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Gerisch& Co., Nieleseld. Nr. 302. Bielefeld, Dienstag, 28. Dezember 1909. 20. Jahrg. Die heutige Nummer umfaßt 8 Seiten. Die Geschäftsmonarchie. Die Krankheit und der Tod des Königs der Belgier hat die zahllos wimmelnden Schmocks der europäischen Presse mobil gemacht; sie haben jeden Atemzug des sterbenden Mannes belauscht oder doch zu belauschen gesucht; die Telegramme„unserer eigenen Korrespondenten“ überfluteten alle bürgerlichen Blätter, die etwas auf sich halten, und man möchte fast bedauern, daß Leopold all diesen Trubel nicht noch genossen hat. Er hätte dann den süßen Trost mit ins Grab genommen, daß seine eisige Menschenverachtung die legitimste seiner Empfindungen gewesen ist. Aus den Nachrufen nun, die dem Toten von den bürgerlichen Blättern gewidmet werden, schaut überall ein lachendes und ein weinendes Auge hervor. Ein lachendes Auge, denn wie sollte die Presse, die vom Geschäft lebt, nicht diesem großen Geschäftsmann huldigen; ein weinendes Auge, denn wie sollte sie nicht trauern, daß dieser kaltblütige Zyniker all den patriarchalischen Plunder der Monarchie, den sie an ihrem Teile jeden neuen Tag aufputzen muß, um die Massen zu täuschen, auf den Kehrichthaufen geworfen hat! Das alte Gerede von den Schwächen des Menschen, die durch die Tugenden der Fürsten überstrahlt würden, will ihr nicht recht aus der Kehle, denn in seiner Art war Leopold ein ganzer Kerl, und wenn ihn eine Tugend zierte, so war es die Tugend, daß er allezeit der Heuchelei dürftige Maske verschmäht hat. Von väterlicher Seite her ein Koburger, von mütterlicher Seite ein Orleans, mischte sich in ihm das Blut der beiden Familier die unter den europäischen Fürstenhäusern die Bourgeoisie vertreten. Die Bourgeoisie auch darin, daß sie die konstitutionellen und liberalen Fürsten mimen, wie die Bourgeoisie unter konstitutioneller und liberaler Maste ihre Herrschsucht zu befriedigen sucht. Nichts törichter, als wenn dem eben verstorbenen König der Belgier nachgerühmt wird, ein „konstitutioneller“ Fürst in dem Sinne gewesen zu sein, daß er nach dem auf seinen Großvater Louis Philipp geprägten Worte nur herrschte, aber nicht regierte. Er handelte so wenig konstitutionell wie sein Vater Leopold, so wenig wie Louis Philipp selbst. Dieser regierte selbstherrlich, wie nur irgend einer der legitimen Bourbonen, die vor ihm auf dem französischen Throne gesessen hatten, trotz seiner Guizot und Thiers; es war immer sein Wille, der am letzten Ende entschied, nur daß er ihn nicht mehr durchsetzt mit dem brutal=feudalen: Car tel est notre plaisir, sondern mit der pfiffigen und zähen Hartnäckigkeit des geriebenen Geschäftsmanns. So auch beschwor sein Schwiegersohn Leopold das drohende Gewitter, das die Pariser Februarrevolution auch über Brüssel heraufführte; er seifte seine liberalen Minister, Abgeordneten und Bürgermeister mit einer Rede ein, worin er sich zur Abdankung bereit erklärte, falls das Volk sie verlange; darauf fielen die gerührten Einfaltspinsel der Bourgeoisie mit roher Gewalt über die demokratischen Elemente der belgischen Hauptstadt und namentlich über die Flüchtlinge her, unter denen sich auch Karl Marx befand. Derweil sie aber diese Heldentat vollbrachten, hatte Leopold eilig Truppen herangezogen und erklärte der„siegreichen“ Bourgeoisie: Nun bin ich der Herr, und ihr habt gefälligst nach meiner Pfeife zu tanzen. Dem großväterlichen und väterlichen Vorbilde ist der zweite Leopold treu geblieben. Er hat sich in den Kampf der klerikalen und der liberalen Partei nicht eingemischt; er hat bald mit klerikalen, bald mit liberalen Ministern regiert, aber nicht als „Mastschwein auf dem Thron“, wie Napoleon konstitutionelle Fürsten zu nennen pflegte, sondern als ein kaltblütiger Geschäftsmann, der die eine wie die andere Partei auspreßte wie Zitronen. Ludwig XVI. stieg aufs Schafott und Karl X. ging in die Verbannung, weil sie das Los der Monarchie nicht trennen wollten von dem Lose der feudalen Adelsklasse; von solcher Sentimentalität sind die Louis Philipp und Leopold völlig frei. Sie sind gut Freund mit jeder Klasse und jeder Partei, mit der sich gute Geschäfte machen lassen, und sie hassen nur eine Klasse und nur eine Partei, weil sich mit ihr unter keinen Umständen Geschäfte machen lassen. die Arbeiterklasse und die Sozialdemokratie. Wie Louis Philipp seine Regierung einweihte, indem er die Seidenarbeiter von Lyon zusammenkartätschen ließ, als sie sich in einem Hungeraufruhr gegen einen fürchterlichen Notstand erhoben, so weihte auch der Enkel Leopold seine Regierung mit einer gräßlichen Bluttat ein, unter den belgischen Grubenarbeitern, die von der Hungerpeitsche in einen Streik getrieben worden waren. Mit grimmigem Hohne schreibt einmal Treitschke von den Koburgern und Orleans:„Heilig ist diesen Menschen weder Thron noch Altar, heilig ist ihnen nur das Geld.“ Das ungeheure Vermögen der Orleans stammte aus der schmutzigsten Quelle, den Mietern der Spielhäuser im Palais Royal; als die Julirevolution ihn auf den französischen Thron nicht sowohl hob als schob, mußte Louis Philipp es nach einem uralten und niemals früher verletzten Hausgesetz der französischen Monarchie an die Krone abgeben. Aber er wußte sich mit der schlauen Gewandtheit eines Börsenspielers zu helfen; unmittelbar ehe er die Königskrone annahm, trat er sein Vermögen seinen Kindern ab ind behielt sich nur die Nutznießung vor, die er denn auch mit Hilfe befreundeter Bankfirmen sehr wirksam zu handhaben wutzte. Er machte auch gemeinsame Sache mit den Mätressen des letzten Condé, um diesen zu bewegen, unter Umgehung aller Setkenverwandten seine großen Besitzungen einem Sohne des Königs zu hinterlassen, und als das Weib, eine Abenteurerin niedrigster Sorte, ihren greisen Liebhaber an einem Fensterkreuz seines Schlosses aufgeknupft hatte, weil er sein Testament wieder umzustoßen beabsichtigte, da empfing Louis Philipp die Mörderin in den Tuilerien. Aver freilich— was wollten diese Geschichtchen besagen gegen das riesige Kongoabenteuer des Enkels, gegen die Ströme von Negerblut, aus denen er seine goldenen Dukaten zu münzen verstant. Und wie viel genialer als der filzige Ahnherr, der seine Finanzen ängstlich von den Finanzen des Staates trennte, hing er seine waghalsigste Gründung, just da sie in allen Jugen zu krachen begann, gegen enorme Profite dem Staate auf. Bemerkenswert ist auch der Fortschritt in moralischer Beziehung. Louis Philipp war das, was der Philister einen musterhaften Gatten und Vater zu nennen pflegt; er liebte seine Frau und war ihr unverbrüchlich treu; er liebte auch seine zahlreichen Kinder, und in der Angst seines bösen Gewissens sprach er oft das prophetische Wort: Meine Kinder werden das Brot der Verbannung essen. Dagegen war sein Schwiegersohn, der erste Leopold, schon ein freierer Denker in Sachen der Ehe und Familie. Als er seine erste Gemahlin, die englische Prinzessin Charlotte, in ihrem ersten Kindsbett verloren hatte, heiratete er sofort die Schauspielerin Karoline Bauer. um auch diese gleichmütig preiszugeben, als er zum König der Belgier erkoren wurde und dadurch die Aussicht gewann, Schwiegersohn Louis Philipps zu werden. Während all seiner Ehen frönte er noch geheimer Lust, aber immerhin, nach außen wahrte er den Schein; selbst seine Ehe mit Karoline Bauer blieb der Welt unbekannt. Dagegen wie erhaben steht in dieser Beziehung der zweite Leopold da, der mit der antiken Fassung jenes Römers, der seinen Sohn um des Vaterlandes willen dem Beile der Liktoren auslieferte, um seiner Dirnen willen seine Gattin mißhandelte, seine Töchter verstieß und selbst vom Totenbett ihrer Mutter verjagte, der auch an der Schwelle des Todes seine Kostbarkeiten verschleuderte, damit sie seinen Kindern entzogen würden. So frei von allen empfindsamen Schrullen ist vielleicht noch kein moderner Geschäftsmensch gewesen wie dieser König; nur einmal hat ihn eine irdische Schwache angewandelt, als er einige deutsche Arbeiterblätter anklagen ließ, weil sie ihn angeblich beleidigt haben sollten. Aber vielleicht wollte er nur seine Menschenverachtung auf die denkbar stärkste Probe setzen, und dann hat er auch in diesem Punkte richtig gerechnet. Denn die deutsche Justiz hat, wie man weiß, diese Probe bestanden. Bei alledem— erfreuliche und erquickliche Gestalten sind diese modernen Geschäftsmonarchen nicht, und man begreift sehr wohl, wenn Historiker von ästhetischem Empfinden, wie es Treitschke unzweifelhaft besaß, von ihnen mit besonderem Ingrimm zu sprechen pflegen. Sie sind Banausen im schlimmsten Sinne des Wortes, ohne eine Spur von Empfindung für Bildung und Kultur, für Kunst und Wissenschaft; man hört nie von ihnen ein gescheites oder lustiges Wort, wie es die Geschichte doch von manchem legitimen Monarchen, von einem Heinrich IV. oder Ludwig XIV. oder Friedrich II. oder selbst Friedrich Wilhelm IV., berichtet; am fremdesten sind ihnen jene gelegentlichen Anläufe legitimer Monarchen, die rois des gueux, die Könige der Armen zu spielen; selbst die harmlos=höfische Wohltätigkeitsspielerei ist für sie unverfälschtes Sanskrit. Um das Geschäft und nur um das Geschäft dreht sich ihr Denken und Sinnen; sonst verbringen sie stumpfsinnig ihr Leben, wie es Karoline Bauer in ihren Denkwürdigkeiten so anschaulich an dem ersten Leopold schildert, der den lieben langen Tag damit totschlug, daß er Goldfäden auseinanderzupfte. Dennoch stellen diese Geschäftsmonarchen einen historischen Fortschritt dar. Sie sind die schärfste Kratzbürste an dem Riesenkehrbesen, womit die Bourgeoisie den Weg der sozialen Revolution fegt. Sie zerstören, um mit dem Kommunistitchen Manifest zu reden, alle idyllischen und patriarchalischen Verhältnisse. Sie lassen kein anderes Band zwischen Mensch und Mensch übrig, als das nackte Interesse, als die gefühllose bare Zahlung. Sie ertränken die heiligen Schauer der frommen Schwärmerei, der ritterlichen Begeisterung, der spießbürgerlichen Wehmut in dem eiskalten Wasser egoistischer Berechnung. Sie setzen an die Stelle der mit religiösen und politischen Illusionen verhüllten Ausbeutung die offene, unverschämte, direkte, dürre Ausbeutung. Und was dem verstorbenen König der Belgier sonst mit Recht oder Unrecht nachzusagen sein mag, das eine Lob darf ihm nicht versagt werden, daß er den historischen Aufgaben der Geschäftsmonarchie mit allen seinen Gaben und Kräften gerecht geworden ist.(Franz Mehring in der„Neuen Zeit“.) Politische Uebersicht. Die Statistik über die preußischen Landtagswahlen. Das preußische Statistische Landesamt hat die Statistik über die Ergebnisse der preußischen Landtagswahlen, die der Reform des Wahlrechts als Grundlage dienen sollen, fertiggestellt. Der Oeffentlichkeit ist diese Statistik im Augenblick noch nicht zugänglich, aber die amtliche Berliner Korresponoenz ist in der Lage, einen spaltenlangen Auszug aus dem Material zu bringen. Die Zahl der Urwähler betrug 7,7 Millionen, auf je 1000 Einwohner kamen 206 Wahlberechtigte, davon 7,87 der ersten und 28,56 Prozent der zweiten Abteilung. Während von der gesamten Wahlerzahl des Staates im Jahre 1888 nur 14,44 v. zu den beiden oberen Abteilungen gehörten, waren es im Jahre 1908: 17,69 v H. Von den 265 Urwählern, die im allgemeinen Durchschnitt auf jeden Urwahlbezirk entfallen, kamen 10,11 auf die erste und 36,70 auf die zweite Abteilung. Doch gab es 2214 Urwahlbezirke, in denen in der ersten Abteilung, und 95 Bezirke, in denen in der zweiten Abteilung nur je 1 Urwähler vorhanden war. Zwei Urwähler bildeten in 1703 Bezirken die erste und in 136 Bezirken die zweite Abteilung. Im Durchschnitt entfallen auf einen Wahlmann 55,69 Wähler, wenn jedoch die Wähler nach Abteilungen zusammengefaßt werden, so genügen zum Anspruch auf einen Wahlmann in der ersten Abteilung schon 6,43 Wähler, in der zweiten Abteilung müssen es 22,8 sein und in der dritten Abteilung gar 138,6 Wähler. Am gesamten Steuerbetrag(unter Einschluß der nur angerechneten, aber nicht erhobenen Dreimarksteuer) in Höhe von 599,5 Millionen Mark sind die Städte mit 412 und das Land mit 187 Millionen Mark beteiligt. Von dieser Gesamtsumme entfielen: auf die erste Abteilung 221, zweite Abteilung 192 und dritte Abteilung 186 Millionen Mark. Der Stadtkreis Berlin im besonderen beansprucht von der Gesamtsteuerleistung 64 Millionen Mark, und zwar die erste Abteilung 23, die zweite Abteilung 20,6 und die dritte Abteilung 20 Millionen Mark. Für die einkommensteuerfreien Wähler kamen insgesamt 10,8 Millionen Mark in Anrechnung, davon 3,3 Millionen in den Städten und 7,5 Millionen auf dem Lande. Von diesen Wählern konnten 8993 in der ersten Abteilung und 128 709 in der zweiten Abteilung wählen, während 3,4 Millionen von ihnen in der dritten Abteilung verblieben. Im Osten, auf dem platten Lande gab es Wahlbezirke in denen kein einziger Wähler der dritten Klasse mit einem höheren Betrag als 3 Mark zur Steuer veranlagt war, dagegen gab es in Berlin einige Bezirke, in denen Wähler mit 10000 bis 30.000 Mark Steuer noch in der dritten Abteilung zu wählen hatten. An der Hand dieses Materials wird dann die soziale Gliederung der Wähler festzustellen versucht, um nachzuweisen, daß es in sehr vielen Bezirken auch dem qualifizierten Arbeiter möglich sei, in die zweite Wählerklasse zu kommen. Von den wahlberechtigten Urwählern nahmen 1908 an der Wahl teil: in den Städten 38,8 und auf dem Lande 27,5 v. H., zusammen 32,8 v. H. In der ersten Abteilung haben 53,5 v. H. der Wähler sich beteiligt, in der zweiten Abteilung 42,9 v. H. und in der dritten Abteilung nur 30,2 v. H. Von den abgegebenen Stimmen kamen auf die Sozialdemokraten 28,8 v. H., das Zentrum 19/9 v. H., die Konservativen 14,1 v. H., Nationalliberalen 12,7 v. H., Polen, Dänen usw. 9,0 v. H., Freisinnige Volkspartei 3,9 v. H., Freikonservative 2,5 v. H., Freisinnige Vereinigung 0,88 v. H., Bund der Landwirte 0,6 v. H., Antisemiten u. dgl. 0,36 v. H. Während die Konservativen 1903 noch an erster Stelle standen, sind sie 1908 von den Sozialdemokraten und selbst vom Zentrum weit überholt worden, obgleich ihre absolute Stimmenzahl ebenfalls zugenommen hat. In der ersten Abteilung erhielten Stimmen: Zentrum 23,2 v. H. Konservative 23,2, Nationalliberale 21,9, Sozialdemokraten 3,3 v. H. In der zweiten Abteilung haben die Sozialdemokraten 14,1 v. H., in der dritten Abteilung sind sie mit 27,9 v. H. die weitstärkste Partei. Die Zahl der Einwohner, die auf einen Abgeordneten entfielen, schwankte zwischen 323 444 und 34141. Und nun wird Bethmann Hollweg zu zeigen haben, ob er tanzen kann. Wir aber wollen uns auf seine Tanzkunst nicht allzusehr verlassen, zumal es keinem Zweifel unterliegt, daß die Junker ihm, selbst wenn er tanzen möchte, die Erlaubnis hierzu nicht erteilen worden. Daß wir aber mit dem jetzigen Wahlrecht noch ganz andere Erfolge erzielen können wie bisher, das geht aus der Statistik klar hervor. Unsere Parole muß also sein: Ausbau der Organisation. Vom preußischen Schulelend. S.& H. Stolp, 24. Dez. Wegen sittlicher Verfehlungen und mehrerer Diebstähle hatte sich der 25jährige Lehrer Franz Friedrich aus Horst bei Stolpmünde vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten. Die zum Teil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführte Verhandlung entrollte ein trübes Bild aus dem Leben eines Dorfschuklehrers. Ohne ersichtliche Not stahl der Angeklagte am 6. Mai d. J. einem Stolpmünder Kaufmann ein Fahrrad, welches er zu seinen Eltern nach Stettin brachte. Vierzehn Tage später entwendete er einem Bauer in Horst 24 Meter ungebleichte Leinewand von der Bleiche und sandte diese gleichfalls zu seinen Eltern. Nach Bekanntwerden der Diebstähle räumte der Angeklagte diese auch ohne weiteres ein. Während der Voruntersuchung stellte sich heraus, daß sich der Angeklagte zu wiederholten Malen an Schulkindern vergangen hatte, was er schließlich ebenfalls eingestand. Zu seiner Entschuldigung gab der Angeklagte an, daß er während der Zeit, in der die Straffälle vorgekommen sind, stark getrunken habe und nicht gewußt habe, was er tat. Zur Beobachtung seines Geisteszustandes wurde er daraufhin in der Provinzial-Irrenanstalt zu Lauenburg untergebracht. Die Beweisaufnahme ergab, daß der Angeklagte in der Tat stark getrunken habe und oft Selbstgespräche führre. Der unmittelbare Vorgesetzte des Angeklagten, Hauptlehrer Groth, ist mit seinen Leistungen im allgemeinen zufrieden gewesen, nur bekundet er, daß der Angeklagte oft sehr zerstreut gewesen sei. Der Leiter der Irrenanstalt, in der der Angeklagte untergebracht war, schildert diesen als einen Menschen mit total zerrüttetem Nervensystem, das einerseits durch das übermäßige Trinken und andererseits durch Ueberarbeitung hervorgerufen sei. Für die Straftaten sei er jedoch entschieden verantwortlich zu machen. Das von dem Angeklagten ziemlich gleichgiltig aufgenommene Urteil lautete auf 3 Jahre Gefängnis und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren. Die Schulden der europäischen Staaten. sse. Die wachsenden Ausgaben für Kulturzwecke noch viel mehr aber für Unkulturzwecke, nämlich für Rüstungen und Kriege, haben allmählich alle modernen Staaten in eine immer größer werdende Schuldenlast gestürzt. Zu Ende des 18. Jahrhunderts betrug die Gesamtsumme der Staatsschulden erst 10 Milliarden Mark, wovon auf Europa 9,6 Milliarden entfielen, und hiervon wieder auf England allein 5,6 und auf Holland 2 Milliarden. 1847 waren die Gesamtschulden auf 34, 1870 bereits auf 78 Milliarden Mark angewachsen, woran Europa mit 59, Amerika mit 15, Asien mit 4 Milliarden beteiligt war. Bis zum Jahre 1906 waren die Gesamtschulden der Staaten auf die kolossale Summe von 177 Milliarden Mark gestiegen. Davon entfielen 122 Milliarden— etwa drei Viertel— auf Europa, 21 Milliarden auf Amerika, 5 auf Afrika, 12 auf Asien und 6 Milliarden auf Austrolien. Die wichtigsten europäischen Staaten waren in folgender Weise an der Gesamtschuld beteiligt: Staat Deutsches Reich.. Großbritannien Frankreich Italien..... Oesterreich=Ungarn Rußland Spanien Rumänien Belgien Dänemark Norwegen Schweden Niederlande Portugal Schweiz Serbien Die höchsten absoluten Schulden, wie auch pro Kopf der Be2 e de esctaed elanie aidz die Sesächer ien. Kanst. staaten mit eingeschlossen sind. Ein unmittelbarer Vergleich, in welchem Maße die Bevölkerung der verschiedenen Staaten durch die öffentliche Schuldenlast gedrückt wird, läßt sich aus den obigen Zahlen natürlich nicht ziehen, da hierfür nicht allein die tatsächliche Höhe der Schulden, sondern auch die Art und Weise ihrer Verzinsung— durch direkte oder indirekte Steuern, durch Belastung der Reichen oder Armen— in Frage kommt. Oesterreich und der Vatikan. Wien, 27. Dez. In hiesigen unterrichteten Kreisen gilt es als feststehend, daß die allseitig große Ueberraschung und Mißstimmung hervorrufende Uebergehung des Weihbischofs Dr. Marschall bei Bestellung eines Koadjuters der Wiener Erzdiözese 1 R auf direkten Einfluß von seiten des Staatssekretärs Merry del Marschall sei dem Staatssekretär ein viel zu liberaler Bischof und deswegen wurde er übergangen. Wie weiter in unterrichteten Kreisen verlautet, ist der aus Westselsn, stammende Pater Graf Galen zum Weihbischof von Wien Attentates werden fortgesetzt. Die Nachricht, daß Woskresensky or Gericht gestellt werden solle, Deutsches Reich. Von der„Not der Landwirtschaft". Die Gutsbesitzer in Ostpreußen machen ein seines Geschäft. Vor zwei Jahren erstand der Gutsvesitzer von Post-Girnehlen das Gut für 160000 Mark; er verkaufte es jetzt an den Landwirt Müllauer aus Annahof für 182000 Mark, verdiente also 22000 Mark.