Pueerberseerern. Zeitung für Stadt und Land. Organ des landw. Kreis=Vereins. 3 in Bade ThielPaderborn. Der Paderborner Anzeiger Redaction, Drus 3884 erscheint wöchentlich zweimal, des Mittwochs und und Verlag MSen Samstags. ,X 224 Im Paderborner Anzeiger werden alle amtlichen Vekanntmachungen des hiesigen Magistrats veröffentlicht. Abonnementspreis vierteljährl. 60 Pfg. Inserate kosten die 6 gespaltene Petitzeile 10 Pfg. Reklame 30 Pfg. NS 75. Paderborn, Mittwoch, den 17. September 1902. 16. Jahrg. Locales. Paderborn, 17. September 1902. *=(herr Sominarpräses Wurm) hierselbst ist zum Pfarrer von Brakel, Kr. Hörter, ernannt. An seine Stelle ist Herr Kaplan Schmidt aus Haaren ernannt worden. —(Unsere Postabonnenten) machen wir auf das von der Postbehörde eingeführte Verfahren aufmerksam, nach dem die Briesträger angewiesen sind, die Erneuerung der Zeitungl=Abonnemerts entgegen zu nehmen. Die Qutttungen haben Rechtsgültigkeit. Das Verfahren ist für die Abonnenten bequem und sichert das rechtzeitige Eintreffen der Zeitungen im neuen Quartale. —(In der Stadtverordnetensitzung) am 5. d. Mis. waren 19 Mitglieder anwesend. Die Schiedsmänner Ferdinand Schönineh und Sandhage, sowie der Stellvertreter Everke wurden wiedergewählt. Geneymigt wurden eine Anzahl städtischer Rechnungen, sowie der Forstkulturplan für 1908. Neubauten wurden dem Ziegeleibesitzer Lücking und dem Bauunternehmer C. Tenge genehmigt. Der Aufstellung eines Bedürfnißhäuschens am Heiersthore wurde zugestimmt und dafür 1200 Mark bewilligt, der besondere Platz jedoch soll in der nächsten Sitzung bestimmt werden. Der Beitritt zur ProvinzialPensionskafse wurde abgelehnt, genehmigt die Magistratsvorlage, nach der auch Privat=Installateure Küchenflammen zum Kochgaspreise anlegen dürfen. Einem Vertrage mit dem Locomotivführer a. D. Brand, welcher pro Quadratmeter an die Stadt abgetretene Fläche 25 Mark erhalten soll, wurde zugestimmt. Der Antrag des Herrn Auffenberg, an geeigneten Plätzen der Promenade und der Stadt aufzustellen, fand die Zustimmung der Versammlung.— In vertraulicher Sitzung wurde der bisherige 1. Beigeordnete Herr Müller auf fernere 12 Jahre wiedergewählt und ferner beschlossen, da die Amtsperiode am 15. Sept. abläuft, denselben bis zu seiner Wiedereinführung unter Beibehaltung seines bishe rigen Gehaltes als Hülfsarbeiter zu beschäftigen. —(Einen Sommerausflug), der alle Theilnehmer noch langs in angenehmer Erinnerung bleiben wird, unternahm am vorgergangenen Sonntag die Kän per=Compaguie des hiefigen Schützen= Bataillons. Auf 5 Leiter= und anderen Wagen ging die Fahrt kurz nach Mittag über Lippspringe und Schlangen nach der altehrwürdigen Eichenallee. In der Nähe der Oberförsterei Oesterholz wurde Halt gemacht zu einem Picknick. Der Himmel, der Tags zuvor seine Schleusen noch stark geöffnet hatte, machte ein freundliches Gesicht, sorgte für Sonnenschein und trockenen Lagerplatz. Bald brodelten die echten Frankfurter aus der rühmlichst bekannten Fabrik von Franz Beißel in dem Feldk.ssel und diesen wie auch den Buttrrbröden mit den verschiedenartigsten Aufschritt wurde alle Ehre angethan. Münsterländer und gut Paderborner Bier ließen den Durst nicht aufkommen. Auch an musikalischen Genüssen fehlte es nicht. Trommler und Pfeifer von dem 158. Regiment bildeten die Kap. Ue und lockten manch lippisches Fräulein aus dan näher oder entfernt liegenden Höfen herbei. Ein ad hoc gebildeter vierstimmiger Männerchor sorgte für angenehme Abwechselung, und großes Gaudium erhob sich bei der Ankunft mehrerer Slovenier, die einen schwarzen Bären tanzen ließen. An heitern Toasten war ebenfalls kein Mangel. Herr Hauptmann de Weldige gedachte in längerer schwungvoller Rede der anwesenden Majestät des Königs und des Commandeuts Herrn Lösseimann, dem ein Hurrah folgte, das weit in den lippischen Bergen wiederhallte. In launiger Weise erwiderte der Commandeur und toastete auf dem Hauptmann der Kämper=Compagnie; Majestät Leist ließ ein motwirtes Hoch auf die KämperCompanie erschallen. Darauf große Seance:„Meine Herren, ein freundlich Gesicht!“ und Herr B. Pommer hatte den denkwürdigen Aet momentographirt. Sodann folgte unter den Klängen des Parademarsches Paradeaufstellung und Parademarsch auf der schönen Eichenallee und bald darauf Abmarsch nach dem nahe gelegenen Kohlstädt. In den schönen Gartenanlagen und dem großen Saals des Restaurateurs Schiffmann gab es mannichfache Abwechselung. Hier konnten die Humoristen der Gesellschaft, die Herren Fitter und Koke, sich loslassen und durch Couplets und Zauberkunststückchen alle Anwesenden erheitern. Zu schnill ging die Zeit vorüber, noch ein Abendinbiß und dann wieder fort auf den reich mit Lampions geschmückten Wagen der geliebten Paderstadt zu. Noch einmal wurde bei dem kleinen Franz in Marienloh Halt gemacht, die Trommlermusik ertönte, Hochs durchhallten die stille Nacht und bald war die alte Paderstadt erreicht. Auch nicht ein Mißton hat die schöne Fahrt getrübt. —(herr Baron Osear von Fielit), der mit seinem litterarisch=musikalischen Cabaret große Gastspielreisen durch Deutschland, Rußland, Finnland, Skandinavien und Dänemark gemacht hat, b.findet sich jetzt auf der Reise nach Holland und wird heute Mittwoch, den 17. und Donnerstag, den 18. Sept. mit seiner Künstlerschaar im Hotel Preußischer Hof gastiren. Jeder einzelne seiner Künstler, zu denen auch dis einzige Rivalin der Yoette Guilbert— Fräulein Adrienne Gaston— gehört, hat sich im In= und Auslands einen Namen gemacht. Herr Baron von Fielitz ist der liebenswürdigste geistvollste Causseur der Jetztzeit und ist der Besuch seiner Vorstellungen überaus lohnend. —(Vor der Strafkammer) des hiesigen Landgerichts stand am vorigen Freitag der Knecht M. aus Bevcrungen. Das dortige Schöffengericht hatte ihn zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt, weil er einem jungen Mädchen die Kleidung mit Scheidewasser verbrannt haben sollte. Er bestreitet das und erbietet sich, den Alibibeweis zu erbringen. Der Termin wurde behufs Zeugenladung vortagt.— Das Dienstnädchen Gertrud M. aus Borgentreich war angeklagt. 23 Quittungsmarken, die schon eingeklebt gewesen, abgelöst und in ihre eigene Karte geklebt zu haben. Die Beweisaufnahme ergab, daß ihr Herr allein verpflichtet war, die Marken zu stillen und das Mädchen keinen Vortheil durch die Manipulation hatte. Es wurde auf Freisprechung erkannt.— Der 16jähr. Tischlerlehrling P. aus Westheim, der auf offener Chaussee ein Mädchen unanständig angefaßt hatte, muß dafür 2 Monate ins Gefängniß.— Ein Jahr Zuchthaus erhielt die 52jährige, wiederholt wegen Diebstahls volbestrafte Clementine C. aus Eißen. Sie hatte aus einem Hause, in dem sie genächtigt, verschiedene Kleidungsstücke gestohlen. Ihre Angabe, sie habe die Sachen im Chausseegraben gefunden, wurde nicht geglaubt. — Der Knecht Sch., schon wegen Pferdediebstahls vorbestraft, wurde dabei ertappt, wie er dem Landwirth Thöne zu Elsen ein Pferd von der Wetde treiben wollte. Außer der an Ort und Stille sofort ausgezahlten Tracht Prügel, erhielt er von der Strafkammer noch 9 Monate Gefängniß zudictirt.—4 Monate Gefängniß erhielt der Arbeiter B. aus Anröchte wegen schwerer Körperverletzung. Er hatte einen schweren Stein, der nur mit 2 Händen zu fassen war, auf ein Kind geworfen. Die Verletzungen waren glücklicherweise nur geringe.