Erscheint wöchentlich siebenmal.* Abonnementspreis durch die Post bezogen und durch den Briefträger ins Haus gebracht: für 5 Monate 1.92 Mk., für 2 Monate 1.26 Mh., für 1 Monat 64 Pfg.; von aer Poll abgeholt: für 3 Monate 1.50 Nk., für 2 Monate 1 Mk., für 1 Monat 50 Pfg., durch unlere Boten in der Stadt bestellt: pro Quartal 1,70 Mk.# Bestellungen nimmt jeckes Postamt und jeder a B B n n e s s L a n d b r i e f t r ä g e r e n t g e g e n. a a n a a u n n Auflieferung gröherer Anzeigen tagsvorher bis 12 Uhr vormittags kleinerer ois 8 Uhr abends.# Größere Anzeigen für die Sonntags- Ausgabe bis Freitag e Uhr abends, kleinere bis Samstag 10 Uhr vormittags.## Anzeigenpreis für die oder deren Raum 20 Pfg., für Paderborn 15 Pfg.* Reklamezeile 30 Pfg.4 Beilagegebühr nach Übereinkunkt.# Bei zwangsweiser Eintreibung von Gebühren durch a n Klage, Konkurs etc. wird der für Aufträge bewilligte Rabakt hinfällig. Wöckentliche Beilagen: Sonntags-Plauderer Sonntags-Feier= Praktischer Rataeber für die Landwirtschaft ekc. N. 200. kernsprech-Anschluß Nr. 16. Paderborn, Mentaa. 27. Juli 1900. Gelchäftsstelle. S Hierzu Praktischer Ratgeber. Abonnements auf das „Westfälische Volksblatt“ für die Monate August und September werden fortwährend von allen Postanstalten und Briefboten zum Preise von K ETS nur 1 Mark entgegengenommen. Zur Wiederherstellung der türkischen Verfassung. Die gesamte türlische Presse begrüßt die Wieder herstellung der Verfassung mit Jubel und dankt dem Sultan mit dem Hinweis darauf, daß die Entwicklung keine blutigen Opfer gefordert habe. Die Blätter veröffentlichen die Verfassung sowie das im Jahre 1876 an Midhat Pascha erlassene bezügliche Restript. Im Auslande findet der Entschluß des Sultans ebenfalls allgemeine Billigung. Die englischen und französischen Blätter, die die Hetze gegen Deutschland gewerbsmäßig betreiben, wollen ihn als ein Fiasko des deutschen Einflusses in der Türkei auslegen. Die Gründe, die sie dafür anführen, sind ganz fadenscheinig und an den Haaren herbeigezogen. Die wesentlichen zur Sache vorliegenden Depeschen lauten: Konstantinovel. 25. Juli.(Wiener Korr.= Bureau.) Von den aufrichtigen Freunden der Pforte wird allgemein bedau ert, daß die Wiederherstellung der Verfassung so spät erfolgte und daß man der Verkündung der Verfassung durch die Jungtürken nicht zuvorgekommen sei und sich hierdurch nicht das Verdienst der freiwilligen Verleihung gesichert habe. Andeverseits muß jedoch festgestellt werden, daß sowohl die maßgebenden türkischen als auch die diplomatischen Kreise mit sehr wenigen Ausnahmen die jungtürtische Pro paganda und die Bewegung im dritten Korpsbereiche unterschätzten. Nur einzelne hatten den Ernst der Lage erkannt und bald nach Beginn der Bewegung— allerdings vergebens— als einziges Heilmittel die Ver leihung der Verfassung angeregt. Zurzeit sind zweisel los die Truppen und die Mohammedaner Herren von Mazedonien. Natürlich sind hierdurch die europäischen Reformprogramme und Reformak= tionen vorläufig ganzlich beiseite geschoben. Aus der großen Fülle der letzten Ereignisse ist hervor zuheben, daß in Monastir und anderen Orten alle Gefangenen aus den Gefängnissen freigelassen wurden. Der Beschluß, daß die Verfassung verliehen werden sollte, wurde vorgestern in einem außerordentlichen Ministerrat im Jildiz, der von 3 Uhr nachmittags bis 11 Uhr abends dauerte, gefaßt und sanktioniert. Athen, 25. Juli. Die gesamte Presse begrüßt mit Befriedigung die Veränderung in den politischen Ver hältnissen der Türkei und drückt die Meinung aus, daß, wenn der Uebergang zum liberalen Regime ehrlich gemeint ist, das griechische Element darin nur eine Gelegenheit zu günstigerer politischer Entwicklung finden kann. Das Blatt Embros beglückwünscht den Sultan zu seinem schnellen und vernünftigen Entschluß. Patris hebt den friedlichen Charakter der Bewegung hervor und konstatiert die sympathische Haltung der grie chischen Bevölkerung gegenüber der Bewegung. Neon Asty betont die Tachtsache, daß der griechische Metropolit in Monastir bei der Versammlung, in der die Konstitution verkündigt wurde, anwesend war. Akropolis bemerkt, die Türkei verspreche in eine neue Aera einzutreten, in welcher die Reformen auf alle Völker, die im ottomanischen Reiche wohnen— einschließlich der Türken— werden aus gedehnt werden und Scrip, Chronos, Athinai, Kiros drücken ähnliche Ansichten aus. Nachrichten aus sicherer Quelle melden, daß in ganz Mazedonien vollkommene Ordnung hrshe. In Monastir fanden Freudenseste statt. Die griechische Bevölkerung hielt eine große Versammlung ab, in der die Proklamierung der Konstitution mit Enthusiasmus begrüßt wurde. In Serres erfolgte die Proklamierung in Gegen wart einer Menge von 15000 Menschen. Die kirchlichen Oberhäupter wohnten dem Akte bei. Nach der Vor lesung des Irades umarmten sich unter dem frenetischen Beifall der Menge der griechische Metropolit und der bulgarische Oberpriester. Der Metropolit hielt eine An sprache an die Menge, in der er die Hoffnung ausdrückte, die Gewährung der Konstitution durch den Sultau werde allen Seiten Friede und Glück verleihen.— Eine voll ständige Beruhigung der Bevölterung ist zu bemerken. Die Führer der städtischen und der kirchlichen Körper schaften sandten eine gemeinsame Depesche an den Sul tan. Manisestanten durchzogen mit einem Musitkorp## an der Spitze die Stadt und begrüßten die Konstitution. Vor dem griechischen Konsulat stimmte die Musik die griechische Nationalhymne an, und die Menge brach in lebhafte Hochrufe auf die Freiheit aus. Mhrere Offiziere besuchten den griechischen Konsul. In Saloniki gingen ähnliche Kundgebungen vor sich. Der Bürgermeister von Saloniki hielt eine Ansprache an die Menge und ver kündete, daß ein Platz der Stadt den Namen Freiheits platz erhalten sollte. Petersburg, 25. Juli. Infolge der Wieder herstellung der türkischen Verfassung sollen die englisch russischen Reformvorschläge betreffend Mazedonien vorlaufig zurückgezogen werden. Berlin, 25. Juli. Der hiesige türkische Botschafter Tewfik Pascha sprach sich über die Verfassungs erneuerung dahin aus, er glaube, daß das tür kische Parlamentarbeitsfähig sein und alle Hoff nungen erfüllen werde.„Haben wir doch unsere Armee, auf die wir stolz sind, weil sie nicht allein die Trägerin aller unserer intellektuellen Bestrebungen, sondern auch durchdrungen ist von Patriotismus und militärischem Geiste, den sie nicht zum geringsten Teile dem schönen Vorbilde der deutschen Lehrmeister verdankt. Sie wird es auch sein, die dem Reiche den inneren wie den äußeren Frieden zu wahren verstehen wird. Ich stehe daher nicht an zu sagen: Wir gehen einer glückverheißenden Aera unseres Reiches entgegen!“ Konstantinovel. 25. Juli. Der Sultan har ein Jrade erlassen, durch das politische Gefangene, soweit sie nicht wegen Morddes verurteilt wurden, amnestiert und die Zensur und die Geheimpolizei aufgeho ben werden. anSm Auf sechs Milliarden Mark veranschlagt ein in der militärischen Fachliteratur als Autorität geltender Ossizier, der General der Infanterie 3. D. von Blume für Deutschland die Kosten, welche ein Jahr in einem Kriege der Jetztzeit erfordern würde, wobei der ganz enorme Wert der Naturalleistungen, zu denen das Volk in solchem Falle nach dem Gesetz herangezogen würde, nicht eingerechnet ist. Diese recht bemerkenswerte Darlegung findet sich in einer Studie, welche der genannte General in den neuesten vom preu ischen Großen Generalstabe herausgebenen„Vierteljahrs heften für Truppenführung und Heereskunde“ veröffentlicht. Sie trägt den Titel:„Inwiefern haben sich die Bedingungen des Erfolges im Kriege seit 1871 verandert?“ und findet nicht nur in militärischen Kreisen, sondern auch in der Tagespresse des In= und Auslandes Beachtung. Aus dem Gedanken gang des Aufsatzes entnehmen wir nachfolgende Angaben von allgemeinem Interesse: Zunächst wird die außerordentliche Umwandlung erörtert, welche das Kriegswesen seit dem deutsch=französischen Kriege von 1870=71 durch den Aus bau der Heeresorganisation sämtlicher Staaten und den Aufschwung der Technik auf allen Gebieten— Bewaff nung, Wafsenwirkung, Verkehrswesen, Nachrichtenmittel - erfahren hat. 37 Jahre ungestörten Friedens haben keine Gelegenheit geboten, die Schlagkraft unseres Heeres u erproben, ein Umstand, der das eifrige Studium der in Frage kommenden Verhältnisse in erhöhtem Maße zur Pflicht macht, um zu praktisch richtigen Schlüssen zu gelangen— der recht empfindliche Aderlaß, der uns zwei bis drei Jahre lang in Südwestafrika beschieden car, und ohne englische Unterstützung vielleicht noch heute tein völliges Ende gefunden hälte, wird nicht in Rech gung gezogen, da es sich dem Verfasser offenbar nur um die Erscheinungen des großen Klieges handelt. Ein solcher wird in Zulunft— im wesentlichen von England abgesehen, welches noch nicht zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht geschritten is, sondern mit seiner bislang verunglückten Haldaneschen Hecresreform auch weiterhin in dieser Beziehung rückständig bleibt— auf beiden Seiten den Kern der gesamten Nation ins Feld führen, während wir 1866 und 1870=71 noch Heeren von minderstarker Verfassung gegenüberstanden. Hier durch wird naturgemäß die Zahl der Streiter weil größer, sein, in Deutschland insbesondere vermehrt durch die in zwischen erfolgte Ausdehnung der Landwehrpflicht um sieben Jahre, sodaß im ganzen neuntehn Jahrgänge— ausschließlich des Landsturmes— zur Verfügung stehen. Während 1870=71 die Verpflegungsstärke der deutschen Streitmacht— Feldheer, Ersatz= und Besatzungstruppen, aber ohne Offiziere— 1 183389 Köpfe betrug, wird die jetzige Organisation gegebenenfalls etwa 4¾4 Millionen militätisch ausgebildeter Leute aufstellen können. Dieses ungeheure Menschenaufgebot und seine Wamaffnung nach den neuesten Forderungen der Technik werden— so führt die Schrift aus— eine Erhöhung der Kampfintensitai zur Folge haben.„Mit der Stärke der Machtmittel, die im Kriegsfalle aufeinanderstoßen, ist unvermeidlich eine Steige rung des gewaltsamen Charakters und der Folgewirkungen des Krieges verbunden. Daran vermag auch der Kultur fortschritt nichts zu ändern. Ist er doch vielmehr eine wesentliche Ursache der gesteigerten kriegerischen Macht entsaltung der Staaten, indem die höhere Kultur nach stärkerem Schutz verlangt, wie diese auch die vervoll kommneten Vernichtungswerkzeuge liefert. Ein humani tärer Gewinn ergibt sich gleichwohl daraus; er besteht rm Zühenplatz s. 60. Juhrzang. in der Erschwerung des Entschlusses zum Kriege. Aus geringfügigen Ursachen werden Kulturstaaten, indem sie die allgemeine Wehrpflicht angenommen haben, nicht mehr Krieg gegen einander führen.“ Letztere Erwägung bietet, bei den sonst nach keiner Richtung hin erfreulichen Ausblicken, wenigstens einen gewissen Trost, aber auch den einzigen. Denn es wird dann weiter ausgeführt, daß die viel vertretene Ansicht, mit der Vervollkommnung der Waffen würden die Gefechtsverluste nicht zu=, sondern abnehmen, nach den Erscheinungen im mandschurischen Kriege mindestens in ihrer Allgemeingiltigkeit zweifelhaft erscheine. An Toten und Verwundeten verloren die Japaner in den vier großen Schlachten dieses Krieges 20,4 Prozent, die Russen 16,7 Prozent, wogegen sich die Verluste der Deutschen in den 18 großen Schlachten des Feldzuges von 1870=71 auf 7 Prozent bezifferten. Allerdings ist dabei zu berücksichtigen, daß es sich hier lediglich um Feldschlachten handelte und in den Monaten nach Sedan die kriegsgeübten deutschen Truppen in der Hauptsache ei#g aufgestellten Neuformationen gegenüberstanden, mit denen sie verhältnismäßig leichtes Spiel hatten. Die Schlachten von 1904—05 hingegen zeigen hartnäckige Positionskämpfe zwischen einem Angreifer, der um jeden Preis siegen wollte und sich durch Menschenopfer von keiner Schwierigkeit abhalten ließ, und einem Verteidiger, der im Festhalten große Standhaftigkeit zeigte. Das Bilk, welches der Verfasser von den Gefechtserscheinungen in einem künftigen Kriege entwirft, schließt sich in wesentlichen den in der Militärliteratur in überreichem Maße hierüber vorhandenen Schilderungen an. Die große Schußweite und Treffsicherheit, die fast bis zur Grenze des Möglichen gesteigerte Feuergeschwindigkeit der heutigen Schnellfeuerwaffen in Verbindung ait dem rauchschwachem Pulver zwingen dazu, kein Mittel außer acht zu lassen, welches die Kämpfer den Blicken des Gegners entzieht. Daher Entwicklung der Massen auf weite Entfernungen und Ausnutzen aller Geländedeckungen in einer Weise, welche für das dadurch entstehende Bild in der Fachliteratur das Schlagwort von der „Leere des Schlachtfeldes“ hat entstehen lassen. Daß damit die Schwierigkeit der Führung einerseits und der Wert guter Ausklärung andererseits wächst, ist ebenso erklärlich, wie das durch letzteren Umstand geförderte Bestreben der Techni? in der Herstellung von Beobachtungsmitteln aller Art, insbesondere auch vorzüglicher Fernrohre(Scheren=, Panoramafernrohre) Fortschritte zu machen. In dieses Kapi el fällt auch die militärische Bedeutung der Luftschiffahrt. Ehe es daru kommt, daß die Worte des Verfassers in die Tat umgesetzt wetden, dürfte noch eine geraume Zeit vergehen. Er sagt:„Wo der Feldherr bieher im Dunkeln tastete, wird er nicht immer, aber oft nals die Verhältnisse bei Freund und Feind, wie die Figuren auf einem Schachbrett, vor Augen haben. Und wir dürfen uns nicht verhehlen, daß den größeren Nutzen hieraus die Defensive ziehen wird, da die Ueberlegenheit der Offensive wesentlich auf den Moment der Ueberraschung, auf der Unsicherheit beruht, in die der Verteidiger durch die Abhängigkeit vom Handeln des Gegners versetzt wird.