— Das Gustav Schmidtsche Gut in Aschbuden brachte im Frühjahr 1908: 100 000 Mark; es wurde vor 16 Jahren für 50000 Mark gekauft; jetzt ist 68. von Besitzer Döring an Besitzer Mohr für 155 000 Mart verlauft worden. Seit dem vorigen Jahre ist dieses Grundstück in vierter Hand, so daß es jeder Besitzer durchschnittlich drei Monate besessen hat. Der letzte Besitzer hat innerhalb der diel Monate 15000 Mark verdient. Dazu kommt noch die Gesamteinnahme der diesjährigen Ernte an Hafer, Gerste und 9.. Letzteres hat in diesem Jahre einen besonders hohen vor Tied Seicte Fate Einnadmen leiden die Agrarier nach wie Zur Illustration der amtlich behaupteten Unschädlichkeit des Eosins teilt ein Leser der„Berliner Morgenzeitung“ aus Pommern mit: :„Die offiziose Behauptung, daß bisher noch keine Tiere nach der Fütterung mit Eosingerste gestorben seien, ist unrichtig. Mir sind vor ungefähr vier Wochen drei Schweine, je vier Monate alt, eingegangen.„Ich kann das nur auf die Fütterung mit Eosingerste zurückführen. Die Tiere starben nach der dritten Fütterung innerhalb vierundzwanzig Stunden. Könnte man da nicht jemand verantwortlich machen?“ Für die pommerschen Schweine ist also das Eosin noch weit gefährlicher als für die Borstentiere in Schleswig=Holstein. Nur die staatlichen Schweine auf dem Gute Mocheln werden von dem Eosin dick und fett. Konflikt im Lager der Polen. Aus Beuthen(Oberschl.) wird berichtet, daß die polnischen Reichstagsabgeordneten Dr. Seyda und Korfanty wegen ihrer demokratischen Agitation und ihres feindseligen Verhaltens gegen den Abgeordneten Payjeralski bereits in den nächsten Tagen vor Gericht gestellt werden solle, bewahrheitet sich nicht. Die Untersuchung wird im Gegenteil noch mehrere Tage dauern, um seiner Komplizen habhaft zu werden, da man glaubt, es mit einer Organisation zu tun zu Nachrichten aus administrativen Kereisen besagen, daß es sich nicht um eine Bombe oder Explosionsgeschosse handle, da Bes Püchtgn un Stelle Splitter gesunden haben würde. schließen. Die Peerdigug selben läßt auf eine Höllenmaschine ##. Die Breldigung Karpows erfolgt auf Staatskosten. Der Witwe ist eine große Unterstützung ausgesetzt. Zu den Mißbräuchen in der Eisenbahnverwaltung. Petersburg, 26. Dez. Die Mitglieder der oberen Enquetekommission Gerzenwitz und Sinadino überreichten dem Premierminister Stolypin eine Eingabe über die Notwendigkeit der Einsetzung einer Senatorenrevision über die Nebenbahnen. Die Bereisung der Südbahnen im Sommer dieses Jahres hätte alle Zweifel über das Vorhandensein bedeutender Mißbräuche beseitigt. Die Existenz solcher stellte auch der Chef der Bahnen nicht in Abrede. Die Vertreter der Staatskontrolle erklärten, daß, da in in Ordnung sei, sie weder das Recht noch die Möglichkeit hätten, die Frage über die Mißbräuche zu untersuchen. Wenn der Kampf des Ressorts selbst mit den Mißbrauchen Erfolge zeitigen könnte, so würde eine Untersuchung seitens des Verkehrsministeriums genügen; bei der gegebenen Lüge der Dinge aber könne eine bis in den Kern des Uebels dringende Untersuchung nur durch eine Senatorenrevision erfolgen. Die auf den drei Bahnen aufgedeckten Mißbräuche lassen den Schluß zu, daß es auf den anderen Bahnen nicht besser zugehe und ware außerdem notwendig, dem Ministerpräsidenten sämtliche Daten über die zu verwendende Feuerung zu unterbreiten, da durch Einführung solcher Aufstellungen eine wesentliche Ersparnis erzielt werden könnte. heiliger Pflicht für uns bedeutet. Aber es kam, gleich nach dene Parteitag der deutschen Sozialdemokratie, infolge des Inkrafttretens der neuen Tabaksteuer eine so unerhorte Flutwelle von Lgitationsarheit über uns, daß wir neben der Bewaltigung ugitationsarheit über uns, daß wir neben der Bewältigung DOichbnehenrich des Falles Homann. guscheishsnr fanden. Die Agitationsarbeit konnte aber nicht uigeschoben werk.—., Die Agitationkarbeit konnte ader nicht Sem w###eiben, hier mußte der gunstige Augenblick ausgenuhr werven. Jetzt aber ist die Zeit gekommen, der Sache Homann=Osthushenrich zu ihrem Recht zu verhelfen. Wir drucken zunächst die damals erschienenen Artikel noch einmal ab: I. Die„Sache beginnt mit dem Zivilprozetz, den Osthushenrich gegen Homann angestrengt hat wegen der Summe von 52,58 Maxk. Homann, welcher Käsefabrikant ist, hatte die Kisten, weiche er brauchte, von Osthushenrich bezogen. Es war für die ag;#in Preis von 12 Pfg. vereinbart worden. Etwa im Juni 1501 erkalte Osthushenrich Homann, er würde die Kisten zu dem billigen Preise nicht mehr liefern können, Homann müsse mehr bezahlen. Homann wollte wissen, wieviel das wäre, das Osthusbeur- 208 sagte aber Osthushenrich nicht, er musse selbst erst einen Preiskurant einfordern, vorläufig sei ja noch altes Holz da. Homann bezog also im zuti und August die Kisten von“hust Türkei. Fserigen Verhaltens gegen den Abgebronehn Kupieralsri in Differenzen mit der polnischen Reichstagsfraktion geraten seien. Das polnische Zentralkomitee werde, wie versichert wird, sich Reichstagswahl widersetzen. Genannten bei der nächsten zum Kieler Werft=Prozeß. Das Reichsmarineamt Nachrichten, zufuge die Zivilklagen bat begi, Feschr, Ziezesten Nachrichten, zufolge die Zivilklagen Werftprozeß zurückgezogen. Der erkassene Vermögensarrest wurde aufgehoben. Das Erbe König Leopolds. Brüssel, 27. Dez. Bei dem Rotar Dubost fand heute eine Versammlung der Anwälte der Prinzessinnen Luise, Stephanie und Klementine und des Testamentvollstreckers des Königs Leopold statt. Es wurde vereinirt, eine genaue Inventur des königlichen Nachlasses vorzunehmen. Wie aus den Aeußerungen der Anwälte und des Testamentvollstreckers hervorgeht, beläuft sich der Nachlaß des Königs, der den Erben zufällt, nicht auf 15, sondern auf 18 Millionen Franien. Das übrige Vermögen wird wahrscheinlich die Geunter den Erben zur Verteilung gelangt, auf killionen erhöhen. Das Einvernehmen der Anwälte beider Parteien war ein vollständiges. Bezahlung von Luisens Schulden wird das Erbe nicht reichen! dich England. Die Kriegshetze, von je ein beliebtes Wahlmittel der Leute, die ihre Steuerpflicht anderen aufhalsen möchten, spielt als Wahlmache eine große Rolle. Das Gespenst des Einfalls der sen wird an die Wand gemalt, der Plan der irischen Selbstverwaltung als die Vorbereitung einer dem Feinde verbündeten Macht hingestellt, die Gegner der Kriegsschwindeleien, Liberale, Irländer und Sozialisten, kurzweg als Verräter beschimpft. Alles, weil eine Anzahl reicher Leure keine Erbschaftsoder Grundsteuern bezahlen und in ihrer wüsten Bodenspekulation unbeeinträchtigt bleiben möchten. Die Wahlmethoden der englischen Konservativen erinnern auffällig an die Bismarcksche Wahlmache bei den Septennatswahlen von 1887. Aber es ist Die Bewässerung und Kultivierung von Mesopotamien, dem gesegneten Landstriche zwischen Euphrat und Tigris, wird von Sir William Willcocks eifrig betrieben. Seine Pläne haben in den maßgebenden Kreisen des osmanischen Reiches nach einer Meldung des Engineer“ gute Aufnahme gefunden und gehen ihrer Verwirklichung entgegen. Mesopotamien war im Altertum zum größten Teile, namentlich an den Flußläufen und durch die Bewasserungskanäle eins der fruchtbarsten und bestangebauten Länder und die Wiege der semitischen Kultur. Jetzt sind infolge der beispiellosen Verwüstungen nur noch wenige bewässerte Lanstriche fruchtbar, die übrigen Sand=, Salz= oder Steinwüste mit zum Teil bituminösen Boden. In den fruchtbaren Teilen gedeihen Datteln und Obst, Wein und allerlei Südfrüchte in der üppigsten Weise. Die vorhandenen reichen Bodenschätze erhöhen den Wert des Landes; die türkische Lotterwirtschaft aber ließ das Land verfallen, aus dem eine anständige Regierung das reichste Land machen könnte. Die Willcocksschen Pläne sehen zuerst die Anlage von Kanälen, Wehren und Stauwerken im Delta des Euphrat und des Tigris zur Berieselung von rund 1,2 Millionen Hektar besten Bodens vor. Eine weitere ebenso große Bodenflache soll in einer zweiten Arbeitsstufe nutzbar gemacht werden. Vom arabischen Kriegsschauplatze. Konstantinopel, 26. Dez. Prioatnachrichten aus arabischen Quellen zufolge, ist an die Herstellung des Friedens in Arabien noch lange nicht zu denken. Fur die Rückkeyr des Khedive aus Mekka nach Aegypten werden ernstliche Befürchtungen gehegt. Die Pilgerzüge auf der Mekkabahn müssen schon ab Beyrut durch große Truppenmassen begleitet werden. Einige aufruhrerische Tribus lagern in der Umgebung von Mekka und drohen, die heilige Stadt anzugreifen. der Nähe von Medina überfielen die Tribus und Insurgenten unter der Führung des Scheichs Mandell die türkischen Truppen. 240 Araber fielen, die genaue Zahl der gefallenen Türken ist unbestimmt. Zur selben Zeit, als sich dies in Hedschas ereignete, lockten auf dem Kriegsschauplatz in Yemen die Tribus Wasad Beni Kais und Ikon Hoschum. Anhänger des Imams Jahija Hamid=Eddin, den türkischen Overkommandanten Rifaat Pascha mit einem großen Teil seiner Armee in einen Hinterhalt. Rifaat konnte sich nur mit großer Mühe und schweren Verlusten retten. Die Pforte schickte die in Arabien angesehenen Scherife Abdullah und Mohamed zum Imam, um ihn zum Frieden zu bewegen #uf“„dis Kisten„von Osthushenrich ruhig weiter, ohne daß seiner Meinung nach irgend etwas anderes als der Preis von 12 Pfg. ausgemacht worden war. Dabei erinnerte er aber Osthushenrich meyrmals daran, ihm den notwendig werdenden höheren Preis mitzuteilen, was Osthushenrich aber ablehnte, immer mit der Begrundung, die eingeforderten Preiskurante seien noch nicht eingetroffen. Endlich im September steilte Osthushenrich Homann mit, die Preiskurante seien nung gekommen und die Kiste stelle sich auf 20 Pfg. Hierauf erklarte Homann sofort, den Preis könne er nicht zahlen und Ssccöhsgenrich,u Abbruch der Geschäftsbeziehung zu masse hosic Oshushenrich nun auch sein Geld von Hoaben und schickte ihm eine Rechnung zu, in welcher er für 542 im Vierlejjahr Juni September 1900 gelieferte Kisten 93,14 forderte, also einen Preis für die Kiste von 17 Pfg. Homunn ertarte sich zur Zaylung bereit, bestritt aber, daß 542 Kisten geliefert worden seien, er erkenne nur 310 Kisten an, und für die Kiste zahle er nur 12 Pfg. Es ist ja nun an und für sich schon merkwürdig, daß solche Differenzen bei einer geordneten Buchführung vorkommen können. Aber die Lieferung der Kisten hatte mit einer geordneten Buchführung nichts zu tun. Es wurden ja auch die Käsekisten nicht als fertige Kisten geliefert, sondern die Seitenteile, Boden und Deckel jedes fur sich. Gewöhnlich brauchte Homann die Kisten sehr notig und dann holte sie Frau Homann aus der Fahrik von Osthushen H8 sie Frau Homtg, aus der Fadril von Dschushenrich im Kinder520 Tene gurit. glt,„wurden, Nicaragna. wagen, wobei ofter vorkam, daß Teile zuviel geliefert wofür dann bei den späteren Lieferungen der Ausgleich stattfand. Zu einem Vergleich über die Differenzpunkte kam es nicht. Vor uns liegt die Rechnung, welche Osthushenrich am 26. April 1901 Homann zugesandt hatte. Sie lautet: Telephon No. 230. Bielefeld, den 26. April 1901. Rechnungs=Auszug für Herrn Homann, Hier L. Osthushenrich Mechanische Kisten= u. Versandtschachtel=Fabrik. Dampftischlerei. 1900 Debet Juni=Sept. An Kisten lt. Rg. 93,14 K 93.14 1901 April 27 An Saldo. K 89,78 10 Zinsen vorbehalten 1900 Credit Sepzt... Per Kistenteile 3,.36 01. april 20" Saldo 89,78 K 93,14 Wenn Sie nicht innerhalb drei Tagen diese Rechnung beglichen haben, werde ich Sie verklagen. p. D. O. Irrtumern vorzubeugen, erlaube ich mir, meinen werten Kunden vierteljährlich Auszug zu überreichen. anzunehmen, daß bei dem politisch geschulten englischen Volke „..„- und frivole Mittel heute nicht mehr verZelaya geflüchtet. Mexiko, 27. Dez. Der Minister des Aeußern teilte mit, daß der frühere Prasident von Nikaragua Zelaya auf sein Verlangen als Privatmann an Bord eines mexikanischen Kanonenbootes ausgenommen worden ist. derartige unehrlich fangen werden. Rußland. Zur letzten Bombenexplosion. Petersburg, 26. Dez. Woskresensky leugnet nicht, daß er beim Chef der hiesigen Sicherheitsabteilung als Agent gedient hatte und ihm Mitteilungen über die Tätigkeit der Mitglieder der sozialdemokratischen Partei zutommen ließ. Er stellte jedoch in Abrede, daß er den Mord des Obersten Karpow organisiert und zur Ausführung gebracht habe. Die Höllenmaschine habe sich tatsächlich in dem Quartier befunden, jedoch sei sie zufällig explodiert ohne jegliche Mitwirkung von seiner Seite. Die Haussuchungen anläßlich des Aus der Stadt und Nachbarschaft. * Bielefeld, 28. Tezember. Der Fall Homann=Osthushenrich. Manche unserer Leser werden sich der Sache kaum noch erinnern, viele allerdings haben bei uns angefragt, ob Fortsetzung und Schluß nicht bald kommen werden. Und in der Tat haben wir während der beinahe 5 Monate, während welcher wir die Sache haben ruhen lassen, die Absicht, sie zu Ende zu führen, auch niemals einen Augenblick aufgegeben. Wir schrieben schon damals, am 14. August, daß die Erledigung dieser Sache eine Art mn P#ir, gollen hier nun gleich bemerken, daß wir uns wohl bedie Informationen über diese Angelegenheit dan ans cließlich der einen Partei, dem Herrn Homann, verFönlichen Ansiche an sehr wohl gehütet, aus dessen ver„nichen, Ansichten uns unser Urteil zu bilden. Wir haben uns an die objektiven Tatsachen gehalten. Und eine Menn Saies dier in Gestalt dieses Rechnungs=Auszuges Thmann nur die Lieferung von 310 Kisten anerkannte— diese Anzahl war nämlich der Frau Homann auf ihre Anfrage, was sie denn nun schuldig seien, in der Fabrik von Osthusyenrich turz vor dem Abbruch der Geschäftsverbindung angegehen worden—, so durfte doch darauf nicht mit einer so augemeinen Angabe, wie eine Lieferung im Juni=September ist, geantwortet werden, sondern es mußte diese Lieferung spezialieine solche spezialisierte und Brertshellungen. Von Dr. med. Filh. Kühn, Leipzig. (Nachdruck verboten.) Schon in den frühesten Zeiten herrschte unter den Christen über die Stellung, die man der Medizin gegenüber einnehmen sollte, durchaus keine Einmütigkeit, sondern die Gemeinde spaltete sich bei dieser Frage in zwei Parteien, die einander gegenüberstanden. Die eine wollte von der Medizin überhaupt nichts wissen und ging in ihrem Radikalismus so weit, daß sie bei Ertrankungsfällen Arzt wie Medizin vollkommen ausgeschlossen wissen wollte, die andere Partei dagegen verlangte die Zuziehung eines Arztes, wobei sie allerdings nicht unterließ, diesen ihren Wunsch durch Berufung auf gewisse christliche Legenden zu entschuldigen, um ihn dem intoleranten Flügel der Gemeinde schmackhaft zu machen. Die Radikalen behaupteten, daß alle glücklichen und beklagenswerten Ereignisse, die den Menschen träfen, wie der Glaube lehrte, unmittelbar aus der Hand des Höchsten kämen. Deshalb müsse jede Krankheit, vom kleinsten Unwohlsein bis zur schwersten Erkrankung als Fügung Gottes betrachtet werden, gegen die mit irdischen Mitteln zu campfen sich nicht passe. Erfolg könne man sich nur vom Gebet versprechen, und zwar führte man dabei stets, wie man es auch heute noch tut, die Stelle im Jacobusbrief, Kap. 5. V. 14—16 an:„Ist jemand krank, der rufe zu sich die Aeltesten der Gemeinde und lasse sie über sich beten und salben mit Oel in dem Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen und der Herr wird ihn aufrichten usw. usw.“ Neben Gebeten, Oelsalbung und Händeauflegung konnte auch noch das Evangelienbuch als Heilmittel verwendet werden. Später benutzte man auch Kleider gewisser heiliger Männer, wie aus Apostelgeschichte, Kap. 19, V. 20, hervorgeht, wonach das Schweißtuch und der Rock des Apostels Paulus heilende Kraft besessen haben. Nach Kapitel 5, V. 15, wurde sogar der Schatten des Apostels Petrus fur medizinische Zwecke verwendet. Wir können hier nicht allen den Gründen nachgehen, wodurch die ärztliche Wissenschaft trotzdem, wenn auch unter schweren Kämpfen, ihr Ansehen behauptete. Wahrscheinlich ließ der tägkiche Umgang mit Kranken und gebrechlichen Greisen den Diakonen und Diakonissinnen die ärztliche Hilfe denn doch in einem anderen Lichte erscheinen, als jenen Eiferern, die über sie nur von ihrem hoperorthodoxen Standpunkt urteilten. Die praktischen Erfahrungen lehrten dem christlichen Krankenpfleger auf das Handgreiflichste, was bei der Krankenbehandlung der Arzt und was der mit Gebet, Handauflegen und Oelsalbung operierende Laie oder Kleriker zu leisten vermochte. Erschwerung für die ärztliche Wissenschaft lag dann, nielleicht im Anschluß an die geschilderten Ansichten, darin, daß man auch die Heiligen in die gesundheitlichen Verhältnisse hineinzog. In der Hauptsache mußte das Verhältnis zwischen Kranken und Arzt durch ihr Eingreifen erheblich beeinträchtigt werden, denn wenn in schweren Fällen die himmlische Hilfe der Heiligen wirkte, so braucht man sich nicht zu wundern, daß das Vertrauen in die Kunst des christlichen Arztes sinken mußte. Indes wollen wir die sich hieraus ergebenden Folgen übergehen, um die Gebetsheilung näher zu erörtern, wie sie die Sekte der Gesundbeter aus Amerika zu uns gebracht hat. in me. Zeiten, in denen eine unn zuns oehrach „ gerracht hal. Es gibt „##er grigin benen eine unnalutliche Steigerung des religiosen Gefühs bei gleichzeitiger vollständiger Unkenntnis aller Naturerscheinungen eintritt, wobei zu beachten ist, daß die Kirche an und für sich mit solchen Bestrebungen durchaus nichts zu chaffen hat. Es ist kennzeichnend für die moderne Gebetsheilung, wenn man in den Blättern der Heilung“, das Reklameblatt dieser modernen Heiligen, liest, daß ganz veraltete organische Veränderungen des Herzens, zerstörte Lungen, zerrissene Gefäßstämme usw. nur durch brünstige Gebete in den normalen Zustand zuruckgeführt werden können. Man muß unter solchen umständen unbedingt zu der Ansicht kommen, daß der Höhe der hier offenbarten religiosen Verzückung ein mindestens ebensolcher Hochstand, der naturwissenschaftlichen Unkenntnis entsprechen haben wir uns zu diesen modernen Gebetsheilungen zu Privatsache sind, mit denen dast sehsalten werden, daß sie reine heutzutage nicht das Geringste mehr zu tun hat. Ferner kann bei ihnen von einer wissenschaftlichen Kritik kaum noch die Rede sein. Indes muß man sich mit ihnen aus anderen Gründen beschäftigen. Es fragt sich nämlich sehr, ob sie nicht von Staats wegen überhaupt zu verbieten sind. Dazu hat man eine sehr ##ie Handhabe, die auch in Nordamerika, in den Vereinigten Staaten, der Geburtsstatte dieser modernen Gebetsheilungen, in setzteren Jahren wiederholt zur Anwendung gebracht sind. Sobald man nämlich irgendwie nachweisen konnte, daß der Gesundbeter einen Kranken, der noch zu heilen gewesen wäre, hingeverurteilt. In Deutschland haben wir von einem derartigen Vorgehen gegen Gesundbeter noch nichts gehört, was sehr zu bedauern ist. Weiter aber wird man sich mit der Frage zu beschaftigen haben, ob wir nicht solche Leute direkt als Betrüger gresiehen haßen, denen es nur um Gelderwerb zu tun ist. Aber den Fallen, in denen die Betreffenden von der Wirkung ihrer Gebele überzeugt sind— das wird wohl keiner unter ihnen Peieen,## müssen wir uns weiter die Frage vorlegen, od bei weiter werdenen nicht ein geistiger Defekt vorhanden ist, und sundbeterei zu pir zu verücklichtigen haben, inwieweit die GeZeit ausbrechen geistigen Epidemien gehort, die von Zeit zu sen, und sich ebenso von einem auf den anderen übertragen, wie es auch die uns bekannten Infektionskrankheiten zu Fagesh, wie e8 dach die ans verannten„Inserrionsrruntheiten zu ed man zu dem Fraehnis kamm ausgeie 44 Ddem Ergeonir kommen mussen, daß sie zu verwerfen ist und daß der Staat die Pflicht zum Einschreiten hat, wobei wir noch nicht einmal den Punkt in Rücksicht ziehen, von dem schon vorhin die Rede war, daß nämlich das Vertrauen der Leidenden zu der Kunst der Aerzte schwinden muß, wenn Krantheiten in so requemer Weise zu beseitigen sind. handlungen zur Geschichte der Medizin, H. sondern er hat eine andere Erklärung und glaubt, daß das Wiederguileben der Gebetsheilung lebhaft einer Erscheinung aus Atapismus oder Rick u. dem Atavismus, ähnelt. Unter lang, bei m eine(chlag versteht man bekanntlich jenen Vorden. n anatomische Form von einem Vererber auf schen Frden miat dreit übertragen vich, bondern dielmehr Wpi. Vererber und Erben eine mehr oder minder zahlreiche se von Generationen steht, die die fragliche vererbte anatomische Figenartigkeit nicht besitzen.