— Der Arbeiter w. aus Büchtringen, der am 28. Juni den Maurer Beverungen daselbst mit einem Messer gestochen, erhielt eine Strafe von 9 Monaten Gefängniß. —(Frisches Obst in den Bahnhofsrestaurationen.) Um denjenigen Reisenden sowohl wie den Eisenbahnbediensteten, welche während der wärmeren Jahreszeit das Bedürfniß fühlen, sich zu erfrischen, aber den Genuß von Trinkwasser und namentlich den alkoholischen Getränken, insbesondere Bier vermeiden möchten, die Möglichkeit hierzu verschaffen, hat der Minister der öffentlichen Arbeiten die Königl. Eisenbahndirectionen beauftragt, die Bahnhosswirthe zu veranlassen, daß sie auf den Buffets wie an den Zügen das der Jahreszeit entsprechende Odst in ausreichender Menge und zu angemessenen Preisen feithalten. Diese Bestimmung ist alljährlich den Bahnhofswirthen in Erinnerung zu bringen. —(Marktbericht) vom 13. Sept. Weizen pro 100 Kllo 00,00—15,00. Roggen 18.50—14.40. Gerste 00,00- 00,00. Hafer 00,00—15,00. Weizen=K. 00.00 bis 00,00. Erbsen 23,00—25,00. Bohnen 23,00—25.00. Linsen 24,00—25,00. Kartoffeln 6.50—6,20. Heu 4,00 bis 5.50. Strob 4,50—5,00. Rindfleisch 1/2 Kilo 0,65 bis 0,70. Schweinefleisch 0,65.—0,70. Kalbfleisch 0,65—0,70. Hammelfleisch 0,60—0,70. Brod 4 Kilo 0,80—0,85. Sier 60 Stück 8,60—4,20. Butter ½/3 Klle 1,10—1,30. Speck 0.80—0,90 ½ Kilo. Um Necht und Original=Roman von Dr. Fr. Södde. 34) „Diese siel mir auch sofort auf,“ siel Jörg ein.„Er ist nämlich der junge Mann, den ich von der„Colombe“ rettete. Ich sagte mir sofort: das ist einer von den Trendlers.— Im Koffer des jungen Mannes fand ich diesen Ring und diese Papiere=“ Ibrg legte die Sachen auf den Tisch. „Seltsam,“ murmelte der Beamte, die Gegenstände betrachtend.„Was ists mit dem Ringe?“ „Diesen Ring, Herr Amtsgerichtsrath, müssen Sie einmal genau betrachten,“ begann aufs neue Jörg seine Auseinandersetzungen.„Darauf steht ein F. T. G., das heiß: Friedrich Trendler, Bremen. Wissen Sie, der Alte, der ja auch Friedrich hieß, hatte genau solchen Ring; er ließ seiner Zeit seinem Sohne ein gleiches Stück macen, damals waren beide noch nicht entzweit. Ich weiß das ganz genau; der Sohn hat den Ring, da er ihm zu groß war, anfänglich nicht getragen, später aber sah ich ihn an seinem Finger. Jitzt ist der Ring Eigenthum des Varitekünstlers hier, der ihn von seinem Vater geerbt hat.“ „Hw,“ machte der Pichter,„das wäre ja so eine Art Beweis, aber auereichend ist das noch lange nicht.“ „ Und hier, Herr Amtsgerichtsrath, der Schein über die Aufnahme Touskanis in X., wo der Vater starb.“ Der Beamte las und meinte dann, das diesos Schriftstück noch geringere Beweiskraft habe.„Vor allen Dingen,“ ffügte er scharf hinzu,„muß nachgewiesen werden, daß jener Touskani, der in X. gestorden sein soll, der Sohn des Kaufmanns Trendler gewosen is; daß läßt sich aus dem Ring und Schein nicht erkennen.“ „Das sags ich mir auch, Herr Gerichterath, erwiderte! Jörg,„aber bis zum 10. Aptil ist eine kurze Frist, neun Wochen nur; die Gutfernung ist weit. Kann nun auf diese Stücke hin der Termin verschoben werden?“ „Rein, das ist unmöglich, den Stücken fehlt die Beweiskraft, die das Gericht verlangen muß.“ „Können die Stücks in den Händen des Gerichts bleiben?“ „Das geht an.“ „Gut, ich werde mit nächster Gelegenheit nach T. reisen, um zu sehln, ob weiteres Beweismaterial auszutreiben ist.“ „Thun Sie das, in neun Wochen ist manches zu erreichen. Aber, Jörg Plessem, ist denn der junge Mann, für den Sie alle diese Unternehmungen ausführen, auch sicher dieser Mühen werth“ Herr Amtsgerichtsrath,“ Jörg Plessem setzte seine ernsteste Miene auf,„es handelt sich um das Kind des Sohnes meines Wohithäters! Diesen Menschen liebe ich wie meinen Sohn.“ „Das ist brav, alter Jörg. Nun, mich interessirt diese Sache auch; das Gesetz befiehlt mir, dem richtigen Erben sein Gut auszuhändigen; meiner Unterstützung können Sie versichert sein. Wenn Sie mir nun eine Vollmacht Ihres Schützlings beibringen, werde ich Ihnen ein amtliches Schriftstück beim di. sseitigen spanischen Consul erwirken, durch welches Ihnen mancherlei Erleichterungen geschoffen werden kann.“ „Schba!“ meinte Ibeg.„Das beste wäre ja, ich nähme den jungen Mann mit, aber ich kann ihn doch nicht aus Stellung und Brod reißen! Ich wille allein durchsotzen und werde auch etwas finden.“ „Das wünsche ich Ihnen! Viel Glück.“ * Die Theilnehmer der Schlittenpartie waren in gedrückter Stimmung in ihre Behausung zurückgekrhrt. Als die Schlitten vor dem Hause in der„Hohen Luft“ hielten, erklärte Werner, daß er noch dienstliche Geschäfte habe, Feodor hatte noch Vorbereitungen zur Abendvorstellung zu treffen; Berg mußte sich selbstredend seinen Obliegenheiten widmen; Frau Walter hatte im Haushalte zu thun, und so blieben noch die beiden Freundinnen übrig, die noch beieinander zu bleiben wänschten, um zu plauderrg. Des Rechtsanwalts dienstliche Geschäfte schienen nicht dringend zu sein; er ließ sich im Wohngemach die Lampe anzünden und ging in dem luxurtös ausgestatteten Zimmer auf und ab; dann nahm er ein großes Album von einem Seitentische und betrachtete die Bilder des verstorbenen Trendler und seines Sohnes. Er rief sich die Erscheinung des alten Onkels in allen Einzelheiten ins Gedächtniß, verglich alles mit dem jungen Mann, in dessen Nähe er eben geweilt hatte, und er mußte gestehen, daß ihm eine solche Aehnlichkeit noch nie aufgestoßen sei, nicht allein im Aeußeren und der Gesichtsbildung, sondern auch im Tone der Stimme und der Art der Bewegung, dem ganzen Wesen. „Kann das Zufall sein?“ fragte er sich immer wieder. „Das wäre ja ein höchst seltsames Naturspiel. Man hört ja dergleichen von Doppelgängern. Der Vater dieses Mannes soll ein Bremenser, seine Mutter eine Französin gewesen sein. Friedrich Trendler juntor hetrathete eine Gauklerin oder Tänzerin, eine Französin; die ganze Kette schließt sich in Verhältnisse ein, vom Standpunkte der Wahrscheinlichkeit ist ein Zweifel kaum möglich; aber vom jurtstischen Standpunkte...““ Seine Stion legte sich in tiefe Falten. Seinem Gefühl nach war dieser Künstler der Enkel des alten Trendler und ihm gehörte das Erbe; moralisch sei er gezwungen zurückzutreten, aber das Gesetz veipflichte iha, nach den Beweisstücken zu forschen, denn nach dem Material des alten Plessem war kein Beweis zu erbringen. „Ich sage mir deshalb,“ monologifirte er weiter,„ich stehe im Recht, Gefühl gegen Gefühl, Moral gegen Moral, nach meiner Seite neigt sich die Wagschale. Soll ich einem fremden Menschen, dessen Rehnlichkeit unsere Phantasie erregt, mein Recht so ohne weiteres ausliefern? Ich möchte den sehen, der das thäte!“ So suchte Werner die Regungen seines Gewissens zu beseitigen, so lehnte sich der Jurist gegen das Gefühl auf, so das Gewissen gegen den Egoismus. Aber bei all seinen Erwägungen vermochte er sich nicht zu dem Gedanken durchzuringen, daß dieser Touskant ein Lump sei. Das war kein herumziehender Gaukler, der Mensch hatte etwas Edles, Nobles an sich, das darauf hindeutete, daß er einer besseren Familie angehört hatte; der ganze Mensch zeigte ein distinguirtes Aussehen, welches auch durch die Theaterluft nicht beeinträchtigt wurde. Er sprang endlich auf und klappte das Buch'zu.„Ich bin nervös geworden, plage mich mit Phantasmagorien!“ Aber seine gedrückte Stimmung blied, als er das Zimmer verließ. 