“ Wir haben bei der Besprechung der Zeppelinschen Erfolge bereits eingehend unsere Auffassung über den Wert des Kriegsluftschiffs in seinem jetzigen Stadium dargelegi, die bald nachher durch das Mißgeschick der beabsich tigten Mainzer Fahrt— im Interesse der Sache zu unserm Bedauern— volle Bestätigung fand. Endlich ist der Kosten in einem zukünftigen Kriege gedacht und dabei hervorgehoben, daß sie sich infolge Denn alle Schuld rächt sich auf Erden. Roman frei nach dem Italienischen 27 von Erich Friesen. Die beiden Herren schütteln einander die Hände, und weiter jagt die Carrozzella gen„Tusculum“. Nachdem der Oberst von der Dienerschaft die jetzige Adresse des Marchese Conti erhalten, fährt er schon mit dem nächsten Zug nach Rom, wo er im„Hotel Quirinal“ von seinen Töchtern und Orlando mit offenen Armen empfangen wird. Auch Angela scheint sich über seinen Besuch zu freuen. Nur zerstiebt diese Freude sehr schnell, als der Oberst schon nach der ersten Viertelstunde des Zusammenseins sein Befremden darüber äußert, daß seine Nichte ihm niemals von ihrer schweren Erkrankung auf Madeira erzählt habe. „Ich? Krank?... Wieso?“ „Ich hab' es aus bester Quelle, Angelina. Von deinem damaligen Arzt. Dr. Fesca.“ Angela ist schon so sehr an derartige Ueberraschungen gewöhnt, daß sie gar nicht mehr erschrickt, noch viel weniger die Farbe wechselt. Nur einen Stich im Herzen fühlt sie— einen solch schmerzhaften Stich, daß sie die Hand krampfhaft auf die Brust preßt. „Dr. Fesca war der Arzt meiner Freundin, nicht der meinige,“ erwidert sie kurz.„Es ist eine Verwechslung.“ „Merkwürdig. Dr. Fesca sagte, Fräulein Robinson sei ein gesundes, kräftiges Mädchen gewesen, während du—“ Kleine Pause. Aller Augen sind auf Angela.gerichtet. „Ach richtig! Ich hatte mich einmal erkältet— jetzt entsinne ich mich!“ lacht Angela, indes ihre Zähne wie im Fieberfrost aneinander klappern. Pia, deren große Augen unverwandt auf Angela gerichtet sind, steht jetzt plötzlich auf. „Mir scheint, ihr spielt Blindekuh miteinander,“ sagt sie spöttisch, und ihre Stimme klingt kalt und hart wie scharfgeschliffener Stahl.„Wer war nun eigentlich sehr frank— du oder Fräulein Robinson? Der Arzt sagt— Fräulein Morgand. Du sagst— Fräulein Robinson. Wer spricht nun die Unwahrheit?“ „Liebe Pia, sei in deinen Ausdrücken etwas wähle rischer!“ zürnt der Oberst.„Hier kann doch nur von einer Tatuschung, einer Verwechslung die Rede sein, aber niemals von einer beabsichtigten Unwahrheit!“ „Nun wohl— wenn du es wünschest, Vater! Also — wer täuscht sich: Angelina oder Dr. Fesca?“ Angela, welche während des ganzen Gesprächs am Fenster gestanden und mit den Blättern eines vollerblühten Nosenstocks gespielt hat, wendet den anderen jetzt ihr bleiches Gesicht zu. „Mir scheint, Dr. Fesca irrt sich, da meine arme Freundin Angela Robinson tot und begraben ist,“ lächelt sie, mit einem traurigen Versuch,###scherzen. Damit ist vorläufig die Diskussion beendet und man begibt sich gemeinsam in den großen Speisesaal, da die Hotelglocke soeben zum Abendessen bimmelt. Doch Dr. Fescas Unterredung mit dem Oberst hat allgemeine Erregung hervorgerufen. Angela fühlt sich unter einem Kreuzfeuer von Blicken. Pias Augen sunkeln spöttischer denn je zu ihr herüber, und in Orlandos schönen Zügen steht deutlich Angst und Sorge geschrieben.— Am folgenden Morgen— unsere kleine Gesellschaft ist gerade beim Frühstück in ihrem Privatsalon— klopft es an der Tür. Auf silbernem Tablett überreicht der Diener Angela eine Visitenkarte. „Der Herr wünscht Sie zu sprechen, Frau Marchesa.“ Der Diener steht, auf Antwort wartend, an der Tür. Aber kein Laut kommt von Angelinas Lippen. Schweigend, mit weit geöffneten Augen, starrt sie auf die breite Visitenkarte in ihrer Hand. „Wer ist es, Liebste?“ fragt Orlando verwundert, ihr über die Schulter blickend.„Ah— Dr. Fesca. Wie liebenswürdig von ihm, uns hier aufzusuchen! Er wird sist freuen, seine frühere Patientin so frisch und blühend wiederzusehen. Soll ich ihn heraufrufen lassen?“ Da kommt Leben in die stille Gestalt. Sie springt empor und umschlingt krampfhaft ihren Gatten. „Um Gotteswillen, nein!“ flüstert sie bebend vor Erregung.„Ich kann ihm nicht sehen. Geh' du hinunter zu ihm! Entschuldige mich! Sage, was du willst! Aber schaff' den Menschen fort aus dem Hotel!“ Beruhigend streichelt Orlando das goldigglänzende Köpfchen. Dann wendet er sich zu dem Diener, der noch immer wartend an der Tür steht: „Sagen Sie dem Herrn, ich ließe ihn bitten, mich unten im Konversationszimmer zu erwarten. Ich komme sofort.“ „Sehr wohl, Herr Marchese.“ Der Diener zieht sich zurück. Angelas eigentümliches Betragen hat seine Wirkung nicht verfehlt. „Darf ich dich linunter begleiten, Orlando?“ fragt Pia ernst.„Ich möchte gern deiner Unterhaltung mit Dr. Fesca beiwohnen.“ Doch Orlando schüttelt den Koof. „Wozu, liebe Pia? Die Unterredung wird nicht lange dauern.“ „Auch wirst du ihn doch zum Mittagessen einladen, nicht wahr, Angelina?“ ruft die kleine Carmela. „Nein.“ Nur dies eine Wort erwidert Angela. Aber aus ihm spricht der ganze Haß, den sie gegen den[Mann da unten empfindet. „Nicht? Warum nicht?“ „Weil ich nicht will.“ „Merkwürdig! Höchst merkwürdig!“ spottet Pia. Die Nöte des Unwillens steigt Orlando in die Stirn. „Ich bitte euch nochmals. Angelina nicht zu quälen!“ sagt er mit bei ihm ungewohnter Heftigkeit.„Ihr seht doch, sie ist krank und leidet! Ich gehe jetzt hinunter. Leb' wohl für wenige Minuten, mein Lieb!“ Er küßte seine Frau innig und schreitet dann etwas mißvergnügt die Treppe hinab ins Konversati onszimmer. Die Begrüßung der beiden Männer ist eine überaus höfliche, fast kordiale. Mit ein paar Worten drückt Orlando Dr. Fesca sein Bedauern aus, daß seine Frau ihn heute nicht empfangen könne, da sie nicht ganz wohl sei. „Also ist Ihre Frau Gemahlin doch noch immer nicht ganz gesund?“ fragt der Arzt schnell. „Sie ist nicht gerade krank, nur überaus nervös und wechselnden Stimmungen unterworfen. Wäre es Ihnen unangenehm, Herr Doktor, wenn wir beide einen kleinen Spaziergang mitetnander machten? Ich möchte einige Fragen an Sie stellen.“ „Mit Vergnügen, Herr Marchese.“ Wie die beiden Männer gleich damach das Hotel verlassen und langsam, in eifrigem Gespräch die Via Nazionale entlang schlendern, schiebt dort oben an einem breiten Fenster der zweiten Etage eine zitternde Hand die schweren Seidenvorhänge beiseite. Ein bleiches Frauen antlitz mit schmerzvoll verzogenen Jügen blickt den sich allmählich Entfernenden starr nach. „Was wird er ihm sagen? Was wird er ihm sagen?“ haucht es leise in Todesangst von den bebenden Lippen. „O mein Gott! Mein Gott!“ Inzwischen sind die beiden Herren in eine stillere Nebenstraße eingebogen. Die Unterredung zwischen ihnen muß eine sehr ernste sein; denn als sie eine halbe Stunde später ins Hotel zutückkehren, ist Orlando aufsallend bleich. Sofort eilt er in den kleinen Privatsalon, der die Flucht von Zimmern, welche der Marchese Conti im „Hotel Quirinal“ innehat, abschließt. Doch Angela ist nicht anwesend. Nur Pia liegt im Schaukelstuhl, anscheinend in einem Buche lesend; doch blicken ihre ernnen Augen über die Seiten hinweg durch's Fenster hinaus ins Weite. „Ak, Pia!“ ruft Orlando hastig.„Wo ist Angelina?“ „Wahrscheinlich in ihrem Zimmer.... D. Orlando! Orlando! Was soll daraus werden?“ Das sonst so ruhige, vernünftige Mädchen hat für einen Augenblick die Selbstbeherrschung verloren. Fasz wie ein Schrei ringt es sich von ihren Lippen „Woraus werden?“ erwidert Orlando, und sein kühler Ton sticht seltsam ab von Pias leidenschaftlich erregten Worten.„Ich verstehe dich nicht.... Aber einmal mußt du es ja doch wissen, warum alfe nicht sogleich: meine arme Angelina trägt den Keim der Schwindsucht in sich. Ihr jetziges anscheinendes Wohlbefinden kann nicht von Dauer sein.“ Leise lacht Pia auf. „O Orlando! Orlando! Du großes Kind! Angelina ist genau so gesund wie du und ich.“ „Dr. Fesca denkt anders darüber.“ Hm—“ Pia schüttelt halb mitleidig, halb überlegen den Kopf. Dann läßt sie sich wieder in den Schaufelstuhl fallen und nimmt ihr Buch zur Hand. Auch Angelas Zimmer ist leer, und Jeanette erklärt auf Orlandos Befragen, ihre Herrin sei vor kurzem ausgegangen. Mit diesem Bescheid kehrt Orlando ins Konversatione# zimmer zu Dr. Fesca zurück. Etwas unmutig zuckt der Arzt mit den Achseln, verspricht sein Wiederkommen in wenigen Tagen und verabschiedet sich von Orlando. Als seine gedrungene Gestalt hinter der Tür ver# schwunden ist, atmet Orlando erleichtert auf. Eine gewisse Erregung, etwas forschend Geheimnisvolles in dem Wesen des Arztes har bei ihm ein beklemmendes Gefühl erweckt. Gut, daß er fort ist!— Nach etwa zwei Stunden, kurz vor dem Mittagessenkehrt Angela von ihrem Ausgange zurück. (Forts. felgt.) der Vermehrung der Streitkräfte und der mannigfachen Kriegshilfsmittel zu einer Höhe steigern werden, an welche die Belastung, die früher ein Krieg mit sich brachte, nicht annahernd heranreicht. Im Feldzuge 1904.05 betrugen die Kosten für die Russen nach amtlichen Quellen 4605 Mill. Mark, für die Japaner nach schätzungsweiser Errechnung 2424 Mill. Mark. Das Fazit der vom Verfasser gemachten Veranschlagung der Jahreslosten für Deutschlands jetzige Streitmacht in einem Kriege ist die eingangs angegebene Summe von sechs Mil liarden. Ein erwünschteres Agitationsmaterial als diese Darlegung konnte der Sozialdemokratie zur Begründung ihrer internationalen Friedensbestrebungen kaum geboten werden, da dieser Punkt ihres Parteiprogramms gerabe jetzt lebhaft in der Oeffentlichkeit zu Kundgebungen ausgenutzt wird. Erst kürzlich fand in Berlin eine solche statt, welcher am 1. August eine gleiche Demonstration zu Gunsten des Völkerfriedens in London auf dem Trafalgar=Square folgen wird. Politische Tagesnachrichten. Berlin, 26. Juli. Wie hiesigen Blättern mitgeteilt wird, weisen jetzt die drei höchsten Beamten des Reichsschatzamtes, Staatssekretär Sydow, der die laufenden Geschäfte weiterführt, Unterstaatssekretär Twele und Direktor Kuehn, auf Urlaub, von dem sie Ende August zurückgekehrt sein werden. Gegenwärtig sind nur die Grundlagen eines Entwurfes zur Reichsfinanzreform vorhanden, und anfangs September sollen dann die Beratungen wieder ausgenommen werden, die zu einer endgültigen Festsetzung führen sollen. Man gedenkt vorher noch mit einigen Parlamentariern zu konferieren, und dann wird man den Entwurf vor seiner Vollendung auch dem preußischen Staatsministerium vorlegen. Eine allgemeine Verständigung mit den Bundesregierungen ist bereits gefunden worden. Es ist damit zu rechnen, daß die Reichsfinanzreform Ende September, spätestens anfangs Oktober dem Bundesrat unterbreitet werden wird, wo sie dann sofort durchberaten wird, um die rechtzeitige Vorlegung im Reichstage bei dessen Zusammentritt zu ermöglichen.— Die Meldung über die beabsichtigte Einführung einer Wehrsteuer bestätigt sich nicht. * Ein Denkmal für Eugen Richter. Der am 10. März 1906 verstorbene Führer der Freisinnigen Volkspartei soll in der Hauptstadt ein Denkmal erhalten. Das Eugen Richter=Denkmal wird auf einem öffentlichen Platze errichtet werden: von seiten der Regierung wird, wie sicher verlautet, ein Widerspruch hiergegen nicht erfolgen, da die Freisinnigen als Gegenleistung erhebliche Steuerbewilligungen versprochen haben sollen. Inzwischen hat das Grab Eugen Richters auf dem Luisenstädtischen Kirchhof in der Bergmannstraße einen einfachen Gedenkstein erhalten. Neben ihm schlummert die Gattin, die ihm bald nach seinem Hinscheiden in den Tod gefolgt ist. * Unterstaatssekretär v. Lindequist tritt seine Reise nach Deutsch=Ostafrika zum Studium der Besiedelungsmöglichkeit am 10. August an. * Der preußische Eisenbahnminister hat in Beantwortung einer Eingabe des Verbandes deutscher Tiefbauunternehmer wegen Beschäftigung ausländischer Arbeitskräfte, laut der Deutschen Tiefbauzeitung, einen Bescheid erlassen, der es den Unternehmern ausdrücklich anheimstellt, ihren Bedarf an Arbeitern durch Heranziehung ausländischer Arbeiter zu decken. Lindau, 26. Juli. Das Deutsche Kronprinzenpaar stattete heute mittag dem König und der Königin von Württemberg in Friedrichshafen einen Besuch ab. Paris, 25. Juli. In hiesigen gutunterrichteten Kreisen ist gegenüber den Meldungen verschiedener Blätter nichts davon bekannt, daß das Reiseprogramm des Mi nisters des Aeußern Pichon eine Abänderung erfahren hätte. Es stehe fest, daß der Minister nach der Entrevue von Reval sich in Begleitung des Präsidenten Fallières nur nach Christiania begeben werde. Auch eine Reise Pichons nach der Rückkehr von seiner skandinavischen Reise stehe bisher nicht in Frage. San Sebastian, 26. Juli. Gegen das karlistische Blatt Correo de Guipuscoa ist wegen der Veröffentlichung eines Artikels unter der Ueberschrift„Der Mann, den wir brauchen“ ein gerichtliches Verfahren eingeleitet worden. In diesem Artikel waren Erklärungen wiedergegeben, mit denen der karlistische Parteiführer und De putierte Mella in einer gestern in Zumarraga abgehaltenen Versammlung von 15000 Karlisten Don Jaime und den Karlismus verherrlicht hatte. Zeitungsmeldungen aus Bilbao versichern. Don Juime habe der Versammlung in Zumarraga beigewohnt. Die Behörden der gasconischen und navarresischen Prorinzen erklären, die Bewegung sei ohne Bedeutung und bezwecke nur, die Parteigänger des Prätendenten in Atem zu halten. Merok, 25. Juli. Der heutige Tag wurde vom Kaiser zu einer Karriolfahrt nach Djukvand, einem tausend Meter hoch gelegenen Gletschersee, kenutzt. Das Frühstück wurde bei herrlichem Wetter auf dem Rendezvousplatze in Zelten eingenommen. Den Rückweg legte der Kaiser größtenteils zu Fuß zurück. Merok, 26. Juli. Der Kaiser wird Montag nachmittag die Heimreise von Bergen aus antreten. Das Eintreffen in Swinemünde erfolgt voraussichtlich Mittwoch vormittag. * Ein Telegramm aus Merok vom 26. Juli meldet: Seine Majestät der Kaiser hielt heute früh 10 Uhr den Gottesdienst ab. Die Weiterreise nach Bergen erfolgt heute nachmittag 4 Uhr. An Bord alles Provinzielles. Nieheim, 25. Juli. Auf einer hiesigen Ziegelei wurde einem Arbeiter aus dem benachbarten Vergheim das rechte Bein abgesadren. Der Verunglückte wurde sofort ins hiesige Krankenhaus gebracht. 