß der Senat den Völkerbundplan nicht billige. Gegen die Abstimmung wurde Widerspruch erhoben und die Session ohne Abstimmung geschlossen. Durch die Erklärung Svages ist aber festgestellt, daß die ersorderliche Zweidrittel=Mehrheit für den Abschluß des Friedensvertrages nicht vorhanden ist. arunter aus den fünf nördAusland. Beginnende Einsicht. Die englische Presse fordert die sofortige Aufhebung der Blockade, um die deutsche Gefahr zu beschwören. Das Pariser„Journal“ kommt zu der Einsicht, daß die strengsten Maßregeln zur Abrüstung der deutschen Wehrmacht nicht imstande seien, die deutschen Revanchegelüste niederzuhalten. Das einzig wirksame Mittel sei die Unterdrückung der Kriegsursachen. Bewegung der französischen Vergarbeiter. Laut„Humanite" beschloß ein Kongreß der Bergleute im Pas de Calais, den Achtstundentag und eine fünsprozentige Lohnerhöhung zu verlangen. Die Bergarbeiter wollen sich mit den Eisenbahnern von Frankreich, den Bergleuten von Mittel= und NordFrankreich und den englischen Arbeitern zusammentun, um eine gemeinsame Bewegung zu schaffen, falls ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Streik der Newyorker Hafenarbeiter. Der Streik von 16000 Newyorker Hafenarbeitern, der im Januar auf Wilsons telegraphisches Ersuchen hin eingestellt wurde, ist anscheinend wieder ausgebrochen. Die Schiffahrt ruht so gut wie völlig. Die Streikenden verlangen Lohnaufbesserungen von durchschnittlich dreißig Prozent und den achtstündigen: beitstag. Bund deutscher Männer und Frauen zum Schutze der personlichen Freiheit und des Lebens Wilhelms II. Vollständig unpolitisch— nur rein menschlich! Deutsche Bürger und Bürgerinnen! Tretet für den ehemaligen deutschen Kaiser ein, dem Ihr 26 Friedensjahre zu verdanken gehabt habt, und der noch in letzter Stunde den Krieg verhindern wollte. Durch eine an Stumpssinn grenzende Gleichgültigkeit ist in letzter Zeit viel gesündigt worden! Begreift, daß die Ehre des deutschen Volkes besudelt wird, wenn Euer ehemaliger Landesvater, nur um die Rachegier belogener Völker zu befriedigen, zum Gespött der Welt vor einen Richterstuhl gezerrt wird. Obiger Bund will dem deutschen Volke die durch die Auslieferung bedingte neue Schmach ersparen! Wer mit dazu beitragen will, melde sich mündlich oder schriftlich bei der Zweigstelle Paul Ringsdorff, Lieletela, Jahnplatz— Herforderstraße 3. Einmaliger Beitrag eine Mark.(Wer nichts zahlen will, wird ebenso gerne ausgenommen wie der, der mehr gibt!) Kirche und Schule. Begründung eines allgemeinen deutschen Kirchentags. epd. Auf Einladung des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses ist in Kassel am 27. und 28. Februar eine aus allen deutschen evangelischen Landeskirchen, Synoden und freien Vereinen unter Zuziehung hervorragender Kirchenmänner beschickte Vorversammlung zur Einberufung eines allgemeinen deutschen evangelischen Kirchentags zusammengetreten. Die Verhandlungen leitete an Stelle des erkrankten Präsidenten D. Voigts Konsistorial= rat D. Böhme=Dresden. Nach 1½ tägigen Beratungen, in denen besonders auch die schwerwiegenden, mit der Neuordnung des Verhältnisses von Staat und Kirche zusammenhängenden Fragen eingehend zum Wort kamen, wurde die Begründung des Kirchentags von der Versammlung einmütig beschlossen. Der Kirchentag, der als dauernde Einrichtung ins Auge gefaßt ist, soll unbeschadet der Selbständigkeit der Einzelkirchen und unter sorgfältiger Wahrung ihrer Eigenart, besonders ihres Bekenntnisstandes, eine vom Vertrauen des ganzen evangelischen Volkes getragene) rechtlich geordnete Vertretung der gemeinsamen Interessen aller evangelischen Landeskirchen des Reiches darstellen. Als seine künftigen Aufgaben bezeichnete die Vorkonferenz die Weckung und Vertiefung des Glaubenslebens, die