4 6w2 1% (Fortsetzung folgt.) bei allen Postanstalten und in der Gescha m Baderbern, Markt 21. Hauswirtschaftlicher Unterricht. In dem trefflichen Verlage von Gustav Fischer in Jena hat der bekannte volkswirtschaftliche Schriftsteller Arthur Dix jüngst unter dem Titel„Die Jugendlichen in der Social= und Kriminal=Politik“, ein Buch erscheinen lassen, das der eingehendsten Beachtung und weitesten Verbreitung würdig erscheint. Mit warmem Herzen und gediegener Sachkenntnis werden hier alle Fragen besprochen, die mit der Erziehung der Jugendlichen und der Fürsorge für dieselben in Beziehung stehen. Es sei uns gestattet, aus dem reichen Inhalte des Buches einen Gegenstand herauszugreifen und an der Hand des Autors in Kürze zu behandeln. Bei der Fortbildung der weiblichen Personen handelt es sich in erster Linie um die hauswirtschaftliche. Mit Recht bemerkt unser Autor, daß das sociale Elend vielleicht mehr als durch irgend welche andern Fortschritte vermindert und gemildert werden würde, wenn die Frauen in den untern Schichten durchweg über eine gute hauswirtschaftliche Ausbildung verfügten, die heute namentlich dem größten Theil derjenigen Frauen vollständig fehlt, die frühzeitig in die Fabrikarbeit hineingetrieben sind. Von einer Verallgemeinerung des weiblichen Fortbildungs=Wesens mit nachdrücklicher Berücksichtigung der hauswirtschaftlichen Ausbildung ist eine tiefgreifende Besserung der wirtschaftlichen, gesundheitlichen und nicht zuletzt auch der ethischen Zustände im Familienleben der breitesten Schichten mit Bestimmtheit zu erwarten. Ueber die Wege und Mittel, welche am leichtesten und wirksamsten zu einer Verallgemeinerung hauswirtschaftlicher Bildung führen könnten, gehen die Meinungen gegenwärtig noch auseinander. Während die deutsche Lehrer=Versammlung sich gegen eine Einfügung des hauswirtschaftlichen Unterrichts in den allgemeinen Lehrplan der Volksschule ausgesprochen ce and diesen Unterrich,g ggeschließlich der Fortbilbungs. hule beziehungsweise besonders an die obern Klassen der Volksschule angelehnten Kursen überweisen möchte, hat der deutsche Lehrerinnen=Verein schon vor einiger Zeit die Forderung des obligatorischen hauswirtschaftlichen Unterrichts in der Volksschule aufgestellt. Ueber die Notwendigkeit des Zieles aber herrscht erfreuliche Uebereinstimmung. Ganz besondere Freude muß es hervorrufen, daß auch die leitende Unterrichts=Behörde des größten deutschen Bundesstaates, das preußische Kultusministerium, dieser Frage neuerdings ein lebhaftes Interesse entgegenbringt. So hat der Kultusminister zu Beginn des laufenden Jahres durch einen Erlaß an die Provinzial=Schulkollegien bereits eine„Prüfungsordnung für den hauswirtschaftlichen Unterricht" festgesetzt. Dem Beispiele des preußischen Kultusministers dürften bald auch die Schulbehörden der andern Staaten folgen. Viel, recht viel noch ist auf dem in Rede stehenden Gebiete zu thun. Nach Ermittelungen des preußischen Handelsministers erhielten im Juni 1901 in Preußen im ganzen nur 24313 Mädchen eine gewerbliche oder hauswirtschaftliche Fortbildung, und man dürfte nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß es sich hierbei zu einem großen Theile gar nicht einmal um Mädchen handelt, die im Erwerbsleben kunden, beziehungsweise in demselben sich zu bethätigen gezwungen waren. Die Berufsstattstik aber lehrt, daß sich 1895 in Preußen in Erwerbsstellungen außer häuslichen Diensten 443000 Mädchen von 14—18 Jahren befanden, die für den voraussichtlichen künftigen Ehestand gewiß einer hauswirtschaftlichen Ausbildung dringend bedurft hätten. So bietet sich hier allen Volks= und Vaterlandsfreunden, Gemeinden wie Privaten, noch ein reiches Feld der Bethätigung dar. Möge es in Zukunft mit regem Eifer und gutem Ertolge beadkert werden! Deutschland. Berlin, 14. Sept. Zum Empfange des Königs von Sachsen am Kaiserhofe hatte auf dem mit Palmen und Blumen geschmückten Bahnhofe eine Ehrenkompagnie des Gardejäger=Bataillons Aufstellung genommen. Anwesend waren Prinz Friedrich Leopold, Prinz Albrecht von Braunschweig, der Erbprinz von Hohenzollern, Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, ferner Staatssekretär Frhr. von Richthofen, das Hauptquartier und die Generalität. Kurz vor 12 Uhr erschien der Kaiser in sächsischer Infanterieuniform mit dem Bande der Rautenkrone. Um 12 Uhr fuhr der Zug ein, die Kapelle spielte den Präsentiermarsch, die Fahnen senkten sich. Der König von Sachsen in der Uniform des Altmärkischen Ulanenregiments Treffenfeld entstieg dem Wagen. Die Begrüßung war sehr herzlich. Es fand dann die übliche Vorstellung statt. Der König schritt die Front der Ehrenkompagnie ab. Dann bestiegen der Kaiser und König den vierspännigen Wagen. Geleitet von einer Eskädron der 1. Garde=Dragoner fuhr man nach dem Neuen Palais. Hier hatte eine Kompagnie des 1. Garderegiments Aufstellung genommen, bei der Prinz Eitel Friedrich stand. wann begaben sich die Monarchen in das Palais. Der König von Sachsen fuhr Nachmittags in Begleitung des Generals von Plessen nach dem Mausoleum und legte hier am Sarkophage Kaiser Friedrichs einen Kranz von Lorbeer und Veilchen, und am Grabe der Kaiserin Friedrich einen Kranz von Lorbeer und Nelken nieder. An beiden Kränzen befinden sich grüne und weiße Moireeschleifen, deren Eiden dus Incial„“ mit der Königskrone kragen. — Abends 8 Uhr fand in der Jaspisgauelle des Neuen Palais Tafel zu Ehren des Königs von Sachsen statt. Der König saß zwischen dem Kaiser und der Kaiserin. Der Kaiser brachte folgenden Trinkspruch aus:„Gestatten Ew. Majestät Mir, den herzlichsten Dank entgezenzubringen für den freundlichen Besuch, den Ev. Majestät Mir heute gewozentlich abstatten. Wir gedenken der schweren Stunden, die Ew. Majestät in diesem Jahre durchlebten. Innig haben Wir theilgenommen an dem Schmerze, der Ew. Majestät und Ihr Land erfüllte. Wir begrüßen in Ew. Majestät den Bruder des verewigten Königs, des getreuen Mitardeiters in der Errichtung unseres deutschen Reiches. Ich persönlich bitte Ew. Majestät versichert zu sein, daß Ich Meine allerinnigsste Dankbarkeit und Liebe, mit der Ich an König Albert gehangen habe, von ganzem Herzei auf die Person Ev. Majestät übertrage, und Ich bitte Mir die Huld, die Ew. Mojestät königlicher Bruder Mir erwiesen hat, Mir auch ferner bewahren zu wollen. Meine Gefühle und die Gefühle Meines Hauses und Meines Volkes für Ew. Majestät und das treue Sachsenvolk fasse Ich zusammen in dem Rufe: Gott schütze und segne Ew. Majestät! Se. Majestät der König von Sachsen hurrah! hurrah! hurrah! Der König von Sachsen erwiederte:„Gestatten Mir Ew. Majestät, für die liebenswürdigen und hochherzigen Worte, mit denen Ew. Majestät Mich begrüßt haben, Meinen tiefgefühltesten Dank auszusprechen. Sie werden Mir stets als ein theures Andenken im Gedächtniß bleiben. Gestatten Ew. Majestät zugleich die Versicherung, daß wir bestrebt sein werden, das Verhältniß zu Kaiser und Reich so zu erhalten, wie es unter Meinem unvergeßlichen Bruder gewesen ist. Wir werden unentwegt zu Kaiser und Reich stehen. Gestatten Ew. Majestät, daß ich den Gefühlen des Dankes für die so liebenswürdige Aufnahme, dahin Ausdruck gebe, daß Ich Mein Glas erhebe und rufe: Se. Majestät der Kaiser, Ihre Majestät die Kaiserin und das ganze Kaiserliche Haus hurrah! hurrah! hurrah! — Dem König von Sachsen widmet der„Reichsanzeiger“ an der Spitze des nichtamtlichen Theiles folgende Begrüßungsworte:„König Georg von Sachsen ist zum 1. Male nach seinem Regierungsantritt heute in Potsdam als Gast des Kaisers eingetroffen und herzlich empfangen worden. In dem erlauchten Bruder des verewigten Königs Albert begrüßen wir eine ritterliche Gestalt aus dem durch große geschichtliche Erinnerungen geweihten Kreise der Bundesfürsten, die für die Begründung des Reiches ruhmvoll mitgestritten haben und deren nationale Verdienste von dem Erben der ersten Kaiser wie von unserem Volke treu in Ehren gehalten werden.“ — Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg veröffentlicht durch die Amtsblätter nachstehenden Dankerlaß des Kaisers über die Manöver: Es sind mir wie der Kaiserin, meiner Gemahlin, in der uns so eng verbundenen Provinz Brandenburg so vielfache Aufmerksamkeiten und mancherlei Kundgebungen treuer Ergebenheit zu theil geworden, daß ich gern Veranlassung nehme, unserer lebhaften Befriedigung hierdurch Ausdruck zu geben. Insbesondere bezieht sich dieses auf den warmen Empfang, welchen uns die Behörde und Bewohner von Frankfurt a. O. und Sonnenburg bereiteten, wofür ich unsern Dank und unsere Anerkennung ausspreche. Auch ist es mir eine große Freude gewesen, bei der Parade am 6. September die aus allen Theilen der Provinz zusammengeströmten, nach vielen Tausenden zählenden Abordnungen der Kriegervereine und unter ihnen die Vertreter der glorreichen Vergangenheit des in Parade stehenden Brandenburgischen Armeekorps begrüßen zu können. Indem ich Sie beauftrage, dies zur Kenntniß der Einwohner der Provinz Brandenburg und im besonderen der Stadt Frankfurt a. O. zu bringen, füge ich gleichzeitig hinzu, wie ich mit großer Genugthuung vernahm, daß die Truppen in denjenigen Kreisen und Ortschaften, denen in diesem Jahre durch die großen Truppenzusammenziehungen eine vermehrte Einquartierungslast auferlegt wurde, überall vortreffliche, liche Aufnahme gefunden haben. Berlin, 15. Sept. Bei dem Samstag Abend in der Jaspisgallerie des Neuen Palais bei Ihren Majestäten; stattgehabten Tafel zu Ehren der Anwesenheit des Königs von Sachsen, saß der König zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, ihm gegenüber saß der Oberstkämmerer Graf zu Solms=Baruth. Rechts vom Kaiser folgten zunächst die Herzogin von Albany, Prinz Eitel=Friedrich, die Ober=Hofmeisterin Gräfin Brockdorff, Prinz Friedrich Wilhelm von Preußen, Hofdame v. Gersdorff, Prinz Ernst von SachsenAltenburg, Prinz Albert zu Schleswig=Holstein; links von der Kaiserin saßen Prinz Friedrich Leopold, Alice von Großbritannien und Irland, Prinz Albrecht von Preußen, Palastdame Gräfin Keller, Prinz Chlodwig von Hessen=Philippsthal=Barchfeld, Hofdame Gräfin Stolberg, Prinz Albert zu Schleswig=Holstein und der Ecbprinz von Hohenzollern. Der Oberst=Kämmerer saß zwischen dem Königlich Sächsischen Gesandten Grafen v. Hohenthal und dem Hausminister v. Wedel rechts und dem Königlich Sächsischen Kriegsminister Freiherrn v. Hausen, Generaloberst v. Hahnke und dem Königlich Sächsischen Generalmajor D’Eisa links. — König Georg von Sachsen ist gestern Mittag 1 Uhr von hier wieder abgereist. Der Kaiser begleitete den König im offenen Wagen zum Bahnhof, wo sich auch Prinz Eitel Friedrich zur Verabschiedung eingefunden hatte. Vom Fenster des Salonwagens aus unterhielt sich der König noch kurze Zeit mit dem Kaiser. — Der Kaiser reiste um 2,40 Uhr nach Cuxhaven ab. — Die amerikanischen Generale, die als Gäste des Kaisers den Kaisermanövern beiwohnten, haben Berlin verlassen. General Wood, der frühere General=Gouverneur von Cuba und Oberst der Rooseveltschen Rauhen Reiter, hat sich nach Dresden begeben, während die Generale Young und Corbin nach Düsseldorf gereist sind, um die Ausstellung zu besuchen. — Staatswinister Budde hat sich nach Rheinland und Westfalen begeben. — Wie sicher verlautet, hat der bisherige Bürgermeister von Posen, Witting, heute Vormittag einen Vertrag untertzeichnet, durch welchen er vom 1. Januar 1903 ab in die Direktion der Nationalbank eintritt. Damit sind die Verhandlungen mit dem Reichskanzler, die darauf hinausliefen, Witting für den Staatsdienst zu gewinnen, gescheitert. — Im kommenden Winter wird dem Staatssekretär des Reichsmarineamts zum 1. Male ein Flaggoffizier beigegeben werden, der keinem besonderen Departement zugetheilt wird. Es ist dies der Kontreadmiral v. Ahlefeld, der als bisheriger 2. Admiral des Ostasiatischen Kreuzergeschwaders den Kreuzermangel im Auslande durch eigene Anschauung kennen gelernt hat und wichtiges Material für den Ausbau der Auslandsflotte beibringen wird. — Der nächste preußische Etat fordert eine Summe von 12 Millionen, aus der Beamte der Ostmarken Darlehen und Prämien für den Bau eigener Wohnhäuser erhalten sollen. Posen, 14. Sept. Der Oberpräsident veröffentlicht folgenden kaiserlichen Erlaß: Der großartige, herzliche Empfang, den mir und der Kaiserin und Königin, meiner Gemahlin, die Hauptstadt der Provinz Posen bereitete, die sympathische Begrüßung, die mir seitens der Bevölkerung der Provinz in Stadt und Land, soweit ich gekommen bin, zuteil geworden ist, haben meinem landesväterlichen Herzen sehr wohl gethan und mich angenehm berührt. Eine ganz besondere Freude hat es mir bereitet, Zeuge von der Enthüllung des von der Stadt Posen errichteten Denkmals meines in Gott ruhenden, geliebten Vaters, des Kaisers Friedrich, Majestät, sein zu dürfen, wodurch die Bande zwischen meinem Hause und der Provinz Posen immer fester geknüpft und unlösbar verschlungen werden. Daß die nach Tausenden zählenden Abordnungen der Kriegervereine aus allen Teilen der Provinz zusammengeströmt sind, um an dem Ehrentage des 5. Armeekorps am 3. September teilzunehmen und den obersten Kriegsherrn mit Hurrah zu begrüßen, hat mich mit großer Genugthuung erfüllt.— Auch habe ich gern erfahren, obwohl einzelnen Provinzteilen infolge der in diesem Jahre stattgehabten großen Truppenzusammenziehungen eine recht erhebliche Einquartierungslaft auferlegt werden mußte, daß die Truppen überall freundlich aufgenommen wurden. — Ich beauftrage Sie, dies der Provinz und ihren Bewohnern mit dem Ausdruck meines Königlichen Dankes bekannt zu machen. Sonnenburg, den 12. Sept. Wilhelm I. R. Cuxhaven, 15. Sept. Gestern Abend gegen 10 Uhr traf der Kaiser mittels Sonderzuges hier ein. Auf der Fahrt am Quai entlang wurde der Kaiser von den Besatzungen der Schiffe mit Hurrah begrüßt. Die Kaiser=Yacht „Hohenzollern“ u. der Schleipner waren prachtvoll beleuchtet. Osnabrück, 14. Sept. Der kommandierende General des 7. Korps, Frhr. v. Bissing, ist in Osnabrück mit seinem Stabe eingetroffen. Am Sonnabend begannen die eigentlichen Brigademanöver. Das Wetter ist denkbar ungünstig geworden. Gestern führten ca. 14. Sonderzüge aus Mülheim, Paderborn, Münster, Minden, Bielefeld, Wesel, Cleve u. s. w. Truppen in das Gelände. St Johann, 14. Sept. Der Großherzog von Baden wird am 28. d. Mts. hier eintreffen, um der Feier seines 50jährigen Jubiläums als Chef des hier garnisonierenden Ulanen=Regiments„Großherzog Friedrich von Baden" beizuwohnen. Darmstadt, 13. Sept. Der Oberbürgermeister brachte heute der Bürgerschaft folgende Depesche der Kaiserin Alexandra von Rußland und ihrer Schwester, der Großfürstin Elisabeth, zur Kenntniß: Peterhof, 12. Sept. Unsere treuesten Gedanken weilen heute in der geliebten Heimath und bitten wir Sie daher, der Stadt Darmstadt unser tiefstes Bedauern auszusprechen, daß wir der Eathüllung des Denkmals, errichtet von den Frauen und Jungfrauen Hessens zur Erinnerung an unsere treue Mutter, nicht haben beiwohnen können. München, 13. Sept. Die heute hier eröffnete sozialdemokratische Frauenkonferenz lehnte den Antrag, zur besseren Organisation der Frauenbewegung eine bezahlte Sekretärin in Berlin anzustellen, ab. Ausland. Wien, 13. Sept. Amerikanischen Privatberichten zufolge tauchte dort der ehemalige Matrose Paichurie von Johann Orths Schiff„Santa Margaretha“ auf. Derselbe behauptet, der verschollene Erzherzog Johann Salvator lebe und habe sich auf einer Südseeinsel ein Heim gegründet. Sasvar, 13. Sept. An dem heutigen Manövertage kam es bereits zwischen dem Gros der operirenden Heereskörper zu einem Zusammenstoß. Der Kaiser und der deutsche Kronprinz verfolgten von den Höhen des Barbaikt aus den Verlauf des Kampfes. Um 1,30 Uhr kehrten der Kaiser und der Kronprinz in das Hoflager zurück. 