1 Lippstadt, 22. Juli. In einer Versammlung, welche au Einladung des Herrn Dechanten gestern hier stattfand, entschieden sich die anwesenden Herren für eine monatliche zwanglose Zusammenkunft. Es soll, wie das ja üblich ist, auch regelmäßig ein Vortrag gehalten werden; die Wahl des Gegenstandes ist in das Belieben des Vortragenden gelegt. Da von„wissenschaftlicher Konferenz" zu schreiben (Westf Volksbl. Nr. 195), ist der bisherigen entsernten Vorbereitung nicht entsprechend. Arusbera, 25. Jnli. Die am Sonntag verhafteten Wilderer sind, weil kein Fluchtverdacht vorliegt, aus der Haft entlassen worden. Solingen, 25. Juli. Nachdem alle Versuche zur Verschmelzung der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Solinger Bank mit irgend einer Großbank gescheitert sind, ist heute mittag der Konkurs der Bank beim hiesigen Amtsgericht angemeldet worden. Der Aussichtsrat hofft, so am besten die Schwierigkeiten der Bank zu beseitigen. (2) Emden, 25. Juli. Auf den Nordseewerken ereignete sich ein schwerer Unglücksfall, wobei der Montagemeister Zimmermann aus Tönning einen schrecklichen Tod fand. Man war mit dem Eineetzen der Schraubenwelle für einen Dampfer beschäftigt, als die sie tragenden Böcke nachgaben und der Genannte unter das schwere Eisen zu liegen kam, das ihn buchstäblich vlatt quetschte. Zimmermann hinterläßt Frau mit drei kleinen Kindern. Lokales. Vaderborn, 27. Juli. Das Fest des hi. Liborius wurde am Samstag mit der Aussetzung der Reliquien des Stiftspatrones im Tome bei starker Teilnahme des Volkes von hier und auswärts feierlich eröffnet, am Sonntag hielt, nachdem er bei der Prozession das Allerheiligste getragen, der hochwürdigste Bischof Wilhelm das festliche Pontifikalamt und schloß daran eine Predigt über das Gebet, das in der christlichen Familie die Arbeit beginnen und begleiten müsse, namentlich wies er auf die hohe Bedeutung des gemeinsamen täglichen Gebete: hin. Bei der starken Hitze war die bis über 11¼ Uhr, einschließlich des päpstlichen Segens dauernde Feier eine sehr anstrengende Aufgabe für den hochwürdigsten Herrn, der sie indessen in vollster Frische zu Ende führte. Der Dom war vollständig gefüllt, trotzdem waren die übrigen Kirchen mindestens ebenso stark besucht, wie an anderen Sonntagen. Auch die Pontifikalvesper sah den Dom dichtgedrängt voll von Gläubigen. * Auf dem Liboriberge sieht es im wesentlichen aus, wie in den Vorjahren, Buden aller Art haben sich eingefunden, darunter dort, wie auch auf dem Domplatze, solche, die seit Jahrzehnten den Liborimarkt beziehen. An Schauund Kauflust scheint es nicht gesehlt zu haben. Der Zustrom von auswärts war recht stark. Ueber die Mordtat beim Haxterarunde, die Person des Ermordeten, den oder die Täter gehen in der Stadt zahlreiche Gerüchte um, die indessen samt und sonders der Begründung entbehren. Die Persönlichkeit des Toten ist noch nicht identifiziert, jedoch scheinen Anhaltspunkte dafür gesunden zu sein, die dann voraussichtlich auch für die Täterschaft Winke geben werden. Das Gerücht, es sei bereits eine Verhattung erfolgt, entbehrt der Begründung. Das Publikum in der Stadt und Umgebung hat einen sehr dankens werten Eiser entwickelt, um der Kriminalpolizei, die sich die größte Mühe zur Aufhellung des myteriösen Verbrechens gibt, zu diesem Zwecke Winke zu verschaffen. Neuerdings wird aus Buer bei Recklinghausen privatim gemeldet, daß dort ein junger Schmiedegeselle vermißt wird, der die hiesige Gegend(Detmold, Lippstadt usw.) bereiste, und dessen Vater ihm zum 14. d. M. eine kleine Geldsumme postlagernd nach Paderborn sandte, die indessen nicht abgehoben ist. Hierfür hätte der Betreffende Legitimation nötig gehabt, die der Tote nicht oder nicht mehr hatte. Das Papier, in welches die Kra en des Toten gewickelt waren, stammte bekanntlich aus einer Wästerei in Recklinghausen. Ob der Ermordete mit dem Vermißten identisch ist, kann erst die nähere Untersuchung dartun. Bei der Obduktion am Freitag zeigte sich die Leiche schon sehr in Verwesung übergegangen, so daß die Gesichtszüge kaum mehr kenntlich waren. * Gelegentlich des Deutschen Turnfestes sand am 19. er. im Weinrestaurant Bernards am kl. Kornmarkt in Frankfurt ein Festessen des Turnvereins Germania, Padervorn, statt, zu dem der Vorstand des Vereins einige alte Paderborner, die jetzt n Frankfurt wohnen, eingeladen hattie. Es hatten sich zirka 30 Perionen eingefunden. Nachdem der Gauturnwart, Herr Rhode, das Kaiserhoch ausgebracht hatte, begrüßte der Vorsitzende des Vereins, Herr Hense, Gäste und Turner, indem er gleichzeitig seiner Freude ausdruck gab, daß sämtliche Eingeladenen erschienen seien, Namens der Frankfurter dankte Herr Dr. Oehlert in warmen Worten für die Einladung. Er könne kaum beschreiben, welche Gefühle ihn beseelt hätten, als er die Einladung bekommen habe. Trotzdem er schon 25 Jahre Frankfurter Bürger sei, fühle er sich noch ganz als Paderborner und der Gipfel der Freude wäre es für ihn, mit Landsleuten zusammenzutreffen. Insbesondere der Turnerei habe er stets großes Interesse entgegengebracht. In seiner Jugend habe er gemeinsam mit seinem Freunde„Schmidt's Puta“ einen Turnverein in Paderborn gegründet und es sei eine Freude, im Alter zu sehen, daß das Samenkorn, welches er gepflanzt, schöne Früchte getragen habe. Er wurde nie vergessen, mit welch stürmischer Freude seine Kinder den Padervornern im Festzuge entgegengesubelt hatten. Sein„Int Heil“ galt dem Turnverein Germania. Im weiteren Verlaufe des Festessens wastete Herr Jordan auf die Damen, Herr Auffenberg auf die Veranstalter des Abends, Herr Oeulert, Padervorn auf den Gauturnwart Rhode als spiritus rector des Festes und berufenen Vertreter der Turnerei, Herr Steen auf die Gäste und Heir Kahn auf die Fesistadt Frankfurt. An schließend an die der Stadt Frankfurt gewidmeten Worte gab Heir Dr. Oehlert noch einen Ueberblick von Frankfurt in sozialpolitischer Hinsicht. Was Wohlfahrtseinrichtungen anbetreffe, z. B. Jugendfursorge, Mutterschutz, Säuglingspflege 2c., marschiere Frankrurt an der Spitze aller deutschen Städte. Anerkennende Worte widmete er dem Oberbürgermeister Adickes. Ihm veroanke Frankrurt nicht nur die mit einem Kostenauf# ande von fast 4 Millionen Mark erbaute Fest halle, auch das 50 Millionen=Objekt, der Bau des Osthafens, sei seiner unermudlichen Tatigkeit zu verdanten, um Frankfurt auch in industrieller Bezietung einen hervorragenden Platz zu sichern. Nachdem noch gemeinschaftlich einige Turnerlieder und das Westialenlieo gesungen war, erreichte das Fest erst in fruher Morgenstunde sein Ende. Kirchliches. Paderborn, 25. Juli. Heute fruh starb in Olsberg, wo er sich zur Kur aufhielt, am Schlagflusse der Pfarrer und Landdechant Theocor Deilmann in Wiedenbrück. Er war geboren am 5. Oktober 1840 zu Byrang bei Niederwenigern, empfing die Priesterweihe am 11. Ang. 1865 und war zunächst Kaplan in Egeln. Prov. Sachsen, dann seit 23. Nov. 1868 Missionsvikar in Buckau bei Magdeburg, unter dem 16. Dezember 1890 wurde ihm die Pfarre Wiedenbrück übertragen, in der er, wie in seinen früheren Stellungen regsam und seeleneifrig, hochgeachtet bei allen Ständen und Bekenntnissen, tätig war. Er ruhe in Frieden! X Vom Eichsfelde, 25. Juli. Mit der Errichtung eines neuen Stationsweges in Uder nach dem Marienbugel ist gestern begonnen worden. Die erste Station, die zugleich als Probestation dienen soll, ist gestern aufgestellt worden. Das Urteil daruver lautet allgemein günstig, so daß der gesamte Kreuzweg, der nach diesem Muster nunmehr gearbeitet wird, des Dorfes schönste Zierde sein wird. Der Weg führt in langsamer Steigung zum Marienhügel empor, so daß selbst die ältesten Leute den Kreuzweg gehen können. Bis zum Feste Kreuzerhöhung soll der ganze Kreuzweg fertiggestellt sein und sino darum jeden Abend Mitglieder des Turnvereins und Arbeitervereins zur Stelle, um an der Vollendung dieses Lieblingswunsches der Gemeinde mitzuarreiten. Die Wirren in der Türkei. Berlin, 25. Juli. Wie der Korrespondent des B. T. in Konstantinopel aus guter Quelle erfährt, hatte der Sultan in der heutigen Nachtsitzung die Absicht, zugunsten seines Lieblingssohnes Burhaneddin abzudanken. Wien, 25. Juli. Eine amtliche türkistte Persönlichkeit in hervorragender Stellung in London, erklärt in der N. Fr. Pr., die Turkei würde sich Mazedonien nur mit Gewalt nehmen lassen. In Mazedonien verteidige die Turkei das letzte Bollwerk ihrer Stellung in Europa. Ein Kampf um Mazedonien würde ein Kampf auf Tod und Leben sein. Wenn Europa versuchen sollte, die Turkei aus Europa nach Asien zurückzudrängen, werde die Türkei den Islam gegen Europa zu Hilfe rusen.(Das würde der Türkei wohl wenig helfen!) Konstantinovel 26. Juli. Die Wiedereinführung der Verfassung ist bereits in der ganzen Türkei offiziell bekannt gegeben worden und hat überall große Begeisterung hervorgerufen. Die jüngst mobilisierten kleinasiatischen Rediftruppen werden aus dem dritten Korpsbereich zurückbefördert. Außer einer vom Militärkomitee von Saloniti am Donnerstag nachts veranlaßten Füsilierung dreier Spione, eines Zivilisten und zweier Offiziere, sind bisher keine Opfer der Bewegung bekannt geworden. Die Gefangenen in Monastir und anderen Orten wurden nicht, wie gemeldet, freigelassen, sondern haben sich in der Verwirrung selbst befreit. Die Vorgänge in Persien. Täbre s. 26. Juli. Den ganzen Tag über dauerte das refultatlose Geschützfeuer fort. Die Händler wandten sich durch Vermittlung der europäischen Missionen in Teheran an den Schah mit der telegraphischen Bitte, die Ordnung im Lande wiederherzustellen und die Sicherheit von Leben und Eigentum zu catantieren, indem er den Karadagreitern abzuziehen befehle und die Muschteidenversammlung auflöse. Volkswirtschaftliches und Soziales. w Paris, 25. Juli. Als Erwiderung auf einen Beschluß der Arbeitgeber wurde in ciner heute früh abgehaltenen Versammlung von zehntausend Erdarbeitern beschlossen, jede teilweise Entlassung von Arbeitern mit einer Verminderung der Leistungen zu beantworten. Es wurde hinzugefügt, daß der gegenwärtige Zwist erst sein Ende erreichen werde, wenn die Arbeiter eine Lohnrer#sion durchgesetzt haben würden. Zwischenfälle ereigneten sich nicht. Was verdankt der französische Sprachschatz den germanischen Sprachen? An der Züricher Universität hielt vor einigen Tagen oer Privatdozent Dr. Jakob Jud seine Antrittsvorlesung über das Thema:„Was verdankt der französische Sprach schatz den germanischen Sprachen?“ Einem in der Neuen Züricher Zeitung veröffentlichten Bericht über den Vortrag entnehmen wir einige Einzelheiten, die allgemein interessieren dürften. Der Einfluß der germanischen Sprachen auf die romanischen reicht sehr weit zurück. Schon vor der Völkerwanderung haben die germanischen Idiome auf die militärische Terminologie der Römer eingewirkt. Waren auch die germanischen Söldnertruppen im Dienste der Römer römisch gedrillt und war auch ihre offizielle Heeressprache das Lateinische, so sind doch schon damals germanische Bezeichnungen für Waffen und Kleidungsstücke in die lateinische Umgangssprache ausgenommen worden. So die Wörter„Hose“(Strumpf),„Helm",„Sporen“,„Art“ u. a. m. Noch andere germanische Wörter sind damals nach Süden verschleppt worden, so die Ausdrücke für „Gans“,„Biber",„Falke",„Bracke", Tiere, die entweder bei den Germanen besonders zahlreich gehalten wurden, oder die die Römer durch die Germanen kennen lernten. Zu diesen Wörtern gehört auch das Wort „blond“, die Bezeichnung für die germanische Haarfarbe. In Nord=Frankreich haben die Franken dem Lande ihren Stempel aufgedrückt. Sogar der alte Name des Landes, „Gallia“, wurde verdrängt, während sich in Italien z. B. die neue Bezeichnung„Langobardia“ nicht durchzusetzen vermochte. Der Volksname„Francus“ wurde als Adjektivum in die romanischen Sprachen aufgenommen. Hun derte von Ortsnamen finden sich in Nordfrankreich, die ursprünglich auf ingen endigten oder bei denen an germanische Eigennamen„court".