Schaffung einer breiten synodalen Grundlage für eine selbsttätige, zum Dienst an der religiösen und sittlichen Pflege des Volkes geeinigte Volkskirche, die Übernahme der Fürsorge für die evangelischen Deutschen im Auslande u. a. Ein 21 gliedriger Arbeitsausschuß soll die Vorarbeiten für die erstmalige Einberufung des Kirchentages erledigen. Aus einem Aufruf schlesischer Sozialdemokraten zur „Gründung eines Volksbundes kirchentreuer evangelischer Christen“. „Wir evangelischen Arbeiter und Arbeiterinnen, die wir der sozialdemokratischen Partei angehören, in der wir die beste Vertretung unserer wirtschaftlichen Interessen sehen, wollen nicht, daß unsere evangelische Kirche durch die Neuordnung der staatlichen und gesellschaftlichen Verhältnisse geschwächt und in ihrer heilsamen Arbeit an der Seele unseres Volkes gehindert werde. Wenn es jetzt zu einer Trennung von Staat und Kirche kommt, so fordern wir von unserer Parteileitung und unseren Abgeordneten, daß auf die Lebensbedürfnisse der Kirche Rücksicht genommen wird. Sie muß für die wegfallende fortlaufende staatliche Unterstützung entsprechend entschädigt werden. Unsere Kirche und unseren Glauben lassen wir uns nicht nehmen. Sollten aber die armen, leistungsschwachen Gemeinden ohne jede staatliche Beihilfe ihre Kirchen unterhalten, so müßten wir kirchentreuen sozialdemokratischen Arbeiter und Arbeiterinnen größere Steuern tragen, als je zuvor. Wir wollen auch nicht, daß unsere Geistlichen durch plötzliche Entziehung der staatlichen Zuschüsse der Not und dem Elend ausgesetzt werden. Ferner wollen wir, daß unseren Kindern die christliche Erziehung in der Schule erhalten bleibt. Mögen dort, wo es die Eltern wünschen, konfessionslose Schulen gegründet werden! Wenn in Gemeinden, die durchweg von kirchentreuen Männern und Frauen bewohnt werden, die religionslose Schule eingeführt wird, so ist dies keine Freiheit, sondern unerhörter Zwang. Alle gleichgesinnten Volksgenossen, besonders aber die kirchentreuen Parteigenossen, werden aufgefordert, für diese Ziele durch Eintritt in den Bund sich einzusetzen.“ Presse und öffentliches Gewissen. epd. Die„Frankfurter Ztg.“ hat dieser Tage folgende Erklärung veröffentlicht:„Die Tanzwut hat troyz aller Warnungen nicht nachgelassen. In zahllosen Ankündigungen wird zu Tanz=Tees, zu Tanz= und Unterhaltungsabenden, zu Maskenbällen und andern karnevalistischen Festlichkeiten eingeladen. Das Überhandnehmen solcher unzeitgemäßen Vergnügungen verletzt das Empfinden weiter Volkskreise. Die„Frankfurter Ztg.“ wird fernerhin weder im redaktionellen noch im Anzeigenteil von solchen„Vergnügungen“ Notiz nehmen“. In ähnlichem Sinne äußerten sich bereits die„Rhein. Westf. Ztg.“ und der„Bayerische Kurier“, der erklärte, daß er keine noch so hochbezahlten, von irgendwelcher Seite kommenden Tanzanzeigen mehr aufnehmen werde. Zugleich forderte er alle deutschen Zeitungen auf, das Gleiche zu tun. In diesen so vieles Dunkel bergenden Tagen ist es ein Lichtblick erfreulichster Art, daß Tagesblätter von so anerkanntem Ruf, gleichviel ob rechtsstehend oder freiheitlich gerichtet, sich in so nachdrücklicher Weise für die Wahrung von Ernst und Sitte und gegen den Mißbrauch der Freiheit zu verantwortungslosem Sichgehenlassen eintreten und dabei auch vor erheblichen finanziellen Ausfällen nicht zurückschrecken. Die Presse, die sich so oft in diesen Jahren ihres volkserzieherischen Berufes bewußt gezeigt hat, beweist damit, daß nicht allein der politische, sondern auch der moralische Wiederaufbau an ihr eine kräftige Stütze haben wird. * Die Auflösung der Reichsmarine. In der Marine vollzieht sich jetzt die weitere Entlassung von Mannschaften. In nicht ferner Zeit dürfte z. B. Kiel von den Blaujacken fast ganz entblößt und nur eine geringe