15. Sept. Der gestrige Tag war Ruhetag. Kaiser Franz Joseph wohnte dem Gottesdienst bei, während der Deutsche Kronprinz den Erzherzogen, die bei dem im Manöver befindlichen Truppen eingestellt sind, Besuche abstattete. Graz, 15. Sept. Das Schiedsgericht in dem Meeraugen=Streit entschied zu Gunsten Galiziens, welchem die 4 streitigen Parzellen mit Ausnahme eines kleinen Theiles. Waldparzellen im Wege der Grenzparzellirung zufallen. Brüssel, 14. Sept. Heute Vormittag fand in der königlichen Villa zu Spa eine Konsultation der Leibärzte Thiriar, Romelaere und Guilleaume statt. Die Aerzte konstatirten, daß die Krisis, welche stärker war als die vorhergehende, vorläufig gehoben sei. — Im Zustande der Königin ist eine bedeutende Verschlimmerung eingetreten. Voraussichtlich kürzt der König seinen Aufenthalt in Ballee Luchon ab, um nach Brüssel zurückzukehren. Paris, 14. Sept. Interessante Manöver mit Unterseebooten fanden in der Rhede von Cherbourg statt. Das in einer Conferenz aller Offiziere ausgearbeitete Thema der Manöver lautete dahin, die Wirksamkeit der Unterseeboote im Falle einer Block ide des Hafens von Cherboueg zu erproben. Die Küstenvertheidigungs=Division, bestehend aus den Panzerschiffen„Bonvines",„Valmy" und„Jemappes" und dem gepanzerten Kanonenboote„Flamme" versahen die Blockade der Rhede und sollten nach dem Thema der Manöver von den Untersee= u. den Taucherbooten angegriffen werden. Die 6 Unterseeboote tauchten im Hafen unter und fuhren mit einer Geschwindigkeit von 6 Knoten, alle 5 Min. die Richtung wechselnd, in 3 Abtheilungen nach den entsprechenden, von den Panzerschiffen bewachten Sektionen. Gegen den Schluß der Uebungen tauchte das Unterseeboot„Morse“ etwa 600Meter vor dem Panzerschiffe„Valmy“ auf; obwohl die Unterseeboote keine Torpedos besitzen, die beim Anprall explodieren, wurde die Distanz als genügend erachtet, um das Unterseeboot in die Lage zu versetzen, ein gewöhnliches Torpedo gegen das Panzerschiff loszulassen und dieses kampfunfähig zu machen. Die Panzerschiffe befanden sich in einer Entfernung von 3—4 Seemeilen von der Rhede und waren nach dem Resultate der Uebungen außer Stande, die Angriffe der Unerseeboote abzuwehren. Paris, 15. Sept. Der Schah von Persien ist nach Rußland abgereist. London, 13. Sept. In ganz England hat die den 109 E englischen Manövergästen erwiesene deutsche Gastfreundschaft lebhafte Genugthuung erweckt. Der Kriegsminister und die Generale sind Kaiser Wilhelm äußerst dankbar für seine ihnen bei ihrem Besuche gezeigte außerordentlich freundliche Aufmerksamkeit. Auch haben sie die warme und freundschaftliche Kameradschaft der deutschen Offiziere voll gewürdigt. — Lord Roberts, Kriegsminister Brodrick und die anderen britischen Offiziere, welche den deutschen Kaisermanövern beigewohnt haben, sind hier wieder eingetroffen. Barcelona, 15. Sept. Wegen Vorbereitung oder Verbreitung zum Umsturz aufreizender Flugblätter und wegen Besitzes von Waffen sind weitere Verhaftungen von Anarchisten erfolgt.„„„ — Die Maurer haven beschlossen, den ausstano zu beendigen und morgen die Arbeit wieder aufzunehmen. Neapel, 15. Sept. Ministerpräsident Zanardelli ist in Begleitung des Ministers Nasi, der Unterstaatssekretäre Talamo und Mazziotti sowie zahlreiche Deputirten hier eingetroffen. Auf der ganze Reise war Zanardelli Gegenstand großer Huldigungen. Die Bahnhöfe auf den Stationen von Rom bis Neapel waren geschmückt. Hier begrüßte ihn die Menge mit stürmischen Hochrufen. Bald nach seiner Ankunft empfing er in seinem Absteigegue rtier die Spitzen der Behörden und Vereine, die ihm eine Huldigungsadresse überreichten. Heute Abend wird die Munizipalität ihm zu Ehren ein Banquet veranstalten, um ihm und der Regierung für das, was sie für Neapel und die südlichen Provinzen gethan hätten, zu danken.— Morgen wird Zanardelli eine Reise in die Umgegend von Neapel und die Provinz Potenza antreten. Petersburg, 14. Sept. Das serbische Königspaar ist am Ziel seiner Wünsche. Der Zar und mit ihm solbstverständlich seine hohe Gemahlin haben demselben einen Empfang an ihrem Hoflager zu Livadia zugesagt. Bisher standen den hierauf gerichteten heißen Wünschen des Königs Alexander und den noch heißeren der Königin Draga anscheinend unüberwindliche Hindernisse entgegen. Man glaubte nach den bekannten Vorgängen am Belgrader Hofe, die den Namen der Königin Draga in aller Mund brachten, in dem Widerspruch der Zarin die Hauptschwierigkeit für den Empfang des serbischen Königspaares in Petersburg suchen zu sollen. Diese Hemmnisse sind nunmehr beseitigt. Athen, 14. Sept. Der König wird in Kopenhagen ein Dekret unterzeichnen, wodurch die Kammer aufgelöst wird. Die Neuwahlen werden am 15. o. 23. Nov. erfolgen. Pektug, 14. Sept. Der gesammte Hof ist in den Sommerpalast übergesiedelt; dies ist wieder der erste Besuch dieses Gebäudes seit drei Jahren. Der Palast wurde mit großen Kosten wieder hergerichtet und alle Spuren von der Anwesenheit der Fremden in den Räumen beseitigt. Washington, 15. Sept. Der Schatzsekretär hat die Nationalbanen ersucht, alle unverpfändeten Bonds, über die sie verfügen, dem Staatsschatz einzusenden, der dafür bei diesen Banken den Nominalwert jener Bonds hinterlegen wird. Der Schatzsekretär erwartet, daß infolgedessen 4 Millionen Dollars aus dem Staatsschatz fließen, dessen Baarbestände sich stetig mehren; er hat auch beschlossen, den am 1. Oktober fälligen Zinsenbetrag in Höhe von 4 200000 Dollars im Voraus zu zahlen. Der Schatzsekretär erklärt, es liege kein Grund zur Beunruhigung vor. New=York, 14. Sept. Wie eine Depesche aus Willemstad meldet, eroberten die Aufständischen Riochico und richteten sodann ihren Marsch nach La Guayra, wo sie die Truppen Lostegnas überraschten und in der Nacht vom 11. Sept. dieselben ins Gefecht verwickelte, wobei 60 Mann der Regierungstruppen getötet wurden und 109 verwundet sind. — Die Regierung von Venezuela erließ ein Dekret, worin allen Aufständischen, welche sich innerhalb 40 Tagen ergeben, Amnestie versprochen wird. Das Dekret sagt ferner, daß Matos ein Genosse der Fremden sei, weil er die Verwaltung der venezuelanischen Finanzen den Fremden versprochen habe, kein Patriot dürfe ihm folgen. New=York, 15. Sept. In Willemstadt eingegangene Nachrichten besagen, daß die Meldungen über eine Niederlage des Generals Mendzoa am 9. Sept. erheblich übertrieben seien. Das Gefecht soll ganz unerheblich und an demselben nur die Vorhut der Insurgenten bekheiligt gewesen sein. Als zuverlässig werde nunmehr gemeldet, daß am 11. Sept. in der Nähe von Finggodillo ein Gefecht zwischen 4000 Revolutionären unter Mendzoa, Betalla und Riesa und 4100 Mann Regierungstruppen unter General Gorrido begonnen habe. Der Kriegsminister habe noch kehne neueren Nachrichten über das Ergebniß des Gefechts erhalten, da alle Verbindungen abgeschnitten seien. Portean=Prince, 