„bourg“ oder„villiers“ angehängt ist. Siebzig Prozent der alten Ortsnamen nördlich von der Somme sind germanischer Herkunft; südlich der Loire fehlen die germanischen Namen fast vollständig. Nur die Städte behalten überall ihre alten Namen aus römischer Zeit. Die Sprache der Franken hat zunächst auf das Wirtschaftsleben eingewirkt. Die Franken trieben, als sie in Frankreich einfielen, noch Naturalwirtschaft und zwar eine Weidwirtschaft. Das Wort „gagner“ geht auf die alte Form von„weiden" zurück und hat erst später, mit der fortschreitenden Entwicklung des Wirtschaftsbetriebes parallel gehend, die heutige allgemeine Bedeutung erlangt; eine Zwischenstufe bezeichnet der französische Ausdruck„gagner du blé“, was so viel heißt als„Getreide pflanzen“. Auch der französische Ausdruck„fief“(Lehen) geht auf das deutsche Wort „Vieh"(althochdeutsch„fihu") zurück, der bei den Franken das Vermögen überhaupt bezeichnete. Für den mächtigen Einfluß des fränkischen Wirtschaftssystems spricht dann auch, daß das Wort„villa“, mit dem die fränkischen Ansiedelungen bezeichnet wurden, über den römischen Aus druck für„Stadt“,„civitas“ oder„cité“, in Nordfrankreich den Sieg davongetragen hat. Obwohl die Franken den Steinbau von den Römern übernahmen, so hat doch ihre Sprache auch im Bauwesen ihre Spuren hinterlassen. Der Ausdruck„bätir“(aus„Bast“) deutet auf die aus Ruten geflochtenen Häuser der Franken. Manche Teile der häuslichen Anlage werden im Französischen mit Wörtern fränkischen Ursprungs bezeichnet, wie z. B. die Ausdrücke„hai",„banc“,„fauteuil" beweisen. Auf die Vorliebe der Franken für das warme Bad deutet das französische Wort„gächer“, ursprünglich so viel wie„Schmutz mit Wasser abspülen“. Es ist dasselbe Wort wie das deutsche„Waschen“. Eben daher rührt auch der Ausdruck„étuve“, dem deutschen Worte„Stube“ entnommen, mit dem ursprünglich der Raum für ein heißes Bad bezeichnet wurde. Das Kriegs= und Jagdwesen, die eigentliche Beschäftigung des fränkischen Mannes, ist reich an Ausdrücken germanischer Herkunft. Aber auch in die den Frauen überlassenen Teile der Hauswirtschaft haben zahlreiche fränkische Wörter Einlaß gefunden. Das Spinnen und Weben war ja auch schon eine alte Beschäftigung der germanischen Frauen. Ebenso steht es mit den Ausdrücken für das Anfertigen der Kleider; die Wörter „chiffe" und„chiffon“ gehen auf die germanische Wurzel zurück, denen auch das englische„chip“(Schnittchen, Schnitzel) seinen Ursprung verdankt. Frühzeitig war das Färben bei den Germanen beliebt; mehrere Farbbezeich zeichnungen(für„blau",„braun",„grau" usw.) sind vom Französischen dem Germanischen entnommen worden, uno zwar erst nach der Völkerwanderung. Der große Wert, den die Franken auf die Haartracht legten, hat ebenfalls in der Sprache seine Spuren hinterlassen, ebenso die Schminken und Salben, die zur Haarpflege dienten, wie denn auch das französische„fard“ auf eine deutsche Wurzel zurückgeht. Ebenso steht es mit der Sitte des Franken, an Arm und Hals Schmuck zu tragen. Mit großer Zähigkeit haben sich dann fränkische Gebräuche und damit auch fränkische Wörter auf dem Gebiete der Rechtspflege erhalten. Die in die romanischen Sprachen eingedrungenen deutschen Wörter geben uns dann auch Aufschluß über die Meinung, die die unterworfenen Römer von ihren Herren hatten. Daß Wörter wie„riche",„orguei!“ und ähnliche Ausdrücke für Stolz und Prunk aus den germanischen Sprachen übernommen wurden, bezeugt oie Achtung der Untertanen vor dem germanischen Herrschervolk. Andere Wörter legen von dem ungebändigten, wilden Wesen der Eroberer Zeugnis ab, und wieder andere belegen die Gemütsliefe der Germanen. Vermischtes. X Berlin, 26. Juli. Der Landschaftsmaler Walter Leistikow, Mitbegründer der Berliner Sezession, ist im Senatorium zu Schlachtensee im Alter von 43 Jahren ge* Eherswalde. 25. Juli. Als das Automobil des Krieasministers von Einem dieser Tage die Chaussee zwischen Ruhlsdorf und Marienwerder passierte, fiel es dem Chauffeur auf, daß mehrere Männer über die Straße liefen und sich dort zu schaffen machten. Das Gefährt war nur etwa 25 Meter von jener Stelle entfernt, als er bemerkte, daß die Männer größere Steine quer über die Straße gelegt hatten, um ein Unglück herbeizuführen. Durch starkes Bremsen gelang es, ein größeres Unglück zu verhüten. Das Automobil erlitt einige Beschädigungen. * Spandau, 25. Juli. Auf einem entlegenen Grundstücke am Spreeufer stieß man auf ein verborgenes Lager von fertigen Feuerwaffen, Seitengewehren, Waffenteilen und Gewehrmunition. Alle Waffenstücke waren stark verrostet. Die Gegenstände wurden von der Lolizei beschlagnahmt. Sie rühren aus dem Diebstahle des Zeugoberleutnants Poppe ber, der im Posener Prozesse eine olle spielte und sich wegen geistiger Umnachtung in einer Anstalt befindet. Er hatte die Waffe einem Spediteur übergeben, der sie, als die Diebstähle entdeckt wurden, nach dem Spreeufer schaffen ließ. * Eisenach. 25. Juli. Der bekannte Sprachheilkundige Professor Rudolf Denhardt ist gestorben w Grindelwald. 25. Juli. Die Leichen der beiden vom Wetterhorn abgestürzten Touristen, des Eisenbahnsekretärs Grimmeisen aus Ludwigshafen und des Prokuristen Holder aus Amweiler(Pfalz), sind zerschmett####l auf dem Krinnengletscher aufgesunden worden. Beide hatten ohne Führer, in Gesellschaft von drei Berlinern und zwei Engländern, den Abstieg durch das verschneite Couloir nach dem Gleckstein versucht. Dabei glitt der an der Spitze gehende Grimmeisen auf einem Stein aus und riß im Fallen den mit ihm angeseilten Holder mit. Die übrigen kehrten um nach Sattel und stiegen über die Dossenhütten nach Rosenlani Bad ab. * Karlsruhe, 25. Juli. Nach hier gelangten sicheren Mitteilungen fährt Graf Zeppelin mit seinem Luftscheff in der letzten Hälfte der nachsten Woche auf. Die Reparaturarbeit ist fast vollendet. Täglich treffen Gaswagzons in Friedrichshafen ein. w Cuxhaven, 26. Juli. Der russische Kreuzer Almaz mit dem Ministerpräsidenten Stolvvin an Bord ist in der Nähe von Glückstadt ausgelaufen. Schlepper sind zur Hilfeleistung von Cuxhaven abgegangen. w Cuxhaven, 26. Juli. Der russische Kreuzer Almaz ist ohne Hi fe flott geworden und hat um 3 Uhr nachmittags Cuxhaven unter dem Salut des Forts Grimmer= hoern passiert. w Schroda(Prov. Posen), 26. Juli. Bei einer gestern abend auf dem Viehmarkt hierselbst abgehaltenen Versammlung betreffend Gründung einer Zwangsfeuerwehr, zu welcher zirka 1000 bis 1500 Personen erschienen waren, wurde eine betrunkene Person, die skandalierte, verhaftet. Infolgedessen drang die Menge auf die Polizeibeamten ein und verlangte die Freilassung des Arrestanten. Als diesem Wunsche nicht nachgekommen wurde, kam es zu Gewalttätigkeiten, sodaß die Polizei schließlich blank ziehen mußte, doch nutzte dies auch wenig, da die Menge von Minute zu Minute wuchs. Erst herbeigerufene Gendarmerie stellte die Ruhe vor dem Rathause wieder her. Da die Menge sich gegen Abend wieder ansammelte, stellte das Bezirkskommando einige Soldaten zur Verfügung. die bis 11 Uhr in den Straßen patrouillierten. Alle Lokale mußten geschlossen werden. Auch in einem hier weilenden Zirkus wurde die Vorstellung verboten. w Kandersteg, 25. Juli. Der Stollen des Lötschbergtunnels ist auf elfhundert Meter Länge, von der Bohrstelle bis fünfzehnhundert Meter vom Tunneleingang, vollständia mit Schutt gefüllt. Die Räumungsarbeiten verlangen große Vorsicht, da zwei Dynamitlagec zerstört und zerstreut wurden. Mehrere Dynamitpatronen sind bei den Aufräumungsarbeiten bereits im Geröll gesunden worden. Es wurde kein weiteres Opfer zu Tage gefördert, man fand aber verschiedene Leichenteile. Zahlreiche Arbeiter wollen abreisen, da die Arbeiten eine ziemlich lange Unterbrechung erleiden werden. Die Unternehmung verweigert jede Auskunft und untersagt streng den Zutritt zum Tunnel. w Vetersburg, 26. Juli. Die Gouvernements llstrachan, Saratow, die Wolga von Astrachau bis Samara, Stadt und Kreis Samara, die Stadt Nikolajewsk und der Kreis Sysran(Gouvernement Simbirsk) sind als von der Cholera bedroht erklärt worden. = Die Fernfahrt„Newyork=Paris. Unter außerordentlich schwierigen Verhältnissen haben zwei Automobile, ein amerikanischer Thomaswagen und ein deutscher Protoswagen, die weite Tour von Newyork durch Sibirien, Rußland, Deutschland nach Paris unternommen; der Thomaswagen war dem Protoswagen schon einmal ganze vierzehn Tage voraus, der letztere brachte es aber fertig, jenem wieder zuvorzukommen. Am Samstag kurz vor Mittag passierte der Protoswagen Paderborn, um 3 Uhr traf er in Köln ein und setzte um 5 Uhr die Fahrt nach Paris fort. Der Thomaswagen hat Samstag nachmittag 6 Uhr die deutsche Grenze bei Eydtkuhnen passiert.(Vgl. L. Drahtb.) * Miß Anna Morgans Flucht aus Berlin. Miß Anna Morgan, die Tochter des 300fachen amerikanischen Millionärs I. Morgan hatte sich nach Berlin zu einem Studienaufenthalt begeben. Aber dieser Aufenthalt hat, wie erst jetzt bekannt wird, einen jähen Abschluß gefunden. Miß Anna Morgan beabsichtigte, die sozialen Einrichtungen Berlins m vier oder fünf Tagen zu studieren. Aber bereits am zweiten Tage ihres Aufenthaltes im Hotel Adlon reiste die Amerikanerin plötzlich vollständig unerwartet ab. Und der Grund? Amerikanische Blätter wissen nach dem B. T. darüber folgendes zu erzählen: Als es in Berlin bekannt wurde, daß in dem fashionablen Hotel am Pariser Platz eine Erbin von dreihundert Millionen abgestiegen sei, wurde Miß Anna Morgon mit Gesuchen und Bettelbriefen überschwemmt, die ihr die Vertreter von allerlei Hospitälern, Waisenhäusern, Blindenanstalten,„Heimen“ der verschiedensten Art, von Kirchen und Wohltätigkeitsvereinen überreichten. Dazu kam eine Flut von Bettelbriefen, Telegrammen, Kollekten und Subskriptionslisten. Zu den ersten Stunden machte dieser nsturm der Newyorker Milliardärserbin einigen Spaß. Aber als der Andrang sich zu einer ständigen Plage zu entwickeln schien, ließ Miß Anna Morgan schnell entschlossen on ihren Zosen die Koffer packen, von dem Chauffeur ihren gropen Tourenwagen ankurdeln, bezahlte ihre Rechnung und war in zwei Stunden schon auf der Fahrt nach Wiesbaden, o sie im Hotel Cecilia abgestiegen ist. Die amerikanischen Zeitungen knüpfen an diese Mitteilungen nicht ohne Bedauern die Bemerkung, daß, falls die Tochter des amerikanischen Krösus in der deutschen Reichshauptstadt ein oder zwei Tage länger geweilt hätte, sie sicherlich ein Dutzend Heiratsanträge von hervorragenden Aristokraten und Militärs erhalten haben würde. Letzte Automobilismus Paris, 26. Juli. Der deutsche Protoswagen ist auf der Fernfahrt Newyork=Paris heute abend 7 Uhr am Gebäude des Matin angekommen. Er wurde von der Menge lebhaft begrüßt. Wien, 27. Juli. Die deutschen Teilnehmer an der Kaiserpreis=Tourenfahrt Wien=Berlin sind gestern im Gebäude des österreichischen Automobilklubs in Anwesenheit des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg und des Herzogs von Ratibor festlich empfangen und freundlich begrüßt werden. Don Carlos im Sterben. Lucarno, 27. Juli. Der spanische Kronprätendant Don Carlos, der am Magenkrebs leidet, liegt im Sterben. Fallières' Reise. Stockhclm, 26. Juli. Nach herzlicher Verabschiedung von der königlichen Familie ist Präsident Fallières auf dem Torpedozerstörer Cassini nach Reval abgereist. Verschiedenes. Berlin, 27. Juli. Das Perlenhalsband der Gräfin Wartensleben im Werte von 200000 Mark, dessen rätselhaftes Verschwinden anfangs dieses Jahres großes Aufsehen erregte, ist wiedergefunden. Die Kammerfrau der Gräfin, die damals verhaftet, aber aus Mangel an Beweisen freigelassen wurde, ist wieder verhaftet worden. Paris, 27. Juli. Infolge Klagen des Polizeipräsekten untersagte der Kriegsminister im Interesse der öffentlichen Sicherheit die Fortsetzung der Flugversuche auf dem Manöverfeld von Issy. Paris, 27. Juli. Heute beginnt vor den Pariser Assiser die Verhandlung gegen den Kaufmann Bertou. Er ist in Straßburg in einem Hotel belauscht worden, als er einem angeblichen deutschen Agenten Auskünfte über das (bekanntlich nicht viel taugende) Panzerschiff Jena versprach. chtungen in Sonntag, 26. Juli 7 Uhr vorm. arometer(auf Amst. Pegel u. Celf. 0.0 red.) 766(steigend). lbermometer Cels.+ 19, höchst+ 26, tiefst+ 17. Montag, 27. Juli 7 Uhr vorm. Barome ter(auf Amst. Pegel u. 0,0 Cels. red.) 767,5(steigend) bermometer Cels.+ 20, höchst+ 28, tiefst+ 19. Wetter: Samstag meist klar, leicht NO., Sonntag orm. heiter bei Wolkenzug, nachm. gewitterdrohend, Wind zechs., zwischen mäß. bis lebh. NO. und SO., Montag früh 7 hr bedeckend, lebh. O. Wetter=Aussicht auf Grund der Berichte der Deutschen Seewarte in Du aburz.(Nachdruck verdeten.) 