„Von einen Vererbung kann einen Kranken, der noch zu heilen halten und dadurch dessen Lod verursacht hatte, wurde er vom Richter unnachsichtlich zu hohen Geld= und Gefängnisstrafen allerdins#; nicht besitzen. Von eines Vererbung kann vielleicht von einem Rückschlag: u echen, woot aber unserer geistigen beum kusinr is eine längst überwundene Epoche heistigen bezw. tullureuen Entwicklung. Es hat sich eine töhersüglig puns von Ursachen gebildet, die die Gebetsheilung wissge Da gsesche üriachen un zugr in derselben Form wie früher. En glrich, Arsachen immer gleiche Wirkung haben, en auch be'z. bie geg kalturellen Aavismag, vie früder sophische Gründe“ man bei einer Erklärung nicht so philolichkeiten der Gesundbeterei nachguweisen. erhebkicher Differe wenn auch noch d blieb. Jedem Unb kommen, daß Osthi Weiter abere aus welchem ohne hervorgeht. Homa bindung eintrat, S Osthushenrich nich mehr sich liefern# nichts anfangen un welche in dem Red Mark in Abzug gel Geliefert erhalten außerdem noch die Anrechnung sind ih worden, für die ein Wie kommt es de Homann gutgeschri auszug mußte er 5. und von einem Te zurückgegeben haber rückgegeven hat, we kann also durchaus nicht zu seinem Nac hatte, aber das ist vorliegende Rechnu diesem selbst hervor Der Prozeß be Wahrlich eine Bag in Anspruch, daß d sei das Recht selbst Bagatelle gestohlen weil eben der Diebs Die Berechtigung K die er nicht schuldig Standpunkt des R wenn heute, nach 8 das Leid, welches Schritt für Schritt bracht haben, dann er hätte es lieber solchen Folgen kom schreiende an der S In dem Prozeß Kraft, Osthusheur konnte sein Verlan nicht durchsetzen, so der Arbeiter Schor das Gericht dem erlegtz Ich schwöre, kundigung die Uel im Juni bis Sep kisten zum verein Holz zu 5 Stück K pro Kiste geliefert Am 20. Juni 11 leistet— trotzdem merksam machte, das protokollierten Bem waren. Wir werden im: henrich geschworen! Kaufmann doch ord ausführlich zu reder dem bürgerlichen Tr Osthushenrich erschei — Der heutigen der Wandkalender f — Eine neue# Ende der Heeperstr. Restauration„Zum Antrag des Magisti einer Apotheke im schlußfassung hierüb ordnetenversammlun überwiesen, die in (Juni 1907) Berich richtung auf Kosten war es nur unser S verordnetensitzung n Stadtverordnete Di strats unterstützten. abgelehnt. Es wur der wirkliche Grund in jedem städtischen sehen glaubt und je Erwerbsleben verwi allopathischen und H. Oesterreich über straße hat aufführen richtung beschäftigt, mehr lange auf sich lange gehegter Wun lich in Erfüllung. — Stadttheater. Am morgigen Mittw holt, die Weihnachter den: nachmittags das große Cperetten=Erf tag gelangt die Lust überall mit großem Male zur Aufführur zur Silvesterfeier e Dollarprinzessin". endet um 9¾ Uhr. — Ein Zimmer in dem Restaurant Feuerwehr war ba auf zwei Zimmer wurden aus den Fehaufen, der einen von der Verheerung — Polizeiberich Kleinyandler Herm. von seinem Wagen —„ mit blauen und rote Gefunden: 1 Zugelaufen Flecken; 1 brauner Verloren: 1 mit 10 Mark 259 1 Paket mit Sonn etwa.50 Mark Inha ledernes Portemonn ledernes Handtäsch 11 Mark 50 Pfg. in Schlangenform; 1 4 Mark 20 Pfg. I. Einbruchsve versuchten 2 Männe: indem sie von der R Zerschlagen einer wurden sie von der sich die Diebe auf zirka 6 Mark Inha alt und von großer schwarze Schlapphüt Kriminal=Abteilung es kam, gleich nach dene tie, infolge des Inkraftunerhorte Flutwelle von neben der Bewältigung ung des Falles Homannarbeit konnte aber nicht günstige Augenblick ausSache Homann=OsthusWir drucken zunächst die l ab: rozetz, den Osthusbenrich der Summe von 52,58 nt ist, hatte die Kisten, ezogen. Es war für die worden. Etwa im Juni er würde die Kisten zu können, Homann müsse wieviel das wäre, das selbst erst einen Preisaltes Holz da. Homann isten von Osthushenrich nach irgend etwas andecht worden war. Dabei ils daran, ihm den notilen, was Osthushenrich sung, die eingeforderten n. Endlich im Septemdie Preiskurante seien auf 20 Pfg. Hierauf ne er nicht zahlen und r Geschäftsbeziehung zu ruch sein Geld von Hong zu, in welcher er für gelieferte Kisten 93.14 Kiste von 17 Pfg. Hobestritt aber, daß 542 nur 310 Kisten an, und ja nun an und für sich n bei einer geordneten sie Lieferung der Kisten g nichts zu tun. Es fertige Kisten geliefert, el jedes für sich. Ger notig und dann holte thushenrich im Kinderuviel geliefert wurden, der Ausgleich stattfand. nzpunkte kam es nicht. ishenrich am 26. April den 26. April 1901. somann, Hier hachtel=Fabrik. Debet g. 93,14 K 93,14 K 89,78 en Credit 3.36 89,78 K 93,14 * agen diese Rechnung i. p. D. O. tbe ich mir, meinen überreichen. daß wir uns wohl beer diese Angelegenheit Herrn Homann, verhütet, aus dessen perden. Wir haben uns gehalten. Und eine Rechnungs=Auszuges von 310 Kisten anereau Homann auf ihre , i n d e r F a b r i k v o n Geschäftsverbindung uf nicht mit einer so Juni=September ist, se Lieferung spezialiahlung bereit, sobald gelegt werden würde, alls sein gutes Recht. üllung Osthushenrich machen konnte, wenn irden waren, und ein on einem derartigen gehört, was sehr zu nit der Frage zu bedirekt als Betrüger erb zu tun ist. Aber den von der Wirtung hl keiner unter ihnen rage vorlegen, ob bei t vorhanden ist, und , inwieweit die Geort, die von Zeit zu uf den anderen überektionskrankheiten zu eilung auf, wie wir kommen müssen, daß ie Pflicht zum Einn Punkt in Rücksicht aß nämlich das Verrzte schwinden muß, u beseitigen sind. seiner lesenswerten senseitigen Beziehunedizin, H. 1) nichts, d glaubt, daß das ner Erscheinung aus nus, ähnelt. Unter anntlich jenen Voreinem Vererber auf ndern vielmehr zwir minder zahlreiche iche vererbte anatoVererbung kann sprechen, wohl aber überwundene Epoche ig. Es hat sich eine e die Gebetsheilung in derselben Form che Wirkung haben, inungen wie früher vismus.— Unserer ung nicht so philochteile, resp. Schäderhebkicher Differenzpunkt war doch dann aus der Welt geschafft, wenn auch noch die Differenz wegen des vereinbarten Preises blieb. Jedem Unbefangenen muß es also höchst verdächtig vorkommen, daß Osthushenrich diese billige Forderung nicht erfüllte. Weiter aber enthält der Rechnungs=Auszug einen Posten, aus welchem ohne weiteres seine Unrichtigkeit in dieser Form hervorgeht. Homann hatte, als der Abbruch der Geschäftsverbindung eintrat, Seitenstücke zu viel geliefert erhalten. Da nun Oschushenrich nichts mehr lieferte oder Homann von ihm nichts mehr sich liefern lassen wollte, konnte er mit diesen Kistenteilen nichts anfangen und schickte sie zurück. Das sind die Kistenteile, welche in dem Rechnungs=Auszug mit 3,36 Mark von den 93,14 Mark in Abzug gebracht sind. Nun ist doch aber folgendes klar: Geliefert erhalten hat Homann nur vollständige Kisten und außerdem noch die Seitenteile, welche er zurückgegeben hat. In Anrechnung sind ihm 542 vollständige Kisten zu 17 Pfg. gebracht worden, für die eine Mark sind 5 Kisten zu 20 Pfg. angerechnet. Wie kommt es denn nun, daß die zurückgegebenen Kistenteile Homann gutgeschrieben worden sind? Nach diesem Rechnungsauszug mußte er 542 vollständige Kisten geliefert erhalten haben und von einem Teile dieser vollständigen Kisten die Seitenteile zurückgegeben haben, während er doch diese Seitenteile nur zurückgegeven hat, weil ihm die Deckel und Boden dazu fehlten. Es kann also durchaus anheimgestellt bleiben, ob Osthushenrich sich nicht zu seinem Nachteil verrechnet hat und er mehr zu bekommen hatte, aber das ist ganz unerheblich und die Tatsache, daß der vorliegende Rechnungsauszug falsch ist, falsch sein muß, geht aus diesem selbst hervor. der Prozeß um etwa 50 Mark. Wahrlich eine Bagatelle! Aber gerade unsere Justiz nimmt ja Sozialdemokratischer Verein für den Wahlkreis Bielefeld=Wiedenbrück. Urabstimmung am 26. Dezember 1909 zur Wahl von zwei Delegierten zum preußischen Parteitag am nuar 1910 in Berlin hat nachstehendes Resultat erGuli 100n i, dem Beschluß der Generalversammlung vom Schmnichzur die Wahl einfache Stimmenmehrheit maßgewählt. 4 sund die Genossen Eilers und Hoffmann Wahllokal Bagatelle gestohlen hat, zu hoher Gefängnisstrafe verdonnert, Diebstahl, gleichviel von was, bestraft werden muß. Die Berechtigung Homanns, sich gegen die Zahlung von 52 Mi., die er nicht schuldig zu sein glaubt, zu wehren, muß gerade vom Standpunkt des Richters aus anerkannt werden. Allerdings, wenn heute, nach 8 Jahren, Herr Homann zurückblickt auf all das Leid, welches der Prozeß und die Folgen, zu welchen er Schritt für Schritt geführt hat, über ihn und seine Familie gebracht haben, dann dürfte wohl der Gedanke in ihm aufsteigen, er hatte es lieber nicht dazu kommen lassen. Allein, daß es zu solchen Folgen kommen konnte, das ist ja gerade das Himmelschreiende an der Sache. In dem Prozeß stand Homann keine besondere juristische Kraft, Oschushenrich Justizrat Seibertz zur Seite. Homann konnte sein Verlangen, eine spezifizierte Rechnung zu erhalten, nicht durchsetzen, sondern nachdem der Buchhalter Schulte und der Arbeiter Schoregge vernommen worden waren, wurde durch das. Gericht dem Kläger Osthushenrich folgender Eid aufIch schwöre, daß ich nach sorgfältiger Prüfung und Erkundigung die Ueberzeugung erlangt habe, daß dem Beklagten im Juni bis September 1900 geschnittenes Holz zu 542 Käsekisten zum vereinbarten Preise von 17 Pfg. und desgleichen Holz zu 5 Stück Käsekisten zum vereinbarten Preise von 20 Pfg. pro Kiste geliefert ist. Am 20. Juni 1902 hat dann Osthushenrich diesen Eid getrotzdem ihn Homann noch im Termin darauf aufmerksam machte, daß er den Eid nicht leisten könne— mit dem protokollierten Bemerken, daß die letzteren Kisten bereits fertig waren. ertig Wir werden im nächsten Artikel über diesen Eid, den Osthushenrich geschworen hat, anstatt einfach seine Bücher, die er als Kaufmann doch ordnungsgemäß zu führen hatte, vorzulegen, ausführlich zu reden haben. Dieser Eid stellt den Konflikt in dem bürgerlichen Trauerspiel dar, als welches der Fall HomannOsthushenrich erscheint. — Der heutigen Nummer liegt für unsere werten Abonnenten der Wandkalender für 1910 bei. G#in Sine neue Apotheke wird in kurzer Zeit am äußersten Restaurat Ist 8. des Stadtbezirks Bielefeld, kurz vor der AurraßPrasshapnhof(Peyer) eröffnet werden. Ein anttag des Magistratt vetr. die Einrichtung und den Betrieb einer Apotheke im Bleichviertel auf Kosten der Stadt und Beschlußfassung hierüber hatte bereits im Mai 1907 die Stadtverordnetenversammlung beschäftigt, war dann einer Kommission #.t wiesen, dig in der darauffo genden Stadtverordnetensitzung Juni 1907) Bericht erstattete. Die Regierung hatte die Einrichtung auf Kosten der Stadt angeregt. In der Kommission war es nur unser Stadtverordneter Severing und in der Stadtverordnetensitzung nur die sozialdemokratische Fraktion und der Sturiberbronete Dr. Holtemeier, die den Antrag des Magistrats unterstützten. Der Antrag des Magistrats wurde also abgeleynt. Es wurden allerhand Vorwände vorgebracht, aber der wirkliche Grund war die bornierte Manchestergesinnung, die in jevem städtischen Betrieb die Hydra des Zukunftsstaates zu ehen glaubt und jede Einmischung der Körperschaften in das verwirft. Die Konzession zum Betriebe einer allopathischen und homöopathischen Apotheke ist einem Herrn H. Oesterreich übertragen, der einen Neubau an der Heeperstraße hat auffuhren lassen. Man ist schon mit der inneren Einrichtung beschäftigt, weshalb die Eröffnung des Betriebes nicht mehr lange auf sich warten lassen wird. Es geht hiermit ein lange gehegter Wunsch der Bewohner des dortigen Bezirks endlich in Erfüllung. — Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Am morgigen Mittwoch werden die beiden Vorstellungen wiederholl, wie Weihnachten mit jubelndem Beifall ausgenommen wurden: nachmittags das Märchen„Dornröschen“, abends der neue große Cperetten=Erfolg„Die Dollarprinzessin. Am Tonnerstag gelangt die Lustspiel=Novität„Im Klubsessel“, die hier wie überall mit großem Beifall ausgenommen wurde, zum letzten Male zur Aufführung. Am Freitag veranstaltet die Direktion zur, Silvesterreier eine Extra-Vorstellung; gegeben wird„Die Touarprinzessin“. Die Vorstellung beginnt um 7 Uhr und endet um 9%4 Uhr. — Ein Zimmerbrand entstand gestern abend gegen ½6 Uhr in dem Restaurant„Harmonie“ am Oberntorwall. Die städtische Feuerwehr war bald zur Stelle, und es gelang ihr, den Brand auf zwei Zimmer zu beschränken. Betten und sonstige Sachen wurden aus den Fenstern geworfen und ein ziemlicher rümmerhaufen, der einen starken Brandgeruch ausstrahlte, gab Zeugnis von der Verheerung. — Polizeibericht. Diebstahl. Am 20. 12. 09 wurde dem Kleinhändler Herm. D. vor der Schmiede Dr., Gütersloherstraße von seinem Wagen eine wollene Pferdedecke von gelber Farbe mit blauen und roten Streifen entwendet. Wert: etwa 10 Mark. Gefunden: 1 Müllgefäß; 1 weiße Rodelmütze. Zugelaufen: 1 Teckelhund(Bastard), schwarz mit braunen Flecken; 1 brauner Teckel(Bastard). Verloren: 1 Bibermuff; 1 schwarzes Damenportemonnaie 10 Mark 25 Pfg. Inhalt; 1 Paket mit Kleiderstoff und 1 Paket mit Sonntagsblättern; 1 braunes Portemonnaie mit etwa.50 Mark Inhalt; 1 braune Segeltuchwagendecke; 1 braunes edernes Portemonnaie mit 2 Mark 25 Pfg. Inhalt; 1 schwarzes ledernes Handtäschchen, inliegend 1 rotes Portemonnaie mit 11 Mark 50 Pfg. in bar und 1 Schlüssel; 1 goldene Vorstecknadel, Schlangenform; 1 Postbuch; 1 graues Kinderportemonnaie mit 4 Mark 20 Pfg. Inhalt; 1 schwarzer Kneifer. Einbruchsversuch. Am Abend des 2. Weihnachtstages versuchten 2 Männer in das Haus Ulmenstraße 11 einzudringen, indem sie von der Rückseite des Hauses her die Waschkuche durch Zerschlagen einer Scheibe und Aufschließen öffneten. Hierbei wurden sie von der Dienstmagd B. überrascht. Sofort stürzten sich die Diebe auf sie und entrissen ihr ein Portemonnaie mit zirka 6 Mark Inhalt. Die Täter sollen zirka 20 bis 25 Jahre alt und von großer Statur sein. Beide trugen breiträndrige schwarze Schlapphüte. Um sachdienliche Mitteilungen ersucht die Kriminal=Abteilung. Bielefeld: Bewekenhorn, 1. Bezirk Holz, 2.„ Strothotte, 3.„ Hellsinger, 4.„ Hesse, 5.„ Rothschild, 6.„ Imkamp, 7.— Heidsiek, 8.„ Apenbrink, 9.„ Gröppel, 10.„ Tuxhorn, 11.„ Tuxhorn, 12.„ Freese, 13.„ Beckmann, 14.„ Karl Blome, 15.„ Kickert, 16.„ Husemann, 17.,18.„ Hannemann, 19.„ Flaßbeck, 20.„ Verk.=Lokal=Babenhausen Schröder=Brackwede Vereinslokal=Brake Bracksiek=Gadderbaum Pappelkr.=Großdornberg Klau=Gütersloh. Fohrmann=Gellershagen Brakensiek=Gellershagen Twelker=Heepen. Zurmühlen=Kirchdornberg Vereinslokal=Quelle Kipp=Rheda Lücking=Schildesche.. Fischer=Schildesche... Meier=Sieker Vereinslokal=Ober=Sieker Klemme=Stieghorst. Rollkrug=Ubbedissen Vereinslokal=Uerentrup Heinrich Goeke=Ummeln * Neuenkirchen(Kreis Melle), 27. Bez. Am Sonntag, 2. Januar, nachmittags 4 Uhr, findet hierselbst die erste öffentliche Versammlung im Lokale des Herrn H. Voß statt. Arbeitersekretär Genosse Vesper aus Osnabrück wird referieren. Arbeiter, Parteigenossen! Sorgt für einen guten Besuch der Versammlung. Zu gleicher Zeit sei hier darauf hingewiesen, daß bei dem Wirt Herrn H. Voß die„Volkswacht“ ausliegt. * Bochum, 27. Dez. Folgen des Alkohols. Auf der Castroperstraße entspann sich in der vergangenen Nacht gegen 2 Uhr zwischen angetrunkenen Personen ein Streit, der schließlich in eine Revolverschießerei ausartete. Zwei der Beteiligten wurden durch Schüsse so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Vier Personen wurden verhaftet. Summa 4684532 580[833 536 16 16[1291 Der Wahl=Vorsteher. * Gellershagen, 27. Dez. In der Gemeinderatssitzung am 24. Dezember wurden folgende Punkte erledigt: Der„Antrag des Lehrers Rische auf Auszahlung eines Teiles es Wohnungsgeldzuschusses, da die angewiesene Dienstwohnung nicht den angerechneten Wert hat, wurde gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Vertreter abgelehnt. Den einstweilig angestellten Lehrern sollen vier Funftel des Gehalts und vier Fünftel des Wohnungsgeldzuschusses der ordentlichen Lehrer gezahlt werden. Der Etat der Gemeinde für die Periode vom 1. April 1910 bis zum 31. März 1913 wurde beraten und in Einnahme und Ausgabe auf 34100 Mk. pro Jahr festgesetzt. Die von unseren Genossen gestellten Anträge, die vorgesehenen Ausgaben für Schulfeiern und den Betrag fur die Mitgliedschaft beim Flottenverein zu streichen, wurden von der bürgerlichen Mehrheit abgelehnt. Gerügt wurde auch von den sozialdemotratischen Vertretern, daß die Beratung des Etats gerade acht Tage vor der Einführung der neugewählten Vertreter stattfinde und diese somit 3½ Jahre an die Beschlüsse der alten Vertretung gebunden seien. Die vom Amtmann gegebene Erklärung, daß die frühe Beratung nötig sei, weil der festgestellte Etat dem Landrat eingereicht werden muß und bei spaterer Beratung nicht # 1. April zurück sei, ist doch nur ein sehr fadenscheiniger Entschuldigungsgrund. Die Genehmigung des Etats ist nicht erforderlich, und wenn der Landrat zur Durchsicht drei Monate brüucht, ist es nicht Aufgabe der Gemeindevertretung, ihre Dispositionen danach einzurichten. Bei der Neuwahl eines Standesbeamten=Stellvertreters wurde der von der Schildescher Vertretung vorgeschlagene Vorsteher Hombergsmeier gewählt. Als Armenpfleger für den 3. Bezirk wurde Genosse Dreckshage in Vorschlag gebracht und gewählt. Der bisherige Armenpfleger, Genosse Meier, scheidet aus dieser Stellung aus, weil er auch als Gemeindeverordneter ausscheidet und der Armenpfleger dem Gemeindekollegium angehören muß. Von seiten der Regierung ist bei den Gemeinden angeregt worden, Mittel zur Bekämpfung der Tuberkulose in den Etat bereit zu stellen. Der Antrag wurde abgelehnt. Von den sozialdemokratischen Vertretern wurde darauf hingewiesen, daß zu einer wirksamen Bekämpfung der Tubertulose vor allem gute Lohn= und Arbeitsbedingungen sowie gesunde Wohnungen gehören. Wenn die Regierung wirtlich ernstlich die Tuberkulose bekämpfen wolle, dann solle sie die Bestrebungen der Arbeiterschaft auf bessere Arbeitsbedingungen unterstutzen, statt ihnen feindlich gegenüber zu stehen.