15. Sept. Es liegen sichere Nachrichten darüber vor, daß der Rebellen=Admiral Killick die 1. Explosion auf der Crete a Pierrot persönlich verursacht hatte und dabei umgekommen ist. Düsseldorf, 14. Sept. 5 Araber des in der Ausstellung befindlichen Vergnügungs=Etablissements Kairo hatten an die Besucher zu hohen Preisen„Rosenöl“ verkauft, welches sich indes bei späterer Untersuchung als ein werth. loses Gemisch von Geranium= und Zitronenöl erwies. Das Schöffengericht verurtheilte heute die morgenländischen Betrüger zu je 20 M. Geldstrafe und ließ sie behufs Bezahlung der Strafsumme gleich zur Gerichtskasse führen. Essen, 15. Sept. In der heute unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Behrendes beginnenden 7. diesjährigen Sitzungsperiode des Schurgerichts werden folgende Straffälle zur Aburteilung gelangen: 15. Sept., gegeDienstmagd Emma Wiesemann in Dellwig, wegen Meineids 16. Sept., 1) gegen Bergmann Heinr. Klocke und den Maurer Joh. Hallmann aus Westerholt, wegen Straßenraubes; 2) gegen Bergmann Franz Gillich und Ehefrau Maurer Herm. Mann, aus Butendorf, wegen Urkunden fälschung; 17. Sept., gegen Bergm. August Kabatzki aus Kupferdreh, wegen Meineids; 18. Sept., gegen Ehefrau Dina Tenborg geb. Müller aus Essen, wegen Meineids 19. Sept, 1) gegen Bergm. Fritz Saiczek aus Buer, wegen Meineids; 2) gegen Bergm Joh Jaguschewski aus Horstermark, wegen Körperverletzung mit Todeserfolg; 20. Sept., ) g e g e n E h e f r a u F r a n z C u d e i M a r i g g e b. W i e t o r k a u s Essen, wegen Körperverletzung mit Todesersolg; 2) gegen sie Knechte Heinr. Tennort, Joseph Niehaus und Schlosser Otto Berger aus Essen, wegen Straßenraubes bez. Hehlerei; 22. Sept., gegen Bergmann Franz Hester aus Schalke, wegen Körperverletzung mit Todeserfolg; 23. Sept., gegen Brauer Albrecht Beyer aus Altendorf, wegen Sittlichkeitsverbrechens; 24. Sept., gegen Kaufmann Joseph Senger aus Düfseldorf und Techniker Willy Senger aus Honnef, wegen Konkursverbrechens; 25. Sept., 1) gegen Metzger Franz Hoffrohne aus Essen, wegen Straßenraubs; 2) gegen Bergm. Heinrich Höwel aus Borbeck, wegen Körperverletzung mit Todeserfolg; 26. Sept., gegen Bergm. Emil Hinz aus Gelsenkirchen, Bergm. Joh. Peter Engelmeyer aus Schalke und Bergm. Christian Böcker aus Heßler, wegen Körperverletzung mit Todeserfolg; 27. Sept., 1) gegen Bergm. Fritz Marzawski und Anstreicher Emil Lenz aus Niederstüter, wegen Straßenraubes und Körperverletzung; 2) gegen Bergm. Heinrich Kronier aus Buchholz, wegen Raubes. Dortmund, 14. Sept. Ein eigenthümliches Opfer der hohen Viehpreise will der Metzgermeister Hoffmann aus Eving geworden sein. Er konnte zum Kauf seines Viehes die Mittel nicht mehr beschaffen und verlegte sich deshalb darauf, es zu stehlen. Im April d. I. stahl er aus der Halle des Viehhofs 2 fette Schweine, wurde aber auf der Straße festgehalten und mußte seinen Raub wieder herausgeben. Die hiesige Strafkammer verurtheilte gestern den H. zu 9 Mon. Gef., während der in der selben Sache mitangeklagte Bergmann Elsner von Eving, der wegen Beihülfe angeklagt war, zu 3 Mon. Gef. bestraft wurde. Aus Westdeutschland. Düsseldorf, 14. Sept. Für den am 21. er. stattindenden großen Automobilkorso sind die Vorbereitungen im besten Gang. Eine beträchtliche Anzahl von Preisen ist gestiftet worden, u. a. seitens der Ausstellungsleitung 500 Mk., seitens der Stadt Düsseldorf 300 Mk., seitens des Verkeyrsvereins, seitens des allgemeinen Schnauflerklubs in Müchen, der Adler=Fahrradwerke, des Rheinisch=Westfälischen Automobilklubs. Fürst Salm=Reifferscheidt auf Schloß Dyck hat das Protektorat übernommen, und eine Reihe in Automobilkreisen bekannter Persönlichkeiten ist um die Uebernahme des Ehrenkomitees angegangen. Die Zahl der Meldungen zur Teilnahme ist erfreulich groß, und so darf man einer sehr interessanten Veranstaltung entgegensehen. — Wegen eines dienstlichen Vergehens beging der Zugführer Wilh. H. Selbstmord, indem er sich in seiner Wohnung den Hals abschnitt. Essen, 14. Sept. Die Anzahl der Krupp'schen Wohnungen in Essen beträgt im ganzen 3916. Ueckendorf, 13. Sept. Gestern Nachmittag ereignete sich auf der Bergmannstraße ein bedauerlicher Unglücksfall. Mehrere Knaben spielten vor dem Hause Bergmannstraße 52 mit Feuerwerkskörpern. Der 12 J. alte Schüler Friedrich Wenzlokat zündete ein Streichhölzchen an, worauf der Feuerwerkskörper explodierte. Es stellte sich nun heraus, daß derselbe eine Dynamitpatrone war. Der Junge wurde im Gesicht, an Händen und Brust schwer verletzt und zum erang. Krankenhaus in Gelsenkirchen gebracht. Durch die Explosion wurde auch eine Fensterscheibe zertrümmert. Der Junge will die Dynamitpatrone auf der Straße gefunden haben. Ueckendorf, 15. Sept. Unter dem Schweinebestande des Bergmanns Herrn Simon Kambeck hier, Lohrheide 78, ist die Rothlaufseuche ausgebrochen. Dortmund, 14. Sept. Gestern Mittag geriethen auf Zeche Germania, Schacht 1, 2 unverheirathete Schlepper zwischen Bremskorb und Schachtzimmerung eines Bremsberges, wobei einer von ihnen das Rückgrat brach, während der andere schwere Verletzungen am Kopfe erlitt. Beide wurden in das Krankenhaus nach Kirchlinde gebracht. Hagen 14. Sept. Faule Witze mit der Post scheint sich Jemand erlaubt zu haben, der 2 Postanweisungen mit Beträgen von 1—5 Pfg. nach Essen und Köln sandte, die nicht bestellt werden konnten. Seit Wochen verkünden Aushänge vor den Postschalterräumsen die Thatsache und wird der unbekannte Absender zugleich aufgefordert sich zu melden und die Beträge in Empfang zu nehmen. Solche Scherze machen der Post ganz unnütze Schreibereien und Arbeit, deren sie ohnehin wahrlich genug hat. Haspe, 14. Sept. Ein sehr schwerer Unglücksfall ereignete sich bei dem Saalbau des Wirthes Oevel. Eine Anzahl Arbeiter war im Innern des Baues mit dem Aufrichten eines Gerüstes beschäftigt. Als ein schwerer Balken ins Wanken kam, stürzte das Gerüst zusammen und riß 5 Arbeiter mit in die Tiefe. 3 von ihnen wurden schwer verletzt und mußten, nachdem ihnen Nothverbände angelegt worden waren, durch die Sanitätskolonne in das Krankenhaus verbracht werden. 2 Arbeiter kamen mit leichteren Kontusionen davon. Soest, 14. Sept. Die 23. Westf. Provinzialsonode nahm folgende Resolution an: Die Provinzialsynode spricht ihre Freude darüber aus, einmal daß Se. Majestät der Kaiser in so warmen Worten den Gedanken des Zusammen schlusses der evangel. Landeskirchen Deutschlands Ausdruck gegeben hat, sodann, daß in den letzten Beschlüssen der Eisenacher Kirchenkonferenz der ernste Wille sich kund gibtdieses Einigungswerk zu fördern. Sie gibt sich der bestimmten Hoffnung und Erwartung hin, daß die großen Schwierigkeiten, die dem näheren Zusammenschluß bis jetzt hindernd im Wege stehen. nicht unüberwindlich sind, sondern daß früher oder später eine engere Verbindung herzustellen möglich sein wird. Dabei ist es die unbedingte Voraussetzung der angestrebten Vereinigung, daß die Freiheit und Selbständigkeit der einzelnen Landeskirchen in Gesetzgebung und Verwaltung und insbesondere der Bekenntnisstand voll gewahrt bleibt und von jedem Gebanken einer Ausdehnung . Union auf andere Landeskirchen gänzlich abgeseheh wird. Münster, 14. Sept. Dem Rangierer Gehring wurden während der Ausübung seines Dienstes beide Beine abgefahren. Der Unglückliche ist bald nach seiner Aufnahme im Clemenshospital gestorben. Rheine, 14. Sept. Auf der Ibbenbürener Straße entstand am vorgestrigen Abend zwischen mehreren