28. Juli. Bewölkt, kühler, lebhafter Wand. Regen und Gewitter. Mogerriehhof Friedrichsfeide=Ost bei Berlin. und Stimmungsbericht der Viehkommissionsbank Julius Steinberg. Alleiniger Inhaber Julius Steinberg. Am Freitag, 24. Juli 1908 waren aufgetrieben: 1. Rindermarkt. Gesamtaustrieb em Freitag 1.6. Stück Rindvieb, 209 Kälber. Dieselben stellten sich zusammen und wurd: im Durchschnitt gezablt pro Stück: 1. junge Zuchtkübe und Färsen: 1. Qual. 420—480 Mt., 2. Qual. 330—410 Mk., 3. Qual. 250—Mk. 2. Für ältere Abmelke=Kübe: 1. Qual. 265—345 Mk., 2. Qual. 160—255 Mark. 8. Für bayrische Zugochsen: à Zir. 1 Qual. 43—46 Mk., 2. Qual. 39 bis 42 Mk., 3. Qual. 34 bis 38 Mark. 5. Für diverses Jungvieh zur Mast, 1. Qual. über 9 Ztr. 32—36 Ml., 2. Qual. über 8 Ztr. 28—32 Mk. Bei Rindvieh lebhaftes Geschäft. II. Schweinemarkt. Am Mittwoch standen zum Verkauf 2100 Schweine und Ferkel. Wir notieren als gezahlten Durchschnittspreis: 1. für Schlachtschweine. Ia 81 Mk., Ila 58—59 Mk. Illa 54—57 Mt. per 100 Pfd. bei 20% Tara, 2. für Läuserschweine, 6—7 Mon. alt, 35—55 Mk., 3—5 Monate alt, 26—34 Mk. pro Stück. 8. für Ferkel, 8—10 Wochen alt, 17—25 Mk., 6—7 Wochen alt 18—16 Mt v. Stück. Schweine flottes Geschäft. Altenessen, 25. Juli.(Amtlicher Bericht.) Austrieb 37•0 Ferkel und Faselschweine. Durchschnittspreise: Ferkel im Alter von 6—8 Wochen 14—18 Mk., 9—12 Wochen 21—26 Mk, Faselschweine 84—50 Mt Tendenz: lebhaft 87 Eisen-Betistelle mit Spiralboden, verstellbarem Kopfteil, Seegrasmatraße, Federbett u. 1 Kissen Anzeige. Todes-Anzeige. A Gute Holzbettstelle 1275KK mit Auflegematratze, Einlageböden, Feder unterdett, Federoberdett, 1 Kissen Holzbettstelle Fein lark. rote Sprung'edermatratze u. Keillissen, Federunterbett, Jederoberbett, 2 Kissen A schöne Hände, gesungen, frischen bekommen Myrrholin= seife, ie Teint durch den tägl. 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Die Beerdigung sindet Dienstag vormittag statt, hierauf das feierliche Requiem. Gott, der zu sich in Diener, den Herr über Leben und Tod, rief die Ewigkeit seinen frommen M Adler-Schreibmaschine ist bevorzugt von Bebörden und geschäftlichen Bureaus. Sofort und dauernd sichtbare Schrift. Hohe Durchschlagskraft. # B i l l i g e r P r e i s: N i. 3 5 0. Leichte Handhabung. Smith Premier-Schreibmaschine, Mark 500. Ideal-Schreibmaschine. Gebrauchte Schreibmaschinen von Mark 00.— un. Vermietung von Schreibmaschinen Mk. 7.50 für die Woche. Abschriften und Vervielfältigungen. Neue Tastenmaschine Junior NIk. 1000.— Kataloge und Vorführung kostenlos.— Vertreter gesucht. Reparaturen und Zubehörteile. Farbbänder, Kohlepapier, Schreibmaschinenpapier. · Vervielfältigungsapparate,# Schupirograph-Ersatzrollen. 05710 Goldfüllfederhalter. L. Sprückmann, Paderborn, Buchdruckerei, Papier- und Schreibwaren. Feruruf 223. 219. Königl. Preuss. Klassen-Lotterie. Ziehung 2. 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Altenrüthen den 25. Juli 1998. Der Schul= und Gemeindevorstans. Namens desselben Der Amtmann Schneider hochte. Heren Theodor Deilmann, farr- und Lauddechant in Wiedenbrück, Dechant der Kalands-Konfraternität. Nach andächtigem Empfange der bl. Sterbesakramente entschlief der Verewigte heute M früh 2½ Uhr in Olsberg infolge Gehirnschlages im 68. Jahre seines Lebens und im 43. seines Priestertumes. Die Pfarrei verliert in dem teueren Dahingeschiedenen einen pflichttreuen Seelsorger und steht trauernd an der Bahre des so jäh ihr entrissenen geistlichen Vaters. Wiedenbrück, den 25. Juli 1908. Die Pfarrgeistlichkeit. Der Kirchen-Vorstand. Die kath. Gemeinde-Vertretung. Das Lehrer-Kollegium. Die Beerdigungs- Feierlichkeiten beginnen Dienstag, 9 Uhr. Todes=Anzeige. Todes=Anzeige. Gott, dem Herrn über Leben und Tod, hat es in seinem unersorichlichen Ratschlusse getallen, beute gegen 4½ Uhr nachmittags unsere innigstgeliebte Mutter. Schwiegermutter, Großmutter und Urgroßmutter, die Frau Gutsbesitzer Es hat Gott, dem Allmächtigen, gefallen, heute morgen 8 Uhr unsern innigstgeliedten Onkel, Großonkel und Schwager, den 1 hochwürdigen Herrn Pfarrer und Landdechanten von Wiedenbrück Theodor Deilmann im Alter von 68 Jahren, wohl vorbersitet durch den Empfano der hl. Sterbesakramente, infolge eines Schlaganfalles zu sich in die Ewigkeit zu rusen. Seine Seele wird dem Opfer der Priester am Altare und dem Gebete der Gläuzigen empfohlen. Wiedenbrück, den 25. Juli 1908. Im Namen der trauernden Angehörigen Anna Deilmann. Das Totenoffizium und die Exequien finden am Dienstag den 28. Juli, 9½ Uhr in der Pfarrkirche statt, danach die Beerdigung. 3038 Todes=Anzeige. Maria geb. Millus im Alter von 77 Jahren infolge Altersschwäche, versehen mit den hl. Sterdesakramenten in ein desseres Jenseits abzurufen. Dieses zeigt mit der Bitte um ein andächtiges Gel#t für die Seelenruhe der Verstordenen an Niesen, Gehrden, Vorgholz, Peckelsheim Varanowo, den 25. Juli 1908 namens der trauernden Hinterbliebenen Adolf Müller Die Beerdigung findet Mittwoh, den 29. Juli, morgens 6 Uhr vom Sterbehaute in Niesen aus statt. Haus mit Garten breite Straßenfront) Detmolderstraße, vorteildafte Lage, haldigst zu verkaufen Offerten unter Nr. 05736 an die Geschättsstelle. Alle Sorten Getreide diesjähr. Ernte kausen zu höchsten Tagespreisen V. Hecker& Sohn, Paderborn Drunohlandenak, Lorfstrel Dulsburg a. Rhein. welche gut geht, in einem aufblübenden Städtchen am Rbein unterhalb Köln, zu verkaufen. Großer neuer Saal mit Kegelbahn, Bübne etc. Nur Selbstreflektanten wollen sich melden. Meldungen unter Nr. 9438 an die Geschä tsstelle. 0 Jagdhund, Brauntiger, trägt neues, rundes Halsdand, auf den Namen Lord hörend, heute morgen abhanden gekommen. Wiederderbringer erhält Belobnung. Vor Aukauf wird gewarnt. 958114 Gehlhaus, Paderbern. Gott dem Allmächtigen, hat es in seinem unerforschlichen Ratschluß gefallen, deute mittag 12 Uhr, den hochwürdigen Pater Johannes Hochstein S. V. D. in die Ewigkeit abzurufen. Er starb im 33. Lebensjahre und im 3. Jahre seiner Priesterwürde in seiner Heimat, vorbereitet durch den andächtigen Empfang der bl. Sterbesakramente. Um stille Teilnahme bitten Grimminghausen und Altenhellefeld, den 25. Juli 1908 die trauernden Angehörigen. Die T eerdigung findet am Mittwoch, den 29. Juli, vormittags ½ 10 Uhr...- an Seelenamt. Uhr zu Dorlar statt, danach feierliches 3040 Ia. GebirgsHimbeersaft, garant. rein, in ¾/1 Lir.=Krügen 1.25 M. Allerseinsten Blüt. Schleuderhonig, 8 90 4, empf. 0476 F. W. Kölling. Rollwagen, wie neu, Patentachsen, Tragf. 25—30 Ztr., steht billig zu verkaufen. 30364 Joh. Braun, Lippsiadt. Cappelerchaussee 24. Sgceltelner Sprugde, Schuz- Garke Calelmaller I. Runges. 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Westdeutschland. Dritte Gratis=Beilage des Westfälischen Volksblattes. Rä 31. Paderborn, 27. Juli 1908. 13. Jahrg Inhalt: Bekanntmachung.— 22. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft in Stuttgart; Schafausstellung.— Der arme Kettenhund.— Die Saatzucht auf der 22. Wanderausstellung der D. L.=G zu Stuttgart.— Bekämpfung der Distel.— Obstflecken.— Juristisches: Schutz der Angeklagten und Zeugen.— Geflügelzucht: Etwas über die Kultur des Eies.— Fischzucht.— Obstbau: Warnung vor dem amerikanischen Stachelbeer=Mehltau.— Gemüsebau. — Hauswirtschaft: Die Herstellung der Pfirsichaptikosenbrote. Von Barfuß.— Gemeinnütziges.— Fragekasten.— Märkte.— Schlachtviehpreise nach Lebendgewicht. Bekanntmachung. Der für den 31. Juli angesetzte Zuchtpferdemarkt Hamm findet nicht statt, da genügend Anmeldungen nicht eingegangen sind. Der Vorsitzende I. A.: Gerland. 22. Wanderausstellung der Deutschen Landwirtschafts=Gesellschaft in Stuttgart. Schafausstellung. Es ist allgemein bekannt, daß im Gegensatz zu allen übrigen Viehgattungen die Schafhaltung in den letzten 4 Jahrzehnten einen rapiden Rückgang in Deutschland erlebt hat. In dieser rückläufigen Bewegung ist, wenn auch noch nicht ein vollkommener Stillstand, so doch eine ganz außerordentliche Verlangsamung eingetreten. Man hat längst erkannt, daß man mit der Einschränkung in der Schafhaltung vielerorten weit über das Maß des wirtschatlich Notwendigen hinausgegangen ist, und man sucht den begangenen Fehler wieder gutzumachen durch eine stärkere Berücksichtigung des Schafes, allerdings nicht in seiner früheren, hauptsächlich auf den Wollertrag gezüchteten Form, sondern entsprechend der veränderten wirtschaftlichen Entwicklung in einem Woll= und Fleischleistung miteinander verbindenden Typ. Die Berechtigung hierzu liegt einerseits in der, wenn auch noch immer geringen Steigerung des Hammelfleischkonsums und anderseits in der günstigen Preisentwicklung für Schaffleisch. So erscheint dieser Mitteltyp als die den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen am besten und vorteilhaftesten entsprechende Form. In der diesjährigen Schafausstellung fehlten die hochfeinen Tuch= und Stoffwollherden des Ostens völlig, da für sie ein Absatz von Zuchtmaterial nach Süddeutschland nicht in Frage kommt. In Merinokammwolle hatten nur 6 Herden ausgestellt, von denen eine mit vorwiegender Beo rücksichtigung von Wollreichtum, eine unter gleich zeitiger Berücksichtigung von Wolle und Fleisch und 4 unter vorzugsweiser Berücksichtigung der Fleischerzeugung gezüchtet sind. Das in diesen Klassen von zum Teil altbewährten Zuchten ausgestellte Material machte einen im allgemeinen ausgeglichenen und guten Eindruck. In der Abteilung für englische Fleischschafe überwogen mit 5 Herden die Hampshires, während die Shropshires in 2 Herden und die Orforddowns ebenfalls in 2 Herden vertreten waren. An der Spitze der Abteilung der englischen Fleischschafe marschierte, wie üblich, die altberühmte Knegendorfer Zucht, aber auch in den anderen englischen Fleischschafzuchten fanden sich zum Teil in der Artmannschen Zucht zu Hillwardhausen hervorragende Repräsentanten. Neben einer guten Ausgeglichenheit fiel besonders auch die gute Vorbereitung der Tiere für die Schau ins Auge. In der weiteren Klasse deutscher Rassen und Schläge waren die Bastardschafe, das spezifische württembergische Schaf, am zahlreichsten, während die Frankenschafe numerisch sehr zurückgetreten und Rhönschafe nur von einer Herde ausgestellt waren. Den Beschluß der Schafausstellung bildeten die Karakulschafe, ein aus der Buchara eingeführter, ausländischer Schaftyp, dessen besonderer Wert in der feinen, den kostbaren Persianer liefernden Fellbeschaffenheit der jungen Lämmer liegt, die innerhalb 8 Tagen nach der Geburt zum Zwecke der Gewinnung der Fellchergeschlachtet werden. Deutlich lehrte auch die diesjährige Schafabteilung, daß die deutschen Schafzüchter mit Erfol# bemüht sind, den Anforderungen der Neuzeit gerecht zu werden. Der nachhaltige Einfluß, den der sich ständig steigernde Bedarf der Bevölkerung an Fleisch auf die Schafzucht ausgeübt hat, trat auch in der diesjährigen Ausstellung klar in die Erscheinung, und es darf mit voller Berechtigung gehofft werden, daß die allzulange stiefmütterlich behandelte Schafzucht, die einst Blüte und Kern der deutschen Tierzucht war, wenn auch nicht wieder zu ihrer einstigen hohen, geradezu beherrschenden Ben. auf zen. er. ennen Obkeit fer cis der 311 die die en. eis ser in Ren ich en er ge hr eitet. en ie n * n d n 7 242 deutung gelangen, so doch die von den heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen dringend geforderte stärkere Ausbreitung sinden wird. Der arme Kettenhund hat im Sommer besonders unter der Hitze zu leiden, darum schütze ihn vor Sonnenglut. Steht das Hundehaus nicht im Schatten, so kette den Hund an anderer schattiger Stelle an oder verlängere die Kette, daß er in den Schatten gelangen kann. Das lau gewordene Trinkwasser ist täglich mehrmals eurch frisches zu ersetzen. Laß den armen Wächter nittt schmachten! Die Vermutung liegt nahe, daß anhaltender Durst bei großer Hitze die Empfänglichkeit für tollwutähnliche Krankheiten steigert. Die Saatzucht auf der 22. Wanderausstellung der Deutschen Laudwirtschafts=Gesellschaft zu Stuttgart. Die Pflanzenzucht, die jüngere Schwester der Tierzucht, hat in neuerer Zeit eine ständig steigende Bedeutung erlangt, gefördert nicht nur durch einfache Vermehrung der vorhandenen Sorten, sondern durch deren zielbewußte Verbesserung durch die Hand des Züchters, durch Auswahl der besten, besonders vorteilhaften Formen und durch Kreuzung. Neben der verbesserten Ackerbestellung, ausgedehnten Meliorationen, der Verwendung mineralischer und anderer Hilfsdüngemittel hat auch die Pflanzenzüchtung und Einführung besserer Sorten sehr dazu beigetragen, die Erträge der deutschen Aecker in den letzten Jahrzehnten zu steigern. Auf der Auss ellung fanden wir die Pflanzenzüchtung auf dem dem Eingange zunächstgelegenen Flügel in der Gruppe I, Samen, besonders vertreten. Neben zahlreichen Einzelzüchtern und kleineren Genossenschaften befindet sich in der ersten Halle eine große, musterhaft ausgeführte Ausstellung der Landwirtschaftskammer für das Großherzogtum Hessen, welche neben der besonders als Nachbau betriebenen Saatgetreideerzeugung auch Darstellungen von zwei hessischen Spezialzüchtern gibt, dem Zuckerrübenzüchter Oekonomierat Stoll=Georgenhausen i. Odw. und dem Kartoffelzüchter G. F. Böhm=Groß=Bieberau i. Odw. Nach der Haupthalle zu schließt sich dann eine Ausstellungsgruppe an, die sogenannte„Vereinigung Deutscher Saatgutzüchter“, zu welcher besonders diejenigen Züchter gehören, die in Deutschland zuerst mit Einführung der Saatzucht in größerem, praktischem Umfange begonnen haben, und welche jahrelang fast ausschließlich diesen Teil der Ausstellung einnahm. Hieran schloß sich eine Ausstellung von Braugersten, welche schon auf der Gersten= und Hopfenausstellung in Berlin im Herbst 1907 gezeigt wurden. Die Saatzucht ist serner vertreten in der Ausstellung der landwirtschaftlichen Akademie Hohenheim, durch die Kgl. Württembergische Saatzuchtanstalt, welche vor einigen Jahren neu gegründet ist, und die sich die Förderung der Saatzucht in Württemberg und besonders die Ver wendung guter Sorten und deren Landwirtschaft angelegen sein läßt. Hier kann man auch die mannigsachen Apparate sehen, deren sich der Pflanzenzüchter heute bedient, denn neben der Auswahl mit dem Auge werden auch hier die verschiedensten wilsen schaftlichen Hilfsmittel zur Feststellung der Leistung der einzelnen Pflanzen und deren Nachzucht benutzt. Die D. L.