— DieWahlen zur Gemeindevertretung wurden für giltig erklärt. * Wiedenbrück, 28. Dez. Ein für den Regierungsbezixk,#n Ein Zentrumsparteitag Minden(Kreise Bielefeld, Buren, ###, Minden, Paderborn, Warburg Halle, Herford, Hoxter, Luvvecke, M Wiedenbrück) findet laut„Glocke“ yier am 6. Januar im katholischen Gesellenhause statt. In einer vertraulichen Delegiertensitzung sollen innere Parteiangelegenheiten zur Erörterung kommen. Nachmittags 4½ Uhr findet dann eine öffentliche Versammlung statt, zu der selbstverständlich nur die Angehörigen der Zentrumspartei eingeladen werden. Hunnebrock, 27. Dez. Die gemeinsame Weihnachtsfeier des Sozialdemokratischen Vereins und des Arbeitergesangvereins„Harmonie" nahm einen prächtigen Verlauf. Durch Gesangsvorträge, Couplets, ein Theaterstuck, Musik und durch Abbrennen eines Weihnachtsbaumes wurde der Abend ausgefüllt. Ueber 80 Kindern wurde beschert. ..* Oeynhausen, 27. Dez. Am Dienstag, 28. Dezember, abends 6 Uhr, findet im Lokale des Herrn R. Küster eine Sitzung der Vertreter der Ortskrankenkasse statt. Die Vorstandsmitglieder der einzelnen Gewerkschaften sind dazu ebenfalls eingeladen. * Detmold, 27. Dez. Das Gnadengesuch der Heiermittler Ruhoff und Genossen ist abgelehnt worden. Nuchdem der Vermittler Ruhoff vor einigen Wochen seine Strafe angetreten hat, sollten auch die Makler Wilde und Gröppel am Tage vor Weihnachten ihre Gefängnisstrafe anSie hatten sich aber beide nicht eingefunden, so daß die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl gegen sie erlassen hat. * Lemgo, 27. Dez. Arbeitslosen=Versammlung. Zum Zwecke der Feststellung, wieviel Arbeitslose am Orte vorhanden sind, soll am Donnerstag, 30. Dezember, eine Arbeitslosen=Versammlung abgehalten werden. Es wird jeder Arbeitslose ersucht, an dieser Versammlung teilzunehmen und sich in die ausgelegte Liste einzuzeichnen. Eventuell soll an den Magistrat eine Eingabe um Ausführung von Notstandsarbeiten geKleines Feuilleton. kig. Röntgeustrahlen und Kinderlosigkeit. Es ist eine eigentümliche Tatsache, daß eine Reihe von solchen Forschern, die mit Röntgenstrahlen arbeiten, kinderlos geblieben sind. Die Erklärung hierfür hat nach der„Münch. Medizin. Wochenschrift" Dr. Simmonds der Vielogischen Abteilung des ärztlichen Vereins in Hamburg verbgentliiht. Was man in Bezug auf Tiere schon gewußt hat, ist jetzt auch beim Menschen erwiesen, daß nämlich die Röntgenstrahlen auf die Hoden ungünstig einwirken, die Samenzellen zerstören und somit die Zeugungsfähigkeit hindern. Auch bei Frauen findet durch die Einwirkung auf die Eierstöcke das gleiche statt. Die Röntgenstrahlen sind also auch in dieser Beziehung durchaus nicht so ungefährlich, wie man früher annahm.— Andererseits liegt aber gerade der angeführten Tatsache bei Frauen ein Vorteil, denn die gefürchteten Myome(Muskelgeschwülste der Gebärmutter) werden verkleinert, und Blutungen in der Uebergangszeit kommen gerade dadurch, daß die Eierstöcke durch die Bestrahlung künstlich zum Schrumpfen gebracht sind, zum Stehen. Dieser Einfluß der Röntgenstrahlen # unter Umständen sehr wichtig sein und Operationen unnötig „„kig. Die Militärdienstanglichkeit der zum einjährig=freiMilitärdienstanglichteit der Zeit sind über die suchungen angestellt, weil über die Gründe der Untauglichkeit verschiedene Ansichten herrschen. Interessant ist für weitere Freite der Standpunkt von Dr. v. Vogl. Nach ihm hat die Meachtstellung eines Staates, seine„Wehrmacht“, ihre Grundlage in dex„Wehrkraft“, das ist die absolute Zahl der Wehrpflichtigen und Taaglichen. Iyr Tiefstand infolge der enormen Sterblichkeit im 1. Lebensjahr(30000 Knaben jahrlich) und auch noch in den folgenden Jahren bis zum 20. Jahr gibt in Bayern mehr als in den übrigen Staaten Europas Anlaß zur Beunruhigung und zu talträftigem staatlichen, nicht allein gemeindlichen, Eingreifen, die Wehrkraft erhöhen will. Die letzte Ursache dieser Sterblichkeit, die verkehrte Säuglingsernährung, wirkt naturauch schädigend auf die Ueberbleibenden ein. Sie setzt ich sewohl die„Wehrfähigkeit“ als auch die„WahrtüchtigLeiten### 5„Feige leiden dann noch weiter unter den Schädlichtenten des Levens in den Kinder= und Jugendjahren im allgemeinen und unter dem städtischen Einfluß, sowie der körperlichen #erspahrlslung im besonderen(studierende Jugend). Wie die den quantitativen Wert der Armee darstellt, so bedeutet die„Wehrtüchtigkeit" und nicht die„Wehrfähigkeit" die Qualität der Armee. Die Wehrfähigkeit ist als wechselnde Größe einer Dehnung zugängig und kann dann nicht mehr ein Keimzeichen sein für den poynichen Wert der Jugend, sie setzt, wie erwähnt, sogar die Wehrtüchtigkeit herab und ist überdies noch nicht geeignet, die absolute Zahl der Tauglichen(die Wehrkraft nennenswert zu erhöhen. Selbst 10 Prozent Taugliche und noch bringen nach v. Vogl keinen großen Gewinn für die Wehrkraft. Das, was anzustreben ist, wird nicht erreicht durch Erhöhung der„Wehrfähigkeit“, sondern durch Erhöhung der„Wehrkraft" und„Wehrtüchtigkeit", die„Wehrfähigkeit" spielt erst die dritte Rolle. Wir brauchen nicht mehr Wehrfähigkeit, sondern mehr Wehrpflichtige und tüchtige Wehrfähige. m„Die Steigerung der Produktivität durch die Energie der Mertconnt. Mit der wirtschaftlichen Ausnützung der natürlichen Wasserkräfte ist bereits in vielen Ländern begonnen worden, wovon eine glege Steigerung der Produktivkraft zu erwarten ist. Können Afrika 30 Millionen, aus den Niagarafällen 7 Millionen Pferdekräfte gewonnen werden; Italiens Gewässer 5 Millionen Pferdekräfte usw. Englands Wasserkräfte sind aber sehr gering, und der Ingenieur James Saunders will deshalb allen Ernstes darangehen, mit der Ausnützung der Meereskraft zu beginnen. Wie wir einem Aufsatz in Nr. 10 der Zeitschrift für Stadthygiene entnehmen, legt Saunders einen Plan vor, nach dem Ebbe und Flut ausgenützt werden können. Er beschreibt drei Pläne, Gser oeg, buirch ven un den Bristolkanal Pierdekrost" er gun der jährliche Buchwert einer elektrischen 8000 Pferdekrätte uu geschäßzt wird. In Ehichester sollen täglich 30000 Oftr ergeben mirt werden, was eine Jahreseinnahme von 50 000 Tfli. ergeben wurve. In der Menaisstraße handelt es sich n Plan, dem die Eindämmung 260 000 Pferdekräfte jährlich, wie folgt gedacht: Der Hafen bedeckt eine Fläche von 300 ha, die Einfahrt ist 1½ km breit. Man will die Mündung mit einem ungeheueren Damm absperren und den Hafen in zwei Teile teilen, was gut möglich ist. Auf der einen Seite befindet sich das Spring=, auf der anderen das Nippflutbecken. Die steigende Flut füllt das erstere oberste Drittel seines Inhalts wird durch Turbinen andere Becken geleitet. Entsprechendes Entleeren des überflüssigen Wassers ins Mrer während der Ebbe ermöglicht die Erneichung des Zieles, die beständige Nutzbarmachung der Meeresflut Zu. Sansssrag dürfte sicher stehen, daß die Ausnützung der Mieleslluft nicht mehr lange wird auf sich warten lassen! Sprechmaschinen hinter den Kulissen. In neuester Zeit hat sich auch die Sprechmaschine die Bühne erobert. Freilich erst sen Teil hinter den Kulissen. Das Königliche Schauspielhaus zu Berlin bedient sich einer Sprechmaschine, um das„Allgemeine Gemurmel“ während der Forumszene in Shakespeares„Julius Cäser“ zu verstärken. Dieselbe Bühne, ebenso das Berliner Schiller=Theater zud eine ganze Reihe anderer Theater benutzen zur Erzeugung von . hinter der Szene die Sprechmaschine, wenn zum Beispiel bas it kuingendem Spiel vorüberziehende Militär=, ein von der Ferne ertönendes Lied, Tanz oder Ballmusik aus einem nebenliegenden Saal oder Zimmer gebraucht wird. Auch Londoner Theater bedienen sich jetzt zu derartigen Geräuschen fast ausschließlich der Sprech## Das berühmte„Moskauer künstlerische Theater“, das vor welngen Jahren ja auch in Deutschland gastierte, ließ bei der mustergiltigen Auffuhrung von Gorkis„Nachtasyl“ Hundegebell und das Weinen von kleinen Kindern durch eine Sprechmaschine ausführen. hinter zer Slangen Vetr für die Tätigkeit der Sprechmaschine Der Gibliathekarsi erz Aufführung des bekannten Lustspiels Eiondtheral in der Wiesbadener Hofoper. Der dritte Akt und'es ertome das Gebell Ziue Fuchssagd hinter der Bühne aufbrich, gabe der Szene dur. zu tönnen un eine maturgerene Wiederdie das Gebell der Meute wiedergab, mun ein Plat angesertgt Briefkasten der Redaktion. „Nach Lemgo. Bei allen Einsendungen ist der Name des Vero anzugeben. Anonyme Einsendungen finden keine AufVerantwortlich für den redaktionellen Teil: Albin für den Inseratenteil: Wilhelm Böttcher, beide in Bieleseld. 7 ule Heute Dienstag Pveiselmaseigungt III. Platz.. 20 Pig. II. Platz 30 Pfg. I. Platz... 50 Pfg. Kinder die Hälfte! 19 Noues-Vohend-Moutel Schönstes Theater Bielefelas! Heute zum letzten Male das sensationelle und wunderbare „ Sensationeller, einzig dastehender an den beiden „ O „ in grosser Ausweahl zu billigsten „Veisen. Indester Scherzartiker Grats! Niedernstrasse 34. Zeim Einkauf vun 2 Ssick seniskrechrten gleicher Grosse Namensaufdruck! Einige Serien ausgenommen! Arbeiter= Rotiz-Kalender 1910 Geb. 50 Pf. Porto 10 Pf. Ein nützlicher Ratgeber, ein unentbehrliches Nachschlagebuch ür alle in Partei und Gewerkschaften organisierten Arbeiter. sche Der diesjährige Kalender enthält u. a.: Die Reichstagsmachlien eih unddie Blechrngf wahlen 1907 und die Nachwählen. — Stimmenzahl der einzelnen Parteien bei der letzten Wahl und Stärke der Fraktionen.— Biogr. Notizen unserer Reichstagsabgeordneten.— Die bürgerlichen 95.— Aue Parteien Deutschlands.— Aus den sozialdemokratischen Drganisationen.— Preissteigerung und Arbeitslohn.— Was die Berufszählung lehrt.— Sozialdemokratische und Gewerkschaftspresse.— Die Gewerkschaften Deutschlands— Internationale Streik= und Gewerkschaftsbewegung im Jahre 1908. — Adressen der Arbeiter=Sekretariate und der Vorstände der Zentralverbände.— Adressen der deutschen sozialdemokratischen Vereine im Auslande.— Die deutschen Gewerbeinspektoren.— Kalendarium und Geschichtskalender.— Dortoraxe.— Vielsettiges Adressenmaterial.* Außerdem enthält der Kalender ein künstlerisch ausgeführtes Bebelporträt sowie die Porträts der in Nachwahlen gewählten Genossen Binder, Huber u. Schörftin. Zu beztehen durch jede Parteibuchhandlung und bei den Kolporteuren. Zu haben in der Zuchhandlung„Volkswacht“ Bieleseld, Schulstr. 20. zratulationskarten für alle Gelegenheiten stets größte Auswahl Buchhandlung„Volkswacht“. gen au schreibt: „Kalobion-Kaffee schmeckt gut ist sehr empfehlenswert!“ werden schnellstens erbeten von der * Erhältlich in allen einschlägigen Geschäften. Sachärdchereratbuchhahalang„Vennswuchr“ 1 Pfd. 45 Pfg. Man verlange nur: Marke Kalobion patentamtlich eingetragen Nr. 46054 in rosa Packung und weise Nachahmungen zurück. Alleiniger Fabrikant: Carl Schmeitzner, 6428) Berlin-Halensee, Georg Wilhelmstr. 2. Stadttheater. Heute 7½ bis 10¼ Uhr: Der deutsche König. Mittwoch nachmittag 3 bis 5 Uhr: Weihnachtsvorstellung z. kleinen Preisen Zum 6. Male! Abends 7½ bis 10¼ Uhr: Der neue, große Operetten=Erfolg! Zum 5. Male! Die Dollarprinzessin. Donnerstag, 7½ bis gegen 10 Uhr: Zum letzten Male! Im Rlubsessel. Freitag(Zur Silvesterfeier) ExtraVorstellung 7—9¾ Uhr: Die Dollarprinzessin. Billetvorbestellungen von auswärts nimmt die Theaterdirektion entgegen. Dutzendkarten(ermäßigte Preise) werden im Theaterbureau noch bis Neujahr ausgegeben. Die Tageskarten der verehrlichen Passepartout=Abonnenten liegen im Theaterbnreau zum Abholen bereit. Bietereider Consum-Verein über die Verlosung gelegentlich der Ausstellung des Vielefelder Vogelschutz= und Kauarienzüchter=Klubs am 24. bis 26. Dezember 1909. E. G. m. b. H. Unsern verehrten Mitgliedern bringen wir hierdurch zur Kenntnis, daß sämtliche Verkaufsstellen am Freitag, den 31. d. Mts. wegen vorzunehmender Inventur nur bis 12 Uhr mittags und zwar ausschließlich für den Markenumtausch geöffnet sind. Wir ersuchen unsere Mitglieder daher, ihren Bedarf für Freitag, den 31. Dezember und Sonnabend, den 1. Januar 1910 schon am Donnerstag einzukaufen. 7360 Es liegt im Interesse unserer Mitglieder, wenn sie den Umtausch der Marken, soweit Mk. 50.— voll sind, schon in den Vormittagsstunden vornehmen, da andernfalls ein starker Andrang während des Markenumtausches am Freitag unvermeidlich ist. Der Vorstand. Die gewonnenen Vögel werden nur bis zum 7. Januar 1910 für den Gewinner verpflegt, jedoch ohne Garantie und nur gegen Rückgabe des Loses bei Herrn Carl Fiebiger, Bielefeld, Thielenstr. 4, ausgehändigt. Nach genanntem Tage nicht abgeforderte Gewinne werden Vereins=Eigentum. 7360 Nr. 302. „Standesbe Als vor fünf Jah Beamten gegründet wicklung dieser Organ gehen werde. Im Geverbänden und Fachve tont, gleich den Arbeit nur durch die Gründ tionen zu unterneh Unternehmer dieser( würden. Der Angeste ja Antreiberfunktione tungen im gewünschten sozial denkt und hande in dem Maße gelockert Hörigkeitsverhältnis z abzuschütteln sucht. 2 tenten Techniker wied zur Ruhe zu bringen mühungen etwas genü Gegenwärtig zeigt schaft eine sehr interess am Werke, die den I stärken wollen. Kürz ingenieure gegründet sondert von der übr Diplomingenieurs zu Organisation zu verste lung eines Diploming zu werden. Auch unter den tec schiede der beruflichen vom Fachschultechniker. Studiengang bis zum vieren, so ist der Nicht Techniker. Seine Au Mittelschule, oft sogar wert ist der Umstand, und mehr verschwinder auf dem Arbeitsmarkt der Nichtakademiker d stimmte Funktionen d wertvoller sind, als da retische Wissen. Die 1 die Praxis immer m beklagt sich deshalb da Industrie nicht geni andererseits in Tätigke retisch=wissenschaftlichen Auch die bürgerlich diese Dinge auf den gl hier eine Entwicklung vor sich gehe! Im Ge im Wesen des kapitali Den Gesetzen der mode Arbeiter unterworfen, wird davon in Mitleid Im modernen In Prinzip gearbeitet, un höchsten Nutzeffekt zu den Arbeitsprozeß der wird zurückgedrängt, d lichkeit geht herab. An ungelernte Arbeiter u hineingezogen. Eine gleiche Entwi Fabrikkontor vollziehen Wirkungen hervor. E hier nur möglich, wen wird. Jeder Angestel Bearbeitung angewiese bleibt er in diesem T betrieb hat seiner ganze für beruflich umfassend Die Hosen Vaterländischer Romar 56 Elftes Kapitel „Der kommt ungeleg den Morgen durch die einen ersten, leichten S ritterbürtige Leute; ab Büffelkollern und Wrt verräterisch blinktemr Der Morgen warr Sie folgten einem wen sich lichtete, hielten sie, hörte man dumpfe Huf tung schimmerte aus d. deren wettergepeitschtes Farbe verlor. Der eine Ritter schi merksamkeit zu betracht Der andere strich au nebel:„Es bleibt aber vom Schlot. 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Im Gegensatz zu anderen bürgerlichen Harmonieverbänden und Fachvereinen wurde hier die Notwendigkeit betont, gleich den Arbeitern die wirtschaftliche Interessenvertretung nur durch die Gründung von Gewerkschaftsorganisationen zu unternehmen. Es war vorauszusehen, daß sich die Unternehmer dieser Entwicklung der Dinge entgegenstemmen würden. Der Angestellte als der Mittelsmann im Betriebe soll ja Antreiberfunktionen verrichten. Er kann diesen Verpflichtungen im gewünschten Umfange nur nachkommen, wenn er antisozial denkt und handelt. Die sogenannte„Fabrikdisziplin“ wird in dem Maße gelockert, als der technische Angestellte sein eigenes Hörigkeitsverhaltnis zum Kapital erkannt hat und seine Fesseln abzuschütteln sucht. Die Unternehmer haben deshalb die renitenten Techniker wiederholt durch Maßregelungen und Verbote zur Ruhe zu bringen gesucht, ohne daß ihnen freilich diese Bemühungen etwas genützt hätten. Gegenwärtig zeigt sich nun innerhalb der deutschen Technikerschaft eine sehr interessante Entwicklungstendenz. Es sind Kräfte am Werke, die den Ingenieur in seinem„Standesbewußtsein“, stärken wollen. Kürzlich ist ein Verband deutscher Diplomingenieure gegründet worden, der sich die Aufgabe stellt, abgesondert von der übrigen Technikerschaft die Interessen des Diplomingenieurs zu vertreten. Um Wesen und Art dieser Organisation zu verstehen, ist es notwendig, sich über die Stellung eines Diplomingenieurs innerhalb der Technikerschaft klar zu werden. Auch unter den technischen Industriebeamten gibt es Unterschiede der beruflichen Ausbildung. Der Akademiker scheidet sich vom Fachschultechniker. Hat der Akademiker einen bestimmten Studiengang bis zum Abschluß seines Diplomexamens zu absolvieren, so ist der Nichtakademiker gewissermaßen ein ungeprüfter Techniker. Seine Ausbildung erhielt er auf einer technischen Mittelschule, oft sogar nur auf einer Abendschule. Bemerkenswert ist der Umstand, daß in der Praxis diese Unterschiede mehr und mehr verschwinden. Der Fachschüler tritt dem Akademiker auf dem Arbeitsmarkt als Konkurrent gegenüber. Oft ist sogar der Nichtakademiker dem Hochschüler überlegen, weil für bestimmte Funktionen die Kenntnisse des ehemaligen Praktikers wertvoller sind, als das auf der Hochschule erworbene rein theoretische Wissen. Die Unterschiede der Vorbildung werden durch die Praxis immer mehr ausgeglichen. Der Diplomingenieur beklagt sich deshalb darüber, daß für seine Arbeitskraft in der Industrie nicht genügend Stellungen reserviert sind und er andererseits in Tätigkeitsbetriebe eintreten muß, die seiner theoretisch=wissenschaftlichen Vorbildung nicht entsprechen. Auch die bürgerliche Sozialpolitik hat ihre Darstellung über diese Dinge auf den gleichen wehleidigen Ton gestimmt. Als ob hier eine Entwicklung auf Grund irgend einer Zufallsbildung vor sich gehe! Im Gegenteil zeigt es sich, daß diese Vorgänge im Wesen des kapitalistischen Betriebes völlig begründet liegen. Den Gesetzen der modernen Fabrikorganisation ist nicht nur der Arbeiter unterworfen, sondern auch die Stellung des Angestellten wird davon in Mitleidenschaft gezogen. Im modernen Industrirebetrieb wird überall nach dem Prinzip gearbeitet, unter Hergabe der geringsten Leistung den höchsten Nutzeffekt zu erzielen. Die Maschine wird deshalb in den Arbeitsprozeß der Werkstatt eingegliedert. Die Handarbeit wird zurückgedrängt, das Maß der erforderlichen Handgeschicklichkeit geht herab. An Stelle des gelernten Arbeiters wird der ungelernte Arbeiter und die arbeitende Frau in die Betriebe hineingezogen. Eine gleiche Entwicklung muß sich naturgemäß auch im Fabrikkontor vollziehen. Hier bringt die Arbeitsteilung ähnliche Wirkungen hervor. Eine gesteigerte Leistungsfähigkeit ist auch hier nur möglich, wenn die Arbeit des Einzelnen vereinfacht wird. Jeder Angestellte bekommt ein enges Spezialfach zur Bearbeitung angewiesen. Hat er sich einmal eingearbeitet, so bleibt er in diesem Tätigkeitsgebiete. Der industrielle Großbetrieb hat seiner ganzen Organisation entsprechend keinen Platz für beruflich umfassend ausgebildete Arbeitskräfte. Er braucht Die Hosen des Herrn von Bredow. wenig Köpfe und eine möglichst große Zahl von Handlangern; denn das Bestreben einer modernen Betriebsführung geht darauf hinaus, die wirklich leitenden Funktionen, die Initiative des Handelns, möglichst wenigen Personen zu übertragen, die große Zahl der ausführenden Kräfte haben nach bestimmt vorgeschriebenen Dispositionen zu arbeiten. Im Konstruktionsbureau entwirft der Chef=Ingenieur; der Techniker als Zeichner arbeitet aus. Im Prüfzimmer untersteht dem wissenschaftlich gebildeten Laboratoriums=Ingenieur eine ganze Gruppe einfach vorgebildeter Hilfskräfte, die ihm einfache Arbeiten abnehmen usw. Der Glanz der Technik hat den technischen Berufen ein ganzes Heer von Arbeitskräften zugeführt. Ein Ueberangebot ist entstanden und das vorhandene Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wird noch gesteigert durch die offizielle Schulpolitik, die von einflußreicher Seite bisher getrieben wurde. Besonders die Unternehmer haben jeder neuen Schulgründung das Wort geredet, weil ein Ueberangebot von Arbeitskräften die Einkommensverhältnisse der Angestellten