Zahl von Freiwilligen zurückgeblieben sein. Viel Freude hat die Marine der Kieler Bevölkerung seit den ersten Novembertagen nicht mehr gemacht. Sie war aber einst die Haupterwerbsquelle für weite Kreise, das Rückgrat des gesamten einheimischen Wirtschaftslebens. Ihr Verschwinden hat sich bereits sehr empfindlich bemerkbar gemacht. ** Die Vergrößerungspläne Lübecks beginnen greifbare Gestalt anzunehmen. Lübeck will alle die umliegenden Gebiete sich auch politisch angliedern, die bereits wirtschaftlich zu Lübeck gehören. Das trifft besonders für das Fürstentum Lübeck zu. Ein Verbleiben dieses Gebietes bei Oldenburg ist ausgeschlossen. Die Bedingungen der Bevölkerung des Fürstentums sind: Verlängerung der Bahn von Gleschendorf-—Ahrensbök bis Gnissau, Bau einer Bahnkinie von Eutin nach Bosau(etwa 20 Kilometer) und der Bau von Kurhäusern am Timmendorfer Strande und in Gremsmühlen. Verschiedenes. epd. Amerikanisch, aber nachahmenswert! Nach Meldungen aus Remagen ließ der dortige amerikanische Stadtkommandant einige aus Köln eingetroffene Lebedamen aufgreifen und verurteilte sie dazu, das Arresthaus zu putzen und den Marktplatz zu segen. Das Mittel dürfte auch anderwärts heilsame Früchte zeitigen. Das originellste Buch des vergangenen Jahres ist: Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer. Von Johannes Gillhoff. Elegant gebunden" * und .50 und 10% Teurungszuschlag. Verpackungsgebühren exta. Porto Die Vorfriedenskonferenz. Die Schuld am Kriege. London, 5. März.(Reuter.) Der Korrespondent des „Daily Expreß“ meldet aus Paris, daß die Kommission der Juristen, die ernannt worden war, um die Frage der Schuld am Kriege zu untersuchen, entschieden hat, daß gegen ein Staatsoberhaupt nicht vorgegangen werden kann. Dieser Beschluß müsse indessen von der Gesamtfriedenskonferenz ratifiziert werden. Aufhebung der Blockade im Orient. Amsterdam, 5. März. Nach einer Meldung der Exchange=Tel.=Co. aus Athen hat der britische Admiral die Blockade von Kawalla, der bulgarischen Küste, der Dardanellen und Syriens aufgehoben. Der belgisch=holländische Konflikt. Amsterdam, 5. März. Wie der Pariser Korrespondent des„Handelsblads“ meldet, wird es hier als wahrscheinlich bezeichnet, daß die Friedenskonferenz, welche den belgischen Territorialansprüchen nicht gerade günstig gesinnt ist, die Revision des Vertrages von 1839 veranlassen, jedoch empfehlen wird, den Konflikt in gütlicher Weise und zwar durch direkte Verhandlungen zwischen Belgien und Holland zu regeln. Ablehnung des Völkerbundes durch die amerikanischen Staaten? Notterdam, 5. März.„Times“ meldet aus New York: Lansing teilte im Senat die Ablehnung des Wilsonschen Völkerbundes durch sämtliche mittel= und südamerikanischen Staaten mit. Annahme der Sozialisierungsvorlage im Staatenausschuß. Weimar, 5. März. Der Staatenausschuß hat die Sozialisierungsvorlage mit geringfügigen Anderungen angenommen. Gas den Ingalt verantwortlich! W. urna, Beigel. Drusk und Verlag: Druckerei Beidel bei Bielefeld, Ferurnf 11, Amt Steiofel 10 A für großere Gemeinde z. 1. April gesucht. Angebote mit Photographie und Gehaltsansprüchen unter C. P. 358 an die Exped. d. Zeitung. prächtige Werk kann nicht warm genug empfohlen #. Seine lernige Frische, sein fröhlicher Humor, seine uubrese ahrheitsliebe und seine echte, allem Schein= und Phrusenwesen abholde Frömmigkeit haben es zu einem Freund weiter Kreise gemacht. Die glänzende Beurteilung durch die Presse, und zwar gerade durch die evangelisch=christliche, ist ein weiteres Zeichen für den Wert des Buches; so hat z. B. die Zeitschrift„Licht und Leben“ ganze Abschnitte des Buches gedracht, um es allen ihren Lesern möglichst warm zu empfehlen. Ein schöneres Geschenk gibt es nicht! 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