=G., welche seit langen Jahren sich die Förderung der deutschen Pflanzenzüchtung angelegen sein läßt, sowohl durch Verbreitung der für die Pflanzenzüchter wichtigen Kenntnisse als auch durch Anstellung von Sortenversuchen zur Ermittlung der besten Sorten, gibt eine kleine Darstellung des Sortenversuchswesens mit Pflanzenproben der bisher und jetzt in den Versuchen geprüften Sorten der Kulturpflanzen, graphische Darstellungen der Erträge und Bilder des Begründers der deutschen Saatzucht W. Rimpau=Schlanstedt und des ersten Organisators des Sortenversuchswesens bei der D. L.=G. Neuerdings ist zur gemeinsamen Veranstaltung von Sortenprüfungen die D. L.=G. mit vielen landwirtschaftlichen Körperschaften in Verbindung getreten. Eine Karte zeigte die Ausdehnung des Sortenversuchswesens der D. L.=G. in Verbindung mit landwirtschaftlichen Körperschaften. Auch sonst finden wir vereinzelt noch Erzeugnisse der Saatzucht, so in dem Hause des Bundes der Landwirte und an anderen Stellen, sodaß sowohl der Landwirt wie auch der Gärtner und Botaniker vielfach Gelegenheit gehabt haben, Pflanzenzüchtung und Sortenversuchswesen auf der Ausstellung weiter kennen zu lernen. Bekämpfung der Distel. In der letzten Vorstandssitzung des landwirtschaftlichen Hauptvereins Hildesheim kam die Rede auch auf die Bekämpfung der Distel. Dabei wurde, wie Neuberth in der Hannov. land= und forstw. Ztg. mitteilt, betont, daß die Vernichtung dieses überaus lästigen Unkrautes am besten gelinge, wenn die Distel bei Beginn der Blüte abgemäht würde. In diesem Zeitpunkt ist ihr Wachstum so ziemlich abgeschlossen und die Reservestoffe befinden sich auf der Wanderung nach der Blüte und dem in Bildung begriffenen Samen. Durch das Abmäben wird die ganze Pflar ze so erschöpft, daß sie nicht mehr die Kraft besitzt, neue Sprossen zu treiben. Wird die Distel dagegen zu früh abgemäht oder ausgestochen, so schlägt sie von neuem umso üppiger aus, und wenn dann weiter nichts geschieht, vermehrt sie sich besonders stark. Obstflecken. 1. An den Händen. Obstflecken trotzen hartnäckig dem Wasser mit Soda und Seife. Erfolgreich rückt man ihnen zu Leibe mit saurer oder Buttermilch. 2. An den Messerklingen. Werden die Messer sogleich nach dem Schälen mit einem Tuche trocken abgerieben, so entstehen keine Flecken. Vorhandene beseitigt man durch Putzen mit Schlemmkreide oder Trippel. 3. In wollenen, baumwollenen oder seidenen Stoffen. Man verwende dazu laues Seifenwasser von venetianischer Seife. Auch verdünnter Salmiakgeist beseitigt die Flecken vollständig. 4 In Weinzeug. Am vorteilhaftesten verwendet man bei die en Stoffen verdünnte Schweselsäure(Vorsicht ist geboten!) oder beißes Chlorwasser. 5. Nußrlecken. Nußflecken entfernt man von den Händen, wenn man die innere Nußschale in ein Glas Wasser wirtt und nach einiger Zeit die Finger mit dem Wasser abreibt. 6. Blaubeerflecken von Händen und Stoffen entsernt man am leichtesten und sichersten mit Hilse von etwas Schwetel. Die Flecken werden beseuchtet und über Frennende Schweselbölzer oder Schwefelfäden gehalten. Die schweilige äure reinigt. Nachheriges Waschen ist notwendig Schutz der Das bayerisch Erlaß berausgegebi Bloßstellung von A geben ihrer Vorstra die engsten Grenzer gegen die trotz ei stehende Uebung, fügigen Versehlung Das soll unterbleibe von Uebertretunge deutung, bei Priv ehrenden Charakte fahrlässigen Vergel Strafgebieten oder verflossenen Zeit des Angeklagten Der Erlaß gibt durch jugendliche blickliche Erregung Angeklagten empfin Verdienst bringen könne. Dem Vors zelnen Falle über Strafregisterauszüg beschaffen und in treten, daß die zwe von Vorstrafen notwendig erfolg Angeklagten müss stellung vermieden Glaubwürdigkeit Sache selbst gesch allen Fragen bew gezogenen Grenz verfolgen, den Zei bloßzustellen. Zeugen dürfen werden. Etwas übe (Von Ei ist Ei, wahr ist das Form nach vir länglich, eins ihres Geschmacks mehreren Dinge Hühnerrasse dabe der asiatischen mit diesen gelt die von Hühn Spanier, Min braunschaligen Blut herrühren vorzugung sachl allgemein aber schmeckender geh wöhnte Eiersch: ankommt, wird kleinen Eiern in schaligen Eier * * 243 Juristisches. Schutz der Angeklagten und Zeugen. Das bayerische Justizministerium hat einen neuen Erlaß berausgegeben, der dem Mißstand einer unnötigen Bloßstellung von Angeklagten und Zeugen durch Bekanntgeben ihrer Vorstrafen in öffentlicher Gerichtsverhandlung die engsten Grenzen zieht. Der Erlaß wendet sich zunächst gegen die trotz einer Verfügung vom Jahre 1894 bestehende Uebung, jedem Angeklagten bei noch so geringfügigen Versehlungen frühere Bestrafungen vorzuhalten. Das soll unterbleiben, namentlich bei Wiederholungsfällen von Uebertretungen ohne besondere strafrechtliche Vedeutung, bei Privatklagen und Verfehlungen nicht entehrenden Charakters, bei leichten, vorsätzlichen sowie fahrlässigen Vergehen, bei Fällen aus weitab liegenden Strafgebieten oder in Fällen, bei denen die Länge der verflossenen Zeit die frühere Straftat zur Beurteilung des Angeklagten kaum mehr in Betracht kommen läßt. Der Erlaß gibt zu bedenken, daß die Preisgabe einer durch jugendliche Verirrung, Leichtsinn, Not und augenblickliche Erregung erlittenen früheren Strafe einen Angeklagten empfindlich bloßstellt, ihn um Stellung und Verdienst bringen oder des häuslichen Friedens berauben könne. Dem Vorsitzenden bleibt die Prüfung im einzelnen Falle überlassen. Die Anklagebehörde soll sich Strafregisterauszüge zunächst nur zum eigenen Gebrauch beschaffen und in der Verhandlung ebenfalls dafür eintreten, daß die zwecklose und entbehrliche Bekanntmachung von Vorstrafen unterbleibt oder keinesfalls früher als notwendig erfolgt. In höherem Maße noch als bei dem Angeklagten müsse bei den Zeugen jede unnötige Bloßstellung vermieden werden. Es dürsen Fragen über die Glaubwürdigkeit der Zeugen nur aus der vorliegenden Sache selbst geschöpft werden, und der Zeuge müsse vor allen Fragen bewahrt bleiben, die über diese vom Gesetz gezogenen Grenzen hinausgeben oder gar den Zweck verfolgen, den Zeugen oder eine ihm nabestehende Person bloßzustellen. Fragen nach früherer Bestrafung von Zeugen dürfen nur bei zwingender Veranlassung gestellt werden. 2 Geflügelzucht. über die Kultur des Eies. (Von einem alten Geflügelzüchter.) Ei ist Ei, hört man öfter wohl sagen, aber wahr ist das nicht. Hühnereier sind nicht bloß der Form nach voneinander verschieden(eins ist mehr länglich, eins mehr oval), sondern auch hinsichtlich ihres Geschmacks. Die Feinheit desselben wird von mehreren Dingen beeinflußt. Einmal spielt die Hühnerrasse dabei eine Rolle. Die Eier von Hühnern der asiatischen Rassen und von solchen aus Kreuzungen mit diesen gelten für aromatischer im Geschmack als die von Hühnern der Mittelmeerrassen(Italiener, Spanier, Minorka); Kenner ziehen deshalb die braunschaligen Eier, die von Hühnern aus asiatischem Blut herrühren, den weißschaligen vor. Ob die Bevorzugung sachlich begründet ist, läßt sich bestreiten; allgemein aber werden die kleinen Eier für wohlschmeckender gehalten als die großen, und jeder verwöhnte Eierschmecker, dem es nicht auf die Masse ankommt, wird, wenn er die Wahl hat, nach den kleinen Eiern in der Schüssel greifen. Da die braunschaligen Eier der Kochins und Brahmas gewöhnlich klein sind— nebenbei gesagt, eine Folge der Entartung dieser Rassen durch Inzucht und Verweichlichung—. so wird die Vorliebe für diese wahrscheinlich mehr auf die Kleinheit als auf die besonders feine Qualität des Eiinhalts zurückzuführen sein. Indessen werden auch bezüglich dieses an sich köstlichen Nahrungsmittels die individuellen Geschmacksnerven das letzte Wort zu sprechen haben. Ferner aber wird der Wohlgeschmack des Eies wesentlich beeinflußt von dem Futter, das die Hühner erhalten. Fressen sie viel rohes Pferdefleisch oder Maikäfer oder irgendwelche fauligen Stoffe, muffige Getreidekörner oder trinken sie Jauchewasser, weil ihnen reines nicht zugänglich ist, so nehmen ihre Eier einen recht unangenehmen Beigeschmack an, der einem den Genuß auf lange Zeit verleiden kann. Eier mit dunkelgelbem Dotter sind bei den Konsumenten mit Recht beliebter als die mit blaßgelbem; das tiefe Gelb wird gewöhnlich dem Umstand zugeschrieben, daß die betreffenden Hühner viel grünes Futter verzehrt haben. In dieser Allgemeinheit ist jedoch die Annahme nicht richtig. Hühner, welche gar kein Grünfutter erhalten, legen auch Eier mit rotgelbem Dotter, letzterer ist stets ein Zeichen dafür, daß die betreffenden Hennen gesunde Tiere sind oder genauer gesagt, daß in ihrem Organismus der Stoffwechsel, die Verdauung normal vor sich geht. Da nun die in frischen Gräsern enthaltenen Pflanzensäuren die Verarbeitung des Futters außerordentlich günstig beeinflussen und zur Verdauung beitragen, so kommt es, daß die auf Grasweide gehenden Hühner von guter Gesundheit sind, infolge davon auch gute Produkte liefern. Wer Gelegenheit hat, die Herkunft der Eier mit dunklem Dotter zurückzuverfolgen, wird finden, daß sie auch von solchen Höfen stammen, auf welchen kein Grashalm wächst, wo die Hühner nur Körnerfutter erhalten haben. Ob freilich ein Huhn, dem andauernd das grüne Pflanzenfutter vorenthalten wird, selbst wenn es reichlich Körner= und Fleischfutter erhält, gesund bleibt und demnach gesunde Eier liefern kann, ist eine offene Frage. Das eine steht jedoch fest, daß Hühner, welche reinliches Körnerfutter erhalten und auf freier Weide Grünes aller Art und tierische Nahrung finden, wohlschmeckende Eier liefern. Weil im allgemeinen die Hühner auf Bauerhöfen unter solchen Verhältnissen aufwachsen, so erfreuen sich die Bauernhühnereier bei den Konsumenten eines guten Rufs. Aber auch das El einer gesunden, gut gefütterten und gehaltenen Brahma= oder Kochinhenne büßt an Güte ein, wenn es, nachdem es gelegt ist, unrichtig behandelt wird. Bleibt das Ei längere Zeit in einem Nest liegen, das mit Kot beschmutzt ist oder in dem mit verdorbener Luft erfülltem Srall oder wird es in einem Raum, wo schlechte Gerüche herrschen, aufbewahrt, so nimmt es den Geruch und den Geschmack der es umgebenden Atmosohäre an, die durch die Poren der Eischale eindringt. Diese Ausführungen wollen dazu dienen, dem Hühnerhalter zu zeigen, daß es Mittel gibt, die Güte und den Geldwert der Eier zu steigern. Mancher Hühnerhalter würde durch eine Kultur des Eies(in oben angedeuteter Weise), das er an seine Kundschaft liefert, die Erträge aus seiner Zucht vermehren können, wam er derartige Verbesserungsmittel in Anwendung bringt und sich bei den Abnehmern seiner Delikateßware das Vertrauen eines zuverlässigen Lieferanten erwirbt; es gibt viele Leute, die gern bereit sind, höhere Preise für frische Eier zu bezahlen. wenn sie sicher und gewiß sind, ein„kultiviertes“ Erzeugnis der Zucht zu erhalten. Bekanntlich hat sich der Schwindel des Artikels„frische Landeier“ oder„Trinkeier“ in liebevoller Weise angenommen. Fischzucht Die Teichkarpfenfütterung mittelst Luvine n. Lupinen, wie alle stärkemehl= und pflanzencaselnhaltigen vegetabilischen Futterstoffe, an Teichkarpfen, als in der Hauptsache carnivore, d. h. fleischfressende Nutztiere zu füttern, erscheint aus solgenden Gründen nicht vorteilhaft: 1. Weil Karpfen an Kunst= oder Ersatzfutter gewöhnte, pflanzliche Nährstoffe, als ihrer Verdauungs= und Assimila= tionsfähigkeit widersprechend roh sehr schwer, sterilisiert, d. h. getocht, gedörrt, geröstet, gedämpft oder pasteurisiert, zwar in natürlich luft= und nahrungsreichen Wässern viel leichter, aber doch niemals vollständig verdauen können. 