herabdrücken konnte. Geringe Entlohnung, umfangreiche Stellenlosigkeit, das sind die Begleiterscheinungen, von denen besonders in Zeiten der Krisis auch die technischen Angestellten betroffen werden. Angesichts dieser Tatsachen ist die Gründung eines Verbandes für Diplomingenieure eine Farce. Der Diplomingenieur geht durch seine praktische Tätigkeit vollständig unter innerhalb der gesamten Technikerschaft, und der Technikerverband selbst vereinigt Leute der verschiedenartigsten beruflichen Bildungsgrade. Ganz richtig hat einer der gründlichsten Kenner dieses Milieus Dr. H. Beck in der Zeitschrift„Technik und Wirtschaft“ die Situation wie folgt gezeichnet:„Der Ingenieurstand ist ein buntscheckiges Gemisch, kaum weniger gewürfelt als Kaufleute, Künstler oder Schriftsteller." Wenn nun einige Professoren der Technischen Hochschule in Charlottenburg sich als Förderer dieser„Standesbewegung“ aufspielen, so zeigt sich auch hier, will man nicht bewußt reaktionäre Absichten annehmen, wieder ein Beispiel der professoralen Lebensunkenntnis unserer Zunftgelehrten. Da sitzen die Herren dozierend auf ihren Lehrstühlen, jahraus jahrein strömt eine immer größere Zahl von technischen Jüngern den Hörsälen zu, am Semesterschluß steigt dann regelmäßig die Abschiedsrede, in denen man den Hochschülern, die nun auf die Praxis losgelassen verhältnis zum Kapital! Und diesen Proletarisierungsprozeß kann auch der neugegründete Verband deutscher Diplomingenieure zur Hebung des„Standesbewußtseins“ innerhalb der Technikerschaft nicht mehr aufhalten. Die„Gleichheit“ Die offizielle sozialdemokratische Frauenzeitung, die„Gleichheit“, hat sich einen großen Leserkreis errungen, sie erscheint Diese erreicht gegenwärtig in einer Auflage von 80000 Exemplaren. Höhe der Auflage ist namentlich in den letzten 5 Jahren und gewiß ein großer Fortschritt gegenüber ihrer Verbreitung im Jahre 1904, wo wir mit zirka 15000 Exemplaren zu rechnen hatten. Gemessen an der großen Zahl weiblicher Proletarier, die bereits geistig, wenn auch noch nicht immer organisatorisch, von der Sozialdemokratie erfaßt sind, ist diese Auflage und damit die Verbreitung der„Gleichheit“ jedoch noch sehr gering. Pflicht der sozialdemokratischen Organisationen, vor allem aber der Genossinnen in denselben wird es daher sein, noch weit energischer und umfassender für die„Gleichheit“ zu agitieren, als dies bisher geschah. Da die„Gleichheit" zu allen politischen und sozialen Fragen grundsätzlich Stellung nimmt und dabei doch das besondere Fraueninteresse in den Vordergrund stellt, so ist sie eine vorzügliche und darum unerläßliche Waffe für die Arbeiterinnen und Arbeiterfrauen in ihrem Kampf um ein Empor und um ihre endliche Befreiung. Viele unserer Genossinnen verdanken dem Studium der „Gleichheit“ ihre Erweckung zum Selbst= und Klassenbewußtsein. Viele danken ihr die Vertiefung und Befestigung ihrer sozialistischen Erkenntnis. Durch die Fülle des Materials über gesetzgeberische Maßnahmen, über die Lohn= und Arbeitsbedingungen der verschiedeseden Bick der deser und isr Verisinins füir ales soigle und politische Geschehen, für seine Ursachen und Zusammenhänge. Doch nicht nur für das Verstehen der politischen und wirtschaftlichen Geschehnisse schult die„Gleichheit“, nicht nur für den wirtschaftlichen und politischen Kampf liefert sie Waffen, sie bringt der Leserin auch als Hausfrau und Mutter Belehrung und Rat in der Haussrauenbeilage. Und die prächtige Kinderbeilage ist von dem Pädagogen genau so geschätzt wie von dem Kinderfreund. Am meisten aber schätzen die Kinder selbst„ihre" Beilage, die ihnen so viele Anregungen bringt. Die sie im Geistc hinausführt ins Feld, in den Wald, auf die Berge und an den See, zum frohen Spiele bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher, als auch bei Schnee und Eis und Winterkälte. Sie schätzen die Erzählungen, die ihren Blick weiten und schärfen, die ihre Phantasie beleben, ihnen das Herz warm und empfänglich für alles Große und Schöne machen. Die Redaktion der„Gleichheit“ ist ferner den Wünschen der Genossinnen in weitem Maße entgegengekommen, sofern es sich um die Bearbeitung besonderer Spezialthema handelte, oder um die Unterstützung einer allgemeinen oder einer örtlich begrenzten Agitation unter den Frauen. „So behandelt, auf vielseitig geäußerten Wunsch der Genossinnen, z. B. zurzeit die„Gleichheit“ in einer ganzen Artikelserie die zivilrechtliche Stellung der Frau. Gewiß ein Problem von großer Bedeutung für alle Frauen und Mädchen. Da ferner soeben ein neuer Jahrgang der„Gleichheit" begonnen hat, wäre es äußerst wünschenswert, wenn allerorts die Genossen und Genossinnen mit einer lebhaften Agitation für unsere Frauenzeitung einsetzen würden. Der reiche, vielseitige Inhalt der„Gleichheit", sowie ihr niedriger Preis— das 14tägig erscheinende Blatt kostet die Nummer 10 Pfg.— tragen sicher zur Erleichterung der Agitation. zur Gewinnung von Abonnenten, bei. Als Ergänzung unserer Tageszeitungen ist aber das Studium der„Gleichheit" für unsere Genossinnen unentbehrlich. Aber auch unsere Agitatoren, männliche wie weibliche, finden in der„Gleichheit“ eine prächtige Fundgrube für Material bei der Behandlung der verschiedensten Fragen. Schließlich sei noch darauf aufmerksam gemacht, daß unser Genosse Dietz, der Verleger der„Gleichheit", versprochen hat, eine passende Einbanddecke liefern zu wollen, während von der Redaktion die Lieferung des Registers für je einen Jahrgang zugesagt ist, so, daß die Abonnenten der Zeitschrift nicht nur gegenwärtig, sondern, wenn sie diese sammeln und binden lassen, auch in der Zukunft ein prächtiges Nachschlagewerk, einen guten Ratgeber darin haben werden. Es wird sicher nur dieses Hinweises bedürfen, um unsere Parteiorganisationen, sowie die Einzelpersonen in denselben, zur lebhaften, umfassenden Agitation für die„Gleichheit" anzuspornen. Probeexemplare zu Agitationszwecken liefert der Verlag(in Firma Singer& Co., Stuttgart) jederzeit gratis an die Organisationen. Gewerkschaftsbewegung. Die Tarifbewegung im Holzgewerbe zeitigt weiter sonderbare Erscheinungen, die auf die Friedensliebe der Unternehmer ein eigenartiges Licht werfen. Unter den Stäoten, die an der BeKaist brcdke dier Veitzuang der ähisesloun W oai 5 Stunden pro Woche verlangt, die in Hamburg, Dresden, Leipzig, Frankfurt und anderen Orten bereits anerkannt ist. Anstatt, daß nun darüber in Verhandlungen eingetreten wurde, antworteten die Unternehmer:„Der erweiterte Vorstand und Ausschuß hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig beschlossen, solange in Unterhandlungen über einen eventuellen neuen Vertrag nicht einzutreten, bis der von Ihnen gestellte Antrag auf Reduzierung der Arbeitszeit von 54 auf 52 Stunden zurückgezogen sein wird. Unter keinen Umständen sind wir bereit, Vaterländischer Roman von Wilibald Alexis(W. Häring). 56— Elftes Kapitel. Die Köpnicker Heide. „Der kommt ungelegen,“ spri bei Reiter, die am grauenden Morgen durch die Köpnick Jeide ritten, als der Wind einen ersten, leichten Schuge### ins Gesicht trieb. Es waren ritterbürtige Leute; aberAn den kurzen Waffen und in ihren Büffelkollern und Wer=Helzen, unter denen die Panzerhemden verräterisch blinkten ritten sie nicht zu Hof und Hochzeit. Der Morgen war rauh und unfreundlich wie ihre Gesichter. Sie folgten einem wenig befahrenen Holzwege. Wo der Wald sich lichtete, hielten sie, wie um zu horchen. In weiter Ferne hörte man dumpfe Hufschläge. Auf der andern Seite der Lichtung schimmerte aus der Niederung eine verfallene Lehmhütte, deren wettergepeitschtes, schiefes Dach allmählich seine braune Farbe verlor. Der eine Ritter schien gerade dies Dach mit besonderer Aufmerksamkeit zu betrachten:„Siehst du, Wedigo, es wird weiß.“ Der andere strich aus seinem roten Knebelbart den Morgennebel:„Es bleibt aber nicht weiß. Der Rauch schmilzt es da vom Schlot. Die Sonne tut's für uns nachher. „Bis neun Uhr, wo er kommen soll, hat sie nicht die Kraft.“ „Und wenn nicht, was weiter!“ „Was weiter, schwere Not! Sollen wir wie die Eichkatzen an den Baumästen clettern? An die siebzig, die von links und rechts kommen, müssen doch Tapfen lassen. Es wär' die Pestilenz, wenn er Wind bekäme, und es ginge wieder quer.“ „Ist er nur bis zum Süßengrund, dann mögen sie uns wittern.“ „O dieser süße Grund!“ knirschte der andre,„er soll ihm ein bittter, saurer werden!“ „Wenn Kaspar Flanz pfeift, so laut er will, mag ihm ein Vöglein singen,'s ist zu spät. Er kommt nicht mehr nach Cölln zurück.“ „Mordio!". Der andre schüttelte an seinem Degen.„Nur heut' keine Memmen!" „Kannst, du noch zweifeln!“ „Was Adelige sind, nein. Aber, daß wir bei so was nicht unter uns sind! Ich ward überstimmt..,.. 6# „Was plagst du dich mit Argwohn, Adam! Unsere Knechte sind dir Kerle, die im Feuer gesotten wurden. Was hat so ein Bauersohn, dem sie sein Haus in Asche gelegt, und auf seinem Acker wachsen Nesseln? Meinst du, daß sie lieber Disteln ausreuten und hinterm Pfluge keuchen, als mit uns durch die Heide preschen? Satan könnte sich keine bessere Gesellen wünschen, als märkische Bauern die nichts mehr hinter sich haben und ein frei Leben vor sich. Ich habe so ein paar Lümmel; ihre Schwielenhaut ward in Sonne und Sturm wie ein Panzerhemd, und ihre Sehnen sind wie Eisen. Auf die ist Verlaß; ließen sich für mich ein Stündlein zum Vergnügen auf die Folter recken. Wenn man den Menschen die Krippe nicht zu hoch schnallt, sind alle Menschen 9u Sie ritten, am Waldrande sich haltend, auf das Haus zu, um nach der Verabredung, die ersten zu sein, schienen aber verwundert, als sie im Wege schon eine frische Pferdespur fanden. Das fordert Vorsicht, sprach Wedigo und sprang vom Roß, daß er an einen Ast band, um von hinten an das Haus zu schleichen. Aber lächelnden Gesichtes war Wedigo zu seinem Gefährten zurückgekehrt und flüsterte ihm einen Namen zu, der auch diesem ein Lächeln abnötigte, derweil die Ankunft anderer Reiter beider Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Alle kamen aus Nebenwegen mit derselben Vorsicht heran; alle vermummt. Einige mit alten Helmen und geschlossenen Visieren, alle wohl bewaffnet. Ihrer Tracht nach schien keiner vornehmer als der andere zu sein. Aber in jeder Gemeinschaft muß es Führer und Häupter geben, und wo keine sind, da machen sie sich von selbst. Man ritt aneinander, man wechselte leise Worte, Winke und Händedrücken. bis ihrer so viele beisammen waren, daß die Ordnung nötig schien, welche nur ein Befehlshaber herstellen kann. Einer, der seine stolze Haltung nur schlecht unter dem Schafpelz verbarg, winkte seine Befehle einem andern im schwarzen Büffelkoller zu, der nun unter den Gruppen umherritt und sie austeilte. Einige stiegen von den Pferden, und verteilten sich in den Wald, andere hielten zu Roß an dem Saum der Lichtung Wache. Erst dann traten die andern in einer Kreis und pflogen, wie es den Anschein hatte, Rates, der aber bald lauter wurde, als sich für solchen Ort schicken mochte. „Himmel und Hölle!“ rief mit gedämpfter Stimme der im Schafpelz und hob beide Arme in die Höhe,„wir haben ihn noch nicht. Nachher davon, ihr Herren, hier tut uns anderes not!“ Aber seine Gründe schienen nicht alle zu überzeugen, der Lärm, das Geschrei, wenn gleich mit unterdrückten Stimmen, ward lauter. Einige Mißvergnügte ritten auch schon aus dem Kreise und sonderten sich in Gruppen. „Dacht ich's doch.,“ rief einer.„Wo die Klugsprecher sind, ist auch Verrat. Wer setzt benn um nichts den Hals daran“ „Warte nur, bis der Otterstädt kommt,“ entgegneie der, welcher ihn zur Rückkehr zu bewegen suchte. „Ter! Wer am Hof war, zungelt.“ „Gib dich nur jetzt, Christoph.“ „Gib dich, gib nach, warte nur, so heißt's allzeit. Wenn's nun rscht geschieht, hol's der Teufel und ich konnte einrei heult. unsern Fingern kauen, nenn wir die Zeit nicht nutzen!, Ich hab' nichts mehr, darum bin ich hier.'s läuft alles aufs Dienen 'raus. Adam, wo die Klugsprecher ans Regiment kommen.“ „Die Not ist unser aller. Die großen Herrn—“ „Salvieren sich, wenn's schlimm geht, uns hängen sie. Wenn's gut geht, ihre Taschen werden voll; uns schmieren sie Redensarten ins Maul. Hab' die letzte Kuh verkauft zur Rüstung. und nun soll ich warten auf den Landtag. Und da wird parliert und dann heißt's: Die Ordnung will— Ich kenne das. Ih— auf die Ordnung.'s ist mir kein Wort so zuwider. Kriege Bauchgrimmea, wenn ich's höre.“ Adam flüsterte ihm Namen in: Ohr:„Volle Katzen haben zum Dienstboten worden.“ „Wer nichts hat, muß dem endern dienen, der was hat.'s geht schon nicht anders in der Welt.“ „'s ginge schon, wenn“— antwortete Christoph. Der Sturm und das heftigere Schneegestöber trugen das Wenn des Junkers in die Luft. und trieben die Versammelten ins Haus, zum Verteil der Anführer vielleicht. Die niedrige Stube des Heidewirks mochte noch nie eine so ansehnliche Versammlung in ihren zerbröckelten Wänden gesehn haben; mit ihren Fensteröffnungen, die mit Lumpen verklebt waren, und einem Lehmboden, der an Stellen einem Sumpfe ähnlich sah. Hitze und Dampf qualmten aus dem gemauerten Ofen. Rohe Bänke uns Tische, zerbrochene Gläser und Krüge im Schrank, und ein zimmelbett waren die einzigen leblosen Dinge. Der Wirt, ein drängten, und den Schnee vrn ihren Schultern abstampften, was kaum nötig schien, da ihn die Hitze sogleich schmolz. „Unsinn!“ rief der Anführer, der von den andern Wigand genannt wurde, und warf sich auf einen Schemel, daß die Rüstung unterm Pelz klirrte.„Unsinn, in diesem Augenblick damit vorzukommen. Ich sage euch, wenn wir uns nicht bändigen, haben wir verloren, auch wenn's gelang. Meint ihr denn, daß es ein leichtes Ding ist? Ihn zu fassen, ja. Aber, so wir's nicht geschickt angreifen, bleibt es ein Ast, den wir vom Baum reißen, und der Baum steht da und lacht uns aus. Vor hundert Jahren war es anders, und unsere Väter haben doch verloren. Jetzt hat der Baum hundertjährige Wurzeln unter sich, Deutschland ward ein anderes die Meinung ist für ihn, es ist ein gewaltiger Kaiser da. Wenn wir nicht jetzt mit aller Vorsicht zu Werke gehen, wenn wir nicht die Meinung für uns gewinnen, haben wir ein schlecht„Schauspiel zum schiechtesten, kläglichsten nicht geschieyt, vois dex Techen, und ich tynnte#i# Kyritz haben wir ein schlecht Schauspiel zum schlechtesten, kläglichsten seiten! Zusammenhalten! Schönes Wort! Der Hund,] Ende gebracht. Verrückt, toll wären wir, so wir in dem Augent. und der Wolf schluckt's. Wovon sollen wir leben: An blick die Städte gegen uns aufbrächten. Jetzt an Wegelagerung. ern Zingern kauen, nenn wir die Zeit nicht nutzen! Ich hab an Plackereien zu denken, ich sage euch, besser, ihr schnittet euch 18 mehr darum hin ich hier'8 läuft alles gufs Dinnen] 5' Hohle mit dem Bratmesser ab EFs kammt nuer 9 g die Kehle mil dem Brolmesser ab. Es kommt nur, es kommt alles darauf an, der Sache ein gut Gesicht zu geben. Es kommt darauf an, jetzt zu geben, nicht zu nehmen. So unsere Väter üder irgend eine weitere Reduzierung der Arbeitszeit zu ver***" 6%„Iins Weiltke viir nglehulg handeln, sondern die derzeit bestehenoe muß unter allen Umständen aufrecht erhalten bleiben.“ In Görlitz haben die Unternehmer auf die Forderung der Verkurzung der Arbeitszeit um wöchentlich 1. Stunde und eine bescheidene Lohnerhöhung geantwortet, daß ##„von weiteren Verhandlungen absehen mussen, sofern die Albeiter nich. eine neue Vorlage machen: Die Arbeiter beider Fersaßen mashen Untnenern die Folgen für ihr Verhalten anlasien"###ssen.„Daß derartige. Vorgange die Arbeiter ver wenn mussen, auf der Hut zu sein, ist selbstverständlich. Das paßt den Unternehmern aber auch wieder nicht, wie folgender Vorgang beweist. In Düsseldorf kommen bei der Vertragserneuerung neben dem Deutschen Holzarbeiterverband noch die in Anspruch nimmt, ist verständlich. Dem Herrn Sieber, der die Bestimmungen des alten Düsseldorfer Vertrages für seinen Betrieh, immer noch nicht durchgeführt hat, nichtsdestoweniger aber Vorsitzender der Ortsgruppe des Schutzverbandes ist, paßte es in seinen Kram, daß er mit den Forderungen der Arbeiter noch nicht krebsen gehen konnte und schrieb darum den nachfolgenden Brief an die Arbeiterorganisationen, den er aber gleichzeitig der Presse übermittelte: "„Gemäß der Pressenotiz über die letzte Versammlung des nuer Se1c en. e n Wochenbeitrag ab 1. Ja. ärken, hat heute zar Zu erhohen, um den Kampfonds zu heute eine Sitzung des Siebener=Ausschusses des Arbeitgebervereins der Holzindustrie und der SchreinerInnung stattgefunden, da nach diesem Beschluß des Deutschen polsgrteitzgverhandes recht deutlich zutage tritt, daß für unsemirsen Standpunkt, den ablaufenden Vertrag in friedbeieße Nach ern auseiten der Arbeiter keine Reigung . den zwischen den Zentralvorständen in Berlin getroffenen Vereinbarungen hätten die örtlichen Verhandlundeutsche Arbeitgeberverband für das Baugewerbe und der ablehnenden Standpunkt stellenH Rheinisch=Westfalische Arbeitgeberverband sich auf einer strikte reienven Siagtonz##euen, om Gebiet des ersteren, das hiermit die von Ihrem Verbande gewählten Vertreter der — Tragsvexhandlungskommission zu einer Sitzung auf Mittnoch, 22. Tezemver, abends 8½ Uhr, in das Hotel„Zum Löwen“ ein mit der Tagesordnung: Vertragserneuerung. den kommenden Feiertagen volle Klarheit über die igen Forzerungen zu erhalten, um danach ihre MaßnahLeute zu entlassen, da wir sein Hnnen= u. a. ale entbehrlichen Ihres Kampfonds Hilfe zu leisten Holzaxheiter, kennt auch den Ausgang des Kampfes in RheinWestsaten in diesem Jahre, wo er auch im Anfang den im Bliefe angeschlagenen Ton beliebte. Die Holzarbeiter nehmen Herrn Siebel diesen„Trainbataillonston der Reserve“ nicht weiter übel, da er erst kurze Zeit von der Uebung heim ist, aber bergen Zwester risten fr dei den Holzarbeitern vollständig. Diese Eine Gefährdung des Friedens im Baugewerbe. Die Frage, Krieg oder Frieden zwischen den Unternehmer- und Arbeiterverbunden im Baugewerbe herrschen wird, ist von allergrößter Haben; Pr's dem sehzten Pernt Wirtschastsleben. Die Arbeiter haben bei dem letzten Vextragsabschluß im Jahre 1908 alles geI t, folgenschwete kronfutte zu vermeiden. Trot' eodem in diesen Vertragen für die Dauer von 2 Jahren teils gar keine festgesetzt waren, haben auch sind die Verträge musteränrt Pestimmt, auch sind die im Gegensatz.“ gehalten worden. Bedauerlicherweise gaben im Gegenup vazu ganze Bezirksverbände der Arbeitgeberseite Bessentrige nicht anerkannt, und dem Arbeitgeberbund für das e fehlte jegliches Mittel, die Anerkennung durchzusetzen. Aber auch dort, wo die Arbeitgeberverbände den Vertrag angenommen hatten, gaben zahlreiche Mitglieder derselben ih###r Unzufriedenheit drastischen ausdruck. erseiden inrer große, Gebiete, wie Rheinland=Westsalen, ebenso HessenNassau Ist 1906 im engsten Kreise verhandelt worden, ohne daß die eigentlichen Kontrahenten über ihre ureigensten Interessen gehört wurden. Dabei blieben die ortlichen Verschiedenheiten mehr oder weniger unberücksichtigt, und die Vertragskontrahenten an den einzelnen Orten hatten vielfach das Gefuhl, daß ihnen eine Vereinbarung aufgezwungen werden soll. Ein solches Empkann naturgemäß eine Befriedigung nicht aufkommen . Jeugi Gleichgiltigkeit und öffnet dem Vertragsbruch Tur und Tor. Aus diesen Erwägungen heraus müßten alle Bestimmungen örtlicher Natur am Orte selbst zwischen den beteiligten Organisationen geregelt werden. muß nun im höchsten Grade befremden, daß, obwohl auch dei arbeitgeberbund auf diesem Standpunkt steht, der MittelPra“ Hessen=Bestau.. 