Arbeitern ein Wortstreit. Im Verlaufe desselben fielen 3 Personen über einen Holländer namens Schlemmer her u. bearbeiteten denselben derartig mit Messerstichen, daß er bewußtlos zum Krankenhaus geschafft werden mußte. Dort ist er seinen Verletzungen bereits erlegen. Die Thäter wurden verhaftet. Goch, 13. Sept. Die seit einigen Wochen hier herrschende Scharlachepidemie hat einen solchen Umfang angenommen, daß heute sämmtliche Volksschulen auf die Dauer von 14 Tazen geschlossen werden mußten. Oppum, 14. Sept. Ein Schreinergeselle, der seit einiger Zeit bei einem hiesigen Meister arbeitete und sich gexgeblich um die Hand eines in der Nachbarschaft wohnenden Mädchens bewarb, erschoß sich vor der Wohnung seiner Geliebten. Elberfeld, 14. Sept. Der lutherischen Gemeinde wurden von Herrn Dr. Hammerschmidt zum Andenken an seine Gattin 6000 Mk. vermacht mit der Bestimmung, ein Gemeindehaus nebst Betsaal auf dem Engelnberg zu bauen. Solingen, 14. Sept. Der Oberbürgermeister, die Stadtverordneten und die Mitglieder des Stadtausschusses besichtigten gestern Nachmittag unter Leitung des Beigeordneten Directors Klose die nun bald fertig gestellte Thalperrenaylage mit Kraftstation und dem Elektricitätswerke. Nur von der Hauptsperrmauer müssen noch etwa 8 Meter gemauert werden, welche Arbeit bis Ende October beendet ein soll. Die erste Füllung des Hauptstaubeckens, das 3 Millionen Cubikmeter fassen wird, soll im Frühjahr n. I. erfolgen. Das 100000 Cubikmeter fassende Vorbecken ist augenblicklich bis an den Rand gefüllt. Eupen, 14. Sept. Im Rathaussaale wurde gestern das auf Kosten der Stadt von dem Düsseldorfer Maler Mourfield angefertigte Portrait des verstorbenen Herrn Erzbischofs Dr. Simar angebracht. Dasselbe ist nicht nach dem in Düsseldorf ausgestellten Gemälde des Meisters, sondern nach einer Photographie hergestellt. Das Geburtshaus des Verstorbenen wird mit einer Gedenktafel in schwedischem Granit versehen, die folgende Inschrift trägt:„In diesem Hause wurde am 14. Dezember 1835 geboren Hubertus=Simar, Doktor und Professor der Theologie, weiland Erzbischof von Köln. f 24. Mai 1902.“ Bonn 14. Sept. Eine Poppelsdorfer Familie suchte durch ein Inserat ein Mädchen zur Beaussichtigung der Kinder. Andern Tages meldete sich ein etwa 16=jähriges Mädchen und bot seine Dienste an. Nach einigem Hinund Herfragen über Lohn, Zahl der Kinder usw. meinte das Mädchen so nebenbei:„Haben Sie auch Telephonanschluß?" Als diese Frage verneint wurde, erklärte das Mädchen, die Stelle dann nicht annehmen zu können. Sprach's und verschwand. Man sieht, daß noch nicht alles dagewesen ist. Rosbach a. d. Sieg, 14. Sept. Gestern fand hier in Anwesenheit des Oberpräsidenten der Rheinprovinz, Nasse, des Regierungspräsidenten Balan, des Oberbürgermeisters Becker=Köln, des Bürgermeisters Piecg=M.=Gladbach, des Kölner Stadtverordneten=Kollegiums und des Heilstätten=Vereins die feierliche Eröffnung der ersten Lungenheilstätte des Kölner Heilstättenvereins(AugustaViktoria=Stiftung) statt. Kreuznath, 13. Sept. Die Prinzessin Viktoria von Schaumburg stattete dem Viktoriastift einen längeren Besuch ab und übernahm das Protektorat der Anstalt. Vermischtes. Berlin, 14. Sept. Ein Brand in der neuen Akademie für Musik in der Hardenbergstraße hielt die Feuerwehr längere Zeit in Thätigkeit. Zur Dämpfung des Scholles sind die Wände mit Torf ausgepolstert, und diese Torfschicht in einer der Zwischenwände war Brand gerathen. Um an den Sitz des Feuers zu gelangen, mußte man eine Decke durchschlagen und den Zitschenraum in der Wand unter Wasser setzen.— Auf der Hochbahn wurde ein Arbeiter getödtet. Beim Ueberschreiten des Gleises ward er anscheinend vom elektrischen Strom getroffen. Er starb nach wenigen Minuten; sein Körper war blau angelaufen. Frankfur:(Oder), 14. Sept. In den Braunkohlenwerken Müncheverg in der Mark sind 1 Obersteiger und 1 Markscheider durch Grubengase erstickt. Bremen, 13. Sept. Die Rettungsstation Helgoland der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 13. September sind von einem Leichterfahrzeug 3 Personen durch das Rettungsboot„Dora“ gerettet worden. München, 15. Sept. Die Sozialdemokratische Frauenkonferenz wurde nach Annahme einer Resolution, die sich gegen die Steigerung des Fleischpreises und gegen die Grenzsperre richtet, geschlossen. St. Etienne, 14. Gept. Gestern fand die Abstimmung der Bergleute der Compagnie Loire über den Ausstand statt. Es wurden 3 300 Stimmen abgegeben, wovon 1425 für den sofortigen Ausstand und 1 774 für einen Aufschub des Ausstandes waren. Valencia, 13. Sept. Hier fand eine republikanische Kundgebung in der Druckerei des carlistischen Blattes statt. Sämmtliche Maschinen wurden zerbrochen und alles durcheinander geworfen. Johannesburg, 15. Sept. Unter dem Pferdeund Rindviehbestande ist die Rotzkrankheit ausgebrochen. Die Krankheit tritt sehr heftig auf. Der städt. Thierarzt ist der Ansicht, daß 3 Jahre nothwendig sind, um die Krankheit auszutotten. Der Thierarzt befürchtet, daß die Krankheit, welche sich über das ganze Land erstreckt, die Farmer im Anbau des Landes behindern werde. Chikago 13. Sept. Die lang erwartete Verschmelzung der großen Fleischpacker=Juteressenten der Vereinigten Staaten wird am 27. Sept. ihre Betriebe beginnen; wenn nicht eine ganz unerwartete Aenderung in den bisherigen Plänen eintritt. Rio de Janeiro, up. Sep.. Das amerikanische Schlachtschiff„Jowa“, über dessen Auflaufen bei der Jasel Santa Catharina man vor einigen Tagen berichtet hatte, ist scheinbar unbeschädigt in Bahia eingetroffen. Bekanntmachung. Zufolge Polizeiveronung vom 12. Januar 1897, 8. März 1898 und 20. December 1901 umfaßt die Re serve der Feuerwehr der Stadt Paderborn alle männlichen Personen im Alter von 22. bis 45. jahre, die im engeren Stadtbezirke wohnen oder ein Wohnhaus besitzen. Zum engern Stadtbezirke im Sinne des Absatzes 1 gehören alle Straßen, Wege und Plätze, die an die städt. Wasserleitung angeschlossen sind. Häuser, die außerhalb des Endpunktes der Wasserleitung mehr als 50 m vom letzten öffentlichen Hydranten entfernt sind, gehören nicht mehr zum engern Stadtbezirk. Ausgenommen von obiger Verpflichtung sind: 1. Dienstboten, Tagelöhner, Gesellen und andere unselbständige Handarbeiter; als unselbständig gelten nicht die iim Hause oder Geschäfte thätigen Söhne: 2. die nach§§ 40—42 und 66 des Kommunalabgaben=Gesetzes von persönlichen Diensten Befreiten(; B. unmittelbare und mittelbare Staatsbeamte, Geistliche, Elementarlehrer, Militärpersonen) falls sie nicht mit I., einem Wohnhause im engern s: Stadtbezirke angesessen sind; 5— 8. Personen, die durch körperliche oder geistige Gebrechen zu jeder Dienstleistung unfähig sind; 4. Studirende der hiesigen Lehranstalten, sofern sie nicht in einem Wohnhause im engern Stadtbezirke angesessen sind. Die hiernach verpflichteten Personen der früheren Stadtbe. zirke Ltr. C und D werden aufgefordert, sich am Donnerstag den 18. d. Mts. Nachmittags 3 Uhr(Bez C) und 5 Uhr(Bez. D)s### am Bußdorf bezw. auf dem Platze vor Wiethaup(Heiersthor) zur Cebung einzufinden. Der Stadtbezirk Oliegt zwischen der Warburgerstraße, Kasselerstraße (bis zur Kampstraße), Kampstraße und Rathhausplatz einerseits, und Detmolderstr., Heiersstraße, Kasselerstraße, Bogen, Domplatz, Markt und Schildern anderseits. Die Mitten dieser Straßen bilden die Grenze. Der Stadtbezirk Dliegt zwischen der Detmolderstraße, Heiersstraße, Kasselerstraße(bis zum Bogen), Bogen, Markt und Schildern einerseits, und Kettenplatz, Abdinghof, St. Michaelsstraße, Mühlenstraße(bis Nr. 1) und die Börnepader abwärts anderseits. Die Mitten der Detmolderstr., Heiersstraße, Kasselerstraße, des Bogens, Marktes, Schildern, Kettenplatzes und Abdinghofes bilden die Grenzen. Paderborn, den 12. Sept. 1902. Die Polizei=Verwaltung. Schmidt's Patent-Waschmaschinen(Patent sr. 76720) sind allen voran! Am 5. Mal 1902 wurde die 100 000ste Maschine — hergestellt.