2. weil die Karpfen von diesem naturgemäßen Futter verhältnismäßig große Mengen aufnehmen müssen(8—16 Kilo gleich 1 Kilo Fleischzuwachs) und einen relativ geringen Nutzeffekt bieten, 3. weil infolge zu massenhafter Eintragung dieses Futters in die Fischwässer eine Ueberfütterung, d. h. Schädigung der Fischbestände vorkommen kann und 4. weil Karpfen durch gesunde frische Lupinen, infolge des darin vorkommenden „Lupulins“, gleich den Schafen und dem Rindvieh an Lupinose und infolge des in verdorbenen Lupinen enthaltenen„Ictrogens“ an einer unbedingt tödlich wirkenden, die Kiemen befallenden Saphrolegnien= (Schmarotzer=) Krankheit umstehen können. Rohe Lupinen, die unversehrt im Wasser liegen bleiben, keimen bestenfalls, sterilisierte verbreiten einen dem Fäcaldünger ähnlichen mephitischen Geruch. Der rationell zu wirtschaften beabsichtigende Karpfenzüchter trachte seine Teiche durch Besämerung und Kultur lockenzelliger Pflanzen möglichst luftplancion= und littoralfaungreich(nahrungsreich) zu machen, dann erst kann er allenfalls, wenn ihm kein naturgemäßes Futter zu Diensten steht, auch Ersatzfutter zufüttern und selbst, wenn er gar nicht zufüttert, so werden seine Fischwässer noch immer bessere Erfolge aufweisen, als natürlich luft= und nahrungsarme Teiche bei kräftigster Ersatz=Fischsutter=Fütterung. Der Teichfischbesatz läßt sich, außer etwa an Ort und Stelle, nicht für alle Fälle angeben, weil er von vielerlei Beziehlichkeiten abhängig ist. Vittor Burd sagt diesfalls: Die Besatzstärke eines Teiches regelt und bestimmt das in dem Teiche aufgestapelte natürliche Nahrungskapital. Theoretisch ist dies ganz richtig, aber der ausübende Praktiker kann sich da nach nicht halten, weil er dieses Nahrungskapital nicht zu berechnen vermag. Welche Fischsorte in einer Gegend am begehrtesten, den sichersten und lohnendsten Absatz verbürgt, auf deren Aufzucht und Kultur verlege man sich und besetze den Teich besser zu gering als zu stark. Nach Verlauf eines Umtriebes von 2. 3—4 Jahren wird dem Teichwirt die richtige Besatzzahl 1 Heitar, Morgen oder sonstiges Einheitsflächenmaß klar werden. Thomas Dubisch rechnete pro ½ Heltar Teichfläche: 600 Stück vorjährige Brutkarpfen oder 100 Stück einsömmerige oder 50—60 Stück zweisömmerige Karpfen. Daß bei jederzeit genügendem Vorrat an lebendem und totem Natursischfutter diese Besatzzahlen verdoppelt und vermehrfacht werden können, unterliegt wohl keinem Zweifel. Neuerer Zeit rechnet man für 1 Hektar Teichfläche eines sehr leicht ertragsfähig zu machenden Karpfenaufzuchtteiches ebenfalls 600 Stück Brütlinge, die von Mai=Juni=Juli bis September ohne Zufütterung, je nach den obwaltenden Beziehlichkeiten, von 6 bis 8 Gramm auf 180—300 Gramm pro Stück und diese im nächsten Jahre mit 300 Stück Besatz pro 1 Hektar bei intensiver Zufütterung, während derselben Zeit, verbürgt, auf 1,5, 2, 2,5 bis über 3 Kilogramm pro 1 Stück anwachsen können. Ich verbürge mich für die unwahrscheinlich erscheinende Wahrheit des Gesagten vollständig, da ich hier eine kleine, bloß 15 Morgen messende Karpfenteichwirtschaft, in diesem Sinne, bei 2= bis 3 jährigem Umtriebe, seit 5 Jahren erfolgreichst betreibe: Ich besetze die sehr ertragreich gemachten kleinen, ca. 1 Morgen großen Teiche das erste Jahr mit 600 Stück gleichmäßigen Brütlingen und ziehe sie auf 250—300 Quadratmeter. Im nächsten Jahre von diesen je 300 Stück pro Morgen ausgesetzt, ernte ich jährlich aus 2 Morgen Teichen nach zweijähriger Aufzuchtsdauer 1200 Stück Speisesische im Gewichte von 1800—2400 Kilogr. vorzüglichen Fischfleisches bei jährlicher Regie für Fütterung, Pflege, Pachtzins usw. von nicht mehr als 40 Mark. Obstbau. Warnung vor dem amerikanischen Stachelbeer=Mehltau. An alle Gartenbesitzer und Obstzüchter der Provinz Westfalen ergeht die Mahnung, jetzt besonders auf ihre Stachelbeersträucher zu achten, da der aus Rusland eingeschleppte Amerikanische StachelbeerMehltau neuerdings von Osten her in die Provinz Brandenburg eingedrungen ist und an mehreren Orten des Kreises Friedeberg die Stachelbeerkulturen mit Vernichtung bedroht. Der Schädling ist an den weißlichen bis graubraunen dicken Ueberzügen, die er an Trieben und Früchten bildet, leicht kenntlich. Verdächtiges Material sende man sofort an die Landw. Versuchsstation Münster zur Untersuchung ein. Von letzterer kann auch ein die Krankheit und ihre Bekämpfung behandelndes Flugblatt(Nr. 35) unentgeltlich bezogen werden. Schwarzfleckige Birnbaumblätter. Das Schwarzwerden der Blätter und deren Absallen vom Baum rührt vom Gitterrost her. Es gibt Gegenden, wo dieser Rost Jahrzehnte die Birnbäume schädigt. Das Blatt, die Lunge der Pflanze, kann nicht mehr funktionieren und fällt früh vom Baum. Frühzeitiges Bespritzen mit Sodakupfervitriollösung verhindert das Amsichgreifen des Uebels. Ein Kilogramm Kupferv Soda auf 100 heitem Wasser 1 gelöst und in zwe Kilogramm Sode heiße Kupfervitr wird unter stetei Wasser verdünnt Das Pilz Radieschen w mäßig feucht gel oder nur selten zu erreichen, deni verhältnismäßig der Beete mit T gut durchtränkti Bodenbelockerung wenigstens einen häufenden Arbeit Um die Li Mistbeet zu ent denaturierten Spi Gießkanne Wasse tüchtig. Nachdem gewendet und au begossen, damit d werden. Um die Ga lichen Schote: dieselben stehen. b fast alle aufgeblül ihnen den Kopf damit das Rohr werde. Ist nun daß weder zu brer einfällt, sie auch geht keine Blüte an. Ein Vorteil pflanzen: Man u zur Saat Bohne diese tragen fast? verfährt man bei Erst pflanzt man dann bleibt ein 9 wieder 2 Reihen und so verfährt Auf diese Weise wenn jede Reihe absteht, und man zu halten und i abzubrechen. Auc freic Luft genieße behrlich ist; ferne so viel und die E sie es sonst sein: Sonnenbl! futter für den Vögeln über die 1 zu finden, hinweg! jahr Sonnenrosen Gewächse sind ohn * gramm Kupfervitriol und anderthalb Kilogramm Soda auf 100 Liter Wasser— oder in drei Liter heitzem Wasser wird ein Kilogramm Kupfervitriol gelöst und in zwei Liter warmem Wasser anderthalb Kilogramm Soda; die Sodalösung wird dann in die heiße Kupfervitriollösung gegossen. Diese Mischung wird unter stetem Amrühren mit 95 Liter kaltem Wasser verdünnt. Beide Mittel sind gut. Gemüsebau Das Pilzigwerden der Rettige und Radieschen wird verhütet, wenn der Boden gleichmäßig feucht gehalten wird. Dieses ist aber nicht oder nur selten durch fleißiges Begießen der Beete zu erreichen, denn die Oberfläche der Beete trocknet verhältnismäßig rasch ab. Besser ist das Bedecken der Beete mit Torfmull, der womöglich mit Jauche gut durchtränkt ist. Die genügende Feuchtigkeit und Bodenbelockerung wird dadurch erhalten und nimmt wenigstens einen Teil der sich im Frühjahr stark häufenden Arbeiten weg. Um die Läuse von den Gurkenpflanzen im Mistbeet zu entfernen, mischt man einen Liter denaturierten Spiritus in eine 10—15 Liter fassende Gießkanne Wasser und überbraust die Pflanzen tüchtig. Nachdem dies geschehen, werden die Ranken gewendet und auch die Unterseiten der Blätter stark begossen, damit die Läuse auch von dort vertrieben werden. Um die Gartenbohnen zu einem reichlichen Schotenansatz zu bringen, läßt man dieselben stehen, bis die obersten Blüten am Stengel fast alle aufgeblüht sind; alsdann ist die rechte Zeit, ihnen den Kopf abzubrechen, jedoch nicht zu tief, damit das Rohr im Stengel nicht zu weit geöffnet werde. Ist nun die Witterung dergestalt günstig, daß weder zu brennende Hitze noch zu häufiger Regen einfällt, sie auch vom Mehltau befreit bleiben, so geht keine Blüte verloren, sondern sie setzen alle an. Ein Vorteil besteht in folgender Methode zu pflanzen: Man wählt allemal, wenn es möglich ist, zur Saat Bohnen, die ein Jahr gelegen haben: diese tragen fast 2mal mehr als alle andern. Dabei verfährt man bei den Pflanzen auf folgende Art: Erst pflanzt man 2 Reihen ganz nahe beieinander, damn bleibt ein Raum von 2 Fuß, hierauf werden wieder 2 Reihen ganz nahe beieinander gepflanzt und so verfährt man mit dem ganzen Stück Land. Auf diese Weise gewinnt man mehr Reihen, als wenn jede Reihe einen Fuß weit von der anderen absteht, und man hat Platz, sie vom Unkraut rein zu halten und ihnen zu rechter Zeit die Köpfe abzubrechen. Auch können die Blüten sämtlich die freic Luft genießen, die ihnen zum Ansetzen unentbehrlich ist; ferner schadet ihnen der Wind nicht so viel und die Ernte ist dreimal vorteilhafter, als sie es sonst sein würde. Sonnenblumen und Hanf gibt Vogelfutter für den Winter. Wer den hungernden Vögeln über die kalten Wintertage, wo kein Futter zu finden, hinweghelfen will, der pflanze im Frühjahr Sonnenrosen und Hanf in seinen Garten. Beide Gewächse sind ohnehin eine Zierde für den Garten. Im Spätherbst vor der Ganzreife sind die Samen abzuschneiden. Frühe Karotten können auf den im Juli abgeernteten Erbsen= und Blumenkohlbeeten nachgesät werden. Die Beete werden umgegraben und geebnet und mit 2 Zentimeter tiefen Rillen in Entfernungen von 20 Zentimeter versehen. Der Same wird dünn ausgesät und mit dem Rücken der Hacke eingedrückt. Ist der Same nicht genügend dünn ausgesät worden, so ist später, wenn es sich erweist, daß die Pflanzen zu dicht stehen, ein Lichten auf 3 Zentimeter Abstand notwendig. Die Karotten bleiben so bis ziemlich spät in den Herbst stehen; es wird ihnen dann das Kraut 5 Zentimeter über der Wurzel abgeschnitten. Sind keine Mäuse im Garten zu befürchten, so können die Karotten frostfrei eingedeckt auf dem Beete im Freien blieben. Ist dies jedoch wegen des Ungeziefers nicht möglich, so werden die Karotten im frostfreien Mistbeet dicht aneinander gestellt eingeschlagen. Empfehlenswert für die Saat um die jetzige Jahreszeit ist die Duwicker Karotte. Nach der Erdbeerernte bleiben die Beete noch etwas liegen, damit dem Wachstum freier Lauf gelassen wird. Erst von Mitte bis Ende August— nicht vorher— werden dann die Fruchtstiele entfernt. Sämtliche Ausläufer sind glatt von der Hauptpflanze abzuschneiden. Die grünen Blätter dagegen bleiben unberührt; nur gelbe und vom Rostpilz befallene Pflanzen werden herausgerissen und auf dieselbe Weise vernichtet. Die Erde an den betreffenden Stellen ist umzugraben. Hauswirtschaft. FeHerstellung der Pfirsichaprikosenbrote. Von J. Barfuß. (Nachdruck verboten.) Um Pfirsiche= und Aprikosenbrote herzustellen, nimmt man reife Pfirsiche und Aprikosen, säubert und entsteint dieselben mit einem Entsteiner und bringt die entsteinten Früchte in einen kupfernen Kessel. Alsdann sind dieselben auf ein gelindes Feuer zu stellen und langsam zu kochen. Sind die Früchte mürbe, so werden dieselben bei großem Vorrat auf einer Passiermaschine und bei kleinen Quantitäten durch ein Sieb gerührt, damit die Häute von dem Fruchtmark gesondert werden. Ist das Fruchtmark klar, so ist darauf zu achten, daß es nicht lange stehen und sauber bleibt. Zu dem Fruchtmark mischt man auf je 1 Pfund Aprikosen= und Pfirsichfleisch 1¼ Pfund bestes, feinstes Mehl. Dieses wird innig miteinander vermengt und da die Früchte sehr süßweinig sind, ist kein Zucker als Zusatz notwendig. Nachdem die Masse zu einem Teig geknetet ist, macht man schokoladenförmige Kuchen oder schneidet Herzformen. Die Schokoladenformen sollen nicht breit, sondern zierlich zu handhaben sein, gleichfalls auch die Herzformen, die nach der Mitte etwas gewölbt herzustellen sind. Hat man das benötigende Quantum Pfirsichaprikosenbrote fertig geformt, so können dieselben im Backosen gebacken werden. Will man diese Pfirsichaprikosenbrote sofort verwerten, so nauf sen. er. ennen Obkeit fer cis der 314 die die N. is er in nen ∆) en er 1e hr eit n * 6 backt man dieselben wie andere Kuchen und bäckt je nach Pfirsich= und Aprikosenvorrat wieder frisch. Die Pfirsichaprikosenbrote zeigen so recht den wahren echten Pfirsich= und Aprikosengeschmack. Diese Kuchenbrote sind auch lange Zeit, wenn sie härter gebacken sind, aufzubewahren und haben dann großen Nutzen. weil dieselben hart zu vielen Zwecken im Haushalte verwendet werden können. Die harten Fruchtbrote legt man in eine trockene, mit unbedrucktem Papier ausgelegte Kiste, oder in eine mit Blech ausgeschlagene Kiste und setzt dieselbe trocken. Die Verwertung der Dauerware kann hinausgeschoben, wenn die Kisten auf Holzböcke oder auf Stellagen plaziert werden, um stets trocken zu bleiben. Die so hergestellten Pfirsichaprikosenbrote können später trocken gemahlen, zum Belegen der Kuchen und zu Obstsuppe Verwendung finden. Man kann also diese köstlich schmeckenden Pfirsichaprikosenbrote im Haushalt im Winter verwerten und jedenfalls viele Liebhaber dafür finden, da man sie verhältnismäßig billig herstellen kann. Dazu kommt noch, daß diese Pfirsichaprikosenbrote sehr nahrhaft sind und auch die Gesundheit fördernde Stoffe in sich bergen. Die Pfirsichaprikosensuppe wird sich überall Anklang finden, weil der köstliche Fruchtmarkgeschmack so recht an den Tag tritt. Neben dieser Pfirsichaprikosenbrotherstellung ist auch das durch eine Passiermaschine, oder durch ein Sieb getriebene Pfirsichaprikosenmark direkt in Dosen einzufüllen, um später Pfirsichaprikosenbrote daraus zu backen. Am besten eignen 2 Liter Inhalt. Das Pfirsichaprikosenbrot wird heiß in die Dosen gefüllt und dieselben in dem Koch'schen oder Weckschen Sterilisierapparat eingekocht. Die ½ Liter Dosen werden 25 Minuten, die 1 Liter Dosen 38 Minuten und die 2 Liter Dosen 52 Minuten eingekocht. Dieses Pfirsichaprikosenmark in Dosen hält sich lange und kann später zu Suppen und Pfirsich aprikosenbrotbacken verwendet werden. Erdbeer= oder Himbeer=Kompott. Man wäscht die Früchte gut und läßt sie abtropfen, kocht dann auf ein Pfund Erdbeeren 200 Gramm Zucker mit wenig Wasser kurz ein, tut die Beeren hinein, läßt sie bei schwachem Feuer einmal aufkochen, gibt einige Tropfen Kochenille dazu, nimmt die Früchte vom Feuer, läßt sie erkalten und schüttet sie in die Kompottschale. Rhabarbergries. Rhabarberstengel werden geschält und in kleine Stücke geschnitten, dann setzt man sie mit Wasser aufs Feuer, läßt sie langsam weich kochen, gibt etwas Zitronenschale und reichlich Zucker