7 Im Gebiet des ersteren, das die Trovinz—„ssen=Kassau, das Großherzogtum Hessen, das Fürstentum Waldeck, und Teile von Bayern, von Baden und der Rheinprovinz umfaßt, sollen für zirka 150 Städte und Orte diese örtlichen Verhältnisse durch eine neungliedrige Kommission an einer Zentralstelle geregelt werden. Ebenso ist die Situation in Rheinland=Westfalen. Dadurch wird eine Einigung erschwert, wenn nicht ganz„unmöglich gemacht, Für die Notwendigkeit einer solchen Verhandlungsweise laßt sich kein stichhaltiger Grund anfuhren. Es ist nicht einzusehen, warum den örtlichen Arbeitgeberverbänden direkt verboten worden ist, mit den Arbeitern am Orte zu verhandeln. Diese Maßregel erscheint um so unverständlicher, da doch gerade seitens der Arbeitgeber die Absicht, eine Einigung zu erzielen, recht stark betont worden ist. Tatsachlich muß ein solches Verhalten dazu führen, die Schwierigkeiten, die einer Einigung im Wege stehen, zu vergrößern und damit, den Frieden im Baugewerbe auf das ernstlichste zu geEin allgemeiner Streik im Baugewerbe würde sicher zahlreiche kleine Existenzen ruinieren und nur den größten Betrieben Vorteile bringen, die dadurch manchen unliebsamen Konkurrenten los würden. Ob diese Folge gerade sehr wünschenswert erscheint, soll an dieser Stelle nicht untersucht werden; darüber mögen sich die im Baugewerbe noch vorhandenen zahlreichen kleinen Gewerbetreibenden mit ihren„Freunden“, den großen Bauunternehmern, auseinandersetzen. Daß aber einen Teil der Kosten für einen großen Kampf auch die Arbeiter tragen sollen, wird billigerweise niemand verlangen können. Die Arbeitgeberverbände werden nicht umhin konnen, der Oeffentlichkeit die Gründe für ihr sonderbares Verhalten darzulegen. Vorläufig sind sowohl in Mitteldeutschland, wie auch in Rheinland=Westfalen die Einigungsverhandlungen an dieser Klippe gescheitert. Die Ergebnisse der Abstimmung über den Reichstarifvertrag im Malergewerbe. Die im Verbande der Maler vorgenommene Abstimmung über den Reichstarifvertrag, wie auch die Einholung der Zustimmung der Mitglieder für zentrale Verhandlung der örtlich gedachten Löhne und Arbeitszeiten sind nunmehr beendet. Das Ergebnis ist folgendes: in den 238 Lohngebieten, in denen 32736 Mitglieder des Verbandes in Frage kommen, haben 209 Versammlungen stattgefunden, an denen 15 513 Mitglieder teilgenommen haben. Fur den Reichstarifvertrag wurden 9922 und gegen 4398 Stimmen abgegeben. Für weitere zentrale Tarisverhandlung wurden 11 492 und gegen 2296 Stimmen abgegeben. Der Reichstarifvertrag ist nach diesem Resultat durch, die Mehrheit der sich an der Abstimmung beteiligenden Mitglieder seitens des Verbandes angenommen und zugleich die Zustimmung für weitere zentral zu führende Tarifverhandlung gegeben. Die weiteren Verhandlungen sollen am 4. Januar in Berlin beginnen und mit dem 10. Januar beendet sein. Das Ergebnis dieser Verhandlung soll seitens des Vorstandes den Mitgliedern des Verbandes wiederum zu einer Abstimmung unterbreitet werden. In der Voraussetzung, daß sich wiederum nicht die Hälfte der Mitglieder an der Abstimmung beteiligt, soll das Gesamtresultat der Tarifverhandlung einer außerordentlichen Generalversammlung zur endgiltigen Beschlußfassung unterbreitet werden. Auf Grund der Beschlüsse zum Reichstarifvertrag, die die Generalversammlung des Verbandes in Köln faßte, hat der Vorstand bereits die nötigen Vorarbeiten wie die Wahl der Delegierten angeordnet, so daß nach Erledigung kommenden Tarifverhandlung und Abstimmung durch die Mitglieder gegebenenfalls die außerordentliche Generalversammlung für Mitte des Monats Februar einberufen werden .. Dem bisherigen Ergebnis der Tarifverhandlung sollen auch die Mitglieder des christlichen Malerverbandes, wie auch der Gewerkverein des graphischen Berufs für Maler und Lackierer ihre Zustimmung gegeben haben. In den Gauverbänden des Haupt=Verbandes der Arbeitgeber=Verbände im Malergewerbe haben die Abstimmungen ebenfalls große Mehrheiten für die Annahme des Reichs=Tarifvertrages gebracht, so daß damit eine gegenseitige Zustimmung der Arbeitnehmer= und Arbeitgeberverbände zu dem Tarifvertrag vorliegt. Die Erklärungen der Parteien sollen bis zum 28. Dezbr. beim Vorsitzenden des Gewerbegerichts in Berlin, Magistratsrat von Schulz, erfolgen. eines Tarifes gedrungen. Auch verfolgte der bayerische Unternehmerverband, der bisher gesonderte Verträge hatte, das Bestreben, in die allgemeine Tarifbewegung hineinzukommen. " So wurde auch in Augsburg dem Vorsitzenden der Zahlstelle des Holzarbeiterverbandes ein Vertragsentwurf zugesandt, und zu Verhandlungen aufgefordert. Dieser von den Meistern chlesten urangebotene Entwurf soll auf drei Jahre abgeschlossen werden, anstatt aber die angesichts der vier teurer gewordenen Lebenshaltung dringend notwendigen Verbesserungen zu bringen, sollen eine Reihe von Verschlechterungen durchgeführt werden. Auch ist nicht die geringste Erhöhung der im Gegensatz zu viel kleineren Städten viel zu niedrigen Löhne für Augsburg vorgesehen. Trotzdem erklärten sich die Arbeitnehmerorganisationen bereit, in Verhandlungen einzutreten, als von seiten der Arbeitgeberorganisationen der eingereichte Tarif wieder zurückgezogen wurde mit der Erklärung, daß in den nachsten Tagen ein anderer Tarif vorgelegt werden wird. Es ist nicht anzunehmen, daß der in Aussicht gestellte abgeänderte Tarif für die Gehilfen Zugeständnisse bringen wird. Die Holzarbeiter Augsburgs aber werden unter keinen Umständen einem Tarif zustimmen, der nicht angemessene Verbesserungen der Lohn= und Arbeitsverhältnisse mit sich bringt. Die Arbeitslosigkeit im Bildhauergewerbe. Der Vorstand des Zentralvereins der Bildhauer Deutschlands versandte dieser Tage ein Merkblatt über die Arbeitslosigkeit der kunstgewerblichen Bildhauer. Der flaue Geschäftsgang, der in den letzten Jahren auf allen Berufen lastete, hat gerade im Berufe der kunstgewerblichen Bildhauer starke Erschutterung hervorgerufen, deren empfindliche Folge eine andauernde Arb die aus den Angaben im Reichsarbeitsblatt des Statistischen Amtes entnommen sind, verdienen der breiten Oeffentlichkeit unterbreitet zu werden: Eo waren aus allen an ven ftatistischen Erhebungen des Reichsarbeitsblattes beteiligten Berufsgruppen von je 100 Personen arbeitslos: Im Jahresdurchschnitt: 1904 1905 1906 1907 1908 1909(3. Quartal) Prozent 2,0 1.5 1,2 1,7 3.1 2,8 von je 100 Bildhauern aber waren arbeitslos: Das sind Zahlen, die eines Kommentars kaum bedürfen. Aufwärts und vorwärts! Die„Metallarbeiterzeitung" kann nach längerer Pause schon zum zweiten Male in diesem Monat über eine Steigerung ihrer Auflage berichten. Anfang Dezember stieg sie von 386 300 auf 389 000, und die neueste Nummer erscheint in einer Auflage von 391000 Exemplaren. Im Kasseler Gewerkschaftshause befindet sich, entgegen den von interessierter Seite in Umlauf gesetzten Redereien, nach wie vor der Herbergsbetrieb und Fremdenverkehr in vollem Gange. Arbeiterfreundliche Blätter und Reisekassenverwalter in den Gewerkschaftszahlstellen werden um Weiterverbreitung dieser Feststellung im Interesse der reisenden Arbeiter gebeten. Industrie, Handel und Tarifbewegung in der Holzindustrie in Bayern. Nachdem der Arbeitgeberschutzverband für das Holzgewerbe alle zum Ablauf kommenden Tarifberträge gekündigt hat und bereirs Verhandlungen mit den in Betracht kommenden Organisationen der Arbeiter angebahnt sind, ist das Bestreben des Arbeitgeberschutzverbandes nun darauf gerichtet, das Kampffeld nach Möglichkeit zu erweitern. Zu diesem Zwecke werden nun auch in solchen Orten, wo bisher keine Tarifverträge besteher, durch die Bezirksverbände des Arbeitgeberschutzverbandes den Arbeiterorganisationen Vertragsentwürfe vorgelegt, und auf Abschluß Die Spirituszentrale im Jahre 1908/09. Die Spirituszentrale veröffentlicht nunmehr in ihrem offiziellen Organ, der „Zeitschrift für Spiritusindustrie“, ihren Geschäftsbericht für das Jahr 1908/09, das erste Jahr unter Herrschaft des neuen Vertrages. Insgesamt wurden danach der Zentrale 364 Millionen Liter Spiritus zugeführt. Der Absatz an gereinigtem, ungereinigtem und denaturiertem Branntwein belief sich auf Millionen Liter. Der Abschlagspreis betrug bis zum 1908 48 Mk., vom 26. Oktober an für den Rest des Geschäftsjahres 44 Mk. Der Jahresbericht erwähnt in erster Reihe das neue Branntweinsteuergesetz, das die Betriebsbedingungen der Brennereien völlig umgestaltet hat, und das die Veranlassung zu einem außergewöhnlich großen Umfange der Erzeugung und des Absatzes gab. Im Zusammenhang hiermit hatte die Zentrale nach Annahme des Gesetzes und im Hinblick auf die Nachsteuerbestimmungen„beträchtlich über das Durchschnittsmaß" gesteigert. Insgesamt wurden im Deutschen Reiche 426,2 Milionen Liter hergestellt, diese Menge wurde in den 22 Jahren seit Herrschaft des Branntweinsteuergesetzes vom Jahre 1887 nur es damals nicht mit den Städten verdorben, hätten sie auf die Dauer verschlungene Arme mit uns gemacht, die faule Grete hätte nicht vor unsern Schlössern gebrummt, sie wäre im Sande stecken blieben; wir hatten die Nürnberger wie den Hohenloher zu Paaren getrieben, bis ihnen die Lust perging. „Hatten ist nicht hatten,“ sagte einer. Die Rede schien wenig Eindruck auf die Mehrzahl gemacht zu haben. se PS#., P##z, von Wilsneckl was wollt ihr denn?“ rief der Schwimmbassins vorern# Moger, den eisernen Arm auf, den Tisch, legend.„Wer nicht die Zeit, wie sie ist, im Auge yat und faßt, der verspielt auch die Gunst des Augenblicks. Was haben wir denn, wenn wir ihn haben; und auch, wenn er nicht mehr ist, was denn?— Herzblut springt euch beim Gedanken, daß ihr eure Rache Glaug ihr, daß mein Herz nicht auch jubelt? Aber so haubelt vas Vieh. Könnt ihr nur an Heut' denken? Ist das Morgen euch mit Brettern vernagelt?“ sprich, Wigand!“ sagten einige. städte, Fürsten, Kaiser, Reich stehen auf. Die Acht wird Sies ecklenburger Meint ihr, daß die Sachsen, die Pomdie Magdeburger nur einen Augenblick anstehen, Exekutionsheere zu schicken? O, wir haben gute Nachbarn. Wo sind unsere festen Burgen, wo die dicken Mauern, dahinter wir ihnen in die Zähne lachen können? Wollt ihr alles aufs Spiel setzen um einen heißen vollen Trunk?" „Wigand hat recht!“ sagte einer. Die andern schwiegen habe recht. Ich weiß, daß Joachim grad jetzt Boten ausgesenvel zu den Pommern, zu allen Fürsten in der Runde, großen Vertrage gegen die Placker, wie sie's nennen, gegen die gitter aus dem Stegreif. Jeder macht sich anheischig, vie Landschädiger zu fahnden, greifen und richten, auf wes Gebiet sie betroffen werden. Wird unsere Tat laut und wir tun jetzt nichts weiter, so heißt's durch die Welt: wir sind Stegreifritter, wir taten nichts als uns rächen, und ihr wollt doch mehr, ihr Herren, ihr wollt gndere Unbill rächen, alte, schlimme, vereuer Recht wieder fordern, das Gott euch gab, und die Fürsten aus Nürnberg nahmen's euch.“ rief Wedigo, an seine eiserne Brust schlagend.„Das Land war unser, die Wege und Straßen, unserer Vu#er waren sie, unser das Recht und ihrer das Unrecht. Das wollen wir wieder und sie hinausjagen wie Räuber, die einbrechen. Das wollen wir und weiter jetzt nichts, dazu zeigt Gott uns den Augenblick. Wozu langes Fackeln! Viel Reden kühlt das heiße Blut. Was nachher, findet sich nachher.“(Forts. folgt.) Kleines Feuilleton. . sac. Das deutsche Volksbadewesen. Aus den Resultaten der letzten Erhebung über das deutsche Volksbadewesen macht der Dresdener Oberbürgermeister am Ende im 5. und 6. Heft des„Zentralblattes für allgemeine Gesundheitspflege“, einige interessante Angaben. Im Jahre 1905 hat die genannte Gesellschaft im ganzen Deutschen Reich 2847 öffentliche Warmbadeiß eine Badeanstalt auf zirka 21000 Veranstalten gezählt, so dag eine Burtansten un,„kta g1000 Per, sonen kam. In den 2847 Anstalten waren insgesamt 18996 Badewannen, 11 111 Brausen und 232 handen. Auf 100000 Einwohner kommen in den einzelnen deutschen Staaten Badeeinrichtungen: Schwimmbassins Badewannen Preußen 03 Bayern 0,2 Württemhar.....7 Wurtlemberg 0,8 Baden 0,5 Hessen. 05 Thüringische Staaten.. 0,5 Mecklenburg=Schwerin. 0,2 Mecklenburg=Strelitz..— Oldenburg 02 Braunschweig 0,8 Zauhurs....... 07 Lüben— Bremen Elsaß=Lothringen 1,1 0,3 252 25,3 58,3 58,8 51,9 25.5 36,8 23,7 26,1 22,8 28.0 47.5 38,7 88,4 404 Brausen 12.2 16,5 25,2 17,2 33,5 17,7 22.0 7.0 17,4 5,9 21,4 8.8 6,6 46.3 11,7 Aus diesen Zahlen geht deutlich hervor, daß das öffentliche Badewesen noch wenig entwickelt ist. Die meisten Badewannen hat Bremen: 88,4 auf 100 000 Einwohner. Aus den Erhebungen gehl aber auch weiter hervor, daß nicht viel mehr als zwei Funftel aller Einwohner des Reiches in Orten leben mit öffentlichen Warmbadeanstalten, von 1000 Einwohnern nur 425, in Preußen nur 420, in Baden nur 414, in Württemberg 389, Bayern 342. Am günstigsten steht Sachsen da mit 600 auf 1000. Ein ehrendes Zeugnis für seine Reinlichkeit stellen diese Zahlen dem deutschen Volke gerade nicht aus. Es muß noch sehr viel getan werden, bevor sich Deutschlands Badewesen sehen lassen" kann! Seine neuesten Ergebnisse über experimentelle Krebsforschung und andere experimentell=medizinische Fragen veröffentlicht der erschienen ist. Wenn auch die darin vereinigten Vorträge, die bei verschiedenen Gelegenheiten gehalten wurden, ein gewisses bei verschiedenen Gelegenheiten gehalten wurden, ein gewisses Maß von naturwissenschaftlich-biologischen Kenntnissen voraussetzen, so umfassen sie doch so bedeutungsvolle Fragen, daß sie gewiß ein größeres Publikum finden werden. In dem Abschnitt über Krebsforschung verbreitet sich Ehrlich eingehend über die Ergebnisse, welche auf experimentellem Wege während der letzten Jahre in diesem vieldurchpflügten Gebiete gemacht wurden. Trotz mancher interessanter Ergebnisse verhehlt er sich nicht, daß die Ernten nach mancher Richtung hin nicht sehr ergiebig gewesen sind. Jenes furchtbare Leiden, dem jährlich viele Tausende zum Opfer fallen, das bei allen Rassen und Nationen verbreitet ist, ist uns in seiner letzten Ursache noch unbekannt und spottet außerdem der zahlreichen Behandlungsmethoden, die zu seiner Ausrottung angewendet werden. Erfolg hat bis heute ausschließlich die radikale chirurgische Behandlung, welche darin besteht, die von der Krehsgeschwulst ergriffenen Partien des Körsteht, die von der Krebsgeschwulst ergriffenen Partien des Körpers moglichst ausgiebig herauszuschneiden. Die Frage, ob der Krebs eine Infektionskrankheit nach Art der Tuberkulose, Syphilis usw. ist, welche durch niedrigste Lebewesen Mikroor##nismen. i„ Weiche purch niabricste, Eerehesen,, Weiltporganismen, hervorgerufen werden, will Ehrlich noch nicht eindeutig enthervorgerufen werden, wiu Eyrlich noch nicht eindeutig entscheiden, wenn er auch, wie die meisten deutschen pathologischen Anatomen, den Standpunkt vertritt, daß es sich hier wohl natomen,## vertritt, daß es sich hier wohl um eine anders geürtele Schäbigung handelt, als sie die sogenannten Infektionskrankheiten darstellen. Freilich hat gerade Ehrlich durch zahllose Tierexperimente an Ratten und Mäusen die Uebertragbarkeit des Krebses gezeigt; aber die Ueberimpfung der Krankheit erfolgt doch in ganz anderer Weise. Während z. B. der Typhus durch die spezifischen Erreger, die Typhusbazillen, übertragen wird deren Stoffwechselprodukte, die sogenannten Toxine(Gifte) in dem betroffenen Organismus die Schädigung hervorru#en, sind es beim Krebs und den ihm nahestehenden Geschwulstkrankheiter vielmehr die mit der Kontinuität des Körpers in engstem Zusammenhang stehenden Zellen selbst, welche vermöge einer ratselhaften Energie in ständigem Wachstum begriffen sind und alle in der Umgebung befindlichen Gewebe uberwuchern. Mit vielen anderen nimmt Ehrlich an, daß diese verderblichen Neuonldungen durch Keime entstehen, welche während der fötalen Entwicklung des Individuums, also zu allerfrühester Zeit(noch im Mutterleibe) des sich bildenden Organismus, versprengt wurden und unter geeigneten Verhältnissen im späteren Leben zur Wucherung gelangen. Worin diese Eignung besteht, ist uns zurzeit noch unbekannt, ob dabei schmarotzerartige Einflüsse oder besondere Produkte des Blutes, die bei den Ehrlichschen Lehrmeinungen eine große Rolle spielen, im Vordergrunde stehen, ist heute noch ungeklärt. Von größtem, auch praktischem Interesse sind sodann die experimentellen Studien, die Ehrlich zur Bekämpfung der durch Trypanosomen, besondere einzellige Lebewesen, hervorgerufenen Krankheiten gemacht hat, von denen die Schlafkrankheit durch Robert Kochs Untersuchungen am bekanntesten ist. Ehrlich konnte zeigen, daß die aromatische Arsenverbindung, das Atoxyl, das von Koch zur Bekämpfung der Schlafkrankheit erfolgreich angewendet wurde, im tierischen Organismus ein Reduktionsprodukt, d. h. und nuer aiss folchsirmere Arsenverbindung, umgewandelt wird „schädigend auf die Trypanosomen wirkt. Im wirtsame Arsen fest an Sauerstoff gebunden und kann deshalb lange nicht in dem gleichen Grade auf die Trypanosomen wirken wie in den Reduktionsprodukten, in denen viel freier beweglich ist. Auf Grund dieser Untersuchungen Ehrlich gelungen, ein Arsenpräparat herzustellen, das an seinen Versuchstieren die Trypanosomen viel sicherer und schneller zum Avsterben bringt als Atoxyl. Da die Magana und Surra, tropische Viehseuchen ebenso wie die als Schlafkrankheit bezeichnete furchtbare Menschenseuche sämtlich durch Rsondere Trypanosomenarten hervorgerufen werden, können die interessanten Ergebnisse des berühmten Experimentators, die genannten Buche einem weiteren Leserkreise zugänglich gemacht sins, un von großer praktischer Bedeutung werden G. w. ein einzinzs Mak troffen. De Der Ab der Furcht vor ein polgedanke von der der Konsum star erhöhungen vor. gegangene Menge Vorjahres und ett sunf Jahre. Es des Verbrauchs u umsatzes, gleich de# Monate. Der Ve Branntwein ließ den gewohnten For gana um etwa 1 114 Millionen im Rückgang einerseit Zwischenhandels, a Lieferung von d Regk! , keine Kosten zu ##halh hat sie au zelner Gebiete den höht. Für unvollst gewerbliche Zwecke brauch gegen das Ausfuhr war wi gestellt, da die Pre ländischen Wert sta Das neue Geset wenig befried kunft. Die diesjäh ertrage hinter der wird aber nicht so durch den im Gesel Durchschnittsbrande bis 1906/07 schon duktion der allerlet 14 Prozent gekürzt. der Zentrale die A neuen Anforderung naten des laufender Maßstab für die kür Zeit hinaus mit ein früher gewohnten A " eein ostpreußische sitzender des Sch Königsberg ist welcher Weise der 9 Gerechtigkeit übt, ze Zeit: Einem kleine zogen werden sollten ist jetzt keiner. Ha kleinen Besitzer sind etwas erwiderte, sa keine Vollsreden bi# zahle keine Beiträg Den Kerl sollte mai sitzerstochter, die Re langte, sagte Herr v. gut geheilt!