— Man achte genau auf Namen und Patent-Nummer und : hüte sich vor Nachahmungen. Jedes Geschäft mit Haushaltungs-Artikeln führt diese Maschinen. ist noch von keinem andern Futter übertroffen. Zu Fabrikpreisen zu haben bei P. Hecker& Sohn. Preussischer-Holl Nur 2maliges Gastspiel des weltberühmten Cabaret des Baron Sscar von Fielits. Höchst decentes, amusantes, abwechslungsreiches Programm. Nur Mittwoch den 17. and Vonnerstag den 18. September D. Anfang 3¼ Uhr. Auf der Durchreise nach Holland. Preise der Plätze im Vorverkauf im Cigarrengeschäft des Herrn Breker: Sperrsitz Mk. 1,25, 1. Platz Mk. 0,75. An der Abendkasse: Sperrsitz Mk. 1,50, 1. Platz Mk. 1,—, 2. Platz Mk. 0,50. K Bekanntmachung. Der Termin zur diesjährigen Herbsträumung der großen und kleinen Pader, des sogenannten Dubelohgrabens und des Pader=Almekanals wird hier durch auf Grund der Bestimmungen des Polizei=Reglements für die große und kleine Pader vom 3. März 1866 (Amtsblatt pro 1866 Seite 78) auf die Zeit vom 20. September bis 1. October er. festgesetzt. Die Schaukommission wird am Montag den 6. October Nachmittags 4 Uhr von der Promenadenbrücke aus anfangend, eine Besichtigung der ausgeführten Räumungsarbeiten vornehmen. Paderborn, den 8. Septbr. 1902. Der Landrath. I. v. Rhein, Regierungs=Assessor. P Bergutrn., „ beehrt sich, den Eingang der Neuheiten Bekanntmachung. Unter dem Schweinebestande des Bäckermeisters Aug. Gehlen zu Elsen ist die Holhlaurseuche ausgebrochen, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird. Neuhaus, den 13. Sept. 1902. Die Polizei=Verwaltung. I. V.: Wagenbreth. für die Hersse und Winter-Saisen anzuzeigen. Nur für Kenner! Garautirt neue gerissene Gäusefedern mit den ganzen Daunen zart gerissen versende ich in halbweiß.. Mk. 2,45 per Pfund reinweiß... 2,90„ außerdem empf. ich ebenfalls nur in reinen Gäufefedern Gänseschlachtfedern mit Daunen Mk. 1,40 per Pfund. Dieselbe Qualität(# n. 8 sortirt(ohne steife)( 4t. 1, 10#. Po. Gänsehalbdaunen hell„ 2,00„. " ganz weiß„ 2.50„„ Gänsedam en halbw.„ 3,50„„ " reinweiß„ 4,25„„ Der Versandt geschieht per Nachnahme oder vorherige Einsendung des Betrages. Was nicht gefällt, nehme ich zurück. Muster gratis und franko. Rudolf Müller, Stolp in Pommern. * S 84 1. am Donnerstag, den 18. September, Vormittags 10 Uhr am Piepenthurmwege; 2. am Freitag, den 19. September, Vormittags 10 Uhr anfangend am Dörner Wege und darauf an den Verbindungswegen; 3. am Sonnabend, den 20. September, Vormittags 10 Uhr anfangend am Tegelwege dann auf den Wegen auf der Sühle, an dem Springbache u. aner Roth Der Verkauf erfolgt nur gegen Baarzahlung. Hagistrat Paderborn. Hochinteressant! Panorama mit Automaten- Ausstellung, täglich geöffnet von Morgens 9 bis Abends 11 Uhr im Saale des Herrn Rüther(Brand Nachf.), Grube 6. Jerusalem. Die Reise Sr. Majestät des Kaisers und Ihre Majestät der Kaiserin. Sehr decent für Familien. Entree 20 Pfe. Kinder 10 Pfg. Um gütigen Zuspruch bittet hochachtungsvoll A. Hauptmann. Handwerker-Fortbildungsschule. Beginn des Unterrichts Sonntag den 21. September Morgens 10 Uhr. Das Kuratorlum. jeder Art liefert Ch. Ehiete, Markt 21. Bekanntmachung. Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konfolidirten 3½%igen 1892, 1893, 1895 über die Zinsen für die Der Magistrat. Deutschlands Liederschatz 2700 Lieder 10 Pfg. 245 Volkslieder 10 Pfg. 222 Studentenlieder 10 Pfg. Vorräthig bei Staatsanleihe von Zeit vom 1 October 1902 bis 30. September 1912 nebst Erneuerungs. scheinen(Anweisungen auf die folgende Reihe) werden vom 1. September 1902 ab von der Controlle der Staatspapiere in Berlin, Oranienstr. 92/94, werktäglich von 9 Uhr Vormittags bis 1 Uhr Nachmittags, mit Ausnahme der drei letzten Geschäftstage jedes Monats, ausgereicht werden. Die Zinsscheine sind entweder bei der Controlle der Staatspapiere am Schalter in Empfang zu nehmen oder durch die Regierungs=Hauptkassen sowie in Frankfurt a. M. durch die Kreiskasse zu beziehen. Wer die Empfangnahme bei der Controlle selbst wünscht, hat ihr persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Erneuerungsscheine(Zinsscheinanweisungen) mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Einreicher eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben. Durch die Post sind die Eeneuerungsscheine an die Controlle nicht einzusenden, da diese sich in Bezug auf die Zinsscheinausreichung mit den Inhabern der Scheine nicht in SchriftEin neues, für jeden Staatsbürger unentbehrliches Buch. wechsel einlassen kann. Wer die Zinsscheine durch eine der obengenannten Provinzialkassen beziehen will, hat dieser Kasse die Erneuerungsscheine mit einem doppelten Verzeichniß einzureichen. Das eine Verzeichniß wird, mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben. Der Einreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Erneuerungsscheine abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Controlle der Staatspapiere oder an eine der genannten Provinztalkassen mittels besonderer Eingabe einzureichen. Verlin, den 21. August 1902. Hauptverwaltung der Staatsschulden. Zwisard. Soeben erschien im Verlage von J. Stahl in Arnsberg: Praktisches Handbuch für den preuss. Staatsbürger. Ein Rathgeber in Familien-, Gesinde-, Mieth-, Steuer-, Vormundschafts-, Elgenthums-, Erbschafts- und anderen Angelegenheiten. Nach den einschlägigen Gesetzen und der Rechtsprechung bearbeitet. Elegant gebunden 1.50 Mk. Das praktische Handbuch ist für Jedermann, besonders aber für Vormünder, Schiedsmänner, Stadtverordnete, Gemeinderaths-Mitglieder, Beamte, Geistliche, Lehrer, Gewerbetreibende, Landwirthe u. a. ein unentbehrlicher Rathgeber. Der Inhalt des Buches ist nach dem Verlaufe des menschlichen Lebens sehr übersichtlich geordnet. Ein ausführliches Inhaltsverzeichniss und Sachregister ermöglicht eine leichte und schnelle Auffindung des etwa Gesuchten. Dusreb elle Buchhandlungen zu beziehen. Durch s“e Puchhandlungen zu ** in großer Auswahl zu den billigsten Preisen. IE. Thlele, Mattt. M. Bernhard Kleine jr., vereid. Bücherrevisor, Padervorn, Wilhelmstraße empfiehlt sich für alle Rechnungs= und Verwaltungs=Arbeiten, besorgt das Einziehen von Forderungen, vermittelt zu günstigen Bedir gungen Abschlüsse von Feuer=, Lebens=, Unfall=, Hastpflicht=, GlasVersicherungen, Versicherung gegen EinbruchsDiebstahl. Hagel=Versicherung zu unbedingt festen Prämien. Peiohg Hleirath vermittelt Frau Helcnlé Krämer, Leipzig, Brüderstr. 6. Ausk. gegen 80 Pfg. Freiwillige Mittwoch, 17. Sept. Abends 9 Uhr HauptUebung. Der Commandeur. Gaheplune mit den Abfahrzeiten in großen Ziffern von den Stationen Padervorn, Neuhaus(Westf.), Sennelager vorräthig in der Geschäftsstelle des Paderborner Anzeigers. Flechtenkranke, trockene, nässende Schuppenflechten und das mit diesem Uebel verbundene, so unerträglich lästige Hautjucken", heilt unter Garantie selbst denen, die nirgends Heilung fanden, nach langjährig bewährter Heilmethode(ohne Berufsstbrung 2c.), R. Groppler. Zirma St. Marien=Drogerie,