hinzu, streut Gries hinein und läßt diesen unter beständigem Rühren darin ausquellen, gibt den Schnee von zwei Eiweiß nebst einigen fein gehackten Mandeln darunter, gibt die Masse in eine mit kaltem Wasser ausgespülte Porzellanform, läßt den Gries erkalten und reicht eine Sahnensauce dazu. Der Zweck des Blanchierens. Viele eßbare Stoffe müssen vor ihrer eigentlichen Zubereitung blanchiert werden. Dies geschieht, indem man sie mit kaltem oder heißem Wasser aufs Feuer setzt und kurze Zeit kochen läßt. Der Zweck des Blanchierens ist verschiedener Art. Fleisch und Geflügel, welches gespickt werden soll, macht man zuwetlen durch ein kurzes Blanchieren ein wenig steif. da es sich alsdann besser spicken läßt. Verschiedenes, z. B. Kalbsmilch und Kalbsbrüste, läßt man, ehe man sie blanchiert, in lauwarmem Wasser unter oft wiederholtem Wechsel des Wassers erst weißziehen. Fleisch oder Geflügel, welches vor der eigentlichen Zubereitung in Stücke zerlegt werden muß, wie Kalbfleisch zum Fricassee usw., wird blanchiert, um es besser zerlegen zu können, oder damit die Stücke die gegebene Form beim Garkochen behalten, was bei in rohem Zustande zerlegtem Fleisch und Geflügel nie der Fall ist. Die meisten Gemüsearten blanchiert man nur, um ihnen den strengen Geschmack und die blähenden Eigenschaften zu nehmen. * Gemeinnütziges. B4-4 Ein billiges Mittel gegen Ungeziefer ist die Hundskamille. Man pflückt die Köpfe, stößt sie und verwendet sie anstatt Insektenpulver. Der Vorteil besteht nicht nur darin, daß die Kamille nichts kostet, da man sie überall auf dem Lande findet, sondern auch darin, daß sie einen angenehmen Geruch im Kasten verbreitet im Gegensatz zum Insektenpulver. Der Glanz an Kammgarnstorten, die längere Zeit getragen wurden, läßt sich wieder entfernen, wenn man die Stellen mit einer Lösung von 25 Gr. Salz in 50 Gr. Wasser abreibt. Hierauf legt man ein feuchtes Tuch auf und fährt mit dem heißen Plätteisen leicht darüber weg. Der Stoff muß an der Luft trocken werden. Drahtbauer zu putzen. Das Bauer muß zuerst mit Soda recht warm gewaschen und nachher gründlich abgetrocknet werden. Feingeriebene Kreide wird mit Salmiakgeist zu einem dünnen Brei angerührt und dieser mit einem Bürstchen auf das Bauer aufgetragen. Mit einem Tuche reibt man dann gut ab und mit einem zweiten nach. Der Salmiak löst die Flecke und die Kreide verleiht frischen Glanz. Das Bügelbrett wird sehr oft mit einer Wergpolsterung versehen. Diese hat den Nachteil, daß sehr leicht nach längerem Gebrauch Angleichheiten entstehen. Besser ist es, eine doppelt gelegte Pferdedecke auf dem Brett zu befestigen und darüber einen Leinenumschlag zu machen. Ganz praktisch ist es, das breite Ende des Brettes mit Zinkblech zu beschlagen. Man braucht dann keinen Untersatz für das heiße Eisen. Behandlung von Wollsachen beim Waschen. Um das gefürchtete Einlaufen wollener Sachen in der Wäsche zu verhüten, weicht man sie abends im warmen, nicht heißem Wasser, dem man auf 1 Liter einhalb Gramm Borar zusetzt und wäscht sie am anderen Tage in warmem Wasser, doch ohne Seife zu benutzen. Auch das Spülen muß im warmen Wasser geschehen. Eingelaufene Wollsachen wäscht man in Fettlaugenmehl, das man in kochendem Wasser auflöst und dann soweit erkalten läßt, daß man die Hand bequem hineinhalten kann. Wollene Jägerwäsche, welche direkt auf der Haut getragen wird, wäscht man mit einem Zusatz von Salmiakgeist und bügelt ste noch feucht. Für wollene Sti Seife Salmi glas voll Bunte Wol laugemehl o feucht. Schr schön, wenn von Kleie i benutzen. M Weiße Woll sie durch ei halbfeucht Appretur. Stoffe. Nut sind, ist ein stoffe, welch zieht den und plättet Mitte beeröl in fla können den sich. 2. Bre respeltes Qu lege es auf 4. Stelle in Fliegen meit mälden. 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Für 247 wollene Strümpfe benutzt man gleichfalls statt Seife Salmiakgeist(auf 10 Liter Wasser ein Weinglas voll Samiakgeist) und lauwarmes Wasser. Bunte Wollstoffe wäscht man entweder in Fettlaugemehl oder mit Ochsengalle und plättet sie noch feucht. Schwarze und weiße Wollstoffe werden sehr schön, wenn man sie in einer lauwarmen Abkochung von Kleie in Wasser wäscht, ohne Seife dazu zu benutzen. Man spült mit lauwarmem Wasser nach. Weiße Wollstoffe werden auch sehr schön, wenn man sie durch eine dünnflüssige Mehlsuppe wäscht und halbfeucht plättet. Dadurch erhalten sie zugleich Appretur. Das Wasser, in welchem stärkehaltige Stoffe, Nudeln, Maccaroni usw., gekocht worden sind, ist ein gutes Appretierungsmittel für Wollstoffe, welche nicht gestärkt werden können. Man zieht den Stoff durch diese lauwarme Flüssigkeit und plättet halbfeucht. Mittel gegen Fliegen. 1. Stelle Lorbeeröl in flachen Gefäßen in die Stube; die Fliegen können den Geruch nicht vertragen und entfernen sich. 2. Brenne Kürbisblätter an. 3. Koche gerespeltes Quassinholz(6 Teile auf 8 Teile Wasser), lege es auf einen Teller, der Geruch tötet die Fliegen. 4. Stelle in jedes Fenster eine Rizinuspflanze; die Fliegen meiden alsdann das Fenster. 5. Von Gemälden. Möbeln usw. hält man sie fern, wenn man dieselben mit Wasser wäscht, in welchen man mehrere Tage hindurch Knoblauch eingeweicht hatte. Fragekasten. einen Parasiten, die Balgmilbe, verursacht. Die Milben befinden sich zu 10 bis 15 Stück, sogar noch mehr, in einem Haarbalge der Haut. Die Balgmilbe ist nicht länger als ¼ Millimeter. Sie wird auch vereinzelt beim Menschen angetroffen. Beim Hunde kommt sie anfangs hauptsächlich auf dem Kopfe vor, dann auf dem Rücken und dem Bauche, schließlich verbreitet sie sich über die ganze Hautoberfläche und verursacht Hautverdickungen und Haarausfall. An den verdickten Stellen liegen die Milben in der Haut. Die Behandlung ist selten von dauerndem Erfolg begleitet, da die in der Tiefe sitzenden Milben von Arzneimitteln nur schwer erreicht werden können. Wirksam wären Sublimatlösungen(1 Stück Angerersche Pastille und 100 gr warmes Wasser). Dieses Mittel ist aber etwas gefährlich. Vielfach wird der Perubalsam verwendet, den man, mit Oel oder Glyzerin verdünnt, jeden zweiten Tag auf die kranke Stelle aufträgt. Die Behandlung überläßt man am besten einem Tierarzt, den man möglichst bald beiziehen soll. Märkte. 3. August: Brakel(im Mindenschen)(2 Tage) KBFohlenm., Brilon Krm., Dortmund Schlachtviehm., Hagen Vm., Hallenberg Schaf=Hammelm., Holzhausen (Waldeck) KVm. 4. August:„Lichtenau KSchasHammelm, Minden K Vm., Münster Viehm. 5. August: Höxter u. Korvey Vm., Recklinghausen Vm., Arolsen(2 Tage) KVm., Stadtbagen Vm. 6. August: Geseke KVm. Frage: Mein Hund, ein Rehpintscher, leidet an einer Hautkrankheit. Diese äußert sich in besonders heftigem Juck, infolgedessen der Hund beständig kratzen muß. An einzelnen Stellen stellt sich ein Haarausfall ein, der allerdings leichter Art ist. Das Haar auf dem Rücken ist intakt. Es gewinnt dennoch den Anschein, als ob der Haarausfall mit dem Kratzen durch die Klauen zusammenhängt. Hauptsächlich angegriffen ist die unbehaarte Haut unter dem Bauche; die Haut ist hier lederartig. Einen besonderen Juck scheint der Hund auch zwischen den Klauenteilgen zu verspüren. Das Alter des Hundes ist ungefähr 3—4 Jahre. Gefüttert wird er mit allerlei Küchenabfällen. Uebermäßiger Fleischgenuß dürfte nicht vorliegen.— Antwort: Der Balgmilbenausschlag des Hundes, nicht zu verwechseln mit der Sarcoptesräude, welche ihr ähnlich sieht, wird durch Zur Herbstbestellung. Als ein wirksames Mittel gegen das Auswintern der Saaten hat sich neben zweckmäßiger Bodenbearbeitung und Auswahl passender Sorten eine richtige und gute Düngung erwiesen. Werden Roggen, Weizen und namentlich Wintergerste im Herbst mit Phosphorsäure und Kali(z. B. Thomasmehl und Kainitl und etwas Stickstoff (Ammoniak oder Chilisalpeter) gedüngt, so kommen sie kräftig ernährt in den Winter und überstehen die Gefahren eines ungünstigen Winters weit besser als nicht gedüngte Saaten. Aber nicht nur zeigen so gedüngte Felder einen schönen regelmäßigen Bestand, auch der Ertrag wird bedeutend höher ausfallen und die aufgewandten Kosten reichlich lohnen. Als besonders wirksam gegen Auswintern haben sich häufig die Kalisalze gezeigt, der en Anwendung an dem Acker noch vielfach nicht genügend gewürdigt wird, obschon sie keine großen Kosten verursacht. 4 Sepp: Na, Lindenbauer, hat denn das Kali, welches du im Frubjahr gestreut hast, auch Erfolge gebracht? Lindenbauer: Ei! und das nicht zu knapp; durch die Kalidüngung habe ich drei Zentner Körner an den Morgen mehr gehabt als sonst und hierzu kommt noch der Mebrertrag an Stroh. Sepp: Da muß ich doch auch einmal einen Versuch machen. Wie bist du eigentich auf das Kali gekommen? Lindenbauer: Turch die Landwirtsch. Auskunsesstelle des Kalisundikats G. m. d. H., Münster i. Weni., Achtermannstr. 25a, welche jedem schriltlich und mündlich kostenlose Auskunst, wie man mit Ersotg düngen kann, gibt. Cepp: Ich mach's sehzr auch so wie zu, noch dazu wre die Kalisalze so billig sind. ngauf en. er. enien beit fer is er sie ie n. is er in 1n 5 n F K* 248 Schlachtviehpreise nach Lebendgewicht auf Grund amtlicher Marktberichte zusammengestellt von der Zeutralstelle der Preuß. Landwirtschaftskammern(Viehverwertungsstelle). Ochsen. 2) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtw. höchst. 6 Jahre alt(mindestens 12 Ztr. Lebendgewicht)..... b) junge fleischige, nicht ausgemäst. u. ältere ausgemäst. c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere.... Bullen. a) vollfleischige, ausgemäst. bis zu 5 Jahren...... b) vollfleischige, jüngere... e) mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere.... Färsen und Kühe. a) vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtw. (mind. 11 Zir. Lebendgew.) b) vollfleisch., ausgemäst. Kühe höchst. Schlachtw. bis zu 7 I., v. mind. 12 Ztr. Lbdg. c) ältere ausgemäst. Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen.. Kälber e) seinste Mast=(Vollmilchm.) und beste Saugkälber(mind. 220 Pfd. Lehendgew.)... b) mittlere Mastkälber u. gute Saugkälber...... Schafe. 3) Mastlämmer und jüngere Masthammel von mindestens 95 Pfd. Lebendgewicht.. b) ältere Masthammel c) mäßig genährte Hammel u. Schafe(Merzschafe) Schweine. a) vollfleischige d. sein. Rassen und deren Kreuzungen bis zu 1¼ Jahren b) fleischige....... Schlacht= proz. au 100 Pfd. Lödgew. 61 54 50 60 53 48 56 52 50 65 60 50 48 42 41—42/42—43 14—-3634——0 29—3029—31 42—4442—44 49 42—43 37—38 48—49 40—42 34—36 46 43—44 39—41°39—40 34—35 43 36—37 33—35 42 33-84 30—31/26—28 40—41 33—35 26—28 40—41 37—39/38—39•37—38/34—35 31—3533—36 64—65 51—57 40—42 35—37 25—29 64—65 61—63 55—57 50—54 37—42 67 65—66 33—34 58 49—51 43 8—39 28—30 64 60—61 28—31 58 53—56 99 81 62 9—61 Essen 20. 7. 997 578 57 3171 45—46 39—41 32—86 44 37—38 32—34 55 48—53 2 36—38 26—30 * Umsonst als Probestück schicken wir jed. Einsender dieser Annonce, der Bedart in uns. Waren hat u. Nachbestellungen einsenden will, entweder ein hochleines Taschenmesser Jagdmesser. Nicker(schließt und öffnet sich nur durch Heraul- bezw. Herun erdrucken der auf der Schale angebracht. Eichel), mit prima Klinge u. Korkzieher, sein vernick. u okyd. Schalen, mit Jagdstücken verziert, oder ein aus feinst englischen Silberstahl geschmiedetes Rasiermesser. ein hohlgeschliff. u. ferlig zum Gebrauch abgezogen. Für Porto sind 30 Pig. in Briefmark. beirulugen. Bedingung ist, daß Besteller noch nicht von uns bezogenu. ihmm unsererabrikate gänzlich unnekannt sind. Nach demAuslande und an Minderjährige oder nicht sesshafte Persenen, sowie an Händler werden Gratispreben nicht abgegeben. Adrian& Stock, Solingen Gralis u franko versend. wir ferner an Jedermann— ohne Kautzwang— uns. neuest. ilI. Pracht-Katalog— derselbe enth. alle Sorten Selinger Stahlwaren(allein über 200 Sorten Taschenmesser). Haushaltungsart., Watten, Sensen, sämtl. Werkzeuge, opt. Artikel, Lederwaren. Schmucksachen, Uhren, Stöcke, Tollette-Artik., Pfeilen, Zigarren etc. 65 62—64 1 Kälbernotiz vom 16. 7. 08. Kälber= und Schafnotiz vom 16. En Schuhelg Vout 16. 7. 08. „ Vorstehende Preise verstehen sich für 100 Pfund Lebendgewicht; auf die Notizen für Schweine rechnet man ca. 20—22 Prozent Tara ab. Inuicd Marktnotierungen nach Lebendgewicht vorliegen, sind die Schlachtgewichtpreise mittels der angegebenen Schlachtprozente umgerechnet. Für die Märkte in der Rheinprovinz kommen die von der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz am Kölner Schlachtviehhofe ermittelten Schlachtprozente bei der Umrechnung zur Anwendung. Schluß des redaktionellen Teiles. edigiert von Karl Schweitzer, Direktor der landw. Winterschule in Salzkotten. Durch alle Buchhandlungen ist zu beziehen das nachstehende Schriftchen: Praktische Anleitung zur des Wetters auf Grund lokaler Beobachlungen von F. Breisbach. Mit 3 Figuren und 1 Tabelle. 40 Psg., mit Postzusendung 43 Pfg. Vorlag von Ferdinanck Schönings in Paderborn 1908er Ital. Hühner Erlasse halbgewachsene 3 Monat alte à nk. 1,40, grossere 4 Mouate alte à Mk. 1,60. Bel 20 Stck. franko. Riesengänse, PrachtExemplare à Nk. 4,25 bis Ak. 4.50. Leb. Ank. Bezirkstlerärztl. Untersuchung. Preisl. grat. Gefügelhof zum Strauss, Buchen in Baden. 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