“ Und doch zu ihrem Rech rungsrat die Bem Einem vom Leiterw arbeiten, das kann die Huckeppoll schließlich sagte er sagen, gebe ich gar urteilte der gefühlvo Sache: Auf dem lir schwanzschlag fast bli und schlägt ihm auch abgewiesen, weil kein Verletzten sagte er: und Schmerzensgeld sollten nach dem Gu sprochen werden, da kransheit) leidet. hat ja nun einmalf traumatische N brauche mich nur an Kätner und Maurer 10 Prozent Unfallrei arzt der Berufsgeno als Unfallfolge mehr wurde nun ein Gu fordert, das erklärte, im linken Auge noch Herr Regierungsrat, nichts anzufangen. Universitätsklinik schi noch keine Erfahrung nügen, um zu zeigen, berger Schiedsgerich Uns will scheinen, preußischen Kasernen! sec. Cavete Coll Verzeichnis des„Ve ihrer wirtschaftlichen konflikte bestehen, Während des Hochgan war die Zahl dieser Oi diese Bewegung an Ei aufgeführten Orten, na sollen, befinden sich e Chemnitz, Dresden, F Königsberg i. Pr., Mü diesen Orten scheint so zu sein, weil bei ihne Institution der Konflikt in ziemlich vielen Fäll und ähnlichen Stellen triebskrankenkasse für S krankenkasse in Gera, d Knappschaftskrankenkass besonders kleinen Orte daß mit der Warnung unbequeme Konkurrenz den Aerztetagen konstat Im allgemeinen dr gesetzlichen Lösung. D ordnungen und Organ sundheitspflege weit me Genossel Konsumentenorganise sumgenossenschaftlichen Schar=Berlin: Das Er der Bildung einer Wir tion der Bedarfsgüter wird und die Verteilun rechtigkeit stattfindet. D soll in eine organisiert meinde angepaßte, die a Zins und Unternehmer wandelt werden... ### te der bayerische Unter. Verträge hatte, das Beg hineinzukommen. orsitzenden der Zahlstelle entwurf zugesandt, und r von den Meistern auf drei Jahre abgechts der viel teurer gesendigen Verbesserungen erschlechterungen durchnaste Erhöhung der im zu niedrigen Löhne für n sich die Arbeitnehmern einzutreten, als von eingereichte Tarif wieung, daß in den nächsten den wird. Es ist nicht Alte abgeänderte Tarif vird. Die Holzarbeiter Imständen einem Tarif erungen der Lohn= und werbe. Der Vorstand Deutschlands versandte beitslosigkeit, der kunstchäftsgang, der in den hat gerade im Berufe Erschutterung hervoridauernde Arbeitslosigie beredten Ziffern der im Reichsarbeitsblatt verdienen der breiten " waren aus allen an beitsblattes beteiligten itslos: 08 1909(3. Quartal) 1 2,8 itslos: 08 1909(3. Quartal) 6 13.0 ersonen Fälle von Ar8 1909 0 61.5 7 57,1 52,6 irs kaum bedürfen. larbeiterzeitung" kann kale in diesem Monat en. Anfang Dezember neueste Nummer ernplaren. det sich, entgegen den Redereien, nach wie ehr in vollem Gange. ierwalter in den Gerbreitung dieser Festr gebeten. (09. Die Spiritusffiziellen Organ, der Geschäftsbericht für Herrschaft des neuen r Z e n t r a l e 3 6 4 M i l bsatz an gereinigtem, wein belief sich auf betrug bis zum an für den Rest des r Reihe das neue ebsbedingungen der as die Veranlassung der Erzeugung und rmit hatte die Zeninblick auf die Nachdurchschnittsmaß" geReiche 426,2 Milin den 22 Jahren vom Jahre 1887 nur ng, welche darin ben Partien des KörDie Frage, ob der Tuberkulose, Syphi„Mikroorganismen, nicht eindeutig enttschen vathologischen sich hier wohl um sie die sogenannten hat gerade Ehrlich 1 und Mäusen die e Ueberimpfung der se. Während z. B. die Typhusbazillen, te, die sogenannten nismus die Schädin ihm nahestehenden ontinuität des Körellen selbst, welche igem Wachstum beefindlichen Gewebe hrlich an, daß diese stehen, welche wähums, also zu allerbildenden Organisn Verhältnissen im orin diese Eignung dabei schmarotzerBlutes, die bei den spielen, im Vordergrößtem. auch praktellen Studien, die osomen, besondere heiten gemacht hat, rt Kochs Unterite zeigen, daß die pl. das von Koch zreich angewendet tionsprodukt, d. k. umgewandelt wird ssomen wirkt. Im stoff gebunden und in Grade auf die rodukten, in denen er Untersuchungen erzustellen, das an iel sicherer und Da die Magana e die als Schlafhe sämtlich durch verden, können die berimentators, die erkreise zugänglich jedeutung werden G. W. ein eillzipts Mak— 1905/06 bei 437/8 Millionen Liter— übertroffen. Der Absatz von Spirit 8 we“ beherrsch „röffen.„Der Absatz von Spiritus war vollig heyerrscht von der Furcht vor einem eventuellen Monopol, und als der Monopolgedanke von der Regierung fallen gelassen worden war nahm der Konsum starke Vorversorgungen angesichts der Steuererhöhungen vor. Die gesamte in den freien Verkehr übergegangene Menge betrug 260 Millionen Liter gegen 237 des Vorjahres und etwa 282 Millionen im Durchschnitt der letzten ergibt sich hieraus eine Vorversorgung des Verbrauchs um etwa 12 Prozent des bisherigen Jahresumsatzes, gleich dem gewohnten Bedarfe für etwa anderthalb Monate. Der Verbrauch von vollständig denaturiertem Branntwein ließ dagegen im abgelaufenen Jahre nicht allein den gewohnten Fortschritt vermissen, sondern weist einen Rückgang.um etwa 10 Millionen Liter— 104 Millionen gegen 114 Millionen im Vorjahre— auf. Die Zentrale führt diesen Rückgang einerseits auf eine Verringerung der Vorräte des Zwischenhandels, andererseits auf das Aufhören der billigeren er Bendanenen Braaun u. uuundge wecken zurück. Letzteres ist erfolgt, weil die Zentrale bemüht „Kosten zu tragen, die die Outsiders nicht auch haben. eshalb hat sie auch zu Anfang des Jahres mir Ausnahme einLiter erErehals har sie auch zu unsung des Jahres mir Ausnahmee Verkaufspreis um 1 bis 2. Pfg. pro Liter den Verkaufspreis um 1.bis 2. Pfg, pro Liter erhöht. Für unvollstandig denaturierten, im wesentlichen für großgewerbliche Zwecke bestimmten Branntwein erhöhte sich der Verbrauch gegen das Vorjahr um rund 2 Millionen Liter. Die #.3 uhr,war während des Berichtsabschnittes vollständig einda die Preise des Weltmarktes dauernd unter dem inländischen Wert standen. Das neue Gesetz eröffnet, wie die Zentrale ausführt, einen wenig befriedigenden Ausblick auf die nächste Zukunft. Die diesjährige Kartoffelernte bleibt im Durchschnittsertrage hinter der vorjährigen zurück. Die Spirituserzeugung wird aber nicht so sehr durch das Ernteergebnis als vielmehr durch den im Gesetz zugelassenen Umfang bestimmt. Von dem Durchschnittsbrande, der als Mittelmaß der Jahrgänge 1897/98 bis 1906/07 schon einen Rückschritt gegen die ansteigende Produktion der allerletzten Jahre darstellt, werden noch besonders 14 Prozent gekürzt. Noch weniger erfreulich sind nach Ansicht der Zentrale die Aussichten für den Absatz. Wenn auch die neuen Anforderungen für Trinkbranntwein in den etsten Monaten des laufenden Geschäftsjahres keineswegs den dauernden Maßstab für die künftige Entwicklung abgeben, so ist doch lange Zeit hinaus mit einem erheblichen Rückgange gegen die früher gewohnten Absatzzahlen zu rechnen.(Berl. Tageblatt.) Soziales. eein ostpreußischer Leiter der sozialen Rechtsprechung. Vorsitzender des Schiedsgerichts für Arbeiterversicherung in iechherg ist in Herr Regierungsrat v. Krogh. In ##scher Weise per Mann soziales Verständnis zeigt und soziale Gerechtigkeit übt, zeigen die folgenden Beispiele aus der letzten Zeit: Einem kleinen Besitzer, dem die 10 Prozent Rente entzogen werden sollten, sagte er in der Verhandlung:„Zufrieden ist jetzt keiner. Halten Sie mal den Schnabel! Die kleinen Besitzer sind die schlimmsten!" Als der arme Kerl auch erwiderte, sagte der Herr Regierungsrat:„Halten Sie keine Volksreden hier!“. Und als nun der Besitzer meinte, er Beiträge mehr, hieß es:„Scheren Sie sich raus! Fer=sechtei nan in Ordnungsstrafe nehmen!“ Einer Besitzerstochter, die Rente für ihren gebrochenen Arm weiter verlangre, sagte Herr v. Krogh:„Was wollen Sie denn, das ist alles gut geheilt!“. Und als das Mädchen mit Hilfe ihrer Schwester doch zu ihrem Recht kommen wollte, machte der Herr Regierungsrat die Bemerkung:„Ein unverschämtes Publikum!“ Einem vom Leiterwagen überfahrenen Rentner sagte er:„Ja, arbeiten, das kann heute keiner mehr. Da lügen sie einem die Huckesvoll, um Rente zu bekommen!“ Und schließlich sagke er zu dem armen Opfer:„Auf das, was Sie sagen, gebe ich gar nichts!“ Ueber einen blinden alten Mann urteilte der gefühlvolle Herr folgendermaßen:„Immer die alte „Auf dem linken Auge ist der Mann von einem Kuhschwanzschlag fast blind, und nun tut die Kuh ihm den Gefallen ssdeschlägt ihm auch ins rechte!“ Dieser Mann wurde ebenfalls sbasgresen„weil kein Betriebsunfall vorliege. Einem anderen Veriegten jugte er:„Für solche Kleinigkeiten gibt's hier nichts, und Schmerzensgelder gibt's hier auch nicht!“ Einer Frau sollten nach dem Gutachten des Arztes 20 Prozent Rente zugesprochen werden, da sie an traumatischer Neurose(einer Nervenkransheit) leidet. Der Herr Regierungsrat sagte:„Der Arzt hat ja nun einmal festgestellt, daß Rente zu zahlen ist. Aber traumatische Neurose ist ein solcher Unsinn; ich brauche mich nur anzustellen, dann habe ich sie auch!“ Einem Kätner und Maurer waren von der Berufsgenossenschaft seine 10 Prozent Unfallrente entzogen werden, weil der VertrauensBerufsgenossenschaft keine Trübung des linken Auges als Unfallfolge mehr vorfand. Infolge eingelegter Berufung wurde nun ein Gutachten der Universitätsaugenklinik eingefordert, das erklärte, daß der Verunglückte durch die Unfallfolgen im linken Auge noch 20 Prozent erwerbsbeschränkt sei. Der Herr Regierungsrat sagte:„Mit dem Gutachten ist doch gar nichts anzufangen. Ich werde auch nie mehr Patienten in die Universitätsklinik schicken. Der junge Arzt, der jetzt dort ist, hat noch keine Erfahrung!" Diese paar Beispiele mögen vorerst genügen, um zu zeigen, wie die Rechte der Arbeiter im Königsberger Schiedsgericht für Arbeiterversicherung gewahrt sind. Uns will scheinen, als ob Herr v. Krogh direkt von einem preußischen Kasernenhof gekommen wäre. esc. Cavete Collegae. Das mit der Ueberschrift versehene Berzeichnis des„Verbandes der Aerzte Deutschlands zur Wahrung ihrer wirtschaftlichen Interessen“ jener Orte, in welchen Aerztekonflikte bestehen, enthält zur Zeit immer noch 110 Ortsnamen. Während des Hochgangs der Aerztebewegung vor einigen Jahren war die Zahl dieser Orte auch kaum größer, woraus sich ergibt, daß diese Bewegung an Energie nicht viel nachgelassen hat. Unter den aufgeführten Orten, nach welchen die Aerzte den„Zuzug vermeiden“ sollen, befinden sich eine ganze Reihe großer Städte wie Bremen, Chemnitz, Dresden, Frankfurt a. M., Halle a. S., Köln a. Rh., Königsberg i. Pr., München, Offenbach a. M., Wiesbaden usw. In diesen Orten scheint sogar„Krieg auf der ganzen Linie“ entbrannt zu sein, weil bei ihnen das Verzeichnis nicht angibt, mit welcher Institution der Konflikt besteht. Im übrigen ist bemerkenswert, daß in ziemlich vielen Fällen die Differenzen mit Betriebskrankenkassen und ähnlichen Stellen bestehen. Es sei nur hervorgehoben die Betriebskrankenkasse für Staatsangestellte in Hamburg, die Textilbetriebskrankenkasse in Gera, die Frabrikkrankenkasse Vulkan in Stettin, die Knappschaftskrankenkasse von Krupp in Weilburg usw. Bei vielen, besonders kleinen Orten, dürfte es sich auch nur darum handeln, daß mit der Warnung vor Zuzug die eingesessenen Aerzte sich eine unbequeme Konkurrenz fernhalten wollen. Das ist selbst schon auf den Aerztetagen konstatiert worden. Im allgemeinen drängt die Aerztefrage immer mehr zu einer gesetzlichen Lösung. Die gegenwärtigen, durch ärztliche Standesordnungen und Organisationen 2c. erzeugten Zustände sind der Gesundheitspflege weit mehr schädlich als nützlich. Konsumentenorganisation und Sozialreform. In der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau“ schreibt Professor Dr. J. F. Schar=Berlin: Das Endziel der Konsumgenossenschaft liegt in der Bildung einer Wirtschaftsgemeinde, in welcher die Produktion der Bedarfsgüter in den Dienst der Konsumtion gestellt wird und die Verteilung der Güter nach dem Prinziv der Gerechtigkeit stattfindet. Die ungeregelte(anarchistische) Produktion soll in eine organisierte, d. h. dem Bedarf der Wirtschaftsgemeinde angepaßte, die arbeitsfreien Einkommen von Crundente, Zins und Unternehmergewinn sollen in Arbeitsentgelt umgewandelt werden... Wir haben von der individualistisch=kapitalistischen Gestaltung des Wirtschaftslebens zu lernen, wie der ungemessene Reichtum an Bedarfsgütern auf die rationellste Art erzeugt, wie durch die zweckmäßigste Verbindung von Natur, Arbeit und Kapital die höchste Produktivität erreicht wird, und wie der Antrieb zur höchsten wirtschaftlichen Kraftentfaltung durch die Handels= und Gewerbefreiheit und die freie Konkurrenz erhalten bezw. gekräftigt und gefördert werden kann. Reichtum erzeugen, ist das wirtschaftliche Problem. Andererseits ist es die Aufgabe des Staates und der freien geseuschaftlichen Bestrebungen, den sozialen Mißständen, welche die kapitalistische Produktionsweise und die freie Konkurrenz notorisch gezeitigt haben, zu begegnen; unter Beibehaltung der persönlichen Frecheit und der individualistischen Gestaltungskraft den Weg zu finden, wie der Reichtum an Natur= und Industrieprodukten befruchtend und beglückend in alle Kanäle der sozialen Gliederung geleitet und jedem arbeitsfähigen und arbeitswilligen Menschen eine auskömmliche Existenz mit dem gerechten Anteil an Lebensgenuß und Lebensglück gesichert werden kann: den Reichtum gerecht zu verteilen, das ist das soziale Problem. Der Reichtum soll nicht dazu mißbraucht werden, daß nur einzelne wenige ihn sich aneignen, indessen große Massen des Volkes in Elend umkommen; sondern der Reichtum soll gesellschaftliche Funktionen annehmen und dadurch nicht nur die Armut mindern und schließlich aufheben, sondern durch die Förderung und Mehrung der Konsumkraft auch die Produktionskraft mehren. Der Reichtum soll Segen stiften und neuen Reichtum erzeugen. Wie kann das Problem gelöst werden? Die soziale Reform muß mit der Organisation der Konsumvereine beginnen, und zwar aus folgenden Gründen: 1. Jeder Mensch ist Konsument; indem man also die Konsumkraft zum Ausgangspunkt der Vereinigung, des Zusammenschlusses, der Organisation macht, gewinnt man die breiteste Basis. Wir schaffen dadurch eine Wirtschaftsgemeinde, welcher alle Glieder kraft ihrer elementarsten Bedürfnisse angehören können. Die Qualität zur Mitgliedschaft bringt jedes Mitglied auf die Welt; jeder Mensch ist Konsument von der Wiege bis zum Grabe; sein Anschluß und seine Zugehörigkeit zur Wirtschaftsgenossenschaft der Konsumenten ist dokumentiert durch sein Dasein, durch die im Stoffwechsel begründeten Lebensfunktionen. Kein anderes Band, selbst nicht das familiäre oder staatliche, ist so fest und unlösbar, wie das durch die Konsumgenossenschaft gegebene. 2. Aus diesem Grunde liegt auch in der Konsumentenorganisation die höchste wirtschaftlich=soziale Macht; sie ist stärker als alle Ringe und Truste der Welt, wenn sie zum Bewußtsein ihrer Kraft gelangt und national und international organisiert wird. 3. Naturgemäß schließen sich der Organisation der Konsumenten zunächst in zahlreichster Vertretung nur diejenigen an, die, in ihrer Lebenshaltung eingeschränkt, mit Not und Entbehrung zu kämpfen haben; die genötigt sind, ihr Einkommen in parsamster Weise zur Erwerbung von Bedarfsgütern zu verwenden. Die Organisation der Konsumenten gestaltet sich daher zu einem Werke der sozialen Selbsthilfe der Arbeiter und der übrigen Angehörigen der unteren und mittleren Stände; wer hier tätigen Anteil nimmt, wird zum Mitarbeiter, im Kampfe gegen Not, Elend, Entbehrung, er verrichtet ein menschenfreundliches Werk, das infolge des Charakters der Selbsthilfe viel höher anzuschlagen ist als alle Formen der Mildtätigkeit, ja selbst der Mitarbeit an der Politik. Dem alten Sprichwort: „Armut kann die Armut am besten erziehen!“ setzten wir den Gedanken gegenüber: Weder Staatskunst noch Mildtätigkeit vermögen das darbende und notleidende Volk dauernd auf eine höhere Lebenshaltung zu führen; nur die aus der Selbsthilfe, herausgewachsenen wirtschaftlichen, intellekuellen gies berausgewachienen, wirtschaftlichen, intellektuellen und moratischen Krafte errampfen sich neue und bessere Lebensbedingungen; Selbstbilfe ist aber dem Schwachen nur möglich im genossenschaftlichen Zusammenschluß; sein größter und wertvollster Einsatz in die Genossenschaft ist seine Konsumkraft. Der einzelstehende Konsument schenkt seine Konsumkraft weg; der organisierte Konsument begründet mittels derselben seine Wohlfahrt. Literarisches. 508 3s3 Fre Neuen Zeit“(Stutigart, Paul Singer) ist soeben 12. Heft des 28. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Hefies heben wir hervor: Gegen den Sektenfanatismus.— der Samptuns stresis F.England. Von Theodor Rothstein.— Der Kumpf um pen, Arbeitsnachweis. Von Josef Kliche.— Zur, Lonsumgenossenschaftsbewegung. Eine Berichtigung. Von : Staudinger.— Die Fortentwicklung des Tarifvertrages im beutschen Holzgewerbe. Von Gustav Becker(Berlin).— Litearisce Pgzöschen: Ie Breuging, Innere Kolonisation. Von Von G. A. Jehmann. Pot und Branntweinliebesgabe. Nax Gemnte####mann, Reoxganisation der Jugendbewegung. Von Vernyaro Düwel.— Zeitschriftenschau. Feuilleton der„Neuen Zeit" Nr. 23 u. 24: Larmarck und Cuvier. Von Gustav Eckstein. Der Fortschritt der Sozialreform auf dem Kontinent. Von Friedrich Engels. Eine Biographie Schweitzers. Von F. Mebring. Das Theaterproblem Juvisy darauf hingewiesen, daß Lowells Marsphotographlen den von den meisten Beobachtern um den hellen Polarfleck gesehenen dunilen Saum, der allgemein als Schmelzwasser angesprochen wird, nicht zeigen. Antoniadi hat ihn daher für eine Täuschung, bervorgerufen durch die Kontrastwirkung, erklärt. Dem tritt Herr Jonckheere in Hem, Nordfrankreich, entgegen, der meint, daß auf den Photographien der weiße Fleck so sehr überstrahle, daß der Saum dadurch verbüllt wird ssogenannte Irradition). Für den unbefangenen Beobachter ergibt sich daraus bloß die Tatsache, daß auf die Photographie eben mitunter, und namentlich beim Mars, kein Verlaß ist. Auf Grund seiner neuesten Marsbeobachtungen mit dem großen Refraktor, der Sternwarte zu Meudon folgert Herr. Antoniadi, daß die als Kauäle bezeichneten Streifen zum Teil. wirklich vorhanden, aber sehr verschiedener Natur seien. Er sagt:„Einige von ihnen erschienen als matte formlose Bänder, andere als Ketten von kleinen Fleckchen— entsprechend Cerullis' Ansicht—, manche sind nichts als die Ränder von Schattenflächen, andere endlich zeigen sich als schmale schwarze Linien von kurzem gewundenem Laufe. Das Netz nur flüchtig sichtbarer gerader Linien beruht dagegen auf Täuschung. Statt seiner enthüllt das Fernrohr ein Bild einer verwickelten Marmorierung oder besser das eines regellosen Schachbrettes.“ Und weiter meint er, daß kein auf dem Mars dauernd sichtbares Gebilde eine geometrische Gestalt verrate. Der Anblick des Planeten gleiche dem des Mondes, abgesehen natürlich vom Unterschiede einer lebenden und einer toten Welt, oder dem einer irdischen vom Ballon aus gesehenen Landschaft. Wir hatten auch kürzlich schon darauf hingewiesen, daß gerade die großen Fernrohre sich als sehr ungeeignet erwiesen haben, die Phantastereien mancher„Astronomen“ zu stützen. Neuerdings meldet nun Lowell, der sich ja in neuerer Zeit in ganz besondere Unkosten bezüglich des Mars stürzt, daß nach seinen Beobachtungen die helle Aequartorzone des Jupiter ein Netz zarter dunkler Linien enthalte, und jetzt will er auch beim Aequatorband des Saturn solche Linien gesehen haben. Hier erklärt er sie als Wolkenlücken, während sie beim Mars ja als Kunstprodukte vernunftbegabter Wesen ausgegeben werden. Zwei Knaben ertrunken. Halle a. S., 27. Dez. Beim Bahnhof Nietleben brachen am ersten Feiertage die beiden 8 und 10 Jahre alten Kinder des Gastwirts Wiesners beim Schlittschuhlaufen auf dem Teiche einer Ziegelei ein und ertranken. Hauseinsturz. Trier, 27. Dez.„In dem Eifeldorf Eisenschmidt ist ein baufälliges Haus eingesturzt. Eine in der Nähe beschäftigte Frau fand unter den Trümmern den Tod.— Dreifacher Kindesmord und Selbstmordversuch. Berlin, 27. Dez. Eine erschütternde Familientragödie hat sich in der vergangenen Nacht im Südosten der Stadt abgespielt. In der Pücklerstraße 20 hat die Frau des Hilfsmonteurs Franz Schulz in Abwesenheit ihres Mannes ihre drei Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren erhängt und dann sich selbst, anscheinend mit Salzsäure, vergiftet. Wiederbelebungsversuche waren nur bei der Frau von Erfolg begleitet, die angeblich wegen Untreue ihres Gatten die Tat begangen hat. Ein dem Zuchthaus Verfallener. München, 27. Dez. Der Verbrecher, welcher am Christabend einem Kriminalwachtmeister durch Revolverschüsse schwer verletzte, ist als der aus dem Gothaer Zuchthaus entsprungene zu 15 Jahren Strafanstalt verurteilte berufsmäßige Einbrecher Hermstedt erkannt worden. Er hatte nach seinem Ausbruch in Gotha einen Warenhauseinbruch begangen, fuhr dann nach Kassel, Frankfurt und der Schweiz. Die beiden Münchener Einbrüche gibt er zu. In seinem Besitz fand man viele Pfandscheine aus Mannheim, Karlsruhe und anderen Städten über versetzte Uhren. Er war im Besitz von zwei Revolvern, einer Strickleiter und vielem Einbrecherwerkzeug. Auch führte er Gift mit sich, um sich angeblich eventuell zu vergiften. Drei Kinder erstickt. Schwerin 27. Dez. In Daßow in Mecklenburg sind die drei sieben=, elf- und dreizehnjährigen Kinder des Steinschlägers Dankwardt in der elterlichen Wohnung an Kohlendunst erstickt. Das Elternpaar weilte bei Verwandten auf Weihnachtsbesuch. Raubmord an einem Knaben. Breslau, 27. Dez. Ein 13jähriger Knabe aus Scheidelwitz bei Brieg, der von seiner Mutter nach dem Dominium Liebritz geschickt wurde, um 6 Mark Arbeitslohn zu holen, wurde auf dem Rückwege ermordet und beraubt. Der Täter ist noch nicht ermittelt. Unterschlagung. Petersburg, 27. Dez. Die Petersburger Geheimpolizei wurde benachrichtigt, daß der Leutnant des 23. Nisowschen Infanterieregiments N. J. Groschkin in der Eigenschaft eines Kassierers aus der hiesigen Rentei 20763 hrubel Kronsgelder erhalten habe, mit diesen flüchtig geworden sei und in Petersburg unter falschem Namen lebe. Zugleich hieß es, Groschkin komme zuweilen in das Postamt, um Briefe mit bestimmter Adresse zu empfangen. Infolgedessen begann die Geheimpolizei die Besucher des Hauptpostamtes zu beobachten. Tages erschien auch Groschkin auf dem Postamte in Zivilkleidung. Er wurde verhaftet und auf die Geheimpolizei gebracht, wo er gestand, das Verbrechen verübt zu haben. Bei ihm wurden 6753 Rubel in bar, mehrere Wechsel, ein Paß auf einen falschen Namen und andere Dokumente gefunden. Groschkin wurde der Kommandantur übergeben. für die organiserte Arbeiterschaft. Von L. Radlof(Neumünsters. abend wurden An Par 18 28. Dez, Gestern Zur„Ergänzung“ des historischen Materialismus. Von A. 1 Bourot, verhaftet Here ei Loupreskaushaufez, Marie Bücherschan: August Bebefi Gsss. Von A. ovutot, gerzustet. Bei ihr wurden verschiedene, Giststoffe gefunden, die den Verdacht verstärkten, daß sie letzthin unter verschiedenen Namen aus Rache einer Familie Doudioux Arzneien, Medikamente und Leckereien hat zugehen lassen, die sich als giftgefüllt erwiesen. Kürzlich nahm ein Gast dieser Familie, ein junger Pariser Opeenfunger namens Godard, von Migräne geThalheimer.— MackerThau: Zschen, Materialismus. Von A. K 8 Franeg Iif Vogner, Geschichte des Lamarckismus. Königliche Hehert., Lily Braun, Memoiren einer Sozialistin. Wunderlichteiten.“ 9 5ssch, Rauckes Lustreise und andere Zeit"(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 13. Heft des 28. Jahrgangs erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Die Geschäftsmonarchie.— De la Mettrie. Zu seinem zweihundertsten Geburtstag. Von Victor Constanz(Paris). — Fünfundzwanzig Jahre Krankenversicherung in Deutschland. Von Gustav Hoch(Hanau a. M.).— Was kann der Arbeiter für Bildungszwecke aufwengen? Von Johannes Heiden.— Technisch=wirtschaftliche Runoschau. Von Rich. Woldt.— Literarische Rundschau: Howard Evans, Sir Randal Cremer, His Life and Work. Von J. S., London. S. Cammareri=Scurti, II latifondo in Sicilia el’inferioritä meridionale. Von Oda Olberg.— Zeitschriftenschau. " Die soeben erschienene Nummer 1 des Postillon enthält an Boubildern und Illustrationen: Prosit Neujahr!— Eine neue Wacht die Wachhe zen ue ür 1910.— Fest steht und treu die eisenbändse Fackelzug der vereinigten Altwir“ 1010 Aus her Beichshauptstahtnen wir: 1910.— aus der Reichshanpistadt, IV.— Schloßlegende. #.##er Tabakarbeiter.— Der Schnapsboykott.— Von blanken Knopfen.— Mit schwerem Herzen.— Konservativer Parteitag. schere Preis der Nummer ist 10 Pfg. Probenummern sind ##, burch, den„Verlag Laul Singer in Stuttgart, sowie burch aue Buchhandlungen und Kolporteure zu beziehen. Vermischtes. Mars und kein Ende! Zu den stehenden Rubriken des Zeizungsseuilletogs, die seit altersher das Interesse des Lesers wach e hat sich seit einem Jahrzehnt eine neue gesellt.„Honst waren es immer„Das tiefste Bohrloch der Erde,„Musik und Haarwachstum“, Eisenbahnräder aus Papier" usw. Hinzugetreten sind die Marskanäle. Namentlich in den Zeiten stellung vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Mitteilung kommt. Und schon lange vorher und noch lange nachyer müssen die Marskanäle herhalten, um den geduldigen Leser immer wieder zu„fesseln". Auch jetzt liegt schon wieder eine ganze Menge vor. Vor kurzem hat Herr Antoniadi zu vernsänger namens Godard, von Miaräne geplagt, den Inhalt einer angeblich mit Antipirin gefüllten Dose. Wenige Stunden später starb er, ohne daß die Todesursache festgestellt werden konnte. Gestern erfolgte die Exhumierung der Leiche. Das angebliche Antipirin stammt von der Marie BouVom Eisenbahnunglück bei Uhersko. Prag, 28. Dez. Die Verletzungen der meisten im Pardubitzer Krankenhause untergebrachten Personen sind schwere Knochenbrüche. Am Mittwoch soll bereits der Verkehr wieder ausgenommen werden. Der verhaftete diensthabende Beamte Alois Zeiß hat nach langem eingehendem Verhör gestanden, daß er die Abfertigung des Güterzuges vollständig vergessen habe. Die Obduktion der in Uhersko aufgebahrten Leichen ist bereits gestern erfolgt. Die Staatsanwaltschaft hat nunmehr bestimmte Anhaltspunkte dafür erhalten, daß verbrecherische Elemente das Unglück dazu benutzten, um die Toten und Schwerverletzten ihrer Effekten und Wertsachen zu berauben. Es ist daher eine eigene Untersuchungskommission gebildet worden, die in dieser Richtung umfassende Recherchen anstellt. Einer Person war die Uhr gestohlen, einer anderen waren die Ringe von den Fingern gezogen. g.Prag; 27. Dezemher. Im Laufe der heutigen findlichen Sc i Pardubitzer Krankenhause beHofrichter ans oge... Jahre alte Kaufmann Anton ter aus Wiesenthal und der Kondukteur des verunglückten erlegen.— Auf die Rac. erlittenen Verletzungen Tade ihres Gatten sugricht von den Eisenbahnunglick und dem Arünner Ba#t:ren versuchte die Frau Bergmann sich auf dem Brunner Bahnhofe vor einen einfahrenden Zug zu werfen, doch konnte sie noch rechtzeitig zurückgerissen werden. Von den Ueberschwemmungen in Spanien und Portugal. Madrid, 27. Dez. Der ganze Umsang des Ueberschwemmungsunglücks ist noch nicht zu übersehen, da die Verkehrsmittel nur teilweise wieder hergestellt sind. In Galicien sind 21 Dörfer fast ganz zerstört, Hunderte von Orten sind arg beschädigt, die Saaten sind fortgesoült. Auch die Provinz Zamora ist furchtber man hört von beinahe hundert Sischerbooten, die Madrid, 27. Dez. Ueber den Sturm wird noch berichten as s ese oels e schecshelie e e ie nom Wasser überrascht wurden kletterte Hirten, die vom Wasser#, Wugben, Klenerten, um sich zu retten, auf Bäume, und verblieben vort drei Tage ohne zu essen. Lissabon, 28. Dez. Die große Ueberschwemmung in Portugal hat insbesondere die Hafenstadt Oporto hart mitgenommen. Die ganze Unterstadt Porto ist einen Meter hoch überschwemmt; unzählige Häuser sind weggerissen und sämtliche Schiffe verloren. Eine Anzahl Leichter wurde teils zertrümmert, teils auf das hohe Mer trieben Birlteiln un das hoht Meer getrieben. Viele Weinberge sind zerstört. Ba stort. Da die Gasfabrik überschwemmt ist, herrscht Dunker. Auch die anderen Provinzen wurden furchtbar verwüstet. Einzelge Ortschaften sind vom Wasser blockiert. Man schätzt, die Zahl der Toten auf 50. Der Schaden wird in Ovorto allein tschaften sind, vom Wasser blockiert. Man schätzt, die Zahl der Toten auf. 50. Der Schaden wird in Oporto allein auf 30 Millionen geschätzt, im ganzen Lande etwa auf 40 Millionen. Ein wacherer Seemann. Es ist bekannt, daß die Fischdampferleute von GeestemündeBremerhaven, dem größten Hochseefischereiplatz des europäischen Kontinents, einen Stamm vorzüglicher Seeleute bilden. Einen neuen Beweis dafür liefert eine Verhandlung des Seeamts Bremerhaven, die den Untergang des Geestemünder Fischdampfers„Seestern" betref. Dieser Fischdampfer befand sich am 13. dieses Monats fischend an der dänischen Küste, als er von dem Cuhavener Dampfer„Senator Sthamer“ angerannt wurde. Das Verschulden lag, wie das Seeamt feststellte, bei dem Steuermann des Cuxhavener Dampfers. Doch dies nur nebenbei; wir wollten ja das Verhalten des Kapitäns und der Mannschaft des Geestemünder Fischdampfers schildern. Der Anprall des„Senator Sthamer“ war so heftig, daß an Bord des letzteren die Leute hinstürzten. Der Kapitän flog über den Kompaß hinweg und sah, als er sich aufrichtete, den Dampfer„Senator Sthamer" bereits quer vor seinem Schiffe liegen. Schnell wurden die Luken zum Fischraum des„Seestern“ aufgemacht und festgestellt, daß der Raum noch trocken war, wonach das Kollisionsschott nicht beschädigt zu sein schien. Der Kapitän des„Seestern“ ließ sein Boot fertig machen und forderte den Dampfer„Senator Sthamer“ auf, bei ihm zu bleiben, da er versuchen wolle, den„Seestern“ und seine wertvolle Fischladung mit eigener Kraft in den Hafen zu bringen. Die Maschine des„Seestern“ ging zunächst mit„halber Kraft“ an, doch mußte, weil das Schiff den Kopf zu sehr wegsteckte, die Fahrt auf„langsam“ herabgesetzt werden. Auch hierbei fand ein erhebliches Durchbiegen und Nachgeben des Schottes an den Seiten statt, so daß der Fischraum sich allmählich mit Wasser Pumpen wurden in Gau füllte. Die Pumpen wurden in Gang gesetzt, konnten aber das eindringende Wasser nicht bewältigen. Gegen 10 Uhr abends entschloß sich der Kapitän des Geestemünder Dampfers, einen Teil seiner Mannschaft sicherheitshalber an den„Senator Sthamer“ abzugeben; fünf Mann wurden auf Signal vom Boote dieses Dampfers abgeholt. Gegen 1 Uhr nachts teilte der„Senator Sthamer“ mit, daß er sein Boot, das er an der Fangleine achteraus gefiert hatte, verloren habe. Kapitän Edler vom„Seestern“ gab nunmehr dem Wunsche seiner noch an Bord befindlichen Leute nach und fuhr mit dem eigenen Boote nach dem„Senator Sthamer“ hinüber, der sich wahrend der Nacht in der Nähe des treibenden„Seestern" aufhielt. Am Morgen aber kehrte der Kapitän des„Seestern" wieder an Bord seines schwer beschädigten Schiffes zurück. Der Fischraum des letzteren war jetzt ganz voll Wasser und auch im Maschinenraum standen bereits mehrere Fuß. Kapitän Edler stellte mittels beider Kurrleinen, das sind die starken Drahttaue, an denen die Fischdampfer das Netz über den Boden des Meeres schleppen, eine Schleppoerbindung mit dem Cuxhavener Dampfer her und blieb mit dem Koch, den er ans Steuer stellte, an Bord des Schiffes, während das Boot zum Abholen bereit gehalten wurde. Beim Anschleppen des Senator Sthamer“ setzte der „Seestern“ den Kopf aber so weit weg, weilen an Bord nicht ratsam erschien. ein längeres Verder„Seestern“ wurde zu regieren, und nach Verlauf von einer Viertelstunde ging es mit dem Kopf vorauf in die Tiefe. Das Bremerhavener Seeamt, das aus einem richterlichen Vorsitzenden und vier schifjahrtskundigen Beisitzern bestand, sprach den Bemühungen des wackeren Kapitäns, seinen Fischdampfer zu retten, die höchste Anerkennung aus. Aus welchem Holz diese Geestemünder und Bremerhavener Fischdampferleute geschnitzt sind, zeigt auch folgender kleiner Vorfall, der in diesem Sommer im Geestemünder Krankenhaus passiert ist. Der Fischdampferkapitän W..... sollte einer Krampfaderoperation unterzogen werden, und da es nicht gelang, den starken Mann zu chloroformieren, wurde die Operation ohne Betäubung vorgenommen. Bei dem schmerzhaften Vernähen der Wunde sagte der Arzt, um den Patienten abzulenken und zu beruhigen, bei jeder neuen Nade!:„So, nun noch eine kleine Nadel.“ Beim siebenten oder achten Male konnte der wackere Arbeier, ugmiett für ente Zeilung! W K noch heute Begräbnis Leopolds II. von Zeigien im Biotophon-Theater und das Festprogramm zu sehen. 7372 Stets nur erstklassige Darbietungen. u Mittwoch, den 29. Dezember, abends 6½ Uhr, in der„Centralhalle“, Kaiser=Wilhelms=Platz: Oeffentliche Telanarbeiter-Versummans. Tagesordnung: 7358 Musen und Heideblümchen im Kampfe gegen die Arbeiterorganisationen. 9“ Heren Göicke. Referent: Kollege Severing. 2. Freie Diskussion mit unbeschränkter Redezeit. Herrn Oberbossel ist schriftlich Mitteilung gemacht worden, daß er und andere Mitglieder der christlichen Gewerkschaften ganz besonders eingeladen sind. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. Künstliche Zähne# mit und ohne Gaumenplatte. 5819 Plombieren und Zahnoperationen schmerzlos. Behandlung von Krankenkassen-Mitgliedern. I. V. pralht. Zchet.„Verforderstr., /3 Mäsige Preiss Beguene Zahlung erhellen Sie durch die Glanz=Reflexe Ihres Schuhwerkes, wenn Sie dasselbe mit Gentner's Wichse behandeln.— Wenige Bürstenstriche, einen prächtigen Glanz. Schutzmarke. Fabrikant:(7359 Carl Gentner, Göppingen. Neu erschienen: * Führr Tachthans. Lebenserinnerungen Wer die„Volkswacht“ unterstützt,* von den Leserinnen und Lesern der„Volkswacht“ unterstützt zu werden. Sepp Oerter. Preis 1 Mark. Porto nach auswärts 10 Pfg. Zu haben in der Buchhandlung„Volkswacht“. Nachruf. Am Sonnabend starb beim Militär nach kurzem, schweren Leiden unser treues Mitglied, der Metallarbeiter Emil John Wegen Ueberlastung der Angestellten der Friedhöfe durch die bisher an den Sonntagen in unverhältnismäßig großer Zahl vorgenommenen Beerdigungen dürfen von jetzt ab an Sonntagen nur noch die Leichen der am Donnerstag verstorbenen Personen beerdigt werden. Die Beerdigung hat im Sommer bis 5 Uhr, im Winter bis 4 Uhr nachmittags zu erfolgen. 7208 Bielefeld, 18. Dezember 1909. Der Magistrat. mit guter Handschrift für Kontor und Magazin zu Ostern oder früher von hiesigem Fabrikgeschäft. Offert. unter L. G. an die Exped. d. Bl.(7370 Gerstenlschret garantiert rein 7209 billig zu haben bei Otto Lorentz Herforderstrasse. Kleine Anzeigen. Jedes Wort kostet nur 2 Pfg., in dac Worte mit mehr als 15 Buchstaben der feiten Ueberschrift 10 Pfg. X werden doppelt gerechnet. Anzeigen unter dieser Rubrik werden nur bei Vorausbezahlung angenommen. Heute billiger Tag in Harms Kino mit Riesen=Spiel= und Musikprogramm. Entree 20 u. 30 Pfg., Kinder die Hülste. 7376 5899 Verkobte finden die allergrößte Auswahl in Küchen, Schlafzimmern und Wohnzimmern allerneuster Modelle im Möbelhause von F. Mertens, Jahnsplatz. Eigene Tischler=, Maler= und Polsterwerkstätten. Besichtigung ohne Kaufzwang. Lieferung frei. Preise konkurrenzkos billig. 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Die Beerdigung findet am Mittwoch, 29. Dezember, nachmittags 2½2 Uhr, vom Trauerhause, Göthestraße 38, aus statt. Am 2. Weihnachtsfeiertag verschied plötzlich infolge Herzschlages mein innigst geliebter Mann, unser treusorgender Vater, Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Horstbrink im 46. Lebensjahre.— Dies zeigen mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an(7361* Auguste Horstbrink geb. Mergelkuhl, Emil Horstbrink, Walter Horstbrink. Bielefeld, den 27. Dezember 1909. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. Dezember, nachm. 2½2 Uhr, vom Trauerhause, Hallerweg 66a, aus statt. Nachruf. Am 2. Weihnachtsabend 11 Uhr verschied unerwartet am Herzschlag unser treuer Freund und Mitarbeiter Friedrich Derselbe hat 17 Jahre den Posten des 2. Schriftführer unserer Kasse gewissenhaft und eifrig bekleidet, und war uns stets ein lieber Kollege.— Wir werden ihm allezeit ein ehrendes Andenken bewahren und widmen ihm ein: Ruhe sanft!— Der Vorstand der Zuschuß=Zasse für die Arbeiter der Zielefelder Maschinen=Fabrik vorm. Fürkopp& Co. 7374* Nachruf. Am 2. Weihnachtsabend 11 Uhr starb unerwartet infolge Herzschlag unser lieber und langjähriger Mitarbeiter, der Bohrer Friedrich Horstbrink im Alter von 45 Jahren nach 26 jähriger Tätigkeit im Betriebe. Sein aufrichtiger Charakter und angenehmes Wesen sichern ihm ein bleibendes Andenken. 7375“ Zeine Mitarbeiter der Firma Bürkopp& Co., Obteilung Jaal 1. Abonnementöhrei für Bielefeld und Umgege wie bei sämtlichen Agentur ins Haus gebracht 60 Pfg. lich. Durch die Post# 1.80 Mk. vierteljährlich e Bestellgeld. Einzelnummer 10 Pf Erscheinungstage mit Ausnahme der Sonn Feiertage täglich nachmitt Fernsprech=Anschluß Nr. ∆ 2 Nr. 303. Die heutige 9 Zur Lage Der feierlichen beru zierung vom 14. Dezem am 20. Dezember eine Mukden folgen, in dem durch öffentliche Bekann Ortschaften die Gerüchte i zu dementieren und zur liches zu tun. Da auch liche„beruhigende“. Erl glauben können, daß im nung gebracht worden sei fort, jeden Tag neue„be Man weiß nicht nur Japaner, von einer Uel visten in der Mandschur sammenstößen hald zwisch Russen oder Japanern: tümliche aber dabei ist, ebensowenig Glauben so der Regierung, man glau nahen Krieges, wie a lichen" Beziehungen in eben die„gut informiert Wremja“ ist, die am n breitet, zeigt, daß diese E Regierung verbreitet Wremja“ und die friedl nur verschiedene Mittel gierung. Der plötzliche: peinliche Ungewißheit in gerufen: ob eine russe Strömung in Japan die bekannt als entschiedener Er war nämlich der Ver friedliches russisch=japanis frage. Die Reise des ru nach Charbin und seine: endgiltigen Entscheidung lantet, waren beide sogar gehaltenen Vertrag zu un jetzt aus Charbin ein M kauer Zeitung„Utro Ross der Mandschurei— zuer „Einflußzonen" beider E Annexion der abgegre kulturelle und politische wünscht wie für Rußland. Chinas nur unter Mit mehrerer Großmächte stat den diese„Förderer" der wirtschaftlichen und politi Zeitung ist bestimmt, die russischen Großhandels Jopan könnte von großen in der Mandschurei und Durch solche Vereinbarun Schienenwege in der Ma „Die Engländer und Deu gnügten sich nicht damit, führen, sie fangen vielmehr Gegenden einzuführen und lichen Teil der Mandschur Das Blatt betrachtet Standpunkt des russischen für ein Zusammengehen m des geplanten Vertrages so seit, dem japanisch=chinesisc Chinas alle möglichen Hin Zweifel. Daß Japan den nicht mehr als gefährliche Schwächung Chinas auszu wird Rußland kleinere K machen, damit es sich nicht auch der Südmandschurei handelt sich somit wenigster Krieg zwischen Rußland u Gefahr“, um ein chinesischsendern im Gegenteil ume China, das unter Umständ Selbstverständlich wird sichen, Rußland auch für d Frieden von Portsmouth d die die militärische Macht 9 tellen. Nur im Falle, de Friedensvertrag von 1905 andern, kann es wirklich Krieg kommen. Aber für wäre ein Krieg zu verhä Wünschen Japans nachkon China suchen, ein Versuch, wird. Die Frage ist nur, japanischen Pläne in Chin China neulich gegen dos gebieten erhoben hat, bewei alles gefallen zu lassen. znergische Unterstützung be Diplomatie. Amerika und Japan und Rußland bestrel vicklung Chinas zu förder m China zu erlangen und: ##. verhindern. Das Zöger Amerika und Deutschland z1 nehmen, daß für die nächst kexion Koreas begnügen wir leine Hindernisse bereiten gegen wird man voraussick bhaften Wünsche der Hand lefreise. und Handelsrreise.